Universität HamburgInstitut für Medien und KommunikationBA-Studiengang Medien- und KommunikationswissenschaftSeminar Ia – ...
Abgabetermin: 6. September 2012Blicken wir in die Mitwelt um uns, so erkennen wir, daß der Mensch imZeitverlauf zwischen G...
Inhaltsverzeichnis1. Fragestellung ..........................................................................................
1. FragestellungIm Rahmen des Seminars „Methoden der Kommunikationsforschung“ im Sommersemester 2012möchten wir untersuche...
interaktiven Konstruktion der Subjekte immer wieder selbst bestätigt und so die      Geschlechterdifferenz wieder herstell...
Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen und auch aufgrund zeitlicher Vorgaben müssenwir unsere Forschung auf wenige ...
Lifestyle (vgl. Ratliff 2004). Die Sozialwissenschaftlerin Franka Hesse erfasst in der BochumerStudie, dass Relevanz in de...
3. Forschungsfragen und HypothesenUnsere Forschungsfragen sind im Wesentlichen welche Themen in den untersuchten Blogs häu...
"ein problemangemessenes Forschungsdesign entwickelt und begründet werden kann" (Kromrey2009: 107) gilt es nun, solche prä...
Auf dieser Basis können im Folgenden die für die Untersuchung maßgeblichen Begriffe definiertund kann der konkrete Untersu...
Wege erzeugten und veröffentlichten Inhalte hingegen, in welchen sich die besagten Ansichtenwiderspiegeln, lassen sich fre...
festgelegten Muster ausgewählt. Für beide Auswahlverfahren muss jedoch "die Grundgesamtheiterst einmal exakt bestimmt werd...
Aus diesem Grund ist es die Lösung mit der größten Objektivität, diese Auswahl zufällig zu treffen.Als Ergebnis erhalten w...
4.2 MethodeDie passende Methode ergibt sich unmittelbar aus dem bestimmten Untersuchungsgegenstand:Medieninhalte werden mi...
von einer Blogsoftware abhängig, d.h. auch eine Seite ohne Blogsoftware kann nach der o.g.Definition ein Blog im Sinne die...
von sinnvollen Kategorien erstellt (deduktiv), die dann während eines Pretests angepasst, d.h.ergänzt, gekürzt und modifiz...
gewährleisten. Uns bleibt jedoch nichts anderes übrig, als hier Abstriche zu machen, dies imRahmen dieses Forschungsberich...
Zunächst haben wir die Suchbegriffe Feminismus und Antifeminismus gegooglet, wie es auch fürdie Bestandsaufnahme geplant w...
Forschungsverlauf, der Datenauswertung und beim Verfassen des Forschungsberichtsberücksichtigen und für die Zukunft daraus...
mussten ergänzt oder in ihrem zugewiesenen Bedeutungsumfang angepasst werden, dochdarüber hinaus lief der Kodiervorgang re...
5.4.1 Eingrenzung und Konventionalisierung von Art und Umfang der AuswertungArt und Umfang unserer Messergebnisse eröffnen...
Zahlen heraus, die für uns relevant sind, und erstellten mit diesen dann eigene Tabellen, diespeziell auf die Darstellung ...
6.2 ErgebnisdarstellungZwar war die Auswertung der Untersuchung ob der Komplexität der Messergebnisse ein relativkomplizie...
Vorstellung, dass Feministinnen häufig von der Frau als Feministin sprechen, vollständig widerlegt.Mehr noch zeigte sich n...
ein anderes Phänomen: Schaut man sich an, mit welchen Rollen die Top-Themen einer Seiteassoziiert sind, fällt auf, dass ni...
die Verfasser halten es für notwendig, sich so auszudrücken, eben weil ihre Bewegung gegenAblehnung kämpfen muss.6.4 Zusam...
Neben der Eigenkritik an der allgemeinen Herangehensweise sind uns folgende Dinge aufgefallen,die wir besser machen können...
Laufe der Pretests zu dem Schluss, dass wir Formulierungen in den Kodieranweisungen hinterlegenmüssten, die wir teilweise ...
8. LiteraturverzeichnisAdorno, Theodor W. (2002). „Zur gegenwärtigen Stellung der empirischen Sozialforschung inDeutschlan...
Hesse, Franka (2007). "Die Geschlechterdimension von Social Software am Beispiel von Weblogs."Website. Ruhr Universität Bo...
Empirie. Becker, Ruth/Beate Kortendieck. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften/SpringerFachmedien Wiesbaden GmbH. ...
9. AnhangA. KategoriensystemB. KodieranweisungenC. Muster-KodierbogenD. Untersuchungsmaterial        I. Feministische Blog...
A. KategoriensystemI. Ausrichtung         1. Antifeministisch         2. FeministischII. Rollen         1. Feministin     ...
1. Politik        2. Familie        3. Rechtliches        4. Gesundheit        5. Wissenschaft        6. Arbeitswelt      ...
5. Es werden alle genannten Rollen und Themen erfasst, d.h. pro Einheit dürfen mehrereKategorien (mehrere Rollen oder Them...
3. In allen Fällen, in denen die Kodierung eine Einzelfallentscheidung auf Basis von Weltwissen undBildung ist (s. III.3.,...
1. Wird ein Thema konkret benannt, jedoch als Inhalt des Beitrags verneint, wird es nicht kodiert.Beispiel: "Hier geht es ...
Allgemeines                                                          Insgesamt     Femin.        Antifemin.Erfasste Beiträ...
starkes Geschlecht         12,2 %          0%Führungskraft              12,2 %          0%Tabelle 3: Häufigkeiten, antifem...
Die häufigsten Thema-Rolle-Kombinationen in antifem. Beiträgen                                                     Zum Ver...
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Die häufigsten Assoziationen mit den jeweils häufigsten Themen und Rollen in denantifeministischen Beiträgen              ...
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Forschungsbericht: Das weibliche Rollenbild in Abhängigkeit von Themenkomplexen

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Das weibliche Rollenbild in Abhängigkeit von Themenkomplexen aus feministischer und antifeministischer Perspektive. Autoren: Daniela Friedrich, Savita Wagner

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Forschungsbericht: Das weibliche Rollenbild in Abhängigkeit von Themenkomplexen

  1. 1. Universität HamburgInstitut für Medien und KommunikationBA-Studiengang Medien- und KommunikationswissenschaftSeminar Ia – Modul MUK-E3Methoden der empirischen KommunikationsforschungDozentin: Juliane FingerSommersemester 2012 Das weibliche Rollenbild in Abhängigkeit von Themenkomplexen aus feministischer und antifeministischer Perspektive Eine quantitative Inhaltsanalyse von deutschsprachigen InternetblogsDaniela Friedrich Savita Diana WagnerOtto-Speckter-Str. 20, 22307 Hamburg Horner Weg 206, 22111 Hamburgdaniela-friedrich@web.de wagner-sd@web.de0151 - 546 065 79 0176 – 486 486 462. Fachsemester B.A. 2. Fachsemester B.A.Medien- und Kommunikationswissenschaft (HF) Deutsche Sprache und Literatur (HF)Sozialwissenschaft (NF) Medien- und Kommunikationswissenschaft (NF)Matrikelnr.: 6328621 Matrikelnr. 5951538
  2. 2. Abgabetermin: 6. September 2012Blicken wir in die Mitwelt um uns, so erkennen wir, daß der Mensch imZeitverlauf zwischen Geburt und Tod eine Sequenz von Rollen zu durchlaufenhat, sei es nun zunächst in der Phase der primären Sozialisation dieKinderrollen, gleichgültig ob zugleich als Geschwisterrolle oder Heimkindrolleetwa, über die Initiationsrollen in der Spielgruppe, Kindergarten, Schule undschließlich Ausbildung. Sodann aber in der Phase der sekundären Sozialisationdie Erwachsenenrollen in Beruf, Ehe, Familie, Öffentlichkeit usw. […].Sozialpsychologisch haben wir die jeweilige Rolle als das Insgesamt vonRegeln, Handelsrezepten und Vorschriften zu verstehen, die für bestimmteSituationen, in denen wir mit anderen Menschen in Kontakt stehen,vorgeschrieben sind und die uns durch Sozialisation, d.h. die Einwirkung derMitwelt, "beigebracht" werden, um uns, von Natur aus "unfertig", für dasmenschliche Zusammenleben tauglich zu machen. Gottfried Eisermann, 1991 Rolle und Maske, S 60 f. Tübingen: J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) Die Deutsche Bibliothek CIP EinheitsaufnahmeE3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 2 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  3. 3. Inhaltsverzeichnis1. Fragestellung ................................................................................................................................... 42. Konkretisierung der Fragestellung .................................................................................................. 5 2.1 Forschungsstand........................................................................................................................ 6 2.2 Relevanz .................................................................................................................................... 73. Forschungsfragen und –hypothesen ............................................................................................... 84. Operationalisierung ......................................................................................................................... 8 4.1 Untersuchungsgegenstand ...................................................................................................... 10 4.1.1 Eingrenzung der Auswahleinheiten...................................................................................... 10 4.1.2 Grundgesamtheit ............................................................................................................. 11 4.1.3 Stichprobenziehung .......................................................................................................... 11 4.1.4 Analyseeinheit .................................................................................................................. 13 4.2 Methode .................................................................................................................................. 14 4.3 Definitionen und Konzeptspezifikation ................................................................................... 14 4.4 Kategorienbildung ................................................................................................................... 15 4.5 Kodierung ................................................................................................................................ 165. Vorgehen bei der Forschung ......................................................................................................... 17 5.1 Vorbereitungen und -überlegungen........................................................................................ 17 5.2 Pretests .................................................................................................................................... 17 5.3 Datenerhebung........................................................................................................................ 19 5.3.1 Bestandsaufnahme ............................................................................................................... 19 5.3.2 Kodierung des Untersuchungsmaterials .......................................................................... 19 5.4 Auswertung ............................................................................................................................ 20 5.4.1 Eingrenzung und Konventionalisierung von Art und Umfang der Auswertung ............... 21 5.4.2 Analyse der SPSS-Tabellen ............................................................................................... 216. Ergebnisse ..................................................................................................................................... 22 6.1 Aussagekraft der Ergebnisse ................................................................................................... 