Feministische Perspektiven auf Netzpolitik
in Österreich!
Vortrag von Maria Zimmermann und Brigitte Theißl!
Ausgangspunkt

Feministische Netzpolitik – Perspektiven und
Handlungsfelder !
Studie im Auftrag des Gunda-Werner-Instituts in Berlin
(Heinrich-Böll-Stiftung), 2013!
!

Kathrin Ganz (iheartdigitallife.de)!
!

Netzpolitik <—> feministische Politik
“Big issues” der Netzpolitik (Sandra Braman)
1. “Access to the internet”: Fragen des Zugangs zum
Internet, die unter dem Begriff „digitale Spaltung“ verhandelt
werden; dieser Zugang umfasst auch das Thema der  !
Medienbildung  !
2. “Access to content”: Fragen nach der Regulierung des
Zugangs zu Inhalten, darunter Zensur, Netzneutraltät  !
3. “Property rights”: Fragen nach (intellektuellen)
Eigentumsrechten im Netz und in der digitalen Kultur,
Immaterialgüter, Copyright, Softwarepatente usw.!
4. “Privacy”: Fragen des Datenschutzes und der
Privatsphäre, Anonymität im Netz!
Erweiterung:!
5. Digitale Öffentlichkeit und Kommunikationskultur,
dieser Bereich ist vor allem für eine feministische Analyse
von zentraler Bedeutung 
Zugang zum Internet

Globale Ungleichheit enorm – weltweiter Durchschnitt 2011: 34,3%!
Europa: 63,2%; Nordamerika: 78,6%; Afrika: 15,6%!
Zugang zum Internet

STATISTIK AUSTRIA, Europäische Erhebung über
den IKT-Einsatz in Haushalten 2012!


Nutzung in den letzten 12 Monaten:!
Altersgruppe 16-24: Männer: 99,1%, Frauen 99,8%!
Altersgruppe 45-54: Männer: 88%, Frauen: 78,5%  !
Altersgruppe 55-74: Männer: 62%, Frauen: 42,9%!
                    !
Haushalte mit Internetzugang insgesamt: 79,3%
Zugang zum Internet
„Die österreichischen Telekommunikationsmärkte aus Sicht der Nachfrager im
Jahr 2011", Studie RTR (Rundfunk- und Telekom Regulierungs GmbH)
Internetanschluss im Haushalt: Männer: 76,2 %, Frauen: 68,3 %
!
Stadt-Land-Gefälle:
Stadt: 78 % (alle Landeshauptstädte), Land: 69,8 %
!
Einkommen:
Internetanschluss:
Haushaltseinkommen unter 1500 Euro: 61,8 %, über 3.500 Euro: 96,2 %
mobiles Breitbandinternet:
unter 1500 Euro: 16,9 %, über 3.500 Euro: 26,3 %
!
Gründe, die gegen Internetanschluss sprechen: „zu teuer": Männer: 9,5 %,
Frauen: 12,6 %
Zugang zum Internet
Bildung
Die Wahrscheinlichkeit eines Internetanschlusses im
Haushalt steigt mit der Bildung
!

Internetanschluss bei
Pflichtschulabschluss: 41,8 %
Hochschulabschluss: 92 %
nicht erhoben in diesen Studien: Behinderung,
Barrierefreiheit Problem
Zugang zum Internet

Statistik Austria:
„Die Hälfte der Haushalte ohne Internetzugang sind
Einpersonenhaushalte (50 %), wobei es sich zum Großteil um
alleinlebende Frauen im höheren Erwachsenenalter handelt: Beinahe
drei Viertel (73 %) sind 55 Jahre und älter, bei fast zwei Drittel der
Einpersonenhaushalte ohne Internet handelt es sich um alleinlebende
Frauen. Nahezu die Hälfte der Haushalte ohne Internetzugang haben ein
Haushalteinkommen, das im unteren Einkommensviertel liegt (46 %).“
!
Medienkompetenz, Nutzungsautonomie: Zeit- und Ortssouveränität,
Technikausstattung, Nutzungsvielfalt
Zugang zum Internet

„Politische Forderungen nach einem verbesserten Zugang zum Internet, von
dem entsprechend dem Forschungsstand heute vor allem noch diejenigen 
ausgeschlossen sind, die ohnehin gesellschaftlich in mehrfacher Hinsicht
benachteiligt sind, sind aus einer intersektionalen und feministischen
Perspektive unbedingt zu unterstützen.!
Dazu zählen Forderungen nach!
• Internetversorgung auch in ländlichen Regionen;!
• Öffentliches, kostenfreies W-Lan nicht nur in touristischen Zentren;!
• Internet in die Grundversorgung; !
• Zielgruppengerechte Förderung von Medienkompetenz und 
selbstbestimmter Nutzung  !
(zum Beispiel Kurse von Frauen für Frauen, Kurse für ältere
Migrant_innen  in ihrer Alltagssprache)" (Ganz 2012)
Zugang zu Inhalten

Zensur – Netzneutralität!
Regulierungen der Infrastruktur!
Regulierung durch staatliche Zensur!
Regulierung durch Softwareanbieter, Internetanbieter
und ISPs!
(Selbst-)Regulierung im Kontext öffentlicher
Einrichtungen, gemeinnütziger Projekte und privater
Internetangebote!
!

