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Funk
144 • FA 2/99
Technische Einzelheiten der Schaltung
sind HF-Verstärker, FET-Audion, Kapa-
zitätsdiodenabstimmung, resonante LC-
Kreise, Pufferverstärker, NF-Vorverstär-
ker, NF-Leistungsverstärker (IC), Span-
nungsstabilisation (IC) sowie eine digitale
Logik zur Bandumschaltung.
s Audion und Rückkopplung
Übersetzt man den Begriff „Regenerative
Receiver“ und wirft einen Blick auf den
Stromlaufplan, so offenbart sich hier ein
Rückkopplungsempfänger bzw. Audion
mit FET-Bestückung. Um Funktion, Lei-
stungsfähigkeit und Bedienung (!) besser
verstehen zu können, sei nachfolgend spe-
ziell für die jüngeren Leser der Rück-
kopplungsempfänger kurz erläutert.
Im Gegensatz zum Superhet gelangt das
empfangene Signal ohne Frequenzände-
rung oder -umsetzung bis zum Demodu-
lator. Er besteht im einfachsten Fall aus
einem Audion, das gleichzeitig mehrere
Funktionen erfüllt: Durch Arbeitspunkt-
verschiebung bei gleichzeitiger Rückkopp-
lung wird verstärkt und demoduliert.
Die Rückkopplung entdämpft den einzi-
gen (!) Schwingkreis des Audions bzw.
des Geradeausempfängers. Hierdurch stei-
gen Empfindlichkeit und Trennschärfe ge-
genüber dem nicht entdämpften Kreis
wesentlich an. In den Anfangsjahren, nicht
nur des Amateurfunks, wurde diesem LC-
Kreis große Aufmerksamkeit gewidmet.
Steckspulen mit hoher Güte, optimierte
Anzapfung für die Rückkopplung und
Luftdrehkondensatoren waren ein Muß.
Die Kennlinie der verwendeten Röhre und
ihr Arbeitspunkt entschieden über den
weichen Rückkopplungseinsatz und da-
mit über erzielbare Empfindlichkeit und
Trennschärfe.
Dazu kam noch ein sorgfältiger mecha-
nischer Aufbau, der Handempfindlich-
keiten vermeiden mußte. Bei ausreichend
starker Rückkopplung beginnt das Audion
zu schwingen, arbeitet also als Oszillator,
dessen HF-Energie durch die unmittelbare
Verbindung ggf. teilweise zur Antenne ge-
langt und von ihr abgestrahlt wird. In Ab-
hängigkeit von der Antennenankopplung
verschiebt sich außerdem die Resonanz-
frequenz des Schwingkreises; eine Kali-
brierung des Abstimmknopfes ist damit
nur in Grenzen sinnvoll.
Man benötigt also eigentlich einen HF-
Generator, mit dessen Hilfe man die Emp-
fangsfrequenz zunächst grob einstellen
oder erkennen kann. Dafür reicht z.B. aber
auch ein Dipmeter aus.
Klassifiziert man den 1253 mit den üblichen
Kennzeichen des Geradeausempfängers, so
könnte man ihn als 1-V-IC (eine Vorstufe –
Audion – „IC“ für NF-Verstärker unbe-
kannter Stufenzahl, hier inklusive eines ein-
stufigen NF-Vorverstärkers) bezeichnen.
Die Bedienung bzw. optimale Einstellung
eines Geradeausempfängers muß erlernt
werden und feinfühlig erfolgen. Kurz vor
dem Schwingeinsatz des Audions sind die
Empfindlichkeit und die Trennschärfe am
größten. Dieser Punkt wird durch ein zi-
schendes Rauschen charakterisiert.
Nicht umsonst widmet Ten-Tec speziell der
Bedienung der Rückkopplung eine ganze
Seite des übrigens sehr ausführlichen, aber
naturgemäß englischsprachigen, Manuals.
