PGA
5 Lucia Bauer / Tina Brunauer
      Damit wir uns verstehen
      Tipps und Konzepte für Öffentlichkeitsarbeit im Betrieb




      INHALT                                                          Inhaltliche Koordination:
      Was bedeutet Öffentlichkeitsarbeit?                         3   Stefan Maderner
      Zielgruppen                                                 3
      Wozu brauchen Betriebsräte/Personalvertretungen
      Öffentlichkeitsarbeit?                                      6
      Beispiel 1: Image                                           6
      Beispiel 2: Betriebsratswahl                                7
      Beispiel 3: Gewinnung neuer Gewerkschaftsmitglieder         7
      Beispiel 4: Krisenkommunikation                             7
      Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit                       8
      (Mündliche Kommunikation, Rundschreiben, Flugblatt,
      Betriebszeitung, Schwarzes Brett, Homepage, Intranet,
      Diskussionsgruppen, Weblogs, Newsletter, SMS)
      Medien selbst gestalten                                    26
      Texten                                                     27
      Layout                                                     29
      Bilder                                                     33
      Konzepte für Öffentlichkeitsarbeit                         35
      Beispiel 1: Image Betriebsrat Haferschrot GmbH             39
      Beispiel 2: Betriebsratswahl bei der Schlau & Söhne GmbH   43
      Beispiel 3: Gewinnung neuer Gewerkschaftsmitglieder
      bei der Stahlo GmbH
      Beispiel 4: Krisenkommunikation bei der Pharmamio AG
                                                                 47
                                                                 52
                                                                      Stand: August 2006
      Exkurs: Medienarbeit                                       58
      Quellenverweis                                             60
      Beantwortung der Fragen                                    61
      Fernlehrgang                                               63
Anmerkungen
                  Wie soll mit diesem Skriptum
                  gearbeitet werden?
                  Zeichenerklärung
                               Frage zum Lernstoff im vorigen Abschnitt (vergleichen Sie
                               Ihre eigene Antwort mit der am Ende des Skriptums ange­
                               gebenen).



                  Anmerkungen: Die linke bzw. rechte Spalte jeder Seite dient zur Eintra­
                               gung persönlicher Anmerkungen zum Lernstoff. Diese
                               eigenen Notizen sollen, gemeinsam mit den bereits vorge­
                               gebenen, dem Verständnis und der Wiederholung dienen.

                  Schreibweise:   Wenn im folgenden Text männliche Schreibweisen ver­
                                  wendet werden, so ist bei Entsprechung auch die weibliche
                                  Form inkludiert. Auf eine durchgehende geschlechtsneu­
                                  trale Schreibweise wird zu Gunsten der Lesbarkeit des Tex­
                                  tes verzichtet.


                  Arbeitsanleitung
                  – Lesen Sie zunächst den Text eines Abschnitts aufmerksam durch.
                  – Wiederholen Sie den Inhalt des jeweiligen Abschnittes mit Hilfe der ge­
                     druckten und der eigenen Randbemerkungen.
                  – Beantworten Sie die am Ende des Abschnitts gestellten Fragen (möglichst
                     ohne nachzusehen).
                  –	 Die	Antworten	auf	die	jeweiligen	Fragen	finden	Sie	am	Ende	des	Skrip­
                     tums.
                  – Ist Ihnen die Beantwortung der Fragen noch nicht möglich, ohne im Text
                     nachzusehen, arbeiten Sie den Abschnitt nochmals durch.
                  – Gehen Sie erst dann zum Studium des nächsten Abschnitts über.
                  – Überprüfen Sie am Ende des Skriptums, ob Sie die hier angeführten
                     Lernziele erreicht haben.



                  Lernziele
                  Nachdem Sie dieses Skriptum durchgearbeitet haben, sollen Sie
                  – über die Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit im Betrieb Bescheid wis­
                     sen,
                  –	 ein Konzept für Ihre Öffentlichkeitsarbeit erstellen können,
                  –	 wissen, wie Sie mit Ihren Zielgruppen erfolgreich kommunizieren kön­
                     nen.


                  Die Autorinnen danken Mag.a Karin Zimmermann und Mag. Michael
                  Niedermair sowie Dipl.­Ing. Dr. Andreas Ferschl für ihre wertvollen An­
                  regungen und ihre Hilfe beim Fertigstellen dieses Skriptums.



                  Viel Erfolg beim Lernen!
Öffentlichkeitsarbeit                                                                     Anmerkungen



Was bedeutet Öffentlichkeitsarbeit?
Die Arbeit von Betriebsräten/­innen und Personalvertretern/­innen spielt
sich oft im Stillen ab. Erst vor einer Wahl werden die Erfolge der vergan­
genen Jahre kommuniziert. Das ist schade, denn Interessenvertretung heißt
beständig arbeiten, sich immer wieder für die Kolleginnen und Kollegen
stark machen. Damit der Einsatz des Betriebsrates (BR) oder der Personal­
vertretung (PV) auch wahrgenommen wird, ist regelmäßige Kommunika-
tion wichtig.
Bescheidenheit bringt weder Anerkennung noch ein gutes Image: Erfolge                     Von Erfolgen erzählen
dürfen also auch kommuniziert werden! Auch bei Problemen ist es sinn­
voll, rechtzeitig die Kollegen/­innen zu informieren. So ist es leichter, die
Handlungen des Betriebsrats im richtigen Licht darzustellen und
Verständnis zu wecken. Trotzdem sollte sich der Betriebsrat/die Personal­
vertretung nicht zum Boten schlechter Nachrichten (z. B. der Unterneh­
mensleitung) machen lassen.
Ein Spannungsfeld in der innerbetrieblichen Kommunikation ist das Be­
triebsgeheimnis. Im Zweifelsfall sollte man lieber intern als extern infor­
mieren – und sich bei besonders heiklen Materien vorher rechtlich beraten
lassen.

   Die Mitarbeiter/-innen müssen immer zuerst informiert werden.                          Mitarbeiter/­innen als
   Sie sollten für sie wichtige Veränderungen nie erst aus der Zeitung                    Erste informieren
   erfahren.

Öffentlichkeitsarbeit im Betrieb hilft die Bekanntheit des BR oder der PV
zu steigern oder das Image zu verbessern. Öffentlichkeitsarbeit soll Erfolge
„verkaufen“ aber auch laufende Verhandlungen begleiten und mögliche
Konflikte	 darstellen.	 Öffentlichkeitsarbeit	 im	 Betrieb	 trägt	 auch	 dazu	 bei	
gewerkschaftliche Themen im Betrieb zu verbreiten und neue Mitglieder
für die Gewerkschaft zu gewinnen.
Damit das gelingt, muss Öffentlichkeitsarbeit geplant werden. Gemeinsam                   Kommunikation
können die Mitglieder des BR/der PV ein Konzept erstellen, in dem die                     planen
Eckpunkte der Kommunikation festgehalten sind: Wann wird was an wen
kommuniziert, mit welchem Ziel. So können die verschiedenen Mittel der
Kommunikation (Betriebsratszeitung, Newsletter, Mitarbeiterversamm­
lung etc.) aufeinander abgestimmt werden. Welche Punkte ein Konzept
enthalten soll und welche Mittel der Öffentlichkeitsarbeit für die Arbeit im
Betrieb wichtig sind, erklärt dieses Skriptum.
Die Begriffe Öffentlichkeitsarbeit (ÖA) und Public Relations (PR) werden in
diesem Skriptum synonym verwendet.




Zielgruppen
Die Zielgruppen der Arbeit von Betriebsräten (BR) und Personalvertre­
tungen (PV) sind vielfältig. Denn neben dem Dialog mit Kollegen/­innen
und der Unternehmensleitung müssen auch externe Gruppen wie Kun­
den/-innen,	Politik	und	Gemeinde	bedacht	werden.	Folgende	Grafik	zeigt	
wichtige Zielgruppen für die betriebliche ÖA. Je nach der aktuellen Situati­
on im Unternehmen oder der Organisation werden manche dieser Gruppen
wegfallen bzw. neue hinzukommen.
Anmerkungen




                          Die Zielgruppen können auf 3 Ebenen angesiedelt sein: Im Betriebsrat selbst,
                          im Unternehmen und außerhalb des Unternehmens.

                          Quelle: Tina Brunauer

                          Zielgruppen im Unternehmen
     Dialog mit den       Die wichtigste Zielgruppe von Betriebsräten und Personalvertretungen
Mitarbeitern/­innen       sind die Mitarbeiter/­innen (MA) des Unternehmens/der Organisation. Sie
                          sollen über die Arbeit des BR/der PV informiert werden. Ihre Meinung zu
                          möglichen neuen Betriebsvereinbarungen, zur Betriebsratsumlage etc. ist
                          gefragt.
                          In ihrer Arbeit haben BR/PV viel mit der Unternehmensleitung zu tun: In
                          Verhandlungen, in offenen Briefen oder bei gemeinsamen Veranstaltungen
                          stehen sie in Kontakt mit der Leitung des Unternehmens. Eigentümer/
                          ­innen, seien es Mutterkonzerne, Aktionäre/­innen oder staatliche Orga­
                          nisationen, müssen ebenfalls bedacht werden. Unternehmensleitung und
                          Eigentümer/­innen gehören also zu den Zielgruppen im Unternehmen.
                          Viele Unternehmen beschäftigen freie MA und Leiharbeiter/­innen, die
                          auch eine Zielgruppe des Betriebsrats sein können.

                          Zielgruppen außerhalb des Unternehmens
                          Jeder Betrieb und jede Organisation agiert in der Öffentlichkeit: Mögliche
                          Zielgruppen	 sind	 daher	 Kunden/-innen	 oder	 Klienten/-innen,	 Lieferfir­
                          men, Konkurrenz, Nachbarn/­innen, Freunde/­innen und Verwandte der
                          MA etc. In staatsnahen Betrieben sind Politik und Medien eine wichtige
                          Zielgruppe. Die Abstimmung mit Gewerkschaft und Arbeiterkammer ist
                          für die tägliche Arbeit wichtig, manchmal macht es auch Sinn Netzwerke
                          mit Betriebsräten/­innen in ähnlichen Betrieben in Österreich oder Europa
                          aufzubauen.
   Allianzen bilden       Der Kontakt mit diesen weiteren Zielgruppen ist meist auf konkrete An­
                          lässe (z. B. Werksabsiedelung, Privatisierung, etc.) begrenzt. Dennoch kön­
nen sie für die Öffentlichkeitsarbeit im Betrieb wichtig sein: Bürgermeister/       Anmerkungen
­innen können von außen Druck ausüben, mit befreundeten BR lassen sich
Allianzen bilden. Kunden/­innen sollen informiert werden, wenn sie von
Maßnahmen des BR/der PV betroffen sind.
Die jeweilige Zielgruppe kann man am besten dort ansprechen, wo ihr In­             Externe Zielgruppen
teresse liegt: Die zuständige Gewerkschaft ist in vielen Fällen strategische        als Verbündete
Partnerin, unterstützt die Betriebsräte/­innen und sollte daher bei wich­
tigen Themen von Anfang an eingebunden sein. Gemeinden sind am eige­
nen Standort interessiert, bei einer Betriebsabsiedelung ist mit Widerstand
des/der Bürgermeisters/­in zu rechnen.

Interne Kommunikation
Damit überhaupt gearbeitet werden kann, ist die Abstimmung innerhalb
des BR, der PV wichtig: Die Betriebsräte/­innen für Arbeiter/­innen und
Angestellte können sich absprechen und gemeinsam Anliegen verfolgen.
Fraktionen können ihre Differenzen für einen gemeinsamen Einsatz für die
Kollegen/­innen überwinden. Wie auch immer die Zusammenarbeit vor
sich geht, die jeweils andere Gruppe im BR/der PV sollte in der Kommuni­
kation nie vergessen werden.


Zielgruppen erreichen
Wer sind die Personen in der Ziel­ oder Dialoggruppe? Auf sie muss die
Kommunikation zugeschnitten sein, ihre Sprache, ihre Lesegewohnheiten
müssen getroffen werden. Betriebsräte/­innen und Personalvertreter/­in­
nen wissen, welcher Ton in ihrem Betrieb üblich ist. Auch alle anderen
Kommunikationsmittel des BR/der PV (Briefe, Zeitung, Intranet etc.) soll­
ten zu den Bedürfnissen der Zielgruppe passen.
Dabei kann es helfen, sich die Zusammensetzung der Zielgruppe anzu­                 Zielgruppe
sehen. Sind hauptsächlich Frauen oder Männer in der Zielgruppe? Wie                 unter der Lupe
hoch ist die Schulbildung der Personen, wie alt sind sie? Lesen sie regelmä­
ßig Texte oder bevorzugen sie mündliche Kommunikation bzw. TV? Inter­
essiert sie das Thema sehr, etwas oder kaum? Wie stehen sie zu Betriebsrat
und Gewerkschaft?
Nach folgenden Kriterien lässt sich die Zielgruppe genauer bestimmen:
l	 Interesse am Thema

l	 Einstellung gegenüber Interessensvertretung

l	 ArbeiterIn/AngestellteR

l	 Einkommen

l	 Stellung im Unternehmen

l	 Gewerkschaftsmitglied ja/nein

l	 beschäftigt in Filiale bzw. Zentrale

l	 Geschlecht

l	 Alter

l	 Schulbildung

l	 politisches Interesse

l	 Medienkonsum und Zugang zu Medien

l	 Wohnort bzw. Bundesland


Eine professionelle Beschreibung der eigenen Zielgruppe und ihrer Inter­
essen bieten MA­Befragungen. Sie erheben auch das Meinungsbild der MA
zu aktuellen Themen und ihre Wünsche in Bezug auf die Interessenvertre­
tung im Unternehmen.
Anmerkungen
                          Wozu brauchen Betriebsräte/Personal-
                          vertretungen Öffentlichkeitsarbeit?
                          Kommunikation lässt sich nicht abschalten, oder nach Watzlawick: Man
                          kann nicht nicht kommunizieren. Das heißt, dass auch die Tatsache, dass
                          man sich an einem Thema, einer Diskussion nicht beteiligt, etwas kommu­
                          niziert: nämlich z. B. Desinteresse oder Abwesenheit. Den Eindruck, den
                          man ohne bewusste Kommunikation erweckt, kann man nicht steuern.

      Informieren,            Öffentlichkeitsarbeit kann helfen, das Bild, das andere von einem
        begeistern,           haben, mitzugestalten. Öffentlichkeitsarbeit informiert, begeistert
       überzeugen             und überzeugt (im idealen Fall) von der Arbeit des Betriebsrats/der
                              Personalvertretung.

                          Wer selbst kommuniziert, kann die Diskussion eines Themas besser dirigie­
                          ren. Öffentlichkeitsarbeit ist auch ein Mittel Themen zu setzen, das heißt die
                          Zielgruppen auf ein Thema aufmerksam zu machen. Damit gewinnt man
                          Themenhoheit, ist erste/­r Ansprechpartner/­in und kann die Interpreta­
                          tion	eines	Themas	beeinflussen.
                          Folgende fiktive Fallbeispiele zeigen typische Fälle, in denen Öffentlich­
                          keitsarbeit im Betrieb eingesetzt werden kann.


                          Beispiel 1: Image Betriebsrat Haferschrot GmbH
                          In	unserem	fiktiven	Beispiel	will	der	Betriebsrat	(BR)	der	Firma	Haferschrot	
                          sein Image bei den Mitarbeitern/­innen (MA) verbessern. Die Haferschrot
                          GmbH ist eine Großbäckerei und beschäftigt insgesamt 00 Arbeiter/­in­
                          nen und  Angestellte. Sie teilen sich über 0 Filialen und eine Zentrale auf
                          bzw. sind mit den Lieferfahrzeugen unterwegs.
                          Die Branche ist von hartem Wettbewerb geprägt, die Bäckerei expandiert.
                          Aktuelle Themen für den gemeinsamen BR von Arbeitern/­innen und An­
                          gestellten: Teilzeitkräfte, die tendenziell Vollzeit arbeiten, auch real auf
                          Vollzeit umstellen; Gesundheit am Arbeitsplatz.
                          Eine vom Betriebsrat organisierte Befragung der MA ergibt, dass das Image
                          des Betriebsrates als „eher schwach aber engagiert“ beschrieben wird. Der
                          Betriebsrat möchte sein Image korrigieren und als „kompetent, engagiert
                          und wählbar“ wahrgenommen werden. Im Kapitel „Konzepte für Öffent­
                          lichkeitsarbeit“, S. 9 beschreiben wir, welche Maßnahmen diese Image­
                          Korrektur unterstützen können.

Image, inneres Bild           Das Image ist das innere Bild, das andere Menschen vom BR/der
                              PV haben. An das Image knüpfen sich Wissen, Gefühle und Hand-
                              lungsabsichten.1

                          Eine Imagekorrektur ist ein langfristiger Prozess, kann also mehrere Jahre
                          dauern. Nicht immer gelingt es ein festgefahrenes Bild in den Köpfen der
                          Zielgruppen komplett zu ändern. Leichter ist es bestehende Bilder zu ver­
                          stärken oder ein wenig abzuändern.




                          1   Quelle: Artikel „Image“. In: Wikipedia. Die Freie Enzyklopädie. Stand: 18. März 00 1
                              Uhr 0. Online im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Image
Beispiel 2: Betriebsratswahl bei der Schlau  Söhne GmbH                           Anmerkungen
Die	fiktive	Reinigungsfirma	Schlau		Söhne	beschäftigt	170	Personen,	die	
vor allem in zwei Bereichen tätig sind: der Reinigung von Bürogebäuden
(Innenbereich) und der Reinigung von Außenanlagen (Außenbereich). Die
Arbeiter/­innen im Innenbereich sind großteils Teilzeit beschäftigt und
arbeiten am frühen Morgen. Die Arbeiter/­innen im Außenbereich sind
alle Vollzeit beschäftigt und untertags tätig. Im Außenbereich arbeiten  %
Frauen und  % Männer, im Innenbereich sind es 98 % Frauen. Drei Viertel
aller Beschäftigten haben eine andere Muttersprache als Deutsch, und zwar
hauptsächlich Türkisch, Kroatisch, Englisch und Albanisch.
In einem Jahr wird der Arbeiter­Betriebsrat (BR) der Firma neu gewählt.
Drei von fünf aktiven BR werden wegen ihrer Pensionierung nicht mehr
zur Wahl antreten. Von den Ersatzmitgliedern zeigen ebenfalls drei kein
Interesse als aktives BR­Mitglied zu kandidieren, sie wollen aber Ersatzmit­
glieder bleiben. Dementsprechend fehlen für den Wahlvorschlag mindes­
tens drei Freiwillige.
Die	verbleibenden	Mitglieder	im	Betriebsrat	wollen	bis	zur	Wahl	MA	fin­
den, die sich bereit erklären als BR zu kandidieren. Außerdem möchten sie
ihre Kollegen/­innen motivieren, an der Wahl teilzunehmen. Ein Hemmnis
ist dabei die Sprachbarriere: Die Mitglieder des bisherigen BR sprechen
Deutsch, Englisch und Kroatisch nicht aber Türkisch oder Albanisch.
Die wichtigsten Themen der BR­Arbeit: Beratung für die MA (nicht nur) in
arbeitsrechtlichen Fragen, faire Abgeltung von Überstunden.
Im Kapitel „Konzepte für Öffentlichkeitsarbeit“, S.  beschreiben wir, wie
dieses Problem mit einem Kommunikationskonzept angegangen werden
kann.


Beispiel 3: Gewinnung neuer Gewerkschafts-Mitglieder
bei Stahlo GmbH
Die	fiktive	Firma	Stahlo	GmbH	produziert	Blechteile	für	Autokarosserien	
und beschäftigt 0 Mitarbeiter/­innen in Niederösterreich (80 Arbeiter/
­innen und 0 Angestellte). In den 0­er Jahren war der Traditionsbetrieb
zu fast 100 % gewerkschaftlich organisiert, mittlerweile ist der Organisati­
onsgrad aber auf nur mehr 0 % gefallen. Ein Grund dafür ist, dass in den
letzten Jahren viele Stamm­MA in Altersteilzeit oder in Frühpension gingen
und teilweise gar nicht oder durch Leiharbeiter/­innen ersetzt wurden.
Von den jüngeren Beschäftigten, die noch nicht so lange dabei sind, sind
viele keine Gewerkschaftsmitglieder. Seit der Organisationsgrad im Betrieb
gesunken ist, ist es schwieriger geworden, die Beschäftigten für gewerk­
schaftliche Themen zu interessieren und zu mobilisieren.
Mit Unterstützung der Gewerkschaft beschließen daher Arbeiter/­innen­              Mitgliedergewinnung
und Angestelltenbetriebsräte/­innen den Stahlo­MA das Thema Gewerk­
schaft wieder näher zu bringen und neue Mitglieder zu gewinnen. Wie
ihr Kommunikationskonzept genau aussieht, ist im Kapitel „Konzepte für
Öffentlichkeitsarbeit“, S.  erklärt.


Beispiel 4: Krisenkommunikation bei der Pharmamio AG
Der	 fiktive	 Pharmakonzern	 Pharmamio	 beschäftigt	 2.400	 Mitarbeiter/-in­
nen (MA) in Wien. Immer wieder wird in der Branche über mögliche feind­
liche Übernahmen von Seiten größerer Firmen spekuliert. Der Betriebsrat
rechnet damit, dass in den nächsten fünf Jahren Pharmamio entweder mit
einer anderen Firma fusioniert oder feindlich übernommen wird. Diese Er­
wartung speist sich aus Gesprächen mit der Unternehmensleitung und den
allgemeinen Entwicklungen in der Branche.
Anmerkungen          Im Falle einer Fusion oder feindlichen Übernahme ist mit Personalabbau zu
                     rechnen. Der Betriebsrat (BR) möchte so viele MA wie möglich im Unter­
                     nehmen halten können. Die Krise ist für ihn nicht die Fusion oder Übernah­
                     me, sondern die etwaige Kündigung von MA.

                         Öffentlichkeitsarbeit kann keine Krise lösen. Sie ist kein Ersatz
                         für strategische Planung und auch kein Ersatz für Handlungen
                         und Verhandlungen. Ein Kommunikationskonzept kann aber Teil
                         eines Krisenplans sein und beim Weg aus der Krise unterstützen.

                     Das Betriebsratsteam erarbeitet für den Fall des Personalabbaus im Zuge
                     einer Übernahme/Fusion gemeinsam einen Krisenplan. Teil davon ist ein
                     Kommunikationskonzept, das im Kapitel „Konzepte für Öffentlichkeitsar­
                     beit“, S.  näher beschrieben ist.
   Krisenplan        Krisen sind ein Härtefall für jede BR­Arbeit. Es lohnt sich, sie im Voraus zu
                     erkennen und mögliche Szenarios durchzuplanen. So ist man beim tatsäch­
                     lichen Eintreten der Krise besser vorbereitet und kann souveräner agieren.
                     Während und vor der Krise sollte der BR unbedingt jene Informationen
                     einfordern,	 die	 zu	 geben	 die	 Unternehmensleitung	 gesetzlich	 verpflichtet	
                     ist. Experten/­innen aus Gewerkschaft und Arbeiterkammer können dabei
                     helfen, die Situation richtig einzuschätzen und Handlungsmöglichkeiten zu
                     definieren.


                                    1. Was ist ein Image? Kann ein Image verändert werden?




                                    . Welche Rolle spielt Öffentlichkeitsarbeit in einer Krisen­
                                       situation?




                     Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit
Medien gezielt       Für die Kommunikation mit den unterschiedlichen Ziel­ und Dialoggrup­
   auswählen         pen können verschiedene Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit (Medien)
                     eingesetzt werden: Dabei kommt für die innerbetriebliche Kommunikation
                     ein rasches Infomail an alle Beschäftigten genauso infrage wie ein Artikel in
                     der Betriebsratszeitung oder eine kurzfristig anberaumte Betriebsversamm­
                     lung.


                        Die Begriffe Kommunikationsinstrumente, Medien und Kommunikationsmittel werden in
                         diesem Skriptum synonym verwendet.

                 8
Aber welches ist das richtige Medium für die eigene Zielgruppe? Mit wel­               Anmerkungen
chen Instrumenten erreicht man am raschesten das anvisierte Kommunika­
tionsziel?
Wer	auf	diese	Fragen	eine	zufrieden	stellende	Antwort	finden	möchte,	muss	
sich mit der Zielgruppe für seine Öffentlichkeitsarbeit bereits näher befasst
haben – mit deren Zusammensetzung, Interessen und Umfeld. (Näheres
dazu im Kapitel „Zielgruppen“ S. ) Zudem muss er/sie sich auch über die
eigenen Kommunikationsziele klar geworden sein. (Vergleiche dazu Kapi­
tel „Wozu brauchen Betriebsräte/Personalvertretungen Öffentlichkeitsar­
beit?“ S. ) Erst dann sollte die Entscheidung fallen, welche Kommunikati­
onsmittel eingesetzt werden. Vor allem wenn die Ressourcen Zeit und Geld
knapp bemessen sind, müssen Öffentlichkeitsarbeiter/­innen sehr genau
planen, um Leerläufe und unnötige Kraftvergeudung zu vermeiden.
Eine professionell gestaltete BR­Website kann ein Mauerblümchen­Dasein                 Zielgruppe bedenken
führen,	wenn	die	Beschäftigten	z.	B.	im	Pflegebereich	arbeiten	und	so	am	
Arbeitsplatz keinen Zugang zum Internet haben. Auch Verbesserungen an
der Website bringen dann keine erhöhten Zugriffsraten. Dagegen könnte
die gleiche Website das perfekte Kommunikationsmittel in einem EDV­
Betrieb darstellen, in dem die Beschäftigen ohnehin permanent online sind.
Die	 Mitarbeiter/-innen	 im	 Pflegebereich	 lesen	 dafür	 vielleicht	 gerne	 in	
einer Betriebszeitung und informieren sich auf ansprechend gestalteten
schwarzen Brettern in den Pausenräumen. Vergebliche Liebesmüh bleibt
eine noch so gut gemachte Zeitung wiederum bei Mitarbeitern/­innen, die
wenig oder gar nicht deutsch können. Mehrsprachige Flugblätter mit wenig
Text	sind	in	diesem	Fall	effizienter.

