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15 unsicherheit cmi

Der Umgang mit der eigenen Unsicherheit ist für viele ein echtes Karrierehindernis. Hier können Mentoren und Coaches helfen. Wie beschreibt der Artikel.

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© Mentus GmbH, 2018
1
Dem Mentee helfen, mit Unsicherheit umzugehen
So sehr sich Menschen nach Sicherheit sehnen, so sehr leben wir mit konstanter Unsicherheit. In Or-
ganisationen kann Unsicherheit in zwei Formen auftreten: Vorhersageunsicherheit und Entscheidungs-
unsicherheit. Vorhersageunsicherheit resultiert oft aus einer VUCA-Umgebung, in der konstante Ver-
änderungen schnell dazu führen, dass Annahmen sich als völlig verkehrt herausstellen, weil einfach zu
wenig Informationen vorliegen oder unbekannte Faktoren unberücksichtigt blieben. Entscheidungsun-
sicherheit resultiert aus Abhängigkeiten von anderen innerhalb einer Entscheidungskette, die verhin-
dert, dass wir nur die eigenen Pläne verfolgen können. Wenn die Entscheidungskette eine Schleife
wird, d.h. wechselseitige Abhängigkeiten bestehen, verschärft sich die Situation sogar noch.
Für beide Arten der Unsicherheit gibt es keine einfache Abhilfe. Das Beste, was man tun kann, ist Fle-
xibilität in der Reaktion auf Unsicherheit zu zeigen und die Grenze zwischen Sicher und Unsicher auf-
merksam zu beobachten. Eine hilfreiche Möglichkeit, hierzu ist die Kategorisierung in vier Bereiche:
- Sicher – was wir nach bestem Gewissen als sicher annehmen und entsprechend planen können.
- Teilweise sicher – hohe Wahrscheinlichkeit aber mit dem Risiko, dass einzelne Faktoren für Unsi-
cherheit unberücksichtigt bleiben. Hier kann mit Eventualitäten und Szenarien arbeiten.
- Unsicherheit – wir haben eingeschränkte Kontrolle und brauchen Pläne für schnelle Reaktion auf
unvorhergesehene Veränderungen.
- Chaos – keine Möglichkeit, Vorhersagen zu treffen oder zu planen Hier ist große Aufmerksamkeit
hinsichtlich Veränderungen nötig.
Diese Kategorien passen für Organisationen, Teams und Individuen. Ein Coach oder Mentor kann hel-
fen, die einzelnen Kategorien zu durchdenken und die Eignung der eigenen Handlungsweisen zu re-
flektieren. Daraus lassen sich Verbesserungsmöglichkeiten ableiten. Zwei Schlüsselfragen für diesen
Schritt sind:
- Welche Prozessveränderungen sollten vorgenommen werden?
- Welche Haltungsveränderungen sollten vorgenommen werden?
Prozess- und Haltungsänderungen sind beide nötig, um einen wirksamen Ansatz für den Umgang mit
Unsicherheit zu entwickeln. Prozessveränderungen beziehen sich auf die Frage, wie Informationen ge-
sammelt und validiert werden aber auch darauf, wie die Informationen für Entscheidungen genutzt
werden. Kritische Fragen des Mentors sind hier:
- Wie können bessere, schnellere Entscheidungen getroffen werden, selbst wenn wenige verlässli-
che Daten verfügbar sind?
- Wie kann man andere davon überzeugen ebenfalls so zu agieren?
- Wie kann Datenanalyse genutzt werden, den Sachverhalt mehr in Richtung Sicherheit zu verschie-
ben?
- Wann ist die Entscheidung, nicht zu entscheiden, richtig?
Veränderungen der Haltung beziehen sich primär auf die Frage, wie Unsicherheit wahrgenommen
wird. Unsere internationale Forschung zu High Performance Teams zeigen eine übliche Charakteristik
in der Art, dass in diesen Teams Veränderung positiv gesehen wird und mit großer Resilienz erlebt
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wird. Der Schlüssel ist, Veränderung als Chance zu sehen, nicht als Bedrohung. Primär die negativen
Aspekte einer Veränderung zu sehen, bevor die Positivseiten betrachtet werden, ist normal und
menschlich. So haben beispielsweise frühe Studien zur künstlichen Intelligenz von massiven Verlusten
an Arbeitsplätzen gesprochen, während wenige Jahre später von mehr Jobs durch KI gesprochen wird.
Nützliche Fragen, die der Mentor oder Coach stellen kann sind:
- Welche Möglichkeiten eröffnen die Unsicherheiten, die Du erkennst?
- Welche positiven Ergebnisse können daraus erwachsen, Unsicherheit herbeizuführen (der Dis-
ruptor sein, nicht derjenige, der Disruption erlebt)?
- Wie kannst Du Deine Resilienz in Veränderungen steigern?
Es ist hilfreich, sich vor Augen zu halten, dass Angst unsere Kreativität senkt. Coaching und Mentoring
können dem Lerner helfen, Angst durch Neugier zu ersetzen, indem Fragen wie die folgenden gestellt
werden:
- Was sind Deine größten Hoffnungen für die Folgen der aktuellen Situation?
- Was kannst Du, alleine oder mit anderen gemeinsam, tun, um diese Hoffnungen wahrscheinlicher
zu realisieren?
- Wie möchtest Du in Bezug auf die aktuelle Veränderung gesehen werden? (Ein Blockierer, ein Un-
terstützer oder eine beruhigende Stimme der Vernunft?)
- Wieviel effektiver wärst Du, wenn Du Dich entscheiden würdest, keine Angst vor dem möglicher-
weise Kommenden zu haben?
Die beruhigende Stimme der Vernunft könnte die gesündeste Rolle für das Team, die Organisation und
den Mentee/Coachee selbst sein. Die Ängste abzulegen und die bewusste Entscheidung, sich nicht
verrückt zu machen (etwa durch Planung unterschiedlicher Handlungsoptionen im Fall von Schwierig-
keiten) kann zu einer ausbalancierten Sicht der Chancen und Risiken führen und die negative Effekte
in der unsicheren Situation und danach, reduzieren. So steigt die eigene Reputation und führt gleich-
zeitig zu einem gesünderen Umgang mit Unsicherheit durch weniger negative Gefühle.
Das englische Original dieses Beitrages wurde von David Clutterbuck veröffentlicht. Der Autor David
Clutterbuck ist einer der profiliertesten und bekanntesten Managementdenker und Autor mit mehr als
60 publizierten Büchern. Er gehört zu den internationalen Pionieren in der Entwicklung professionellen
Mentoring und Mitbegründer des European Mentoring & Coaching Council.
Die Mentus GmbH ist Kooperationspartner von David Clutterbuck für den deutschen Sprachraum und
arbeitet aktiv an der internationalen Weiterentwicklung des Mentoring in der Wirtschaft mit.
Kontakt:
Dr. Frank Edelkraut
Mail: fe@mentus.de
Web: www.mentus.de
Tel.: 0171 / 6806893
© Mentus GmbH, 2018
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