Diese lange Einleitung war notwendig, um
das Konzept sowie Leistungsfähigkeit und
Grenzen des Ten-Tec 1253 einschätzen zu
können.
s Aufbau
Der mir zur Verfügung stehende Bausatz
enthielt wie immer alle notwendigen Teile
und Armaturen zum Aufbau. Das Manual
ermöglicht selbst dem Ungeübten, das
Gerät „step-by-step“ aufzubauen und auch
zum Leben zu erwecken. Es empfiehlt sich
sowohl das Manual als auch „Read BE-
FORE Starting...“, also vor dem Beginn
des Aufbaus zu lesen und die Abläufe zu
verstehen. Zudem noch vier Tips vorab:
1. Besorgen oder bauen Sie sich ein Hilfs-
lineal mit Zollteilung in 1/4-Zoll-Schrit-
ten (1 Zoll = 25,4 mm; max. für 9 Zoll;
ein Faktor von 26 schafft eine kleine
Reserve). Es ist mehr als hilfreich für
den Zuschnitt der Drahtlängen.
2. Das Abisolieren der Massivdrähte sollte
mit der heißen Lötkolbenspitze erfolgen.
Schere, Messer oder Seitenschneider
verursachen Kerben im Draht und damit
Bruchgefahr.
3. Üben Sie sich beim Aufbau der Platine
für die Bandumschaltung in Geduld. Hier
sind die neun LEDs sowie die Drucktaste
zeitaufwendig einzupassen. Zudem muß
bauelementabhängig auf beiden Seiten
der Platine montiert und gelötet werden.
4. In meinem Muster war ein Lötauge der
Band-6-LED zu nahe an der Montage-
frontplatte. Feilen Sie diese Ecke etwas
ab.
Aus dem Stromlaufplan ist ersichtlich, daß
die HF über das Potentiometer R1 zu einem
FET (T1) in Gateschaltung gelangt. Das
soll die Abstrahlung der Oszillatorleistung
über die Antenne minimieren. T2 in Ver-
bindung mit T3 realisiert das Audion, L1
bis L9 (handelsübliche Festinduktivitäten)
bilden zusammen mit der Kapazitätsdiode
D10 jeweils den Schwingkreis.
Achtung, C35 bis C42 werden nicht be-
stückt. Mit dem Potentiometer R5 wird die
Rückkopplung eingestellt, durch R6 zu-
sätzlich deren Einsatzpunkt und Härte be-
stimmt. Zu Beginn der Inbetriebnahme
sollte R6 etwa in der Mitte des Dreh-
bereichs stehen. Beim Abgleich ist er dann
so zu justieren, daß eine Rückkopplung
sowohl im frequenzhöchsten als auch im
Bausatz: 9-Band-KW-Empfänger
1253 von Ten-Tec
Dipl.-Ing. MAX PERNER – DM2AUO
Unter der Bezeichnung 1253 gibt es von Ten-Tec einen Bausatz für einen
einfachen und preiswerten Kurzwellenempfänger, der laut Manual eine
elektronische Bandumschaltung für neun Bänder von 1,8 bis 22 MHz,
Steller für HF-Empfindlichkeit und Feinabstimmung an der Frontplatte
sowie einen hervorragenden NF-Verstärker für Lautsprecher und Kopf-
hörer besitzt. Empfangen werden können AM, CW und SSB.
Frontansicht
des Ten-Tec 1253.
Um bestmögliche
Empfangsergebnisse
zu erzielen, ist
das optimale
Zusammenspiel
von Frequenz-
feineinstellung
(Fine Tune),
Rückkopplung
(Regen.) und
HF-Verstärkung
(RF Gain) wichtig.
Funk
FA 2/99 • 145
frequenztiefsten Band möglich ist. Die
Höhe der Abstimmspannung und damit die
Resonanzfrequenz wird durch R20 grob
und R21 fein eingestellt.
Je nach Stellung des Bandschalters öffnet
die zugehörige Spannung eine der PIN-
Dioden D1 bis D9 und schaltet damit die
jeweilige Induktivität an die Kapazitäts-
diode. Außerdem erhalten dadurch T1 und
T2 ihre Drainspannung. T4 ist ein NF-Vor-
verstärker, die NF-Endstufe mit U1 ist mit
1,5 W maximaler Ausgangsleistung etwas
überdimensioniert.
Die Bandumschaltung erfolgt durch die
H-Spannung eines dezimalen Vorwärtszäh-
lers mit zehn (hier nur neun verwendet)
dekodierten Ausgängen. Jede kurzzeitige
Betätigung von SW1 schaltet den Zähler
einen Schritt vorwärts, ein Rückwärts gibt
es nicht. In der Tüte für „Bandswitch
PCB“ befindet sich ein Elektrolytkonden-
sator 100 µF, den man parallel zur Z-Diode
D1 löten muß. Lötaugen sind dafür auf der
Platine nicht vorgesehen, im Original-
stromlaufplan fehlt er ebenfalls. Einen
Hinweis auf ihn gibt es lediglich in der
Beilage „Read BEFORE Starting...“ sowie
im hier dargestellten Stromlaufplan. Ohne
diesen Kondensator schaltet der Zähler
nicht korrekt.