   Grundsätzlich wird zwischen schriftlicher und mündlicher Kom-                       Schriftliche und münd­
   munikation unterschieden. Beide Kommunikationsarten sind für                        liche Kommunikation
   die Öffentlichkeitsarbeit im Betrieb notwendig und ergänzen sich
   gegenseitig.

Auch ein tolles Flugblatt ersetzt nicht das persönliche Gespräch und ein
E­Mail­Newsletter kann in Krisensituationen nicht die Betriebsversamm­
lung ersetzen. Stattdessen werden die einzelnen Schritte aufeinander ab­
gestimmt und an die konkrete betriebliche Situation angepasst: Ein E­Mail­
Newsletter liefert den Beschäftigten die erste Information. Im selben E­Mail
finden	sie	eine	Telefonnummer	und	können	sich	so	noch	einmal	persönlich	
informieren. Zusätzlich gibt es eine Fragestunde mit dem/der Betriebsrats­
vorsitzenden. Und im Rahmen dieses Gesprächs wird den MA wiederum
weiterführendes schriftliches Infomaterial zum Nachlesen übergeben.
Welches Gewicht bei der betrieblichen Öffentlichkeitsarbeit jeweils schrift­
licher und mündlicher Kommunikation eingeräumt wird, hängt von vielen
Faktoren ab. Einer davon ist sicher die Betriebsgröße. Je mehr Personen die
Zielgruppe umfasst, umso wichtiger ist die schriftliche Kommunikation.


Mündliche Kommunikation
Die Basis für die Öffentlichkeitsarbeit im Betrieb ist das persönliche                 Reden, reden, reden
Gespräch am Arbeitsplatz. Im persönlichen Gespräch entsteht Sympathie,
klären sich Missverständnisse auf und werden Mitglieder für die Gewerk­
schaft gewonnen.

   Beschäftigte, die sich in einem persönlichen Gespräch gut betreut
   und beraten fühlen, transportieren diese Erfahrung weiter und
   werden so zu Multiplikatoren/-innen für die Botschaft der betrieb-
   lichen Interessenvertretung.


                                                                                   9
Anmerkungen            Die Bedeutung eines persönlichen Gesprächs kann daher gar nicht hoch
                         genug eingeschätzt werden.
      Rundgänge          Natürlich ist es nicht immer möglich mit allen zu reden. Vor allem in groß­
durch den Betrieb        en Betrieben mit vielen Beschäftigten kann ein verhältnismäßig kleines BR­
                         /PV­Team nicht mit jeder einzelnen Person sprechen. Trotzdem erwarten
                         die Beschäftigten in der Regel von engagierten Betriebsräten/­innen, dass
                         sie am Arbeitsplatz persönlich präsent sind. Ein regelmäßiger Rundgang
                         sollte daher ein Fixpunkt in der betrieblichen Öffentlichkeitsarbeit sein.
                         Die Beschäftigten haben so die Möglichkeit ihren betrieblichen Vertretern/
                         ­innen die eigenen Anliegen direkt mitzuteilen und die Betriebsräte/­innen
                         erfahren aus erster Hand über Wünsche und Probleme der Beschäftigten.
                         Diese	 Kenntnisse	 können	 dann	 sofort	 in	 die	 Betriebsratsarbeit	 einfließen.	
                         Natürlich kommt es im persönlichen Gespräch auch vor, dass sich die Be­
                         triebsratsmitglieder Beschwerden über die eigene Arbeit anhören müssen.
                         Im	 besten	 Fall	 können	 diese	 Probleme	 und	 Konflikte	 gleich	 ausdiskutiert	
                         werden. In jedem Fall aber wird auf diesem Weg vermieden, dass sich Pro­
                         bleme über längere Zeit hinweg aufstauen.
    Großbetriebe         In größeren Betrieben ist es kaum möglich, dass der/die Vorsitzende jede
                         Woche durch alle Abteilungen geht. Hier ist Arbeitsteilung wichtig: Für
                         jeden Bereich sollte es ein zuständiges Mitglied des Betriebsratsteams geben,
                         das als Ansprechperson für die Beschäftigten zur Verfügung steht. Auch
                         hier gilt: Je genauer die Betriebsräte/-innen ihre Zielgruppe kennen, umso
                         einfacher gestaltet sich die Kommunikation. Wenn sich beispielsweise eine
                         Gruppe von Beschäftigten eines bestimmten Bereichs regelmäßig zum Mit­
                         tagessen oder zur Frühstückspause trifft, könnten diese Treffen eine gute
                         Gelegenheit darstellen, Kontakt aufzunehmen und Gespräche zu führen.
                         Auch gemeinsame Interessen und Hobbies von Beschäftigten lassen sich für
                         die Öffentlichkeitsarbeit des Betriebsratsteams nutzen. Sportveranstaltun­
                         gen,	Reisen	und	Ausflüge	sind	die	Klassiker	auf	diesem	Gebiet	der	Kommu­
                         nikationsarbeit. Je nach Zielgruppe besteht darüber hinaus die Möglichkeit
                         kulturelle Events zu veranstalten, politische Diskussionsveranstaltungen
                         und vieles mehr.
                         In Betrieben mit vielen MA gelingt es oft, Beschäftigte in die Betriebsrats-
                         arbeit einzubinden, die dem BR/der PV bereits aufgeschlossen gegenü­
                         berstehen. In jedem Betrieb gibt es Personen, die positive Erfahrungen mit
                         dem Betriebsrat gemacht haben oder jemanden aus dem Team persönlich
                         kennen. Sie können die Betriebsräte/­innen unterstützen, indem sie ihnen
                         Informationen über die Stimmung unter den Beschäftigten liefern und sie
                         auf aktuelle Probleme hinweisen. Manche Leute lassen sich dafür gewin­
                         nen, konkrete Aufgaben zu übernehmen – wie Flugblätter verteilen oder
                         einmal einen Bericht für die Zeitung schreiben.
  Sprechstunden          Als Ergänzung für die Besuche am Arbeitsplatz sollte es regelmäßige
                         Sprechstunden des BR/der PV geben, in denen vertrauliche Gespräche
                         geführt werden können. Damit die MA diese Möglichkeit nutzen, muss
                         immer dafür geworben werden – zum Beispiel bei Betriebsversammlungen
                         aber auch in Aussendungen oder in der Betriebszeitung.
                         Die Sprechstunde selbst muss zeitlich so angelegt sein, dass die Beson­
                         derheiten des jeweiligen Betriebs berücksichtigt werden. Der Ort für die
                         Sprechstunde wird so gewählt, dass er für die Beschäftigten gut erreichbar
                         ist. Bei sehr großen Unternehmen bleibt oft nur, die Sprechstunden dezent­
                         ral an mehreren Orten abzuhalten. Der Raum selbst muss für die Beschäf­
                         tigten einladend wirken. Infofolder und Broschüren liegen während der
                         Sprechstunde idealerweise immer parat. Es macht keinen guten Eindruck,
                         wenn der Betriebsrat/die Betriebsrätin sie erst unter Stößen von anderen
                         Papieren hervor kramen muss.



                    10
Bei der Betreuung besonders gefordert sind Betriebsräte/­innen von Leih-                 Sonderfall:
arbeitsfirmen und anderen Bereichen, wo die Beschäftigten auf viele                      viele Standorte
Standorte verstreut sind. Ihnen bleibt keine andere Wahl als den Großteil
der Kommunikation mit der Belegschaft schriftlich zu gestalten. Trotzdem
sollte auch da für die Beschäftigten die Möglichkeit bestehen, Kontakt mit
dem Betriebsrat/der Betriebsrätin aufzunehmen und ein persönliches Ge­
spräch zu vereinbaren. Dort, wo die Beschäftigten ihre Vertreter/­innen
nicht oder kaum persönlich kennen, ist es besonders wichtig sich in den
schriftlichen Medien immer mit Foto und Kontaktmöglichkeit (Telefon und
E­Mail) zu präsentieren.
Ein unverzichtbares Mittel und der Klassiker der mündlichen Kommuni­                     Betriebs­
kation ist die Betriebsversammlung. Betriebsversammlungen sind keine                     versammlungen
langweilige	Pflicht	oder	Veranstaltungen,	die	nur	in	Krisenzeiten	stattfin­
den und der Übermittlung von Hiobsbotschaften dienen. Betriebsversamm­
lungen können auch informativ sein und Spaß machen. Es lohnt sich, jedes
mal von Neuem ausführlich über ihre Gestaltung nachzudenken.
Die Nachdenkarbeit beginnt bei der rechtzeitigen Einladung, die eine in­
teressante Veranstaltung verspricht. Nicht besonders ansprechend klingt
eine Einladung, die als Tagesordnung ausschließlich Punkte enthält wie
Bericht des BR, Bericht der Geschäftsführung, Aktuelles, Verschiedenes,
etc. Wichtige Themen, die bei der Betriebsversammlung diskutiert werden
sollen, können schon in die Einladung eingebaut werden. Weitere Tipps zur
Gestaltung	der	Einladung	finden	sich	im	Abschnitt	„Medien	selbst	gestal­
ten“ S. .
Eine Betriebsversammlung die den BR/die PV als Team präsentiert, wirkt                   Betriebsrat als
wesentlich sympathischer, und ansprechender als eine einstündige One­                    Team präsentieren
Man­ oder One­Woman­Show des/der Vorsitzenden.
Der Einsatz von Multi-Media für Präsentationen gleich welcher Art ist                    Präsentationsmedien
heute überall Standard. Dazu gehört bei großen Veranstaltungen z. B. eine                einsetzen
Powerpointpräsentation, die die wichtigsten Informationen im Design des
BR/der PV visualisiert. Bestimmte Themen lassen sich vielleicht auch durch
ein kurzes Video besonders gut darstellen, das am Arbeitsplatz aufgenom­
men wurde. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.
Einen Experten/eine Expertin zur Versammlung einzuladen, kann einen                      Experten/­innen und
neuen Blickwinkel auf ein bestimmtes Thema eröffnen. Eine Diskussions­                   Diskussionsrunden
runde mit betroffenen MA, die zu einem umstrittenen Thema mit je einem
Vertreter/einer Vertreterin der Arbeitgeberseite und des BR/der PV dis­
kutieren, lockert die Veranstaltung auf und macht die Beschäftigten zu
Beteiligten.
Detaillierte Informationen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen einer
Betriebsversammlung gibt das Skriptum „Sitzungen und Versammlungen
der Belegschaftsvertretungen“ – PGA . Mehr Infos zum Thema Gesprächs­
führung,	 Reden	 verfassen	 etc.	 finden	 sich	 im	 Skriptum	 „Sprechen	 –	 frei	
sprechen“ – SK 1. Beide können unter www.voegb.at/skripten herunter
geladen werden.


Rundschreiben
Jeder Betriebsrat und jede Betriebsrätin hat wohl schon ein Schreiben an die             Informationsschreiben
Beschäftigten verfasst, das per Post, E­Mail oder händisch an die Beschäf­               des BR/der PV
tigten verteilt wurde. Rundschreiben gehören zu den einfachsten Mitteln
der schriftlichen Kommunikation im Betrieb. Trotzdem sollte jedes einzelne
gut durchdacht und Teil eines Gesamtkonzeptes sein.




                                                                                    11
Anmerkungen
                               Mit einem Rundschreiben kann man rasch auf aktuelle Ereignisse
                               reagieren, einen Erfolg vermitteln oder zu einer Betriebsversamm-
                               lung einladen.

                           Auch kleine Erfolge sind eine kurze Information an die Beschäftigten wert.
                           Wenn man in regelmäßigen Abständen Informationsschreiben an die Be­
                           schäftigten schickt, vermittelt man ihnen, dass man sie über die Vorgänge
                           im Unternehmen am Laufenden halten möchte und schafft Vertrauen.
                           Einfache Infobriefe sind vor allem dann geeignet, wenn Zeit und Geld
                           knapp sind, oder auch in Klein­ und Mittelbetrieben, wo sich aufwändige
                           Medien – wie etwa eine eigene Zeitung – nicht lohnen.
                           Selbst dort, wo ein Großteil der Kommunikation mit den MA mündlich
                           passiert, ist es in bestimmten Fällen notwendig schriftlich zu informieren.
                           Vor allem Zahlen, Termine und komplexe Informationen – wie etwa die
                           Inhalte einer neuen Betriebsvereinbarung – verlangen in jedem Fall nach
                           einer schriftlichen Nachricht an die Beschäftigten. Informationsschreiben
                           des BR/der PV lassen sich gut auch per E­Mail verschicken.	Beachten muss
                           man dabei, dass auch Mitarbeiter/­innen ohne Internetzugang alle Infor­
                           mationen erhalten.
Kontaktdaten immer         Informationsschreiben sollten wie Geschäftsbriefe von Firmen einen Brief-
        mitschicken        kopf mit dem Logo des BR haben. So ist garantiert, dass die Leser/­innen
                           auf den ersten Blick einordnen können, von wem die Nachricht stammt.
                           Sie sollten außerdem eine Kontaktmöglichkeit (Telefonnummer, E­Mail­
                           Adresse und wenn vorhanden Internetadresse) enthalten. Auch wenn das
                           Schreiben so klar formuliert ist, dass keine Fragen offen bleiben und man
                           sicher ist, dass alle Leser/­innen die Kontaktdaten kennen, wirkt es profes­
                           sionell und kompetent, wenn diese wichtigen Informationen immer wieder
                           enthalten sind. Am besten ist es, sie gleich in den Briefkopf zu integrieren.
                           Hat man den Briefkopf einmal gestaltet, kann man ihn bei weiteren Aus­
                           sendungen arbeitssparend einfach wieder verwenden. Auch Informations­
                           E­Mails sollten im Übrigen immer gleich aufgebaut sein: schon im Betreff
                           muss erkennbar sein, dass die Nachricht vom BR stammt. Eine elektro­
                           nische Visitenkarte lässt sich in allen E­Mail­Programmen leicht erstellen
                           und mitschicken.
                           Da die meisten Menschen wenig Zeit mit dem Lesen von Nachrichten
                           verbringen, müssen diese kurz und gut verständlich aufbreitet sein. Ist es
                           notwendig ausführliche Informationen mitzuschicken – etwa die neue Be­
                           triebsvereinbarung im Volltext ­, dann sollte man eine kurze Zusammenfas­
                           sung voran stellen. (Ausführliche Tipps zum Thema Texten und Gestaltung
                           gibt es im Abschnitt „Medien selbst gestalten“ S. .)


                           Flugblatt
        Flugblätter        Fast genauso schnell wie ein Rundbrief lässt sich ein Flugblatt erstellen.
                           Flugblätter ermöglichen es, rasch eine große Personengruppe zu erreichen
                           und deren Aufmerksamkeit zu wecken.

                           Unterschied Flugblatt – Rundschreiben
                           l	 Im Unterschied zum einfachen Infobrief stellt ein Flugblatt höhere An­
                              sprüche an die Layouter/­innen. Die Herstellung nimmt daher mehr Zeit
                              in Anspruch.
                           l	 Rundschreiben gehen in der Regel als Brief oder Mail an alle Beschäf­

                              tigten des Unternehmens. Flugblätter dagegen werden gezielt verteilt,
                              hängen am Schwarzen Brett und liegen an strategisch wichtigen Stellen
                              auf.

                      1
Anmerkungen
   Bevor man beginnt den Text für das Flugblatt zu verfassen, sollte
   man sich selbst folgende grundlegende Fragen stellen:
   l	 Welche Zielgruppe soll erreicht werden?

   l	 Welche Botschaft soll das Infoblatt vermitteln?

   l	 Welche Handlungen soll die angesprochene Zielgruppe setzen?

   Denn: Mit einem verteilten Flugblatt lässt sich nur eine Botschaft
   vermitteln und nur auch nur eine Zielgruppe erreichen.

Das heißt: Ein Flugblatt darf nicht mit Inhalt überfrachtet werden. Zudem
müssen Inhalt und Gestaltung des Flugblatts auf die Zielgruppe und die
vermittelte Botschaft ausgerichtet werden. Menschen, die in ihrer Freizeit
kaum lesen, werden nur wenig Begeisterung für klein gedruckte Textmas­
sen aufbringen. Und die Einladung zu einer Betriebsversammlung soll­
te anders gestaltet sein als die zu einem Faschingsfest. Unabhängig vom
jeweiligen Inhalt sollten die Flugblätter – wie jedes andere Printprodukt
– auch zum Erscheinungsbild (Corporate Design) des Betriebsrats passen.
Hilfreich für die Erstellung eines Flugblatts kann die so genannte AIDA-              AIDA­Regel
Regel sein, die übrigens auch auf alle anderen PR­Maßnahmen anwendbar
ist. Die Abkürzung AIDA steht für Attention (Aufmerksamkeit), Interest
(Interesse), Desire (Wunsch) und Action (Handlung).

Aufmerksamkeit
Damit ein Flugblatt Erfolg hat, muss es zunächst auffallen. Aufmerksamkeit
wird in erster Linie durch die optische Gestaltung erreicht, aber auch durch
eine besonders interessante Überschrift. Um nicht über das Ziel hinaus zu
schießen, ist es wichtig, nur einen Blickfang pro Flugblatt zu verwenden:
nur	eine	Schlagzeile,	eine	auffällige	Grafik	oder	ein	Bild.	Ein	Flugblatt	mit	
vielen bunten und hervorstechenden Elementen wirkt unübersichtlich und
abschreckend.

Interesse
Ist die Aufmerksamkeit erst einmal geweckt, muss der Inhalt so aufbereitet
sein, dass die Leser und Leserinnen zum Weiterlesen angeregt werden. Ihr
Interesse muss geweckt werden. Sie sollen das Flugblatt ja nicht nach dem
ersten	Blick	weglegen.	Der	Inhalt	darf	daher	nicht	in	einen	weitschweifigen	
Bericht verpackt sein, sondern muss kurz und prägnant zusammengefasst
sein. Die Sprache, in der der Text verfasst ist, muss die der Zielgruppe sein.

Wunsch
Nun ist es aber immer noch nicht genug, wenn die Nachricht zu Ende gele­
sen wird. Die Leser/­innen sollen auch Lust bekommen mitzumachen, bei
der Betriebsversammlung, dem Kegelturnier oder der gewerkschaftlichen
Aktion.

Handlung
Damit der Wunsch zum Mitmachen auch in die Tat umgesetzt werden
kann, ist es nötig, dass alle wichtigen Informationen – quasi die Handlungs­
anleitung – im Flugblatt enthalten sind. Die Leser/­innen werden Schritt
für Schritt zur Handlung hingeführt.

Ein konkretes Beispiel dazu: Der neu gewählte Betriebsrat der Firma                   Beispiel
MusterAG möchte die MA zur Betriebsversammlung einladen. Er gestaltet
daher folgendes Flugblatt, das in der Früh vor Arbeitsbeginn an die Be­
schäftigten verteilt werden soll.



                                                                                 1
Anmerkungen




                   Quelle: Lucia Bauer, Foto: Christina Häusler

                   Ziel der Flugblattaktion: Möglichst viele Beschäftigte sollen zur Betriebs­
                   versammlung kommen und so ihre Vertreter/­innen näher kennen lernen.
                   1. Die Aufmerksamkeit der Zielgruppe wird durch das Foto und die Über­
                      schrift „Betriebsversammlung“ geweckt. Das Logo des BR ist an deutlich
                      sichtbarer Stelle eingebaut und garantiert, dass sofort klar ist von wem
                      die Information stammt.
                   . Um die Beschäftigten für den Inhalt des Flugblatts zu interessieren, muss
                      gleich klar sein, worum es bei der Betriebsversammlung gehen soll. Die
                      Aufzählung der drei Tagesordnungspunkte gibt einen ersten Eindruck.
                      Eine nette Geste ist das versprochene „Begrüßungszuckerl“ des neuen
                      Teams.
                   . Schließlich soll bei den Lesern/­innen der Wunsch geweckt werden,
                      die neuen Betriebsräte/­innen persönlich zu treffen. Daher geben die
                      Sprechblasen schon ein bisschen etwas darüber Preis, was die drei bei der
                      Betriebsversammlung zur Diskussion stellen werden.
                   . Handlungsanleitung: Wer nun Lust bekommen hat, in die Diskussion
                      einzusteigen,	 findet	 alle	 notwendigen	 Informationen,	 um	 auch	 tatsäch­
                      lich zur Versammlung zu gehen.

              1
Betriebszeitung

   Betriebs(rats)zeitungen sollten mindestens viermal im Jahr erschei-              Definition
   nen, mindestens 4 Seiten haben und schwerpunktmäßig über das
   Geschehen im Betrieb informieren.


Wegen der längeren Vorlaufzeit kann eine Betriebszeitung nicht so aktuell
informieren wie ein Flugblatt oder ein Rundschreiben. In der Betriebszei­
tung ist dafür ausreichend Platz für Hintergrundinformationen und detail­
lierte Berichterstattung.
Unter dem Begriff Betriebszeitung wird hier ein vierseitiges Faltblatt ge­
nauso verstanden wie eine 0­seitige Hochglanzbroschüre, die eigentlich
eher einem Magazin/einer Zeitschrift entspricht.

Organisatorisches
Da eine professionell gestaltete Zeitung viel Arbeit macht, ist auch hier           Erste Schritte
Teamarbeit unumgänglich. Ist erst mal die Entscheidung gefallen, eine
eigene Zeitung heraus zu geben, sollte daher zuerst das zukünftige Redak­
tionsteam zusammen getrommelt werden. Die erste Aufgabe der Redaktion
ist es, Ziele, Auflage, Frequenz und Umfang des neuen Mediums festzule-
gen. Dann wird eine grundsätzliche Aufgabenteilung vorgenommen. Es ist
auf jeden Fall ratsam, bei dieser Gelegenheit auch zu überlegen, was andere
Kollegen/­innen, die (noch) nicht Mitglieder des Redaktionsteams sind,
beitragen könnten und diese bei Interesse als „freie Mitarbeiter/­innen“ der
Redaktion zu engagieren. Fast überall gibt es nämlich Menschen, die gerne
schreiben	und/oder	fotografieren	und	so	wichtige	Beiträge	für	die	Zeitung	
liefern können.
Hat sich das Team der Zeitungsmacher/­innen einmal formiert, muss ein
Zeitplan erstellt werden. Beim Erstellen des Zeitplans nimmt man den
geplanten Erscheinungszeitpunkt als Ausgangspunkt und rechnet dann
rückwärts.
Ein Zeitplan könnte zum Beispiel so aussehen:

 Wann?                           Was?
  Wochen vor Erscheinen         Erste Redaktionssitzung:
 der Zeitung                     Festlegen und Aufteilen der Themen
  Wochen bis                    Recherchieren und Schreiben
  Wochen vorher                 von Artikeln
                                 Redaktionsschluss/
                                 Zweite Redaktionssitzung:
  Wochen vorher                 Besprechen der gesammelten Artikel,
                                 Erstellen eines Satzspiegels,
                                 Feststellen, was noch fehlt.
  Wochen vorher
                                 Layouten
 bis Drucktermin
                                 Dritte Redaktionssitzung:
 1 Woche vor Drucktermin
                                 Endkontrolle
Bei der ersten Ausgabe sollte man jedenfalls den Zeitrahmen großzügiger
setzen, da viele Dinge mit zunehmender Routine schneller gehen. Der Zeit­
plan wird außerdem auch davon abhängen, welchen Umfang die Zeitung
hat, wie viele Leute an ihr arbeiten und wie und wo sie gedruckt wird.

Arbeitsaufwand abschätzen
Sehr oft wird der Arbeitsaufwand für eine Zeitung am Anfang viel zu
niedrig eingeschätzt und die Erwartungen zu hoch geschraubt. Die Folge

                                                                               1
Anmerkungen          ist, dass viele Betriebszeitungsprojekte mit sehr viel Elan begonnen werden
                     und dann wieder einschlafen. Ist man sich noch nicht sicher, wie viel Zeit
                     das Gestalten der Zeitung wirklich in Anspruch nehmen wird, sollte man
                     lieber klein anfangen. Ein Vierseiter, der im Dreimonatsabstand erscheint,
                     ist oft ein guter Anfang. Im Zweifelsfall geht Qualität vor Quantität.

