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Jahreseröffnung 2014
Gruppe Deutsche Börse
20. Januar 2014

Sperrfrist: 20. Januar 2014, 19:10 Uhr
CET

Dr. Joachim Faber
Vorsitzender des Aufsichtsrats
Deutsche Börse AG, Frankfurt am Main

1
Es gilt das gesprochene Wort / Sperrfrist: 20. Januar 2014,
19:10 Uhr CET

Sehr geehrter Herr Bundesfinanzminister,
sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
sehr geehrter Herr Staatssekretär,
sehr geehrte Mitglieder des Bundestages,
sehr geehrter Herr Staatsminister,
sehr geehrter Präsident der Europäischen Zentralbank,
sehr geehrter Bundesbankpräsident,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Fraktionsvorsitzende,
sehr geehrte Mitglieder des hessischen Landtags,
meine Damen und Herren,

ich heiße Sie im Namen des Aufsichtsrats der Gruppe Deutsche Börse
herzlich willkommen zur Jahreseröffnung 2014!

Wie Sie wissen, ist es der Bundeskanzlerin durch ihren Sportunfall leider
nicht möglich, heute Abend hier zu uns zu sprechen. Auch im Namen
unseres Unternehmens möchte ich ihr eine rasche und vollkommene
Genesung wünschen.

Umso größer ist jedoch unsere Freude, dass Sie, sehr geehrter Herr
Finanzminister, es trotz Ihres sicher übervollen Terminkalenders möglich
gemacht haben, heute Abend vor uns zu reden.

2
Deutschland ist in den letzten Jahren zur wirtschaftlichen Lokomotive
Europas geworden. Für das kommende Jahr erwartet der Deutsche
Industrie- und Handelskammertag, dass die deutsche Wirtschaft mit einem
Exportumsatz von 1,45 Billionen Euro einen neuen Rekord aufstellen wird.
Nach aktuellen Berechnungen des Münchener Ifo-Instituts ist der
Überschuss in der deutschen Leistungsbilanz wieder der höchste der Welt –
und er steigt weiter. Selbst im Geschäft mit China hat Deutschland erstmals
seit 1988 einen Überschuss eingefahren. Unser Land zählt damit auch
global zu den führenden Wirtschaftsnationen.

Diese Stärke unserer Wirtschaft ist kein Zufall. Vielmehr ist sie das Resultat
einer über Jahrzehnte verlässlichen und klugen Wirtschaftspolitik, die auch
von Ihnen, Herr Minister, maßgeblich beeinflusst worden ist und die gute
Rahmenbedingungen für unseren Standort geschaffen hat:
§

eine stabile und auf Konsolidierung ausgelegte Haushaltspolitik,

§

die Bewahrung und Stützung unserer Kernmärkte in Europa,

§

engagierte Technologieförderung,

§

ein solides System der akademischen Breitenbildung und ein
einzigartiges System der beruflichen Bildung, das duale System,

§

sowie ein Festhalten und weiteres Ausbauen unserer sozialen
Marktwirtschaft.

Vor diesem Hintergrund möchte ich Ihnen, und ich denke im Namen vieler,
zurufen: Halten Sie Kurs – selbst wenn einige unserer kontinentalen und
transatlantischen Nachbarn uns gerne etwas schwächer sehen würden!

Liebe Gäste, diese so erfolgreiche deutsche Industrie braucht aber auch
einen erstklassigen Kapitalmarkt und eine erstklassige Finanzindustrie an
ihrer Seite, um diese günstigen Rahmenbedingungen dauerhaft nutzen zu
können.

3
Ich bin mir sehr darüber im Klaren, dass ein Plädoyer für einen starken
Kapitalmarkt im siebten Jahr nach Ausbruch der Finanzkrise nicht populär
ist. Ich verstehe auch sehr gut, dass die Öffentlichkeit bei der fortwährenden
Aufdeckung früherer Verfehlungen von Kapitalmarktteilnehmern zunächst
die Dimension Reparatur und Aufarbeitung auf ihrer Agenda hat – mehr als
die Dimension Förderung und Unterstützung.

