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Zur digitalen Transformation im
Geld- und Kreditbereich
Gouverneur Prof. Ewald Nowotny
www.oenb.at
Agenda Austria 2020. Digitalisierung in Wirtschaft und Staat
18.Juni 2018 FH Campus Wien
www.oenb.at oenb.info@oenb.at
Digitalisierung im Finanzsektor
• Digitalisierung im Finanzsektor nichts Neues; viele Produkte und Prozesse
schon lange digital (zb e-banking statt Zahlschein).
• Sektor investiert überproportional viel: Finanzsektor ist größter Anwender
digitaler Technologien und Haupttreiber der Digitalisierung der Wirtschaft.
• Digitalisierungsschub kann Angebotsstruktur stark verändern, aber auch
Kundenbedürfnisse und -struktur.
• Seit einigen Jahren neuer Digitalisierungs- und Innovationsschub im
Finanzwesen. Anfangs stark getrieben von start ups („Fintechs“), heute alte und
neue player sehr aktiv, teils konkurrierend, teils kooperierend.
• Hohes Innovationstempo – aber wie so oft: Nicht alles was neu ist, erweist sich als
profitabel und langlebig. Überlegtes und risikobewusstes Agieren in diesem Umfeld
wichtig wie eh und je.
www.oenb.at oenb.info@oenb.at
FinTech: Moderne Technologien, neue Geschäftsmodelle
Automatisierung
& Künstliche
Intelligenz
Mobile Dienste
für Endkunden
 Crowd lending und -investing
 AT Investitionsvolumen 2017:
EUR 28 Mio. (200 Projekte)
 Apps fürs Handy
 Für Abwicklung von Zahlungen,
Kontoführung, Infodienste, Anlagen etc.
Finanzierungs-
plattformen
 Robo-Advisors für Anlageberatung,
automatisiertes Credit-Scoring, Chatbots,
Mustererkennung, Sprache
Denkbare Anwendungsfälle Beispiele
Technologien
Big Data
Analyse &
Algorithmen
 Sammlung+Analyse großer Datenpools
 Für Bonitätsprüfung, Ratings, Aufsicht,
Regulierung etc.
Loot
Blockchain
 Ausgabe und Übertragung digitaler
Wertzeichen (Bitcoin,..)
 Dezentralisierung von Datenbanken.
Geschätzte
Marktreife
www.oenb.at oenb.info@oenb.at
Szenarien: FinTech als Risiko oder Chance?
 Entbündelung Bankengeschäft
unterminiert Geschäftsmodelle:
schwächt Fintech-Fokus auf lukrative
Segmente Bankenprofitabilität?
 Neue Oligopole – verdrängen US-Online-
Konzerne heimische Banken?
 Kostendruck/Personalabbau durch
automatisierte globale Fintech-
Konkurrenzangebote?
 Konsumentenschutz – Zugangshürden,
Unübersichtlichkeit, Irreführung:
Wachsende Angebotsvielfalt - mehr
Fehlentscheidungen, Krisen und Betrug?
 Datenschutz/Cyber-Crime: erhöht
Digitalisierung Verwundbarkeit?
 Behördliches Monitoring: reißen
Fintechs Lücken in Aufsicht, Regulierung,
Datenerfassung?
 Angebotsverbesserung für
Kundschaft Neue Kunden, neue
Vertriebswege, bessere Produkte (zb
über Smartphone) – sei es durch
Konkurrenz oder Kooperation Banken-
Fintechs
 Effizienzsteigerung durch Digitalisierung
und mehr Wettbewerb
 „Big Data“: Informationszuwachs und
Auswertungsmöglichkeiten können
Entscheidungen verbessern
(Konsumenten, Unternehmen, Aufseher)
 Technologie mischt die Karten im
Markt tw. neu - Aufbrechen von
Marktmacht
Mögliche Risiken Mögliche Chancen
www.oenb.at oenb.info@oenb.at
Was tun Notenbanken und Behörden?
1. Orientierung geben: Soziale Bedeutung (Möglichkeiten, Grenzen und Risiken)
von Technik richtig verstehen
 Private digitale Wertzeichen wie Bitcoin ohne verantwortliche Instanz auf einer
Blockchain können ein Spekulationsobjekt für Risikofreudige bereitstellen, aber
keine stabile, wertunterlegte, allgemein akzeptierte Währung erzeugen.