                     Finanzielle Ressourcen prüfen
                     Ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung, in welchem Umfang und
                     welcher Frequenz die Betriebszeitung in Zukunft erscheinen soll, ist das
                     verfügbare Budget. Wenn das Geld knapp ist und niemand aus dem Team
                     sich vorstellen kann, das Zeitungsbudget durch Inserate aufzufetten, gibt
                     es einen weiteren Grund zunächst mit weniger Seiten zu starten. Es spricht
                     auch nichts dagegen, die Zeitung zu Beginn schwarz­weiß zu machen und
                     vielleicht am eigenen Kopierer zu vervielfältigen. Das Projekt später aus­
                     zubauen, ist immer möglich. Eine farbige Hochglanzbroschüre muss nicht
                     unbedingt die bessere Zeitung sein als ein schlichter schwarz­weißer Vier­
                     seiter. Beide können optisch ansprechend gestaltet sein, spannende Artikel
                     enthalten und daher gern gelesen werden. Beide können aber auch unüber­
                     sichtlich und inhaltlich wenig aufregend wirken.
                     Folgende Beispiele illustrieren die breite Palette der unterschiedlichen Be­
                     triebszeitungen und zeigen, dass der Erfolg einer Betriebszeitung nicht von
                     der	 Seitenzahl,	 Höhe	 der	 Auflage	 oder	 der	 Zahl	 der	 Farbfotos	 abhängt,	
                     sondern von der Qualität der Inhalte. Die drei Beispielzeitungen sind völlig
                     unterschiedlich, und werden doch alle drei von ihren Lesern/­innen glei­
                     chermaßen geschätzt.



    Beispiele        Beispiel 1:
                     „Die Blechtrommel“ ist die Zeitung
                     des Angestellten­BR der VOEST. Sie er­
                     scheint viermal im Jahr, hat zwischen 1
                     und 1 Seiten und wird vierfarbig im
                     Offset­Druck­Verfahren gedruckt. Eine
                     der vier Ausgaben ist eine Faschings­
                     Sondernummer.




                     Beispiel 2:
                     Der „Flexworker“ ist die Zeitung des
                     BR des gemeinnützigen Arbeitskräfte­
                     überlassers Flexwork. Auch der „Flex­
                     worker“ erscheint viermal jährlich, hat
                     aber nur vier Seiten und wird auf einem
                     Farblaserdrucker vervielfältigt.




                1
Beispiel 3:                                                                          Anmerkungen
Dass sich eine Betriebszeitung auch
noch einfacher – ganz ohne Farbdrucker
erstellen lässt, zeigt die Zeitung des BR
von Technoglas „Im Scheinwerfer“. Die­
se Zeitung besteht nur aus einem gefal­
teten A­Blatt, das am ganz normalen
Kopierer vervielfältigt wird. Das kleine
handliche A­Format ermöglicht es, dass
die Zeitung mit dem Lohnzettel gemein­
sam an die Beschäftigten verteilt wird.




Gute Betriebszeitungen                                                               Was eine Betriebs­
                                                                                     zeitung ausmacht
l	   signalisieren: Der BR/die PV ist präsent.
l	   bieten ein Forum für die MA.
l	   informieren über wichtige betriebliche Ereignisse.
l	   beantworten wichtige Fragen der Beschäftigten:
     „Was wurde gefordert?“, „Was wurde erreicht?“
     und „Wo ist mit Widerstand zu rechnen?“
l	   haben ein eigenständiges Profil.
l	   bieten exklusive Informationen.
l	   sind von praktischem Nutzen für die Beschäftigten
l	   bereiten gewerkschaftliche Standpunkte auf und stellen sie zur Dis­
     kussion.
l	   und nicht zuletzt: unterhalten die Leser/-innen auch.

Mögliche Inhalte – Auswahl                                                           Inhalte
l	 Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit, Einkommen, Umwelt und Gesundheit
   am Arbeitsplatz
l	 Geburten/Pensionen, Ehrung von MA, Vorstellung neuer MA, etc.

l	 Vorhaben, Aktivitäten, Erfolge (und Misserfolge) der betrieblichen Inter­

   essenvertretung
l	 Neue Kampagnen/akuelle Themen aus der Gewerkschaft

l	 Politik aus der Sicht der Arbeitnehmer/­innen

l	 Kultur – Betriebliche Veranstaltungen – Termine

l	 Feste Rubriken: z. B. Seiten für Jugendliche, ältere Menschen, Frauen etc.

   einführen.
l	 Unterhaltung – Rätsel, Leser/­innenecke, Flohmarkt, Tauschbörse, Wett­

   bewerbe für Kinder, Reiseberichte, ...
l	 Service

l	 Und vieles mehr!



Gestaltung
Wie alle schriftlichen Medien muss auch die Betriebszeitung ins äußere               Layout von
Erscheinungsbild des BR/der PV (das Corporate Design) passen. Idealer­               Betriebszeitungen
weise erkennen die Beschäftigen die Zeitung so gleich auf den ersten Blick
als dessen Medium.


                                                                                1
Anmerkungen        Ist erst einmal festgelegt, was die Betriebszeitung an Themen enthalten
                   soll, kann man daran gehen, einen ersten Entwurf zu erstellen. Dafür sollte
                   man sich ruhig Zeit nehmen und das gesamte Redaktionsteam einbeziehen.
                   Zunächst sammelt das Redaktionsteam gemeinsam Ideen und erstellt ein
                   Konzept. Dann wird der Layouter/die Layouterin beauftragt anhand des
                   Konzepts einen ersten Vorschlag zu erstellen. Dieser wird dem Team vor­
                   gelegt und bei Bedarf überarbeitet.
                   Ist einmal ein Grundlayout für die Zeitung gefunden, sollte dieses strikt
                   beibehalten werden. Tageszeitungen und Magazine ändern ihr Layout oft
                   jahrelang nicht und dann auch nur sehr vorsichtig, um nicht ihre Leser/­
                   innen abzuschrecken oder zu verwirren.

                   Bei der Erstellung des Grundlayouts sollte festgelegt werden:
                   l	 Logo und Zeitungskopf

                   l	 Anzahl der Spalten und Anzahl der Zeichen pro Seite und Spalte

                      (Bei A­Format sind übrigens drei Spalten ideal. Zwei Spalten werden
                      leicht zu breit, vier Spalten zu schmal.)
                   l	 Kopf und Fußzeile

                   l	 Schriftart und Schriftgröße für Fließtext, Überschriften und Unterüber­

                      schriften
                   l	 Kästen für Rubriken, Kommentare etc., die in jeder Ausgabe vorgesehen

                      sind
                   l	 Impressum

                   l	 Inhaltsverzeichnis



                   Folgendes Beispiel zeigt zwei Seiten aus dem Erstentwurf einer dreispal­
                   tigen Betriebszeitung mit Logo, Zeitungskopf, Überschriften und Rubriken­
                   kästen.




              18
Anmerkungen




Quelle: Lucia Bauer

Das Grundlayout dient als Raster für die Gestaltung aller weiteren Aus-
gaben der Zeitung. Je nach Platzierung ihres Artikels erhalten Autoren/
­innen genaue Vorgaben wie viele Wörter und Zeichen ihre Artikel umfas­
sen dürfen. Sind die Artikel dann trotzdem zu lang, muss gekürzt werden,
um den Layoutern/­innen die Arbeit zu erleichtern und das Grundraster
der Zeitung einzuhalten.
(Weitere Tipps zum Thema Gestaltung gibt es im Abschnitt „Medien selbst
gestalten“, S. .)
Mehr Infos darüber, wie man am besten die eigene Zeitung gestaltet, gibt
das Skriptum „Betriebszeitung“ – PGA  – downloadbar unter
www.voegb.at/skripten


Schwarzes Brett
Schwarze Bretter gibt es fast in jedem Betrieb. Meistens sind sie an Stel­            Schwarzes Brett
len angebracht, an denen die Beschäftigten täglich vorbei gehen. Den­
noch fristen sie oft ein Mauerblümchendasein, denn sie werden schlecht
oder gar nicht gewartet. Weil das BR­Team eine tolle Betriebszeitung her­
ausbringt, vielleicht sogar mit einer Website brilliert, wird das nahe liegen­
de, die Pinnwand des BR/der PV, völlig vergessen.
Wenn sie gut betreut werden, können schwarze oder grüne oder weiße                    Wandzeitung
Bretter jedoch ein hervorragendes Medium darstellen, das von den MA
gerne gelesen wird.

   Am Einfachsten ist es, sich das schwarze Brett als eine Wandzei-
   tung vorzustellen und dann die gleichen Gestaltungsregeln anzu-
   wenden, die auch für „normale“ Zeitungen gelten.


                                                                                 19
Anmerkungen            Das Infobrett sollte nicht mit Informationen überladen sein und übersicht­
                             lich aussehen. Kleingedruckte Textwüsten hängt man lieber nicht auf. Da­
                             für werden Bilder und Comics gerne angeschaut.

                             Auf dem Infobord unverzichtbar sind:
                             l	 Kontaktdaten der BR­/PV­Mitglieder

                             l	 Zeiten für Sprechstunden

                             l	 Aktuelle Termine

                             l	 Internetadresse des BR/der PV (wenn vorhanden)

                             l	 aktuelle Flugblätter

                             l	 Informationen der Gewerkschaft

                             l	 eventuell „Kleinanzeigen der Beschäftigten“

                             l	 Protokolle von BR­Sitzungen

                             l	 etc.


        Verbesserung         Um ein bisher vernachlässigtes Infobord ein bisschen aufzupeppen, emp­
        des Infobords        fiehlt	 es	 sich,	 mit	 einer	 Bestandsaufnahme	 zu	 beginnen:	 z.	B.	 mit	 der	 Di­
                             gitalkamera ein paar Fotos machen und dann das schwarze Brett bei der
                             nächsten Sitzung thematisieren. Wie bei allen wichtigen Aufgaben muss
                             in der Folge auch für die Betreuung des Infobords eine zuständige Person
                             betraut werden.
                             Ideal ist ein Brett, das mindestens ein mal zwei Meter groß ist und genug
                             Platz für die Informationsvielfalt bietet. Das Info­Brett des BR/der PV sollte
                             von diesem allein genutzt werden, und nicht mit der Geschäftsführung ge­
                             teilt werden. Lässt sich das nicht vermeiden, muss zumindest für eine klare
                             Trennung – z. B. durch einen dicken Strich in der Mitte – gesorgt werden.
Geeigneten	Ort	finden        Der Standort für das schwarze Brett sollte so gewählt werden, dass mög­
                             lichst	viele	Beschäftigte	häufig	vorbeikommen	und	auch	die	Chance	haben,	
                             davor stehen zu bleiben. Plätze, an denen es oft zu Gedränge kommt, eig­
                             nen sich daher nicht.


                             Homepage
 Betriebsratswebsites        Seit einigen Jahren aus der betriebsrätlichen Öffentlichkeitsarbeit nicht
                             mehr wegzudenken sind BR­Websites.
                             Vorausgesetzt es passen die Rahmenbedingungen, kann eine BR­Homepage
                             ein hervorragendes und kostengünstiges Medium sein, das die Kollegen/
                             ­innen täglich über Neuigkeiten am Laufenden hält. Aber Vorsicht: Nur
                             wenn die Mehrheit der Beschäftigten am Arbeitsplatz Zugang zum Internet
                             hat, lohnt sich der Aufwand für eine eigene Seite im Internet. Ideal ist eine
                             Website sicher überall dort, wo die Beschäftigten mehrheitlich am PC arbei­
                             ten.	In	vielen	anderen	Arbeitsumgebungen,	etwa	im	Produktions-,	Pflege-	
                             und Reinigungsbereich, können die Beschäftigten nur in der Freizeit auf der
                             Betriebsratsseite surfen und werden das daher wesentlich seltener tun.

                             Erfolgskriterien für Internetprojekte
                             l	Aktualität
    Websites müssen            Das wichtigste Kriterium für den Erfolg der Website ist Aktualität. Eine
        aktuell sein           Website ist ein sehr kurzlebiges Medium, das davon lebt, dass sich min­
                               destens alle zwei bis drei Tage etwas Neues auf der Seite tut. Bevor man
                               das Internetprojekt startet, muss daher die Ressourcen­Frage geklärt wer­
                               den: Gibt es mindestens zwei Personen im Betriebsratsteam, die über das
                               notwendige Zeitbudget verfügen und sich regelmäßig um die Seite küm­
                               mern möchten/können? Ist nur eine Person verantwortlich, besteht die
                               Gefahr, dass im Krankheitsfall und in der Urlaubszeit die Website nicht
                               regelmäßig aktualisiert wird. Das hat zur Folge, dass die Leser/­innen


                        0
sehr schnell das Interesse verlieren. Erfahrungsgemäß kehren Surfer/­                   Anmerkungen
    innen, die einmal eine Website als unaktuell und daher nicht interessant
    eingestuft haben, nicht mehr dorthin zurück.
    Tipp: Linksammlungen
    Auch Links müssen regelmäßig gewartet werden. Sind die Zeitressour­
    cen begrenzt, sollte man daher auf umfangreiche Linksammlungen ver­
    zichten. Nicht funktionierende Links frustrieren die Besucher/­innen
    und vertreiben sie letztlich.
l	Aufbau
  Eine Website muss selbsterklärend sein. Die Besucher/­innen sollten                       Ein logischer Aufbau
  sich auf den ersten Blick einen Überblick über die Navigation verschaf­                   ist	Pflicht
  fen können und verstehen, was mit den einzelnen Navigationspunkten
  gemeint ist. Während die Leser/­innen von Link zu Link klicken, muss
  ihnen	 immer	 klar	 sein,	 wo	 sie	 sich	 gerade	 befinden.	 Ist	 die	 Zielgruppe	
  eher internetunerfahren, kommt dem logischen und einfachen Aufbau
  der Seite eine besonders hohe Bedeutung zu.
  Als Faustregel gilt:
  m	Die Hauptnavigation sollte oben oder links stehen,

  m	nicht mehr als  Navigationspunkte umfassen,

  m	und eindeutige Benennungen haben.


l	Gestaltung
  Für die optische Gestaltung einer Website gilt, was auch für Printme­                     In erster Linie lesbar
  dien gilt: Oberstes Prinzip ist die Lesbarkeit. Außerdem sollte auch die
  Website – um professionell zu wirken – Elemente aus dem Corporate
  Design des Betriebsrats/der Personalvertretung enthalten.
  (Weitere Tipps zum Thema Gestaltung gibt es im Abschnitt „Medien
  selbst gestalten“, S. .)
l	Inhalte
  Websites sollten wie alle Medien des BR/der PV vor allem betriebliche                     Betriebliche Themen
  Themen enthalten.                                                                         interessieren
	 Unbedingt	zu	finden	sein	sollte	auf	einer	BR-/PV-Hompage:
  m	Kontaktdaten und Fotos der einzelnen BR­/PV­Mitglieder

  m	Termine des BR/der PV

  m	Protokolle von Sitzungen und Versammlungen

  m	Neuigkeiten aus dem BR/der PV

  m	Neuigkeiten aus ÖGB und Gewerkschaften (mit weiterführenden

    Links)
  Weitere Inhalte könnten sein:
  m	Fotos	von	Betriebsausflügen	und	anderen	Events

  m	MA­Briefe

  m	Kleinanzeigen von MA

  m	Die BR­/PV­Zeitung als Download

  m	Informationen zum Kollektivvertrag

  m	Lohntabellen

  m	und vieles mehr.

  Da Internetseiten öffentlich zugänglich sind, kann es notwendig werden,
  heikle Themen mit einem Passwort zu schützen.

Tipp: Interaktives auf der Betriebsratsseite
Das Medium Internet ermöglicht es, auf der Website nicht nur statische,                     Forum, Gästebuch,
sondern auch interaktive Elemente unterzubringen. Ein gut frequentiertes                    Chat, Besucher­Zähler
Forum oder Gästebuch kann eine gute Werbung für die Website sein. Aber                      und Co.
Vorsicht: Nur die wenigsten Foren sind wirklich gut besucht und ein Fo­
rum in dem der letzte Eintrag drei Monate zurück liegt und überdies vom
eigenen Redakteur/der Redakteurin ist, wirkt nicht sehr ansprechend. Das

                                                                                       1
Anmerkungen          gleiche gilt für Chat­Möglichkeiten. Wenn niemand chattet, ist es besser di­
                         ese Möglichkeit gleich wegzulassen. Ganz abzuraten ist von automatischen
                         Zählern, die die Zahl der Besucher/­innen angeben. Mitgeteilt zu bekom­
                         men, dass man einem elitären Kreis angehört und der/die 1., 99. oder
                         1. Besucher/­in ist, wirkt eher unprofessionell.

                         Erste Schritte zur eigenen Website
Themen und Aufbau        Ist einmal die Entscheidung gefallen eine eigene BR­Website zu erstellen,
                         sollte ähnlich wie bei der Betriebsratszeitung vorgegangen werden: Das
                         gesamte Team wird zusammen gerufen und gemeinsam die ersten Über­
                         legungen angestellt. Zunächst wird eine Sammlung von Inhalten erstellt,
                         die die Website enthalten soll. In einem nächsten Schritt müssen die Inhalte
                         gegliedert und die Punkte, für die Haupt­ und die Subnavigation festgelegt
                         und benannt werden. Eine geeignete Form, das zu tun, ist ein Mindmap
                         – direkt am PC oder auf einem Flipchart erstellt. So lassen sich nicht nur
                         die Inhalte, sondern auch die Ebenen darstellen. Die erste Ebene wird die
                         Hauptnavigation, die zweite die Subnavigation. Die Reihung der einzelnen
                         Punkte erfolgt nach Wichtigkeit. Das gemeinsam erstellte Mindmap bildet
                         dann die Basis für die Produktion der Website.




                         Hier ein Entwurf auf Flipchart und eine mögliche Umsetzung für dieses Konzept.

                         Quelle: Lucia Bauer
Tipp: Umsetzungsmöglichkeit: ÖGB-Netzwerke
Für Betriebsräte/­innen und Personalvertreter/­innen bietet der ÖGB                      ÖGB­Netzwerke
einen Website­Baukasten an. Wie dieser Baukasten funktioniert, lernen In­
teressierte am besten in einem Website­Seminar des VÖGB. Näheres dazu
unter http://netzwerke.oegb.at und http://www.voegb.at/seminare


Intranet
Die meisten größeren Unternehmen bieten ihren MA zur Information ein                     Internet oder Intranet
firmeneigenes Intranet an. Sehr oft besteht in diesem Fall für den BR die
Möglichkeit die eigene Seite ins Firmennetz zu stellen. Das hat wesentliche
Vorteile: die Ressourcen (Webspace, und Redaktionssystem) stellt die Firma
zur Verfügung, Design und Aufbau sind meist festgelegt und das Redak­
tionsteam braucht sich nur über die Inhalte Gedanken machen. Das spart
Zeit und Geld. Dazu kommt, dass die MA meistens das Firmenintranet
automatisch als Startseite ihres Browsers eingestellt haben und Unbefugte
von außen auf das Firmennetzwerk nicht zugreifen können. Nachteile einer
Seite im Intranet der Firma sind die mangelnde Flexibilität bei der Gestal­
tung der Seite und die Tatsache, dass die Firmenleitung unter Umständen
mitentscheidet, welche Inhalte online gehen.
Ob	nun	das	firmeneigene	Netzwerk	(so	vorhanden)	genutzt	werden	kann,	
hängt von vielen Faktoren ab, die alle gemeinsam besprochen werden soll­
ten:	 den	 zeitlichen	 und	 finanziellen	 Ressourcen,	 dem	 Verhältnis	 zur	 Fir­
menleitung etc.


Diskussionsgruppen
Neben der Möglichkeit eine eigene Website zu erstellen, bietet das Internet              Diskussionsgruppen
eine ganze Reihe weiterer Kommunikationsmöglichkeiten an, die hier eben­
falls erwähnt werden sollen.
Eine Möglichkeit der Online-Kommunikation sind Diskussiongruppen.
Betriebsräte/­innen, die nicht den Aufwand für eine eigene Website be­
treiben können, aber trotzdem über das Internet kommunizieren wollen,
Betriebsräte/­innen, die in Krisenzeiten eine Ergänzung zum Firmennetz­
werk suchen, bei der die Geschäftsleitung nicht mitlesen kann und nicht
zuletzt Betriebsräte/­innen, die sich betriebsübergreifend austauschen wol­
len, können eine Diskussionsgruppe einrichten.
Als technische Voraussetzung für die Teilnahme an einer Diskussionsgrup­
pe reicht die Möglichkeit, E­Mails senden und empfangen zu können. Es
gibt private und öffentliche Listen, wobei auch bei der öffentlichen Form
eine offene und geschlossene Variante existieren kann. Listen können au­
ßerdem moderiert oder unmoderiert sein. Der Hauptvorteil von Diskus­
sionslisten ist die Erreichbarkeit einer hohen Anzahl von Gleichgesinnten
in einer relativ kurzen Zeitspanne. Diskussionsgruppen sind einfach einzu­
richten und bieten den Mitgliedern die Möglichkeit Dokumente und Bilder
hoch zu laden und so rasch an die Gruppenmitglieder weiter zu geben.
Die Anmeldung bei einer bestehenden Gruppe passiert meist durch ein
E­Mail an eine bestimmte Adresse, z. B. xyz-subscribe@yahoogroups.de
Ein Anbieter von kostenlosen Diskussionsgruppen ist z. B. Yahoo: http://
de.groups.yahoo.com
Anmerkungen            Weblogs
                       Weblogs sind eine kostengünstige Möglichkeit im Web die eigenen Inhalte
                       zu platzieren. Sie sind chronologisch aufgebaut und lassen Kommentare
                       der Leser/­innen zu. Dadurch kann ein starker Dialog entstehen, allerdings
                       können Antworten auf diese „postings“ auch viel Arbeit machen. Neben
                       fachlichen Weblogs von Firmen, Politiker/­innen etc. gibt es auch viele
                       private „Blogger“, die ihr Tagebuch als Weblog ins Netz stellen. Zahlreiche
                       Web­Anbieter stellen dafür gratis Webspace zur Verfügung. Weblogs sind
                       gut für Arbeitnehmervertreter/­innen geeignet, die gerne schreiben und
                       ihre Zielgruppen über das Web erreichen können.
                       Besonders	 internetaffine	 Zielgruppen	 erreicht	 man	 auch	 mit	 Podcasts	
                       (Radio­Sendungen im Internet) und Vodcasts (Videos im Internet).


                       E-Mail-Newsletter
    Newsletter         Für Betriebe, deren MA viel Zeit am Computer verbringen und eine eigene
                       E­Mail­Adresse haben, ist ein E­Mail­Newsletter ein ideales Medium, um
                       alle MA rasch und aktuell zu informieren.
                       Die einfachste Form einen Newsletter zu verschicken, ist es, regelmäßig ein
                       einfaches Text­E­Mail an einen bestimmten Verteiler zu senden. Statt einem
                       „nur­Text­Mail“ kann auch ein HTML­Mail im Design des BRs verschickt
                       werden. Hier muss man aber damit rechnen, dass das E­Mail nicht in allen
                       Mail­Boxen gleich angezeigt wird bzw. dass manche Empfänger/­innen
                       überhaupt keine HTML­Mails zulassen. Die Zeitung oder andere Dateien
                       als	Anhänge	zu	verschicken,	empfiehlt	sich	nur	in	Ausnahmesituationen	an	
                       einen kleineren Personenkreis. Viele Mailboxen haben nur ein begrenztes
                       Fassungsvermögen und gehen rasch über. Besser ist es in diesem Fall, ein E­
                       Mail zu senden, das z. B. auf eine neue Ausgabe der Zeitung hinweist und
                       dazu einen Link, unter dem man die Zeitung herunter laden kann.
Nur kurze Texte        Die Texte, die per Newsletter versandt werden, sollten kurz und bündig
    verschicken        sein und immer auf ein anders Medium verweisen. Lange und komplexe
                       Texte eignen sich nicht für den Versand per Newsletter.
                       Eine Möglichkeit, mit dem Newsletter Werbung für die BR­Zeitung zu
                       machen, ist, die wichtigsten Themen herauszugreifen und jeweils in einer
                       Schlagzeile und einem bis zwei aussagekräftigen Sätzen zusammen zu
                       fassen. Dann wird auf den vollen Text verwiesen, der in der Zeitung nach­
                       zulesen ist.


                       SMS
   Massen­SMS          Die Handydichte in Österreich ist so groß wie nie zuvor. Vom Kleinkind
                       bis zur älteren Person – fast alle Menschen haben ein Handy. Zudem gibt es
                       immer mehr Anbieter, die es ermöglichen Massen­SMS zu versenden. Was
                       liegt also näher als auch das Medium SMS für die Öffentlichkeitsarbeit des
                       BR zu verwenden?
                       BR und PV, die vorhaben Massen­SMS­Sendungen für ihre Kommunikation
                       im Betrieb einzusetzen, sollten zunächst überlegen, welche Informationen
                       sie per SMS versenden möchten. Wie alle Informationsmaßnahmen müssen
                       auch die SMS Teil einer Gesamt­PR­Strategie sein.
                       Nicht alle Betriebsratskörperschaften verfügen automatisch über die Han­
                       dynummern aller Beschäftigten und viele Menschen sind auch nicht sehr
                       freigiebig mit ihrer Handynummer. Das SMS als Kommunikationsmedium
                       eignet sich also in den meisten Fällen nur für kleinere Gruppen, etwa Akti­
                       visten/­innen, die dem BR nahe stehen und am Laufenden gehalten werden
                       möchten und das BR­Team selbst.
Die Kürze von SMS­Nachrichten stellt übrigens Texter/­innen vor neue                Anmerkungen
Herausforderungen. Sie müssen noch genauer als bei allen anderen Medien
überlegen, was die wichtigste Botschaft ist, die sie vermitteln möchten, da­
mit nichts Wichtiges verloren geht.