Das Gerät läßt sich sowohl durch einen
internen Batteriesatz mit acht C-Zellen
(nicht im Lieferumfang) als auch durch
eine externe Betriebsspannung von +12 V
(gegen Masse) betreiben. Die Stromauf-
nahme liegt mit Zimmerlautstärke bei 150
mA. Die Abmessungen des Gerätes sind
150 mm × 100 mm × 175 mm (B × H × T)
inklusive Bedienknöpfen sowie rücksei-
tiger Anschlußelemente. Das Gerät hat
ohne interne Batterien eine Masse von
1050 g.
Der interne Lautsprecher ist in der oberen
Abdeckhaube zu montieren. Antenne und
Ground werden rückseitig an zwei Ge-
3 1
1
2
3
4
5
6
7
8 9
10
11
12
13
14
15
16
IC1
74HC4017
Baugruppe
Bandumschaltung
Band 6
Band 2
Band 1
Band 3
Band 7
Band 8
Band 4
Band 9
Band 5
R3
1,8k
LED1...LED9
C1
10n
R2
3,3k
D1
5,1 V
R1
470
BandSW1
Band1
Band2
Band3
Band4
Band5
Band6
Band7
Band8
Band9
D1
1SS135
D2
1SS135
D3
1SS135
D4
1SS135
D5
1SS135
D6
1SS135
D7
1SS135
D8
1SS135
D9
1SS135
C34
56 C35 C36 C37 C38 C39 C40 C41 C42
C20
10n
C21
10n
C22
10n
C23
10n
C24
10n
C25
10n
C26
10n
C27
10n
C28
10n
L1
68µH
L2
33µH
L3
12µH
L4
8,2µH
L5
4,7µH
L6
3,3µH
L7
2,2µH
L8
1,5µH
L9
1,2µH
X
Y
Antenne
R1
10k
C1
100
T1
J310
R2
6,8k
C32
100µ
R27
4,7k
R24
22k
R26
560
C29
10µ
C33
33µ
T5
MPS
6514 R9
10k
R10
1k
C10
470µ
C8
100n
C9
10n
R11
4,7k
C30
100µ
R16
470
C19
10n
C11
1µ
R13
10k
R14
270 R15
3,3k
R23
3,3
R12
47k
T4
MPS
6514
R17
10k
C12
100n
C13
100
7
6
5
8
1
9
4
R18
3,3
C15
100n
C16
470µ
C17
220µ
IC1
TDA2611A
Lautsprecher
6
7
4
8
3
2
1/4-
Zoll-
Buchse
9
J1
S1 Ein D12
1N4002
D11
1N4002
Batterie
+ -
ext.
+13,5 V
C7
10nR3
10
C2
32
R4
1M
T3
J310
C3
10n
R25
1,5k
C6
10n
R5
10k
R6
100k
C43
10n
L10
100µH
R7
1k
T2
J310
R8
4,7k
C4
10n
C5
1µ
R28
R29
2x
100
C
C31
1µ
C18
20
R19
10k R22
1M
D10
MV209
R20
10k
R21
10k
A
Fein-
abst.
Grob-
abst.
Lautstärke
Spannungsstabilisierung
2
IC2
LM7805
LED
Rückkopplung
C14
33µ
2
+5V
+5V
100µ
Der Empfänger
ist übersichtlich
ausgeführt und
kommt ohne
SMD-Bauteile aus,
so daß der Aufbau
ohne Schwierigkeiten
gelingt.
Weil ausschließlich
Festinduktivitäten
verwendet werden,
entfällt das Wickeln
von Spulen.
