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Postmonetäres in der Science
Fiction und utopischen
Literatur
Annette Schlemm
„Wir sind für die Erde ein Modell oder Experiment“,
sagte Maya:
„Ein Gedankenexperiment, aus dem die Menschheit
lernen soll.“
2
Utopien, SF und Geld
Geld und Wirtschaftsthemen sind meist kein Thema
3
Utopien, SF und Geld
Wenns um Geld oder seine Abschaffung geht, wird’s
meistens langweilig...
• Reisender erzählt... eine illustrierte theoretische
Abhandlung
4
Utopien, SF und Geld
Am Geld hängt die ganze Wirtschaft... und mehr...
5
Frühkapitalistische Staatsutopien
• Thomas Morus: Utopia (1516)
„So leicht ließe sich beschaffen, was zum
Leben nötig ist, wenn nicht unser gesegnetes
Geld, das doch offenbar dazu erfunden ist,
um uns den Zugang zu den
lebensnotwendigen Gütern zu eröffnen, in
Wirklichkeit uns nur den Weg zu diesen
Gütern versperrte!“
6
Frühkapitalistische Staatsutopien
• Thomas Morus: Utopia (1516)
„Nachtgeschirre werden aus Gold und Silber
gefertigt und Goldringe und Halsbänder
bezeugen die Ehrlosigkeit von Verbrechern“
Ein chinesischer Juwelier hat in seinem Laden eine
Toilette aus Gold errichten lassen - Kostenpunkt 38
Millionen Hongkong-Doller (rund 10,5 Millionen
Mark/ 5,4 Millionen Euro). Ausgerechnet Lenin war es,
der Lam Sai Wing auf diese Idee brachte. In der
Schule lernte der heute 45-Jährige, dass Lenin nach
dem Sieg des Kommunismus goldene Toiletten für
die Öffentlichkeit habe bauen wollen.
7
Soziale Utopien im Kapitalismus
• Etienne Cabet: Ikarien (1840)
„ Es unterliegt keinem Zweifel, daß neue
Maschinenerfindungen an Stelle der arbeitenden Menschen
treten...“
„Da jeder von uns übrigens alles Nötige in Wirklichkeit
erhält, ist es uns ganz nutzlos, Geld zu haben; deshalb wird
auch bei uns nicht gekauft noch verkauft.“
• erstmals „communiste“
• zentralistisch, einheitlich
8
Soziale Utopien im Kapitalismus
• Edward Bellamy: Ein Rückblick aus dem
Jahr 2000 auf 1887
• Keine Zinsen auf Schulden;
keine Ausgaben für Rüstung, Beamte,
kein Aufwand mehr für Finanzoperationen,
Wegfall des Handels, Vergesellschaftung der Hausarbeit
• Jede/r bekommt pro Jahr einen leistungsunabhängigen
„Kredit“
• „Preise“ hängen von enthaltener Mühsal und Geist ab
9
Soziale Utopien im Kapitalismus
• Pjotr. A. Kropotkin: Die Eroberung
des Brotes (1892)
„Der Gemeinbesitz an den Arbeitsinstrumenten führt
notwendig zum gemeinschaftlichen Genuß der aus
gemeinsamer Arbeit stammenden Produkte.“
• Aufheben des Lohnsystems,
auch keine „Arbeitsbons“
10
Soziale Utopien im Kapitalismus
• Alexander A. Bogdanow:
Der rote Planet (1907)
„Und der Verbrauch von Produkten ist nicht beschränkt?“
„Nein, jeder nimmt, was er braucht und soviel er möchte.“
„Gibt es denn kein Geld, keine Zeugnisse über die
geleisteten Arbeitsstunden oder Ähnliches? Und keine
Arbeitspflicht?“
„Nichts dergleichen. Wir leiden keinen Mangel an
Arbeitskräften: Die Arbeit ist das natürliche Bedürfnis
eines entwickelten, sozial denkenden Menschen, und jede
Art maskierten oder offenen Zwangs ist völlig überflüssig.“
11
Soziale Utopien im Kapitalismus
• Alexander A. Bogdanow:
Der rote Planet (1907)
„... solange die Arbeitsverhältnisse insgesamt keine
sozialistischen sind, ist kein Sozialismus der
Eigentumsverhältnisse möglich.“
• P.S.