            . Welche Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit gibt es? Nen­
               nen Sie mindestens drei Instrumente und erklären Sie wie
               diese eingesetzt werden können?




            . Welche Vorteile hat schriftliche gegenüber mündlicher Kom­
               munikation und umgekehrt?




            . Was sollten Betriebsräte/­innen und Personalvertreter/
               ­innen beachten, wenn sie eine Betriebsratszeitung heraus
               geben möchten?
Medien selbst gestalten
Handwerkszeug für            Bevor man daran geht ein Öffentlichkeitsarbeitskonzept umzusetzen und
 die Öffentlichkeits­        Flugblätter, Zeitungen und Newsletter zu produzieren, ist es wichtig sich
               arbeit        auch mit dem Handwerkszeug der schriftlichen Kommunikation auseinan­
                             der zu setzen: dem Texten und Gestalten von verschiedenen Medien. Die
                             einzelnen Medien sollten dabei so gestaltet werden, dass sie in ein einheit­
                             liches Erscheinungsbild des Betriebsrats/der Personalvertretung passen, in
                             das so genannte Corporate Design.
 Corporate Identity          Unter Corporate Identity (CI) versteht man die „Persönlichkeit“ bzw. den
                             „Charakter“ eines Unternehmens, eines Vereins oder auch der Betriebs­
                             ratskörperschaft. Das Konzept der CI basiert auf der Idee, dass diese wie
                             Persönlichkeiten wahrgenommen werden und auch ähnlich wie solche
                             handeln können. Die Identität einer Person ergibt sich für den Beobach­
                             ter/die Beobachterin normalerweise aus der Art und Weise zu sprechen, zu
                             handeln und der optischen Erscheinung. Typischer Weise umfasst die CI
                             daher	Leitbild,	Begrifflichkeiten,	Handlungsrichtlinien,	Namen,	Logo,	und	
                             alle weiteren Besonderheiten.
 Corporate Identity          In der Theorie der Unternehmenskommunikation besteht die Corporate
    ist nicht gleich         Identity aus den drei Unterbereichen: Corporate Design (CD), Corpo-
  Corporate Design           rate Communication (CC) und Corporate Behavior (CB). Das Corporate
                             Design, unter dem zunächst nur die visuelle Identität verstanden wur­
                             de, wird dabei zunehmend als der sinnlich wahrnehmbare Gesamtauftritt
                             verstanden. Die Corporate Communication umfasst die gesamte Unter­
                             nehmens­ (oder in unserem Fall Betriebsrats­) Kommunikation nach in­
                             nen wie nach außen. Zum Corporate Behaviour gehört das Verhalten der
                             Mitarbeiter/­innen bzw. Betriebsräte/­innen untereinander und gegenüber
                             anderen.	 In	 der	 Praxis	 überschneiden	 sich	 diese	 Bereiche	 häufig.	 In	 der	
                             Umgangsprache	wird	–	fälschlicher	Weise	–	häufig	von	Cororate	Identity	
                             gesprochen, wenn eigentlich nur das Corporate Design gemeint ist.
                             Vereinfacht gesagt: Ziel der Umsetzung eines einheitlichen Erscheinungs­
                             bildes ist es, dass der BR/die PV als homogenes Ganzes wahrgenommen
                             wird und die einzelnen Medien, Aktivitäten auf den ersten Blick dem BR/
                             der PV zugeordnet werden. Aber Achtung: Der Anspruch auf Einheitlich-
                             keit der Kommunikationsmaßnahmen relativiert nicht die Notwendig-
                             keit einer an unterschiedliche Zielgruppen angepasste Kommunikation.
Umsetzungsbeispiel           Hier	das	fiktive	Corporate	Design	des	Betriebsrats	xyz.	Zunächst	wurde	in	
 Corporate Design            Anlehnung an das Firmenlogo ein Betriebsratslogo entwickelt.




                             Quelle: Lucia Bauer

                             Dieses	Logo	findet	sich	dann	leicht	abgewandelt	in	allen	Medien	des	BR	wie­
                             der. Ausgeführt wurden für dieses Skriptum bereits die Zeitung (S. 18/19),
                             die Website (S. ), die Betriebsratszeitung und das besondere Briefpapier




                                 Quelle: Artikel „Corporate Identity“. In: Wikipedia. Die Freie Enzyklopädie. Stand: . Mai
                                 00 1. Uhr. Online im Internet: http:/ /de.wikipedia.org/wiki/Corporate_Identity
Anmerkungen




Quelle: Lucia Bauer


desselben Betriebsrats (siehe oben). Neben dem Logo kann das Corporate
Design	unter	anderem	eine	bestimmte	Schriftart,	weitere	fixe	Gestaltungs­
elemente und Regeln, wie diese eingesetzt werden sollen sowie bestimmte
Farben umfassen.


Texten
Betriebsräte/­innen und Personalvertreter/­innen, die schriftlich mit ihren         Schreiben ist werben
MA kommunizieren, müssen sich immer bewusst sein, dass jedes E­Mail,
jedes Fax, jeder Brief, jeder Text, den sie verschicken, ein Bild des BR/der
PV vermittelt. Dieses Bild kann sympathisch, modern und verständlich
sein, aber auch bürokratisch, gespreizt und umständlich. Dabei liegen die
Unterschiede oft im Detail: Die Wahl der passenden Wörter und ein ein­
facher Satzbau sind entscheidend für einen gelungenen Text. Grund genug,
unseren alltäglichen Texten etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen.
Regeln         Hier ein paar Regeln für verständliches Texten:
                       l	Das Wichtigste zuerst
                         Die wichtigste Botschaft eines Textes sollte immer am Anfang stehen. So
                         wissen die Leser/­innen immer sofort, worum es bei diesem Text geht,
                         auch wenn sie – wie es sehr oft vorkommt – nicht bis zum Ende lesen.
                         Journalisten/­innen schreiben daher oft in so, dass ihre Texte von hinten
                         her kürzbar sind, ohne dass die wesentlichen Informationen verloren
                         gehen.
                       l	Einfache Sprache verwenden
                         Leser/­innen wissen es zu schätzen, wenn ein Text in einfacher, gut ver­
                         ständlicher Sprache verfasst ist. Schachtelsätze sollte man dabei genauso
                         vermeiden wie Fach­ und Fremdwörter.
                       l	Nicht länger als nötig
                         Besonders bei Texten, die die Leserinnen und Leser in erster Linie infor­
                         mieren und weniger unterhalten sollen, ist es wichtig, sich so kurz als
                         möglich fassen. Natürlich müssen alle wesentlichen Informationen ent­
                         halten sein und es lässt sich nicht jede komplexe Angelegenheit auf ein
                         paar Zeilen verkürzen. Ist es daher nötig über ein Thema ausführlicher
                         zu schreiben, sollte man unbedingt ein kurze Zusammenfassung voran­
                         stellen und die Details dann anhängen.
                       l	Nicht „einfach drauflos schreiben“
                         Um ungeübten Schreibern/­innen die Scheu vor dem Texten zu neh­
                         men, hört man oft: „Schreib doch, wie du sprichst!“ Leider sprechen die
                         meisten Menschen aber keine druckreifen Sätze, sondern schweifen ab,
                         beginnen Sätze – nur um sie gleich wieder zu unterbrechen und etwas
                         einzuschieben. Es ist also notwendig, die eigenen Gedanken zuerst zu
                         ordnen und auszuformulieren, bevor sie abgedruckt werden können.

                       Tipps zum Korrektur Lesen:

Korrektur lesen        l	Eine gute Kontrolle für die Lesbarkeit der eigenen Produkte ist es, je-
                         mand „Außenstehenden“ gegen lesen zu lassen. Nur so bekommt man
                         die Gewissheit, dass auch andere verstehen, was einem selbst sonnenklar
                         ist. Auch was Tipp­ und Rechtschreibfehler betrifft, passiert es selbst ge­
                         übten Textern/­innen immer wieder, dass sie etwas übersehen.
                       l	Sehr oft stolpert man auch über holprige Formulierungen und Fehler,
                         wenn man sich einen Text selbst laut vorliest.
                       l	Zum Korrektur Lesen macht es übrigens immer Sinn, einen Text auszu-
                         drucken, da man am Bildschirm viel eher Fehler übersieht.

                       Zielgruppe und Medium berücksichtigen
 Texten für die        Wichtig ist, wie in allen Bereichen der Kommunikation, dass man auch die
   Zielgruppe          Texte an die Zielgruppe anpasst. Jugendliche wollen anders angesprochen
                       werden als ältere Menschen, Bauarbeiter/­innen haben womöglich andere
                       Lesegewohnheiten und Ausdrucksweisen als die Angestellten eines IT­Un­
                       ternehmens. Jedes Unternehmen hat darüber hinaus seine eigenen „Fach­
                       begriffe“ und sprachlichen Besonderheiten, auf die Rücksicht genommen
                       werden muss.




                  8
Anmerkungen
   Folgende Fragen sollte man sich stellen, bevor man beginnt den
   Text zu schreiben:
   l	An wen richtet sich der Text? Warum gerade an sie/ihn?

   l	In welcher Situation ist meine Zielgruppe (bezogen auf mein

      Anliegen)?
   l	Kann ich ihr Interesse voraussetzen oder muss ich es erst we-

      cken?
   l	Welche Informationen sind für meine Zielgruppe nützlich, wel-

      che überflüssig?
   l	Kann ich/die BR-Körperschaft tatsächlich halten, was ich in

      meinem Rundschreiben/meinem Flugblatt etc. verspreche? Sind
      zum Beispiel ausreichend Ressourcen für eine Nachbetreuung
      vorhanden?

Weiters sollte man sich im Klaren sein, in welchem Medium dieser Text               Medium bedenken
erscheinen soll. Der Artikel aus der Betriebsratszeitung muss fürs Internet
womöglich noch einmal gekürzt werden. Es gibt auch die Möglichkeit, im
Internet nur eine Zusammenfassung zu publizieren, mit einem Link auf die
Langfassung. Möchte man schließlich noch ein SMS zum selben Thema aus­
senden, muss aus dem ursprünglich vielleicht ganzseitigen Artikel schließ­
lich ein einzelner Satz, oder eine Reihe von Schlagworten werden.
(Detaillierte Infos zum Thema Sprache und journalistisches Schreiben gibt
das Skriptum „Betriebszeitung“ – PGA  – downloadbar unter
www.voegb.at/skripten)


Layout
Als Layout (engl.: „Plan“ oder „Anlage“) bezeichnet man das detaillierte            Definition
Sichtbarmachen eines gedanklichen Bildes. Für ein geplantes Produkt –
eine Zeitung, ein Flugblatt oder einen Folder – wird eine äußere Form
entwickelt. Diese Gestaltung sollte für die Zielgruppe vertraut wirken, eine
Anlehnung an das Firmendesign ist daher in vielen Fällen sinnvoll.

   Das Layout ist die Verpackung für den Inhalt und mit ihr wird in                 Das Layout
   jedem Fall – gewollt oder ungewollt – eine Botschaft präsentiert.                transportiert ein Bild
                                                                                    des BR/der PV
Wann immer wir Werbematerial betrachten, entsteht vor unserem geistigen
Auge automatisch ein Bild des Unternehmens oder Geschäfts, vom dem
dieses Werbematerial stammt. Wir können uns vorstellen, ob die Produkte
die in einem Geschäft verkauft werden, als qualitativ hochwertig oder eher
als Ramsch einzustufen sind. Dieses Bild entsteht, ohne dass wir uns viele
Gedanken über Layout und Gestaltung machen. Auf die Drucksachen des
BR/der PV übertragen heißt das: Ist ein Produkt professionell gestaltet,
nutzt das automatisch dem Image des Betriebsrats/der Personalvertretung.
Alles, was schlecht oder schlampig gestaltet ist, kann dagegen dem Image
des Betriebsrats erheblichen Schaden zufügen, weil es indirekt immer auch
vermittelt, dass der BR schlecht arbeitet.
Das lässt sich gut deutlich machen, wenn man das Flugblatt von Seite 1             Beispiel
einem neuen Flugblatt gegenüberstellt. Die beiden Flugblätter unterschei­
den sich inhaltlich kaum. Trotzdem ist das Bild des Betriebsrats, das sie
transportieren völlig verschieden. Schauen Sie sich die beiden Bilder an und
überlegen Sie, von welchem Betriebsratsteam Sie sich lieber vertreten lassen
würden. Welchem Team trauen Sie mehr Kompetenz zu? Die Mehrheit der
Menschen die sich diese Fragen stellen, würden wohl das Team von Flug­
blatt A als kompetenter einstufen.
Grund genug, sich gründlich mit dem Thema Gestaltung zu beschäftigen.

                                                                               9
Anmerkungen




                             Flugblatt A                             Flugblatt B

                             Quelle: Lucia Bauer, Foto: Christina Häusler

                             Einige Grundregeln der Gestaltung
        Grundregeln          Ein gutes Layout erfüllt mehrere Funktionen:
       des Layoutens         l	Es erleichtert die Lesbarkeit, da es den Text strukturiert.
                             l	Ein gleich bleibendes Layout erhöht den Wiedererkennungseffekt bei
                               den Lesern/­innen.
                             l	Es lenkt die Aufmerksamkeit der Leser/­innen auf bestimmte Themen.
                             l	Es illustriert den Text.

                                 Das Layout ordnet sich dem Inhalt unter, unterstreicht diesen und
                                 lenkt nicht vom Inhalt ab.

                             l	Hervorhebungen
       Nicht zu viele          Um eine übersichtliche Struktur zu schaffen, ist es wichtig Hervorhe­
Elemente hervorheben           bungen sparsam einzusetzen. Sind ein oder zwei Elemente hervorgeho­
                               ben entsteht dadurch eine Hierarchie der Elemente. Ist alles hervorgeho­
                               ben, ist am Ende nichts mehr hervorgehoben. Vielmehr entsteht Chaos.
                               Hervorhebungen lassen sich gut durch Kontraste erzielen: groß – klein,
                               hell – dunkel, unterschiedliche Farben und Formen etc.




                                 In der Praxis ist es daher wichtig vorher zu überlegen: „Was ist meine
                                 wichtigste Botschaft“ und diese dann klar hervorzuheben. Dazu noch
                                 einmal ein kurzer Blick auf die beiden Flugblätter oben:
                                 Bei Flugblatt A ist eine eindeutige Gewichtung der Elemente zu erken­
                                 nen: am Wichtigsten sind das Foto und die Überschrift „Betriebsver­
                                 sammlung“. Flugblatt B wirkt dagegen verwirrend: da fast alle Elemente

                        0
gleich stark hervorgehoben sind, ist es schwierig auf den ersten Blick die        Anmerkungen
    wichtigste Botschaft heraus zu lesen.
	
lAnordung
 Entscheidend dafür, wie gut ein Layout gelingt, ist auch die Anordnung               Anordnen
 der Elemente. Um dabei eine gewisse Ordnung einzuhalten, ist sinnvoll
 dem Layout einen Raster (einen Satzspiegel) zugrunde zu legen, an dem
 dann die einzelnen Elemente angeordnet werden. Dieser Raster gliedert
 die Seite, bestimmt das Verhältnis und den Abstand der einzelnen Ele­
 mente zueinander und zum Rand. Layoutprogramme bieten die Mög­
 lichkeit, die Seite in verschiedene Bereiche zu untergliedern. Zusätzlich
 können noch Hilfslinien eingefügt werden. Diese erleichtern es, die ein­
 zelnen Elemente aufeinander abzustimmen.




    Tipp: Seiten nicht voll stopfen!                                                  Keine Angst
    Ungeübte Gestalter/­innen haben oft das Bedürfnis, den Platz auf einer            vor weißen Flächen
    Seite ideal zu nutzen und kein Fleckchen frei zu lassen. Dadurch wirkt
    eine Seite leicht voll gestopft und unübersichtlich. Besser ist es beim
    Anordnen Kontraste zu schaffen – zwischen Stellen, die „dichter“ und
    solchen, die „lockerer“ sind oder überhaupt frei bleiben.
	
lGesamtbild einer Seite                                                               Lesegewohnheiten
 Um den Blick der Leser/­innen auf bestimmte Themen zu lenken, hilft es               berücksichtigen
 auch über das Leseverhalten der (meisten) Menschen Bescheid zu wissen
 und dieses dann zu berücksichtigen:
 m	Wenn wir ein bedrucktes Blatt Papier in die Hand bekommen (sei es

   Zeitung oder Flugblatt), gleiten unsere Augen automatisch in einer
   verkehrten S­Kurve über die Seite: von links oben nach rechts unten
   – entsprechend unserer Leserichtung.

                                                                                 1
Anmerkungen               m   	Bei Doppelseiten wird stärker die rechte Seite beachtet.
                             m   	Am meisten Aufmerksamkeit geschenkt werden: Titeln, Bildern und
                                  Bildunterschriften

                           Typografie
Umgang mit Schrift         Für die Auswahl der Schriften gilt wie in vielen anderen Teilbereichen der
                           PR die Regel: Weniger ist mehr. Das heißt: Nicht zu viele Schriftarten und
                           Schriftgrößen miteinander kombinieren und eher einfache, schnörkellose
                           Schriftarten verwenden. Sehr oft kommt man für eine Publikation mit einer
                           oder zwei Schriftarten aus. Zur zusätzlichen Hervorhebung gibt es die Mög­
                           lichkeit Teile des Textes fett oder kursiv zu machen. Von Unterstreichungen
                           sollte man dagegen eher die Finger lassen. Diese wirken manchmal wie
                           Links und oft ein bisschen unprofessionell.
                           Noch einmal zurück zu den beiden Flugblättern auf Seite 0. Hier wird
                           deutlich, wie sich der Einsatz von unterschiedlichen Schriftarten auswirkt.
                           Flugblatt A kommt mit einer einzigen Schriftart aus, die zudem recht
                           schlicht	wirkt.	Auf	Flugblatt	B	dagegen	finden	sich	vier,	sehr	unruhige	und	
                           verschnörkelte Schriftarten, die eher schlecht lesbar sind.
                           Auch bei der Auswahl der Schrift sollte man auf die Lesegewohnheiten
                           der Menschen Rücksicht nehmen und gut lesbare Schriften verwenden.
                           Gut lesbar sind die sogenannten Grotesk­ (Arial, Helvetica, ...) und Anti­
                           qua­Schriften (Times New Roman, Garamond, ...). Diese werden auch am
                           Häufigsten	in	Büchern,	Zeitungen	und	Zeitschriften	–	also	für	größere	Text­
                           mengen – verwendet.




                           Tipp: Unterschied Internet und Druck
                           Die meisten Bücher und Zeitungen verwenden (für lange Textpassagen)
                           Antiqua­Schriften. Im Internet und zum Lesen am Bildschirm dagegen sind
                           (fast) nur Grotesk­Schriften im Einsatz.
                           Die Vielfalt an unterschiedlichen Schriftarten ist enorm. Genauso groß ist
                           die Verlockung, diese auch einzusetzen. Neben der Frage nach der Lesbar­
                           keit einer verwendeten Schriftart, sollte man jedoch immer auch überlegen,
                           welches Bild man durch den Einsatz einer bestimmten Schrift transpor­
                           tiert.
                           Im Folgenden Beispiel ist der Satz „Wir laden dich zu unserem Treffen ein“
                           in drei verschiedenen Schriftarten gesetzt. Lassen Sie die drei Zeilen auf
                           sich wirken und überlegen Sie wer hier wohl zu einem Treffen einlädt.

       Schriftarten




                           Ziemlich sicher entsteht bei jeder Zeile in Ihrem Kopf ein anderes Bild
                           dieses Treffens. Das erste Treffen könnte das eines Trachtenvereins, aber
                           auch das einer Burschenschaft sein, das dritte könnte sehr gut ein Kinder­
                           geburtstag sein. Beide Schriftarten sind wohl für eine Publikation des BR
                           ungeeignet. Das mittlere Treffen ist schwerer zuzuordnen und lässt mehr
                           Möglichkeiten offen.
Für die Praxis bedeutet das: Vorsicht beim Einsatz von „Schmuckschriften“.          Anmerkungen
Verwendet man unabsichtlich eine unpassende Schrift, ohne zu bemerken
welche Botschaft diese mittransportiert, so wirkt das unprofessionell.
Mehr	Tipps	zum	Thema	Gestaltung	und	Typografie	gibt	das	Skriptum	„Be­
triebszeitung“ – PGA  – downloadbar unter www.voegb.at/skripten


Bilder
Bilder sind z. B. Fotos, Karikaturen und Cartoons oder Zeichnungen, aber
auch	Tabellen	und	Grafiken.	Sie	wecken	Aufmerksamkeit	und	ziehen	die	
Blicke	auf	sich.	Fotos	haben	eine	starke	emotionale	Wirkung,	Grafiken	hin­
gegen unterstreichen die Sachlichkeit.
Im Layout machen Bilder auf den Inhalt eines Textes aufmerksam. Sie sind
daher ein unverzichtbarer Bestandteil von Betriebsratszeitungen, Home­
pages etc. Text braucht Bilder zur Illustration, Bilder können im Layout
aber auch ohne Text stehen, wie z. B. ein Cartoon, der aktuelle Missstände
humorvoll beschreibt.

Bild und Text
Wenn sich Bilder auf einen Text beziehen, dann sollten sie in der Nähe des
Titels platziert sein, damit dieser Bezug klar wird. Positiv kann auch ein
freigestelltes Bild wirken – dabei wird der Hintergrund z. B. einer Person
wegretouchiert.
Im Zweifelsfall ist es besser, ein großes Foto zu verwenden als viele kleine
Fotos. Für Porträtfotos gilt das aber nur, wenn sich im Bild „etwas tut“,
wenn gestikuliert wird oder Bewegung im Foto ist. Porträts wirken einla­
dender, wenn die abgebildete Person zur Mitte des Mediums schaut (das ist
die Seitenmitte einer Zeitung, der mittige Bereich einer Website oder eines
schwarzen Bretts, etc.).
Ein Beispiel zeigt die Verwendung von Bildern im Layout:




Fotos stehen in der Nähe jener Überschrift, auf die sie sich beziehen.

Quelle: Tina Brunauer
Bildunterschriften        Bildunterschriften führen den/die Leser/­in vom Foto zum Text. Sie sind
         verwenden           die Brücke zwischen der reinen Betrachtung des Fotos und dem tatsäch­
                             lichen Lesen.

                                Jedes Foto sollte eine Bildunterschrift haben.

                             Die Bildunterschrift fasst in Worte, was am Bild zu sehen ist, enthält also
                             z. B. die Namen der abgebildeten Personen, eine Beschreibung der Aktion
                             oder einen Hinweis auf den Text, den das Foto illustriert. Die Bildunter­
                             schrift sollte nah beim Bild stehen und sich optisch vom Lauftext abheben.

                             Auflösung beachten
                             Die	Auflösung	eines	Fotos	wird	mit	dpi	(dots	per	inch)	bezeichnet	und	gibt	
                             an,	wie	viele	Bildpunkte	pro	Inch	ein	Foto	aufweist.	Ist	die	Auflösung	zu	
                             gering, dann wirkt ein Foto unscharf oder körnig und ist nicht gut für den
                             Abdruck geeignet.
  Druck oder Internet        Für Druckmedien (Zeitungen, Flugblätter, etc.) gilt: Je besser der Druck,
                             desto	höher	sollte	die	Auflösung	der	Fotos	sein.	Wird	eine	Betriebsratszei­
                             tung	in	einer	Druckerei	gedruckt,	dann	braucht	jedes	Foto	eine	Auflösung	
                             von 300 dpi. Wird sie am eigenen Drucker ausgedruckt, genügen je nach
                             Gerät meist 00 dpi. Es lohnt sich aber, die Digitalkamera auf höchste Qua­
                             lität	einzustellen,	wenn	für	die	Betriebsratszeitung	fotografiert	wird.
                             Im Internet, in einem E­Mail­Newsletter oder Weblog werden Bilder mit
                             einer	Auflösung	von	nur	72	dpi	verwendet.	So	spart	man	Speicherplatz	und	
                             nutzt	gleichzeitig	die	Auflösung,	die	das	Medium	bietet,	optimal.
              Format         Als Format für Digitalbilder haben sich .jpg und .tiff etabliert, Formate, die
                             fast jedes Bildprogramm lesen kann.