Empfangsbereiche des 1253
Band
lt. Manual gemessen
[MHz] [MHz]
1 1,76 ... 1,99 1,770 ... 2,000*
2 3,3 ... 4,15 3,127 ... 4,065
3 5,5 ... 6,9 5,096 ... 6,560
4 6,8 ... 8,5 6,331 ... 8,311
5 8,5 ... 11,0 8,375 ... 10,640
6 10,1 ... 13,2 9,900 ... 11,400
7 12,5 ... 16,0 12,092 ... 15,578
8 14,7 ... 18,5 14,445 ... 17,280
9 18,5 ... 21,5 16,145 ... 17,014*
* oberhalb dieser Frequenz beim
Muster keine Rückkopplung mehr
Funk
146 • FA 2/99
windebolzen M5 mit Flügelmutter ange-
schlossen. Eine DC-Buchse für die ex-
ternen 12 V sowie eine 6,3-mm-Klinken-
buchse für Kopfhörer sind ebenfalls rück-
seitig angebracht.
s Empfangsergebnisse
Nach dem Einschalten des Geräts stand
der Bandschalter des Musters immer auf
Band 6 (25 m) und nicht wie im Manual be-
schrieben auf Band 1 (160 m). Kein Bein-
bruch. Etwas ungewöhnlich ist, daß die
frequenzhöchste Induktivität am weitesten
vom Audion entfernt ist. Es könnte sein,
daß die spiegelbildliche Montage der
Induktivitäten und der entsprechenden
Steuerleitungen zu einem besseren Rück-
kopplungsverhalten auf den höherfrequen-
ten Bändern führt.
Der Empfang von AM-Stationen (Rund-
funk) erwies sich als problemlos. Nach
Auffrischung der eigenen Erfahrungen mit
Einkreisern sowie des Einsatzes eines Meß-
generators wurden die möglichen Amateur-
funkbänder abgehört. Der Einsatzpunkt der
Rückkopplung ist bandabhängig, aber aus-
reichend weich und feinfühlig. Eventuell
empfiehlt sich ein einfacher Eichpunkt-
geber mit einer geradzahligen „Computer-
frequenz“.
Die Bedienung des HF-Stellers erwies sich
als unumgänglich. Ist er zu weit aufge-
dreht, „blasen“ benachbarte Rundfunksta-
tionen das Audion „tot“; der Empfänger
wird desensibilisiert, also unempfindlich.
Da sich HF-Verstärkung und Rückkopp-
lung gegenseitig beeinflussen, muß man
unter Umständen beide sowie die Fein-
abstimmung mehr oder weniger gleichzei-
tig betätigen. Nur dann arbeitet der 1253
optimal.
Das CW-Pile-Up um 3D2DX auf 14 MHz
und ZL9CI auf 10,1 MHz konnte ich ver-
folgen, wobei aber die beiden leisen DX-
Stationen mit diesem Empfänger an einer
jeweils angepaßten Antenne nicht hörbar
waren.
Der Empfang von SSB-Signalen ist mög-
lich, jedoch sehr kritisch bei der Einstel-
lung. Ein Geradeausempfänger kann nicht
zwischen oberem und unterem Seitenband
unterscheiden; er arbeitet als DSB-Demo-
dulator.
Rundfunksender sind bereits mit einem
2 bis 3 m langen Draht hörbar, für höhere
Ansprüche ist die Antenne zu optimieren,
d.h. zu verlängern, oder besser eine für
das gewünschte Band resonante Antenne
zu verwenden.
Mit einem 5 m langen Draht konnten tags-
über Amateurfunkstationen auf 10,1 MHz
in CW aus Europa sowie auf 14 MHz auch
in SSB problemlos und mit guter Laut-
stärke gehört und getrennt werden, wobei
die sorgsame Einstellung der Frequenzfein-
einstellung wichtig ist. Abends waren euro-
päische Stationen auf 7 und 3,5 MHz in
SSB und CW lesbar. Allerdings ist hier
die Empfangsoptimierung sowohl durch
HF-Steller, Rückkopplung und Feinabstim-
mung notwendig.
Gibt man sich mit der für Audionemp-
fänger üblichen geringen Trennschärfe und
Empfindlichkeit zufrieden, eignet sich die-
ser Empfänger durchaus als Einsteiger-
objekt – der Vergleich mit einem heute
üblichen teuren Superhet oder dem Emp-
fangsteil eines KW-Transceiver wäre ein-
fach unfair, zumal der komplette Bausatz
mit 129 DM (FA-Leserservice) nicht nur
wegen des vollständig bearbeiteten, lackier-
ten und beschrifteten Gehäuses recht preis-
wert ist.