Wir sollten uns aber nicht abbringen lassen von einer Weiterentwicklung
unserer Kapitalmarktstrukturen, die wir im globalen Wettbewerb benötigen.
Andere wirtschaftlich bedeutsame Nationen tun dies auch. Gern wiederhole
ich an dieser Stelle meine grundlegende Überzeugung, dass vorwiegend
regulierte, große Börsenorganisationen mit ihren Transparenzkriterien, ihren
Gleichbehandlungsgrundsätzen und zentralen Verrechnungsstellen in der
Krise für Stabilität und Beherrschbarkeit an den Kapitalmärkten sorgen.

Wir sollten auch nicht übersehen, dass der Kapitalmarkt das Lebenselixier
jeder Marktwirtschaft ist, indem er denen, die bereits erfolgreich Vermögen
gebildet haben, die Plattform schafft, es wieder zurückzugeben: zur
Erzielung von Renditen und zur Finanzierung derer, die für gute Ideen und
ehrgeizige Projekte Eigenkapital und Fremdkapital benötigen.

Natürlich wird jeder gut funktionierende Kapitalmarkt nicht nur langfristig
orientierten Investoren offenstehen, sondern auch denen, die kurzfristige
Liquidität in den Märkten zur Verfügung stellen. Es gilt aber, die
langfristigen Investoren am Kapitalmarkt zu stärken – und damit zugleich
die langfristig planende Realwirtschaft.

4
Anders als bei vielen großen Wirtschaftsnationen der Welt verfügen die
inländischen Kapitalsammelstellen in Deutschland nur über eine
vergleichsweise niedrige Kapazität, mit der sie im deutschen Aktienmarkt
zur Verfügung stehen können. Die Versicherungsgesellschaften als
klassische Kapitalsammelstellen im deutschen Markt sind durch die rapide
gestiegenen Risikokapitalanforderungen für Aktien selbst für langfristige
Anlagen kaum noch in der Lage, nennenswerte Aktienpositionen zu halten.
Ende 2012 lag der Prozentsatz des in Aktien angelegten Vermögens am
gesamten in Deutschland von Versicherungen verwalteten Finanzvermögen
nach Zahlen Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft bei
lediglich 3 Prozent. Klassische Pensionsfonds, die in allen angelsächsischen
Ländern, aber auch in der Schweiz, den Niederlanden und Skandinavien
eine große Rolle spielen, sind in Deutschland kaum vorhanden.

Mit anderen Worten: Wir überlassen die Chance, sich an der starken
Entwicklung der deutschen Realwirtschaft zu beteiligen, der übrigen Welt.
Die Entwicklung einer für die breite Gesellschaft nützlichen und langfristigen
Kapitalmarktkultur würde durch den stärkeren Aufbau von kapitalgedeckten
Altersvorsorgesystemen unterstützt werden können.

Es liegt also auch eine Chance in der Erkenntnis, dass als Folge einer
mehrjährigen Niedrigzinsphase die traditionellen Lösungen der
Versicherungsindustrie überdacht werden, die dem Bürger bisher sowohl das
biometrische Risiko als auch das Kapitalmarktrisiko abnahmen. Die
Herausforderungen des demographischen Wandels werden wir nur mit einer
stärkeren Kapitaldeckung unserer Altersversorgungssysteme und mit einer
stärkeren Nutzung des Kapitalmarkts bewältigen können!

5
Meine Damen und Herrn, am Finanzplatz Frankfurt tragen die zwei
herausragenden Institutionen Bundesbank und EZB als zentrale Autoritäten
entscheidend dazu bei, dass die deutsche Realwirtschaft so erfolgreich ist
und dass Europa die Last des Strukturwandels zu erträglichen Kosten
schultern kann. Diese Aufgabenteilung hat sich sehr bewährt; die
Verantwortung ist groß. Und sie wird in diesem Jahr mit den neuen
Aufgaben der EZB im Bereich der Finanzaufsicht noch weiter wachsen.
Was die Umsetzung sinnvoller regulatorischer Vorhaben im Markt anbelangt,
so ist neben der Bundesbank und der EZB auch die Deutsche Börse ein
wichtiger Baustein des Finanzplatzes Frankfurt – und damit zugleich ein
Bindeglied zwischen Politik und Markt. Denn die Deutsche Börse ist der
Stabilität und Integrität ebenso wie der Effizienz unseres Finanzsystems
verpflichtet und könnte bei passenden regulatorischen Rahmenbedingungen
zum Beispiel bei der Herstellung größerer Transparenz von nicht börslich
gehandelten Derivaten eine noch größere Rolle spielen.

