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MAGAZIN. Fokussiert auf die Zukunft von Städten und Regionen.
DPAG Postvertriebsstück A 63005 Entgelt bezahlt EUR 5.20
Innenstadt mit Perspektive
Bedeutsame Veränderungen in unseren Städten
erfordern starke Allianzen. Wohin steuern unsere
Innenstädte und der Handel?
2.2021 www.cimadirekt.de
Customer Journey in die City: Innenstadt aus Kundenperspektive gedacht
Handel und Logistik: Eine Annäherung in 5 Fragen – im Gespräch mit Dr. Jan Röttgers (ECE)
Einzelhandel: Handelsformate, die die Innenstadt der Zukunft gestalten
FACHKONFERENZ MIT BEST PRACTISE BEISPIELEN
AUS DER HANDELSLANDSCHAFT
Trends im Handel | Fankultur | Neue Retailformate autonomes shoppen,
D2C, Marktplätze und digitale Transformation | Lebensmittel Special
PROGRAMM AM 6. OKTOBER:
12.00 bis 18.00 Uhr 2 Storetouren mit u.a. Flughafen
Frankfurt, REWE, Lorey, Galeria Karstadt Kaufhof GKK
18.00 bis 22.00 Uhr Spektakulärer Vorabendevent im neuen Premiumkonzept GKK
mit Vorträgen von Eva Gancarz (CIMA digital) Martin Kremming (CIMA) und Arne
Schultchen (Founder&Creative Lead design for human nature).
PROGRAMM AM 7. OKTOBER:
09.00 bis 12.30 Uhr mit Sebastian Deppe (BBE), Carsten Schemberg (Präsident Netz-
werk Ladenbau), Jürgen Zahn (CEO Knoblauch), Stefan Pagenkemper (CEO PMS), Ale-
xander Meffert (CEO CEDES Lichtfabrik) und einem StartUp Elevator Pitch
13.30 bis 16.30 Uhr mit Ursula Lindl CEO Sagaflor, Martin Bressem (Founder Bla-
enk), Rainer Hartel (Managing Director Ravensburger), Holger Wellner (Founder
Modehaus.de), Sören Gatzweiler (Projektleiter tegut… teo), Peter Obeldobel (CEO
Food&Gastro Galeria Karstadt Kaufhof)
MODERATION:
Nicole Srock.Stanley (CEO Dan Pearlman), Prof. Dr. Rüschen (Campus Heilbronn)
Veranstalter: TeamScio | Pyrmonter Str. 10 | 32839 Steinheim
www.trendforum-retail.de
CIMA Beratung + Management GmbH
Brienner Str. 45
80333 MÜNCHEN
T 089-55 11 81 54
cima.muenchen@cima.de
CIMA Beratung + Management GmbH
Neue Weinsteige 44
70180 STUTTGART
T 0711-6 48 64 61
cima.stuttgart@cima.de
CIMA Beratung + Management GmbH	
Luitpoldstr. 2
91301 FORCHHEIM
T 09191-34 08 92
cima.forchheim@cima.de
CIMA Beratung + Management GmbH	
Goethestr. 2
50858 KÖLN
T 02234-92965 17
cima.koeln@cima.de
CIMA Beratung + Management GmbH
Walter-Heinze-Str. 27
04229 LEIPZIG
T 0341-69 60 30
cima.leipzig@cima.de
CIMA Beratung + Management GmbH	
Spreeufer 2
10178 BERLIN
T 030-214587 16
cima.berlin@cima.de
CIMA Beratung + Management GmbH	
Berliner Allee 12
30175 HANNOVER
T 0511-220079 65
cima.hannover@cima.de
CIMA Beratung + Management GmbH	
Moislinger Allee 2
23558 LÜBECK
T 0451-38 96 80
cima.luebeck@cima.de
cima.digital
c/o CIMA Beratung + Management GmbH	
Taunusanlage 8 / WeWork
60329 FRANKFURT a. M.
cima.frankfurt@cima.de
CIMA Österreich GmbH
Johannesgasse 8
A 4910 RIED IM INNKREIS
T 0043-7752-7 11 17
cima@cima.co.at
CIMA Institut für Regionalwirtschaft GmbH
Berliner Allee 12
30175 HANNOVER
T 0511-22 00 79 50
regionalwirtschaft@cima.de
Liebe Leser*innen,
so ein Schock für unsere Nation,
für mich; die geballte Wucht des
Klimawandels jüngst so bildgewaltig
vor Augen geführt zu bekommen: Die
verheerende Flutkatastrophe in Rhein-
land-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und
Bayern – mit großem menschlichen
Leid, teils komplett zerstörten Infra-
strukturen und tausendfach im Einsatz
befindlichen Rettungskräften.
Das Thema Klima begleitet mich seit
dem Studium; fachlich ist mir die Sach-
lage mehr als bekannt. Dennoch ist es
anders, wenn Verwandte und Freunde
in der Heimat betroffen sein könnten.
Noch nicht mal durch die Pandemie
durch und jetzt auch noch das!
Schlagartig erinnert mich das an ein
Buch des Humanethologen Irenäus
Eibl-Eibesfeldt. Es trägt den Titel „Der
Mensch das riskierte Wesen: Zur Natur-
geschichte menschlicher Unvernunft“.
Präzise arbeitet er heraus, warum erst
etwas Einschneidendes passieren muss,
ehe wir Menschen reagieren. Ein Bei-
spiel: Die Atomkatastrophe und Tragö-
die von Fukushima, die den Ausstieg
aus der Kernenergie bei uns markiert.
Nun ist es mir als Stadtplaner wesens-
fremd in der Vergangenheit zu verhar-
ren. Eher möchte ich mich, nach einer
angemessenen Phase der gebotenen
Anteilnahme, zusammen mit Interes-
sierten auf die Suche nach Lösungen
begeben. Viele existieren bereits; an-
dere müssen geschaffen werden oder
brauchen gänzlich veränderte sozio-
ökonomische Bedingungen. Nicht sel-
ten ist dabei das bisherige Wertesystem
neu zu justieren. Und da schließt sich
der Kreis zur Verhaltensforschung.
Neben technischer Funktionalität und
ökonomischer Umsetzbarkeit, müssen
besonders die Menschen erreicht wer-
den. Oder um im Bild der Flutkata­
strophe zu bleiben, was nützt die bes-
te Warn-App oder gar Rettungskräfte
vor der Tür, wenn die Menschen War­
nungen nicht richtig einordnen? Bitte
nicht falsch verstehen, auch technisch-
organisatorisch ist Vieles zu verbes-
sern, aber die Beantwortung techni-
scher Fragen allein greift aus meiner
Sicht zu kurz. Zumal erschwerend hin-
zu kommt, dass der Klimawandel nur
eine der gegenwärtigen, tiefgreifenden
Veränderungen ist. In meiner Arbeit
sind das vor allem die Mobilitätswen-
de, der Demografische Wandel und die
Digitalisierung, die kaum aus Projekten
wegzudenken sind. Dass dieses Gesamt-
paket in der Vermittlung schnell über-
fordert, muss allen bewusst sein. Über-
tragen Sie gedanklich nur einmal die
Anstrengungen und Erfahrungen der
Impfkampagne auf diese Herausforde-
rungen. Da darf einem schon mulmig
werden.
Wenn Sie mich fragen, sind ortsange-
passte Lösungen zumindest ein zen­
traler Weg zur Akzeptanz. Was in der
Stadt funktioniert, muss nicht der Weg
für den ländlichen Raum sein. Was in
den Wachstumsregionen ein Ansatz ist,
muss in strukturschwachen Gegenden
nicht gleichermaßen gelten. Nicht sel-
ten liegen Lösungsansätze auch an der
Schnittstelle zwischen Stadt und Land.
In einem Konstrukt aus Bundes- und
Landesgesetzgebungen und Förderku-
lissen die vielfach auf EU-Richtlinien be-
ruhen, eine mehr als fordernde Aufgabe.
Daher mein Ansporn für die Zukunft:
Nutzen wir die Erkenntnisse aus der
Wissenschaft zur Gestaltung unserer
Städte und Regionen, nicht nur beim
Klimawandel. Und vergessen wir bit-
te nicht, die Menschen mitzunehmen.
Auch um uns alle weniger zu riskier-
ten Wesen zu machen. Veränderung als
Chance! Treu dem cima-Motto: smart,
partizipativ, nachhaltig.
Mit herzlichen Grüßen
Martin Hellriegel
hellriegel@cima.de
EDITORIAL
Herausgeber
3
3	Editorial
5	Rundschau
STADTENTWICKLUNG
7 Veränderung managen
Über die Zukunft der Innenstädte und die Notwendigkeit
von Allianzen
Eine Reflexion von Geschäftsführer Roland Wölfel (cima)
9	Stadtentwicklungspolitik: Bundesweite
Allianz arrangiert Innenstadtinitiative
stadtimpulse – Erster bundesweit zertifizierter
Best-Practice-Datenpool für Innenstadt,
Handel und städtisches Leben
MARKETING
12	
Customer Journey in die City
Innenstadt aus Kundenperspektive gedacht
von Handelsexperte Martin Kremming (cima)
16	 Zukunft Innenstadt
Vom Citymarketing zum strategischen
Transformationsmanagement
von Michael Metzler, Geschäftsführer Esslinger
Stadtmarketing  Tourismus GmbH
HANDEL
18	 Handel und Logistik
Ist der Boom des Online-Handels nach der
Pandemie reversibel?
Im Expertengespräch Director Logistics  International
Dr. Jan Röttgers (ECE) und Martin Kremming (cima)
21	
Gründungsförderung neu gedacht
Ein Kommentar zu Standort-Business-Wettbewerben
von Michael Seidel (cima)
22 Zeigt her!
Gestern, heute, morgen!?
Handelsformate, die die Innenstadt
der Zukunft gestalten
von Arne Decker (cima)
26 Nah versorgt statt weiter Wege
Über die gezielte Weiterentwicklung örtlicher
Nahversorgungsstrukturen
von Susanne André und Jan Vorholt (cima)
29 Termine/cima.aktuell 
30	cima.persönlich
31 Impressum / Rückspiegel
Foto:
hanohiki
/iStock
4 INHALT
4
Podcast-Reihe bewirbt Leipzig.
Auf Initiative der Leipzig Tourismus und
Marketing (LTM) GmbH entstand eine Pod-
cast-Reihe zum Thema Musikstadt Leip-
zig. Mit der Reihe werden vor allem junge,
musikinteressierte Städtereisende ange-
sprochen. Für die auditive Entdeckung
durch Stadt und Region bilden Paula und
Axel ein Moderatoren-Duo: Axel, gebürti-
ger Leipziger, kennt die Stadt, weiß, was sie
ausmacht. Paula zog zum Studieren nach
Leipzig; ist neugierig. Sie nehmen die Zuhö-
rerschaft mit auf eine Erkundung und liefern
Information und Inspiration für jeden, der
Leipzig besucht. Ihr Spaziergang führt ent-
lang der Leipziger Notenspur, die innerhalb
eines rund fünf Kilometer langen Rundwegs
23 der wichtigsten Wohn- und Wirkungs-
stätten berühmter Komponisten verbindet.
Schau- und Hörplätze sind die Oper Leipzig,
das Mendelssohn-Haus, das Bach-Museum
und das Gewandhaus zu Leipzig. Die Hörer
dürfen sich auf spezielle Einblicke in Räum-
lichkeiten, musikalische Kostproben oder
interessante Gesprächsinhalte mit Akteu-
ren freuen. Die einzelnen Episoden sind auf
der LTM-Webseite hör- sowie auf gängigen
Podcast-Plattformen aufrufbar.
www.leipzig.travel/podcast
Auf die Ohren
Urzeit-Giganten als 3D-Erlebnis in
der Magdeburger Innenstadt
Der Magdeburger Innenstadthandel beglei-
tet den Neustart von Handel und Wandel
im Sommer 2021 mit einer interakti-
ven 3D-Animation. Dabei werden virtu­
elle
Dinosaurier in die reale Umgebung der
Stadt eingebettet. An über 200 Stand­
orten fliegen, laufen, stampfen und brül-
len die Urzeittiere in Originalgröße wie zu
Lebzeiten. Großformatige Fußstapfen auf
den Wegen in der Stadt geben Hinweise
auf den jeweiligen Standort. Werden dann
die darauf befindlichen 3DQR-Codes mit
dem Smartphone oder Tablet gescannt,
erscheinen die Saurier und Innenstadt-
besuchende können sich mit ihnen foto-
grafieren und filmen lassen. Die Aktion
„Dino City Magdeburg“ wird etwa vor
dem Dom, dem Rathaus, im Flora-Park,
Bördepark und in den vier Einkaufscen-
tern der Stadt umgesetzt. Getragen wird
die Aktion durch die IG Innenstadt, den
Hauptsponsor WOBAU Magdeburg und
eine Vielzahl weiterer Partner. Die tech-
nische Umsetzung obliegt einem Mag-
deburger Start-up.
www.city-magdeburg.de
www.dino-city.de
Erster autonom fahrender Kiosk
dreht seine Runden in Köln.
Vodafone und REWE Digital haben Euro-
pas ersten selbstfahrenden Kiosk auf die
Straße gebracht. Ein virtuelles Schienen-
netz und Echtzeit-Mobilfunk halten das
Fahrzeug auf Kurs und geben einen Vor-
geschmack auf den vernetzten Straßen-
verkehr der Zukunft. Ohne Fahrdienst oder
Verkaufskraft rollt das Snack-Mobil in
Schrittgeschwindigkeit durch den Gewer-
bepark Carlswerk, um Passanten und
Büroangestellte zu versorgen und steuert
feste Haltepunkte an. Wo sich das Fahr-
zeug befindet, verrät ein virtueller Routen-
plan in einer App. Wer nicht warten möch-
te, geht dem mobilen Kiosk entgegen und
winkt. Integrierte Kameras und Sensoren
erkennen die Handzeichen und bringen das
Mobil zum Stoppen. Direkt am Fahrzeug
kann dann zwischen Getränken und Snacks
gewählt werden. Bezahlt wird kontaktlos.
Bis Ende September soll das Snack-Mobil
noch getestet und dabei zunächst von
einer Betreuungsperson begleitet werden.
Nach dem Pilot-Einsatz wird entschieden,
ob und wo das auto­
nome Mobil künftig im
Einsatz sein wird.
www.rewe.de
www.vodafone.de
Neuland befahren Eine Riesensache
Foto:
Andreas_Schmidt_leipzig.travel
Foto:
REWE
Fotos:
Interessengemeinschaft
Innenstadt
e. V.
5
RUNDSCHAU
Straßenzüge für kühle Freiräume in
Österreichs Hauptstadt
Wetterextreme wie Hitzewellen werden
immer häufiger. Unter der Hitze leiden
vor allem Menschen in Städten, die keinen
oder wenig öffentlichen Zugang zu Was-
ser oder Grünraum haben. Im Jahr 2020
verwandelte die Stadt Wien, als tempo-
räre Hitzeanpassungs-Maßnahme für den
Sommer, 18 Straßen in „Coole Straßen“:
Mit Sprühnebel, Trinkbrunnen, Pflanzen
und Sitzmöbeln im Schatten sowie Aktivi-
täten. Die Aktion entfaltete Wirkung: Bis zu
fünf Grad weniger konnten in diesen Stra-
ßen verzeichnet werden. In Folge der Akti-
on wurden vier Straßen als „Coole Straßen
Plus“ dauerhaft in klimaangepasste Stra-
ßen umgestaltet. Diese Straßenzüge sind
verkehrsberuhigt: Baumpflanzungen, hel-
lerer Asphalt sowie Schatten- oder Was-
serelemente sorgen für angenehme Tem-
peraturen und Aufenthaltsqualität. Die
Stadt Wien betreibt eine intensive Ver-
kehrsüberwachung und finanziert über
Parkgebühreneinnahmen Maßnahmen zu
nachhaltiger Mobilität. Vor Ort koordinier-
te die Mobilitätsagentur Wien den Ablauf
dieses Projektes.
www.streetlife.wien
www.wien.gv.at
Ein Plus
Interaktive Karte stützt Suche nach
mobilen Arbeitsplätzen.
Seit Coworking Spaces Einzug in Deutsch-
land gehalten haben, sind sie als mo­derner
Arbeitsort kaum noch wegzudenken. Im
Mittelpunkt steht das Teilen von Büros,
Infrastruktur und Know-how. Starke Auf-
merksamkeit erfahren die Themen mobiles
Arbeiten/New Work gegenwärtig ohne-
hin – und dass bei beschäftigten Perso-
nen als auch Unternehmen gleichermaßen.
Auf der Internetplattform Coworking-Map
werden Informationen zur Coworking-
Szene vereint. Die Plattform ist öffentlich
kostenlos zugänglich. Inzwischen gibt es
auf der Karte mehr als 1.500 Einträge, fast
die Hälfte davon sind Coworking Spaces.
Verlinkt wird zur Homepage der einzelnen
Angebote bzw. zu Social-Media-Accounts
Facebook und Instagram. Gelistet werden
zudem Bürogemeinschaften, Workation/
Retreat-Angebote (mit der zusätzlichen
Möglichkeit des temporären Wohnens),
Maker Spaces (mit zusätzlichem Angebot
an Werkstatträumen/-flächen zur tempo-
rären Nutzung) und Innovations-Technik-
und Gründerzentren. Über Filterfunktio-
nen können die Nutzer ihre Suche räumlich
spezifizieren.
www.coworkingmap.de
Reallabor testet Klimastraße
in Koblenz.
In einem gemeinsamen Reallabor testen
die Energieversorgung Mittelrhein (evm)
und das Kompetenzcenter Innovation der
Thüga AG Smart-City-Lösungen für Kob-
lenz. Der Testraum wird in dem viel befah-
renen oberen Teil der Löhrstraße umge-
setzt, die sich in der Stadtmitte befindet.
Mehrere Anwendungen werden ausgetes-
tet, darunter z. B. Laternen­
laden – Auf-
bau von leistungsfähiger Ladeinfrastruktur
für E-Autos an bestehenden Lichtmasten
und Stromleitungen; das Smart Parking
mit Echtzeit-Anzeige freier Parkplätze an
der Straße mithilfe von Overhead- und
Bodensensoren oder die Luftqualität mit
Messung der Emissionswerte durch Um-
weltsensorik. Der Testbetrieb soll für min-
destens 18 Monate laufen. Übergeordne-
tes Ziel des Projektes ist es, Schadstoff­
emissionenmithilfeder unterschiedlichen
Anwendungs­fälle zu reduzieren und somit
die Lebensqualität vor Ort zu verbessern.
Darüber hinaus ermöglicht das Reallabor
Stadtwerken und ihren Kommunen weiter-
gehende Erkenntnisse in der Entwicklung
einer nachhal­
tigen und intelligenten Stadt.
www.thuega.de
Erkenntnis
sichern
Coworking-
Map
Foto:
Stadt
Wien
Foto:
cobaas
–
Coworking
Space
Preetz
Foto:
Peter
Diehl/Thuega
AG
6 RUNDSCHAU
Bilder:
studiostockart/iStock
(Figuren)
·
zaurrahimov/AdobeStock
(Flagge)
Veränderung
managen
ÜBER DIE ZUKUNFT DER INNENSTÄDTE
UND DIE NOTWENDIGKEIT VON ALLIANZEN
Eine Reflexion von Roland Wölfel,
Geschäftsführer der CIMA Beratung + Management GmbH
Kürzlich wurde mir die Ehre zuteil, als Zeitzeuge für das Haus
der Bayerischen Geschichte interviewt zu werden. Im Bereich
Stadtplanung und -entwicklung zu den Themen Innenstadtent-
wicklung und Verödung der Ortskerne in den letzten Jahren und zur
Zukunft unserer Städte. Das erfüllte mich mit Stolz. Doch je mehr
wir über die Entwicklung und einzelnen Epochen zur Rettung der
Innenstädte ins Gespräch kamen, desto mehr wurde klar, wie wich-
tig und erfüllend es ist, sich für das „Herz der Stadt“ einzu­
setzen
und dafür über 30 Jahre zu brennen. Gerade jetzt während der
Pandemie. Jetzt zu erkennen, nach den Diskussionen um die ers-
ten Fußgängerzonen, die ersten Kaufhäuser, Einkaufs- und Fach-
marktzentren und den Online-Handel, dass die Innenstädte wohl
über Jahrzehnte von alledem die größte Resilienz und Anpassungs-
fähigkeit bewiesen haben. Sie sind eben nicht Betriebstyp oder
Assetklasse. Sie sind fundamentaler Bestandteil unserer Lebens­
-
kultur. Schmelztiegel von Innovation und Anker für unsere Gesell-
schaft. Und sie sind es wert, dass sich Allianzen für sie stark
machen und Impulse setzen.
Mitten im Wandel: Über Möglichkeitsräume
Gegenwärtig stellt der Umbruch in unseren Städten alle Innen-
stadtgestaltende vor eine spezielle Herausforderung – denn gleich-
zeitiges Handeln auf verschiedenen Ebenen ist erforderlich: Das
waren die Corona-Sofort-Maßnahmen – etwa Schritte zur digi-
talen Sichtbarkeit oder Solidaritätsaktionen; weiterhin werden
7
STADTENTWICKLUNG
Bild:
studiostockart/iStock
8 STADTENTWICKLUNG
der Übergang sowie der Re-Start der
Innenstadt vorbereitet. Diverse Labore,
Experimente und neue Bündnisse ebenso
wie Investitions- und Förderprogramme,
Gründerwettbewerbe oder Kampagnen
und Events zeugen davon. Und parallel
dazu soll ein langfristiger Strukturwandel
für die Zukunftsstadt der nächsten 10 bis
15 Jahre entwickelt werden. Wie lässt sich
das alles managen? Welche Hilfen nutzen
wirklich? Wie sehen erfolgversprechende
Strate­
gien aus? Was muss der Handel tun,
um sich neu auszurichten? Wie müssen
sich die Städte der Zukunft organisieren?
Nun, in jedem Falle gilt es den geforder-
ten Umbau der Innen­
städte offensiv und
mutig anzugehen! Im Grunde ist dies eine
Aufgabe der gesamten Stadtgesellschaft.
Fest steht, der Einzelhandel verliert seine
dominante,identitätsstiftendeRollefürdie
Zentren, die Handelsflächen in den Innen-
städten werden geringer. Eine Verschie-
bung vom reinen Konsum- zum Erlebnis-,
Freizeit- und Lebensort zeichnet sich ab.
Wir brauchen Treffpunkte, Kommunikati-
onsräume, auch konsumfreie Zonen oder
weniger ökonomische Nutzungen wie
soziale Interaktion, Stadtkultur und Nach-
barschaft, die einen vielseitigen Aufent-
halt in der Innenstadt ermöglichen. Dabei
bleibt das Leitbild der europäischen Stadt
städtebauliche Maxime. Die Innenstadt
muss als Gesamtdestination überzeugen.
Die Stadt der Zukunft ist die Stadt des
Dialoges. Es geht dabei vorder-
gründig um aktuelle Themen
wie Mobilität, Klimawandel
oder Online-Handel. Es
geht aber auch um wei-
tergehende Fragestel-
lungen wie die Rolle von
Kultur und Geschich-
te für die Lebendigkeit
unserer Städte oder
die Offenheit unserer
Gesellschaft für Zuge-
wanderte.
Einige Bundesländer haben bereits Förder­
programme für ihre Zentren aufgesetzt.
Ende 2020 genehmigte die Koalition 25  Mio.
Euro zusätzlich zur Städtebauförderung.
Im Juli 2021 lobte das Bundesministeri-
um des Innern, für Bau und Heimat (BMI)
das Bundesprogramm „Zukunftsfähige
Innenstädte und Zentren“ aus. Städte und
Gemeinden können bis zum 17.09.2021
Projektvorschläge für innovative Konzepte
und Handlungsstrategien zur Stärkung der
Resilienz und Krisenbewältigung einrei-
chen. Es stehen insgesamt 250 Mio. Euro
zur Verfügung.
Allianzen, Strukturen,
institutioneller Aufbau
Wenn Sie mich fragen: Wir haben in der
Regel kein Erkenntnisproblem, sondern
vor allem eine Verwertungsproblem auf-
grund der Vielzahl von Erkenntnissen,
die vielleicht nicht wirklich neu sind, aber
durch Corona noch mal besonders deutlich
werden. Da stellt sich für mich die Frage:
Was braucht es organisatorisch?
Im vergangenen Herbst hat das BMI einen
Beirat Innenstadt gegründet, der maßgeb-
lich an der Innenstadtstrategie der Bun-
desregierung mitgearbeitet hat. Lesen Sie
auf den nachfolgenden Seiten wie es mit
der neuen Initiative stadtimpulse gelungen
ist, eine bisher nie da gewesene gemein-
same Allianz und Plattform zu erfolgrei-
chen Innenstadt-Lösungen ins Leben zu
rufen. Wann hat es das schon einmal gege-
ben, dass sich in wenigen Wochen auf ein
gemeinsames Projekt und ein Ziehen an
einem Strang verständigt werden konn-
te? Die Initiative stärkt den bundesweiten
Wissenstransfer und den Austausch zwi-
schen den Kommunen, sie ist ebenfalls Teil
der Innenstadtstrategie des Bundes. Und
auf lokaler Ebene werden solche Allianzen
ja häufig vom Stadtmarketing und Cityma-
nagement koordiniert, moderiert und vor-
angetrieben.
