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ISBN 978-3-7281-3895-8
Schweizer Exportfirmen mussten sich in den letzten Jahren immer wie-
der grossen Herausforderungen stellen. Was macht eine erfolgreiche
Strategie für die Finanzierung von Exporten und Auslandsinvestitionen
aus? Bisher fehlte eine praxisorientierte Darstellung des aktuellen Wis-
sens und der entsprechenden Werkzeuge. Dabei stehen seit Längerem
Instrumente nicht nur für Grossunternehmen und Grossprojekte bereit,
sondern auch solche, die insbesondere auf die Bedürfnisse von kleine-
ren und mittleren Unternehmen zugeschnitten sind.
Dieses Buch zeigt Ihnen als KMU die gesamte Bandbreite der Möglich-
keiten, mit denen Sie Ihre Wettbewerbsfähigkeit als Exporteure und
Direktinvestoren im Ausland verbessern können. Erfahrungsberichte
von Unternehmen legen dar, wo die Chancen und Risiken liegen kön-
nen. Sie werden eingebettet in die historische Entwicklung des Schwei-
zer Aussenhandels und die Aussenhandelspolitik des Bundesrats.
Die Autoren wagen zudem einen Blick in die Zukunft mit ihren neuen
grossen Herausforderungen, vor denen die internationale Handels-
politik angesichts der aktuellen geopolitischen und machtpolitischen
Umbrüche steht. Den Schluss bilden neue Lösungsansätze, welche die
kostengünstige Finanzierung von kleinen Transaktionen sicherstellen,
sowie ein Exkurs über Projektfinanzierung, Crowdfunding und Bürger-
finanzierung.
FinanzierungvonExportenundDirektinvestitionenBerndG.Kiefer,UrsGerspacher(Hrsg.)
Finanzierung
von Exporten
und Direkt-
investitionen
Ein Handbuch
für Schweizer KMU
Bernd G. Kiefer, Urs Gerspacher (Hrsg.)
4
1	 Herbert Wight und Bernd G. Kiefer Vorwort......................................8
2	 Aussenhandel: Schweizer KMU im Umbruch .................................14
	 Bernd G. Kiefer
2.1	 Der Aussenhandel in der Schweizer Volkswirtschaft..................16
2.1.1	 Risiken in der Exportwirtschaft...........................................19
	 Bernd G. Kiefer
2.2	 Aussenhandel heute und historische Entwicklung.................... 21
2.2.1	 Aussenhandel Schweiz heute und wichtige Zieldestinationen..... 21
2.2.2	 Direktinvestitionen Schweizer Unternehmen im Ausland......... 23
2.2.3	 Schweiz im internationalen Vergleich....................................25
2.2.4	 Historische Entwicklung der Schweizer Exportwirtschaft......... 26
	 Urs Gerspacher
2.3	 Wandel in den Kunden- und Käuferbedürfnissen..................... 30
2.3.1	 Finanzierungsangebot als Element der Lieferofferte................ 30
2.3.2	 Von der Einzelfinanzierung zur Gesamtlösung........................ 31
2.3.3	 Vom Kauf zur Nutzung: Investitionsgüterleasing.................... 33
2.3.4	 Vom Verkauf zum Betrieb: Betreibermodelle.......................... 34
2.3.5	 Fazit: Produkt- mit Finanzierungsinnovationen verbinden........ 35
3	 Überblick über die Finanzierung von Exporten
	 und die Zahlungsabsicherung..........................................................36
3.1 	 Bonding: Avale und private Kreditversicherung....................... 38
	 Brigitte Brüngger
3.1.1 	 Avale: Wert für die Zahlungssicherung und
	 deren Abwicklung............................................................ 38
	 Jörn Volk
3.1.2 	Private Kreditversicherungen............................................. 50
Inhalt
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
5
	 Jean-Claude Feusier und Thomas Enz
3.2 	 Risikomanagement und Zahlungsabsicherung........................ 59
3.2.1 	Risikomanagement.......................................................... 59
3.2.2	Vertragsstrukturen.......................................................... 60
3.2.3	 Liefervertrag und Projekt-Cashflow...................................... 64
3.2.4	 Zahlungsrisiko und -absicherung........................................ 66
3.2.5	Fazit.............................................................................. 71
3.3 	 Klassische Formen der Exportfinanzierung............................ 72
	 Thomas Enz
3.3.1 	 Lieferanten- und Käuferkredit.............................................72
	 Martin Gisiger
3.3.2	 Grundzüge des OECD-Konsensus und der
	 internationale Wettbewerb................................................ 86
Kasten I
	 Heribert Knittlmayer und Lars Ponterlitschek
	 Die Schweizer Exportrisikoversicherung (SERV).................... 100
3.4	 Moderne Formen der Exportfinanzierung............................. 110
	 Raphael Steiner
3.4.1	Vorfinanzierung............................................................. 110
	 Andres Heusser und Jean-Claude Feusier
3.4.2	Leasingmodelle.............................................................. 116
	 Raphael Steiner
3.4.3 Projektfinanzierung......................................................... 124
Kasten II
	 Dieter Tobler
	 Exportfinanzierung aus der Sicht einer Grossbank................. 140
3.5	 Finanzierung als proaktive Verkaufsunterstützung................ 142
	 Urs Gerspacher
3.5.1	 Die «guten alten Zeiten».................................................. 142
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
6
	 Urs Gerspacher
3.5.2	 Neue Herausforderungen für die Exportkreditversicherung..... 145
Kasten III Peter Jenelten Stadler Rail AG.................................... 152
	 Brigitte Brüngger
3.5.3 	Financial-Sales-Support – Wie Finanzierungen als
	 Verkaufsunterstützung genutzt werden können.................... 160
	
4 	 Raphael Steiner Direktinvestitionen im Ausland........................ 170
4.1 	 Herausforderungen und Lösungen...................................... 172
4.2 	 Direktinvestitionen......................................................... 181
4.2.1 	Möglichkeiten und Grenzen der lokalen Finanzierung............ 181
4.2.2 	Kofinanzierung durch multilaterale Entwicklungsbanken....... 185
Kasten IV Raphael Steiner Multilaterale Entwicklungsbanken....... 194
5	Erfahrungsberichte..........................................................................204
	 Peter Silberschmidt
5.1 	 Erfahrungsbericht – Von der ERG zur SERV...........................206
	 Raphael Steiner
5.2	 Tansania – Kleinwasserkraftwerk Tulila.............................. 210
	 Michele Molinari
5.3 	 Äthiopien: Awash-Weldia Railway Project............................. 214
	 Andres Heusser
5.4 	 Fallbeispiel: Leasingstruktur unter Zuhilfenahme eines
	 «Special Purpose Vehicle»................................................. 218
	 Raphael Steiner
5.5 	 Optrel AG – Lieferantenkreditfinanzierung Russland.............. 223
Inhalt
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
7
6 	 Jérôme Gaeschlin Xport Finance AG – ein neuer Anbieter
	 im Schweizer Markt für Exportkredite 226
6.1 	 Weltwirtschaftlicher Hintergrund...................................... 228
6.2 	 Der Schweizer Markt für Exportkredite................................. 229
6.3 	 Strukturelle Gründe für die Störung zwischen Angebot
	 und Nachfrage im Exportkreditmarkt.................................. 232
6.4 	 Xport Finance AG............................................................ 237
6.5 	 Zusammenfassung.......................................................... 242
7	 Exkurs Schweiz – Deutschland.......................................................242
	 Brigitte Lorch
7.1 	 Projektfinanzierung, Bürgerfinanzierung und Crowdfunding....246
7.1.1 	 Projektfinanzierung........................................................ 246
7.1.2 	 Bürgerfinanzierungsmodelle............................................. 251
7.1.3 	 Crowfunding................................................................. 254
7.1.4 	Fazit............................................................................ 257
	 Bernd G. Kiefer und Raphael Steiner
7.2 	 Public-Private-Partnership................................................ 259
	
8	 Bernd G. Kiefer und Raphael Steiner
	 Exportabsicherungs- und Exportfinanzierungsbedarf:
	 Wie als Unternehmen konkret vorgehen?.....................................268
9	 Anlaufstellen für KMU und Weblinks...........................................282
10	Begriffserklärungen........................................................................286
Autorinnen und Autoren.......................................................... 296
Literaturverzeichnis................................................................ 302
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
8
Vorwort
VON HERBERT WIGHT UND BERND G. KIEFER
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
zur Publikation: https://vdf.ch/finanzierung-von-exporten-und-direktinvestitionen.html
9
1
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
10
Die Schweizer Exportfirmen mussten sich in den letzten Jahren,
wenn nicht Jahrzehnten, immer wieder grossen Herausforderun-
gen stellen. Insbesondere die globale Finanzkrise 2008 und die
darauffolgende starke Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber
dem US-Dollar und dem Euro hinderten den wichtigen Zweig der Schwei-
zer Industrie an der Ausnützung seines bedeutenden Potenzials.
Vor allem traf dies die kleineren und mittelgrossen Unternehmungen
(KMU), die gezwungen wurden, auf der Kostenseite tiefgreifende Mass-
nahmen umzusetzen und ihren Abnehmern im Ausland schmerzhafte
Konzessionen preislicher Art und/oder in Bezug auf die Zahlungsbedin-
gungen zuzugestehen, ohne auf die Produktion im Ausland ausweichen
zu können oder zu wollen. Gleichzeitig führte die Finanzkrise zu einer
zurückhaltenden Kreditpolitik der Banken.
Auch wenn es so aussieht, als ob die Talsohle, insbesondere bezüglich der
Exportleistungen der MEM-Industrie (Maschinen-, Elektro- und Metall-
industrie) heute durchschritten ist, ist es sehr zu begrüssen, dass es mit
dem vorliegenden Handbuch gelungen ist, bekannte Autoren zu motivie-
ren, jeweils aus ihrer Sicht die vorhandenen Instrumente zur Unterstüt-
zung von Export- und Investitionsprojekten zu beschreiben. Das Buch
bekämpft auch das Vorurteil, dass Instrumente zur Unterstützung von
Exporten nur für Grossunternehmen und Grossprojekte bereitstehen. Die
letzten Jahre haben gezeigt, dass insbesondere die neueren Unterstüt-
zungsmöglichkeiten auch auf die Bedürfnisse der KMU zugeschnitten
sind.
Im Schweizer Markt fehlte bisher eine praxisorientierte Zusammenfas-
sung des aktuellen Wissens und der Werkzeuge für die Exportfinanzie-
rung und Direktinvestitionen im Ausland. Zudem sind KMU in der
Schweiz und im Ausland immer häufiger mit neuen Finanzierungsinst-
rumenten wie Projektfinanzierung, Crowdfunding oder Bürgerfinanzie-
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
11
rung konfrontiert. Der Leserschaft soll deswegen im vorliegenden Buch
ein schneller und trotzdem fundierter Einblick in die wichtigen Instru-
mente, in die Chancen und Risiken von Exporten und Direktinvestitio-
nen im Ausland sowie in heute bereits absehbare Entwicklungen gege-
ben werden.
Das Anliegen des Handbuchs ist es, Ihnen als KMU-Mitarbeiter die ge-
samte Bandbreite von Instrumenten und Möglichkeiten zur Verbesse-
rung Ihrer Wettbewerbsfähigkeit als Exporteure und als Direktinvesto-
ren im Ausland aufzuzeigen und anhand von Erfahrungsberichten zu
illustrieren. Diese Ausführungen werden eingebettet in die historische
Entwicklung des Schweizer Aussenhandels und in die Aussenhandels-
politik des Bundesrats. Die Autoren wagen zudem einen Blick in die
Zukunft mit ihren neuen grossen Herausforderungen, vor welchen die
internationale Handelspolitik angesichts der aktuellen geopolitischen
und machtpolitischen Umbrüche steht.
Den Schluss bilden neue Lösungsansätze wie die aus dem KMU-Umfeld
heraus gegründete Xport Finance AG, die kostengünstige Finanzierung
von kleinen Transaktionen (inkl. Vorfinanzierungen) sicherstellt, sowie
ein Exkurs über Projektfinanzierung, Crowdfunding und Bürgerfinan-
zierung.
Wir hoffen, wir haben Ihr Interesse geweckt. Wir sind davon überzeugt,
dass der vorliegende Leitfaden viele Fragen bezüglich Exportfinanzie-
rung und Zahlungsabsicherung beantwortet.
Wer ist die Leserschaft?
Das vorliegende Handbuch ist von Praktikern der Exportfinanzierung für
Praktiker in den Schweizer KMU geschrieben, welche mit der Finanzie-
rung von Exporten und Direktinvestitionen im Ausland konfrontiert
sind. Er richtet sich somit besonders an die Vertriebs- und Exportverant-
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
12
wortlichen sowie an Geschäftsleitungsmitglieder in den betroffenen Un-
ternehmen.
