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Jahreseröffnung 2015: Rede von Dr. Reto Francioni

Jahreseröffnung 2015: Rede von Dr. Reto Francioni, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse AG

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Es gilt das gesprochene Wort.
Jahreseröffnung 2015
Gruppe Deutsche Börse
19. Januar 2015
[Sperrfrist: 19. Januar 2015, bis
Redebeginn Francioni]
Dr. Reto Francioni
Vorsitzender des Vorstands
Deutsche Börse AG, Frankfurt am Main
Es gilt das gesprochene Wort/Sperrfrist: 19. Januar 2015, bis Redebeginn
Francioni
2
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
sehr geehrter Herr Bundesratspräsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
meine Damen und Herren,
aus meiner Sicht ein letztes Mal darf ich Sie hier an dieser Stelle herzlich
willkommen heißen. Ich freue mich daher umso mehr, heute einige
Worte an Sie richten zu können. Vor allem möchte ich mit dieser Rede
meinen Dank ausdrücken.
Zunächst Ihnen, liebe Frau Bundeskanzlerin: Herzlichen Dank für Ihre
eindrucksvolle Rede, für Ihren Einsatz für den Finanzplatz Frankfurt und
natürlich für Ihren Besuch! Besonders dankbar bin ich für letzteres, da
Sie, liebe Frau Bundeskanzlerin, uns im vergangenen Jahr einen Korb
geben mussten, nachdem Sie unangenehme, zum Glück wenig
folgenreiche, nähere Bekanntschaft mit der Wirkung der Erdanziehung in
verschneitem Gelände machen mussten. Heute allerdings sind Sie in
voller Kraft bei uns, und wir haben soeben gehört, was das bedeutet.
Danke also, dass Sie bei uns sind, und danke für Ihr Interesse an uns,
der Financial Community in Frankfurt!
Meine Damen und Herren, vor fast genau zwei Jahren habe ich an
gleicher Stelle gesagt, dass das Wachstum in unseren Märkten weniger
in Europa stattfinden wird, sondern vor allem in Asien. Ich habe Ihnen
gesagt, dass die Deutsche Börse sich in einer ausgezeichneten Position
sieht, einerseits ihre erarbeitete Marktstellung in Europa und Asien zu
sichern, andererseits mit deutlichem Vorsprung vor allem in China
Pflöcke einzuschlagen.
Es gilt das gesprochene Wort/Sperrfrist: 19. Januar 2015, bis Redebeginn
Francioni
3
Auch im zurückliegenden Jahr sind wir diesbezüglich bedeutende
Schritte vorangekommen. Ich denke dabei beispielsweise an unsere
strategische Allianz mit der Bank of China, durch die der Finanzplatz
Frankfurt zum ersten Clearing-Zentrum für den Renminbi im Euro-Raum
geworden ist. Und ich denke an unsere Aktivitäten in Singapur, die wir
durch die Gründung eines Clearinghauses kontinuierlich ausbauen.
Diese und weitere Erfolge gehen vor allem auf das Konto unserer Asia
Task Force, die einen herausragenden Job macht und der ich am
heutigen Abend ebenfalls herzlich danken möchte.
Mit dem Ausbau unserer Asien-Aktivitäten vollziehen wir die Entwicklung
der volkswirtschaftlichen Gewichts- und Wachstumsverteilung nach. Vor
wenigen Wochen gingen Nachrichten durch die Medien, wonach China,
gemessen an seiner nationalen Kaufkraft, die USA im zurückliegenden
Jahr überholt hat. Und bei Wachstumsraten von rund 7 Prozent auf der
bestehenden, eindrücklichen Basis wird China diese Spitzenstellung
weiter ausbauen.
Entsprechend steigt dort auch der Bedarf an sicheren und integren
Börsendienstleistungen rapide. Asien ist zum Motor der Weltwirtschaft
geworden und wird es bis auf weiteres wohl auch bleiben. Eine gute
Nachricht, finde ich, denn noch vor wenigen Jahren zählten
wirtschaftlich nur Europa und die USA. Heute sind es drei Regionen, die
stark sind.
Es gilt das gesprochene Wort/Sperrfrist: 19. Januar 2015, bis Redebeginn
Francioni
4
Meine Damen und Herren, Asien ist eines unserer zentralen Themen.