Beispiel: Chelsea Manning
Eigentumsrechte
Beispiel Urheber_innenrecht!
!

“Low protectionism is the vision of copyright law that
feminists should actively pursue.” (Ann Bartow, USamerikanische Rechtswissenschafterin)!
!

Urheberrecht liegt „historisch männliche Konstruktion
des schöpferischen Autors“ zugrunde!
„Werke im Sinne dieses Gesetzes sind eigentümliche
geistige Schöpfungen auf den Gebieten der Literatur,
der Tonkunst, der bildenden Künste und der Filmkunst.“
(Österreichisches Urheberrechtsgesetz)
Eigentumsrechte
“Copyright is built around certain conceptions of the self,
society and worth, which translate, through law, into
norms about who can speak, who can listen, what can be
said, and with what force of authority.” (Craig/Turcotte/
Coombe 2011)
Roland Barthes: „Tod des Autors“ (1967)
Michel Foucault: „Was ist ein Autor“ (1969):
Untersuchung der Funktionen des Autors, historische
Bedingungen
Datenschutz und Privatsphäre,
Anonymität im Netz
!

Die Netzpolitik muss sich damit auseinandersetzen, wie
Datenschutz, die kommunikative Privatsphäre und
Anonymität im Netz gewährleistet werden können (vgl.
von Lewinski 2012).
!

Macht- und Herrschaftverhältnisse
Digitale Öffentlichkeit und
Kommunikationskultur

Wandel des politischen Diskurs!
Beispiel: #Aufschrei
Fazit

Das Internet ist nicht frei von Macht- und
Herrschaftsverhältnissen!!
Alle klassischen Felder der Netzpolitik müssen auch
aus feministischer Perspektive betrachtet werden.!
Der Zugang zum Internet ist auch heute noch von
sozialer Ungleichheit strukturiert. !
Aus feministischer Perspektive muss die Digitale
Öffentlichkeit und Kommunikationskultur im Netz als
Teil der Netzpolitik verstanden werden.
Was können wir tun?

Feministische Perspektive mitdenken!!
Speakerinnen-Liste!
Blogs!
#nfbw!
feministische Cryptoparties!
Flausch <3
... was noch gesagt werden muss

FEMINISM FUCK YEAH!	