Lassen Sie mich abschließend feststellen: Hierzulande mögen die
Herausforderungen der Gegenwart geringer sein als in anderen Ländern.
Wichtig ist aber, dass wir uns immer vor Augen führen: Wir leben in einer
Welt des globalen Wettbewerbs – eines Wettbewerbs der Standorte, eines
Wettbewerbs verschiedener Varianten der Marktwirtschaft und – ganz
entscheidend – eines Wettbewerbs der Regulierungsregime. In der neuen
Ordnung der Wirtschaft kommt es darauf an, dass der Wettbewerb zu
gleichen Regeln geführt wird.

6
Dies bedeutet, dass gut gemeinte, aber einseitig durchgesetzte Initiativen
auch negative Folgen für das Wohlergehen der eigenen Wirtschaft und der
eigenen Bevölkerung haben können. Wer das eigene Wirtschaftswachstum
oder dessen Finanzierungsmöglichkeiten riskiert, riskiert auch Teile der
Bevölkerung vom Wohlstand abzukoppeln. Die unerträglich hohe
Jugendarbeitslosigkeit in einzelnen Ländern sollte ein warnendes Beispiel
sein. Das darf uns in Deutschland nicht passieren. Schließlich hat kaum
eine Nation die Vorzüge der sozialen Marktwirtschaft überzeugender
aufgezeigt als unsere, und das über Jahrzehnte!

Meine Damen und Herren, in diesem Sinne blicke ich mit Zuversicht in die
Zukunft. Das gerade begonnene Jahr bietet beste Voraussetzungen, um ein
wirtschaftlich sehr erfolgreiches Jahr zu werden, von dem auch jeder Bürger
und jede Bürgerin dieses Landes profitieren sollte. Uns allen hier im Saal
wünsche ich ein Jahr, dass besonders wieder Vertrauen und Wachstum
bringt.

Es ist mir nun eine Ehre, den Bundesfinanzminister Schäuble auf die Bühne
zu bitten!

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Faber jahreseröffnung dbag 2014 deutsch

