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Nr. 32 Herbst 2021 Preis 3,00 €
Lisdorfer Schifferdynastie
ab S. 5
Aus der Saarstraße
ab S. 15
Mulitmedia-Seite
ab S. 51
Suche nach Ludwig Jenner
ab S. 34
Das Lisdorfer Treidelschiff Walhalla der Familie Welsch im Jahr 1925
Inhalt
Historisches
• Das Lisdorfer Treidelschiff Walhalla 4
• Die Lonsdorfer-Schifferdynastie 5
• Familie Risler und "Der Ecken" 15
• Geschichten um das Gasthaus Lorenz Kneip 22
• Kirchliches Tauschgeschäft 29
• Johann Lonsdorfer aus Lisdorf 30
• Ein Spross der großen Lisdorfer
Lonsdorfer-Familie 36
• Vor mehr als 125 Jahren -
Wehrführer der Feuerwehr Lisdorf 40
• Matthias Lonsdorfer 46
Aktuelles
• Renate Dittgen - Neues Mitglied im VHL 27
• Heimatverbunden 28
• Große FahrradKinderDemo 31
• Die Multimedia-Seite 51
Lisdorfer Mundart
• Saarlandkarte in Platt 37
• Èt és Herbscht 48
Interessantes
• Langjähriges VHL-Mitglied ist erste Regiments-
Kommandeurin in Rheine an der Ems 25
• Meine familiäre Beziehung zur Familie
Lonsdorfer in Lisdorf 32
• Gestohlene Erinnerungen zurückgeben 34
• Das grüne Band 42
• 100 Jahre Friedhof Neue Welt 44
• Warum wird die Feldstraße in Lisdorf
"Bloogass" genannt? 45
• Mutter sein - heute und vorgestern 49
• Der Löwenzahn - eine Lisdorfer Spezialität 54
Vereinsleben
• Notizen aus dem Heimatverein 39
• Lisdorfer Kulturleben wieder gestartet 56
• Rodena Heimatkundeverein Roden e.V. 58
Rätsel 21
Mitgliedernachrichten 50
Impressum
Herausgeber: Verein für Heimatkunde Lisdorf e.V., Im Fischerfeld 39, 66740 Saarlouis.
Redaktion: Georg Jungmann (verantwortlich), Herbert Germann, Heiner Groß, August Balthasar, Harald Weiler, Christine Hawner.
Fotos: Harald Weiler, Archiv VHL, privat, Anneliese Marschibois geb. Schwickert; Lektorat: Karl Schneider und Dr. Franz J. Klein.
www.heimatkunde.lisdorf.de
Druck: Krüger Druck + Verlag, Handwerkerstraße 8-10, 66663 Merzig.
Bankverbindungen: Kreissparkasse Saarlouis IBAN: DE26 5935 0110 0074 3008 80,
Vereinigte Volksbank eG Saarlouis - Losheim am See - Sulzbach/Saar IBAN: DE21 5909 2000 6721 7502 03.
Bezugspreis: 3 EUR je Heft, Vereinsmitglieder erhalten es kostenlos.
Namentlich gekennzeichnete Artikel geben die Meinung des Verfassers, nicht unbedingt der Redaktion, wieder.
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Herausgebers.
Vorwort 3
Lisdorfer Persönlichkeiten
• Urkundenvergabe für 40 Jahre Mitgliedschaft
beim Volksbund 14
• Der Heimatkundler und Bio-Gemüsegärtner
Roman Denis 55
• Verdienstvoller Ehrenamtler Hans Podewin
verstorben 59
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Liebe Heimatfreundinnen,
liebe Heimatfreunde,
wir nähern uns langsam wieder der Normalität. Zahlreiche Corona-Einschränkungen sind zurückgenommen worden.
Restaurant- oder Museums- und Theaterbesuche sind wieder möglich. Geimpfte oder Genesene können sich wieder
ohne Einschränkungen treffen.
Daher haben wir uns im Vorstand entschieden, erste Veranstaltungen noch in diesem Jahr durchzuführen. Der
Mundartnachmittag am 31. Oktober und die Weinprobe im Weingut Schmitt-Weber in Perl am 13. November sind
die lang ersehnten ersten„Nach-Corona-Aktivitäten“ unseres Vereins. Für das kommende Jahr planen wir nun auch
wieder einige Fahrten und Exkursionen; so wollen wir in die Biosphärenregion Bliesgau und nach Lothringen fahren,
weitere Fahrten werden folgen.
Im kommenden Jahr wird Lisdorf, das bekanntlich erstmals 911 urkundlich erwähnt wurde, sein 1111-jähriges Jubi-
läum feiern können. Erste Gespräche, wie wir das Festjahr begehen wollen, haben bereits stattgefunden. Jetzt treffen
wir uns mit den Vereinsvertretern, um alle Vereine in dieses Jubiläum mit einbinden zu können. Bereits jetzt ist vor-
gesehen, am Kirmeswochenende vom 5. bis 8. August 2022 die zentralen Feierlichkeiten zu begehen.
Mit dem vorliegenden Heimatblatt ist es uns wieder gelungen, viele interessante Artikel und Beiträge zusammenzu-
tragen, die sicherlich Ihr Interesse finden werden. Vor allem dem Thema Lisdorfer Saarschiffer haben wir den Schwer-
punkt dieser Ausgabe gewidmet. Berichte über das Treidelschiff Walhalla oder die Lisdorfer Schifferdynastie Lons-
dorfer sind ebenso interessant wie die über den Gasthof Risler und das Gasthaus Lorenz Kneip, beide in der heutigen
Saarstraße gelegen. Warum die heutige Feldstraße auch„Bloogass“ genannt wird, wollen wir ebenso beleuchten wie
einige Episoden aus der 200-jährigen Geschichte unserer Feuerwehr. Neben zahlreichen weiteren geschichtlichen
Besonderheiten haben wir auch aktuelle Themen behandelt. So beleuchtet Andrea Jacob zusammen mit ihrer Mut-
ter und Großmutter die Unterschiede„Mutter sein - vorgestern und heute“; Herbert Germann startet eine Serie, die
wir in den nächsten Ausgaben fortsetzen werden, über den richtigen Umgang mit dem Computer, und wir berichten
von unserem langjährigen Mitglied Dr. Mascha-Christine Groß, Schwiegertochter unseres Ehrenvorsitzenden Heiner
Groß, die im Dienstgrad Oberfeldarzt als erste Kommandeurin des Sanitätsregiments in Rheine von der Bundesver-
teidigungsministerin persönlich im Rahmen eines Appells in Dienst gestellt wurde. Weitere interessante Berichte
über„das grüne Band“, Lisdorfer Persönlichkeiten und über eine Saarlandkarte in Platt runden diese interessante und
bunte Ausgabe des Heimatblattes ab.
Auch in dieser Ausgabe ist es uns wieder gelungen, viele Interessante Artikel und Beiträge zusammenzutragen, dazu
die sehr guten Mundartbeiträge unserer Dichterinnen Marianne Faust und Elisabeth Jacob versprechen kurzweilige
Unterhaltung.
Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen und vor allem, bleiben Sie gesund!
Ihr
Georg Jungmann
Vorsitzender
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Das Lisdorfer Treidelschiff Walhalla
der Familie Welsch im Jahr 1925
Von Harald Weiler
Auf dem Titelbild unserer aktuellen Ausgabe des
Heimatblattes ist das Schiff Walhalla der Schifferfami-
lie Welsch/Luxenburger als Schleppschiff abgebildet,
im Zustand des Jahres 1925. Personen von links nach
rechts: die Geschwister Victor Welsch (1907-1966),
Maria Welsch (verheiratete Kleber, 1903-1989), deren
Mutter Maria Welsch geb. Lonsdorfer (1871-1946),
Schiffseigner Jacob Welsch junior (1898-1959). Nicht
auf dem Bild sind deren Vater Jacob Welsch senior
(1867-1928), die Tochter Katharina Welsch (1900-1979,
verheiratete Schmitt, Mutter von Theresia Schmitt, ver-
heiratete Follert) und Sohn Adolf Welsch (1905-1944).
Das Foto wurde uns zur Verfügung gestellt von Katha-
rina Novaczyk (Tochter von Maria Welsch, Oftersheim)
und ist das älteste bisher bekannte Bild eines Lisdorfer
Schiffes.
Auf dem Bild links erkennt man den bordeigenen Pfer-
destall und den bei Leerfahrt demontierbaren Hebe-
kran für die schwere, aufliegende Pferdepritsche, über
die Pferde in den Stall oder an Land gebracht wurden.
Rechts ins Bild ragt der Helmstock (Ruder-Steuerhebel)
hinein; das Schiff hatte zu dieser Zeit noch kein Ru-
derhaus. Unterhalb der Personen erkennt man die
Schiffswohnung (zwei Fenster und kleine Gaube, auf
der Jacob sitzt) sowie zwischen den beiden Frauen den
Schornstein des Küchenofens.
Die Walhalla lief 1914 vom Stapel auf der Werft der Ge-
brüder „Van Geldern“ in Deest (Holland) und war von
gleicher Bauart wie die im Heimatblatt 31 beschriebe-
ne Germania der Familie Lonsdorfer: Schleppschiff mit
Stahlrumpf, Abmessungen 38,5 x 5 Meter, Ladekapazi-
tät 312 Tonnen bei 2,10 Meter Tiefgang. Erster Schiffs-
eigener war der Schiffer Josef Jacob Welsch senior
(1867-1928), verheiratet 1898 mit Maria Lonsdorfer
(1871-1946), einer Schwester der Schiffer Anton und
Nikolaus Lonsdorfer aus der Lisdorfer Kirchenstraße 7.
Zweiter Eigner war dessen Sohn Jacob Welsch junior
(1898-1959), verheiratet 1950 mit Barbara geb. Amann
verw. Luxenburger (1909-1969). Nach Jacobs Tod 1959
ging das Schiff über an Barbara und nach deren Tod
1969 an Barbaras Sohn Kurt Luxenburger (1940-2021)
und dessen Ehefrau Silvia geb. Martini (*1948). Das
Schiff wurde 1962 umgerüstet zu einem Motorschiff
und 1972 verschrottet, als die Familie Luxenburger das
Motorschiff Wallhall (ohne a) erwarb.
Über das Schicksal dieses Schiffes und vieler anderer
Schiffe und Schifferfamilien werden wir berichten in ei-
ner großen Druckschrift, die der Verein für Heimatkun-
de im Herbst 2022 herausgeben wird. Dank der mus-
tergültigen Mitarbeit vieler Schifferfamilien in unserem
Raum können wir dann eine umfassende Dokumen-
tation herausgeben über einen ehemals blühenden
Berufszweig, der nach dem Tode des letzten Lisdorfer
Schiffers Kurt Luxenburger in Lisdorf erloschen ist.
Ebenso werden wir im Juli 2022 eine bebilderte Son-
derausgabe des Lisdorfer Heimatblattes herausgeben
zum früheren Güter- und Personennahverkehr im
Raum Saarlouis anlässlich des 125. Jahrestages der
Eröffnung der Kleinbahnstrecke Ensdorf-Lisdorf-Saar-
louis-Wallerfangen am 29. Juli 1897. Auch hier laufen
die redaktionellen Arbeiten mit Hochdruck.
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Nikolaus Lonsdorfer und Elisabeth geb. Werner im Jahre
1936
Die Lonsdorfer-Schifferdynastie
Die Wurzeln der Familie Lonsdorfer lassen sich zurück-
verfolgen bis in die Zeit des Saarlouiser Festungsbaues.
In der Familie gab es nicht nur Schiffer, es waren alle
Berufssparten vertreten, darunter auch der deutsche
Konsul in Kairo Nikolaus Lonsdorfer oder die Stadträtin
Mary Lonsdorfer. Der Stammbaum beginnt mit Mat-
thias Lonsdorfer (*vor 1660, +13.1.1715 Lisdorf) aus
Longstroff in Luxemburg und seiner Ehefrau Margare-
tha Holdinger (*1660 Trier, +1721 Lisdorf). Matthias
kam gegen 1680 zuerst nach Wadgassen und zog nach
der Heirat 1684 zunächst um in die Festung Saarlouis.
Dort war Matthias im Jahr 1707 für ein Jahr gewählter
Bürgermeister. Etwa 1710 zogen sie um nach Lisdorf
und dort erwarb die Familie in der heutigen Schmitt-
straße ein Grundstück. Das Paar hatte 15 Kinder (6
Jungen, 9 Mädchen), aber von den Söhnen erreichte
nur Sohn Johann das Erwachsenenalter.
Sohn Johann Lonsdorfer (1686-1758) verheiratete sich
zweimal, mit Anna Katharina Hoffmann und Katharina
Emanuel. Aus der ersten Ehe entstammte der Sohn
Johann Valentin (*1719), vh 1741 mit Margaretha Maria
Klein, aus der zweiten Ehe mit Katharina entstammte
der Sohn Ludwig Lonsdorfer (* 1747), der sich ins-
gesamt dreimal verheiratete, mit Maria Rupp, Anna
Katharina Theobald und Margaretha Rullang.
Ludwig und Valentin wurden die eigentlichen Stamm-
väter der Schifferfamilien mit dem Namen Lonsdorfer,
deren Vertreter noch heute in unserem Raum, aber
auch in Lothringen und im Elsass, in Deutschland und
Europa, sogar in Australien und in den USA wohnen.
Ludwigs Nachkommen verzweigen sich in zwei Linien,
die aus den beiden ersten Ehen resultieren:
1. Ehe mit Maria Rupp (1745-1778),
2. Ehe mit Anna Katharina Theobald (1750-1790).
Der vollständige Stammbaum der Familie wird später
in unserer geplanten Dokumentation über die Schiff-
fahrt in unserem Raum dargestellt; er ist zu umfang-
reich für diesen Beitrag.
Erstmals aktenkundig wurden die Lonsdorfers bereits
vor über 200 Jahren in einem Protokoll der franzö-
sischen Zollverwaltung in Saarlouis von 1814: laut
Protokoll wurde die Schiffseignerin Witwe Elisabeth
Longstroff mit einer Geldbuße belegt (vermutlich
wegen Schmuggels). Es handelte sich um Maria Elisa-
beth geb. Amann (1774-1856), die Witwe des Schiffers
Johann Lonsdorfer (1768-1805).
Eine weitere Spur in der Lisdorfer Geschichte hinter-
lässt die Familie Lonsdorfer mit dem Schifferkreuz an
der Ecke Groß-/Kirchenstraße, das an der vorderen lin-
ken Ecke des Hauses Großstraße 49 steht. Es wurde laut
Inschrift aus dem Jahr 1866 für verunglückte Schiffs-
leute aus Lisdorf errichtet von dem Lisdorfer Schiffer
Conrad Lonsdorfer (1823-1871) und seiner zweiten
Ehefrau Anna Daub (1828-1906), die er im Jahr 1862
ein Jahr nach dem Tode seiner ersten Ehefrau Margare-
tha Kneip (1816-1861) geheiratet hatte. Nur der untere
Teil des Denkmals ist noch original erhalten. Durch
Kriegseinwirkungen in den Jahren 1944/45 wurde der
obere Teil des Kreuzes zerstört und ist danach wieder
erneuert worden. Der genaue Hintergrund für die Er-
richtung des Denkmals ist unbekannt; Unglücksfälle in
Conrads Familie konnten wir bisher nicht ermitteln.
Die Lisdorfer Schiffer Nikolaus, Anton und Maria
Lonsdorfer begründeten drei Schifferfamilien, die über
drei Generationen Europas Wasserstraßen befuhren.
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Hannelore Salm geb.
Lonsdorfer
Michael Lonsdorfer
(als Soldat in Russ-
land)
Schifferfamilie Lonsdorfer – Salm
Nikolaus Lonsdorfer (1866-1937), vh. 1896 mit Eli-
sabeth Werner (1875-1960) und Anton Lonsdorfer
(1874-1965), vh. 1898 mit Maria Werner (1877-1963),
begründeten zwei große Schifferfamilien, über die wir
noch berichten werden.
Ihre Schwester Maria Lonsdorfer (1871-1946) war
verheiratet seit 1898 mit dem Schiffer Jacob Welsch
senior (1867-1928) und begründete eine weitere dritte
Schifferfamilie, deren bekanntestes Mitglied Viktor
Welsch (Saargold) war.
Anton erreichte ein hohes Alter, er überlebte seine
Geschwister Maria und Nikolaus um 19 bzw. 28 Jahre.
Alle drei stammten aus der Kirchenstraße 7 in Lisdorf.
Elisabeth und Maria Werner stammten aus Wasserbillig
und waren Schwestern. Ihre Nachfahren Erwin und Jo-
hann Anton Lonsdorfer (Rufname Hans) fuhren bis zum
Sommer 2021 noch zu Schiff. Hans hat inzwischen den
Betrieb eingestellt, sein Schiff verkauft und ist in Rente.
Über das Schicksal des Schiffers Kurt Luxenburger, ein
Stiefsohn des Schiffers Jacob Welsch junior, haben wir
bereits in Ausgabe Nr. 29 berichtet, ebenso in Aus-
gabe Nr. 31 über die Familie des Nikolaus Lonsdorfer
und den Schiffer Klaus Lonsdorfer mit seinem Schiff
Germania. Zwei weitere Mitglieder der Lonsdorfer-
Schifferfamilie haben uns ihr Leben auf einem Binnen-
schiff geschildert. Wir haben es niedergeschrieben und
berichten nun davon.
Anton Lonsdorfer und Maria geb. Werner im Sommer 1963
zur Zeit ihrer Eisernen Hochzeit (65 Jahre); Maria verstarb
drei Monate später
Zur Familie Lonsdorfer gehört auch die Schifferin
Hannelore Salm geb. Lonsdorfer, eine Enkelin der
Lisdorfer Schiffer Anton Lonsdorfer und Maria Werner.
Ihre Eltern waren:
Michael Lonsdorfer (1911-1991,
ein Sohn von Anton Lonsdorfer)
und Johanna Scheuer (1912-
1993, Bild nächste Seite).
Das Paar hatte drei Kinder:
Die Töchter Hannelore und Hei-
demarie und Sohn Hans.
• Tochter Hannelore, Schifferin
(*1939 Malstatt), vh. seit 1964
mit Horst Salm (*1941, Sohn
von Willi Salm und Sophie
Meiers aus Saarburg), wohn-
haft zurzeit in Grosblieder-
stroff.
• Tochter Heidemarie (*1943), vh. 1961 mit Elmar Wei-
des (*1939), lebt aktuell in Saarbrücken, fährt nicht zu
Schiff.
• Sohn Hans (eigentlich Johann Anton, *1953, Schiffer)
und Lebensgefährtin Ute Sparschuh (*1963) fuhren bis
zum Sommer 2021 in Nordwestdeutschland mit dem
Schiff Queen 2 und gingen dann in Völklingen in den
Ruhestand.
Michael Lonsdorfer im Jahr 1966 mit Enkelin Elisabeth Weides
vh. Scholz und Enkel Horst Michael Salm auf dem Arm, dahinter
stehend Johanna, rechts daneben Heidemarie vh. Weides und
Hannelore vh. Salm
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Von der Schifferin Hannelore Lonsdorfer liegt uns ein
Bericht vor über ihr mehr als ein halbes Jahrhundert
währendes Leben (1953-2009) auf Binnenschiffen, den
wir nun wiedergeben:
Ihre Kindheit verbrachte sie bis
zum August 1940 in der Evakuie-
rung in Thüringen. Nach der Rück-
kehr gingen Johanna und ihre
Tochter Hannelore zu ihren Groß-
eltern Johann Scheuer und Jose-
fine geb. Acker auf die MS Aetna.
Bis nach der Geburt der Schwester
Heidemarie 1943 verblieben sie
auf dem Schiff, danach gingen sie
an Land, da wegen der zunehmen-
den Luftangriffe der Aufenthalt
auf Schiffen immer gefährlicher
wurde. Im Jahr 1944 folgte die
zweite Evakuierung in den
Raum Kassel, 1945 die
Rückkehr. Auch Vater Mi-
chael wurde bereits 1945
aus russischer Gefangen-
schaft entlassen. Die Fami-
lie wagte nach dem Krieg
einen Neuanfang mit den
Schleppschiffen Lioba und
dem Holz-Schleppschiff
Hansi und zuletzt mit dem
Schiff Caritas, bis Michael
und Johanna in Rente
gingen.
Ihre Schulzeit verbrachte Hannelore zusammen mit
vielen anderen Schifferkindern aus der Verwandt-
schaft in St. Arnual. Sie waren untergebracht bei den
Großeltern Johann und Josefine Scheuer und nicht in
einem Kinderheim. Nach der Schulentlassung 1953
ging sie auf das Schiff ihrer Eltern, damals die Hansi,
und lernte dort die ersten Grundzüge des Schiffer-
handwerks. Später, um 1956, erwarben die Eltern das
Schiff Caritas, das vorher bereits den Schiffern Karl
Momper und Friedrich Lück gehört hatte. Sie fuhr
noch mit ihren Eltern auf der Caritas, zeitweise noch
mit Cousine Wilma Scheuer. 1959 ging sie wieder an
Land zu den Großeltern.
Im Jahr 1964 heiratete sie den Schiffer Horst Salm aus
Saarburg, Sohn der Schiffer Wilhelm Salm und Sophie
Meiers aus Saarburg, und ging als Schifferin auf das
Schiff Mignon. Hannelore erwarb insgesamt sechs
Patente für Holland/Belgien, Frankreich, Deutschland,
Mittellandkanal, Mosel und Grand Canal d'Alsace, alles
abgeschlossen durch einen Erste-Hilfe-Lehrgang und
Mit Mutter Johanna
1940
Großeltern Johann Scheuer
und Josefine geb. Acker
die Funkprüfung in Frank-
reich. Damit war sie zur
Führung von Motorschiffen
unbeschränkt berechtigt
und sie steuerte selbst
Schiffe. Im Jahr 1966 wurde
Sohn Horst Michael gebo-
ren; er absolvierte eine voll-
ständige Ausbildung auf
der Schifferschule und fuhr
noch zwei Jahre auf der Mi-
gnon mit, dann orientierte
er sich jedoch anders und
ging zu den Stadtwerken
Saarbrücken.
Hannelore und Horst fuhren zuerst die Mignon (Bild
oben), die 1924 auf der Werft der Gebrüder Saar in
Rockershausen für die Schifferfamilie Werner aus
Saarburg gebaut worden war. Später kaufte Horsts
Vater Willi das Schleppschiff. Im Jahr 1964, nach der
Eheschließung, gingen die Eltern an Land und Horst
und Hannelore übernahmen das Schiff. Im ersten
Halbjahr 1965, direkt nach der Alda (erster Eigner
Adolf Welsch aus Lisdorf, +1944) unter ihrem damali-
gen Eigner Klaus Schramm, wurde das Schiff auf der
Werft Leffer in Luisenthal mit einem Kostenaufwand
von 40.000 DM modernisiert und motorisiert mit
einem Henschel-Dieselmotor mit 230 PS und Vier-
flügel-Propeller. Zusätzlich wurde der Laderaum um
30 cm erhöht. Mit den Abmessungen 39 x 5 Meter
stieg die Transportkapazität auf 250 Tonnen bei 1,80
Metern Tiefgang, bzw. 325 Tonnen bei 2,20 Metern.
Hannelore im Steuerstand
der Mignon
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Später erhielt die Mignon noch eine neue Schiffswoh-
nung hinter dem Laderaum,„Roof“ genannt. Bei neun
Metern Länge war die Wohnung 45 m² groß, hatte zwei
Schlafräume, ein Wohnzimmer, Küche und Bad mit WC
und auf jeder Seite drei Fenster.
Im Jahr 2000 wurde die Mignon nach Straßburg ver-
kauft, wo sie heute als Wohnschiff am Rheinufer vor
der Antwerpener Brücke liegt.
Horst und Hannelore, damals fast 60 Jahre alt, erwar-
ben kein neues Schiff mehr, sondern fuhren von 2000
bis 2009 als Setzschiffer die Fortuna.
Die Fortuna gehörte vorher Nikolaus Scheuer (1915-
1978) bis zu seinem Tode und wurde dann verkauft an
die Werft Wirotius in Hanweiler. Dort liegt die Fortuna
heute auf der Saar vor Anker
Im Jahr 2009 gingen Horst und Hannelore in Rente, Han-
nelore war zu diesem Zeitpunkt 70 Jahre alt.
Wie für viele andere Schiffer hatte auch für sie das
Schifferleben nicht nur schöne Seiten. Das unbere-
chenbare Wetter, Pech oder Unglück setzen den Schif-
fern bisweilen erheblich zu:
Strenger Frost hielt die Mignon öfter im Eis fest und
sorgte für Verdienstausfall.
Eine Kollision in Paris 1965/66 brachte einen langen
Aufenthalt auf der Werft und auch ein Defizit in der
Kasse.
Blick ins Wohnzim-
mer der Mignon,
ca. 1978
Sohn Horst Michael Salm, daneben Schulfreund Patrick
Buch auf der Mignon
MS-Fortuna; rechts auf dem Gangbord der daneben lie-
genden Queen 2 geht Nichte Elisabeth Weides
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An der gefährlichen Stelle in Paris kam nicht nur die
Mignon zu Schaden. Heute ist diese Stelle entschärft
durch eine Verkehrsregelung und auch dank Bordfunk.
Ihr Bruder Hans Lonsdorfer musste mit der Caritas
durch die Mignon freigeschleppt und zur Werft in Vitry-
le-François gezogen werden, nachdem er in der Marne
auf Grund geraten war (Bild links).
Die Mignon nahm die voll beladene Caritas in Schlepp.
Die Mignon war stärker motorisiert und so konnten
beide Schiffe eine höhere Geschwindigkeit fahren (Bild
unten).
An die Zeit der Treidelschiffe erinnert das obige Gemälde:
Es zeigt Michael Lonsdorfer als Halfen (Pferdeführer) mit zwei Pferden und der Caritas als Treidelschiff im
Schlepp vor der Alten Brücke am Saarbrücker Schloss. Der Name des Schiffes ist am Bug deutlich zu erken-
nen. Maler und Datierung sind nicht mehr bekannt, das Bild ist im Eigentum von Hannelore Salm.
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Schifferfamilie Lonsdorfer – Hausen
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Schifferfamilie Lonsdorfer – Hausen
Zur Familie der Lonsdorfers gehört die ehemalige
Berufsschifferin Irmgard Hausen geb. Lonsdorfer. Sie ist
eine Enkelin der Lisdorfer Schiffer Nikolaus Lonsdorfer/
Elisabeth Werner aus der Kir-
chenstraße und eine Tochter
deren Sohnes Adolf (*1901 St.
Johann, +1977 Datteln/West-
falen). Er war seit 1933 ver-
heiratet mit Julia Pets (*1913
Dendermonde-Appels/Bel-
gisch-Flandern, +2003), der
Tochter des Schiffers Petrus
Pets aus Antwerpen und Ehe-
frau Rosalia Natalia Romijns.
Petrus war Kapitän eines
Bugsierschleppers und später
selbst Schiffseigner. 15 Jahre
nach Ende des 1. Weltkrieges
musste Julia wegen ihrer Ehe
mit einem Deutschen viel
ertragen.
Adolf und Julia hatten drei Kinder:
• Alfred, *1934 in Zelzaete (Belgien, Kanal Gent-Terneu-
zen), +2001,
• Irmgard, *1939 in Datteln, 1961, vh. Hausen, lebt aktu-
ell in Koblenz (siehe Heimatblatt Nr. 31),
• Peter, *1954 in Dendermonde, in Rente 2019, lebt in
Brake an der Weser.
Die Eltern fuhren mehrere Schiffe, darunter die Asca-
nia Nr. 1, ein Schiff aus Belgien. Der Vater fuhr damit
vorwiegend in Frankreich, Belgien und Deutschland.
Wie die meisten anderen Binnenschiffe im besetzten
Europa wurde auch die Ascania 1940 in Duisburg-Ruhr-
ort konfisziert. Die Kriegsmarine überführte sie nach
Norwegen, wo sie als Versorgungsschiff fuhr. Das Schiff
war bei Kriegsende noch intakt, es wurde in Norwe-
gen beschlagnahmt und als Kriegsbeute nach Belgien
überführt; das Schiff war damit für die Familie verloren.
Irmgard berichtet dazu:„Ich verbrachte meine frühe
Kindheit in Duisburg-Ruhrort, wo die Mutter einquar-
tiert wurde, nachdem das Schiff beschlagnahmt und
Vater Adolf zum Militär eingezogen worden war. Im
weiteren Verlauf des Krieges verbrachten wir wegen
der häufigen Bombardierungen viel Zeit im Luft-
schutzbunker. Später, nach Rückkehr des Vaters aus
dem Krieg, fuhr die Familie auf etlichen Schiffen zur
Aushilfe, bis mein Vater das Schiff Ilse als Schiffsführer
übernahm.
Auf diesem
Schiff fuhren
wir bis 1954
hauptsäch-
lich auf dem
Rhein, mit
Bims aus An-
dernach auf
Neckar und
Oberrhein.
Von 1947 bis 1954 war ich im Schifferkinderheim„Luisen-
Stephanien-Stiftung“ in Mannheim und verbrachte dort
die Schulzeit. 1954 übernahmen meine Eltern das Schiff
der Schwiegereltern, die MS Ster, wo ich mit meinen
beiden Brüdern an Bord war bis zum Jahr 1957.