Und schließlich vergleicht ja auch nie-
mand ernsthaft einen Mercedes mit einem
Trecker…
Rückansicht
des geöffneten
Empfängers.
Die Rückfront enthält
lediglich Antennen-
und Erdklemme,
Kopfhörer- und
Stromversorgungs-
buchse des
Empfängers.
Die Stromversorgung
kann aber auch
über ein internes
Batteriefach
erfolgen.
Oben an der
Frontplatte der
Zähler für die
Bandumschaltung.
Fotos: FA

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  • 1. Funk 144 • FA 2/99 Technische Einzelheiten der Schaltung sind HF-Verstärker, FET-Audion, Kapa- zitätsdiodenabstimmung, resonante LC- Kreise, Pufferverstärker, NF-Vorverstär- ker, NF-Leistungsverstärker (IC), Span- nungsstabilisation (IC) sowie eine digitale Logik zur Bandumschaltung. s Audion und Rückkopplung Übersetzt man den Begriff „Regenerative Receiver“ und wirft einen Blick auf den Stromlaufplan, so offenbart sich hier ein Rückkopplungsempfänger bzw. Audion mit FET-Bestückung. Um Funktion, Lei- stungsfähigkeit und Bedienung (!) besser verstehen zu können, sei nachfolgend spe- ziell für die jüngeren Leser der Rück- kopplungsempfänger kurz erläutert. Im Gegensatz zum Superhet gelangt das empfangene Signal ohne Frequenzände- rung oder -umsetzung bis zum Demodu- lator. Er besteht im einfachsten Fall aus einem Audion, das gleichzeitig mehrere Funktionen erfüllt: Durch Arbeitspunkt- verschiebung bei gleichzeitiger Rückkopp- lung wird verstärkt und demoduliert. Die Rückkopplung entdämpft den einzi- gen (!) Schwingkreis des Audions bzw. des Geradeausempfängers. Hierdurch stei- gen Empfindlichkeit und Trennschärfe ge- genüber dem nicht entdämpften Kreis wesentlich an. In den Anfangsjahren, nicht nur des Amateurfunks, wurde diesem LC- Kreis große Aufmerksamkeit gewidmet. Steckspulen mit hoher Güte, optimierte Anzapfung für die Rückkopplung und Luftdrehkondensatoren waren ein Muß. Die Kennlinie der verwendeten Röhre und ihr Arbeitspunkt entschieden über den weichen Rückkopplungseinsatz und da- mit über erzielbare Empfindlichkeit und Trennschärfe. Dazu kam noch ein sorgfältiger mecha- nischer Aufbau, der Handempfindlich- keiten vermeiden mußte. Bei ausreichend starker Rückkopplung beginnt das Audion zu schwingen, arbeitet also als Oszillator, dessen HF-Energie durch die unmittelbare Verbindung ggf. teilweise zur Antenne ge- langt und von ihr abgestrahlt wird. In Ab- hängigkeit von der Antennenankopplung verschiebt sich außerdem die Resonanz- frequenz des Schwingkreises; eine Kali- brierung des Abstimmknopfes ist damit nur in Grenzen sinnvoll. Man benötigt also eigentlich einen HF- Generator, mit dessen Hilfe man die Emp- fangsfrequenz zunächst grob einstellen oder erkennen kann. Dafür reicht z.B. aber auch ein Dipmeter aus. Klassifiziert man den 1253 mit den üblichen Kennzeichen des Geradeausempfängers, so könnte man ihn als 1-V-IC (eine Vorstufe – Audion – „IC“ für NF-Verstärker unbe- kannter Stufenzahl, hier inklusive eines ein- stufigen NF-Vorverstärkers) bezeichnen. Die Bedienung bzw. optimale Einstellung eines Geradeausempfängers muß erlernt werden und