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Arbeitsbedingungen
Bedingungen für die Recherche
Professionalisierung: Aus- bzw. Weiterbildung; Organisiertheit (Verband)
Weiterbildung  (Studie: Evaluation el. Privatmedien, N=196)
Job-Zufriedenheit (Privatrundfunk N= 196)
Qualitätssteuerung: Dokumente und Prozesse der Q-Sicherung
Orientierungen
Rollenkonzepte 1 = trifft stark zu 6 = trifft nicht zu Medientyp   Spezialfälle   Langzeit- Vergleich   SRG Privat- rundfu...
Neue Organisationsmodelle
Abgrenzungen <ul><li>Abgrenzung:  „Wir“ und „die dort“ </li></ul><ul><li>„ D ie  (Online) machen einfach ohne Absprachen i...
Abgrenzungen – Abschichtungen? <ul><li>Abschichtung:  „Der Abstieg“  </li></ul><ul><li>„ Wir alten Kläuse denken Print. Ma...
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Interaktion mit dem Publikum „ Orientierung“, Publikum kennen Seismograph „Demokratisierung“ „ Inspirationsquellen“ „Perso...
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Arbeitsbedingungen und Qualität im Lokaljournalismus: Neue Forschungsbefunde

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  • Ausgangspunkt der systemtheoretischen Analyse ist die funktionale Ausdifferenzierung der Gesellschaft in verschiedene Funktionssystem, die je auf eine spezifische Problemlösung spezialisiert sind. Die Funktionssysteme Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst, Religion und Erziehung etc. erfüllen für die Gesellschaft exklusive Funktionen und erbringen füreinander wechselseitig Leistungen. Die funktionale Ausdifferenzierung hat zu komplexen gegenseitigen Abhängigkeits- und Beeinflussungsverhältnissen geführt. In dieser Situation ist jedes System genötigt, Erwartungen über seine Umwelt auszubilden und eben die anderen Systeme kommunikativ zu beeinflussen. Dafür braucht es einer ständigen Umweltbeobachtung, mit der ein einzelnes System überfordert wäre. Deshalb – so die These – hat sich ein eigenes Funktionssystem herausgebildet. Kohring schreibt diesem System plausibel die Funktion zu: „ Die Funktion in der Generierung und Kommunikation von Beobachtungen über die Interdependenz, d.h. wechselseitige Abhängigkeits- und Ergänzungsverhältnisse einer funktional ausdifferenzierten Gesellschaft“ Dieses System wird Öffentlichkeit genannt und Journalismus sein zentrales Leistungssystem. .
  • Qualitätsmedien: Dazu gezählt wurden die bezahlten Tages‑, Wochen- und Sonntagszeitungen, Mitarbeitende von SRG-Radio- und -TV-Stationen sowie Journalisten von Presseagenturen. Gratis: Mitgliedschafts, Gratis, Fachzeitschrift, Radio, Privatradio, Privatfernsehen, Online Andere:
  • Die Anwendung der Ressource Internet verändert in Redaktionen auch die Beziehung zum Publikum des Journalismus. Dies in vielerlei Hinsicht. Die befragten Journalisten beurteilen das Potenzial des Internet hinsichtlich der Beziehung zum Publikum durchaus als positiv. Zugleich sehen sie aber auch Gefahren von Praktiken oder Entwicklungen, die mit professionellen Normen kollidieren. Insofern wird der Einsatz des Internets in der Interaktion mit dem Publikum als ambivalent wahrgenommen. Zunächst ist festzuhalten, dass der Kontakt zum Publikum bzw. zu einem aktiven Teil des Publikums klar zugenommen hat. „ Seit man das so einfach machen kann, sind die Zahlen der Rückmeldungen astronomisch gestiegen “, beobachtet ein Befragter. Er verweist auf die erleichterte Zugänglichkeit der Redaktoren per Mail. Die Zahl der direkten Mails an Journalisten nimmt zu. Die Befragten erklären dies mit der einfachen Handhabung dieses Kommunikationsmittels, während das Schreiben eines Leserbriefes viel mehr Hürden bedeuten würde. Der vermehrte Kontakt zum Publikum wird zunächst als positiv beurteilt, weil die gleichzeitig auch eine potenzielle Zunahme an Feedback bedeuten kann, was bei einigen der Befragten eher motivierend wirkt. Die niedrige Schwelle der Kontaktaufnahme bedeutet hinsichtlich Vielfalt durchaus eine Steigerung an Zugänglichkeit zu Rückmeldungen und auch Themenideen und Themendeutungen.
