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Innovationen
kreiEren
UND
patenTrechtlich
schützen
Claudius R. Dietzsch
 
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­
­Wissen das eigentliche Ziel – das Vorantreiben von Inno-
vationen – zu erreichen.
vdf Hochschulverlag AG
an der ETH Zürich
www.vdf.ethz.ch
verlag@vdf.ethz.ch
ISBN: 978-3-7281-3672-5
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kreiEren
UND
patenTrechtlich
schützen
Claudius R. Dietzsch
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an der ETH Zürich
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation
in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische
Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Das Werk einschliesslich aller seiner Teile ist urheberrechtlich
geschützt. Jede Verwertung ausserhalb der engen Grenzen
des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages
unzulässig und strafbar. Das gilt besonders für Vervielfältigungen,
Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung
und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
ISBN: 978-3-7281-3672-5 (Printausgabe)
ISBN: 978-3-7281-3673-2 (E-Book)
DOI: 10.3218/3673-2
© 2015, vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich
verlag@vdf.ethz.ch
www.vdf.ethz.ch
Vorwort
Den Fundus zu dieser Publikation bilden meine Vorlesungs- und Kursunterlagen, die ich
über viele Jahre erarbeitet habe und die ich auch in meinen Unternehmensberatungen
verwende. Bald 35 Jahre praktische Berufserfahrung spiegeln sich darin wider. Die Wur-
zeln dazu liegen bereits in den Pionierleistungen meiner Vorfahren begründet.
Väterlicherseits waren dies mein Urgrossvater sowie mein Grossvater, die im Erzgebir-
ge einen Textilbetrieb mit mehr als 2000 Mitarbeitenden gründeten und führten: Die
E. Richard Dietzsch Strumpf- undWirkwaren-Fabriken inGeyer gehörten zu den grossen
Textilbetrieben in Deutschland in den 30er- und 40er-Jahren des 20.Jahrhunderts. Mein
Vater, der bereits in dieser Firma tätig war, verselbständigte sich 1958 in der Schweiz
und entwickelte in seinem kleinen Institut in Stein am Rhein innovative Werkstoffe und
Baumaterialien.
Mütterlicherseits ist mein Urgrossvater Heinrich Boecker zu nennen, der mit seinem
mikroskopischen Institut in Wetzlar im vorletzten Jahrhundert und zu Beginn des
20. Jahrhunderts Pionierleistungen auf dem Gebiet der Herstellung pflanzlicher und
tierischer Präparate erbrachte, die er weltweit vertrieb und die internationale Hoch-
achtung erfuhren. Heinrich Boecker und seine Brüder pflegten einen engen Kontakt zur
Firma Ernst Leitz in Wetzlar.
Der innovative Pioniergeist lebt in mir weiter und es gibt Ansätze, die darauf hindeuten,
dass dieser Genius in unseren drei Kindern eine Fortsetzung erfahren darf.
Ich widmedieseVeröffentlichung meinen lieben ElternOtto undJutta Dietzsch-Boecker
sowie meiner lieben FrauChristine und unserendrei KindernSonja, Patricia undAndreas.
Ein spezieller Dank geht an Angelika Rodlauer, vdf Hochschulverlag an der ETH Zürich,
für ihre ausgezeichnete Lektoratsarbeit.
In Dankbarkeit auf das Vergangene sehe ich einer innovativen Zukunft mit Spannung
und Freude entgegen.
Dr. Claudius R. Dietzsch im Sommer 2015
Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
zur Publikation: http://vdf.ch/innovationen-kreieren-und-patentrechtlich-schutzen.html
5
Vorwort............................................................................................................................... 9
1 Erfolgsfaktoren in der Technologie­entwicklung......................................................11
Projektleitung........................................................................................................................11
Markt......................................................................................................................................12
Projektarbeit und Projektfortschritt................................................................................13
Bedeutung des geistigen Eigentums (Intellectual Property, IP).................................14
2  Patente: Bereits im Front End of Innovation?..........................................................17
Erstens: Monitoring............................................................................................................. 17
Zweitens: Markt...................................................................................................................18
Drittens: Innovation............................................................................................................19
Viertens: Schutz geistigen Eigentums..............................................................................20
3 Ideen – unternehmerische Machbarkeit und industrielle Verwertung................21
Erfassen einer komplexen Fragestellung in einem Matrix-System............................21
Mehrere Hierarchieebenen................................................................................................24
Bewertungen........................................................................................................................27
Der Brückenschlag zum Quality Function Deployment...............................................29
Das zum Erfolg führende Patent...................................................................................... 30
Eine praktische Anwendung...............................................................................................32
4 Technologietransfer:
Eine Chance für die Industrie....................................................................................33
Horizontaler und vertikaler Technologietransfer..........................................................33
Beherrschung und Bewältigung von Schnittstellen..................................................... 34
Technologietransfer durch Personentransfer.................................................................35
Beschaffung von Information............................................................................................37
Technologietransfer in der Unternehmensberatung.................................................... 38
Hemmschwellen im Technologietransfer.......................................................................39
5 Mit Qualitätskontrollen den Produktpiraten an den Kragen............................... 41
Produktpiraterie im Maschinenbau..................................................................................42
Qualitätskontrollen in Eigenschaftsklassen...................................................................42
Qualitätsprüfungsmodule.................................................................................................42
Beispiel: Einsatz in der Maschine..................................................................................... 43
Hoher Qualitätsstandard...................................................................................................45
Ein Brückenschlag zum Entwicklungsprozess.................................................................45
Produktpiraten werden es schwerer haben....................................................................47
Inhaltsverzeichnis
Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
6
6 Entwicklungsprojekte – erfolgreich durchgeführt.................................................49
PLANUNG............................................................................................................................ 49
Auftrag und Entwicklungsziel........................................................................................... 49
Stand der Technik................................................................................................................50
Theoretische Vorbereitungen............................................................................................50
Entwicklungsplan.................................................................................................................51
Vorbereitung von Versuchen im Projekt..........................................................................54
DURCHFÜHRUNG..............................................................................................................54
AUSWERTUNG....................................................................................................................57
Resultate...............................................................................................................................57
Wirtschaftlichkeit................................................................................................................57
Bewertung.............................................................................................................................57
Berichterstattung................................................................................................................58
INFORMATIONSRÜCKFÜHRUNG...................................................................................59
SCHUTZ GEISTIGEN EIGENTUMS...................................................................................59
7  Konstruktionsmethodik für den Praktiker................................................................61
Ausarbeitung einer Anforderungsliste.............................................................................61
Bestimmung der Funktionsstruktur.................................................................................63
Bestimmung des Konzepts................................................................................................ 64
Schritt 1: Wirkprinzipien und Funktionsträgerklassen............................................ 64
Schritt 2: Funktionsträger kombinieren und deren Beziehungen
untereinander prüfen.................................................................................. 64
Schritt 3: Grundanordnungen bestimmen.................................................................65
Schritt 4: Bewertung der Konzeptvarianten..............................................................65
Bestimmung des Vorentwurfs.......................................................................................... 66
Eindimensionale Bewertung............................................................................................. 66
Mehrdimensionale Bewertung..........................................................................................69
Bestimmung des Entwurfs.................................................................................................70
Detaillieren, Ausarbeiten.................................................................................................... 71
QFD: Das Haus der Qualität.............................................................................................. 71
8 Patente – ein effizientes Werkzeug für Entwicklungsfachleute
und Produktmanager ................................................................................................. 73
Zur Idee des Patents............................................................................................................73
Von der Idee zum Prototyp: Der Ablauf eines Entwicklungsprojekts........................74
Patente unterstützen drei Ziele........................................................................................76
Ermittlung des Standes der Technik über eine Patentrecherche................................76
Gedanken zur Anmeldung eines Patents.........................................................................78
9  Entwicklungscoaching mit Patenten....................................................................... 81
Schritt 1: Patentrecherche.................................................................................................81
Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
7
Schritt 2: Patentdokumente gruppieren, Schutzbereiche identifizieren.................. 83
Schritt 3: Ermittlung der Freiräume durch Merkmalsanalyse.................................... 84
Schritt 4: Konzepterarbeitung...........................................................................................85
Schritt 5: Mehrdimensionale Bewertung....................................................................... 86
Schritt 6: Quality Function Deployment (QFD).