Ich erhielt in
Duisburg eine
Arbeitsstelle
und ging an
Land. Doch
das Land-
leben war
nicht meins,
es zog mich
Adolf Lonsdorfer und
Julia geb. Pets
Peter Lonsdorfer
Treidelschiff Ilse 1950
Alfred, Julia Lonsdorfer geb. Pets,
Irmgard Hausen, im Jahr 1989
MS Ster, im Bild vorne
Rosalia Romijns und Petrus Pets
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immer wieder
zurück zum Was-
ser, zunächst also
wieder zurück auf
die Ster. Meine
Eltern und Brüder
fuhren weiter auf
der Ster, danach
noch auf den Schiffen Ascania Nr. 2 und Ascania Nr.
3 bis zur Betriebseinstellung.
Ich selbst
heiratete
im Oktober
1961 den
Saarburger
Schiffer Erich
Hausen,
verließ die
Ster und kam
als Schifferin
auf die Eros, ein 50 x 6,60 Meter großes 500-Tonnen-
Motorschiff, das ursprünglich im Jahr 1929 als
Schleppschiff St. Joseph in Ramsdonkveer (NL) als
Kempenaar-Schiff (Schiffe mit speziellen Abmes-
sungen für die Kanäle im niederländisch-belgischen
Grenzgebiet) vom Stapel gelaufen war. Das Schiff
hatte mein Schwiegervater Friedrich Hausen im Jahr
1957 gekauft und es erhielt den Namen Eros. Später
übernahm es sein Sohn Erich Hausen als selbstständi-
ger Schiffer.
1961 wurde das Schiff in Gendt (bei Lobith nahe
Arnheim) auf 58 Meter verlängert und neu motorisiert
mit einem Deutz-Schiffsdiesel mit 435 PS, die Ladeka-
pazität stieg auf 580 Tonnen.
In der Wohnung auf dem Schiff war alles Notwendi-
ge vorhanden:
Wohnzimmer,
Schlafkammer,
Bad und WC und
eine schmale
Küche. Das Essen
wurde auf einem
Kochherd für
Holz oder Kohle
zubereitet (man
Dieselmotor Hilfsaggregat und die Druck-
luftbehälter (blaue Tanks)
beachte das Kaminrohr am Herd).
Irmgard Hausen berichtet weiter:
„Wir, also mein Erich (Bild links)
und ich (Bild rechts
unten), wir fuhren
für die Reederei
Lehnkering Montan
Transport AG und
transportierten
Kohle von Herne nach Peine.
Zurück fuhren wir mit Stahl,
Spundbohlen usw. von Peine
oder Salzgitter auf den Main,
den Neckar oder nach Hol-
land oder Belgien und von
dort mit Kies oder Futtermit-
teln zurück. Auch befuhren
wir die Mosel und später die Großschiff-
fahrtsstraße Saar, über die wir Metallschrott
zum Hafen Dillingen/Saarlouis transportier-
ten. Eigentlich haben wir alles transportiert,
egal wohin.
Die letzten Jahre transportierten wir fast nur noch
Schwerspat (Mineral des
Metallsalzes Bariumsulfat)
aus der Schwerspatgrube
Sachtleben in Dreislar
(Westerwald) von Dort-
mund nach Duisburg-
Homberg zur Firma Sacht-
leben Chemie GmbH.
Wir mussten auch erfah-
ren, dass das Schifferle-
ben nicht nur schöne Sei-
ten hat: mehrmals lagen
wir in kalten Wintern im
Eis fest oder das Schiff erlitt Schäden durch Kollisio-
nen mit anderen Schiffen, die sich bedingt durch die
langen Bremswege der Schiffe nicht ganz vermeiden
lassen. Wir hatten einen Schaden am Bug auf dem
Rhein bei Leverkusen oder im Jahr 1980 ein verbeul-
tes Heck, nachdem uns ein Frachter hinten aufge-
fahren war. Die notwendigen Reparaturen auf der
Werft bedeuteten einen Verdienstausfall, den niemand
ersetzte. Auch haben die Schiffer Respekt vor dem
Erich Hausen
Irmgard
Hausen
Im Winter 1992 in Wanne-
Eickel
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unberechenbaren Wetter, es ist der Schiffer Freund und
Feind. Ein Schiff meiner Eltern, die MS Ster, sank im Jahr
1962 in einem Sturm auf dem Ijsselmeer in Holland.
Eltern und Besatzung konnten gerettet werden, das
Schiff und die meiste Habe waren jedoch verloren, das
Schiff musste verschrottet werden. Ich selbst war zu
dieser Zeit bereits auf der
Eros und erfuhr davon erst
hinterher.
1992 war für Erich und mich
die Schifffahrt zu Ende. Die
Eros wurde verkauft und
fuhr unter ihrem neuen
Besitzer als MS Steinbeißer
weiter. Wir setzten uns in
Koblenz zur Ruhe und kauf-
ten ein Haus in Koblenz-
Güls. In dieser Zeit lernte
ich auch endlich meinen
Cousin Klaus Lonsdorfer
und seine Frau Maria geb. Lordt kennen, die ehema-
ligen Eigner der MS Germania, und so kamen wir der
Saarschifffahrt näher.
Mein Bruder Alfred blieb ledig
und starb 2001. Mein Bruder
Peter fuhr noch weiter zu
Schiff mit der Ascania, zuletzt
die dritte dieses Namens in
unserer Familie, und ging im
Jahr 2019 in Rente. Das Schiff
wurde verkauft nach Holland
und dann nach Serbien.
Peter Lonsdorfer heiratete
seine langjährige Lebensge-
fährtin Maria Darian (*1954)
und sie ließen sich in Brake an der Unterweser nieder.
Im September 2003 starb meine Mutter Julia mit 90
Jahren bei mir im Haus in Koblenz amTag meines 64.
Geburtstages, sie war damals bereits seit 26 Jahren Wit-
we. Ihr folgte im Jahr 2005 mit 76 Jahren mein Ehemann
Erich. Ich blieb bis 2013 noch in unserem Haus in Güls,
dann verkaufte ich es und bezog eine Eigentumswoh-
nung in Koblenz in der Nähe des Deutschen Ecks.
Meine Schwiegermutter Anna Julia geb. Salm, eine
Tochter des Schiffers Johann Peter Salm (*1864), war ein
Abkömmling der bekannten Schifferfamilie Salm aus
Saarburg, die bereits in napoleonischer Zeit in Wallerfan-
gen und Saarburg nachweisbar ist. 1964 kam unsere erste
Tochter Anita und 1967 die zweiteTochter Iris zur Welt.
UnsereTöchter ergriffen jedoch einen anderen Beruf und
so ging leider im Zweig der Schifferfamilie Salm-Hausen-
Lonsdorfer eine langeTradition zu Ende.
12
unberechenbaren Wetter, es ist der Schiffer Freund und
Feind. Ein Schiff meiner Eltern, die MS Ster, sank im Jahr
1962 in einem Sturm auf dem Ijsselmeer in Holland.
Eltern und Besatzung konnten gerettet werden, das
Schiff und die meiste Habe waren jedoch verloren, das
Schiff musste verschrottet werden. Ich selbst war zu
dieser Zeit bereits auf der
Eros und erfuhr davon erst
hinterher.
1992 war für Erich und mich
die Schifffahrt zu Ende. Die
Eros wurde verkauft und
fuhr unter ihrem neuen
Besitzer als MS Steinbeißer
weiter. Wir setzten uns in
Koblenz zur Ruhe und kauf-
ten ein Haus in Koblenz-
Güls. In dieser Zeit lernte
ich auch endlich meinen
Cousin Klaus Lonsdorfer
und seine Frau Maria geb. Lordt kennen, die ehema-
ligen Eigner der MS Germania, und so kamen wir der
Saarschifffahrt näher.
Mein Bruder Alfred blieb ledig
und starb 2001. Mein Bruder
Peter fuhr noch weiter zu
Schiff mit der Ascania, zuletzt
die dritte dieses Namens in
unserer Familie, und ging im
Jahr 2019 in Rente. Das Schiff
wurde verkauft nach Holland
und dann nach Serbien.
Peter Lonsdorfer heiratete
seine langjährige Lebensge-
fährtin Maria Darian (*1954)
und sie ließen sich in Brake an der Unterweser nieder.
Im September 2003 starb meine Mutter Julia mit 90
Jahren bei mir im Haus in Koblenz amTag meines 64.
Geburtstages, sie war damals bereits seit 26 Jahren Wit-
we. Ihr folgte im Jahr 2005 mit 76 Jahren mein Ehemann
Erich. Ich blieb bis 2013 noch in unserem Haus in Güls,
dann verkaufte ich es und bezog eine Eigentumswoh-
nung in Koblenz in der Nähe des Deutschen Ecks.
Meine Schwiegermutter Anna Julia geb. Salm, eine
Tochter des Schiffers Johann Peter Salm (*1864), war ein
Abkömmling der bekannten Schifferfamilie Salm aus
Saarburg, die bereits in napoleonischer Zeit in Wallerfan-
gen und Saarburg nachweisbar ist. 1964 kam unsere erste
Tochter Anita und 1967 die zweiteTochter Iris zur Welt.
UnsereTöchter ergriffen jedoch einen anderen Beruf und
so ging leider im Zweig der Schifferfamilie Salm-Hausen-
Lonsdorfer eine langeTradition zu Ende.
MS Steinbeißer
Peter Lonsdorfer und
Maria Darian
Zusammen mit dem bekannten Heimatkundler Ger-
not Karge und Prof. Dr. Jean Lonsdorfer, Professor der
Medizin an der Universität Straßburg, sowie dessen
Bruder André, beide Großneffen von Mary Lonsdorfer,
erforschten wir im Oktober 1995 unseren Stammbaum,
beginnend mit unserem Ahnen Matthias aus dem
luxemburgischen Longstroff bis zu meinen Großeltern
Nikolaus Lonsdorfer (1866-1937) aus der Lisdorfer
Kirchenstraße und seiner Frau Elisabeth, geb. Werner
(1875-1960) aus Wasserbillig.
Ich grüße herzlichst alle Lisdorfer Leser dieser Schrift in
der Heimat meines Großvaters Nikolaus, die ich bedingt
durch das Leben auf einem Binnenschiff noch nicht oft
kennenlernen konnte. Nach 1995 kam es erstmals im
Sommer 2020 zu einer kurzen Stippvisite in Lisdorf an-
lässlich eines Besuches am Baumgrab meiner Verwand-
ten Klaus & Maria Lonsdorfer im Friedwald Saarbrücken.
Auch konnte ich noch den letzten Lisdorfer Schiffer Kurt
Luxenburger (+2021) kennenlernen, der mir vorher noch
nie begegnet war.“ Soweit der Bereicht von Irmgard
Hausen.
Zu einem großen Wie-
dersehen kam es am 6.
August 2021. Ein Redak-
tionsteam des Vereins
besuchte in Offendorf
(Elsass) das Musée de la
Batellerie (Museumsschiff
CABRO) des Vereins Cer-
cle amical des Bateliers
reunis d'Offendorf (Prä-
sident Raymond Fried-
mann). Hier kann man
ein altes Binnenschiff von
innen besichtigen und
sich ein Bild machen vom
Besuch im Kreisarchiv Saarlouis am 9. Oktober 1995,
von links nach rechts: Schiffer Klaus Lonsdorfer, Schiffer
Joseph Gless (*1942) aus Offendorf, Irmgard Hausen,
geb. Lonsdorfer, Maria Lonsdorfer, geb. Lordt, Prof. Dr.
Jean Lonsdorfer (*1939), Gernot Karge, André Lonsdorfer
(*1943, Ingenieur, USA, Bruder von Jean Lonsdorfer), Lau-
rent Lonsdorfer (*1966) Arzt, Sohn von Jean Lonsdorfer
Museumsschiff CABRO
13
13
Leben der Berufsschiffer frühererTage. Schiffswohnung
und Motorraum sind im Originalzustand erhalten und
im Laderaum des Schiffes ist ein Schifffahrtsmuseum
eingerichtet.
Ein großartiger Empfang wurde uns dort bereitet durch
die Mannschaft der CABRO und die Gemeinde Offendorf.
Damit hatten wir nicht gerechnet. Die Gelegenheit zum
Studium der Schifffahrt wurde gerne genutzt.
Hannelore und Irmgard sind doppelte Cousinen zweiten
Grades. Großväter von Hannelore und Irmgard waren die
Brüder Anton und Nikolaus Lonsdorfer aus der Lisdorfer
Kirchenstraße, Großmütter waren die beiden Schwestern
Maria und Elisabeth Werner, beide aus Wasserbillig stam-
mend. Die Schifffahrt mit ihren wechselnden Routen
brachte es mit sich, dass sie sich vorher nie begegnet
waren, eine familiäre Eigenheit, die alle Schifferfamilien
kennen. Oft treffen sich Schiffer aus einer Familie nie
oder zufällig fern der Heimat oder aus wichtigem famili-
ärem Anlass.
Der Großvater von Jean war der Lisdorfer Schiffer Johann
Lonsdorfer (1871-1932), der jüngste Bruder von Johann
Adam Lonsdorfer (Gründer der Kohlenhandlung in der
Lisdorfer Provinzialstraße und Vater von Mary Lonsdor-
fer). Johann verheiratete sich im Jahre 1900 nach Saar-
burg im damals deutschen Lothringen und eröffnete
dort ebenfalls eine Kohlenhandlung. Über den Zweig
der Familie Lonsdorfer im Elsass werden wir später noch
gesondert berichten.
Von links : Prof. Dr. Jean Lonsdorfer, Präsident Raymond
Friedmann, Denis Hommel (Bürgermeister von Offendorf),
Paul Gless (ehemaliger Berufsschiffer), Harald Weiler
(Verein für Heimatkunde Lisdorf), Willi Salm (ehemaliger
Berufsschiffer, Saarburg/Speyer)
Die Lonsdorfers, von links: Hannelore Salm, geb. Lonsdor-
fer, Mireille und Prof. Jean Lonsdorfer, Irmgard Hausen,
geb. Lonsdorfer
Die Angaben zu diesem Bericht wurden zusammengetra-
gen von
• Harald Weiler, Vorstandsmitglied des Vereins für Heimat-
kunde Lisdorf,
• Irmgard Hausen, geb. Lonsdorfer (Koblenz), ehemalige
Berufsschifferin, Enkelin der Schiffer Nikolaus Lonsdorfer
und Elisabeth Werner,
• Hannelore Salm, geb. Lonsdorfer (Grosbliederstroff),
ehemalige Berufsschifferin,
Enkelin der Schiffer Anton
Lonsdorfer und Maria Werner,
• Prof. Dr. Jean Lonsdorfer
(Schiltigheim bei Straßburg),
• Brunhilde, geb. Weiten und
Herbert Primm. Herbert war der
letzte Vorsitzende des Verban-
des der Saarschiffer Unitas e. V.
(St. Wendel).
Herbert Primm und
Brunhilde, geb. Weiten
14
14
Heiner Groß aus
Saarlouis-Lisdorf ist
seit dem 01.01.1981
treues Mitglied beim
Volksbund Deutsche
Kriegsgräberfürsorge
e.V. Da er bereits öfter
mit dem Landesver-
band Saar Kontakt
hatte, überreichte der
Landesvorsitzende
Werner Hillen ihm die
Urkunde zu 40 Jahre
Mitgliedschaft persön-
lich.
Beim Gespräch im
Wohnzimmer erzählt
Groß von seinem Vater,
der seit dem Zweiten Weltkrieg in Russland vermisst
wird. Bis heute hat der Lisdorfer die Hoffnung, dass der
Volksbund ihn findet und ihm eine letzte Ruhestätte
gibt. Vor einigen Jahren war Groß mit dem Heimatkun-
deverein Lisdorf, dessen Ehrenvorsitzender er ist, unter
Leitung des LV Saar auf den Schlachtfeldern von Ver-
dun. Die Eindrücke dieser Fahrt begleiten ihn bis heute.
Er findet: Der Frieden ist nicht selbstverständlich und
muss wertgeschätzt und täglich neu verteidigt werden.
Gerne ist Heiner Groß auch Gast bei den jährlichen
Veranstaltungen im Saarländischen Staatstheater, die
speziell für den Volksbund ausgerichtet werden. Diese
gemeinsame Treffen der Mitglieder des VDK schätzt
er sehr und motiviert dazu auch seine Mitglieder vom
Heimatkundeverein.
Mit seiner Mitgliedschaft unterstützt Heiner Groß einen
gemeinnützigen Verein, der Jugendliche sowohl durch
die Pflege von Kriegsgräbern als auch durch friedenspä-
dagogische Bildungsarbeit an historische Themen
heranführt. Wer sich mit dem Schicksal eines einzelnen
Kriegstoten beschäftigt, wird sich erst über die Ausmaße
kriegerischer Auseinandersetzungen bewusst. Jugendli-
che sollen dafür sensibilisiert werden, um sich im Heute
und Morgen aktiv für Frieden einzusetzen.
Der Volksbund dankt Heiner Groß herzlich für seine
Treue und freut sich über jedes neue Mitglied. Mehr In-
fos unter www.volksbund.de/mitgliedschaft/mitglied-
werden .
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
wurde 1919 gegründet und ist seitdem im Auftrag
der Bundesregierung für die Suche und Identifizie-
rung von deutschen Kriegstoten im Ausland sowie für
deren würdige Bestattung und den Erhalt ihrer Gräber
zuständig. Seit seiner Gründung hat er in 46 Ländern
832 Kriegsgräberstätten mit knapp 2,8 Mio. Gräbern
errichtet. Die Landesverbände im Inland organisieren
u.a. die Haus- und Straßensammlung, Friedens- und
Jugendprojekte und die Gedenkstunde am Volkstrau-
ertag. Zudem sind sie Ansprechpartner für Mitglieder
und Angehörige und unterstützen die Kommunen in
der Kriegsgräberfürsorge. Der gemeinnützige Verein
finanziert seine Arbeit zu 70 % aus privaten Geldern
und ist daher auf Mitglieds- und Spendenbeiträge
angewiesen.
Text: Amélie Zemlin-Kohlberger
14
Urkundenvergabe für 40 Jahre
Mitgliedschaft beim Volksbund
Werner Hillen überreicht die Urkunde an Heiner Groß
Von August Balthasar
Das letzte Haus auf der rech-
ten Straßenseite war das
Haus des Johann Risler; das
Haus wurde im November/
Dezember 1944 von der deut-
schen Artillerie von Ensdorf
aus beschossen und zerstört.
Danach wurde das Haus von
den Nachkommen Franz
Konstroffer und Maria geb.
Risler wieder neu aufgebaut.
Es waren die Eltern von Franz-
Josef Konstroffer (+), der ver-
heiratet war mit Marie-Rose,
geb. Rohe. Marie-Rose und ihr
Sohn Sascha bewohnen das
Haus heute.
Johann Risler war Glasbläsermeister auf der Glashütte
in Wadgassen. Seine beiden Brüder Lorenz und Nickel
waren auch dort beschäftigt. Der Nickel ist noch mit
über 70 Jahren zu Fuß jeden Tag zu seiner Arbeitsstelle
nach Wadgassen gegangen und wurde für sein lebens-
langes Arbeiten dafür betrieblich besonders geehrt.
Auch in der Tageszeitung jener Tage war das nach-
zulesen. Gerne und oft haben sie die nachfolgende
Geschichte aus ihrem Leben erzählt und waren darauf
auch sehr stolz gewesen:
„Wir drei“, so sagten sie des Öfteren,„wir sind jeder für
sich zu Fuß schon ein paarmal um die Welt gelaaf (um
die Welt gelaufen)“. Die Leute im Dorf haben darüber
gelacht und geschmunzelt und niemand konnte das
so recht glauben, doch es hat wirklich gestimmt. Der
einfache Weg zu Fuß zur Arbeit von Lisdorf - Saarstraße
bis nach Wadgassen zur Glashütte beträgt ca. 6 km, das
sind 12 km je Arbeitstag, 72 km bei 6 Arbeitstagen in
der Woche. Zu ihrer Zeit vor dem 1. Weltkrieg betrug
die tägliche Arbeitszeit noch bis zu 16 Stunden je Tag
bei 6 Tagen in der Woche. Urlaub und Freizeit waren
zu dieser Zeit noch ein Fremdwort, die gab es einfach
noch nicht. Bei 51 Wochen im Jahr waren das 51x72 =
3.672 km in einem Jahr, also etwa 40.000 km (!) in elf
Jahren. Nach elf Jahren zu Fuß nach Wadgassen haben
sie also praktisch von der Wegstrecke her die Erde ein-
mal umrundet. Das haben sie zwei, drei oder vier Jahr-
zehnte gemacht und also tatsächlich die Strecke von
mehreren Erdumrundungen zurückgelegt. Später kam
dann zuerst die Eisenbahn, dann die Straßenbahn, aber
viele Arbeiter und einfache Leute konnten mangels
Geld diese Transportmittel nicht nutzen. Sie mussten,
wie man sagte,„auf Schusters Rappen“, also zu Fuß mit
abgelaufenen, ausgelatschten Schuhen, den Weg zu
ihrer Arbeit zurücklegen, von Lisdorf zum Beispiel zum
Röhrenwerk in Bous, zum Eisenwerk in Fürstenhausen,
nach Geislautern oder Dillingen, zu den Kohlegruben
nach Griesborn, Schwalbach oder Ensdorf.
Adolf Risler war der Onkel von Lorenz Risler und Bruder
Johann Risler mit Enkel Franz-Josef Konstroffer, wie
bereits in Hematblatt Nr. 31/2021 berichtet, dem späte-
ren Betreiber der Greifvogelstation„Em Ecken“.
Seinen alten Gasthof gegenüber Haus Saarstraße
30 hat er sodann an seinen Sohn, den Nicolas Risler,
genannt„da Riesennickel“, vermietet, der auch danach
das Haus von seinem Vater kaufte.
Adam Risler, genannt„da Wurscht-Adam“, ist mit 67
Jahren an einem Herzinfarkt am 15.01.1913 verstorben,
wie schon von mir im Heimatblatt Nr. 1/1999 berichtet.
Die Rislers selbst hatten auch einen Nachen, einen
Johann Risler,
der Glasbläser-Meister zu Lisdorf
Saarstraße Haus Nr. 38
Johann Risler
15
Lorenz Risler, Bruder
Johann Risler mit Enkel
Franz-Josef Konstroffer
16
16
Kahn, den größere Schiffe hinter sich herzogen. Diese
nannte man in Lisdorf„Anhängsel“. Es war ein rund-
bauchiger Holzkahn, der auch zum Fischfang benutzt
wurde.
Nach jedem Krieg wurde es dann immer besser, haben
die Alten gesagt. Nach dem 1. Weltkrieg kam der
12-Stunden-Arbeitstag an 6 Tagen in der Woche. Es
waren jene Zeiten, als die Lisdorfer Fabrikarbeiter sich
zu Fuß auf den Weg zu ihrer Arbeitsstelle machten, mit
ihren„Essen-Dibba“ (Essensbehälter) in der einen Hand
und dem Flachmann in der kleinen Brusttasche.
Frühmorgens machten sie sich auf den Weg und
wurden auch oft zu dieser Zeit von Lisdorfer Bauern
belächelt. Johann Risler war nicht nur Glasbläser auf
der Glashütte in Wadgassen, sondern auch Angehö-
riger einer alteingesessenen Fischerfamilie mit eige-
nem Kahn. Das geht hervor aus einer Festschrift des
Angelsportvereins e.V. Saarlouis-Lisdorf vom 30./31.
Mai 1970. Man konnte vom Verein besonders in den
Jahren 1905–1915 auch Erlaubnisscheine zum Fischen
mit Netzen und zum Fischfang mit Angeln auf der Saar
gegen Zahlung einer bestimmten Summe erwerben.
Ein hervorragender Kenner dieser Arten des Fischfangs
war Jean Port mit seinen Söhnen, die den Fischfang
berufsmäßig betrieben.
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Geschichten um den
Gasthof Adam Adolf Risler zu Lisdorf
Fährgasse Haus Nr. 30, Em Ecken
Erzählt von Katharina Balthasar geb. Welsch (Mutter war
geborene Kneip, *18.8.1907, +29.5.1998), wohnhaft von
Geburt an bis 1985 in der Saarstr. 33, danach bis zum
Tode bei ihrem Sohn August (II. Gartenreihe), aufgeschrie-
ben, ergänzt und erweitert von Sohn August Balthasar,
Saarlouis.
Katharina berichtet über den Gasthof Risler:
Schon vor 1900, schon lange vor der Jahrhundertwen-
de, gab es den alten Gasthof Risler. Der zweite Inhaber
war Adam Adolf Risler (1846-1913) aus Lisdorf. Der
erste Inhaber war sein Großvater, der Johann Philipp
Risler, geboren 1758, und der kam von Mühlhausen aus
dem Elsass nach Lisdorf. Diese Wirtschaft war damals
ein sehr gut gehendes Lokal,„enn richtich Goldgrouf".
Jetzt ist dieses Haus in der Saarstr. Nr. 30 bewohnt von
der Familie Rupp.
In jedem Gasthaus stand früher ein Bett zum Übernach-
ten. Das war damals so üblich. Auch meine Großmutter
„Edd rot Hannesen Maarie“ hatte schon mal ein Bett
zum Übernachten eines Gastes von gegenüber vom
Gasthof Adam Adolf Risler freigemacht. Den alten Adam
Adolf Risler, genannt der„Wurscht-Adam“, habe ich noch
gut gekannt, sagte mir meine Mutter Katharina. Der
Spitzname rührte daher, dass er als Gastwirt selbst Wurst
gemacht hat. Den alten Risler-Wirt sehe ich heute noch
vor seiner Wirtschaft, auf einem leeren Bierfass mit einer
Bierflasche in der Hand sitzen. Er hat uns Kinder„gäa
unn oft vaäppelt“ (gerne und oft gefoppt).
Etwa zwischen 1900 und 1910 hatte zur Saar hin gleich
neben unserem Haus in Lisdorf, Fährgasse Nr. 33, Adam
Adolf Risler das Grundstück mit eingezäumten Bretter-
Zaun, die schwarzen Planken genannt,„foor en Appel
17
17
17
Johann Kneip, *8.8.1840
- 2. Ehe 1872 mit Maria
Luxenburger („Edd rot
Hannesen Maarie“)
unn enn Ai abkaaf“ vom
„versoffenen Dräger“; So
hieß dieser Mann, der hin-
ter unserem Haus wohnte.
Auf diesem Grundstück
hat er sich den neuen,
zweistöckigen Gasthof
Risler erbaut, jetzt Haus
Nr. 35. Der neue Gasthof
Risler lag genau gegenüber
dem alten auf der anderen
Straßenseite. Später hat sich
Adam Adolf mit Duldung
meiner Großmutter,„der rot
Hannesen Maarie“, erneut
durch einen zweistöckigen Anbau, die Gast- und Spei-
seräume vergrößert. Der Anbau war direkt auf unsere
Grundstückgrenze gesetzt.
Den alten Gasthof hat er seinem Sohn Nikolaus zu-
nächst zum Wohnen vermietet, später an Nikolaus
verkauft.
In diesem neuen Gasthof Risler wurden auch erstmals
frisch gefangene Fische aus der Saar aufgetischt: Karp-
fen, Hechte, Rotaugen, Döbel, Barsche, sogar Aale und
Salme und auch geräucherter Fisch kamen auf die Tel-
ler. Im alten Gasthof gegenüber gab es das noch nicht.
Die Offiziere der Garnisonsstadt Saarlouis gingen mit
ihren Frauen oder weiblichen Bekanntschaften auch
oft zum Fisch-Essen dorthin.
Damals waren die Inhaber des Fischereirechtes in der
Saar der Gastwirt Adam Adolf Risler und sein Schwa-
ger, der Schiffer Johann Adam Lonsdorfer, genannt„da
Deddachin“. Der war der Vater von Mary Lonsdorfer
und Gründer der Kohlen- und Baustoffhandlung, und
beide waren Mitglied im Angelsportverein.
Adam Adolf Rislers Ehefrau war Anna geb. Lonsdorfer
(1858-1908), eine Schwester von Johann Adam. An den
damaligen Fischreichtum in der Saar erinnert eine Zeile
aus dem Saarlied von Professor Jakob Ecker, vertont
vom 30er-Regimentskapellmeister Adolph Reckzeh:
„Die Saar, so silberhell und klar....“.
Für uns Buben, so erzählt vom Glasbläsermeister Johann
Risler, bestand unser Angelgerät aus einer Bohnenstan-
ge sowie weißem Zwirn und einer als Haken zurecht-
gebogenen Stecknadel, die sie sich bei meiner Mutter
besorgten, der Näherin Katharina Welsch geb. Kneip.
In 1. Ehe war Adam Adolf Risler verheiratet mit Ka-
tharina Rupp aus Neuforweiler. Sie hatte ihm vom 22.
bis zum 35. Lebensjahr insgesamt 10 Kinder zur Welt
gebracht; 8 davon sind nicht älter geworden als 1 Jahr.
17 Tage nach der Geburt des letzten Kindes, es war Ka-
tharina, ist die Mutter selbst verstorben am 11.02.1887.
Maria und Katharina, die beiden Töchter, haben die
Kinderjahre überlebt und sind groß geworden. Kathari-
na hat den Lehrer Glabus, er war Schullehrer in Lisdorf,
geheiratet. Bei ihm ging ich in die Schule. Er war unser
Klassenlehrer.
Die 2. Ehe:
Ein paar Monate später, am 02.05.1887, heiratete der
Risler Adam die Lonsdorfer Anna aus Lisdorf. Die Nach-
kommen aus dieser Ehe waren die Anna, der Johann
Adam Adolf, die Johanna Angelika Aline, die Katharina
Franziska und der Ludwig Philipp. Er ist nicht mehr aus
dem 1. Weltkrieg zurückgekehrt und gilt als vermisst.
