Seite 13Seite 117Seite 51Seite 59Seite 71Seite 79Seite 87Seite 101Seite 109Seite 21Seite 29Seite 43811121074 126539Trendre...
The Americans have need forthe telephone, but we do not.We have plenty of messenger boys.Sir William Preece, Chef-Ingenieu...
Impressumbetterplace lab Trendreport 2012Herausgeberbetterplace lab, Schlesische Straße 26, 10997 Berlinwww.trendreport.be...
Wie der betterplace labTrendreportdigitale Innovationen inden sozialen Sektor bringtEin Vorwort von Dr. Joana Breidenbach ...
Making-ofTransparenz ist ein Megatrend. Wir machen mit und zeigenglasklar (siehe 1/Glasklar), was beim betterplace lab Tre...
InhaltImpressum ← S.2Vorwort ← S. 3Making-of ← S. 4Kurzbeschreibung S. 6 →Anleitung S. 7 →Der soziale Sektor S. 8 →1	Glask...
Wie der TrendreportfunktioniertDas Internet ist ein Medium der tausend Möglichkeiten. Undweil die meisten Möglichkeiten re...
So nutzen Sie die Trendsfür Ihre Arbeit	Viele Innovationen aus dem Trendreport erscheinen auf den ers-ten Blick vielleicht...
Eine genaue Definition des sozialen Sektors gibt es nicht, aberdie meisten Menschen aus dem Bereich haben eine gewisseVors...
selbst erwirtschaftet, und lediglich 3,4 Prozent stammten aus Spenden. Inter-national stammten im Durchschnitt nur 42 Proz...
Begünstigten kaum eine Stimme, mit der sie sich äußern oder Rückmeldungengeben konnten. Zwischen den Geldgebern und den Be...
GlasklarMenschen kommen so einfach wie nie an Informationen – sei es zum Treiben derPolitiker, zur sozialen Verantwortung ...
und Organisationen, die unter anderem mit Steuergeldern finanziert werden, dieunsere Demokratie und unser Gemeinwohl betre...
das Potenzial von Transparenz, etwa durch die IATI-Initiative (International AidTransparency Initiative). Das United Natio...
FazitTransparenz schafft Vertrauen. Nicht nur erwarten Internetnut-zer ein hohes Maß an Transparenz, auch ist es vergleich...
GuideStar stellt Informationen zu über 1,8 Mil-lionen US-Non-Profit-Organisationen bereit. Zujeder NGO ist gelistet, welch...
OpenAid ist ein grafisch gut umgesetzter Teil derIATI-Initiative (International Aid TransparencyInitiative),­die sich welt...
Rospil, was „Zersägung der russischen Steuergel-der“ bedeutet, ist eine russische Community, dieBehörden und Beamte aufspü...
MitmachenMenschen haben grundsätzlich ein Mitteilungs-, Anerkennungs- und Sozialisie-rungsbedürfnis. Über das Internet kön...
YouTube durchschnittlich 48 Stunden Film hochgeladen. Auf Wikipedia habenbislang über 100.000 Freiwillige 1,3 Millionen de...
das Gesagte bewertet. Es kommt zur Diskussion, die etwa bei Wikipedia zu einemsehr hohen Qualitätsniveau der Beiträge führ...
Projekte machen, müssen damit rechnen, dass jemand, der mit einem enttäuschtenProjektbeteiligten spricht, einen Bericht im...
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Manchmal verstehen Ärzte nicht, was man meint.Das liegt wohl auch daran, dass sie nicht drinste-cken im Körper des Patient...
Wheelmap zeigt die Welt aus Sicht der Rollstuhl-fahrer: Wo komme ich durch? In welchem Restau-rant, Laden oder Ort bekomme...
WebbewerbeWettbewerbe sind schon lange ein Instrument, um Innovationen zu fördern: Im17. und 18. Jahrhundert waren Preisau...
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Stiftungen können über Wettbewerbe Strukturen entstauben.uch Stiftungen haben begonnen, sich zu öffnen. Sie geben Grup-pen...
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Auf der Online-Plattform der Buckminster FullerChallenge kann man Lösungsansätze für die größ-ten Herausforderungen unsere...
Chase Community Giving ruft seit 2009 jährlichund nur über facebook zum Voting für die belieb-teste amerikanische gemeinnü...
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Pepsi will vor allem Grassroots-Engagement fördernGG und Pepsi beobachteten, dass sich um den 250.000-Dollar-Preis nur seh...
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• über 18 Millionen Besucher auf refresheverything.com• über 12.000 gelistete Projekte mit insgesamt über 76 Millionen Sti...
gespült. Dadurch, dass Projektmacher die Medien aktivierten und diese über ihreProjekte berichteten, wurden andere Bürger ...
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Daten für alleDie Open-Data-Bewegung fordert, dass Daten – nicht nur Zahlen, sondern alleInformationen, die digitalisiert ...
kostenloses Teilen und Open-Source-Kollaboration als Ideal gelten und in derimmer mehr Menschen offenen Zugang zu dem „Her...
Von der Geldbank zur Datenbanknsbesondere die notorisch intransparente Entwicklungszusammen-arbeit kann enorm von Open Dat...
gemeinnütziger Institutionen gegenüber dem Steuerzahler undanderen Stakeholdern. Somit kann größeres Vertrauen entstehen.•...
Code for America hat es besonders auf die soge­­nann­ten Nerds abgesehen. Sie sollen ihre (Pro-grammier-)Fähigkeiten einse...
Die Organisation Daten ohne Grenzen möchteNGOs helfen, Daten zu sammeln, zu kategorisie-ren, zu analysieren und verständli...
Weltbank-Präsident Robert Zoellick nannte „seine“Institution schon 2010eine Wissensbank und unter-strich damit die Devise:...
MessenWas bringt’s?, fragen sich vor allem Geldgeber immer häufiger. Wirkt meineSpende dauerhaft? Ist mein Engagement eine...
wurden, erhöhte sich der Wettbewerbsdruck zwischen NGOs, und es kam zueinem stärkeren Legitimationszwang in der Branche. F...
Forschung, Standardisierung, metrikgetriebene Plattformenie neu entwickelten Reporting- und Rechenschaftsstandards stel-le...
betterplace lab Trendreport 2012
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Der betterplace lab Trendreport ist 2012 auch als Buch erschienen. Hier das PDF dazu, das man auch downloaden kann (dann ist die Auflösung besser). Das Trendreport Buch 2013 ist gerade erschienen (Juni 2013) und kann hier bestellt werden: http://trendreport.betterplace-lab.org/bestellen

Veröffentlicht in: Bildung
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  2. 2. The Americans have need forthe telephone, but we do not.We have plenty of messenger boys.Sir William Preece, Chef-Ingenieur Royal Mail, 1876
  3. 3. Impressumbetterplace lab Trendreport 2012Herausgeberbetterplace lab, Schlesische Straße 26, 10997 Berlinwww.trendreport.betterplace-lab.orgAutorenDr. Joana Breidenbach, Dennis BuchmannRedaktionDennis BuchmannKorrekturAxel FischerArt-Direktion, Layout und IllustrationenonlabNicolas Bourquin, Niloufar Tajeri, Johanna Klein, Tanja Ritzki, Cristóbal SchmalDruckRuksaldruck GmbH & Co. KG, Berlin MariendorfISBN 978-3-00-037868-3Über die AutorenDr. Joana Breidenbach ist promovierte Kulturanthropologin und Autorin zahlrei-cher Bücher über die kulturellen Folgen der Globalisierung. Sie ist Mitgründerinvon Deutschlands größter Spendenplattform betterplace.org und Leiterin desbetterplace lab.Dennis Buchmann ist Diplom-Biologe und Diplom-Journalist der Deutschen Jour-nalistenschule. Er arbeitet im betterplace lab seit dessen Gründung (2010) alsKreativredakteur. Darüber hinaus studiert er Public Policy an der Humboldt Via-drina School of Governance.Über das betterplace labAls Forschungsabteilung der Spendenplattform betterplace.org untersucht dasbetterplace lab, wie Internet und Mobilfunk den sozialen Sektor verändern. Der Fo-kus liegt dabei auf dem Potenzial von Innovationen, das betterplace lab gibt aberauch Studien zum deutschen Spendenmarkt heraus oder misst die Leistungsfähig-keit von Online-Fundraising in vergleichenden Benchmarks in einem NGO-Meter.www.betterplace-lab.orgÜber das Vodafone Institut für Gesellschaft und KommunikationDas Vodafone Institut für Gesellschaft und Kommunikation zeigt, wie mobile Kom-munikationstechnologien Gesellschaften verändern.Mit Studien,Forschungskoope-rationen, Publikationen und Veranstaltungen fördert das Vodafone Institut den Di-alog zwischen Wissenschaft, Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Politik sowieder Gesellschaft. Es wurde 2011 als eigenständige GmbH von Vodafone Deutschlandgegründet und hat seine Arbeit zu Beginn des Jahres 2012 aufgenommen.www.vodafone-institut.deWir danken herzlichDr. Angela Ullrich, Susanna Krüger, Jean Peters, Franziska Korn, Verena Herme-lingmeier, Zoltán Ferenczi, Friederike Rösner, Kerstin Albrecht, Sophie Evers.2
  4. 4. Wie der betterplace labTrendreportdigitale Innovationen inden sozialen Sektor bringtEin Vorwort von Dr. Joana Breidenbach und Dr. Mark Speich In binsum veritas, aber zur Erinnerung: Das Internet hat unserLeben grundlegend verändert. Nutzergenerierte Websites wieYouTube und SoundCloud haben die Musik- und Filmindustrie ge-zwungen, ihre Geschäftsmodelle umzukrempeln. Unsere persön-lichen und beruflichen Beziehungen verändern sich durch sozialeNetzwerke wie facebook, twitter oder Xing maßgeblich.
 Das Internet bringt eineneue,nutzergetriebene Transparenz mit sich und bricht alte Strukturen auf.Nochnie war es so leicht, zu partizipieren und sein Anliegen öffentlich zu machen.Mit dem betterplace lab Trendreport möchten wir erreichen, dass der sozialeSektor in Deutschland dieses digitale Potenzial besser nutzt. Wir möchten, dassHilfsorganisationen und Geldgeber auf zukünftige Entwicklungen vorbereitetsind und sie schon jetzt nutzen, statt später nur darauf zu reagieren. Organisa-tionen, welche die digitale Herausforderung annehmen und ihre Potenziale früherkennen, haben auch einen Wettbewerbsvorteil.Wir verschaffen Ihnen einen Wissensvorsprung. Wir zeigen an konkreten Beispie-len, wie sich Organisationsformen verändern, warum sich die Machtverhältnissezwischen den Beteiligten verschieben und welche Auswirkungen digitale Techno-logien auf die Arbeitsweise von NGOs haben.Denn der soziale Sektor in Deutschland steht vor ähnlichen strukturellen Verän-derungen, wie wir sie in Wirtschaft und Gesellschaft beobachten können. FürMenschen, die nach 1980 geboren sind–die sogenannten Digital Natives–, ist dasInternet eine Selbstverständlichkeit, mit der sie aufgewachsen sind. Und sie sinddie zukünftigen Geldgeber, Unterstützer, Aktivisten und Ausführenden sozialerArbeit in Deutschland. Deshalb ist es unerlässlich, dass die Beteiligten des sozia-len Sektors den Umgang mit den neuen digitalen Werkzeugen erlernen.Der betterplace lab Trendreport richtet sich an gemeinnützige und andere Or-ganisationen, die sich im sozialen, kulturellen oder umweltpolitischen Bereichengagieren. Kleine Graswurzelinitiativen sollen sich genauso angesprochen füh-len wie etablierte, große Organisationen oder Intermediäre wie Beratungen oderFundraisingverbände. Aber auch die Geldgeber – ob Stiftungen, Unternehmen,Entwicklungspolitiker oder Großspender – können mit diesem Trendreport pro-fessioneller agieren und investieren.Dies ist die erste Sammlung digitaler Innovationen speziell für den sozialenSektor. Der betterplace lab Trendreport zeigt auch, wie Menschen sich von denStrukturen des Sektors emanzipieren. Und wie Unternehmen marktbasierte Lö-sungen für soziale Probleme entwickeln. Lassen Sie sich inspirieren. Oder nochbesser:Adaptieren Sie Ideen, entwickeln Sie eigene und werden Sie Teil der Erneu-erung des sozialen Sektors in Deutschland.Dr. Joana Breidenbach, Dr. Mark SpeichVorwort3
  5. 5. Making-ofTransparenz ist ein Megatrend. Wir machen mit und zeigenglasklar (siehe 1/Glasklar), was beim betterplace lab Trendreport2012 wie viel gekostet hat.Konzeption und Layout durch onlabca. 8000 €Illustrationenca. 270 € pro StückDruckkostenca. 8400 €ca. 2000 € (Thermochromumschlag)Papier300 g/m2Munken Lynx 1,13 Vol.115 g/m2Munken Print white 15DruckfarbenPantone 376SchwarzThermochromfarbe Schwarz (Umschlag)Gewichtca. 325gPortokosten für den Versand eines Exemplarsexakt 1,45 €Gelesene Blogposts, Tweets und andere Online-ArtikelTausendeBesuchte Konferenzen inklusive Live-Streamsca. 20Arbeitsstunden Joana Breidenbach und Dennis Buchmannca. 800Interviews mit Menschen aus dem sozialen Sektor15Gelesene Bücher zum Thema digital-sozial20Zahl der Case-Schreiber6Zahl der im Trendreport geschriebenen Buchstaben und Zeichenca. 200.000S. 13 →4
  6. 6. InhaltImpressum ← S.2Vorwort ← S. 3Making-of ← S. 4Kurzbeschreibung S. 6 →Anleitung S. 7 →Der soziale Sektor S. 8 →1 Glasklar S. 13 → Cases S. 17 →2 Mitmachen S. 21 → Cases S. 25 →3 Webbewerbe S. 29 → Cases S. 33 →/Insight S. 36 →4 Daten für alle S. 43 → Cases S. 47 →5 Messen S. 51 → Cases S. 55 →6 Kartismus S. 59 → Cases S. 62 → /Insight S. 66 →7 Netzwerkorgas S. 71 → Cases S. 75 →8 Verkaufen mit Herz S. 79 → Cases S. 83 →9 Online Fundraising S. 87 → Cases S. 91 →/Insight S. 94 →10 Sozialzocken S. 101 → Cases S. 105 →11 Nischenpower S. 109 → Cases S. 113 →12 Produktiv Scheitern S. 117 → Cases S. 121 →Schlusswort S. 125 →Index S. 126 →5