Kundenwünsche in Relation zu Zielforderungen........................................ 89
Schritt 7: Patentanmeldung.............................................................................................. 90
10 Abstraktion und Morphologie – ein Weg zum Patent.......................................... 91
Die Analyse.........................................................................................................................91
Wirkprinzipien und Funktionsträger im morphoplogischen Kasten........................92
Innovative Lösungen.........................................................................................................95
Schutz des geistigen Eigentums durch eine Patentanmeldung................................95
11  Wie lese ich ein Patent?............................................................................................99
Aufbau eines Patentdokuments......................................................................................99
Bibliografische Angaben................................................................................................99
Beschreibung.................................................................................................................101
Patentansprüche...........................................................................................................105
Zeichnungen..................................................................................................................106
Status eines Patentdokuments.....................................................................................107
Tipps zum Studium eines Patentdokuments..............................................................107
«Wissen, was es gibt»....................................................................................................107
«Abklärung des Schutzes»............................................................................................ 108
12  Wie hoch ist der Wert eines Patents?..................................................................109
Erfindung............................................................................................................................111
Patentschutz......................................................................................................................111
Markt.................................................................................................................................. 112
Konkurrenz........................................................................................................................ 112
Strategie............................................................................................................................113
Bewertung.........................................................................................................................114
13 Leistungsindikatoren zur Beurteilung von Patentportfolios.............................119
Patentportfolio eines Unternehmens..........................................................................119
Differenzierte Auswertungen innerhalb der Firma....................................................120
Fünf Kennzahlen.............................................................................................................. 121
Analyse in vier Dimensionen.........................................................................................125
Nachhaltige Entwicklungstätigkeit..............................................................................127
14 Die Patentstabstelle im Industrie­unternehmen................................................ 129
Identifikation schützenswerter Erfindungen..............................................................130
Stand der Technik: Bedeutung und Ermittlung.......................................................... 131
Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
8
Abgrenzung der Erfindung gegenüber dem Stand der
Technik...............................................................................................................................132
Vorbereitung einer Patentanmeldung.........................................................................132
Einbinden einer Patentanwaltskanzlei.........................................................................133
Dokumentation................................................................................................................135
Schulung der Fachspezialisten und Produktmanager...............................................135
Kostentransparenz und Budgetierung.........................................................................136
Der Autor........................................................................................................................ 137
Anhang............................................................................................................................139
Patentämter.......................................................................................................................139
Patentdatenbanken im Internet.....................................................................................139
Dienstleister für Patentrecherchen,
Literatur- und Wissensdatenbanken............................................................................. 140
Weiterführende Literatur................................................................................................ 140
Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
11
1	 Erfolgsfaktoren in der Technologie­
entwicklung
Auf die richtige Karte bei derTechnologieentwicklung zu setzen, kann für den Erfolg eines
Unternehmensentscheidendsein.LangfristigesVorausschauenistmitChancen,Risikenund
Unsicherheiten verbunden. Hier beleuchten wir nur ein paar Aspekte, die für einGelingen
bei Prozessen in derTechnologieentwicklung mitverantwortlich sind.
Projektleitung
Selbstverständlich werden sehr hohe Anforderungen an einen Projektleiter gestellt.
Nachdiplomstudien und Kurse bieten zuhauf Schulungsmöglichkeiten an. In der Praxis
lassen sich die Kenntnisse ergänzen und führen zum ersehnten Erfahrungsschatz. Zum
erworbenenWissen und Können gehören heutzutage international ausgerichtete Fähig-
keiten: Nebst Sprachkenntnissen wird eine weltweite interdisziplinäre Zusammenarbeit
mit und in Teams gefordert. Die Akzeptanz fremder Kulturen und ein Verständnis für
unterschiedliche Arbeitsphilosophien bilden wichtige Voraussetzungen.
Erfolgreiche Projektleiter identifizieren sich stark mit der ihr gestellten Aufgabe. Eine
überaus intensive Auseinandersetzung mit sämtlichen damit verbundenen Belangen
gehört zu seinen Kerninteressen. Wie die Praxis lehrt, muss um den Erfolg oft mit hoher
Selbstdisziplin und Systematik, sowie mit Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen ge-
rungen werden. Der beste Projektleiter steht allein da, wenn das oder die Teams nicht
mitspielen. Auch an dieTeammitglieder stellen sich hohe Anforderungen, insbesondere
fachlicher Natur und auf eine kooperative Zusammenarbeit hin ausgerichtet, aber auch
interdisziplinär und zu einem gewissen Grad auch interkulturell.
Projektleiter verfügen über eine hohe Überzeugungskraft gegenüber dem Auftraggeber,
der je nach Situation ein betriebsinterner Vorgesetzter oder ein externer Kunde sein
kann. Exzellente Projektleiter stellen ihren Auftraggeber nicht nur zufrieden, sondern
informieren ihn regelmässig überden Projektfortschritt,die wichtigsten Zwischenergeb-
nisse in prägnanter Form und wecken in ihm eine Begeisterung für die Findung weiterer
nachhaltiger Innovationsideen.
Ich erinnere mich gut an einen top ausgebildeten Mitarbeiter, der ein Maschinenbau- und
einElektrotechnikstudiumabsolvierthatte.IhmmangelteesallerdingsanderFähigkeit,die
eigentlichenProblemezuerkennen.UntergrossemEinsatzarbeiteteerstetsanperipheren
Fragestellungen und verlor damit das eigentliche Projektziel aus denAugen.Wissen allein
genügt nicht, es will und muss umgesetzt werden können.
Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
12 Erfolgsfaktoren in der Technologie­entwicklung
Markt
Ist der Markt überhaupt bereit, die neue Technologie aufzunehmen? Zur Eigenart einer
Innovation gehört,dass sie erstdann eine ist, wenn sievom Markt aufgenommen wurde.
Die beste Idee mündet nicht in eine Innovation, wenn sie nicht absetzbar ist!
Ein eindrückliches Beispiel ist die Entwicklung des Airbags. So stammt beispielsweise die
Idee für einen Airbag im Automobil zur Erhöhung der Sicherheit bei Verkehrsunfällen aus
dem Jahr 1951 (Bild 1.1 ): In der deutschen Patentschrift Nr. 896 312, in der als Erfinder
ein Walter Linderer genannt wird, heisst es schlicht im Hauptanspruch: «Einrichtung zum
SchutzevoninFahrzeugenbefindlichenPersonengegenVerletzungenbeiZusammenstös-
sen, dadurchgekennzeichnet, dass indem Fahrzeug einaufblasbarer,wenigodergar nicht
luftdurchlässiger,vorzugsweiseelastischerBehälterderartinderNähederzuschützenden
Personangebrachtist,dasser,durcheineVorrichtungaufgeblasen,sichvordenOberkörper
der zu schützenden Person legt.» Die ersten Patente hingegen, die eine wirtschaftliche
Nutzung des Airbags ermöglichten, folgten erst 20 Jahre später! Der Markt war also im
Jahre 1951 für diese nutzbringende Idee noch gar nicht reif.
Bild 1.1: Prinzip desAirbags nach der deutschen Patentschrift Nr. 896 312 von 1951 (Zeich-
nung gemässOriginal): «Einrichtung zum Schutze von in Fahrzeugen befindlichen Personen
gegenVerletzungen bei Zusammenstössen, dadurch gekennzeichnet, dass in dem Fahrzeug
ein aufblasbarer, wenig oder gar nicht luftdurchlässiger, vorzugsweise elastischer Behälter
derart in der Nähe der zu schützenden Person angebracht ist, dass er, durch eineVorrichtung
aufgeblasen, sich vor denOberkörper der zu schützenden Person legt.»
Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
Claudius R. Dietzsch13
Der profunde Projektleiter muss von sich selbst abverlangen, dass er sich auch um
Marktaspekte kümmert. Bei Dienstleistungen kann der Markt ein betriebsinterner oder
ein externer, sprich Kunde, sein. Marktstudien sind ein Muss. Mit der schnellen Ver-
änderungsrate der Marktbedürfnisse sind rasche Reaktionen gefragt. Entsprechende
Bedingungen, die sich aus marktspezifischen Randbedingungen ergeben, wie der Eintritt
in einen Pioniermarkt oder in einen Verdrängungsmarkt, beeinflussen den Entwick-
lungsprozess stark, ebenso ein zu erwartendes Marktvolumen und ein abzuschätzendes
Marktpotenzial.
Projektarbeit und Projektfortschritt
Entwicklungsprozesse fordern von allen Involvierten eine Weitsicht, die sich auf das
Wesentliche fokussieren lässt. Die Kunst dabei ist, das richtige Mass an Weitsicht zu
finden. Eine streng fokussierte Projektarbeit lässt Chancen verpassen. Wird das Feld zu
weit gesteckt, leidet die Zielorientierung. Ein cleverer Kompromiss kann erstaunliche
Innovationen hervorrufen und gleichzeitigden Projektfortschritt unterstützen. Hier lohnt
sich ein Denken inSzenarien:Genaues Durchdenken mehrerer möglicherWege,objektive
Bewertung und Entscheidfällungfürdie nächstenSchritte.JederSchritt mussdie Projekt­
arbeit weiterbringen, beziehungsweise nach derVollendung betrachtet, weitergebracht
haben. Dazu gehört das proaktiveVoraussehen zu erwartender Ergebnisse. Experimente
undVersuche sollen erst begonnen werden, wenn Kausalzusammenhänge qualitativ im
Voraus überlegt worden sind. Messungen führen dann entweder zu einer Bestätigung
oder zu nicht erwarteten Resultaten. Im zweiten Falle muss ein höheresVerständnis für
das Zusammenspiel verschiedener Faktoren erarbeitet werden, bevor weitergemessen
oder die Projektarbeit fortgesetzt wird.
Stets muss sich auchdie Frage gestellt werden:Was passiert mitden erarbeiteten Ergeb-
nissen? Welches sind die Konsequenzen? Was macht der Auftraggeber mit dem neuen
Wissen und bis wann tut er dies? Es ist absolut sinnlos, Projektarbeit zu leisten, die in
keiner Art und Weise zu irgendwelchen Konsequenzen führt.
Projektfortschritt ist nicht gleich Projektfortschritt: Beim Form- und Abpackprozess von
blockartigen Butterstücken können schichtenartige Strukturen in der Butter entstehen,
diezumAuseinanderfallenvongeschnittenenButterscheibenführen.FranzösischeKunden
bemängeltendiesundfordertenAbhilfe. DiesesProblemwarlösbar. EntsprechendeMass-
nahmen liessen hingegen an der Oberfläche des Butterstücks ringförmige Strukturen er­
kennen. Dies störteden Kundenaus Frankreich nicht – ein Fortschrittwurde erzielt –,wohl
aber denjenigen aus Norwegen! Ein Fortschritt in Frankreich kann also einen Rückschritt
in Norwegen bedeuten. Dem einen sein Uhl ist dem anderen sein Nachtigall, wie ein altes
Sprichwort sagt …
Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
14 Erfolgsfaktoren in der Technologie­entwicklung
Positive Überraschungen beleben ein Technologieentwicklungsprojekt. Nutzen wir also
die verschiedenen bekannten Kreativitätsmethoden und -techniken, um ein Klima zu
schaffen, ausdem mit hoherWahrscheinlichkeit einzigartige Innovationen hervorgerufen
werden können.
Bedeutung des geistigen Eigentums (Intellectual Property, IP)
Projektleiter sollten nicht nur über Basiskenntnisse im Patentwesen verfügen, sondern
vor allem die Bedeutung der Patente als «Werkzeuge für Entwicklungsingenieure und
Produktmanager» kennengelernt haben. Patente bieten ein grosses Potenzial für die
Generierungvon Ideen undfür eine zielgerichtete Lösungsfindung. Dieses Potenzial wird
noch viel zu wenig ausgenutzt.
Das geistige Eigentum, insbesondere in Form publizierter Patentliteratur, begleitet einen
Technologieentwicklungsprozess am bestenvon Beginn an. Die Patentliteraturoffenbart
den grösstenTeil des Standes derTechnik, also technisches Wissen, welches der Öffent-
lichkeit zugänglich ist. Kostenlose Datenbanken im Internet, wiedas www.espacenet.ch,
erlauben jedermann den Zugang. Nebst in andererWeise aufbereitbarer Informationen,
wie beispielsweise über Fachliteraturrecherchen, wissenschaftliche Studien, Lieferan-
tenkataloge, Prospektmaterial etc., erhält man zusammen mit Patentrecherchen das
notwendige Basiswissen für einen gut vorbereiteten Einstieg ins Projekt.
Patentliteratur zeigt auf, woran die Mitbewerberschaft arbeitet und was sie zu schützen
gedenkt. Eine Patentanmeldung wird 18 Monate nachAnmeldedatum publiziert.Obwohl
Patente in der Regel erst nach einigen Jahren zur Erteilung gelangen, erlangt man über
dieveröffentlichtenAnmeldungen Kenntnis über den technischenGehalt. Dies regt zum
Denken an und fördert die Findung neuer Lösungsansätze. Beim Studieren von Patent­
literatur ergibt sich eine Katalysatorwirkung, die gute Ideen hervorrufen kann.
Analysen von Patentrecherchen lassen technologische Stossrichtungen erkennen. Dass
Erfindungen zu gewissen Funktionen in technischen Systemen bevorzugt zum Schutz
angemeldet werden,deutet aufderenAktualität hin. Die KenntnisdieserTatsache liefert
wertvolle Hinweise, in welche Richtung die zu entwickelnde Technologie genialerweise
getrieben werden soll.
Die Länderabdeckung des Patentschutzes ist ein Indiz für die Märkte. Macht ein Unter-
nehmen in einem bestimmten Land Patentrechte geltend, ist dies damit verbunden,
dass die Firma in diesem Land herstellen und/oder vertreiben möchte, oder aber, dass
ein Mitbewerber dort seinen Sitz hat. Patente und deren Anzahl in bestimmten Ländern
lassen Rückschlüsse auf die dortige Marktsituation zu.
Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
Claudius R. Dietzsch15
Die weit geläufigere Funktion von Patenten ist deren Schutzfunktion. Patente schützen
Erfindungen, die neu sind und auf erfinderischerTätigkeit beruhen. Mit der Errichtung von
Patenten lässt sich ein wirtschaftliches Monopol auf bestimmte Zeit, maximal 20 Jahre
beziehungsweise 21 Jahre inklusive Prioritätsjahr, begründen. Das heisst, dieVerwendung
einer Erfindung unter Ausschluss Dritter bleibt in diesem Zeitraum dem Patentinhaber
vorbehalten. Ein eigenes Patent blockiert die Mitbewerberschaft, die gleiche Erfindung
wirtschaftlich nutzen zu können. Patente können verkauft oder verlizenziert werden. Eine
Lizenz, in Form einer Einzel- oder einer Exklusivlizenz, lässt sich auch nur auf einenTeil des
gesamten Schutzumfangs beschränken, zum Beispiel auf ausgewählte Anwendungen in
ganz bestimmten Märkten und Ländern. Es können Zulieferanten Nutzungsmöglichkeiten
an einem Patent eingeräumt werden, um sicherzustellen, dass nach diesem Patent herge-
stellteZulieferprodukteausschliesslichdemPatentinhaberzustehen.EigeneSchutzrechte
verbessern meist schwierige Situationen bei Patentstreitigkeiten. Man gewinnt dadurch
Handlungsspielraum und hat etwas hinsichtlich einer möglichen gütlichen Einigung inder
Hand, bevor es vor Gericht geht: Crosslizensing ist eine Alternative.
Der Besitzvon Patenten erhöhtdenWert einerUnternehmung. Dabei stellt sich natürlich
die Frage:Wie hoch istderWert eines Patents? Diesbezüglich sei auf Kapitel 12verwiesen.