feinfühlig erfolgen. Kurz vor dem Schwingeinsatz des Audions sind die Empfindlichkeit und die Trennschärfe am größten. Dieser Punkt wird durch ein zi- schendes Rauschen charakterisiert. Nicht umsonst widmet Ten-Tec speziell der Bedienung der Rückkopplung eine ganze Seite des übrigens sehr ausführlichen, aber naturgemäß englischsprachigen, Manuals. Diese lange Einleitung war notwendig, um das Konzept sowie Leistungsfähigkeit und Grenzen des Ten-Tec 1253 einschätzen zu können. s Aufbau Der mir zur Verfügung stehende Bausatz enthielt wie immer alle notwendigen Teile und Armaturen zum Aufbau. Das Manual ermöglicht selbst dem Ungeübten, das Gerät „step-by-step“ aufzubauen und auch zum Leben zu erwecken. Es empfiehlt sich sowohl das Manual als auch „Read BE- FORE Starting...“, also vor dem Beginn des Aufbaus zu lesen und die Abläufe zu verstehen. Zudem noch vier Tips vorab: 1. Besorgen oder bauen Sie sich ein Hilfs- lineal mit Zollteilung in 1/4-Zoll-Schrit- ten (1 Zoll = 25,4 mm; max. für 9 Zoll; ein Faktor von 26 schafft eine kleine Reserve). Es ist mehr als hilfreich für den Zuschnitt der Drahtlängen. 2. Das Abisolieren der Massivdrähte sollte mit der heißen Lötkolbenspitze erfolgen. Schere, Messer oder Seitenschneider verursachen Kerben im Draht und damit Bruchgefahr. 3. Üben Sie sich beim Aufbau der Platine für die Bandumschaltung in Geduld. Hier sind die neun LEDs sowie die Drucktaste zeitaufwendig einzupassen. Zudem muß bauelementabhängig auf beiden Seiten der Platine montiert und gelötet werden. 4. In meinem Muster war ein Lötauge der Band-6-LED zu nahe an der Montage- frontplatte. Feilen Sie diese Ecke etwas ab. Aus dem Stromlaufplan ist ersichtlich, daß die HF über das Potentiometer R1 zu einem FET (T1) in Gateschaltung gelangt. Das soll die Abstrahlung der Oszillatorleistung über die Antenne minimieren. T2 in Ver- bindung mit T3 realisiert das Audion, L1 bis L9 (handelsübliche Festinduktivitäten) bilden zusammen mit der Kapazitätsdiode D10 jeweils den Schwingkreis. Achtung, C35 bis C42 werden nicht be- stückt. Mit dem Potentiometer R5 wird die Rückkopplung eingestellt, durch R6 zu- sätzlich deren Einsatzpunkt und Härte be- stimmt. Zu Beginn der Inbetriebnahme sollte R6 etwa in der Mitte des Dreh- bereichs stehen. Beim Abgleich ist er dann so zu justieren, daß eine Rückkopplung sowohl im frequenzhöchsten als auch im Bausatz: 9-Band-KW-Empfänger 1253 von Ten-Tec Dipl.-Ing. MAX PERNER – DM2AUO Unter der Bezeichnung 1253 gibt es von Ten-Tec einen Bausatz für einen einfachen und preiswerten Kurzwellenempfänger, der laut Manual eine elektronische Bandumschaltung für neun Bänder von 1,8 bis 22 MHz, Steller für HF-Empfindlichkeit und Feinabstimmung an der Frontplatte sowie einen hervorragenden NF-Verstärker für Lautsprecher und Kopf- hörer besitzt. Empfangen werden können AM, CW und SSB. Frontansicht des Ten-Tec 1253. Um bestmögliche Empfangsergebnisse zu erzielen, ist das optimale Zusammenspiel von Frequenz- feineinstellung (Fine Tune), Rückkopplung (Regen.) und HF-Verstärkung (RF Gain) wichtig.