Genauso wichtig aber ist die Zukunft der weltweiten Finanzindustrie. Im
Oktober 2008, nach dem Crash von Lehman Brothers, stand die
Finanzwelt am Rand des Kollapses. Es entstand eine Vertrauenskrise
gigantischen Ausmaßes. Vertrauen ist die Grundlage eines jeden
Geschäfts – ganz besonders im Finanzsektor. Vertrauen ist aber vor allem
ein Resultat: das Resultat von Integrität, von Anstand und von
Verantwortung. Diese Werte waren uns immer wichtig und werden
weiterhin unser Handeln bestimmen.
Im siebten Jahr nach den Ereignissen von 2008 können wir sagen, dass
die schwerste Finanzkrise der letzten Jahrzehnte gemeistert ist – auch
wenn die Staatsschuldenkrise in einigen Ländern des Euro-Raums nach
wie vor anhält. Liebe Frau Bundeskanzlerin, dass es nicht zum
Schlimmsten gekommen ist, daran haben politisch vor allem Sie einen
sehr großen Anteil. Und so möchte ich auch Ihnen an dieser Stelle im
Namen vieler Kolleginnen und Kollegen für Ihre Leistungen für Europa in
den vergangenen Jahren danken.
Natürlich will ich beim Stichwort Stabilität – insbesondere Preisstabilität
– auch die herausragenden Verdienste der Bundesbank und der
Europäischen Zentralbank nicht unerwähnt lassen.
Es gilt das gesprochene Wort/Sperrfrist: 19. Januar 2015, bis Redebeginn
Francioni
5
Sie alle, meine Damen und Herren, liebe Gäste, Sie alle haben meinen
tiefsten Respekt dafür, dass dies in einer gewaltigen gemeinsamen
Anstrengung gelungen ist. Es waren keine leichten Zeiten, und es liegt
noch viel Arbeit vor uns. Ich bin durchaus stolz darauf, dass unsere
Systeme auch in den dunkelsten Stunden dazu beigetragen haben, die
Lage zu stabilisieren. Dafür gebührt mein Dank nicht zuletzt allen
Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich hier seit über einem Jahrzehnt
in diesem eindrucksvollen Unternehmen zusammengearbeitet habe.
Die Stabilität der europäischen Finanzmärkte ist eine Sache. Eine andere
sind Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen in Europa. Dies
muss uns allen ein vorrangiges Anliegen sein. Nicht zuletzt
Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat dies als politische
Priorität der kommenden Jahre festgelegt. Dabei soll unter anderem die
angestrebte Kapitalmarktunion die Vision eines integrierten und
harmonisierten Europäischen Finanzmarkts umsetzen. Vor allem aber
soll sie den Zugang zu Finanzierungsquellen zusätzlich zur traditionellen
Bankenfinanzierung verbessern und so zum Wachstum der europäischen
Märkte und zu einem Wohlstand beitragen, der über die Grenzen
Europas hinausgeht. Im Rahmen unserer Möglichkeiten, das möchte ich
heute Abend versprechen, wird die Deutsche Börse AG dieses Vorhaben
mit großem Nachdruck unterstützen.
Es gilt das gesprochene Wort/Sperrfrist: 19. Januar 2015, bis Redebeginn
Francioni
6
Meine Damen und Herren, ein Wort in eigener Sache: Wie Sie wissen,
werde ich Mitte dieses Jahres nach einem Jahrzehnt an der Spitze der
Deutschen Börse meine Aufgaben an meinen Nachfolger Herrn Carsten
Kengeter übergeben, den ich an dieser Stelle auch von meiner Seite aus
herzlich willkommen heiße. Damit wird ein Generationenwechsel
vollzogen, und ich wünsche Ihnen, lieber Herr Carsten Kengeter, eine
glückliche Hand und weiterhin den Erfolg, den dieses Unternehmen
verdient! Ich selber werde dem Finanzplatz Frankfurt gerne verbunden
bleiben; freue mich aber auch auf den neuen Lebensabschnitt.
Abschließend bleibt mir nur – unsere langjährigen Gäste wissen das –,
Ihnen zum Beginn des neuen Börsenjahrs eine unwiederbringliche
Weisheit aus der Welt des Fußballs mit auf den Weg zu geben. In diesem
Jahr möchte ich auf mein Lieblingszitat – es stammt von dem
österreichischen Fußballer Hans Krankl und nicht von Lothar Matthäus –
zurückgreifen, das für mich ein unübertroffenes Motto für die Zukunft
dieses Unternehmens, für den Finanzplatz und für die Politik ist: „Wir
müssen gewinnen, alles andere ist primär.“
Dem ist nichts hinzuzufügen. Frau Bundeskanzlerin, verehrte Gäste, ich
danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen einen
unterhaltsamen Abend und von Herzen ein gesundes und erfolgreiches
Jahr 2015.