12
Soziale Utopien im Kapitalismus
• Erci F. Russell:
Planet des Ungehorsams (1951)
„Die ökonomische Verfassung dieses Planeten
scheint auf einer genossenschaftlichen Basis zu
stehen; mit Privatunternehmen, einem Kreditwesen,
das sich wie im Kindergarten auf Versprechen und
Ehrenwort gründet, und mit unverhüllter Bettelei.“
• Arbeitskoordination über „Obs“ (Obligationen): Wer was
für einen anderen tut, lädt diesem Obligationen
(Verpflichtungen) auf; Mitteilungen darüber per Zettel,
aber keine schriftliche Buchführung...
13
Soziale Utopien im Kapitalismus
• Ursula Le Guin: Die Enteigneten (1974)
„Was ist idealistisch an sozialer Kooperation, gegenseitiger
Hilfe, wenn sie die einzige Möglichkeit ist, am Leben zu
bleiben?“
• Auf Anarres gilt „Besitztümler“ als Schimpfwort
• Verwaltungs- und Managementnetz: verwaltet die
Produktion
14
Soziale Utopien im Kapitalismus
• Gene Rodenberry: StarTrek
„Wir arbeiten, um uns
selbst zu verbessern und
den Rest der Menschheit“
15
Soziale Utopien im Sozialismus
16
Soziale Utopien im Sozialismus
• Eberhardt del´Antonio: Titanus ( 1959):
„Aber stellen Sie sich das doch einmal bildlich vor:
Ich gehe in einen Laden und hole mir auf einmal
zwanzig Anzüge. Sie holen sich nur einen – wie
ungerecht!“
Timar lachte. "Aber das können Sie doch schon,
Kollege Stafford! Niemand wird Sie hindern, wenn
Sie sich zwanzig Anzüge aus dem Lager holen.„
"Was sollte ich damit? Mehr als einen kann ich nicht
tragen... “
vgl. http://www.thur.de/philo/sozutopie.htm
17
Soziale Utopien im Sozialismus
• Angela und Karlheinz Steinmüller:
Andymon (1982)
• Geld so unnötig, dass es nicht
mal als fehlend erwähnt wird...
http://keimform.de/2016/keimformen-auf-andymon/
18
Politische Utopien der Gegenwart
• P.M.: Bolo´Bolo (1983)
„ Das bolo ersetzt die alte
Übereinkunft, die wir Geld
nennen.“ “
• bolo`bolo: viele Bolos; Bolo: autonome, autarke
Gemeinschaften mit ca. 500 ibus mit ähnlicher
Lebensweise und Kultur.
19
Soziale Utopien im Kapitalismus
• Charles Stross:
Accelerando (2006)
Gianni: „Aber seit den 1980er Jahren wäre es tatsächlich
schon prinzipiell möglich gewesen, das Problem der
Zuteilung von Ressourcen mit Hilfe von Algorithmen und
Computern zu lösen - dann hätte man keinen Markt mehr
gebraucht.
20
Soziale Utopien im Kapitalismus
• Charles Stross:
Accelerando (2006)
Wirtschaft 2.0: „überlegene, deterministische Algorithmen
zur optimierten und wirkungsvollen „Zuweisung von
Ressourcen“
• Was wird knapp? Bandbreite...
Wofür steht „2.0“? – „als recht vage Kurzbezeichnung für
Interaktionen, die sie nicht verstehen“
„Die Menschen sind zu geistig minderbemittelten Nutzern
intelligenter Instrumente degradiert.“
21
Soziale Utopien im Sozialismus
• Gary Doctorow: Backup (2013)
Es gibt keine „woppel-reichen Arschlöcher“
• „Woppels“ (engl.: Whuffie“):
„virtuelles Kapital“ - Maß für Wertschätzung
und Respekt, das online ermittelt wird
• Mensch mit vielen Woppels kann auch viele Menschen
dazu bringen, in seinen Projekten mitzuarbeiten...