Wer sind die Autorinnen und Autoren?
Die Autorinnen und Autoren sind alle seit vielen Jahren in verschiedenen
Funktionen mit den Themen des vorliegenden Leitfadens konfrontiert,
sei dies als Fachverantwortliche in exportorientierten Unternehmen, bei
finanzierenden Banken, bei staatlichen oder privaten Versicherern, als
Vertreter der Bundesbehörden in internationalen Gremien oder als
KMU-Berater. Die Kurzlebensläufe der Autorinnen und Autoren finden
Sie ab Seite 296.
Wie wir das Buch strukturiert haben
Die einzelnen Kapitel sind möglichst so abgerundet, dass sie für sich al-
leine verständlich sind. Sie müssen also nicht bei Kapitel 1 beginnen,
sondern können sich die Kapitel «herauspicken», welche Ihnen beson-
ders interessant oder wichtig erscheinen. Wo es sich anbietet, werden
Verweise auf detailliertere Ausführungen in anderen Kapiteln gemacht,
damit Wiederholungen möglichst vermieden werden können.
Um den Praxisbezug zusätzlich zu erhöhen, werden konkrete Fallbeispiele
angeführt. An dieser Stelle deswegen ganz herzlichen Dank an diejenigen
Unternehmen, welche die entsprechenden Texte geschrieben respektive
freigegeben haben. Mit den Fallbeispielen wird es Schweizer KMU er-
möglicht, von den aktuellsten Erfahrungen ihrer Kollegen zu profitieren.
Dass nur positive Fallbeispiele aufgeführt werden, liegt in der Natur der
Sache. Doch wird in den Fachkapiteln jeweils auf die entsprechenden Risi-
ken hingewiesen, welche sich in der Unternehmenspraxis gezeigt haben.
Am Ende des Buches haben wir einen Entscheidungsbaum und Ablauf-
prozess entwickelt, mit dessen Hilfe Sie bei neuen Exportprojekten
Schritt für Schritt zum Lieferangebot und Entwurf des Liefervertrags ge-
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
13
führt werden. Zusätzlich sind wichtige Anlaufstellen und weiterführen-
de Literatur und Weblinks aufgeführt. Nicht zuletzt rundet ein Glossar
der Fachbegriffe das Buch ab.
Ihr Feedback ist uns willkommen
Sie halten hier die erste Ausgabe unseres Handbuchs in der Hand. Wir
freuen uns über Ihr Feedback auf BOOK@ailsf.ch. Damit ermöglichen Sie
uns, allfällige Fehler zu korrigieren, Lücken zu schliessen oder uns ver-
ständlicher auszudrücken. An dieser Stelle bereits herzlichen Dank!
Nicht zuletzt hoffen wir, dass Ihnen unser Leitfaden im Alltag hilft, Klip-
pen zu umschiffen und erfolgreiche Abschlüsse mit Kunden im Export-
geschäft zu tätigen.
Zürich, Mai 2018
Herbert Wight, ehemaliger Direktor der SERV
Bernd G. Kiefer, Herausgeber, AIL Structured Finance Ltd.
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
14
Aussenhandel:
Schweizer KMU
im Umbruch
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
15
2
Welches Volumen und welche Bedeutung hat
der Schweizer Aussenhandel für die Schweizer
Volkswirtschaft? Wie hat sich der Schweizer
Aussenhandel historisch entwickelt? Diese Fragen
sollen im vorliegenden Kapitel einleitend be-
handelt werden, um der Leserschaft ein besseres
Verständnis der schweizerischen Aussenhandels-
politik und ihrer aktuellen Herausforderungen
im internationalen Kontext zu geben. Darauf auf-
bauend wird gezeigt, wie sich die Kunden- und
Käuferbedürfnisse gewandelt haben und warum
neue Exportabsicherungs- und -finanzierungs-
instrumente notwendig sind.
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
16
2.1 Der Aussenhandel in der
Schweizer Volkswirtschaft
VON BERND G. KIEFER
Schweizer Aussenhandelspolitik
Die Schweiz als kleine, offene Volkswirtschaft ist v.a. mit europäischen
Ländern wirtschaftlich stark verflochten. Um die Vorteile des internatio-
nalen Handels ausnützen zu können, hat sich die Schweiz, gestützt auf die
Bundesverfassung, prinzipiell einer liberalen Aussenwirtschaft verschrie-
ben. Es geht hierbei um die Sicherung des Marktzugangs im Ausland,
d.h. schweizerischen Exporteuren den Eintritt in ausländische Märkte zu
ermöglichen resp. zu erleichtern. Dabei ist der Abbau von Hemmnissen
bei der grenzüberschreitenden Wirtschaftstätigkeit nötig, wie z.B. der
Abbau von Zollschranken oder sonstiger Behinderungen (nicht tarifli-
che Handelshemmnisse). Ebenso gehört der Aufbau von transparenten,
leistungsfähigen und international kompatiblen Regeln für den Wirt-
schaftsverkehr dazu. In einem weiteren Sinne zielt die Aussenwirtschafts-
politik des Bundes auch darauf ab, einen Beitrag zur Entwicklung in Part-
nerländern zu leisten und am wirtschaftspolitischen Dialog innerhalb
internationaler Wirtschaftsorganisationen aktiv mitzuwirken. Als kleine
Volkswirtschaft ist die Schweiz der Dynamik der Weltwirtschaft ausge-
setzt und muss sich daher aktiv in die internationalen Integrationsbe-
strebungen einbringen, um gehört zu werden. Gelingt dies nicht, können
dadurch in der Schweizer Volkswirtschaft unerwünschte Folgen zum Bei-
spiel in Bezug auf den Strukturwandel und auf die Veränderung der Ein-
kommensverteilung entstehen [1].
Die Schweizer Unternehmen – und hier insbesondere auch die KMU –
werden von der Eidgenossenschaft mit einer über Jahrzehnte konsisten-
ten Aussenhandelspolitik sowie durch vielfältige Institutionen und Pro-
gramme unterstützt. Diese im Vergleich zu vielen anderen Staaten hohe
Stabilität bei den politischen Rahmenbedingungen stellt für die Expor-
teure nicht zuletzt einen komparativen Vorteil dar.
Bedeutung des Aussenhandels für die schweizerische Volkswirtschaft
Für die Schweiz zeigt sich die Bedeutung der Aussenwirtschaft u.a. da-
rin, dass der Warenexport und -import in Relation zum Bruttoinlandpro-
dukt (BIP) je rund 30% betragen; es werden somit pro Jahr Waren im
Wert von über 130 Mrd. Fr. sowohl aus- als auch eingeführt. (Im Vergleich
liegt die schweizerische Exportquote jedoch deutlich hinter der z.B. von
Deutschland und Österreich.) In den letzten Jahrzehnten hat der interna-
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
17
tionale Austausch von Dienstleistungen und Investitionen auf Kosten der
Waren stärker an Gewicht gewonnen.
Die intensive Aussenhandelsverflechtung der Schweiz ist auf die fol-
genden wichtigsten Gründe zurückzuführen [1]:
Rohstoffarmut der Schweiz
Ungenügende Eigenversorgung mit landwirtschaftlichen Produkten
Kleinheit des Binnenmarktes
Relative Faktorausstattung (teure Arbeitskräfte, billiges Kapital)
Die Schweiz ist insbesondere auf Importe von Rohstoffen angewiesen.
Dies wird sichtbar an den grossen Importüberschüssen bei Energieträ-
gern (Erdöl und Erdgas), Papier, Leder, Kunst- und Baustoffen. Grosse Ex-
portüberschüsse erzielt die Schweiz dagegen mit Chemikalien, Medika-
menten, Uhren, Bankendienstleistungen und mit dem Rohstoffhandel.
Seit dem Zweiten Weltkrieg hat die globale Handelsverflechtung stark
zugenommen. Die Weltproduktion hat sich seit 1950 etwa verneunfacht,
der Welthandel verdreissigfacht [2]. Für die schweizerische Volkswirt-
schaft – und schlussendlich für unseren Wohlstand – ist der internatio-
nale Handel ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Absolute und komparative Vorteile der Schweiz im
internationalen Handel
Warum betreiben Länder wie die Schweiz in so grossem Umfang Aussen-
handel? Die Volkswirtschaftslehre gibt die vereinfachende Antwort: Län-
der treiben Handel, weil sie verschieden sind. So exportiert die Schweiz
jene Güter mit Erfolg, die sie am besten und effizientesten herstellt. Er-
folg haben besonders jene Exportgüter, bei welchen die Schweiz einen
sogenannten absoluten Vorteil hat. Ein Land hat dann einen absoluten
Vorteil, wenn es fähig ist, ein Gut mit weniger Ressourcen (also kosten-
günstiger) zu produzieren als die Konkurrenz [2].
Ergänzend hierzu können komparative Vorteile, wie z.B. im Vergleich
zu anderen Ländern tiefere Kapitalzinsen oder innovativere Finanzie-
rungsleistungen, für den Erfolg von Exportnationen ebenfalls entschei-
dend sein. Bei beiden, den absoluten und den komparativen Vorteilen,
stehen Schweizer Exporteure im Wettbewerb mit anderen Exportnatio-
nen. Doch sind viele Rahmenbedingungen in der Schweiz, wie eingangs
bereits angesprochen, derart ausgestaltet, dass sie auch den innovativen
KMU einen komparativen Vorteil bringen können (vgl. hierzu Kapitel 3 ff.).
In Abbildung 1 dargestellt sind komparative Vorteile der Schweiz gegen-
über ihren internationalen Handelspartnern. Je weiter links auf der Ach-
se, desto mehr liegen die Vorteile bei den internationalen Handelspart-
nern der Schweiz. Schweizer Exporteure könnten sich also die Frage
stellen, wie sie den Nachteil hoher Produktionskosten mit dem Anbieten
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
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innovativer Finanzierungs- und/oder Systemlösungen respektive der
Kombination der Warenlieferung mit Betriebs- und Unterhaltsdienstleis-
tungen zu einem Vorteil kombinieren können. Die komparativen Vortei-
le der Schweiz liegen schon länger nicht mehr bei der Herstellung einfa-
cher Güter, sondern bei anspruchsvollen Tätigkeiten, bei welchen das
höhere Know-how, die komplexeren Kapitalgüter und die wirkungsvolle-
re Organisation zur Geltung kommt [2].
Herausforderungen für exportorientierte Schweizer KMU
Schweizer KMU sollten sich somit, wie vorher dargelegt, vom isolierten
Export industrieller Halbfertig- und Fertigprodukte (Maschinen, Züge,
Turbinen) verabschieden und auf die Lieferung gesamter Systemlösun-
gen samt Finanzierung für den Importeur ausrichten (z.B. Kombination
einer Lieferung von Spezialmaschinen mit dem Betrieb und Unterhalt
samt Leasinglösung). Dies bedingt bei den KMU den Aufbau neuen
Know-hows ausserhalb ihrer klassischen Kernkompetenzen. Soll der
Welthandel den Schweizer KMU auf lange Frist Vorteile bringen, muss
das schweizerische Angebot mit der Nachfrage der globalen Kundschaft
immer wieder neu und angesichts der technologischen Entwicklung und
der Vernetzung der Märkte immer schneller in Übereinstimmung ge-
bracht werden.
Die zunehmende internationale Arbeitsteilung verlangt von den relativ
teuer produzierenden Schweizer KMU also eine sehr hohe Anpassungs-
fähigkeit und nicht zuletzt hervorragend qualifiziertes Personal mit
möglichst internationaler Berufserfahrung. Eine 2013 veröffentlichte
Studie [3] zeigt, dass die Schweizer KMU die Zeichen der Zeit erkannt
haben: Zunehmend investieren KMU weniger in Sachwerte, sondern
mehr in Bereiche, die direkte Wettbewerbsvorteile generieren. Hierzu
gehören zum Beispiel Forschung und Entwicklung sowie die Kreativität
der Mitarbeitenden.