Wenn jetzt die wesentlichen Akteure
auf Bundesebene an einem Tisch sitzen
und damit eine Abkehr von Einzeliniti­
ativen, interessensgeleiteten Forderungs­
katalogen etc. verbunden ist, haben wir
eine erste, wichtige Etappe erreicht. Ver-
gleichbares muss auch auf Landesebe-
nen und vor Ort geschehen. Nur so wird
es gelingen, den erforderlichen Change-
Prozess in unseren Innenstädten dauer-
haft zu gestalten. Entscheidend ist jedoch,
flächenhaft den Umbau der Innenstädte zu
initiieren.
Ich gehe noch einen Schritt weiter und
sage, die Allianzen für die Innenstadt
müssen mittel- und langfristig noch brei-
ter aufgestellt werden. Wir brauchen auf
Bundes- und Landesebene bzw. auf kom-
munaler Ebene Politik und Verwaltung,
Wirtschaft und Immobilieneigentümer an
einem Tisch. Und müssen auch die Kultur-
schaffenden, die sozialen Einrichtungen,
das Gemeinwesen und Umweltorganisa-
tionen etc. noch stärker einbinden. Das
ebnet den Weg für ein neues Verständnis
deskollaborativenMiteinandersundfüreine
Abkehr vom sektoralen Agieren. Wir müssen
die „Verbands- oder Einzelinteressenbrille“
durch die „Innenstadtbrille“ tauschen! Um
das aufzubauen, braucht es personelle
und finanzielle Ressourcen, Wissen über
geeignete Instrumente und Verfahren und
vor allem Offenheit für ein entsprechendes
Veränderungsmanagement.
Von der Shoppingmeile zu
„unserer Mitte“
Daher blicke ich gespannt auf die nächs-
te Epoche der Innenstadt. Sie steckt vol-
ler Überraschungen! Bleiben wir neugie-
rig, kreativ, kooperativ und hartnäckig!
Wir haben die Chance, breite lokale, wie
auch nationale Allianzen für Innenstäd-
te zu schmieden und die Innenstädte in
die nächste Zeit zu führen. Von der reinen
Shoppingmeile zu „unserer Mitte“, die wir
alle gerne aufsuchen und auf die wir stolz
sind, muss die Devise lauten. Mensch,
Qualität und Nachhaltigkeit werden als
neue Maßstäbe dienen. Nicht zurück zu
alter, sondern auf zu neuer Stärke ist das
Gebot der Stunde!
woelfel@cima.de
Stadtentwicklungspolitik:
Bundesweite Allianz
arrangiert Innenstadtinitiative
STADTIMPULSE – ERSTER BUNDESWEIT ZERTIFIZIERTER BEST-PRACTICE-
DATENPOOL FÜR INNENSTADT, HANDEL UND STÄDTISCHES LEBEN
Wie nie zuvor sind Innenstädte aktuell im Fokus von Politik und
Wirtschaft und damit ein zentrales gemeinsames Anliegen
öffentlicher und privater Akteure in deutschen Städten, Ländern
und des Bundes. Mit Ideen, den Standort Innenstadt wieder attrak-
tiver zu machen, stellte cima-Geschäftsführer Roland Wölfel am
3. Mai 2021 auf dem 14. Bundeskongress Nationale Stadtentwick-
lungspolitik den Best-Practice-Datenpool stadtimpulse für Innen-
stadt, Handel und städtisches Leben einem nationalen Publikum vor.
„Der Projektpool stadtimpulse bietet
eine wertvolle Orientierungshilfe für
den notwendigen Neustart der
Innenstädte nach der Corona-Krise.
Von den Besten lernen ist der Weg,
um schnell selbst zu
den Besten zu gehören.”
Durch die Auswirkungen der Corona-Krise könnten bis zu 120.000
Geschäfte in Deutschland verloren gehen. Das setzt viele Innen-
städte und Ortskerne unter Druck. Um positive Beispiele für gelun-
gene Gestaltung und gute Ideen für Innenstädte transparent zu
machen, haben daher die wichtigsten Verbände und Netzwerke wie
der Handelsverband Deutschland (HDE), der Deutsche Städte- und
Gemeindebund (DStGB), der Deutsche Städtetag (DST), die Bun-
desvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland (bcsd) und
die CIMA Beratung + Management GmbH
stadt­impulse gestartet.
Ideell unterstützen weitere Organisatio-
nen und Verbände wie Aktionskreis City-
und Stadtmarketing Bayern e. 
V. (AKCS),
City-ManagementVerbandOst e. V.(CMVO),
Deutscher Tourismusverband e. 
V. (DTV),
Haus  Grund Deutschland sowie der
Deutsche Verein für Stadtentwicklung und
Handel e. V. (urbanicom) die Initiative.
Eine Co-Finanzierung wird durch private
Unternehmen wie Essert-Illuminationen
AndreasEsserte. K.,HanseatischeBetreu-
ungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH
(HBB), Landmarken AG, Noceanz GmbH
sowie RKW Architektur 
+ 
Rhode Keller-
mannWawrowskyGmbHgeleistet,diesich
mit ihrem Engagement zu den Innen­
städten bekennen.
Hubert Aiwanger, Bayerischer Staatsminister für
Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie
9
STADTENTWICKLUNG
Aufgebaut und entwickelt wurde der
öffentlich zugängliche Ideen-Pool von
Roland Wölfel, der sich seit vielen Jahren
regelmäßig als Impulsgeber in der Innen-
stadt- und Stadtmarketingszene enga-
giert. Für Wölfel tut das Verbreiten erfolg-
reicher rund zertifizierter Ideen not, denn:
„Wir erleben heute quasi die
vierte Welle bedeutsamer
Veränderungen in unseren Städten.
Erst waren es die Fußgängerzonen, die das
Bild veränderten. Dann kamen die meist aus
den Innenstädten ausgelagerten Shopping-
Center und Fachmarktzentren. Heute
bewegt die Frage, wie wir Angebote wieder
,back to the City‘ holen und Antworten auf die
Digitalisierung finden.“
Die Idee von stadtimpulse ist es, hier-
zu Akteuren passgenaue und hilfreiche
In­
spirationen für ihre Aktivitäten vor Ort
zu bieten. Das Portal begrüßt monatlich
neu zertifizierte Projekte. Weitere Kommu-
nen, Wirtschaftsförderungen, der Handel
und Stadtmarketingakteure sind ebenfalls
eingeladen, auch ihre besten Projekte zur
Weiterentwicklung der Stadtzentren einem
bundesweiten Publikum vorzustellen.
Seit einigen Jahren stehen die Innenstädte
unter erhöhtem Wandlungsdruck. Die zu-
nehmenden Umsatzverschiebungen durch
den Online-Handel haben merklich zu Fre-
quenzrückgängen in den Zentren geführt.
„Innenstädte und Ortskerne
müssen angesichts der aktuellen
Herausforderungen als Orte der
Nutzungsvielfalt, der Kommunikation und der
Lebensqualität gestärkt werden. Es gilt, von
guten Beispielen der Innenstadtentwicklung
zu lernen“, sagt Dr. Gerd Landsberg,
Hauptgeschäftsführer des Deutschen
Städte- und Gemeindebundes. Das
sehen nicht nur die Stadtverantwortli-
chen so. Verwaltungen und Wirtschaft
sitzen in einem Boot.
Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des
Spitzenverbands des deutschen Einzel-
handels HDE:
„Innenstadtent-
wicklung kann nur in
kooperativer Gemeinschaft
starker Partner gelingen.
Das eröffnet die Chance,
von guten und bewährten
Lösungen zu profitieren.“
Der Projektpool stadtimpulse böte genau
das, sagen sowohl Genth als auch Dr.
Landsberg. Die anhaltende Pandemie mit
Lockdowns und harten Einschränkungen
verschärft die Lage, sieht auch der Deut-
sche Städtetag. In der Folge sei abzuse-
hen, dass etliche Handelsunternehmen die
Krise nicht überstehen werden.
10 STADTENTWICKLUNG
5
Erster bundesweiter,
zertifizierter Projektpool für
Innenstadt, Handel und
städtisches Leben.
Sie suchen bewährte und geprüfte
Best Practice Lösungen für die
aktuellen und zukünftigen Heraus-
forderungen unserer Innenstädte
und Ortszentren?
• Bündnis führender Fachverbände
und Institutionen
• Kuratierte Auswahl
• Zertifizierung durch Fachjury
in
„Das wird zu sichtbaren Veränderungen bei
der Versorgungsqualität führen. Darüber hinaus
sind die damit verbundenen zunehmenden
Leerstände auch ein städtebauliches Problem.
Die Aufenthaltsqualität und Attraktivität für
die Bürgerinnen und Bürger wird leiden. Die
Dynamik dieser Veränderungen erfordert
das rasche und koordinierte Handeln aller
Innenstadtakteure“, betont Helmut
Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deut-
schen Städtetages.
Eine Chance liegt nach Überzeugung von
HDE, DStGB, DST, bcsd, cima und dem
Bayerischem Wirtschaftsministerium dabei
in der Skalierung erprobter und bewährter
Maßnahmen in den unterschiedlichen Hand-
lungsfeldern der Innenstadtent­
wicklung.
„Es geht nicht darum, die Innenstadt aus dem
Jahr 2010 wiederherzustellen. Es geht vielmehr
um die große Aufgabe, die lebenswerte Stadt
von 2025/30 zu gestalten, so
Jürgen Block, Geschäftsführer der Bundes­
vereinigung City- und Stadtmarketing
Deutschland e. V.
Ein besonderer Dank aller Initiatoren gilt
dem Bayerischen Staatsministerium für
Wirtschaft, Landesentwicklung und Ener-
gie, dass die Anstoßfinanzierung des Pro-
jekts geleistet hat.
Gemeinsam strebt das Bündnis ideeller und finanzieller Förde-
rer an, stadtimpulse als dynamisches Format qualitätsorientiert
weiter­
zuführen und als bundesweite Plattform zu etablieren.
Stadtimpulse ist ein Baustein in der breit angelegten nationalen
Innenstadtstrategie zur Gestaltung resilienter Stadtzentren, die
vom Beirat Innenstadt des Bundesministeriums des Innern, für
Bau und Heimat erarbeitet wurde.
www.bmi.bund.de, www.unsere-stadtimpulse.de
Foto:
Laurence-Chaperon
Foto:
Wieler
11
STADTENTWICKLUNG
www.unsere-stadtimpulse.de
Customer Journey
in die City
INNENSTADT AUS
KUNDENPERSPEKTIVE GEDACHT
Praxisorientiert und theoriegeleitet nachvollzogen
anhand des Marketing-Werkzeugs `Customer Journey´,
von Martin Kremming, Partner und Prokurist,
CIMA Beratung + Management, Hannover
Foto:
hanohiki
/iStock
12 MARKETING
Seit Jahrzehnten wird versucht, Ideen des
Center-Managements auf Innenstädte
zu übertragen. Oft bleibt es beim Versuch.
In der Beratung hören wir diesen Ansatz
immer wieder und winken oft nicht nur
innerlich ab. Wenn Sie mich fragen, stimmte
dieser Weg nie und wird zunehmend absurd.
Denn eine Innenstadt ist kein Center und je
mehr sich die postpandemische Stadt her-
auskristallisieren wird, desto offenkundiger
wird dies. Die Planbarkeit im Nutzungsmix
nimmt ab, Leerstände in Toplagen bis zur
Kaufhausgröße sind vielerorts nicht mehr
zu verbergen, Vertragslaufzeiten in Miet-
verhältnissen werden kürzer, der Handel
zieht sich nicht nur aus den Nebenlagen
zurück. Im Ergebnis kann die Innenstadt
der Zukunft bunter sein als es ein Shop-
ping-Center jemals vorgeben konnte zu
sein. Vorausgesetzt heute werden die rich-
tigen Weichen gestellt.
Aktuell erlebe ich, wie in vielen Städten der
Versuch unternommen wird, über Sofort-
programme Impulse für die Innenstadt-
entwicklung zu geben. Diese Program-
me setzen oft bei Events und bei schnell
umsetzbaren Maßnahmen für den öffent-
lichen Raum an und versuchen sich auch an
den Leerständen, in dem Mietzuschüsse
gewährt und z. T. über Wettbewerbe neue
Nutzerkreise gesucht werden. Nahezu
immer ist das Fazit: Die Expansionslisten
der Filialisten sind längst Vergangenheit;
mit Glück gibt es eine Auswahl aus inno-
vativen Konzepten, die selten allein Einzel-
handel umfassen.
Oft sind es Mischungen aus Handel,
Dienstleistungen und Gastronomie. Ob
diese Programme nachhaltige Verände-
rungen und eine Stärkung der Innenstäd-
te zur Folge haben, bleibt abzuwarten.
Wichtig ist aber, dass etwas passiert. Und
dass Besuchsanlässe für die Kundschaft
geschaffen werden. Zugleich ist es ein
Signal für die Gewerbetreibenden in der
Innenstadt, dass der Standort im Fokus
steht.
Was aber meines Erachtens noch zu sel-
ten passiert und wo möglicherweise jede
Innenstadt etwas von den Shopping-Cen-
tern lernen kann, ist die Innenstädte aus
der Sichtweise und den Bedürfnissen der
Konsumenten zu betrachten. In der Mar-
ketingpraxis besitzt das Thema generell
höchste Relevanz. Ich spreche vom Modell
`Customer Journey´ (Kundenreise), welches
die einzelnen Phasen definiert, die eine Per-
son durchläuft, bevor sie sich für den Kauf
entscheidet und darüber hinaus. Die `Cus-
tomer Journey´ umfasst dabei alle Berüh-
rungspunkte eines Konsumenten mit einer
Marke, einem Produkt oder einer Dienst-
leistung. Dieser Grundgedanke kommt mir
persönlich noch oft zu kurz, wenn es um
Innenstädte geht; nur Teilbereiche davon
haben Einzug in das Stadtmarketing oder
die Corona-Sofortprogramme gehalten.
Aber fangen wir ganz am Anfang an. Las-
sen Sie mich dieses Konstrukt der `Custo-
mer Journey´ auf einen Innenstadtbesuch
potenzieller Kundschaft übertragen. Darf
ich Sie bitten, folgen Sie mir bei meiner
Reise!
Phasen als Interaktions-
bzw. Berührungspunkte
Zunächst muss die Innenstadt (wieder) ins
Bewusstsein der Konsumenten gerückt
werden: Die `Customer Journey´ beginnt
bereits, wenn sich die Kundschaft noch zu
Hause auf dem Sofa befindet. Über Werbe-
maßnahmen, soziale Medien oder Direkt­
ansprache muss es gelingen, den Kunden-
stamm regelmäßig anzusprechen, damit
Besuchsanlässe entstehen. Über digitale
und physische Berührungspunkte muss
ein Bewusstsein für die Stadt geschaffen
werden. Über die Innenstadt muss ständig
über die verschiedenen Kanäle kommuni-
ziert werden, damit sie bei allen Zielgrup-
pen im Gespräch bleibt. Diese Kommu-
nikation sollte über das Stadtmarketing
organisiert werden; gleichwohl spielt die
“Stadtverwaltung” hier eine ebenso wich-
tige Rolle, genau wie jedes einzelne Unter-
nehmen einer Innenstadt. Noch immer fällt
„Die schönsten Momente
meiner Arbeit sind die, wenn sich
etwas vor Ort bewegen lässt.“
Martin Kremming
13
MARKETING
das ÖPNV-Angebot ist, wie durchdacht
das Radwegenetz ist und inwieweit aus­
reichend Fahrradstellplätze für alle Fahr-
radtypen vorliegen, um nur einige Beispie-
le zu nennen.
Haben die Konsumenten den Weg in die
Innenstadt erfolgreich absolviert, folgt
der Aufenthalt in der Innenstadt. Innen-
stadtbesuchende erwarten heute eine
Mischung aus Entertainment, Versorgung,
Bequemlichkeit, Komfort und Service. Hier
muss sich jede Stadt neu justieren, da sich
die Gewichte zwischen Handel, Dienst-
leistungen und Gastronomie verschoben
haben und sich weiter grundlegend ändern
werden. Neue Funktionen kommen man-
cherorts richtigerweise hinzu, wie Freizeit,
Bildung und Kultur. Viele der aktuellen
Sofortprogramme für Innenstädte set-
mir auf, dass zu wenige Innenstadtunter-
nehmen sich gegenseitig in den sozialen
Medien fördern (z. 
B. durchs gegenseitige
Liken). Erst darüber entsteht der Zulauf,
den jedes Unternehmen allein nicht oder
nur mit großem Aufwand generieren kann.
Auch die in der Stadt Wohnenden sollten
einbezogen werden: unzählige, kreative
Mitmachaktionen finden sich auf Insta-
gram oder Facebook als Inspiration.
Die nächste Phase ist die Bewältigung des
Wegs in die Innenstadt, die Mobilität: Die
nun angezogene Kundschaft nutzt unter-
schiedliche Verkehrsmittel und hier kann
sowohl Frustration entstehen (Pkw-Stau,
Parkplatzmangel, ÖPNV funktioniert nicht,
Radwege nicht ausgebaut, keine adäqua-
ten Fahrradabstellplätze, keine barriere-
freien Zugänge etc.), als auch eine gute
Infrastruktur sowie ein guter Service den
Unterschied machen. Einige Innenstädte in
Deutschland sind durch Mobilitätsmaster-
pläne gestärkt worden und der Besuchen-
de wird unterwegs fortwährend smart
gelenkt, informiert und geleitet, immer
öfter auch digital. Andere Innenstädte ste-
hen hier noch ganz am Anfang und sind
in Mobilitätsfragen eher in den neunziger
Jahren und den damaligen Pkw-Stellplatz-
diskussionen stehen geblieben.
Die postpandemischen Innenstädte der
Zukunft werden sich z. B. darin unterschei-
den, ob wirklich barrierefreie Zugänge und
digitale Leitsysteme vorliegen, von wel-
cher Qualität und Vernetzungsintensität
zen daher gerade bei dieser Multifunkti-
onalität an. Ob neues Stadtmobiliar, neue
Events, Begrünungsaktionen, geförderte
Zwischennutzungen in Leerständen – es
gibt kaum etwas, was nicht auf den Listen
steht. Hoffen wir, dass diese notwendigen
Belebungsmaßnahmen nachhaltig positi-
ve Auswirkungen auf unsere Zentren und
Quartiere haben.
Nach dem hoffentlich angenehmen und
erfolgreichen Innenstadtbesuch erfolgt
mit dem Rückweg wieder eine Mobilitäts-
phase, die durch eine geeignete Verab-
schiedungsgeste eingeleitet wird und hof-
fentlich reibungslos digital-analog gelenkt
den Rückweg an den Wohnort ermöglicht.
Auch diese Phase ist wichtig. Schlechte
Leitsysteme etwa können den gesamten
Besuch im Nachhinein ins Negative dre-
INNENSTADT AUS
KUNDENPERSPEKTIVE GEDACHT
Schematische Darstellung einer `Customer Journey´
zur Innenstadt
Online-
schaufenster
Digitale und physische
Berührungspunkte
Online-Auftritt
Radio
PR
Print
Social Media
Wegeführung
Parken
CI in der
Innenstadt
Beschilderung
BEWUSSTSEIN
UND ANREIZE
SCHAFFEN
DER WEG
IN DIE CITY
Erreichbarkeit
und Orientierung
Bequemlichkeit
Mobilität
Erreichbarkeit (digital)
Orientierung
14 MARKETING
WC
Möblierung
Spielplätze
I-Pad Bars
hen, wenn die Kundschaft nur mit Mühe
wieder nach Hause kommt.
Die Kundschaft ist wieder daheim, nun
stehen die Begriffe Loyalität, Vertrau-
en und Kundenbindung im Vordergrund.
Möglichst schnell soll sie zu einem Folge­
besuch in der Innenstadt animiert werden.
Die nächste Shopping-Tour sollte keines-
wegs im Online-Shop enden. Daher ist
jetzt die Arbeit an der Kundin oder dem
Kunden wichtig. Die Innenstadt muss
insgesamt z. 
B. über das Stadtmarke-
ting und entsprechende Kommunikation
(über Bonusprogramme, Stadtgutschei-
ne, Facebook, Instagram etc.) den Kontakt
aufrechterhalten oder sogar die Kunden-
bindung intensivieren. Nur so bleibt die
Innenstadt im Gespräch, Loyalität kann
entstehen. Neben dem Stadtmarketing ist
aber jeder Betriebsinhaber ebenso auf­
gerufen,mitdeneigenenKundeninKontakt
zu bleiben. Insgesamt bleibt festzuhalten,
dass viele Betriebe das nicht schaffen und
vieleStadtmarketing-Organisationendiese
ureigene Aufgabe noch nicht richtig digital
ausspielen. Bei der digitalen Sichtbarkeit,
digitalen Treueprogrammen (z. B. Stadt-
gutscheine) oder personalisierten Ange-
boten stehen viele Innenstädte nach mei-
nem Dafürhalten noch sehr am Anfang,
wenngleich im zweiten Corona-Lockdown
vielerorts enorm nachgeholt wurde.
Dennoch bleibt zu hoffen (und die Zeichen
stehen gut), dass die Begeisterung für
unsere Innenstädte wieder bei Kundinnen
und Kunden geweckt wird. Gerade im Zuge
der momentanen Sonderkonjunktur durch
Förderprogramme plädiere ich dafür, die
Innenstädte wie aufgezeigt entlang des
Modells der `Customer Journey´ laufend
zu überprüfen und zu entwickeln.
Diese Reise gehört auf den Prüfstand und
muss durch entsprechende Maßnahmen
immer weiter optimiert werden. An wel-
chen Punkten kann die Innenstadt posi-
tiv überraschen und wo kann Frustration
vermieden werden? Und in diesem Punkt
kann ein Blick auf die Shopping-Cen-
ter dann durchaus hilfreich sein, da die-
se Sichtweise dort seit Jahren praktiziert
wird. Auch wenn für die Umsetzung in
unseren Innenstädten mitunter ein lan-
ger Atem notwendig sein wird – seit lan-
gem standen die Innenstädte nicht mehr so
im Fokus wie heute. Lassen Sie uns dieses
Momentum für unsere Innenstädte nutzen!
kremming@cima.de
2021
Vertrauen und
Kundenbindung
Social Media
Gutschein
(online)
W-LAN
Personal
Digital Signage
Grünflächen/
Ruhezonen
Beleuchtung
Leitsystem
Sichtbarkeit
Schließfächer
Ladestationen
Verabschiedung
Personalisierte
Angebote
Mailings Kunden-
befragung
Treueprogramm
Newsletter
DIENSTLEISTENDE
SERVICE
ORIENTIERUNG
BEQUEMLICHKEIT
KULTUR
EINZELHANDEL
EINGANG
AUSGANG
GASTRONOMIE
HOTELLERIE
LOYALITÄT
CITY
CITY
Willkommensgeste
und Empfang
„Vielen Dank und
auf Wiedersehen“
Information
Mobilität
Orientierung
AUFENTHALT
15
MARKETING
MICHAEL METZLER
„Jetzt ist die Zeit für Stadtmarketing und kooperative Stadtentwicklung.
Wenn es gelingt, die konstruktiven Partner aus Wirtschaft und Gesellschaft auf
gemeinsame Ziele auszurichten, lässt sich viel Kraft freisetzen. Stadtmarketing
kann Kurator des Wandels in der Wirtschaft und in den Städten sein.“
Zukunft Innenstadt
VOM CITYMARKETING ZUM STRATEGISCHEN
TRANSFORMATIONSMANAGEMENT
von Michael Metzler, Geschäftsführer
Esslinger Stadtmarketing  Tourismus GmbH (EST)
Auch die Innenstadt von Esslingen durchlebt wie alle Städte im
Bundesgebiet seit einigen Jahren einen tiefgreifenden Struk-
turwandel. Mit den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie
beschleunigt sich die kontinuierliche Veränderung der Innenstadt
– vor allem im Einzelhandel weiter.
Die Stadt am Neckar hat die Transformation der Innenstadt als
zentrale Zukunftsaufgabe bewertet. Sukzessive seit 2018 baut
das Stadtmarketing Esslingen ein Transformationsmanagement
auf. Im Jahr 2021 geht die Stadt einen nächsten Schritt und erwei-
tert ihre bisherige Innenstadtförderungsstrategie.