  7. 7. Wie der TrendreportfunktioniertDas Internet ist ein Medium der tausend Möglichkeiten. Undweil die meisten Möglichkeiten relativ einfach zu realisierensind, indem man „nur“ Software programmiert, ist der Enthu-siasmus groß und Neugründungen sind zahlreich. Die Kunst istnun, in der Masse der Anwendungen die echten, innovativenPerlen zu finden. Im Trendreport geht es um jene Perlen, die ihr digitales Poten-zial für den sozialen Sektor entfalten: Wir präsentieren hier Websites, Program-me und Mobilfunkanwendungen, die soziale Organisationen und ihre Geldgeberin Deutschland inspirieren und ihnen dabei helfen, wirkungsvoller zu arbeiten.Diese Beispiele – wir nennen sie CASES – zeigen, welche Innovationen andereNGOs und Geldgeber bereits nutzen, was dabei funktioniert und wieso es sospannend ist. Auf www.trendreport.betterplace-lab.org haben wir bereitsüber 250 CASES zusammengetragen: von öffentlichen Bewertungsplattformenfür NGOs über medizinische SMS-Ferndiagnose in ländlichen Gebieten Afrikasbis zu Müttern, die ihre Macht online bündeln.Die CASES klopfen wir nach gemeinsamen Merkmalen ab und identifizieren soneue digitale TRENDS für den sozialen Sektor. Wenn wir immer mehr CASES fin-den, bei denen Daten auf Karten verortet werden, schließen wir auf den Trend6/Kartismus und gucken uns das Phänomen genauer an. Oder wenn sich zeigt,dass NGOs plötzlich ihre Geschichten des Scheiterns teilen und gemeinsam dar-aus lernen–dann nennen wir den Trend 12/Produktiv Scheitern. Hinzukommen großeTRENDS wie 2/Mitmachen (Partizipation) oder 1/Glasklar (Transparenz), die auch imWesen des Internets verwurzelt sind und als Hintergrundstrahlung bei vielenCASES zu spüren sind. Innerhalb der Trendbeschreibungen versuchen wir, sowohldie Perspektive der Geldgeber (Stiftungen, Spender etc.) zu berücksichtigen alsauch jene der ausführenden sozialen Organisationen. Abschließend fassen wirdann die Chancen und Risiken der jeweiligen TRENDS zusammen.Weil die TRENDS unterschiedlich weit entwickelt sind, teilen wir sie in drei Stufenein: Am Anfang muss sich noch zeigen, ob sie weiter wachsen, später sind schonerste Triebe zu erkennen und schließlich sind sie kaum noch kleinzukriegen.Zwölf TRENDS sind hier versammelt, online erweitern wir den Trendreport stetig.Unter den CASES finden sich nun einige besonders herausragende, die deshalbauch besondere Aufmerksamkeit verdienen. Wenn Pepsi beispielsweise plötzlichseine Marketing-Strategie radikal ändert und nicht mehr top-down für einenWerbespot beim Football-Finale 20 Millionen US-Dollar ausgibt, sondern statt-dessen bottom-up eine Social-Media-Kampagne zur Unterstützung von NGOsstartet. Dann schreiben wir ein sogenanntes Insight und analysieren ausführ-lich, welche TRENDS und Mechanismen dahinterstecken, sprechen mit Expertenund zeigen, was man aus dem Fall lernen kann.Der Trendreport funktioniert also als Dreiklang aus CASES, TRENDS und INSIGHTS.S. 21 →/S. 13 →S. 59 →S. 117 →2. 3.1.Dieser Trend stehtam Anfang seinerEntwicklung2.Dieser Trendwächst heran3.Dieser Trend istetabliert1.1. 2. 3.Kurzbeschreibung6
  8. 8. So nutzen Sie die Trendsfür Ihre Arbeit Viele Innovationen aus dem Trendreport erscheinen auf den ers-ten Blick vielleicht etwas seltsam oder speziell.So mag beispiels-weise die Frage aufkommen: Was kann ich damit anfangen,wenn in ländlichen Gebieten in Afrika medizinische Ferndiagnoseper SMS erfolgt? Die Antwort darauf findet man, indem man dieIdee und ihr Potenzial von der ursprünglichen auf die eigene Situation überträgt.Vielleicht könnte man auch in Deutschland SMS für Feedback-Zwecke nutzen,fürsehr junge Mütter, die Fragen zum Umgang mit ihrem Kind haben?Wenn man die Bedürfnisse und Motivationen hinter einer Idee oder einem neuenProdukt versteht, werden die Mechanismen deutlich und lassen sich adaptie-ren. Deshalb finden sich auch einige Beispiele im Trendreport, die nicht aus demklassischen sozialen Sektor stammen. Wenn z. B. ein Videospiel durch einen be-stimmten neuen Effekt viral ist, kann man diesen Effekt eventuell auch nutzen,um die Botschaft der eigenen NGO zu verbreiten.Weil das Internet an sich eine immer zentralere Rolle im Leben der Menschenspielt, ist es auch wichtig, dessen allgemeine Entwicklungen wie Schnelligkeit,Transparenz oder Nutzerfreundlichkeit zu berücksichtigen. Auch Organisatio-nen des sozialen Sektors können diese Strömungen nutzen.Wenn Sie nun ein Beispiel aus dem Trendreport besonders inspiriert oder Sie ei-ne Idee haben, mit der Sie einen Trend konkret anwenden wollen – dann probie-ren Sie es aus! Wahrscheinlich müssen Sie auch Mitstreiter in Ihrer Organisationfinden. Wenn Sie Mitarbeiter und Vorgesetzte von Ihrer Idee überzeugen wol-len, kann es hilfreich sein, das Wort Trend zu vermeiden, weil es als „modischerSchnickschnack“ missverstanden werden kann. Sprechen Sie aber von der „Zu-kunft des Geschäftsfeldes“ und zeigen, wie die Innovation dabei hilft, sich ge-genüber Wettbewerbern abzusetzen oder die Effektivität der Arbeit zu steigern,dann gewinnen Sie schneller Fürsprecher.Trends können über einzelne Experimente hinaus auch die Vision Ihrer Orga-nisation oder Ihrer Arbeit beeinflussen. Die Trends können Ihnen helfen, denErwartungshaltungen Ihrer Partner entgegenzukommen und zu signalisieren:„Wir sprechen dieselbe Sprache, wir wissen um die zukünftigen Entwicklungenund Strömungen.“ Lassen Sie sich dazu anregen, neue Produkte und Dienstleis-tungen zu entwickeln oder bei bestehenden Initiativen mitzuwirken. Erarbei-ten Sie neue Geschäftskonzepte und gehen Sie auch mal sektorübergreifendePartnerschaften ein. Wagen Sie Experimente und haben Sie den Mut, Risikeneinzugehen. Falls Sie dabei scheitern – sehen Sie’s produktiv. Denn auch das istein Trend (12/Produktiv Scheitern). S. 117 →Anleitung7
  9. 9. Eine genaue Definition des sozialen Sektors gibt es nicht, aberdie meisten Menschen aus dem Bereich haben eine gewisseVorstellung davon. Damit es keine Missverständnisse gibt, be-schreiben wir kurz, was wir darunter verstehen. In einem Satz:Für uns beschreibt der soziale Sektor einen Querschnitt durchdie gesamte sozial engagierte Gesellschaft. Unser Fokus liegt nicht allein aufdem sogenannten Dritten Sektor, oft auch Non-Profit-Sektor genannt, der vorallem private, freiwillige und nicht profitorientierte Hilfsorganisationen um-fasst. Auch die Geldgeber, also staatliche, unternehmerische und private Ak-teure sind Teil der hier untersuchten Landschaft. Durch ihr Engagement in Formvon Investitionen,Spenden, Krediten oder Ehrenamt helfen sie der dritten Grup-pe des sozialen Sektors, also jenen Menschen, um die es eigentlich geht: denBegünstigten. Die Begünstigten sind die Empfänger der Hilfe, seien es kleinerebenachteiligte Gruppen in westlichen Industrienationen oder ganze Bevölke-rungen in strukturell unterentwickelten Ländern. Das Trio lässt sich so zusam-menfassen: Die Geber leiten hauptsächlich Geld an NGOs, die es als Mittler fürsoziale Projekte einsetzen und an die Begünstigten weiterleiten. (NGO stehtfür Non-Governmental-Organisation. Im Trendreport nutzen wir diese Abkür-zung als Überbegriff für Organisationen, die vor allem soziale Ziele zum Wohleder Gesellschaft verfolgen. Da die Übergänge oft fließend sind, sprechen wirnicht auch noch von Non-Profit-Organisationen, also NPOs.)GeberDie Zahlen zu Ausgaben im sozialen und entwicklungspolitischen Sektor sindweltweit nicht einheitlich und variieren stark, je nachdem welche Ausgabenberücksichtigt werden. Um die Lage in Deutschland in Relation setzen zu kön-nen, fokussieren wir hier auf die entwicklungspolitischen Ausgaben der Welt-bank und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwick-lung (OECD), genauer gesagt deren Ausschuss für Entwicklungshilfe (DAC), demweltweit 24 Geberstaaten angehören.Die Weltbank hat 2010 insgesamt 90 Milliarden US-Dollar für entwicklungspoliti-sche Projekte,Beteiligungen und Investitionen vergeben.Der DAC hat 2010 insge-samt rund 130 Milliarden ausgegeben. Deutschland gehörte mit ca. 13 MilliardenUS-Dollar neben den USA, Großbritannien, Frankreich und Japan zu den größtenGebern öffentlicher Mittel für Entwicklungszusammenarbeit. Durchschnittlichentsprechen die Ausgaben einem Anteil von 0,32 Prozent des weltweiten Brutto-inlandsproduktes (BIP). In Deutschland sind es knapp 0,4 Prozent des BIP.In Deutschland setzen die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege mit den fünfgroßen Organisationen Caritas, Diakonie, AWO, DRK und Paritätischer Wohl-fahrtsverband jährlich rund 55 Mrd. Euro mit ihren sozialen Diensten um. In ihrenmehr als 100.000 Einrichtungen beschäftigen sie rund 1,5 Millionen Erwerbstätigeund zudem 2,5 bis 3 Millionen Ehrenamtliche. Die Caritas ist mit mehr als 500.000Beschäftigten der größte Arbeitgeber in Deutschland und beschäftigt zusammenmit dem Diakonischen Werk mehr Menschen als die deutsche Automobilindustrie.Der Dritte Sektor in Deutschland finanziert sich überwiegend aus öffentlichenMitteln: Über 64 Prozent kamen aus staatlichen Kassen, 32 Prozent wurdenWas ist eigentlich dersoziale Sektor?Der soziale Sektor8
  10. 10. selbst erwirtschaftet, und lediglich 3,4 Prozent stammten aus Spenden. Inter-national stammten im Durchschnitt nur 42 Prozent der Mittel aus öffentlicherHand, 47 wurden selbst erwirtschaftet und 11 Prozent waren Spenden.In der öffentlichen Meinung wird der Beitrag von Stiftungen zu sozialen Zwe-cken als bedeutsam angesehen. Doch dieser Eindruck täuscht. Obwohl Stif-tungsgründungen seit vielen Jahren sehr beliebt sind (2009 gab es hierzulanderund 17.400 Stiftungen, die zusammen ein Vermögen von mehr als 100 Milliar-den Euro hatten), schlussfolgert der Bericht der Enquetekommission Bürger-schaftliches Engagement, „dass Stiftungen keinen entscheidenden quantita-tiven Beitrag zur Finanzierung von Aufgaben des Gemeinwohls leisten können“,und schätzt den Anteil am Finanzvolumen des Dritten Sektors auf „allenfalls0,3 Prozent“ im „nicht mehr messbaren Bereich“.In der Wirtschaft sind es die drei Buchstaben CSR, die für die soziale Verantwor-tung der Unternehmen stehen: Corporate Social Responsibility. Viele große undmittelständische Unternehmen spenden im Rahmen von CSR-Maßnahmen Geldund Sachmittel oder bieten pro bono Arbeitsstunden zur Unterstützung sozialerProjekte an. Allein das CSR-Budget der Deutschen Bank betrug im Jahr 2009gut 81 Millionen Euro. Das Gesamtvolumen dieser Maßnahmen ist jedoch schwerabzuschätzen, da es auch hier keine verlässlichen Statistiken gibt. Die gesam-ten jährlichen Unternehmensspenden liegen vermutlich bei 400 bis 800 MillionenEuro. Großzügiger ist mit rund 4 Milliarden Euro der Sponsoring-Etat, von demallerdings nur ein Teil in soziale Projekte fließt. Die gesamten sogenannten Cor-porate-Giving-Ausgaben, die neben Spenden und Sponsoring auch ehrenamtli-che Tätigkeiten und Stiftungserträge berücksichtigen, summieren sich für diedeutschen Unternehmen auf geschätzte 10 Milliarden Euro.MittlerFast immer sind zwischen den Begünstigten und den Geldgebern Mittlerorgani-sationen des sozialen Sektors angesiedelt. Die Bandbreite ist gewachsen:So zäh-len dazu nicht mehr nur die Nichtregierungs- und Hilfsorganisationen, sondernzunehmend auch ihnen zur Seite stehende Managementberatungen, Weiterbil-dungsakademien, Fundraising- und Ratingagenturen.Seit den 70er-Jahren übernehmen NGOs zunehmend Aufgaben aus dem Bereichder Entwicklungszusammenarbeit, da viele Staaten Verantwortung abgeben.So ist die Zahl der NGOs seither stark gewachsen. Allein in den USA gibt es mehrals eine Million NGOs, in Deutschland liegt die Zahl bei mehreren Hunderttau-send. Insgesamt dürften in Deutschland etwa eine Million Organisationen imDritten Sektor tätig sein. Dazu zählen neben den Nichtregierungsorganisatio-nen vor allem Vereine und Bürgerinitiativen. Ein Großteil der Spenden wird überdie etwa 2500 ausgebildeten, hauptamtlichen Fundraiser gesammelt.Um die NGOs haben sich in den letzten Jahren auch viele Berater geschart, be-sonders in den USA und in Großbritannien. Dazu zählen auch Managementbe-ratungen wie Booz Allen Hamilton oder McKinsey, die allesamt spezielle Bera-tungsabteilungen für den Dritten Sektor oder philanthropisches Engagementeingerichtet haben. Wohlhabende Privatpersonen, Stiftungen und Unterneh-men nutzen wiederum Dienstleistungen von Venture-Philanthropy-Beratungen,in Deutschland sind das vor allem Active Philanthropy und die Phineo gAG.BegünstigteDie Empfänger der Hilfe sind diejenigen, die dem sozialen Sektor überhaupterst seine Daseinsberechtigung geben. Doch bis vor wenigen Jahren hatten dieS. 56 →Der soziale Sektor9