–100% –75% 50% –25% 0 25% 50% 75% 100%
komparative Vorteile der Handelspartner komparative Vorteile der Schweiz
Energieträger(v.a.ErdölundElektrizität)
Fahrzeuge
Textilien,Bekleidung,Schuhe
Papier,Holz,Leder,Kunststoffe,Baustoffe
Nahrungsmittel
Metalle
Fremdenverkehr
Maschinen,Elektronik
Chemikalien,Medikamente
Präzisionsinstrumente,Uhren,Bijouterie
Finanzdienste
Versicherungsdienste
Abbildung 1:
Komparative Vorteile
der einzelnen Wirt-
schaftsbranchen der
Schweiz im Vergleich
mit ihren internatio-
nalen Handelspartnern
– negative Zahl be-
deutet, die Schweiz ist
im Nachteil, positiv
bedeutet, sie ist im
Vorteil [2]
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
Risiken in der Exportwirtschaft
Die weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrisen sowie Naturereignisse,
Unruhen und Kriege führen den Schweizer Exporteuren fast täglich vor
Augen, dass Exportgeschäfte mit nicht zu vernachlässigenden Risiken
verbunden sind und nicht zuletzt schon immer mit Risiken verbunden
waren. Doch sind es nicht nur ausserschweizerische Risiken, welchen die
Exportwirtschaft ausgesetzt ist. Vielmehr waren es historisch immer wie-
der innerschweizerische Ereignisse und hier insbesondere auch sogenann-
te Modernisierungskrisen [4], welche den freien Warenverkehr mit dem
Ausland bedrohten oder hemmten; so ganz aktuell die Diskussionen mit
der EU um die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative, welche
die Unterzeichnung des bilateralen Stromvertrags mit der EU blockieren.
In einer Untersuchung von Switzerland Global Enterprise und Post-
finance [5] wurden Exportverantwortliche zu den Risiken bei ihren Ex-
portgeschäften befragt. Gemäss diesen sind es jedoch vor allem wirt-
schaftliche Risiken in den Zieldestinationen, welche die Unternehmen
beschäftigen.
Die in der Studie bei den Exportverantwortlichen abgefragten Strategien
zur Risikovermeidung lassen sich, wie in Abb. 3 dargestellt, klassieren.
19
Abbildung 2:
Risikoarten im
Exportgeschäft
Schweizer
Unternehmen [5]
Vertriebsrisiken
Produktrisiken
Produktionsrisiken
Personalrisiken
Wirtschaftliche Risiken
Rechtliche Risiken
Politische Risiken
Natürliche Risiken
Wettbewerbsrisiken
Beschaffungsrisiken
Absatzrisiken
0 10 20 30 40
Anzahl Nennungen
Vermindern
(Kreditlimiten, Vorauszahlung)
Vermeiden
(Marktaustritt)
Verlagern
(Versicherung)
Akzeptieren
(Einkalkulieren,
Reservebildung)
0 10 20 30 40 50 60
Anzahl Nennungen
Abbildung 3:
Strategien zur
Exportrisiko-
kontrolle [5]
1
6
2
15
35
17
15
7
15
10
16
48
14
17
10
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
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Ein guter zusammenfassender Überblick über die Möglichkeit, Exportrisi-
ken zu versichern, findet sich in der Broschüre «SERV Kompakt» [6]. Ver-
sicherbare Risiken sind:
Politische Risiken: Unter das politische Risiko fallen ausserordentliche
staatliche Massnahmen oder politische Ereignisse im Ausland wie Krieg,
Revolution, Annexion und Unruhen. Die Versicherung kommt einer-
seits zum Zug, wenn die politische Situation Schuldnern die Vertrags-
erfüllung verunmöglicht. Andererseits kommt sie zur Anwendung,
wenn die politische Situation zu Verlust, Beschlagnahmung, Beschädi-
gung oder Verhinderung der Wiederausfuhr von Waren des Versiche-
rungsnehmers führt oder wenn die Rechte des Versicherungsnehmers
beeinträchtigt werden.
Transferrisiken: Unter das Transferrisiko fallen devisenrechtliche Mass-
nahmen einer Regierung oder Zentralbank, die dem Abnehmer die Be-
zahlung in Fremdwährung verunmöglichen. Der Abnehmer hat zwar
den Gegenwert in seiner Lokalwährung deponiert, die Zentralbank stellt
jedoch die erforderlichen Devisen nicht zur Verfügung. Unter das Trans-
ferrisiko fällt auch das Risiko, dass Fälligkeiten eines in finanzielle Not-
lage geratenen Landes aufgrund einer zwischenstaatlichen Vereinba-
rung umgeschuldet, d.h. um mehrere Jahre aufgeschoben werden.
Delkredererisiken: Beim wirtschaftlichen Risiko (Delkredererisiko)
handelt es sich um die Zahlungsunfähigkeit oder -verweigerung des
Käufers respektive Garanten.
Risiken der höheren Gewalt: Die Unmöglichkeit oder Unzumutbarkeit
der Versendung von Waren unmittelbar infolge des Eintritts von Risi-
ken höherer Gewalt (Naturereignisse, Unfälle etc.).
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
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2.2 Aussenhandel heute
und historische Entwicklung
VON BERND G. KIEFER
Aussenhandel Schweiz heute und wichtige Zieldestinationen
Am 25. November 2015 meldete die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) [1] unter
dem Titel «Einbruch der Schweizer Exporte», der Schweizer Aussenhan-
del sei angeschlagen. Das verdeutlichten die Zahlen der Importe und der
Exporte für das dritte Quartal. Neben der Frankenstärke werde auch die
schwache Konjunktur in Asien, allen voran in China, zunehmend zum
Problem. Diese Meldung wurde gleichentags wiederum in der NZZ im
Artikel «Exporte auf neuem Höchststand» [2] relativiert: Mit einem
Wert von 208 Millionen Franken hätten die Schweizer Ausfuhren einen
neuen Höchststand erreicht. Hiesige Produkte seien vor allem in den
USA und China gefragt. Der KMU-Exportindikator der Credit Suisse [3]
meldete Ende 2015 unter dem Titel «Vorsichtige Hoffnung», die Stim-
mung unter den exportorientierten KMU habe sich etwas gebessert. Der
Indikator der Exportperspektiven sei knapp über die Wachstumsschwel-
le gestiegen. Diese drei Meldungen zeigen einerseits das hohe Niveau der
Exporte und andererseits die Ende 2015 herrschende Nervosität und die
Verletzlichkeit der Exportwirtschaft durch die Konjunktur in den Ziel-
ländern. An dieser Nervosität der Schweizer Exporteure hat sich bis zum
Erscheinen der vorliegenden Publikation nichts geändert.
Die beiden nachfolgenden Abbildungen zeigen die wichtigsten Schwei-
zer Exportdestinationen im Jahr 2014. Die EU-Länder nehmen mit Ab-
stand den Spitzenplatz ein. Auch bezüglich des Potenzials für zukünfti-
ges Exportwachstum bleibt die EU die wichtigste Weltregion für die
Schweiz. Die hohe Bedeutung dieser Beziehung bestätigt sich in den um-
fassenden gegenseitigen Direktinvestitionen (vgl. unten).
Abbildung 1:
Exporte nach
Zielregionen [4]
1 Europa 59.1%
2 Asien 22.1%
3 Amerika 15.9%
4 Afrika 1.7%
5 Ozeanien 1.4%
1
2
3
4 5
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
Deutschland
USA
Italien
Frankreich
China
Vereinigtes Königreich
Österreich
Niederlande
Spanien
Japan
0 10 20 30 40 50 60
Einfuhr
Ausfuhr
51.3
38.6
10.9
25.9
17.6
13.8
14.4
15.0
12.1
8.8
6.4
10.0
8.6
6.2
5.4
5.1
4.6
5.8
3.3
6.2
In Milliarden Franken
22
Der Blick auf die Exportbranchen (Tabelle 1) belegt die nach wie vor sehr
grosse Bedeutung von Pharma, Präzisionsinstrumente, Uhren und Bijou-
terie sowie Maschinen, Apparate, Elektronik. Die Schweizer Wasserkraft
(Energieträger), von der im Zusammenhang mit dem ausstehenden bila-
teralen Stromabkommen häufig die Rede ist, fällt dagegen stark ab. Ta-
belle 2 unterstreicht die grosse Bedeutung des internationalen Waren-
austauschs für die Schweizer Volkswirtschaft: Die Exportquote beträgt
32%; die Aussenhandelsquote knapp 50 000 Fr. pro Einwohner.
Abbildung 2:
Die wichtigsten
Handelspartner der
Schweiz im Jahr
2014 [5]
Tabelle 1:
Exporte nach
Branchen
im Jahr 2012 [4]
in Mio. CHF
Chemisch-pharmazeutische Produkte 79 012 5.85%
Präzisionsinstrumente, Uhren und Bijouterie 44 040 6.75%
Maschinen, Apparate, Elektronik 33 307 –9.71%
Metalle 11 933 –8.45%
Land- und forstwirtschaftl. Produkte, Fischerei * 8656 2.57%
Energieträger 6846 5.94%
Fahrzeuge 5095 9.05%
Leder, Kautschuk, Kunststoffe 4138 –5.07%
Textilien, Bekleidung, Schuhe 3114 –4.16%
Papier, Papierwaren und grafische Erzeugnisse 2223 –13.03%
Wohnungseinrichtungen, Spielzeuge usw. 1392 –6.01%
Steine und Erden 857 –0.92%
Total 2012 200 612 1.37%
Veränderung
in %
zum Vorjahr
Exporte nach Branchen
* inkl. Nahrungs- und Genussmittel
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
23
Direktinvestitionen Schweizer Unternehmen im Ausland
Direktinvestitionen im Ausland (Foreign Direct Investments, kurz FDI)
sind Vermögensanlagen durch einen inländischen Investor (natürliche
oder juristische Personen). Im Unterschied zur Portfolioinvestition sind
bei der Direktinvestition der Einfluss und die Kontrolle auf die Geschäfts-
tätigkeit im Ausland und somit auf die Erzielung des Ertrages wichtigs-
tes Abgrenzungskriterium. Es fliessen also nicht nur Kapital, sondern
auch Wissen und Technologie. Direktinvestitionen sind also Teil des in-
ternationalen Kapitalverkehrs (und somit der Globalisierung). Kennzei-
chen einer Direktinvestition ist laut Internationalem Währungsfonds
eine Beteiligung von mindestens 10% am Unternehmen im Ausland, wo-
bei unter Berücksichtigung des Kontrollaspektes meist von einer Beteili-
gung von 25% und mehr ausgegangen wird [7].
Schweizer KMU produzieren schon seit Jahrzehnten auch im Ausland.
Für die Schweiz gilt, dass die Produktion der schweizerischen Industrie
im Ausland die schweizerischen Exporte bei Weitem übersteigt [8]. Schwei-
Tabelle 2:
Kurzporträt
des Schweizer
Aussenhandels [6]
Wichtigste Kennzahlen (Referenzjahr 2015)
Bevölkerung der Schweiz (Mio Einwohner) 8.3
Bruttoinlandprodukt BIP, in Mrd. CHF 642
Exporte, in Mrd. CHF 203
Importe, in Mrd. CHF 166
Saldo Handelsbilanz, in Mrd. CHF +37
Exportquote (in % des BIP) 31.6 %
Aussenhandel pro Einwohner (Importe + Exporte), in CHF 44 361
Wichtigste Handelspartner Export
Deutschland 37 Mrd. CHF 18.1%
USA 27 Mrd. CHF 13.5%
Frankreich 14 Mrd. CHF 6.8%
Wichtigste Handelspartner Import
Deutschland 47 Mrd. CHF 28.2%
Italien 16 Mrd. CHF 9.7%
Frankreich 13 Mrd. CHF 8.0%
Die drei grössten Exportbranchen
Chemie und Pharmazeutika 85 Mrd. CHF 41.7%
Präzisionsinstrumente, Uhren und Bijouterie 47 Mrd. CHF 23.0%
Maschinen, Apparate, Elektronik 31 Mrd. CHF 15.3%
Nominale Wachstumsrate
– Exporte: – 2.6 %
– Importe: – 6.8 %
Jährliche nominale Wachstumsrate
(Durchschnitt 2005–2015)
– Exporte: –2.4 %
– Importe: 1.0 %
Wichtige Hinweise:
Alle Ergebnisse über
den Aussenhandel
beziehen sich aus-
schliesslich auf den
grenzüberschreitenden
Warenverkehr und
auf das Konjunkturelle
Total (Total 1), d.h.
ohne den Handel mit
Edelmetallen, Edel- und
Schmucksteinen sowie
Kunstgegenständen
und Antiquitäten.
In der Handelsbilanz
bedeutet
+ ein Überschuss und
– ein Defizit.