Der Adolf hat in Saarlouis zunächst Drogerist-Apo-
theker gelernt und in Saarbrücken später eine eigene
Apotheke eröffnet. Aline war mit einem Rechts- oder
Gerichtsbeamten verheiratet.
Versteigerung:
Nach dem Tod von Adam Adolf Risler 1913 kam es zu
Erbstreitigkeiten unter den Geschwistern. Es gab keine
Übereinstimmung. Der Gasthof Adam Adolf Risler,
Fährgasse 35, wurde versteigert und Lorenz Kneip,
der Bruder meiner Mutter Katharina Welsch-Kneip
(*5.12.1876, +28.1.1965), hat ihn ersteigert.
Lorenz Kneip war nun Eigentümer des Gasthofs Risler
geworden. In dieser Zeit wollte der Lorenz auch unser
Haus, das Haus meiner Großmutter („edd rot Hannesen
Maarie“, Haus Nr. 33) kaufen, um damit seinen Gasthof
erweitern zu können. Aber sie hat das nicht gewollt,
worauf er sehr verärgert war.
Es gab auch eine Schule, eine Volksschule, vor 1900
„em Ecken“. Das Haus gehörte dem Adam Adolf Risler
und der hatte es an die Gemeinde zum Schulunterricht
vermietet. 20 Schüler sollen es damals gewesen sein.
So jedenfalls hat das„Eier-Beppe“ (richtiger Name Bar-
bara Schmitt geb. Willkomm), jetzt Haus Nr. 13, früher
bewohnt von Waldemar Schmitt (+), oft erzählt,„wenn
eich dohin Käs unn Eier kaafen woa“ (dort Käse und
Eier gekauft habe).
Neben uns,„eckenaufwärts“ im Haus Nr. 31, hat„ed
Babbels Marie“ (die Babbels-Maria) gewohnt.„Ed hat
gäa gudd geß un getrunk“ (sie hat gern gut gegessen
und getrunken). Sie war ein guter Kunde im„Gasthaus
Risler“.„Foo de Durscht hat ed kän Wasser getrunk, edd
hat et Bea sehr gäa getrunk unn ed woa so dick, dass
ma mit beiden Armen nid um ed rum kumm ess. Und
so iss dat Haus ach gleich druff gang“ (für den Durst hat
sie kein Wasser getrunken, sie hat das Bier sehr gerne
getrunken und sie war so dick, dass man mit beiden
Armen nicht um sie herum gekommen ist. Und so ist
das Haus auch gleich draufgegangen).
18
18
D
Der„Emmes Pitt“, der Malermeister, hat ed nohäa kaaf
und mit seiner Frau, ed Frieda, unn da Tochter Dina
drinn gewohnt“ (Der Emmes Pitt, der Malermeister, hat
es nachher gekauft und mit seiner Frau, der Frieda, und
der Tochter Dina darin gewohnt). Über den„Emmes
Pitt“ wird später noch berichtet.
Ein Haus weiter runter zur Saar hin wohnte der alte
„Harnisch“.„Die hodden enn Stall voll Kinna“ (Die
hatten einen Stall voll Kinder).„Wenn der„besoff woa,
da hadda gäa Wetten abgeschloss, voa Bea naddirlich“
(wenn der betrunken war, dann hat er gerne Wetten
abgeschlossen, für Bier natürlich). Er wettete, dass er
mit seinen Zähnen„enn Naal“ (einen Nagel) aus einem
Holzbrett ziehen könne. Die Wette hat er natürlich
nicht gewinnen können, wenn der Nagel zu tief im
Holz gesteckt hat. Das hat uns der Senior-Schreiner-
meister aus„em Ecken“, der Hans Blasius,
sehr oft erzählt.
„Em Ecken - de Fährgass“
In der jetzigen Saarstraße war damals ein reges Trei-
ben.„Da Ecken“ war immer voller Leben, mit der
Anlegestelle für den Dillenschass oder andere Schiffe.
Oft haben wir als Kinder den Schiffern zugerufen:
„Schiffmann, werf mei Bündel raus, ich fahren nimme
mit“ /Schiffer, wirf mir mein Bündel raus, ich fahre nicht
mehr mit).
Als die Eisenbahn Saarbrücken-Trier (ca. 1860) und
später die Kleinbahn Wallerfangen-Saarlouis-Lisdorf-
Ensdorf 1897 kamen, war es allmählich mit den Schif-
fen auf der Saar und dem Treiben„em Ecken“ vorbei.
Nachdem Lorenz Kneip den„Gasthof Risler“ in Lisdorf
in der Fährgasse 35 ersteigert und selbst übernommen
hatte, gab es von 1925-1930 in Lisdorf einen„Rau-
cherclub“, der sich dann in diesem Gasthof mehr oder
weniger im Pfeifenrauchen übte. Dabei kam es des
Öfteren auch zu einem Wett-Rauchen in diesem Lokal.
Sie qualmten die Räumlichkeiten ein mit ihren Pfeifen.
Richtig lange Tonpfeifen mit Deckel, die im Sitzen auf
dem Stuhl vom Mund bis auf den Boden reichten, das
war zu dieser Zeit keine Seltenheit. So wurde im er-
weiterten Raum, im neuen Anbau des Gasthauses, um
die Wette geraucht. Mit einer bestimmten Sorte und
Menge an Tabak, für jeden gleich, wurden die langen
Tonpfeifen gestopft, dann konnte es losgehen und es
wurde um die Wette Tonpfeife geraucht. Wer zuerst
seine Pfeife leer hatte, der war der Sieger, im Gegensatz
zu heute, wo beim Wettrauchen mit einer kleinen Men-
ge Tabak die Pfeife möglichst lange glimmen soll. Aber
auch derjenige, der es danach am längsten in dem
verqualmten Raum aushielt, wurde besonders geehrt.
Nur die stärksten Naturen konnten hier durchhalten.
Nachdem nun das neue Gasthaus„Lorenz Kneip“ in
der Saarstraße 4 eröffnet und das alte Gasthaus in der
Saarstraße 35 geschlossen worden war, wechselte der
„Raucherclub Lisdorf“ über in das Gasthaus„Zum An-
ker“ von Jakob Barthel in der Saarstraße Nr. 11.
In den Gastwirtschaften im Dorf ist in früheren Zeiten
gerne mit Würfel und Karten um Geld gespielt worden.
Es wurden auch eifrig Wetten abgeschlossen, ja es kam
sogar vor, dass Schiffseigner ihre Schiffe samt Zug-
pferden beim Wetten verspielt und verloren hatten.
Das hat mir der Vater des früheren Bürgermeisters
der Stadt Saarlouis Alfred Fuß so erzählt (der Vater
stammte aus der Provinzialstraße in Lisdorf im Hador).
Er erzählte, dass im Gasthaus Breininger in der Provin-
zialstraße/Ecke Holzmühler Straße, in Lisdorf„beim
Zockerneckels-Greed“ genannt, von Schiffseignern, die
als betuchte und wohlhabende Leute galten, Wetten
abgeschlossen worden sind über Schiffe und vieles
andere mehr, auf Gewinn oder Verlust, das war früher
einmal so. Glück oder Unglück ist ein Gefühl, das man
hat, wenn alles vorbei ist.
Die Sucht und Lust zum Alkohol und die Leidenschaft
am Spiel hat viele Männer verkommen lassen. Wenn
Bier und Schnaps ihre Wirkung zeigten, dann ist auch
oft handfest zugeschlagen worden. Mit den Fäusten
(„fläschen Hämmer“) und auch harten Gegenstän-
den und so weiter... Wer da mit einem blauen Auge
davonkam, hatte Glück gehabt. Wenn es einmal ganz
schlimm zuging, also eine richtige Schlägerei in der
Wirtschaft, wenn„se sich doo vahau hann, hann se
de Dischen hochkant gestalld unn da essed doo rund
gang“. Bei einer solchen Wirtshaus-Schlägerei wurden
die Tische hochkant gestellt, um sich vor einem An-
greifer zu schützen, und dann ging es richtig los. Die
Ehefrauen kamen in das Gasthaus und wollten ihre
Männer dazu bewegen, doch nach Hause zu kommen:
„kumm doch hemm“ (komm doch nach Haus) sagte
die Frau,„de Kinna hann kään Brot fooa se essen“ (die
Kinder haben kein Brot zu essen) - darauf sagte der oft
trunkene Ehemann:„Ei Fraa, dann losse doch Kuchen
essen“ (ei liebe Frau, dann lass sie doch Kuchen essen!).
Zu dieser Zeit hatte auch der Radsportverein im alten
Gasthaus Lorenz Kneip in der Saarstraße 35,„unnen em
Ecken“, sein Vereinslokal. In der Gastwirtschaft stan-
den zwei Fahrräder; sie waren hochgebockt und fest
auf dem Boden montiert, so dass man im Vereinslokal
zum Trainieren in die Pedale treten konnte, aber auch
Wetten abschließen konnte. Unter den beiden Kon-
kurrenten wurde vereinbart, dass derjenige die Wette
gewonnen habe, der am schnellsten und am längsten
in die Pedale treten könne.
Zweimal in der Woche trafen sich die Radsportfreunde
zum Training im Vereinslokal, so erzählte mir Mar-
18
19
19
garetha Rode. Nachdem das neue Gasthaus„Lorenz
Kneip“ in der Saarstraße 4 erbaut und eröffnet worden
war, verkaufte Lorenz Kneip das alte Gasthaus an die
Schwester seiner Frau, Maria Lonsdorfer geb. Johannes.
Sodann wurde dort im alten Gasthaus ein Kolonialwa-
ren-Laden eingerichtet.
Maria Johannes wurde, wie viele verheiratete Ehe-
frauen, auch nach ihrer Hochzeit mit Adolf Lonsdorfer
immer noch mit ihrem Mädchennamen angesprochen,
also„Beim Maria Johannes hann de Leid aach vill uff
Pump kaaf“ (bei Maria Lonsdorfer geb. Johannes, ha-
ben die Leute auch viel auf Pump gekauft). Wenn das
Geld bis zum nächsten Zahltag nicht reichte, hatten die
Kunden den Geldwert der gekauften Ware anschreiben
lassen und so blieben manche säumigen Zahler lange
bei Maria„in der Kreide“ (im Notizbuch) stehen.
Die Nädasch
Die Kleider hat meine Mutter, die Katharina Welsch-
Kneip geb. 05.12.1876, selbst genäht. Sie war„Nä-
dasch" (Näherin). Nähen gelernt hatte sie bei den
Schwestern im Lisdorfer Kloster. Meine Mutter hat auch
19
Im Bild (Saarstraße bei Hochwasser 1970) sind zu sehen rechts
Haus Nr. 37 (Schreinerei Blasius), links daneben die Häuser Nr.
35 (Lebensmittel Lonsdorfer) und Nr. 33 (Elternhaus August
Balthasar).
Katharina Welsch (später ver-
heiratet mit August Balthasar
senior) und ihr Bruder Rudolf
(geb. 17.04.1906) vor dem
Küchenfenster im Innenhof des
neuen Gasthofes Risler in der
Saarstraße, damals Fährgasse.
Rudolf war auch mein Taufpate,
"mein Patt".
viele schöne Brautkleider
für die„Bauersch-Mädcha"
(junge Bäuerinnen) ange-
fertigt. Sie hat auch selbst
Nähschülerinnen angelernt.
Sportwettbewerb in Ensdorf
Das Bild aus dem Jahr 1924 zeigt Sportler des DJK Lis-
dorf, die Lisdorfer Teilnehmer und Sieger beim Staffel-
lauf zum Sport-Werbetag in Ensdorf.
Rudolf Welsch war als erster Läufer im Ziel beim Staffel-
lauf der DJK in Ensdorf, er war also der Gewinner.
Katharina Balthasar erzählt zu Rudolf Welsch:
Rudolf ist in seiner Lehr- und Dienstzeit von seinem
Elternhaus aus in
Lisdorf, der Her-
mannstraße 37, jetzt
Saarstraße 33, wo-
chentags zur Stadt
Saarlouis gelaufen.
Sein sportliches Tun
hat er lange Zeit auf-
recht erhalten.
Ein sehr guter Freund
von Rudolf war Hein-
Katharina Welsch-Kneip,
Von links nach rechts: Nr. 1 Hans Blasius senior, Nr. 2 Karl Weiß,
Nr. 3 Alois Rullang, Nr. 4 Franz (Frenne) Weiß, Nr. 5 Rudolf
Welsch, Nr. 6 Johann Lemier, Nr. 7 Willi Klutz, Nr. 8 Baptist Com-
tesse, Nr. 9 Adolf Fritz (gefallen 1944 Normandie, Vater von
Adolf, Walter und Manfred Fritz,), Nr. 10 Alois Johannes.
links Heinrich Busert, daneben
Rudolf Welsch
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rich Josef Busert (*19.5.1905,
+1994 Lisdorf, Großstraße
23). Heinrich war als Bäcker-
meister im Betrieb seines
Vaters Peter Josef Busert,
verheiratet mit Katharina
Schwarzenberg (*1898,
+1980) im Lebensmittel- und
Kolonialwarengeschäft tätig.
Heinrich Josef Busert war auch der Onkel von Peter Bu-
sert und Maria Sperling-Busert, die heute in dem Haus
wohnen. Sie erzählten
auch, dass ihr Onkel mu-
sikalisch talentiert gewe-
sen sei; er habe Klampfe
und Gitarre gespielt und
im Lisdorfer Gitarrenver-
ein aktiv mitmusiziert.
Zusammen haben Rudolf
und Heinrich Mitte der
dreißiger Jahre des 20. Jahr-
hunderts viele regionale
Fahrradtouren gemacht,
zum Beispiel zur Nied-
mühle bei Eimersdorf,
zum Warndtweiher, zur
Siersburg, zur Abtei Mett-
lach oder zur Klause bei
Kastel usw. und sie haben
auch viele schöne Bilder
gemacht.
Die Familie Busert
stammt ursprünglich
aus dem Dorf St. Medard
an der Mosel bei Trier,
das um das Jahr 1900 nach Trier eingemeindet wurde.
St. Medard war zu dieser Zeit ein Schifferdorf, das die
Schiffer in ihrem moselfränkischen Dialekt„Môdert“
nannten. Die Vorfahren der Familie Busert waren
Schiffsleute, kamen in der Biederzeit um 1820 nach
Lisdorf und fuhren ab Lisdorf weiter zu Schiff.
Johann Heinrich Busert wird im Bericht des Ludwig
Bauer aus dem Jahr 1898 über seine Zeit als Schiffsjun-
ge auf dem„Dillenschass“ als Besitzer eines Gemüse-
schiffes benannt und als der Mann, der ihn als Pferde-
knecht auf dem Gemüseschiff anheuerte. Das Grab von
Johann Heinrich und Maria hat sich bis heute auf dem
Lisdorfer Friedhof erhalten.
Heinrich und Rudolf, im Hinter-
grund die alte Brücke über die
Saar bei Serrig
Die Lisdorfer Schiffer der Familie Busert waren:
BUSERT Heinrich *1821 St. Medard, †1887 Bous
vh. 1856
WELSCH Katharina *1834, †1871
BUSERT Peter *1830 St. Medard, †1896 Lisdorf
vh. 1856
GANGLOFF Margaretha *1833, †1899
BUSERT Johann *1835 St. Medard
vh. 1874
BECKER Margaretha *1848
BUSERT Franz *1863
1. Ehe vh. 1888
RUPP Katharina *1866
2. Ehe vh.
GIER Gertrud *1867
BUSERTJohann Heinrich *1865, †1948
vh. 1890
BLASIUS Maria *1865, †1932
BUSERT Peter Josef *1867
vh.
HEINZEN Helene *1885.
Johann Heinrich Busert stellte als letzter nach 1900 die
Schifffahrt ein.
Beruflicher Werdegang von Rudolf Welsch (*17.4.1906)
1920-1923 Bürokauflehrling bei Rechtsanwalt
Dr. Flesch (Hohenzollernring)
1923-1928 im gleichen Betrieb tätig als Bürokauf-
mann
1928-1932 Bürobeistand im Rechtskonsulat Dr. Roth,
Saarlouis
1932-1937 Bürobeistand bei Rechtsanwalt Dr. Don-
nevert, Saarlautern
1938-1940 Justizangesteller am Amtsgericht Saarlau-
tern
1940-1945 Pionier bei der Wehrmacht
April 1945 vermisst in der Slowakei hinter Bratislava
Von links Rudolf, Dr. Flesch
und ein Angestellter
Justiz-Dienstausweis von Rudolf
21
Über den Tod meines Onkels Rudolf in der Slowakei
konnte ich (August Balthasar) Folgendes herausfinden:
Hermann Morguet, auch ein Lisdorfer aus der Wolff-
straße, Schwiegersohn der Anna Stein geb. Brittner,
heiratete nach Ende des 2. Weltkrieges Else Stein und
wohnte zusammen mit seiner Frau in Saarlouis in der
Straße der 13. Jäger. Hermann war im 2. Weltkrieg
Kraftfahrer bei der deutschen Wehrmacht. In den
letzten Kriegstagen war Hermann mit einem Lkw der
Wehrmacht auf dem Rückzug der deutschen Truppen
aus der Slowakei dabei, von uns aus gesehen etwa 80
km hinter Bratislava (Pressburg). Von hier aus schrieb
Rudolf am 17. April 1945 einen letzten Brief an seine
Familienangehörigen, der auch bei seiner Familie in
der Evakuierung in Wittelshofen (nahe Dinkelsbühl)
ankam. Hermann wollte Rudolf Welsch als Beifahrer
auf dem Sitz nach Deutschland mitnehmen. Zuvor war
jedoch ein Wehrmachtsbefehl herausgegeben worden:
„Wer ohne entsprechende Ausweispapiere die Truppe
verlässt und dabei ertappt wird, wird auf der Stelle
standrechtlich erschossen“. Rudolf hat also deshalb in
eine Mitfahrt auf dem Lkw nicht eingewilligt, dabei ist
der Konvoi nach Angaben von Hermann Morguet auf
der Rückfahrt nicht kontrolliert worden.
Die tschechischen Widerstandskämpfer hielten sich
während des 2. Weltkrieges verborgen und bekämpf-
ten in vielen Aktionen die deutschen Besatzer, die
wiederum mit brutaler Härte zurückschlugen. Trotz
hartem Vorgehen gelang es den deutschen Besatzern
nicht, den Widerstand zu brechen. Als der Widerstand
der deutschen Truppen im April und Mai 1945 nach-
ließ, rächten sich die tschechischen Widerstandskämp-
fer an den deutschen Soldaten und der deutschstäm-
migen Bevölkerung in Böhmen. Gefangene deutsche
Soldaten wurden ermordet oder als Strafgefangene
nach altem Kriegsbrauch in der Landwirtschaft oder
bei gefährlichen Arbeiten, zum Beispiel Minensuchen,
eingesetzt, so vielleicht auch Rudolf.
Nach der Weiterfahrt von Hermann Morguet hinter Bra-
tislava verliert sich Rudolfs Spur, er kehrte nicht mehr
nach Hause zurück. Nachforschungsanträge beim Ro-
ten Kreuz führten zu keinem Ergebnis. Sein letzter Brief
ist im Buch„Die Kriegsopfer der beiden Weltkriege aus
Lisdorf“ (Herausgeber: Verein für Heimatkunde Lisdorf,
Autor Agnes Groß) ab Seite 330 abgedruckt.
Bei der späteren Aussöhnung zwischen Deutschland
und der Tschechoslowakei wurden die in der Kriegs-
und Nachkriegszeit begangenen Verbrechen gemein-
sam verurteilt, dieses Thema aber auch abgeschlossen
und beide Vertagspartner verzichteten auf gegenseiti-
ge Ansprüche und die weitere Verfolgung von Kriegs-
verbrechen.
Wie gut kennen wir alle unsere Heimat - speziell unser
Heimatdorf Lisdorf? Oft geht man durch die Straßen
und nimmt verschiedene Details gar nicht richtig wahr.
Wir wollen in einer neuen Rubrik„Fotorätsel“ den Blick
für diese Details schärfen und dazu animieren, mit of-
fenen Augen durchs Dorf zu gehen. Wir werden in den
nächsten Ausgaben des Heimatblattes immer wieder
Fotos aus den Straßen Lisdorfs veröffentlichen und
unsere Leser um Lösung des dazugehörigen Rätsels
bitten.
Gewinner des Rätsels unserer letzten Ausgabe ist Herr
Karl Schneider aus der Provinzialstraße. Sein Gewinn
wird in den nächsten Tagen zugestellt.
Auf dem Bild sehen wir ein Wandbild aus Fliesen von
Villeroy & Boch.
Wem ist diese Rarität aufgefallen?
Jetzt unsere Frage: In welchem Haus in Lisdorf befindet sich dieses Wandbild?
Die Lösung bitte per Karte an: Verein für Heimatkunde Lisdorf, Im Fischerfeld 39, 66740 Saarlouis
oder per E-Mail: heimatkunde@lisdorf.de.
Den Gewinner eines Mundartbuches geben wir in der nächsten Ausgabe bekannt.
Einsendeschluss: 20. Dezember 2021.
Das VHL-Bilderrätsel
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Geschichten um
das Gasthaus Lorenz Kneip
„Em Ecken“, (Lisdorf, Saarstraße 4)
Von August Balthasar
Lorenz Kneip (geboren am 20.02.1879), verheira-
tet 1905 mit Margaretha Johannes (geboren am
20.07.1880), hat in den Jahren 1913/14, wie von mir im
Lisdorfer Heimatblatt Nr. 1/1999 berichtet, das Gast-
haus Adam Risler in der Saarstraße 35, nach dem Tode
von Adam Adolf Risler ersteigert, erweitert und selbst
geführt. Danach hat er sich eine neue Gastwirtschaft
in Lisdorf in der Saarstraße 4, Anfang der 30er-Jahre,
neu bauen lassen und selbst weiter geführt. Den alten
Gasthof in der Saarstraße 35 verkaufte er an seine
Schwägerin Maria Lonsdorfer, geb. Johannes, die darin
ein Kolonialwaren- und Lebensmittelgeschäft betrieb,
bis in die 70er-Jahre.
Lorenz Kneip war
der Bruder meiner
Großmutter Katha-
rina Welsch, geb.
Kneip, aus Lisdorf.
Seine Mutter war
die Witwe aus der
zweiten Ehe von
Johann Kneip, ein-
geheiratet im Haus
Saarstraße Nr. 19. Es
war das Haus meiner
Urgroßmutter Maria
Kneip-Luxenburger,
genannt„Edd rot
Hannesen Maarie“
(1847-1925), wie
bereits mehrmals
in den Lisdorfer
Heimatblättern
berichtet.
Bereits in den 20er-Jahren um etwa 1925-1930 hat Lo-
renz Kneip der Frau Marie Fritz, dies war die Großmut-
ter der Edith Emmes im Rosenthal, ihr altes Haus ab-
gekauft, es danach abgerissen und das neue Gasthaus
Lorenz Kneip an dieser Stelle (Saarstraße 4) gebaut.
Ebenfalls in der ersten Ausgabe der Lisdorfer Hei-
matblätter wurde von mir bereits über das Gasthaus
Lorenz Kneip
im Zusammen-
hang mit dem
Gasthaus Adam
Adolf Risler„Em
Ecken“ berichtet.
Der Lorenz war
ein tüchtiger
Wirt, er hat in
seinem neuen
Gasthaus,„seina
Wirtschaft, doo-
vooa gesorcht,
dass imma ebbes
loss wooa“ (in
seinem Gasthaus
dafür gesorgt,
dass immer et-
was los war). So
hatte er auch in
seiner Gaststu-
be das erste
Rundfunkgerät im Dorf stehen. Und wenn man wis-
sen wollte,„watt emm Dorf unn in da Welt loss woaa“
(was im Dorf und in der Welt los war),„dann kunnt ma
doohin äänen drinken geen“ (dann konnte man dorthin
einen trinken gehen - und erfuhr dort bei einem Glas
Bier die letzten Neuigkeiten).
Früher ist in den Gasthäusern viel getrunken worden,
Bier, Schnaps und so weiter. Zu einer Zeit, als noch der
Lohn täglich nach der Arbeit, später dann samstags
für die ganze Woche, dann alle 14 Tage und zuletzt für
den abgelaufenen Monat bar auf die Hand ausgezahlt
wurde, da hat es so mancher „arme Schlucker“ nicht
geschafft, sein mühsam erarbeitetes Geld ganz oder
auch nur teilweise nach Hause zu bringen. Oft sind in
der Gastwirtschaft vom Zahltag dann drei Häufchen
gemacht worden:„Äänen voo sich, äänen voo de Fraa
unn ännen voo de Wirt“ (einen für sich, einen für Frau
und Familie und einen für den Wirt). Mit dem dritten
Häuflein wurden dann die bereits aufgelaufenen Trink-
schulden bezahlt und für die Familie blieb oft leider
nur 1/3 übrig oder auch gar nichts mehr!
Das ehemalige Gasthaus Lorenz
Kneip zur NS-Zeit im damaligen
Saarlautern 4 (Bild zur Verfügung
gestellt von Manfred Kneip, einem
Enkel von Lorenz Kneip)
Gasthaus Lorenz Kneip in der ersten Nach-
kriegszeit (Bild zur Verfügung gestellt von
Manfred Kneip)
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Manche hatten oft nicht„edd Brood iwwa Naat dahem“
(das Brot nicht über Nacht zu Hause) oder„de Kinner
hodden meea Schlää wie Brood se fressen gritt“ (die
Kinder bekamen mehr Prügel als Brot zu essen) oder
es wurde gesagt„se hann em ed Brood vomm Disch
runna gehollt“ (sie hatten ihnen das Brot vom Tisch
weggenommen, das heißt übertragen, die Arbeit weg-
genommen). So manche Frau oder Mutter hat ihren
Mann am Zahltag am Arbeitsort oder am Werkstor
abgeholt und so den Lohn bis nach Hause„gerettet“.
An dem Zahltag gab es dann auch mal richtig satt zu
essen.
Lorenz Kneip war vorher beim früheren Eisenwerk in
Geislautern als Meister tätig und war, wie oben berich-
tet, anfangs Pächter und Besitzer des Gasthofes Adam
Adolf Risler in Lisdorf, Saarstraße 35. Er war auch Kreis-
vorsitzender der Gastwirtschaftsvereinigung und hat
seinen Gastwirtschaftsbetrieb im 2. Weltkrieg (1939-
1945) bis zu seinem Lebensende im November 1944
weitergeführt. Er starb überraschend im Zug während
der Fahrt in die zweite Evakuierung nach Dinkelsbühl
in Mittelfranken. Nach dem 2. Weltkrieg hat sein Sohn
Kurt Kneip diese Gastwirtschaft nebenberuflich bis
1954 weiter aufrecht erhalten.
Nach 1954 hat mir sein Sohn Manfred Kneip die Folge
der Pächter der Gastwirtschaft namentlich benannt.
Es waren
· Ignaz Burger aus Lisdorf,
· Emil Amann,
· Christa und„Bouwwi“ Freichel aus Lisdorf,
· Werner und Lilo Petto aus Dillingen,
· ein Pächter mit Familienname Kreuz, nur kurzzeitig,
· und als die letzten Pächter Gisela und Gerhard Lam-
bert.
Danach vermietete der damalige Eigentümer Siegfried
Kneip die Gasträume an den CDU-Kreisverband Saar-
louis, der darin seine Geschäftsstelle und das Wahl-
kreisbüro des ehemaligen Bundestagsabgeordneten
Peter Altmaier einrichtete.
Derzeit ist darin ein Kosmetikstudio eingerichtet: Natur
Cosmetic, Inhaberin Tina Flammersfeld.
Gasthaus Kneip um das Jahr 1970 (Bild: August Balthasar)
im Jahr 2000, hinter dem neuen Dorfbrunnen
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Der Lisdorfer Schützenverein ist im Jahr 1956 gegrün-
det worden und in den Jahren 1972/73 in die Schüt-
zengilde übergegangen, die heute noch besteht.
Im Jahr 1966 hat der damalige Schützenverein in sei-
nem Vereinslokal, dem Gasthaus Lorenz Kneip, für die
Ortsvereine ein Luftgewehr-Wettschießen veranstaltet
und einen Wanderpreis für drei Jahre in Gewinnfolge
gestiftet.
Die Chorgemeinschaft MGV 1859 Saarlouis-Lisdorf
hat mit fünf ihrer aktiven Sänger an dem Wettbewerb
teilgenommen. Mit 526 Ringen im Jahr 1966, 554 im
Personen im Bild von links nach rechts: Klemens Port, Willi Basti-
an(+), Manfred Fritz(+), Werner Bastian jun. (+) (kurz nach dem
Foto Unfalltod mit Auto, sein Vater Werner war ein Bruder von
Willi), Horst Klein, August Balthasar, Rolf Sperling (+) (Vorsitzen-
der), ganz rechts Rolf Dieter Kallenbrunnen
Jahr 1967 und 545 Ringen im Jahr 1968 hat die Chor-
gemeinschaft, der ich bis heute im Jahr 2021 mit 71
aktiven Sängerjahren angehöre, als beste Schützengil-
de ins Schwarze getroffen. Sie hat danach den Wander-
pokal in Form einer Schützen-Siegergedenktafel, wie
im Bild ersichtlich, für die Chorgemeinschaft Lisdorf
mit nach Hause nehmen können.