  • Arbeitsbedingungen und Qualität im Lokaljournalismus: Neue Forschungsbefunde

    1. 1. IAM Institut für Angewandte Medienwissenschaft Arbeitsbedingungen und Qualität im Lokaljournalismus: Neue Forschungsbefunde Prof. Dr. Vinzenz Wyss Kolloquium Lokaljournalismus und Qualität, 7. Juli 2011 im Aktionsfeld Medien & Kommunikation Zyklus: Regional- und Lokalmedien der Zukunft: Wer nutzt, wer macht, wer finanziert sie? [email_address]
    2. 2. Fragen <ul><li>Unter welchen strukturellen Bedingungen arbeiten Lokaljournalisten heute? </li></ul><ul><li>Wo lassen sich im Schweizer Journalismus «prekäre» Zustände feststellen hinsichtlich: </li></ul><ul><ul><li>verringerte soziale Sicherheit </li></ul></ul><ul><ul><li>erschwerte Arbeitsbedingungen </li></ul></ul><ul><ul><li>geringer Professionalisierungsgrad </li></ul></ul><ul><ul><li>schwache Praktiken der Qualitätssteuerung </li></ul></ul>
    3. 3. Zur gesellschaftlichen Funktion des Journalismus: Selbstbeobachtung und Synchronisation von Gesellschaft Religion Politik Wissenschaft Erziehung Kunst Journalismus Demonstration Film Report Verkündigung Öffentlichkeit Wirtschaft Recht Vermittlung Public Relations Urteil
    4. 4. Qualitätsanforderungen an den Journalismus I: <ul><li>  In institutioneller Hinsicht : </li></ul><ul><ul><li>Medienorganisationen als „intersystemische Organisationen“ </li></ul></ul><ul><ul><li>O rganisationale Trennung von Management und Redaktion </li></ul></ul><ul><ul><li>Unabhängig von systemfremden Logiken </li></ul></ul><ul><li>In organisationaler Hinsicht: </li></ul><ul><ul><li>Trend zur Entdifferenzierung von Ressortstrukturen </li></ul></ul><ul><ul><li>Verfahren der Qualitätssicherung </li></ul></ul><ul><ul><li>Kompetenz (Wissen, Ausbildung, Reflexion) </li></ul></ul>
    5. 5. Qualitätsanforderungen an den Journalismus II: <ul><li>  In inhaltlich-funktionaler Hinsicht : </li></ul><ul><ul><li>Gesellschaftliche Relevanz </li></ul></ul><ul><ul><li>Unabhängigkeit </li></ul></ul><ul><ul><li>Perspektivenvielfalt </li></ul></ul><ul><ul><li>Aktualität (Bezug auf Jetzt-Zeit) </li></ul></ul><ul><ul><li>Faktizität, Richtigkeit </li></ul></ul><ul><ul><li>Transparenz </li></ul></ul><ul><ul><li>Zugänglichkeit (Verständlichkeit, Übersichtlichkeit, Anschaulichkeit, Narrativität) </li></ul></ul><ul><li>  </li></ul><ul><li>  </li></ul>
    6. 6. Qualitätsanforderungen an den Journalismus III: <ul><li>Je nach Systembezug zu ergänzende normative Kriterien: </li></ul><ul><li>Politik: </li></ul><ul><ul><li>Freiheit, Gleichheit, Integration, Deliberation, Legitimation </li></ul></ul><ul><li>Wirtschaft: </li></ul><ul><ul><li>Effizienz und Zielgruppenpassgenauigkeit </li></ul></ul><ul><li>Religion: </li></ul><ul><ul><li>Solidarität oder Nächstenliebe </li></ul></ul><ul><li>Kunst: </li></ul><ul><ul><li>Ästhetik </li></ul></ul><ul><li>  </li></ul><ul><li>  </li></ul><ul><li>  </li></ul>