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
24
Jahr 2010 2011
Europa 463 787 458 040
EU, davon 405 580 404 356
Luxemburg 77 500 78 674
UK 78 144 69 451
Deutschland 55 803 54 656
Niederlande 54 600 52 843
Frankreich 34 323 37 898
Offshore-Finanzzentren 40 998 36 777
Italien 25 921 25 139
Übriges Europa, davon 58 207 53 684
Russische Föderation 6945 7244
Nordamerika, davon 209 391 229 346
USA 177 520 197 582
Mittel- und Südamerika, davon 178 438 182 672
Offshore-Finanzzentren 134 748 136 695
Brasilien 23 422 22 684
Asien, davon 88 737 97 476
Singapur 17 020 19 311
Japan 14 340 14 970
China 8466 13 134
Indonesien 7280 6997
Afrika, davon 11 623 10 416
Südafrika 3934 2240
Ozeanien, davon 18 446 22 352
Australien 17 878 21 651
Quelle: Schweizerische Nationalbank (SNB)
Kapitalbestände der Schweiz nach Regionen
Tabelle 3:
Kapitalbestände
schweizerischer
Direktinvestitionen
im Ausland nach
Regionen [4]
in Mio CHF
zer Unternehmen sind heute zunehmend gezwungen, an ihre Warenex-
porte aus der Schweiz gekoppelte Direktinvestitionen in den Zielländern
vorzunehmen.
Gemäss der Schweizerischen Nationalbank beläuft sich der statistische
Wert der als Produktions-, Distributions- und Forschungseinrichtungen
von Schweizer Wirtschaftsakteuren im Ausland gehaltenen Direktinves-
titionen per Ende 2008 auf 809 Mrd. CHF. Neben den grossen Konzernen
sind auch mehrere Tausend KMU daran beteiligt. Gemeinsam beschäfti-
gen sie im Ausland fast 2.44 Mio. Personen. Umgekehrt erreichte der Be-
stand ausländischer Direktinvestitionen in unserem Land im Jahr 2008
467 Mrd. CHF, was 242 000 Arbeitsplätzen entspricht.
Die Schweiz verfügt im Vergleich mit anderen Ländern über verhält-
nismässig hohe Direktinvestitionen im Ausland. Dies zeigt sich am Ver-
hältnis zwischen dem Bestand der schweizerischen Direktinvestitionen
im Ausland und dem Bruttoinlandprodukt (BIP), welches gemäss der
Schweizerischen Nationalbank Ende 2008 bei 149% lag. Auch in einer
historischen Perspektive wird die Bedeutung von Auslandinvestitionen
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
25
für die schweizerische Volkswirtschaft ersichtlich, denn seit dem Jahr
2000 hat sich der Kapitalbestand schweizerischer Investitionen im Aus-
land vervierfacht [9].
Ein detaillierter Überblick über aktuelle Zahlen zu Direktinvestitio-
nen findet sich auf der Webpage der Schweizerischen Nationalbank [10]
und in der Nationalbankpublikation «Zahlungsbilanz und Auslandver-
mögen der Schweiz 2015» [11].
Schweiz im internationalen Vergleich
Gemäss verschiedenster volkswirtschaftlicher Ranglisten (Tabelle 4) be-
legt die Schweiz im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz, was
einen Rückschluss auf die starke Wettbewerbsfähigkeit erlaubt [4].
Die Schweiz belegt Platz 23 der Rangliste der grössten Exporteure
(Tabelle 5). 2013 lag die Schweiz in der Rangliste des kaufkraftbereinig-
ten Bruttoinlandprodukts auf Platz 8 [12]. Auch wenn solche Ranglisten
mit einer gewissen Skepsis interpretiert werden sollten, muss die Frage
gestellt werden, warum die Schweiz beim BIP deutlich besser abschnei-
det als beim Export. Tabelle 6 zeigt die Entwicklung des Schweizer Aus-
senhandels zwischen 1997 und 2012. Seit 2007 befindet sich der Schwei-
zer Export in einer Stagnationsphase, welche nur zum Teil auf die Folgen
der Finanzkrise zurückgeführt werden kann. De facto hat die Schweiz
trotz guter Ausgangslage als Exportnation einen Nachholbedarf. Hinter-
grundinformationen zur Interpretation der Schweizer Leistungsbilanz
finden sich in der Publikation der Schweizerischen Nationalbank «Zah-
lungsbilanz und Auslandvermögen der Schweiz 2015» [11].
Weltweit grösste Exporteure 2011
in Mrd. USD
1. China 1899
2. USA 1481
3. Deutschland 1474
4. Japan 823
5. Niederlande 660
6. Frankreich 597
7. Südkorea 555
23. Schweiz 235
Ranking Schweiz
WEF 1
(Global Competitiveness Index 2013)
IMD 2
(World Competitiveness Yearbook 2013)
INSEAD 1
(The Gobal Innovation Index 2012)
Transparency International 6
(Corruption Perceptions Index 2012)
ETH KOF 10
(Index of Globalization 2013)
The Heritage Foundation 5
(Index of Economic Freedom 2013)
City Ranking 2
(Mercer 2012) (Zürich)
City Ranking 8
(Mercer 2012) (Genf)
City Ranking 9
(Mercer 2012) (Basel)
Tabelle 5: Weltweit grösste Exporteure 2011 [4]
Tabelle 4: Schweiz in volkswirtschaftlichen Ranglisten
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
26
Historische Entwicklung der Schweizer Exportwirtschaft
«Bei der Gründung des Bundesstaats 1848 ist die Wirtschaft der meisten
Kantone bereits stark vom Weltmarkt abhängig. Mit dem Bau moderner
Transportmittel wächst diese Abhängigkeit. Seit 1950 schwankt der Ex-
portanteil für Waren und Dienstleistungen wertmässig zwischen 25 und
41% des Bruttoinlandproduktes. Rund ein Drittel der in der Schweiz ver-
brauchten Güter kommt wertmässig aus dem Ausland, und prozentual
noch mehr Arbeitsplätze in diesem Land hängen an den Fäden von Aus-
landsgeschäften. Addiert man bei der Warenausfuhr die Zulieferindust-
rie und bei den Bankdienstleistungen die in der Schweiz verbleibenden
Erträge, so wird rund jeder zweite Franken im Ausland verdient.» [13]
Einen guten Einblick in die historische Entwicklung gibt das Histori-
sche Lexikon der Schweiz: Im Mittelalter intensivierten sich Handelsbe-
ziehungen zwischen den Gebieten der heutigen Schweiz und den umlie-
genden Ländern. Im 14. Jh. spezialisierten sich bestimmte Regionen auf
den Export tierischer Erzeugnisse (z.B. Hartkäse), Textilien (Wollstoffe
in Freiburg, Leinengewebe in St. Gallen) oder Leder (Freiburg). Diese Ten-
denz dauerte im 16. und 17. Jh. an; Zürich setzte beispielsweise um 1650
in Heimarbeit hergestellte Textilien in Süddeutschland und Frankreich
ab. Im 18. Jh., in dem sich die Baumwollindustrie in der Ostschweiz rasch
ausbreitete (Baumwolle), verstärkte sich diese Entwicklung. Im 19. sowie
20. Jh. wurde dann auch die Produktpalette differenzierter: Die Ausfuhr
von Textilien wurde zunächst ergänzt und schliesslich ersetzt durch jene
von Uhren, Maschinen und chem. Erzeugnissen – darunter solche des
wichtigen pharmazeutischen Sektors. Hatten daher 1840 die Textilien
noch 72.6%, Uhren 8.2%, chemische Produkte 0.4% und Maschinen 0.1%
der Ausfuhren ausgemacht, so lagen die entsprechenden Ziffern 2003 bei
1.6%, 7.8%, 34.5% und 23.6%.
Die Schweizer Unternehmen begnügten sich nicht mit der Ausfuhr von
Waren, sondern exportierten ab der Mitte des 19. Jh. auch Kapital in Form
von Direktinvestitionen. Die Enge des Binnenmarktes, wirtschafts-,
geld- und zollpolitische Massnahmen ausländischer Regierungen und
auch Erwägungen bezüglich ihrer Rohstoffversorgung bewegten Firmen
wie Brown Boveri & Cie., Nestlé, Ciba oder Saurer zum Aufbau von Ferti-
gungseinheiten im Ausland. Am Vorabend des 1. Weltkriegs war die
Schweiz das Land mit den weltweit höchsten Bruttodirektinvestitionen
im Ausland pro Kopf der Bevölkerung. Ab den 1920er-Jahren übertrafen
die Direktinvestitionen wertmässig die Exportkapazitäten der in der
Schweiz ansässigen Unternehmen. Dieses besondere, von den multina-
tionalen Konzernen geprägte Wirtschaftsprofil der Schweiz hatte über
das ganze 20. Jh. Bestand.
Die Schweiz hat überdies eine lange Tradition des Exports von Dienst-
leistungen. Das Reislaufen leistete im 16. und 17. Jh. einen nicht zu ver-
nachlässigenden Beitrag zur Schweizer Wirtschaft. Die fremden Dienste
1
ERG: Export-
risikogarantie
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
27
5%
4%
3%
2%
1%
0%
ERG
Krise1982
EntschuldungERG
NewYorkerBörsenkrach1929
Kriegswende1943
300%BIP
500%BIP
1050%BIP
95%BIP
Stagnation1966
Dollarabwertung,Ölkrise1973
Krise1978
Hedge-Fund-Krise1987
Wende,Krisen
Börsensturz
1920
1930
1940
1950
1960
1970
1980
1990
2000
2010
Exporte
VerwalteteVermögen
250
240
230
220
210
200
190
180
170
160
150
140
130
120
110
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
5000
4800
4600
4400
4200
4000
3800
3600
3400
3200
3000
2800
2600
2400
2200
2000
1800
1600
1400
1200
1000
800
600
400
200
ARBEITSLOSIGKEIT
Exporte aus der Schweiz und ERG-Engagement1
(in Milliarden Franken) [13]
ExporteundERG-EngagementinMilliardenFranken
VerwalteteVermögeninMilliardenFranken
Abbildung 3
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
28
linderten einerseits teilweise die chronische Unterbeschäftigung, ander-
seits förderten die aus ihnen resultierenden Einkünfte die Bildung gros-
ser Vermögen und trugen zu einer positiven Zahlungsbilanz sowie zur
Sanierung der öffentlichen Haushalte bei.
Im 18. Jh. spielten Genfer, Neuenburger, Basler und Zürcher Financiers
eine bedeutende Rolle auf dem europäischen Kapitalmarkt. Die Entwick-
lung der Schweiz zu einem internationalen Finanzplatz setzte allerdings
erst Ende des 19. Jh. ein und vollzog sich im Wesentlichen nach dem 1. Welt-
krieg. Die von den Banken im Ausland erhobenen Kommissionsgebühren
wurden für die Schweizer Wirtschaft zu einem zunehmend wichtigeren
Bilanzposten; 1995 belief sich der Anteil der Banken am Positivsaldo der
Dienstleistungsbilanz auf fast 50%. Auch für das Versicherungsgewerbe
markierte der 1. Weltkrieg einen Wendepunkt. Bis ins 20. Jh. hinein war
der schweizerische Markt zum Teil von deutschen, französischen oder
englischen Gesellschaften beherrscht worden, während die Schweizer
Firmen im Ausland wenig präsent gewesen waren. Nach 1918 eroberten
die Schweizer Versicherungen in Folge des Konkurses der grossen deut-
schen Gesellschaften den Binnenmarkt und drangen sogar in den deut-
schen Markt ein. Die Expansion in auswärtige Märkte ist noch nicht ab-
geschlossen: 1996 stammten mehr als 60% des Prämienaufkommens der
Schweizer Assekuranzen aus dem Ausland.
Für die Zeit vor Mitte des 20. Jh. ist es mangels Zahlen schwierig, die
Bedeutung der Ausfuhren für die Schweizer Wirtschaft zu ermessen. Von
1950 an schwankte der Exportanteil für Waren und Dienstleistungen
am Inlandprodukt zwischen 25 und 40%, wobei die Warenausfuhren
weiterhin überwogen. Im Zeitraum von 1960 bis 1990 betrug der Mittel-
wert 33.2%, während er sich in den OECD-Ländern auf 15.8% belief. Wenn
man die indirekten Auswirkungen dieser Exportaktivitäten (öffentliche
Arbeiten, Binnentransporte) berücksichtigt, so scheint die oben zitierte
Aussage, jeder zweite Schweizer Franken werde im Ausland verdient, die
Verhältnisse in etwa zu treffen. Allerdings sind einige Branchen stärker
von äusseren Absatzmärkten abhängig als andere. Das frappierendste Bei-
spiel dafür ist die Schweizer Uhrenindustrie, die seit dem 19. Jh. an die
90% ihrer Produktion ausführt [14].
Abbildung 3 zeigt die historische Entwicklung der Schweizer Exporte und
der im Ausland verwalteten Vermögen. Trotz kurzzeitiger Rückschläge
während der beiden Weltkriege und den Wirtschaftskrisen ist ein stetiges
und seit der zweiten Hälfte der Sechzigerjahre starkes Wachstum zu ver-
zeichnen (deutlich erkennbar sind die Auswirkungen der internationalen
Finanzkrise nach dem Jahr 2008). Dabei ist das Wachstum der in der
Schweiz verwalteten Vermögen deutlich grösser als jenes der Exporte.