• Organisation der Menschen in Ad-Hoc-Gruppen (mit
Zugehörigkeit und Mitentscheidungsgewalt) - basiert „auf
spontanen Zweck- oder Projektgemeinschaften“
22
Soziale Utopien im Sozialismus
• Gary Doctorow: Backup (2013)
„Mein Woppel war so tief gesunken, dass irgendjemand
wohl einfach in den Wagen gestiegen und davongebraust
war, weil er begriffen hatte, dass es der Allgemeinheit mehr
Nutzen bringen würde, wenn er ihn an meiner Stelle fuhr.“
• Menschen mit wenig oder gar ohne Woppel:
Abstufung in Bedürfnisbefriedigung
• Harter Konkurrenzkampf der Projekte gegeneinander
„Man wird uns fertigmachen, wenn wir den Arsch nicht
hochkriegen..“
23
... statt Geld
Erste inhaltliche Auswertung:
• Weshalb wird kein Geld mehr gebraucht?
• Was hat sich im Wesentlichen geändert, damit kein Geld
mehr gebraucht wird?
24
... statt Geld
Überfluss
Morus: Utopia:
• Essen nur gegen Arbeit, mindestens 6 Stunden am Tag.
„Ihr seht schon, es gibt nirgends eine Möglichkeit
zum Müßiggang, keinen Vorwand zum Faulenzen.“
 „Aus solcher Lebensführung des Volkes muß
notwendig Überfluß an allen Lebensbedürfnissen
folgen, und da dieser Überfluß gleichmäßig allen
zugute kommt, ist es ganz natürlich, daß es Arme
oder gar Bettler nicht geben kann.“
25
... statt Geld
Verzicht auf ungebremste (materielle) Bedürfnisentwicklung
„Das Knappheitsproblem ist [...] nur dann
überwindbar, wenn die Produktionssteigerung nicht
ständig durch Bedürfnissteigerungen kompensiert
wird.“ (Münkler 1997)
26
... statt Geld
Verzicht auf ungebremste (materielle) Bedürfnisentwicklung
Morus:
„Denn wie sollte man auf den Gedanken kommen, es
könnte einer überflüssige Forderungen stellen, der
doch sicher ist, daß es ihm nie an etwas fehlen wird?“
Campanella:
„Güter werden gering geachtet, denn ein jeder hat,
was er braucht.“
27
... statt Geld
Wissenschaft und Technik
Bacon:
• Institutionelle Absicherung auf Basis wissenschaftlicher
Erkenntnisse
Bogdanow:
• Wissenschaftliche Regulierung („wissenschaftlich-
statistische Aufgabe“) – Tektologie
StarTrek: Replikator
Cabet:
• Maschinen an Stelle der arbeitenden Menschen
28
... statt Geld
Planung, zentralisierte Regulierung
„archistische“ Utopien (Campanella etc.)
• als Gegenentwurf zum „Chaos“ der eigenen Zeit
„Sage mir, welche Utopien in einem bestimmten Land zu einer
bestimmten Zeit geschrieben worden sind, und ich sage Dir, wie,
im Gegensatz dazu, die gesellschaftlichen Bedingungen damals
dort gewesen sind.“ (Schwendter)
 zentrale Hierarchien als Gegenbild zu einer Gesellschaft, „in der
es vor Konkurrenz, Chaos, Interessenwidersprüchen, die
notwendige Problemlösungen blockieren, nur so wimmelt“
29
... statt Geld
Planung, zentralisierte Regulierung
Bogdanow:
• Wissenschaftliche Regulierung („wissenschaftlich-
statistische Aufgabe“) – Tektologie
Bellamy:
• Industrie entsprechend militärischer Organisation
30
... statt Geld
Kontrolle
Dystopien:
Star Trek:
• „Landru und die Ewigkeit“, „Die Stunde der Erkenntnis“:
„Doch Paradiese gibt es nicht umsonst. Beide Male
kontrolliert ein wohlwollender Computer die Szenerie.“
(Steinmüller 1997: 87)
„Überwachung und Kontrolle vernichten die
Freiheitsperspektiven, die durch die Überwindung des
Knappheitsproblems eröffnet worden sind.“ (ebd.)
31
... statt Geld
Dezentralisierung, Reduzierung der Komplexität
Morris:
• Gegenbild gegen Bellamy: künstlerische Produktion für
ansonsten genügsame Bedürfnisse...
„Und da es kein Kaufen und Verkaufen gibt, würde es
reiner Unsinn sein, Güter ins Blaue hinein zu
verfertigen, auf die bloße Möglichkeit hin, daß sie
vielleicht gebraucht werden...“
32
... statt Geld
Dezentralisierung, Reduzierung der Komplexität
Le Guin: Anarres
• Zelluläre Struktur der Siedlungen
Russell:
• Dezentralisierte landwirtschaftliche Produktion
P.M. bolo´bolo etc.