Nebst der Errichtung von Patenten gehören auch andere Schutzrechtsmechanismen in
die Schutzstrategie einer Firma, an die gedacht werden müssen, wie beispielsweise der
Markenschutz, der Designschutz, die Geheimhaltung und der Umgang mit Know-how.
Ein Projektleiter sollte eine Schlüsselfigur sein. Mit dem in diesem Abschnitt skizzierten
Zusatzwissen und entsprechenden zusätzlichen Fähigkeiten kann er seinen spannenden
Beruf zu seiner persönlichen Berufung ausweiten, die ihn einerseits mitTatkraft ausstat-
tet, mit Begeisterung erfüllt und anderseitsderWirtschaft zu nachhaltigen Innovationen
verhilft (Bild 1.2).
Bild 1.2:Technologieentwicklung – ein Schlüssel zum Erfolg
Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
17
2	 Patente: Bereits im Front End of Innovation?
Eine proaktive Schutzrechtsstrategie bildet sich bereits im Front End eines Innovations­
prozessesab (Bild 2.1). Indieser frühen Zeitspannevonder Entdeckung einer Marktchance
biszumfertigenIdeenkonzeptliegteingrossesPotenzialbegründetfüreinenerfolgreichen
Innovationsprozess sowie fürdie Sicherung patentrechtlicher Schutzrechte imVorfeldder
Entwicklung.
Bild 2.1: Front End of Innovation
Der Einbezug von Patentliteratur bildet dabei von Beginn an einen wesentlichen Mosa-
ikstein, der sich am Schluss als massgeblicher Faktor für den Erfolg erweisen kann, näm-
lich gerade dann, wenn entsprechende Schutzrechtsmassnahmen bereits in einem sehr
frühenStadium getroffen werden.Wir betrachten und analysieren dazuvierTeilaspekte:
Erstens: Monitoring
Für die Bestimmung des Suchfeldes steht nebst verschiedenen Quellen auch die Pa-
tentliteratur zur Verfügung. Weit über 80 % des technischen Wissens liegen in Form
von Patentdokumenten vor. Unter Patentdokumenten versteht man publizierte Patent­
anmeldungen und erteilte Patente.
Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
18 Patente: Bereits im Front End of Innovation?
Nachforschungen indiesem Informationsfundus lohnen sich und regen zu Denkanstössen
an. Es geht hierbei vorerst um die Sammlung technischer Aspekte und noch keineswegs
umSchutzrechtsabklärungen. Mehr als 90 % aller Patente sind ohneSchutz und können
frei genutzt werden: Spätestens nach 20 Jahren sind sie abgelaufen, und viele gelangten
gar nie bis zur Erteilung.Wieder andere wurden ausdiversenGründenfallengelassen und
eine weitere Anzahl wurde zwar erteilt, ist aber aufgrund später aufgetauchten älteren
Standes der Technik nicht durchsetzbar. In diesem Stadium dient die Patentliteratur als
technische Information und zur Unterstützung bei der Absteckung des Suchfeldes.
Recherchen lassen sich auf verschiedene Technologiefelder fokussieren. In Sach-, Pa-
tentklassen- und Namensrecherchen finden sich effizient wesentliche Informationen,
die die eigentliche Entwicklung massgeblich befruchten.Als ein Ergebnis dieserArbeiten
kristallisieren sich auchdie Patentportfoliosder Mitbewerberschaft heraus, zumindest in
einer ersten Übersicht. Patentdatenbanken bilden einen Teil der Quellen. Fachliteratur
und Internet bieten weitere Möglichkeiten, um das Monitoring abzurunden.
Zweitens: Markt
Wo liegendie Kundeninteressen? Die Ergebnisseder erstenVorphase liefern bei entspre-
chenderAnalyse wertvolle Impulse: Patentdokumente zeigen auf, welcheTechnikenoder
Technologien in welchen Bereichen zur Anwendung kommen und in welche Richtungen
Neu- und Weiterentwicklungen wirtschaftlich interessant sein könnten.
Wenn eine Firma in einem bestimmten Land Patentrechte geltend macht, ist dies damit
verbunden, dass das Unternehmen in diesem Land entsprechende Produkte anbieten,
herstellen und/oder verkaufen möchte. Bestimmte geschützte Produkte oderVerfahren
in bestimmten Ländern lassen auf Marktpotenziale schliessen.
Kundenbefragungen und Marktstudien können in Zusammenhang mitden Resultatender
vorangegangenen Recherchen gebracht werden. Manche Aussagen aus den Marketing-
untersuchungen lassen sichoft bestätigenoder aber sie gebenAnlass zur Hinterfragung.
Die Geschäftsstrategie und die firmeneigenen Interessen haben hier grossen Einfluss.
Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
Claudius R. Dietzsch19
Drittens: Innovation
An diesem Punkt ist ingeniöses Denken gefragt. Die bisher aufbereiteten Informationen
gelangen in die F  E–Abteilung (Forschung und Entwicklung). Eine geeignete Präsenta-
tionsweise vor den Entwicklungsfachleuten legt einen fruchtbaren Boden, woraus neue
und innovative Ideen keimen und worauf sie gedeihen können.
Eine firmeninterne Moderation behandelt beispielsweise die Frage: Welche Funktionen
treten beim neu zu entwickelnden technischen System auf und welche Aspekte spielen
eine Rolle?
Unter Leitung eines Moderators führt man Kärtchenabfragungen im Team durch. Das
Team besteht aus Mitgliedernder Entwicklungsgruppe,verstärkt mit Fachleuten aus Mar-
keting undVerkauf. Es folgen ein gemeinsames Ordnungschaffen unter den ermittelten
Aspekten und Suchen entsprechender Oberbegriffe. Die Visualisierung an der Pinwand
bildet die Basis für eine Strukturanalyse des später zu entwickelnden technischen Sys-
tems. Es resultiert eine abstrakte Funktionsstruktur. Diese stellt Funktionalitäten und
deren Relationen untereinander dar. In einer morphologischen Matrix lassen sich für
einzelne Funktionalitäten Wirkprinzipien und Funktionsträger systematisch erfassen.
Diedurchgeführten Patentrecherchen liefern hierzu konkreteAusführungen und Impulse
für die Innovation! Eine Synthese sich eignender Funktionsträger unter der Randbedin-
gung der Kompatibilität untereinander führt zu Konzeptvarianten, die schliesslich einer
Bewertung unterzogen werden. Diese Methode erhöht die Chance erheblich, auch nicht
naheliegende Lösungsansätze zu finden. Es resultiert eine Selektion grundsätzlicher
Lösungsansätze, die es im Entwicklungsprojekt weiterzuverfolgen gilt.
Quality Function Deployment (Qualitätsfunktionendarstellung,QFD) gestattet schliess-
lich, die Beziehungen zwischen Kundenwünschen und Zielforderungen darzustellen und
diejenigen Funktionalitäten herauszuschälen,die bei entsprechenderOptimierung einen
signifikant höheren Kundennutzen herbeiführen können.
Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
20 Patente: Bereits im Front End of Innovation?
Viertens: Schutz geistigen Eigentums
Dabei geht es um die Besetzung strategischer Erfindungsfelder. Es sollen nicht nur
konkretere Erfindungen aus Lösungskonzepten geschützt werden, sondern auch Ge-
biete im Umfeld des eigentlichen zu entwickelnden Produktes mit Patentanmeldungen
abgesteckt werden. Hauptzweck in dieser Vorphase ist es, mittels einer ersten Patent­
anmeldung zu verhindern, dass Mitbewerber infolge eigener Anmeldungen die geplante
Entwicklung blockieren könnten. Ein gewisserSystemschutzoder einSchutz wahrschein-
licher Schlüsselerfindungen ist jetzt angesagt.
Den vier skizzierten Vorphasen «Monitoring», «Markt», «Innovation» und «Schutz
geistigen Eigentums» folgt der eigentliche Entwicklungsprozess, gegliedert in mehrere
Arbeitsphasen (Stages),diedurch Kontrollpunkte (Gates)voneinander getrennt sind. Die
sorgfältigenAbklärungen indervorgelegten Front-End-Phase unter Einbezugdes riesigen
Fundus der Patentdokumente bilden eine optimale Plattform für die eigentliche Ent-
wicklung und die anschliessend erfolgreiche Lancierung neuer innovativer Produkte im
Markt sowie eineAnkurbelung eines unsereWirtschaft weiterbringendenWettbewerbs.
Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015

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Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen (Claudius R. Dietzsch):Leseprobe

  • 1. Innovationen kreiEren UND patenTrechtlich schützen Claudius R. Dietzsch   ­ ­ ­Wissen das eigentliche Ziel – das Vorantreiben von Inno- vationen – zu erreichen. vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich www.vdf.ethz.ch verlag@vdf.ethz.ch ISBN: 978-3-7281-3672-5 +
  • 3. Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Das Werk einschliesslich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ausserhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt besonders für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. ISBN: 978-3-7281-3672-5 (Printausgabe) ISBN: 978-3-7281-3673-2 (E-Book) DOI: 10.3218/3673-2 © 2015, vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich verlag@vdf.ethz.ch www.vdf.ethz.ch
  • 4. Vorwort Den Fundus zu dieser Publikation bilden meine Vorlesungs- und Kursunterlagen, die ich über viele Jahre erarbeitet habe und die ich auch in meinen Unternehmensberatungen verwende. Bald 35 Jahre praktische Berufserfahrung spiegeln sich darin wider. Die Wur- zeln dazu liegen bereits in den Pionierleistungen meiner Vorfahren begründet. Väterlicherseits waren dies mein Urgrossvater sowie mein Grossvater, die im Erzgebir- ge einen Textilbetrieb mit mehr als 2000 Mitarbeitenden gründeten und führten: Die E. Richard Dietzsch Strumpf- undWirkwaren-Fabriken inGeyer gehörten zu den grossen Textilbetrieben in Deutschland in den 30er- und 40er-Jahren des 20.Jahrhunderts. Mein Vater, der bereits in dieser Firma tätig war, verselbständigte sich 1958 in der Schweiz und entwickelte in seinem kleinen Institut in Stein am Rhein innovative Werkstoffe und Baumaterialien. Mütterlicherseits ist mein Urgrossvater Heinrich Boecker zu nennen, der mit seinem mikroskopischen Institut in Wetzlar im vorletzten Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts Pionierleistungen auf dem Gebiet der Herstellung pflanzlicher und tierischer Präparate erbrachte, die er weltweit vertrieb und die internationale Hoch- achtung erfuhren. Heinrich Boecker und seine Brüder pflegten einen engen Kontakt zur Firma Ernst Leitz in Wetzlar. Der innovative Pioniergeist lebt in mir weiter und es gibt Ansätze, die darauf hindeuten, dass dieser Genius in unseren drei Kindern eine Fortsetzung erfahren darf. Ich widmedieseVeröffentlichung meinen lieben ElternOtto undJutta Dietzsch-Boecker sowie meiner lieben FrauChristine und unserendrei KindernSonja, Patricia undAndreas. Ein spezieller Dank geht an Angelika Rodlauer, vdf Hochschulverlag an der ETH Zürich, für ihre ausgezeichnete Lektoratsarbeit. In Dankbarkeit auf das Vergangene sehe ich einer innovativen Zukunft mit Spannung und Freude entgegen. Dr. Claudius R. Dietzsch im Sommer 2015 Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015 zur Publikation: http://vdf.ch/innovationen-kreieren-und-patentrechtlich-schutzen.html
  • 5. 5 Vorwort............................................................................................................................... 9 1 Erfolgsfaktoren in der Technologie­entwicklung......................................................11 Projektleitung........................................................................................................................11 Markt......................................................................................................................................12 Projektarbeit und Projektfortschritt................................................................................13 Bedeutung des geistigen Eigentums (Intellectual Property, IP).................................14 2  Patente: Bereits im Front End of Innovation?..........................................................17 Erstens: Monitoring............................................................................................................. 17 Zweitens: Markt...................................................................................................................18 Drittens: Innovation............................................................................................................19 Viertens: Schutz geistigen Eigentums..............................................................................20 3 Ideen – unternehmerische Machbarkeit und industrielle Verwertung................21 Erfassen einer komplexen Fragestellung in einem Matrix-System............................21 Mehrere Hierarchieebenen................................................................................................24 Bewertungen........................................................................................................................27 Der Brückenschlag zum Quality Function Deployment...............................................29 Das zum Erfolg führende Patent...................................................................................... 30 Eine praktische Anwendung...............................................................................................32 4 Technologietransfer: Eine Chance für die Industrie....................................................................................33 Horizontaler und vertikaler Technologietransfer..........................................................33 Beherrschung und Bewältigung von Schnittstellen..................................................... 34 Technologietransfer durch Personentransfer.................................................................35 Beschaffung von Information............................................................................................37 Technologietransfer in der Unternehmensberatung.................................................... 38 Hemmschwellen im Technologietransfer.......................................................................39 5 Mit Qualitätskontrollen den Produktpiraten an den Kragen............................... 41 Produktpiraterie im Maschinenbau..................................................................................42 Qualitätskontrollen in Eigenschaftsklassen...................................................................42 Qualitätsprüfungsmodule.................................................................................................42 Beispiel: Einsatz in der Maschine..................................................................................... 43 Hoher Qualitätsstandard...................................................................................................45 Ein Brückenschlag zum Entwicklungsprozess.................................................................45 Produktpiraten werden es schwerer haben....................................................................47 Inhaltsverzeichnis Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
  • 6. 6 6 Entwicklungsprojekte – erfolgreich durchgeführt.................................................49 PLANUNG............................................................................................................................ 49 Auftrag und Entwicklungsziel........................................................................................... 49 Stand der Technik................................................................................................................50 Theoretische Vorbereitungen............................................................................................50 Entwicklungsplan.................................................................................................................51 Vorbereitung von Versuchen im Projekt..........................................................................54 DURCHFÜHRUNG..............................................................................................................54 AUSWERTUNG....................................................................................................................57 Resultate...............................................................................................................................57 Wirtschaftlichkeit................................................................................................................57 Bewertung.............................................................................................................................57 Berichterstattung................................................................................................................58 INFORMATIONSRÜCKFÜHRUNG...................................................................................59 SCHUTZ GEISTIGEN EIGENTUMS...................................................................................59 7  Konstruktionsmethodik für den Praktiker................................................................61 Ausarbeitung einer Anforderungsliste.............................................................................61 Bestimmung der Funktionsstruktur.................................................................................63 Bestimmung des Konzepts................................................................................................ 