                             Rechtliches
                             Fotos sind urheberrechtlich geschützt. Das Recht, ein Foto in Printmedien
                             oder im Internet zu verwenden, kann jedoch von professionellen Foto­
                             grafen/­innen erworben werden. Das kommt üblicherweise recht günstig
                             und schützt vor hohen Prozesskosten, die dann drohen, wenn ein/eine
                             Fotograf/­in entdeckt, dass man eines seiner/ihrer Fotos verwendet hat,
                             ohne die Rechte zu kaufen.
                             Für Betriebsratsmedien ist es wichtig, die Verwertungsrechte für verwen­
                             dete Bilder (z. B. Landkarten) und Fotos zu kaufen. Das gilt auch für jene
                             Bilder, die im Internet gefunden werden!
                             Auch wenn die Verwertungsrechte beim Betriebsrat liegen, wird der/die
                             Fotograf/­in neben dem Bild (z. B. mit © in der Bildunterschrift) genannt.
     Kostenlose Fotos        Im Internet gibt es Bilddatenbanken, die lizenzfreie Fotos sammeln – also
                             Fotos, die kostenlos veröffentlicht werden können. Bei diesen Fotos verzich­
                             tet zwar der/die Fotograf/­in auf Rechte, es gilt jedoch das Recht am eige­
                             nen Bild der abgebildeten Personen. Werden Fotos von Bilddatenbanken
                             verwendet, sollte man unbedingt die Nutzungsbedingungen der jewei­
                             ligen Datenbank lesen.
Recht am eigenen Bild        Das österreichische Recht schützt jene Personen, die auf einem Foto zu er­
                             kennen sind. Wichtig ist dabei der Kontext, in dem die Person abgebildet
                             ist: Durch Bloßstellung, Preisgabe des Privatlebens etc. werden berechtigte
                             Interessen verletzt, die eingeklagt werden können. Eine Ausnahme bilden
                             zum Teil Personen des öffentlichen Lebens wie z. B. Politiker/­innen.
                             Im Zweifelsfall lohnt es sich, eine schriftliche Zustimmung der abgebil­
                             deten, erkennbaren Person einzuholen.
(Weitere Infos zum Thema Bilder gibt das Skriptum „Betriebszeitung“ –              Anmerkungen
PGA  – downloadbar unter www.voegb.at/skripten)


            . Was ist der Unterschied zwischen den beiden Begriffen Cor­
               porate Design und Corporate Identity?




            . Welche grundsätzlichen Überlegungen sollte man anstellen,
               bevor man beginnt, einen Text zu schreiben?




            8. Welche Aufgaben muss ein gelungenes Layout erfüllen?




            9. Wozu verwendet man Bildunterschriften?




Konzepte für Öffentlichkeitsarbeit
Ein Konzept dient dazu Öffentlichkeitsarbeit langfristig zu planen. Es kann
zum einen die regelmäßige Kommunikation der Betriebsratskörperschaft
strukturieren. Zum andern hilft ein Konzept in der Kommunikation einzel­
ner Kampagnen.

   Wenn alle Mitglieder des Betriebsrates an der Umsetzung mitar-
   beiten sollen, müssen auch alle bei der Planung dabei gewesen
   sein. Ein Konzept ist Teamarbeit – ebenso wie die Umsetzung und
   das Feiern der Erfolge.
Aufbau eines Konzepts
  Analyse – Planung –        Ein Kommunikationskonzept enthält folgende Punkte:
Umsetzung – Kontrolle        l	 Analyse der Ist­Situation (wo stehen wir?)

                             l	 Festlegung der Ziele (wo wollen wir hin?)

                             l	 Festlegung der Zielgruppen

                             l	 Auswahl der Kommunikationsmittel

                             l	 Kommunikationsmittel aufeinander abstimmen

                             l	 Finanzierung

                             l	 Budgetverteilung

                             l	 Umsetzung

                             l	 Kontrolle (haben wir die Ziele erreicht?)


                             Quelle: Bruhn 00
                             Das Konzept besteht also aus den Phasen der Analyse, Planung, Umset­
                             zung und Kontrolle. Eine genaue Planung der Ziele und Zielgruppen macht
                             es leichter, den Erfolg der Kommunikation zu kontrollieren. Die Kontrolle
                             ist notwendig, um für kommende Themen und Konzepte der Öffentlich­
                             keitsarbeit zu lernen.

                             Ist-Situation analysieren
                             Am Beginn einer Kampagne bzw. eines Kommunikationsprozesses ist es
                             wichtig zu wissen, wo man steht. Was ist das Thema? Warum braucht
                             es Kommunikation? Sind sich die Beteiligten des Themas bewusst? Was
                             sollten oder wollen sie wissen? Ist das Thema emotional belegt? War das
                             Thema in der Vergangenheit bereits wichtig? Zuerst werden also alle rele­
                             vanten Informationen gesammelt.
         Stärken und         Interessant ist auch das Umfeld des Themas und die Chancen und Risiken,
          Schwächen          die sich daraus ergeben. In einer vereinfachten SWOT-Analyse können die
                             Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken (englisch: strenghts, weaknesses,
                             opportunities and threats, kurz SWOT) analysiert werden.




                             Die SWOT-Analyse hilft, einen Überblick über die wichtigsten Chancen und Pro-
                             bleme zu bekommen, sowie die eigenen Stärken richtig einzuschätzen.
                             Quelle: Tina Brunauer
Während die SWOT­Analyse mit Schätzungen auskommt, benötigen an­                     Mitarbeiter/­innen
dere Analysen konkrete Daten. Sie können z. B. mit einer Mitarbeiter/-in-            befragen
nen-Befragung	erhoben	werden.	Dabei	empfiehlt	sich	professionelle	Hilfe	
von Statistikern/­innen oder Meinungsforscheren/­innen. Themen einer
solchen Erhebung können sein: Wissen zu einem Thema, Einstellungen und
Gefühle zu einem Thema, Handlungsabsichten (Mobilisierbarkeit), Bewer­
tung der Arbeit des BR/der PV, Image des BR/der PV, etc.
Je genauer die Analyse, desto einfacher wird das weitere Vorgehen. Beste­
hende Probleme und Herausforderungen können so schon in der Anfangs­
phase erkannt werden. Ideal ist es, die Ergebnisse der Analyse schriftlich
festzuhalten, um darauf die weiteren Schritte aufbauen zu können.

Ziele festlegen                                                                      Ziele	genau	definieren
Als zweiten Schritt werden Ziele bzw. ein Ziel festgelegt. Sie basieren auf
der Ist­Situation und schreiben fest, was mit der Öffentlichkeitsarbeit er­
reicht werden soll.
Die Ziele können sich von den allgemeinen Zielen der Betriebsratskörper­
schaft ableiten (das gilt besonders, wenn ein Leitbild der BR­Arbeit erstellt
wurde).
Dennoch	sollen	die	Ziele	nicht	allgemein	bleiben	sondern	genau	definiert	
werden. Eine Hilfe dafür bietet die folgende Aufzählung.

   Ziele sind
   l	 realistisch

   l	 erreichbar

   l	 messbar

   l	 zeitlich begrenzt

   l	 unmissverständlich



Finden Verhandlungen statt und begleitend gibt es PR, dann hängen die
Ziele der PR mit jenen der Verhandlungen zusammen, sind aber nicht au­
tomatisch dieselben. Das Verhandlungsziel kann z. B. der Abschluss einer
neuen Betriebsvereinbarung sein, Kommunikationsziel ist die Bekanntma­
chung der Vereinbarung.
Typische Kommunikationsziele sind eine höhere Bekanntheit eines The­
mas bzw. ein besseres Image einer Körperschaft. Kommunikation kann
auch Handlungen anregen – allerdings nur, wenn die Rahmenbedingungen
stimmen. Das heißt, dass z. B. die Werbung für den Wahlgang vor allem
dann wirkungsvoll sein kann, wenn die Wahlteilnahme einfach ist (u.a. der
Wahlort gut und zu verschiedenen Zeiten erreichbar ist).
Ein Beispiel für ein Kommunikationsziel:                                             Beispiel für ein Ziel
  „Der Betriebsrat der Fa. xy will innerhalb eines Zeitraums von  Jah­
  ren die neue Weiterbildungsregelung unter den Mitarbeitern/­innen be­
  kannt machen. Ziel ist es, dass bis Ende des kommenden Jahres bereits
  0 % die neue Regelung nutzen, bis Ende des darauffolgenden Jahres sol­
  len es 0 % sein. Die gestützte Bekanntheit der Weiterbildungsregelung
  soll nach  Jahren bei 9 % liegen.“
  Anm.: Gestützte Bekanntheit heißt vereinfacht, dass die Personen den
  Begriff kennen, wenn sie ihn hören.
Die Ziele der Kommunikation geben den Rahmen für zielgruppenspezi­
fische	 Ziele	 vor.	 Bei	 neuen	 Kolleginnen	 und	 Kollegen	 im	 Unternehmen	
kann das Unterziel z. B. Information, bei länger im Betrieb Beschäftigten
Mobilisierung sein.
Anmerkungen             Zielgruppen festlegen
                            In den meisten Konzepten wird eine Hauptzielgruppe genannt, z. B. die
                            Mitarbeiter/­innen des Unternehmens. Weitere Zielgruppen können je
                            nach Thema verschieden sein, z. B. Kunden/­innen bei einem Streik. Mehr
                            dazu im Kapitel „Zielgruppen“, S. .
       Ein Unterziel        Für jede dieser Zielgruppen sollte ein Unterziel festgelegt werden. Daraus
für jede Zielgruppe         ist es möglich Maßnahmen (z. B. Einsatz der Kommunikationsmittel wie
                            Zeitung, Versammlung, SMS etc.) abzuleiten, die der Zielgruppe entspre­
                            chen.

                            Auswahl der Kommunikationsmittel
                            Passend zu den Zielgruppen können nun die Mittel der Kommunikation
                            ausgewählt werden.
                            Während manche Zielgruppen besser mit mündlicher Kommunikation (Be­
                            triebsversammlungen, Gesprächen) erreicht werden können, ist bei ande­
                            ren Zielgruppen schriftliche Kommunikation ideal (Brief, Flugblatt, E­Mail­
                            Newsletter).
        Teamarbeit          Bei der Auswahl der Kommunikationsmittel sollte man auf die Ressourcen
                            im BR/in der PV Rücksicht nehmen: Gibt es z. B. passionierte Texter/­innen
                            oder Hobbyfotografen/­innen, die gerne einen Teil der BR­Zeitung gestal­
                            ten wollen? Hier ist Teamarbeit gefragt. Bei der Verteilung der Aufgaben
                            sollten alle Mitglieder des BR/der PV dabei sein. Eine gute Ergänzung kann
                            es auch sein, von Anfang an Mitarbeiter/­innen einzubinden, die nicht im
                            Betriebsrat aktiv sind und sie auf diesem Weg mit dem BR­Team in Kontakt
                            zu bringen.
                            Welche Kommunikationsmittel sich für welche Zwecke und Zielgruppen
                            eignen, ist im Kapitel „Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit“, S. 8 beschrie­
                            ben. Mehr über ihre Gestaltung ist im Kapitel „Medien selbst gestalten“,
                            S.  nachzulesen.

                            Kommunikationsmittel aufeinander abstimmen
                            In einem guten Konzept werden die einzelnen Kommunikationsmittel in­
                            tegriert, das heißt auf ihre Wirkung hin betrachtet und aufeinander abge­
                            stimmt. Damit können Leerläufe vermieden und die gemeinsame Wirkung
                            der Kommunikationsmittel verstärkt werden.
   Ein Leitmedium           Eine Möglichkeit dafür ist, ein Leitmedium zu schaffen, auf das in jedem
                            anderen Medium verwiesen wird. Das Leitmedium kann die Homepage
                            sein, die Betriebsratszeitung oder auch das persönliche Gespräch. In letzte­
                            rem Fall könnte man z. B. auf jedem Flugblatt und in jedem Newsletter die
                            Beratungszeiten des Betriebsratsbüros und die Telefonnummer angeben.
    Durchgängiges           Das Design der Medien sollte aufeinander abgestimmt werden, näheres
           Design           dazu im Kapitel „Medien selbst gestalten“, S. .
        Inhalte und         Integriert werden auch die Inhalte der Kommunikation: Angenommen, das
        Ablaufplan          Thema X ist gerade das wichtigste in der BR­Arbeit. Dann informiert die
                            BR­Zeitung über die Hintergründe zum Thema X und die Maßnahmen des
                            BR; in der Mitarbeiterversammlung erfahren die Beschäftigten alles über
                            die Verhandlungen zum Thema X und per Internet gibt es regelmäßige Up­
                            dates zum Thema X. Ein Ablaufplan regelt die zeitliche Abstimmung der
                            Kommunikationsmittel.

                            Finanzierung
                            Als nächsten Schritt sollte man sich über die Finanzierung Gedanken ma­
                            chen. Sind genügend Mittel vorhanden oder muss zusätzliches Geld auf­
                            getrieben	werden?	Mögliche	Quellen	sind	Anzeigen,	Sponsoring,	Benefiz-
                            Veranstaltungen, etc.

                       8
Ist insgesamt zuwenig Geld da, können die Ziele eventuell nicht erreicht                Ziele notfalls
werden: In diesem Fall wird es notwendig sein, die Ziele anzupassen.                    überarbeiten

Budgetverteilung
Die	finanziellen	Mittel	werden	anschließend	auf	die	Kommunikationsmittel	
aufgeteilt. Sie stellen das Budget innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens
dar.

   Bei der Aufteilung des Budgets sollte die Arbeitszeit nicht verges-
   sen werden. Kommunikationsmittel wie eine Zeitung brauchen
   viel Vorbereitungszeit, ein Flugblatt weitaus weniger.


Umsetzung
Nach der Planung geht es an die Umsetzung. Beispiele dafür gibt es in den
Beispielkonzepten	in	diesem	Kapitel.	Tipps	für	die	Umsetzung	findet	man	
auch in den Kapiteln „Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit“ und „Medien
selbst gestalten“.

Kontrolle
Am Ende der PR­Kampagne bzw. an bestimmten Punkten (z. B. Halbzeit)                     Kontrolle hilft weiter
überprüft man die Zielerreichung. Fragen dazu sind: In welchem Ausmaß
sind die Ziele erreicht worden? Welche Probleme traten auf, welche Er­
folgsfaktoren wurden gefunden?
Die Kontrolle schafft eine wichtige Basis für die nächste PR­Kampagne
– und die kommt bestimmt!


Beispielkonzept 1: Image Betriebsrat Haferschrot GmbH
Der Betriebsrat der Firma Haferschrot will sein Image unter den Mitarbei­
tern/­innen (MA) verbessern. Die genaue Ausgangssituation ist im Kapitel
„Wozu brauchen Betriebsräte/Personalvertretungen Öffentlichkeitsarbeit“
S.  beschrieben.

Analyse der Ist-Situation
Zerlegt man das Image in mehrere Komponenten, kann es gemessen wer­                     Image messen
den.	Dazu	werden	Eigenschaften	wie	z.	B.	stark,	einflussreich,	kompetent,	
achtet auf gesunde Arbeitsplätze, setzt sich für mich ein, wählbar, sympa­
thisch, verhandlungsbereit, modern etc. bei wichtigen Zielgruppen abge­
fragt. Das kann in unserem Beispiel mit einer MA-Befragung geschehen.
Denkbar sind auch Interviews mit ausgewählten Beschäftigten.
Die Entscheidung, wie genau die Analyse gemacht wird, hängt auch von
den verfügbaren Mitteln ab. Selbst wenn gar kein Geld da ist, sollten ausge­
wählte Personen aus der Zielgruppe zu ihrem Bild des BR/der PV befragt
werden.
Da der Betriebsrat der Fa. Haferschrott sich über eine geringe BR­Umlage
finanziert,	 will	 er	 für	 die	 Analysephase	 kein	 Meinungsforschungsinstitut	
beauftragen. Stattdessen werden die BR­Mitglieder gebeten, mit je fünf Be­
schäftigten über das Image des BR zu reden. Insgesamt sollen 0 Interviews
geführt werden. Der Betriebsrat legt wichtige Fragen fest, wie z. B. „Wissen
Sie, ob die Fa. Haferschrot einen BR hat?“, „Welche Eigenschaften hat für
Sie der BR?“, etc.
Außerdem werden gemeinsam die Zielgruppen für die improvisierte Um­
frage festgelegt. Die Zielgruppe sind die Mitarbeiter/­innen des Betriebs,
also Angestellte und Arbeiter/­innen. Sie können weiter unterteilt werden

                                                                                   9
Anmerkungen            in Beschäftigte in der Zentrale, in Filialen und Fahrer/­innen. Eine weitere
                            Unterteilung geschieht nach Filialen in der Stadt A und Filialen in der
                            Stadt B. Es sollen außerdem gleich viele Frauen wie Männer und gleich
                            viele ältere und jüngere Arbeitnehmer/­innen befragt werden. Auch Fili­
                            alleiter/­innen gehören in die „Stichprobe“. Eine genaue Einteilung, wer
                            wen befragt, ist also wichtig. Diese Interviews liefern kein repräsentatives
                            Ergebnis, können aber eine Ahnung davon vermitteln, welches Bild die MA
                            vom BR haben.

                            Festlegung der Ziele
                            Die Analyse der Ist­Situation zeigt die bestehenden Stärken und Schwächen
                            im Image. Die Ergebnisse können mit dem Selbst­Bild, das die BR­Mit­
                            glieder von ihrer Körperschaft haben, verglichen werden.
                            Die Mitglieder des BR haben die Antworten der Kollegen/­innen zusam­
                            mengefasst. Die Ergebnisse zeigen, dass neue MA in Filialen oft nicht wis­
                            sen, dass es einen BR gibt. Das Image des BR wurde als „eher schwach aber
                            engagiert“ beschrieben.
Bekanntheit aufbauen        Darauf aufbauend legt der BR seine Ziele fest:
                            1. „Alle neuen Mitarbeiter/­innen sollen nach spätestens einem Monat im
                               Betrieb Kontakt mit einem Betriebsrat oder einer Betriebsrätin gehabt
                               haben. Kontrolle: Im Betriebsratsbüro wird eine Liste der neuen Mit­
                               arbeiter/­innen mit Einstellungsdatum geführt und vermerkt, wer bereits
                               besucht wurde. Die Liste wird Thema der regelmäßigen BR­Sitzung.“
                            . „Bis Ende des kommenden Jahres soll sich das Image des BR folgen­
                               dermaßen verändern: Der BR wird als kompetent, engagiert und wähl­
                               bar gesehen. Kontrolle: Mit einer repräsentativen Befragung Ende des
                               Jahres.“
                            Von dieser Befragung verspricht sich der BR nicht nur eine gute Kontrolle
                            der Ergebnisse sondern auch wichtige Informationen über die Einstellun­
                            gen und Mobilisierbarkeit der MA zur Wahl, die ein halbes Jahr später
                            stattfindet.

                            Festlegung der Zielgruppen
                            Die Zielgruppe der Imagekampagne besteht aus:
                            l	 Beschäftigten in der Zentrale

                            l	 Beschäftigten in Filialen

                            l	 Fahrer/­innen


                            Die Zielgruppe der Kampagne zur Erhöhung der Bekanntheit ist:
                            l	 neue Mitarbeiter/­innen


                            Die zwei Ziele werden also an zwei verschiedenen Zielgruppen festge­
                            macht.
                            Weitere Zielgruppen außerhalb des Betriebs sind befreundete BR, die nach
                            ihren Erfahrungen mit Imagekampagnen gefragt werden können. Das Ziel
                            ist hier Erfahrungsaustausch.

                            Auswahl der Kommunikationsmittel
                            Der Betriebsrat hat keine Zeitung und will auch keine einführen. Die BR­
                            Mitglieder können sich gut vorstellen eine Homepage zu starten, eine/r hat
                            sogar Erfahrung im Programmieren. Allerdings ist der Internetzugang in
                            der Arbeit nur bei den Angestellten gegeben. Inwieweit die Arbeiter/­in­
                            nen in der Freizeit Internetzugang haben, ist nicht bekannt. Diese Idee wird
                            daher verworfen.
                            Bisher wird ein schwarzes Brett gestaltet (Zentrale) und werden Gewerk­
                            schaftsmitglieder angeworben (auch in der Zentrale). Der Betriebsrats­Vor­

                       0
sitzende	hat	ein	Büro	in	der	Zentrale	und	spricht	häufig	mit	den	dort	Be­               Anmerkungen
schäftigten. In den Filialen sind die BR­Mitglieder wenig vertreten, zu den
Fahrern/­innen besteht fast überhaupt kein Kontakt.
Daher werden Briefe (mit Geschenken wie einem BR­Sticker), Flugblätter
und eine Betriebsrats­Frühstücksbox als ergänzende Kommunikationsmit­
tel	fixiert.	Die	Gespräche	in	den	Filialen	sollen	ausgebaut	werden	–	z.	B.	bei	
Besuchen nach der Einstellung neuer MA.
Folgende Tabelle zeigt, welche Kommunikationsmittel welche Zielgruppen
ansprechen sollen:

                                                           Schwarzes   BR-Früh-     Info zur Ge-   BR-Sitzung
                  Gespräch   Brief   Sticker   Flugblatt
                                                           Brett       stücksbox    werkschaft     1x/Monat

Beschäftigte
                  ►                  ►                     ►           ►            ►
in der Zentrale

Beschäftigte
                  (►)        ►       ►         ►                       ►            ►
in Filialen

Fahrer/-innen                ►       ►         ►                       ►            ►

neue MA           ►                                                    ►            ►

befreundete BR    ►

BR-interne
                                                                                                   ►
Kommunikation


Damit die interne Kommunikation nicht vergessen wird, hat der BR sie in
die Tabelle aufgenommen.
Das persönliche Gespräch mit neuen MA in Filialen kann auch für Ge­
spräche mit schon länger dort Beschäftigten genutzt werden. Die Früh­
stückbox mit z. B. einer Brezel, Schinken, Ei, Käse und Obst ist eine neue
Idee, sie soll den MA ca. ein­ bis zweimal im Jahr den Arbeitsanfang er­
leichtern und daran erinnern, dass der BR für sie da ist. Der Box wird ein
aktuelles Flugblatt beigelegt.
Die Flugblätter behandeln Themen wie Gesundheit am Arbeitsplatz, Voll­
zeit statt Teilzeit, Einsparungen, aktuelle Aufgaben des BR, etc.

Kommunikationsmittel aufeinander abstimmen
Als Leitmedium der Öffentlichkeitsarbeit wird das Gespräch festgelegt.                  Leitmedium persön­
Daher wird in jedem Flugblatt und jedem Brief auf die Erreichbarkeit des                liches Gespräch
BR (Telefonnummer, Sprechstunde) hingewiesen. Auch Fahrer/­innen sol­
len, wenn sie in die Zentrale kommen, die Möglichkeit zum direkten Kon­
takt haben. Dadurch rücken die Mitglieder des BR in den Vordergrund: Sie
sind kompetent und engagiert und sollen mit ihrer Arbeit das Image des
BR stärken.
Der	BR	lässt	von	einem	Grafiker	ein	passendes	Logo entwerfen. Es kommt
in Zukunft auf alle schriftlichen Unterlagen, auf das schwarze Brett und
auch auf die Frühstücksbox. Außerdem wird ein Layout für die Flugblätter
entworfen, das immer gleich bleibt.
Damit sich das Image in den Dimensionen kompetent, engagiert und wähl­
bar verbessert, werden Themen kommuniziert, für die sich der BR kompe­
tent engagiert (Vollzeit statt Teilzeit, Gesundheit, etc.). Der Schwerpunkt
liegt dabei auf Information und Aufklärung. Die BR­Mitglieder möchten
keine „Selbstbeweihräucherung“, sondern „ehrliche“ Information. Eine
gute Idee ist es, die BR­Mitglieder mit einem (professionellen) Foto vorzu­
stellen – mit Name, Erreichbarkeit, Schwerpunkt, Grund des Engagements
im BR. Dadurch steigt die Bekanntheit und der gute Eindruck aus dem per­
sönlichen Gespräch wird verfestigt.

                                                                                   1
Anmerkungen            Pro Flugblatt (A) wird ein Thema behandelt. Dasselbe Thema streichen die
                                   BR­Mitglieder in persönlichen Gesprächen hervor. Das Thema wird auch
                                   am schwarzen Brett und in einem Brief aufgegriffen.
 Zeitplanung hilft den             Der Ablaufplan für das kommende Jahr sieht folgendermaßen aus:
Überblick zu bewahren

                          Jan      Feb    Mär     Apr   Mai   Jun    Jul   Aug    Sep    Okt    Nov    Dez

Image-Interviews          ►

Auswertung                         ►

Kostenvoranschläge
                                   ►              ►
einholen

Logo-Design                               ►

Layout Flugblatt                          ►

Fotos                                     ►

Persönliches
                          ►        ►      ►       ►     ►     ►      ►     ►      ►      ►      ►      ►
Gespräch

Filialen besuchen                                 ►     ►     ►      ►     ►      ►      ►      ►      ►

Postadressen der MA
                                                  ►
recherchieren

Vorbereitung Brief
                                                  ►
(texten, Kuverts ...)

Persönl. Brief                                          ►

Sticker                                                 ►

Vorbereitung Flug-
blatt (texten, Verviel-                   ►             ►                  ►             ►
fältigung ...)

Flugblatt                                         ►           ►                   ►             ►

Schwarzes Brett           ►        ►      ►       ►     ►     ►      ►     ►      ►      ►      ►      ►

BR-Frühstücksbox                                              ►                                 ►

Info zur Gewerkschaft                     ►                                              ►

BR-Sitzung                ►        ►      ►       ►     ►     ►      ►     ►      ►      ►      ►      ►

MA-Befragung                                                                                           ►



                                   Eine Imagekorrektur ist langfristig zu sehen und nach einem Jahr noch
                                   nicht abgeschlossen. Spätestens im dritten Quartal sollte daher das Folge­
                                   jahr geplant werden.