  • 1. Jahreseröffnung 2014 Gruppe Deutsche Börse 20. Januar 2014 Sperrfrist: 20. Januar 2014, 19:10 Uhr CET Dr. Joachim Faber Vorsitzender des Aufsichtsrats Deutsche Börse AG, Frankfurt am Main 1
  • 2. Es gilt das gesprochene Wort / Sperrfrist: 20. Januar 2014, 19:10 Uhr CET Sehr geehrter Herr Bundesfinanzminister, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, sehr geehrter Herr Staatssekretär, sehr geehrte Mitglieder des Bundestages, sehr geehrter Herr Staatsminister, sehr geehrter Präsident der Europäischen Zentralbank, sehr geehrter Bundesbankpräsident, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Fraktionsvorsitzende, sehr geehrte Mitglieder des hessischen Landtags, meine Damen und Herren, ich heiße Sie im Namen des Aufsichtsrats der Gruppe Deutsche Börse herzlich willkommen zur Jahreseröffnung 2014! Wie Sie wissen, ist es der Bundeskanzlerin durch ihren Sportunfall leider nicht möglich, heute Abend hier zu uns zu sprechen. Auch im Namen unseres Unternehmens möchte ich ihr eine rasche und vollkommene Genesung wünschen. Umso größer ist jedoch unsere Freude, dass Sie, sehr geehrter Herr Finanzminister, es trotz Ihres sicher übervollen Terminkalenders möglich gemacht haben, heute Abend vor uns zu reden. 2
  • 3. Deutschland ist in den letzten Jahren zur wirtschaftlichen Lokomotive Europas geworden. Für das kommende Jahr erwartet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, dass die deutsche Wirtschaft mit einem Exportumsatz von 1,45 Billionen Euro einen neuen Rekord aufstellen wird. Nach aktuellen Berechnungen des Münchener Ifo-Instituts ist der Überschuss in der deutschen Leistungsbilanz wieder der höchste der Welt – und er steigt weiter. Selbst im Geschäft mit China hat Deutschland erstmals seit 1988 einen Überschuss eingefahren. Unser Land zählt damit auch global zu den führenden Wirtschaftsnationen. Diese Stärke unserer Wirtschaft ist kein Zufall. Vielmehr ist sie das Resultat einer über Jahrzehnte verlässlichen und klugen Wirtschaftspolitik, die auch von Ihnen, Herr Minister, maßgeblich beeinflusst worden ist und die gute Rahmenbedingungen für unseren Standort geschaffen hat: § eine stabile und auf Konsolidierung ausgelegte Haushaltspolitik, § die Bewahrung und Stützung unserer Kernmärkte in Europa, § engagierte Technologieförderung, § ein solides System der akademischen Breitenbildung und ein einzigartiges System der beruflichen Bildung, das duale System, § sowie ein Festhalten und weiteres Ausbauen unserer sozialen Marktwirtschaft. Vor diesem Hintergrund möchte ich Ihnen, und ich denke im Namen vieler, zurufen: Halten Sie Kurs – selbst wenn einige unserer kontinentalen und transatlantischen Nachbarn uns gerne etwas schwächer sehen würden! Liebe Gäste, diese so erfolgreiche deutsche Industrie braucht aber auch einen erstklassigen Kapitalmarkt und eine erstklassige Finanzindustrie an ihrer Seite, um diese günstigen Rahmenbedingungen dauerhaft nutzen zu können. 3
  • 4. Ich bin mir sehr darüber im Klaren, dass ein Plädoyer für einen starken Kapitalmarkt im siebten Jahr nach Ausbruch der Finanzkrise nicht populär ist. Ich verstehe auch sehr gut, dass die Öffentlichkeit bei der fortwährenden Aufdeckung früherer Verfehlungen von Kapitalmarktteilnehmern zunächst die Dimension Reparatur und Aufarbeitung auf ihrer Agenda hat – mehr als die Dimension Förderung und Unterstützung. Wir sollten uns aber nicht abbringen lassen von einer Weiterentwicklung unserer Kapitalmarktstrukturen, die wir im globalen Wettbewerb benötigen. Andere wirtschaftlich bedeutsame Nationen tun dies auch. Gern wiederhole ich an dieser Stelle meine grundlegende Überzeugung, dass vorwiegend regulierte, große Börsenorganisationen mit ihren Transparenzkriterien, ihren Gleichbehandlungsgrundsätzen und zentralen Verrechnungsstellen in der Krise für Stabilität und Beherrschbarkeit an den Kapitalmärkten sorgen. Wir sollten auch nicht übersehen, dass der Kapitalmarkt das Lebenselixier jeder Marktwirtschaft ist, indem er denen, die bereits erfolgreich Vermögen gebildet haben, die Plattform schafft, es wieder zurückzugeben: zur Erzielung von Renditen und zur Finanzierung derer, die für gute Ideen und ehrgeizige Projekte Eigenkapital und Fremdkapital benötigen. Natürlich wird jeder gut funktionierende Kapitalmarkt nicht nur langfristig orientierten Investoren offenstehen, sondern auch denen, die kurzfristige Liquidität in den Märkten zur Verfügung stellen. Es gilt aber, die langfristigen Investoren am Kapitalmarkt zu stärken – und damit zugleich die langfristig planende Realwirtschaft. 4