22 6.2 Ergebnisdarstellung ................................................................................................................. 23 6.2.1 Abgleich der Forschungshypothesen mit den Messergebnissen ..................................... 23 6.2.2 Ergebnisse der explorativ untersuchten Zusammenhänge .............................................. 24 6.3 Sonstige Erkenntnisse.............................................................................................................. 25 6.4 Zusammenfassung der Ergebnisse .......................................................................................... 267. Fazit ............................................................................................................................................... 268. Literaturverzeichnis ....................................................................................................................... 299. Anhang........................................................................................................................................... 32E3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 3 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  4. 4. 1. FragestellungIm Rahmen des Seminars „Methoden der Kommunikationsforschung“ im Sommersemester 2012möchten wir untersuchen, welche gesellschaftlichen Rollenbilder von Frauen in usergeneratedcontent, also Inhalt, der von Nutzern des Internets erstellt wurde, im Internet aufgegriffenwerden. Uns interessiert dabei besonders, in welchem thematischen Kontext diese auftauchen.Zudem möchten wir Übereinstimmungen und Unterschiede der Verwendung von Themen undgesellschaftlich konstruierten Frauenrollen erfassen.Als Vorgabe innerhalb des Seminars wurde ein Bezug der Arbeit zum Thema „Erinnerung“gegeben. Wir begreifen usergenerated content als externes Gedächtnis, Zeitzeuge sowie Speicher-und Wiedergabemedium und somit abrufbare Erinnerung der schreibenden Nutzer. So verblassenErinnerungen im Internet nicht. Denn hier tauchen „im Gegensatz zu Erinnerungen, die alleine imMenschen fundiert sind, [...] Vergegenständlichungen und Verdinglichungen alter Erinnerung auchim neuen Gedächtnisrahmen auf“ (Nohl/Ortlepp 2008: 75). Strukturen der Suche und der Filterungim Internet auf Basis der Hypertextstruktur lassen Verknüpfungen entstehen und „DieGegenstände der Vergangenheit [...] so in das Gedächtnis der Gegenwart hinein [ragen][Anmerkung d. Verf.]“ (ebd.). Wir fragen uns insbesondere, ob die Erinnerung an bestimmteRollen, die Frauen in unserer Gesellschaft zugeschrieben werden, im Zusammenhang mit denThemen stehen, die behandelt werden.Das Geschlecht gehört zu der sozialen Identität der Menschen und produziert gesellschaftlichgeprägte und mehr oder minder allgemein anerkannte Rollenbilder. Zu den fraglosen und nicht weiter begründungsbedürftigen Selbstverständlichkeiten unseres Alltagswissens gehört es, die Geschlechtszugehörigkeit von Personen und die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen als natürliche Vorgabe sozialen Handelns und sozialer Differenzierung zu betrachten. (Wetterer 2010: 122)Das Geschlecht hat Einfluss auf die Identitätsbildung und wird nicht nur von den Individuen selbstentwickelt, sondern vom gesellschaftlichen Umfeld beeinflusst. Der Analyseansatz „doing gender“geht davon aus, dass das Geschlecht keine starre körperliche Eigenschaft ist, sondern eine in derInteraktion ausgedrückte Identität einer Person. Das Wissen darüber, wie sich Mann oder Frau zuverhalten haben, prägt demnach das Tun und Handeln der Menschen. Der doing gender-Ansatz (Hervorhebung im Original) ist ein theoretischer Versuch, zu zeigen, daß und wie sich die Alltagstheorie der Zweigeschlechtlichkeit in derE3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 4 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  5. 5. interaktiven Konstruktion der Subjekte immer wieder selbst bestätigt und so die Geschlechterdifferenz wieder herstellt. (Jeß-Desaever 1999: 59)Das Internet ist zu einem sozialen Raum geworden, in dem Menschen gleichberechtigtpartizipieren können. In beispielsweise Foren, Online-Spielen, Social Networks, Blogs undChaträumen können User frei vom Körper agieren. Sie bilden so im Internet neue Identitäten oderversuchen die eigene Identität abzubilden. Das Heranziehen von Frauenrollen und das Verwendenbestimmter Themen ist Teil des geschlechtsspezifischen Handeln und soll im Mittelpunkt dieserForschungsarbeit stehen.2. Konkretisierung der Fragestellung Nachdem die ungefähre Richtung eingeschlagen ist, muss das Forschungsthema nun präzisiert und handhabbar gemacht werden. In der Regel bietet es sich an, das über die Dimensionierung des Forschungsgegenstandes mit anschließender Formulierung einer konkreten Fragestellung vorzunehmen. (Wegener/Mikos 2005: 172)Wir haben uns für das Internet als Untersuchungsgegenstand entschieden, weil dieveröffentlichten Inhalte zum einen langfristig erreichbar und abrufbar sind. Dies betrifft auchZeitungen, die Inhalte im Internet veröffentlichen. In medialen Online- wie Offline- Produktenschreiben Journalisten allerdings weitgehend ohne persönliche Meinung zu einem Thema und imSinne sowie Interesse der Redaktion oder des Verlags. Zudem unterliegen sie wirtschaftlichenZwängen und Auflagen in Bezug auf Form und Format des Textes. Der usergenerated contentbildet ein externes Gedächtnis der Autoren und Autorinnen und ist zudem in der Regel eine Formdes Ausdrucks der Gedanken und persönlichen Eindrücke und Erlebnisse einer Person. Sie könnenim Gegensatz zu Journalisten auch geschlechtsspezifisch handeln beispielsweise entsprechendeThemen aufgreifen. Da genau dies im Fokus unses Erkenntnisinteresses liegt, haben wir uns fürusergenerated content entschieden.Da wir erwarten, dass Frauenrollen besonders häufig erwähnt werden, wenn das Thema desusergenerated content auch „Frau“ ist, haben wir uns für Inhalte entschieden, die sich mit der Frauin der Gesellschaft auseinandersetzen. Um auch Unterschiede von geschlechtsspezifischenHandelns gut darstellen zu können, haben wir uns für zwei extreme Positionen, den Feminismusund den Antifeminismus entschieden. Hieraus erhoffen wir uns zum einen eine häufige Nennungvon Rollenbildern von Frauen sowie möglichst scharfe Kontraste in den Unterschieden deruntersuchten Variablen.E3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 5 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  6. 6. Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen und auch aufgrund zeitlicher Vorgaben müssenwir unsere Forschung auf wenige präzise Fragen beschränken. Ein kleiner Fokus kann allerdingsauch einen Vorteil bei der Erkenntnis bringen. "So bewährt es sich hier in der Regel, den Fokusrecht klein zu halten und lieber einen singulären Aspekt eines Themas gründlich und umfassend zubearbeiten [...]" (Wegener/Mikos 2005: 173).Das Forschungsinteresse besteht darin, den Zusammenhang zwischen den Variablen Rolle undThema herauszufinden, d.h. konkret möchten wir erfassen, welche Themen und welche Rollen imusergenerated content genutzt bzw. genannt werden. Des Weiteren interessiert uns, welcherZusammenhang zwischen den Themen und den Rollen besteht. Also werden bestimmte Themenbesonders häufig mit bestimmten Rollenbildern genannt. Zudem wollen wir den Unterschied indiesem Zusammenhang erfassen, also welche Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zwischen denZusammenhängen zwischen Thema und Rolle beider Seiten bestehen.2.1 ForschungsstandNeue Informations- und Kommunikationstechnologien und insbesondere das Internet, änderngesellschaftliche Verhältnisse, ordnen Chancen neu und haben Einfluss auf die Entwürfemenschlicher Identitäten. Ihm wird das Potenzial zugeschrieben, die Zweigeschlechtlichkeitaufheben zu können. Und obwohl das Internet oft als neue Form der Freiheit erscheint, in dem derMensch als Individuum frei vom Körper keinem durch diesen begründeten gesellschaftlichenZwang unterlegen ist, ist der Körper und insbesondere das Geschlecht zwangsweise an derIdentitätsbildung beteiligt. Die Techniksphäre des Internets weist zweigeschlechtliche Strukturenauf, in denen die Geschlechter in hierarchischen Verhältnissen zueinander gesetzt werden (vgl.Jeß-Desaever 1999: 9).Das Internet ermöglicht einer breiten Masse auch ohne journalistische Ausbildung undinstitutionalisierte Strukturen, durch Veröffentlichung der eigenen Meinung und Perspektive,Massenmedien aktiv zu beeinflussen und – bei entsprechender Reichweite und Relevanz – amAgenda-Setting teilzunehmen. Diese Teilhabechancen nutzen Männer und Frauen völligunterschiedlich, wie eine Studie der Ruhr-Universität Bochum ergab. Demnach bevölkern zwar mit66,1 Prozent mehr Frauen die deutsche Blogosphäre, sind aber im Altersdurchschnitt deutlichjünger als die 33,9 Prozent der männlichen Blogger und behandeln seltener politische Themen(vgl. Harders/Hesse 2006). Männer schreiben häufiger über aktuelles Geschehen, Politik undTechnologie. Frauen behandeln in Blogs meistens Themen wie Beziehung, Familie, Kochen undE3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 6 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  7. 7. Lifestyle (vgl. Ratliff 2004). Die Sozialwissenschaftlerin Franka Hesse erfasst in der BochumerStudie, dass Relevanz in der deutschen Blogosphäre Inhalten zugeordnet wird, die öffentliche undvor allem politische Themen aufgreifen (vgl. Hesse 2007: 6). Aufmerksamkeit, Teilhabechancenund Einfluss hängen eng mit der Relevanz der behandelten Themen zusammen und sind demnachvor allem durch politische Themen zu erreichen.Die Nennung von gesellschaftlichen Rollenbildern von Frauen sowie der Kontext zum Thema desBeitrags in feministisch und antifeministisch geprägtem usergenerated content wurde - unserKenntnis nach - noch nicht wissenschaftlich untersucht.2.2 RelevanzDie Relevanz unserer Forschungsarbeit ergibt sich teilweise, aber nicht ausschließlich aus demForschungsstand. Betrachtet man die Weblogs als virtuelles Gedächtnis, ist die Wahl der Themensowie die verwendeten gesellschaftlichen Rollenbilder besonders relevant. Webseiten sind durchSuchmaschinen auch Jahre später auffindbar und haben dadurch einen längerfristigen Einfluss alsandere Medien, die in ihrer Struktur an Aktualität oder Programmatik gebunden sind.Das Hans-Bredow-Institut fand in einer Studie jüngst heraus, dass das Internet imMedienensemble immer stärker an der Meinungsbildung beteiligt ist. Für 33 Prozent derBefragten, die zwischen 14 und 29 Jahre alt waren, ist das Internet die wichtigsteInformationsquelle vor dem Fernsehen, der Zeitung und dem Radio. Wenn also das Internet sogroßen Einfluss auf die Meinungsbildung hat, ist von besonderer Bedeutung, welcheGeschlechtsstruktur dieses Medium aufweist und wie und in welchem Kontext Männer undFrauen darin dargestellt werden. So geht es dabei nicht nur um die Wirkung auf die Rezipientender verschiedenen Angebote im Internet, sondern auch um Teilhabechancen und Einfluss aufderen Meinungsbildung sowie die Bildung von, beispielsweise hierarchischen oder auchgeschlechtlichen Strukturen in sozialen Netzwerken.Die Untersuchung der beiden extremen Pole zur Rolle der Frau in unserer Gesellschaft dient vorallem dem Zweck in einer relativ kleinen Stichprobe möglichst stark ausgeprägte sowiegegensätzliche Merkmale der Variablen messen zu können. Die Relevanz der Forschung oder inder Meinungsbildung spielt bei der Auswahl des zu untersuchenden Inhalts demnach keine Rolle.E3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 7 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  8. 