 Disintermediation? Banken übernehmen finanzielle Risiken für die Kundschaft
(Wertstabilität der Guthaben etc.). Rein technische Vermittlungs-Plattformen (zb
crowdfunding und -investing) ohne starke Eigentümer-Bilanzen dahinter können
solche Garantien von Intermediären ergänzen bzw.nutzen, aber nicht ersetzen.
 Chancen technischer Innovation sehen und risikobewusst ergreifen, aber
Achtung vor techno-deterministischen Märchen
www.oenb.at oenb.info@oenb.at
Was tun Notenbanken und Behörden?
2. Infrastrukturleistungen von Notenbanken anpassen
Zahlungsverkehr:
• Wachsender Bedarf an Echtzeit-Zahlungen infolge Digitalisierung der Wirtschaft.
• Im November 2018 startet EZB mit TIPS ein Echtzeit-Bezahlsystem in
Zentralbankgeld als Basis für private Endkunden-Zahlungsanbieter => Weltneuheit
Zahlungsmittel:
• Bargeld-Bereitstellung – Auslaufmodell oder Comeback in neuem Licht?
• Bspl. Schweden: Bargeld-Nutzungsrückgang zugunsten Karten- und
Mobilzahlungen in nationaler Währung – Zentralbank denkt über Digitalversion von
Bargeld nach, u.a. zwecks Vermeidung privater Monopolbildung im
Zahlungsverkehr.
• Im Euroraum: Trotz Digitalisierung im Zahlungsverkehr Bargeld anhaltend beliebt
(v.a. in Ö, D); Bargeld ist mögliches back-up bei Totalausfall elektron.Systeme.
Supervisory and Regulatory Technology („SupTech“, „RegTech“):
• Arbeit an tw. Automatisierung der Datenerhebung, -überprüfung und -auswertung.
www.oenb.at oenb.info@oenb.at
Was tun Notenbanken und Behörden?
3. Rahmenbedingungen für nutzenstiftende Innovation setzen (Regulierung und
Aufsicht):
• Viele neue Geschäftsmodelle passen nicht in bestehenden Rechtsrahmen.
Folgen: Rechtsunsicherheit, Raum für Regulierungs-Arbitrage & Stabilitätsrisiken
 Österreich: BMF Fintech-Regulierungsrat eingesetzt. Auch Thema für ö. EU-
Präsidentschaft.
• Internationale Dimension wg.grenzüberschreitendem Charakter digitaler Dienste
 G20 Gipfel März 2018: Monitoring-Erfordernisse betr. Crypto assets überprüfen
 EUK Fintech Aktionsplan März 2018:
 Einrichtung eines EU FinTech Laboratorium als Dialograum zw. Fintechs und Behörden;
 Einrichtung eines Blockchain Beobachtungsforums;
 Maßnahmen zur Verbesserung von Anlageinformationen;
 Mehr Behördenkooperation bei Cyber-Sicherheit.
 Neue EU Zahlungsverkehrs-Richtlinie „PSD2“ regelt Zugangsgewährung zu
Bank-Kontodaten durch Bankkundschaft an innovative Kundendienst-Anbieter
(Zahlungs- und Informationsdienste, Finanzberatung etc.)
www.oenb.at oenb.info@oenb.at
Schlussfolgerungen
• Digitalisierung ist ein Veränderungstreiber im Finanzsektor.
• Jede neue Technologie birgt Chancen und Risiken.
• Zukunftsaussichten von Technologie abhängig von Wirtschaftlichkeit (Beitrag zu
Kostensenkung, Prozessoptimierung, Entwicklung neuer Angebote, Erfüllung neuer
Bedürfnisse etc.)
• Wichtige Rolle öffentlicher Instanzen:
 Rahmenbedingungen für Innovationsschub zur Optimierung gesellschaftlichen
Nutzens neuer Technik;
 als Bereitsteller öffentlicher Güter selbst aktiv gestalten.