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  • 1. Es gilt das gesprochene Wort. Jahreseröffnung 2015 Gruppe Deutsche Börse 19. Januar 2015 [Sperrfrist: 19. Januar 2015, bis Redebeginn Francioni] Dr. Reto Francioni Vorsitzender des Vorstands Deutsche Börse AG, Frankfurt am Main
  • 2. Es gilt das gesprochene Wort/Sperrfrist: 19. Januar 2015, bis Redebeginn Francioni 2 Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, sehr geehrter Herr Bundesratspräsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren, aus meiner Sicht ein letztes Mal darf ich Sie hier an dieser Stelle herzlich willkommen heißen. Ich freue mich daher umso mehr, heute einige Worte an Sie richten zu können. Vor allem möchte ich mit dieser Rede meinen Dank ausdrücken. Zunächst Ihnen, liebe Frau Bundeskanzlerin: Herzlichen Dank für Ihre eindrucksvolle Rede, für Ihren Einsatz für den Finanzplatz Frankfurt und natürlich für Ihren Besuch! Besonders dankbar bin ich für letzteres, da Sie, liebe Frau Bundeskanzlerin, uns im vergangenen Jahr einen Korb geben mussten, nachdem Sie unangenehme, zum Glück wenig folgenreiche, nähere Bekanntschaft mit der Wirkung der Erdanziehung in verschneitem Gelände machen mussten. Heute allerdings sind Sie in voller Kraft bei uns, und wir haben soeben gehört, was das bedeutet. Danke also, dass Sie bei uns sind, und danke für Ihr Interesse an uns, der Financial Community in Frankfurt! Meine Damen und Herren, vor fast genau zwei Jahren habe ich an gleicher Stelle gesagt, dass das Wachstum in unseren Märkten weniger in Europa stattfinden wird, sondern vor allem in Asien. Ich habe Ihnen gesagt, dass die Deutsche Börse sich in einer ausgezeichneten Position sieht, einerseits ihre erarbeitete Marktstellung in Europa und Asien zu sichern, andererseits mit deutlichem Vorsprung vor allem in China Pflöcke einzuschlagen.
  • 3. Es gilt das gesprochene Wort/Sperrfrist: 19. Januar 2015, bis Redebeginn Francioni 3 Auch im zurückliegenden Jahr sind wir diesbezüglich bedeutende Schritte vorangekommen. Ich denke dabei beispielsweise an unsere strategische Allianz mit der Bank of China, durch die der Finanzplatz Frankfurt zum ersten Clearing-Zentrum für den Renminbi im Euro-Raum geworden ist. Und ich denke an unsere Aktivitäten in Singapur, die wir durch die Gründung eines Clearinghauses kontinuierlich ausbauen. Diese und weitere Erfolge gehen vor allem auf das Konto unserer Asia Task Force, die einen herausragenden Job macht und der ich am heutigen Abend ebenfalls herzlich danken möchte. Mit dem Ausbau unserer Asien-Aktivitäten vollziehen wir die Entwicklung der volkswirtschaftlichen Gewichts- und Wachstumsverteilung nach. Vor wenigen Wochen gingen Nachrichten durch die Medien, wonach China, gemessen an seiner nationalen Kaufkraft, die USA im zurückliegenden Jahr überholt hat. Und bei Wachstumsraten von rund 7 Prozent auf der bestehenden, eindrücklichen Basis wird China diese Spitzenstellung weiter ausbauen. Entsprechend steigt dort auch der Bedarf an sicheren und integren Börsendienstleistungen rapide. Asien ist zum Motor der Weltwirtschaft geworden und wird es bis auf weiteres wohl auch bleiben. Eine gute Nachricht, finde ich, denn noch vor wenigen Jahren zählten wirtschaftlich nur Europa und die USA. Heute sind es drei Regionen, die stark sind.