33
... statt Geld
„Neue Menschen“
Owen:
• Erziehung, Charakterbildung ermöglichen das Erkennen,
„sein persönliches Glück könne nur in dem Maße
vergrößert werden, wie er selbst sich tätig bemüht, das
Glück seiner Umwelt zu vermehren.“
Bellamy
• Mensch sei ursprünglich weder gut noch böse, aber das
Gute, d.h. das auf das gemeinsame Wohl aller hin
Angelegte, werde durch den Kapitalismus depraviert und
erniedrigt (nach Heyer 2006)
34
... statt Geld
„Neue Menschen“
Morris:
• sein Entwurf steht und fällt mit der Idee des Neuen
Menschen - der Neue Mensch ist dabei Ergebnis der
Konstituierung des utopischen Raumes (Heyer 2006)
Andymon
• Tabula Rasa im Raumschiff... Menschliche Entwicklung
ohne Einzwängung und tradierte Vorgaben
35
... statt Geld
„Neue Menschen“
Zwischen welchen Menschen unter welchen Bedingungen
muss „vermittelt“ werden?
• Isolierte Privatproduzenten/-Konsumenten/-Prosumenten
• Oder: gesellschaftliche Individuen ohne Restriktion durch
Begrenzung des Zugriffs auf gesellschaftliche
Möglichkeiten durch Enteignung...
36
... statt Geld
Anerkennung
Doctorow:
• „Woppels“
Andymon:
• Unmittelbare, konkrete Überzeugungskraft
40
• Weitere Literaturtipps?
... wie weiter?
• Differenzierung: Geldbegriffe, Aspekte (Funktionen) des
Gelds – in utopischer Literatur
• Analyse für „geldfreie“ Utopien:
• Welche der Funktionen des Geldes können wegfallen,
• Welche Funktionen werden wie anders erfüllt? (Allokation der
Ressourcen, Regulierung der Arbeitsteilung...)
• Genauere Analyse: welche Voraussetzungen für Verzicht
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Postmonetäres in der Science Fiction und utopischen Literatur

  • 1. Postmonetäres in der Science Fiction und utopischen Literatur Annette Schlemm „Wir sind für die Erde ein Modell oder Experiment“, sagte Maya: „Ein Gedankenexperiment, aus dem die Menschheit lernen soll.“
  • 2. 2 Utopien, SF und Geld Geld und Wirtschaftsthemen sind meist kein Thema
  • 3. 3 Utopien, SF und Geld Wenns um Geld oder seine Abschaffung geht, wird’s meistens langweilig... • Reisender erzählt... eine illustrierte theoretische Abhandlung
  • 4. 4 Utopien, SF und Geld Am Geld hängt die ganze Wirtschaft... und mehr...
  • 5. 5 Frühkapitalistische Staatsutopien • Thomas Morus: Utopia (1516) „So leicht ließe sich beschaffen, was zum Leben nötig ist, wenn nicht unser gesegnetes Geld, das doch offenbar dazu erfunden ist, um uns den Zugang zu den lebensnotwendigen Gütern zu eröffnen, in Wirklichkeit uns nur den Weg zu diesen Gütern versperrte!“
  • 6. 6 Frühkapitalistische Staatsutopien • Thomas Morus: Utopia (1516) „Nachtgeschirre werden aus Gold und Silber gefertigt und Goldringe und Halsbänder bezeugen die Ehrlosigkeit von Verbrechern“ Ein chinesischer Juwelier hat in seinem Laden eine Toilette aus Gold errichten lassen - Kostenpunkt 38 Millionen Hongkong-Doller (rund 10,5 Millionen Mark/ 5,4 Millionen Euro). Ausgerechnet Lenin war es, der Lam Sai Wing auf diese Idee brachte. In der Schule lernte der heute 45-Jährige, dass Lenin nach dem Sieg des Kommunismus goldene Toiletten für die Öffentlichkeit habe bauen wollen.