  • 2. Funk FA 2/99 • 145 frequenztiefsten Band möglich ist. Die Höhe der Abstimmspannung und damit die Resonanzfrequenz wird durch R20 grob und R21 fein eingestellt. Je nach Stellung des Bandschalters öffnet die zugehörige Spannung eine der PIN- Dioden D1 bis D9 und schaltet damit die jeweilige Induktivität an die Kapazitäts- diode. Außerdem erhalten dadurch T1 und T2 ihre Drainspannung. T4 ist ein NF-Vor- verstärker, die NF-Endstufe mit U1 ist mit 1,5 W maximaler Ausgangsleistung etwas überdimensioniert. Die Bandumschaltung erfolgt durch die H-Spannung eines dezimalen Vorwärtszäh- lers mit zehn (hier nur neun verwendet) dekodierten Ausgängen. Jede kurzzeitige Betätigung von SW1 schaltet den Zähler einen Schritt vorwärts, ein Rückwärts gibt es nicht. In der Tüte für „Bandswitch PCB“ befindet sich ein Elektrolytkonden- sator 100 µF, den man parallel zur Z-Diode D1 löten muß. Lötaugen sind dafür auf der Platine nicht vorgesehen, im Original- stromlaufplan fehlt er ebenfalls. Einen Hinweis auf ihn gibt es lediglich in der Beilage „Read BEFORE Starting...“ sowie im hier dargestellten Stromlaufplan. Ohne diesen Kondensator schaltet der Zähler nicht korrekt. Das Gerät läßt sich sowohl durch einen internen Batteriesatz mit acht C-Zellen (nicht im Lieferumfang) als auch durch eine externe Betriebsspannung von +12 V (gegen Masse) betreiben. Die Stromauf- nahme liegt mit Zimmerlautstärke bei 150 mA. Die Abmessungen des Gerätes sind 150 mm × 100 mm × 175 mm (B × H × T) inklusive Bedienknöpfen sowie rücksei- tiger Anschlußelemente. Das Gerät hat ohne interne Batterien eine Masse von 1050 g. Der interne Lautsprecher ist in der oberen Abdeckhaube zu montieren. Antenne und Ground werden rückseitig an zwei Ge- 3 1 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 IC1 74HC4017 Baugruppe Bandumschaltung Band 6 Band 2 Band 1 Band 3 Band 7 Band 8 Band 4 Band 9 Band 5 R3 1,8k LED1...LED9 C1 10n R2 3,3k D1 5,1 V R1 470 BandSW1 Band1 Band2 Band3 Band4 Band5 Band6 Band7 Band8 Band9 D1 1SS135 D2 1SS135 D3 1SS135 D4 1SS135 D5 1SS135 D6 1SS135 D7 1SS135 D8 1SS135 D9 1SS135 C34 56 C35 C36 C37 C38 C39 C40 C41 C42 C20 10n C21 10n C22 10n C23 10n C24 10n C25 10n C26 10n C27 10n C28 10n L1 68µH L2 33µH L3 12µH L4 8,2µH L5 4,7µH L6 3,3µH L7 2,2µH L8 1,5µH L9 1,2µH X Y Antenne R1 10k C1 100 T1 J310 R2 6,8k C32 100µ R27 4,7k R24 22k R26 560 C29 10µ C33 33µ T5 MPS 6514 R9 10k R10 1k C10 470µ C8 100n C9 10n R11 4,7k C30 100µ R16 470 C19 10n C11 1µ R13 10k R14 270 R15 3,3k R23 3,3 R12 47k T4 MPS 6514 R17 10k C12 100n C13 100 7 6 5 8 1 9 4 R18 3,3 C15 100n C16 470µ C17 220µ IC1 TDA2611A Lautsprecher 6 7 4 8 3 2 1/4- Zoll- Buchse 9 J1 S1 Ein D12 1N4002 D11 1N4002 Batterie + - ext. +13,5 V C7 10nR3 10 C2 32 R4 1M T3 J310 C3 10n R25 1,5k C6 10n R5 10k R6 100k C43 10n L10 100µH R7 1k T2 J310 R8 4,7k C4 10n C5 1µ R28 R29 2x 100 C C31 1µ C18 20 R19 10k R22 1M D10 MV209 R20 10k R21 10k A Fein- abst. Grob- abst. Lautstärke Spannungsstabilisierung 2 IC2 LM7805 LED Rückkopplung C14 33µ 2 +5V +5V 100µ Der Empfänger ist übersichtlich ausgeführt und kommt ohne SMD-Bauteile aus, so daß der Aufbau ohne Schwierigkeiten gelingt. Weil ausschließlich Festinduktivitäten verwendet werden, entfällt das Wickeln von Spulen. Empfangsbereiche des 1253 Band lt. Manual gemessen [MHz] [MHz] 1 1,76 ... 1,99 1,770 ... 2,000* 2 3,3 ... 4,15 3,127 ... 4,065 3 5,5 ... 6,9 5,096 ... 6,560 4 6,8 ... 8,5 6,331 ... 8,311 5 8,5 ... 11,0 8,375 ... 10,640 6 10,1 ... 13,2 9,900 ... 11,400 7 12,5 ... 16,0 12,092 ... 15,578 8 14,7 ... 18,5 14,445 ... 17,280 9 18,5 ... 21,5 16,145 ... 17,014* * oberhalb dieser Frequenz beim Muster keine Rückkopplung mehr