  11. 11. Begünstigten kaum eine Stimme, mit der sie sich äußern oder Rückmeldungengeben konnten. Zwischen den Geldgebern und den Begünstigten gab es kaumdirekten Kontakt, es führte kein Weg an den Mittlern bzw. NGOs vorbei. Es istvor allem dem Internet zu verdanken, dass sich dies ändert: Direktes Feedbackvon Begünstigten rückt in den Bereich des Machbaren. So sind die Begünstigtenmittlerweile als eigene Akteursgruppe im sozialen Sektor vertreten. Sie in Bezugauf Wirkungsmessung zu sehen, ist aber noch eine relativ neue Idee.Dahinter steht die Hoffnung, dass Begünstigte dezentral und aus ihrer konkre-ten Betroffenheit heraus die besten Informationen über Sinn oder Effektivitäteiner sozialen Maßnahme geben können. Bislang fehlte dafür der Übermitt-lungskanal. Durch Mobiltelefonie, SMS oder Internet ergeben sich nun schnelle,kostengünstige Möglichkeiten für einen direkten Austausch.Begünstigte spielen im Trendreport aber nicht nur als Akteure im Dreieck mitGeldgebern und Mittlern eine Rolle. Digitale Medien nehmen im Leben der Be-günstigten eine zunehmend wichtige Rolle ein – ungeachtet der traditionellenHilfsindustrie. Vielmehr schaffen sich die Bevölkerungen strukturell unterentwi-ckelter Länder und marginalisierte Gruppen in Industrienationen dank Mobilte-lefonie und Internet zunehmend selbst die Mittel, ihr Leben zu verbessern–indemsie Zugang zu Märkten, Informationen, Bildung und Krediten bekommen.FazitIm sozialen Sektor müssen soziale Organisationen den An-forderungen von zwei Seiten gerecht werden. Auf der einenSeite fordern die Geldgeber, dass messbare Ergebnisse erzieltwerden – sie verstehen sich zunehmend als soziale Investorenund erwarten eine Art Return on Investment. Auf der anderenSeite nutzen die Begünstigten zunehmend digitale Technolo-gien (vor allem Mobilfunk) und werden dadurch unabhängigerund selbstständiger. Mit der Professionalisierung des sozialenSektors geht auch dessen Ökonomisierung einher, was unteranderem daran liegt, dass sich staatliche Institutionen ausdiesem Bereich zurückziehen.Der soziale Sektor10
  12. 12. GlasklarMenschen kommen so einfach wie nie an Informationen – sei es zum Treiben derPolitiker, zur sozialen Verantwortung eines Unternehmens oder zum Service ei-nes bestimmten Hotels. Sie tragen aber auch selbst dazu bei, indem sie Informa-tionen bereitstellen und verbreiten – indem sie partizipieren (siehe 2/Mitmachen).Transparenz bringt auch Informationen an die Öffentlichkeit, die andere nutzenkönnen, um zu Verbesserungen beizutragen. Und: Im Internet ist Transparenzkostengünstig, denn die wachsende Zahl der Internetnutzer verbreitet Informa-tionen weltweit schnell und ohne großen Aufwand.Nun ist durch die Begegnung zwischen Technologie, Gesellschaft und Politikeine neue Debatte entstanden: Welche Daten sollten öffentlich zugänglich sein?Was bedeutet Transparenz? Facebook schafft eine Transparenz der privatenSphäre, aber diese Art von Transparenz ist nicht allgemein wertschöpfend. Wasuns hier interessiert, ist Transparenz der öffentlichen Sphäre, von Institutionen← S. 4, 6S. 44, 60, 89, 96, 110, 117 →Transparenz ist ein Megatrend und Teil derInternetkultur. In Zukunft werden Organi-sationen des sozialen Sektors zunehmendglasklar und gewähren Einblick in ihreDaten, Strukturen und Arbeitsweisen, umVertrauen zu schaffen und Professionali-sierungspotenzial zu erschließen. Als wei-terer Treiber kommt hinzu, dass Spenderund andere Geldgeber nicht mehr nur guteAbsichten haben, sondern erfahren wollen,was ihr Geld tatsächlich bewirkt.S. 21 →Transparenz ist ein Megatrend und Teil derInternetkultur. In Zukunft werden Organi-sationen des sozialen Sektors zunehmendglasklar und gewähren Einblick in ihreDaten, Strukturen und Arbeitsweisen, umVertrauen zu schaffen und Professionali-Glasklar → Trend113
  13. 13. und Organisationen, die unter anderem mit Steuergeldern finanziert werden, dieunsere Demokratie und unser Gemeinwohl betreffen.Diese Transparenz ist für die Digital Natives, also jene nach 1980 Geborenen, im Sin-ne einer offenen Kommunikation und Rechenschaft eine Selbstverständlichkeit. In-transparente Unternehmen und Organisationen sind ihnen suspekt. Und die Zahl derMenschen, für die das Internet von Geburt an eine Selbstverständlichkeit ist, wächst.Transparenz als wichtigstes Vertrauenskriterium im sozialen Sektorer soziale Sektor muss sich auf die neue Selbstverständlichkeitvon Transparenz einstellen. Eine Umfrage der Unternehmens-beratung PricewaterhouseCoopers ergab: Für 67 Prozent der500 befragten Spender ist das wichtigste Vertrauenskriterium,dass eine Organisation von sich aus über ihre Aktivitäten be-richtet. Drei Viertel sahen die öffentliche Rechenschaftslegung als wichtige Vo-raussetzung für die Vertrauenswürdigkeit einer Organisation.Besonders in Deutschland scheuen die Mittler, also die NGOs, Transparenz. Bis-lang gibt es hier – im Gegensatz zu den USA oder Großbritannien – auch keineOffenlegungspflichten für Vereine oder gemeinnützige Organisationen, weshalbder Sektor sehr intransparent ist. Auch ein Verzeichnis gemeinnütziger Organi-sationen oder Transparenzvorschriften, wie bei GmbHs oder AGs üblich, gibt esnicht. Und die Finanzämter dürfen keine verbindlichen Aussagen darüber ma-chen, ob eine bestimmte Organisation überhaupt gemeinnützig ist. Datenban-ken wie die des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen decken weniger alsein Prozent der über 500.000 eingetragenen Vereine und Stiftungen ab.Doch spätestens seit dem Unicef-Skandal Anfang 2008 fordern selbst die Verbän-de mehr Transparenz. Auch der Transparenzpreis, der seit 2005 von der Unter-nehmensberatung PricewaterhouseCoopers vergeben wird, ist ein Signal für diegestiegene Nachfrage nach Transparenz im sozialen Sektor. Denn Transparenzkann ähnlich wie in der Wirtschaft einen Wettbewerbsvorteil bedeuten: Die Or-ganisationen stehen in dem stagnierenden deutschen Spendenmarkt (jährlich 3–5Milliarden Euro) in zunehmender Konkurrenz zueinander. Der Transparenzdruckwird weiter verschärft, weil auch etablierte Institutionen zunehmend ihre Datenoffenlegen, so zum Beispiel die Weltbank und die Ernährungs- und Landwirt-schaftsorganisation FAO der Vereinten Nationen.Glasklar: Staatliche Entwicklungshilfe macht es vorigitale Medien haben in den letzten Jahren auch in Deutschlanddazu beigetragen, dass mehr Informationen über gemeinnützigeOrganisationen öffentlich zugänglich sind. Diese Entwicklungsteht im Vergleich zu den Vorreitern USA und Großbritannienaber noch am Anfang. So gibt es in den angelsächsischen Staa-ten eine Fülle von Datenbanken, Plattformen und Blogs, die Informationen überNGOs bereitstellen. Auch die staatliche Entwicklungshilfe erschließt zunehmendWenn mehr Organisationen sich öffnen,wächst das Vertrauen der Bürger in densozialen Sektor insgesamt.Glasklar → Trend114
  14. 14. das Potenzial von Transparenz, etwa durch die IATI-Initiative (International AidTransparency Initiative). Das United Nations Development Programme (UNDP),die Weltbank und die EU-Kommission werden sich dem neuen Standard der IA-TI anpassen. Informationen darüber, wofür welche Gelder ausgegeben werden,helfen auch Empfängerländern, ihre Aktivitäten besser zu koordinieren. Dennbislang wissen viele Parlamente dieser Länder nicht genau, welche Organisatio-nen wo und wie mithelfen.Transparenz führt aber nicht nur zu mehr Vertrauen bei den Geldgebern, son-dern auch zu mehr Effektivität. Projekte, die glasklar und partizipativ mehrBeteiligte integrieren, sind erfolgreicher. Denn wenn sich viele Augen statt nurwenige Experten Datensätze anschauen, führt das auch zu mehr Objektivitätbei der Interpretation, erklärt Philantrophie-Beraterin Lucy Bernholz (ihr Blogist auch sehr lesenswert). Transparenz ermöglicht Evaluierungen, die wiederumzu Optimierungen führen können. Und wenn Geldgeber und Spender transpa-rente Projekte und Organisationen bevorzugen, kommen sie auch der effektivenVerwendung ihres Geldes einen Schritt näher.Chancen• Mehr Informationen führen zu einem besserem Gefühl und bes-seren Entscheidungen bei Geldgebern. So bekommen die besse-ren Projekte mehr Geld, was zu einem professionelleren sozia-len Sektor insgesamt führt.• Das Vertrauen in die Arbeit der Organisationen steigt, das En-gagement nimmt insgesamt zu.• Transparenz kann Fragen beantworten, etwa: Wie viele Organi-sationen gibt es? Wo liegen die Hauptprobleme? Das hat positi-ven Einfluss auf die Sozialpolitik.• Bessere Bedarfsanalysen sind möglich, sodass den Bedürftigeneffektiver geholfen werden kann.Risiken• Zu viele und zu komplexe Informationen können von Laiennicht aufgenommen werden. Organisationen oder Plattformenmüssen die Informationen für jeden verständlich aufbereiten(verursacht Kosten).• In Deutschland kann der Trend am Widerstand des Sektorsscheitern. Herausforderung: Wie wird diese Diskussion einebreite rechtspolitische Debatte und nicht nur eine Forderung,die in akademischen Kreisen geäußert wird?• Auch international ist Widerstand gegen Transparenz zu be-obachten. So verweigerten sich im Jahr 2010 elf von zwölf gro-ßen internationalen NGOs, die in Georgien tätig waren, ihreBudgets Transparency International offenzulegen (Ausnahme:Oxfam GB). Neun dieser Organisationen (wie Save the Child-ren, Care International, World Vision etc.) waren Mitgliedervon InterAction und hatten sich darüber eigentlich verpflich-tet, ihre Budgets offenzulegen (aidwatch 2010).• Transparenz in Daten heißt nicht zwangsläufig, dass diese auchMachtstrukturen angreifen. Es gibt keine handlungsrelevanteVerbindung zwischen Veröffentlichung von Daten und Konse-quenzen.Glasklar → Trend115
  15. 15. FazitTransparenz schafft Vertrauen. Nicht nur erwarten Internetnut-zer ein hohes Maß an Transparenz, auch ist es vergleichsweisekostengünstig, sich im Internet transparent darzustellen. Werdie Kosten für die Aufbereitung vieler Daten sparen möchte,kann diese auch roh ins Internet stellen. Allein die Verfügbar-keit der Daten sorgt für ein besseres Gefühl beim Geldgeberund Spender: Der Großspender wird Zeit in seine Entscheidunginvestieren und sich Rechenschaftsberichte und Ähnlichesdurchlesen. Der Kleinspender weiß, dass die transparente Or-ganisation nichts zu verbergen hat. Aber auch andere Beteiligtesollten sich öffnen, damit das Vertrauen der Bürger nicht nur inNGOs, sondern auch in Stiftungen, staatliche Institutionen undden sozialen Sektor insgesamt wächst. Ein erster Schritt wäreein zentrales Register, in dem öffentlich einsehbar ist, welcheOrganisationen in Deutschland gemeinnützig sind. Und weilweniger transparente und qualitativ minderwertige Projekteauch weniger Spenden erhalten, führt Transparenz zu einemprofessionelleren sozialen Sektor. Transparenz lädt auch zuVerbesserungsvorschlägen von außen ein und birgt Potenzialzur Professionalisierung der eigenen Arbeit. Aber Organisati-onen sollten auch nach innen transparent arbeiten. So sind sienicht nur effektiver, sondern auch im Wettbewerb um Spendenbesser aufgestellt.Glasklar → Trend116
  16. 16. GuideStar stellt Informationen zu über 1,8 Mil-lionen US-Non-Profit-Organisationen bereit. Zujeder NGO ist gelistet, welche Projekte wie finan-ziert werden. Man kann die NGOs bewerten undkommentieren. GuideStar hält Nonprofits dazu an, jeglicheInformationen vollständig offenzulegen und untereinander zutauschen. Die Organisationen können ihre Ziele, Programme,Mitglieder und Leistungen selbst online eintragen und aktu-alisieren. Die Informationen werden von GuideStar mit ande-ren nützlichen Quellen ergänzt. So ist GuideStar zum Vorreiterbezüglich Transparenz und Bewertung von NGOs in den USAgeworden und ist für viele Geldgeber eine wichtige Anlaufstel-le, um sich Orientierung zu verschaffen. Auch in Deutschlandwollte GuideStar eine Datenbank aufbauen – ist jedoch u. a. amWiderstand der großen Wohlfahrtsverbände gescheitert.GuideStarwww2.guidestar.orgGlasklar → Cases117
  17. 17. OpenAid ist ein grafisch gut umgesetzter Teil derIATI-Initiative (International Aid TransparencyInitiative),­die sich weltweit für Transparenz inder Entwicklungszusammenarbeit (EZ) einsetzt.Die Seite visualisiert kurz und knapp, wie viel Geld Schwedenin den letzten Jahren für EZ in welchen Bereichen und Ländernausgegeben hat – so hübsch hat es noch niemand auf den Punktgebracht. Der Steuerzahler kann sehen, wofür sein Geld ein-gesetzt wird. Auch ist es ein erster Beitrag für eine globale EZ-Transparenz-Datenbank. Deutschland lässt solch übersichtlicheVisualisierungen vermissen.OpenAidwww.openaid.seGlasklar → Cases118