Dabei fällt mir ein altbekannter Witz ein: Der Vater kam
von der Arbeit nach Hause, die Kinder hatten Hunger,
es gab saarländische Lyoner mit Brot. Am Tisch bekam
der Vater als Oberhaupt der Familie bei der Vertei-
lung der Wurst unter der vielköpfigen kinderreichen
Familie meist als erster zu essen oder hat die Lyoner
selbst enthäutet und verteilt.„Papa“, sagte aufgeregt
der Jüngste,„Papa ich möchte auch ein Stück Lyoner
haben“. Darauf der Vater zu den Kindern:„Donnawedda
nomool, wifill Liona muss eich dann noch essen, umm
auch satt Schwaad se grien“ - Donnerwetter nochmal,
wie viel Lyoner muss ich denn noch essen, um Euch
(mit der Lyonerhaut) satt zu bekommen!
Irene Bleses wohnte früher in der Saarstraße Nr. 1, wie
bereits berichtet. Sie wohnte mit ihren Eltern gegen-
über der Gastwirtschaft von Lorenz Kneip. Sie berich-
tet:„Als junges Mädchen konnte ich Ziehharmonika
und Akkordeon spielen. Der Emmes Pitt kam oft von
der Wirtschaft gegenüber zu uns rüber und ich durfte
dann mit Einverständnis meiner Eltern im Gasthaus
Lorenz Kneip musizieren. Es wurde dabei auch viel
gesungen, viele Volkslieder wie zum Beispiel„Das Wan-
dern ist des Müllers Lust“ –„Lustig ist das Zigeunerle-
ben“ –„Beim Kronenwirt“ –„Wenn zwei gute Freunde
sind“ – usw.“
Werden Sie Mitglied im VHL
Wir sind der mitgliederstärkste heimatkundliche Verein des
Saarlandes.
Wir freuen uns über Ihr Interesse an unserer Arbeit.
Nehmen Sie doch einfach Kontakt zu uns auf:
heimatkunde@lisdorf.de
25
25
Von Heiner Groß
In den vergangenen Jahren hat Frau Oberfeldarzt
Dr. Mascha-Christine Groß, Fachärztin für Allgemein-
medizin und Sanitätsoffizier der Bundeswehr, schon
mehrfach im Lisdorfer Heimatblatt über ihre bisher vier
Auslandseinsätze in Afghanistan, Mali und dem Irak
berichtet.
Seit 1999 ist sie mit Oberfeldarzt Dr. Torsten Groß,
einem Sohn unseres VHL-Ehrenvorsitzenden Heiner
Groß, verheiratet. Er ist ebenfalls Sanitätsoffizier der
Bundeswehr und als Facharzt für Innere Medizin und
Pneumologie derzeit als Oberarzt im Bundeswehrkran-
kenhaus Westerstede in Niedersachsen tätig.
Gemeinsam gehören Dr. Torsten Groß und seine Ehe-
frau Dr. Mascha-Christine geb. Folz mit ihren beiden
2002 und 2008 geborenen Kindern Niklas und Anne-
marie dem Verein für Heimatkunde Lisdorf e.V. (VHL)
als Mitglieder an. Obwohl sie seit 2001 berufsbedingt
im Ammerland im Nordwesten Niedersachsens woh-
nen, sind sie ihrer saarländischen Heimat weiterhin
sehr verbunden. Aus diesem Grund gehören sie, trotz
der etwa 650 km Entfernung, dem VHL als treue Mit-
glieder an und freuen sich immer wieder, wenn sie ein
neues Lisdorfer Heimatblatt erreicht.
Während Torsten glücklich und zufrieden ist mit seiner
klinischen Tätigkeit an einem großen und modernen
Krankenhaus, liebt Mascha-Christine als Fachärztin für
Allgemeinmedizin Leitungs- und Führungsaufgaben
im Sanitätsdienst der Bundeswehr. Seit 2010 übt sie
entsprechende Aufgaben in verschiedenen Verwen-
dungen aus.
Nach unterschiedlichen Führungsverwendungen
und zuletzt Sachgebietsleiterin im Kommando Sa-
nitätsdienst der Bundeswehr in Koblenz wurde ihr
am 29.04.2021 das Kommando über das in der Stadt
Rheine an der Ems im Münsterland im April 2020 neu
aufgestellte Sanitätsregiment 4 (SanRgt 4) übertragen.
Oberfeldarzt Dr. Mascha-Christine Groß ist damit die
erste Kommandeurin in der großen Theodor-Blank-
Kaserne in Rheine. Derzeit befindet sich das SanRgt 4
mit 200 Sanitätssoldatinnen und –soldaten und 190
Rekrutinnen und Rekruten noch in der Aufbauphase.
Die angestrebte Sollstärke des SanRgt 4 beträgt ca.
1000 Sanitätssoldatinnen u. –soldaten.
Sowohl in der Presse als auch im Rundfunk und
Fernsehen wurde ausführlich über dieses Ereignis in
Rheine berichtet. So berichtete die Münsterländische
Volkszeitung in ihrer Ausgabe vom 27. April 2021 mit
mehreren Fotos von Oberfeldarzt Dr. Mascha-Christine
Groß und den Überschriften„Die erste Kommandeurin
in Rheine“ und„Frau übernimmt Kommando in Rhei-
ne“. Die Saarbrücker Zeitung berichtete am 24. Juni
2021 mit zwei Fotos und der Überschrift„Völklingerin
Langjähriges VHL-Mitglied
erste Regiments-Kommandeurin
in Rheine an der Ems
26
26
macht Karriere bei der Bundeswehr“. Auch der WDR
und der NDR berichteten sowohl im Rundfunk als auch
im Fernsehen über die Ernennung von Oberfeldarzt Dr.
Mascha-Christine Groß zur neuen Regimentskomman-
deurin in Rheine.
Anfang Juli berichtete die regionale Presse erneut über
das in Rheine neu aufgestellte Sanitätsregiment und
seine neue Kommandeurin. Für den 8. Juli hatte die
Bundesministerin der Verteidigung, Annegret Kramp-
Karrenbauer, zum Indienststellungsappell des Sani-
tätsregiments 4 mit Übergabe der Truppenfahne sowie
dem ersten feierlichen Gelöbnis der Rekrutinnen und
Rekruten der Ausbildungskompanie geladen.
Für Oberfeldarzt Dr. Mascha-Christine Groß war dies
mit viel Aufregung verbunden, denn diese Feierlich-
keiten im Beisein ihrer höchsten militärischen Vor-
gesetzten und vielen hohen Gästen und dem vorge-
schriebenen Zeremoniell sollte reibungslos ablaufen.
Außerdem war es für die neue Kommandeurin das
erste persönliche Zusammentreffen mit ihrer höchsten
Chefin, der Bundesverteidigungsministerin Annegret
Kramp-Karrenbauer, ebenfalls wie sie aus dem Saar-
land und zudem noch aus der Nachbargemeinde ihrer
Heimatstadt Völklingen stammend, aus Püttlingen.
Nach dem gelungen Aufmarsch der Abordnungen der
Kompanien des SanRgt 4, der Rekrutinnen und Rekru-
ten der Ausbildungskompanie und der Ehrenforma-
tion, die von der 4. Kompanie des Wachbataillons der
Bundeswehr aus Berlin und des Luftwaffenmusikkorps
aus Münster in Westfalen gestellt wurden, konnte
Oberfeldarzt Dr. Mascha-Christine Groß ihre Ehrengäs-
te begrüßen.
Das waren: Die Bundesministerin der Verteidigung An-
negret Kramp-Karrenbauer, Bundesgesundheitsminister
Jens Spahn, der nordrheinwestfälische Landesgesund-
heitsminister Karl-Josef Laumann, der Inspekteur des
Sanitätsdienstes der Bundeswehr Generaloberstabsarzt
Dr. Ulrich Baumgärtner, der Landrat des Kreises Steinfurt
Dr. Martin Sommer, der Rheiner Bürgermeister Peter
Lüttmann sowie weitere politische Größen und Vertreter
regionaler Gesundheitsbehörden.
Auch ihr Ehemann und ihre beiden Kinder aus ihrem
Wohnort Edewecht bei Oldenburg sowie ihre Mutter
Brunhilde Folz und Schwester Oberstabsarzt d.R. Dr.
Ragna Folz-Schmidt aus Völklingen waren zu diesem
besonderen Anlass nach Rheine angereist.
Die Bundesminister Annegret Kramp-Karrenbauer und
Jens Spahn sowie der Inspekteur des Sanitätsdienstes
der Bundeswehr Dr. Baumgärtner wiesen in ihren
Ansprachen darauf hin, dass der Sanitätsdienst in der
Bundeswehr weiter gestärkt werden soll. Das sei wegen
der zunehmenden Aufgaben im internationalen Kri-
senmanagement wie auch im Bereich der Landes- und
Bündnisverteidigung erforderlich. Nicht zuletzt habe der
Sanitätsdienst der Bundeswehr in der COVID-Pandemie
eine herausragende Rolle bei der zivil-militärischen
Zusammenarbeit bundesweit gespielt. Sie dankten dem
neuen SanRgt 4 für seinen Einsatz und wünschten ihm
und der neuen Kommandeurin viel Glück und Erfolg.
Entgegen den militärischen Gepflogenheiten ließ Ober-
feldarzt Dr. Mascha-Christine Groß ein kleines Geschenk
ihres SanRgt 4 der Verteidigungsministerin nicht von
einer Soldatin oder einem Soldaten, sondern von ihren
Kindern überreichen, worüber sich diese sehr freute.
Der Rheiner Bürgermeister Peter Lüttmann freute sich
sehr über das Engagement der Bundeswehr in seiner
Stadt, besonders über die Aussage von Bundesministe-
rin Annegret Kramp-Karrenbauer, dass die Bundeswehr
in Rheine bleibe und mit der vorgesehenen Sollstärke
von 1000 Soldatinnen und Soldaten wieder ein großer
Standort der Bundeswehr werden soll.
Die neue Kommandeurin Oberfeldarzt Dr. Groß erläu-
terte nach Abschluss der Festlichkeiten gegenüber der
Presse ihre Vorhaben. Neben der Nachwuchsgewinnung
und der Grundausbildung der Rekrutinnen und Rekru-
ten soll eine Kompanie für den Kranken- und Verwun-
detentransport sowie deren Erstversorgung aufgebaut
und ausgebildet werden. Eine weitere Kompanie soll
ein Rettungszentrum aufbauen. Derzeit hätten sie am
Standort Rheine ein Rettungszentrum leicht. Mit dem
weiteren Aufbau ihres SanRgt 4 strebe sie ein modulares
komplettes Rettungszentrum an, so OFA Dr. Groß.
Beim Besuch ihrer hohen Gäste hatte Dr. Mascha Groß
auch Gelegenheit zu kurzen persönlichen Gesprächen
mit diesen. Beim Gespräch mit Annegret Kramp-Kar-
renbauer stellte sich heraus, dass sie am selben Völklin-
ger Gymnasium Abitur machten.
An diesem Tag wurde Oberfeldarzt Dr. Mascha-Chris-
tine Groß auch mehrfach gefragt, warum sie nach
dem Abitur zur Bundeswehr gegangen sei. Das habe
mehrere Gründe gehabt. Ihre ältere Schwester sei
ebenfalls nach ihrem Abitur als Sanitätsoffiziersanwär-
terin zur Bundeswehr gegangen, und zwar als erste
Saarländerin. Sie sei über diese, ihre Entscheidung, sehr
glücklich gewesen. Als aktive Basketballspielerin beim
SC Wacker Völklingen, der damals in der 2. Bundesliga
spielte, sei sie sportlich sehr fit gewesen, was für eine
Offiziersausbildung sehr förderlich sei. Als sie einen
„ Tag der Bundeswehr“ besuchte, habe ihre Entschei-
dung, ebenfalls zur Bundeswehr zu gehen, endgültig
festgestanden, so OFA Dr. Groß.
Auch nach fast 28 Jahren im Sanitätsdienst der Bun-
deswehr ist sie über ihre damalige Entscheidung froh
und glücklich.
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Renate Dittgen - Neues Mitglied im Heimatkundeverein
Geschäftsführerin der Schmelzer Bauunternehmung Dittgen
Renate Dittgen, seit 1977 Anwohnerin in der IV. Gartenreihe in Saarlouis, ist kürzlich demVHL
beigetreten. Als gebürtige Schmelzerin interessiert sie sich besonders für die Schmelzer Ge-
schichten und gehört dem sehr rührigen dortigen Heimatverein, Herausgeber der Schmelzer
Hefte, an. Seit Jahren fördert ihre Firma durch Anzeigen das Magazin zur regionalen Kultur und
Geschichte im Saarland, die„saargeschichten“, das vom HistorischenVerein für die Saargegend
e.V. und dem Landesverband der historischenVereine des Saarlandes e.V. herausgegeben wird.
BeidenVerbänden gehören wir alsVHL an.
DaRenateDittgenschonseitfast44JahrenanderNahtstellezuLisdorfwohnt,möchtesiesich
nunauchüberdieMitgliedschaftimVHLdieHistoriedesältestenStadtteilsvonSaarlouiser-
schließen.DasienebenihrerHeimatliebeundihremInteresseanderGeschichtederHeimat
eineaußergewöhnlicheVitaaufweist,möchtenwirdiese-soweitunsbekannt-nachfolgend
aufzeigen.Geboren1947inSaarlouis,absolviertesienachihremGymnasialabschlusseinUniver-
sitätsstudiumderBetriebswirtschaftslehreanderUniversitätdesSaarlandes.MitihremAbschluss
als Dipl.-KaufmannstrebtesiezunächsteinenBerufaußerhalbdesväterlichenBetriebsan.Diesen
hatteihrGroßvaterbereits1897inSchmelzgegründet.DochnachdemfrühenTodihresVaters
tratsieam01.04.1974,als27-Jährige,dieNachfolgealsGeschäftsführerinan.AlsdamalsersteFrau
ineinerFührungspositionimausschließlichvonMännerndominiertenBaugewerbemusstesiesichvonAnfanganbehaupten.
ZunächstschafftesieneueLkwundmoderneBaumaschinenan,führteeineBetriebsbuchhaltungein,begannmitderAusbil-
dungvonStraßenbauern,schufab1989andemneuenStandortinderSaarbrückerStraßeRaumfüreineständigsteigende
Mitarbeiterzahl.InderFolgeließsiedasQualitäts-undUmweltmanagementmehrfachzertifizieren.
Als junge dynamische Geschäftsführerin hatte sich Renate Dittgen schnell sowohl innerhalb als auch außerhalb ihres Betrie-
bes Respekt und Anerkennung verschafft. Schon bald hatte sich das Bauunternehmen dittgen über die Grenzen des Saar-
landes hinaus einen guten Namen im Asphalt-, Straßen- und Kanalbau gemacht. Im Zuge derVergrößerung ihres Unterneh-
mens wurden Ende der Neunziger Jahre derWerkstatt- und derTransportbetrieb in eigenständige Schwestergesellschaften
ausgelagert. Damit entstand dann die dittgen-Gruppe. DemVerfasser ist aus seiner langjährigen Mitgliedschaft im Stadtrat
(1968-2009) bekannt, dass fast alle großen städtischen Straßen- und Kanalbauprojekte in Saarlouis von der Firma dittgen zur
vollsten Zufriedenheit erledigt wurden.
Am 5.12.2019 berichtete die SZ unter der Überschrift:„Renate Dittgen und die Revolution im Baugewerbe“ von ihrem 45-jäh-
rigen Jubiläum als erfolgreiche Geschäftsführerin ihres Schmelzer Unternehmens sowie der Ehrung von 16 MitarbeiterInnen
für ihre jahrzehntelange Zugehörigkeit undTreue zum Unternehmen. Renate Dittgen ist besonders stolz darauf, dass bei ihr
Mitarbeiter von der Ausbildung bis zum Ruhestand und aus zwei oder gar drei Generationen aus einer Familie beschäftigt
sind. In den 124 Jahren des Bestehens habe im Unternehmen stets eine gute familiäre Atmosphäre geherrscht. Darauf lege
sie auch künftig großenWert, so Renate Dittgen.
Für ihr langjähriges erfolgreiches Engagement als Geschäftsführerin wurde sie mehrfach ausgezeichnet, so erhielt sie im Jahr
2013 aus den Händen des jetzigen Außenministers Heiko Maas das Bundesverdienstkreuz am Bande.
Um ihr Unternehmen zukunftssicher zu machen und die 275 Arbeitsplätze langfristig zu sichern, hatte sich Renate Dittgen
in den letzten Jahren intensiv um eine Zukunftslösung bemüht. Da sich jedoch weder eine familiäre noch eine betriebsinter-
ne Lösung hierfür abzeichnete, entschloss sie sich zumVerkauf an die seit 88 Jahren existierende Juchem-Gruppe aus dem
rheinland-pfälzischen Niederwörresbach, die mit 383 MitarbeiterInnen ähnlich strukturiert ist wie die dittgen-Gruppe. Durch
diesen Zusammenschluss ist ein Unternehmen mit 658 Mitarbeitern entstanden, das im Asphalt-, Straßen- und Kanalbau nun
Markführer im Saarland ist und auch in Rheinland-Pfalz führend ist. Alle MitarbeiterInnen der dittgen-Gruppe wurden mit
ihren bisherigen Funktionen übernommen. Auch Renate Dittgen bleibt weiterhin Geschäftsführerin der dittgen Bauunterneh-
men GmbH. Matthias Juchem, einer der Geschäftsführer der Juchem-Gruppe, wird sie in der Geschäftsführung unterstützen.
In einem Gespräch mit der SZ, über das in der Ausgabe vom 10./11.10.2020 ausführlich berichtet wurde, erklärte Renate Ditt-
gen, dass die Devise im Schmelzer Unternehmen weiterhin„dittgen bleibt dittgen“ heiße und es ihr auch weiter Spaß mache,
die dittgen-Geschäfte zu führen. An Ruhestand denke sie voerst noch nicht. Ihren Hobbys, wie ihre vier Hunde und Gartenar-
beit sowie jetzt der Heimatkunde könne sie sich auch in nächster Zeit nur eingeschränkt widmen.Wir, dieVerantwortlichen
des Heimatkundevereins Lisdorf, freuen uns, dass mit Renate Dittgen nunmehr eine beeindruckende Unternehmer-Persön-
lichkeit zu uns gehört. - HeinerGroß
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Heimatverbunden
Über ganz Deutschland verteilt gibt es Mitglieder des VHL, aber auch in Frankreich und Luxemburg und sogar in
Chicago in den USA ist unser Mitglied Alexander Džaković als Arzt tätig. In nächster Zeit stellen wir Ihnen diese vor.
Nachfolgend grüßen unsere Mitglieder Margareta und Wolfgang Gebler aus Hohenstein-Trebra in Nordthüringen,
die seit nunmehr 20 Jahren Mitglieder des VHL sind. Margareta hat Lisdorfer Wurzeln.
Sie wohnen in 99755 Hohenstein-Trebra, Kreis Nordhausen im Südharzbereich in Nordthüringen, wo die Eltern von
Margareta, Oskar Kohlhase und Greta, geb. Spaniol (in Lisdorf geboren) bis nach dem 2. Weltkrieg ihr Hofgut bewirt-
schafteten. Seit 2001 besteht ein freundschaftlicher Kontakt zur Familie des jetzigen VHL-Ehrenvorsitzenden Heiner
Groß. Zur Vorbereitung einer Reise des VHL nach Thüringen im Jahr 2001 besuchten Heiner und Marie-Luise Groß die
Geblers in Trebra. Seither besteht der freundschaftliche Kontakt.
Auf der Reise des VHL unter dem Motto„Auf den Spuren der Evakuierten 1939/40 in Thüringen“ mit 50 Teilnehmern
Ende Juli 2001 wurden wir von der Fam. Gebler nicht nur überaus freundschaftlich begrüßt, sondern auch fürstlich
auf ihrem großen Hofgelände bewirtet.
Margareta Gebler (79) ist die Tochter der aus Lisdorf stammenden Greta Kohlhase, geb. Spaniol, die während der
Evakuierung 1939 in Trebra ihren Mann Oskar Kohlhase
kennenlernte. 1940 wurden sie in Andernach/Rhein
von OB Alois Spaniol getraut. Er war ein Bruder von
Greta. 1941 wurde Margareta geboren. Während ihrer
Ausbildung als Krankenschwester lernte sie ihren Mann
Wolfgang in Dresden kennen. Seit ihrer Heirat wohnen
sie auf dem Hof in Trebra. Bildberichte über die VHL-
Reise 2001 sind in den Heimatblättern Nr. 4 und Nr. 28
veröffentlicht.
Das Elternhaus von Greta Spaniol in Lisdorf ist die heu-
tige Zahnarzt-Praxis von Harald Baumann.
"Worüber ich mich immer wieder wundere ist dies: es gibt
auf der Welt über dreißig Millionen Gesetze, um die zehn
Gebote durchzuführen."
Albert Schweitzer
Urwalddoktor und Friedensnobelpreisträger (1875-1965)
Margareta, geb. Kohlhase und Wolfgang Gebler anlässlich des
80. Geburtstages von Wolfgang am 20.11.2019
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Von Heiner Groß
Am 10. Juni 2020 war im Lokalteil der SZ der erste
Teil einer Serie über die Geschichte der Seuchen in
der Region unter der Überschrift„Seuchen begleiten
Menschen schon lange“ veröffentlicht. Der Verfasser
Volkmar Schommer aus Beckingen-Düppenweiler ist
mir als Autor eines zweibändigen Buches über den 2.
Weltkrieg im Haustadter Tal bekannt. Da ich mich im
Zuge der Corona-Krise ebenfalls mit Seuchen in unse-
rer Heimat befasst habe, habe ich Volkmar Schommer
kontaktiert. Dabei erfuhr ich, dass er als Pensionär der
Gemeindeverwaltung Beckingen auch heimatkundlich
engagiert ist, und zwar als Vorstandsmitglied im Hei-
matkundeverein Düppenweiler. Außerdem ist er litera-
risch aktiv. So haben wir unsere Berichte über Seuchen
interessehalber ausgetauscht. Zusätzlich habe ich ihm
die letzten fünf Lisdorfer Heimatblätter zugestellt.
Volkmar Schommer erzählte mir, dass er eine größere
Arbeit über die Pfarrgeschichte von Düppenweiler
gefertigt habe, die aber noch nicht veröffentlicht sei.
Im Jahr 1765 habe die Abtei Wadgassen unter Leitung
des aus Lisdorf stammenden Abtes Michael Stein
eine kleine Kirche in Düppenweiler errichtet, die aber
bereits 1897 wieder abgerissen worden sei. Die drei
Altäre in dieser Kirche seien damals nicht eigens neu
gefertigt worden, sondern auf Vermittlung des Abtes
Michael Stein im Rahmen eines Tauschgeschäftes von
der Lisdorfer Kirche übernommen worden. Als Gegen-
leistung habe Düppenweiler Sandsteine aus einem
Steinbruch für neue Altäre in der Lisdorfer Kirche gelie-
fert, die zur gleichen Zeit ebenfalls vom Kloster Wad-
gassen gebaut wurde.
Bei den eingetauschten Altären aus Lisdorf habe es
sich um einen sehr alten Hochaltar aus Eichenholz
mit drei ausdrucksvollen Statuen in ¾ Lebensgröße
von Christus am Kreuze, Maria und Josef sowie um
zwei ebenfalls sehr alte Nebenaltäre mit den Statuen
der Mutter Gottes und des Hl. Valentinus gehandelt.
Volkmar Schommer stützt seine Schilderung über das
kirchliche Tauschgeschäft zwischen Lisdorf und Düp-
penweiler auf Ausführungen von Arnt Finkenberg in
seinem Buch„Lisdorf von der Steinzeit bis zur Gegen-
wart (1996)“, S. 113-119. Dieser wiederum bezog sich
auf Johann Goergen und seine nicht veröffentlichte
Ortsgeschichte von Lisdorf (S. 177-181). J. Goergen
stützte seine diesbezüglichen Ausführungen auf
eine Inventuraufnahme des Lisdorfer Pfarrers Johann
Schuster vom 12.5.1847 (Pfarrarchiv Lisdorf, Akten
C-Nr. 1), in der dieser rund 80 Jahre nach Erbauung der
Lisdorfer Pfarrkirche (1764) deren Bau, Ausmaße und
Ausstattung unter Punkt 7 eingehend beschrieb. Er
führte u.a. aus:„Die alten Altäre aus der früheren Kirche
(1769 bis auf den Kirchturm abgerissen) wurden der
Kirche in Düppenweiler überlassen. Dafür lieferte Düp-
penweiler die Sandsteine aus einem Steinbruch für die
neuen Altäre, die von dem Kunsthandwerker Grauner,
Saarbrücken, gestaltet wurden.“
Der aus Lisdorf stammende Abt des Klosters Wadgas-
sen hatte beim Bau der neuen Kirche in Lisdorf im Zeit-
raum 1760/1764 keine Kosten und Mühen gescheut,
um ein schönes und großes sakrales Barock-Bauwerk
zu errichten. Das hat er offenbar in Düppenweiler nicht
getan. So führt V. Schommer in seiner Arbeit über die
Pfarrgeschichte von Düppenweiler aus:„Es ist anzuneh-
men, dass der Abt von Wadgassen im Rahmen des Kir-
chenbaus keine allzu großen Investitionen in Düppen-
weiler getätigt hat.“ Wohl auch deshalb wurde diese
kleine Kirche bereits im Jahr 1897 wieder abgerissen
und eine neue Kirche gebaut.
Kirchliches Tauschgeschäft
zwischen Lisdorf und Düppenweiler vor 255 Jahren
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Von Heiner Groß
Der Schriftführer im Vorstand unseres Lisdorfer Hei-
matkundevereins Harald Weiler mailte mir unlängst
eine Anfrage von Gernot Karge aus Saarlouis, früher
Leiter des Kreisarchivs und auch nach seiner Pensi-
onierung weiterhin Chef-Genealoge im Landkreis
Saarlouis, nach einem am 25.01.1901 in Lisdorf gebo-
renen Vinzenz Lonsdorfer zu. Vor allem interessiere ihn,
aus welcher Lonsdorfer-Familie in Lisdorf er stamme.
Er, Gernot Karge, habe ihn nicht in seiner Genealogie
Lonsdorfer gefunden. Da Vinzenz Lonsdorfer nach
1900 geboren war, ist er aus Datenschutzgründen
nicht im Lisdorfer Einwohnerbuch von Rudolf Zenner
(†) aufgeführt.
Bei seinen Recherchen habe er festgestellt, dass Vin-
zenz Lonsdorfer als junger Mann Pianist im Lokal der
Witwe Pfeiffer in der Saarlouiser Wallstraße 13 war. Am
15.01.1925 habe er in der Schlächterstraße 7 gewohnt,
dann zwei Monate später im Hotel Rheinischer Hof in
der Adlerstraße und wieder drei Monate später in der
Schwarzochsenstraße 9/11. Seit dem 16.10.1925 habe
er wieder in Lisdorf gewohnt. Offenbar hatte Vinzenz
Lonsdorfer als junger, klavierkundiger Mann einige Zeit
seinen Lebensunterhalt als Klavierspieler in Saarlouiser
Lokalitäten verdient.
Über meine familienkundlichen Unterlagen konnte ich
einen Vinzenz Lonsdorfer nicht finden. Dann hat mir
aber Helga Spies, geb. Groß von der Holzmühle, eine
entfernte Verwandte und Mitglied unseres Heimat-
kundevereins mit einem Faible für Ahnenforschung,
Aufklärung verschafft. Vinzenz Lonsdorfer war ein Sohn
der Eheleute Josef Lonsdorfer (*1853, †1926) und Ma-
ria, geb. Klein (*1859, †1941), die in der Schmidtstraße
(Schmidtgasse) wohnten. Sie waren die Urgroßeltern
von Helga Spies mütterlicherseits. Ihre 2019 im Alter
von 91 Jahren auf der Holzmühle verstorbene Mutter
Ilse Groß war eine geborene Lonsdorfer aus Lisdorf. Ihr
Vater Alois Lonsdorfer war ein 8 Jahre älterer Bruder
des besagten Vinzenz Lonsdorfer. Dieser hat nach
seiner Verheiratung in Güdingen gewohnt, wo er auch
1976 im Alter von 75 Jahren verstorben und auf dem
dortigen Friedhof beerdigt wurde. Auch unser Senior
im VHL, der 93-jährige Rudolf Lonsdorfer, kannte Vin-
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zenz Lonsdorfer. Bei meinen Recherchen um Vinzenz
Lonsdorfer und seine Vorfahren bin ich auf den Priester
Johann Lonsdorfer aus Lisdorf gestoßen, von dessen
Existenz mir, und auch Helga Spies, bislang nichts
bekannt war.
Die Eheleute Johann Caspar Lonsdorfer (*1814 †1881)
und Katharina geb. Klein (*1816 †1892) aus Lisdorf
hatten 13 Kinder, von denen 5 im Kindesalter starben.
Das 10. Kind war vorerwähnter Josef Lonsdorfer, der
Urgroßvater von Helga Spies. Das 6. Kind war der am
05.01.1846 in Lisdorf geborene Johann Lonsdorfer.
Nach Ablegung der Reifeprüfung studierte er am
Priesterseminar in Trier Theologie. Zum Priester wurde
er am 26.08.1871 im Hohen Dom zu Trier im Alter von
25 Jahren geweiht. Seine Kaplanszeit absolvierte er in
Koblenz. Danach war er Pastor der Pfarrei in Kesseling.