  • 4. Es gilt das gesprochene Wort/Sperrfrist: 19. Januar 2015, bis Redebeginn Francioni 4 Meine Damen und Herren, Asien ist eines unserer zentralen Themen. Genauso wichtig aber ist die Zukunft der weltweiten Finanzindustrie. Im Oktober 2008, nach dem Crash von Lehman Brothers, stand die Finanzwelt am Rand des Kollapses. Es entstand eine Vertrauenskrise gigantischen Ausmaßes. Vertrauen ist die Grundlage eines jeden Geschäfts – ganz besonders im Finanzsektor. Vertrauen ist aber vor allem ein Resultat: das Resultat von Integrität, von Anstand und von Verantwortung. Diese Werte waren uns immer wichtig und werden weiterhin unser Handeln bestimmen. Im siebten Jahr nach den Ereignissen von 2008 können wir sagen, dass die schwerste Finanzkrise der letzten Jahrzehnte gemeistert ist – auch wenn die Staatsschuldenkrise in einigen Ländern des Euro-Raums nach wie vor anhält. Liebe Frau Bundeskanzlerin, dass es nicht zum Schlimmsten gekommen ist, daran haben politisch vor allem Sie einen sehr großen Anteil. Und so möchte ich auch Ihnen an dieser Stelle im Namen vieler Kolleginnen und Kollegen für Ihre Leistungen für Europa in den vergangenen Jahren danken. Natürlich will ich beim Stichwort Stabilität – insbesondere Preisstabilität – auch die herausragenden Verdienste der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank nicht unerwähnt lassen.
  • 5. Es gilt das gesprochene Wort/Sperrfrist: 19. Januar 2015, bis Redebeginn Francioni 5 Sie alle, meine Damen und Herren, liebe Gäste, Sie alle haben meinen tiefsten Respekt dafür, dass dies in einer gewaltigen gemeinsamen Anstrengung gelungen ist. Es waren keine leichten Zeiten, und es liegt noch viel Arbeit vor uns. Ich bin durchaus stolz darauf, dass unsere Systeme auch in den dunkelsten Stunden dazu beigetragen haben, die Lage zu stabilisieren. Dafür gebührt mein Dank nicht zuletzt allen Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich hier seit über einem Jahrzehnt in diesem eindrucksvollen Unternehmen zusammengearbeitet habe. Die Stabilität der europäischen Finanzmärkte ist eine Sache. Eine andere sind Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen in Europa. Dies muss uns allen ein vorrangiges Anliegen sein. Nicht zuletzt Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat dies als politische Priorität der kommenden Jahre festgelegt. Dabei soll unter anderem die angestrebte Kapitalmarktunion die Vision eines integrierten und harmonisierten Europäischen Finanzmarkts umsetzen. Vor allem aber soll sie den Zugang zu Finanzierungsquellen zusätzlich zur traditionellen Bankenfinanzierung verbessern und so zum Wachstum der europäischen Märkte und zu einem Wohlstand beitragen, der über die Grenzen Europas hinausgeht. Im Rahmen unserer Möglichkeiten, das möchte ich heute Abend versprechen, wird die Deutsche Börse AG dieses Vorhaben mit großem Nachdruck unterstützen.
  • 6. Es gilt das gesprochene Wort/Sperrfrist: 19. Januar 2015, bis Redebeginn Francioni 6 Meine Damen und Herren, ein Wort in eigener Sache: Wie Sie wissen, werde ich Mitte dieses Jahres nach einem Jahrzehnt an der Spitze der Deutschen Börse meine Aufgaben an meinen Nachfolger Herrn Carsten Kengeter übergeben, den ich an dieser Stelle auch von meiner Seite aus herzlich willkommen heiße. Damit wird ein Generationenwechsel vollzogen, und ich wünsche Ihnen, lieber Herr Carsten Kengeter, eine glückliche Hand und weiterhin den Erfolg, den dieses Unternehmen verdient! Ich selber werde dem Finanzplatz Frankfurt gerne verbunden bleiben; freue mich aber auch auf den neuen Lebensabschnitt. Abschließend bleibt mir nur – unsere langjährigen Gäste wissen das –, Ihnen zum Beginn des neuen Börsenjahrs eine unwiederbringliche Weisheit aus der Welt des Fußballs mit auf den Weg zu geben. In diesem Jahr möchte ich auf mein Lieblingszitat – es stammt von dem österreichischen Fußballer Hans Krankl und nicht von Lothar Matthäus – zurückgreifen, das für mich ein unübertroffenes Motto für die Zukunft dieses Unternehmens, für den Finanzplatz und für die Politik ist: „Wir müssen gewinnen, alles andere ist primär.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Frau Bundeskanzlerin, verehrte Gäste, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen einen unterhaltsamen Abend und von Herzen ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2015.