  18. 18. Rospil, was „Zersägung der russischen Steuergel-der“ bedeutet, ist eine russische Community, dieBehörden und Beamte aufspürt, die die Vergabestaatlicher Aufträge für persönliche Bereiche-rung missbrauchen. Dafür sucht die Community nach auffälligteuren oder auffällig kurzfristigen öffentlichen Ausschreibun-gen. Jeder User kann solche Fälle melden, die dann von einemExperten aus der Community begutachtet werden. Falls derKorruptionsverdacht sich verstärkt, wird der Fall an Juristenübergeben, die eine Anzeige erstatten. Die Honorare der Juris-ten werden durch Spenden aus der Community finanziert. 2011gewann Rospil im Rahmen der Deutschen Welle Blog-Awardsin der Kategorie „Best Use of Technology for Social Good“.Rospilwww.rospil.infoGlasklar → Cases119
  19. 19. MitmachenMenschen haben grundsätzlich ein Mitteilungs-, Anerkennungs- und Sozialisie-rungsbedürfnis. Über das Internet können sie diese Bedürfnisse einfach ausle-ben. Und jene, denen freiwilliges Engagement bislang zu aufwendig war, könnennun online schnell und zwischendurch mitmachen (siehe 8/Verkaufen mit Herz). Au-ßerdem finden im Internet Menschen mit speziellen Interessen leicht zusammen(siehe 11/Nischenpower).Mit der weltweiten Verbreitung des Internets, besonders des nutzergeneriertenWeb 2.0, sind partizipative Prozesse allgegenwärtig und zu wichtigen Verände-rungsmotoren geworden. Über digitale Medien lassen sich Informationen – inWort, Bild und Ton – bequem, schnell und extrem kostengünstig suchen undverbreiten. Das Besondere ist, dass der größte Teil dieser Informationen vonden Internetnutzern selbst zur Verfügung gestellt wird: Jede Minute werden aufImmer mehr Menschen machen mit. Siebringen sich im Internet mit Wissen, Enga-gement und eigenen Inhalten ein – inDiskussionen, per Blog oder um freiwilligzusammenzuarbeiten. Auch im sozia-len Sektor werden sich die Menschen inZukunft stärker über das Internet engagie-ren. Organisationen werden sich öffnenund vom Potenzial des Partizipationstrendsprofitieren. Social Media sind in der Mitteder Gesellschaft angekommen. Und Inter-netnutzer generieren immer mehr Inhalteim Internet.S. 79 →S. 109 →← S. 6, 13S. 60, 102 →Menschen haben grundsätzlich ein Mitteilungs-, Anerkennungs- und Sozialisie-rungsbedürfnis. Über das Internet können sie diese Bedürfnisse einfach ausle-ben. Und jene, denen freiwilliges Engagement bislang zu aufwendig war, könnennun online schnell und zwischendurch mitmachen (sieheßerdem finden im Internet Menschen mit speziellen Interessen leicht zusammen(siehe 11/NischenpowerMit der weltweiten Verbreitung des Internets, besonders des nutzergeneriertenWeb 2.0, sind partizipative Prozesse allgegenwärtig und zu wichtigen Verände-rungsmotoren geworden. Über digitale Medien lassen sich Informationen – inWort, Bild und Ton – bequem, schnell und extrem kostengünstig suchen undverbreiten. Das Besondere ist, dass der größte Teil dieser Informationen vonden Internetnutzern selbst zur Verfügung gestellt wird: Jede Minute werden aufMitmachen → Trend221
  20. 20. YouTube durchschnittlich 48 Stunden Film hochgeladen. Auf Wikipedia habenbislang über 100.000 Freiwillige 1,3 Millionen deutsche Beiträge verfasst.US-Amerikaner gucken 200 Milliarden Stunden TV pro Jahr –­0,05 % dieser Zeit hat es bislang gekostet, Wikipedia mit Wissenzu füllenlay Shirky beschreibt in seinem Buch „Cognitive Surplus“ (Ko-gnitiver Überschuss), wie Menschen, die vormals ihre freie Zeithauptsächlich passiv vor dem Fernseher verbrachten, sich dankdes Web 2.0 plötzlich kreativ betätigen und ihr Schaffen öffent-lich machen können. Sie befriedigen dabei intrinsische Bedürf-nisse nach Autonomie („Das habe ich gemacht“), Kompetenz („Daraus habe ichetwas gelernt“), zeigen ihre soziale Verbundenheit („Das haben wir gemeinsamgeschaffen“) und Großzügigkeit („Ich teile gerne mit dir.“). Das Potenzial der Pas-siven ist groß: Amerikaner verbringen jährlich 200 Milliarden Stunden vor demFernseher – es hat aber nur 100 Millionen Stunden Arbeit gekostet (0,05 Prozent),um Wikipedia auf den heutigen Wissensstand zu bringen.Über das Internet finden auch im sozialen Sektor neue Stimmen Gehör. Waren esbis vor kurzem eine Handvoll großer Stiftungen, NGOs und staatliche Instituti-onen, die im philanthropischen Sektor die Themen setzten, so sind wir heute miteiner dichten und ausdifferenzierten Meinungslandschaft konfrontiert. Bloggertragen beispielsweise auch zur Professionalisierung des Sektors bei, indem sieOrganisationen Werkzeuge und Tipps, etwa zur besseren Nutzung von sozialenMedien, kostenlos bereitstellen.Es kann gar nicht genug Köche geben: Je mehr Menschen einenWikipedia-Artikel überarbeiten, desto akkurater wird erartizipation ist auch Kollaboration. Das Internet ermöglicht dieseKollaboration auf zwei Arten: Einerseits kann man heute kosten-günstig kommunizieren. Andererseits ist es einfach, sich als Grup-pe zu finden, auszutauschen und zu koordinieren. Wer ein spezi-elles Interesse hat, wird über das Internet Gleichgesinnte finden(siehe 11/Nischenpower). Es gibt fast 18.000 Yahoo-Gruppen zum Thema AIDS undrund 350.000 zum Thema Ausbildung. Die (weitgehend) kostenlose PlattformNing ermöglicht es mittlerweile über 300.000 aktiven Gruppen, eigene Netzwer-ke aufzubauen, in denen Millionen von Menschen zu Themen wie „Wasserpolitikim Nahen Osten“ oder „Rechtspluralismus in Ghana “ zusammenkommen. Inner-halb solcher Gruppen werden Inhalte oft kollaborativ erstellt. Die produktivstenBeispiele für Kollaboration sind Open-Source-Software wie Linux und Apachesowie Wikipedia.In diesen Interessengemeinschaften tummeln sich Laien und Experten. Da sich imInternet jeder zu Wort melden kann, geht es aber nicht darum, wer etwas sagt, son-dern ob die Gemeinschaft seine Argumentation nachvollziehen kann und wie sieDie Zeit des passiven Konsumenten istvorbei. Heute produzieren die Menschenihre eigenen Inhalte.S. 109 →Mitmachen → Trend222
  21. 21. das Gesagte bewertet. Es kommt zur Diskussion, die etwa bei Wikipedia zu einemsehr hohen Qualitätsniveau der Beiträge führt. Bei der Online-Enzyklopädie zeigtsich: Je höher der Grad der Partizipation, also je mehr und je öfter Menscheneinen Artikel überarbeiten, desto akkurater wird er. Im Gesundheitsbereich sindes manchmal aber gerade die Laien, deren Wissen wertvoll ist. Kranke werden zuExperten ihrer eigenen Gesundheit, wenn sie in Foren über ihre Symptome undErfahrungen schreiben. Das hilft anderen Betroffenen oft besser als kryptischeDiagnosen von Medizinern. Und alte Menschen kennen sich mit den Bedürfnissenvon Alten am besten aus. Auch binden immer mehr Firmen ihre Kunden in dieEntwicklungsprozesse neuer Produkte mit ein – sie lassen sie mitmachen.So werden aus ehemaligen Konsumenten oder Empfängern von Dienstleistun-gen Mitgestalter. Bezüglich des Medienkonsums spricht der amerikanische Jour-nalismusprofessor Jay Rosen von „the people formally known as the audience“.Standen in der alten Welt der Printmedien, des Radios und Fernsehens einigewenige Produzenten einer großen Masse von Konsumenten – Lesern, Zuhörernund Zuschauern – gegenüber, so bröckeln diese Fronten. Eine weitgehend pas-sive Rezipientenmasse wird zunehmend aktiv und gestaltet ihre eigenen Inhalte(YouTube etc.). Nachrichten, Wissen und Unterhaltung werden immer häufigerkollaborativ im Dialog zwischen den ehemaligen Produzenten und Konsumentengeschaffen (facebook etc.).Einfache Mitmach-Rechnung: Geringe Kosten, hoher Nutzenuch im sozialen Sektor können sich Spender oder Interessierteeinfach einbringen. Wer sich mit Brunnenbau, TBC-Behandlun-gen oder Mikrokrediten auskennt, kann mit nur wenigen Klicksonline gehen, um sein Wissen und seine Meinung mitzuteilen.Wenn Organisationen offen für Partizipation von außen sind,können sie dieses Wissen nutzen. So werden aus vielen Spendern Dialogpartnerund Mitgestalter. Soziale Organisationen werden immer mehr in den Dialog tretenund kollaborative Strategien entwickeln müssen. Wer sich der Kommunikation mitUnterstützern und Spendern verweigert, wird ebendiese verlieren. Verglichen mitdem Nutzen, den Organisationen durch Partizipation und Öffnung nach außenerfahren, sind die Kosten relativ gering.Die Marktforscher von Forrester unterscheiden bei den Mitmachern zwischenCreators, Critics, Joiners, Spectators und Inactives. Im Jahr 2010 nahmen sienoch eine neue Gruppe auf: Conversationalists, Nutzer, die auf twitter oder fa-cebook regelmäßig Unterhaltungen pflegen. Diese Plauderer sind aufgenommenworden, weil Kommunikation der zentrale Nutzungsaspekt im Internet ist. DieCreators, also Gestalter, sind quantitativ die kleinste Gruppe, aber auch Mei-nungsmacher und Multiplikatoren für die nachfolgenden Gruppen der Kritiker,Zaungäste und Passiven. Organisationen sollten den Creators den Zugang nichtverwehren, denn sie ziehen weitere Interessierte mit sich.Partizipation = Revolution?ie Partizipationsmöglichkeiten des Internets stellen eine großeHerausforderung für eine Reihe der etablierten Akteure dar, fürNGOs und Institutionen der staatlichen Entwicklungshilfe, aberauch für Ärzte und Pharmaunternehmen. Die Rollen dieser Ins-titutionen und Autoritäten verändern sich in dem Maße, in demsich die Grenze zwischen Experten und anderen sozial engagierten Akteurenverschiebt. Das Monopol der Experten wackelt: Organisationen, die schlechteMitmachen → Trend223
  22. 22. Projekte machen, müssen damit rechnen, dass jemand, der mit einem enttäuschtenProjektbeteiligten spricht, einen Bericht im Internet veröffentlicht.Partizipationswillige Menschen und ihre Vorhaben lassen sich online auch kos-tengünstig koordinieren (siehe 7/Netzwerkorgas). Lokale Initiativen können überOnline-Spendenplattformen direkt Geld für ihre Arbeit einsammeln und überWissensplattformen Know-how erwerben. In dem Maße, in dem die Mittler- undKoordinationsfunktionen von NGOs und andere Institutionen an Bedeutungverlieren, steht uns eine Umstrukturierung des philanthropischen Systems bevorund infolgedessen nimmt die Macht von Einzelpersonen und Gruppen außer-halb der etablierten Institutionen an Bedeutung zu.Chancen• Die Bedarfs- und Bedürfnisanalyse kann verbessert werden:Weil Betroffene ihre Bedürfnisse am besten kennen und dieseim Internet mitteilen, können NGOs die Bedürfnisse ihrer Ziel-gruppe besser einschätzen.• Organisationen, die sich der partizipativen Masse öffnen, profi-tieren von der Schwarmintelligenz, gewinnen Know-how hinzuund können Arbeitskosten sparen.• Wer die Menschen mitmachen lässt, gewinnt an Aufmerksam-keit und Renommee.Risiken• Der Input der partizipativen Masse muss gefiltert und auf Qua-lität überprüft werden (Aufwand).• Nicht alle Bedürftigen haben Internetzugang.• Wenn Menschen mit eigenen Initiativen mitmachen, bestehtdie Gefahr der Fragmentierung bzw. Zersplitterung und derInformationsüberflutung.FazitSowohl Geldgeber wie auch soziale Organisationen sollten dasPotential des Mitmachens nutzen. Dazu müssen sie Partizipati-on als Mentalität ihrer Institutionen etablieren. Angst vor derÖffnung, die mit partizipativen Strukturen einhergeht, bringtkeinen Fortschritt. Impulse von Tausenden von Internetnutzerndagegen schon. Diese fragen sich aber: „Was habe ich davon?“,weshalb Anreizstrukturen nicht fehlen dürfen.S. 71 →Mitmachen → Trend224
  23. 23. Auf FixMyStreet kann jeder in Großbritanniennamentlich oder anonym auf einer Karte markie-ren, wo es welches Problem in der öffentlichenInfrastruktur gibt. So berichtet beispielweise einanonymer Nutzer aus der Stadt Westminster, dass vor einemCafé ein verlassenes halbes Fahrrad angeschlossen ist. Auchein Foto von einem Schlagloch oder abgebrannten Mülleimernist per Smartphone-App schnell hochgeladen. Die Website lei-tet die Nachrichten weiter an die zuständige Behörde. Diesenimmt sich der Sache an und antwortet auf die Meldung eben-falls über FixmyStreet. FixMyStreet ist nicht nur ein gelunge-nes Tool zur Bürgerbeteiligung, sondern auch ein Open-Sour-ce-Projekt, an dem jeder mitentwickeln kann.FixMyStreetwww.fixmystreet.comMitmachen → Cases225
  24. 24. Manchmal verstehen Ärzte nicht, was man meint.Das liegt wohl auch daran, dass sie nicht drinste-cken im Körper des Patienten. Menschen mit dergleichen Krankheit hingegen wissen genau, wasgemeint ist, wenn man von Symptomen oder Medikamentenne-benwirkungen spricht. Um das Potenzial des Patientenwissenszu nutzen, wurde 2004 die US-amerikanische Plattform pati-entslikeme gegründet. Hier laden Menschen ihre Krankheits-bilder hoch und berichten von ihrem Krankheitsverlauf undden Symptomen, von Behandlungsmethoden und dem aktuel-len Forschungsstand. Über Statistiken und den Vergleich mitanderen Patienten können sie herausfinden, welche Behand-lungsmethoden besonders hilfreich sind. Deshalb sind viele vonihnen bereit, recht private Informationen preiszugeben und zuteilen. Auch der Long Tail ist hier zu finden: Die Webseite bringtvor allem Menschen mit sehr seltenen und wenig erforschtenKrankheitsbildern zusammen, für die passende Informationensonst schwer zu finden sind. Darüber hinaus bricht patientslike-me Machtstrukturen auf, weil das vermeintliche Wissensmono-pol der Ärzte infrage gestellt wird.Ein ähnliches Beispiel aus Deutschland: Krankheitserfahrungen.depatientslikemewww.patientslikeme.comMitmachen → Cases226