@mahriah & @denkwerkstatt

Feministische Perspektiven auf Netzpolitik in Österreich

  • 1.
    Feministische Perspektiven aufNetzpolitik in Österreich! Vortrag von Maria Zimmermann und Brigitte Theißl!
  • 2.
    Ausgangspunkt Feministische Netzpolitik –Perspektiven und Handlungsfelder ! Studie im Auftrag des Gunda-Werner-Instituts in Berlin (Heinrich-Böll-Stiftung), 2013! ! Kathrin Ganz (iheartdigitallife.de)! ! Netzpolitik <—> feministische Politik
  • 3.
    “Big issues” derNetzpolitik (Sandra Braman) 1. “Access to the internet”: Fragen des Zugangs zum Internet, die unter dem Begriff „digitale Spaltung“ verhandelt werden; dieser Zugang umfasst auch das Thema der  ! Medienbildung  ! 2. “Access to content”: Fragen nach der Regulierung des Zugangs zu Inhalten, darunter Zensur, Netzneutraltät  ! 3. “Property rights”: Fragen nach (intellektuellen) Eigentumsrechten im Netz und in der digitalen Kultur, Immaterialgüter, Copyright, Softwarepatente usw.! 4. “Privacy”: Fragen des Datenschutzes und der Privatsphäre, Anonymität im Netz! Erweiterung:! 5. Digitale Öffentlichkeit und Kommunikationskultur, dieser Bereich ist vor allem für eine feministische Analyse von zentraler Bedeutung 
  • 4.
    Zugang zum Internet GlobaleUngleichheit enorm – weltweiter Durchschnitt 2011: 34,3%! Europa: 63,2%; Nordamerika: 78,6%; Afrika: 15,6%!
  • 5.
    Zugang zum Internet STATISTIKAUSTRIA, Europäische Erhebung über den IKT-Einsatz in Haushalten 2012! 
 Nutzung in den letzten 12 Monaten:! Altersgruppe 16-24: Männer: 99,1%, Frauen 99,8%! Altersgruppe 45-54: Männer: 88%, Frauen: 78,5%  ! Altersgruppe 55-74: Männer: 62%, Frauen: 42,9%!                     ! Haushalte mit Internetzugang insgesamt: 79,3%
  • 6.
    Zugang zum Internet „Dieösterreichischen Telekommunikationsmärkte aus Sicht der Nachfrager im Jahr 2011", Studie RTR (Rundfunk- und Telekom Regulierungs GmbH) Internetanschluss im Haushalt: Männer: 76,2 %, Frauen: 68,3 % ! Stadt-Land-Gefälle: Stadt: 78 % (alle Landeshauptstädte), Land: 69,8 % ! Einkommen: Internetanschluss: Haushaltseinkommen unter 1500 Euro: 61,8 %, über 3.500 Euro: 96,2 % mobiles Breitbandinternet: unter 1500 Euro: 16,9 %, über 3.500 Euro: 26,3 % ! Gründe, die gegen Internetanschluss sprechen: „zu teuer": Männer: 9,5 %, Frauen: 12,6 %
  • 7.
    Zugang zum Internet Bildung DieWahrscheinlichkeit eines Internetanschlusses im Haushalt steigt mit der Bildung ! Internetanschluss bei Pflichtschulabschluss: 41,8 % Hochschulabschluss: 92 % nicht erhoben in diesen Studien: Behinderung, Barrierefreiheit Problem
  • 8.
    Zugang zum Internet StatistikAustria: „Die Hälfte der Haushalte ohne Internetzugang sind Einpersonenhaushalte (50 %), wobei es sich zum Großteil um alleinlebende Frauen im höheren Erwachsenenalter handelt: Beinahe drei Viertel (73 %) sind 55 Jahre und älter, bei fast zwei Drittel der Einpersonenhaushalte ohne Internet handelt es sich um alleinlebende Frauen. Nahezu die Hälfte der Haushalte ohne Internetzugang haben ein Haushalteinkommen, das im unteren Einkommensviertel liegt (46 %).“ ! Medienkompetenz, Nutzungsautonomie: Zeit- und Ortssouveränität, Technikausstattung, Nutzungsvielfalt
  • 9.
    Zugang zum Internet „PolitischeForderungen nach einem verbesserten Zugang zum Internet, von dem entsprechend dem Forschungsstand heute vor allem noch diejenigen  ausgeschlossen sind, die ohnehin gesellschaftlich in mehrfacher Hinsicht benachteiligt sind, sind aus einer intersektionalen und feministischen Perspektive unbedingt zu unterstützen.! Dazu zählen Forderungen nach! • Internetversorgung auch in ländlichen Regionen;! • Öffentliches, kostenfreies W-Lan nicht nur in touristischen Zentren;! • Internet in die Grundversorgung; ! • Zielgruppengerechte Förderung von Medienkompetenz und  selbstbestimmter Nutzung  ! (zum Beispiel Kurse von Frauen für Frauen, Kurse für ältere Migrant_innen  in ihrer Alltagssprache)" (Ganz 2012)
  • 10.
    Zugang zu Inhalten Zensur– Netzneutralität! Regulierungen der Infrastruktur! Regulierung durch staatliche Zensur! Regulierung durch Softwareanbieter, Internetanbieter und ISPs! (Selbst-)Regulierung im Kontext öffentlicher Einrichtungen, gemeinnütziger Projekte und privater Internetangebote! ! Beispiel: Chelsea Manning
  • 11.
    Eigentumsrechte Beispiel Urheber_innenrecht! ! “Low protectionismis the vision of copyright law that feminists should actively pursue.” (Ann Bartow, USamerikanische Rechtswissenschafterin)! ! Urheberrecht liegt „historisch männliche Konstruktion des schöpferischen Autors“ zugrunde! „Werke im Sinne dieses Gesetzes sind eigentümliche geistige Schöpfungen auf den Gebieten der Literatur, der Tonkunst, der bildenden Künste und der Filmkunst.“ (Österreichisches Urheberrechtsgesetz)
  • 12.
    Eigentumsrechte “Copyright is builtaround certain conceptions of the self, society and worth, which translate, through law, into norms about who can speak, who can listen, what can be said, and with what force of authority.” (Craig/Turcotte/ Coombe 2011) Roland Barthes: „Tod des Autors“ (1967) Michel Foucault: „Was ist ein Autor“ (1969): Untersuchung der Funktionen des Autors, historische Bedingungen
  • 13.
    Datenschutz und Privatsphäre, Anonymitätim Netz ! Die Netzpolitik muss sich damit auseinandersetzen, wie Datenschutz, die kommunikative Privatsphäre und Anonymität im Netz gewährleistet werden können (vgl. von Lewinski 2012). ! Macht- und Herrschaftverhältnisse
  • 14.
    Digitale Öffentlichkeit und Kommunikationskultur Wandeldes politischen Diskurs! Beispiel: #Aufschrei
  • 15.
    Fazit Das Internet istnicht frei von Macht- und Herrschaftsverhältnissen!! Alle klassischen Felder der Netzpolitik müssen auch aus feministischer Perspektive betrachtet werden.! Der Zugang zum Internet ist auch heute noch von sozialer Ungleichheit strukturiert. ! Aus feministischer Perspektive muss die Digitale Öffentlichkeit und Kommunikationskultur im Netz als Teil der Netzpolitik verstanden werden.
  • 16.
    Was können wirtun? Feministische Perspektive mitdenken!! Speakerinnen-Liste! Blogs! #nfbw! feministische Cryptoparties! Flausch <3
  • 17.
    ... was nochgesagt werden muss FEMINISM FUCK YEAH! @mahriah & @denkwerkstatt