Unterstützungsfonds aufgelegt
Zur finanziellen Entlastung der Gewerbetreibenden sowie flankie-
rend zu ihrem Neustart und um der Kundschaft Anreize für einen
Innenstadtbesuch zu geben, ist im Jahr 2021 ein Unterstützungs-
fonds aufgesetzt worden, dessen Gesamtsumme aller Leistungen
220 Tsd. Euro umfasst. Mehrere Teilstrategien und Handlungs­
felder werden parallel und eng vernetzt bearbeitet: Um bestehen-
de Handelslagen der Innenstadt zu stabilisieren und um negative
Effekte der Pandemie abzumildern, kommen weiterhin etablierte
Instrumente der Innenstadtförderung zum Einsatz (u. 
a. Touris-
musförderung, Initiative MACH ES). Im Marketing werden u. 
a.
räumlich entzerrte Themen- und Aktionswochen durchgeführt, ein
zentraler e-Bike-Lieferservice für die Innenstadt entsteht und
Pop-Up-Stores sowie Zwischennutzungskonzepte in Leerstän-
den erhalten eine finanzielle Förderung. Außerdem wird die Wer-
bekostenumlage für die City-Events erlassen und Eigeninitiativen
der Quartiers- und Straßengemeinschaften gefördert. Die Stadt
Esslingen verzichtet im Jahr 2021 in Höhe von etwa 80 Tsd. Euro
auf Sondernutzungsgebühren für Handel und Gastronomie. Ein
verkaufsfördernder Stadtgutschein kommt künftig zum Einsatz.
Neben diesem kurzfristig wirksamen Unterstützungsfonds ist
16 MARKETING
darüber hinaus eine Strategie erforderlich,
um die Transformation der Innenstadt mit-
tel- und langfristig aktiv zu gestalten.
Transformation gewinnbringend nutzen
Dabei ist es zentral, von dem Gedanken
wegzukommen, dass Transformation ein-
fach geschieht; dass man ihr ausgeliefert
ist. Stattdessen gilt es, ein Mind-Set dafür
zu entwickeln, die Chancen und Möglich-
keiten der Transformation gewinnbringend
einzusetzen – mit Mut für Neues, innova-
tiven Ideen und kraftvollen Impulsen. Ziel
in Esslingen ist es ein gemeinsames Ziel-
Bild für die Innenstadt zu erarbeiten und
mit einem Projekt-Katalog zu hinterle-
gen. Zentrale Frage dabei: Welche Funk-
tionen und Angebote sollte die Innenstadt
aus der Sicht ihrer Nutzer bieten? Dazu ist
ein Innenstadtdialog in Esslingen initiiert
worden, der Ausgangsbasis für Kon-
zepte und Projekte ist, die die Qualität
der Innenstadt sichern und zukünftig
steigern sollen. Verschiedene Forma-
te der Beteiligung werden angewendet.
Neben einer Online-Kundenbefragung,
Innenstadtforen kommen auch Zukunfts-
werkstätten zum Einsatz. Entwickelt und
koordiniert wurde der Prozess vom neu
gegründeten Transformationsteam Innen-
stadt. Die Arbeitsgruppe besteht aus Ver-
tretung von EST, Wirtschaftsförderung, City
Initiative, Handwerkerschaft, IHK, Handels-
verband sowie Mitgliedern der verschiede-
nen Dezernate der Verwaltung. Das Team
arbeitet als operative Einheit im stra-
tegischen Transformationsmanagement.
Es bewertet und konkretisiert Impulse
aus den Dialogformaten, unterstützt und
berät die Innenstadtakteure bei eigenen
Vor­
haben und entwickelt selbst Transfor-
mationsprojekte.
Professionelle Strukturen erforderlich
Wenn man die Herausforderung proak-
tiv angeht, braucht es in den Städten eine
Instanz, die die Transformation der Innen-
stadt managt, eine Strategie, die den Ver-
änderungsprozess umreißt, und eine Struk-
tur, die langfristig trägt. Keine Institution
im Konzern Stadt ist besser dazu geeignet
die Rolle des Transformationsagenten ein-
zunehmen als das Stadtmarketing. Aus der
kooperativen Stadtentwicklung kommend,
verfügt Stadtmarketing über die ganzheit-
liche Denkweise und passgenauen Werk-
zeuge, um die Kommunikation und Mode-
ration des Transformationsprozesses zu
gestalten. Nie war die öffentliche Auf-
merksamkeit größer. Nie bestand mehr
Konsens, dass Innenstädte eine funktiona-
le Neuorientierung und Aufwertung benö-
tigen. Dieser Wandel ist eine der wichtigs-
ten Zukunftsaufgaben, der sich alle Städte
stellen müssen. Weil die Transformation
irreversibel ist, muss sich auch Stadtmar-
keting anpassen. Dabei gibt es gute Grün-
de selbstbewusst voranzugehen. Der Weg
mag steinig sein – die Perspektiven sind
interessant.
mmetzler@esslingen-marketing.de
KONTAKT
Die Esslinger Stadtmarketing 
Tourismus GmbH ist ein Public Private
Partnership Modell, an dem die Stadt
Esslingen am Neckar und verschiedene
private Gesellschafter beteiligt sind.
Die Unternehmensziele werden über
die Geschäftsbereiche Stadtmarketing,
Citymanagement und Tourismus­
marketing umgesetzt.
www.esslingen-marketing.de
Foto:
Altes
Rathaus.
Esslinger
Stadtmarketing

Tourismus
GmbH
17
Die Handelsexperten Martin Kremming (cima) und Dr. Jan Röttgers (ECE)
auf dem Trendforum Retail 2020.
Handel und Logistik
IST DER BOOM DES ONLINE-HANDELS NACH
DER PANDEMIE REVERSIBEL?
Eine Annäherung in 5 Fragen:
Im Expertengespräch
Dr. Jan Röttgers, Director Logistics  International
(ECE Work  Live GmbH  Co.) und
cima-Handelsexperte Martin Kremming
Foto:
Trendforum
Retail
2020
Foto:
ECE
Foto:
Digital
Mall_WerbeflächenQECE
18 HANDEL
KREMMING: Dr. Röttgers, Sie sind seit
fast 20 Jahren in der Projektentwicklung
der ECE tätig. Jahrelang betreuten Sie die
Sparte Shopping-Center. Wir haben uns
dabei kennengelernt. Nun agieren Sie in
einem anderen Themenfeld; aktuell rea-
lisiert die ECE in Deutschland eine Serie
von hochmodernen Logistik-Centern für
den internationalen Handels- und Logis-
tikdienstleister Hermes. Haben Sie als ECE
oder auch persönlich als Geschäftsführer,
rechtzeitig den Wendepunkt von der über-
wiegenden Orientierung aufs stationä-
re Shoppingerlebnis zum Online-Handel
eingeleitet? Welche Rolle spielte dabei die
Pandemie?
DR. RÖTTGERS: Bereits vor der Pande-
mie haben wir entschieden, keine neuen
Shopping-Center mehr zu entwickeln. In
Deutschland ist mit aktuell ca. 500 Shop-
ping-Centern eine gewisse Marktsätti-
gung eingetreten. Wir haben uns daher
als Unternehmen neu aufgestellt und das
Bestandsgeschäft in der ECE-Market-
places gebündelt. Für die Neuentwicklung
von Projekten in den Assetklassen Resi-
dential, Hotel, Office und Logistics haben
wir die ECE Work  Live gegründet. Da
ich leidenschaftlicher Projektentwickler
und offen für neue Herausforderungen
bin, habe ich seit letztem Jahr die Leitung
unseres Bereichs Logistics  International
übernommen. Ohne Frage läuft Logistik
zurzeit sehr gut und durch Corona erfährt
diese Assetklasse eine gewisse Sonder-
konjunktur.
KREMMING: Versanddienstleister haben
während der Corona-Pandemie weiter an
Relevanz gewonnen; der Online-Handel
nochmal stark zugelegt. Was denken Sie,
ist die Dynamik des Online-Handels wie-
der umkehrbar? Sehen Sie die Innenstäd-
te wieder auf ein vorpandemisches Niveau
zurückkehren?
DR. RÖTTGERS: Der Online-Handel ist in
den letzten Jahren gegenüber dem stati-
onären Handel überproportional gewach-
sen. Allein im letzten Jahr hat der Online-
Handel um 23 Prozent auf 73 Mrd. Euro
Umsatz zugelegt. Damit erreicht der
Online-Handel am Gesamteinzelhandels­
umsatz einen Anteil von 16 Prozent. Ich
gehe davon aus, dass diese Entwick-
lung sich nicht mehr zurückdrehen lässt.
Umgekehrt hat der stationäre Handel, der
bereits vor Corona unter Druck war, in den
letzten Monaten erhebliche Umsatzeinbu-
ßen erlebt. Die Innenstädte werden sich
verändern und je nach Stadtstruktur ganz
individuelle Antworten finden müssen.
Man muss Innenstadt neu denken und als
Ort der Begegnung und des Erlebnisses
begreifen. Innenstadt ist mehr als Handel,
nämlich auch Raum für Wohnen, Arbeiten
und Kultur.
KREMMING: Gerade in Städten wird aber
auch das Spannungsfeld deutlich: Das
Sendungsvolumen des Online-Handels
steigt, es gibt mehr Lieferverkehr, aber
immer weniger Platz. Zudem werden die
Rufe nach lebenswertem Raum und Maß-
nahmen zur Klimafreundlichkeit immer
lauter. Wie kommen Sie, das Unterneh-
men Hermes, in diesem Spannungsfeld
zurecht? Was bedeutet das für die zukünf-
tige Logistik?
DR. RÖTTGERS: Ich kann hier nicht für
Hermes sprechen. Allerdings ist das The-
ma Verkehr eine große Herausforderung
für die Städte. Auf der einen Seite muss
die Stadt gut erreichbar sein, sowohl für
Anwohnende als auch Gäste, und auf
der anderen Seite für die Waren. Eben-
so müssen der ÖPNV und Fahrradwege
konsequent ausgebaut werden. Und wir
brauchen kluge Lösungen für den Waren-
verkehr auf der letzten Meile. Wir wollen
mit unseren Shopping-Centern einen Bei-
trag dazu leisten. Für uns spielen Energie-
einsparung und die Nutzung erneuerbarer
Energien eine wichtige Rolle. Mit der Ent-
wicklung der Digital Mall werden wir Liefer-
wege verkürzen und effizienter gestalten.
Wir verstehen unsere Shopping-Center als
Foto:
Brookfield
Properties
19
HANDEL
MicroHubs, aus denen heraus über unse-
re Digital Mall Waren nicht nur vorbestellt
und abgeholt, sondern auch geliefert wer-
den können. Wir müssen also zukünftig
Systeme entwickeln, Ware und Kundschaft
besser zu vernetzen und somit lange Lie-
ferwege zu vermeiden. Das spart Verkeh-
re und schont die Umwelt. Zudem muss
über die Umnutzung vorhandener Flächen
neu nachgedacht werden: Für Kultur, Sport,
Events oder einfach als Orte der Begegnung.
KREMMING: Die Ansprüche an die Han-
delsimmobilien im Allgemeinen und an
Shopping-Center im Speziellen haben sich
in der vergangenen Dekade sehr dyna-
misch verändert; bei Bestandsobjekten
sind Revitalisierungen das Kernthema. Auf
welche Neuerungen steuern Shopping-
Center nach den Lockdowns zu? Welches
ist Ihr Lieblingsprojekt?
DR. RÖTTGERS: Die Shopping-Center
haben sich ja schon in den letzten Jahren
immer wieder den veränderten Anforde­
rungen von Mietparteien und Klientel ange-
passt. Besonders spannend finde ich den
laufenden Umbau der Potsdamer Platz
Arkaden in Berlin. Die Mall aus dem 1998
eröffneten Center wird zu einer Einkaufs-
straße verwandelt – zukünftig weitest­
gehend ohne Rolltreppen und Fußgän-
gerbrücken. Das Gebäude öffnet sich nach
außen und im Umfeld wird kräftig auf-
geräumt, so werden u. 
a. Autos aus dem
öffentlichen Raum innerhalb des Quartiers
verschwinden. Der Eigentümer Brookfield
investiert in die Umgestaltung des Quar-
tiers 200 Mio. Euro.
KREMMING: Herr Dr. Röttgers, bitte noch
ein Schlusswort zu deutschen Innen-
städten nach der Pandemie: Was ist
notwendig, damit die Innenstädte eine
Chance haben zu bekannter Stärke zurück-
zukommen?
DR. RÖTTGERS: Das Beispiel Potsdamer
Platz Arkaden Berlin zeigt, dass man auf
veränderte Rahmenbedingungen Antwor-
ten finden kann. Dafür sind ein klares Kon-
zept, starke Partner und die Bereitschaft
zu investieren erforderlich. Das kann man
auch auf unsere Innenstädte übertragen.
Innenstädte sind mehr als Handel! Sie sind
wichtige Kraftorte für unser Leben. Daher
ist deren Stärkung eine gesellschaftspoli-
tische Aufgabe.
Herzlichen Dank für das aufschlussreiche
Gespräch!
KONTAKT
Dr. Jan Röttgers
E-Mail: Jan.Roettgers@ece.com
www.ece.com
Nach dem Umbau: Visualisierung der Potsdamer Platz Arkaden im Berliner Bezirk Mitte
Foto:
Brookfield
Properties
Gründungsförderung
neu gedacht
EIN KOMMENTAR ZU STANDORT-BUSINESS-WETTBEWERBEN UND
ZUR BEFEUERUNG DER LOKALEN INNOVATIONSKRAFT
von Michael Seidel, Partner und Projektleiter,
CIMA Beratung + Management, München
Welche Innenstadt – ob die einer Klein-, Mittel- oder einer Groß-
stadt – sucht sie nicht? Neue Betriebe mit innovativen, unge-
wöhnlichen, spannenden Konzepten abseits des Bekannten. Gerne
mit Jungunternehmern am Steuer, die ihre Geschäftsideen und -visi-
onen in den Bereichen Einzelhandel, Gastronomie oder Dienstleis-
tung engagiert vertreten und realisieren. Gerne als Crossover-Kon-
zept im Schnittpunkt von stationärem und digitalem Angebot. Die
Rede ist von neuen Geschäftsmodellen mit begeisternden Services,
Showrooming-Ansätzen oder regelmäßigen In-Store-Events.
Und das gibt es nicht nur in Metropolen, Groß- oder Mittelstädten,
sondern auch in den Innenstädten von Orten mit weniger als 20.000
Einwohnern. Es funktioniert! In Bad Reichenhall, Ebermannstadt
oder Krumbach ...
Eine neuartige Existenzgründungs-Förderung in Form eines Stand-
ort-Business-Wettbewerbs macht es möglich. Dabei werden inno-
vative Unternehmenskonzepte gesucht, nach Abschluss einer
Bewerbungsphase durch ein lokales Expertennetzwerk auf Reali-
sierbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Standortverträglichkeit bewertet
und über eine gezielte Realisierungsförderung und Umsetzungs­
betreuung mit Beratungsleistungen prämiert – gesponsort von
einem Expertennetzwerk vor Ort.
Der Innovationscharakter dieser Förderung liegt in der unmittelba-
ren Ansprache von Existenzgründern und bereits aktiven Unterneh-
mern im Rahmen eines maßgeschneiderten Umsetzungskonzeptes,
einem neuartigen Ansatz zur Zusammenarbeit von Kommunalpolitik
und Wirtschaft sowie der Schaffung eines Netzwerkes mit lokalen
und regionalen Geschäftsleuten, die den Gründern von der Idee bis
zur Umsetzung aktiv zur Seite stehen.
Das Spannendste daran ist aus meiner Sicht: Der Hauptfokus die-
ses Standort-Business-Wettbewerbs liegt nicht auf einer direkten
finanziellen Ansiedlungsförderung, sondern auf der Übernahme
von Kosten, welche sich Jungunternehmer bzw. Betriebsgrün-
der in der Startphase nicht leisten können bzw. wollen. Außer-
dem werden direkte Hilfeleistungen und Unterstützungen bereits
während der Ausgestaltung der Unternehmensidee gewährt.
Hinzu kommt die gemeinschaftliche Bewerbung des Wirtschafts-
standortes – online und offline. Denn der Wettbewerb wird über
ein breites Marketing regional bekannt gemacht. So lief der Wett-
bewerb in Ebermannstadt (7.000 Einwohner) unter dem Titel
„Frische Köpfe für die Insel“ und Bad Reichenhall (18.000 Ein-
wohner) fordert „Sei mutig“ (seimutig.bad-reichenhall.de). Die in
den bereits abgeschlossenen Projekten eingereichten Geschäfts­
modelle reichen von der Kultur (z. B. Programmkino) über Hand-
werk (z. B. Individualmöbelfertigung), Dienstleistung (z. B. Podo-
logie-Praxis) und Gastronomie (z. 
B. Kaffeerösterei) bis zum
Einzelhandel (z. B. Handarbeitsbedarf).
seidel@cima.de
21
HANDEL
GESTERN, HEUTE, MORGEN!?
HANDELSFORMATE, DIE DIE INNENSTADT
DER ZUKUNFT GESTALTEN
Zeigt
her!
von Berater Arne Decker,
CIMA Beratung + Management, Hannover
Flagship-Store SchokoWelt der
Alfred Ritter GmbH  Co. KG
auf rd. 1.000 qm auf drei Etagen,
nahe Gendarmenmarkt in Berlin
Foto:
www.ritter-sport.com
22 HANDEL
Ein herrlicher Sonntag Mitte der 1990er
Jahre. Familie Schmidt trifft sich mit
Freunden in der Fußgängerzone ihrer Hei-
matstadt zu einer seinerzeit noch weit
verbreiteten Freizeitaktivität: Dem Schau-
fensterbummel. Auch wenn Hertie, Hor-
ten und die vielen inhabergeführten Mode-
läden am Ruhetag nicht offen sind, die
Schmidts keine Waren in die Hand nehmen
oder anprobieren können, ist das Interesse
an den neuen Kollektionen und Angeboten
doch groß. Und die sorgsam dekorierten
Auslagen und arrangierten Puppen ermög-
lichen allemal einen besseren Eindruck als
die Fotos im Quelle- oder Otto-Katalog.
Der große Cityhandel als Tor zur wei-
ten (Waren-)Welt; eine Tradition, die in
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
begann: Das Aufkommen der Warenhäuser
in Paris und London mit ihrem schier uner-
messlichen Warenangebot. Haushalts-
und Schreibwaren, Mode, Spielzeug, dazu
günstige und feste Preise, Umtauschrecht
und vor allem eine aufwändige Inszenie-
rung, in der sich die Häuser bald gegen-
seitig überboten. So ging es schon vor der
Jahrhundertwende nicht mehr nur darum,
Gebrauchsgüter für viele erschwinglich zu
machen. Vielmehr entstanden luxuriöse
Konsumkathedralen mit Waren aus aller
Welt, die Stadtgespräch, Erlebnisraum
und sozialer Treffpunkt, später auch Archi­
tekturdenkmale und Touristenattraktionen
wurden.
Seitdem ist viel passiert
Massenmotorisierung, Katalog- und Ver-
sandhandel, Suburbanisierung, Einkaufs-
zentren auf der grünen Wiese und so wei-
ter. Die ursprüngliche Idee, Waren aus aller
Welt und alle Dinge des täglichen Bedarfs
unter einem Dach zu vereinen, zieht spä-
testens in Zeiten des 24-Stunden-Online-
Shoppings und Amazon.de mit ca. 600 Mio.
Produkten (inkl. Marketplace) nicht mehr –
weder im Kaufhaus der Innenstadt noch im
SB-Warenhaus am Stadtrand, siehe den
Niedergang der Real-Märkte. Riesenaus-
wahl, einfache Produktsuche, Preisver-
gleiche, alles vom heimischen Sofa oder
von der Bushaltestelle aus, kein Aufsuchen
zahlloser Läden, um am Ende doch mit lee-
ren Händen nach Hause zu fahren. Noch
vor 15 Jahren war der Großteil des Schuh-
handels überzeugt, dass Anziehen und
Probelaufen untrennbar mit dem Laden-
geschäft verbunden sind. Und dann kam
Zalando mit schnellem Gratisversand und
kostenfreien Retouren. Bis heute haben
immer bessere Produktbeschreibungen,
-fotos und -videos, Kundenbewertungen
zu Größe und Passform, Live- und Chat-
Beratung die Vorteile des haptischen
Erlebens und einer (durchschnittlichen)
Beratung im stationären Handel dahin-
schmelzen lassen.
War’s das?
Muss die Innenstadt ohne den Handel aus-
kommen? Müssen Gastronomie, Dienst-
leister, Kunst und Kultur alleinig für Fre-
quenz sorgen, um den sozialen Treffpunkt
und Begegnungsraum Innenstadt am Leben
zu halten? Sicher wird der stationäre Ein-
zelhandel nicht mehr die dominierende
Rolle spielen wie früher, als es noch hieß
„Was der Handel nicht verkauft, muss die
Industrie gar nicht erst produzieren“. Dafür
gibt es heute zu viele Absatzkanäle. Aber
generell hat die Industrie nach wie vor
Interesse daran, ihre Waren an die Frau
und den Mann zu bringen. Dafür sind eine
kundennahe Platzierung und werbewirk-
same Inszenierung ein bewährtes Mittel.
Und wenn der Handel es nicht zufrieden-
stellend hinbekommt, geht man selbst in
die Bütt.
Immer mehr Herstellende von Marken-
produkten werden zu Händlern und ver-
kaufen direkt an Endverbrauchende. Eini-
ge erzielen damit beträchtliche Teile ihres
Umsatzes, z. B. Adidas mit weit über 1.000
Geschäften weltweit; andere beschränken
sich auf wenige Flagship-Stores, wie z. B.
Nivea (seit 2006 in Hamburg und 2009 in
Berlin) oder Ritter Sport (seit 2009 in Ber-
lin), die sich und ihre Produkte inszenieren
und mit Storytelling die Marke erlebbar
machen. Verkaufszahlen vor Ort sind irre-
levant. Und es kommen stets neue Show-
rooms hinzu. Insbesondere für junge oder
internationale Marken, die neu auf dem
deutschen Markt sind, geht es um Steige-
rung des Bekanntheitsgrades und oftmals
um das Vertrauen potenzieller Kundschaft.
Erst im März 2021 hat der im Rahmen
des 5G-Netzausbaus kritisierte chinesische
Quelle:
Creative
Commons
CC0,
Peter
Stürzebecher:
Das
Berliner
Warenhaus.
Berlin
1979,
p.
111.
Kaufhaus Herman Tietz
am Alexanderplatz in Berlin-Mitte,
Lichthof im 2. Erweiterungsbau von 1911
„Für ein weißes T-Shirt oder ein
Paar Tennissocken muss heute
keiner mehr vom Sofa runter.“
Arne Decker
23
HANDEL
Smartphone-Marktführer Huawei nach
Barcelona und Paris seinen dritten euro-
päischen Flagship-Store eröffnet und lässt
in Berlin-Charlottenburg mit seinen Han-
dys, Wearables und sonstigen Internet-of-
Things-Produktenspielen.DieseFlaggschif-
fe und stationären Markenbotschaft-Läden
sind jedoch Mangels Renommee und Fre-
quenz selten außerhalb der Hauptstäd-
te und größeren Metropolen anzutreffen
und schließen keinesfalls die Lücken, die
insolvente Fachgeschäfte aller Orts hin-
terlassen. Für viele Marken reicht zudem
die Produktpalette oder Finanzkraft nicht
für einen eignen Store auf dem Ku‘damm.
Individuelle Präsenz auf der Fläche
An dieser Stelle setzen Concept-Stores
wie VAUND an. Ähnlich wie das kaliforni-
sche Vorbild B8ta machen die Hannovera-
ner den Albtraum des klassischen Einzel-
handels zur Strategie: Beim Showrooming
lässt sich die Klientel im Laden beraten und
kauft dann billiger woanders oder im Inter-
net. Dieser gefürchtete „Beratungsklau“
lässt den Betrieb kalt. Der Store wirkt eher
wie eine Galerie, kein großer Warendruck,
alles sorgsam in Szene gesetzt. Nur rund
170 Produkte auf 750 qm Verkaufsflä-
che finden Verbrauchende seit November
2019 bei VAUND. Showrooming ist aus-
drücklich erwünscht. Retail-as-a-Service
nennt sich das Konzept und bietet her-
stellenden Firmen für einen bestimmten
Zeitraum die Möglichkeit, ihr Produkt im
Corporate Design des Multibrand-Stores
in Hannovers Georgstraße zu inszenieren
und eine besondere Beziehung zu ihrer
Kundschaft entstehen zu lassen. Das Pro-
duktangebot aus den Bereichen Mobilität,
Consumer Electronics, Küche und Haus-
halt sowie Lifestyle wird sorgfältig kura-
tiert und regelmäßig erneuert. Aktuell sind
u. 
a. Firmen wie Bosch, Jura, Teufel und
Rose-Bikes für jeweils sechs oder zwölf
Monate auf der Fläche präsent. Die Stand-
Foto:
cima,
2019
FACHmarkt in Stade:
Für 40 Euro pro Monat können Interessierte
eines von 100 Fächern mieten und
dieses mit eigenen Waren befüllen.
24 HANDEL
orte der Produkte wechseln während die-
ser Laufzeit, um wiederkehrenden Käufern
neue Eindrücke zu vermitteln. Besonderes
Augenmerk wird auf eine hohe Beratungs-
qualität gerichtet. Das geschulte Team
berät zudem ohne Kaufdruck. Anders als
der klassische Handel erwirtschaftet das
Unternehmen seinen Umsatz nicht mit
Produktverkäufen, sondern mit Regalmie-
ten für die Produktpräsentation, Beratung
und Service. Ob anschließend vor Ort oder
online gekauft wird, ist nachrangig.