Die Gemeinde Kesseling liegt im Ahrtal und gehört
heute zur Verbandsgemeinde Altenahr im Landkreis
Ahrweiler. Ab dem 10.12.1889 war Johann Lonsdorfer
Pastor der Pfarrei Bollendorf, die im südlichsten Teil
der Eifel am Flüsschen Sauer liegt, die dort die Grenze
zum Großherzogtum Luxemburg bildet. Echternach,
die luxemburgische Grenzstadt, weltbekannt durch die
jährlich dort am Dienstag nach Pfingsten stattfindende
Springprozession, ist nur wenige Kilometer entfernt.
Die Gemeinde Bollendorf mit ihrer wald- und felsenrei-
chen Umgebung ist Luftkurort und heute Mittelpunkt
des Deutsch-Luxemburgischen Naturparks. Der Ort,
der heute zum Landkreis Bitburg-Prüm gehört, bie-
tet mehrere Sehenswürdigkeiten, die auch schon, als
Johann Lonsdorfer dort Pastor war, da waren: So die
prächtige ehemalige Wasserfestung (Schloss) aus dem
17. Jahrhundert, in der heute ein großes Hotel-Restau-
rant eingerichtet ist. Im Schlosspark befindet sich ein
Vogelschutzgehege mit vielen Greifvögeln. Im be-
nachbarten Irrel liegt die bizarre„Teufelsschlucht“ und
im romantischen Tal der Prüm die weithin bekannten
Wasserfälle. Bollendorf liegt auch nur 15 Auto-Minuten
von Bitburg und eine knappe halbe Stunde von Trier
entfernt.
In diesem reizvollen Ort Bollendorf war der Lisdorfer
Johann Lonsdorfer ab dem 10.12.1889 der örtliche
Pastor. Leider nur knapp 5 Jahre, denn am 29.10.1894
ist er dort im Alter von 48 Jahren bereits verstorben.
Johann Lonsdorfer aus Lisdorf
Pastor von 1875 bis 1894 in Kesseling und Bollendorf
31
Am 02.11.1894 wurde er auf dem örtlichen Friedhof
in Bollendorf bestattet. Ob seine Grabstätte dort noch
vorhanden ist, konnte noch nicht geklärt werden.
Mit dem Priester Johann Lonsdorfer hat die Lisdorfer
Großfamilie Lonsdorfer eine weitere Persönlichkeit
hervorgebracht, dessen Leben und Wirken es weiter
aufzuhellen gilt.
Zu den angegebenen Daten von Johann Lonsdorfer
verweise ich auf das mit Unterstützung von Lisdorfer
Heimatkundlern von dem VHL-Mitglied Rudolf Zenner
aus Felsberg erstellte Werk„Die Einwohner von Lisdorf
vor 1900“, Teil 2G-Q, Seite 741, Band 23, Quellen zur
Genealogie im Landkreis Saarlouis und angrenzenden
Gebieten.
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Große FahrradKinderDemo
für sichere und bessere Radwege
Unter dem Motto„Kinder aufs Rad“ haben am Sonntag,
dem 19. September 2021, in Saarlouis rund 200 Teil-
nehmer bei einer Fahrraddemonstration sichere Stra-
ßen für alle gefordert. Alle Kinder und Jugendlichen
sollen sich sicher und selbstständig mit dem Fahrrad
bewegen können. Sie forderten ein kinderfreundliches
Straßenverkehrsrecht mit geschützten, breiten Radwe-
gen an Hauptstraßen als Standard.
Für dieses positive Zukunftsbild organisierte der Allge-
meine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) eine FahrradKin-
derDemo, die„Kidical Mass“. Die Fahrraddemonstration
fand im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages
statt, wie die Saarbrücker Zeitung in großer Aufma-
chung am 21. September 2021 berichtete.
„Immer weniger Kinder fahren Fahrrad oder lernen es
erst spät. Der Grund dafür ist oft, dass Eltern Angst ha-
ben, dass ihre Kinder im Straßenverkehr verunglücken
könnten“, so der passionierte Radfahrer Marcel Scherf.
Initiator der Demo des ADFC in Saarlouis war der
Lisdorfer Neubürger Marcel Scherf. Auf unsere Bitte
hin stellt er sich hier kurz vor und berichtet über die
Aktion:„Ich bin mit meiner Frau und unserem Sohn vor
einem Jahr nach Lisdorf gezogen, da meine Frau in die
Zahnarztpraxis ihrer Eltern Dorothee und Harald Bau-
mann eingestiegen ist. Als ich von der bundesweiten
Kidical Mass Aktion erfahren habe, fand ich das eine
tolle Idee für Saarlouis. Radwege sind in vielen Städ-
ten Mangelware und auch in Saarlouis fallen mir viele
Verbesserungsmöglichkeiten ein.“
Wer Interesse an
der radverkehrspo-
litischen Arbeit des
ADFC und/oder an
dem regelmäßigen
Radtourenangebot
Mittwochs- und
Freitagsnachmit-
tags hat, kann
sich gerne tele-
fonisch bei Mar-
cel Scherf unter
0160/92317015
oder per Mail unter
saarlouis@adfc-
saar.de melden.
Der ADFC Saarlouis fordert ein sicheres Schulradwege-
netz bis zum Jahr 2030
Foto von Helmut Dörr ©
Marcel Scherf
Foto: privat
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Meine familiäre Beziehung zur Familie
Lonsdorfer in Lisdorf
Von Heiner Groß
Wenn man aus Lisdorf stammt, also nicht zugezogen
ist, hat man naturgemäß etliche Verwandte in Lisdorf
und/oder Umgebung. So auch ich.
Bevor ich auf meine Beziehung zur Familie Lonsdorfer
eingehe, ist es erforderlich, meine eigene Herkunft
aufzuzeigen.
Ich wurde 1938 als jüngstes von 2 Kindern des Land-
wirt-Ehepaares Heinrich Groß (*1906) und Maria geb.
Ecker (*1908) in Lisdorf-Holzmühle geboren. Meine
Eltern hatten 1935 in Lisdorf geheiratet. Mein Vater
war 1906 als jüngstes von 6 Kindern des Gastwirt- und
Landwirt-Ehepaares Peter Groß (*1864) und Anna geb.
Breininger (*1864) in„Breydasch-Wirtschaft“ in Lis-
dorf geboren. Kurz nach seiner Geburt verstarb seine
Mutter im Alter von 42 Jahren. Nun mussten sich sein
Vater und sein verwitweter Großvater Josef Breininger
(*1824) und seine vier älteren Geschwister im Alter
von 6 bis 14 Jahren um den Neugeborenen kümmern.
Unterstützt wurden sie von Adam Groß (*1868), Bruder
des Vaters, und dessen Frau Anna geb. Morguet (*1874)
von der Holzmühle, die selbst keine Kinder hatten. 1910
verstarb der Großvater Josef Breininger und 1912 der
Vater Peter Groß. Nach deren Tod übernahmen Peter
Breininger (*1868), Bruder der verstorbenen Mutter,
und seine Ehefrau Anna Maria geb. Amann (*1869) den
elterlichen Betrieb. Die beiden jüngsten Vollwaisen
Heinrich (7 Jahre) und Adolf (13 Jahre) kamen zu Adam
und Anna Groß-Morguet auf der Holzmühle. Die beiden
Mädchen Anna und Katharina Groß-Breininger, 21 und
20 Jahre alt, hatten die Höhere Töchterschule und an-
schließend das Mädchen-Lyzeum in Saarlouis besucht.
Daneben halfen sie in der Gastwirtschaft aus. Beide
verließen nun das Elternhaus, gingen in Wiesbaden auf
eine Krankenpflegeschule und wurden Krankenschwes-
tern. Zum beabsichtigten Medizinstudium fehlten die
nötigen Mittel. Der 18-jährige Peter Groß-Breininger
ging nach einer Metzgerlehre in der Lisdorfer Metzgerei
Kneip auf Wanderschaft ins Rheinland und ist später als
Soldat im 1. Weltkrieg gefallen. Schwester Berta (*1898)
war bereits kurz nach ihrer Geburt verstorben.
Mein Vater, Heinrich Groß, blieb bei seinen Pflegeeltern
Adam und Anna Groß auf der Holzmühle und hat diese
später beerbt. Er machte eine Ausbildung als Landwirt
und Gemüsebauer, besuchte die 2-semestrige Land-
wirtschaftsschule in Saarlouis und heiratete 1935 Maria
Ecker, Tochter des Landwirtes Johann Ecker (1866–
1918) und Maria geb. Nicola (1872–1934). Mein Großva-
ter mütterlicherseits war ein Neffe des Theologen Prof.
Dr. Dr. Jakob Ecker (1851–1912) aus Lisdorf.
1936 wurde meine Schwester Agnes Groß geboren und
ich 1938. In der Evakuierung 1940 in Thüringen wurde
mein Vater zur Wehrmacht eingezogen und kam 1943
bei Smolensk in russische Kriegsgefangenschaft. Am 5.
Mai 1945 ist er in einem russischen Kriegsgefangenen-
lager in Sibirien verstorben.
Meine Mutter Maria Groß geb. Ecker führte den Gemü-
sebaubetrieb nach der Rückkehr aus der Evakuierung
im Spätsommer 1940 eigenverantwortlich und unter
großen Entbehrungen weiter. Zudem hatte sie zwei
kleine Kinder und drei ältere Familienangehörige zu
versorgen. Den Betrieb mit Selbstvermarktung des
erzeugten Gemüses führte sie bis etwa 1970. Sie starb
1987 im Alter von 79 Jahren plötzlich und unerwartet.
Meine Großeltern väterlicherseits waren Peter Groß
(1864–1912) von der Holzmühle und Anna geb. Breinin-
ger (1864–1906), die aus„Breydasch-Wirtschaft“ stamm-
te. Als junger Mann diente mein Großvater einige Jahre
bei der kaiserlichen Garde in Berlin, was damals eine
besondere Ehre war und ihm große Anerkennung
brachte. Seit 1891 war er mit Anna geb. Breininger ver-
heiratet, mit der er 6 Kinder hatte.
Die verwandtschaftliche Beziehung zur Fami-
lie Lonsdorfer kam durch meine Tante Anna Groß
(1892–1924) zustande, die älteste Schwester meines
Vaters. Sie heiratete gegen Ende des 1. Weltkrieges
Adolf Heinrich Lonsdorfer (1888–1946), einen Sohn des
Schiffers Johann Adam (Hans) Lonsdorfer (*1856) und
Angela geb. Louis (1861-1927). 1882 gründeten sie die
Kohlen- und Baustoffgroßhandlung Lonsdorfer in der
Provinzialstraße, die später von den Geschwistern Adolf
H. Lonsdorfer, Angela (Aline), Eduard und Anna Marie
(Mary) Lonsdorfer weitergeführt wurde.
Angela Lonsdorfer geb. Louis war eine Tochter des Mül-
lers Johann Louis (1825–1876) und Angela geb. Quirin
(vor 1830–1867), die Eigentümer der Lisdorfer Mühle
(Kapellenmühle) waren.
Sohn Adolf Heinrich Lonsdorfer (1888–1946) war Kauf-
mann (vermutlich hat er in Saarlouis Abitur gemacht,
dann Betriebswirtschaft studiert und ist als Dipl.-
Kaufmann nach Lisdorf zurückgekehrt). Während des
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1. Weltkrieges musste
er Kriegsdienst leisten.
1918 heiratete er Anna
geb. Groß, die von
1913–1916 in Wiesba-
den eine Krankenpfle-
geschule besucht hatte
und danach im Krieg
als Krankenschwester
tätig war. Sie kannten
sich bereits seit Jahren.
Adolf Lonsdorfer galt als
„Hallodri“ und hatte vor
seiner Heirat mehrere
Liebschaften und war
Vater von unehelichen
Zwillingen in Lisdorf.
Nach seiner Heirat mit
Anna Groß pachtete er 1917 durch Vermittlung seiner
Mutter Angela geb. Louis die Lisdorfer Mühle (Kapel-
lenmühle). Sein Onkel Matthias Louis (*1852) hatte die
Mühle von seinen Eltern geerbt und sie 1908 an das
Bankhaus Albert und Albrecht Hanau in Straßburg
verkauft. Bereits 1918 wurde die Mühle an die Familie
Reinhardt aus Lisdorf verkauft.
Adolf H. Lonsdorfer wohnte mit seiner Frau Anna geb.
Groß bis 1920 in seinem Elternhaus in der Provin-
zialstraße. Dann zogen sie nach Dortmund wegen
besserer beruflicher Möglichkeiten. Mit den beiden
ging auch der damals 20-jährige Bruder Adolf Groß
nach Dortmund, der seit 1913 bei Onkel und Tante
auf der Holzmühle wohnte. Adolf Groß hatte auf dem
Bouser Werk eine Lehre als Schlosser und Dreher ge-
macht und arbeitete dort bis 1920. In Dortmund bekam
er eine Stelle bei den Hüttenwerken Hoesch AG. Er stieg
dort zum Meister, Obermeister und sogar zum Direktor
auf (vgl. Heimatblatt Nr. 6 vom Nov. 2003, S. 24/25). Als
langjähriges Mitglied der SPD und des Stadtrates in
Dortmund genoss er auch politisches Ansehen.
Für Adolf H. Lonsdorfer verlief die Zeit in Dortmund
nicht so gut. Nach kurzer Ehe verstarb seine Frau Anna
(meine Tante), und auch der berufliche Erfolg blieb aus.
Nach dem Tod seiner Frau lebte er zunächst mit seinem
jungen Schwager Adolf Groß zusammen, bis dieser sich
mit einer jungen Westfälin verheiratete. Auch Adolf H.
Lonsdorfer heiratete nach kurzer Zeit wieder. Aus dieser
Ehe stammt sein Sohn Günther Lonsdorfer, von dem
später noch berichtet wird.
1946 ist Adolf H. Lonsdorfer beim Überqueren von Bahn-
gleisen in betrunkenem Zustand von einem Zug erfasst
worden und zuTode gekommen. Er war 58 Jahre alt und
wurde auf einem Friedhof in Dortmund beerdigt.
Sein Sohn Günther Lonsdorfer lebte bis zu seiner Ver-
heiratung zeitweise in der Familie seines (und meines)
Onkels Adolf und Sophie Groß in Dortmund. Diese
waren kinderlos und adoptierten eine Tochter namens
Lore. Nach der Heirat mit Erika ist Günther Lonsdor-
fer nach Frankfurt gezogen. Dort gründete er ein
florierendes Taxi-Unternehmen. Er hat 2 Töchter, die
im Raum Frankfurt verheiratet sind.
Über meinen Onkel Adolf Groß in Dortmund hat-
ten wir regelmäßig Kontakt zu Günther und Erika
Lonsdorfer in Frankfurt. Auch nach dessen Tod
1969 blieb der Kontakt bestehen. Sie besuchten
uns regelmäßig auf der Holzmühle und auch Tante
Mary Lonsdorfer in Lisdorf. Dabei gab es regelmäßig
heftigen Streit zwischen Günther und Mary. Gün-
ther warf seiner Tante vor, dass sein verstorbener
Vater Adolf bei der Erbauseinandersetzung stark
benachteiligt worden sei. Sie wiederum bezeichnete
Adolf als„Taugenichts“. Nach dem plötzlichen Tod
von Mary Lonsdorfer 1969 ist der Kontakt zu seinen
Lisdorfer Verwandten abgebrochen, blieb aber zu
uns weiterhin bestehen. Nach dem Tod von Gün-
ther Lonsdorfer 1991 wurde das Taxi-Unternehmen
verkauft. Seine Witwe Erika lebt heute als 95-Jährige
in einem Altenwohnstift in Frankfurt. Zu ihr habe ich
gelegentlich telefonischen Kontakt.
Mary Lonsdor-
fer war ab 1957
Alleininhaberin der
Kohlen- und Bau-
stoffgroßhandlung.
Erst im Alter von 66
Jahren engagierte
sie sich 1964 in der
Kommunalpolitik.
Sie gehörte als Mit-
glied der SVP/CVP dem Stadtrat in Saarlouis an. Außer-
dem war sie Ehrenmitglied des Bergmannvereins.
Unter großer Anteilnahme wurde sie 1969 in der
Erbbegräbnisstätte der Familie auf dem Lisdorfer
Friedhof beigesetzt. Beerbt wurde sie von ihrer lang-
jährigen Haushälterin Hildegard Theis, die später
den verwitweten Schulrektor Peter Prümm heiratete.
Das Unternehmen wurde an die Saarlouiser Firma
Manstein verkauft.
Auf Vorschlag von Dr. Claudia
Wiotte-Franz, der Vorsitzenden des
frauenhistorischen Arbeitskreises
Saarlouis, wurde 2014 eine Straße
im Gewerbe- und Industriegebiet
Lisdorfer Berg nach Mary Lonsdor-
fer benannt. (Vita von Mary
Lonsdorfer, vgl. Heimatblatt Nr.
18/19 von 02/2015).
Trotz meines entfernten Verwandt-
schaftsgrades zur Familie Lonsdor-
fer bestehen immer noch vielfältige
Kontakte, die mich zu diesem aus-
führlichen Bericht bewogen haben.
Adolf Heinrich Lonsdorfer und
Anna, geb. Groß
Mary Lonsdorfer
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Gestohlene Erinnerungen zurückgeben
Auf der Suche nach Ludwig Jenner aus Lisdorf
Von Anna Leinen
Was führt eine Bremer Geschichtsstudentin ins saarlän-
dische Lisdorf? Im letzten Wintersemester belegte ich
an der Uni Bremen ein Seminar zu den Arolsen Archi-
ves, dem weltweit umfassendsten Archiv zu Opfern und
Überlebenden des nationalsozialistischen Terrors. Es
bewahrt nicht nur Archivgut, sondern auch persönliche
Gegenstände von Opfern der NS-Verfolgung, die sie in
den Konzentrationslagern abgeben mussten. Im Projekt
#StolenMemory recherchieren Freiwillige Verfolgungs-
wege und suchen, mit dem Ziel, die persönlichen
Gegenstände zurückzugeben, nach Überlebenden und
Angehörigen. Da meine Familie väterlicherseits aus
Besseringen stammt, beschloss ich, nach Verfolgten aus
dem Saarland zu suchen, und stieß hierbei auf Ludwig
Jenner aus Lisdorf, aus dessen persönlichem Besitz die
Arolsen Archives zahlreiche Fotos sowie einige Briefe
und Postkarten aufbewahren, die noch nicht zurück-
gegeben werden konnten. Für meine Suche vor Ort
wandte ich mich an den Heimatkundeverein Lisdorf,
der mir tatkräftig bei der Suche nach Angehörigen von
Ludwig Jenner hilft.
Geboren wurde Ludwig Jenner am 8. Februar 1912.
Mit seinen Geschwistern und seinen Eltern Margaretha
und Peter Jenner lebte er in Lisdorf in der damaligen
Adolf-Hitler-Straße 25 (heute ist die Straße in Deut-
sche, Französische, Lisdorfer und Provinzialstraße
aufgeteilt). Auf einem Foto, das er mit sich führte, ist
ein Lieferwagen der„Getreidehandlung der Firma P.
Jenner“ in„Lisdorf-Saarlautern 4“ abgebildet, der auf
die Erwerbstätigkeit der Familie oder Verwandtschaft
schließen lässt. Ludwig Jenner war ledig und arbeitete
als kaufmännischer Angestellter, gab aber auch„Koch“
als Beruf an. Ab Mai 1941 befand er sich, verurteilt
wegen Diebstahls, im Gefängnis Saarbrücken. Von dort
aus kam er im Juli 1941 in die„Heilanstalt“ Lörchingen.
Bekannt ist, dass hier Menschen mit geistiger Behin-
derung ermordet wurden. Weshalb Jenner zwischen-
zeitlich in Lörchingen war, bleibt unklar. Fraglich ist, ob
die Verlegung aus dem Saarbrücker Gefängnis mit der
Überfüllung der Strafanstalt zusammenhing. Ab August
1943 befand sich Jenner wieder im Saarbrücker Ge-
fängnis. Hier versuchte er noch, sich freiwillig als Soldat
zu melden. Zunächst schien sein Gesuch Erfolg zu ha-
ben, so sollte er die benötigten Unterlagen einsenden.
Doch wenige Wochen später, im Dezember 1943, war er
nicht Soldat, sondern Häftling im Konzentrationslager
Natzweiler-Struthof, gekennzeichnet als„Asozialer“. Mit
dieser Bezeichnung stigmatisierten und verfolgten die
Nationalsozialisten jene Menschen, die in ihrer Lebens-
führung von nationalsozialistischen Idealen abwichen
– die diskriminierende Sammelbezeichnung umfasste
beispielsweise Wohnungslose, Fürsorgeempfänger,
Bettler oder Prostituierte, aber auch Jugendliche, die
sich nationalsozialistischer Kontrolle entzogen. Unklar
bleibt, warum Jenner als„Asozialer“ bezeichnet wurde.
Mit seiner Inhaftierung im KZ bekam sein Verfolgungs-
weg eine neue Schärfe: Während er für die National-
sozialisten zuvor zumindest zwischenzeitlich noch als
potenzieller Soldat von Interesse zu sein schien und so
womöglich eine Chance gehabt hätte, seinen Verfol-
gungsweg an dieser Stelle zu beenden, war er nun
Teil eines Lagersystems, das seine Vernichtung zum
Ziel hatte. Vom KZ Natzweiler aus wurde er in das KZ
Dachau und schließlich in das KZ Neuengamme bei
Hamburg transportiert. Hier verliert sich seine Spur, es
gibt keinen Hinweis, dass er die Konzentrationslager
überlebte. Auch die angefragten Gedenkstätten haben
keine weiteren Informationen zu ihm. Nach Lisdorf ist
Ludwig Jenner nie wieder zurückgekehrt.
Falls Sie, liebe Leserinnen und Leser, Ludwig Jenner
kannten oder etwas über noch lebende Angehörige
wissen, wären wir Ihnen für Hinweise dazu sehr dank-
bar!
Anna Leinen unterstützt als
studentische Hilfskraft die
Bremer Public History und
kümmert sich vor allem um
deren Außenauftritt. Sie
studiert im Master Geschichte
mit Schwerpunkt Geschich-
te in der Öffentlichkeit und
interessiert sich besonders
für Frauen in der Geschichte
von Salonnières zur Zeit der
Französischen Revolution
bis hin zu Kochbuchautorin-
nen des Ersten Weltkriegs.
Nach Studien- und Praktikumsaufenthalten in Japan
und Frankreich sieht sie ihre berufliche Zukunft in der
außerschulischen Geschichtsvermittlung.
Foto: privat
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Nachname Vorname Geburtsname Geburtsort Geburtsdatum verstorben #
De Bakker Barbara Herrig Lisdorf 22.05.1916
Diedrich Hans Lisdorf 30.03.1911
Frey Jakob Phillip Lisdorf 03.01.1890
Jenner Ludwig Lisdorf 08.02.1912 +1944/45
Kaczmarek Franz Lisdorf 21.03.1915
Paliot Josef Lisdorf 16.06.1910
Pich/Piech Alma Laurach Lisdorf 29.04.1922
Risler Katharina Lisdorf 01.06.1915
Salomon Caroline Lisdorf 23.04.1888
Theobald Johann Lisdorf 03.12.1901
Die folgende Liste enthält die Namen von NS-Opfern, die in Lisdorf geboren wurden.
Leider liegen uns über die genannten Personen keine weiteren Informationen vor. Falls einem unserer Leser etwas über eines
der Opfer bekannt ist, bitten wir um Rückmeldung unter heimatkunde@lisdorf.de
Auf Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashiem in Jerusalem stehen zusätzlich:
Klein Emilie Lisdorf/Clermont-Ferrand *1919
Marx Delfine *1864
Salomon Fredy Alfred Lisdorf/Metz *1931
Wolf David *1881 +1944
Wolf Erna *1886
Bekannte Lisdorfer Opfer der NS-Euthanasie:
Keil Josef Provinzialstraße 88, Lisdorf *1925 +1938
1937 verschleppt in Zwischenanstalt Schuern-Nassau, 1938 ermordet
Lonsdorfer Andreas Lisdorf/Merzig *1901 +1941
vh 1924 mit Maria Welsch (*1904)
aus Merzig verschleppt in "Landesheilanstalt" Hadamar, dort ermordet
Sohn der Schiffer Andreas Lonsdorfer (*1865) und Anna Nalbach (*1867)
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Ein Spross der großen Lisdorfer Lonsdorfer-Familie:
Bankdirektor Dr. jur. Josef Lonsdorfer (1888–1976)
Von Heiner Groß
Ein wesentlicher Teil der satzungsmäßigen Aufgaben
des Vereins für Heimatkunde Lisdorf e.V. (VHL) ist die
Ahnen- und Familienforschung auch als Genealogie
bezeichnet. Seit der Gründung des Vereins im Jahre
1997 beschäftigt sich insbesondere der langjährige
Vorsitzende und jetzige Ehrenvorsitzende des Vereins
mit genealogischen Fragen. Kurz nach der Gründung
des Vereins wurde bei der Vereinigung für die Heimat-
kunde im Landkreis Saarlouis e.V. mit Sitz im Kreisar-
chiv beim Landratsamt angeregt, ein Lisdorfer Ein-
wohnerbuch im Rahmen der vom Kreisarchivar Gernot
Karge herausgegebenen„Quellen zur Genealogie im
Landkreis Saarlouis und angrenzenden Gebieten“ zu
erstellen. Mit Rudolf Zenner (1939-2014) aus Felsberg,
der als Hobby-Genealoge und EDV-Spezialist bei der
Kreisvereinigung im Archiv des Landratsamtes Saarlou-
is bereits seit Jahren ehrenamtlich engagiert war, hatte
sich schnell jemand gefunden, der sich bereit erklärte,
die umfangreiche und diffizile Arbeit für ein Lisdorfer
Einwohnerbuch mit Unterstützung der Lisdorfer Hei-
matfreunde zu übernehmen.
Rudolf Zenner war in erster Ehe mit einer Lisdorferin
verheiratet, die nach wenigen Ehejahren bei einem
Verkehrsunfall tödlich verunglückte. Aus diesem Grund
gehörte er auch dem VHL als Mitglied an. Nach mehr-
jähriger Arbeit, selbstverständlich mit tatkräftiger Un-
terstützung einiger Lisdorfer VHL-Vorstandsmitglieder
und der Kollegen im Kreisarchiv, hatte Rudolf Zenner
das umfangreiche Werk erstellt, so dass Gernot Karge
im Jahr 2001 das Lisdorfer Einwohnerbuch als Band 23
mit 3 Teilbänden der Quellen zur Genealogie im Land-
kreis Saarlouis herausgeben konnte.
Im Teilband 2 G-Q ist auf den Seiten 731-760 die Fa-
milie Lonsdorfer aus Lisdorf erfasst. Sie gehört zu den
größten Familien in Lisdorf, obwohl mit dem aus Lu-
xemburg zugereisten Matthias Lonsdorfer erst gegen
1700 die Ära der Lonsdorfer im bereits seit 911 existie-
renden Lisdorf begann.
An anderer Stelle in dieser Ausgabe wird darüber
berichtet.
Mehr oder weniger zufällig habe ich in unserem Ver-
einsarchiv eine Liste der Abiturienten des Saarlouiser
Jungen-Gymnasiums aus dem Jahre 1911 gesehen.
Unter den dort aufgeführten 28 Abiturienten ist ein
Joseph Lonsdorfer aus Lisdorf verzeichnet. Er war am
25.10.1888 als Sohn eines Landwirts in Lisdorf gebo-
ren. Neben einem Peter Schwarz aus Ensdorf, geb. am
27.06.1890, waren sie die einzigen Abiturienten, deren
Eltern Landwirte waren.
Die schriftliche Prüfung fand vom 30. Januar bis 3.
Februar 1888 statt, die mündliche unter dem Vorsitz
des Königlichen Provinzial-Schulrats Dr. Hoeres am 6.
März 1888.
In besagter Abiturienten-Liste sind weitere interessan-
te Angaben über die Abiturienten gemacht, so u. a.
wie lange sie am Gymnasium und in der Prima waren,
welchen Beruf sie anstrebten und wer von der mündli-
chen Prüfung befreit war.
Joseph Lonsdorfer war wohl ein guter Oberprimaner,
denn er wurde von der mündlichen Reifeprüfung
befreit. Als Beruf bzw. Studienfach ist bei ihm Rechts-
wissenschaft angegeben.
Nun, aus welcher Lisdorfer Lonsdorfer-Familie stammte
er?
Das kann glücklicherweise im Lisdorfer Einwohner-
buch alles genau nachgelesen werden. Er war das
6. Kind der Eheleute Josef Lonsdorfer (20.07.1853-
17.02.1926) und Maria, geb. Klein (02.08.1859-
03.03.1941), die in der Schmidtstraße in Lisdorf wohn-
ten. Sie hatten insgesamt 11 Kinder (7 Jungen u. 4
Mädchen), von denen 9 das Kindesalter überlebten.
Als Beruf des Vaters ist Ackerer angegeben, die frühere
amtliche Bezeichnung für Landwirt. Josef Lonsdorfer
sen. war der Urgroßvater des VHL-Mitglieds Helga
Spies-Groß von der Holzmühle. Ihr Großvater Alois
Lonsdorfer (geb. 11.11.1893), wohnhaft später im
Hader in Lisdorf, war auch Landwirt und ein jüngerer
Bruder des Abiturienten Joseph Lonsdorfer.