8. 3. Forschungsfragen und HypothesenUnsere Forschungsfragen sind im Wesentlichen welche Themen in den untersuchten Blogs häufigbehandelt werden, welche weiblichen Rollenbilder herangezogen werden und wie derZusammenhang zwischen Themen und Rollenbildern aussieht. Darauf bezogen möchten wirherausfinden, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten sich für die beiden gegensätzlichausgerichteten Blogs finden lassen.Konkret gehen wir von folgenden Hypothesen aus:1. Die für die Frau herangezogenen gesellschaftlichen Rollen sind abhängig vom thematischen Kontext. Wir erwarten, dass hier ein klares Muster zu erkennen ist.2. Es ist zu erwarten, dass feministischer usergenerated content vor allem von Frauen produziert wird und antifeministischer usergenerated content von Männern.3. Es gibt einen Unterschied zwischen den Themen, die im feministischen und antifeministischen usergenerated content behandelt werden.4. Auf Grundlage des Forschungsstandes müsste feministischer usergenerated content vor allem typisch weibliche Themen, wie z. B. Lifestyle und Mode behandeln und antifeministischer usergenerated content eher männliche Themen, wie zum Beispiel Politik.5. Feministisch geprägter usergenerated content wird die Frau in unserer Gesellschaft häufiger in der Rolle der Feministin, der emanzipierten Frau und des starken Geschlechts erwähnen. Antifeministisch geprägter usergenerated content wird die Frau häufiger in der Rolle der Mutter, der Fremdversorgten und des schwachen Geschlechts erwähnen.Zu dem Zusammenhang von verwendeten Rollen und den aufgegriffenen Themen der Beiträgehaben wir keine Hypothesen aufgestellt und werden diesen explorativ erforschen.4. OperationalisierungDie Untersuchung der verschiedenen Rollen, in denen die Frau in unserer Gesellschaft dargestelltund gesehen wird, ist potenziell ein dermaßen weites Feld, dass diese nur mit strikten undkonsequenten Ein- und Abgrenzungen sowie klaren Definitionen und vorausgehendengedanklichen Konstrukten ergebnisorientiert durchgeführt werden kann. Mit derOperationalisierung, der "empirische[n] Übersetzung des Forschungsproblems", aus der dannE3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 8 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  9. 9. "ein problemangemessenes Forschungsdesign entwickelt und begründet werden kann" (Kromrey2009: 107) gilt es nun, solche präzisen Strukturen aus dem ursprünglichen Problemfeldherauszuarbeiten oder auch zu konstruieren. Dadurch soll das abstrakte Konzept der Fragestellungerst messbar gemacht und dann die Mittel und eindeutigen Anweisungen für deren Messungfestgelegt bzw. entwickelt werden.Im Rahmen der "Konkretisierung der Fragestellung" (s. Abschnitt 2.) ist eine Vorarbeit für diesenSchritt geleistet und sind drei wichtige Spezifizierungen angedeutet worden. Diese bilden dieGrundlage und den Ausgangspunkt für die Operationalisierung und werden deshalb zunächst andieser Stelle aufgegriffen und ausgearbeitet: 1. Rollenbilder sind immer abhängig von ihremthematischen Kontext – im übertragenen Sinne eines Zusammenhangs und auch wörtlichverstanden als der beistehende Text – weshalb wir auf diesen Aspekt, die Darstellung weiblicherRollenbilder in Verbindung mit Themenkomplexen, unseren Fokus legen. 2. Auch gesellschaftliche(in Abgrenzung zu persönlichen) Rollenbilder werden letztlich von Individuen erzeugt undvermittelt und finden erst dann und dadurch Eingang in ein überindividuelles oder kollektives, eingesellschaftliches Bewusstsein. Es bietet sich daher an, nach diesen Rollenbildern in jenenMedieninhalten zu suchen, die von einzelnen Menschen generiert, doch einer großen Anzahl vonMenschen zugänglich gemacht werden, z. B. dem sogenannten usergenerated content(nutzererzeugten Inhalt) des Internets, den wir deshalb als Forschungsfeld gewählt haben. 3.Weder eine allgemeine Perspektive "der Gesellschaft" als ein multidimensionales und abstraktesKonzept zur Beschreibung einer qualitativ und quantitativ unbestimmten und unbestimmbarenMenge von verschiedenartigen, z. B. personalen, juristischen, politischen etc., Einheiten noch die"der Menschen" als ein Sammelbegriff für in jeder denkbaren Hinsicht unterschiedlichstePersonen ist uns möglich zu untersuchen. Wir beschränken uns deshalb auf zwei extremeSichtweisen, die Perspektive des Feminismus und des Antifeminismus bezüglich unseresForschungsinteresses, das heißt die Rollenbilder, welche diese beiden Seiten in den von ihnenerzeugen Inhalten verwenden. Diese Auswahlvariante entspricht einer bewusstenAuswahlmethode, der sogenannten "Auswahl typischer Fälle" (Rössler 2010: 63), welche unteranderem "Extremfälle" (Brosius 2009: 78) einschließt.Mit diesen Eingrenzungen hat sich das Untersuchungsfeld bereits auf ein übersichtlicheres Maßverkleinert: Feministischer und antifeministischer usergenerated content soll untersucht werdenauf thematische Ausrichtung, auf genannte weibliche Rollenbilder und auf derenZusammenhänge.E3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 9 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  10. 10. Auf dieser Basis können im Folgenden die für die Untersuchung maßgeblichen Begriffe definiertund kann der konkrete Untersuchungsgegenstand benannt, die angemessene Methode gewähltsowie die Einzelheiten der Messung bestimmt, das heißt zusammenfassend die Modalitäten derOperationalisierung, festgelegt werden.4.1 UntersuchungsgegenstandZur "Bestimmung der Auswahleinheit", d.h. der Auswahl des Untersuchungsgegenstands,empfiehlt sich eine "mehrstufige Vorgehensweise" (Rössler 2010: 54), wobei vom Allgemeinenzum Speziellen reduziert wird. Dieser Prozess beginnt nicht erst bei der Grundgesamtheit, sondernführt von der Gesamtheit aller Medieninhalte erst hin zu jenen Inhalten, welche dieGrundgesamtheit bilden und von dort aus weiter zum konkreten Analyseobjekt (vgl. Rössler 2010:54; Kromrey 2009: 259; Brosius 2009: 164). Dieser sukzessive Selektionsprozess führte bis jetzt zuden feministischen und antifeministischen nutzererzeugten Online-Inhalten und soll im Weiterenfortgesetzt werden, bis an dessen Ende die konkrete Analyseeinheit festgelegt sein wird.4.1.1 Eingrenzung der AuswahleinheitenAus dem Forschungsfeld "usergenerated content", bzw. den beinhalteten "Auswahleinheiten"(Kromrey 2009: 258), lassen sich zwei mögliche Untersuchungsgegenstände, bzw. spezifizierteAuswahleinheiten, ableiten: Der user und der content. Es ist einerseits möglich, die betreffendenInternetnutzer, die Erzeuger von feministischen und antifeministischen Online-Inhalten, auf dieRollenbilder, die sie von Frauen haben, zu untersuchen; andererseits können die Inhalte, die vondiesen Nutzern erzeugt werden, selbst einer Analyse unterzogen und kann so die Ansicht derVerfasser dieser Inhalte ermittelt werden. In beiden Fällen können diese Nutzer als Stellvertreterihrer jeweiligen Bewegung gesehen werden.Aus mehreren Gründen haben wir uns bewusst dazu entschlossen, eine Betrachtung der Inhaltevorzuziehen: Zunächst sind die Verfügbarkeit und Erreichbarkeit von Inhalten wesentlich besser alsdie von, entsprechend des Forschungsinteresses passenden, Personen. Des Weiteren birgt einederartige Untersuchung immer das Risiko, dass die Untersuchten nicht vollständig oderwahrheitsgemäß Auskunft geben, zum Beispiel aufgrund von "Effekte[n] sozialer Erwünschtheit"(Brosius 2009: 101). Speziell bei einem gesellschaftlich wenig anerkanntem Thema wie demAntifeminismus könnte dieser Effekt leicht zu verfälschten Ergebnissen führen. Die auf diesemE3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 10 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  11. 11. Wege erzeugten und veröffentlichten Inhalte hingegen, in welchen sich die besagten Ansichtenwiderspiegeln, lassen sich frei von derartigen Einflüssen analysieren und gewährleisten dashöchstmögliche Maß an Richtigkeit und Authentizität.4.1.2 GrundgesamtheitDer nächste Selektionsschritt erfordert die Auswahl der konkreten Art des zu untersuchendenusergenerated content. Im Wesentlichen fasst man vier Arten von Inhalten unter diesem Begriffzusammen: Soziale Netzwerke, Foren, Chats und Blogs. Die drei erstgenannten haben in der Regeleinen vergleichsweise begrenzten oder spezifischen Adressatenkreis und dienen vornehmlich derinterindividuellen Kommunikation auf der Basis persönlicher Anliegen. Allein Blogs richten sich aneine große Masse unterschiedlicher Personen und haben mindestens das Potenzial, Einfluss aufdie gesellschaftliche Meinungsbildung zu nehmen, wenn sie nicht sogar explizit daraufausgerichtet sind. Da unser Forschungsinteresse sich auf Rollenbilder bezieht, die potenziellEingang in die Gesellschaft finden, haben Blogs von allen Inhalten des usergenerated content füruns die höchste Relevanz und sollen deshalb Gegenstand unserer Forschung sein.Mit dieser Abgrenzung ist die Grundgesamtheit, die "Menge von Objekten, für die die Aussagender Untersuchung gelten sollen" (Schnell/Hill/Esser 2006: 265), festgelegt: Alle deutschsprachigenBlogs, die explizit feministisch oder antifeministisch orientiert sind.4.1.3 StichprobenziehungEine Vollerhebung ist uns aufgrund der ernormen und nicht präzise zu bestimmenden Masse vonObjekten, die Teil der Grundgesamtheit sind, nicht möglich, was das Ziehen einer Stichprobeerforderlich macht. Um auf Grundlage der Ergebnisse der Untersuchung dieser StichprobeRückschlüsse auf alle Objekte der Grundgesamtheit ziehen zu können, muss die Stichprobe ein"strukturgleiches, verkleinertes Abbild der Grundgesamtheit" (Rössler 2010: 58) darstellen. Dieskann durch ein entsprechendes Auswahlverfahren sichergestellt werden.Optimal wäre dafür eine Zufallsstichprobe oder alternativ eine systematische Auswahl (vgl. Rössler2010: 59). Bei einer zufälligen Stichprobenziehung haben alle Elemente der Grundgesamtheit dieselbe Chance in die Stichprobe aufgenommen zu werden (vgl. Brosius 2009: 75); bei einersystematischen Stichprobenziehung wird nach einem festen Intervall jedes n-te Element derGrundgesamtheit berücksichtigt (vgl. Rössler 2010: 59) oder Elemente nach einem sonstigenE3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 11 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  12. 12. festgelegten Muster ausgewählt. Für beide Auswahlverfahren muss jedoch "die Grundgesamtheiterst einmal exakt bestimmt werden" (Rössler 2010: 59). Eine vollständige Erfassung allerdeutschsprachigen, feministischen oder antifeministischen Internetblogs ist für uns jedoch schonaufgrund der unbestimmbaren Anzahl nicht durchführbar, weshalb uns keine andere Möglichkeitoffen steht als zunächst eine bewusste Auswahl zu treffen und aus dieser heraus erst eine zufälligeoder systematische Stichprobe zu ziehen. Wir sind uns darüber im Klaren, dass dieses Vorgehenkeine vollständige Strukturgleichheit von Stichprobe und Grundgesamtheit sicherstellen kann,doch ist es pragmatischen Gesichtspunkten nach der einzig gangbare Weg.Wir ziehen unsere Stichprobe deshalb gemäß folgenden Auswahlverfahrens: Wir werden eineBestandsaufnahme der jeweils zehn relevantesten Blogs durchführen und aus dieser Liste dasjeweils reichweitenstärkste Blog auswählen. Dafür gehen wir wie folgt vor: In die weltweit amhäufigsten genutzte Suchmaschine "Google" geben wir die Begriffe "Feminismus" und"Antifeminismus" ein und erfassen die ersten zehn feministischen bzw. antifeministischen Blogs,die in der Liste der Suchergebnisse angezeigt werden. Wir kontaktieren die Betreiber derjeweiligen Blogs und bitten darum, uns die Anzahl der Seitenaufrufe für den Monat April 2012mitzuteilen. Für die Kontaktaufnahme verwenden wir einen standardisierten E-Mail-Text undunterschreiben die Anfragen an die Betreiber der feministischen Blogs mit einem weiblichen, dieder antifeministischen Blogs mit einem männlichen Namen. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeiteiner Antwort in allen Fällen gleich gehalten.Sollte das feministische bzw. antifeministische Blog mit den höchsten Besucherzahlen gleichzeitigjenes sein, das an oberster Position in der Google-Ergebnisanzeige für den jeweiligen Suchbegriffgelistet ist, wählen wir dieses Blog für unsere Untersuchung aus. Handelt es sich bei dem amhöchsten gelisteten feministischen oder antifeministischen Blog, oder gar beiden Blogs, nicht auchum jenes mit den höchsten Besucherzahlen, entscheiden wir per Losverfahren, nach welchemdieser beiden Kriterien beide Blogs ausgewählt werden.Diese scheinbare Umständlichkeit hat folgenden Hintergrund: Sowohl die Seitenaufrufe als auchdie Googleposition, die z. B. durch die Anzahl von Verlinkungen auf die entsprechende Seitebeeinflusst wird, sind beides sinnvolle Indizien für den gesellschaftlichen Einfluss einerInternetseite. Die Wahl zu treffen, eines der beiden Indizien stärker zu gewichten als das anderewäre rein willkürlich; uns erscheint kein vernünftiger Grund einleuchtend, das eine Kriterium demanderen hinsichtlich seiner Beweiskraft für eine jeweils höhere Relevanz vorzuziehen.E3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 12 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  13. 13. Aus diesem Grund ist es die Lösung mit der größten Objektivität, diese Auswahl zufällig zu treffen.Als Ergebnis erhalten wir je ein feministisches und ein antifeministisches Blog, das als StichprobeGegenstand unserer Untersuchung sein wird.4.1.4 AnalyseeinheitMit der Definition der Stichprobe ist bereits festgelegt, dass wir keine ganzen Blogs alsAnalyseeinheit verwenden können. Dies Variante würde zwar die Strukturähnlichkeit unsererStrichprobe zur Grundgesamtheit erhöhen, ist aber schlicht aus pragmatischen Gründen, wegendes enormen Textumfangs eines Blogs, nicht umsetzbar. Wir werden stattdessen die einzelnenBeiträge in den beiden ausgewählten Blogs untersuchen.Wir müssen uns auch an dieser Stelle auf eine Teilerhebung beschränken und können nicht alleBeiträge des jeweiligen Blogs erfassen, sodass erneut eine Stichprobe gezogen werden muss. Diesgestaltet sich hier aber recht einfach, da die denkbaren Kriterien für die Auswahl sich in ihrerEignung dafür, das gesamte Blog abzubilden, nicht unterscheiden. Wir wählen deshalbsystematisch die fünfzig aktuellsten Beiträge stellvertretend für alle Blogeinträge für unsereDatenerhebung aus.Zusammenfassend stellt sich die Bestimmung des Untersuchungsgegenstands nach diesemmehrstufigen Auswahlverfahren nun wie folgt dar: Aus sämtlichen Inhalten desdeutschsprachigen, feministischen und antifeministischen usergenerated content werden,aufgrund des sinnvollsten Zusammenhangs mit unserem Forschungsinteresse, Blogs bestimmt.Durch eine Kombination einer zunächst bewussten Auswahl mittels einer Bestandsaufnahme undeines anschließenden systematischen Auswahlverfahrens werden die jeweils einflussreichstenBlogs der beiden Parteien ermittelt. Aus diesen wird eine systematische Stichprobe von fünfzigBeiträgen der Untersuchung unterzogen.Unsere Grundgesamtheit ist also die Menge aller deutschsprachigen, feministischen undantifeministischen Internetblogs. Die Stichprobe stellt das jeweils gesellschaftlich relevantesteBlog jeder Partei dar. Innerhalb dieser Blogs ist der einzelne Beitrag die Analyseeinheit. FünfzigBeiträge werden stellvertretend erfasst.E3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 13 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  14. 14. 4.2 MethodeDie passende Methode ergibt sich unmittelbar aus dem bestimmten Untersuchungsgegenstand:Medieninhalte werden mittels einer Inhaltsanalyse untersucht, das heißt der "systematischen,intersubjektiv nachvollziehbaren Beschreibung inhaltlicher und formaler Merkmale vonMitteilungen" (Brosius 2009: 140).Zu unterscheiden sind die qualitative und die quantitative Inhaltsanalyse. Bei ersterer werdenInhalte zahlenmäßig erfasst und ist das "Vorgehen in der Regel stringent und klar strukturiert"(Wegener 2005: 200), während die qualitative Forschung Inhalte mehr auf ihre Beschaffenheit undin die Tiefe gehend untersucht.Aufgrund der begrenzten Zeit und Mittel für unsere Studie haben wir uns für eine quantitativeUntersuchung entschieden, das heißt wir werden die in den untersuchten Blogbeiträgengenannten Themen und Rollen in der Zahl ihres Auftretens messen sowie die Häufigkeit dermöglichen Kombinationen.4.3 Definitionen und KonzeptspezifikationVoraussetzung für jede wissenschaftliche Untersuchung ist es, die relevanten Begriffe zudefinieren oder, wenn keine eindeutige, allgemeingültige Definition möglich ist wie z. B. bei vielenAbstrakta, zu spezifizieren, wie der jeweilige Begriff im Rahmen der vorliegenden Arbeitverstanden wird. Nur so wird zum einen die intersubjektive Nachvollziehbarkeit gewährleistet undzum Anderen eine objektive Messung erst möglich.Für unsere Untersuchung sind in diesem Sinne vor allem die Begriffe Blog und Rollenbild zudefinieren bzw. spezifizieren. Die Bedeutung von Thema kann auf der Basis eines allgemeinenWeltwissens verstanden werden; eine genauere Ausdifferenzierung ist für das Vorgehen bei derUntersuchung oder deren Verständnis nicht notwendig und deren Berücksichtigung würde denRahmen dieser Arbeit übersteigen.Unter einem Blog verstehen wir eine Internetseite, deren primärer Inhalt einzelne Beiträge sind,die mit einem Datum versehen und chronologisch, der jeweils aktuellste zu oberst, sortiert sind.Als primärer Inhalt können die Beiträge dann gesehen werden, wenn sie erstens auf der Startseiteder Internetseite verortet sind, zweitens vom Umfang den größten Raum einnehmen und drittensden Inhalt der Website als Ganzes im Wesentlichen bestimmen. Wir machen diese Definition nichtE3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 14 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  15. 15. von einer Blogsoftware abhängig, d.h. auch eine Seite ohne Blogsoftware kann nach der o.g.Definition ein Blog im Sinne dieser Studie sein und umgekehrt eine Seite, die mit einerBlogsoftware läuft, dennoch nicht als Blog erfasst werden, wenn sie die genannten Kriterien nichterfüllt.Gesellschaftliche Rollen können unterschiedliche Bedeutungen haben und das Verständnis fürRollenbilder variiert. Jeder sozialen Position sind Rollen zugeordnet. Diese Rollen können sich aufdie individuelle Position des Individuums in der Gesellschaft beziehen, z. B. Kind, Eheleute, Lehrer,und sind erst einmal nicht geschlechtsspezifisch. Es gibt Rollen, die eher dem einen oder anderenGeschlecht zugeordnet und demnach eher typisch männlich oder typisch weiblich sind. Rollenresultieren zum einen aus biologischen Gegebenheiten, wie die Rolle der Mutter, sind zumanderen aber auch gesellschaftlich konstruiert, wie die Rolle der Hausfrau. Daraus resultierenErwartungen an Verhalten und Handeln des Individuum mit einer sozialen Rolle (vgl. Dahrendorf2006: 34 ff.). Medien greifen diese Rollen auf und kreieren aus vorhandenen sozialen Rollen undRollenerwartungen Bilder, die sich durch Klischees und Stereotypen in Text und Bild ausdrücken.Diese dargestellten Klischees und Stereotypen bezeichnen wir als Rollenbild, wie es im Rahmendieser Arbeit erfasst wird.4.4 KategorienbildungWir werden drei Variablen untersuchen: Die unabhängige Variable der Ausrichtung derBlogbeiträge und die beiden abhängigen Variablen der genannten Themen und Rollenbilder.Für die Erfassung dieser Merkmale sind zwei verschiedene Varianten denkbar, die der multiplenKategorien und die der multiplen Dichotomien. Im ersten Fall wären Ausrichtung, Thema undRolle die Merkmale und die jeweiligen Themen, z. B. Politik, Rollen, z. B. Mutter und die beidenAusrichtungen feministisch und antifeministisch die Merkmalsausprägungen. Im Fall einerErfassung nach dem Prinzip der multiplen Dichotomien würden die o.g. Merkmale Überkategoriendarstellen, die Ausprägungen der ersten Variante wären hier die eigentlichen Kategorien und dieAusprägungen dieser Kategorien wären jeweils ja und nein. Da die Datenerfassung und diestatistische, computergestützte Auswertung von multiplen Dichotomien uns unkompliziertererscheint, wählen wir aus pragmatischen Gründen diese Vorgehensweise.Für die Bildung des Kategoriensystems bietet sich eine Kombination aus deduktivem undinduktivem Vorgehen an. Zunächst wird auf der Grundlage unserer Allgemeinbildung eine ListeE3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 15 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  16. 16. von sinnvollen Kategorien erstellt (deduktiv), die dann während eines Pretests angepasst, d.h.ergänzt, gekürzt und modifiziert, wird (induktiv).Für die vorbereitende Erstellung der Liste von Themenkategorien orientieren wir uns anZeitungsressorts (beschränken uns aber nicht darauf), da diese aus zwei Gründen Themen einerGesellschaft widerspiegeln: Einerseits drucken Zeitungen, schlicht aus wirtschaftlichen Gründen,nur Inhalte, die thematisch dem entsprechen, was die potenziellen Käufer lesen wollen; dieRessorts zeigen also, wofür die Gesellschaft sich interessiert. Andererseits – und umgekehrt –beeinflussen die vorgegebenen Ressorts die Menschen darin, was sie für wichtig halten; dieRessorts weisen in diesem Sinne darauf hin, welche Themen gesellschaftlich relevant sind. DieseQualitäten des Begriffs Thema sind auch jene, die für unsere Untersuchung von Bedeutung sind.Die vorläufigen Rollenkategorien erstellen wir ausschließlich auf Basis unseres Weltwissens,nehmen also jene Rollen auf, von denen wir aufgrund unserer Kenntnisse und Erfahrungendenken, dass sie gesellschaftlich relevant sind und dass wir sie in unserem Untersuchungsmaterialvorfinden könnten.In Kombination mit der anschließenden induktiven Modifizierung werden wir mit größtmöglicherWahrscheinlichkeit ein für unsere Untersuchung ausreichend vollständiges und geeignetesKategoriensystem erhalten, auf dessen Basis die Kodierung aussagekräftige Resultate ergebenmüsste.4.5 KodierungMit der Kodierung der Analyseeinheiten werden die von uns untersuchten Inhalte derBlogeinträge in Zahlen übersetzt und dadurch messbar gemacht. Demnach ist es für dieBeantwortung der Forschungsfragen bzw. Überprüfung der Hypothesen sowie letztlich dieAnwendbarkeit der Ergebnisse auf reale Phänomene entscheidend, wie bei der Kodierungvorgegangen wird.Aufgrund des begrenzten zeitlichen Rahmens dieser Untersuchung ist es nicht möglich, für jedeKategorie eine vollständige Liste von Indikatoren zu erarbeiten, die alle denkbaren Begriffeenthält, die zuverlässig auf die entsprechende Kategorie, das jeweilige Thema oder die jeweiligeRolle, hinweisen. Eine solche Sammlung von Indikatoren müsste mindestens hunderte Begriffeumfassen. Dieser Umstand stellt das größte Problem unserer Untersuchung dar, da eine adäquateIndikatorenliste die einzige Möglichkeit ist, die intersubjektive Nachvollziehbarkeit zuE3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 16 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  17. 