Das in Zusammenarbeit mit der Agentur
Vaust entwickelte Store-Design ist mitt-
lerweile nicht nur in Hannover zu finden,
sondern auch als Shop-in-Shop-Fläche in
zwei größeren Modehäusern: Engelhorn
in Mannheim (ca. 300.000 EW) lässt nach
Auslaufen des Mietvertrags mit Tesla seit
Oktober 2020 im Erdgeschoss rd. 140  qm
Verkaufsfläche in seiner Accessoires-
Abteilung von VAUND bespielen. Eine ähn-
liche große Fläche in prominenter Lage
hat Lengermann  
Trieschmann (LT) in
Osnabrück (ca. 165.000 EW) im Mai 2021
in seinem Modehaus freigeräumt: Zwi-
schen dem Mode- und Sportbereich kön-
nen Kund*innen nun neue Produkte und
Marken entdecken, ausprobieren und tes-
ten. LT ist laut Geschäftsführer Thomas
Ganter immer auf der Suche nach neuen
Konzepten und wechselnden, spannen-
den Produkten, Marken und Erlebnissen
für ihre Kunden. Das vielbeachtete Sport-
haus mit Surfwelle ist genau wie VAUND
einer der HDE-Stores-of the-Year der letz-
ten Jahre. Showrooming scheint also auch
außerhalb der Metropolen zu funktionie-
ren, als Concept-Store in Hannover (ca.
530.000 EW) oder als Shop-in-Shop in
kleineren Großstädten.
Interessante Ansätze auf
Kleinstadtniveau
Ein Beispiel von vielen ist der sogenannte
„FACHmarkt“ in der Hansestadt Stade (rd.
50.000 EW). Seit Mai 2019 wird kleinen
Unternehmen, Manufakturen und Hobby-
Produzierenden ermöglicht, Lebensmittel
und Handwerkliches inmitten der Altstadt
zu verkaufen. In dem Ladenlokal, das die
Stadt in Kooperation mit dem Deutschen
Roten Kreuz in einem ehemaligen Leer-
stand betreibt, werden in mietbaren, regi-
onaltypischen Apfelkisten aus Holz über-
wiegend heimische Erzeugnisse geboten –
eine Lücke, die das Stadtmarketing schon
länger schließen wollte.
Ebenfalls mit städtischer Unterstüt-
zung ist im niedersächsischen Lohne
(rd. 28.000 EW) ein „Fachmarkt“ als Teil
eines Ladens entstanden, der vom Sozi-
aldienst katholischer Frauen geführt
wird. Hervorgegangen ist das Geschäft
aus dem Gründungswettbewerb, den
das Zentrumsmanagement der cima
gemeinsam mit der Wirtschaftsförde-
rung gestartet hat.
Aber derartige Concept-Stores können
auch aus eigener Kraft erfolgreich sein. Ein
Beispiel ist „promobo“. Als „ProMotion-
Box“ mit der Vermietung von Boxenplät-
zen in stylischen Geschäftslokalen 2009 in
Saarbrücken gestartet, bietet ein Inhaber-
pärchen Sichtbarkeit für frisches Design
und kreative, handgemachte Produkte
aus kleinen Werkstätten. Mittlerweile
gibt es drei Filialen in Berlin, u. a. in den
Hackeschen Höfen und im Bikinihaus –
unweit der großen Flagship-Stores glo-
baler Konzerne.
decker@cima.de
Foto:
www.vaund.de
VAUND-Konzeptstore in Hannover:
Innenansicht
25
HANDEL
KOMPLETTANGEBOT
SB-Warenhaus, asiatischer/türkischer/
arabischer Markt …
Confiserie, Weinhandlung, Käserei …
spez. Facharztangebot, Krankenhaus …
spez. Bildungsangebot (Hochschule) …
spez. Dienstleistungs-
und Gastronomieangebot …
ERWEITERTES ANGEBOT
Supermarkt, Lebensmitteldiscounter …
Biomarkt, Reformhaus, Feinkost,
Wochenmarkt …
Drogeriemarkt …
Facharztangebot (z. B. Gynäkologe,
Zahnarzt) …
weiterführende Schulen …
differenziertes Dienstleistungs-
und Gastronomieangebot …
26
Spätestens seit der Pandemie ist das Schlagwort „Nahversor-
gung“ in aller Munde. Denn Nahversorgungsangebote in Form
von Lebensmittel- und Drogeriemärkten sowie Apotheken ver-
sorgten sogar zu Zeiten der striktesten Lockdowns als sogenann-
te systemrelevante Anbieter die Bevölkerung. Für einen Besuch
im Supermarkt vor Ort nahmen die Menschen langes Anstehen,
Warenengpässe und zwischenzeitlich erhöhte Preise in Kauf. Das
Ergebnis war ein enormes Umsatzplus im Lebensmittel- und Dro-
geriewarenhandel gegenüber dem Jahr 2020 von ca. 20 Mrd. Euro –
eine Steigerung um 11 Prozent. Ein neuer Höchststand war erreicht.
Doch was tun, wenn im eigenen Wohnort oder -umfeld kein
adäquates Angebot (mehr) vorhanden ist? Wenngleich der
Lebensmitteleinzelhandel weiter expandiert, sind bereits seit Jah-
ren vor allem in ländlichen Kommunen Lücken in der Versorgung
sichtbar: Nicht mehr rentable Märkte werden geschlossen; andere
schließen, weil kein Nachfolger gefunden wird. Auch in Mittel- und
Großstädten zeigen sich z. T. ähnliche Tendenzen. Folglich versorgt
sich die Wohnbevölkerung häufig an den nächstgelegenen Han-
delsstandorten im Umland oder in anderen Stadtteilen. Dadurch
entsteht zunehmender Verkehr und die Gewerbesteuer fließt vom
Wohn- an die Nachbarorte ab. Nicht zuletzt steht die Frage im
Raum: Wie versorgt sich der Teil der Bevölkerung, dem kein Pkw
o. ä. für den Einkauf zur Verfügung steht?
Nah versorgt
statt weiter Wege
ÜBER DIE GEZIELTE WEITERENTWICKLUNG
ÖRTLICHER NAHVERSORGUNGSSTRUKTUREN
Von Susanne André und Jan Vorholt,
Projektleitung, CIMA Beratung + Management, München
Die erwartbare Angebotsausstattung und -vielfalt in der
Nahversorgung variiert nach Gemeinde- bzw. Stadtgröße.
Nahversorgung geht deutlich über den Einkauf von Waren hinaus;
auch medizinische Versorgungseinrichtungen sowie
Dienstleistungen und Gastronomie zählen ergänzend dazu.
2021
BASISANGEBOT
moderner Lebensmittelmarkt …
Bäcker, Metzger, Getränkemarkt,
Tankstelle …
Apotheke …
Hausarzt …
Post, Bankautomat, Grundschule, Kirche …
Frisör, Gasthaus …
GRÖSSE DER KOMMUNE
26 HANDEL
Faktoren einer ausgewogenen
Nahversorgungsstruktur
Für die Bewertung und Einordnung einer
ausgewogenen Nahversorgungsstruktur
sind drei Faktoren von entscheidender
Bedeutung, die gleichzeitig übergeordnete
Ziele der Nahversorgungsentwicklung aus
städtischer oder gemeindlicher Sicht dar-
stellen:
Quantität: Das Vorhalten eines flächen-
seitig modernen Angebots an Nahversor-
gung. Prüfkriterien sind u. a. die Verkaufs-
fläche der Lebensmittelmärkte, die Anzahl
der vorhandenen Nahversorger sowie die
Verkaufsflächenausstattung pro Einwoh-
ner oder die Zentralität. Im Bundesdurch-
schnitt kommen auf jeden Einwohner
rd.  0,44 m² Lebensmittelverkaufsfläche.
Qualität: Das Anstreben eines in Abhän-
gigkeit der Stadtgröße möglichst breiten
Betriebstypenmix mit ausreichend großen
sowie attraktiven und serviceorientierten
Einzelbetrieben, digitale Sichtbarkeit und
Auffindbarkeit. Vollsortimenter erschlie-
ßen regelmäßig Verkaufsflächen ab ca.
1.200 m², Discounter bereits ab 800 bzw.
1.000 m².
Räumliche Verteilung: Die Abdeckung
einer fußläufig erreichbaren Nahversor-
gung für möglichst viele Ortsansässige im
Stadt-/ Gemeindegebiet.
In Ergänzung zu „klassischen Formen“
der Versorgungsstrukturen treten v. 
a. im
Handelsbereich seit einigen Jahren inno-
vative Konzepte auf den Markt. Automa-
ten an Hofläden, Selbstbedienungsshops
in Wohngebieten – Angebote, die rund um
die Uhr öffnen. Zudem steigert langsam
auch der Online-Handel mit Lebensmit-
teln seine Marktanteile und on-demand-
Liefer­
konzepte wie bspw. Gorillas, Flink
bereichern die Angebotspalette in Groß-
städten. In vielen Städten erlebt derzeit
der klassische Wochenmarkt eine Renais-
sance. Und Kommunen mit wenig Bevölke-
rung stellen die Nahversorgung häufig auch
über Spe­
zialangebote wie Dorfläden, mobi-
le Nahversorgung oder Bestellplattformen
zumindest ausschnittsweise sicher.
Individuelle Nahversorgungs-
konzepte als Lösung
Bestenfalls nimmt die Nahversorgung
in einer Stadt außerdem die Funktion als
sozialer Treffpunkt und Identifikations-
raum für die Wohnbevölkerung ein. Neben
kommunalen Interessen an der Weiter-
entwicklung der Nahversorgung treten in
diesem Zusammenhang auch Expansions-
abteilungen der Lebensmittelmärkte mit
Entwicklungswünschen an die Kommu-
nen heran. Oftmals sind isolierte Aus-
wirkungsanalysen die einzige Bewer-
tungsgrundlage.
Eine gute Nahversorgungsstruktur wird
i. 
d. 
R. jedoch dort erreicht, wo kommu-
nale und privatwirtschaftliche Interessen
transparent abgewogen werden. Daher
steht fest: Zur gezielten Weiterentwick-
lung der örtlichen Nahversorgung ist die
Erarbeitung eines speziell auf die Situation
vor Ort angepassten Nahversorgungskon-
zeptes unabdingbar.
In Nahversorgungskonzepten kann defi-
niert werden, an welchen Standorten im
Stadt- oder Gemeindegebiet sich die Nah-
versorgung wie entwickeln soll. Nach dem
politischen Beschluss können Nahversor-
gungskonzepte zudem als städtebauliche
Entwicklungskonzepte zur Begründung für
die Bauleitplanung herangezogen werden.
Nicht nur vor dem Hintergrund der Pande-
mie-Erfahrungen und der Systemrelevanz
der Anbieter braucht es eine attraktive
Nahversorgung; auch für die langfristige
Sicherung und Steigerung der Wohnstand-
ortattraktivität sowie Lebensqualität der
Bevölkerung ist dies von hoher Bedeutung.
andre@cima.de; vorholt@cima.de;
WALTER
BLEIMAIER
Bürgermeister,
Gemeinde Inning am Ammersee
„Gute Einkaufs- und Versorgungs-
möglichkeiten werden als Stand-
ortfaktor bei der Wohnstandort-
wahl immer wichtiger. Zudem
gilt es unnötigen Verkehr in die
Nachbarkommunen zu vermeiden.
Als Gemeinde mit hoher Lebens-
qualität haben wir uns zum Ziel
gesetzt, die Versorgung unserer
Bevölkerung durch ein Nahver-
sorgungskonzept begutachten zu
lassen und die Nahversorgung
in Abstimmung mit beteiligten
Akteuren zukunftsfähig, nachhal-
tig und in hoher städtebaulicher
Attraktivität weiterzuentwickeln.“
www.einzelhandel.cima.de
BIld:
Design
Circle/iStock
27
HANDEL
7
cima auf der EXPO REAL
11.-13. Oktober 2021, München
Wir freuen uns, Sie
wieder live auf dem
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begrüßen zu können.
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Nahversorgung von vielen Seiten beleuchten und Lösun-
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seit vielen Jahren bekannt. Unsere bewährte Fachveran-
staltung findet erstmals digital statt.
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reiche Programmpunkte und -formate sowie auf Austausch
und Diskussion im Teilnehmerkreis.
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Markttrends vor allem Themen rund um die Quartiers-
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bedienungsläden und neue Logistikkonzepte zur Lieferung
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06. Oktober 2021
09.30-13.00 Uhr
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28 ANZEIGEN
Woran wir derzeit arbeiten.
29
CIMA.TERMINE cima.aktuell
Polis Convention
Die Messe für Stadt- und
Projektentwicklung
Datum: 5.–16. September 2021
Ort: Düsseldorf, Areal Böhler + Online
Veranstalter: polis Convention GmbH
polis-convention.com
Deutsche Stadtmarketing­-
börse 2021
Datum: 26.–28. September 2021
Ort: Geldern
U. a. mit Dr. Wolfgang Haensch (cima)
als begleitender Experte des
Experience Rooms „Das Stadt­
marketing als Ermöglicher“
Veranstalter: Bundesvereinigung
City- und Stadtmarketing
Deutschland e. V. (bcsd)
stadtoptimisten.de
#GeoWoche2021
Datum: 5.–9. Oktober 2021
Ort: Online-Veranstaltung
Veranstalter: Deutsche Gesellschaft
für Geographie e. V .
geographie.de
Trendforum Retail 2021
Digitale Lösung für den Einzelhandel
U. a. mit Eva Gancarz und Martin
Kremming (cima) im Talk zum Thema
Stadtentwicklung 4.0
Datum: 6.–7. Oktober 2021
Ort: Frankfurt
Veranstalter: TEAMSCIO
trendforum-retail.de
cima.PRAXISFORUM
Gewerbeflächen für die Zukunft
innovativ. nachhaltig. erfolgreich.
06.10.2021 in Leverkusen
20.10.2021 in Augsburg
Januar 2022 in Hamburg
Veranstalter: CIMA Beratung +
Management GmbH
Kontakt/Organisation:
Maja Brunner, brunner@cima.de
Cima.de
Deutscher Tourismustag
Motto: Zukunft des
Deutschlandtourismus
Datum: 19. Oktober 2021
Ort: Berlin und online
Veranstalter: Deutscher
Touris­musverband
deutschertourismusverband.de
Kommunale
12. Bundesweite Fachmesse
und Kongress
Datum: 20.–21. Oktober 2021
Ort: Nürnberg, Messezentrum
Veranstalter: NürnbergMesse GmbH
kommunale.de
Smart Country Convention 2021
Datum: 26.–28. Oktober 2021
Ort: Berlin, hub27
Veranstalter: Digitalverband Bitkom
smartcountry.berlin
Kongress: Stadt  Disruption
Städte im Zeichen von
Kultur- und Wertewandel
Datum: 9.–10. November 2021
Ort: Berlin, Humboldt Forum
Veranstalter: Stiftung
Lebendige Stadt
lebendige-stadt.de
Handelskongress Deutschland 2021
Re-Start Now. Zeit zum Handeln!
Politik, Gesellschaft und Handel
von Morgen.
Datum: 17.–18. November 2021
Format: digital
handelskongress.org
Saarland: „Zukunftskonzept
für den Handel 2030“
Auch der Einzelhandel im Bundesland Saar-
land ist mit enormen Herausforderungen und
Anpassungsprozessen konfrontiert. Gerade
in den kleinen und mittleren Kommunen geht
es darum, die Nahversorgung zu sichern und
den Einzelhandel mit seiner zentrumsbildenden
Funktion zu stärken. Die cima Stuttgart und ibi
research an der Universität Regensburg GmbH
sind vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit,
Energie und Verkehr beauftragt, ein Zukunfts-
konzept für den saarländischen Einzelhandel
zu erarbeiten und eine begleitende Marketing-
kampagne durchzu­
führen. In dem moderierten
Dialogprozess entstehen so richtungsweisende
Handlungsvorschläge sowie konkrete Maß­
nahmen für eine moderne Einzelhandelspolitik
im Bundesland Saarland.
Darmstadt: Gewerbeflächenbedarfs-
analysen in turbulenten Zeiten!?
Ein attraktives und diversifiziertes Angebot an
Wirtschaftsräumen bzw. Gewerbeflächen stellt
einen zentralen Baustein der Standortattrakti-
vität von Städten und Gemeinden dar. Kom-
munen haben die Aufgabe und Herausforde-
rung, sich auch in diesen „turbulenten Zeiten“
mit den Innenentwicklungspotenzialen sowie
den Arrondierungs- und Neuentwicklungs­
potenzialen von Gewerbeflächen auseinander-
zusetzen. Vor diesem Hintergrund analysiert
die cima Stuttgart den mittelfristigen Gewerbe-
flächenbedarf für das Oberzentrum Darmstadt.
Als Planungsinstrument wird die Gap- oder
Lückenanalyse genutzt, um sowohl zu strate-
gischen als auch operativen Ergebnissen des
Gewerbeflächenbedarfs zu gelangen.
Hamburg: Problem- und Potenzialanalyse
für Gewerbe- und Industriefläche
Die Freie und Hansestadt Hamburg verzeichnet
immer knapper werdende Flächenressourcen.
Sowohl die Ausweisung neuer Gewerbe- und
Industrieflächen innerhalb des Siedlungszu-
sammenhanges als auch die Aktivierung von
Flächen im Bestand und eine Nutzungsin-
tensivierung sollen beitragen, die wachsende
Nachfrage zu befriedigen. Als Hamburgs zweit-
größtes Industriegebiet kommt dem Standort
Billbrook/Rothenburgsort in diesem Kontext
eine besondere Rolle zu, da Mängel zurzeit eine
angemessene Entwicklung erschweren. Im Auf-
trag des Bezirksamtes Hamburg-Mitte wurde
die cima am Standort Lübeck beauftragt, eine
Problem- und Potenzialanalyse des Standortes
durchzuführen, um Wege aufzuzeigen, den ver-
festigten städtebaulichen und ordnungsrecht­
lichen Missständen zu begegnen.
Nach Verlassen des Hauses, geht mein
erster Blick am Morgen immer Richtung
Pflanzbeet, um zu sehen, was sich seit
dem Vortag getan hat und welches Gemü-
se erntereif ist. Orientierung gibt der Sai-
sonkalender, der unweigerlich Teil des
Themas Urban-Gardening ist und auch bei
mir in den vergangenen Jahren an Beliebt-
heit gewonnen hat. Die Themen Regio-
nalität, Nachhaltigkeit, Klima sensibilisie-
ren wieder verstärkt für einen bewussten
Umgang mit Lebensmitteln.
Gerade in Bamberg, wo ich lebe und die
Gärtnertradition untrennbar mit der Stadt
und dem Welterbe verbunden ist, begeg-
ne ich dem Thema überall. Beim obligato-
rischen Gang zum Bauernmarkt am Sams-
tag komme ich mit Leuten ins Gespräch und
setze mich automatisch näher mit regiona-
len Lebensmitteln auseinander, aber auch
mit bewusstem und achtsamem Konsum.
Was wächst wann, wo bei uns und welche
alten Sorten gibt es hier vor Ort? Je mehr
ich eintauche, desto mehr Angebote finde
ich. Es gibt z. B. ein jährliches Saatgut-Fes-
tival, das Bewusstsein für alte und samen-
feste Saaten schafft, bei dem Sämereien
getauscht werden. Hierüber bin ich auch
auf die Transition-Bewegung in Bamberg
aufmerksam geworden, die am Stadtrand
einen Selbsterntegarten angelegt hat, auf
dem in gemeinschaftlicher Arbeit gesät,
geerntet und sich ausgetauscht wird. Eine
Initiative, die es in vielen anderen Städten
auch gibt. Da die Plätze sehr begehrt sind,
ich aber direkt Lust verspürte mein eige-
nes Projekt in Angriff zu nehmen, habe ich
kurzerhand im kleinen Stil Zuhause ange-
fangen.
Schon während des Studiums hatte ich
erste kleine Töpfe mit Kräutern auf dem
Fensterbrett gepflanzt – viel Platz gibt es
da bekanntlich nicht. Fast zehn Jahre später
steht heute der halbe Hinterhof unserer neu
bezogenen Wohnung voller Terrakotta-
Töpfe: Tomaten, Gurken, Zucchini, Aubergi-
nen. Und Sie ahnen es, das ist längst nicht
alles. Die Leidenschaft hatte mich einfach
gepackt.
Daneben hatte mein persönliches Urban-
Gardening auch während der Pandemie
mit Homeoffice so einiges Gutes: Als ich im
Mai mit der Aussaat und dem Bepflanzen
der Töpfe anfing, genoss ich es nach einem
Tag am Schreibtisch sehr, mit meinen Hän-
den in der Erde zu wühlen und mein Werk
danach voller Stolz zu begutachten. Seit-
dem komme ich beim morgendlichen und
abendlichen Gießen – praktischerweise mit
Flusswasser aus der angrenzenden Reg-
nitz – mit meinen Nachbarn ins Gespräch,
die ich zuvor nur selten gesehen oder
flüchtig gegrüßt habe.
Auch im Arbeitskontext gibt es mitunter
Projekte, die sich ideal mit meinem priva-
ten Interesse verknüpfen lassen. Da fallen
mir sofort unsere Wochenmarktkonzepte
ein. Seit gut einem Jahr praktizieren wir bei
uns im Büro sogar eine kleine Pflanzen-
tauschbörse. Da keimt direkt der nächste
Gedanke auf: Mit unserer Nachbarschaft
ein Gemeinschaftsprojekt im Hinterhof zu
starten!
Vom Fensterbrett ...
... in den Hinterhof
DANIELA POHL
Beraterin
Seit 2018 bei der cima in Forchheim
Wühlt gern in Erde.
Ein individueller Blick
über den Tellerrand.
pohl@cima.de
30 cima.persönlich
IMPRESSUM RÜCKSPIEGEL
Was cima.direkt-Magazin
vor 15 Jahren berichtete.
Einzelausgaben bestellbar: cimadirekt@cima.de
2/2006
Ganze Landstriche sind
für die Immobilienbran-
che kaum existent. Wäh-
rend deutsche Metropo-
len Champions League
spielen, dürfen die ande-
ren nur zuschauen. Das
daraus resultierende
Problem: Der Begriff der
„gleichwertigen Lebens-
verhältnisse“ beschränkt
sich zunehmend auf
die durch staatliche
Transfers aufgebaute
Infrastruktur, während
die marktgetriebenen
Investitionen ausbleiben
und auf Dauer zur nach-
haltigen Verschlechte-
rung der Lebens- und
Arbeitsverhältnisse in
betroffenen Städten
und Regionen führen.
Mindestens eine ehrli-
che Analyse und darauf
aufbauende realistische
Konzepte erscheinen
angebracht.
von Prof. Dr. Jörn-Axel
Meyer
Standortmarketing
ist nicht neu, doch
der Markt hat sich
grundlegend verändert.
Seit Unternehmen ihre
Investitionen welt-
weit streuen hat der
Wettbewerb erheblich
zugenommen.
Sind da die klassischen
Strategien und Instru-
mente zeitgemäß und
wettbewerbsfähig?
Nicht alle Standorte
müssen umdenken,
doch viele müssen
innovativer werden, um
sich im Wettbewerb der
Standortvorteile zu be-
haupten. Und das wird
nicht mit guten Sachar-
gumenten, sondern nur
mit dem geschickten Zu-
gang zu den Zielgruppen
geschehen müssen.
In immer mehr Regio-
nen werden regionale
Kooperationen und Ab-
stimmungsverfahren ins
Leben gerufen, die sich
mit der Entwicklung des
Einzelhandels befassen.
Aus diesem Grund hat
sich die CIMA im Rah-
men eines regionalen
Einzelhandelsprojektes
nicht nur den Inhal-
ten, sondern auch der
praktischen Umsetzung
des Abstimmungsver-
fahrens gewidmet. In
Zusammenarbeit mit
dem Internetdienst-
leister LabSeven wurde
ein internetgestütz-
tes Abstimmungstool
ent­
wickelt, das die
interkommunale Ab-
stimmung in der Praxis
beschleunigt und verein-
facht.
Un-)gleichwertige
Lebensverhältnisse
Paradigmen­wechsel
im Marketing für
deutsche Standorte
Internetbasierte
Kommunikation für
regionale Modera-
tions- und Abstim-
mungsverfahren
V.i.S.d.P.
Dr. Wolfgang Haensch, cima
Redaktion
Maja Brunner
brunner@cima.de
www.cimadirekt.de
T 0451-38 968 23
Mitarbeit
Susanne André
Arne Decker
Martin Hellriegel
Martin Kremming
Stefan Leuninger
Daniela Pohl
Michael Seidel
Jan Vorholt
Roland Wölfel
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Kössinger AG
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31
IMPRESSUM / RÜCKSPIEGEL
Bestehende Gewerbegebiete geraten zunehmend in den
Fokus von Wirtschaftsförderung, Stadtentwicklung und
privaten Investoren. Ein geringes Angebot an neuen Flä-
chen, die Prinzipien einer nachhaltigen Flächenentwick-
lung und der Erhalt vorhandener Immobilienwerte sind
die treibenden Kräfte. Gleichzeitig erleiden viele Standor-
te Qualitätsverluste. Es besteht Handlungsbedarf, um die
Zukunftsfähigkeit von Gewerbegebieten zu sichern.