Die Großeltern von Joseph und Alois Lonsdorfer aus
der Schmidtstraße Nr. 1 väterlicherseits waren Johann
Caspar-Lonsdorfer (16.11.1814–25.12.1881), Schiffer
von Beruf, und Katharina, geb. Klein (22.12.1816-
21.11.1892). Ihr 6. Kind war der Priester Johann
Lonsdorfer (05.01.1846-29.10.1894), Pastor zuletzt in
Bollendorf, Kreis Bitburg-Prüm. Dieser war ein Onkel
des Lisdorfer Abiturienten Joseph Lonsdorfer aus dem
Jahre 1888.
Wie in erwähnter Abiturienten-Liste angegeben, hat
Joseph Lonsdorfer ab 1911 an deutschen Universitäten
Rechtswissenschaft studiert. Das Studium musste er
nach Ausbruch des 1. Weltkrieges und Einberufung
zum Wehrdienst im Jahre 1914 für 4 Jahre unterbre-
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chen und konnte es erst wieder 1919 fortsetzen. Sein
Jura-Studium schloss er 1923 mit der Promotion Dr. jur.
ab und trat 1924 als juristischer Berater in die Saar-
Genossenschaftsbank in Saarbrücken ein. Hier machte
er berufliche Karriere und wurde Bankdirektor.
Joseph Lonsdorfer, der nach Abgang vom Gymnasium
seinen Vornamen mit Josef schrieb, wohnte in Saarbrü-
cken und war nicht verheiratet. Wie ich in Erfahrung
gebracht habe, buhlte er als junger Student um die
Gunst der Katharina Groß-Breininger aus„Breydasch-
Wirtschaft“ in Lisdorf, die am 12.08.1893 als 2. Kind
der Eheleute Peter Groß und Anna, geb. Breininger in
Lisdorf geboren wurde und die sog. Höhere Töchter-
schule in Saarlouis besuchte. Durch den 1. Weltkrieg
von 1914-1918, in dem Josef Lonsdorfer Kriegsdienst
leisten musste und Katharina Groß als Krankenschwes-
ter im Einsatz war, hat sich diese Jugendliebe aufge-
löst. Katharina Groß hat am 02.02.1920 in Berlin einen
Robert Kübler aus Stuttgart geheiratet, der im Hotel
Adlon in Berlin Direktor war.
Dr. Josef Lonsdorfer ist am 18. März 1976 im 88. Le-
bensjahr in Saarbrücken verstorben. Am 29. März 1976
fand für ihn in der Einsegnungshalle des Hauptfried-
hofes Saarbrücken eine Trauerfeier statt. Am selben
Tag wurde für ihn in der Pfarrkirche in Lisdorf das
erste Sterbeamt gehalten und anschließend Dr. Josef
Lonsdorfer unter großer Anteilnahme der Lisdorfer, ins-
besondere der Angehörigen der Lonsdorfer Familien,
und seiner Berufskollegen und ehemaligen Mitarbeiter
im saarländischen Genossenschaftswesen auf dem
Friedhof in Lisdorf beerdigt.
Seine Lisdorfer Jugendliebe Katharina Kübler, geb.
Groß, die 1984 in Berlin im Alter von 91 Jahren verstor-
ben ist, hat bei ihren letzten Besuchen in Lisdorf stets
das Grab von Dr. Josef Lonsdorfer auf dem Lisdorfer
Friedhof aufgesucht. Sie hat ihn stets„Schoseff“ ge-
nannt, wie seine Eltern und Geschwister sowie seine
Lisdorfer Verwandtschaft, was er angeblich nicht
ungern gehört habe. Seiner Lisdorfer Heimat fühlte er
sich stets verbunden; ein wahrer Sohn der Heimat.
Saarlandkarte in Platt
Von Elisabeth Jacob
Der Verein für Landeskunde im Saarland plant ge-
meinsam mit dem Umweltministerium und mit Un-
terstützung des Mundartring Saar e.V. die Herausgabe
einer„ Saarlandkarte in platt.“ Auf dieser Karte sollen
die Namen der Städte, Gemeinden und Ortschaften
im Saarland in der jeweiligen Mundart geschrieben
werden. Geplant ist auch, die Karte im Internet zu ver-
öffentlichen. Klickt man dort einen Ort an, so wird eine
hinterlegte Audiodatei abgespielt. Dort gibt es dann
Informationen oder kleine Anekdoten in der Mundart
des jeweiligen Ortes.
Auch der Heimatkundeverein Lisdorf wurde von dem
Verein für Landeskunde in dieser Sache angeschrie-
ben und um Unterstützung gebeten. Als Mitglied im
Arbeitskreis Mundart habe ich mich auf Wunsch des
Vorstandes der Sache angenommen. Nach einigen
Telefonaten und E-Mails mit den zuständigen Leuten in
St. Wendel habe ich mich bereit erklärt, für Lisdorf ei-
nen Text zu schreiben und zu sprechen. Nun stellte sich
mir die Frage: Was ist typisch und wichtig für Lisdorf?
Am Ende habe ich eine Auswahl an, wie ich hoffe, Inter-
essantem getroffen und einen Beitrag geschrieben.
Nachdem ich einen Termin mit dem zuständigen
Herrn vereinbart hatte, sind mein Mann und ich nach
St. Wendel gefahren. Wir wurden freundlich empfan-
gen und bekamen einen Eindruck über die Arbeit des
Vereines.
Für die Tonaufnahme gab es dort eine kleine improvi-
sierte Aufnahmekabine. Nach einer kurzen Einweisung
konnte ich meinen Text sprechen.
Anschließend machte ich mit meinem Mann einen
Bummel durch St. Wendel. Nach einem gemütlichen
Mittagessen fuhren wir wieder nach Hause. So hatten
wir noch einen schönen Urlaubstag.
Auf der nächsten Seite steht der Text, der auf der Karte
zu hören ist.
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Léischdroff
von Elisabeth Jacob
Léischdroff ess en Stadtdääl vann Saarlui on ess em Joa 911 zum erschden mol
urkundlich erwähnt genn. Ma nännt en ach de Geméiskamma vamm Saarland. En
da Léischdrowwa Au gefft jede Mänge Geméis geplanzt, datt entweda off de Wo-
chenmärka vakaaf gefft odda bei da „ Lisdorfer Frischgemüse“ abgeliwwat wird. Die
fahren et dann en de Geschäfda em ganzen Saarland.
Mia hann ach en wundascheen Barockkirch en Leeischdroff. Do fennen em Rahmen
vann de Musiktagen Saar jed Joa hochkarätich Veranstaltungen statt. Om Plätz zwe-
schen da Kirch on em Kennagaten gefft et jährlich en Open Air Konzert. Do macht
dann da Chor vamm Robert-Schuman-Gymnasium on et KreisjugendSymphonie-
Orchester met. Außerdem kommen dann ach bekannte Solisten, onna annarem ach
welche vamm Staatstheater en Saarbrücken.
Organisiert gefft datt alles vamm Vaein Klingende Kirche. Datt ess da Nachfolger
vamm Orjelbau Förderverein. Die hann vor Johren vill Geld gesammelt fo die hoch-
weertich Mayer Orgel in da Kirch se renovieren.
En Léischdroff gefft et ach noch mee Vaeina z.B. de Heimatkundevaein, de Gesang-
vaein, de Fousballa, en erfolgreichen Handballvaein on net se vagässen en Karne-
valsvaein. Däa nännt sich Lisdorfer Gesellschafts- und Karnevalsvaein, kurz LiGeKa.
In dem Vaein ess us ganz Famill aktiv. Do gefft Faasend gemach on em Herbscht wird
Theater gespillt. De LiGeKa hat ach en ajenen Musikband, die nännen sich „the [bad]
saicha“. Däa Namen passt gudd zo Léischdroff, weil em Fréijoa gefft datt gudd Zeich
haufenweis en Léischdroff geerntet. Die fein Leit saan Löwenzahn dazou, bei de Fran-
zosen häscht a „Piss en Lit“ on dohäa kommt däa Namen Bädseicha. Däa reinicht et
Blout on es harntreibend.
Léischdroff ess en scheena Ort on eich féijlen meich do wohl.
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Notizen aus dem Heimatverein
Gut besuchter Mundartnachmittag
Am 31. Oktober, nach langer Pandemie-
pause, präsentierten in Lisdorf vier be-
kannte Künstlerinnen und Künstler den
Saarlouiser Dialekt in seiner ganzen Viel-
falt, mal lustig, mal tiefgründig, oft beides
gleichzeitig. Ein humorvoller Sketch des
LiGeKa beendete den unterhaltsamen
Nachmittag. Den Anfang machte Eli-
sabeth Jacob mit Geschichten aus der
Familie. Karin Peter, bekannt durch viele
Texte in Zeitungen und Büchern, hat Fa-
beln in„user Sproch“ umgedichtet. Luise
Luft aus Roden und unser Vereinsmit-
glied Marianne Faust erzählten Geschich-
ten aus dem Leben, wie sie vielleicht tatsächlich stattgefunden haben. In einem Zugabteil spielte der Sketch des
LiGeKa von zwei„Reisenden Damen“ (Kerstin Rectenwald und Gabi Germann Becker) auf dem Weg nach Weimar.
Der Saal im Gasthaus Schulden war fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Georg Jungmann, der Vorsitzende des
Heimatvereins Lisdorf, bedankte sich bei den Akteuren für das schöne und abwechslungsreiche Programm.
125 Jahre Nahverkehr in Saarlouis
Im Rahmen einer Vortragsreihe des VHVS (Verband der
heimatkundlich-historischen Vereine von Saarlouis) zeig-
ten Harald Weiler und Herbert Germann die Geschichte
der Kleinbahn von Saarlouis in einer Präsentation. Was
1897 als Dampfbahnstrecke begann, wurde in weiteren
Streckenabschnitten fortgesetzt und schließlich auf
elektrische Triebwagen umgestellt. 1912 fuhr die Klein-
bahn erstmals vom Kleinen Markt in Saarlouis bis nach
Felsberg. In anschaulichen Bildern auf einer großen
Leinwand und mit dem sehr gut recherchierten Wissen
von Harald Weiler wurden die interessierten Besucher
auf eine spannende geschichtliche Reise der Saarlouiser
Bahn mitgenommen. Der Vortrag soll im kommenden
Jahr in Lisdorf wiederholt werden. Es ist die Herausgabe
eines Sonderheftes des Lisdorfer Heimatblattes geplant
zum Jubiläum der Bahn im Sommer 2022.
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Vor mehr als 125 Jahren
Holzmühler Landwirte Peter Ecker (1825-1894) und Nikolaus
Groß (1830-1897) stellv. Wehrführer der Feuerwehr Lisdorf
Von Heiner Groß
Im Jahr 2021 kann der Löschbezirk Lisdorf der Freiwil-
ligen Feuerwehr (FFW) Saarlouis auf sein 200-jähriges
Bestehen blicken. Auf Ersuchen des Löschbezirks
Lisdorf habe ich recherchiert und zu meiner Freude
festgestellt, dass vor mehr als 125 Jahren sowohl mein
Urgroßvater mütterlicherseits, Ackerer Peter Ecker,
als auch mein Urgroßvater väterlicherseits, Ackerer
Nikolaus Groß, auf der Holzmühle, stellvertretende
Wehrführer (damals Unterführer) der selbstständigen
Feuerwehr Lisdorf waren. Neben dem Wehrführer gab
es mindestens zwei Unterführer.
Die Feuerwehr Lisdorf existiert bereits seit dem Jahr
1821. Im Amtsblatt der Königlich-Preußischen Re-
gierung zu Trier vom 3. November 1821 wurde unter
der Eintrag-Nummer 276 berichtet, dass bei einer
„Feuerbrunst“ in Hülzweiler am 5. Oktober 1821 die
schleunigst herbeigekommene„Spritze aus Lisdorf“
und die zu Saarlouis stationierte Pionier-Compagnie
unter Anführung ihrer Offiziere Schlimmeres verhütet
hätten. Dieser amtlich beglaubigte Einsatz der„Lisdor-
fer Spritze“ darf als Beleg dafür angesehen werden,
dass bereits im Jahr 1821, vermutlich aber sogar früher,
eine freiwillige Feuerwehr in Lisdorf bestanden hat, die
für die richtige Handhabung, den Transport und die
Pflege der Spritze zuständig war. Lisdorf war damals
eine selbstständige Gemeinde, zu der auch Ensdorf
gehörte. Seit 1815/16 stand unsere Heimat unter
preußischer Herrschaft im neu gebildeten Landkreis
Saarlouis innerhalb des königlich-preußischen Regie-
rungsbezirks Trier.
In der Zeit von 1821 bis 1879 sind keine Wehrführer in
Lisdorf bekannt. Der Trierer Historiker Arnt Finkenberg,
Verfasser des Buches„Lisdorf – Von der Steinzeit bis
zur Gegenwart (1996)“ und der Festschrift„175 Jahre
Freiwillige Feuerwehr Lisdorf“ aus dem Jahr 1996,
vermutet, dass während dieser Zeit die Bürgermeister
gleichzeitig auch Wehrführer waren. Von 1821 bis 1849
war Philipp Müller Bürgermeister und somit Chef der
„Feuerlösch-Compagnie“, von 1850 bis 1851 Matthias
Mungen, von 1851 bis 1857 Jakob Schwan und von
1857-1879 Georg Nikolaus Sarg. Erster namentlich be-
kannter Wehrführer in Lisdorf war ab 1879 der Bäcker-
meister Johann Simon aus der Saarstraße.
Im Gründungsjahr der Lisdorfer Wehr 1821 war der
aus Ripplingen bei Merzig stammende Johann Jakob
Goby Pfarrer der Pfarrei Lisdorf/Ensdorf (1804-1832)
und Priester der Diözese Metz, zu der Lisdorf von 1790
bis 1817 gehörte. Nachfolger von Johann Simon als
Wehrführer war von 1886 bis 1897 Nikolaus Kneip-
Scholly, geb. am 20.06.1846 in Lisdorf und von Beruf
Ackerer (Landwirt). Er war in erster Ehe verheiratet
mit Maria Breininger, die bereits 15 Monate nach der
Eheschließung verstarb. In zweiter Ehe war er mit Maria
Scholly verheiratet. Aus beiden Ehen gingen insgesamt
10 Kinder hervor.
Nikolaus Kneip-Scholly wurde unterstützt von den
Unterführern Nikolaus Lonsdorfer-Becker, Heinrich
Kleber und Peter Ecker von der Holzmühle. Peter Ecker
wurde am 14.03.1825 als Sohn von Nikolaus Ecker und
seiner Ehefrau Anna Maria Rupp in ihrem Bauernhaus
in der Großgass 55 in Lisdorf geboren. Sein einziger
Bruder Nikolaus (*1808) und dessen Ehefrau Barbara
Stutz waren die Eltern des berühmten Trierer Theolo-
gie-Professors Dr. Jakob Ecker, der 1851 ebenfalls in der
„Großgass“ 55 geboren wurde. Peter Ecker war, eben-
so wie seine Eltern und sein älterer Bruder Nikolaus,
Gemüsebauer. 1855 heiratete er im Alter von 30 Jahren
Anna Groß, Tochter von Peter Groß und Anna Klein von
der Holzmühle. Sie bekamen 10 Kinder, von denen 7
das Kindesalter überlebten.
Ehemaliges Spritzenhaus auf der Holzmühle
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Peter Ecker wohnte nach der Heirat zunächst im
Bauernhaus seiner Schwiegereltern auf der Holzmüh-
le. Dann baute er sich auf der Holzmühle ein eigenes
Bauernhaus, das heutige Anwesen von Albert und Ilka
Morguet. Bereits als junger Bursche wurde Peter Ecker
Mitglied der Feuerwehr. 1886, im Alter von 61 Jahren,
übernahm er das Amt des stellvertretenden Wehrfüh-
rers der Feuerwehr Lisdorf, das er bis zu seinem Tod am
02.05.1894 innehatte. Die heutige Altersbeschränkung
von 60 Jahren für den aktiven Dienst in der Feuerwehr
existierte damals wohl noch nicht. Auch einige seiner
Söhne betätigten sich aktiv in der Feuerwehr.
Nach dem Tod von Peter Ecker übernahm mein Ur-
großvater väterlicherseits, Nikolaus Groß von der
Holzmühle, im fortgeschrittenen Alter von 64 Jahren
seine Stelle und Funktion. Er war ebenfalls seit seiner
Jugend aktives Mitglied der Feuerwehr. Nikolaus Groß,
geb. am 26.08.1830 als ältestes Kind der Eheleute
Johann Peter Groß und Margareta Amann aus Lisdorf,
war wie seine Eltern Gemüsebauer. 1857 heiratete er
Katharina Klein (*1833) von der Holzmühle. Kurz nach
der Heirat erbauten sie am westlichen Rand der Holz-
mühle, neben der Mühle Senzig, ein Bauernhaus. Sie
bekamen 10 Kinder, von denen vier bereits im Kindes-
alter verstarben. Sohn Peter (*09.12.1864) brachte es
zu militärischen Ehren. Von 1884 bis 1890 diente er als
Mitglied der kaiserlichen Garde in Berlin. 1891 heirate-
te er Anna Breininger aus der Gastwirtschaft Breininger
in Lisdorf (Breydasch Wirtschaft) und führte danach mit
seinem Schwiegervater Josef Breininger die Gastwirt-
schaft mit großer Landwirtschaft. Peter und Anna waren
die Großeltern von Agnes und Heiner Groß. Nach seiner
Rückkehr aus Berlin engagierte sich Peter Groß wie sein
Vater Nikolaus und Bruder Adam in der Lisdorfer Feuer-
wehr. Die Gastwirtschaft seines Schwiegervaters Josef
Breininger wurde das Stammlokal der Feuerwehrleute.
1897 gab es sowohl im Bürgermeisteramt als auch
in der Führung der Feuerwehr personellen Wechsel.
Friedrich Wilhelm John folgte auf Michael Pohl als
Bauernhaus der Familie Peter Groß
Lisdorfer Bürgermeister
und Philipp Morguet-Dorr
folgte auf Nikolaus Kneip-
Scholly als Wehrführer.
Beide unterstützten, ebenso
wie der Gemeinderat unter
maßgeblicher Führung von
Josef Breininger, die Bildung
einer Freiwilligen Feuerwehr
auf der Holzmühle. Nikolaus
und Adam Groß hatten sich
zuvor bereit erklärt, einen
Teil ihres Hausgrundstü-
ckes zum Bau eines Sprit-
zenhauses kostenlos an
die Gemeinde abzutreten.
1897 wurde die Feuerwehr
Holzmühle mit etwa 35 Mitgliedern gegründet und
von Bürgermeister John großzügig ausgestattet. Fast
gleichzeitig mit dem Bau eines neuen Spritzenhauses
für die Lisdorfer Feuerwehr in der Kleinstraße wurde
auch das Holzmühler Spritzenhaus in Auftrag gege-
ben. Nach dem plötzlichen Tod von Nilolaus Groß am
17.09.1896 wurde sein Sohn Adam erster Wehrführer
der nun selbstständigen Feuerwehr Holzmühle. Es ist
nicht bekannt, wie lange er diese Funktion ausübte.
Im Jahr 1900 wurde das Holzmühler Spritzenhaus
(heute Ecke Straße Im Bogen und Neue-Welt-Straße)
fertiggestellt und von dem damaligen Lisdorfer Pastor
Karl Wehn (1869-1906) eingeweiht. Nach Auflösung
der Feuerwehr Holzmühle 1955 wurde sie in den
Löschbezirk Lisdorf der FFW Saarlouis eingegliedert.
Über mehrere Jahrzehnte bis zuletzt war Alois Klein
von der Holzmühle ihr engagierter Wehr- bzw. Lösch-
bezirksführer. Auch seine acht Söhne Josef, Erich,
Helmut (+), Klaus, Baldur, Horst, Adolf und Manfred
Klein waren teilweise in den Feuerwehren Holzmühle,
Lisdorf, Picard und Saarlouis aktiv bzw. sind heute noch
in mehreren Lisdorfer Vereinen.
Annähernd 60 Jahre wirkte die Feuerwehr Holzmühle
gemäß ihrem Leitspruch„Gott zur Ehr, dem Nächsten
zur Wehr“ segensreich für unser Gemeinwesen. Ich bin
stolz darauf, dass einige meiner Vorfahren dabei unei-
gennützig mitgewirkt haben.
Bürgermeister
Friedrich Wilhelm John
"Es kommt in der Welt vor allem auf
die Helfer an – und auf die Helfer
der Helfer."
Albert Schweitzer
deutsch-französischer Arzt, Theologe, Musiker
und Kulturphilosoph (1875-1965)
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Das grüne Band
Von Georg Jungmann
Das grüne Band – was ist denn das? Die Wenigsten
wissen mit diesem Begriff etwas anzufangen.
Das grüne Band verläuft entlang der früheren Grenzan-
lagen der ehemaligen innerdeutschen Grenze, genau
genommen vom„Dreiländereck" Bayern/Sachsen/
Tschechien nahe dem sächsischen Posseck über rund
1.300 km bis hoch nach Boltenhagen an der Ostsee.
Die Grenzanlagen sind größtenteils abgebaut und die
Natur holt sich alles zurück, daher sind dort zahlreiche
Naturschutzgebiete entstanden.
Zwei neugierige Ehepaare aus Lisdorf, Werner und Hil-
de Both sowie Georg und Gudrun Jungmann, machten
sich auf den Weg gen Osten, um das grüne Band zu
erkunden. Werner Both hatte bereits Wochen zuvor die
10-tägige Tour
ausgearbeitet,
die uns von
der tschechi-
schen Grenze
bis in die Rhön
führen sollte,
das erste Drittel
des etwa 1.300
km langen
grünen Bandes.
Die restlichen
zwei Drittel
bis zur Ostsee sind für die nächsten beiden Jahre fest
eingeplant.
Über das wunderschöne Bamberg, wo wir Rast mach-
ten, ging es ins Dreiländereck. Das August-Horch-
Museum in Zwickau war unsere erste Station und wir
bestaunten Oldtimer von Audi, Wanderer, DKW und
Horch. Das erste Highlight war Mödlareuth, auch Little
Berlin genannt.
Der mitten
durch den Ort
fließende klei-
ne Thalbach,
man kann mü-
helos darüber
hüpfen, bildet
die Grenze zwi-
schen Sachsen
und Bayern, somit war er auch
die Grenze zwischen DDR und
BRD. Mitten durch das Dorf
wurden die DDR-Grenzanlagen
mit Mauer und Wachtürmen gebaut und so Familien
auseinandergerissen, ein immer noch schockierender
Anblick.
Am nächsten Tag
unternahmen wir
eine erste Wande-
rung auf der ehe-
maligen Grenze
durch das Höllen-
tal, anschließend
besuchten wir
das wunderschö-
ne Wasserschloss
Mitwitz im
gleichnamigen
Ort. Dort wan-
derten wir tags
darauf auf dem
so genannten
Kolonnenweg, ei-
nem Teil der ehemaligen Grenzanlagen auf Seiten der
ehemaligen DDR. Er wurde aus verwitterungsbestän-
digen Betonlochplatten hergestellt, die größtenteils
von Pflanzen durchwachsen und so ziemlich fest mit
dem Boden verbunden sind. Der Kolonnenweg diente
den ehemaligen DDR-Grenzern als Fahr- und Kontroll-
weg direkt hinter der Mauer. Wir wanderten 16 km auf
diesem Weg und konnten sehen, wie die Natur sich
das Gebiet der schreck-
lichen Grenze zurück
erobert.
Nachdem wir uns im
Hotel Schloss Wasser-
burg bei Gesprächen
mit der Besitzerin, die
uns von ihren Erlebnis-
sen mit der innerdeut-
schen Grenze erzählte,
erholt hatten, ging es
am darauffolgenden
Tag in die schönen
mittelalterlichen
Städtchen Seßlach und
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Ummenstadt. Man meint, die Zeit sei stehengeblie-
ben, Fachwerkhäuser und Wehranlagen sind bestens
erhalten, sodass beide Städte als Kulisse zu dem Film
„Luther“ dienten. Ummenstadt war von drei Grenzlini-
en umgeben. Das in der Nähe liegende Billmutshausen
wurde komplett„geschleift“, das heißt abgerissen, weil
es direkt auf der Grenze lag. Die etwa 50 Bewohner
wurden zwangsweise umgesiedelt, wer sich weigerte,
als„Ungeziefer“ verjagt, weil er ja nicht ins DDR-System
passte. Heute ist hier eine Gedenkstätte, die von der
Willkür des DDR-Regimes zeugt. Ein Besuch der Held-
burg bei Bad Colberg rundete den eindrucksvollen Tag
ab.
Die Tour führte uns weiter
Richtung Nord-Westen ins
Freilichtmuseum Behrun-
gen. Hier sind die Grenzan-
lagen noch komplett erhal-
ten und man erkennt, mit
welcher Brutalität die DDR
ihre Bürger an der Flucht in
die Freiheit zu hindern ver-
suchte. Weiter ging es nach
Eußenhausen, ein früherer
Grenzübergang, wo man
noch die Straßensperren
und Kontrollhäuschen
besichtigen kann. Eine klei-
ne Wanderung und man
gelangt zum dortigen
Freilichtmuseum. Beein-
druckende, emotionale
Worte, Skulpturen, Bilder,
eine symbolische Brücke
in die Freiheit machen
deutlich, wie wichtig den
Menschen die Freiheit ist.
Danach ging es zur Burg
Lichtenburg, wo gerade
eine Hochzeit gefeiert
wurde.
Tags darauf besuchten
wir das ehemalige US Camp„Point alpha“, gelegen an
dem Punkt in Thüringen, an dem die USA am ehesten
einen Angriff des Ostblocks auf den Westen erwarte-
ten, weil von dort der Weg durch Deutschland nach
Frankreich am kürzesten ist. Vom Aussichtsturm schaut
man tief nach Thü-
ringen, was damals
strategisch wichtig
war. In den Baracken
kann man das Leben
der GI's und auch
Aufmarschpläne von
damals nachvollziehen.
Wir wanderten dort auf
dem Kolonnenweg, wo
der Künstler Dr. Ulrich
Barnickel einen Kreuz-
weg aus Altschrott
entwarf, mit direktem
Bezug zur DDR und
den Freiheitsentzug für
ihre Bürger.
Am letzten Tag
unserer Tour wan-
derten wir auf dem
Kolonnenweg bei
Schifferstadt in der
Rhön. Im dortigen
Grenzlandmuseum
konnten u.a. Röhren
unter den Grenz-
anlagen hindurch
besichtigt werden, durch die die DDR Agenten in den
Westen schleuste.
Der erste Teil unserer Tour entlang des grünen Bandes
mit Abstechern zu den umliegenden Städten und
Sehenswürdigkeiten war überaus beeindruckend,
aber auch bedrückend. Es macht einen sprach- und
fassungslos, wenn man sieht, zu welchen Brutalitäten
Menschen und Regime fähig sind, um anderen ihren
Willen aufzudrücken und Menschen zu unterdrücken.
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100 Jahre Friedhof Neue Welt (1921–2021)
Grabstätte Johannes Hoffmann
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100 Jahre Friedhof Neue Welt (1921–2021)
100 Jahre Friedhof Neue Welt (1921–2021)
Grabstätte Johannes Hoffmann
In den Jahren 1920/21 wurde von der Stadt Saarlouis
der Friedhof Neue Welt angelegt. Die feierliche Einwei-
hung durch Bürgermeister Dr. Johann Latz und Einseg-
nung durch Prälat Subtil, Ortspfarrer und Dechant des
Dekanates Saarlouis, erfolgte am 29. Mai 1921.
Der bisherige alte katholische Friedhof in Saarlouis im
Grenzbereich zum damaligen selbstständigen Lisdorf,
auf dem auch Mitbürger protestantischen Glaubens
bestattet wurden, mit dem daneben liegenden Gar-
nisonsfriedhof und seit 1905 auch jüdischen Friedhof,
bot keine ausreichende Ausdehnungsmöglichkeit für
den Bedarf der sich vergrößernden Stadt Saarlouis. Auf
dem„Alten Friedhof Saarlouis“, zwischen Gatterstraße
und Fort Rauch gelegen, der seit Jahren bereits unter
Denkmalschutz steht, können weiterhin Bestattungen
erfolgen. Viele Saarlouiser Persönlichkeiten sind hier
bestattet worden, so zuletzt die Bürgermeister Hubert
Schreiner und Richard Nospers. Auch einige Lisdorfer
fanden hier ihre letzte Ruhestätte.
Der neue Friedhof der Stadt Saarlouis, zu der damals
bereits das zum 1. Oktober 1907 eingemeindete Roden
mit einem eigenen großen Friedhof gehörte, sollte
nach dem Willen der Verwaltung und des Stadtrates in-
nerhalb der Grenzen der Innenstadt liegen. Doch eine
solche Fläche war nicht verfügbar.
So entschloss sich die Stadt, außerhalb der damali-
gen Stadtgrenzen am Picarder Berg im Bereich der
Neuen Welt den neuen Friedhof anzulegen. Das dort
erworbene Gelände bot nicht nur die nötigen Aus-
dehnungsmöglichkeiten, sondern gestattete auch von
seiner Hang-
lage her eine
ansprechende
gärtnerische
Gestaltung. Au-
ßerdem war das
Gelände durch
die Straße nach
Beaumarais gut
erschlossen.