17. gewährleisten. Uns bleibt jedoch nichts anderes übrig, als hier Abstriche zu machen, dies imRahmen dieses Forschungsberichtes zu problematisieren und zu reflektieren (vgl. Punkt 7. Fazit)und bestmöglich durch besonders präzise und vollständige Kodieranweisungen zu kompensieren(s. Anhang B).Um Redundanzen zu vermeiden, wird an dieser Stelle darauf verzichtet, die Inhalte derKodieranweisungen zu wiederholen, zumal diese bereits sehr ausführlich und klar ausgestaltetsind. Im Wesentlichen kann aber festgestellt werden, dass die Kodierung trotz der kleinteiligenKodieranweisungen innerhalb eines Ermessensspielraums des Coders vorgenommen werdenmuss, wodurch ein geringes Maß an Subjektivität beim Kodiervorgang bestehen bleibt. Wir sinduns dieser Problematik und deren Folgen bewusst.5. Vorgehen bei der ForschungWeitestgehend verlief der Forschungsprozess gemäß den Planungen im Rahmen derOperationalisierung (s.o.). In der Praxis haben sich aber dennoch einige Hindernisse ergeben undErkenntnisse herausgezeichnet, die wir vorher so nicht erwartet oder durchdacht hatten. Insofernmussten Anpassungen während der Forschung an die jeweils neuen Gegebenheiten undKenntnisstände vorgenommen werden.5.1 Vorbereitungen und -überlegungenNach einer vorbereitenden Phase der Lektüre hilfreicher Fachliteratur zu Methoden und zumForschungsthema und der Konzeption der Untersuchung wurden im ersten Schritt zunächst wiebeschrieben deduktiv Kategorien gebildet (s. Punkt 4.4 Kategorienbildung), von denen wirannahmen, dass wir sie bei der Datenerhebung in den Beiträgen finden werden. Dies stellte keineProbleme dar und funktionierte wie geplant. Danach haben wir mit den Pretests begonnen.5.2 PretestsMehrere Pretests haben uns dabei geholfen, die Datenerhebung bestmöglich vorzubereiten undhaben uns aufgezeigt, wo Probleme in unserem Untersuchungskonzept liegen.E3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 17 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  18. 18. Zunächst haben wir die Suchbegriffe Feminismus und Antifeminismus gegooglet, wie es auch fürdie Bestandsaufnahme geplant war, um uns einen Überblick über die einschlägige Blogosphäre zuverschaffen. Dabei ist uns aufgefallen, dass nur relativ wenig Blogs direkt über dieSuchergebnisliste auffindbar sind, sondern die größere Masse der Blogs sich stattdessen alsVerlinkungen in den Blogrolls der wenigen großen Google-gelisteten Blogs finden lassen. DasVorgehen für die Bestandsaufnahme wurde daraufhin geändert: Statt die ersten zehn Blogs zuerfassen, die per Suchmaschine gefunden werden, beschlossen wir, uns auf die ersten drei Blogszu beschränken und sieben weitere Blogs aus deren Linklisten zu erfassen.Der zweite Pretest, eine erste Betrachtung der beiden zu untersuchenden Blogs hinsichtlich derforschungsrelevanten Merkmale, fand nach der Bestandsaufnahme statt und diente derinduktiven Vervollständigung des Kategoriensystems sowie dem Verfassen der KodieranweisungenIn einem dritten Pretest sollten die Intercoderreliabilität und die Qualität der Kodieranweisungengetestet werden. Wir kodierten voneinander unabhängig dieselben fünf Beiträge und verglichendie Resultate, welche stellenweise erhebliche Diskrepanzen bezüglich der kodierten Kategorienaufwiesen. Wir analysierten im Detail, an welchen Stellen auf welche Art abweichend kodiertworden ist und tauschten uns darüber aus, warum wir uns jeweils für die gewählte Kodierungentschieden haben. Auf Grundlage der daraus gewonnenen Erkenntnisse konnten wir dieKodieranweisungen konkretisieren und in einem weiteren Pretest nochmals überprüfen. Dieswiederholten wir so lange, bis die Kodieranweisungen zur größtmöglichen Übereinstimmung derdarauf basierenden Kodierung führten. Wir mussten jedoch auch feststellen, dass sich dieIntercoderreliabilität mangels festgelegter Indikatoren allein durch Anpassung derKodieranweisungen nicht bis zu einem zufriedenstellendem Maß steigern ließ. Um zumindestinnerhalb dieser Untersuchung die Kodierung einheitlich zu halten, beschlossen wir alsKonsequenz, die Datenerhebung von nur einer Person vornehmen zu lassen. Außerdemerweiterten wir den Kodierbogen um die Spalte Textbeleg, in welcher die Textstelle zitiertwerden sollte, in der die kodierte Kategorie vorkommt, um so einerseits die Notwendigkeit für denCoder zu erhöhen, seine Kodierungen genau am Text zu überprüfen und andererseits um auch imNachhinein die Kodierungen noch nachvollziehen zu können.Die Pretests führten uns die wesentliche Schwierigkeit unserer Untersuchung vor Augen. Zwarkonnten wir zu diesem Zeitpunkt das Konzept nicht mehr grundlegend ändern, doch war damit einBewusstsein für die Mängel des Kodierungssystems geschaffen, sodass wir diese im weiterenE3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 18 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  19. 19. Forschungsverlauf, der Datenauswertung und beim Verfassen des Forschungsberichtsberücksichtigen und für die Zukunft daraus lernen konnten.5.3 DatenerhebungDie Datenerhebung schloss sich nahtlos an die Pretests an und stellte bis auf das genannte kaumweitere Probleme dar.5.3.1 BestandsaufnahmeDie Erfassung der drei google-gelisteten und sieben verlinkten Blogs auf beiden Seiten verlief völligproblemlos. Wir mussten lediglich feststellen, dass wir im Vorfeld nicht exakt genug definierthatten, was wir als Blog ansehen wollen und haben diese Definition so präzisiert (s. Punkt 4.3Definitionen und Konzeptspezifikation), dass die weitere Arbeit ohne Schwierigkeiten möglich war.Zwar haben wir nur von wenigen Blogbetreibern die erbetenen Page-Visit-Zahlen erhalten, dochwaren die der beiden höchstgelisteten Blogs dabei und es hat sich herausgestellt, dass diese auchdie meisten Seitenbesuche von allen Blogs, von denen wir Zahlen hatten, aufwiesen. So konnteneindeutig die beiden Blogs bestimmt werden, die Untersuchungsgegenstand unserer Forschungwerden sollten.5.3.2 Kodierung des UntersuchungsmaterialsBevor wir mit dem Kodieren des Untersuchungsmaterials begonnen haben, haben wir diesesabgespeichert. Dies ist deshalb sinnvoll, weil Online-Inhalte potenziell jederzeit erweitert,verändert oder gelöscht werden können. Es wäre daher möglich, dass das untersuchte Material,das Blog, am Ende der Kodierungsphase ein anderes ist als am Anfang; außerdem könntenKodierungen zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr nachvollzogen werden. Deshalb haben wirnicht den Online-Blog untersucht, sondern ein Backup, das den Status quo des Blogs zu einembestimmten Zeitpunkt abbildet und unveränderlich bleibt. Damit bleibt die Untersuchungnachvollziehbar.Nach der ausgiebigen Pretestphase zur Präzisierung von Kategoriensystem undKodieranweisungen war die finale Kodierung des Untersuchungsmaterials, bis auf das genannteProblem der fehlenden Indikatoren, keine Schwierigkeit mehr. Ein paar wenige KategorienE3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 19 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  20. 20. mussten ergänzt oder in ihrem zugewiesenen Bedeutungsumfang angepasst werden, dochdarüber hinaus lief der Kodiervorgang reibungslos.Die Entscheidung, für jede positive Kodierung einen Textbeleg zu fordern, erwies sich als ernormeHilfestellung, weil dadurch das Risiko, auf Basis eines allzu subjektiven Textverständnisses zukodieren, stark verringert wurde.Den Kodieranweisungen konnte in den meisten Zweifelsfällen der passende Hinweis entnommenwerden; sie stellten sich letztlich also durchaus als funktional dar.5.4 AuswertungDie Auswertung wurde im ersten Schritt mit Hilfe des statistischen Auswertungsprogramms SPSSvorgenommen. Es erforderte relativ viel Zeit, sich in die Funktionen der Software soweiteinzuarbeiten, dass alle Daten korrekt eingegeben und die unserem Forschungsinteresseentsprechend notwendigen Auswertungstabellen generiert werden konnten. Nachdem wir unsdiese Kenntnisse durch Lektüre von Online-Tutorials angeeignet hatten, war der Teil derAuswertung, die am Computer vorgenommen wurde, aber schnell getan.Ein Problem wäre noch zu erwähnen, das wir weder verstanden haben noch lösen konnten. Dreider hundert Fälle wurden in der Fallzusammenfassung als "Fehlend" bezeichnet. Wir haben alleFelder wiederholt gewissenhaft durchgesehen, doch konnten keine leeren oder anderweitigabweichenden Felder finden. Möglicherweise haben wir diese trotz mehrfachen Suchensübersehen; eventuell liegt es aber auch an anderen Umständen, die uns nicht bekannt sind. Esmusste letztlich mit den, bzw. ohne die, drei fehlenden Fällen ausgewertet werden.Das Ergebnis der computergestützten Auswertung war eine so große Masse an Tabellen undZahlen, dass der zweite Schritt, die (nicht computergestützte, sondern persönlich und manuellvorgenommene) Analyse der SPSS-Dateien, selbst nur bezogen auf das konkreteForschungsinteresse, einen nicht zu bewältigenden Aufwand mit sich brächte. Zunächst warendeshalb Eingrenzungen erforderlich.E3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 20 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  21. 21. 5.4.1 Eingrenzung und Konventionalisierung von Art und Umfang der AuswertungArt und Umfang unserer Messergebnisse eröffnen potenziell ein unendliches Maß anMöglichkeiten der Auswertung, speziell hinsichtlich des explorativen Vorgehens bei der Ermittlungder Zusammenhänge zwischen Rollen und Themen, doch sogar auch bezüglich der möglichen"Detailtiefe" einer Auswertung unserer konkreten Forschungsfragen und –hypothesen. Ausdiesem Grund – damit letztlich klare Resultate sowie grundlegende Tendenzen und nicht eineunüberschaubare Masse von Details und Spezialfällen die Ergebnisdarstellung bestimmen – ist es,auch wenn sich dies grundlegend bereits aus der Konkretisierung der Fragestellung und demAufstellen konkreter Hypothesen ergibt, unabdingbar, einige Konventionen für die Art undEingrenzungen für den Umfang der Auswertung im Vorfeld präzise festzulegen, was im Folgendengeschehen soll:Auf Basis des Umstands, dass die Anzahl der möglichen Kombinationen der beiden untersuchtenVariablen die der erfassten Einheiten um das Dreifache übersteigt, ist es nur logisch, dass mehr alszwei Drittel der Felder der Kreuztabellen von Nullen belegt sind und das restliche Drittel vonEinsen dominiert wird (d.h., dass zwei Drittel der möglichen Kombinationen gar nicht und dergrößte Teil der übrigen 33% lediglich ein Mal gemessen worden sind). Wir haben uns deshalb dazuentschieden, diese Werte aus unserer Auswertung auszuklammern und uns nur auf die Kategorienund Kategorienkombinationen zu beschränken, die mehr als ein Mal vorhanden sind.Des Weiteren verzichten wir zum größten Teil – außer in Zusammenhängen, in denen diese vonbesonderer Bedeutung sind – darauf, die Kategorien "Keine Rolle" und "Kein Thema" in dieAuswertung einzubeziehen, obwohl hier sehr hohe Werte gemessen wurden. Wir müssen unsschlicht auf wenige Kategorien beschränken und wählen deshalb die interessanteren Varianten.Was nach dieser Eingrenzung übrig bleibt ist Folgendes: Zunächst werden die häufigsten Rollen,Themen und Rolle-Thema-Kombinationen auf jeweils beiden Seiten ermittelt. Bezogen auf dieZusammenhänge zwischen Rollen und Themen analysieren wir, welche Rollen mit den jeweilshäufigsten drei Themen assoziiert sind und werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede darinaufzeigen.5.4.2 Analyse der SPSS-TabellenEinige Zusammenhänge, die uns interessierten, erforderten das Herstellen von komplexenBezügen zwischen mehreren SPSS-Tabellen, sodass nach der computergestützten Auswertung eineeigene Analyse notwendig war. Dieser Teil war zeitlich am aufwendigsten. Wir schrieben dieE3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 21 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  22. 