Das cima.PRAXISFORUM bietet anhand ausgewähl-
ter Praxisbeispiele einen Einblick in das „WIE“ der
Sicherung und Qualifizierung bestehender Gewer-
begebiete - vom Konzeptansatz bis zur Rolle von
Stadt, Eigentümern und Projektentwicklern. An drei
Tagungsorten berichten Fachleute aus Wissenschaft und
Praxis kompetent über Trends und Entwicklungen.
Gewerbeflächen für die Zukunft
innovativ. nachhaltig. erfolgreich.
PRAXISFORUM
REFERENTEN (Auswahl)
Prof. Dr.-Ing. Thomas Krüger,
HCU HafenCity Universität Hamburg
Dr. Karl Lichtblau, IW-Consult
In moderierten Gesprächsrunden geben Wirtschaftsför-
derer, Planer und Investoren einen Einblick in ihre Praxis-
beispiele und stellen sich der Diskussion. Hierzu gehören:
PRAXISBEISPIELE
Zukunftsstandort Aachen-Nord
neue bahnstadt opladen (Leverkusen)
Gebietsmanagement Augsburg-Ost
Industriestandort 4.0: Gewerbegebiet
Hamburg-Rothenburgsort
Leverkusen
06.10.2021
Augsburg
20.10.2021
Hamburg
Januar 2022
SAVE
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DATES
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ab Mitte
August 2021
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PRAXISFORUM
Kontakt/Organisation: CIMA Beratung + Management, Maja Brunner, brunner@cima.de, T 0451-389 68 23
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Die Innenstadt der Zukunft

  • 1. MAGAZIN. Fokussiert auf die Zukunft von Städten und Regionen. DPAG Postvertriebsstück A 63005 Entgelt bezahlt EUR 5.20 Innenstadt mit Perspektive Bedeutsame Veränderungen in unseren Städten erfordern starke Allianzen. Wohin steuern unsere Innenstädte und der Handel? 2.2021 www.cimadirekt.de Customer Journey in die City: Innenstadt aus Kundenperspektive gedacht Handel und Logistik: Eine Annäherung in 5 Fragen – im Gespräch mit Dr. Jan Röttgers (ECE) Einzelhandel: Handelsformate, die die Innenstadt der Zukunft gestalten
  • 2. FACHKONFERENZ MIT BEST PRACTISE BEISPIELEN AUS DER HANDELSLANDSCHAFT Trends im Handel | Fankultur | Neue Retailformate autonomes shoppen, D2C, Marktplätze und digitale Transformation | Lebensmittel Special PROGRAMM AM 6. OKTOBER: 12.00 bis 18.00 Uhr 2 Storetouren mit u.a. Flughafen Frankfurt, REWE, Lorey, Galeria Karstadt Kaufhof GKK 18.00 bis 22.00 Uhr Spektakulärer Vorabendevent im neuen Premiumkonzept GKK mit Vorträgen von Eva Gancarz (CIMA digital) Martin Kremming (CIMA) und Arne Schultchen (Founder&Creative Lead design for human nature). PROGRAMM AM 7. OKTOBER: 09.00 bis 12.30 Uhr mit Sebastian Deppe (BBE), Carsten Schemberg (Präsident Netz- werk Ladenbau), Jürgen Zahn (CEO Knoblauch), Stefan Pagenkemper (CEO PMS), Ale- xander Meffert (CEO CEDES Lichtfabrik) und einem StartUp Elevator Pitch 13.30 bis 16.30 Uhr mit Ursula Lindl CEO Sagaflor, Martin Bressem (Founder Bla- enk), Rainer Hartel (Managing Director Ravensburger), Holger Wellner (Founder Modehaus.de), Sören Gatzweiler (Projektleiter tegut… teo), Peter Obeldobel (CEO Food&Gastro Galeria Karstadt Kaufhof) MODERATION: Nicole Srock.Stanley (CEO Dan Pearlman), Prof. Dr. Rüschen (Campus Heilbronn) Veranstalter: TeamScio | Pyrmonter Str. 10 | 32839 Steinheim www.trendforum-retail.de
  • 3. CIMA Beratung + Management GmbH Brienner Str. 45 80333 MÜNCHEN T 089-55 11 81 54 cima.muenchen@cima.de CIMA Beratung + Management GmbH Neue Weinsteige 44 70180 STUTTGART T 0711-6 48 64 61 cima.stuttgart@cima.de CIMA Beratung + Management GmbH Luitpoldstr. 2 91301 FORCHHEIM T 09191-34 08 92 cima.forchheim@cima.de CIMA Beratung + Management GmbH Goethestr. 2 50858 KÖLN T 02234-92965 17 cima.koeln@cima.de CIMA Beratung + Management GmbH Walter-Heinze-Str. 27 04229 LEIPZIG T 0341-69 60 30 cima.leipzig@cima.de CIMA Beratung + Management GmbH Spreeufer 2 10178 BERLIN T 030-214587 16 cima.berlin@cima.de CIMA Beratung + Management GmbH Berliner Allee 12 30175 HANNOVER T 0511-220079 65 cima.hannover@cima.de CIMA Beratung + Management GmbH Moislinger Allee 2 23558 LÜBECK T 0451-38 96 80 cima.luebeck@cima.de cima.digital c/o CIMA Beratung + Management GmbH Taunusanlage 8 / WeWork 60329 FRANKFURT a. M. cima.frankfurt@cima.de CIMA Österreich GmbH Johannesgasse 8 A 4910 RIED IM INNKREIS T 0043-7752-7 11 17 cima@cima.co.at CIMA Institut für Regionalwirtschaft GmbH Berliner Allee 12 30175 HANNOVER T 0511-22 00 79 50 regionalwirtschaft@cima.de Liebe Leser*innen, so ein Schock für unsere Nation, für mich; die geballte Wucht des Klimawandels jüngst so bildgewaltig vor Augen geführt zu bekommen: Die verheerende Flutkatastrophe in Rhein- land-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Bayern – mit großem menschlichen Leid, teils komplett zerstörten Infra- strukturen und tausendfach im Einsatz befindlichen Rettungskräften. Das Thema Klima begleitet mich seit dem Studium; fachlich ist mir die Sach- lage mehr als bekannt. Dennoch ist es anders, wenn Verwandte und Freunde in der Heimat betroffen sein könnten. Noch nicht mal durch die Pandemie durch und jetzt auch noch das! Schlagartig erinnert mich das an ein Buch des Humanethologen Irenäus Eibl-Eibesfeldt. Es trägt den Titel „Der Mensch das riskierte Wesen: Zur Natur- geschichte menschlicher Unvernunft“. Präzise arbeitet er heraus, warum erst etwas Einschneidendes passieren muss, ehe wir Menschen reagieren. Ein Bei- spiel: Die Atomkatastrophe und Tragö- die von Fukushima, die den Ausstieg aus der Kernenergie bei uns markiert. Nun ist es mir als Stadtplaner wesens- fremd in der Vergangenheit zu verhar- ren. Eher möchte ich mich, nach einer angemessenen Phase der gebotenen Anteilnahme, zusammen mit Interes- sierten auf die Suche nach Lösungen begeben. Viele existieren bereits; an- dere müssen geschaffen werden oder brauchen gänzlich veränderte sozio- ökonomische Bedingungen. Nicht sel- ten ist dabei das bisherige Wertesystem neu zu justieren. Und da schließt sich der Kreis zur Verhaltensforschung. Neben technischer Funktionalität und ökonomischer Umsetzbarkeit, müssen besonders die Menschen erreicht wer- den. Oder um im Bild der Flutkata­ strophe zu bleiben, was nützt die bes- te Warn-App oder gar Rettungskräfte vor der Tür, wenn die Menschen War­ nungen nicht richtig einordnen? Bitte nicht falsch verstehen, auch technisch- organisatorisch ist Vieles zu verbes- sern, aber die Beantwortung techni- scher Fragen allein greift aus meiner Sicht zu kurz. Zumal erschwerend hin- zu kommt, dass der Klimawandel nur eine der gegenwärtigen, tiefgreifenden Veränderungen ist. In meiner Arbeit sind das vor allem die Mobilitätswen- de, der Demografische Wandel und die Digitalisierung, die kaum aus Projekten wegzudenken sind. Dass dieses Gesamt- paket in der Vermittlung schnell über- fordert, muss allen bewusst sein. Über- tragen Sie gedanklich nur einmal die Anstrengungen und Erfahrungen der Impfkampagne auf diese Herausforde- rungen. Da darf einem schon mulmig werden. Wenn Sie mich fragen, sind ortsange- passte Lösungen zumindest ein zen­ traler Weg zur Akzeptanz. Was in der Stadt funktioniert, muss nicht der Weg für den ländlichen Raum sein. Was in den Wachstumsregionen ein Ansatz ist, muss in strukturschwachen Gegenden nicht gleichermaßen gelten. Nicht sel- ten liegen Lösungsansätze auch an der Schnittstelle zwischen Stadt und Land. In einem Konstrukt aus Bundes- und Landesgesetzgebungen und Förderku- lissen die vielfach auf EU-Richtlinien be- ruhen, eine mehr als fordernde Aufgabe. Daher mein Ansporn für die Zukunft: Nutzen wir die Erkenntnisse aus der Wissenschaft zur Gestaltung unserer Städte und Regionen, nicht nur beim Klimawandel. Und vergessen wir bit- te nicht, die Menschen mitzunehmen. Auch um uns alle weniger zu riskier- ten Wesen zu machen. Veränderung als Chance! Treu dem cima-Motto: smart, partizipativ, nachhaltig. Mit herzlichen Grüßen Martin Hellriegel hellriegel@cima.de EDITORIAL Herausgeber 3
  • 4. 3 Editorial 5 Rundschau STADTENTWICKLUNG 7 Veränderung managen Über die Zukunft der Innenstädte und die Notwendigkeit von Allianzen Eine Reflexion von Geschäftsführer Roland Wölfel (cima) 9 Stadtentwicklungspolitik: Bundesweite Allianz arrangiert Innenstadtinitiative stadtimpulse – Erster bundesweit zertifizierter Best-Practice-Datenpool für Innenstadt, Handel und städtisches Leben MARKETING 12 Customer Journey in die City Innenstadt aus Kundenperspektive gedacht von Handelsexperte Martin Kremming (cima) 16 Zukunft Innenstadt Vom Citymarketing zum strategischen Transformationsmanagement von Michael Metzler, Geschäftsführer Esslinger Stadtmarketing Tourismus GmbH HANDEL 18 Handel und Logistik Ist der Boom des Online-Handels nach der Pandemie reversibel? Im Expertengespräch Director Logistics International Dr. Jan Röttgers (ECE) und Martin Kremming (cima) 21 Gründungsförderung neu gedacht Ein Kommentar zu Standort-Business-Wettbewerben von Michael Seidel (cima) 22 Zeigt her! Gestern, heute, morgen!? Handelsformate, die die Innenstadt der Zukunft gestalten von Arne Decker (cima) 26 Nah versorgt statt weiter Wege Über die gezielte Weiterentwicklung örtlicher Nahversorgungsstrukturen von Susanne André und Jan Vorholt (cima) 29 Termine/cima.aktuell  30 cima.persönlich 31 Impressum / Rückspiegel Foto: hanohiki /iStock 4 INHALT 4
  • 5. Podcast-Reihe bewirbt Leipzig. Auf Initiative der Leipzig Tourismus und Marketing (LTM) GmbH entstand eine Pod- cast-Reihe zum Thema Musikstadt Leip- zig. Mit der Reihe werden vor allem junge, musikinteressierte Städtereisende ange- sprochen. Für die auditive Entdeckung durch Stadt und Region bilden Paula und Axel ein Moderatoren-Duo: Axel, gebürti- ger Leipziger, kennt die Stadt, weiß, was sie ausmacht. Paula zog zum Studieren nach Leipzig; ist neugierig. Sie nehmen die Zuhö- rerschaft mit auf eine Erkundung und liefern Information und Inspiration für jeden, der Leipzig besucht. Ihr Spaziergang führt ent- lang der Leipziger Notenspur, die innerhalb eines rund fünf Kilometer langen Rundwegs 23 der wichtigsten Wohn- und Wirkungs- stätten berühmter Komponisten verbindet. Schau- und Hörplätze sind die Oper Leipzig, das Mendelssohn-Haus, das Bach-Museum und das Gewandhaus zu Leipzig. Die Hörer dürfen sich auf spezielle Einblicke in Räum- lichkeiten, musikalische Kostproben oder interessante Gesprächsinhalte mit Akteu- ren freuen. Die einzelnen Episoden sind auf der LTM-Webseite hör- sowie auf gängigen Podcast-Plattformen aufrufbar. www.leipzig.travel/podcast Auf die Ohren Urzeit-Giganten als 3D-Erlebnis in der Magdeburger Innenstadt Der Magdeburger Innenstadthandel beglei- tet den Neustart von Handel und Wandel im Sommer 2021 mit einer interakti- ven 3D-Animation. Dabei werden virtu­ elle Dinosaurier in die reale Umgebung der Stadt eingebettet. An über 200 Stand­ orten fliegen, laufen, stampfen und brül- len die Urzeittiere in Originalgröße wie zu Lebzeiten. Großformatige Fußstapfen auf den Wegen in der Stadt geben Hinweise auf den jeweiligen Standort. Werden dann die darauf befindlichen 3DQR-Codes mit dem Smartphone oder Tablet gescannt, erscheinen die Saurier und Innenstadt- besuchende können sich mit ihnen foto- grafieren und filmen lassen. Die Aktion „Dino City Magdeburg“ wird etwa vor dem Dom, dem Rathaus, im Flora-Park, Bördepark und in den vier Einkaufscen- tern der Stadt umgesetzt. Getragen wird die Aktion durch die IG Innenstadt, den Hauptsponsor WOBAU Magdeburg und eine Vielzahl weiterer Partner. Die tech- nische Umsetzung obliegt einem Mag- deburger Start-up. www.city-magdeburg.de www.dino-city.de Erster autonom fahrender Kiosk dreht seine Runden in Köln. Vodafone und REWE Digital haben Euro- pas ersten selbstfahrenden Kiosk auf die Straße gebracht. Ein virtuelles Schienen- netz und Echtzeit-Mobilfunk halten das Fahrzeug auf Kurs und geben einen Vor- geschmack auf den vernetzten Straßen- verkehr der Zukunft. Ohne Fahrdienst oder Verkaufskraft rollt das Snack-Mobil in Schrittgeschwindigkeit durch den Gewer- bepark Carlswerk, um Passanten und Büroangestellte zu versorgen und steuert feste Haltepunkte an. Wo sich das Fahr- zeug befindet, verrät ein virtueller Routen- plan in einer App. Wer nicht warten möch- te, geht dem mobilen Kiosk entgegen und winkt. Integrierte Kameras und Sensoren erkennen die Handzeichen und bringen das Mobil zum Stoppen. Direkt am Fahrzeug kann dann zwischen Getränken und Snacks gewählt werden. Bezahlt wird kontaktlos. Bis Ende September soll das Snack-Mobil noch getestet und dabei zunächst von einer Betreuungsperson begleitet werden. Nach dem Pilot-Einsatz wird entschieden, ob und wo das auto­ nome Mobil künftig im Einsatz sein wird. www.rewe.de www.vodafone.de Neuland befahren Eine Riesensache Foto: Andreas_Schmidt_leipzig.travel Foto: REWE Fotos: Interessengemeinschaft Innenstadt e. V. 5 RUNDSCHAU
  • 6. Straßenzüge für kühle Freiräume in Österreichs Hauptstadt Wetterextreme wie Hitzewellen werden immer häufiger. Unter der Hitze leiden vor allem Menschen in Städten, die keinen oder wenig öffentlichen Zugang zu Was- ser oder Grünraum haben. Im Jahr 2020 verwandelte die Stadt Wien, als tempo- räre Hitzeanpassungs-Maßnahme für den Sommer, 18 Straßen in „Coole Straßen“: Mit Sprühnebel, Trinkbrunnen, Pflanzen und Sitzmöbeln im Schatten sowie Aktivi- täten. Die Aktion entfaltete Wirkung: Bis zu fünf Grad weniger konnten in diesen Stra- ßen verzeichnet werden. In Folge der Akti- on wurden vier Straßen als „Coole Straßen Plus“ dauerhaft in klimaangepasste Stra- ßen umgestaltet. Diese Straßenzüge sind verkehrsberuhigt: Baumpflanzungen, hel- lerer Asphalt sowie Schatten- oder Was- serelemente sorgen für angenehme Tem- peraturen und Aufenthaltsqualität. Die Stadt Wien betreibt eine intensive Ver- kehrsüberwachung und finanziert über Parkgebühreneinnahmen Maßnahmen zu nachhaltiger Mobilität. Vor Ort koordinier- te die Mobilitätsagentur Wien den Ablauf dieses Projektes. www.streetlife.wien www.wien.gv.at Ein Plus Interaktive Karte stützt Suche nach mobilen Arbeitsplätzen. Seit Coworking Spaces Einzug in Deutsch- land gehalten haben, sind sie als mo­derner Arbeitsort kaum noch wegzudenken. Im Mittelpunkt steht das Teilen von Büros, Infrastruktur und Know-how. Starke Auf- merksamkeit erfahren die Themen mobiles Arbeiten/New Work gegenwärtig ohne- hin – und dass bei beschäftigten Perso- nen als auch Unternehmen gleichermaßen. Auf der Internetplattform Coworking-Map werden Informationen zur Coworking- Szene vereint. Die Plattform ist öffentlich kostenlos zugänglich. Inzwischen gibt es auf der Karte mehr als 1.500 Einträge, fast die Hälfte davon sind Coworking Spaces. Verlinkt wird zur Homepage der einzelnen Angebote bzw. zu Social-Media-Accounts Facebook und Instagram. Gelistet werden zudem Bürogemeinschaften, Workation/ Retreat-Angebote (mit der zusätzlichen Möglichkeit des temporären Wohnens), Maker Spaces (mit zusätzlichem Angebot an Werkstatträumen/-flächen zur tempo- rären Nutzung) und Innovations-Technik- und Gründerzentren. Über Filterfunktio- nen können die Nutzer ihre Suche räumlich spezifizieren. www.coworkingmap.de Reallabor testet Klimastraße in Koblenz. In einem gemeinsamen Reallabor testen die Energieversorgung Mittelrhein (evm) und das Kompetenzcenter Innovation der Thüga AG Smart-City-Lösungen für Kob- lenz. Der Testraum wird in dem viel befah- renen oberen Teil der Löhrstraße umge- setzt, die sich in der Stadtmitte befindet. Mehrere Anwendungen werden ausgetes- tet, darunter z. B. Laternen­ laden – Auf- bau von leistungsfähiger Ladeinfrastruktur für E-Autos an bestehenden Lichtmasten und Stromleitungen; das Smart Parking mit Echtzeit-Anzeige freier Parkplätze an der Straße mithilfe von Overhead- und Bodensensoren oder die Luftqualität mit Messung der Emissionswerte durch Um- weltsensorik. Der Testbetrieb soll für min- destens 18 Monate laufen. Übergeordne- tes Ziel des Projektes ist es, Schadstoff­ emissionenmithilfeder unterschiedlichen Anwendungs­fälle zu reduzieren und somit die Lebensqualität vor Ort zu verbessern. Darüber hinaus ermöglicht das Reallabor Stadtwerken und ihren Kommunen weiter- gehende Erkenntnisse in der Entwicklung einer nachhal­ tigen und intelligenten Stadt. www.thuega.de Erkenntnis sichern Coworking- Map Foto: Stadt Wien Foto: cobaas – Coworking Space Preetz Foto: Peter Diehl/Thuega AG 6 RUNDSCHAU
  • 7. Bilder: studiostockart/iStock (Figuren) · zaurrahimov/AdobeStock (Flagge) Veränderung managen ÜBER DIE ZUKUNFT DER INNENSTÄDTE UND DIE NOTWENDIGKEIT VON ALLIANZEN Eine Reflexion von Roland Wölfel, Geschäftsführer der CIMA Beratung + Management GmbH Kürzlich wurde mir die Ehre zuteil, als Zeitzeuge für das Haus der Bayerischen Geschichte interviewt zu werden. Im Bereich Stadtplanung und -entwicklung zu den Themen Innenstadtent- wicklung und Verödung der Ortskerne in den letzten Jahren und zur Zukunft unserer Städte. Das erfüllte mich mit Stolz. Doch je mehr wir über die Entwicklung und einzelnen Epochen zur Rettung der Innenstädte ins Gespräch kamen, desto mehr wurde klar, wie wich- tig und erfüllend es ist, sich für das „Herz der Stadt“ einzu­ setzen und dafür über 30 Jahre zu brennen. Gerade jetzt während der Pandemie. Jetzt zu erkennen, nach den Diskussionen um die ers- ten Fußgängerzonen, die ersten Kaufhäuser, Einkaufs- und Fach- marktzentren und den Online-Handel, dass die Innenstädte wohl über Jahrzehnte von alledem die größte Resilienz und Anpassungs- fähigkeit bewiesen haben. Sie sind eben nicht Betriebstyp oder Assetklasse. Sie sind fundamentaler Bestandteil unserer Lebens­ - kultur. Schmelztiegel von Innovation und Anker für unsere Gesell- schaft. Und sie sind es wert, dass sich Allianzen für sie stark machen und Impulse setzen. Mitten im Wandel: Über Möglichkeitsräume Gegenwärtig stellt der Umbruch in unseren Städten alle Innen- stadtgestaltende vor eine spezielle Herausforderung – denn gleich- zeitiges Handeln auf verschiedenen Ebenen ist erforderlich: Das waren die Corona-Sofort-Maßnahmen – etwa Schritte zur digi- talen Sichtbarkeit oder Solidaritätsaktionen; weiterhin werden 7 STADTENTWICKLUNG
  • 8. Bild: studiostockart/iStock 8 STADTENTWICKLUNG der Übergang sowie der Re-Start der Innenstadt vorbereitet. Diverse Labore, Experimente und neue Bündnisse ebenso wie Investitions- und Förderprogramme, Gründerwettbewerbe oder Kampagnen und Events zeugen davon. Und parallel dazu soll ein langfristiger Strukturwandel für die Zukunftsstadt der nächsten 10 bis 15 Jahre entwickelt werden. Wie lässt sich das alles managen? Welche Hilfen nutzen wirklich? Wie sehen erfolgversprechende Strate­ gien aus? Was muss der Handel tun, um sich neu auszurichten? Wie müssen sich die Städte der Zukunft organisieren? Nun, in jedem Falle gilt es den geforder- ten Umbau der Innen­ städte offensiv und mutig anzugehen! Im Grunde ist dies eine Aufgabe der gesamten Stadtgesellschaft. Fest steht, der Einzelhandel verliert seine dominante,identitätsstiftendeRollefürdie Zentren, die Handelsflächen in den Innen- städten werden geringer. Eine Verschie- bung vom reinen Konsum- zum Erlebnis-, Freizeit- und Lebensort zeichnet sich ab. Wir brauchen Treffpunkte, Kommunikati- onsräume, auch konsumfreie Zonen oder weniger ökonomische Nutzungen wie soziale Interaktion, Stadtkultur und Nach- barschaft, die einen vielseitigen Aufent- halt in der Innenstadt ermöglichen. Dabei bleibt das Leitbild der europäischen Stadt städtebauliche Maxime. Die Innenstadt muss als Gesamtdestination überzeugen. Die Stadt der Zukunft ist die Stadt des Dialoges. Es geht dabei vorder- gründig um aktuelle Themen wie Mobilität, Klimawandel oder Online-Handel. Es geht aber auch um wei- tergehende Fragestel- lungen wie die Rolle von Kultur und Geschich- te für die Lebendigkeit unserer Städte oder die Offenheit unserer Gesellschaft für Zuge- wanderte. Einige Bundesländer haben bereits Förder­ programme für ihre Zentren aufgesetzt. Ende 2020 genehmigte die Koalition 25  Mio. Euro zusätzlich zur Städtebauförderung. Im Juli 2021 lobte das Bundesministeri- um des Innern, für Bau und Heimat (BMI) das Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ aus. Städte und Gemeinden können bis zum 17.09.2021 Projektvorschläge für innovative Konzepte und Handlungsstrategien zur Stärkung der Resilienz und Krisenbewältigung einrei- chen. Es stehen insgesamt 250 Mio. Euro zur Verfügung. Allianzen, Strukturen, institutioneller Aufbau Wenn Sie mich fragen: Wir haben in der Regel kein Erkenntnisproblem, sondern vor allem eine Verwertungsproblem auf- grund der Vielzahl von Erkenntnissen, die vielleicht nicht wirklich neu sind, aber durch Corona noch mal besonders deutlich werden. Da stellt sich für mich die Frage: Was braucht es organisatorisch? Im vergangenen Herbst hat das BMI einen Beirat Innenstadt gegründet, der maßgeb- lich an der Innenstadtstrategie der Bun- desregierung mitgearbeitet hat. Lesen Sie auf den nachfolgenden Seiten wie es mit der neuen Initiative stadtimpulse gelungen ist, eine bisher nie da gewesene gemein- same Allianz und Plattform zu erfolgrei- chen Innenstadt-Lösungen ins Leben zu rufen. Wann hat es das schon einmal gege- ben, dass sich in wenigen Wochen auf ein gemeinsames Projekt und ein Ziehen an einem Strang verständigt werden konn- te? Die Initiative stärkt den bundesweiten Wissenstransfer und den Austausch zwi- schen den Kommunen, sie ist ebenfalls Teil der Innenstadtstrategie des Bundes. Und auf lokaler Ebene werden solche Allianzen ja häufig vom Stadtmarketing und Cityma- nagement koordiniert, moderiert und vor- angetrieben. Wenn jetzt die wesentlichen Akteure auf Bundesebene an einem Tisch sitzen und damit eine Abkehr von Einzeliniti­ ativen, interessensgeleiteten Forderungs­ katalogen etc. verbunden ist, haben wir eine erste, wichtige Etappe erreicht. Ver- gleichbares muss auch auf Landesebe- nen und vor Ort geschehen. Nur so wird es gelingen, den erforderlichen Change- Prozess in unseren Innenstädten dauer- haft zu gestalten. Entscheidend ist jedoch, flächenhaft den Umbau der Innenstädte zu initiieren. Ich gehe noch einen Schritt weiter und sage, die Allianzen für die Innenstadt müssen mittel- und langfristig noch brei- ter aufgestellt werden. Wir brauchen auf Bundes- und Landesebene bzw. auf kom- munaler Ebene Politik und Verwaltung, Wirtschaft und Immobilieneigentümer an einem Tisch. Und müssen auch die Kultur- schaffenden, die sozialen Einrichtungen, das Gemeinwesen und Umweltorganisa- tionen etc. noch stärker einbinden. Das ebnet den Weg für ein neues Verständnis deskollaborativenMiteinandersundfüreine Abkehr vom sektoralen Agieren. Wir müssen die „Verbands- oder Einzelinteressenbrille“ durch die „Innenstadtbrille“ tauschen! Um das aufzubauen, braucht es personelle und finanzielle Ressourcen, Wissen über geeignete Instrumente und Verfahren und vor allem Offenheit für ein entsprechendes Veränderungsmanagement. Von der Shoppingmeile zu „unserer Mitte“ Daher blicke ich gespannt auf die nächs- te Epoche der Innenstadt. Sie steckt vol- ler Überraschungen! Bleiben wir neugie- rig, kreativ, kooperativ und hartnäckig! Wir haben die Chance, breite lokale, wie auch nationale Allianzen für Innenstäd- te zu schmieden und die Innenstädte in die nächste Zeit zu führen. Von der reinen Shoppingmeile zu „unserer Mitte“, die wir alle gerne aufsuchen und auf die wir stolz sind, muss die Devise lauten. Mensch, Qualität und Nachhaltigkeit werden als neue Maßstäbe dienen. Nicht zurück zu alter, sondern auf zu neuer Stärke ist das Gebot der Stunde! woelfel@cima.de