  25. 25. Wheelmap zeigt die Welt aus Sicht der Rollstuhl-fahrer: Wo komme ich durch? In welchem Restau-rant, Laden oder Ort bekomme ich mit dem Roll-stuhl Probleme? Allein in Deutschland fragen sichdas 1,6 Millionen Rollstuhlfahrer. Bei Wheelmap kann jederohne Registrierung Orte nach einem Ampelprinzip bewerten.Die Wheelmap wurde von den Sozialhelden ins Leben gerufenund wird besonders von dem Rollstuhlfahrer Raul Krauthausenvorangetrieben. Als er auf dem Vision Summit 2011 einen Vor-trag über Wheelmap hielt, waren nur wenige Zuhörer gekom-men, da Google-CEO Eric Schmidt auf einer Parallelveranstal-tung sprach. Die wenigen Zuhörer Krauthausens waren aberGoogle-Mitarbeiter, die die Reden ihres Chefs schon kannten.Sie waren begeistert von Wheelmap und besorgten einen Wer-bespot für Wheelmap, der auf dem Google-Chrome-Kanal vonYouTube und drei Wochen im Fernsehen lief. Das brachte ent-sprechend viele neue Eintragungen auf der Karte (insgesamtüber 200.000, Stand März 2012).Wheelmapwww.wheelmap.org S. 60, 72 →Mitmachen → Cases227
  26. 26. WebbewerbeWettbewerbe sind schon lange ein Instrument, um Innovationen zu fördern: Im17. und 18. Jahrhundert waren Preisausschreiben eine beliebte Methode, um Lö-sungsansätze für große Probleme zu generieren. So schrieb das britische Parla-ment 1714 einen Preis in Höhe von über 30 Millionen Euro (umgerechnet auf denheutigen Wert) für denjenigen aus, der eine Methode zur Bestimmung der Län-gengrade auf See erfindet. Die Antwort kam nicht aus den gelehrten Akademiendes Landes, sondern von einem Dorfschreiner.Seit einigen Jahren erleben offene Wettbewerbe und Preise eine Renaissance –auch im Internet. Denn Innovationen entstehen oft, wenn viele Ideen aus unter-schiedlichen Perspektiven generiert werden. Im Gegensatz zu traditionellen För-derungen, bei denen Geldgeber (Stiftungen, Ministerien, Forschungsgruppen)Immer mehr Unternehmen und Stiftungenentwickeln neue Formate, um Menschenzum Mitmachen zu bewegen. Online-Wett-bewerbe spielen dabei eine zentrale Rolle:Unternehmen lassen die Crowd über dieVerwendung ihrer CSR-Budgets mitentschei-den. Und Stiftungen nutzen offene Wettbe-werbsverfahren, um Fördergelder demokra-tischer zu vergeben.Wettbewerbe sind schon lange ein Instrument, um Innovationen zu fördern: Im17. und 18. Jahrhundert waren Preisausschreiben eine beliebte Methode, um Lö-sungsansätze für große Probleme zu generieren. So schrieb das britische Parla-ment 1714 einen Preis in Höhe von über 30 Millionen Euro (umgerechnet auf denheutigen Wert) für denjenigen aus, der eine Methode zur Bestimmung der Län-gengrade auf See erfindet. Die Antwort kam nicht aus den gelehrten Akademiendes Landes, sondern von einem Dorfschreiner.Seit einigen Jahren erleben offene Wettbewerbe und Preise eine Renaissance –auch im Internet. Denn Innovationen entstehen oft, wenn viele Ideen aus unter-schiedlichen Perspektiven generiert werden. Im Gegensatz zu traditionellen För-Immer mehr Unternehmen und Stiftungenentwickeln neue Formate, um Menschenzum Mitmachen zu bewegen. Online-Wett-bewerbe spielen dabei eine zentrale Rolle:Unternehmen lassen die Crowd über dieVerwendung ihrer CSR-Budgets mitentden. Und Stiftungen nutzen offene Wettwerbsverfahren, um Fördergelder demokra-tischer zu vergeben.WebbewerbeWettbewerbe sind schon lange ein Instrument, um Innovationen zu fördern: Im17. und 18. Jahrhundert waren Preisausschreiben eine beliebte Methode, um Lö-sungsansätze für große Probleme zu generieren. So schrieb das britische Parla-ment 1714 einen Preis in Höhe von über 30 Millionen Euro (umgerechnet auf denheutigen Wert) für denjenigen aus, der eine Methode zur Bestimmung der Län-gengrade auf See erfindet. Die Antwort kam nicht aus den gelehrten Akademiendes Landes, sondern von einem Dorfschreiner.Seit einigen Jahren erleben offene Wettbewerbe und Preise eine Renaissance –Immer mehr Unternehmen und Stiftungenentwickeln neue Formate, um Menschenzum Mitmachen zu bewegen. Online-Wett-bewerbe spielen dabei eine zentrale Rolle:Unternehmen lassen die Crowd über dieVerwendung ihrer CSR-Budgets mitentden. Und Stiftungen nutzen offene Wettwerbsverfahren, um Fördergelder demokra-tischer zu vergeben.Webbewerbe → Trend329
  27. 27. einer kleinen und homogenen Gruppe von Projektantragsstellern Gelder bewil-ligen, werden durch das offene Format eines Wettbewerbs wesentlich mehr Men-schen angesprochen. Jeder kann mitmachen (siehe 3/Webbewerbe/Cases).Einige Preise, wie das Beispiel aus dem 18. Jahrhundert, sind für die Institutio-nen, die sie ausschreiben, auch deshalb so attraktiv, weil sie erst dann etwas kos-ten, wenn die erwünschten Resultate geliefert werden. Einer der wohl bekanntes-ten Webbewerbe: 2006 forderte die Filme-Plattform Netflix die IT-Communityauf, einen besseren Algorithmus zu entwickeln als den eigenen. Es lockte eineMillion US-Dollar Preisgeld. Über 2500 Teams mit insgesamt 27.000 Program-mierern aus 161 Ländern nahmen teil. Ein Team von ATT gewann.Webbewerbe ähneln einer Umarmungit Webbewerben reagieren Unternehmen heute auf das Be-dürfnis ihrer Kunden, besser über deren CSR-Engagement in-formiert zu werden: In der Cone Cause Evolution Study 2010gaben 90 % der amerikanischen Konsumenten an, sie würdengerne wissen, für welche sozialen Themen und Organisationensich die Firmen engagieren.Für Unternehmen macht das sogenannte Crowdsourcing von sozialem Engage-ment aber auch deshalb Sinn, weil sie so besonders viele Menschen aktivierenkönnen. Etwa indem sie dazu auffordern, soziale Organisationen für die Wettbe-werbe vorzuschlagen und für diese zu votieren (z. B. mit facebook likes). Dadurchkommen neue Menschen mit der Marke und dem Unternehmen in Kontakt undkönnen als Kunden gewonnen werden. Wettbewerbe sind auch ein gutes Mit-tel, um inhaltliche Akzente zu setzen: Durch die Auswahlkriterien signalisiert einUnternehmen, welche Themen ihm besonders wichtig sind und welche Quali-tätsstandards für soziale Arbeit gelten. Und schließlich schützen WettbewerbeUnternehmen auch vor dem Vorwurf, sie würden einzelne NGOs oder Teilneh-mer bevorzugen. Bei Online-Wettbewerben fällen nicht sie, sondern die Internet-nutzer die Entscheidungen.Crowdsourcing im CSR-Bereich wird momentan hauptsächlich in zwei Varianteneingesetzt: Ideenwettbewerbe, die über Plattformen wie Changemaker oder openIDEO laufen und bei denen NGOs und Initiativen aufgerufen werden, zu einergroßen Bandbreite von sozialen und ökologischen Themen ihre Ideen einzurei-chen. Diese Ideen werden dann von der Community und/oder einer Jury bewertetund prämiert. Die Gewinnerideen werden zum Teil auch finanziell unterstützt.Oft haben diese Wettbewerbe einen kollaborativen Charakter.Bei der Variante der Online-Fundraising-Wettbewerbe steht die Mittelakquise imVordergrund: NGOs können sich mit einem Beitrag (Text, Foto, Video) präsen-tieren und rufen in ihren Netzwerken zur Unterstützung ihrer Beiträge auf. DieGewinnerprojekte erhalten dann eine finanzielle Förderung.S. 33 →Das britische Parlament schrieb 1714 einenPreis für eine Methode zur Bestimmungder Längengrade auf See aus. Die Antwortkam von einem Dorfschreiner.Webbewerbe → Trend330
  28. 28. Stiftungen können über Wettbewerbe Strukturen entstauben.uch Stiftungen haben begonnen, sich zu öffnen. Sie geben Grup-pen, die sich bislang von ressourcenaufwendigen Antragswegennicht angesprochen fühlen, eine Chance auf Förderung underreichen neue Zielgruppen, die unter dem Radar des traditio-nell eher nach innen gerichteten Stiftungswesens agieren. ÜberOnline-Wettbewerbe kann eine breite Öffentlichkeit einbezogen werden. Insbe-sondere im Bereich der Jugendförderung und des sozialen Engagements von Ju-gendlichen sehen wir eine stetig wachsende Zahl von Stiftungen, die Fördermit-tel über Online-Wettbewerbe vergeben.Waren es Ende der 2000er hauptsächlich US-amerikanische und britische Un-ternehmen, die Online-Wettbewerbe veranstalteten, so manifestiert sich seit 2010der Trend auch in Deutschland: Momentan geht fast wöchentlich ein neuer Wett-bewerb online; bei manchen handelt es sich um kleine Aktionen, die beispiels-weise nur auf der facebook-Seite des Unternehmens laufen. Für andere werdenganze Plattformen ins Leben gerufen und große Projekt- und Marketingbudgetszur Verfügung gestellt.Chancen• Online-Wettbewerbe sind für Unternehmen eine gute Chance,ihre Marke und Produkte bekannter zu machen, sich mit so-zialen Themen zu profilieren und Zugang zu Tausenden vonMenschen zu erhalten.• Stiftungen können über Webbewerbe mit mehr sozialen Initi-ativen in Kontakt kommen und eine breitere Öffentlichkeit indie eigene Arbeit einbeziehen.• Spendensammelnde Organisationen, soziale Unternehmen undsozial engagierte Jugendliche und Erwachsene erhalten Zugangzu neuen Geldern und Fördermöglichkeiten und können ihreNetzwerke auf neuartige, nicht-monetäre Art für die eigene Ar-beit mobilisieren.Risiken• Für die Veranstalter ist es durchaus aufwendig, eine gewisseTeilnehmermasse zu mobilisieren und dem Wettbewerb Virali-tät zu verleihen. Viele Wettbewerbe müssen manuell und offlineangeschoben werden.• Bei erfolgreichen Wettbewerben sind zum Teil sehr große Mar-ketingsummen und Spendeneinsätze im Spiel. So wurden bei derPepsi-Refresh-Kampagne im ersten Jahr 2010 monatlich 1,3 MillionenUS-Dollar an NGOs ausgeschüttet, der Werbeetat wird für dengleichen Zeitraum auf über 136 Millionen US-Dollar geschätzt.• Wo immer Geld per Stimmabgabe verteilt wird, gibt es Be-trugsversuche. Auf einigen Wettbewerbsplattformen könnenUnterstützer eines Projekts mehrfach abstimmen, auf anderenist alle 24 Stunden eine neue Stimmabgabe möglich. Bislang istes technisch kaum möglich, im Internet die Stimmabgabe aufeine Stimme pro natürliche Person zu begrenzen.• Reine Entscheidungen durch Internetnutzer tendieren auchdazu, das Projekt bzw. die Organisation mit dem am bestenaufgestellten Netzwerk zu bevorzugen und nicht unbedingt dasS. 36 →Webbewerbe → Trend331
  29. 29. qualitativ beste gewinnen zu lassen. Deshalb gehen viele Wett-bewerbe dazu über, Crowd- und Jury-Stimmen zu kombinieren.Wichtig ist es, die Kriterien so transparent wie möglich offen-zulegen und sie nicht im Lauf des Wettbewerbs unerwartet zuverändern. Das kann zu großer Verärgerung bei den Nutzernund einem PR-Schaden bei dem Unternehmen führen wie etwabei dem Designwettbewerb von Henkel und seiner Marke Pril.• Die Teilnahme kostet die NGOs Zeit und Geld. So muss dasNetzwerk zur Teilnahme aufgerufen und animiert werden, denWettbewerb in den eigenen Netzwerken zu verbreiten (damitsich der erwünschte „Schneeballeffekt“ einstellt). Bei regelmä-ßigen Abstimmungen muss daran erinnert und über den Ver-lauf informiert werden.• Das Netzwerk der Unterstützer kann nicht beliebig zur Stimm-abgabe etc. aktiviert werden – es besteht die Gefahr, dass dieAufrufe penetrant wirken und schließlich als Spam wahrge-nommen werden. Nur wenn das Preisgeld und die Gewinn-chance größer sind als die realen und Opportunitätskosten,sollte die NGO an dem Wettbewerb teilnehmen.Fazitfür Unternehmen• Der Wettbewerb sollte möglichst niedrigschwellig und unkom-pliziert sein.• Er sollte in traditionellen und digitalen Medien und relevantensozialen Netzwerken verbreitet werden.• Die Teilnahmebedingungen und Selektionskriterien solltenkurz, klar und einfach formuliert sein und während des Wett-bewerbs nicht ohne triftigen Grund geändert werden. In letzte-rem Fall gilt es, offensiv und deutlich zu kommunizieren.• Leaderboards mit dynamischen Stimmenanzeigen ermögli-chen es den Teilnehmern, ihre Gewinnchancen realistisch ein-zuschätzen, statt Stimmen aufwendig manuell zu zählen.• Wettbewerbe sollten sich inhaltlich an der CSR-Strategie desUnternehmens ausrichten und nicht von einem Thema zumanderen springen.Fazitfür NGOs• NGOs sollten Kosten und potenziellen Nutzen vor einer Teil-nahme an Online-Wettbewerben einschätzen.• Das eigene Netzwerk sollte nicht für zu viele Online-Wettbe-werbe aktiviert werden (Gefahr des Spam-Gefühls).• Vor der Teilnahme an jedem Wettbewerb ist es sinnvoll, sich eine­detaillierte Strategie auszuarbeiten, die auch darauf abgestimmtist, zu welchen Zeiten die Stimmabgabe am effektivsten ist.Webbewerbe → Trend332