22. Zahlen heraus, die für uns relevant sind, und erstellten mit diesen dann eigene Tabellen, diespeziell auf die Darstellung der entsprechenden Querverbindungen angelegt waren. Die finaleAuswertung der Messergebnisse nahmen wir dann anhand dieser Tabellen vor (s. Anhang E).6. ErgebnisseInsgesamt lässt sich nicht einheitlich feststellen, dass der größte Teil unserer Forschungsfragenund –hypothesen verifiziert oder falsifiziert werden konnte bzw. dass die Messergebnisse imWesentlichen eher unseren Erwartungen entsprachen oder uns überraschten. Vielmehr zeigt sichein gemischtes Bild von sowohl unerwarteten als auch vorhersehbaren Resultaten sowiezusätzlichen Erkenntnissen abseits unseres Forschungsinteresses. Der Erkenntniswert derUntersuchungsergebnisse ist im Ganzen jedoch durchaus als zufriedenstellend zu bewerten.6.1 Aussagekraft der ErgebnisseEs wurden in allen hundert Beiträgen 15 Themen und 20 weibliche Rollenbilder gefunden –einschließlich der Kategorien "kein Thema" und "keine Rolle" – wodurch sich 300 möglicheKombinationen von einer Rolle mit einem Thema ergeben. Da die Anzahl derKombinationsmöglichkeiten drei Mal so hoch ist wie die der erfassten Beiträge, stellt bereits einWert über 1 (entspricht 2% der Einheiten einer Ausrichtung) ein Ergebnis dar, aufgrund dessensich eine Aussage treffen lässt; ein Wert über 2 (entspricht 4% der Einheiten einer Ausrichtung)oder höher kann schon als signifikanter Ausschlag gesehen werden. Mit diesem Hintergrundkönnen die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung durchaus als aussagekräftig bezeichnetwerden.Der höchste gemessene Wert für eine Thema-Rolle-Kombination liegt bei 6, d.h. 6% aller erfasstenEinheiten oder 12% aller Beiträge einer Ausrichtung (feministisch oder antifeministisch), fallen aufeine konkrete von 300 möglichen Kombinationen. Dies zeigt, dass trotz der vergleichsweisegeringen Anzahl von untersuchten Beiträgen Tendenzen erkennbar sind.E3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 22 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  23. 23. 6.2 ErgebnisdarstellungZwar war die Auswertung der Untersuchung ob der Komplexität der Messergebnisse ein relativkomplizierter Vorgang und eine Herausforderung, doch hat sich unsere anfängliche Befürchtung,keine klaren Ergebnisse zu erhalten, nicht bewahrheitet. Die Resultate sind letztlich eindeutig undstellen sich wie folgt dar.6.2.1 Abgleich der Forschungshypothesen mit den MessergebnissenWie die kurze Bestandsaufnahme zeigt, die wir im Vorfeld der Inhaltsanalyse vorgenommenhaben, hat sich die Annahme bestätigt, dass feministische Blogs vorwiegend von Frauen,antifeministische Blogs von Männern verfasst werden (s. Anhang D). Die dementsprechendeVermutung über die häufigsten Themen war hingegen nur teilweise richtig. Wie vermutet, ist dashäufigste Thema der Antifeministen Politik, wider Erwarten trifft dies aber auch auf diefeministischen Inhalte zu. Das Thema Mode war überhaupt nicht vertreten, Lifestyle invernachlässigbarer Zahl. Stattdessen finden sich auf dem zweiten und dritten Platz der häufigstenThemen des feministischen Blogs die Themen Medien und Arbeitswelt. Letzteres ist aufantifeministischer Seite am zweithäufigsten, an dritter Stelle steht Rechtliches. Hier fällt auf, dasszwei identische Themen auf beiden Seiten unter den Top 3 der häufigsten Themen zu finden sind.In der Themenwahl sind sich der feministische und der antifeministische Blog also ähnlich (s.Anhang F, Tab. 2 und 3).Etwas anders sieht es bei den Rollen aus, obwohl auch hier eine Rolle in beiden Listen vorhandenist: Die der Frau als Opfer. Interessant ist hierbei, dass die Frau in der Opferrolle imantifeministischen Blog häufig mit dem Thema Medien zusammenfällt, auf der anderen Seitehingegen meist ohne thematischen Bezug. Hieraus könnte man schon beginnen, auf dieMeinungen der Verfasser zu den Rollen und Rolle-Thema-Kombinationen zu schließen; dies würdehier aber zu weit führen und hätte keine objektive Basis.Die Feministinnen sprechen außerdem erwartungsgemäß am häufigsten von der Frau alsFeministin, außerdem von der Frau als Lesbe. Die Antifeministen hingegen nennen zusätzlichhäufig die Rolle der Frau als starkes Geschlecht und als Führungskraft. Interessant wird noch derthematische Kontext der erstgenannten Rolle (s.u.). In der Erwähnung von Rollenbildernüberwiegen demnach die Unterschiede (s. Anhang E, Tab. 2 und 3). Unsere Hypothese zu denhäufig genannten Rollen der beiden Seiten ist damit bis auf die korrekte, und naheliegende,E3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 23 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  24. 24. Vorstellung, dass Feministinnen häufig von der Frau als Feministin sprechen, vollständig widerlegt.Mehr noch zeigte sich nahezu das Gegenteil. Von der emanzipierten Frau und dem starkenGeschlecht liest man bei den Feministinnen nur selten. Statt vom schwachen Geschlecht, wieangenommen, ist bei den Antifeministen die Rede vom starken Geschlecht, statt von derFremdversorgten von der Führungskraft. Zwar kann davon ausgegangen werden – schlichtaufgrund der bekannten Ansichten von Antifeministen, und dieser Eindruck hat sich nebenbeiangemerkt bei der Lektüre der Beiträge bestätigt, obwohl wir dazu keine Messung vorgenommenhaben – dass diese Rollen eher negativ bewertet werden, ironisch oder anderweitig nicht ernstgemeint sind, doch ist die Wortwahl interessant. Statt ironisch vom starken Geschlecht zusprechen oder weibliche Führungskräfte zu bemängeln, hätte man auch das schwache Geschlechtoder die Pflicht zur Mutterrolle betonen können. Und eben darum ging es uns mit der Erfassungder genannten Rollen und wurden auch negierte/abgewertete etc. Rollen kodiert (s.Kodieranweisung III.1.). Es sollte sich zeigen, welche Rollenbilder intuitiv im Bewusstsein präsentsind, assoziiert werden.Zu unserer ersten, grundlegenden Hypothese, dass nicht die Erwähnung einer Rolle ansichentscheidend und aussagefähig ist, sondern diese erst bei Betrachtung des Zusammenhangs eineBedeutung bekommt, ist zu sagen, dass sich dies verifizieren ließ. Ebenso, dass sich Muster in derVerwendung von Rollen in Kombination mit Themen herausarbeiten lassen, die für die jeweiligeSeite spezifisch ist und sich von der anderen unterscheidet. Im weiteren explorativen Vorgehenhaben wir versucht, uns diesen Mustern zu nähern.6.2.2 Ergebnisse der explorativ untersuchten ZusammenhängeDie Unterschiede darin, welche Rollen mit welchem Thema in Verbindung gebracht werden, sindauffallend groß. Keine einzige der Kombinationen, die auf einer Seite besonders häufigauftauchen, überschreitet auf der jeweils anderen Seite die 2% Marke, d.h. den Wert 1, noch mehrsind überhaupt nicht vertreten und relativ oft tritt sogar der Fall ein, dass eine Rolle, die stark miteinem der Top 3-Themen verknüpft ist (oder umgekehrt) auf der Gegenseite gar nicht, d.h. in nichteiner möglichen Kombination, kodiert wurde. Konkret heißt das Folgendes:Die häufigsten Thema-Rolle-Kombinationen, alle mit einem Wert über 2%, sind völligunterschiedlich (s. Anhang E., Tab. 5 und 6). Bei den Feministinnen zum Beispiel Medien –Feministin, Politik – Feministin und Arbeitswelt – Feministin; bei den AntifeministenRechtliches – Opfer, Arbeitswelt – Quotenfrau und Gewalt – Opfer. Noch interessanter ist aberE3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 24 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  25. 25. ein anderes Phänomen: Schaut man sich an, mit welchen Rollen die Top-Themen einer Seiteassoziiert sind, fällt auf, dass nicht nur diese Kombination auf der Gegenseite nicht oder kaumvertreten ist, sondern vor allem, dass das selbe Thema auf der anderen Seite mit völlig anderenRollen in Kombination auftritt. Auch dann, wenn das Thema auf beiden Seiten häufig vorkommt.Gleiches gilt umgekehrt für die mit den Top-Rollen verknüpften Themen.Zum Beispiel verbinden die Feministinnen das Thema Politik, welches beiderseits dasdominanteste ist, zwar nicht häufig aber am häufigsten mit den Rollen Feministin (8%) undLesbe (2%). Beide Kombinationen gibt es bei den Antifeministen nicht. Diese kreuzen mit Politikdie Rollen Führungskraft, Opfer, Quotenfrau und Starkes Geschlecht (jeweils 4%). Dies ließesich so mit allen beliebigen Themen, Rollen und Kombinationen wiederholen. Die grundlegendeTendenz lässt sich gut an der Spalte "Vergleich: Fem/Antifem" der Tabellen 7 und 8 beobachten, inder es, bis auf einen Spezialfall, kein Wert über 2 % schafft, wenn er nicht schon darunterscheitert.Grundsätzlich gibt es in den Kombinationen von Themen und Rollen keinerlei Gemeinsamkeitenauf Basis der von uns erhobenen Daten.6.3 Sonstige ErkenntnisseEin Phänomen ist uns im Rahmen der Bestandsaufnahme, abseits unseres Forschungsinteressesaufgefallen: Der antifeministische usergenerated content befindet sich in der Google Trefferliste"Antifeminismus" auf den obersten Positionen, der feministische beginnt erst hinter der 50stenStelle. Davor befinden sich fast ausschließlich journalistische Inhalte.Der Effekt dieses Umstandes ist der, dass Nutzer, die sich über die jeweiligen Themen informierenwollen ohne ihre Suche zu spezifizieren, für den Suchbegriff Antifeminismus vornehmlich mitInhalten konfrontiert werden, die stark subjektiv und reißerisch sind; für den SuchbegriffFeminismus hingehen werden sie hauptsächlich Internetseiten finden, die einen eherprofessionellen und objektiven Anspruch haben. Dies kann durchaus großen Einfluss auf dieöffentliche Meinungsbildung haben, wenn man die Wichtigkeit von Google für diese bedenkt. Inder Praxis lässt sich auch bestätigen, dass der Antifeminismus weit weniger anerkannt ist als derFeminismus, allerdings ist hier die Ursache-Wirkung-Reihenfolge nicht klar. Die Meinung könnteunter anderem deshalb schlechter sein, weil die Inhalte so überspitzt negativ wertend sind oderE3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 25 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  26. 