64 Schritt 1: Wirkprinzipien und Funktionsträgerklassen............................................ 64 Schritt 2: Funktionsträger kombinieren und deren Beziehungen untereinander prüfen.................................................................................. 64 Schritt 3: Grundanordnungen bestimmen.................................................................65 Schritt 4: Bewertung der Konzeptvarianten..............................................................65 Bestimmung des Vorentwurfs.......................................................................................... 66 Eindimensionale Bewertung............................................................................................. 66 Mehrdimensionale Bewertung..........................................................................................69 Bestimmung des Entwurfs.................................................................................................70 Detaillieren, Ausarbeiten.................................................................................................... 71 QFD: Das Haus der Qualität.............................................................................................. 71 8 Patente – ein effizientes Werkzeug für Entwicklungsfachleute und Produktmanager ................................................................................................. 73 Zur Idee des Patents............................................................................................................73 Von der Idee zum Prototyp: Der Ablauf eines Entwicklungsprojekts........................74 Patente unterstützen drei Ziele........................................................................................76 Ermittlung des Standes der Technik über eine Patentrecherche................................76 Gedanken zur Anmeldung eines Patents.........................................................................78 9  Entwicklungscoaching mit Patenten....................................................................... 81 Schritt 1: Patentrecherche.................................................................................................81 Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
  • 7. 7 Schritt 2: Patentdokumente gruppieren, Schutzbereiche identifizieren.................. 83 Schritt 3: Ermittlung der Freiräume durch Merkmalsanalyse.................................... 84 Schritt 4: Konzepterarbeitung...........................................................................................85 Schritt 5: Mehrdimensionale Bewertung....................................................................... 86 Schritt 6: Quality Function Deployment (QFD). Kundenwünsche in Relation zu Zielforderungen........................................ 89 Schritt 7: Patentanmeldung.............................................................................................. 90 10 Abstraktion und Morphologie – ein Weg zum Patent.......................................... 91 Die Analyse.........................................................................................................................91 Wirkprinzipien und Funktionsträger im morphoplogischen Kasten........................92 Innovative Lösungen.........................................................................................................95 Schutz des geistigen Eigentums durch eine Patentanmeldung................................95 11  Wie lese ich ein Patent?............................................................................................99 Aufbau eines Patentdokuments......................................................................................99 Bibliografische Angaben................................................................................................99 Beschreibung.................................................................................................................101 Patentansprüche...........................................................................................................105 Zeichnungen..................................................................................................................106 Status eines Patentdokuments.....................................................................................107 Tipps zum Studium eines Patentdokuments..............................................................107 «Wissen, was es gibt»....................................................................................................107 «Abklärung des Schutzes»............................................................................................ 108 12  Wie hoch ist der Wert eines Patents?..................................................................109 Erfindung............................................................................................................................111 Patentschutz......................................................................................................................111 Markt.................................................................................................................................. 112 Konkurrenz........................................................................................................................ 112 Strategie............................................................................................................................113 Bewertung.........................................................................................................................114 13 Leistungsindikatoren zur Beurteilung von Patentportfolios.............................119 Patentportfolio eines Unternehmens..........................................................................119 Differenzierte Auswertungen innerhalb der Firma....................................................120 Fünf Kennzahlen.............................................................................................................. 121 Analyse in vier Dimensionen.........................................................................................125 Nachhaltige Entwicklungstätigkeit..............................................................................127 14 Die Patentstabstelle im Industrie­unternehmen................................................ 129 Identifikation schützenswerter Erfindungen..............................................................130 Stand der Technik: Bedeutung und Ermittlung.......................................................... 131 Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
  • 8. 8 Abgrenzung der Erfindung gegenüber dem Stand der Technik...............................................................................................................................132 Vorbereitung einer Patentanmeldung.........................................................................132 Einbinden einer Patentanwaltskanzlei.........................................................................133 Dokumentation................................................................................................................135 Schulung der Fachspezialisten und Produktmanager...............................................135 Kostentransparenz und Budgetierung.........................................................................136 Der Autor........................................................................................................................ 137 Anhang............................................................................................................................139 Patentämter.......................................................................................................................139 Patentdatenbanken im Internet.....................................................................................139 Dienstleister für Patentrecherchen, Literatur- und Wissensdatenbanken............................................................................. 140 Weiterführende Literatur................................................................................................ 140 Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