                                   Finanzierung
                                   Das neue Logo und die professionellen Fotos sind eine einmalige Ausgabe.
                                   So wie die Flugblätter, Briefe und die Frühstückbox werden sie aus dem
                                   Betriebsratsfonds	finanziert.	Ein	genauer	Budgetplan	kann	erst	nach	dem	
                                   Einholen	der	Angebote	fixiert	werden.

                                   Budgetverteilung
                                   Die Arbeitszeit der freigestellten und nicht­freigestellten BR­Mitglieder
                                   wird entsprechend dem Zeitplan verteilt, ebenso die Finanzmittel.
Umsetzung                                                                          Anmerkungen
Als Beispiel für die Umsetzung ist hier ein Flugblatt des Betriebsrates der
Firma Haferschrot abgebildet:




Jedes Flugblatt ist einem eigenen Thema gewidmet.

Quelle: Tina Brunauer

Kontrolle
Die Erfolgskontrolle ist Ende des Jahres mit der MA­Befragung gegeben.             Befragung
Die Befragung wird zeigen, wie der BR nun wahrgenommen wird und                    zur Kontrolle
ob sich sein Image verbessert hat (Vorsicht: Der direkte Vergleich mit den
Interviewergebnissen der ersten Befragung ist nicht möglich, da die Inter­
views u.a. nicht repräsentativ waren).
Die Befragung kann auch erheben, inwiefern die MA für die BR­Wahl im
darauf folgenden Jahr mobilisierbar sind.


Beispielkonzept 2:
Betriebsratswahl bei der Schlau  Söhne GmbH
Der	Betriebsrat	der	Schlau		Söhne	GmbH	benötigt	neue	Kandidaten/-in­
nen für die kommende Betriebsratswahl. Die genaue Ausgangssituation ist
in Kapitel „Wozu brauchen Betriebsräte/Personalvertretungen Öffentlich­
keitsarbeit“ S.  beschrieben.
Ist-Situation analysieren
     Ehrliche Analyse        Das	 Betriebsrats-Team	 der	 Firma	 Schlau	 	 Söhne	 steht	 vor	 einer	 schwie­
                             rigen Situation: Werden nicht mindestens drei neue Freiwillige für die Be­
                             triebsratswahl in einem Jahr gefunden, kann keine Interessenvertretung im
                             Betrieb gewählt werden.
                             Ein zweites Problem ist die Beratung von Mitarbeitern/­innen mit alba­
                             nischer oder türkischer Muttersprache und schlechten Deutschkenntnissen.
                             Sie	kann	bisher	nur	eingeschränkt	stattfinden.
                             Die Betriebsräte/­innen haben sich daher entschieden, aktiv MA mit mig­
                             rantischem Hintergrund für den Betriebsrat anzuwerben. Aus jeder größe­
                             ren Gruppe möchten sie einen/eine Vertreter/­in gewinnen.
                             Die größten Gruppen nach Herkunftsländern/Regionen sind:
                             l	 Türkei

                             l	 Kroatien

                             l	 Ostafrika

                             l	 Albanien bzw. Kosovo

                             l	 Österreich


                             Da Personen aus Kroatien und Österreich bereits im BR vertreten sind, kon­
                             zentriert sich die Suche auf Kollegen/­innen mit den Herkunftsregionen
                             Türkei, Ostafrika und Albanien/Kosovo.

                             Festlegung der Ziele
                             Der BR legt dementsprechend ein Hauptziel fest:
                             1. „Bis zum Mai nächsten Jahres sind mindestens  bisher nicht aktive Kol­
                                legen/­innen bereit, für den BR zu kandidieren.“
                             Wird das Ziel nicht erreicht, kann die BR­Arbeit nicht fortgesetzt werden.
                             Das Team glaubt aber an einen Erfolg und legt noch zwei weitere Ziele fest,
                             die auf der Erreichung des ersten Ziels aufbauen:
  Ein Hauptziel, zwei        . „Die Beratung und Interessenvertretung des BR verbessert sich im Lau­
    nachrangige Ziele           fe der nächsten  Jahre, weil mindestens  neue Kollegen/­innen mit
                                den Herkunftsgebieten Türkei, Ostafrika und Albanien/Kosovo in die
                                BR­Arbeit eingebunden werden. Eingebunden werden sie z. B. als Dol­
                                metscher/­innen, als BR­Kandidaten/­innen oder als Multiplikatoren/
                                ­innen unter den Kollegen/­innen.“
                             . „Mindestens 0 % der MA sollen an der BR­Wahl im nächsten Mai teil­
                                nehmen.“

                             Festlegung der Zielgruppen
                             Die Aufteilung in drei Ziele setzt sich in der Einteilung der Zielgruppen
                             fort.
Zielgruppen und Ziele        Die Zielgruppe für Ziel 1 sind alle MA im Innen­ und Außendienst. Aller­
                             dings sind die Chancen für ein Engagement bei MA, die bereits mit dem BR
                             zu tun hatten, größer.
                             Der BR legt die Zielgruppe folgendermaßen fest: Alle MA, die in den ver­
                             gangenen zwei Jahren mit dem BR zu tun hatten (Zielgruppe 1).
                             Die Zielgruppe für Ziel 2	wird	so	definiert:	MA	mit	den	Herkunftsländern	
                             Türkei, Ostafrika und Albanien/Kosovo, die bereit sind als Dolmetscher/
                             ­innen, als BR­Kandidaten/­innen oder als Multiplikatoren/­innen tätig zu
                             werden (Zielgruppe ).
                             Die Zielgruppe für Ziel 3 umfasst alle Arbeiter/­innen des Betriebs.
Auswahl der Kommunikationsmittel                                                      Anmerkungen
Bisher hat der Betriebsrat vierteljährlich eine 8­seitige Zeitung herausgege­
ben, die aber nur wenig gelesen wurde. Bevor Alternativen bestimmt wer­
den, analysiert der BR die Zielgruppen genauer. So soll vermieden werden,
dass neue Kommunikationsmittel nicht ankommen.
Allen Zielgruppen gemeinsam sind folgende Eigenschaften:                              Eigenschaften der Ziel­
l	 Arbeiter/­innen                                                                    gruppen beachten
l	 tendenziell mehr Konsum von TV, Radio etc. als von Zeitungen

l	 Wohnort in einem Ballungsraum


Eine Besonderheit von Zielgruppe 1 ist:
l	 in den vergangenen zwei Jahren Beratung durch den BR aufgrund von

   arbeitsrechtlichen/sozialen oder sonstigen Problemen
l	 hohe Bekanntheit des Betriebsrates

l	 gutes Image des Betriebsrates

l	 mehr Männer als Frauen


Eine Besonderheit von Zielgruppe  ist:
l	 hauptsächlich Frauen

l	 deutschsprachige Texte werden selten gelesen

l	 häufiger	im	Innen-	als	im	Außendienst	(daher	wegen	der	Arbeitszeiten	

   schwer erreichbar)
Nach dieser Analyse wird immer klarer, dass die Weiterführung der Zei­
tung in der bisherigen Form nicht sinnvoll ist. Die BR­Mitglieder überlegen,
die gut eingeführte Zeitung in knapperer Form und dafür mehrsprachig
herauszubringen. Außerdem wird die Einführung von Help-Cards über­
legt, auf denen die wichtigsten Ansprechpartner/­innen für arbeitsrecht­
liche und soziale Probleme genannt werden.
Den BR­Mitgliedern ist klar, dass das persönliche Gespräch nicht zu erset­            Persönliches Gespräch
zen ist. Aufgrund der De­Zentralisierung und der Sprachbarrieren ist es
aber oft schwierig, mit den MA persönlich zu sprechen. Der BR einigt sich
darauf Dolmetscher/­innen aus dem Betrieb anzuwerben, die ihn freiwillig
unterstützen.
Zusätzlich organisiert der BR mit Unterstützung der Gewerkschaft einen
kostenlosen Deutschkurs für die Kollegen/­innen. Die Geschäftsleitung
stellt für den Kurs auf Anfrage Räumlichkeiten zur Verfügung. Für die
kommende Funktionsperiode setzt sich das Team zum Ziel, in Verhand­
lungen zu erreichen, dass der Kurs in der Arbeitszeit abgehalten werden
kann.	Aktuelle Themen der BR­Arbeit sollen an ausgewählte Personen der
Zielgruppen 1 und  außerdem per SMS kommuniziert werden, da jede/je­
der MA ein Handy hat. Die Telefonnummern sind dem BR bekannt.
Folgende Tabelle zeigt, welche Kommunikationsmittel welche Zielgruppen
ansprechen sollen:

                Gespräch                                          Betriebs-           persönlich
                                 Zeitung            Schwarzes
                und                         Help-                 Versamm-            einladen     BR-Sitzung
                           SMS   (1–2               Brett (Foto
                Deutsch-                    Cards                 lung (inkl.         zum          1x/Monat
                                 Seiten)            + Kontakt)
                kurs                                              Einladungen)        Mitmachen

Zielgruppe 1    ►          ►     ►          ►       ►             ►                   ►            ►

Zielgruppe 2    ►          ►     ►          ►       ►             ►                   ►

Alle            ►                ►          ►       ►             ►

BR-interne
                           ►                                      ►                                ►
Kommunikation
Anmerkungen           Mitglieder der Zielgruppe 1, die dazu bereit sind, sollen an den BR­Sit­
                              zungen teilnehmen, um so langsam in die Arbeit hineinzuwachsen. Sie wer­
                              den persönlich angesprochen und mehrmals zum Mitmachen eingeladen.
                              Sie sollen auch dabei helfen, die Help­Cards zu verteilen.
                              Vor der Wahl will der BR besonders stark kommunizieren und plant daher
                              eine Betriebsversammlung, bei der über die Wahl und ihre Bedeutung in­
                              formiert werden soll. Außerdem soll eine Beratungsecke vor und nach der
                              Versammlung helfen, dringende arbeitsrechtliche Fragen der Kollegen/­
                              innen zu klären.

                              Kommunikationsmittel aufeinander abstimmen
       Kommunikation          Die Stärke des BR liegt in der persönlichen Beratung – mit oder ohne Dol­
          mit Bildern         metscher/­in. Als Leitmedium wird daher ein Foto des Teams samt der
                              Erreichbarkeit in allen wichtigen Sprachen im Betrieb aufgehängt. Das Foto
                              und	die	Info	sind	auch	auf	der	Help-Card	zu	finden.	Beim	Event	sind	alle	
                              BR­Mitglieder präsent – auch die neuen Kandidaten/­innen stellen sich vor.
                              Die Beratungsecken erinnern an die Kernkompetenz des BR.
                              Der BR entscheidet sich für ein schlichtes Design in den Firmenfarben. Das
                              Layout der Zeitung wird auf  Seiten adaptiert aber in den Grundzügen
                              beibehalten, schließlich ist die Zeitung bereits bekannt. Neu ist das Foto des
                              Teams, das auf allen Drucksorten aufscheint.
                              Ein Ablaufplan regelt die zeitliche Abstimmung der Kommunikations­
                              mittel:

                        Jul    Aug    Sep    Okt   Nov    Dez   Jan   Feb    Mär    Apr   Mai           Jun

BR-Sitzung              ►             ►      ►     ►      ►     ►     ►      ►      ►     ►             ►

Einladen zum            ►             ►            ►      ►     ►     ►      ►      ►
Mitmachen (ZG 1)

Einladen zum            ►      ►      ►                         ►                   ►
Mitmachen (ZG 2) /
Dolmetscher/-innen
um Hilfe bitten

Persönl. Gespräche                    ►      ►     ►                  ►      ►      ►     ►             ►
NEU: mit Dolmetscher/
-in wenn nötig

Kostenloser                                               ►     ►     ►      ►      ►
Deutschkurs

Kostenvoranschläge      ►      ►
einholen

Help-Cards erscheinen                        ►

Help-Cards verteilen                         ►     ►      ►     ►            ►      ►

Foto+Kontakt auf                      ►      ►     ►      ►     ►     ►      ►      ►     ►
schwarzem Brett                                                                           (mit neuen
                                                                                          Kandida-
                                                                                          ten/-innen)

SMS an ZG 1+2 (aus-                   ►            ►            ►            ►            ►             ►
gewählte Personen)

Vorbereitung Zeitung                  ►      ►                               ►      ►
(inkl. Übersetzen)

Zeitung (1–2 Seiten,                               ►                                      ►
mehrsprachig)

Betriebsversammlung                                                                       ►

Wahl                                                                                                    ►
Finanzierung                                                                            Anmerkungen
Die Mittel und Personalressourcen, die bisher viermal im Jahr in die Pro­
duktion	einer	umfangreichen	Zeitung	geflossen	sind,	sollen	nun	neu	aufge­
teilt werden: Für die Produktion der Help­Cards bleibt so Geld übrig. Die
Übersetzungen und Dolmetsch­Leistungen können kostenlos organisiert
werden – ein großer Vorteil einer mehrsprachigen Belegschaft!

Budgetverteilung
Die Arbeitszeit der BR­Mitglieder wird entsprechend dem Zeitplan verteilt,
ebenso die Finanzmittel. Außerdem wird geschätzt, wie groß der Bedarf an
Dolmetsch­Leistungen und Übersetzungen ist und wer dafür zur Verfü­
gung stehen könnte.

Umsetzung
Als Beispiel für die Umsetzung sind hier die Vorder­ und die Rückseite
einer	 Help-Card	 des	 Betriebsrates	 der	 Firma	 Schlau	 	 Söhne	 abgebildet.	
Es ist die deutsch/englische Version. Die Help­Card (in der Größe eines
Bierdeckels und aus stabilem Karton) existiert auch in deutsch/kroatisch,
deutsch/türkisch und deutsch/albanisch.




Die Help-Card gibt einen raschen Überblick über Beratungsangebote.

Quelle: Tina Brunauer, Foto: Christina Häusler

Kontrolle
Eine	erste	Erfolgskontrolle	findet	im	Juni	mit	der	BR-Wahl	statt:	Wurde	das	
Ziel	1	(genug	Kandidaten/-innen	für	die	BR-Wahl	finden)	erreicht?
Wenn nicht, haben sich die anderen Ziele erübrigt. Konnte das Ziel aber
erreicht werden, so kann der neue BR gemeinsam an der Erreichung des
zweiten Ziels arbeiten.


Beispielkonzept 3: Gewinnung neuer Gewerkschafts-
Mitglieder bei der Stahlo GmbH
Die Betriebsräte/­innen von Stahlo planen gemeinsam mit der Gewerk­
schaft in ihrem Betrieb aktiv neue Mitglieder für die Gewerkschaft zu wer­
ben. Die Ausgangssituation ist im Kapitel „Wozu brauchen Betriebsräte/
Personalvertretungen Öffentlichkeitsarbeit“ S.  beschrieben.

Analyse der Ist-Situation
Die BR von Stahlo wissen, welche Mitarbeiter/­innen (MA) in ihrem Betrieb               Genau analysieren
– insgesamt ungefähr 0 % – Gewerkschaftsmitglieder sind und sie vermu­
ten, dass mehr ältere MA Mitglieder sind als jüngere. Für die Erstellung
Anmerkungen             eines Kommunikationskonzepts reichen diese Informationen jedoch nicht
                        aus. Bei einem ersten Planungstreffen gemeinsam mit den Gewerkschaf­
                        tern/­innen beschließen sie daher zunächst eine MA-Befragung durchzu­
                        führen. Unterstützt von einem Bekannten, der in der Meinungsforschung
                        tätig ist, entwickelt das Team auch einen Fragebogen, der an alle MA ver-
                        teilt werden soll. Gefragt wird nach:
                        l	 Alter, Geschlecht, Arbeiter/­in/Angestellte, Dauer der Tätigkeit im Be­
                           trieb
                        l	 Gewerkschaftsmitgliedschaft
                        l	 Gründen für den Beitritt oder Nicht­Beitritt
                        l	 Meinung über die Gewerkschaft und den BR
                        l	 Bereitschaft sich gewerkschaftlich zu engagieren
                        l	 Erwartungen an Gewerkschaft und Betriebsrat
                        l	 Interessen, Hobbys
                        Zusätzlich führen einige der Betriebsratsmitglieder eine Reihe von infor-
                        mellen Gesprächen, um die Stimmung im Betrieb zu erheben. Alle diese
                        Gespräche werden schriftlich dokumentiert.
  Auswertung            Die Ergebnisse der ausgewerteten Fragebögen und der Gespräche waren bei
der Ergebnisse          Arbeitern/­innen und Angestellten sehr ähnlich und für die Betriebsräte/
                        ­innen zum Teil überraschend: Der von den befragten Nichtmitgliedern am
                        häufigsten	genannte	Grund,	der	Gewerkschaft	nicht	beizutreten,	ist:	„Weil	
                        ich noch nie gefragt wurde“. Gleichzeitig ist das Image der Gewerkschaft
                        bei mehr als der Hälfte der befragten Nichtmitglieder eher positiv.
                        Weniger überraschend dagegen ist, dass vor allem langjährige Mitarbeiter/
                        ­innen, die schon ihr ganzes Arbeitsleben Gewerkschaftsmitglieder sind
                        und intensiven Kontakt zum BR haben, auch die positivste Einstellung zu
                        Gewerkschaft und BR­Arbeit haben. Die Mitglieder dieser Gruppe bekun­
                        deten	am	häufigsten	die	Bereitschaft,	aktiv	mitzuarbeiten	und	bieten	sich	
                        für die Mitgliederwerbeaktion vor allem als Multiplikatoren/­innen an.
                        Die jüngeren Befragten (Nichtmitglieder und Mitglieder) haben dagegen oft
                        eine weniger positive Meinung von Gewerkschaft und BR. In den persön­
                        lichen Gesprächen meinten viele der jüngeren Nichtmitglieder, sie könnten
                        sich ihre Angelegenheiten mit ihrem Chef sehr gut selbst regeln. Auf Nach­
                        fragen wussten bei den jüngeren Mitarbeitern/­innen weder die Mitglieder
                        noch die Nichtmitglieder viel über die Aufgaben einer Gewerkschaft und
                        deren Nutzen für die Arbeitnehmer/­innen.

                        Festlegung der Ziele
Ziele	definieren        Als Hauptziel der Mitgliederwerbeaktion bei der Stahlo GmbH wird
                        schließlich festgelegt:
                          „Über einen Zeitraum von sieben Monaten soll es gelingen, den Organi­
                          sationsgrad bei den Stahlo­MA von 0 % auf 0 % zu erhöhen.“
                        Aus der Befragung der MA haben sich drei Teil-Ziele ergeben, die zur Er­
                        reichung des Hauptziels beitragen sollen:
                        1. „Alle MA, die bisher nicht Gewerkschaftsmitglieder sind, sollen aus­
                           führliche schriftliche Informationen über die Vorteile einer Gewerk­
                           schaftsmitgliedschaft erhalten. In der Folge sollen auch mit allen diesen
                           Kollegen/­innen persönliche Gespräche geführt werden.“ Kontrolle: Es
                           werden über alle Gespräche Protokolle angefertigt und bei jeder Be­
                           triebsratsitzung besprochen, mit welchen MA schon geredet wurde. Die
                           Gesprächs­Protokolle dienen außerdem als Unterstützung für weitere
                           Gespräche.



                   8
. „Im selben Zeitraum soll das Thema Gewerkschaft bei den Beschäftigten                   Anmerkungen
   von Stahlo stärker positioniert werden (in allen Medien und bei sämt­
   lichen Aktivitäten des Betriebsrats).“
. „Langjährige Gewerkschaftsmitglieder sollen als Multiplikatoren/­in­
   nen für die Kampagne gewonnen werden.“ (Sie sollen mehr und mehr in
   die Aktivitäten eingebunden werden und nach Möglichkeit auch selbst
   Werbegespräche führen.)

Festlegung der Zielgruppen
Entsprechend der drei Teilziele ergeben sich drei Zielgruppen, die für die                 Zielgruppen	definieren
Kampagne unterschiedliche Bedeutung haben:
Zielgruppe für Ziel 1: Alle Mitarbeiter/­innen, die (noch) keine Gewerk­
schaftsmitglieder sind.
Zielgruppe für Ziel : Da der BR von Stahlo nur begrenzte Ressourcen zur
Verfügung	 hat,	 definiert	 er	 als	 Zielgruppe	 für	 das	 zweite	 Ziel:	 Alle	 MA	
(Mitglieder und Nichtmitglieder) bei Stahlo, die noch wenig in Kontakt mit
BR und Gewerkschaft waren. Einen besonderen Schwerpunkt sollen dabei
die MA bilden, die neu bei Stahlo anfangen.
Zielgruppe für : MA, die schon einige Zeit bei Stahlo arbeiten, langjährige
Gewerkschaftsmitglieder sind und dem BR nahe stehen.

Auswahl der Kommunikationsmittel

Bei der Auswahl der Kommunikationsmittel stehen die Werber/­innen
vor der Herausforderung, dass vor allem die Zielgruppe 1 sehr groß und
inhomogen ist. Die MA aus Zielgruppe 1 haben nur gemeinsam, dass sie
keine Gewerkschaftsmitglieder sind. Daher wird diese Gruppe noch ge­
nauer analysiert. Basis dafür bietet die durchgeführte MA­Befragung: In
Zielgruppe 1 gibt es MA, die von sich sagen, dass sie überhaupt kein Inter­
esse an der Arbeit des BR und der Gewerkschaft haben und ausschließen
können jemals der Gewerkschaft beizutreten. Eine zweite Gruppe gibt an,
dass sie Gewerkschaft weder positiv noch negativ sehen, dass sie aber für
sich persönlich noch keinen Grund gefunden haben, der Gewerkschaft bei­
zutreten. Die dritte Gruppe schließlich gibt an, der Gewerkschaft prinzipiell
positiv gegenüber zu stehen, sich mit dem Thema Gewerkschaft aber noch
nie beschäftigt zu haben.
Schließlich fällt dem BR noch auf, dass es zwischen den MA, die ein enges
Verhältnis zu BR und Gewerkschaft haben (Zielgruppe 3) und den „neuen“
MA (Zielgruppe 2) kaum Berührungspunkte gibt. An den BR­Aktivitä­
ten,	dem	Betriebsausflug	und	auch	an	den	MA-Stammtischen	des	BR	neh-
men hauptsächlich die „alten Hasen“ teil. Nur wenn es gelingt, diese Grup­
pen stärker miteinander in Kontakt zu bringen, können die älteren MA zu
Multiplikatoren/­innen für die Werbeaktion werden.
Für die weitere Vorgehensweise werden schließlich folgende Schritte fest­
gelegt:
l	Ein	 befreundeter	 Grafiker	 entwickelt	 ein	 eigenes	 Logo für die Werbe­               Weitere Schritte
  aktion, das in den nächsten Monaten auf alle Medien des BR abgedruckt
  sein wird.




                                                                                      9
Anmerkungen




                   Quelle: Lucia Bauer

                   l	Alle MA werden mit Flugblättern schriftlich über die Vorteile einer Ge­
                     werkschaftsmitgliedschaft informiert.
                   l	Als zusätzlichen Anreiz, sich mit dem Thema auseinander zu setzen,
                     wird ein Gewinnspiel veranstaltet. Für das Gewinnspiel werden eigene
                     Teilnahme­Karten gedruckt. Auf der Vorderseite der Karten ist das Logo
                     der Werbeaktion zu sehen. Um sowohl Mitglieder als auch Nicht­Mit­
                     glieder für das Gewinnspiel zu interessieren und diese beiden Gruppen
                     miteinander in Kontakt zu bringen, lässt sich die Karte in  Puzzle­Teile
                     zerlegen. Jeder Puzzleteil hat auf der Rückseite Platz auf dem jeweils
                     ein Vorteil einer Gewerkschaftsmitgliedschaft eingetragen werden muss.
                     Die Puzzleteile werden einzeln an die Beschäftigten verteilt. Für die Teil­
                     nahme am Gewinnspiel müssen sich je zwei Mitglieder und zwei Nicht­
                     Mitglieder	zusammen	finden,	die	gemeinsam	ein	komplettes	Puzzle	und	
                      Vorteile einer Gewerkschaftsmitgliedschaft abliefern. Die vier Gewin­
                     ner/­innen erhalten je ein Wochenende in einem Wellness­Hotel, in dem
                     der BR Sonderkonditionen bekommt.




                   Die Vorderseite der zerlegten Gewinnkarte.