26. die Verfasser halten es für notwendig, sich so auszudrücken, eben weil ihre Bewegung gegenAblehnung kämpfen muss.6.4 Zusammenfassung der ErgebnisseInsgesamt kann festgestellt werden, dass die Themenwahl auf beiden Seiten zwar ähnlich ist, diedargestellten Rollenbilder sich aber stark unterscheiden sowie die Gewohnheiten bestimmteRollen mit bestimmten Themen zu verknüpfen. Im selben thematischen Zusammenhang haben dieFeministinnen ein wesentlich anderes Bild von der Frau als die Antifeministen – dies wargrundsätzlich zu erwarten und stellt keine große Überraschung dar. Unerwartet hingegen war dieWahl der Rollen, die auf den jeweiligen Seiten, die herangezogen wurden.7. FazitDie Forschungsarbeit im Rahmen des E3-Moduls sollte uns vor allem die Forschung in der Praxisnahe bringen und uns mit den Problemen und Herausforderungen empirischer Methoden vertrautmachen. Die seminarspezifische Vorgabe, die Forschungsarbeit mit dem Thema „Erinnerung“ zuverknüpfen ist uns besonders schwer gefallen. Da wir von vorn herein gerne eine Inhaltsanalyseeines Online-Mediums durchführen wollten, um uns mit dieser in denKommunikationswissenschaften häufig angewandten Methode vertraut zu machen, kam einExperiment oder eine Befragung, zur Überprüfung von Erinnerung für uns nicht in Frage. So habenwir versucht, unsere Fragestellung um die Methode zu konstruieren. Wir gehen davon aus, dass inder Praxis die Fragestellung vor der Methodenwahl steht. Dennoch wussten wir zu Beginn derForschung, das wir uns mit der Inhaltsanalyse für die richtige Methode entschieden hatten. In derOperationalisierung sowie dem Vorgehen sind wir dann doch auf verschiedene Hindernisse undFehler in unserer Herangehensweise gestoßen. Wir konnten das Vorgehen – wie bereitsausführlich beschrieben – an einigen Stellen anpassen. Die größte Herausforderung bestand darin,während der schon laufenden Erfassung der Daten, die Methode der quantitativen Erfassung derDaten beizubehalten, da es oft naheliegend erschien beispielsweise Ironie oder klare Verneinungeiner bestimmten Rolle mit zu erfassen oder diese dann nicht in den Datensatz aufzunehmen. Füreine nächste quantitative Inhaltsanalyse würden wir – um das Problem der subjektiven Wertungzu umgehen – ein Datenanalyseprogramm wie beispielsweise MaxQData verwenden.E3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 26 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  27. 27. Neben der Eigenkritik an der allgemeinen Herangehensweise sind uns folgende Dinge aufgefallen,die wir besser machen können:Wir haben uns zu Beginn der Forschung für eine quantitative Messung und Auswertung der zuerhebenden Daten entschieden. Unsere Fragestellung ergab, dass wir die Ausprägungen der zumessenden Merkmale zählen wollten. Allerdings lässt unsere Methode Zweifel an derAussagekraft. Denn wir haben beispielsweise nicht erfasst, ob das gezählte Rollenbild im positivenoder negativen Kontext oder gar ironisch gemeint erwähnt wurde. Eine Negation oder einAusschluss eines Rollenbildes haben wir ebenfalls einfach gezählt und nicht mit einerentsprechenden Wertung des Autors des Artikels erfasst. Außerdem brachte die Vielzahl anKategorien und damit Merkmalsausprägungen eine Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten mitsich. Um die Repräsentativität der Stichprobe höher zu halten, hätten wir uns nicht mit demAnspruch auf Vollständigkeit bei der Kategorienbildung heranwagen sollen sondern nur je eineoder zwei Themen und Rollenbilder untersuchen sollen. So hätten wir zudem eine präzisereDefinition in der Kodieranweisung bestimmen können als auch eine größere Anzahl anAnalyseeinheiten untersuchen können.Des Weiteren müssen wir die externe Validität unserer Forschung nicht nur aufgrund der zugeringen Größe unserer Stichprobe in Frage stellen. Wir haben in unserer Stichprobe (n) je 50Artikel aus einem feministischen und antifeministischen Blog erfasst. Die Ergebnisse sind nicht aufandere feministische Blogs übertragbar, da es sich um einen Verfasser oder ein Verfasserteamhandelt, das ein Medienprodukt erstellt. Die erfassten Ausprägungen können mit hoherWahrscheinlichkeit verfasserspezifisch sein. So hätten weitere Stichproben aus anderen Blogs dieErgebnisse absichern können. Alternativ könnte n anstatt aus einem Blog auch aus den Inhaltenmehrerer Blogs zusammengesetzt werden. Eine Erfassung der Inhalte von zehn Artikeln aus 5Blogs je feministischen und antifeministischen Inhalts hätte eine höhere externe Validitätgewährleistet.Die quantitative Erfassung der Ausprägung der Merkmale hat sich in der Praxis als schwierig undteilweise subjektiv herausgestellt. Die Kodierbögen und die Kodieranweisungen wurde im Laufeder Vorarbeit zur Forschung mehrmals angepasst und weiter entwickelt. Kein Pretest konnte einezufriedenstellende Intercoderreliabilität ermitteln. Wir haben uns schließlich für ein quantitativesVerfahren entschieden, bei dem wir die Erhebung teilweise mit qualitativen Kriterien durchgeführthaben. So haben wir negative Nennungen von Themen aus der Zählung ausgeschlossen, was imZweifel eine subjektive Wertung vorausgesetzt hat. Dies ist zum einen in unserer Unerfahrenheitbegründet als auch in der Kürze der Zeit, die für die Forschung zur Verfügung stand. Wir kamen imE3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 27 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  28. 28. Laufe der Pretests zu dem Schluss, dass wir Formulierungen in den Kodieranweisungen hinterlegenmüssten, die wir teilweise induktiv ergänzen müssten. Auf Grund der begrenzten Zeit dieser Arbeithaben wir uns für eine Erfassung der Beweise der Ausprägung entschieden, die in Form einesSatzes oder Satzteils im Kodierbogen erfasst wurden. Diese Art der Datenerhebung kann keineIntercoderreliabilität gewährleisten.Eine Inhaltsanalyse bedeutet deutlich mehr Aufwand als anfangs erwartet, erfordert einedurchgehend gründliche Dokumentation sowie eine bedachte Herangehensweise. Mit diesem Satzkönnen wir unsere Erfahrungen und das in dieser Arbeit Gelernte zusammenfassen. Der Umfangder Arbeit, die Wichtigkeit der Dokumentation und das wirklich gute Wissen um die Methodenhaben uns im Laufe der Forschung als auch bei der Erstellung des Berichts manches Malüberrascht.Unsere Forschungsarbeit hat uns aber auch klar gemacht, dass Medienprodukte – auch wenn sievon Personen in Form von usergenerated content erstellt wurden – nicht einfach auf andereMedienprodukte oder gar den Feminismus oder Antifeminismus übertragbar sind. Die Methodemuss hier die Möglichkeiten bieten und der Forscher muss sich der Grenzen der Methode bewusstsein. Um es abschließend mit den Worten von Theodor Adorno zu sagen: Der übliche Einwand, die empirische Sozialforschung sei zu mechanisch, zu grob, zu ungeistig, verschiebt die Verantwortung vom Gegenstand der Wissenschaft auf diese. Die vielgescholtene Inhumanität der empirischen Methoden ist immer noch humaner als die Humanisierung des Unmenschlichen. (Theodor Adorno 2002: 22)E3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 28 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  29. 29. 8. LiteraturverzeichnisAdorno, Theodor W. (2002). „Zur gegenwärtigen Stellung der empirischen Sozialforschung inDeutschland“. Fünfzig Jahre nach Weinheim. Empirische Sozialforschung gestern, heute undmorgen. Hrsg. Heinz Sahner. Weinheim: o.V. S. 13-22.Brosius, Hans-Bernd/Friederike Koschel/Alexander Haas (2009). Methoden der empirischenKommunikationsforschung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Dahrendorf, Ralf (2006). Homo sociologicus. Ein Versuch zur Geschichte, Bedeutung und Kritik derKategorie der sozialen Rolle. Wiesbaden: VS Verlag.Früh, Werner (2007). Inhaltsanalyse. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH.Hans-Bredow-Institut (Juni 2012). Informationsrepertoires der deutschen Bevölkerung. Hamburg:Verlag Hans-Bredow-Institut.Harders, Cilja/Franka Hesse (2006). "Geschlechterverhältnisse in der Blogosphäre: Die Bedeutungder Kategorie Geschlecht für die Verwirklichung von Teilhabechancen durch neue Medien."Website. Femina Politica: Zeitschrift für feministische Politikwissenschaft.< http://www.femina-politica.de/inhalte/abstracts.php?heft=geschlecht_politische_kommunikation#artikel161> (05.09.2012, 23:05 Uhr)E3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 29 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  30. 30. Hesse, Franka (2007). "Die Geschlechterdimension von Social Software am Beispiel von Weblogs."Website. Ruhr Universität Bochum. < http://www.ruhr-uni-bochum.de/genderstudies/kulturundgeschlecht/pdf/Hesse_Beitrag.pdf> (05.09.2012, 23:00 Uhr)Jeß-Desaever, Ute (1999). Die digitale Zukunft der Geschlechter: Konstruktion von Geschlecht inden virtuellen Öffentlichkeiten der Neuen Medien. Oldenburg: Bibliotheks- und Informationssystemder Universität Oldenburg.Kromrey, Helmut (2009). Empirische Sozialforschung. Stuttgart: Lucius & Lucius VerlagsgesellschaftmbH.Nohl, Arnd-Michael/Wolfgang Ortlepp (2008). "Bildung und Gedächtnis im Cyberspace". Internet -Bildung- Gemeinschaft. Hrsg. Friederike von Gross/Winfried Marotzki/Uwe Sander. Wiesbaden: VSVerlag für Sozialwissenschaften, GWV Fachverlage GmbH. S. 75-94.Ratliff, Clancy (2004). "Whose Voices Get Heard? Gender Politics in the Blogosphere." Website.CultureCat: Rhetoric and Feminism. <http://culturecat.net/node/303>. (05.09.2012, 22:55 Uhr)Rössler, Patrick (2010). Inhaltsanalyse. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH.Schnell, Reiner/Paul B. Hill/Elke Esser (2008). Methoden der empirischen Sozialforschung.München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH.Wegener, Claudia (2005). "Inhaltsanalyse". Qualitative Medienforschung: Ein Handbuch. Hrsg.Lothar Mikos/Claudia Wegener. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH. S. 200-208.Wegener, Claudia/Lothar Mikos (2005). "Wie lege ich eine Studie an?". QualitativeMedienforschung: Ein Handbuch. Hrsg. Lothar Mikos/Claudia Wegener. Konstanz: UVKVerlagsgesellschaft mbH. S. 172-180.Wetterer, Angelika (2010). "Konstruktion von Geschlecht: Reproduktionsweisen derZweigeschlechtlichkeit". Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung: Theorie, Methoden,E3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 30 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  31. 31. Empirie. Becker, Ruth/Beate Kortendieck. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften/SpringerFachmedien Wiesbaden GmbH. S. 122-131.E3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 31 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  32. 32. 9. AnhangA. KategoriensystemB. KodieranweisungenC. Muster-KodierbogenD. Untersuchungsmaterial I. Feministische Blogbeiträge II. Antifeministische BlogbeiträgeE. ErgebnistabellenF. SPSS-Tabellen I. Häufigkeiten II. KreuztabellenE3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 32 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  33. 33. A. KategoriensystemI. Ausrichtung 1. Antifeministisch 2. FeministischII. Rollen 1. Feministin 2. Mutter 3. Führungskraft 4. Angestellte 5. Opfer 6. Täterin 7. Emanzipierte Frau 8. Quotenfrau 9. Karrierefrau 10. Versorgerin 11. Starkes Geschlecht 12. Schwaches Geschlecht 13. (Fremd-)Versorgte 14. Lesbe 15. Partnerin 16. Sexualobjekt 17. Politikerin 18. Gläubige 19. Dummchen 20. Keine RolleIII. ThemenE3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 33 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  34. 34. 1. Politik 2. Familie 3. Rechtliches 4. Gesundheit 5. Wissenschaft 6. Arbeitswelt 7. Geschlechterrollen 8. Rassismus 9. Gewalt 10. Medien 11. Sprache 12. Religion 13. Lifestyle 14. Sexualität 15. Kein ThemaB. KodieranweisungenI. Allgemeines1. Jede einzelne Rolle und jedes einzelne Thema stellen jeweils eine Kategorie dar. Jede Kategoriehat zwei mögliche Ausprägungen: Ja, Rolle/Thema genannt (kodiert mit 0). Nein, Rolle/Themanicht genannt (kodiert mit 1).2. Analyseeinheit ist ein einzelner Blogbeitrag. Dieser beginnt mit dem Beitragstitel (derÜberschrift zum folgenden Text) und endet mit dem letzten Satz vor dem nächsten Titel.3. Eine evtl. Schlagwortliste zum Beitrag (dem Beitrag zugeordnete Tags oder andere Arten vonÜber-/Sammelbegriffen) wird nicht berücksichtigt.4. Es werden ausnahmslos alle Einheiten erfasst. Enthält ein Beitrag weder Themen noch Rollen,wird er dennoch erfasst und kodiert mit "Kein Thema" und "Keine Rolle" (jeweils 1 = Ja,Rolle/Thema genannt).E3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 34 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  35. 