  • 3. Funk 146 • FA 2/99 windebolzen M5 mit Flügelmutter ange- schlossen. Eine DC-Buchse für die ex- ternen 12 V sowie eine 6,3-mm-Klinken- buchse für Kopfhörer sind ebenfalls rück- seitig angebracht. s Empfangsergebnisse Nach dem Einschalten des Geräts stand der Bandschalter des Musters immer auf Band 6 (25 m) und nicht wie im Manual be- schrieben auf Band 1 (160 m). Kein Bein- bruch. Etwas ungewöhnlich ist, daß die frequenzhöchste Induktivität am weitesten vom Audion entfernt ist. Es könnte sein, daß die spiegelbildliche Montage der Induktivitäten und der entsprechenden Steuerleitungen zu einem besseren Rück- kopplungsverhalten auf den höherfrequen- ten Bändern führt. Der Empfang von AM-Stationen (Rund- funk) erwies sich als problemlos. Nach Auffrischung der eigenen Erfahrungen mit Einkreisern sowie des Einsatzes eines Meß- generators wurden die möglichen Amateur- funkbänder abgehört. Der Einsatzpunkt der Rückkopplung ist bandabhängig, aber aus- reichend weich und feinfühlig. Eventuell empfiehlt sich ein einfacher Eichpunkt- geber mit einer geradzahligen „Computer- frequenz“. Die Bedienung des HF-Stellers erwies sich als unumgänglich. Ist er zu weit aufge- dreht, „blasen“ benachbarte Rundfunksta- tionen das Audion „tot“; der Empfänger wird desensibilisiert, also unempfindlich. Da sich HF-Verstärkung und Rückkopp- lung gegenseitig beeinflussen, muß man unter Umständen beide sowie die Fein- abstimmung mehr oder weniger gleichzei- tig betätigen. Nur dann arbeitet der 1253 optimal. Das CW-Pile-Up um 3D2DX auf 14 MHz und ZL9CI auf 10,1 MHz konnte ich ver- folgen, wobei aber die beiden leisen DX- Stationen mit diesem Empfänger an einer jeweils angepaßten Antenne nicht hörbar waren. Der Empfang von SSB-Signalen ist mög- lich, jedoch sehr kritisch bei der Einstel- lung. Ein Geradeausempfänger kann nicht zwischen oberem und unterem Seitenband unterscheiden; er arbeitet als DSB-Demo- dulator. Rundfunksender sind bereits mit einem 2 bis 3 m langen Draht hörbar, für höhere Ansprüche ist die Antenne zu optimieren, d.h. zu verlängern, oder besser eine für das gewünschte Band resonante Antenne zu verwenden. Mit einem 5 m langen Draht konnten tags- über Amateurfunkstationen auf 10,1 MHz in CW aus Europa sowie auf 14 MHz auch in SSB problemlos und mit guter Laut- stärke gehört und getrennt werden, wobei die sorgsame Einstellung der Frequenzfein- einstellung wichtig ist. Abends waren euro- päische Stationen auf 7 und 3,5 MHz in SSB und CW lesbar. Allerdings ist hier die Empfangsoptimierung sowohl durch HF-Steller, Rückkopplung und Feinabstim- mung notwendig. Gibt man sich mit der für Audionemp- fänger üblichen geringen Trennschärfe und Empfindlichkeit zufrieden, eignet sich die- ser Empfänger durchaus als Einsteiger- objekt – der Vergleich mit einem heute üblichen teuren Superhet oder dem Emp- fangsteil eines KW-Transceiver wäre ein- fach unfair, zumal der komplette Bausatz mit 129 DM (FA-Leserservice) nicht nur wegen des vollständig bearbeiteten, lackier- ten und beschrifteten Gehäuses recht preis- wert ist. Und schließlich vergleicht ja auch nie- mand ernsthaft einen Mercedes mit einem Trecker… Rückansicht des geöffneten Empfängers. Die Rückfront enthält lediglich Antennen- und Erdklemme, Kopfhörer- und Stromversorgungs- buchse des Empfängers. Die Stromversorgung kann aber auch über ein internes Batteriefach erfolgen. Oben an der Frontplatte der Zähler für die Bandumschaltung. Fotos: FA