Vereinfacht ausgedrückt, wächst der Finanzplatz deutlich schneller als
der exportorientierte Werkplatz.
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
29
Exporte in Mrd. CHF
105 109 114 127 132 136 135 146 157 177 198 206 181 193 198 201
Importe
103 107 113 129 130 128 129 137 149 165 184 187 160 174 174 177
Jahr
1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012
Exporte
Importe
250 000
200 000
150 000
100 000
50 000
0
Tabelle 6:
Entwicklung des
Schweizer Aussen-
handels [4].
Aktuellere Daten:
Exporte 2013: 201,
2014: 208.
Importe 2013: 178,
2014: 179
(in Mrd. CHF) [15]
Entwicklung des Schweizer Aussenhandels (in Mio. CHF)
Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018

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Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen: Ein Handbuch für Schweizer KMU (Leseprobe)

  • 1. www.vdf.ethz.ch verlag@vdf.ethz.ch ISBN 978-3-7281-3895-8 Schweizer Exportfirmen mussten sich in den letzten Jahren immer wie- der grossen Herausforderungen stellen. Was macht eine erfolgreiche Strategie für die Finanzierung von Exporten und Auslandsinvestitionen aus? Bisher fehlte eine praxisorientierte Darstellung des aktuellen Wis- sens und der entsprechenden Werkzeuge. Dabei stehen seit Längerem Instrumente nicht nur für Grossunternehmen und Grossprojekte bereit, sondern auch solche, die insbesondere auf die Bedürfnisse von kleine- ren und mittleren Unternehmen zugeschnitten sind. Dieses Buch zeigt Ihnen als KMU die gesamte Bandbreite der Möglich- keiten, mit denen Sie Ihre Wettbewerbsfähigkeit als Exporteure und Direktinvestoren im Ausland verbessern können. Erfahrungsberichte von Unternehmen legen dar, wo die Chancen und Risiken liegen kön- nen. Sie werden eingebettet in die historische Entwicklung des Schwei- zer Aussenhandels und die Aussenhandelspolitik des Bundesrats. Die Autoren wagen zudem einen Blick in die Zukunft mit ihren neuen grossen Herausforderungen, vor denen die internationale Handels- politik angesichts der aktuellen geopolitischen und machtpolitischen Umbrüche steht. Den Schluss bilden neue Lösungsansätze, welche die kostengünstige Finanzierung von kleinen Transaktionen sicherstellen, sowie ein Exkurs über Projektfinanzierung, Crowdfunding und Bürger- finanzierung. FinanzierungvonExportenundDirektinvestitionenBerndG.Kiefer,UrsGerspacher(Hrsg.) Finanzierung von Exporten und Direkt- investitionen Ein Handbuch für Schweizer KMU Bernd G. Kiefer, Urs Gerspacher (Hrsg.)
  • 2. 4 1 Herbert Wight und Bernd G. Kiefer Vorwort......................................8 2 Aussenhandel: Schweizer KMU im Umbruch .................................14 Bernd G. Kiefer 2.1 Der Aussenhandel in der Schweizer Volkswirtschaft..................16 2.1.1 Risiken in der Exportwirtschaft...........................................19 Bernd G. Kiefer 2.2 Aussenhandel heute und historische Entwicklung.................... 21 2.2.1 Aussenhandel Schweiz heute und wichtige Zieldestinationen..... 21 2.2.2 Direktinvestitionen Schweizer Unternehmen im Ausland......... 23 2.2.3 Schweiz im internationalen Vergleich....................................25 2.2.4 Historische Entwicklung der Schweizer Exportwirtschaft......... 26 Urs Gerspacher 2.3 Wandel in den Kunden- und Käuferbedürfnissen..................... 30 2.3.1 Finanzierungsangebot als Element der Lieferofferte................ 30 2.3.2 Von der Einzelfinanzierung zur Gesamtlösung........................ 31 2.3.3 Vom Kauf zur Nutzung: Investitionsgüterleasing.................... 33 2.3.4 Vom Verkauf zum Betrieb: Betreibermodelle.......................... 34 2.3.5 Fazit: Produkt- mit Finanzierungsinnovationen verbinden........ 35 3 Überblick über die Finanzierung von Exporten und die Zahlungsabsicherung..........................................................36 3.1 Bonding: Avale und private Kreditversicherung....................... 38 Brigitte Brüngger 3.1.1 Avale: Wert für die Zahlungssicherung und deren Abwicklung............................................................ 38 Jörn Volk 3.1.2 Private Kreditversicherungen............................................. 50 Inhalt Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 3. 5 Jean-Claude Feusier und Thomas Enz 3.2 Risikomanagement und Zahlungsabsicherung........................ 59 3.2.1 Risikomanagement.......................................................... 59 3.2.2 Vertragsstrukturen.......................................................... 60 3.2.3 Liefervertrag und Projekt-Cashflow...................................... 64 3.2.4 Zahlungsrisiko und -absicherung........................................ 66 3.2.5 Fazit.............................................................................. 71 3.3 Klassische Formen der Exportfinanzierung............................ 72 Thomas Enz 3.3.1 Lieferanten- und Käuferkredit.............................................72 Martin Gisiger 3.3.2 Grundzüge des OECD-Konsensus und der internationale Wettbewerb................................................ 86 Kasten I Heribert Knittlmayer und Lars Ponterlitschek Die Schweizer Exportrisikoversicherung (SERV).................... 100 3.4 Moderne Formen der Exportfinanzierung............................. 110 Raphael Steiner 3.4.1 Vorfinanzierung............................................................. 110 Andres Heusser und Jean-Claude Feusier 3.4.2 Leasingmodelle.............................................................. 116 Raphael Steiner 3.4.3 Projektfinanzierung......................................................... 124 Kasten II Dieter Tobler Exportfinanzierung aus der Sicht einer Grossbank................. 140 3.5 Finanzierung als proaktive Verkaufsunterstützung................ 142 Urs Gerspacher 3.5.1 Die «guten alten Zeiten».................................................. 142 Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 4. 6 Urs Gerspacher 3.5.2 Neue Herausforderungen für die Exportkreditversicherung..... 145 Kasten III Peter Jenelten Stadler Rail AG.................................... 152 Brigitte Brüngger 3.5.3 Financial-Sales-Support – Wie Finanzierungen als Verkaufsunterstützung genutzt werden können.................... 160 4 Raphael Steiner Direktinvestitionen im Ausland........................ 170 4.1 Herausforderungen und Lösungen...................................... 172 4.2 Direktinvestitionen......................................................... 181 4.2.1 Möglichkeiten und Grenzen der lokalen Finanzierung............ 181 4.2.2 Kofinanzierung durch multilaterale Entwicklungsbanken....... 185 Kasten IV Raphael Steiner Multilaterale Entwicklungsbanken....... 194 5 Erfahrungsberichte..........................................................................204 Peter Silberschmidt 5.1 Erfahrungsbericht – Von der ERG zur SERV...........................206 Raphael Steiner 5.2 Tansania – Kleinwasserkraftwerk Tulila.............................. 210 Michele Molinari 5.3 Äthiopien: Awash-Weldia Railway Project............................. 214 Andres Heusser 5.4 Fallbeispiel: Leasingstruktur unter Zuhilfenahme eines «Special Purpose Vehicle»................................................. 218 Raphael Steiner 5.5 Optrel AG – Lieferantenkreditfinanzierung Russland.............. 223 Inhalt Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 5. 7 6 Jérôme Gaeschlin Xport Finance AG – ein neuer Anbieter im Schweizer Markt für Exportkredite 226 6.1 Weltwirtschaftlicher Hintergrund...................................... 228 6.2 Der Schweizer Markt für Exportkredite................................. 229 6.3 Strukturelle Gründe für die Störung zwischen Angebot und Nachfrage im Exportkreditmarkt.................................. 232 6.4 Xport Finance AG............................................................ 237 6.5 Zusammenfassung.......................................................... 242 7 Exkurs Schweiz – Deutschland.......................................................242 Brigitte Lorch 7.1 Projektfinanzierung, Bürgerfinanzierung und Crowdfunding....246 7.1.1 Projektfinanzierung........................................................ 246 7.1.2 Bürgerfinanzierungsmodelle............................................. 251 7.1.3 Crowfunding................................................................. 254 7.1.4 Fazit............................................................................ 257 Bernd G. Kiefer und Raphael Steiner 7.2 Public-Private-Partnership................................................ 259 8 Bernd G. Kiefer und Raphael Steiner Exportabsicherungs- und Exportfinanzierungsbedarf: Wie als Unternehmen konkret vorgehen?.....................................268 9 Anlaufstellen für KMU und Weblinks...........................................282 10 Begriffserklärungen........................................................................286 Autorinnen und Autoren.......................................................... 296 Literaturverzeichnis................................................................ 302 Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 6. 8 Vorwort VON HERBERT WIGHT UND BERND G. KIEFER Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018 zur Publikation: https://vdf.ch/finanzierung-von-exporten-und-direktinvestitionen.html
  • 7. 9 1 Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 8. 10 Die Schweizer Exportfirmen mussten sich in den letzten Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, immer wieder grossen Herausforderun- gen stellen. Insbesondere die globale Finanzkrise 2008 und die darauffolgende starke Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem US-Dollar und dem Euro hinderten den wichtigen Zweig der Schwei- zer Industrie an der Ausnützung seines bedeutenden Potenzials. Vor allem traf dies die kleineren und mittelgrossen Unternehmungen (KMU), die gezwungen wurden, auf der Kostenseite tiefgreifende Mass- nahmen umzusetzen und ihren Abnehmern im Ausland schmerzhafte Konzessionen preislicher Art und/oder in Bezug auf die Zahlungsbedin- gungen zuzugestehen, ohne auf die Produktion im Ausland ausweichen zu können oder zu wollen. Gleichzeitig führte die Finanzkrise zu einer zurückhaltenden Kreditpolitik der Banken. Auch wenn es so aussieht, als ob die Talsohle, insbesondere bezüglich der Exportleistungen der MEM-Industrie (Maschinen-, Elektro- und Metall- industrie) heute durchschritten ist, ist es sehr zu begrüssen, dass es mit dem vorliegenden Handbuch gelungen ist, bekannte Autoren zu motivie- ren, jeweils aus ihrer Sicht die vorhandenen Instrumente zur Unterstüt- zung von Export- und Investitionsprojekten zu beschreiben. Das Buch bekämpft auch das Vorurteil, dass Instrumente zur Unterstützung von Exporten nur für Grossunternehmen und Grossprojekte bereitstehen. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass insbesondere die neueren Unterstüt- zungsmöglichkeiten auch auf die Bedürfnisse der KMU zugeschnitten sind. Im Schweizer Markt fehlte bisher eine praxisorientierte Zusammenfas- sung des aktuellen Wissens und der Werkzeuge für die Exportfinanzie- rung und Direktinvestitionen im Ausland. Zudem sind KMU in der Schweiz und im Ausland immer häufiger mit neuen Finanzierungsinst- rumenten wie Projektfinanzierung, Crowdfunding oder Bürgerfinanzie- Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 9. 