  30. 30. Auf der Online-Plattform der Buckminster FullerChallenge kann man Lösungsansätze für die größ-ten Herausforderungen unseres Planeten präsen-tieren. Dabei kann es um soziale, wirtschaftliche,kulturelle oder umweltspezifische Themen gehen. Auf derGrundlage diverser Kriterien wählt ein interdisziplinäres, jähr-lich wechselndes Jury-Team das beste Projekt aus. Der Gewin-ner wird bei Entwicklung und Umsetzung mit 100.000 Dollarunterstützt. Ein Blick auf die Finalisten der letzten Jahre lohnt:von Ideen zur Bepflanzung ungenutzter Flächen über die Ver-wendung von Regenwasser bis hin zu Fortbildungsprogrammenzum Einsatz von Solarenergie für Frauen in Entwicklungslän-dern. Genau diese Vielfalt ist es, die uns an Buckminster FullerChallenge gefällt!Buckminster FullerChallengewww.challenge.bfi.orgWebbewerbe → Cases333
  31. 31. Chase Community Giving ruft seit 2009 jährlichund nur über facebook zum Voting für die belieb-teste amerikanische gemeinnützige Organisationauf. Insgesamt werden jährlich 5 Millionen Dollarfür den Wettbewerb von der American Bank und JP Morgan Chase zur Verfügung gestellt. Auch 2011 wurde abgestimmt: Inder ersten Runde hatte jeder zehn Stimmen. Die 100 NGOs mitden meisten Stimmen (um 27.000) bekammen 25.000 US-Dollarund waren eine Runde weiter. Dort nahm ein Expertenkomitee,das sich auf facebook vorgestellt hatte, die Finalideen unter dieLupe und kürte den 500.000-Dollar-Gewinner. Insgesamt wur-den so über das Chase Community Giving seit 2009 über 15Millionen US-Dollar an mehr als 400 NGOs vergeben.Chase CommunityGivingapps.facebook.com/chasecommunitygivingWebbewerbe → Cases334
  32. 32. Der Wettbewerb Ideen Initiative Zukunft, der vomdm-Drogeriemarkt und der Deutschen UNESCO-Kommission erstmals 2009 ausgeschrieben wurde(damals hieß er Sei ein Futurist), suchte 2011 nachIdeen für eine lebenswerte Welt von morgen. Für die bestenIdeen und Projekte stellte dm mehr als 1,5 Millionen Euro zurVerfügung: je 1000 Euro für 1000 Gewinner und je 250 Eurofür die Zweitplatzierten. Nachdem eine Jury, bei der nicht klarwar, wer dort wie entscheidet (berichtet eine Teilnehmerin),2000 Projekte aus den Online-Bewerbungen ausgewählt hatte,präsentierten sich je zwei 14 Tage in einer dm-Filiale. Das Pro-jekt mit den meisten Kundenstimmen bekam 1000 das andere250 Euro. Die Mischung aus Jury und Voting reduziert zwar dieMissbrauchsgefahr, wie sie bei reinen Votings besteht. Abereine Teilnehmerin berichtet, dass der Wettbewerb katastrophalorganisiert gewesen sei. Mail-Adressen wurden vertauscht,Überweisungen liefen fehl oder Abstimmzettel aus den Filia-len gingen verloren. So können Wettbewerbe zu negativen PR-Effekten führen und Frustration bei den Teilnehmern auslösen.Ideen InitiativeZukunftwww.ideen-initiative-zukunft.deWebbewerbe → Cases335
  33. 33. ← S. 31 Die Pepsi-Refresh-Kampagne ist der bislang größ-te Online-Fundraising-Wettbewerb. Mit dem Slo-gan „refresh your world“ ruft Pepsi US-Amerikanerdazu auf, ihre Ideen zur Lösung sozialer Problemeonline zu präsentieren und Stimmen zu sammeln, um bis zu50.000 US-Dollar Finanzierung zu bekommen. Wieso inves-tiert ein Weltkonzern wie Pepsi über 20 Millionen US-Dollar inSocial Media und soziale Projekte und nicht wie in den letzten23 Jahren zuvor in einen Werbespot zum Superbowl? WelcheEffekte hat der Konzern damit erzielt? Und handelt es sich umeine innovative Marketingkampagne oder eine neue Strategieder Corporate Social Responsibility (CSR)?Pepsi Refreshwww.refresheverything.comSeit Anfang 2010 kann jeder auf refresheverything.com Projektideen zur Lö-sung sozialer Probleme hochladen. Am Ende des Monats gewinnen jene Pro-jekte, die am meisten Stimmen gesammelt haben, ein Budget von 5.000 bis50.000 US-Dollar. Hinter dieser kurzen Beschreibung steht eine der größtenSocial-Media-Kampagnen der Welt, mit der Pepsi sich als nachhaltiges undsoziales Unternehmen profilieren möchte – mit Erfolg: 2011 löste Pepsi denSpitzenreiter des Dow Jones Sustainability Indexes, Unilever, in der Nahrungs-mittelindustrie ab.So funktioniert Pepsi RefreshAuf der Pepsi-Refresh-Internetseite können US-amerikanische Bewerber ein-mal im Monat ihre Projekte einstellen. Bewerben können sich NGOs, For-Profit-Unternehmen oder Privatpersonen. Sind 1000 Projekte pro Monat in den Poolaufgenommen, wird die Seite geschlossen. Ist das Projekt gelistet, geht es wei-ter in die 2. Phase, dann wird abgestimmt. Das ist sowohl über die Website alsauch per Mobiltelefon möglich. Die Abstimmung erfolgt in unterschiedlicheninhaltlichen und Preiskategorien. Seit 2011 werden Preise in folgenden Höhnenvergeben: 5.000, 10.000, 25.000 und 50.000 US-Dollar. Bis Januar 2011 zahltePepsi auch noch 250.000 US-Dollar in der höchsten Kategorie. Jeweils die Top32 (2010) bzw. Top 60 (2011)-Projekte können in ihrer Kategorie gewinnen.Der AufnahmeprozessNachdem die Top-Projekte am Monatsende feststehen, beginnt die Legiti-mitätsprüfung der Projekte. Die NGOs und For-Profit-Unternehmen müssensich dem klassischen Aufnahmeprozess der Online-Spendenplattform Global-Giving (GG), die das Projekt online für Pepsi abwickelt, unterziehen (dauertnach unserer eigenen Erfahrung etwa 4 Stunden). Dann trifft sich GG mit demPepsi-Team und stellt die Projektanträge vor. Pepsi entscheidet darüber, wel-che Projekte genehmigt werden. Die Gewinner müssen einen Zwischen- undEndbericht abliefern.Webbewerbe → Insight336
  34. 34. Pepsi will vor allem Grassroots-Engagement fördernGG und Pepsi beobachteten, dass sich um den 250.000-Dollar-Preis nur sehrgroße NGOs mit ohnehin schon großem Budget bewarben. Pepsi wollte aber viel-mehr Grassroots-Engagement fördern, weshalb sie die 250.000-Kategorie 2011zugunsten von mehr kleineren Grants gestrichen haben. Nun können „nur noch“5.000, 10.000, 25.000 und 50.000 gewonnen werden.Von geheimen Daten bis hin zu Mr. MagicDarüber, wie viele Stimmen im Schnitt nötig sind, um unter die Top-Projektezu gelangen, herrscht Schweigen. Selbst GlobalGiving weiß nicht, wie vieleMenschen abgestimmt haben. Die Bewerber und ihre Fans konnten auf dem Lea-derboard, das alle 15 Minuten aktualisiert wurde, immer nur sehen, wer geradevorne lag, aber nicht, wie viele Stimmen das jeweilige Projekt erhalten hatte.Aber auch bei Pepsi Refresh ist der Abstimmprozess bezüglich Betrugsversuchennicht wasserdicht (siehe auch Chancen und Risiken bei 3/Webbewerbe). Einem „NewYork Times“-Artikel zufolge soll ein indisches Unternehmen namens Mr. Magicper E-Mail an einzelne Projekte herangetreten sein: Gegen einen Teil des Ge-winns wollte Mr. Magic dafür sorgen, dass das jeweilige Projekt genug Stimmenbekommt. Einige NGOs, die nicht bereit waren, sich ihren Gewinn auf diese Artund Weise zu sichern, fühlten sich betrogen und beschwerten sich bei Pepsi.Marketing, Motivationen, MeinungenDie NGOs können also Geld für ihre Projekte gewinnen. Aber was verspricht sichPepsi von der Aktion? In den Worten von Frank Cooper, dem Chief ConsumerEngagement Officer von Pepsi, soll eine neue Ära des Marketings eingeläutetwerden. Pepsi will nicht mehr als top-down Sponsor für soziale Initiativen auftre-ten, sondern Kunden bottom-up helfen, selbst bedeutsame Erfahrungen zu ma-chen: „Wir wollen einen sinnvollen Dialog mit ihnen eingehen, ihnen die Chancegeben, sich selbst und ihre Werte auszudrücken.“Eine Grundlage dafür war das Wissen über die Erwartungen der amerikanischenBevölkerung an Unternehmen. US-Amerikaner sind zu 71 % der Meinung, dassMarken zu viel Trubel umdieeigenen Produkte machen und mehr soziale Ziele insAuge fassen sollten. Dann sind sie auch bereit, die Marke selbst zu unterstützen← S. 31Webbewerbe → Insight337
  35. 35. und zu empfehlen. Doch soziales Engagement allein macht die Amerikaner nichtglücklich. Stattdessen wollen 84 % der US-amerikanischen Verbraucher über dieVerwendung von Geldern für soziale Zwecke mitbestimmen.„CSR ist eine Haltung und lässt sich anhand der zugrunde liegenden Motivationbestimmen“, sagt Sven Griemert, CSR-Seniorberater von Johanssen + Kretschmer.Marketing fragt danach, wie sich der Absatz erhöhen lässt, und richtet danacheine Strategie aus. Diese kann dann durchaus einen sozialen Impact haben, mussaber nicht. Ein CSR-Projekt hingegen entsteht aus der Motivation, sich intensiv mitgesellschaftlichen Fragen auseinanderzusetzten, und möchte in einem bestimmtenBereich Verantwortung für die Beantwortung dieser Fragen übernehmen. Wäre dieRefresh-Kampagne ein CSR-Projekt, wäre die Frage weniger gewesen: Wie organi-siere ich die Verteilung zur Verfügung stehender Gelder am sinnvollsten? Sondern:Wie kann ich mit dem Geld die größte Wirkung erzielen und die Menschen auchüber das Geld hinaus bei ihren Vorhaben unterstützen und ihren Output erhöhen?Vom Voten zum Power-VotingDie größte Herausforderung für die Kampagnenmacher war, dass sich nichtnachweisen ließ, dass Pepsi Refresh den Absatz steigerte. Deshalb führte Pepsidie sogenannten Power Votes ein. Auf der Innenseite aller Pepsi-Cola-Deckelstand ein Code, mit dem Power Votes (zwischen 5 und 100 zusätzliche Stimmen)aktiviert werden konnten. Teilnehmer und ihre Unterstützer kauften nun Pepsi-Flaschen und riefen ihr Netzwerk zum Kauf auf. Menschen sammelten Flaschenin Recycling-Centern, Restaurants und bei großen Sportveranstaltungen. Die Re-aktionen waren gemischt. Nur vereinzelt stießen die Power Votes auf Ablehnung,die meisten Teilnehmer fanden sie gut.Top oder Flop – Alles nur eine Frage der Interpretation?Insgesamt, so die Aussage vom Gobal Giving Team, wurde Pepsi Refresh sehrpositiv in der Gesellschaft und auch bei den teilnehmenden Projekten aufgenom-men. Pepsi bekam für die Kampagne zahlreiche Awards und war die meistdisku-tierte Marke. 37 % der Amerikaner wissen laut Marketing Evolutions über PepsiRefresh Bescheid (im Gegensatz zu 12 – 21 % bei gleichwertigen Marketingpro-grammen). Mit der Kampagne erreichte PepsiCo eine starke Medienresonanz.Der Holmes Report, der die Effektivität von PR-Maßnahmen beleuchtet, liefertunter anderem folgende Zahlen:• 140.000 Tweets in 1,5 Jahren (bis Mitte 2011)• eine Steigerung der Facebook „Likes“ um mehr als 600 %Allein die Tatsache, dass viele Privatper­sonen eventuell zum ersten Mal in ihremLeben ein soziales Engagement in die Handnahmen und darüber nachdachten, wassie in ihrer Community gerne verändernwürden, setzte Energie frei.Webbewerbe → Insight338
  36. 36. • über 18 Millionen Besucher auf refresheverything.com• über 12.000 gelistete Projekte mit insgesamt über 76 Millionen StimmenSocial ImpactIn seinem Social Impact Report gibt PepsiCo Aufschluss über die Verteilungder Gelder auf einzelne inhaltliche Bereiche. Insgesamt wurden 2010 über 20Millionen US-Dollar an soziale Projekte ausgezahlt. Etwa die Hälfte ging anPrivatpersonen, darunter beispielsweise ein Künstler, der in seinem Stadtteil einWandgemälde malen wollte und dafür die Materialien benötigte, oder eine Frau,die den Spielplatz in ihrem Viertel sanieren und eine neue Schaukel anschaffenwollte. Tierschutz war auch ein wichtiges Thema. Etwa 45 % der Gewinner warenNGOs und die restlichen 5 % gingen an gewinnorientierte bzw. nicht gemeinnüt-zige Unternehmen, die soziale Zwecke verfolgten.Verteilung der Pepsi-Refresh-Gelder 2010Im Zuge der Werbung um Stimmen für ihre Projekte und durch Presseberichtestieg auch der Bekanntheitsgrad einzelner Projekte. Über einige drehte Pepsiauch Werbefilme, zu anderen kamen die lokalen Abfüller und unterstützten dieVeranstaltungen der Gewinner-Initiativen mit Getränken. Dies erzeugte positiveSynergieeffekte. Beispielsweise wollte eine Teilnehmerin einen Spielplatz sanie-ren und konnte auch eine lokale Firma hinzugewinnen.Die sozialen Auswirkungen waren größer als geplantDiese Wirkung kam selbst für GG und Pepsi unerwartet, da man davon ausgegan-gen war, dass die wesentliche Wirkung des Programms in den verteilten Geldernund damit umgesetzten Projekten liegen würde. Doch mit der Zeit wurde deut-lich, dass der Impact von Pepsi Refresh viel größer war und viel früher einsetzte:Allein die Tatsache, dass viele Privatpersonen eventuell zum ersten Mal in ihremLeben ein soziales Engagement in die Hand nahmen und darüber nachdachten,was sie in ihrer Community gerne verändern würden, setzte Energie frei. Siemachten sich Gedanken über Probleme in ihrer Gesellschaft. In einzelnen Ge-meinschaften wurden soziale Themen durch den Abstimmungsprozess nach obenTruppenTechnik für SchulenMusikDarstellende KünsteJugendprogrammeGemeindeaufwertungKleinunternehmenDarüber hinaus gespendet10.800.000 815.000370.0001.045.000255.0001.705.0002.720.000205.000Webbewerbe → Insight339