Die betreffen-
den Flächen
liegen im vorderen Bereich zu 2/3 auf Gemarkung
(Bann) Beaumarais und im hinteren (oberen) Bereich
auf Gemarkung (Bann) Picard. Die damals ebenfalls
noch selbstständigen Gemeinden Beaumarais und
Picard stimmten dem Vorhaben zu, zumal auch deren
Bürgern die Nutzung des Friedhofes zugesichert wur-
de. Das war vor allem für Picard sehr vorteilhaft, weil
es selbst – im Gegensatz zu Beaumarais – über keinen
Friedhof verfügte. Seither werden die Verstorbenen aus
Picard hier beerdigt.
Auch manche Lisdorfer sind hier beerdigt. Als beson-
ders bekannte Persönlichkeiten sind auf dem Friedhof
Neue Welt der erste Saarländische Ministerpräsident
und Saarlouiser Ehrenbürger Johannes Hoffmann
(CVP) und der in Saarlouis beheimatete Ministerprä-
sident Dr. Hubert Ney (CDU), obwohl in den politisch
sehr bewegten Jahren 1954/55 politische Erzfeinde,
nebeneinander bestattet.
Der Friedhof Neue Welt hat sich in den nunmehr 100
Jahren seines Bestehens zu einem ansprechenden Ort
der friedlichen Ruhe mit einem parkähnlichen Charak-
ter entwickelt. Die später errichtete Friedhofshalle trägt
mit zum guten Erscheinungsbild dieser großen Be-
gräbnisstätte bei. Die bei der Anlegung vor 100 Jahren
gehegten Hoffnungen auf optimale Ausdehnungs-
möglichkeiten zur Bedarfsdeckung für sehr lange Zeit
und parkähnliche Gestaltung sind erfüllt worden.
Heiner Groß
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Grabstätte Hubert Ney
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Von Heiner Groß
Seit jeher wird die Feldstraße in Lisdorf im Lisdorfer
Volksmund„Bloogass“ genannt. Sie verläuft von der Ens-
dorfer Straße im Norden bis zu ihrer Einmündung in die
Provinzialstraße im Süden parallel zur Provinzialstraße
im Westen und zur Großstraße im Osten. Mit dem alten
Bahnhofsgebäude der ehemaligen Kleinbahn (1898) im
Einmündungsbereich der Feldstraße in die Provinzial-
straße hat die Bezeichnung nichts zu tun. Schon lange
vorher hieß die Straße„Bloogass“.
Im gesamten moselfränkischen Sprachbereich, zu dem
auch die Lisdorfer Mundart gehört, wird die Farbbe-
zeichnung blau„bloo“ ausgesprochen. Das„Schwänzen“
(Fernbleiben) von der Arbeit oder Schule zum Beispiel
wird als„blau machen“ („bloo machen“) bezeichnet.
Waren also die Anwohner der„Bloogass“ in diesem Sinne
„Bloo Macher“? Keineswegs! Es ist allseits bekannt, dass
die Einwohner von Lisdorf stets strebsame und fleißige
Leute waren. Vor mehr als 250 Jahren waren dort fast
ausschließlich Landwirte und Gemüsebauern ansässig.
1835 gründete Pfarrer Johann Anton Josef Hansen, der
von 1832 bis 1838 in Lisdorf tätig war, eine sog.„Wiesen-
bauschule“ zur Förderung der Landwirtschaft und des
Gemüsebaues in Lisdorf. Sie gilt als erste Ackerbauschule
in Preußen und befand sich in der Feldstraße in einem
ehemaligen Klosterhaus der Abtei Wadgassen. Leider
wurde der Unterrichtsbetrieb mit dem Weggang von
Pastor Hansen wieder eingestellt.
Die Feldstraße erhielt ihren Namen bereits im 17. Jahr-
hundert, damals eher Feldweg als Straße, weil sie zu
den Feldern der Landwirte führte. Sie war nur ostseitig
bebaut. Die Grundstücke auf der Westseite zur Provinzi-
alstraße hin wurden als Acker- und Gartenland genutzt.
Während der französischen Zeit nach 1680 bis 1815
wurde sie offiziell als„rue communale“ bezeichnet. Nach
dem Wechsel zu Preußen wurde sie wieder in Feldstraße
umbenannt. Zu dieser Zeit siedelten sich dort mehrere
„Blaufärber“ bzw.„Blaudrucker“ an. Diese färbten Stoffe,
zumeist das weißgraue Leinen,„blau“ („bloo“). Die blau
gefärbten Stoffe mussten nach dem Färbevorgang
mehrfach mit klarem Wasser ausgewaschen werden. Das
blaue Auswaschwasser wurde danach in die Straßen-
rinne und auf die Straße geschüttet, wo es eine deutliche
Blaufärbung der Straßenoberfläche verursachte. Eine
Kanalisation existierte damals noch nicht. So waren grö-
ßere Bereiche der Feldstraße ständig blau gefärbt. Nach
und nach wurde so aus der Feldstraße die„Bloogass“.
Die Blaufärber hatten sich vermutlich im Zeitraum von
1750 bis 1760 in der Feldstraße angesiedelt, weil es in der
Nähe Walkmühlen gab (Kapellenmühle und Neumühle
auf der Holzmühle), die Leinen aus Flachs herstellten.
Die Abtei Wadgassen, Eigentümer der Mühlen, hatte die
beiden Mühlen an Leinen- und Wollenweber verpachtet.
Als die beiden Mühlen während der Französischen Revo-
lution enteignet und versteigert wurden, stellten die
neuen Eigentümer auf Getreidemühlen um. Das hatte
zur Folge, dass nach und nach die Blaufärbereien in der
Feldstraße ihreTätigkeit eingestellt haben. Die„Bloogass“
behielt aber weiterhin ihren Namen.
Die Blaufärbung ist ein uraltes Färbeverfahren, dessen
Ursprung in Indien liegt. Von dort wurde es zusammen
mit der Färbepflanze„Indigo“ von holländischen Seefah-
rern vor etwa 500 Jahren nach Europa gebracht. Im 18.
und 19. Jahrhundert soll es in Deutschland fast in jedem
Dorf einen oder mehrere Blaufärber gegeben haben, vor
allem dort, wo Flachs zur Leinenherstellung angebaut
wurde. Es ist überliefert, dass früher in Lisdorf neben
Getreide, Kartoffeln und Gemüse auch Flachs angebaut
wurde, der dann in beiden Lisdorfer Mühlen zu Leinen
gewalkt und in den Blaufärbereien in der„Bloogass“
gefärbt wurde. Heute wird dieses Handwerk nur noch
in wenigen Betrieben Deutschlands praktiziert. Gegen
Ende des Jahres 2018 wurde dieses traditionelle Färbe-
verfahren, dessenTechnik sich über Jahrhunderte kaum
verändert hat, von der UNESCO in die internationale Liste
des„Immateriellen Weltkulturerbes“ aufgenommen. Den
Antrag stellten fünf Länder gemeinsam: Deutschland,
Österreich,Tschechien, die Slowakei und Ungarn. Mit
federführend auf deutscher Seite war Ulf Ahrens aus
Einbeck in Niedersachsen, der die älteste Blaufärberei in
Europa betreibt. Dort wird seit 1638 ununterbrochen die
alte traditionelleTechnik angewandt.
Warum aber wird der Müßiggang oder das Fernbleiben
(„Schwänzen“) als„bloo machen“ bezeichnet? Warum
heißt der Montag oft„blauer Montag“? Als samstags
noch regelmäßig gearbeitet wurde, war der Montag oft-
mals arbeitsfrei („blauer Montag“). Als der Montag später
ein normaler Arbeitstag wurde, gab es im Berufsleben
montags die meisten Fehlmeldungen.
Bei der Blaufärberei ist das„Bloo Machen“ auf den lang-
wierigen Färbevorgang zurückzuführen. Der Farbstoff
Indigo musste längere Zeit auf das Leinen einwirken, bis
die gewünschte Blaufärbung erreicht war. In dieser Zeit
konnten die Blaufärber sich ausruhen oder faulenzen
(„bloo machen“).
Warum wird die Feldstraße in Lisdorf
„Bloogass“ genannt?
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Matthias Lonsdorfer (* vor 1660 in Luxemburg)
Begründer der weitverzweigten Familien Lonsdorfer in Lisdorf
Von Heiner Groß
Im Rahmen meiner familienkundlichen (genealogi-
schen) Forschungen und der Berichtabfassungen
für das Lisdorfer Heimatblatt habe ich mich derzeit
schwerpunktmäßig mit der Familie Lonsdorfer aus
Lisdorf beschäftigt. Der Grund dafür waren Anfragen
nach einem Vinzenz Lonsdorfer (1901–1976), einem
Priester Johann Lonsdorfer (1846–1884) und einem
Bankdirektor Dr. jur. Josef Lonsdorfer (1888–1976), alle
aus Lisdorf gebürtig.
Nachdem ich deren Vitae anhand meiner genealogi-
schen Unterlagen, insbesondere der Daten aus dem
Lisdorfer Einwohnerbuch von Rudolf Zenner, Teil 2
G-Q S. 731–760, ermittelt hatte, interessierte es mich,
wer der Begründer der heute weitverzweigten Familie
Lonsdorfer in Lisdorf war.
Erstmals taucht der Name Lonsdorfer gegen 1700 in
Lisdorf auf, und zwar Matthias Lonsdorfer, der vor 1660
im Großherzogtum Luxemburg, vermutlich in Longs-
dorf (Longstroff) – heute Gemeinde Fouhren (südl. von
Vianden s. Karte) –, geboren wurde. In Luxemburg lau-
tete der Familienname damals vermutlich Longsdorf,
Longstroff oder Lonstroff. Gegen 1680 kam Matthias
Lonsdorfer ins Saargebiet nach Wadgassen, wo er in
dem sehr bedeutenden Prämonstratenser-Kloster als
Koch arbeitete. Die Abtei Wadgassen hatte vielfältige
Kontakte zu Luxemburg. Sie hatte dort Grundbesitz
und auch eine Niederlassung. Einige Mönche der Abtei
(Konventalen oder auch Chorherren genannt) und
Seminaristen sowie Klosterschüler und Beschäftigte
stammten aus Luxemburg. So auch der Mönch Herr-
mann Mertz, der von 1705 bis zu seinem Tod 1743 Abt
des Klosters war. Matthias Lonsdorfer war vermutlich
ein Verwandter des aus Luxemburg stammenden Mön-
ches Herrmann Mertz. Im Zuge seiner Umsiedlung von
Luxemburg nach Wadgassen und später nach Saarlouis
und Lisdorf änderte Matthias Lonsdorfer mehrfach sei-
nen Familiennamen von Longstroff in Longsdorf, dann
in Lonstroff und Lonsdorf und schließlich in Lonsdorfer.
Es ist allerdings auch möglich, dass die Änderungen
von kirchlicher oder behördlicher Seite ausgingen.
Während seiner Arbeit als Koch in der Wadgasser Klos-
terküche, die für die Verpflegung von etwa 250 Kloster-
angehörigen zuständig war, lernte Matthias Lonsdorfer
Margaretha Holdinger kennen, die dort als Köchin
beschäftigt war. Sie stammte aus Trier und wurde um
1660 dort geboren. Am 5. Juni 1684 heirateten die
Beiden im Kloster. Kurz darauf verließen sie das Klos-
ter und zogen in die 1680 erbaute französische Fes-
tungsstadt Saarlouis. Hier betrieben die Eheleute eine
gutgehende Gaststätte in dem damals aufstrebenden
Saarlouis. Bereits 1689 bauten sie sich dort ein Haus in
der Section B Nr. 2 zwischen den Häusern von Nikolaus
Cotte und Herrmann Otte. Später arbeitete Matthias
Lonsdorfer zusätzlich noch als Händler und Kaufmann
in Saarlouis. 1705 wurde er als Gerichtsschöffe und
1706 als Kirchenschöffe berufen. Am 31.12.1706 wurde
er vom Stadtrat für das Jahr 1707 zum Bürgermeister
der Stadt Saarlouis gewählt (H.P. Klauck„Die Bürger-
meister der Stadt Saarlouis 1683–2005“, Zeitschrift
„Unsere Heimat“ Nr. 30/2005, S. 12–30).
Von 1683 bis 1745 wurde der Maire (Bürgermeister)
in Saarlouis alljährlich für 1 Jahr gewählt, wobei eine
Wiederwahl möglich war.
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Wann das Ehepaar Lonsdorfer von Saarlouis in die
damals selbstständige Gemeinde Lisdorf umgezogen
ist, ist nicht bekannt, vermutlich nach 1710. Matthias
Lonsdorfer verstarb am 13.1.1715 im Alter von etwa
60 Jahren in Lisdorf. Seine Ehefrau Margaretha starb
nach 1721 im Alter von etwa 63 Jahren. Im Zeitraum
von 1685 bis 1705 bekam das Ehepaar Lonsdorfer 15
Kinder – 6 Jungen und 9 Mädchen. 10 Kinder verstar-
ben bereits im Kindesalter (5 Jungen und 5 Mädchen).
Die 4 überlebenden Mädchen waren später wie folgt
verheiratet:
– Katharina (Catherine) geb. 3.12.1688, gest.
14.11.1725, heiratete am 24.8.1706 Valentin
Bertrand, Gerichtsvollzieher und Schreiber am
Obergericht Saarlouis.
– Maria Elisabeth geb. 3.12.1692, gest. ?, war seit
1712 mit Johann Georg Steinhauser verheiratet.
– Elisabeth Margaretha geb. 8.12.1701, gest.
15.11.1729 in Saarlouis, war seit 6.8.1720 mit
Johann Heinrich Göbel aus Rheinbruch verheiratet.
– Jeanne Barbe (Johanna Barbara) geb. 4.12.1706,
gest. 5.6.1774 in Saarlouis, war seit 30.10.1733 mit
Jean Michel Guinnebert in Saarlouis verheiratet.
Der einzig überlebende Sohn Jean (Johann) Lonsdorfer
war am 8.8.1686 in Saarlouis geboren und übte später
in Lisdorf den Beruf des Fährmanns (Schiffer) aus. Er
war in erster Ehe seit 29.1.1719 verheiratet mit Anna
Katharina Hoffmann aus Berschweiler. Nach ihrem Tod
heiratete er am 2.10.1731 Katharina Emanuel aus Hüt-
tersdorf. Aus erster Ehe stammten 5 Söhne, von denen
nur einer das Kindesalter überlebte, und zwar Johann
Valentin Lonsdorfer geb. am 17.11.1719 in Lisdorf. Er
heiratete 1741 die Lisdorferin Maria Margaretha Klein
und war von Beruf Bauer und Fährmann. Aus dieser
Ehe gingen 10 Kinder hervor, von denen nur 5 das
Kindesalter überlebten:
– Katharina geb. 20.3.1743, verh. in erster Ehe mit
Peter Didier, in zweiter Ehe mit Johann Hein.
– Johann Michael geb. 8.5.1746, verh. mit Franzisca
Barbara Maßtine aus Pisserecourt/F.
– Maria geb. 27.3.1748, verh. mit Nikolaus Zipp
– Jakob geb. 26.1.1752, verh. in erster Ehe mit
Katharina Fautre, in zweiter Ehe mit Christina Heitz.
– Anna Eva geb. 6.7.1761, verh. mit Simon Welsch.
In zweiter Ehe war Johann (Jean) Lonsdorfer seit
2.10.1731 mit Katharina Emanuel verheiratet. Aus die-
ser Ehe gingen 9 Kinder hervor (4 Söhne und 5 Töch-
ter). Von den Söhnen überlebte nur Ludwig Lonsdorfer
geb. 11.5.1747, das Kindesalter. Er war drei Mal verhei-
ratet und wie sein Vater ebenfalls Bauer und Fährmann
in Lisdorf. In erster Ehe war er ab 1768 mit Marie Rupp
aus Lisdorf verheiratet. Nach dem Tod seiner Ehefrau
heiratete er 1778 Anna Katharina Theobald aus Lisdorf.
Nach ihrem Tod heiratete er 1793 Margaretha Rullang
aus Lisdorf.
Aus seinen drei Ehen hatte Ludwig Lonsdorfer insge-
samt 14 Kinder, von denen nur fünf das Kindesalter
überlebten:
– Johann Lonsdorfer geb. 10.12.1768 aus erster Ehe,
verh. mit Maria Elisabeth Amann.
– Johann Adam Lonsdorfer geb. 27.12.1774 aus
erster Ehe, verh. mit Anna Kneip.
– Johann Lonsdorfer geb. 26.6.1781 aus zweiter Ehe,
verh. mit Anna Maria Wiltz.
– Josef Lonsdorfer geb. 26.7.1796 aus dritter Ehe,
verh. mit Anna Kühn (Kien).
– Madgalena Lonsdorfer geb. 15.5.1802 aus dritter
Ehe, verh. mit Peter Nobel (Lenoble).
Weitere Nachfahren von Matthias Lonsdorfer, seinem
Sohn Johann (Jean) Lonsdorfer und dessen Söhnen
Johann Valentin und Ludwig können dem Lisdorfer
Einwohnerbuch von R. Zenner entnommen werden.
Alle Lonsdorfers in und aus Lisdorf stammen also von
dem aus Luxemburg zugezogenen Matthias Lonsdor-
fer ab. Sein Sohn Johann Lonsdorfer und seine Enkel-
söhne Johann Valentin und Ludwig Lonsdorfer waren
Mitbegründer der einstmals florierenden Schifffahrt
und des Gemüsebaus in Lisdorf.
"Wer die Enge seiner
Heimat begreifen will,
der reise.
Wer die Enge seiner Zeit
ermessen will, studiere
Geschichte."
Kurt Tucholsky
Journalist und Schriftsteller
(1890-1935)
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Èt és Herbscht
von Marianne Faust
Én däa Zeit so nò Allahälijen fängt dè Nadua aan schlapp sè machen. Èt és
mäschdens dréijf on näwwelich on da Himmel és gròò. Dè Blääda fällen vann dè
Bääm on dè Schdimmung on èt Geméijt vann dè Leit passt aach dazóu. Èt wird
Òwens fréija dónkel, awwa die Zeit hat aach äppes häämliches aan sich.
Ma és froh on èt és scheen, wenn ma én dé gutt warm Stuff kommt. Weil dè Òwen-
den länga senn kann ma sich an den Sachen ammisieren, wo ma ém Summa, wenn
dè Sonn geschien hat, nét dazóu komm és. Datt és jò aach mòll gutt. Datt gefällt
aach dè Kenna, wenn die Großen mòll èn bißin mé Zeit fò sè hann. Èt brauch nemmä
ém Gaaten gewurschdelt sè wirn, da Rasen gréijt aach sei Róu gelòss on dòfòa soll
ma die Zeit lò nótzen on sè nét off da Muck hann.
Vill Leit saan wäa däa schlémm Nowemba nua nòmmòll remm. Fò watt nua?
Jitz soll èt „Mensch ärja dich nét“ off dè Desch on dè Spillkaad kréijt aach nómmòll
Vadéijnscht. Die Kläänen wéllen Mäacha vòagelest hann on sè fraijen sich off dè
Sankt Martin. Stolz weisen sè dann ia gebassdelten Laternen.
Awwa wenn dé Sonn dann am Nòòmeddach èn bißin blinselt, dann häscht èt gutt
warm andóun on nix wie raus én dè fresch Loft. Jitz gefft mòll gutt spazieren gang.
Wenn ma dann hämm kommt on braut sich èn gutt Taas warmen Kaffee, dann fählt
ääm ganeischt mä zóu da Herbschtgemietlichkätt. Da Schdréckstromp kann ääm
aach dè Zeit noch gutt vadreiwen. Die ganz Eifrijen fänken schon aan Zockagebäcks
sè backen. Vòa Kréschdach schmackt èt jò dabäscht.
Wenn ma morjens offsteht on èt és vielleicht schonn èn bißin gèréift dann hat ma
schonn so èn kläänen Vòageschmack off dè Wennta. So hat die schròò Zeit, wie dè
Leit émma saan aach ia scheenes. Èt gefft kään schròò Zeit én da Nadua gääf eich
männen. Jeda Mòònd èmm Jòa hat sei guddes. Ma kannen us nua nòmmòll off dè
Summa fraijen, wenn ma dè Herbscht on dè Wennta aach mét Frääd alééft hann.
Jéd Jòareszeit és én Wonna.
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Mutter sein – heute und vorgestern
Von Andrea Jacob
Am 16. August 2020 kam unsere Tochter Luisa zur Welt
und seitdem ist nichts, wie es mal war. Die Stunden
drehen sich nur um den kleinen Wurm: füttern, wi-
ckeln, trösten, in den Schlaf wiegen, spielen…um nur
ein paar Aktivitäten zu nennen.
Ich habe das Glück, Eltern und Großmütter in unmit-
telbarer Nähe zu haben, sodass ich mit Luisa auch viele
Stunden bei ihnen verbringe. Ich stelle bei fast jedem
Besuch fest, dass die Welt der Kindererziehung im Ver-
gleich der Generationen doch sehr unterschiedlich ist.
Bereits Ende Juni, sechs Wochen vor dem errechneten
Geburtstermin, begann mein Mutterschaftsurlaub. Er
endete acht Wochen nach der Geburt. In dieser Zeit
wurde ich bei vollem Gehalt von der Arbeit freigestellt.
Ich konnte mich also voll und ganz auf die Geburt
vorbereiten und auch die ersten acht Wochen nach der
Geburt mit dem neuen Erdenbürger genießen. Aktu-
ell befinde ich mich in der Elternzeit. Ich habe mich
gefragt, wo der sogenannte„Mutterschutz“ seinen
Ursprung hat und wann werdende Mütter erstmalig in
den Genuss dieses Urlaubs gekommen sind:
Das Mutterschutzgesetz in seiner heutigen Form ba-
siert auf dem„Gesetz zum Schutz der erwerbstätigen
Mutter“ und trat bereits am 24. Januar 1952 in Kraft.
Durch das Gesetz konnten Frauen sechs Wochen vor
und nach der Niederkunft bei vollen Bezügen zu Hause
bleiben. Sie durften während der Schwangerschaft
keine schwere körperliche Arbeit verrichten, auch
Nacht- und Akkordarbeit waren verboten. Darüber
hinaus galt ein Kündigungsschutz bis vier Monate nach
der Geburt.
Allerdings finden sich schon viel früher Ideen zum
Schutz der Mütter: Erstmals wurde 1878 in Deutsch-
land ein Beschäftigungsverbot für Fabrikarbeiterinnen
bis drei Wochen nach der Geburt festgelegt. Dieses
war allerdings unbezahlt. Da sich viele Frauen die-
se Auszeit nicht leisten konnten, wurde das Verbot
oftmals umgangen. Erst das 1883 unter der Kanzler-
schaft Bismarcks eingeführte„Gesetz betreffend die
Krankenversicherung der Arbeiter (KGV)“ gewährte
Wöchnerinnen ein Wochengeld in Höhe von 50 % des
Grundlohns. Mit dem„Gesetz über die Beschäftigung
von Frauen vor und nach der Niederkunft“ vom 16. Juli
1927 wurde der Schutz der Frau auf die Zeit vor der
Geburt ausgeweitet. Eine umfangreiche Erweiterung
des Mutterschutzes brachte das„Gesetz zum Schutz
der erwerbstätigen Mutter“ vom 17. Mai 1942.
Meine Großmutter konnte von diesen Vorteilen nicht
profitieren. Sie führte zusammen mit meinem Groß-
vater einen Gemüsebaubetrieb und konnte sich eine
arbeitsfreie Zeit nicht erlauben. Schon oft erzählte sie,
dass sie bis zum Tag der Geburt auf dem Feld gear-
beitet und nur ein paar Stunden vor der Geburt noch
Rüben in den Keller getragen hat. Schwere körperliche
Arbeit gehörte zu ihrem Arbeitsalltag, eine Ausnahme
galt laut ihren Erzählungen auch nicht für schwange-
re Frauen. Schließlich musste die Arbeit im Betrieb ja
erledigt werden und es war niemand da, der die Arbeit
an ihrer Stelle schaffen konnte.
Auch die Geburt selbst könnte unterschiedlicher fast
nicht sein. Meine Großmutter hat ihre beiden Kinder
nicht, wie heute üblich, im Krankenhaus zur Welt ge-
bracht. Die Geburt fand zu Hause unter Aufsicht einer
Hebamme statt. Lediglich bei Komplikationen wurde
Vier Generationen der Familie Faust-Jacob
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ein Arzt zu Hilfe gezogen. Mangels einer Krankenversi-
cherung war eine Geburt im Krankenhaus viel zu teuer
und wurde nur im Notfall in Erwägung gezogen. Auch
wenn die Rate der Hausgeburten aufgrund der Corona-
Krise und der damit zusammenhängenden limitierten
Besuchs- und Anwesenheitszeiten des Kindsvaters im
Krankenhaus wieder steigt, sind Hausgeburten heut-
zutage doch lange nicht die Regel. Vielmehr haben
sich die Krankenhäuser auf Geburten spezialisiert
und werben um die Gunst der werdenden Mütter. Die
Krankenhäuser bieten für werdende Eltern regelmäßig
Informationsveranstaltungen an, in denen die ver-
schiedenen Dienstleistungen der jeweiligen Einrich-
tung vorgestellt werden. Die Teilnehmer werden sogar
von einer Hebamme durch den Kreißsaal geführt und
können sich die Räumlichkeiten genau anschauen.
Sind die Kinder geboren, so legt man ihnen direkt eine
Windel an. Was ich heute als Windel kenne und bei
Luisa verwende, ist lange nicht das Gleiche, was meine
Großmutter damals unter einer Windel verstanden hat.
Während ich Einwegwindeln nutze, wie sie heutzutage
in Deutschland von 90 % der Eltern verwendet werden,
waren bei meiner Großmutter Baumwolltücher im Ein-
satz. Meist handelte es sich um weißen Baumwollstoff,
der mit einer rosa oder blau gehäkelten Umrandung
verziert war. Unsere eingesetzten Windeln werden
nach dem Wickeln im Restmüll entsorgt. Aufgrund des
hohen Windelaufkommens gewährt die Stadt Saarlouis
einen„Windelzuschuss“ für Privathaushalte mit Klein-
kindern. Ziel des Saarlouiser Windelzuschusses ist die
Entlastung der Familien bei den Kosten der Windelent-
sorgung. Die früher verwendeten Mehrwegwindeln
hingegen wurden gewaschen, d. h. ausgekocht, und
wiederverwendet. Ein Entsorgungsproblem ergab sich
schlicht und ergreifend nicht. Das bringt natürlich die
Frage der Nachhaltigkeit auf den Tisch...
Was sicherlich identisch ist zwischen den Generatio-
nen, ist das Geschrei des Nachwuchses. Egal, ob früher
oder heute, die Kinder weinen, wenn etwas nicht so
läuft, wie sie das wollen. Es ist dann die Aufgabe der
Eltern herauszufinden, was den Kleinen gerade fehlt,
und dies wieder in Ordnung zu bringen. Während Hun-
ger und eine volle Windel vielleicht noch relativ leicht
zu identifizieren und abzustellen sind, ist es bei den
Weinattacken schwieriger, die das Kind scheinbar ohne
Grund überfallen. Meine Oma erklärte, dass sie diesen
Attacken mit Herumtragen, gut zureden und singen
begegnet ist. An manchen Tagen wurde so die Geduld
doch sehr strapaziert. Wenn sich das Kind so gar nicht
beruhigen ließ, wurde es hingelegt und die Weinatta-
cke wurde„ausgeschrien“.
Meine Mama lobte in solch schwierigen Situationen
das Auto. Wenn jegliches Herumtragen und Reden
nichts gebracht hatte und alle Lieder bereits mehrfach
ausgesungen waren, wurde ich oder mein Bruder ins
Auto geladen. Meine Eltern sind dann mit uns mehr-
mals„um den Block“ gefahren, sodass sich das schrei-
ende Kind erholen konnte. Zu Hause angekommen,
haben wir laut den Erzählungen meiner Mutter seelen-
ruhig geschlafen. Schade, dass es diese Variante noch
nicht zu den Zeiten gab, zu denen meine Großmutter
ihren Nachwuchs aufzog.
Tja, und was machen wir, wenn Luisa so gar nicht zu
weinen aufhören möchte? Natürlich erst einmal auf
den Arm nehmen und in allen Positionen tragen:
mit dem Gesicht nach oben oder über die Schulter
oder der Flieger-Griff… Wenn aber alles Reden und
Singen nicht hilft, dann bedienen wir uns tatsächlich
des Föhns oder der Dunstabzugshaube. Es ist nicht
zu glauben, aber dann ist das Kind innerhalb von 10
Sekunden still. Je lauter der Föhn und je höher die
Stufe der Dunstabzugshaube, umso besser. Wer nun
glaubt, das sei eine zufällig von uns gefundene Lösung,
der irrt. Diese verrückte Hilfe ist bei fast allen jungen
Eltern bekannt und wird in vielen Internet-Foren zum
Thema Kind genannt. Ist mal kein Föhn oder keine
Dunstabzugshaube zur Hand – ein Staubsauger soll
übrigens den gleichen Effekt haben –, so kann man
sich eine entsprechende App auf sein Handy laden und
diese Geräusche abspielen. Das hilft meistens, denn
schließlich ist das Handy immer zur Hand. Blöd wird es
erst dann, wenn der Akku leer ist ... tja, dann bleibt uns
wohl nur die Großmutter-Variante.
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Die Multimedia-Seite
Fit am PC und im Internet
Herbert Germann
Folge 1
Früher hat man sein Wissen aus Lexika, Bibliotheken
und Zeitungen erweitert. Heute werden diese
Informationen per Klick aus dem „World Wide Web“,
kurz „WWW“, bezogen. Damit man sich ohne Angst
und relativ sicher im Netz bewegen kann gibt es einiges
zu beachten.