  • 9. 11 1 Erfolgsfaktoren in der Technologie­ entwicklung Auf die richtige Karte bei derTechnologieentwicklung zu setzen, kann für den Erfolg eines Unternehmensentscheidendsein.LangfristigesVorausschauenistmitChancen,Risikenund Unsicherheiten verbunden. Hier beleuchten wir nur ein paar Aspekte, die für einGelingen bei Prozessen in derTechnologieentwicklung mitverantwortlich sind. Projektleitung Selbstverständlich werden sehr hohe Anforderungen an einen Projektleiter gestellt. Nachdiplomstudien und Kurse bieten zuhauf Schulungsmöglichkeiten an. In der Praxis lassen sich die Kenntnisse ergänzen und führen zum ersehnten Erfahrungsschatz. Zum erworbenenWissen und Können gehören heutzutage international ausgerichtete Fähig- keiten: Nebst Sprachkenntnissen wird eine weltweite interdisziplinäre Zusammenarbeit mit und in Teams gefordert. Die Akzeptanz fremder Kulturen und ein Verständnis für unterschiedliche Arbeitsphilosophien bilden wichtige Voraussetzungen. Erfolgreiche Projektleiter identifizieren sich stark mit der ihr gestellten Aufgabe. Eine überaus intensive Auseinandersetzung mit sämtlichen damit verbundenen Belangen gehört zu seinen Kerninteressen. Wie die Praxis lehrt, muss um den Erfolg oft mit hoher Selbstdisziplin und Systematik, sowie mit Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen ge- rungen werden. Der beste Projektleiter steht allein da, wenn das oder die Teams nicht mitspielen. Auch an dieTeammitglieder stellen sich hohe Anforderungen, insbesondere fachlicher Natur und auf eine kooperative Zusammenarbeit hin ausgerichtet, aber auch interdisziplinär und zu einem gewissen Grad auch interkulturell. Projektleiter verfügen über eine hohe Überzeugungskraft gegenüber dem Auftraggeber, der je nach Situation ein betriebsinterner Vorgesetzter oder ein externer Kunde sein kann. Exzellente Projektleiter stellen ihren Auftraggeber nicht nur zufrieden, sondern informieren ihn regelmässig überden Projektfortschritt,die wichtigsten Zwischenergeb- nisse in prägnanter Form und wecken in ihm eine Begeisterung für die Findung weiterer nachhaltiger Innovationsideen. Ich erinnere mich gut an einen top ausgebildeten Mitarbeiter, der ein Maschinenbau- und einElektrotechnikstudiumabsolvierthatte.IhmmangelteesallerdingsanderFähigkeit,die eigentlichenProblemezuerkennen.UntergrossemEinsatzarbeiteteerstetsanperipheren Fragestellungen und verlor damit das eigentliche Projektziel aus denAugen.Wissen allein genügt nicht, es will und muss umgesetzt werden können. Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
  • 10. 12 Erfolgsfaktoren in der Technologie­entwicklung Markt Ist der Markt überhaupt bereit, die neue Technologie aufzunehmen? Zur Eigenart einer Innovation gehört,dass sie erstdann eine ist, wenn sievom Markt aufgenommen wurde. Die beste Idee mündet nicht in eine Innovation, wenn sie nicht absetzbar ist! Ein eindrückliches Beispiel ist die Entwicklung des Airbags. So stammt beispielsweise die Idee für einen Airbag im Automobil zur Erhöhung der Sicherheit bei Verkehrsunfällen aus dem Jahr 1951 (Bild 1.1 ): In der deutschen Patentschrift Nr. 896 312, in der als Erfinder ein Walter Linderer genannt wird, heisst es schlicht im Hauptanspruch: «Einrichtung zum SchutzevoninFahrzeugenbefindlichenPersonengegenVerletzungenbeiZusammenstös- sen, dadurchgekennzeichnet, dass indem Fahrzeug einaufblasbarer,wenigodergar nicht luftdurchlässiger,vorzugsweiseelastischerBehälterderartinderNähederzuschützenden Personangebrachtist,dasser,durcheineVorrichtungaufgeblasen,sichvordenOberkörper der zu schützenden Person legt.» Die ersten Patente hingegen, die eine wirtschaftliche Nutzung des Airbags ermöglichten, folgten erst 20 Jahre später! Der Markt war also im Jahre 1951 für diese nutzbringende Idee noch gar nicht reif. Bild 1.1: Prinzip desAirbags nach der deutschen Patentschrift Nr. 896 312 von 1951 (Zeich- nung gemässOriginal): «Einrichtung zum Schutze von in Fahrzeugen befindlichen Personen gegenVerletzungen bei Zusammenstössen, dadurch gekennzeichnet, dass in dem Fahrzeug ein aufblasbarer, wenig oder gar nicht luftdurchlässiger, vorzugsweise elastischer Behälter derart in der Nähe der zu schützenden Person angebracht ist, dass er, durch eineVorrichtung aufgeblasen, sich vor denOberkörper der zu schützenden Person legt.» Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
  • 11. Claudius R. Dietzsch13 Der profunde Projektleiter muss von sich selbst abverlangen, dass er sich auch um Marktaspekte kümmert. Bei Dienstleistungen kann der Markt ein betriebsinterner oder ein externer, sprich Kunde, sein. Marktstudien sind ein Muss. Mit der schnellen Ver- änderungsrate der Marktbedürfnisse sind rasche Reaktionen gefragt. Entsprechende Bedingungen, die sich aus marktspezifischen Randbedingungen ergeben, wie der Eintritt in einen Pioniermarkt oder in einen Verdrängungsmarkt, beeinflussen den Entwick- lungsprozess stark, ebenso ein zu erwartendes Marktvolumen und ein abzuschätzendes Marktpotenzial. Projektarbeit und Projektfortschritt Entwicklungsprozesse fordern von allen Involvierten eine Weitsicht, die sich auf das Wesentliche fokussieren lässt. Die Kunst dabei ist, das richtige Mass an Weitsicht zu finden. Eine streng fokussierte Projektarbeit lässt Chancen verpassen. Wird das Feld zu weit gesteckt, leidet die Zielorientierung. Ein cleverer Kompromiss kann erstaunliche Innovationen hervorrufen und gleichzeitigden Projektfortschritt unterstützen. Hier lohnt sich ein Denken inSzenarien:Genaues Durchdenken mehrerer möglicherWege,objektive Bewertung und Entscheidfällungfürdie nächstenSchritte.JederSchritt mussdie Projekt­ arbeit weiterbringen, beziehungsweise nach derVollendung betrachtet, weitergebracht haben. Dazu gehört das proaktiveVoraussehen zu erwartender Ergebnisse. Experimente undVersuche sollen erst begonnen werden, wenn Kausalzusammenhänge qualitativ im Voraus überlegt worden sind. Messungen führen dann entweder zu einer Bestätigung oder zu nicht erwarteten Resultaten. Im zweiten Falle muss ein höheresVerständnis für das Zusammenspiel verschiedener Faktoren erarbeitet werden, bevor weitergemessen oder die Projektarbeit fortgesetzt wird. Stets muss sich auchdie Frage gestellt werden:Was passiert mitden erarbeiteten Ergeb- nissen? Welches sind die Konsequenzen? Was macht der Auftraggeber mit dem neuen Wissen und bis wann tut er dies? Es ist absolut sinnlos, Projektarbeit zu leisten, die in keiner Art und Weise zu irgendwelchen Konsequenzen führt. Projektfortschritt ist nicht gleich Projektfortschritt: Beim Form- und Abpackprozess von blockartigen Butterstücken können schichtenartige Strukturen in der Butter entstehen, diezumAuseinanderfallenvongeschnittenenButterscheibenführen.FranzösischeKunden bemängeltendiesundfordertenAbhilfe. DiesesProblemwarlösbar. EntsprechendeMass- nahmen liessen hingegen an der Oberfläche des Butterstücks ringförmige Strukturen er­ kennen. Dies störteden Kundenaus Frankreich nicht – ein Fortschrittwurde erzielt –,wohl aber denjenigen aus Norwegen! Ein Fortschritt in Frankreich kann also einen Rückschritt in Norwegen bedeuten. Dem einen sein Uhl ist dem anderen sein Nachtigall, wie ein altes Sprichwort sagt … Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
  • 12. 14 Erfolgsfaktoren in der Technologie­entwicklung Positive Überraschungen beleben ein Technologieentwicklungsprojekt. Nutzen wir also die verschiedenen bekannten Kreativitätsmethoden und -techniken, um ein Klima zu schaffen, ausdem mit hoherWahrscheinlichkeit einzigartige Innovationen hervorgerufen werden können. Bedeutung des geistigen Eigentums (Intellectual Property, IP) Projektleiter sollten nicht nur über Basiskenntnisse im Patentwesen verfügen, sondern vor allem die Bedeutung der Patente als «Werkzeuge für Entwicklungsingenieure und Produktmanager» kennengelernt haben. Patente bieten ein grosses Potenzial für die Generierungvon Ideen undfür eine zielgerichtete Lösungsfindung. Dieses Potenzial wird noch viel zu wenig ausgenutzt. Das geistige Eigentum, insbesondere in Form publizierter Patentliteratur, begleitet einen Technologieentwicklungsprozess am bestenvon Beginn an. Die Patentliteraturoffenbart den grösstenTeil des Standes derTechnik, also technisches Wissen, welches der Öffent- lichkeit zugänglich ist. Kostenlose Datenbanken im Internet, wiedas www.espacenet.ch, erlauben jedermann den Zugang. Nebst in andererWeise aufbereitbarer Informationen, wie beispielsweise über Fachliteraturrecherchen, wissenschaftliche Studien, Lieferan- tenkataloge, Prospektmaterial etc., erhält man zusammen mit Patentrecherchen das notwendige Basiswissen für einen gut vorbereiteten Einstieg ins Projekt. Patentliteratur zeigt auf, woran die Mitbewerberschaft arbeitet und was sie zu schützen gedenkt. Eine Patentanmeldung wird 18 Monate nachAnmeldedatum publiziert.Obwohl Patente in der Regel erst nach einigen Jahren zur Erteilung gelangen, erlangt man über dieveröffentlichtenAnmeldungen Kenntnis über den technischenGehalt. Dies regt zum Denken an und fördert die Findung neuer Lösungsansätze. Beim Studieren von Patent­ literatur ergibt sich eine Katalysatorwirkung, die gute Ideen hervorrufen kann. Analysen von Patentrecherchen lassen technologische Stossrichtungen erkennen. Dass Erfindungen zu gewissen Funktionen in technischen Systemen bevorzugt zum Schutz angemeldet werden,deutet aufderenAktualität hin. Die KenntnisdieserTatsache liefert wertvolle Hinweise, in welche Richtung die zu entwickelnde Technologie genialerweise getrieben werden soll. Die Länderabdeckung des Patentschutzes ist ein Indiz für die Märkte. Macht ein Unter- nehmen in einem bestimmten Land Patentrechte geltend, ist dies damit verbunden, dass die Firma in diesem Land herstellen und/oder vertreiben möchte, oder aber, dass ein Mitbewerber dort seinen Sitz hat. Patente und deren Anzahl in bestimmten Ländern lassen Rückschlüsse auf die dortige Marktsituation zu. Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