  • 9. Stadtentwicklungspolitik: Bundesweite Allianz arrangiert Innenstadtinitiative STADTIMPULSE – ERSTER BUNDESWEIT ZERTIFIZIERTER BEST-PRACTICE- DATENPOOL FÜR INNENSTADT, HANDEL UND STÄDTISCHES LEBEN Wie nie zuvor sind Innenstädte aktuell im Fokus von Politik und Wirtschaft und damit ein zentrales gemeinsames Anliegen öffentlicher und privater Akteure in deutschen Städten, Ländern und des Bundes. Mit Ideen, den Standort Innenstadt wieder attrak- tiver zu machen, stellte cima-Geschäftsführer Roland Wölfel am 3. Mai 2021 auf dem 14. Bundeskongress Nationale Stadtentwick- lungspolitik den Best-Practice-Datenpool stadtimpulse für Innen- stadt, Handel und städtisches Leben einem nationalen Publikum vor. „Der Projektpool stadtimpulse bietet eine wertvolle Orientierungshilfe für den notwendigen Neustart der Innenstädte nach der Corona-Krise. Von den Besten lernen ist der Weg, um schnell selbst zu den Besten zu gehören.” Durch die Auswirkungen der Corona-Krise könnten bis zu 120.000 Geschäfte in Deutschland verloren gehen. Das setzt viele Innen- städte und Ortskerne unter Druck. Um positive Beispiele für gelun- gene Gestaltung und gute Ideen für Innenstädte transparent zu machen, haben daher die wichtigsten Verbände und Netzwerke wie der Handelsverband Deutschland (HDE), der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB), der Deutsche Städtetag (DST), die Bun- desvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland (bcsd) und die CIMA Beratung + Management GmbH stadt­impulse gestartet. Ideell unterstützen weitere Organisatio- nen und Verbände wie Aktionskreis City- und Stadtmarketing Bayern e.  V. (AKCS), City-ManagementVerbandOst e. V.(CMVO), Deutscher Tourismusverband e.  V. (DTV), Haus Grund Deutschland sowie der Deutsche Verein für Stadtentwicklung und Handel e. V. (urbanicom) die Initiative. Eine Co-Finanzierung wird durch private Unternehmen wie Essert-Illuminationen AndreasEsserte. K.,HanseatischeBetreu- ungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH (HBB), Landmarken AG, Noceanz GmbH sowie RKW Architektur  +  Rhode Keller- mannWawrowskyGmbHgeleistet,diesich mit ihrem Engagement zu den Innen­ städten bekennen. Hubert Aiwanger, Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie 9 STADTENTWICKLUNG
  • 10. Aufgebaut und entwickelt wurde der öffentlich zugängliche Ideen-Pool von Roland Wölfel, der sich seit vielen Jahren regelmäßig als Impulsgeber in der Innen- stadt- und Stadtmarketingszene enga- giert. Für Wölfel tut das Verbreiten erfolg- reicher rund zertifizierter Ideen not, denn: „Wir erleben heute quasi die vierte Welle bedeutsamer Veränderungen in unseren Städten. Erst waren es die Fußgängerzonen, die das Bild veränderten. Dann kamen die meist aus den Innenstädten ausgelagerten Shopping- Center und Fachmarktzentren. Heute bewegt die Frage, wie wir Angebote wieder ,back to the City‘ holen und Antworten auf die Digitalisierung finden.“ Die Idee von stadtimpulse ist es, hier- zu Akteuren passgenaue und hilfreiche In­ spirationen für ihre Aktivitäten vor Ort zu bieten. Das Portal begrüßt monatlich neu zertifizierte Projekte. Weitere Kommu- nen, Wirtschaftsförderungen, der Handel und Stadtmarketingakteure sind ebenfalls eingeladen, auch ihre besten Projekte zur Weiterentwicklung der Stadtzentren einem bundesweiten Publikum vorzustellen. Seit einigen Jahren stehen die Innenstädte unter erhöhtem Wandlungsdruck. Die zu- nehmenden Umsatzverschiebungen durch den Online-Handel haben merklich zu Fre- quenzrückgängen in den Zentren geführt. „Innenstädte und Ortskerne müssen angesichts der aktuellen Herausforderungen als Orte der Nutzungsvielfalt, der Kommunikation und der Lebensqualität gestärkt werden. Es gilt, von guten Beispielen der Innenstadtentwicklung zu lernen“, sagt Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Das sehen nicht nur die Stadtverantwortli- chen so. Verwaltungen und Wirtschaft sitzen in einem Boot. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Spitzenverbands des deutschen Einzel- handels HDE: „Innenstadtent- wicklung kann nur in kooperativer Gemeinschaft starker Partner gelingen. Das eröffnet die Chance, von guten und bewährten Lösungen zu profitieren.“ Der Projektpool stadtimpulse böte genau das, sagen sowohl Genth als auch Dr. Landsberg. Die anhaltende Pandemie mit Lockdowns und harten Einschränkungen verschärft die Lage, sieht auch der Deut- sche Städtetag. In der Folge sei abzuse- hen, dass etliche Handelsunternehmen die Krise nicht überstehen werden. 10 STADTENTWICKLUNG
  • 11. 5 Erster bundesweiter, zertifizierter Projektpool für Innenstadt, Handel und städtisches Leben. Sie suchen bewährte und geprüfte Best Practice Lösungen für die aktuellen und zukünftigen Heraus- forderungen unserer Innenstädte und Ortszentren? • Bündnis führender Fachverbände und Institutionen • Kuratierte Auswahl • Zertifizierung durch Fachjury in „Das wird zu sichtbaren Veränderungen bei der Versorgungsqualität führen. Darüber hinaus sind die damit verbundenen zunehmenden Leerstände auch ein städtebauliches Problem. Die Aufenthaltsqualität und Attraktivität für die Bürgerinnen und Bürger wird leiden. Die Dynamik dieser Veränderungen erfordert das rasche und koordinierte Handeln aller Innenstadtakteure“, betont Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deut- schen Städtetages. Eine Chance liegt nach Überzeugung von HDE, DStGB, DST, bcsd, cima und dem Bayerischem Wirtschaftsministerium dabei in der Skalierung erprobter und bewährter Maßnahmen in den unterschiedlichen Hand- lungsfeldern der Innenstadtent­ wicklung. „Es geht nicht darum, die Innenstadt aus dem Jahr 2010 wiederherzustellen. Es geht vielmehr um die große Aufgabe, die lebenswerte Stadt von 2025/30 zu gestalten, so Jürgen Block, Geschäftsführer der Bundes­ vereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland e. V. Ein besonderer Dank aller Initiatoren gilt dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Ener- gie, dass die Anstoßfinanzierung des Pro- jekts geleistet hat. Gemeinsam strebt das Bündnis ideeller und finanzieller Förde- rer an, stadtimpulse als dynamisches Format qualitätsorientiert weiter­ zuführen und als bundesweite Plattform zu etablieren. Stadtimpulse ist ein Baustein in der breit angelegten nationalen Innenstadtstrategie zur Gestaltung resilienter Stadtzentren, die vom Beirat Innenstadt des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat erarbeitet wurde. www.bmi.bund.de, www.unsere-stadtimpulse.de Foto: Laurence-Chaperon Foto: Wieler 11 STADTENTWICKLUNG www.unsere-stadtimpulse.de
  • 12. Customer Journey in die City INNENSTADT AUS KUNDENPERSPEKTIVE GEDACHT Praxisorientiert und theoriegeleitet nachvollzogen anhand des Marketing-Werkzeugs `Customer Journey´, von Martin Kremming, Partner und Prokurist, CIMA Beratung + Management, Hannover Foto: hanohiki /iStock 12 MARKETING
  • 13. Seit Jahrzehnten wird versucht, Ideen des Center-Managements auf Innenstädte zu übertragen. Oft bleibt es beim Versuch. In der Beratung hören wir diesen Ansatz immer wieder und winken oft nicht nur innerlich ab. Wenn Sie mich fragen, stimmte dieser Weg nie und wird zunehmend absurd. Denn eine Innenstadt ist kein Center und je mehr sich die postpandemische Stadt her- auskristallisieren wird, desto offenkundiger wird dies. Die Planbarkeit im Nutzungsmix nimmt ab, Leerstände in Toplagen bis zur Kaufhausgröße sind vielerorts nicht mehr zu verbergen, Vertragslaufzeiten in Miet- verhältnissen werden kürzer, der Handel zieht sich nicht nur aus den Nebenlagen zurück. Im Ergebnis kann die Innenstadt der Zukunft bunter sein als es ein Shop- ping-Center jemals vorgeben konnte zu sein. Vorausgesetzt heute werden die rich- tigen Weichen gestellt. Aktuell erlebe ich, wie in vielen Städten der Versuch unternommen wird, über Sofort- programme Impulse für die Innenstadt- entwicklung zu geben. Diese Program- me setzen oft bei Events und bei schnell umsetzbaren Maßnahmen für den öffent- lichen Raum an und versuchen sich auch an den Leerständen, in dem Mietzuschüsse gewährt und z. T. über Wettbewerbe neue Nutzerkreise gesucht werden. Nahezu immer ist das Fazit: Die Expansionslisten der Filialisten sind längst Vergangenheit; mit Glück gibt es eine Auswahl aus inno- vativen Konzepten, die selten allein Einzel- handel umfassen. Oft sind es Mischungen aus Handel, Dienstleistungen und Gastronomie. Ob diese Programme nachhaltige Verände- rungen und eine Stärkung der Innenstäd- te zur Folge haben, bleibt abzuwarten. Wichtig ist aber, dass etwas passiert. Und dass Besuchsanlässe für die Kundschaft geschaffen werden. Zugleich ist es ein Signal für die Gewerbetreibenden in der Innenstadt, dass der Standort im Fokus steht. Was aber meines Erachtens noch zu sel- ten passiert und wo möglicherweise jede Innenstadt etwas von den Shopping-Cen- tern lernen kann, ist die Innenstädte aus der Sichtweise und den Bedürfnissen der Konsumenten zu betrachten. In der Mar- ketingpraxis besitzt das Thema generell höchste Relevanz. Ich spreche vom Modell `Customer Journey´ (Kundenreise), welches die einzelnen Phasen definiert, die eine Per- son durchläuft, bevor sie sich für den Kauf entscheidet und darüber hinaus. Die `Cus- tomer Journey´ umfasst dabei alle Berüh- rungspunkte eines Konsumenten mit einer Marke, einem Produkt oder einer Dienst- leistung. Dieser Grundgedanke kommt mir persönlich noch oft zu kurz, wenn es um Innenstädte geht; nur Teilbereiche davon haben Einzug in das Stadtmarketing oder die Corona-Sofortprogramme gehalten. Aber fangen wir ganz am Anfang an. Las- sen Sie mich dieses Konstrukt der `Custo- mer Journey´ auf einen Innenstadtbesuch potenzieller Kundschaft übertragen. Darf ich Sie bitten, folgen Sie mir bei meiner Reise! Phasen als Interaktions- bzw. Berührungspunkte Zunächst muss die Innenstadt (wieder) ins Bewusstsein der Konsumenten gerückt werden: Die `Customer Journey´ beginnt bereits, wenn sich die Kundschaft noch zu Hause auf dem Sofa befindet. Über Werbe- maßnahmen, soziale Medien oder Direkt­ ansprache muss es gelingen, den Kunden- stamm regelmäßig anzusprechen, damit Besuchsanlässe entstehen. Über digitale und physische Berührungspunkte muss ein Bewusstsein für die Stadt geschaffen werden. Über die Innenstadt muss ständig über die verschiedenen Kanäle kommuni- ziert werden, damit sie bei allen Zielgrup- pen im Gespräch bleibt. Diese Kommu- nikation sollte über das Stadtmarketing organisiert werden; gleichwohl spielt die “Stadtverwaltung” hier eine ebenso wich- tige Rolle, genau wie jedes einzelne Unter- nehmen einer Innenstadt. Noch immer fällt „Die schönsten Momente meiner Arbeit sind die, wenn sich etwas vor Ort bewegen lässt.“ Martin Kremming 13 MARKETING
  • 14. das ÖPNV-Angebot ist, wie durchdacht das Radwegenetz ist und inwieweit aus­ reichend Fahrradstellplätze für alle Fahr- radtypen vorliegen, um nur einige Beispie- le zu nennen. Haben die Konsumenten den Weg in die Innenstadt erfolgreich absolviert, folgt der Aufenthalt in der Innenstadt. Innen- stadtbesuchende erwarten heute eine Mischung aus Entertainment, Versorgung, Bequemlichkeit, Komfort und Service. Hier muss sich jede Stadt neu justieren, da sich die Gewichte zwischen Handel, Dienst- leistungen und Gastronomie verschoben haben und sich weiter grundlegend ändern werden. Neue Funktionen kommen man- cherorts richtigerweise hinzu, wie Freizeit, Bildung und Kultur. Viele der aktuellen Sofortprogramme für Innenstädte set- mir auf, dass zu wenige Innenstadtunter- nehmen sich gegenseitig in den sozialen Medien fördern (z.  B. durchs gegenseitige Liken). Erst darüber entsteht der Zulauf, den jedes Unternehmen allein nicht oder nur mit großem Aufwand generieren kann. Auch die in der Stadt Wohnenden sollten einbezogen werden: unzählige, kreative Mitmachaktionen finden sich auf Insta- gram oder Facebook als Inspiration. Die nächste Phase ist die Bewältigung des Wegs in die Innenstadt, die Mobilität: Die nun angezogene Kundschaft nutzt unter- schiedliche Verkehrsmittel und hier kann sowohl Frustration entstehen (Pkw-Stau, Parkplatzmangel, ÖPNV funktioniert nicht, Radwege nicht ausgebaut, keine adäqua- ten Fahrradabstellplätze, keine barriere- freien Zugänge etc.), als auch eine gute Infrastruktur sowie ein guter Service den Unterschied machen. Einige Innenstädte in Deutschland sind durch Mobilitätsmaster- pläne gestärkt worden und der Besuchen- de wird unterwegs fortwährend smart gelenkt, informiert und geleitet, immer öfter auch digital. Andere Innenstädte ste- hen hier noch ganz am Anfang und sind in Mobilitätsfragen eher in den neunziger Jahren und den damaligen Pkw-Stellplatz- diskussionen stehen geblieben. Die postpandemischen Innenstädte der Zukunft werden sich z. B. darin unterschei- den, ob wirklich barrierefreie Zugänge und digitale Leitsysteme vorliegen, von wel- cher Qualität und Vernetzungsintensität zen daher gerade bei dieser Multifunkti- onalität an. Ob neues Stadtmobiliar, neue Events, Begrünungsaktionen, geförderte Zwischennutzungen in Leerständen – es gibt kaum etwas, was nicht auf den Listen steht. Hoffen wir, dass diese notwendigen Belebungsmaßnahmen nachhaltig positi- ve Auswirkungen auf unsere Zentren und Quartiere haben. Nach dem hoffentlich angenehmen und erfolgreichen Innenstadtbesuch erfolgt mit dem Rückweg wieder eine Mobilitäts- phase, die durch eine geeignete Verab- schiedungsgeste eingeleitet wird und hof- fentlich reibungslos digital-analog gelenkt den Rückweg an den Wohnort ermöglicht. Auch diese Phase ist wichtig. Schlechte Leitsysteme etwa können den gesamten Besuch im Nachhinein ins Negative dre- INNENSTADT AUS KUNDENPERSPEKTIVE GEDACHT Schematische Darstellung einer `Customer Journey´ zur Innenstadt Online- schaufenster Digitale und physische Berührungspunkte Online-Auftritt Radio PR Print Social Media Wegeführung Parken CI in der Innenstadt Beschilderung BEWUSSTSEIN UND ANREIZE SCHAFFEN DER WEG IN DIE CITY Erreichbarkeit und Orientierung Bequemlichkeit Mobilität Erreichbarkeit (digital) Orientierung 14 MARKETING
  • 15. WC Möblierung Spielplätze I-Pad Bars hen, wenn die Kundschaft nur mit Mühe wieder nach Hause kommt. Die Kundschaft ist wieder daheim, nun stehen die Begriffe Loyalität, Vertrau- en und Kundenbindung im Vordergrund. Möglichst schnell soll sie zu einem Folge­ besuch in der Innenstadt animiert werden. Die nächste Shopping-Tour sollte keines- wegs im Online-Shop enden. Daher ist jetzt die Arbeit an der Kundin oder dem Kunden wichtig. Die Innenstadt muss insgesamt z.  B. über das Stadtmarke- ting und entsprechende Kommunikation (über Bonusprogramme, Stadtgutschei- ne, Facebook, Instagram etc.) den Kontakt aufrechterhalten oder sogar die Kunden- bindung intensivieren. Nur so bleibt die Innenstadt im Gespräch, Loyalität kann entstehen. Neben dem Stadtmarketing ist aber jeder Betriebsinhaber ebenso auf­ gerufen,mitdeneigenenKundeninKontakt zu bleiben. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass viele Betriebe das nicht schaffen und vieleStadtmarketing-Organisationendiese ureigene Aufgabe noch nicht richtig digital ausspielen. Bei der digitalen Sichtbarkeit, digitalen Treueprogrammen (z. B. Stadt- gutscheine) oder personalisierten Ange- boten stehen viele Innenstädte nach mei- nem Dafürhalten noch sehr am Anfang, wenngleich im zweiten Corona-Lockdown vielerorts enorm nachgeholt wurde. Dennoch bleibt zu hoffen (und die Zeichen stehen gut), dass die Begeisterung für unsere Innenstädte wieder bei Kundinnen und Kunden geweckt wird. Gerade im Zuge der momentanen Sonderkonjunktur durch Förderprogramme plädiere ich dafür, die Innenstädte wie aufgezeigt entlang des Modells der `Customer Journey´ laufend zu überprüfen und zu entwickeln. Diese Reise gehört auf den Prüfstand und muss durch entsprechende Maßnahmen immer weiter optimiert werden. An wel- chen Punkten kann die Innenstadt posi- tiv überraschen und wo kann Frustration vermieden werden? Und in diesem Punkt kann ein Blick auf die Shopping-Cen- ter dann durchaus hilfreich sein, da die- se Sichtweise dort seit Jahren praktiziert wird. Auch wenn für die Umsetzung in unseren Innenstädten mitunter ein lan- ger Atem notwendig sein wird – seit lan- gem standen die Innenstädte nicht mehr so im Fokus wie heute. Lassen Sie uns dieses Momentum für unsere Innenstädte nutzen! kremming@cima.de 2021 Vertrauen und Kundenbindung Social Media Gutschein (online) W-LAN Personal Digital Signage Grünflächen/ Ruhezonen Beleuchtung Leitsystem Sichtbarkeit Schließfächer Ladestationen Verabschiedung Personalisierte Angebote Mailings Kunden- befragung Treueprogramm Newsletter DIENSTLEISTENDE SERVICE ORIENTIERUNG BEQUEMLICHKEIT KULTUR EINZELHANDEL EINGANG AUSGANG GASTRONOMIE HOTELLERIE LOYALITÄT CITY CITY Willkommensgeste und Empfang „Vielen Dank und auf Wiedersehen“ Information Mobilität Orientierung AUFENTHALT 15 MARKETING
  • 16. MICHAEL METZLER „Jetzt ist die Zeit für Stadtmarketing und kooperative Stadtentwicklung. Wenn es gelingt, die konstruktiven Partner aus Wirtschaft und Gesellschaft auf gemeinsame Ziele auszurichten, lässt sich viel Kraft freisetzen. Stadtmarketing kann Kurator des Wandels in der Wirtschaft und in den Städten sein.“ Zukunft Innenstadt VOM CITYMARKETING ZUM STRATEGISCHEN TRANSFORMATIONSMANAGEMENT von Michael Metzler, Geschäftsführer Esslinger Stadtmarketing Tourismus GmbH (EST) Auch die Innenstadt von Esslingen durchlebt wie alle Städte im Bundesgebiet seit einigen Jahren einen tiefgreifenden Struk- turwandel. Mit den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie beschleunigt sich die kontinuierliche Veränderung der Innenstadt – vor allem im Einzelhandel weiter. Die Stadt am Neckar hat die Transformation der Innenstadt als zentrale Zukunftsaufgabe bewertet. Sukzessive seit 2018 baut das Stadtmarketing Esslingen ein Transformationsmanagement auf. Im Jahr 2021 geht die Stadt einen nächsten Schritt und erwei- tert ihre bisherige Innenstadtförderungsstrategie. Unterstützungsfonds aufgelegt Zur finanziellen Entlastung der Gewerbetreibenden sowie flankie- rend zu ihrem Neustart und um der Kundschaft Anreize für einen Innenstadtbesuch zu geben, ist im Jahr 2021 ein Unterstützungs- fonds aufgesetzt worden, dessen Gesamtsumme aller Leistungen 220 Tsd. Euro umfasst. Mehrere Teilstrategien und Handlungs­ felder werden parallel und eng vernetzt bearbeitet: Um bestehen- de Handelslagen der Innenstadt zu stabilisieren und um negative Effekte der Pandemie abzumildern, kommen weiterhin etablierte Instrumente der Innenstadtförderung zum Einsatz (u.  a. Touris- musförderung, Initiative MACH ES). Im Marketing werden u.  a. räumlich entzerrte Themen- und Aktionswochen durchgeführt, ein zentraler e-Bike-Lieferservice für die Innenstadt entsteht und Pop-Up-Stores sowie Zwischennutzungskonzepte in Leerstän- den erhalten eine finanzielle Förderung. Außerdem wird die Wer- bekostenumlage für die City-Events erlassen und Eigeninitiativen der Quartiers- und Straßengemeinschaften gefördert. Die Stadt Esslingen verzichtet im Jahr 2021 in Höhe von etwa 80 Tsd. Euro auf Sondernutzungsgebühren für Handel und Gastronomie. Ein verkaufsfördernder Stadtgutschein kommt künftig zum Einsatz. Neben diesem kurzfristig wirksamen Unterstützungsfonds ist 16 MARKETING