  • 5. Anders als bei vielen großen Wirtschaftsnationen der Welt verfügen die inländischen Kapitalsammelstellen in Deutschland nur über eine vergleichsweise niedrige Kapazität, mit der sie im deutschen Aktienmarkt zur Verfügung stehen können. Die Versicherungsgesellschaften als klassische Kapitalsammelstellen im deutschen Markt sind durch die rapide gestiegenen Risikokapitalanforderungen für Aktien selbst für langfristige Anlagen kaum noch in der Lage, nennenswerte Aktienpositionen zu halten. Ende 2012 lag der Prozentsatz des in Aktien angelegten Vermögens am gesamten in Deutschland von Versicherungen verwalteten Finanzvermögen nach Zahlen Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft bei lediglich 3 Prozent. Klassische Pensionsfonds, die in allen angelsächsischen Ländern, aber auch in der Schweiz, den Niederlanden und Skandinavien eine große Rolle spielen, sind in Deutschland kaum vorhanden. Mit anderen Worten: Wir überlassen die Chance, sich an der starken Entwicklung der deutschen Realwirtschaft zu beteiligen, der übrigen Welt. Die Entwicklung einer für die breite Gesellschaft nützlichen und langfristigen Kapitalmarktkultur würde durch den stärkeren Aufbau von kapitalgedeckten Altersvorsorgesystemen unterstützt werden können. Es liegt also auch eine Chance in der Erkenntnis, dass als Folge einer mehrjährigen Niedrigzinsphase die traditionellen Lösungen der Versicherungsindustrie überdacht werden, die dem Bürger bisher sowohl das biometrische Risiko als auch das Kapitalmarktrisiko abnahmen. Die Herausforderungen des demographischen Wandels werden wir nur mit einer stärkeren Kapitaldeckung unserer Altersversorgungssysteme und mit einer stärkeren Nutzung des Kapitalmarkts bewältigen können! 5
  • 6. Meine Damen und Herrn, am Finanzplatz Frankfurt tragen die zwei herausragenden Institutionen Bundesbank und EZB als zentrale Autoritäten entscheidend dazu bei, dass die deutsche Realwirtschaft so erfolgreich ist und dass Europa die Last des Strukturwandels zu erträglichen Kosten schultern kann. Diese Aufgabenteilung hat sich sehr bewährt; die Verantwortung ist groß. Und sie wird in diesem Jahr mit den neuen Aufgaben der EZB im Bereich der Finanzaufsicht noch weiter wachsen. Was die Umsetzung sinnvoller regulatorischer Vorhaben im Markt anbelangt, so ist neben der Bundesbank und der EZB auch die Deutsche Börse ein wichtiger Baustein des Finanzplatzes Frankfurt – und damit zugleich ein Bindeglied zwischen Politik und Markt. Denn die Deutsche Börse ist der Stabilität und Integrität ebenso wie der Effizienz unseres Finanzsystems verpflichtet und könnte bei passenden regulatorischen Rahmenbedingungen zum Beispiel bei der Herstellung größerer Transparenz von nicht börslich gehandelten Derivaten eine noch größere Rolle spielen. Lassen Sie mich abschließend feststellen: Hierzulande mögen die Herausforderungen der Gegenwart geringer sein als in anderen Ländern. Wichtig ist aber, dass wir uns immer vor Augen führen: Wir leben in einer Welt des globalen Wettbewerbs – eines Wettbewerbs der Standorte, eines Wettbewerbs verschiedener Varianten der Marktwirtschaft und – ganz entscheidend – eines Wettbewerbs der Regulierungsregime. In der neuen Ordnung der Wirtschaft kommt es darauf an, dass der Wettbewerb zu gleichen Regeln geführt wird. 6
  • 7. Dies bedeutet, dass gut gemeinte, aber einseitig durchgesetzte Initiativen auch negative Folgen für das Wohlergehen der eigenen Wirtschaft und der eigenen Bevölkerung haben können. Wer das eigene Wirtschaftswachstum oder dessen Finanzierungsmöglichkeiten riskiert, riskiert auch Teile der Bevölkerung vom Wohlstand abzukoppeln. Die unerträglich hohe Jugendarbeitslosigkeit in einzelnen Ländern sollte ein warnendes Beispiel sein. Das darf uns in Deutschland nicht passieren. Schließlich hat kaum eine Nation die Vorzüge der sozialen Marktwirtschaft überzeugender aufgezeigt als unsere, und das über Jahrzehnte! Meine Damen und Herren, in diesem Sinne blicke ich mit Zuversicht in die Zukunft. Das gerade begonnene Jahr bietet beste Voraussetzungen, um ein wirtschaftlich sehr erfolgreiches Jahr zu werden, von dem auch jeder Bürger und jede Bürgerin dieses Landes profitieren sollte. Uns allen hier im Saal wünsche ich ein Jahr, dass besonders wieder Vertrauen und Wachstum bringt. Es ist mir nun eine Ehre, den Bundesfinanzminister Schäuble auf die Bühne zu bitten! 7