11 rung konfrontiert. Der Leserschaft soll deswegen im vorliegenden Buch ein schneller und trotzdem fundierter Einblick in die wichtigen Instru- mente, in die Chancen und Risiken von Exporten und Direktinvestitio- nen im Ausland sowie in heute bereits absehbare Entwicklungen gege- ben werden. Das Anliegen des Handbuchs ist es, Ihnen als KMU-Mitarbeiter die ge- samte Bandbreite von Instrumenten und Möglichkeiten zur Verbesse- rung Ihrer Wettbewerbsfähigkeit als Exporteure und als Direktinvesto- ren im Ausland aufzuzeigen und anhand von Erfahrungsberichten zu illustrieren. Diese Ausführungen werden eingebettet in die historische Entwicklung des Schweizer Aussenhandels und in die Aussenhandels- politik des Bundesrats. Die Autoren wagen zudem einen Blick in die Zukunft mit ihren neuen grossen Herausforderungen, vor welchen die internationale Handelspolitik angesichts der aktuellen geopolitischen und machtpolitischen Umbrüche steht. Den Schluss bilden neue Lösungsansätze wie die aus dem KMU-Umfeld heraus gegründete Xport Finance AG, die kostengünstige Finanzierung von kleinen Transaktionen (inkl. Vorfinanzierungen) sicherstellt, sowie ein Exkurs über Projektfinanzierung, Crowdfunding und Bürgerfinan- zierung. Wir hoffen, wir haben Ihr Interesse geweckt. Wir sind davon überzeugt, dass der vorliegende Leitfaden viele Fragen bezüglich Exportfinanzie- rung und Zahlungsabsicherung beantwortet. Wer ist die Leserschaft? Das vorliegende Handbuch ist von Praktikern der Exportfinanzierung für Praktiker in den Schweizer KMU geschrieben, welche mit der Finanzie- rung von Exporten und Direktinvestitionen im Ausland konfrontiert sind. Er richtet sich somit besonders an die Vertriebs- und Exportverant- Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 10. 12 wortlichen sowie an Geschäftsleitungsmitglieder in den betroffenen Un- ternehmen. Wer sind die Autorinnen und Autoren? Die Autorinnen und Autoren sind alle seit vielen Jahren in verschiedenen Funktionen mit den Themen des vorliegenden Leitfadens konfrontiert, sei dies als Fachverantwortliche in exportorientierten Unternehmen, bei finanzierenden Banken, bei staatlichen oder privaten Versicherern, als Vertreter der Bundesbehörden in internationalen Gremien oder als KMU-Berater. Die Kurzlebensläufe der Autorinnen und Autoren finden Sie ab Seite 296. Wie wir das Buch strukturiert haben Die einzelnen Kapitel sind möglichst so abgerundet, dass sie für sich al- leine verständlich sind. Sie müssen also nicht bei Kapitel 1 beginnen, sondern können sich die Kapitel «herauspicken», welche Ihnen beson- ders interessant oder wichtig erscheinen. Wo es sich anbietet, werden Verweise auf detailliertere Ausführungen in anderen Kapiteln gemacht, damit Wiederholungen möglichst vermieden werden können. Um den Praxisbezug zusätzlich zu erhöhen, werden konkrete Fallbeispiele angeführt. An dieser Stelle deswegen ganz herzlichen Dank an diejenigen Unternehmen, welche die entsprechenden Texte geschrieben respektive freigegeben haben. Mit den Fallbeispielen wird es Schweizer KMU er- möglicht, von den aktuellsten Erfahrungen ihrer Kollegen zu profitieren. Dass nur positive Fallbeispiele aufgeführt werden, liegt in der Natur der Sache. Doch wird in den Fachkapiteln jeweils auf die entsprechenden Risi- ken hingewiesen, welche sich in der Unternehmenspraxis gezeigt haben. Am Ende des Buches haben wir einen Entscheidungsbaum und Ablauf- prozess entwickelt, mit dessen Hilfe Sie bei neuen Exportprojekten Schritt für Schritt zum Lieferangebot und Entwurf des Liefervertrags ge- Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 11. 13 führt werden. Zusätzlich sind wichtige Anlaufstellen und weiterführen- de Literatur und Weblinks aufgeführt. Nicht zuletzt rundet ein Glossar der Fachbegriffe das Buch ab. Ihr Feedback ist uns willkommen Sie halten hier die erste Ausgabe unseres Handbuchs in der Hand. Wir freuen uns über Ihr Feedback auf BOOK@ailsf.ch. Damit ermöglichen Sie uns, allfällige Fehler zu korrigieren, Lücken zu schliessen oder uns ver- ständlicher auszudrücken. An dieser Stelle bereits herzlichen Dank! Nicht zuletzt hoffen wir, dass Ihnen unser Leitfaden im Alltag hilft, Klip- pen zu umschiffen und erfolgreiche Abschlüsse mit Kunden im Export- geschäft zu tätigen. Zürich, Mai 2018 Herbert Wight, ehemaliger Direktor der SERV Bernd G. Kiefer, Herausgeber, AIL Structured Finance Ltd. Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 12. 14 Aussenhandel: Schweizer KMU im Umbruch Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 13. 15 2 Welches Volumen und welche Bedeutung hat der Schweizer Aussenhandel für die Schweizer Volkswirtschaft? Wie hat sich der Schweizer Aussenhandel historisch entwickelt? Diese Fragen sollen im vorliegenden Kapitel einleitend be- handelt werden, um der Leserschaft ein besseres Verständnis der schweizerischen Aussenhandels- politik und ihrer aktuellen Herausforderungen im internationalen Kontext zu geben. Darauf auf- bauend wird gezeigt, wie sich die Kunden- und Käuferbedürfnisse gewandelt haben und warum neue Exportabsicherungs- und -finanzierungs- instrumente notwendig sind. Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 14. 16 2.1 Der Aussenhandel in der Schweizer Volkswirtschaft VON BERND G. KIEFER Schweizer Aussenhandelspolitik Die Schweiz als kleine, offene Volkswirtschaft ist v.a. mit europäischen Ländern wirtschaftlich stark verflochten. Um die Vorteile des internatio- nalen Handels ausnützen zu können, hat sich die Schweiz, gestützt auf die Bundesverfassung, prinzipiell einer liberalen Aussenwirtschaft verschrie- ben. Es geht hierbei um die Sicherung des Marktzugangs im Ausland, d.h. schweizerischen Exporteuren den Eintritt in ausländische Märkte zu ermöglichen resp. zu erleichtern. Dabei ist der Abbau von Hemmnissen bei der grenzüberschreitenden Wirtschaftstätigkeit nötig, wie z.B. der Abbau von Zollschranken oder sonstiger Behinderungen (nicht tarifli- che Handelshemmnisse). Ebenso gehört der Aufbau von transparenten, leistungsfähigen und international kompatiblen Regeln für den Wirt- schaftsverkehr dazu. In einem weiteren Sinne zielt die Aussenwirtschafts- politik des Bundes auch darauf ab, einen Beitrag zur Entwicklung in Part- nerländern zu leisten und am wirtschaftspolitischen Dialog innerhalb internationaler Wirtschaftsorganisationen aktiv mitzuwirken. Als kleine Volkswirtschaft ist die Schweiz der Dynamik der Weltwirtschaft ausge- setzt und muss sich daher aktiv in die internationalen Integrationsbe- strebungen einbringen, um gehört zu werden. Gelingt dies nicht, können dadurch in der Schweizer Volkswirtschaft unerwünschte Folgen zum Bei- spiel in Bezug auf den Strukturwandel und auf die Veränderung der Ein- kommensverteilung entstehen [1]. Die Schweizer Unternehmen – und hier insbesondere auch die KMU – werden von der Eidgenossenschaft mit einer über Jahrzehnte konsisten- ten Aussenhandelspolitik sowie durch vielfältige Institutionen und Pro- gramme unterstützt. Diese im Vergleich zu vielen anderen Staaten hohe Stabilität bei den politischen Rahmenbedingungen stellt für die Expor- teure nicht zuletzt einen komparativen Vorteil dar. Bedeutung des Aussenhandels für die schweizerische Volkswirtschaft Für die Schweiz zeigt sich die Bedeutung der Aussenwirtschaft u.a. da- rin, dass der Warenexport und -import in Relation zum Bruttoinlandpro- dukt (BIP) je rund 30% betragen; es werden somit pro Jahr Waren im Wert von über 130 Mrd. Fr. sowohl aus- als auch eingeführt. (Im Vergleich liegt die schweizerische Exportquote jedoch deutlich hinter der z.B. von Deutschland und Österreich.) In den letzten Jahrzehnten hat der interna- Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 15. 17 tionale Austausch von Dienstleistungen und Investitionen auf Kosten der Waren stärker an Gewicht gewonnen. Die intensive Aussenhandelsverflechtung der Schweiz ist auf die fol- genden wichtigsten Gründe zurückzuführen [1]: Rohstoffarmut der Schweiz Ungenügende Eigenversorgung mit landwirtschaftlichen Produkten Kleinheit des Binnenmarktes Relative Faktorausstattung (teure Arbeitskräfte, billiges Kapital) Die Schweiz ist insbesondere auf Importe von Rohstoffen angewiesen. Dies wird sichtbar an den grossen Importüberschüssen bei Energieträ- gern (Erdöl und Erdgas), Papier, Leder, Kunst- und Baustoffen. Grosse Ex- portüberschüsse erzielt die Schweiz dagegen mit Chemikalien, Medika- menten, Uhren, Bankendienstleistungen und mit dem Rohstoffhandel. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat die globale Handelsverflechtung stark zugenommen. Die Weltproduktion hat sich seit 1950 etwa verneunfacht, der Welthandel verdreissigfacht [2]. Für die schweizerische Volkswirt- schaft – und schlussendlich für unseren Wohlstand – ist der internatio- nale Handel ein entscheidender Erfolgsfaktor. Absolute und komparative Vorteile der Schweiz im internationalen Handel Warum betreiben Länder wie die Schweiz in so grossem Umfang Aussen- handel? Die Volkswirtschaftslehre gibt die vereinfachende Antwort: Län- der treiben Handel, weil sie verschieden sind. So exportiert die Schweiz jene Güter mit Erfolg, die sie am besten und effizientesten herstellt. Er- folg haben besonders jene Exportgüter, bei welchen die Schweiz einen sogenannten absoluten Vorteil hat. Ein Land hat dann einen absoluten Vorteil, wenn es fähig ist, ein Gut mit weniger Ressourcen (also kosten- günstiger) zu produzieren als die Konkurrenz [2]. Ergänzend hierzu können komparative Vorteile, wie z.B. im Vergleich zu anderen Ländern tiefere Kapitalzinsen oder innovativere Finanzie- rungsleistungen, für den Erfolg von Exportnationen ebenfalls entschei- dend sein. Bei beiden, den absoluten und den komparativen Vorteilen, stehen Schweizer Exporteure im Wettbewerb mit anderen Exportnatio- nen. Doch sind viele Rahmenbedingungen in der Schweiz, wie eingangs bereits angesprochen, derart ausgestaltet, dass sie auch den innovativen KMU einen komparativen Vorteil bringen können (vgl. hierzu Kapitel 3 ff.). In Abbildung 1 dargestellt sind komparative Vorteile der Schweiz gegen- über ihren internationalen Handelspartnern. Je weiter links auf der Ach- se, desto mehr liegen die Vorteile bei den internationalen Handelspart- nern der Schweiz. Schweizer Exporteure könnten sich also die Frage stellen, wie sie den Nachteil hoher Produktionskosten mit dem Anbieten Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 16. 