                   Quelle: Lucia Bauer




              0
l	Der BR von Stahlo gibt viermal pro Jahr eine ­seitige BR-Zeitung her­              Anmerkungen
  aus, die von den MA gut angenommen wird. In den folgenden  Ausga­
  ben soll dem Thema Gewerkschaft der Hauptartikel gewidmet werden.
l	 den Pausenräumen hat der BR jeweils ein Info-Brett, das ebenfalls für
  In
  Informationen über die Gewerkschaft genutzt werden soll.
l	Dem BR­Team ist klar, dass MA nicht wegen eines Gewinnspiels oder
  eines Artikels in der BR­Zeitung der Gewerkschaft betreten. Die persön-
  lichen Gespräche mit den einzelnen MA sind das wichtigste Mittel der
  MG­Gewinnung. Da die Ressourcen des BR jedoch begrenzt sind und
  viele Mitglieder des BR­Teams keine Erfahrungen mit Werbegesprächen
  haben, sollen in der ersten Runde die Gespräche zunächst mit jener Grup­
  pe von Nichtmitgliedern geführt werden, die dem Thema Gewerkschaft
  bereits offen gegenüber stehen. Erst in der zweiten Runde – nach einer
  ersten Evaluierung – sollen die Gespräche dann auf alle MA ausgedehnt
  werden. Die Ergebnisse der MA­Befragung geben den Werbern/­innen
  Basis und Anknüpfungspunkte für die Gespräche.
  Zusätzliche Unterstützung für die Werbegespräche holen sich die Stahlo­             Unterstützung
  BR beim VÖGB. In Absprache mit der Gewerkschaft wird ein „Rufsemi­                  für die Werber/­innen
  nar“ zum Thema Mitgliedergewinnung bei Stahlo veranstaltet, das einen
  Schwerpunkt „Werbegespräche“ hat. Um die MA aus Zielgruppe  zu
  motivieren und zu den Werber/­innen­Treffen einzuladen, müssen auch
  mit diesen Kollegen/­innen persönliche Gespräche geführt werden.
l	Für die neuen MA soll ein Willkommens-Info-Paket über die Arbeit
  des BR­Teams zusammengestellt werden. Dieses wird in Zukunft auch
  Informationen über die Gewerkschaft enthalten.
l	Zur zusätzlichen Motivation der Werber/­innen sollen BR­Mitglieder
  und Gewerkschaftsmitglieder, die sich an der Werbeaktion als Multipli­
  katoren/­innen beteiligen, zu regelmäßigen Treffen eingeladen werden.
  Diese Treffen dienen dem Austausch und bieten die Möglichkeit sich
  beim Team oder bei einem Vertreter/einer Vertreterin der Gewerkschaft
  Unterstützung oder Feedback für die eigene Arbeit zu holen.
l	Nach  Monaten soll die Mitglieder­Werbeaktion mit einem großen Fest
  zu	Ende	gehen.	Dabei	sollen	alle	beteiligten	Werber/-innen	ein	offizielles	
  Dankeschön und einen Gutschein für ein Abendessen erhalten und die
  Gewinner/­innen des Preisausschreibens ausgelost werden. Die neuge­
  worbenen Gewerkschaftsmitglieder werden bei diesem Fest willkommen
  geheißen. Als Einladung zum Abschlussfest soll wieder ein Flugblatt an
  alle MA gehen.
Die folgende Tabelle zeigt noch einmal welche Zielgruppe durch welches
Mittel angesprochen werden soll:

                             Zeitung                                                  Werber/
                                        Gewinn-               Willkom-    Schwarzes              Abschluss-
                  Gespräch   (Haupt-              Flugblatt                           -innen-
                                        spiel                 menspaket   Brett                  fest
                             artikel)                                                 Treffen

Zielgruppe 1      ►          ►          ►         ►                       ►                      ►

Zielgruppe 2      ►          ►          ►         ►                       ►                      ►

Zielgruppe 3                 ►          ►                     ►           ►           ►          ►

Alle                         ►          ►         ►                       ►

Neue Mitglieder                                                                                  ►




                                                                                 1
Anmerkungen        Kommunikationsmittel aufeinander abstimmen
                   Wichtig ist es auch, die Kommunikationsmittel zeitlich aufeinander abzu­
                   stimmen. Den Zeitplan des BR­Teams von Stahlo zeigt die folgende Tabel­
                   le:

                                              Monat 1   M2     M3      M4               M5    M6    M7

                   Treffen der WerberInnen    ►         ►      ►       ►                ►     ►     ►

                   Rufseminar „Werbege-
                                              ►
                   spräche“

                   Einladung zu den Wer-
                                              ►         ►      ►       ►                ►     ►     ►
                   ber/-innen-Treffen

                                                                       ►
                   Flugblätter                ►                        (Einladung zum
                                                                       Abschlussfest)

                   Zeitung                    ►                        ►                            ►

                   Gespräche: erste Runde               ►      ►

                   Evaluierung der ersten
                                                               ►
                   Gesprächsrunde

                   Gewinnspiel, Verteilung
                                                        ►
                   des Puzzles

                   Persönl. Gespräche:
                                                                       ►                ►     ►
                   zweite Runde

                   Abschlussfest, Verlosung                                                         ►

                   Willkommens-Paket          Langfristig und anlassbezogen, wann immer jemand neu bei
                   für neue MA                Stahlo beginnt.


                   Mit dem Abschluss­Fest, soll nicht ein Schlusspunkt unter das Thema Ge­
                   werkschaftsmitgliedschaft gesetzt werden. Die Stahlo­BR wollen nach dem
                   Fest vielmehr eine erste Bilanz ziehen und überprüfen ob es ihnen gelungen
                   ist, ihr Hauptziel, die Steigerung des Organisationsgrades von 0 % auf 0 %
                   zu erreichen.

                   Finanzierung
                   Da es bei der Kampagne der Stahlo­BR um Mitgliedergewinnung geht,
                   bekommen	die	BR	auch	finanzielle	Unterstützung	 von	der	Gewerkschaft.	
                   Diese	finanziert	das	Gewinnspiel	und	stellt	Info-Materialien	über	die	Vor­
                   teile einer Gewerkschaftsmitgliedschaft zur Verfügung. Das Seminar für
                   die	Werber/-innen	finanziert	der	VÖGB.	Die	Flugblätter	können	die	BR	am	
                   firmeneigenen	 Kopierer	 vervielfältigen.	 Weil	 der	 Hauptteil	 der	 Werbung	
                   im persönlichen Gespräch passiert, müssen die BR­Mitglieder aber viel Zeit
                   für die Werbeaktion aufwenden.


                   Beispielkonzept 4: Krisenkommunikation
                   bei der Pharmamio AG
                   Um bei einer möglichen Fusion des Unternehmens gut vorbereitet zu
                   sein, erstellt der Betriebsrat des Konzerns Pharmamio einen Krisenplan
                   mit Kommunikationskonzept. Die Ausgangssituation dafür ist im Kapitel
                   „Wozu brauchen Betriebsräte/Personalvertretungen Öffentlichkeitsarbeit“
                   S.  beschrieben.
Ist-Situation analysieren                                                                           Anmerkungen
Für die Analyse der Ist­Situation sammeln die BR­Mitglieder gemeinsam
alle verfügbaren Informationen. Dann wird ein wahrscheinliches Krisen­
Szenario	definiert,	es	lautet	folgendermaßen:
Feindliche	Übernahme	durch	den	Marktführer.	Die	Übernahme	findet	zu	
Konditionen statt, die für die MA von Pharmamio unvorteilhaft sind. Kün­
digungen drohen.
Am Beispiel dieses Szenarios schildern wir hier den Aufbau eines Kommu­
nikationskonzepts in der Krise. Für den Betriebsrat wird es wichtig sein,
auch	andere,	mögliche	Szenarien	zu	definieren	und	evt.	mehrere	parallele	
Krisenpläne auszuarbeiten.
Der	BR	legt	zuerst	einen	Krisenplan	für	das	Szenario	fest,	er	definiert	die	                        Handlungsmöglich­
wichtigsten	Handlungsmöglichkeiten	des	BR.	Die	Definition	und	Auswahl	                              keiten in den Phasen
der Handlungsmöglichkeiten ist eine Voraussetzung für ein Kommunika­                                der Krise
tionskonzept. Sie basiert auf strategischen Entscheidungen, die viel Know­
How und Wissen erfordern. Der Betriebsrat von Pharmamio informiert sich
daher bei Experten/­innen des Aktienrechts, Gewerkschaft und anderen
Betriebsräten/­innen in ähnlichen Situationen, bevor er eine Entscheidung
trifft.
Dann legt der BR folgende Handlungsmöglichkeiten für verschiedene Pha­
sen der Krise fest:
l	 In der Präventionsphase: Erweitern der bestehenden MA­Beteiligung
   an Pharmamio auf mindestens 10 % aus strategischen Gründen. Die
   10 %­Marke soll innerhalb von  Jahren erreicht werden. Bis dahin gelten
   für die folgenden Phasen noch Ziele, die von einer geringeren MA­Betei­
   ligung ausgehen:
l	 In der Früherkennungsphase (falls MA­Beteiligung kleiner 10 %): Aktua­

   lisierung des Krisenplans. Eine gemeinsame Sprachregelung schaffen.
   Forderungen für einen Sozialplan festlegen. Verhandlungen über eine
   Förderung des Standorts durch die Stadtverwaltung/das Land.
l	 In der Kriseneindämmungsphase (falls MA­Beteiligung kleiner 10 %):

   Sozialplan verhandeln.
l	 In der Erholungsphase (falls MA­Beteiligung kleiner 10 %): Verhandeln

   über stabile Konditionen für verbleibende MA.
Der Krisenplan soll regelmäßig aktualisiert werden. Ist die 10 %­Schwelle
erreicht, kann der Betriebsrat die Handlungsmöglichkeiten in den weiteren
Phasen der Krise ganz anders gestalten, da die MA dann strategisches Ei­
gentum halten.
Teil des Krisenplans ist ein Kommunikationskonzept.

Festlegung der Ziele
Das Kommunikationsziel im Krisenplan lautet in der Präventionsphase
folgendermaßen:
„Werbung für eine stärkere Mitarbeiterbeteiligung am Unternehmen. Ziel
ist es, dass in  Jahren 10 % des Unternehmens in der Hand der MA sind.“




   Die Phasen der Krise beziehen sich auf die Einteilung nach Töpfer 1999 (siehe Literatur­
    hinweise).
   Das Für und Wider von MA­Beteiligungen wird hier ausgespart, da es nur um die Krisen­
    kommunikation anhand eines Beispiels geht.
Kommunikationsziel in der Früherkennungsphase:
Ziele und Phasen        „Die wichtigsten Akteure/­innen der Übernahme wissen, dass die Beschäf­
                        tigten nicht übergangen werden können. Die MA wissen, dass sich der BR
                        für sie einsetzt.“
                        Kommunikationsziel in der Kriseneindämmungsphase:
                        „Die MA wissen, dass sich der BR für sie einsetzt. Die Geschäftsleitung
                        weiß, dass es notwendig ist, auf die Forderungen des BR nach einem Sozial­
                        plan einzugehen.“
                        Kommunikationsziel in der Erholungsphase:
                        „Die MA wissen, dass sich der BR für sie einsetzt. Die Geschäftsleitung
                        weiß, dass die Erfüllung der Forderungen des BR die Motivation heben
                        kann.“
     Vorbeugen          Für alle diese Ziele werden nun Zielgruppen, Kommunikationsmittel etc.
                        bestimmt. Da das Kommunikationskonzept dadurch sehr umfangreich
                        wird, gehen wir hier hauptsächlich auf das Ziel der Präventionsphase –
                        Werbung für eine starke Mitarbeiterbeteiligung – ein. Die Präventions-
                        phase ist besonders wichtig: Ideal ist es, die Krise ganz zu verhindern.
                        Kommunikation kann dabei unterstützen. Auch wenn es nicht gelingt, die
                        Krise „abzusagen“, so ist mit der Prävention die Basis für die Eindämmung
                        der Krise geschaffen.
    Kühler Kopf         Ein weiterer Grund, warum hier schwerpunktmäßig die Präventionsphase
                        behandelt wird, ist die bessere Planbarkeit. Eine Krise ist im Fall ihres „Aus­
                        brechens“ schwer zu durchschauen. Es ist einfacher, die Szenarien im Vor­
                        hinein festzulegen und anhand der Phasen Ziele zu vereinbaren. So kann
                        man auch mitten in der Krise leichter einen kühlen Kopf behalten.

                        Festlegung der Zielgruppen
                        Das Ziel der Präventionsphase ist eine stärkere MA­Beteiligung. Es bindet
                        folgende Zielgruppen ein:
                        l	 die MA. Das Ziel für diese Zielgruppe: „Die MA sollen verstehen, dass
                           ihre Beteiligung an Pharmamio wichtig ist. Sie sollen Teile ihres Entgelts
                           in Aktien umwandeln, so dass sie in  Jahren 10 % des Unternehmens
                           halten.“
                        l	 die Personalverantwortliche im Management. Das Ziel für diese Person:
                           „Die Personalverantwortliche im Management soll ab kommenden April
                           die MA­Beteiligung als Motivationsanreiz bewerben.“
                        l	 die Unternehmensleitung. Das Ziel für diese Zielgruppe: „Die Unter­
                           nehmensleitung soll ab kommenden April die Abteilungsleiter/­innen
                           anweisen, Aktien als Motivationsanreize einzusetzen.

                        Auswahl der Kommunikationsmittel
                        Für die Zielgruppe der MA verwendet der BR seine bisherigen Kommuni­
                        kationsmittel. Diese sind:
                        l	 BR­Bereich im Intranet des Unternehmens

                        l	 Pop­Ups am Bildschirm zu aktuellen Anlässen (mit Verweisen auf das

                           Intranet)
                        l	 BR­Newsletter: ein­ bis zweimal/Monat per E­Mail

                        l	 Schwarze Bretter in den Pausenbereichen

                        l	 Sticker und Plakate in der Kantine

                        l	  Seiten im MA­Magazin des Unternehmens

                        l	 Persönliche Gespräche

                        l	 Regelmäßige Events (Filmvorführungen, etc.)

                        l	 Geschenke an die MA zu besonderen Anlässen (Jubiläen, Festtage)
Zusätzlich wird ein „Beteiligungs­Barometer“ in der Kantine eingerichtet,                  Anmerkungen
das jeden Tag den Aktien­Anteil der MA an Pharmamio anzeigt und bei
knapp über 10 % endet. Werden die 10 % erreicht, wird der BR ein großes
Fest für alle MA organisieren.
Die Personalverantwortliche im Management soll durch Best-Practice-Bei-                    Best Practice
spiele von anderen Unternehmen überzeugt werden, die MA­Beteiligung
stärker zu bewerben. Der BR stellt eine Info­Mappe zusammen. Dafür holt
er Informationen bei der Gewerkschaft und bei befreundeten BR ein. Au­
ßerdem sollen regelmäßige Gespräche das Thema vorantreiben. Die Info­
Mappe weist auch darauf hin, dass MA ein stabiler, berechenbarer Kernak­
tionär sind und ihre stärkere Beteiligung im Interesse von Pharmamio ist.
Für die Unternehmensleitung fasst der BR die Informationen aus der Map­
pe kurz zusammen. Er bringt die MA­Beteiligung bei einer Aufsichtsrats­
sitzung auf die Tagesordnung. Bei Gesprächen im Vorfeld hat er bereits
versucht Verbündete zu sammeln.
Auch für die MA stellt der BR Info­Material zusammen, das alle wichtigen
Fragen rund um die Aufstockung der MA­Beteiligung beantwortet. Es wird
ehrlich auch über die Risiken einer Beteiligung informiert, z. B. bei einem
Kurssturz.
Folgende Tabelle zeigt, welche Kommunikationsmittel welche Zielgruppen
ansprechen sollen:

                                                                 Schwarze
                                 Info-
                        Info-               Intranet,   News-    Bretter,   MA-                 Ge-        BR-
            Gespräch             material                                             Events
                        mappe               Pop-Ups     letter   Sticker,   Magazin             schenke    Sitzung
                                 (MA)
                                                                 Plakate

MA          ►                    ►          ►           ►        ►          ►         ►         ►

Personal-               ►
            ►
abteilung               (lang)

                        ►
Leitung     ►
                        (kurz)

BR-Intern                                                                                                  ►


Kommunikationsmittel aufeinander abstimmen
Die Kommunikationsmittel, die sich an die MA richten, werden durch eine                    Slogan in allen Medien
Grundaussage – nämlich „Holen wir uns 10 % vom Kuchen“ – aufeinander
abgestimmt. Dieser Slogan geht mit einem Bild von einem leckeren Ku­
chenstück einher. Er kommt in allen Kommunikationsmitteln vor.
Kuchenstück und Slogan werden von gut aufbereitetem Info­Material
zu den Details der Mitarbeiterbeteiligung (Finanzierung, Steuern etc.) be­
gleitet.
Ein Pop-Up wirbt für die Mitarbeiterbeteiligung.




Quelle: Tina Brunauer

Zeitplan für die Umsetzung der Maßnahmen im ersten Jahr
Anmerkungen             der Kampagne:


                                 Jan    Feb   Mär   Apr   Mai    Jun   Jul   Aug   Sep   Okt   Nov   Dez

BR-Sitzung                       ►      ►     ►     ►     ►      ►     ►           ►     ►     ►     ►

Infomappen erstellen             ►

Infomappen                              ►     ►     ►

Aufsichtsratssitzung                          ►

BR-Bereich im Intranet:
                                                    ►            ►                 ►           ►
Bericht zum Thema

Pop-Ups zum Thema                                   ►                              ►

Infomaterial für MA erstellen    ►

BR-Newsletter zum Thema                             ►                                    ►

Schwarze Bretter                                    ►     ►                                    ►

Sticker, Plakate                                          ►            ►           ►

2 Seiten im MA-Magazin                        ►                  ►                 ►                 ►

Gespräche                               ►     ►     ►     ►      ►                 ►     ►     ►     ►

Event                                                     ►                        ►                 ►

Geschenke (zu Jubiläen etc.)                        ►                              ►                 ►


                                 Finanzierung und Budgetverteilung
                                 Die Werbekampagne wird keine zusätzlichen Ressourcen benötigen, sie
                                 kann im normalen Betrieb abgewickelt werden.
                                 Ein großer Mehraufwand an Kommunikation ist erst nötig, wenn eine Krise
                                 tatsächlich „ausbricht“.

                                 Umsetzung
                                 Die einzelnen Kommunikationsmittel werden entsprechend dem Slogan
                                 gestaltet. Zwei Beispiele: Pop­ups in der Form von Kuchenstücken erschei­
                                 nen zum Start der Kampagne am Bildschirm. Als besonderes Geschenk gibt
                                 es ein Kuchenstück für jede/n MA.
   Die Krise wird akut           Was,	wenn	nun	plötzlich	doch	eine	feindliche	Übernahme	stattfindet,	noch	
                                 bevor die Prävention durch eine stärkere MA­Beteiligung greift? Nun sollte
                                 unbedingt Kontakt mit den Experten/­innen der Gewerkschaft aufgenom­
                                 men werden.
                                 Der BR wird im Fall einer Übernahme über die Weiterbeschäftigung aller
                                 MA verhandeln. Klappt das nicht, muss über einen Sozialplan verhandelt
                                 werden.

                                     In der akuten Krise (Kriseneindämmungsphase) sollte man in der
                                     Kommunikation Folgendes beachten:
                                     l	 Besser agieren als reagieren.

                                     l	 Die MA regelmäßig informieren (z. B. vom Stand der Verhand-

                                        lungen)
                                     l	 Vom Ausgang des Konflikts berichten
Wichtig ist, dass der BR „mit einer Stimme“ spricht. Eine gemeinsame                 „Sprache“ festlegen
Sprachregelung wird vereinbart, an die sich jeder hält. Sie beinhaltet z. B.
einen Kernsatz: „Wir verhandeln über die Übernahme aller MA. Der BR
lässt euch nicht im Stich.“ Die Sprachregelung kann auch die Vermeidung
bestimmter Wörter umfassen, z. B. wenn niemand von „Kündigungen“
spricht, sondern von „Weiterbeschäftigung“.
Im Fall von Pharmamio reagiert der BR auf die Nachricht von der Übernah­
me in einer Zeitung sofort mit einem E­Mail­Newsletter, in dem er die MA
informiert, dass „der BR über die Übernahme aller MA verhandeln wird.
Der BR lässt euch nicht im Stich.“
In der Folge ist eine Betriebsversammlung geplant, in der alle Infos über den        Regelmäßig
Stand der Verhandlungen bekannt gegeben werden. Auf der BR­Homepage                  kommunizieren
kann man sich für einen SMS­Newsletter einloggen. Regelmäßig schickt der
BR SMS über den Stand der Verhandlungen. Außerdem gibt es ab sofort
eine „Wir machen weiter“-Informationsveranstaltung, bei der MA über
ihre Erwartungen und Befürchtungen reden können. Noch kann der BR
zwar wenig über mögliche Lösungen sagen, ein Gespräch hilft aber, Ängste
abzubauen.
Mit weiteren E­Mail­Newslettern informiert der BR über die Fortschritte
der Verhandlungen und lädt zur Betriebsversammlung. Aktuelle News
finden	sich	auch	im	Intranet	auf	der	BR-Homepage.
Bei großen Unternehmen kann die Landespolitik bzw. die Wirtschaftspoli­              Krise öffentlich
tiker/-innen	 häufig	 mobilisiert	 werden,	 wenn	 es	 um	 Themen	 wie	 „Aus­         machen?
verkauf“ geht. Der BR kann sich daher überlegen, wie er Politiker/­innen
einbinden kann. Vielleicht wird es auch notwendig sein, öffentlich Druck
zu erzeugen. In diesem Fall könnten die MA eingeladen werden, an öffent­
lichen Aktionen zum Thema teilzunehmen (z. B. Demo in der Innenstadt,
Verständigung per SMS).
Solche Aktionen sind nur dann sinnvoll, wenn die breite Öffentlichkeit in
die Diskussion einbezogen werden soll. Zur Eindämmung der Krise sind
sie aber nicht geeignet.

Kontrolle
In der Präventionsphase ist eine exakte Erfolgskontrolle möglich, in den
anderen Phasen ist das schwieriger. Trotzdem ist es wichtig zumindest
alle Materialien zu dokumentieren, um aus einer Phase für die nächste zu
lernen.


             10. Wie können Betriebsräte/­innen und Personalvertreter/
                 ­innen ihre aktuelle Situation analysieren?




             11. Welche Rolle spielt die Zielgruppe bei der Auswahl der
                 Kommunikationsmittel?
Anmerkungen
                      Exkurs: Medienarbeit
                      Rückt ein betriebliches Thema ins öffentliche Interesse, schalten sich die
                      Medien ein. Dann kommen vermutlich Anfragen von Journalisten/­innen,
                      die den/die Betriebsratsvorsitzende/­n interviewen möchten. In diesem
                      Fall ist es relativ einfach, mit der eigenen Sicht der Dinge in den Medien
                      gehört zu werden. Trotzdem ist Vorsicht angebracht: Ein Interview sollte
                      gut vorbereitet werden, eine vorher festgelegte Kernaussage hilft die eigene
                      Botschaft „durchzubringen“. Die Kernaussage sollte im Interview mehr­
                      mals wiederholt werden. Bei Wochen­ und Monatsmagazinen ist es teil­
                      weise möglich, das Interview vor dem Druck zu autorisieren – bei heiklen
                      Themen	empfiehlt	es	sich,	diese	Möglichkeit	in	Anspruch	zu	nehmen.
Auf die Medien        Schwieriger wird es, wenn der Betriebsrat versucht, ein neues Thema an
       zugehen        die Öffentlichkeit zu tragen. Die Erfolgschancen dafür steigen, je neuer,
                      wichtiger (für die Öffentlichkeit) und interessanter die Nachricht ist. Dafür
                      gibt es verschiedene Instrumente/Kommunikationsmittel, wie z. B. Presse­
                      konferenzen und –gespräche, Presseaussendungen, Telefonate, informelle
                      Gespräche, Pressereisen/Exkursionen in den Betrieb, Homepages, Weblogs
                      und kreative Formen der PR.

                      Pressekonferenz, Pressegespräch
                      Täglich	finden	in	den	Ballungsräumen	zahlreiche	Pressekonferenzen	und	-
                      gespräche statt. Daher ist ein für die Medien interessanter „Aufhänger“ des
                      Gesprächs wichtig. Während in einer akuten Krise Aufmerksamkeit fast
                      immer garantiert ist, braucht es in ruhigeren Zeiten ein mehr an Attraktion:
                      z. B. eine/n prominente/n Teilnehmer/­in, eine gewichtige Ankündigung,
                      eine bildhafte Aktion, einen Beitrag zu einem gerade wichtigen Thema,
                      lokalen Bezug, etc.
                      Während eine Pressekonferenz formaler angelegt ist, ist ein Pressegespräch
                      ein wenig kleiner, dialogorientierter. Beide Formen benötigen viel professio­
                      nelle Vorbereitung. Folgende Checkliste soll dabei helfen:
    Checkliste        Fragen, die sich zu Beginn stellen:
                      m Ist das Thema für Medien interessant?

                      m Kann es mit einem Interview besser abgedeckt werden?

                      m Gibt es genügend Zeit, die Pressekonferenz/das Pressegespräch zu orga­

                        nisieren?
                      m Was soll das Ziel der Pressekonferenz/des Pressegesprächs sein?