  • 17. darüber hinaus eine Strategie erforderlich, um die Transformation der Innenstadt mit- tel- und langfristig aktiv zu gestalten. Transformation gewinnbringend nutzen Dabei ist es zentral, von dem Gedanken wegzukommen, dass Transformation ein- fach geschieht; dass man ihr ausgeliefert ist. Stattdessen gilt es, ein Mind-Set dafür zu entwickeln, die Chancen und Möglich- keiten der Transformation gewinnbringend einzusetzen – mit Mut für Neues, innova- tiven Ideen und kraftvollen Impulsen. Ziel in Esslingen ist es ein gemeinsames Ziel- Bild für die Innenstadt zu erarbeiten und mit einem Projekt-Katalog zu hinterle- gen. Zentrale Frage dabei: Welche Funk- tionen und Angebote sollte die Innenstadt aus der Sicht ihrer Nutzer bieten? Dazu ist ein Innenstadtdialog in Esslingen initiiert worden, der Ausgangsbasis für Kon- zepte und Projekte ist, die die Qualität der Innenstadt sichern und zukünftig steigern sollen. Verschiedene Forma- te der Beteiligung werden angewendet. Neben einer Online-Kundenbefragung, Innenstadtforen kommen auch Zukunfts- werkstätten zum Einsatz. Entwickelt und koordiniert wurde der Prozess vom neu gegründeten Transformationsteam Innen- stadt. Die Arbeitsgruppe besteht aus Ver- tretung von EST, Wirtschaftsförderung, City Initiative, Handwerkerschaft, IHK, Handels- verband sowie Mitgliedern der verschiede- nen Dezernate der Verwaltung. Das Team arbeitet als operative Einheit im stra- tegischen Transformationsmanagement. Es bewertet und konkretisiert Impulse aus den Dialogformaten, unterstützt und berät die Innenstadtakteure bei eigenen Vor­ haben und entwickelt selbst Transfor- mationsprojekte. Professionelle Strukturen erforderlich Wenn man die Herausforderung proak- tiv angeht, braucht es in den Städten eine Instanz, die die Transformation der Innen- stadt managt, eine Strategie, die den Ver- änderungsprozess umreißt, und eine Struk- tur, die langfristig trägt. Keine Institution im Konzern Stadt ist besser dazu geeignet die Rolle des Transformationsagenten ein- zunehmen als das Stadtmarketing. Aus der kooperativen Stadtentwicklung kommend, verfügt Stadtmarketing über die ganzheit- liche Denkweise und passgenauen Werk- zeuge, um die Kommunikation und Mode- ration des Transformationsprozesses zu gestalten. Nie war die öffentliche Auf- merksamkeit größer. Nie bestand mehr Konsens, dass Innenstädte eine funktiona- le Neuorientierung und Aufwertung benö- tigen. Dieser Wandel ist eine der wichtigs- ten Zukunftsaufgaben, der sich alle Städte stellen müssen. Weil die Transformation irreversibel ist, muss sich auch Stadtmar- keting anpassen. Dabei gibt es gute Grün- de selbstbewusst voranzugehen. Der Weg mag steinig sein – die Perspektiven sind interessant. mmetzler@esslingen-marketing.de KONTAKT Die Esslinger Stadtmarketing Tourismus GmbH ist ein Public Private Partnership Modell, an dem die Stadt Esslingen am Neckar und verschiedene private Gesellschafter beteiligt sind. Die Unternehmensziele werden über die Geschäftsbereiche Stadtmarketing, Citymanagement und Tourismus­ marketing umgesetzt. www.esslingen-marketing.de Foto: Altes Rathaus. Esslinger Stadtmarketing Tourismus GmbH 17
  • 18. Die Handelsexperten Martin Kremming (cima) und Dr. Jan Röttgers (ECE) auf dem Trendforum Retail 2020. Handel und Logistik IST DER BOOM DES ONLINE-HANDELS NACH DER PANDEMIE REVERSIBEL? Eine Annäherung in 5 Fragen: Im Expertengespräch Dr. Jan Röttgers, Director Logistics International (ECE Work Live GmbH Co.) und cima-Handelsexperte Martin Kremming Foto: Trendforum Retail 2020 Foto: ECE Foto: Digital Mall_WerbeflächenQECE 18 HANDEL
  • 19. KREMMING: Dr. Röttgers, Sie sind seit fast 20 Jahren in der Projektentwicklung der ECE tätig. Jahrelang betreuten Sie die Sparte Shopping-Center. Wir haben uns dabei kennengelernt. Nun agieren Sie in einem anderen Themenfeld; aktuell rea- lisiert die ECE in Deutschland eine Serie von hochmodernen Logistik-Centern für den internationalen Handels- und Logis- tikdienstleister Hermes. Haben Sie als ECE oder auch persönlich als Geschäftsführer, rechtzeitig den Wendepunkt von der über- wiegenden Orientierung aufs stationä- re Shoppingerlebnis zum Online-Handel eingeleitet? Welche Rolle spielte dabei die Pandemie? DR. RÖTTGERS: Bereits vor der Pande- mie haben wir entschieden, keine neuen Shopping-Center mehr zu entwickeln. In Deutschland ist mit aktuell ca. 500 Shop- ping-Centern eine gewisse Marktsätti- gung eingetreten. Wir haben uns daher als Unternehmen neu aufgestellt und das Bestandsgeschäft in der ECE-Market- places gebündelt. Für die Neuentwicklung von Projekten in den Assetklassen Resi- dential, Hotel, Office und Logistics haben wir die ECE Work Live gegründet. Da ich leidenschaftlicher Projektentwickler und offen für neue Herausforderungen bin, habe ich seit letztem Jahr die Leitung unseres Bereichs Logistics International übernommen. Ohne Frage läuft Logistik zurzeit sehr gut und durch Corona erfährt diese Assetklasse eine gewisse Sonder- konjunktur. KREMMING: Versanddienstleister haben während der Corona-Pandemie weiter an Relevanz gewonnen; der Online-Handel nochmal stark zugelegt. Was denken Sie, ist die Dynamik des Online-Handels wie- der umkehrbar? Sehen Sie die Innenstäd- te wieder auf ein vorpandemisches Niveau zurückkehren? DR. RÖTTGERS: Der Online-Handel ist in den letzten Jahren gegenüber dem stati- onären Handel überproportional gewach- sen. Allein im letzten Jahr hat der Online- Handel um 23 Prozent auf 73 Mrd. Euro Umsatz zugelegt. Damit erreicht der Online-Handel am Gesamteinzelhandels­ umsatz einen Anteil von 16 Prozent. Ich gehe davon aus, dass diese Entwick- lung sich nicht mehr zurückdrehen lässt. Umgekehrt hat der stationäre Handel, der bereits vor Corona unter Druck war, in den letzten Monaten erhebliche Umsatzeinbu- ßen erlebt. Die Innenstädte werden sich verändern und je nach Stadtstruktur ganz individuelle Antworten finden müssen. Man muss Innenstadt neu denken und als Ort der Begegnung und des Erlebnisses begreifen. Innenstadt ist mehr als Handel, nämlich auch Raum für Wohnen, Arbeiten und Kultur. KREMMING: Gerade in Städten wird aber auch das Spannungsfeld deutlich: Das Sendungsvolumen des Online-Handels steigt, es gibt mehr Lieferverkehr, aber immer weniger Platz. Zudem werden die Rufe nach lebenswertem Raum und Maß- nahmen zur Klimafreundlichkeit immer lauter. Wie kommen Sie, das Unterneh- men Hermes, in diesem Spannungsfeld zurecht? Was bedeutet das für die zukünf- tige Logistik? DR. RÖTTGERS: Ich kann hier nicht für Hermes sprechen. Allerdings ist das The- ma Verkehr eine große Herausforderung für die Städte. Auf der einen Seite muss die Stadt gut erreichbar sein, sowohl für Anwohnende als auch Gäste, und auf der anderen Seite für die Waren. Eben- so müssen der ÖPNV und Fahrradwege konsequent ausgebaut werden. Und wir brauchen kluge Lösungen für den Waren- verkehr auf der letzten Meile. Wir wollen mit unseren Shopping-Centern einen Bei- trag dazu leisten. Für uns spielen Energie- einsparung und die Nutzung erneuerbarer Energien eine wichtige Rolle. Mit der Ent- wicklung der Digital Mall werden wir Liefer- wege verkürzen und effizienter gestalten. Wir verstehen unsere Shopping-Center als Foto: Brookfield Properties 19 HANDEL
  • 20. MicroHubs, aus denen heraus über unse- re Digital Mall Waren nicht nur vorbestellt und abgeholt, sondern auch geliefert wer- den können. Wir müssen also zukünftig Systeme entwickeln, Ware und Kundschaft besser zu vernetzen und somit lange Lie- ferwege zu vermeiden. Das spart Verkeh- re und schont die Umwelt. Zudem muss über die Umnutzung vorhandener Flächen neu nachgedacht werden: Für Kultur, Sport, Events oder einfach als Orte der Begegnung. KREMMING: Die Ansprüche an die Han- delsimmobilien im Allgemeinen und an Shopping-Center im Speziellen haben sich in der vergangenen Dekade sehr dyna- misch verändert; bei Bestandsobjekten sind Revitalisierungen das Kernthema. Auf welche Neuerungen steuern Shopping- Center nach den Lockdowns zu? Welches ist Ihr Lieblingsprojekt? DR. RÖTTGERS: Die Shopping-Center haben sich ja schon in den letzten Jahren immer wieder den veränderten Anforde­ rungen von Mietparteien und Klientel ange- passt. Besonders spannend finde ich den laufenden Umbau der Potsdamer Platz Arkaden in Berlin. Die Mall aus dem 1998 eröffneten Center wird zu einer Einkaufs- straße verwandelt – zukünftig weitest­ gehend ohne Rolltreppen und Fußgän- gerbrücken. Das Gebäude öffnet sich nach außen und im Umfeld wird kräftig auf- geräumt, so werden u.  a. Autos aus dem öffentlichen Raum innerhalb des Quartiers verschwinden. Der Eigentümer Brookfield investiert in die Umgestaltung des Quar- tiers 200 Mio. Euro. KREMMING: Herr Dr. Röttgers, bitte noch ein Schlusswort zu deutschen Innen- städten nach der Pandemie: Was ist notwendig, damit die Innenstädte eine Chance haben zu bekannter Stärke zurück- zukommen? DR. RÖTTGERS: Das Beispiel Potsdamer Platz Arkaden Berlin zeigt, dass man auf veränderte Rahmenbedingungen Antwor- ten finden kann. Dafür sind ein klares Kon- zept, starke Partner und die Bereitschaft zu investieren erforderlich. Das kann man auch auf unsere Innenstädte übertragen. Innenstädte sind mehr als Handel! Sie sind wichtige Kraftorte für unser Leben. Daher ist deren Stärkung eine gesellschaftspoli- tische Aufgabe. Herzlichen Dank für das aufschlussreiche Gespräch! KONTAKT Dr. Jan Röttgers E-Mail: Jan.Roettgers@ece.com www.ece.com Nach dem Umbau: Visualisierung der Potsdamer Platz Arkaden im Berliner Bezirk Mitte Foto: Brookfield Properties
  • 21. Gründungsförderung neu gedacht EIN KOMMENTAR ZU STANDORT-BUSINESS-WETTBEWERBEN UND ZUR BEFEUERUNG DER LOKALEN INNOVATIONSKRAFT von Michael Seidel, Partner und Projektleiter, CIMA Beratung + Management, München Welche Innenstadt – ob die einer Klein-, Mittel- oder einer Groß- stadt – sucht sie nicht? Neue Betriebe mit innovativen, unge- wöhnlichen, spannenden Konzepten abseits des Bekannten. Gerne mit Jungunternehmern am Steuer, die ihre Geschäftsideen und -visi- onen in den Bereichen Einzelhandel, Gastronomie oder Dienstleis- tung engagiert vertreten und realisieren. Gerne als Crossover-Kon- zept im Schnittpunkt von stationärem und digitalem Angebot. Die Rede ist von neuen Geschäftsmodellen mit begeisternden Services, Showrooming-Ansätzen oder regelmäßigen In-Store-Events. Und das gibt es nicht nur in Metropolen, Groß- oder Mittelstädten, sondern auch in den Innenstädten von Orten mit weniger als 20.000 Einwohnern. Es funktioniert! In Bad Reichenhall, Ebermannstadt oder Krumbach ... Eine neuartige Existenzgründungs-Förderung in Form eines Stand- ort-Business-Wettbewerbs macht es möglich. Dabei werden inno- vative Unternehmenskonzepte gesucht, nach Abschluss einer Bewerbungsphase durch ein lokales Expertennetzwerk auf Reali- sierbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Standortverträglichkeit bewertet und über eine gezielte Realisierungsförderung und Umsetzungs­ betreuung mit Beratungsleistungen prämiert – gesponsort von einem Expertennetzwerk vor Ort. Der Innovationscharakter dieser Förderung liegt in der unmittelba- ren Ansprache von Existenzgründern und bereits aktiven Unterneh- mern im Rahmen eines maßgeschneiderten Umsetzungskonzeptes, einem neuartigen Ansatz zur Zusammenarbeit von Kommunalpolitik und Wirtschaft sowie der Schaffung eines Netzwerkes mit lokalen und regionalen Geschäftsleuten, die den Gründern von der Idee bis zur Umsetzung aktiv zur Seite stehen. Das Spannendste daran ist aus meiner Sicht: Der Hauptfokus die- ses Standort-Business-Wettbewerbs liegt nicht auf einer direkten finanziellen Ansiedlungsförderung, sondern auf der Übernahme von Kosten, welche sich Jungunternehmer bzw. Betriebsgrün- der in der Startphase nicht leisten können bzw. wollen. Außer- dem werden direkte Hilfeleistungen und Unterstützungen bereits während der Ausgestaltung der Unternehmensidee gewährt. Hinzu kommt die gemeinschaftliche Bewerbung des Wirtschafts- standortes – online und offline. Denn der Wettbewerb wird über ein breites Marketing regional bekannt gemacht. So lief der Wett- bewerb in Ebermannstadt (7.000 Einwohner) unter dem Titel „Frische Köpfe für die Insel“ und Bad Reichenhall (18.000 Ein- wohner) fordert „Sei mutig“ (seimutig.bad-reichenhall.de). Die in den bereits abgeschlossenen Projekten eingereichten Geschäfts­ modelle reichen von der Kultur (z. B. Programmkino) über Hand- werk (z. B. Individualmöbelfertigung), Dienstleistung (z. B. Podo- logie-Praxis) und Gastronomie (z.  B. Kaffeerösterei) bis zum Einzelhandel (z. B. Handarbeitsbedarf). seidel@cima.de 21 HANDEL
  • 22. GESTERN, HEUTE, MORGEN!? HANDELSFORMATE, DIE DIE INNENSTADT DER ZUKUNFT GESTALTEN Zeigt her! von Berater Arne Decker, CIMA Beratung + Management, Hannover Flagship-Store SchokoWelt der Alfred Ritter GmbH Co. KG auf rd. 1.000 qm auf drei Etagen, nahe Gendarmenmarkt in Berlin Foto: www.ritter-sport.com 22 HANDEL
  • 23. Ein herrlicher Sonntag Mitte der 1990er Jahre. Familie Schmidt trifft sich mit Freunden in der Fußgängerzone ihrer Hei- matstadt zu einer seinerzeit noch weit verbreiteten Freizeitaktivität: Dem Schau- fensterbummel. Auch wenn Hertie, Hor- ten und die vielen inhabergeführten Mode- läden am Ruhetag nicht offen sind, die Schmidts keine Waren in die Hand nehmen oder anprobieren können, ist das Interesse an den neuen Kollektionen und Angeboten doch groß. Und die sorgsam dekorierten Auslagen und arrangierten Puppen ermög- lichen allemal einen besseren Eindruck als die Fotos im Quelle- oder Otto-Katalog. Der große Cityhandel als Tor zur wei- ten (Waren-)Welt; eine Tradition, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann: Das Aufkommen der Warenhäuser in Paris und London mit ihrem schier uner- messlichen Warenangebot. Haushalts- und Schreibwaren, Mode, Spielzeug, dazu günstige und feste Preise, Umtauschrecht und vor allem eine aufwändige Inszenie- rung, in der sich die Häuser bald gegen- seitig überboten. So ging es schon vor der Jahrhundertwende nicht mehr nur darum, Gebrauchsgüter für viele erschwinglich zu machen. Vielmehr entstanden luxuriöse Konsumkathedralen mit Waren aus aller Welt, die Stadtgespräch, Erlebnisraum und sozialer Treffpunkt, später auch Archi­ tekturdenkmale und Touristenattraktionen wurden. Seitdem ist viel passiert Massenmotorisierung, Katalog- und Ver- sandhandel, Suburbanisierung, Einkaufs- zentren auf der grünen Wiese und so wei- ter. Die ursprüngliche Idee, Waren aus aller Welt und alle Dinge des täglichen Bedarfs unter einem Dach zu vereinen, zieht spä- testens in Zeiten des 24-Stunden-Online- Shoppings und Amazon.de mit ca. 600 Mio. Produkten (inkl. Marketplace) nicht mehr – weder im Kaufhaus der Innenstadt noch im SB-Warenhaus am Stadtrand, siehe den Niedergang der Real-Märkte. Riesenaus- wahl, einfache Produktsuche, Preisver- gleiche, alles vom heimischen Sofa oder von der Bushaltestelle aus, kein Aufsuchen zahlloser Läden, um am Ende doch mit lee- ren Händen nach Hause zu fahren. Noch vor 15 Jahren war der Großteil des Schuh- handels überzeugt, dass Anziehen und Probelaufen untrennbar mit dem Laden- geschäft verbunden sind. Und dann kam Zalando mit schnellem Gratisversand und kostenfreien Retouren. Bis heute haben immer bessere Produktbeschreibungen, -fotos und -videos, Kundenbewertungen zu Größe und Passform, Live- und Chat- Beratung die Vorteile des haptischen Erlebens und einer (durchschnittlichen) Beratung im stationären Handel dahin- schmelzen lassen. War’s das? Muss die Innenstadt ohne den Handel aus- kommen? Müssen Gastronomie, Dienst- leister, Kunst und Kultur alleinig für Fre- quenz sorgen, um den sozialen Treffpunkt und Begegnungsraum Innenstadt am Leben zu halten? Sicher wird der stationäre Ein- zelhandel nicht mehr die dominierende Rolle spielen wie früher, als es noch hieß „Was der Handel nicht verkauft, muss die Industrie gar nicht erst produzieren“. Dafür gibt es heute zu viele Absatzkanäle. Aber generell hat die Industrie nach wie vor Interesse daran, ihre Waren an die Frau und den Mann zu bringen. Dafür sind eine kundennahe Platzierung und werbewirk- same Inszenierung ein bewährtes Mittel. Und wenn der Handel es nicht zufrieden- stellend hinbekommt, geht man selbst in die Bütt. Immer mehr Herstellende von Marken- produkten werden zu Händlern und ver- kaufen direkt an Endverbrauchende. Eini- ge erzielen damit beträchtliche Teile ihres Umsatzes, z. B. Adidas mit weit über 1.000 Geschäften weltweit; andere beschränken sich auf wenige Flagship-Stores, wie z. B. Nivea (seit 2006 in Hamburg und 2009 in Berlin) oder Ritter Sport (seit 2009 in Ber- lin), die sich und ihre Produkte inszenieren und mit Storytelling die Marke erlebbar machen. Verkaufszahlen vor Ort sind irre- levant. Und es kommen stets neue Show- rooms hinzu. Insbesondere für junge oder internationale Marken, die neu auf dem deutschen Markt sind, geht es um Steige- rung des Bekanntheitsgrades und oftmals um das Vertrauen potenzieller Kundschaft. Erst im März 2021 hat der im Rahmen des 5G-Netzausbaus kritisierte chinesische Quelle: Creative Commons CC0, Peter Stürzebecher: Das Berliner Warenhaus. Berlin 1979, p. 111. Kaufhaus Herman Tietz am Alexanderplatz in Berlin-Mitte, Lichthof im 2. Erweiterungsbau von 1911 „Für ein weißes T-Shirt oder ein Paar Tennissocken muss heute keiner mehr vom Sofa runter.“ Arne Decker 23 HANDEL
  • 24. Smartphone-Marktführer Huawei nach Barcelona und Paris seinen dritten euro- päischen Flagship-Store eröffnet und lässt in Berlin-Charlottenburg mit seinen Han- dys, Wearables und sonstigen Internet-of- Things-Produktenspielen.DieseFlaggschif- fe und stationären Markenbotschaft-Läden sind jedoch Mangels Renommee und Fre- quenz selten außerhalb der Hauptstäd- te und größeren Metropolen anzutreffen und schließen keinesfalls die Lücken, die insolvente Fachgeschäfte aller Orts hin- terlassen. Für viele Marken reicht zudem die Produktpalette oder Finanzkraft nicht für einen eignen Store auf dem Ku‘damm. Individuelle Präsenz auf der Fläche An dieser Stelle setzen Concept-Stores wie VAUND an. Ähnlich wie das kaliforni- sche Vorbild B8ta machen die Hannovera- ner den Albtraum des klassischen Einzel- handels zur Strategie: Beim Showrooming lässt sich die Klientel im Laden beraten und kauft dann billiger woanders oder im Inter- net. Dieser gefürchtete „Beratungsklau“ lässt den Betrieb kalt. Der Store wirkt eher wie eine Galerie, kein großer Warendruck, alles sorgsam in Szene gesetzt. Nur rund 170 Produkte auf 750 qm Verkaufsflä- che finden Verbrauchende seit November 2019 bei VAUND. Showrooming ist aus- drücklich erwünscht. Retail-as-a-Service nennt sich das Konzept und bietet her- stellenden Firmen für einen bestimmten Zeitraum die Möglichkeit, ihr Produkt im Corporate Design des Multibrand-Stores in Hannovers Georgstraße zu inszenieren und eine besondere Beziehung zu ihrer Kundschaft entstehen zu lassen. Das Pro- duktangebot aus den Bereichen Mobilität, Consumer Electronics, Küche und Haus- halt sowie Lifestyle wird sorgfältig kura- tiert und regelmäßig erneuert. Aktuell sind u.  a. Firmen wie Bosch, Jura, Teufel und Rose-Bikes für jeweils sechs oder zwölf Monate auf der Fläche präsent. Die Stand- Foto: cima, 2019 FACHmarkt in Stade: Für 40 Euro pro Monat können Interessierte eines von 100 Fächern mieten und dieses mit eigenen Waren befüllen. 24 HANDEL
  • 25. orte der Produkte wechseln während die- ser Laufzeit, um wiederkehrenden Käufern neue Eindrücke zu vermitteln. Besonderes Augenmerk wird auf eine hohe Beratungs- qualität gerichtet. Das geschulte Team berät zudem ohne Kaufdruck. Anders als der klassische Handel erwirtschaftet das Unternehmen seinen Umsatz nicht mit Produktverkäufen, sondern mit Regalmie- ten für die Produktpräsentation, Beratung und Service. Ob anschließend vor Ort oder online gekauft wird, ist nachrangig. Das in Zusammenarbeit mit der Agentur Vaust entwickelte Store-Design ist mitt- lerweile nicht nur in Hannover zu finden, sondern auch als Shop-in-Shop-Fläche in zwei größeren Modehäusern: Engelhorn in Mannheim (ca. 300.000 EW) lässt nach Auslaufen des Mietvertrags mit Tesla seit Oktober 2020 im Erdgeschoss rd. 140  qm Verkaufsfläche in seiner Accessoires- Abteilung von VAUND bespielen. Eine ähn- liche große Fläche in prominenter Lage hat Lengermann   Trieschmann (LT) in Osnabrück (ca. 165.000 EW) im Mai 2021 in seinem Modehaus freigeräumt: Zwi- schen dem Mode- und Sportbereich kön- nen Kund*innen nun neue Produkte und Marken entdecken, ausprobieren und tes- ten. LT ist laut Geschäftsführer Thomas Ganter immer auf der Suche nach neuen Konzepten und wechselnden, spannen- den Produkten, Marken und Erlebnissen für ihre Kunden. Das vielbeachtete Sport- haus mit Surfwelle ist genau wie VAUND einer der HDE-Stores-of the-Year der letz- ten Jahre. Showrooming scheint also auch außerhalb der Metropolen zu funktionie- ren, als Concept-Store in Hannover (ca. 530.000 EW) oder als Shop-in-Shop in kleineren Großstädten. Interessante Ansätze auf Kleinstadtniveau Ein Beispiel von vielen ist der sogenannte „FACHmarkt“ in der Hansestadt Stade (rd. 50.000 EW). Seit Mai 2019 wird kleinen Unternehmen, Manufakturen und Hobby- Produzierenden ermöglicht, Lebensmittel und Handwerkliches inmitten der Altstadt zu verkaufen. In dem Ladenlokal, das die Stadt in Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz in einem ehemaligen Leer- stand betreibt, werden in mietbaren, regi- onaltypischen Apfelkisten aus Holz über- wiegend heimische Erzeugnisse geboten – eine Lücke, die das Stadtmarketing schon länger schließen wollte. Ebenfalls mit städtischer Unterstüt- zung ist im niedersächsischen Lohne (rd. 28.000 EW) ein „Fachmarkt“ als Teil eines Ladens entstanden, der vom Sozi- aldienst katholischer Frauen geführt wird. Hervorgegangen ist das Geschäft aus dem Gründungswettbewerb, den das Zentrumsmanagement der cima gemeinsam mit der Wirtschaftsförde- rung gestartet hat. Aber derartige Concept-Stores können auch aus eigener Kraft erfolgreich sein. Ein Beispiel ist „promobo“. Als „ProMotion- Box“ mit der Vermietung von Boxenplät- zen in stylischen Geschäftslokalen 2009 in Saarbrücken gestartet, bietet ein Inhaber- pärchen Sichtbarkeit für frisches Design und kreative, handgemachte Produkte aus kleinen Werkstätten. Mittlerweile gibt es drei Filialen in Berlin, u. a. in den Hackeschen Höfen und im Bikinihaus – unweit der großen Flagship-Stores glo- baler Konzerne. decker@cima.de Foto: www.vaund.de VAUND-Konzeptstore in Hannover: Innenansicht 25 HANDEL