  37. 37. gespült. Dadurch, dass Projektmacher die Medien aktivierten und diese über ihreProjekte berichteten, wurden andere Bürger auf die Themen aufmerksam undengagierten sich.Pepsi Refresh führte auch dazu, dass sich einzelne Projekte zusammenschlos-sen. So kooperierte eine NGO an der Ostküste mit einer der Westküste, da beidefür verbesserte Lebensbedingungen der Veteranen aus dem Afghanistankriegkämpften. Sie stimmten füreinander ab und haben inzwischen ein gemeinsamesProgramm aufgelegt.FazitDie Refresh Kampagne konnte und kann nur durchgeführtwerden, weil hoch qualifizierte Partner den gesamten Prozessvon seiner Vorbereitung (inklusive Forschung, Projektplanung,Webseitengestaltung) über seine Durchführung (Begutachtung,Betreuung, Öffentlichkeitsarbeit) und Nachbereitung (Evaluati-on) begleitet haben. Neben den benötigten Ressourcen (Milli-onen-Budget) bewies Pepsi den Mut, sich auf neues Gebiet zubegeben und statt auf kurzfristige Erträge zu setzten, eine lang-fristige Strategie zu verfolgen.Obwohl besonders große NGOs mit einem Netzwerk, das sichschnell mobilisieren lässt, die besten Chancen auf Gewinne ha-ben, bietet es sich auch für Einzelpersonen und kleinere Grup-pen an, sich an einer Kampagne wie Pepsi Refresh zu beteili-gen. Dabei sollten sie sich jedoch bewusst sein, dass weniger diedirekten Gewinne im Fokus stehen als vielmehr das Ziel, einegrößere Öffentlichkeit für die Unterstützung der eigenen Ideenzu aktivieren und das eigene Netzwerk um neue Partnerorgani-sationen zu erweitern.Zu beachten ist jedoch, dass die Erwartungshaltungen der deut-schen Gesellschaft sich stark von denen in den USA unterschei-den. Die Spendenkultur ist hierzulande eine andere als in denUSA. Eine Kampagne wie Pepsi Refresh würde in Deutschlandmöglicherweise eher unglaubhaft wirken, meint Sven Griemert.Eine derartige Kampagne scheint hier auch nicht geplant zusein, zumindest ist Pepsi Refresh bei der Pressestelle in Deutsch-land noch nicht bekannt. „Davon habe ich noch nie gehört“, sagteMichele Maier auf Nachfrage. (Auch in einer E-Mail vom Pepsi-Service-Center „lagen keine Informationen vor“.) Doch weit wegist Pepsi-Refresh nicht mehr: In Schweden wurde mittlerweile dererste europäische Refresh-Ableger gestartet.Webbewerbe → Insight340
  38. 38. 41
  39. 39. Daten für alleDie Open-Data-Bewegung fordert, dass Daten – nicht nur Zahlen, sondern alleInformationen, die digitalisiert und analysiert werden können – der Allgemein-heit zur freien Verfügung und Weiterverwendung zugänglich gemacht werden.Die Treiber hinter dem Trend Daten für alle sind sowohl technischer als auchsoziokultureller Natur. Die Verarbeitungskapazitäten für die ständig wachsen-den digitalen Inhalte sind exponentiell gestiegen und ermöglichen es nicht nur,die „Endprodukte“, sondern auch frühere Entwicklungszustände und Rohdatenzugänglich zu machen. Zugleich ist die Open-Data-Bewegung auch als Reaktionauf die Verschärfungen des Urheberrechts und der Schutzgesetze für intellek-tuelles Eigentum zu verstehen, welche Unternehmen und Regierungen in denletzten Dekaden durchgesetzt haben, um ihre wirtschaftlichen Interessen zusichern. Diese Entwicklung prallt auf eine gegenläufige Internetkultur, in derRegierungen, Universitäten, Unternehmen,Stiftungen und NGOs produzieren riesigeDatenmengen. Statistiken, medizinischeForschungsergebnisse, Lehrmaterialien,Geodaten, Wetter- und Umweltinformati-onen und Projektevaluationen. Die meis-ten dieser Daten sind bislang für die Allge-meinheit nicht zugänglich – das soll sichim Zuge der Open-Data-Bewegung ändern.Denn aus den großen Datenbeständen kön-nen wichtige neue Erkenntnisse, Korrelati-onen und Kausalitäten gewonnen werden,die unsere Arbeit und Lebensqualität ver-bessern – auch im sozialen Sektor.Die Open-Data-Bewegung fordert, dass Daten – nicht nur Zahlen, sondern alleInformationen, die digitalisiert und analysiert werden können – der Allgemein-heit zur freien Verfügung und Weiterverwendung zugänglich gemacht werden.Die Treiber hinter dem Trend Daten für alle sind sowohl technischer als auchsoziokultureller Natur. Die Verarbeitungskapazitäten für die ständig wachsen-Regierungen, Universitäten, Unternehmen,Stiftungen und NGOs produzieren riesigeDatenmengen. Statistiken, medizinischeForschungsergebnisse, Lehrmaterialien,Geodaten, Wetter- und Umweltinformati-onen und Projektevaluationen. Die meis-ten dieser Daten sind bislang für die Allge-meinheit nicht zugänglich – das soll sichim Zuge der Open-Data-Bewegung ändern.Denn aus den großen Datenbeständen kön-nen wichtige neue Erkenntnisse, Korrelati-onen und Kausalitäten gewonnen werden,die unsere Arbeit und Lebensqualität ver-bessern – auch im sozialen Sektor.soziokultureller Natur. Die Verarbeitungskapazitäten für die ständig wachsen-den digitalen Inhalte sind exponentiell gestiegen und ermöglichen es nicht nur,die „Endprodukte“, sondern auch frühere Entwicklungszustände und Rohdatenzugänglich zu machen. Zugleich ist die Open-Data-Bewegung auch als Reaktionauf die Verschärfungen des Urheberrechts und der Schutzgesetze für intellek-tuelles Eigentum zu verstehen, welche Unternehmen und Regierungen in denletzten Dekaden durchgesetzt haben, um ihre wirtschaftlichen Interessen zusichern. Diese Entwicklung prallt auf eine gegenläufige Internetkultur, in derDie Open-Data-Bewegung fordert, dass Daten – nicht nur Zahlen, sondern alleInformationen, die digitalisiert und analysiert werden können – der Allgemein-heit zur freien Verfügung und Weiterverwendung zugänglich gemacht werden.Die Treiber hinter dem Trend Daten für alle sind sowohl technischer als auchsoziokultureller Natur. Die Verarbeitungskapazitäten für die ständig wachsen-Daten für alle → Trend443
  40. 40. kostenloses Teilen und Open-Source-Kollaboration als Ideal gelten und in derimmer mehr Menschen offenen Zugang zu dem „Herrscherwissen“ der Institu-tionen fordern.Offene Daten und Transparenz verbessern Politikm Zuge von Open-Government-Initiativen gehen immer mehrRegierungen dazu über, staatliche Informationen leichter ver-fügbar zu machen und transparenter zu werden (siehe 1/Glasklar):Auf data.gov.uk finden sich mittlerweile über 4.000 Datensätzeund auch die US-Regierung hat unter Obama eine eigene Open-Data-Abteilung eingerichtet, die Datensätze zu Themen wie Kampagnenfinan-zierung, Gesundheitsindikatoren und öffentlichen Einkäufen online gestellt hat.Auch die kenianische Regierung hat ein Open-Data-Portal eröffnet, und in Skandi-navien gibt es weitere Beispiele. Die deutsche Regierung sträubt sich seit langemdagegen, Informationen dieser Art öffentlich zu machen, und ist im Bereich OpenGovernment ein Nachzügler.Für den sozialen Sektor ist der Trend Daten für alle eine enorme Chance: DennAußenstehende mit gezielten Interessen wissen oft besser, welche Daten sie wiekorrelieren müssen, um Fragen zu beantworten. Die Crowd im Internet ist daoft schneller und innovativer als Bürokratien. Über offene Daten können bei-spielsweise amerikanische Diabetikervereinigungen mehr über die Krankheiterfahren – wo sie vermehrt auftritt, welche Korrelationen zu anderen Indikato-ren bestehen und wie die Krankheiten verlaufen. Auf der Basis dieser Infos kön-nen neue innovativere Dienstleistungen und Behandlungsmethoden entwickeltwerden. Ebenso können Obdachlosenorganisationen, die Daten von Notaufnah-men und Polizeistationen erhalten, genau die Unterkünfte und Mahlzeiten undmedizinischen Versorgungen anbieten, die zu einem bestimmten Zeitpunkt be-nötigt werden.Auch für die Messung der eigenen Arbeit, für Wirksamkeitsanalysen und Evalu-ationen sind Daten von großer Bedeutung. Um standardisierte Messinstrumentefür soziale Dienste, NGOs und Impact-Investoren zu entwickeln (siehe 5/Messen),müssen zuerst große Datenmengen gesammelt, geteilt und analysiert werden.Diese können dann in Datenbanken wie TRASI (siehe 5/Messen/Cases) für die Öffent-lichkeit aufbereitet werden und ihrerseits den Trend hin zu einer wirkungsorien-tierten Philanthropie beschleunigen.Da viele soziale Institutionen nicht die Ressourcen haben, um eigene oder öffent-liche Daten zu analysieren, gehen eine Reihe von Förderinstitutionen dazu über,Datenaufbereitung gezielt zu fördern. So finanziert die Bill und Melinda Gates Stif-tung Infografiken zu politisch und sozial relevanten Themen, die z. B. im „Guardian“veröffentlicht werden.← S. 13S. 51 →S. 57 →Für den sozialen Sektor ist der TrendDaten für alle eine enorme Chance: DennAußenstehende mit gezielten Interessenwissen oft besser, welche Daten sie wiekorrelieren müssen.Daten für alle → Trend444
  41. 41. Von der Geldbank zur Datenbanknsbesondere die notorisch intransparente Entwicklungszusammen-arbeit kann enorm von Open Data profitieren, um Geldflüsse zu opti-mieren, Projekte besser aufeinander abzustimmen und Wissen zuteilen. Die Weltbank geht seit 2010 mit gutem Beispiel voran undveröffentlicht nach und nach ihren Datenkatalog. Mittlerweile sind7.000 Indikatoren zugänglich und die Nachfrage ist gewaltig: Die Datenseite generiertmehr Traffic als die Homepage der Weltbank. Für entwicklungspolitische Laien mages erstaunlich sein, wie schlecht die Datenlage vielerorts ist. So weiß in einem Landwie Nigeria niemand, wie viele Gesundheitsstationen es gibt, wie diese ausgestattetsind und wie viele Patienten dort mit welchen Krankheiten behandelt werden.Die Datenlage ist nicht nur in den Empfängerländern schlecht; auch die Geberlän-der veröffentlichen nur einen Bruchteil ihrer Ausgaben. Dies soll sich im Rahmender IATI-Initiative (International Aid Transparency Initiative) ändern, die sich füreinen einheitlichen Daten-Standard einsetzt. In Deutschland arbeitet aidinfo.orgfür mehr Transparenz in der EZ und organisierte im Rahmen der Open Aid Data­-Konferenz einen Open Data Hackday.Auch im Bereich Entwicklungszusammenarbeit ist die Datenpolitik der zuständigendeutschen Behörden und Institutionen enttäuschend. „Informationen sind verstreut,kaum Daten sind in offenen Formaten vorhanden und eine Aufschlüsselung von Fi-nanzdaten wie Projektausgaben werden bisher nicht veröffentlicht“, sagt der Polito-loge Christian Kreutz, Gründer von Frankfurt-Gestalten, im ZDF-Blog Hyperland.So veröffentlicht das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit,der Hauptfinanzier deutscher Entwicklungshilfe, nur eine einfache Liste derEmpfängerländer. Als sich Christian Kreutz für die Open Knowledge Foundati-on Germany daranmachte, eine Weltkarte deutscher Geldflüsse zu erstellen (undbei der OECD, an die das BMZ seine Zahlungen regelmäßig liefern muss, fündigwurde), kamen eine Reihe von überraschenden Erkenntnissen zutage: Nicht nurfördert Deutschland nach dem Gießkannenprinzip fast jedes Land der Welt mitirgendwelchen Maßnahmen. Der Löwenanteil der jährlich sechs Milliarden EuroBMZ-Gelder geht nicht an klassische Entwicklungsländer, sondern an die Schwel-lenländer Brasilien, Russland, Indien und China sowie europäische Nachbarnwie Polen. Nachdem Kreutz die Zahlen mit Daten aus dem „Economist“ zur de-mokratischen Entwicklung verbunden hatte, wurde deutlich, dass mit deutschenSteuergeldern besonders gerne undemokratische Länder gefördert werden.Nicht nur der Staat, auch Stiftungen haben einen ungehobenen Datenschatzherumliegen. In Stiftungsarchiven lagert wertvolles und unter großem Arbeits-einsatz generiertes Wissen in Form von Förderungsanträgen, Evaluationen, Ab-schlussberichten und Studien über soziale Missstände und effektive und wenigereffektive Lösungsansätze, die im Normalfall nur einmal verwendet und von sehrwenigen Menschen gesichtet werden. Online können sie dieses Wissen kosten-günstig mit anderen Organisationen teilen und der Öffentlichkeit zur Verfügungstellen, um Erfolgsbeispiele zu verbreiten und Innovationen zu fördern. Auchgehen immer mehr Stiftungen dazu über, sich selbst von ihren Antragstellernund Förderprojekten bewerten zu lassen und die resultierenden Grantee PerceptionReports zu veröffentlichen, auch wenn sie auf Schwachstellen der Stiftungen hin-weisen (siehe 12/Produktiv Scheitern).Chancen• Mehr Daten ermöglichen mehr Transparenz und steigern da-mit die Rechenschaft öffentlicher, privatwirtschaftlicher undS. 117 →S. 55 →S. 49 →Daten für alle → Trend445
