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Niklas Luhmann
  Tautologie und Paradoxie in den
Selbstbeschreibungen der modernen
            Gesellschaft


    oder: Strategien der Entparadoxierung


 Universität Konstanz, FB Geschichte und Soziologie
 Klassiker-Seminar: Ökologische Kommunikation.
                    Eine Einführung in Luhmanns Systemtheorie
                    Dozent: Werner Binder, M.A.

                   Referent: Sven Giersig
                   WS 08/09, 29.1.2009
Selbstbeobachtung         Selbstbeschreibung

• Differenz der eigenen   • gesteuerte
 Identität von anderem      Beobachtung
                          • fixiert Struktur für
                            Beobachtung
Segmentäre
       Differenzierung

• Lebenswichtigkeit in Kleinsteinheiten
• Ordnung durch Raum, Personen und
  Mythen
Stratifikatorische
      Differenzierung
• Asymmetrien und steigende Ungleichheiten
• „Unwahrscheinlichkeit der Ordnung“
  bedarf Explikation
• Konkurrenzfreie Repräsentation der
  Gesellschaft in der Gesellschaft möglich
Funktionale
       Differenzierung

• Verlust der „natürlichen, konkurrenzfreien
  Repräsentation“
• Reaktion: Abstraktion des
  Identitätsproblems
zwei Reflexionsformen
         über die Identität des Systems




   tautologisch                  paradox
„es ist, was es ist“    „es ist, was es nicht ist“
Ideologie


• Unsichtbarkeit des Ausgangspunktes
• Einschluss der Gegenideologie
Ideologisches Gerüst

• Gewalt / Eigentum
• Staat / Gesellschaft
• Individuum / Kollektiv
Temporalisierung


• Ideologien: Einstellung zur historischen Zeit
• Bsp: „Themenaustausch“
Sachdimension


• Entscheidungen
• Moral
Werte


• halten der Kontingenz stand
• „blinde Flecken“, die zum Beobachten und
  Handeln ausrüsten
Angst


• Fixierpunkt der „neuen Werte“
Einschub: Tautologien
    sind Paradoxien
• oder: Konservatismus ist unlogisch
• Tautologien sind Unterscheidungen, die
  nicht unterscheiden (S. 97)
• es geht um Umwandlung unendlicher in
  endliche Informationslasten
Selbstreferenz-
        unterbrechungen

•   Problem des Beschreibens von
    Beschreibungen von Beschreibungen...
•   Lösung: „natürliche / artifizielle“
    Einschränkung von Selbstreferenz
Selbstreferenz-
         unterbrechungen
natürlich                    artifiziell
•als notwendige              •kontingent
 Bedingung                   •lassen Durchblick zu
•Verhindern Durchblick       •Paradoxie muss
 auf Paradoxie                Entparadoxiert werden

Erkenntnisinstrument: das, was „natürlich“ für das
    System ist, wird als „artifiziell“ eingestuft
Selbstreferenz-
       unterbrechungen

•   entparadoxieren den Gegenstand der
    Beobachtung und die Beobachtung selbst
•   Ermöglichen so Selbstbeobachtung der
    Gesellschaft
Soziale Bewegungen

• Selbstbeobachtungen und
  Selbstbeschreibungen müssen radikalisiert
  werden bis zum Erkennen der Paradoxie
• Luhmann findet diese Radikalität in den
  Sozialen Bewegungen
Soziale Bewegungen


• aber: Kritik bleibt letztlich moralische Kritik
„Das Geheimnis der Alternativen ist: daß sie
gar keine Alternative anzubieten haben.
Das müssen sie sich selbst und anderen
verheimlichen.
Darin liegt ihr Beitrag zur Entparadoxierung“
Beispiel

                        nach
Jürgen Markowitz (1992) „Das Problem der Paradoxien
           und die Semantik des Risikos“.
Knappheitsparadox

• Umwandlung von (Zukunfts-)Unsicherheit
  in Sicherheit
• Beseitigung von Knappheit
• es entsteht für manche mehr Knappheit
Wachstumsparadox

• durch immerwährendes Wachstum werden
  alle mehr haben, auch die die wenig haben
• das haben-bedingte Nicht-Haben wird aus
  der Sozialdimension in die Zeitdimension
  transponiert
Ökoparadox
• Wachstum führt zu ökologischer
  Gefährdung
• die gegenwärtige Zukunftssicherung führt
  zu Verunsicherung zukünftiger
  Gegenwarten
• Risiko-Semantik entparadoxiert das Öko-
  Paradox
• schliesslich führt das Öko-Paradox wieder
  zum Knappheitsparadox:
• Durch Produktion von Sicherheit wird
  Unsicherheit erzeugt
Vielen Dank für Eure
  Aufmerksamkeit !