  • 7. 7 Soziale Utopien im Kapitalismus • Etienne Cabet: Ikarien (1840) „ Es unterliegt keinem Zweifel, daß neue Maschinenerfindungen an Stelle der arbeitenden Menschen treten...“ „Da jeder von uns übrigens alles Nötige in Wirklichkeit erhält, ist es uns ganz nutzlos, Geld zu haben; deshalb wird auch bei uns nicht gekauft noch verkauft.“ • erstmals „communiste“ • zentralistisch, einheitlich
  • 8. 8 Soziale Utopien im Kapitalismus • Edward Bellamy: Ein Rückblick aus dem Jahr 2000 auf 1887 • Keine Zinsen auf Schulden; keine Ausgaben für Rüstung, Beamte, kein Aufwand mehr für Finanzoperationen, Wegfall des Handels, Vergesellschaftung der Hausarbeit • Jede/r bekommt pro Jahr einen leistungsunabhängigen „Kredit“ • „Preise“ hängen von enthaltener Mühsal und Geist ab
  • 9. 9 Soziale Utopien im Kapitalismus • Pjotr. A. Kropotkin: Die Eroberung des Brotes (1892) „Der Gemeinbesitz an den Arbeitsinstrumenten führt notwendig zum gemeinschaftlichen Genuß der aus gemeinsamer Arbeit stammenden Produkte.“ • Aufheben des Lohnsystems, auch keine „Arbeitsbons“
  • 10. 10 Soziale Utopien im Kapitalismus • Alexander A. Bogdanow: Der rote Planet (1907) „Und der Verbrauch von Produkten ist nicht beschränkt?“ „Nein, jeder nimmt, was er braucht und soviel er möchte.“ „Gibt es denn kein Geld, keine Zeugnisse über die geleisteten Arbeitsstunden oder Ähnliches? Und keine Arbeitspflicht?“ „Nichts dergleichen. Wir leiden keinen Mangel an Arbeitskräften: Die Arbeit ist das natürliche Bedürfnis eines entwickelten, sozial denkenden Menschen, und jede Art maskierten oder offenen Zwangs ist völlig überflüssig.“
  • 11. 11 Soziale Utopien im Kapitalismus • Alexander A. Bogdanow: Der rote Planet (1907) „... solange die Arbeitsverhältnisse insgesamt keine sozialistischen sind, ist kein Sozialismus der Eigentumsverhältnisse möglich.“ • P.S.
  • 12. 12 Soziale Utopien im Kapitalismus • Erci F. Russell: Planet des Ungehorsams (1951) „Die ökonomische Verfassung dieses Planeten scheint auf einer genossenschaftlichen Basis zu stehen; mit Privatunternehmen, einem Kreditwesen, das sich wie im Kindergarten auf Versprechen und Ehrenwort gründet, und mit unverhüllter Bettelei.“ • Arbeitskoordination über „Obs“ (Obligationen): Wer was für einen anderen tut, lädt diesem Obligationen (Verpflichtungen) auf; Mitteilungen darüber per Zettel, aber keine schriftliche Buchführung...
  • 13. 13 Soziale Utopien im Kapitalismus • Ursula Le Guin: Die Enteigneten (1974) „Was ist idealistisch an sozialer Kooperation, gegenseitiger Hilfe, wenn sie die einzige Möglichkeit ist, am Leben zu bleiben?“ • Auf Anarres gilt „Besitztümler“ als Schimpfwort • Verwaltungs- und Managementnetz: verwaltet die Produktion
  • 14. 14 Soziale Utopien im Kapitalismus • Gene Rodenberry: StarTrek „Wir arbeiten, um uns selbst zu verbessern und den Rest der Menschheit“
  • 15. 15 Soziale Utopien im Sozialismus
  • 16. 16 Soziale Utopien im Sozialismus • Eberhardt del´Antonio: Titanus ( 1959): „Aber stellen Sie sich das doch einmal bildlich vor: Ich gehe in einen Laden und hole mir auf einmal zwanzig Anzüge. Sie holen sich nur einen – wie ungerecht!“ Timar lachte. "Aber das können Sie doch schon, Kollege Stafford! Niemand wird Sie hindern, wenn Sie sich zwanzig Anzüge aus dem Lager holen.„ "Was sollte ich damit? Mehr als einen kann ich nicht tragen... “ vgl. http://www.thur.de/philo/sozutopie.htm
  • 17. 17 Soziale Utopien im Sozialismus • Angela und Karlheinz Steinmüller: Andymon (1982) • Geld so unnötig, dass es nicht mal als fehlend erwähnt wird... http://keimform.de/2016/keimformen-auf-andymon/
  • 18. 18 Politische Utopien der Gegenwart • P.M.: Bolo´Bolo (1983) „ Das bolo ersetzt die alte Übereinkunft, die wir Geld nennen.“ “ • bolo`bolo: viele Bolos; Bolo: autonome, autarke Gemeinschaften mit ca. 500 ibus mit ähnlicher Lebensweise und Kultur.