18 innovativer Finanzierungs- und/oder Systemlösungen respektive der Kombination der Warenlieferung mit Betriebs- und Unterhaltsdienstleis- tungen zu einem Vorteil kombinieren können. Die komparativen Vortei- le der Schweiz liegen schon länger nicht mehr bei der Herstellung einfa- cher Güter, sondern bei anspruchsvollen Tätigkeiten, bei welchen das höhere Know-how, die komplexeren Kapitalgüter und die wirkungsvolle- re Organisation zur Geltung kommt [2]. Herausforderungen für exportorientierte Schweizer KMU Schweizer KMU sollten sich somit, wie vorher dargelegt, vom isolierten Export industrieller Halbfertig- und Fertigprodukte (Maschinen, Züge, Turbinen) verabschieden und auf die Lieferung gesamter Systemlösun- gen samt Finanzierung für den Importeur ausrichten (z.B. Kombination einer Lieferung von Spezialmaschinen mit dem Betrieb und Unterhalt samt Leasinglösung). Dies bedingt bei den KMU den Aufbau neuen Know-hows ausserhalb ihrer klassischen Kernkompetenzen. Soll der Welthandel den Schweizer KMU auf lange Frist Vorteile bringen, muss das schweizerische Angebot mit der Nachfrage der globalen Kundschaft immer wieder neu und angesichts der technologischen Entwicklung und der Vernetzung der Märkte immer schneller in Übereinstimmung ge- bracht werden. Die zunehmende internationale Arbeitsteilung verlangt von den relativ teuer produzierenden Schweizer KMU also eine sehr hohe Anpassungs- fähigkeit und nicht zuletzt hervorragend qualifiziertes Personal mit möglichst internationaler Berufserfahrung. Eine 2013 veröffentlichte Studie [3] zeigt, dass die Schweizer KMU die Zeichen der Zeit erkannt haben: Zunehmend investieren KMU weniger in Sachwerte, sondern mehr in Bereiche, die direkte Wettbewerbsvorteile generieren. Hierzu gehören zum Beispiel Forschung und Entwicklung sowie die Kreativität der Mitarbeitenden. –100% –75% 50% –25% 0 25% 50% 75% 100% komparative Vorteile der Handelspartner komparative Vorteile der Schweiz Energieträger(v.a.ErdölundElektrizität) Fahrzeuge Textilien,Bekleidung,Schuhe Papier,Holz,Leder,Kunststoffe,Baustoffe Nahrungsmittel Metalle Fremdenverkehr Maschinen,Elektronik Chemikalien,Medikamente Präzisionsinstrumente,Uhren,Bijouterie Finanzdienste Versicherungsdienste Abbildung 1: Komparative Vorteile der einzelnen Wirt- schaftsbranchen der Schweiz im Vergleich mit ihren internatio- nalen Handelspartnern – negative Zahl be- deutet, die Schweiz ist im Nachteil, positiv bedeutet, sie ist im Vorteil [2] Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 17. Risiken in der Exportwirtschaft Die weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrisen sowie Naturereignisse, Unruhen und Kriege führen den Schweizer Exporteuren fast täglich vor Augen, dass Exportgeschäfte mit nicht zu vernachlässigenden Risiken verbunden sind und nicht zuletzt schon immer mit Risiken verbunden waren. Doch sind es nicht nur ausserschweizerische Risiken, welchen die Exportwirtschaft ausgesetzt ist. Vielmehr waren es historisch immer wie- der innerschweizerische Ereignisse und hier insbesondere auch sogenann- te Modernisierungskrisen [4], welche den freien Warenverkehr mit dem Ausland bedrohten oder hemmten; so ganz aktuell die Diskussionen mit der EU um die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative, welche die Unterzeichnung des bilateralen Stromvertrags mit der EU blockieren. In einer Untersuchung von Switzerland Global Enterprise und Post- finance [5] wurden Exportverantwortliche zu den Risiken bei ihren Ex- portgeschäften befragt. Gemäss diesen sind es jedoch vor allem wirt- schaftliche Risiken in den Zieldestinationen, welche die Unternehmen beschäftigen. Die in der Studie bei den Exportverantwortlichen abgefragten Strategien zur Risikovermeidung lassen sich, wie in Abb. 3 dargestellt, klassieren. 19 Abbildung 2: Risikoarten im Exportgeschäft Schweizer Unternehmen [5] Vertriebsrisiken Produktrisiken Produktionsrisiken Personalrisiken Wirtschaftliche Risiken Rechtliche Risiken Politische Risiken Natürliche Risiken Wettbewerbsrisiken Beschaffungsrisiken Absatzrisiken 0 10 20 30 40 Anzahl Nennungen Vermindern (Kreditlimiten, Vorauszahlung) Vermeiden (Marktaustritt) Verlagern (Versicherung) Akzeptieren (Einkalkulieren, Reservebildung) 0 10 20 30 40 50 60 Anzahl Nennungen Abbildung 3: Strategien zur Exportrisiko- kontrolle [5] 1 6 2 15 35 17 15 7 15 10 16 48 14 17 10 Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 18. 20 Ein guter zusammenfassender Überblick über die Möglichkeit, Exportrisi- ken zu versichern, findet sich in der Broschüre «SERV Kompakt» [6]. Ver- sicherbare Risiken sind: Politische Risiken: Unter das politische Risiko fallen ausserordentliche staatliche Massnahmen oder politische Ereignisse im Ausland wie Krieg, Revolution, Annexion und Unruhen. Die Versicherung kommt einer- seits zum Zug, wenn die politische Situation Schuldnern die Vertrags- erfüllung verunmöglicht. Andererseits kommt sie zur Anwendung, wenn die politische Situation zu Verlust, Beschlagnahmung, Beschädi- gung oder Verhinderung der Wiederausfuhr von Waren des Versiche- rungsnehmers führt oder wenn die Rechte des Versicherungsnehmers beeinträchtigt werden. Transferrisiken: Unter das Transferrisiko fallen devisenrechtliche Mass- nahmen einer Regierung oder Zentralbank, die dem Abnehmer die Be- zahlung in Fremdwährung verunmöglichen. Der Abnehmer hat zwar den Gegenwert in seiner Lokalwährung deponiert, die Zentralbank stellt jedoch die erforderlichen Devisen nicht zur Verfügung. Unter das Trans- ferrisiko fällt auch das Risiko, dass Fälligkeiten eines in finanzielle Not- lage geratenen Landes aufgrund einer zwischenstaatlichen Vereinba- rung umgeschuldet, d.h. um mehrere Jahre aufgeschoben werden. Delkredererisiken: Beim wirtschaftlichen Risiko (Delkredererisiko) handelt es sich um die Zahlungsunfähigkeit oder -verweigerung des Käufers respektive Garanten. Risiken der höheren Gewalt: Die Unmöglichkeit oder Unzumutbarkeit der Versendung von Waren unmittelbar infolge des Eintritts von Risi- ken höherer Gewalt (Naturereignisse, Unfälle etc.). Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 19. 21 2.2 Aussenhandel heute und historische Entwicklung VON BERND G. KIEFER Aussenhandel Schweiz heute und wichtige Zieldestinationen Am 25. November 2015 meldete die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) [1] unter dem Titel «Einbruch der Schweizer Exporte», der Schweizer Aussenhan- del sei angeschlagen. Das verdeutlichten die Zahlen der Importe und der Exporte für das dritte Quartal. Neben der Frankenstärke werde auch die schwache Konjunktur in Asien, allen voran in China, zunehmend zum Problem. Diese Meldung wurde gleichentags wiederum in der NZZ im Artikel «Exporte auf neuem Höchststand» [2] relativiert: Mit einem Wert von 208 Millionen Franken hätten die Schweizer Ausfuhren einen neuen Höchststand erreicht. Hiesige Produkte seien vor allem in den USA und China gefragt. Der KMU-Exportindikator der Credit Suisse [3] meldete Ende 2015 unter dem Titel «Vorsichtige Hoffnung», die Stim- mung unter den exportorientierten KMU habe sich etwas gebessert. Der Indikator der Exportperspektiven sei knapp über die Wachstumsschwel- le gestiegen. Diese drei Meldungen zeigen einerseits das hohe Niveau der Exporte und andererseits die Ende 2015 herrschende Nervosität und die Verletzlichkeit der Exportwirtschaft durch die Konjunktur in den Ziel- ländern. An dieser Nervosität der Schweizer Exporteure hat sich bis zum Erscheinen der vorliegenden Publikation nichts geändert. Die beiden nachfolgenden Abbildungen zeigen die wichtigsten Schwei- zer Exportdestinationen im Jahr 2014. Die EU-Länder nehmen mit Ab- stand den Spitzenplatz ein. Auch bezüglich des Potenzials für zukünfti- ges Exportwachstum bleibt die EU die wichtigste Weltregion für die Schweiz. Die hohe Bedeutung dieser Beziehung bestätigt sich in den um- fassenden gegenseitigen Direktinvestitionen (vgl. unten). Abbildung 1: Exporte nach Zielregionen [4] 1 Europa 59.1% 2 Asien 22.1% 3 Amerika 15.9% 4 Afrika 1.7% 5 Ozeanien 1.4% 1 2 3 4 5 Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 20. Deutschland USA Italien Frankreich China Vereinigtes Königreich Österreich Niederlande Spanien Japan 0 10 20 30 40 50 60 Einfuhr Ausfuhr 51.3 38.6 10.9 25.9 17.6 13.8 14.4 15.0 12.1 8.8 6.4 10.0 8.6 6.2 5.4 5.1 4.6 5.8 3.3 6.2 In Milliarden Franken 22 Der Blick auf die Exportbranchen (Tabelle 1) belegt die nach wie vor sehr grosse Bedeutung von Pharma, Präzisionsinstrumente, Uhren und Bijou- terie sowie Maschinen, Apparate, Elektronik. Die Schweizer Wasserkraft (Energieträger), von der im Zusammenhang mit dem ausstehenden bila- teralen Stromabkommen häufig die Rede ist, fällt dagegen stark ab. Ta- belle 2 unterstreicht die grosse Bedeutung des internationalen Waren- austauschs für die Schweizer Volkswirtschaft: Die Exportquote beträgt 32%; die Aussenhandelsquote knapp 50 000 Fr. pro Einwohner. Abbildung 2: Die wichtigsten Handelspartner der Schweiz im Jahr 2014 [5] Tabelle 1: Exporte nach Branchen im Jahr 2012 [4] in Mio. CHF Chemisch-pharmazeutische Produkte 79 012 5.85% Präzisionsinstrumente, Uhren und Bijouterie 44 040 6.75% Maschinen, Apparate, Elektronik 33 307 –9.71% Metalle 11 933 –8.45% Land- und forstwirtschaftl. Produkte, Fischerei * 8656 2.57% Energieträger 6846 5.94% Fahrzeuge 5095 9.05% Leder, Kautschuk, Kunststoffe 4138 –5.07% Textilien, Bekleidung, Schuhe 3114 –4.16% Papier, Papierwaren und grafische Erzeugnisse 2223 –13.03% Wohnungseinrichtungen, Spielzeuge usw. 1392 –6.01% Steine und Erden 857 –0.92% Total 2012 200 612 1.37% Veränderung in % zum Vorjahr Exporte nach Branchen * inkl. Nahrungs- und Genussmittel Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 21. 23 Direktinvestitionen Schweizer Unternehmen im Ausland Direktinvestitionen im Ausland (Foreign Direct Investments, kurz FDI) sind Vermögensanlagen durch einen inländischen Investor (natürliche oder juristische Personen). Im Unterschied zur Portfolioinvestition sind bei der Direktinvestition der Einfluss und die Kontrolle auf die Geschäfts- tätigkeit im Ausland und somit auf die Erzielung des Ertrages wichtigs- tes Abgrenzungskriterium. Es fliessen also nicht nur Kapital, sondern auch Wissen und Technologie. Direktinvestitionen sind also Teil des in- ternationalen Kapitalverkehrs (und somit der Globalisierung). Kennzei- chen einer Direktinvestition ist laut Internationalem Währungsfonds eine Beteiligung von mindestens 10% am Unternehmen im Ausland, wo- bei unter Berücksichtigung des Kontrollaspektes meist von einer Beteili- gung von 25% und mehr ausgegangen wird [7]. Schweizer KMU produzieren schon seit Jahrzehnten auch im Ausland. Für die Schweiz gilt, dass die Produktion der schweizerischen Industrie im Ausland die schweizerischen Exporte bei Weitem übersteigt [8]. Schwei- Tabelle 2: Kurzporträt des Schweizer Aussenhandels [6] Wichtigste Kennzahlen (Referenzjahr 2015) Bevölkerung der Schweiz (Mio Einwohner) 8.3 Bruttoinlandprodukt BIP, in Mrd. CHF 642 Exporte, in Mrd. CHF 203 Importe, in Mrd. CHF 166 Saldo Handelsbilanz, in Mrd. CHF +37 Exportquote (in % des BIP) 31.6 % Aussenhandel pro Einwohner (Importe + Exporte), in CHF 44 361 Wichtigste Handelspartner Export Deutschland 37 Mrd. CHF 18.1% USA 27 Mrd. CHF 13.5% Frankreich 14 Mrd. CHF 6.8% Wichtigste Handelspartner Import Deutschland 47 Mrd. CHF 28.2% Italien 16 Mrd. CHF 9.7% Frankreich 13 Mrd. CHF 8.0% Die drei grössten Exportbranchen Chemie und Pharmazeutika 85 Mrd. CHF 41.7% Präzisionsinstrumente, Uhren und Bijouterie 47 Mrd. CHF 23.0% Maschinen, Apparate, Elektronik 31 Mrd. CHF 15.3% Nominale Wachstumsrate – Exporte: – 2.6 % – Importe: – 6.8 % Jährliche nominale Wachstumsrate (Durchschnitt 2005–2015) – Exporte: –2.4 % – Importe: 1.0 % Wichtige Hinweise: Alle Ergebnisse über den Aussenhandel beziehen sich aus- schliesslich auf den grenzüberschreitenden Warenverkehr und auf das Konjunkturelle Total (Total 1), d.h. ohne den Handel mit Edelmetallen, Edel- und Schmucksteinen sowie Kunstgegenständen und Antiquitäten. In der Handelsbilanz bedeutet + ein Überschuss und – ein Defizit. Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 22. 