• (... und für das Beobachten des Beobachters
  der Beobachtung)
• Folien unter http://stud.giersig.eu

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Ws0809 Luhmann Paradoxie

  • 1.
  • 2. Niklas Luhmann Tautologie und Paradoxie in den Selbstbeschreibungen der modernen Gesellschaft oder: Strategien der Entparadoxierung Universität Konstanz, FB Geschichte und Soziologie Klassiker-Seminar: Ökologische Kommunikation. Eine Einführung in Luhmanns Systemtheorie Dozent: Werner Binder, M.A. Referent: Sven Giersig WS 08/09, 29.1.2009
  • 3. Selbstbeobachtung Selbstbeschreibung • Differenz der eigenen • gesteuerte Identität von anderem Beobachtung • fixiert Struktur für Beobachtung
  • 4. Segmentäre Differenzierung • Lebenswichtigkeit in Kleinsteinheiten • Ordnung durch Raum, Personen und Mythen
  • 5. Stratifikatorische Differenzierung • Asymmetrien und steigende Ungleichheiten • „Unwahrscheinlichkeit der Ordnung“ bedarf Explikation • Konkurrenzfreie Repräsentation der Gesellschaft in der Gesellschaft möglich
  • 6. Funktionale Differenzierung • Verlust der „natürlichen, konkurrenzfreien Repräsentation“ • Reaktion: Abstraktion des Identitätsproblems
  • 7. zwei Reflexionsformen über die Identität des Systems tautologisch paradox „es ist, was es ist“ „es ist, was es nicht ist“
  • 8. Ideologie • Unsichtbarkeit des Ausgangspunktes • Einschluss der Gegenideologie
  • 9. Ideologisches Gerüst • Gewalt / Eigentum • Staat / Gesellschaft • Individuum / Kollektiv
  • 10. Temporalisierung • Ideologien: Einstellung zur historischen Zeit • Bsp: „Themenaustausch“
  • 12. Werte • halten der Kontingenz stand • „blinde Flecken“, die zum Beobachten und Handeln ausrüsten
  • 13. Angst • Fixierpunkt der „neuen Werte“
  • 14. Einschub: Tautologien sind Paradoxien • oder: Konservatismus ist unlogisch • Tautologien sind Unterscheidungen, die nicht unterscheiden (S. 97) • es geht um Umwandlung unendlicher in endliche Informationslasten
  • 15. Selbstreferenz- unterbrechungen • Problem des Beschreibens von Beschreibungen von Beschreibungen... • Lösung: „natürliche / artifizielle“ Einschränkung von Selbstreferenz
  • 16. Selbstreferenz- unterbrechungen natürlich artifiziell •als notwendige •kontingent Bedingung •lassen Durchblick zu •Verhindern Durchblick •Paradoxie muss auf Paradoxie Entparadoxiert werden Erkenntnisinstrument: das, was „natürlich“ für das System ist, wird als „artifiziell“ eingestuft
  • 17. Selbstreferenz- unterbrechungen • entparadoxieren den Gegenstand der Beobachtung und die Beobachtung selbst • Ermöglichen so Selbstbeobachtung der Gesellschaft
  • 18. Soziale Bewegungen • Selbstbeobachtungen und Selbstbeschreibungen müssen radikalisiert werden bis zum Erkennen der Paradoxie • Luhmann findet diese Radikalität in den Sozialen Bewegungen
  • 19. Soziale Bewegungen • aber: Kritik bleibt letztlich moralische Kritik
  • 20. „Das Geheimnis der Alternativen ist: daß sie gar keine Alternative anzubieten haben. Das müssen sie sich selbst und anderen verheimlichen. Darin liegt ihr Beitrag zur Entparadoxierung“
  • 21. Beispiel nach Jürgen Markowitz (1992) „Das Problem der Paradoxien und die Semantik des Risikos“.
  • 22. Knappheitsparadox • Umwandlung von (Zukunfts-)Unsicherheit in Sicherheit • Beseitigung von Knappheit • es entsteht für manche mehr Knappheit
  • 23. Wachstumsparadox • durch immerwährendes Wachstum werden alle mehr haben, auch die die wenig haben • das haben-bedingte Nicht-Haben wird aus der Sozialdimension in die Zeitdimension transponiert
  • 24. Ökoparadox • Wachstum führt zu ökologischer Gefährdung • die gegenwärtige Zukunftssicherung führt zu Verunsicherung zukünftiger Gegenwarten • Risiko-Semantik entparadoxiert das Öko- Paradox
  • 25. • schliesslich führt das Öko-Paradox wieder zum Knappheitsparadox: • Durch Produktion von Sicherheit wird Unsicherheit erzeugt
  • 26. Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit ! • (... und für das Beobachten des Beobachters der Beobachtung) • Folien unter http://stud.giersig.eu

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