  • 19. 19 Soziale Utopien im Kapitalismus • Charles Stross: Accelerando (2006) Gianni: „Aber seit den 1980er Jahren wäre es tatsächlich schon prinzipiell möglich gewesen, das Problem der Zuteilung von Ressourcen mit Hilfe von Algorithmen und Computern zu lösen - dann hätte man keinen Markt mehr gebraucht.
  • 20. 20 Soziale Utopien im Kapitalismus • Charles Stross: Accelerando (2006) Wirtschaft 2.0: „überlegene, deterministische Algorithmen zur optimierten und wirkungsvollen „Zuweisung von Ressourcen“ • Was wird knapp? Bandbreite... Wofür steht „2.0“? – „als recht vage Kurzbezeichnung für Interaktionen, die sie nicht verstehen“ „Die Menschen sind zu geistig minderbemittelten Nutzern intelligenter Instrumente degradiert.“
  • 21. 21 Soziale Utopien im Sozialismus • Gary Doctorow: Backup (2013) Es gibt keine „woppel-reichen Arschlöcher“ • „Woppels“ (engl.: Whuffie“): „virtuelles Kapital“ - Maß für Wertschätzung und Respekt, das online ermittelt wird • Mensch mit vielen Woppels kann auch viele Menschen dazu bringen, in seinen Projekten mitzuarbeiten... • Organisation der Menschen in Ad-Hoc-Gruppen (mit Zugehörigkeit und Mitentscheidungsgewalt) - basiert „auf spontanen Zweck- oder Projektgemeinschaften“
  • 22. 22 Soziale Utopien im Sozialismus • Gary Doctorow: Backup (2013) „Mein Woppel war so tief gesunken, dass irgendjemand wohl einfach in den Wagen gestiegen und davongebraust war, weil er begriffen hatte, dass es der Allgemeinheit mehr Nutzen bringen würde, wenn er ihn an meiner Stelle fuhr.“ • Menschen mit wenig oder gar ohne Woppel: Abstufung in Bedürfnisbefriedigung • Harter Konkurrenzkampf der Projekte gegeneinander „Man wird uns fertigmachen, wenn wir den Arsch nicht hochkriegen..“
  • 23. 23 ... statt Geld Erste inhaltliche Auswertung: • Weshalb wird kein Geld mehr gebraucht? • Was hat sich im Wesentlichen geändert, damit kein Geld mehr gebraucht wird?
  • 24. 24 ... statt Geld Überfluss Morus: Utopia: • Essen nur gegen Arbeit, mindestens 6 Stunden am Tag. „Ihr seht schon, es gibt nirgends eine Möglichkeit zum Müßiggang, keinen Vorwand zum Faulenzen.“  „Aus solcher Lebensführung des Volkes muß notwendig Überfluß an allen Lebensbedürfnissen folgen, und da dieser Überfluß gleichmäßig allen zugute kommt, ist es ganz natürlich, daß es Arme oder gar Bettler nicht geben kann.“
  • 25. 25 ... statt Geld Verzicht auf ungebremste (materielle) Bedürfnisentwicklung „Das Knappheitsproblem ist [...] nur dann überwindbar, wenn die Produktionssteigerung nicht ständig durch Bedürfnissteigerungen kompensiert wird.“ (Münkler 1997)
  • 26. 26 ... statt Geld Verzicht auf ungebremste (materielle) Bedürfnisentwicklung Morus: „Denn wie sollte man auf den Gedanken kommen, es könnte einer überflüssige Forderungen stellen, der doch sicher ist, daß es ihm nie an etwas fehlen wird?“ Campanella: „Güter werden gering geachtet, denn ein jeder hat, was er braucht.“
  • 27. 27 ... statt Geld Wissenschaft und Technik Bacon: • Institutionelle Absicherung auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse Bogdanow: • Wissenschaftliche Regulierung („wissenschaftlich- statistische Aufgabe“) – Tektologie StarTrek: Replikator Cabet: • Maschinen an Stelle der arbeitenden Menschen