  • 26. KOMPLETTANGEBOT SB-Warenhaus, asiatischer/türkischer/ arabischer Markt … Confiserie, Weinhandlung, Käserei … spez. Facharztangebot, Krankenhaus … spez. Bildungsangebot (Hochschule) … spez. Dienstleistungs- und Gastronomieangebot … ERWEITERTES ANGEBOT Supermarkt, Lebensmitteldiscounter … Biomarkt, Reformhaus, Feinkost, Wochenmarkt … Drogeriemarkt … Facharztangebot (z. B. Gynäkologe, Zahnarzt) … weiterführende Schulen … differenziertes Dienstleistungs- und Gastronomieangebot … 26 Spätestens seit der Pandemie ist das Schlagwort „Nahversor- gung“ in aller Munde. Denn Nahversorgungsangebote in Form von Lebensmittel- und Drogeriemärkten sowie Apotheken ver- sorgten sogar zu Zeiten der striktesten Lockdowns als sogenann- te systemrelevante Anbieter die Bevölkerung. Für einen Besuch im Supermarkt vor Ort nahmen die Menschen langes Anstehen, Warenengpässe und zwischenzeitlich erhöhte Preise in Kauf. Das Ergebnis war ein enormes Umsatzplus im Lebensmittel- und Dro- geriewarenhandel gegenüber dem Jahr 2020 von ca. 20 Mrd. Euro – eine Steigerung um 11 Prozent. Ein neuer Höchststand war erreicht. Doch was tun, wenn im eigenen Wohnort oder -umfeld kein adäquates Angebot (mehr) vorhanden ist? Wenngleich der Lebensmitteleinzelhandel weiter expandiert, sind bereits seit Jah- ren vor allem in ländlichen Kommunen Lücken in der Versorgung sichtbar: Nicht mehr rentable Märkte werden geschlossen; andere schließen, weil kein Nachfolger gefunden wird. Auch in Mittel- und Großstädten zeigen sich z. T. ähnliche Tendenzen. Folglich versorgt sich die Wohnbevölkerung häufig an den nächstgelegenen Han- delsstandorten im Umland oder in anderen Stadtteilen. Dadurch entsteht zunehmender Verkehr und die Gewerbesteuer fließt vom Wohn- an die Nachbarorte ab. Nicht zuletzt steht die Frage im Raum: Wie versorgt sich der Teil der Bevölkerung, dem kein Pkw o. ä. für den Einkauf zur Verfügung steht? Nah versorgt statt weiter Wege ÜBER DIE GEZIELTE WEITERENTWICKLUNG ÖRTLICHER NAHVERSORGUNGSSTRUKTUREN Von Susanne André und Jan Vorholt, Projektleitung, CIMA Beratung + Management, München Die erwartbare Angebotsausstattung und -vielfalt in der Nahversorgung variiert nach Gemeinde- bzw. Stadtgröße. Nahversorgung geht deutlich über den Einkauf von Waren hinaus; auch medizinische Versorgungseinrichtungen sowie Dienstleistungen und Gastronomie zählen ergänzend dazu. 2021 BASISANGEBOT moderner Lebensmittelmarkt … Bäcker, Metzger, Getränkemarkt, Tankstelle … Apotheke … Hausarzt … Post, Bankautomat, Grundschule, Kirche … Frisör, Gasthaus … GRÖSSE DER KOMMUNE 26 HANDEL
  • 27. Faktoren einer ausgewogenen Nahversorgungsstruktur Für die Bewertung und Einordnung einer ausgewogenen Nahversorgungsstruktur sind drei Faktoren von entscheidender Bedeutung, die gleichzeitig übergeordnete Ziele der Nahversorgungsentwicklung aus städtischer oder gemeindlicher Sicht dar- stellen: Quantität: Das Vorhalten eines flächen- seitig modernen Angebots an Nahversor- gung. Prüfkriterien sind u. a. die Verkaufs- fläche der Lebensmittelmärkte, die Anzahl der vorhandenen Nahversorger sowie die Verkaufsflächenausstattung pro Einwoh- ner oder die Zentralität. Im Bundesdurch- schnitt kommen auf jeden Einwohner rd.  0,44 m² Lebensmittelverkaufsfläche. Qualität: Das Anstreben eines in Abhän- gigkeit der Stadtgröße möglichst breiten Betriebstypenmix mit ausreichend großen sowie attraktiven und serviceorientierten Einzelbetrieben, digitale Sichtbarkeit und Auffindbarkeit. Vollsortimenter erschlie- ßen regelmäßig Verkaufsflächen ab ca. 1.200 m², Discounter bereits ab 800 bzw. 1.000 m². Räumliche Verteilung: Die Abdeckung einer fußläufig erreichbaren Nahversor- gung für möglichst viele Ortsansässige im Stadt-/ Gemeindegebiet. In Ergänzung zu „klassischen Formen“ der Versorgungsstrukturen treten v.  a. im Handelsbereich seit einigen Jahren inno- vative Konzepte auf den Markt. Automa- ten an Hofläden, Selbstbedienungsshops in Wohngebieten – Angebote, die rund um die Uhr öffnen. Zudem steigert langsam auch der Online-Handel mit Lebensmit- teln seine Marktanteile und on-demand- Liefer­ konzepte wie bspw. Gorillas, Flink bereichern die Angebotspalette in Groß- städten. In vielen Städten erlebt derzeit der klassische Wochenmarkt eine Renais- sance. Und Kommunen mit wenig Bevölke- rung stellen die Nahversorgung häufig auch über Spe­ zialangebote wie Dorfläden, mobi- le Nahversorgung oder Bestellplattformen zumindest ausschnittsweise sicher. Individuelle Nahversorgungs- konzepte als Lösung Bestenfalls nimmt die Nahversorgung in einer Stadt außerdem die Funktion als sozialer Treffpunkt und Identifikations- raum für die Wohnbevölkerung ein. Neben kommunalen Interessen an der Weiter- entwicklung der Nahversorgung treten in diesem Zusammenhang auch Expansions- abteilungen der Lebensmittelmärkte mit Entwicklungswünschen an die Kommu- nen heran. Oftmals sind isolierte Aus- wirkungsanalysen die einzige Bewer- tungsgrundlage. Eine gute Nahversorgungsstruktur wird i.  d.  R. jedoch dort erreicht, wo kommu- nale und privatwirtschaftliche Interessen transparent abgewogen werden. Daher steht fest: Zur gezielten Weiterentwick- lung der örtlichen Nahversorgung ist die Erarbeitung eines speziell auf die Situation vor Ort angepassten Nahversorgungskon- zeptes unabdingbar. In Nahversorgungskonzepten kann defi- niert werden, an welchen Standorten im Stadt- oder Gemeindegebiet sich die Nah- versorgung wie entwickeln soll. Nach dem politischen Beschluss können Nahversor- gungskonzepte zudem als städtebauliche Entwicklungskonzepte zur Begründung für die Bauleitplanung herangezogen werden. Nicht nur vor dem Hintergrund der Pande- mie-Erfahrungen und der Systemrelevanz der Anbieter braucht es eine attraktive Nahversorgung; auch für die langfristige Sicherung und Steigerung der Wohnstand- ortattraktivität sowie Lebensqualität der Bevölkerung ist dies von hoher Bedeutung. andre@cima.de; vorholt@cima.de; WALTER BLEIMAIER Bürgermeister, Gemeinde Inning am Ammersee „Gute Einkaufs- und Versorgungs- möglichkeiten werden als Stand- ortfaktor bei der Wohnstandort- wahl immer wichtiger. Zudem gilt es unnötigen Verkehr in die Nachbarkommunen zu vermeiden. Als Gemeinde mit hoher Lebens- qualität haben wir uns zum Ziel gesetzt, die Versorgung unserer Bevölkerung durch ein Nahver- sorgungskonzept begutachten zu lassen und die Nahversorgung in Abstimmung mit beteiligten Akteuren zukunftsfähig, nachhal- tig und in hoher städtebaulicher Attraktivität weiterzuentwickeln.“ www.einzelhandel.cima.de BIld: Design Circle/iStock 27 HANDEL
  • 28. 7 cima auf der EXPO REAL 11.-13. Oktober 2021, München Wir freuen uns, Sie wieder live auf dem Messegelände begrüßen zu können. Vereinbaren Sie einen Termin mit einer*m unserer Projektleiter*innen! Unser Messestand: B2.241 Nahversorgung von vielen Seiten beleuchten und Lösun- gen aufzeigen – dafür ist der Nahversorgungstag Bayern seit vielen Jahren bekannt. Unsere bewährte Fachveran- staltung findet erstmals digital statt. Vorteil: Somit erhalten alle Interessierten bundesweit die Möglichkeit einer einmalig kostenfreien Teilnahme! Bewährtes bleibt natürlich erhalten. Auch digital setzen wir auf Expertenwissen aus der Praxis, auf abwechslungs- reiche Programmpunkte und -formate sowie auf Austausch und Diskussion im Teilnehmerkreis. Im Fokus stehen neben aktuellen Verbraucher- und Markttrends vor allem Themen rund um die Quartiers- und Stadtentwicklung. Innovative Praxisbeispiele, wie besonders nachhaltige Marktkonzepte, digitale Selbst- bedienungsläden und neue Logistikkonzepte zur Lieferung nach Hause runden den Tag ab. Nutzen Sie die Gelegenheit und melden Sie sich hier an: DIGITAL 06. Oktober 2021 09.30-13.00 Uhr PROGRAMM + ANMELDUNG nahversorgungstag.cima.de exporeal@cima.de 28 ANZEIGEN
  • 29. Woran wir derzeit arbeiten. 29 CIMA.TERMINE cima.aktuell Polis Convention Die Messe für Stadt- und Projektentwicklung Datum: 5.–16. September 2021 Ort: Düsseldorf, Areal Böhler + Online Veranstalter: polis Convention GmbH polis-convention.com Deutsche Stadtmarketing­- börse 2021 Datum: 26.–28. September 2021 Ort: Geldern U. a. mit Dr. Wolfgang Haensch (cima) als begleitender Experte des Experience Rooms „Das Stadt­ marketing als Ermöglicher“ Veranstalter: Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland e. V. (bcsd) stadtoptimisten.de #GeoWoche2021 Datum: 5.–9. Oktober 2021 Ort: Online-Veranstaltung Veranstalter: Deutsche Gesellschaft für Geographie e. V . geographie.de Trendforum Retail 2021 Digitale Lösung für den Einzelhandel U. a. mit Eva Gancarz und Martin Kremming (cima) im Talk zum Thema Stadtentwicklung 4.0 Datum: 6.–7. Oktober 2021 Ort: Frankfurt Veranstalter: TEAMSCIO trendforum-retail.de cima.PRAXISFORUM Gewerbeflächen für die Zukunft innovativ. nachhaltig. erfolgreich. 06.10.2021 in Leverkusen 20.10.2021 in Augsburg Januar 2022 in Hamburg Veranstalter: CIMA Beratung + Management GmbH Kontakt/Organisation: Maja Brunner, brunner@cima.de Cima.de Deutscher Tourismustag Motto: Zukunft des Deutschlandtourismus Datum: 19. Oktober 2021 Ort: Berlin und online Veranstalter: Deutscher Touris­musverband deutschertourismusverband.de Kommunale 12. Bundesweite Fachmesse und Kongress Datum: 20.–21. Oktober 2021 Ort: Nürnberg, Messezentrum Veranstalter: NürnbergMesse GmbH kommunale.de Smart Country Convention 2021 Datum: 26.–28. Oktober 2021 Ort: Berlin, hub27 Veranstalter: Digitalverband Bitkom smartcountry.berlin Kongress: Stadt Disruption Städte im Zeichen von Kultur- und Wertewandel Datum: 9.–10. November 2021 Ort: Berlin, Humboldt Forum Veranstalter: Stiftung Lebendige Stadt lebendige-stadt.de Handelskongress Deutschland 2021 Re-Start Now. Zeit zum Handeln! Politik, Gesellschaft und Handel von Morgen. Datum: 17.–18. November 2021 Format: digital handelskongress.org Saarland: „Zukunftskonzept für den Handel 2030“ Auch der Einzelhandel im Bundesland Saar- land ist mit enormen Herausforderungen und Anpassungsprozessen konfrontiert. Gerade in den kleinen und mittleren Kommunen geht es darum, die Nahversorgung zu sichern und den Einzelhandel mit seiner zentrumsbildenden Funktion zu stärken. Die cima Stuttgart und ibi research an der Universität Regensburg GmbH sind vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr beauftragt, ein Zukunfts- konzept für den saarländischen Einzelhandel zu erarbeiten und eine begleitende Marketing- kampagne durchzu­ führen. In dem moderierten Dialogprozess entstehen so richtungsweisende Handlungsvorschläge sowie konkrete Maß­ nahmen für eine moderne Einzelhandelspolitik im Bundesland Saarland. Darmstadt: Gewerbeflächenbedarfs- analysen in turbulenten Zeiten!? Ein attraktives und diversifiziertes Angebot an Wirtschaftsräumen bzw. Gewerbeflächen stellt einen zentralen Baustein der Standortattrakti- vität von Städten und Gemeinden dar. Kom- munen haben die Aufgabe und Herausforde- rung, sich auch in diesen „turbulenten Zeiten“ mit den Innenentwicklungspotenzialen sowie den Arrondierungs- und Neuentwicklungs­ potenzialen von Gewerbeflächen auseinander- zusetzen. Vor diesem Hintergrund analysiert die cima Stuttgart den mittelfristigen Gewerbe- flächenbedarf für das Oberzentrum Darmstadt. Als Planungsinstrument wird die Gap- oder Lückenanalyse genutzt, um sowohl zu strate- gischen als auch operativen Ergebnissen des Gewerbeflächenbedarfs zu gelangen. Hamburg: Problem- und Potenzialanalyse für Gewerbe- und Industriefläche Die Freie und Hansestadt Hamburg verzeichnet immer knapper werdende Flächenressourcen. Sowohl die Ausweisung neuer Gewerbe- und Industrieflächen innerhalb des Siedlungszu- sammenhanges als auch die Aktivierung von Flächen im Bestand und eine Nutzungsin- tensivierung sollen beitragen, die wachsende Nachfrage zu befriedigen. Als Hamburgs zweit- größtes Industriegebiet kommt dem Standort Billbrook/Rothenburgsort in diesem Kontext eine besondere Rolle zu, da Mängel zurzeit eine angemessene Entwicklung erschweren. Im Auf- trag des Bezirksamtes Hamburg-Mitte wurde die cima am Standort Lübeck beauftragt, eine Problem- und Potenzialanalyse des Standortes durchzuführen, um Wege aufzuzeigen, den ver- festigten städtebaulichen und ordnungsrecht­ lichen Missständen zu begegnen.
  • 30. Nach Verlassen des Hauses, geht mein erster Blick am Morgen immer Richtung Pflanzbeet, um zu sehen, was sich seit dem Vortag getan hat und welches Gemü- se erntereif ist. Orientierung gibt der Sai- sonkalender, der unweigerlich Teil des Themas Urban-Gardening ist und auch bei mir in den vergangenen Jahren an Beliebt- heit gewonnen hat. Die Themen Regio- nalität, Nachhaltigkeit, Klima sensibilisie- ren wieder verstärkt für einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln. Gerade in Bamberg, wo ich lebe und die Gärtnertradition untrennbar mit der Stadt und dem Welterbe verbunden ist, begeg- ne ich dem Thema überall. Beim obligato- rischen Gang zum Bauernmarkt am Sams- tag komme ich mit Leuten ins Gespräch und setze mich automatisch näher mit regiona- len Lebensmitteln auseinander, aber auch mit bewusstem und achtsamem Konsum. Was wächst wann, wo bei uns und welche alten Sorten gibt es hier vor Ort? Je mehr ich eintauche, desto mehr Angebote finde ich. Es gibt z. B. ein jährliches Saatgut-Fes- tival, das Bewusstsein für alte und samen- feste Saaten schafft, bei dem Sämereien getauscht werden. Hierüber bin ich auch auf die Transition-Bewegung in Bamberg aufmerksam geworden, die am Stadtrand einen Selbsterntegarten angelegt hat, auf dem in gemeinschaftlicher Arbeit gesät, geerntet und sich ausgetauscht wird. Eine Initiative, die es in vielen anderen Städten auch gibt. Da die Plätze sehr begehrt sind, ich aber direkt Lust verspürte mein eige- nes Projekt in Angriff zu nehmen, habe ich kurzerhand im kleinen Stil Zuhause ange- fangen. Schon während des Studiums hatte ich erste kleine Töpfe mit Kräutern auf dem Fensterbrett gepflanzt – viel Platz gibt es da bekanntlich nicht. Fast zehn Jahre später steht heute der halbe Hinterhof unserer neu bezogenen Wohnung voller Terrakotta- Töpfe: Tomaten, Gurken, Zucchini, Aubergi- nen. Und Sie ahnen es, das ist längst nicht alles. Die Leidenschaft hatte mich einfach gepackt. Daneben hatte mein persönliches Urban- Gardening auch während der Pandemie mit Homeoffice so einiges Gutes: Als ich im Mai mit der Aussaat und dem Bepflanzen der Töpfe anfing, genoss ich es nach einem Tag am Schreibtisch sehr, mit meinen Hän- den in der Erde zu wühlen und mein Werk danach voller Stolz zu begutachten. Seit- dem komme ich beim morgendlichen und abendlichen Gießen – praktischerweise mit Flusswasser aus der angrenzenden Reg- nitz – mit meinen Nachbarn ins Gespräch, die ich zuvor nur selten gesehen oder flüchtig gegrüßt habe. Auch im Arbeitskontext gibt es mitunter Projekte, die sich ideal mit meinem priva- ten Interesse verknüpfen lassen. Da fallen mir sofort unsere Wochenmarktkonzepte ein. Seit gut einem Jahr praktizieren wir bei uns im Büro sogar eine kleine Pflanzen- tauschbörse. Da keimt direkt der nächste Gedanke auf: Mit unserer Nachbarschaft ein Gemeinschaftsprojekt im Hinterhof zu starten! Vom Fensterbrett ... ... in den Hinterhof DANIELA POHL Beraterin Seit 2018 bei der cima in Forchheim Wühlt gern in Erde. Ein individueller Blick über den Tellerrand. pohl@cima.de 30 cima.persönlich
  • 31. IMPRESSUM RÜCKSPIEGEL Was cima.direkt-Magazin vor 15 Jahren berichtete. Einzelausgaben bestellbar: cimadirekt@cima.de 2/2006 Ganze Landstriche sind für die Immobilienbran- che kaum existent. Wäh- rend deutsche Metropo- len Champions League spielen, dürfen die ande- ren nur zuschauen. Das daraus resultierende Problem: Der Begriff der „gleichwertigen Lebens- verhältnisse“ beschränkt sich zunehmend auf die durch staatliche Transfers aufgebaute Infrastruktur, während die marktgetriebenen Investitionen ausbleiben und auf Dauer zur nach- haltigen Verschlechte- rung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse in betroffenen Städten und Regionen führen. Mindestens eine ehrli- che Analyse und darauf aufbauende realistische Konzepte erscheinen angebracht. von Prof. Dr. Jörn-Axel Meyer Standortmarketing ist nicht neu, doch der Markt hat sich grundlegend verändert. Seit Unternehmen ihre Investitionen welt- weit streuen hat der Wettbewerb erheblich zugenommen. Sind da die klassischen Strategien und Instru- mente zeitgemäß und wettbewerbsfähig? Nicht alle Standorte müssen umdenken, doch viele müssen innovativer werden, um sich im Wettbewerb der Standortvorteile zu be- haupten. Und das wird nicht mit guten Sachar- gumenten, sondern nur mit dem geschickten Zu- gang zu den Zielgruppen geschehen müssen. In immer mehr Regio- nen werden regionale Kooperationen und Ab- stimmungsverfahren ins Leben gerufen, die sich mit der Entwicklung des Einzelhandels befassen. Aus diesem Grund hat sich die CIMA im Rah- men eines regionalen Einzelhandelsprojektes nicht nur den Inhal- ten, sondern auch der praktischen Umsetzung des Abstimmungsver- fahrens gewidmet. In Zusammenarbeit mit dem Internetdienst- leister LabSeven wurde ein internetgestütz- tes Abstimmungstool ent­ wickelt, das die interkommunale Ab- stimmung in der Praxis beschleunigt und verein- facht. Un-)gleichwertige Lebensverhältnisse Paradigmen­wechsel im Marketing für deutsche Standorte Internetbasierte Kommunikation für regionale Modera- tions- und Abstim- mungsverfahren V.i.S.d.P. Dr. Wolfgang Haensch, cima Redaktion Maja Brunner brunner@cima.de www.cimadirekt.de T 0451-38 968 23 Mitarbeit Susanne André Arne Decker Martin Hellriegel Martin Kremming Stefan Leuninger Daniela Pohl Michael Seidel Jan Vorholt Roland Wölfel Gestaltung www.konturenreich.de Matthias Hugo Druck Kössinger AG www.koessinger.de Auflage/Erscheinungsweise 4.500, 3 x p.a. Anzeigen/Mediadaten www.cimadirekt.de Download Alle Ausgaben ab 2010: www.cimadirekt.de Neuregistrierung https:/ /news.cima.de/ f/166194-253952 Alle veröffentlichten Beiträge sind urheber- rechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung der cima ist jedwede Verwendung strafbar. Sollten Sie das ‚ cima.direkt- Magazin nicht mehr lesen wollen, informieren Sie uns: cima.direkt@cima.de Titelfoto: andresr/iStock HERAUSGEBER, VERLAG CIMA Beratung + Management GmbH Brienner Str. 45 80333 München www.cima.de 31 IMPRESSUM / RÜCKSPIEGEL
  • 32. Bestehende Gewerbegebiete geraten zunehmend in den Fokus von Wirtschaftsförderung, Stadtentwicklung und privaten Investoren. Ein geringes Angebot an neuen Flä- chen, die Prinzipien einer nachhaltigen Flächenentwick- lung und der Erhalt vorhandener Immobilienwerte sind die treibenden Kräfte. Gleichzeitig erleiden viele Standor- te Qualitätsverluste. Es besteht Handlungsbedarf, um die Zukunftsfähigkeit von Gewerbegebieten zu sichern. Das cima.PRAXISFORUM bietet anhand ausgewähl- ter Praxisbeispiele einen Einblick in das „WIE“ der Sicherung und Qualifizierung bestehender Gewer- begebiete - vom Konzeptansatz bis zur Rolle von Stadt, Eigentümern und Projektentwicklern. An drei Tagungsorten berichten Fachleute aus Wissenschaft und Praxis kompetent über Trends und Entwicklungen. Gewerbeflächen für die Zukunft innovativ. nachhaltig. erfolgreich. PRAXISFORUM REFERENTEN (Auswahl) Prof. Dr.-Ing. Thomas Krüger, HCU HafenCity Universität Hamburg Dr. Karl Lichtblau, IW-Consult In moderierten Gesprächsrunden geben Wirtschaftsför- derer, Planer und Investoren einen Einblick in ihre Praxis- beispiele und stellen sich der Diskussion. Hierzu gehören: PRAXISBEISPIELE Zukunftsstandort Aachen-Nord neue bahnstadt opladen (Leverkusen) Gebietsmanagement Augsburg-Ost Industriestandort 4.0: Gewerbegebiet Hamburg-Rothenburgsort Leverkusen 06.10.2021 Augsburg 20.10.2021 Hamburg Januar 2022 SAVE THE DATES Anmeldung ab Mitte August 2021 www.cima.de PRAXISFORUM Kontakt/Organisation: CIMA Beratung + Management, Maja Brunner, brunner@cima.de, T 0451-389 68 23 www.cima.de