Als erstes sollte Hard- und Software (Hardware =
Computer, Festplatte Handy, Tablet, und Software =
die zur Hardware passenden Programme und Treiber)
immer auf dem neuesten Stand sein. Die Software wird
mit einem Update (aus englisch up, nach oben, und
date, Datum) verbessert und sicherer gemacht. Auch
erhöht es die Lebensdauer eines Computers. Viele PC,
Handy und Tablets weisen schon beim Start darauf hin,
dass ein Update ansteht. Man sollte sich vergewissern
das dieses auch vom richtigen Hersteller angeboten
wird.
Updates die auf Internetseiten oder per E-Mail
angeboten werden, sollte man auf keinen Fall
installieren. Dort lauern Gefahren, im schlimmsten Fall
Viren, die den Computer befallen können. Oft kann
man seine Programme über den Button (bezeichnet
eine Schaltfläche auf dem Bildschirm) „Hilfe“
aktualisieren.
Das Betriebssystem eines PC oder Handy ist die
Hauptsoftware damit die anderen Programme (auch
App genannt) überhaupt funktionieren. Es sollte
immer auf dem neuesten Stand sein.
Hier am Beispiel von Windows 10. Microsoft führt
verschiedene Updates selbständig aus, sofern diese
Funktion eingestellt ist. Nachprüfen kann man das mit
einem Klick auf das Windows-Fenster, dann auf
Einstellungen. Dazu muss eine Verbindung zum
Internet bestehen.
Es öffnet sich ein Fenster mit allen Einstellungen zum
PC. In diesem Fenster auf Update und Sicherheit
drücken.
Es wird angezeigt ob neueste Updates anstehen.
Wenn nicht, kann man danach suchen.
Auf „Nach Updates suchen“ drücken und der PC sucht
nach den Aktualisierungen.
1 Hier sieht man ob Updates anstehen und wann die
letzte Aktualisierung war.
2 Welche Version gerade heruntergeladen wird.
3 Bei „Erweiterte Optionen“ kann noch eingestellt
werden ob auch andere Aktualisierungen von
Microsoft-Programmen ausgeführt werden sollen.
52
Die anderen Einstellungen im Moment nicht
verändern. In weiteren Beiträgen gehe ich darauf ein.
Folgende Einstellung habe ich.
Ganz Wichtig!!
Bei jeder Aktualisierung das Gerät nicht ausschalten
und am Stromnetz lassen. Bei Stromunterbrechung
kann es zu Datenverlust und im schlimmsten Fall zu
einem Softwarecrash kommen.
Je nach verbauter Hardware kann es schon mal länger
dauern. Auch ein Neustart ist oft erforderlich.
Habe ich mein Windows 10 nun auf dem neuesten
Stand, kann ich das System wieder etwas flotter
machen. Das geht mit den Bordmitteln von Windows
oder auch mit den „Tools“ (Werkzeuge) die auf den
Handys oder Tablets schon beim Kauf installiert sind.
Tipp: Sichern Sie alle persönlichen Daten auf einer
externen Festplatte oder einem Stick. Im Falle eines
Bedienfehlers oder Fehlfunktion des PC haben sie ihre
Daten gesichert.
So wird ein Windows PC von Datenmüll befreit.
In der Taskleiste (befindet sich meistens am unteren
Bildschirmrand) ist der Button für den „Explorer“ (das
ist ein Dateiverwaltungsprogramm um Inhalte auf
Festplatte, USB-Sticks oder anderen am PC
angeschlossenen Laufwerken anzuzeigen).
Klickt man diesen an öffnet sich ein Fenster mit den
Laufwerken. Die Hauptdaten befinden sich meistens
auf C:.
Mit Klick auf „Dieser PC“ öffnet sich das nächste
Fenster und zeigt uns Laufwerk C:.
Hier mit der rechten Maustaste anklicken und ein
weiteres Fenster öffnet sich.
Auf einen weiteren Klick mit der linken Maustaste auf
„Eigenschaften“ öffnet sich das Fenster zum Entfernen
von Datenmüll auf der Festplatte C:.
Mit der linken Maustaste auf „Bereinigen“ (siehe
nächstes Bild) klicken und im weiteren Fenster werden
die verschiedenen Dateien auf denen sich nicht mehr
gebrauchte Daten befinden angezeigt.
53
Papierkorb, Temporäre Dateien und weitere im System
befindliche Datenreste können mit einem Häkchen
angeklickt werden.
Hat man seine Auswahl getroffen, drückt man auf
„Systemdateien bereinigen“.
Es wird nun nach Datenmüll gesucht, je nach Menge
kann dies bis zu 10 Minuten und länger dauern.
Ist dieser Vorgang abgeschlossen zeigt mir das Fenster
den Speicherplatz der freigegeben wird.
Erst bei einem Klick auf „OK“ werden diese Daten
endgültig gelöscht.
Nun kann man noch die Festplatte aufräumen. Ein Klick
mit der rechten Maustaste auf „Tools“ öffnet das
Fenster zum „Defragmentieren“. Defragmentierung ist
die Neuordnung von gestückelten Files auf einer
Festplatte. Diese mit spezieller Software durchgeführte
Operation sorgt dafür, dass Datenblöcke derselben
Datei möglichst aufeinanderfolgend und lückenlos auf
den Datenträger geschrieben werden.
Im weiteren Fenster sucht man Festplatte „C:“ aus und
mit einem Klick auf „Optimieren“ wird der Vorgang
ausgelöst. Ist der Vorgang abgeschlossen kann man alle
Fenster schließen und der PC sollte wieder fit und
schnell für seinen Besitzer sein.
Service für unsere Mitglieder.
Diese Informationen können von unseren Mitgliedern
auch per E-Mail als PDF abgerufen werden. Senden Sie
uns eine E-Mail und sie erhalten diese Computertipps
zum Ausdrucken zu gesendet.
E-Mail an: heimatkunde@lisdorf.de
54
54
Von Heiner Groß
Durch einen Bericht im Wochenspiegel SLS/MZG vom
12. April 2020 mit der Überschrift„Tina Klösters schreibt
Löwenzahn-Gedicht“, in dem das Gedicht der jungen
Frau aus Wadern-Morscholz veröffentlicht ist und der
Morscholzer Ortsvorsteher Markus Wollscheid ein
Löwenzahn-Rezept im Morscholzer Dialekt hinzuge-
fügt hat, wurde ich zu folgenden Ausführungen ange-
regt.
Vor knapp zwei Jahren waren wir mit 40 Personen
vom Heimatkundeverein Lisdorf auf Einladung unse-
res Mitglieds Margareta Roßport-Kneip anlässlich der
SR-Landpartie auf ihrem großen Margaretenhof in
Wadern-Morscholz. Sie stammt von Lisdorf-Holzmühle
aus dem Jahrgang 1938. Annähernd 10 Teilnehmer
des Ausflugs gehören diesem Jahrgang an. Seither
sind Morscholz und der dortige Margaretenhof feste
Begriffe bei allen Reiseteilnehmern.
Zurück zum„Bettsaicher“! Er ist in den ersten Monaten
eines jeden Jahres in Lisdorf in mehrerer Hinsicht ein
Thema. Meines Wissens wird der Löwenzahn nur in Lis-
dorf in größerem Umfang als Gemüse-Salat-Pflanze zu
Erwerbszwecken angebaut und saarlandweit auf Märk-
ten und in Geschäften verkauft. Er ist jährlich der erste
Salat aus heimischer Erzeugung. Wiederholt verspeist,
soll er den Körper regenerieren und ihn mit essentiel-
len Vitaminen und Mineralien versorgen.
Die mundartlichen Ausdrücke„Bettsaicher“ in Lisdorf
und„Bettsäächer“ in Morscholz rühren von der angeb-
lichen„Harn treibenden Wirkung“ des Löwenzahns her.
Die vor einigen Jahren aus Mitgliedern des LiGeKa in
Lisdorf gebildete Musik-Band hat sich den Namen„the
[bad]saichers“ zugelegt, zu Ehren des Lisdorfer„Bettsai-
chers“.
Obwohl der Löwenzahn in ganz Europa als Gewächs
in Gesellschaft von Gräsern und Klee auf Grün- und
Brachflächen verbreitet ist, wird er nur im Saarland
und in Elsass-Lothringen für den menschlichen Verzehr
angebaut, in größerem Umfang nur in Lisdorf. Verzehrt
wird er, abgesehen von Ausnahmen, auch nur im Saar-
land und in Teilgebieten von Elsass-Lothringen. Der
größte Teil des verzehrten Löwenzahns stammt von
Wiesen und Feldern aus der freien Natur. Dieser ist grü-
ner und härter und schmeckt bitterer als der in Lisdorf
erzeugte, soll aber vitamin- und mineralstoffreicher
sein.
Sehr beliebt bei Naturfans ist der schön gelb blühende
Löwenzahn und die„Pusteblume“ bei Kindern und
auch Erwachsenen.
Der Löwenzahn – eine Lisdorfer Spezialität
Im Volksmund„Bettsaicher“ und/oder„Bettsäächer“ genannt
Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé [Public domain, GFDL or CC-BY-
SA-3.0], via Wikimedia Commons
55
55
Von Heiner Groß
Seit der letzten Vorstandswahl beim Verein für Heimat-
kunde Lisdorf e.V. (VHL) am 12. Dezember 2019 gehören
dem Vorstand 40 Mitglieder an. Das sind 6,7 % der annä-
hernd 600 Mitglieder und damit durchaus angemessen.
Bedingt durch die Corona-Pandemie hat dieser große
Gesamtvorstand erst ein Mal getagt. Die Vorstands-
arbeit teilen sich der aus 7 Mitgliedern bestehende
geschäftsführende Vorstand, mehrere Arbeitskreise und
der Gesamtvorstand. Der geschäftsführende Vorstand
sowie der Arbeitskreis Redaktion haben schon mehrfach
getagt, zumeist in Videokonferenzen.
Nach und nach stellen wir im Heimatblatt neue Vor-
standsmitglieder vor. Heute ist das Roman Denis, der
Inhaber des Bioland-Gemüsebetriebes in Lisdorf mit
Wohnsitz in Beaumarais. Als„Lisdorfer Bub“ gehört
er unserem VHL schon viele Jahre an, dem Vorstand
seit 2019. Roman wurde am 6.1.1956 als ältester Sohn
von Walter Denis und Theresia, geb. Klein in Lisdorf
geboren. Das Elternhaus befindet sich in der Provinzi-
alstraße 136, gegenüber dem Landwehrkreuz. Bereits
die Eltern von Roman bauten in Lisdorf Gemüse an, das
sie selbst vermarkteten. Roman Denis übernahm den
Gemüsebaubetrieb von seinen Eltern und vergrößerte
ständig die Betriebsfläche, die derzeit 22 ha beträgt
und in Lisdorf und Beaumarais gelegen ist.1990 stellte
er den Betrieb auf Bioland um. Seitdem produziert
er Gemüse und Kartoffeln kontrolliert biologisch mit
sehr gutem Erfolg. Die 22 ha Betriebsfläche werden
wie folgt genutzt: ca. 16 ha Gemüsebau (bei 1,2-facher
Belegung), 2 ha Kartoffeln und 6 ha Gründüngung in
4-jähriger Fruchtfolge. Es werden über 100 verschie-
dene Produkte angebaut.
Die erzeugten Bio-Produkte werden zu 50 % über den
Markthandel seines jüngeren Bruders Stefan Denis auf
10 Wochenmärkten verkauft. 40 % der Produkte gehen
an die Öko-Marktgemeinschaft Saar-Pfalz-Hunsrück,
eine Organisation von 16 Bio-Betrieben. Mit den restli-
chen 10 % werden der lokale Einzelhandel, ein Luxem-
burger Großhandel sowie einige gehobene Restaurants
beliefert.
Stefan Denis hat übrigens vor einigen Jahren das
Geburtshaus von Prof. Dr. Dr. Jakob Ecker, Ecke Groß-
straße/Prof.-Ecker-Str.,
erworben, umgebaut
und erweitert und
wohnt selbst dort.
Der Bioland-Betrieb
von Roman Denis
beschäftigt 17 bis 26
Mitarbeiter/innen (je
nach Arbeitsanfall)
teils mit gärtnerischer
Fachausbildung als
Meister und ist ein
Ausbildungsbetrieb.
Seit 20 Jahren fördert Roman Denis auch Mitarbeiter/
innen mit psychischen Erkrankungen im Rahmen
eines beruflichen Integrationsprojektes in Verbindung
mit dem Verein für Sozialpsychiatrie Saarlouis. Dieses
„Arbeitstrainingsprojekt“ dient der Vorbereitung auf
einen künftigen Beruf. So hat eine 44-jährige Mitarbei-
terin mit Handicap in seinem Betrieb eine Lehre zur
Gemüsegärtnerin erfolgreich abgeschlossen. Roman
Denis macht nicht viel Aufhebens um dieses soziale
Engagement und meint:„Integration gehört zum sozia-
len Gefüge in meinem Betrieb.“
Für sein soziales Engagement bekam Roman Denis vor
einigen Jahren den Integrationspreis des Saarlandes
für beispielhafte Aktivitäten bei der Beschäftigung von
Menschen mit Handicap. Das mit der Auszeichnung
verbundene Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro hat er für
soziale Zwecke gespendet.
Roman Denis engagiert sich nicht nur sozial, sondern
auch berufsständisch. So ist er u. a. Vorsitzender des
Beregnungsverbandes Lisdorfer Aue, dem alle Grund-
stückeigentümer in der Lisdorfer Aue angehören. In der
Öko-Marktgemeinschaft Saar-Pfalz-Hunsrück, deren
Mitgründer und Gesellschafter Roman und sein Bruder
Stefan sind, ist Roman ehrenamtlicher Aufsichtsrat.
Auch im Verein„Lisdorf … alles im grünen Bereich“ hat
sich Roman Denis engagiert. Seine jahrelange Mitglied-
schaft im VHL und sein weiteres Engagement im Vor-
stand zeigen seine Heimatverbundenheit.
Roman Denis kann kontaktiert werden unter romande-
nis@web.de.
Wir stellen vor:
Der Heimatkundler und Bio-Gemüsegärtner Roman Denis
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56
Lisdorfer Kulturleben wieder gestartet
HardChor gibt „Hof-Konzert“
Von Mitte März 2020 bis zum Sommer 2021 suchten
uns insgesamt drei Infektionswellen des Coronavirus
SARS-CoV-2 heim, ein neues Virus aus dem Reservoir
der Natur, das an Virulenz und Gefährlichkeit vieles
Bekannte in den Schatten stellte und leider auch bei
vorwiegend älteren Menschen eine bedrohliche bis
tödliche Infektion hervorrufen konnte. Regierungen
in der ganzen Welt reagierten mit rigorosen Beschrän-
kungen des öffentlichen Lebens und mit einer beispiel-
losen Impfaktion, die erst im Spätsommer 2021 dem
Virus Paroli bieten konnte. Bis Ende September waren
im Saarland über 70 Prozent der Menschen vollständig
geimpft, sodass auch in Lisdorf das Vereinsleben nach
langer Zwangspause wieder starten durfte.
Der Lisdorfer HardChor hatte seinen bis dahin letzten
Auftritt am 7. März 2020, danach blieben zwischen den
einzelnen Infektionswellen nur eingeschränkte Chorpro-
ben unter dem Glasdach des Lisdorfer Schulhofes übrig.
Die Hardrocker nutzten diese Zeit so gut wie möglich.
Im Sommer 2021 durften die beiden Chöre der Chorge-
meinschaft dank gelockerter Vorgaben und nach voll-
ständiger Impfung aller Sänger wieder im Vereinslokal
Gasthaus„Schulden“ proben. Die Lockerungen in der
Außengastronomie nutzte der HardChor, um mit einem
„Hofkonzert“ im Freihof vor der Saarlouiser„Stadtschen-
ke“ am Samstag,
dem 4. September,
die lange„Durst-
strecke“ von 18 Mo-
naten zu beenden.
Der schöne Bier-
garten in der
Innenstadt ist eine
Oase der Erholung
und hat sich im
Laufe der Zeit zu einem innerstädtischen Anlaufpunkt,
vor allem auch für
Lisdorfer Gäste,
gemausert.
Die Sänger des
HardChors waren
trotz der langen
Zwangspause fast
vollzählig ver-
sammelt. Mit ins-
gesamt zwölf Liedern gab der Chor seine musikalische
Visitenkarte für das Jahr 2021 ab. Unter Leitung von
Natalya Chepelyuk am E-Piano und mit dem Gitarristen
Eugen Maciaczyk eröffneten die Hardrocker aus Lisdorf
ihr verspätetes Konzertjahr mit leichter Unterhaltungs-
musik, passend zur warmen Witterung dieser Tage.
Dank Ankündigung in der Presse und der Vorbereitung
durch die Pächterin Larisa Klein durften sich nicht nur
die Wirtin, sondern auch die Sänger über einen uner-
wartet starken Zuspruch von Gästen bzw. Zuhörern
freuen. Zum Dank dafür gab es für die Wirtin einen
hübschen Blumenstrauß.
Auch die Dirigentin Natalya
Chepelyuk wurde mit einem
Gebinde geehrt, hatte sie
doch selbst während der
Coronazeit mit virtuellen
Proben über Internet und
Singproben unter erschwer-
ten Rahmenbedingungen
auf dem Schulhof sicherge-
stellt, dass der Gesangsbe-
trieb nicht einschlief.
Der Förderverein„Klingende Kirche“
startete sein Veranstaltungs-
programm mit einer neuen
Veranstaltungsreihe
„Soirée spirituelle“ in Lisdorf
In Zusammenarbeit mit dem Orgelbauverein„St. Lud-
wig“ Saarlouis beendete der Förderverein„Klingende
Kirche“ am 24. September 2021 in der Lisdorfer Pfarr-
Im Bild links der HardChor-Gitarrist Eugen Maciaczyk, in Bild-
mitte Dirigentin Natalya Chepelyuk
Pächterin Larisa Klein (Bild links
mit den Sängern Jörg Wannags,
Volker Augustin, Robert Pütz und
Udo Simon
56
57
57
kirche mit einer neu ge-
schaffenen Veranstaltungs-
reihe die – coronabedingt
– lange konzertfreie Zeit.
In einem Orgelkonzert,
das Regionalkantor Armin
Lamar auf der beliebten
MAYER-Orgel vortrug, wur-
de die Konzertreihe„Soirée
spirituelle“ vor zahlreichen
Zuhörern festlich eröffnet.
Zur Aufführung kamen
Orgelwerke von Louis Mar-
chand, Johann Sebastian
Bach, Felix Mendelssohn
Bartholdy, Marcel Dupré,
César Franck und Jean
Langlais. Das anspruchs-
volle Konzertprogramm
verlangt vom Interpreten
ein ungeheures Maß an
Einfühlungsvermögen und Virtuosität, die an diesem
Abend orgelmusikalisch in beeindruckender Weise
erfüllt wurden. Meditative Texte, vorgetragen von Dr.
Rolf Dillschneider, ehemals Pfarrer an der Basilika St.
Johann in Saarbrücken und langjähriger Polizeidekan,
bereicherten den imposanten Konzertverlauf.
Die Zuhörer
bedachten die
Ausführenden
mit langem
Beifall und
honorierten dies
mit Spenden in
Höhe von 574
Euro, die dem
Nothilfefonds
der Kirchen-
gemeinde Bad
Neuenahr-Ahr-
weiler – wo der ehemalige
Kaplan der Pfarreienge-
meinschaft Saarlouis dort
seit 2020 als Kooperator
tätig ist – zur Verfügung ge-
stellt und für die Opfer der
Flutkatastrophe im Ahrtal
verwendet wird. Bei einer
weiteren Soirée mit dem
Organisten Werner Grothus-
mann am 15.10.2021 wur-
den nochmals 540 EUR zum
guten Zweck eingesammelt.
LiGeKa macht
endlich wieder Theater
Auch der LiGeKa musste Corona-bedingt in den letzten
eineinhalb Jahren seine traditionellen Veranstaltungen
absagen.
Hart haben die Kontaktbeschränkungen auch die vie-
len Tanzsportgruppen getroffen, die ihre Trainingsein-
heiten nicht in der gewohnten Art durchführen konn-
ten. Da sich der LiGeKa aber in allen Bereichen durch
Kreativität auszeichnet, war auch hier - dank der neuen
Technologien und der sozialen Medien - bald eine
neue Art der Trainingsmöglichkeiten gefunden. Zur
Zeit des Lockdowns wurde in Online-Meetings trainiert
und später in kleinen Gruppen auch wieder in Präsenz
unter freiem Himmel. Wichtig war es, den Kontakt zuei-
nander zu halten - aber auch die körperliche Fitness zu
bewahren. Allen Verantwortlichen gilt an dieser Stelle
ein großes Lob und ein dickes Dankeschön für die vie-
len Ideen und die Motivation aller Mitglieder.
Die Theatergruppe war dann die erste Gruppe des
LiGeKa, die während sinkender Inzidenzen im Som-
mer die Hoffnung hatte, endlich wieder auftreten zu
dürfen.
Es fanden wieder erste Proben in Präsenz statt - natür-
lich alles Corona-konform. Und als dann der Beschluss
der Landesregierung veröffentlicht wurde, wieder Kul-
turveranstaltungen zu ermöglichen, haben die Verant-
wortlichen des LiGeKa unter Hochdruck und mit ganz
viel Verantwortungsbewusstsein ein Hygienekonzept
entwickelt, unter dessen strengen Vorgaben wieder
Theaterveranstaltungen in der Hans-Welsch-Halle
stattfinden konnten.
Der LiGeKa konnte in vier sehr gut besuchten Thea-
tervorstellungen die Besucher mit dem spritzigen und
kurzweiligen Stück "Der Geist im Rathaus" aus dem
Corona-Alltag entführen.
Eröffnung der ersten Soirée
am Freitag, dem 24. Sep-
tember 2021, in der Lisdorfer
Kirche durch Manfred Boß-
mann, den 1. Vorsitzenden
des Fördervereins „Klingen-
de Kirche“
Armin Lamar und Susanne Zapp-Lamar
an der Mayer-Orgel in Lisdorf
Pfarrer i.R.
Dr. Rolf Dillschneider
57
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Am 5. Mai 2009 wurde der Heimatkundeverein Rode-
na als eingetragener Verein gegründet. Rodena hat es
bisher immer wieder geschafft, auch trockene Themen
anfassbar darzustellen. Oft ersetzen Führungen für
Erwachsene und auch speziell für Kinder die mündli-
che Vermittlung von Geschichte, die immer spannend,
nachvollziehbar und nach-erlebbar aufbereitet wird.
Wir stellen einige Taschenbücher, die über den Verein
Rodena zu beziehen sind, vor:
Der Autor der Bücher ist Walter Schmolenzky.
Erlebtes und Erlauschtes
Aufzeichnungen über Roden
mit Erzählungen von der
Nachkriegszeit, über Personen,
Beschreibungen von Häusern,
Straßen und Plätzen. Nicht
unbedingt historisch-wissen-
schaftliche Abhandlungen.
Kurzweilig, sehr lesenswert.
74 Seiten
Aus dem Inhalt
Aus dem Rodener Gedächtnis
Dokumentationen über den
Kirchenbasar von 1949 in
Roden, die letzten Wölfe im
Saarland, Weltkriegserinnerun-
gen, Der Deiwelsstähn auf dem
Steinrauschhang, die Rodener
Ziegelei und viele andere Ge-
schichten rund um Roden.
80 Seiten
Aus dem Inhalt
Vermischtes aus dem alten
Roden
Ein Ausflug durch Roden mit
historischen Bildern und Karten.
Sie bilden die Grundlage für die
einzelnen Erzählungen und Be-
richte. Einige Geschichten gilt es
zu hinterfragen. Reich bebildert
mit Fotos und Karten.
76 Seiten
Aus dem Inhalt
Diese Bücher sind zu beziehen über den Rodena Hei-
matkundeverein e.V.
Heiligenstraße 20, 66740 Saarlouis
Tel: +49 6831 84234 E-Mail: kontakt@rodena.org
Rodena Heimatkundeverein Roden e.V.
mit interessanten Büchern zur Rodener Geschichte.
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Verdienstvoller Ehrenamtler
Hans Podewin verstorben
Am 12. September
ist der verdienst-
volle Lisdorfer Hans
Podewin im hohen
Alter von fast 86
Jahren plötzlich
und unerwartet
verstorben. Um
ihn trauert seine
Familie, deren
Mittelpunkt er über
60 Jahre war: seine
Ehefrau Marianne,
geb. Strauß, die
beiden Töchter
Annemarie und
Gertrud und deren
Ehemänner sowie
zwei Enkelkinder
und ein Urenkel.
Aber auch viele
Ortsvereine, ja die
ganze Dorfgemein-
schaft, betrauern
seinen Tod. Jahr-
zehntelang war er in mehreren Vereinen und für die
Dorfgemeinschaft in unterschiedlichen Funktionen
uneigennützig ehrenamtlich tätig.
Bei seiner Beerdigung am 20. September auf dem
Friedhof in Lisdorf erwiesen ihm, trotz der coronabe-
dingten Einschränkungen, viele Trauernde die letzte
Ehre. Die Chorgemeinschaft MVG 1859 Lisdorf, deren
aktiver Sänger Hans Podewin über mehrere Jahrzehn-
te bis zu seinem Tode war, verabschiedete sich von
ihm mit zwei Gesangsbeiträgen. Der Vorsitzende des
Vereins für Heimatkunde Lisdorf, Georg Jungmann,
würdigte als Sprecher der Lisdorfer Vereine Hans Pode-
win als eine der tragenden Säulen des Lisdorfer gesell-
schaftlichen und Vereinslebens.
So war er über 24 Jahre lang engagiertes Vorstandsmit-
glied des Heimatvereins, langjähriger Vorsitzender des
Berg- und Hüttenarbeitervereins, Vorstandsmitglied
des SPD-Ortsvereins, Mitglied im Spielmannszug sowie
aktiver Sänger der Chorgemeinschaft. Jungmann
betonte das jahrzehntelange Ehrenamt von Hans
Podewin als örtlicher Schiedsmann. Klaus Hiery, Vor-
sitzender des Stadtverbandes Saarlouis der Berg- und
Hüttenarbeitervereine, sprach am Grab Dankesworte
für seinen langjährigen Vorstandskollegen.
Hans Podewin wurde 1935 in Gersweiler geboren.
Er erlernte den Schlosserberuf und arbeitete bei der
Firma Heckel in Saarbrücken und danach bei Drahtcord
in Merzig. In beiden Unternehmen engagierte er sich
als Mitglied des Betriebsrates für seine Arbeitskollegen,
zuletzt als Betriebsratsvorsitzender.
Im Alter von fast 24 Jahren, im Jahr 1959, vermählte
er sich mit Marianne, geb. Strauß, aus Lisdorf. Seitdem
wohnte er im Elternhaus seiner Frau in Lisdorf. Das
Ehepaar Podewin bekam zwei Töchter. Hans Podewin
hatte sich schnell in Lisdorf integriert. Nach und nach
schloss er sich mehreren Ortsvereinen als aktives Mit-
glied an. In der Chorgemeinschaft war er bis zu seinem
Tod aktiver Sänger, ebenso im Spielmannszug aktiver
Musiker am Schellenbaum. Im Berg- und Hüttenarbei-
terverein hatte er alsbald den Ortsvorsitz übernommen
und diesen bis zuletzt inne. Im Jahr 1984 übernahm er
das wichtige Ehrenamt des örtlichen Schiedsmannes,
das er ebenfalls bis zum Tode ausübte. Zuletzt war er
zehn Jahre lang für den zusammengefassten Schieds-
bezirk Lisdorf-Neuforweiler zuständig und zudem noch
Vertreter für den Bezirk Beaumarais-Picard.
Nach 30 Jahren Schiedsmann-Tätigkeit wurde er vom
saarländischen Justizminister mit der Goldenen Ehren-
nadel ausgezeichnet; ebenso erhielt er 2014 vom
Landesverband der Schiedsmänner und -frauen eine
Auszeichnung für sein langjähriges Wirken als Schieds-
mann.
Bereits 2012 wurde Hans Podewin von Bundespräsi-
dent Joachim Gauck für sein jahrzehntelanges Enga-
gement in mehreren Ehrenämtern mit der Verdienst-
medaille des Verdienstordens der Bundesrepublik
Deutschland ausgezeichnet.
Mit dem Ableben von Hans Podewin hat die Kreis- und
Europastadt Saarlouis, insbesondere aber der Stadtteil
Lisdorf mit seinen Ortsvereinen, einen bis zuletzt über-
aus engagierten Mitbürger verloren.
(hg / Foto: Verein für Heimatkunde Lisdorf)
Der
Ortskern
von
Lisdorf
in
den
Jahren
1928-1930.
Im
Bild
deutlich
erkennbar
sind
die
Erweiterungsarbeiten
an
der
Lisdorfer
Kirche
um
zwei
Seitenschiff
e,
die
in
den
Jahren
1928
-
1930
unter
Dechant
Josef
Spengler
durchgeführt
wurden.
Dieses
Bild
ist
die
bisher
älteste
Luftaufnahme
Jahren
1928
-
1930
unter
Dechant
Josef
Spengler
durchgeführt
wurden.
Dieses
Bild
ist
die
bisher
älteste
Luftaufnahme
von
Lisdorf,
die
uns
vorliegt.