  42. 42. gemeinnütziger Institutionen gegenüber dem Steuerzahler undanderen Stakeholdern. Somit kann größeres Vertrauen entstehen.• Daten für alle fördert Innovation.• Partizipationsmöglichkeiten können durch Crowdsourcing ge-steigert werden: Bürger und Interessengruppen erhalten bes-seren Zugang zu Daten und können gleichberechtigter in Debat-ten mitargumentieren und sich engagieren.• Die Kombination von Daten lässt neue Entwicklungen, Korre-lationen, Trends und Kausalitäten erkennen. Organisationenkönnen ihre Arbeit besser evaluieren.• Offene Daten verstärken den öffentlichen Druck für effizientereund effektivere Arbeit.• Datenengpässe und fehlende Daten können erkannt werden.Risiken• Wir benötigen neue Kompetenzen, Daten zu lesen. Einfach nurmehr Daten auszuwerten, ist oft nicht zielführend. Vielmehrmüssen sie im Kontext verstanden und interpretiert werden.• Um Daten „befreien“ zu können, sind Investitionen (etwa in neueFormate) notwendig.• Die Datenmengen wachsen: Schon jetzt geht man davon aus,dass sich die verfügbare Datenmenge alle fünf Jahre verzehn-facht. Damit wird die Datenverarbeitung immer anspruchsvoller.• Offene Daten erhöhen die Anforderungen an den Datenschutz,der entsprechende Regeln entwickeln muss.FazitDaten für alle sind gut. Stellen Sie Daten, die für andere hilfreichsein können, in den erforderlichen Formaten zur Verfügung:Machen Sie sie suchbar, verwenden Sie standardisierte Formateund Lizenzen, die es Dritten ermöglichen, die Daten zu lesen,weiterzubearbeiten und zu verbreiten. Teilen Sie Ihr Wissen mitder eigenen Organisation und der Öffentlichkeit. Öffnen Sie IhreArchive. Schützen Sie die Privatsphäre, indem Sie personalisier-te Daten nur pseudonymisiert oder anonymisiert bereitstellen.Machen Sie potenzielle Interessengruppen auf Ihre Daten auf-merksam, organisieren Sie Veranstaltungen wie Hackdays, beidenen Datenexperten und Programmierer zusammenkommen,die die Daten analysieren und aufbereiten können.Daten für alle → Trend446
  43. 43. Code for America hat es besonders auf die soge­­nann­ten Nerds abgesehen. Sie sollen ihre (Pro-grammier-)Fähigkeiten einsetzen, um Herausfor-derungen aus der Stadtverwaltung und -planungzu meistern. Hierfür vergibt Code for America Mitgliedschaften(Fellowships) an interessierte Webentwickler und unterstütztdiese auch finanziell für die Zeit des Programmierprozesses.Interessierte Städte können sich eigenständig bewerben. Bis-her wurden Philadelphia, Washington D.C., Seattle und Bostonfür Projekte in den Bereichen Bildung, Partizipation, Effizienzund Offenheit ausgewählt. Mit dem Prozess erhofft sich Codefor America, auch junge Talente als Nachwuchs für die Tech-nologiebranche des öffentlichen Sektors zu gewinnen.Code for Americawww.codeforamerica.orgDaten für alle → Cases447
  44. 44. Die Organisation Daten ohne Grenzen möchteNGOs helfen, Daten zu sammeln, zu kategorisie-ren, zu analysieren und verständlich darzustellen.Die drei Gründer gehen davon aus, dass Orga-nisationen oftmals nicht einmal den Wert ihrer gesammeltenInformationen verstehen, geschweige denn wissen, wie sie dieDaten auswerten können. Hierbei sollen ihnen freiwillige Helferwie etwa Statistikprofessoren und Wissenschaftler helfen. Vie-le NGOs sammeln Daten – in Form von Marktforschung oderBedarfsanalysen. Sie nehmen Daten von Projektteilnehmernauf oder arbeiten mit Statistiken und eigenen Erhebungen, umbeispielsweise die Zahl derer zu bestimmen, die Hilfe benöti-gen. All diese Informationen führen zu besseren Ergebnissen,wenn sie präzise aufbereitet werden. Ein schönes Beispiel fürinterdisziplinäre Zusammenarbeit.Data Without Borderswww.datawithoutborders.ccDaten für alle → Cases448
  45. 45. Weltbank-Präsident Robert Zoellick nannte „seine“Institution schon 2010eine Wissensbank und unter-strich damit die Devise: Freier Zugang zu Daten,Wissen und Lösungsansätzen. So hat die Weltbankein umfangreiches Archiv mit ihren Daten veröffentlicht und die-se Daten auch übersichtlich aufbereitet. Man kann etwa nachLändern, Themen oder Indikatoren filtern. Mithilfe der Mate-rialien bekommen entwicklungspolitische Akteure ein besseresVerständnis für den Sinn bestimmter Entwicklungsprogrammeund -projekte. Und durch ein fundiertes Verständnis kann auchdie Arbeit von Organisationen evaluiert und verbessert werden.Daten sind auch die Grundlage, um Wirkung messen zu können.Ein Beispiel dafür ist die Weltbank-Initiative Mapping for Results.Weltbank – Open Datawww.data.worldbank.org ← S. 45S. 65 →S. 65 →Daten für alle → Cases449
  46. 46. MessenWas bringt’s?, fragen sich vor allem Geldgeber immer häufiger. Wirkt meineSpende dauerhaft? Ist mein Engagement eine soziale Investition oder fördere icheine Bettlermentalität? Wirkungsmessung kann solche Fragen beantworten undwird bei sozialen Organisationen vermehrt nachgefragt. Das liegt nicht nur anden vielen Geschichten des Scheiterns aus 60 Jahren Entwicklungszusammenar-beit. Auch der allgemeine Transparenztrend des Internets trägt dazu bei. WeitereGründe sind:1. Die Finanzkrise der letzten Jahre hat den sozialen Sektor weltweit maßgeb-lich beeinflusst. Weil staatliche Gelder für gemeinnützige Projekte gekürzt← S. 44„Im philanthropischen System der Zukunftfließen qualitativ hochwertige, standardi-sierte Informationen. NGOs verwenden die-se Informationen, um ihre Leistung zu ver-bessern, während Geldgeber sie benutzen,um bessere Förderungsentscheidungen zutreffen.“ Das war das Fazit von über 30 gro-ßen philanthropischen Internetplattformen,die 2010 in New York über die Zukunft desSektors diskutierten. Hinter diesem Tenorsteht ein wichtiger Trend: Metriken, Wirk-samkeitsanalysen und Evaluationen gewin-nen im sozialen Sektor seit geraumer Zeitan Bedeutung.„Im philanthropischen System der Zukunftfließen qualitativ hochwertige, standardi-sierte Informationen. NGOs verwenden die-se Informationen, um ihre Leistung zu ver-bessern, während Geldgeber sie benutzen,um bessere Förderungsentscheidungen zutreffen.“ Das war das Fazit von über 30 gro-ßen philanthropischen Internetplattformen,die 2010 in New York über die Zukunft desSektors diskutierten. Hinter diesem TenorWas bringt’s?, fragen sich vor allem Geldgeber immer häufiger. Wirkt meineSpende dauerhaft? Ist mein Engagement eine soziale Investition oder fördere icheine Bettlermentalität? Wirkungsmessung kann solche Fragen beantworten undwird bei sozialen Organisationen vermehrt nachgefragt. Das liegt nicht nur anden vielen Geschichten des Scheiterns aus 60 Jahren Entwicklungszusammenar-beit. Auch der allgemeine Transparenztrend des Internets trägt dazu bei. WeitereGründe sind:1. Die Finanzkrise der letzten Jahre hat den sozialen Sektor weltweit maßgeb-lich beeinflusst. Weil staatliche Gelder für gemeinnützige Projekte gekürztMessen → Trend551
  47. 47. wurden, erhöhte sich der Wettbewerbsdruck zwischen NGOs, und es kam zueinem stärkeren Legitimationszwang in der Branche. Folglich gewinnen jeneOrganisationen den Konkurrenzkampf um Fördergelder, welche die Wirkungihrer Arbeit besser nachweisen können – etwa in Form von quantitativenIndikatoren, Metriken oder Evaluationen. Während bislang die Hauptfragewar: „Sollen wir unsere Arbeit überhaupt messen?“, lautet sie nun: „Was mes-sen wir?“2. Technologie hat ebenfalls einen Beitrag zu mehr Wirkungsorientierung ge-leistet: Das Netz bietet die Möglichkeit, zu lernen. Oft werden Toolboxen undHow-to-Guides zur Verfügung gestellt.3. Eine Ökonomisierungslogik und Business-Sprache breitet sich in vielen gesell-schaftlichen Bereichen aus, auch im gemeinnützigen Sektor. UnternehmerischeHandlungsansätze erleben einen Aufschwung, etwa Social Entrepreneurshipund Venture Philanthropy.4. In der Entwicklungszusammenarbeit werden seit Jahrzehnten Projektziele undAktivitäten einer logischen Reihenfolge zugeordnet und durch objektive Indi-katoren gemessen. Diese Methode wird zunehmend auch im gemeinnützigenRaum angewendet.Der Trend zur stärkeren Evaluation im öffentlichen und sozialen Raum bestehtseit Jahren. In Deutschland kam er erstmals in der Verwaltungsreform zum Aus-druck. Dann griff er über auf Dienstleister im sozialen Sektor und zivilgesell-schaftliche Organisationen. In der zur Zeit letzten Welle des Trends geht es umdie Frage nach der Wirkung von Stiftungshandeln bzw. sozialen Investitionen.Aus letzterem Bereich sind etwa seit dem Jahr 2000 eine Reihe neuer philanthro-pischer Akteure hervorgegangen, die – sozialisiert in privatwirtschaftlichen undmetrikgetriebenen Branchen – eine Phalanx neuer Messinstrumente entwickelnund diese über das Internet, auf Konferenzen und in der Social-Entrepreneurbe-wegung zu verbreiten versuchen.Von Kapitalismus zu Philanthrocapitalism: Entwicklung einerBefürwortung für Impact Investingie Wirkungsorientierung im Stiftungswesen entwickelte sich inden USA unter dem Namen Impact Investing oder Venture Phi-lanthropy. Das heißt: Investoren suchen gezielt nach Geschäfts-möglichkeiten, wo ihr Kapitaleinsatz neben der Rendite auchGutes für die Gesellschaft oder die Umwelt erzielen kann. Somitist Impact Investing ein neuer Markt zwischen gemeinnützigem Sektor und Pri-vatwirtschaft. Interessante Initiativen sind die Rockefeller Foundation oder dasAspen Network of Development Entrepreneurs.Das Konzept der Venture Philanthropy verbreitet sich schnell. Es ist ein Trend inden USA, dass immer mehr Milliardäre einen Großteil ihrer Vermögen für gemein-nützige Zwecken spenden. Microsoft-Gründer Bill Gates, Investor-Riese WarrenBuffett, und eBay-Gründer Jeffrey Skoll sind nur einige von vielen, wie sie etwa aufder Website The giving pledge gelistet sind. Auch große Technologieunternehmenschließen sich diesem Trend an, beispielsweise die Hewlett Foundation.Eine weitere Ausprägung des Trends von der Seite der Geldgeber sind sozialeFonds (v.a. in Entwicklungsländern). Über diese Fonds investiert man in NGOsund Social Entrepreneurs, um solche Initiativen und Marktlösungen zu fördern,die Armut oder soziale Ungleichheiten bekämpfen wollen. Beispiele sind BigIssue Invest oder Calvert.Messen → Trend552
  48. 48. Forschung, Standardisierung, metrikgetriebene Plattformenie neu entwickelten Reporting- und Rechenschaftsstandards stel-len Hilfsorganisationen und Stiftungen vor die Herausforderung,diesen Anforderungen gerecht zu werden und ihre Arbeit klarerzu evaluieren. Dafür hat sich ein neuer Berater- und Mittler-markt entwickelt, der auch in zunehmender (wissenschaftlicher)Forschung Ausdruck findet.Weltweit nehmen eine ganze Reihe von Think Tanks und Organisationen am Dis-kurs teil, dessen Leitfrage lautet: „Wie können wir mehr positive gesellschaftlicheund ökologische Wirkung erreichen?“ In Deutschland tragen vor allem Active Phi-lanthropy, Phineo, das Center for Social Investment der Uni Heidelberg, die StiftungMercator und goodroot (dessen Gründerin Co-Autorin dieses Textes ist) zur Ver-breitung wirkungsorientierter philanthrophischer Praktiken bei und forschen überMonitoring und Evaluation. Universitär wird in Deutschland etwa am KfW-Stif-tungslehrstuhl für Entrepreneurial Finance an der Technischen Universität Mün-chen und an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der UniversitätHamburg an Metriken geforscht. Auf staatlicher Seite plant EntwicklungsministerDirk Niebel (FDP) ein Evaluierungsinstitut, damit Steuergelder wirkungsvoller ein-gesetzt werden. Auch Social Stock Exchanges, also Börsen für Social Investments,gibt es bereits: Die erste wurde 2003 mit der BVSA in São Paulo eröffnet.Qualitäts- und Standardinitiativen im Entwicklungs- undhumanitären Bereichm Entwicklungs- und humanitären Bereich haben sich in denvergangenen Jahren ebenfalls Qualitätsstandards entwickelt. Hu-manitarian Accountability Partnership ist ein Zusammenschlussvon Organisationen, die gemeinsam Indikatoren für humanitäreAktivitäten entwickeln und sich verpflichten, danach zu arbeiten.Und das Jameel Poverty Action Lab des MIT misst die Wirkung von Hilfsprojektenähnlich wie Pharmaunternehmen: mit zufällig ausgewählten Kontrollgruppen. IhrBuch „Poor Economics“ hat weltweit für Aufsehen gesorgt.Chancen• Eine stärkere Ausrichtung auf „Was wirkt, was nicht?“ fördertden Wettbewerb und die Qualität im sozialen Sektor.• Über die etablierten Standards und Metriken können interna-tionale Vergleiche angestellt werden.• Über soziale Investitionslandkarten (siehe 6/Kartismus →) könnenGeldgeber effizienter koordiniert und weitere Rückschlüsseüber geografische Wirkungsfaktoren gezogen werden.Risiken• Ein zu starker Fokus auf Wirkungsmessung kann dazu führen,dass nur noch die Bereiche gefördert werden, in denen Ergebnis-se sichtbar sind (etwa in der Gesundheitsvorsorge). Das kann aufKosten von Themen gehen, die langfristiger angelegt und schwe-rer zu evaluieren sind (Rechtssicherheit, Demokratisierung).• Es ist komplex und schwierig, einheitliche Standards über ver-schiedene Branchen und Zielgruppen hinweg zu entwickeln.• Bislang ist nur eine kleine Gruppe von Geldgebern wirklich anWirksamkeitsmessunginteressiert:dieSocial-Impact-InvestorenS. 56 →S. 123 →S. 59 →Messen → Trend553

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