• Als Notenbank widmen wir in Abstimmung mit internationalen Organisationen
sowohl der Beobachtung als auch der Gestaltung dieser Veränderungen im
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Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny (Oesterreichische Nationalbank)

  • 1. Zur digitalen Transformation im Geld- und Kreditbereich Gouverneur Prof. Ewald Nowotny www.oenb.at Agenda Austria 2020. Digitalisierung in Wirtschaft und Staat 18.Juni 2018 FH Campus Wien
  • 2. www.oenb.at oenb.info@oenb.at Digitalisierung im Finanzsektor • Digitalisierung im Finanzsektor nichts Neues; viele Produkte und Prozesse schon lange digital (zb e-banking statt Zahlschein). • Sektor investiert überproportional viel: Finanzsektor ist größter Anwender digitaler Technologien und Haupttreiber der Digitalisierung der Wirtschaft. • Digitalisierungsschub kann Angebotsstruktur stark verändern, aber auch Kundenbedürfnisse und -struktur. • Seit einigen Jahren neuer Digitalisierungs- und Innovationsschub im Finanzwesen. Anfangs stark getrieben von start ups („Fintechs“), heute alte und neue player sehr aktiv, teils konkurrierend, teils kooperierend. • Hohes Innovationstempo – aber wie so oft: Nicht alles was neu ist, erweist sich als profitabel und langlebig. Überlegtes und risikobewusstes Agieren in diesem Umfeld wichtig wie eh und je.
  • 3. www.oenb.at oenb.info@oenb.at FinTech: Moderne Technologien, neue Geschäftsmodelle Automatisierung & Künstliche Intelligenz Mobile Dienste für Endkunden  Crowd lending und -investing  AT Investitionsvolumen 2017: EUR 28 Mio. (200 Projekte)  Apps fürs Handy  Für Abwicklung von Zahlungen, Kontoführung, Infodienste, Anlagen etc. Finanzierungs- plattformen  Robo-Advisors für Anlageberatung, automatisiertes Credit-Scoring, Chatbots, Mustererkennung, Sprache Denkbare Anwendungsfälle Beispiele Technologien Big Data Analyse & Algorithmen  Sammlung+Analyse großer Datenpools  Für Bonitätsprüfung, Ratings, Aufsicht, Regulierung etc. Loot Blockchain  Ausgabe und Übertragung digitaler Wertzeichen (Bitcoin,..)  Dezentralisierung von Datenbanken. Geschätzte Marktreife
  • 4. www.oenb.at oenb.info@oenb.at Szenarien: FinTech als Risiko oder Chance?  Entbündelung Bankengeschäft unterminiert Geschäftsmodelle: schwächt Fintech-Fokus auf lukrative Segmente Bankenprofitabilität?  Neue Oligopole – verdrängen US-Online- Konzerne heimische Banken?  Kostendruck/Personalabbau durch automatisierte globale Fintech- Konkurrenzangebote?  Konsumentenschutz – Zugangshürden, Unübersichtlichkeit, Irreführung: Wachsende Angebotsvielfalt - mehr Fehlentscheidungen, Krisen und Betrug?  Datenschutz/Cyber-Crime: erhöht Digitalisierung Verwundbarkeit?  Behördliches Monitoring: reißen Fintechs Lücken in Aufsicht, Regulierung, Datenerfassung?  Angebotsverbesserung für Kundschaft Neue Kunden, neue Vertriebswege, bessere Produkte (zb über Smartphone) – sei es durch Konkurrenz oder Kooperation Banken- Fintechs  Effizienzsteigerung durch Digitalisierung und mehr Wettbewerb  „Big Data“: Informationszuwachs und Auswertungsmöglichkeiten können Entscheidungen verbessern (Konsumenten, Unternehmen, Aufseher)  Technologie mischt die Karten im Markt tw. neu - Aufbrechen von Marktmacht Mögliche Risiken Mögliche Chancen