  • 28. 28 ... statt Geld Planung, zentralisierte Regulierung „archistische“ Utopien (Campanella etc.) • als Gegenentwurf zum „Chaos“ der eigenen Zeit „Sage mir, welche Utopien in einem bestimmten Land zu einer bestimmten Zeit geschrieben worden sind, und ich sage Dir, wie, im Gegensatz dazu, die gesellschaftlichen Bedingungen damals dort gewesen sind.“ (Schwendter)  zentrale Hierarchien als Gegenbild zu einer Gesellschaft, „in der es vor Konkurrenz, Chaos, Interessenwidersprüchen, die notwendige Problemlösungen blockieren, nur so wimmelt“
  • 29. 29 ... statt Geld Planung, zentralisierte Regulierung Bogdanow: • Wissenschaftliche Regulierung („wissenschaftlich- statistische Aufgabe“) – Tektologie Bellamy: • Industrie entsprechend militärischer Organisation
  • 30. 30 ... statt Geld Kontrolle Dystopien: Star Trek: • „Landru und die Ewigkeit“, „Die Stunde der Erkenntnis“: „Doch Paradiese gibt es nicht umsonst. Beide Male kontrolliert ein wohlwollender Computer die Szenerie.“ (Steinmüller 1997: 87) „Überwachung und Kontrolle vernichten die Freiheitsperspektiven, die durch die Überwindung des Knappheitsproblems eröffnet worden sind.“ (ebd.)
  • 31. 31 ... statt Geld Dezentralisierung, Reduzierung der Komplexität Morris: • Gegenbild gegen Bellamy: künstlerische Produktion für ansonsten genügsame Bedürfnisse... „Und da es kein Kaufen und Verkaufen gibt, würde es reiner Unsinn sein, Güter ins Blaue hinein zu verfertigen, auf die bloße Möglichkeit hin, daß sie vielleicht gebraucht werden...“
  • 32. 32 ... statt Geld Dezentralisierung, Reduzierung der Komplexität Le Guin: Anarres • Zelluläre Struktur der Siedlungen Russell: • Dezentralisierte landwirtschaftliche Produktion P.M. bolo´bolo etc.
  • 33. 33 ... statt Geld „Neue Menschen“ Owen: • Erziehung, Charakterbildung ermöglichen das Erkennen, „sein persönliches Glück könne nur in dem Maße vergrößert werden, wie er selbst sich tätig bemüht, das Glück seiner Umwelt zu vermehren.“ Bellamy • Mensch sei ursprünglich weder gut noch böse, aber das Gute, d.h. das auf das gemeinsame Wohl aller hin Angelegte, werde durch den Kapitalismus depraviert und erniedrigt (nach Heyer 2006)
  • 34. 34 ... statt Geld „Neue Menschen“ Morris: • sein Entwurf steht und fällt mit der Idee des Neuen Menschen - der Neue Mensch ist dabei Ergebnis der Konstituierung des utopischen Raumes (Heyer 2006) Andymon • Tabula Rasa im Raumschiff... Menschliche Entwicklung ohne Einzwängung und tradierte Vorgaben
  • 35. 35 ... statt Geld „Neue Menschen“ Zwischen welchen Menschen unter welchen Bedingungen muss „vermittelt“ werden? • Isolierte Privatproduzenten/-Konsumenten/-Prosumenten • Oder: gesellschaftliche Individuen ohne Restriktion durch Begrenzung des Zugriffs auf gesellschaftliche Möglichkeiten durch Enteignung...
  • 36. 36 ... statt Geld Anerkennung Doctorow: • „Woppels“ Andymon: • Unmittelbare, konkrete Überzeugungskraft
  • 37. 40 • Weitere Literaturtipps? ... wie weiter? • Differenzierung: Geldbegriffe, Aspekte (Funktionen) des Gelds – in utopischer Literatur • Analyse für „geldfreie“ Utopien: • Welche der Funktionen des Geldes können wegfallen, • Welche Funktionen werden wie anders erfüllt? (Allokation der Ressourcen, Regulierung der Arbeitsteilung...) • Genauere Analyse: welche Voraussetzungen für Verzicht aufs Geld werden herausgearbeitet?