24 Jahr 2010 2011 Europa 463 787 458 040 EU, davon 405 580 404 356 Luxemburg 77 500 78 674 UK 78 144 69 451 Deutschland 55 803 54 656 Niederlande 54 600 52 843 Frankreich 34 323 37 898 Offshore-Finanzzentren 40 998 36 777 Italien 25 921 25 139 Übriges Europa, davon 58 207 53 684 Russische Föderation 6945 7244 Nordamerika, davon 209 391 229 346 USA 177 520 197 582 Mittel- und Südamerika, davon 178 438 182 672 Offshore-Finanzzentren 134 748 136 695 Brasilien 23 422 22 684 Asien, davon 88 737 97 476 Singapur 17 020 19 311 Japan 14 340 14 970 China 8466 13 134 Indonesien 7280 6997 Afrika, davon 11 623 10 416 Südafrika 3934 2240 Ozeanien, davon 18 446 22 352 Australien 17 878 21 651 Quelle: Schweizerische Nationalbank (SNB) Kapitalbestände der Schweiz nach Regionen Tabelle 3: Kapitalbestände schweizerischer Direktinvestitionen im Ausland nach Regionen [4] in Mio CHF zer Unternehmen sind heute zunehmend gezwungen, an ihre Warenex- porte aus der Schweiz gekoppelte Direktinvestitionen in den Zielländern vorzunehmen. Gemäss der Schweizerischen Nationalbank beläuft sich der statistische Wert der als Produktions-, Distributions- und Forschungseinrichtungen von Schweizer Wirtschaftsakteuren im Ausland gehaltenen Direktinves- titionen per Ende 2008 auf 809 Mrd. CHF. Neben den grossen Konzernen sind auch mehrere Tausend KMU daran beteiligt. Gemeinsam beschäfti- gen sie im Ausland fast 2.44 Mio. Personen. Umgekehrt erreichte der Be- stand ausländischer Direktinvestitionen in unserem Land im Jahr 2008 467 Mrd. CHF, was 242 000 Arbeitsplätzen entspricht. Die Schweiz verfügt im Vergleich mit anderen Ländern über verhält- nismässig hohe Direktinvestitionen im Ausland. Dies zeigt sich am Ver- hältnis zwischen dem Bestand der schweizerischen Direktinvestitionen im Ausland und dem Bruttoinlandprodukt (BIP), welches gemäss der Schweizerischen Nationalbank Ende 2008 bei 149% lag. Auch in einer historischen Perspektive wird die Bedeutung von Auslandinvestitionen Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 23. 25 für die schweizerische Volkswirtschaft ersichtlich, denn seit dem Jahr 2000 hat sich der Kapitalbestand schweizerischer Investitionen im Aus- land vervierfacht [9]. Ein detaillierter Überblick über aktuelle Zahlen zu Direktinvestitio- nen findet sich auf der Webpage der Schweizerischen Nationalbank [10] und in der Nationalbankpublikation «Zahlungsbilanz und Auslandver- mögen der Schweiz 2015» [11]. Schweiz im internationalen Vergleich Gemäss verschiedenster volkswirtschaftlicher Ranglisten (Tabelle 4) be- legt die Schweiz im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz, was einen Rückschluss auf die starke Wettbewerbsfähigkeit erlaubt [4]. Die Schweiz belegt Platz 23 der Rangliste der grössten Exporteure (Tabelle 5). 2013 lag die Schweiz in der Rangliste des kaufkraftbereinig- ten Bruttoinlandprodukts auf Platz 8 [12]. Auch wenn solche Ranglisten mit einer gewissen Skepsis interpretiert werden sollten, muss die Frage gestellt werden, warum die Schweiz beim BIP deutlich besser abschnei- det als beim Export. Tabelle 6 zeigt die Entwicklung des Schweizer Aus- senhandels zwischen 1997 und 2012. Seit 2007 befindet sich der Schwei- zer Export in einer Stagnationsphase, welche nur zum Teil auf die Folgen der Finanzkrise zurückgeführt werden kann. De facto hat die Schweiz trotz guter Ausgangslage als Exportnation einen Nachholbedarf. Hinter- grundinformationen zur Interpretation der Schweizer Leistungsbilanz finden sich in der Publikation der Schweizerischen Nationalbank «Zah- lungsbilanz und Auslandvermögen der Schweiz 2015» [11]. Weltweit grösste Exporteure 2011 in Mrd. USD 1. China 1899 2. USA 1481 3. Deutschland 1474 4. Japan 823 5. Niederlande 660 6. Frankreich 597 7. Südkorea 555 23. Schweiz 235 Ranking Schweiz WEF 1 (Global Competitiveness Index 2013) IMD 2 (World Competitiveness Yearbook 2013) INSEAD 1 (The Gobal Innovation Index 2012) Transparency International 6 (Corruption Perceptions Index 2012) ETH KOF 10 (Index of Globalization 2013) The Heritage Foundation 5 (Index of Economic Freedom 2013) City Ranking 2 (Mercer 2012) (Zürich) City Ranking 8 (Mercer 2012) (Genf) City Ranking 9 (Mercer 2012) (Basel) Tabelle 5: Weltweit grösste Exporteure 2011 [4] Tabelle 4: Schweiz in volkswirtschaftlichen Ranglisten Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 24. 26 Historische Entwicklung der Schweizer Exportwirtschaft «Bei der Gründung des Bundesstaats 1848 ist die Wirtschaft der meisten Kantone bereits stark vom Weltmarkt abhängig. Mit dem Bau moderner Transportmittel wächst diese Abhängigkeit. Seit 1950 schwankt der Ex- portanteil für Waren und Dienstleistungen wertmässig zwischen 25 und 41% des Bruttoinlandproduktes. Rund ein Drittel der in der Schweiz ver- brauchten Güter kommt wertmässig aus dem Ausland, und prozentual noch mehr Arbeitsplätze in diesem Land hängen an den Fäden von Aus- landsgeschäften. Addiert man bei der Warenausfuhr die Zulieferindust- rie und bei den Bankdienstleistungen die in der Schweiz verbleibenden Erträge, so wird rund jeder zweite Franken im Ausland verdient.» [13] Einen guten Einblick in die historische Entwicklung gibt das Histori- sche Lexikon der Schweiz: Im Mittelalter intensivierten sich Handelsbe- ziehungen zwischen den Gebieten der heutigen Schweiz und den umlie- genden Ländern. Im 14. Jh. spezialisierten sich bestimmte Regionen auf den Export tierischer Erzeugnisse (z.B. Hartkäse), Textilien (Wollstoffe in Freiburg, Leinengewebe in St. Gallen) oder Leder (Freiburg). Diese Ten- denz dauerte im 16. und 17. Jh. an; Zürich setzte beispielsweise um 1650 in Heimarbeit hergestellte Textilien in Süddeutschland und Frankreich ab. Im 18. Jh., in dem sich die Baumwollindustrie in der Ostschweiz rasch ausbreitete (Baumwolle), verstärkte sich diese Entwicklung. Im 19. sowie 20. Jh. wurde dann auch die Produktpalette differenzierter: Die Ausfuhr von Textilien wurde zunächst ergänzt und schliesslich ersetzt durch jene von Uhren, Maschinen und chem. Erzeugnissen – darunter solche des wichtigen pharmazeutischen Sektors. Hatten daher 1840 die Textilien noch 72.6%, Uhren 8.2%, chemische Produkte 0.4% und Maschinen 0.1% der Ausfuhren ausgemacht, so lagen die entsprechenden Ziffern 2003 bei 1.6%, 7.8%, 34.5% und 23.6%. Die Schweizer Unternehmen begnügten sich nicht mit der Ausfuhr von Waren, sondern exportierten ab der Mitte des 19. Jh. auch Kapital in Form von Direktinvestitionen. Die Enge des Binnenmarktes, wirtschafts-, geld- und zollpolitische Massnahmen ausländischer Regierungen und auch Erwägungen bezüglich ihrer Rohstoffversorgung bewegten Firmen wie Brown Boveri & Cie., Nestlé, Ciba oder Saurer zum Aufbau von Ferti- gungseinheiten im Ausland. Am Vorabend des 1. Weltkriegs war die Schweiz das Land mit den weltweit höchsten Bruttodirektinvestitionen im Ausland pro Kopf der Bevölkerung. Ab den 1920er-Jahren übertrafen die Direktinvestitionen wertmässig die Exportkapazitäten der in der Schweiz ansässigen Unternehmen. Dieses besondere, von den multina- tionalen Konzernen geprägte Wirtschaftsprofil der Schweiz hatte über das ganze 20. Jh. Bestand. Die Schweiz hat überdies eine lange Tradition des Exports von Dienst- leistungen. Das Reislaufen leistete im 16. und 17. Jh. einen nicht zu ver- nachlässigenden Beitrag zur Schweizer Wirtschaft. Die fremden Dienste 1 ERG: Export- risikogarantie Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 25. 27 5% 4% 3% 2% 1% 0% ERG Krise1982 EntschuldungERG NewYorkerBörsenkrach1929 Kriegswende1943 300%BIP 500%BIP 1050%BIP 95%BIP Stagnation1966 Dollarabwertung,Ölkrise1973 Krise1978 Hedge-Fund-Krise1987 Wende,Krisen Börsensturz 1920 1930 1940 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010 Exporte VerwalteteVermögen 250 240 230 220 210 200 190 180 170 160 150 140 130 120 110 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 5000 4800 4600 4400 4200 4000 3800 3600 3400 3200 3000 2800 2600 2400 2200 2000 1800 1600 1400 1200 1000 800 600 400 200 ARBEITSLOSIGKEIT Exporte aus der Schweiz und ERG-Engagement1 (in Milliarden Franken) [13] ExporteundERG-EngagementinMilliardenFranken VerwalteteVermögeninMilliardenFranken Abbildung 3 Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 26. 28 linderten einerseits teilweise die chronische Unterbeschäftigung, ander- seits förderten die aus ihnen resultierenden Einkünfte die Bildung gros- ser Vermögen und trugen zu einer positiven Zahlungsbilanz sowie zur Sanierung der öffentlichen Haushalte bei. Im 18. Jh. spielten Genfer, Neuenburger, Basler und Zürcher Financiers eine bedeutende Rolle auf dem europäischen Kapitalmarkt. Die Entwick- lung der Schweiz zu einem internationalen Finanzplatz setzte allerdings erst Ende des 19. Jh. ein und vollzog sich im Wesentlichen nach dem 1. Welt- krieg. Die von den Banken im Ausland erhobenen Kommissionsgebühren wurden für die Schweizer Wirtschaft zu einem zunehmend wichtigeren Bilanzposten; 1995 belief sich der Anteil der Banken am Positivsaldo der Dienstleistungsbilanz auf fast 50%. Auch für das Versicherungsgewerbe markierte der 1. Weltkrieg einen Wendepunkt. Bis ins 20. Jh. hinein war der schweizerische Markt zum Teil von deutschen, französischen oder englischen Gesellschaften beherrscht worden, während die Schweizer Firmen im Ausland wenig präsent gewesen waren. Nach 1918 eroberten die Schweizer Versicherungen in Folge des Konkurses der grossen deut- schen Gesellschaften den Binnenmarkt und drangen sogar in den deut- schen Markt ein. Die Expansion in auswärtige Märkte ist noch nicht ab- geschlossen: 1996 stammten mehr als 60% des Prämienaufkommens der Schweizer Assekuranzen aus dem Ausland. Für die Zeit vor Mitte des 20. Jh. ist es mangels Zahlen schwierig, die Bedeutung der Ausfuhren für die Schweizer Wirtschaft zu ermessen. Von 1950 an schwankte der Exportanteil für Waren und Dienstleistungen am Inlandprodukt zwischen 25 und 40%, wobei die Warenausfuhren weiterhin überwogen. Im Zeitraum von 1960 bis 1990 betrug der Mittel- wert 33.2%, während er sich in den OECD-Ländern auf 15.8% belief. Wenn man die indirekten Auswirkungen dieser Exportaktivitäten (öffentliche Arbeiten, Binnentransporte) berücksichtigt, so scheint die oben zitierte Aussage, jeder zweite Schweizer Franken werde im Ausland verdient, die Verhältnisse in etwa zu treffen. Allerdings sind einige Branchen stärker von äusseren Absatzmärkten abhängig als andere. Das frappierendste Bei- spiel dafür ist die Schweizer Uhrenindustrie, die seit dem 19. Jh. an die 90% ihrer Produktion ausführt [14]. Abbildung 3 zeigt die historische Entwicklung der Schweizer Exporte und der im Ausland verwalteten Vermögen. Trotz kurzzeitiger Rückschläge während der beiden Weltkriege und den Wirtschaftskrisen ist ein stetiges und seit der zweiten Hälfte der Sechzigerjahre starkes Wachstum zu ver- zeichnen (deutlich erkennbar sind die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise nach dem Jahr 2008). Dabei ist das Wachstum der in der Schweiz verwalteten Vermögen deutlich grösser als jenes der Exporte. Vereinfacht ausgedrückt, wächst der Finanzplatz deutlich schneller als der exportorientierte Werkplatz. Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018
  • 27. 29 Exporte in Mrd. CHF 105 109 114 127 132 136 135 146 157 177 198 206 181 193 198 201 Importe 103 107 113 129 130 128 129 137 149 165 184 187 160 174 174 177 Jahr 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 Exporte Importe 250 000 200 000 150 000 100 000 50 000 0 Tabelle 6: Entwicklung des Schweizer Aussen- handels [4]. Aktuellere Daten: Exporte 2013: 201, 2014: 208. Importe 2013: 178, 2014: 179 (in Mrd. CHF) [15] Entwicklung des Schweizer Aussenhandels (in Mio. CHF) Leseprobe aus: B.G. Kiefer, U. Gerspacher (Hrsg.), Finanzierung von Exporten und Direktinvestitionen © vdf Hochschulverlag 2018