  • 5. www.oenb.at oenb.info@oenb.at Was tun Notenbanken und Behörden? 1. Orientierung geben: Soziale Bedeutung (Möglichkeiten, Grenzen und Risiken) von Technik richtig verstehen  Private digitale Wertzeichen wie Bitcoin ohne verantwortliche Instanz auf einer Blockchain können ein Spekulationsobjekt für Risikofreudige bereitstellen, aber keine stabile, wertunterlegte, allgemein akzeptierte Währung erzeugen.  Disintermediation? Banken übernehmen finanzielle Risiken für die Kundschaft (Wertstabilität der Guthaben etc.). Rein technische Vermittlungs-Plattformen (zb crowdfunding und -investing) ohne starke Eigentümer-Bilanzen dahinter können solche Garantien von Intermediären ergänzen bzw.nutzen, aber nicht ersetzen.  Chancen technischer Innovation sehen und risikobewusst ergreifen, aber Achtung vor techno-deterministischen Märchen
  • 6. www.oenb.at oenb.info@oenb.at Was tun Notenbanken und Behörden? 2. Infrastrukturleistungen von Notenbanken anpassen Zahlungsverkehr: • Wachsender Bedarf an Echtzeit-Zahlungen infolge Digitalisierung der Wirtschaft. • Im November 2018 startet EZB mit TIPS ein Echtzeit-Bezahlsystem in Zentralbankgeld als Basis für private Endkunden-Zahlungsanbieter => Weltneuheit Zahlungsmittel: • Bargeld-Bereitstellung – Auslaufmodell oder Comeback in neuem Licht? • Bspl. Schweden: Bargeld-Nutzungsrückgang zugunsten Karten- und Mobilzahlungen in nationaler Währung – Zentralbank denkt über Digitalversion von Bargeld nach, u.a. zwecks Vermeidung privater Monopolbildung im Zahlungsverkehr. • Im Euroraum: Trotz Digitalisierung im Zahlungsverkehr Bargeld anhaltend beliebt (v.a. in Ö, D); Bargeld ist mögliches back-up bei Totalausfall elektron.Systeme. Supervisory and Regulatory Technology („SupTech“, „RegTech“): • Arbeit an tw. Automatisierung der Datenerhebung, -überprüfung und -auswertung.
  • 7. www.oenb.at oenb.info@oenb.at Was tun Notenbanken und Behörden? 3. Rahmenbedingungen für nutzenstiftende Innovation setzen (Regulierung und Aufsicht): • Viele neue Geschäftsmodelle passen nicht in bestehenden Rechtsrahmen. Folgen: Rechtsunsicherheit, Raum für Regulierungs-Arbitrage & Stabilitätsrisiken  Österreich: BMF Fintech-Regulierungsrat eingesetzt. Auch Thema für ö. EU- Präsidentschaft. • Internationale Dimension wg.grenzüberschreitendem Charakter digitaler Dienste  G20 Gipfel März 2018: Monitoring-Erfordernisse betr. Crypto assets überprüfen  EUK Fintech Aktionsplan März 2018:  Einrichtung eines EU FinTech Laboratorium als Dialograum zw. Fintechs und Behörden;  Einrichtung eines Blockchain Beobachtungsforums;  Maßnahmen zur Verbesserung von Anlageinformationen;  Mehr Behördenkooperation bei Cyber-Sicherheit.  Neue EU Zahlungsverkehrs-Richtlinie „PSD2“ regelt Zugangsgewährung zu Bank-Kontodaten durch Bankkundschaft an innovative Kundendienst-Anbieter (Zahlungs- und Informationsdienste, Finanzberatung etc.)
  • 8. www.oenb.at oenb.info@oenb.at Schlussfolgerungen • Digitalisierung ist ein Veränderungstreiber im Finanzsektor. • Jede neue Technologie birgt Chancen und Risiken. • Zukunftsaussichten von Technologie abhängig von Wirtschaftlichkeit (Beitrag zu Kostensenkung, Prozessoptimierung, Entwicklung neuer Angebote, Erfüllung neuer Bedürfnisse etc.) • Wichtige Rolle öffentlicher Instanzen:  Rahmenbedingungen für Innovationsschub zur Optimierung gesellschaftlichen Nutzens neuer Technik;  als Bereitsteller öffentlicher Güter selbst aktiv gestalten. • Als Notenbank widmen wir in Abstimmung mit internationalen Organisationen sowohl der Beobachtung als auch der Gestaltung dieser Veränderungen im positiven Sinn eine hohe Aufmerksamkeit.