35. 5. Es werden alle genannten Rollen und Themen erfasst, d.h. pro Einheit dürfen mehrereKategorien (mehrere Rollen oder Themen) positiv kodiert werden.6. Zitate von externen Inhalten werden berücksichtigt, auch wenn es sich nicht um usergeneratedcontent (nachfolgend: ugc), z.B. ein Zitat aus einem journalistischen Artikel oder einemGerichtsurteil, handelt. Begründung: Auch wenn das Zitat selbst kein ugc ist, so spiegelt sich in dem Umstand, dass der Zitierende, der Verfasser des Beitrags, diesen Inhalt in seinem eigenen ugc veröffentlicht, eine Meinung/Ansicht/Einstellung des Bloggers wider und generiert dieser durch die Veröffentlichung des Zitats in seinem Blogkontext und dem Einbinden in seinen Text einen neuen Inhalt. Damit erhält das Zitat eine Qualität, die in der für uns relevanten Hinsicht dem ugc gleichzusetzen ist.7. Ist im Folgenden die Rede von "konkret benannt", schließt dies auch grammatikalischeVarianten mit ein. Beispiel: "Politisches Wirrwarr" zählt wie "Politik". "des schwächerenGeschlechts" wie "Schwaches Geschlecht" usw.II. Zur Kodierung der Rollen und Themen1. Eine Rolle oder ein Thema werden in jedem Fall kodiert wenn mindestens eine der beidenfolgenden Voraussetzungen erfüllt ist: a) Eine Kategorie ist konkret benannt. Beispiel: Enthält ein Beitrag den Satz "Politik finde ich blöd." wird der Beitrag mit "Politik" kodiert. b) Ein Synonym für eine Kategorie, das im "Duden Synonymwörterbuch" zum Begriff der Kategorie aufgelistet ist, ist konkret benannt. Sonderfall: Ein Begriff, der nicht im "Duden Synonymwörterbuch" als Synonym für eine Kategorie aufgelistet ist, kann dann trotzdem zur Kodierung der Kategorie führen, wenn der Begriff dem kollektiven Weltwissen oder der Allgemeinbildung nach dennoch eindeutig bedeutungsgleich zum Kategorienbegriff ist.2. Eine Rolle oder ein Thema werden außerdem kodiert oder trotz II.1. nicht kodiert, wenn eineder unter III. bzw. IV. (s.u.) genannten Sonderregeln für jeweils das Kodieren von Rollen oderThemen Anwendung findet.E3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 35 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  36. 36. 3. In allen Fällen, in denen die Kodierung eine Einzelfallentscheidung auf Basis von Weltwissen undBildung ist (s. III.3., IV.2.), wird nur kodiert, wenn keine Unsicherheit besteht. Im Zweifelsfall wirdnegativ kodiert (0 = Nein, Rolle/Thema nicht genannt)!4. Das Kodieren einer Rolle führt nicht automatisch zur Kodierung eines Themas, weil die Rolle inthematischem Zusammenhang zur Themenkategorie führt – und umgekehrt. Alle Kodierungenwerden nur auf der Textgrundlage vorgenommen. Beispiel: Wird das Thema "Gewalt" kodiert,wird deshalb nicht automatisch die Rolle "Opfer" kodiert, weil jeder Gewaltakt zwangsläufig einOpfer hat. "Opfer" wird nur dann kodiert, wenn diese Rolle im Text genannt ist. Oder: Wird dieRolle "Angestellte" kodiert, wird aufgrund des thematischen Zusammenhangs nicht automatischdas Thema "Arbeitswelt" kodiert, sondern nur dann wenn das Thema Arbeitswelt im Textvorkommt.III. Besonderheiten bei der Kodierung der Rollen1. Wird eine Rolle konkret benannt, jedoch in der Form, dass sie als weibliches Rollenbildabgelehnt wird, wird sie trotzdem kodiert. Beispiel: "Frauen sind nicht das schwache Geschlecht"wird für die Kategorie "Schwaches Geschlecht" kodiert. Achtung: Für die Kodierung von Themengilt das nicht (s. IV.1.)! Begründung: Siehe Begründung zu IV.1.2. Es werden alle erwähnten weiblichen Rollenbilder erfasst, unabhängig von Wertung,Negationen, Kontext usw.3. Wird ein Rollenbild erwähnt, ohne dies explizit Frauen zuzuordnen, wird es dennoch alsweibliches Rollenbild erfasst, wenn aus dem Zusammenhang eindeutig hervorgeht, dass dies sogemeint ist.IV. Besonderheiten bei der Kodierung der ThemenE3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 36 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  37. 37. 1. Wird ein Thema konkret benannt, jedoch als Inhalt des Beitrags verneint, wird es nicht kodiert.Beispiel: "Hier geht es nicht um Politik" wird, entgegen II.1.a) nicht als "Politik" kodiert. Achtung:Für die Kodierung von Rollen gilt das nicht (s. III.1.)! Begründung: Die Kodierung der Rollen und die der Themen haben eine andere Qualität. Mit der Kodierung der Themen soll erfasst werden, worum es in der Sache faktisch geht, nicht darum welches Thema irgendwie erwähnt wird. Hingegen soll mit der Kodierung der Rollen nicht erfasst werden, wie der Verfasser des ugc die Frau tatsächlich sieht, sondern welchen Rollenbildern er sich – unabhängig vom sonstigen Kontext oder einer Bewertung – bedient, welche Rollen im Allgemeinen er assoziiert (und daraus folgend: welche Rollen im allgemeinen Bewusstsein präsent sind), wenn er von einem bestimmten Thema spricht.2. Begriffe, die dem kollektiven Weltwissen oder der Allgemeinbildung nach eindeutig alsUnterbegriffe einer Kategorie im Sinne eines Sammel-/Überbegriffs verstanden werden könnenoder aus sonstigen Gründen der Bedeutung nach inhaltlich einem Kategoriebegriff zugeordnetwerden können, gelten als Indikatoren für die entsprechende Kategorie und führen zu derenKodierung. Beispiele: "Bundestagswahl" als Indikator für "Politik", "Physik-Nobelpreis" alsIndikator für "Wissenschaft", "Klatschpresse" als Indikator für "Medien" usw. Begründung: Aus pragmatischen Gründen ist es leider nicht möglich, Indikatoren für die einzelnen Kategorien festzulegen; eine solche Liste müsste hunderte von Begriffen enthalten. Aus diesem Grund bleibt keine andere Wahl, als passende Begriffe in Einzelfallentscheidungen zu Indikatoren zu erklären und diese Entscheidungen bei jedem Beitrag aufs Neue vorzunehmen. Um die intersubjektive Nachvollziehbarkeit dennoch so hoch wie mit diesem Verfahren möglich zu halten, muss explizit und konsequent darauf geachtet werden, dass das Bestimmen solcher Verknüpfungen (möglichst) nicht von persönlichen Faktoren (Erfahrungen, Charakter, Meinungen usw.) beeinflusst wird, sondern strikt auf Grundlage überindividueller Bewusstseinsinhalte, Kenntnisse usw. vorgenommen wird.F. ErgebnistabellenE3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 37 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  38. 38. Allgemeines Insgesamt Femin. Antifemin.Erfasste Beiträge 100 50 50Kodierte Themen 15 12 12Kodierte Rollen 20 13 14Kodiervorgänge für Themen 137 70 67Kodiervorgänge für Rollen 123 55 68Tabelle 1: Allgemeine Daten zur Untersuchung. Inklusive der Auspräungen "Kein Thema" und"Keine Rolle".Hinweis betreffend alle folgenden Tabellen:Exklusive der Ausprägungen "Kein Thema" und "KeineRolle".Die drei häufigsten Themen und Rollen in feministischen Beiträgen Zum Vergleich: Antifem.Politik 36,7 % 26 %Medien 22,4 % 0%Arbeitswelt 12,2 % 24 %Feministin 14,6 % 10,2 %Opfer 6,2 % 22,4 %Lesbe 6,2 % 0%Tabelle 2: Häufigkeiten, feministisch.Erste Zeile ausformuliert zum besseren Verständnis der korrekten Lesart der Tabelle:Das Thema Politik wurde in den feministischen Beiträgen am häufigsten kodiert, konkret: 36,7% der fünfzig erfassten feministischen Beiträge hatten Politik zum Thema. Im Vergleich dazuhandelten nur 26 % der antifeministischen Beiträge von Politik.Die drei häufigsten Themen und Rollen in antifeministischen Beiträgen Zum Vergleich: Fem.Politik 26 % 36,7 %Arbeitswelt 24 % 12,2 %Rechtliches 22 % 4,1 %Opfer 22,4 % 6,2 %E3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 38 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  39. 39. starkes Geschlecht 12,2 % 0%Führungskraft 12,2 % 0%Tabelle 3: Häufigkeiten, antifeministisch.Die häufigsten Themen und Rollen beider Seiten im Vergleich Feministisch AntifeministischArbeitswelt 12,2 % 24 %Medien 22,4 % 0%Politik 36,7 % 26 %Rechtliches 4,1 % 22 %Feministin 14,6 % 10,2 %Führungskraft 0% 12,2 %Lesbe 6,2 % 0%Opfer 6,2 % 22,4 %starkes Geschlecht 0% 12,2 %Tabelle 4: Häufigkeiten, feministisch und antefeministisch, alphabetisch, gegenübergestellt.Die häufigsten Thema-Rolle-Kombinationen in feministischen Beiträgen Zum Vergleich: Antifem.Medien – Feministin 10 % 2%Politik – Feministin 8% 0%Arbeitswelt – Feministin 4% 2%Politik – Lesbe 4% // Rolle* * // = nicht kodiertTabelle 5: Häufigste Kombinationen, feministisch.E3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 39 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  40. 40. Die häufigsten Thema-Rolle-Kombinationen in antifem. Beiträgen Zum Vergleich: Fem.Rechtliches – Opfer 12 % 2%Arbeitswelt – Quotenfrau 10 % // Rolle*Gewalt – Opfer 10 % // Thema*Rechtliches – Täterin 8% // Rolle*Arbeitswelt – Führungskraft 6% // Rolle* * // = nicht kodiertTabelle 6: Häufigste Kombinationen, antifeministisch..Die häufigsten Assoziationen mit den jeweils häufigsten Themen und Rollen in denfeministischen Beiträgen Häufigkeit der jeweiligen Vergleich: Häufigste Assoziation beim Kombination Antifem. AntifeminismusPolitik + Feministin 8% 0% Führungskraft 4% Lesbe 2% 0% Opfer 4% Quotenfrau 4% St. Geschlecht 4%Medien + Feministin 10 % 2% kein Wert > 1 0%Arbeitswelt+ Feministin 4% 2% Quotenfrau 10 % Führungskraft 6% Angestellte 4% St. Geschlecht 4%Feministin + Politik 8% 0% // Kombin.* 0% Arbeitswelt 4% 2% Medien 10 % 2%Opfer + Rechtliches 2% 12 % Rechtliches 12 % Gewalt 10 % Politik 4%Lesbe + Politik 4% 0% // Rolle* 0%E3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 40 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  41. 41. * // = nicht kodiertTabelle 7: Häufigste Assoziationen zu den häufigsten Themen/Rollen, feministisch.Erster Begriff ("Politik +") ausformuliert zum besseren Verständnis der Lesart:Das häufigste Thema in feministischen Beiträgen, Politik (s. Tabelle 2.) tritt in feministischenBeiträgen am häufigsten in Kombination mit den Rollen "Feministin" und "Lesbe" auf; undzwar weisen 8 % der fünfzig fem. Beiträge die erstere, 2 % die letztere Verknüpfung auf. Inden antifeministischen Beiträgen gibt es diese Kombinationen hingegen gar nicht. Stattdessenist das Thema Politik dort am häufigsten mit den Rollen Führungskraft, Opfer, Quotenfrau undstarkes Geschlecht assoziiert, nämlich in jeweils 4 % der erfassten antifeministischen Beiträge.E3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 41 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner
  42. 42. Die häufigsten Assoziationen mit den jeweils häufigsten Themen und Rollen in denantifeministischen Beiträgen Häufigkeit der jeweiligen Vergleich: Häufigste Assoziation beim Kombination Fem. FeminismusPolitik + Führungskraft 4% 0% Feministin 8% Opfer 4% 0% Lesbe 4% Quotenfrau 4% 0% St.Geschlecht 4% 0%Arbeitswelt + Quotenfrau 10 % 0% Feministin 4% Führungskraft 6% 0% Angestellte 4% 0% St. Geschlecht 4% 0%Rechtliches + Opfer 12 % 2% kein Wert > 1 0% Täterin 8% 0% Mutter 4% 2%Opfer + Rechtliches 12 % 2% kein Wert > 1 0% Gewalt 10 % 0% Politik 4% 0%Starkes Politik 4% 0% // Rolle* 0%Geschlecht+ Arbeitswelt 4% 0% Medien 4% 0%Führungs- Arbeitswelt 6% 0% // Rolle* 0%kraft + Politik 4% 0% * // = nicht kodiertTabelle 8: Häufigste Assoziationen zu den häufigsten Themen/Rollen, antifeministisch.E3-Forschungsbericht: Inhaltsanalyse von Blogbeiträgen. Seite 42 von 42Daniela Friedrich, Savita Wagner

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