    7. 7. Befunde aus den aktuellen BAKOM Studien (SwissGis)  Politik bzw. Demokratiebezug <ul><li>Politiker bemängeln Sachkenntnis der Journalisten </li></ul><ul><li>Politiker stellen hohe Fluktuation bei Journalisten fest </li></ul><ul><li>Lokaljournalismus konzentriert sich auf Exekutivpolitiker und organisierte Interessen </li></ul><ul><li>Politiker kritisieren Tendenz zu «soft news», aber auch (politisch) unkritischer Berichterstattung </li></ul><ul><li>Politiker vermissen lösungsorientierten Journalismus </li></ul>
    8. 8. Rückgriff auf das Sample aus zwei Untersuchungen Privat- rundfunk SRG Print / Online Quantitative Studie Methode Onlinebefragung Fragebogen Im Feld Winter 2006/7 Herbst 2007 Sommer 2008 Grund- gesamtheit 1’ 100 1’ 800 7’ 300 Sample 449 610 1’ 403 Rücklauf 39% 33% 19% Qualitative Studie Methode Interviews Beobachtung - Interviews Beobachtung Im Feld Sommer 2010 - Sommer 2010 Sample 48 Redakteure in 12 Redaktionen
    9. 9. WOLLEN / SOLLEN Deutungsmuster Normen: Journalismuskonzepte Orientierungen Selektionskriterien Inszenierungsregeln KÖNNEN Allokative & Autoritative Ressourcen: Personal, Wissen Zeit Arbeitsbedingungen (Sicherungs-)Prozesse kommunizieren / rechtfertigen Macht ausüben Regeln der Signifikation/Legitimation Ressourcen der Herrschaftsordnung Strukturationsprozess rekursiver Prozess
    10. 10. Arbeitsbedingungen
    11. 11. Bedingungen für die Recherche
    12. 12. Professionalisierung: Aus- bzw. Weiterbildung; Organisiertheit (Verband)
    13. 13. Weiterbildung (Studie: Evaluation el. Privatmedien, N=196)
    14. 14. Job-Zufriedenheit (Privatrundfunk N= 196)
    15. 15. Qualitätssteuerung: Dokumente und Prozesse der Q-Sicherung
    16. 16. Orientierungen
    17. 17. Rollenkonzepte 1 = trifft stark zu 6 = trifft nicht zu Medientyp   Spezialfälle   Langzeit- Vergleich   SRG Privat- rundfunk Print   Lokales Gratis- zeitung Online   1999 2008 Neutraler Berichterstatter 1.6 1.7  1.6   1.3 1.4   1.7   1.8  1.6  Analytiker   2.2 2.9  2.1    2.1 2.3 2.3    2.2  2.2  Kritiker   2.7 2.7 2.5    2.1 2.5 2.7   2.4 2.5  Dienstleister 2.6 2.5 2.9   3.0 2.6  2.8    3.1 2.8 Vermarkter 5.3 4.6  4.9    5.1    4.1 5.0   4.8 4.9  Zielgruppenverkäufer 5.6 4.8 5.0 5.3 4.4 5.2 5.1 5.1
    18. 18. Neue Organisationsmodelle
    19. 19. Abgrenzungen <ul><li>Abgrenzung: „Wir“ und „die dort“ </li></ul><ul><li>„ D ie (Online) machen einfach ohne Absprachen ihre Geschichten und dann sehen wir (Tages-Anzeiger) ungefähr so, was die am Machen sind.“ </li></ul><ul><li>„ Jede Information, die wir (20 Minuten) ihnen (20 Minuten Online) geben, ist für uns verloren. Wir haben das Interesse, eine News so lange wie möglich für uns zu behalten und dafür umso besser abzurecherchieren, damit wir am nächsten Tag den Knaller haben.“ </li></ul><ul><li>„ Wenn die (Onliner) besser werden wollen, legen wir denen sicher nicht Steine in den Weg.“   </li></ul>