  • 13. Claudius R. Dietzsch15 Die weit geläufigere Funktion von Patenten ist deren Schutzfunktion. Patente schützen Erfindungen, die neu sind und auf erfinderischerTätigkeit beruhen. Mit der Errichtung von Patenten lässt sich ein wirtschaftliches Monopol auf bestimmte Zeit, maximal 20 Jahre beziehungsweise 21 Jahre inklusive Prioritätsjahr, begründen. Das heisst, dieVerwendung einer Erfindung unter Ausschluss Dritter bleibt in diesem Zeitraum dem Patentinhaber vorbehalten. Ein eigenes Patent blockiert die Mitbewerberschaft, die gleiche Erfindung wirtschaftlich nutzen zu können. Patente können verkauft oder verlizenziert werden. Eine Lizenz, in Form einer Einzel- oder einer Exklusivlizenz, lässt sich auch nur auf einenTeil des gesamten Schutzumfangs beschränken, zum Beispiel auf ausgewählte Anwendungen in ganz bestimmten Märkten und Ländern. Es können Zulieferanten Nutzungsmöglichkeiten an einem Patent eingeräumt werden, um sicherzustellen, dass nach diesem Patent herge- stellteZulieferprodukteausschliesslichdemPatentinhaberzustehen.EigeneSchutzrechte verbessern meist schwierige Situationen bei Patentstreitigkeiten. Man gewinnt dadurch Handlungsspielraum und hat etwas hinsichtlich einer möglichen gütlichen Einigung inder Hand, bevor es vor Gericht geht: Crosslizensing ist eine Alternative. Der Besitzvon Patenten erhöhtdenWert einerUnternehmung. Dabei stellt sich natürlich die Frage:Wie hoch istderWert eines Patents? Diesbezüglich sei auf Kapitel 12verwiesen. Nebst der Errichtung von Patenten gehören auch andere Schutzrechtsmechanismen in die Schutzstrategie einer Firma, an die gedacht werden müssen, wie beispielsweise der Markenschutz, der Designschutz, die Geheimhaltung und der Umgang mit Know-how. Ein Projektleiter sollte eine Schlüsselfigur sein. Mit dem in diesem Abschnitt skizzierten Zusatzwissen und entsprechenden zusätzlichen Fähigkeiten kann er seinen spannenden Beruf zu seiner persönlichen Berufung ausweiten, die ihn einerseits mitTatkraft ausstat- tet, mit Begeisterung erfüllt und anderseitsderWirtschaft zu nachhaltigen Innovationen verhilft (Bild 1.2). Bild 1.2:Technologieentwicklung – ein Schlüssel zum Erfolg Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
  • 14. 17 2 Patente: Bereits im Front End of Innovation? Eine proaktive Schutzrechtsstrategie bildet sich bereits im Front End eines Innovations­ prozessesab (Bild 2.1). Indieser frühen Zeitspannevonder Entdeckung einer Marktchance biszumfertigenIdeenkonzeptliegteingrossesPotenzialbegründetfüreinenerfolgreichen Innovationsprozess sowie fürdie Sicherung patentrechtlicher Schutzrechte imVorfeldder Entwicklung. Bild 2.1: Front End of Innovation Der Einbezug von Patentliteratur bildet dabei von Beginn an einen wesentlichen Mosa- ikstein, der sich am Schluss als massgeblicher Faktor für den Erfolg erweisen kann, näm- lich gerade dann, wenn entsprechende Schutzrechtsmassnahmen bereits in einem sehr frühenStadium getroffen werden.Wir betrachten und analysieren dazuvierTeilaspekte: Erstens: Monitoring Für die Bestimmung des Suchfeldes steht nebst verschiedenen Quellen auch die Pa- tentliteratur zur Verfügung. Weit über 80 % des technischen Wissens liegen in Form von Patentdokumenten vor. Unter Patentdokumenten versteht man publizierte Patent­ anmeldungen und erteilte Patente. Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
  • 15. 18 Patente: Bereits im Front End of Innovation? Nachforschungen indiesem Informationsfundus lohnen sich und regen zu Denkanstössen an. Es geht hierbei vorerst um die Sammlung technischer Aspekte und noch keineswegs umSchutzrechtsabklärungen. Mehr als 90 % aller Patente sind ohneSchutz und können frei genutzt werden: Spätestens nach 20 Jahren sind sie abgelaufen, und viele gelangten gar nie bis zur Erteilung.Wieder andere wurden ausdiversenGründenfallengelassen und eine weitere Anzahl wurde zwar erteilt, ist aber aufgrund später aufgetauchten älteren Standes der Technik nicht durchsetzbar. In diesem Stadium dient die Patentliteratur als technische Information und zur Unterstützung bei der Absteckung des Suchfeldes. Recherchen lassen sich auf verschiedene Technologiefelder fokussieren. In Sach-, Pa- tentklassen- und Namensrecherchen finden sich effizient wesentliche Informationen, die die eigentliche Entwicklung massgeblich befruchten.Als ein Ergebnis dieserArbeiten kristallisieren sich auchdie Patentportfoliosder Mitbewerberschaft heraus, zumindest in einer ersten Übersicht. Patentdatenbanken bilden einen Teil der Quellen. Fachliteratur und Internet bieten weitere Möglichkeiten, um das Monitoring abzurunden. Zweitens: Markt Wo liegendie Kundeninteressen? Die Ergebnisseder erstenVorphase liefern bei entspre- chenderAnalyse wertvolle Impulse: Patentdokumente zeigen auf, welcheTechnikenoder Technologien in welchen Bereichen zur Anwendung kommen und in welche Richtungen Neu- und Weiterentwicklungen wirtschaftlich interessant sein könnten. Wenn eine Firma in einem bestimmten Land Patentrechte geltend macht, ist dies damit verbunden, dass das Unternehmen in diesem Land entsprechende Produkte anbieten, herstellen und/oder verkaufen möchte. Bestimmte geschützte Produkte oderVerfahren in bestimmten Ländern lassen auf Marktpotenziale schliessen. Kundenbefragungen und Marktstudien können in Zusammenhang mitden Resultatender vorangegangenen Recherchen gebracht werden. Manche Aussagen aus den Marketing- untersuchungen lassen sichoft bestätigenoder aber sie gebenAnlass zur Hinterfragung. Die Geschäftsstrategie und die firmeneigenen Interessen haben hier grossen Einfluss. Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
  • 16. Claudius R. Dietzsch19 Drittens: Innovation An diesem Punkt ist ingeniöses Denken gefragt. Die bisher aufbereiteten Informationen gelangen in die F  E–Abteilung (Forschung und Entwicklung). Eine geeignete Präsenta- tionsweise vor den Entwicklungsfachleuten legt einen fruchtbaren Boden, woraus neue und innovative Ideen keimen und worauf sie gedeihen können. Eine firmeninterne Moderation behandelt beispielsweise die Frage: Welche Funktionen treten beim neu zu entwickelnden technischen System auf und welche Aspekte spielen eine Rolle? Unter Leitung eines Moderators führt man Kärtchenabfragungen im Team durch. Das Team besteht aus Mitgliedernder Entwicklungsgruppe,verstärkt mit Fachleuten aus Mar- keting undVerkauf. Es folgen ein gemeinsames Ordnungschaffen unter den ermittelten Aspekten und Suchen entsprechender Oberbegriffe. Die Visualisierung an der Pinwand bildet die Basis für eine Strukturanalyse des später zu entwickelnden technischen Sys- tems. Es resultiert eine abstrakte Funktionsstruktur. Diese stellt Funktionalitäten und deren Relationen untereinander dar. In einer morphologischen Matrix lassen sich für einzelne Funktionalitäten Wirkprinzipien und Funktionsträger systematisch erfassen. Diedurchgeführten Patentrecherchen liefern hierzu konkreteAusführungen und Impulse für die Innovation! Eine Synthese sich eignender Funktionsträger unter der Randbedin- gung der Kompatibilität untereinander führt zu Konzeptvarianten, die schliesslich einer Bewertung unterzogen werden. Diese Methode erhöht die Chance erheblich, auch nicht naheliegende Lösungsansätze zu finden. Es resultiert eine Selektion grundsätzlicher Lösungsansätze, die es im Entwicklungsprojekt weiterzuverfolgen gilt. Quality Function Deployment (Qualitätsfunktionendarstellung,QFD) gestattet schliess- lich, die Beziehungen zwischen Kundenwünschen und Zielforderungen darzustellen und diejenigen Funktionalitäten herauszuschälen,die bei entsprechenderOptimierung einen signifikant höheren Kundennutzen herbeiführen können. Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015
  • 17. 20 Patente: Bereits im Front End of Innovation? Viertens: Schutz geistigen Eigentums Dabei geht es um die Besetzung strategischer Erfindungsfelder. Es sollen nicht nur konkretere Erfindungen aus Lösungskonzepten geschützt werden, sondern auch Ge- biete im Umfeld des eigentlichen zu entwickelnden Produktes mit Patentanmeldungen abgesteckt werden. Hauptzweck in dieser Vorphase ist es, mittels einer ersten Patent­ anmeldung zu verhindern, dass Mitbewerber infolge eigener Anmeldungen die geplante Entwicklung blockieren könnten. Ein gewisserSystemschutzoder einSchutz wahrschein- licher Schlüsselerfindungen ist jetzt angesagt. Den vier skizzierten Vorphasen «Monitoring», «Markt», «Innovation» und «Schutz geistigen Eigentums» folgt der eigentliche Entwicklungsprozess, gegliedert in mehrere Arbeitsphasen (Stages),diedurch Kontrollpunkte (Gates)voneinander getrennt sind. Die sorgfältigenAbklärungen indervorgelegten Front-End-Phase unter Einbezugdes riesigen Fundus der Patentdokumente bilden eine optimale Plattform für die eigentliche Ent- wicklung und die anschliessend erfolgreiche Lancierung neuer innovativer Produkte im Markt sowie eineAnkurbelung eines unsereWirtschaft weiterbringendenWettbewerbs. Leseprobe aus: Claudius R. Dietzsch, Innovationen kreieren und patentrechtlich schützen © vdf Hochschulverlag 2015