    20. 20. Abgrenzungen – Abschichtungen? <ul><li>Abschichtung: „Der Abstieg“ </li></ul><ul><li>„ Wir alten Kläuse denken Print. Man macht zwar zuerst etwas fürs Online, aber eigentlich macht man ja trotzdem Print. Vielen ist es nicht wohl.“ </li></ul><ul><li>„ In der Abbauübung wird klassischen Printredaktoren gesagt, sie könnten bleiben, seien danach aber Onlinereaktoren. Das ist vom Status her ein Abstieg, weil Online noch nicht positiv besetzt ist.“ </li></ul><ul><li>Einerseits sagt man, Online sei so wichtig und andererseits hat man dort minderqualifizierte und schlechter bezahlte Leute.“ (Aargauer Zeitung) </li></ul>
    21. 21. «Online ist …« <ul><li>… „ Häppchen“ </li></ul><ul><li>… „ knackige Titel“ </li></ul><ul><li>... „unsorgfältig“ </li></ul><ul><li>… „ marginal“ </li></ul><ul><li>… „ nicht ernst genommen“ </li></ul><ul><li>… „ unerfahren “ </li></ul><ul><li>… „ f ehlerresistent “ </li></ul><ul><li>… „ respektlos “ </li></ul><ul><li>… „ beschämend“ </li></ul>«Zeitungstitel funktionieren im Online nicht. Zu wenig pointiert, zu wenig boulevardesk, sie machen nicht neugierig, sind langweilig. Man muss sie immer adaptieren, umformulieren, zuspitzen.» «Man kann durch die Klicks direkt verifizieren, welche Geschichte gut läuft. Man weiss, dass Titel, die aus dem Print importiert werden, immer schlecht laufen.» Printredakteure ein Onliner
    22. 22. Ressource Internet als Treiber der Ko-Orientierung Erleichterte Zugänglichkeit zu Onlinemedien (auch Ausland) Effiziente Themenfindung („Monitoring“) Potenzial nimmt durch Zahl/Menge zu Exklusivität V + + Reproduktion Ergänzung V - + V - - Komplexitätsreduktion Konzentration Neuer Aspekt / Perspektive „nachziehen“ Quantitätssteigerung Stopp Neue Themensuche
    23. 23. Interaktion mit dem Publikum „ Orientierung“, Publikum kennen Seismograph „Demokratisierung“ „ Inspirationsquellen“ „Personalisierung“ „ Mehr Quellen“, „Fotos“ „Primeur-Maschine“ Mehr Kontakt, „Motivation“ „Niedrige Schwelle“ „ Kontrollmöglichkeit“ Barometer „Inspirationsquelle“ „Inputs“, Kontakt zu Publikum Veränderung der Interaktivität? Ambivalenz Kontaktzunahme durch Mails Forumseintrag/ Kommentar „ Klick“-Referenz Social Media / „Facebook“ etc. „ wenig fruchtbar“, „Zeitfresser“ „ User Generated Content“ „ aufwändig“, „aufgeregt“ „keine Schranken“, „Reflexe“„Affekt„Geschwätz“, V + V - „ Müll“, Valenzproblem, „zeitaufwändig“ <ul><li>Interaktion bleibt eher einseitig, Potenzial der Inklusion wenig ausgeschöpft  erhöhter Ressourcenbedarf, erhöhte Anforderungen an Professionalität </li></ul>„ Anpassungsdruck“ „gefährliches Tool“ Nivellierung „ zeitaufwändig“, „80% Trash“ „Kontrollaufwand“ Publikum
    24. 24. IAM Institut für Angewandte Medienwissenschaft Arbeitsbedingungen und Qualität im Lokaljournalismus: Neue Forschungsbefunde Prof. Dr. Vinzenz Wyss Kolloquium Lokaljournalismus und Qualität, 7. Juli 2011 im Aktionsfeld Medien & Kommunikation Zyklus: Regional- und Lokalmedien der Zukunft: Wer nutzt, wer macht, wer finanziert sie? [email_address]

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