                      Nachdem das Ziel festgelegt wurde, geht es um das Organisatorische:
                      m Termin: Wenn tagesaktuelle Medien erreicht werden sollen, dann sind

                        die Tage Dienstag bis Freitag gut geeignet, ideal ist der Vormittag, ca. ab
                        9:0 Uhr. Dauer: ca. eine Stunde.
                      m Ort: Pressekonferenzen	 und	 –gespräche	 finden	 meist	 in	 zentralen	 Kaf­

                        feehäusern statt. Ein interessanter anderer Ort (z. B. im Betrieb) muss gut
                        erreichbar, ungestört und ruhig sein und zum Anlass passen. Auf die
                        rechtzeitige Reservierung nicht vergessen!
                      m Sprecher/-innen: Am Podium sollten ein bis vier Personen sitzen, auf

                        keinen Fall mehr. Namenskärtchen stellen sicher, dass die Sprecher/­in­
                        nen mit dem richtigen Namen zitiert werden.
                      m Einladung: Die Einladung kann per OTS­Aussendung über die Austria

                        Presse Agentur (APA) erfolgen, muss aber nicht. Einladungen gehen
                        ein bis zwei Wochen vor der Pressekonferenz direkt an Journalisten/
                        ­innen, die über ähnliche Themen schreiben. Wichtig ist die persönliche
                        Ansprache, die Einladung wird per E­Mail oder manchmal auch per Post
                        verschickt. Cirka zwei Tage davor schickt man per E­Mail oder OTS eine
                        Erinnerung. In jedem Fall sollte die Terminredaktion der APA informiert
                        werden, da ihre Tagesübersicht die Planungsgrundlage vieler Redak­
                        tionen ist.

                 8
m   Wenn eine spektakuläre Aktion die Pressekonferenz begleitet, ist es                  Anmerkungen
    sinnvoll eine/n Fotografen/-in zu engagieren.
m   Die wichtigste Botschaft wird vor der Pressekonferenz festgelegt, sie
    sollte	 griffig	 formuliert	 sein.	 Außerdem	 wird	 vereinbart,	 wer	 welche	
    Themen in welcher Reihenfolge anspricht (Statements nie länger als fünf
    Minuten). Im Vorfeld sollten auch mögliche Fragen der Journalisten/­
    innen	identifiziert	und	Antwortmöglichkeiten	festgelegt	werden.
m   Eine Pressemappe enthält die wichtigsten Forderungen, evt. eine Situ­
    ationsbeschreibung, Informationen über die Personen am Podium und
    einen Kontakthinweis für Rückfragen.

Presseaussendungen
Hier	empfiehlt	es	sich,	sich	unter	www.ots.at Beispiele für Aussendungen                 Wenig
anzusehen und mit ihrem Niederschlag in den Medien zu vergleichen,                       Aufmerksamkeit
bevor mit der eigenen Aussendung begonnen wird. Verschickt werden
Presseaussendungen zunehmend per E­Mail, die Aufmerksamkeit für die
einzelne Aussendung sinkt. Für Massen­E­Mails gilt das Telekommunika­
tionsgesetz,	das	Spam	verbietet.	Es	empfiehlt	sich	also,	den	Verteiler	klein	
aber treffsicher zu halten. Die Grundregeln für verständliches Texten (nach­
zulesen im Kapitel „Medien selbst gestalten“, Unterpunkt „Texten“, S. )
gelten auch bei Presseaussendungen.

Telefonate
Sie sind der schnellste Weg in die Medien. Die ideale Zeit zum Anrufen ist
in tagesaktuellen Medien der Vormittag, in anderen Medien immer den Re­
daktionsschluss beachten (notfalls im Sekretariat erkundigen). Gute Vorbe­
reitung ist wichtig, aus einem Telefonat kann schnell ein Interview werden.

Informelle Gespräche
Diese	 Gespräche	 finden	 z.	B.	 bei	 einem	 Mittagessen	 oder	 Kaffee	 mit	 nur	
einem/einer Journalisten/­in statt. Journalisten/­innen legen üblicherwei­
se Wert auf ihre Unabhängigkeit und lassen sich nicht auf die Konsumation
einladen. Allerdings gibt es auch einige, die eine Einladung erwarten. Am
besten ist es, die Erwartungshaltung diskret abzuklären.
Zusammenhänge, die zum Verständnis wichtig sind, die aber nicht an                       Off the records
die Öffentlichkeit gelangen sollen, kann man „off the records“ abklären.
Trotzdem ist Vorsicht angebracht, nicht alle Medien halten sich an solche
Vereinbarungen.

Pressereisen/Exkursionen in den Betrieb.
Eine Reise oder Exkursion ermöglicht den Journalisten/­innen einen tief­
eren Einblick und ist auch ein soziales Event. Wenn die Bereitschaft der
Medien dazu besteht, ist eine Exkursion eine gute und wirksame Form der
Medienarbeit.

Homepage, Weblog
Gut gemachte Homepages und Weblogs werden von Journalisten/­in­
nen gelesen, vor allem, wenn man ihnen aus aktuellem Anlass einen Link
schickt.

Kreative Formen der PR
Bildhafte Aktionen und erlebnisorientierte PR sorgen für Aufmerksamkeit.                 Neue	Formen	finden
Beispiele sind z. B.
l	 Sprechblasen an öffentlichen Orten montieren,

l	 Kampagnen­Websites launchen, die die eigene Sichtweise an die Öffent­

   lichkeit bringen, optisch aber jenen der „Gegner/­innen“ sehr ähnlich
   sehen,
l	 „Theaterspielen“ bei öffentlichen Events, etc.



                                                                                    9
Anmerkungen
                   Quellenverweis
                   Kapitel: Wozu brauchen BR/PV Öffentlichkeitsarbeit?
                   Artikel „Image“. In: Wikipedia. Die Freie Enzyklopädie. Stand: 18. März 00
                     1.0 Uhr. Online im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Image
                   Kapitel: Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit
                   Buck, Harald, Kommunikation in elektronischen Diskussionsgruppen, Networx
                      Nr. 11, 1999, URL: http:/     /www.websprache.uni­hannover.de/networx/
                      docs/networx­11.pdf
                   Cornelsen, Claudia, Das 1x1 der PR. So haben sie mit Public Relations die Nase
                      vorn, Freiburg, Berlin, München, Zürich: Haufe Mediengruppe 00
                   Goldmann, Martin, Hooffacker, Gabriele, Online publizieren, für Web­Medien tex­
                      ten, konzipieren und gestalten.
                   Hooffacker, Gabriele, Online Journalismus, Schreiben und Gestalten für das Inter­
                      net, Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis, München: List Verlag
                   Meier, Klaus (Hg), Internet­Journalismus, Ein Leitfaden für ein neues Medium,
                      Konstanz: UVK Medien 1999
                   Rommert, Frank-Michael, Hoffnungsträger Intranet, Charakteristika und Aufga­
                      ben eines neuen Mediums in der internen Kommunikation, München: Verlag
                      Reinhard Fischer 00
                   Saim, Rolf Alkan, Texten für das Internet, Ein Handbuch für Redakteure und
                      Webdesigner, Bonn: Galileo Press 00
                   Wolf, Klaus-Peter, Öffentlichkeitsarbeit, Handbuch für Betrieb und Gewerk­
                      schaft, Köln: Bund­Verlag 199
                   Zowislo, Natascha, Heike Schwab, Interne Kommunikation im Veränderungs­
                      prozess, Mitarbeiter gezielt informieren und erfolgreich einbeziehen, Wies­
                      baden: Gabler 00
                   Kapitel: Medien selbst gestalten
                   Boba, Gert und Michael Walter, Leitfaden Foto­Urheberrecht für österreichische
                     Berufsfotografen, Wien: Verlag für photographische Literatur 199
                   Deg, Robert, Basiswissen Public Relations. Professionelle Presse­ und Öffentlich­
                      keitsarbeit,	Wiesbaden:	Verlag	für	Sozialwissenschaften,	2.	Auflage	2006
                   Förster, Hans-Peter,	Texten	wie	ein	Profi,	Frankfurt	am	Main:	Frankfurter	Allge­
                      meine Buch 00
                   Khazaeli, Cyrus Dominik, Crashkurs Typo und Layout, Vom Schriftdesign zum
                      visuellen Konzept, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 00
                   Artikel „Corporate Identity“. In: Wikipedia. Die Freie Enzyklopädie. Stand:
                      . Mai 00 1. Uhr. Online im Internet: http:/   /de.wikipedia.org/wiki/
                      Corporate_Identity
                   Kapitel: Konzepte für Öffentlichkeitsarbeit
                   Bruhn, Manfred, Integrierte Unternehmens­ und Markenkommunikation, Stra­
                      tegische	Planung	und	Operative	Umsetzung,	3.	Auflage,	Stuttgart:	Schäfer-
                      Poeschel Verlag 00.
                   Bruhn, Manfred,	Marketing	für	Nonprofit-Organisationen,	Grundlagen	–	Kon­
                      zepte – Instrumente, Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer 00.
                   Herbst, Dieter, Das professionelle 1x1: Interne Kommunikation, Berlin: Cornel­
                      sen 1999.
                   Leipziger, Jürg W., Konzepte entwickeln, F.A.Z.­Institut für Management­,
                      Markt­ und Medieninformationen GmbH, Frankfurt am Main: 00.
                   Leitsmüller, Heinz, Naderer, Ruth, Hofbauer, Silvia und Günter Köstelbauer, Be­
                      triebsräte sind gefordert... Unternehmenskrise und Insolvenz, Wien: Verlag
                      des Österreichischen Gewerkschaftsbudnes 199.
                   IG Metall, Vertrauensleute in der IG Metall, Kompetent und klar informieren,
                      Öffentlichkeitsarbeit im Betrieb,
                   Töpfer, Armin: Plötzliche Unternehmenskrisen – Gefahr oder Chance? Grund­
                      lagen des Krisenmanagement, Praxisfälle, Grundsätze zur Krisenvorsorge.
                      Neuwied [u.a.]: Luchterhand, 1999.
                   Trenkwalder, Verena und Daniela Gruber, Zielsetzungen und Gestaltungsmöglich­
                      keiten von Mitarbeiterbeteiligungen in: Trenkwalder, Verena und Michael
                      Tumpel: SWK­Sonderheft Stock Options, Wien: Linde Verlag April 001
                   Kapitel Exkurs Medienarbeit
                   Buchner, Michael, Friedrich, Fabian, Kunkel, Dino, Zielkampagnen für NGO: Stra­
                     tegische Kommunikation und Kampagnenmanagement im Dritten Sektor,
                     Lit Verlag Januar 00

              0
Beantwortung der Fragen                                                                  Anmerkungen


F 1:   Das Image ist das innere Bild, das andere von einem haben. Daran
       knüpfen sich Wissen, Gefühle und Handlungsabsichten. Ein Image
       kann zwar korrigiert werden, das ist aber ein langfristiger Prozess.
       Leichte Korrekturen sind leichter zu bewerkstelligen als ein totaler
       Imagewandel.
F 2:   Öffentlichkeitsarbeit wird in Form eines Kommunikationskonzepts
       in einen Krisenplan integriert. Sie unterstützt beim Weg aus der
       Krise. Öffentlichkeitsarbeit kann aber strategische Planung, Handeln
       und Verhandlungen nicht ersetzen.
F 3:   Flugblatt: Flugblätter eignen sich dafür, schnell eine große Anzahl
       an	Menschen	zu	erreichen.	Am	effizientesten	kann	ein	Flugblatt	sein,	
       das nur eine klar formulierte Botschaft enthält und sich an nur eine
       Zielgruppe richtet. Flugblätter sollten nur kurze Textbotschaften ent­
       halten und übersichtlich und zum Corporate Design des Betriebs­
       rats/der Personalvertretung passend gestaltet sein.
       Betriebsratswebsite: Betriebsratshomepages machen dann Sinn,
       wenn eine große Zahl der Beschäftigten Zugang zum Internet hat
       und am PC arbeitet. Websites sind aber auch sehr kurzlebige Medi­
       en, die immer aktuell gehalten werden müssen. Sie sind daher auch
       relativ zeitintensiv.
       SMS: Immer mehr Menschen in Österreich haben Handys und kön­
       nen SMS empfangen. Massen­SMS lassen sich daher auch als Komm­
       nikationsmittel das BR/der PV einsetzen. Voraussetzung dafür ist,
       dass die Handynummern der Beschäftigten bekannt sind und sie
       den Massenversand gutheißen. Für die Texter/­innen sind SMS­Bot­
       schaften wegen der Kürze eine besondere Herausforderung, da auch
       keine wichtige Information fehlen sollte.
F 4:   In allen Betrieben ist es notwenig sowohl schriftlich als auch münd­
       lich mit der Belegschaft zu kommunizieren. Die beiden Kommunika­
       tionsarten stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern ergänzen
       sich. Je größer ein Unternehmen, desto wichtiger wird schriftliche
       Kommunikation, da es dann nicht mehr möglich ist, dass der/die
       BR­Vorsitzende regelmäßig mit allen persönlich spricht. Trotzdem
       ist es nötig auch in großen Betrieben immer wieder den persönlichen
       Kontakt zu suchen, Sprechstunden und Informationsveranstaltungen
       anzubieten. In kleineren Betrieben geschieht die meiste Kommunika­
       tion mündlich. Das hat den Vorteil, dass Missverständnisse gleich
       ausgeräumt und Probleme gleich persönlich besprochen werden
       können. Trotzdem ist auch hier manchmal schriftliche Kommunika­
       tion wichtig, vor allem wenn komplizierte Fakten vermittelt werden
       sollen, z. B. die Inhalte der neuen Betriebsvereinbarung.
F 5:   Betriebsräte/­innen und Personalvertreter/­innen, die eine Betriebs­
       ratszeitung heraus geben möchten, sollten zunächst einmal ein Tref­
       fen des gesamten Teams einberufen und dann gemeinsam folgende
       Überlegungen anstellen: Welche Ziele soll das neue Medium haben?
       Welche	Auflage	und	wie	viele	Seiten	soll	es	haben?	In	welcher	Fre­
       quenz soll es erscheinen? Bei der Beantwortung dieser Fragen ist
       es	 wichtig	 finanzielle	 und	 zeitliche	 Ressourcen	 des	 BR/der	 PV	 zu	
       berücksichtigen. Im Zweifelsfall ist es sinnvoll, mit einem kleineren
       Projekt zu starten und die Zeitung im Laufe der Zeit auszubauen.
       In einem nächsten Schritt wird dann ein Zeitplan erstellt, Aufgaben
       werden verteilt und ein Grundlayout wird entwickelt.



                                                                                    1
Anmerkungen        F 6:   Der Begriff Corporate Identity (CI) bezeichnet die „Persönlichkeit“/
                          den „Charakter“ eines Unternehmens. Die CI umfasst normalerweise
                          Leitbild,	 Begrifflichkeiten,	 Handlungsrichtlinien,	 Namen,	 Logo,	 etc.	
                          Das Corporate Design (CD) ist ein Teilbereich der CI und bezeichnet
                          den sinnlich wahrnehmbaren Gesamtauftritt eines Unternehmens
                          oder einer Organsation.
                   F 7:   Bevor man beginnt einen Text zu schreiben, muss man sich zunächst
                          darüber klar sein, wo der Text erscheinen soll (Flugblatt, Website,
                          Zeitung,...) Dann sollte man überlegen, an welche Zielgruppe sich
                          dieser Text richtet: Was möchte ich von der Zielgruppe und in wel­
                          cher Situation ist die Zielgruppe bezogen auf mein Anliegen? Ist
                          meine Zielgruppe bereits interessiert, oder muss ich ihr Interesse erst
                          wecken? Welche Informationen sind für meine Zielgruppe wichtig?
                          Wenn im Text etwas versprochen wird, ist es immer wichtig vorab zu
                          klären, ob wirklich die Ressourcen da sind, dieses Versprechen auch
                          zu halten.
                   F 8:   Ein gelungenes Layout strukturiert und illustriert den Text und er­
                          leichtert die Lesbarkeit. Es schafft einen Wiedererkennungseffekt bei
                          den Lesern/­innen und kann die Aufmerksamkeit der Leser/­innen
                          auf bestimmte Themen lenken.
                   F 9:   Zum einen führen Bildunterschriften die Leser/­innen vom Bild zum
                          Text. Sie können dafür sorgen, dass zumindest der Anfang eines
                          Artikels gelesen wird. Zum anderen enthalten sie wichtige Informa­
                          tionen wie z. B. die Namen der abgebildeten Personen.
                   F 10: Bei der Analyse der aktuellen Situation werden zuerst alle verfüg­
                         baren Informationen gesammelt. Reichen diese Informationen aus,
                         kann der Betriebsrat/die Personalvertretung sie gemeinsam analy­
                         sieren. Eine SWOT­Analyse hilft, das Umfeld eines Themas zu klären
                         sowie	 Chancen	 und	 Risiken	 zu	 definieren.	 Sind	 zu	 wenig	 Informa-
                         tionen über die Mitarbeiter/­innen vorhanden, kann – am besten mit
                         Hilfe von Experten/­innen – eine Befragung durchgeführt werden.
                         Sie erhebt das Wissen, die Einstellungen und Handlungsabsichten
                         der Mitarbeiter/­innen in Bezug auf bestimmte Themen.
                   F11:   Bei der Auswahl der Kommunikationsmittel sollte die Zielgruppe
                          unbedingt bedacht werden. Nur wenn die Kommunikationsmittel
                          zur Zielgruppe passen, können die Botschaften des Betriebsrats/der
                          Personalvertretung ankommen.
Name und Adresse:                                                                    Anmerkungen




Fragen zu Praktische
Gewerkschaftsarbeit 5
Wir ersuchen Sie, die folgenden Fragen zu beantworten:*

1. Eine Personalvertretung an einer Schule überlegt, einen E­Mail­News­
   letter einzuführen. Welche Eigenschaften ihrer Zielgruppe sollte sie be­
   achten?




2.	 Der	Betriebsrat	des	fiktiven	Bauunternehmens	„Schöner	Bauen“	möchte	
    den Arbeitnehmer/­innenschutz stärken. Das Unternehmen hat 0 Be­
    schäftigte, die sich auf Baustellen im Raum Wien und Niederösterreich
    aufteilen.	Der	BR	hat	gehört,	dass	die	Helmpflicht	nur	teilweise	eingehal­
    ten	wird	und	will	daher	die	MA	von	der	Verpflichtung	zum	Helmtragen	
    und vom Schutz, den dieser bietet, informieren. Welche Instrumente
    kann er dafür nutzen und warum gerade diese?
Anmerkungen        3. Der	Betriebsrat	der	fiktiven	Softwarefirma	„Xvisio“	will	seine	Bekannt­
                      heit bei den MA erhöhen. Xvisio beschäftigt 80 MA, davon arbeiten 0 %
                      in Telearbeit. Formulieren sie ein Kommunikationsziel, das sich der BR
                      setzen kann.




                   4. Der Betriebsrat eines Krankenhauses hat eine Betriebsvereinbarung
                      zu einem dringend benötigten Betriebskindergarten ausgehandelt. Per
                      E­Mail hat er alle MA, deren Adressen bekannt waren, davon infor­
                      miert. Trotzdem gibt es bisher kaum Anmeldungen für die erste Kinder­
                      gartengruppe, die in einem Monat startet. Woran könnte das liegen? Wie
                      könnte der BR seine Kommunikation verbessern?




                   * Fernlehrgangsteilnehmer/­innen bitten wir, nach Abschluss der Fragen­
                     beantwortung die Seite(n) mit den Fragen abzutrennen und an folgende
                     Adresse zu senden:
                     Fernlehrgang des Österreichischen Gewerkschaftsbundes
                     1010 Wien, Hohenstaufengasse 10.

Damit Wir Uns Verstehen

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    PGA 5 Lucia Bauer/ Tina Brunauer Damit wir uns verstehen Tipps und Konzepte für Öffentlichkeitsarbeit im Betrieb INHALT Inhaltliche Koordination: Was bedeutet Öffentlichkeitsarbeit? 3 Stefan Maderner Zielgruppen 3 Wozu brauchen Betriebsräte/Personalvertretungen Öffentlichkeitsarbeit? 6 Beispiel 1: Image 6 Beispiel 2: Betriebsratswahl 7 Beispiel 3: Gewinnung neuer Gewerkschaftsmitglieder 7 Beispiel 4: Krisenkommunikation 7 Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit 8 (Mündliche Kommunikation, Rundschreiben, Flugblatt, Betriebszeitung, Schwarzes Brett, Homepage, Intranet, Diskussionsgruppen, Weblogs, Newsletter, SMS) Medien selbst gestalten 26 Texten 27 Layout 29 Bilder 33 Konzepte für Öffentlichkeitsarbeit 35 Beispiel 1: Image Betriebsrat Haferschrot GmbH 39 Beispiel 2: Betriebsratswahl bei der Schlau & Söhne GmbH 43 Beispiel 3: Gewinnung neuer Gewerkschaftsmitglieder bei der Stahlo GmbH Beispiel 4: Krisenkommunikation bei der Pharmamio AG 47 52 Stand: August 2006 Exkurs: Medienarbeit 58 Quellenverweis 60 Beantwortung der Fragen 61 Fernlehrgang 63
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    Anmerkungen Wie soll mit diesem Skriptum gearbeitet werden? Zeichenerklärung Frage zum Lernstoff im vorigen Abschnitt (vergleichen Sie Ihre eigene Antwort mit der am Ende des Skriptums ange­ gebenen). Anmerkungen: Die linke bzw. rechte Spalte jeder Seite dient zur Eintra­ gung persönlicher Anmerkungen zum Lernstoff. Diese eigenen Notizen sollen, gemeinsam mit den bereits vorge­ gebenen, dem Verständnis und der Wiederholung dienen. Schreibweise: Wenn im folgenden Text männliche Schreibweisen ver­ wendet werden, so ist bei Entsprechung auch die weibliche Form inkludiert. Auf eine durchgehende geschlechtsneu­ trale Schreibweise wird zu Gunsten der Lesbarkeit des Tex­ tes verzichtet. Arbeitsanleitung – Lesen Sie zunächst den Text eines Abschnitts aufmerksam durch. – Wiederholen Sie den Inhalt des jeweiligen Abschnittes mit Hilfe der ge­ druckten und der eigenen Randbemerkungen. – Beantworten Sie die am Ende des Abschnitts gestellten Fragen (möglichst ohne nachzusehen). – Die Antworten auf die jeweiligen Fragen finden Sie am Ende des Skrip­ tums. – Ist Ihnen die Beantwortung der Fragen noch nicht möglich, ohne im Text nachzusehen, arbeiten Sie den Abschnitt nochmals durch. – Gehen Sie erst dann zum Studium des nächsten Abschnitts über. – Überprüfen Sie am Ende des Skriptums, ob Sie die hier angeführten Lernziele erreicht haben. Lernziele Nachdem Sie dieses Skriptum durchgearbeitet haben, sollen Sie – über die Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit im Betrieb Bescheid wis­ sen, – ein Konzept für Ihre Öffentlichkeitsarbeit erstellen können, – wissen, wie Sie mit Ihren Zielgruppen erfolgreich kommunizieren kön­ nen. Die Autorinnen danken Mag.a Karin Zimmermann und Mag. Michael Niedermair sowie Dipl.­Ing. Dr. Andreas Ferschl für ihre wertvollen An­ regungen und ihre Hilfe beim Fertigstellen dieses Skriptums. Viel Erfolg beim Lernen!
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    Öffentlichkeitsarbeit Anmerkungen Was bedeutet Öffentlichkeitsarbeit? Die Arbeit von Betriebsräten/­innen und Personalvertretern/­innen spielt sich oft im Stillen ab. Erst vor einer Wahl werden die Erfolge der vergan­ genen Jahre kommuniziert. Das ist schade, denn Interessenvertretung heißt beständig arbeiten, sich immer wieder für die Kolleginnen und Kollegen stark machen. Damit der Einsatz des Betriebsrates (BR) oder der Personal­ vertretung (PV) auch wahrgenommen wird, ist regelmäßige Kommunika- tion wichtig. Bescheidenheit bringt weder Anerkennung noch ein gutes Image: Erfolge Von Erfolgen erzählen dürfen also auch kommuniziert werden! Auch bei Problemen ist es sinn­ voll, rechtzeitig die Kollegen/­innen zu informieren. So ist es leichter, die Handlungen des Betriebsrats im richtigen Licht darzustellen und Verständnis zu wecken. Trotzdem sollte sich der Betriebsrat/die Personal­ vertretung nicht zum Boten schlechter Nachrichten (z. B. der Unterneh­ mensleitung) machen lassen. Ein Spannungsfeld in der innerbetrieblichen Kommunikation ist das Be­ triebsgeheimnis. Im Zweifelsfall sollte man lieber intern als extern infor­ mieren – und sich bei besonders heiklen Materien vorher rechtlich beraten lassen. Die Mitarbeiter/-innen müssen immer zuerst informiert werden. Mitarbeiter/­innen als Sie sollten für sie wichtige Veränderungen nie erst aus der Zeitung Erste informieren erfahren. Öffentlichkeitsarbeit im Betrieb hilft die Bekanntheit des BR oder der PV zu steigern oder das Image zu verbessern. Öffentlichkeitsarbeit soll Erfolge „verkaufen“ aber auch laufende Verhandlungen begleiten und mögliche Konflikte darstellen. Öffentlichkeitsarbeit im Betrieb trägt auch dazu bei gewerkschaftliche Themen im Betrieb zu verbreiten und neue Mitglieder für die Gewerkschaft zu gewinnen. Damit das gelingt, muss Öffentlichkeitsarbeit geplant werden. Gemeinsam Kommunikation können die Mitglieder des BR/der PV ein Konzept erstellen, in dem die planen Eckpunkte der Kommunikation festgehalten sind: Wann wird was an wen kommuniziert, mit welchem Ziel. So können die verschiedenen Mittel der Kommunikation (Betriebsratszeitung, Newsletter, Mitarbeiterversamm­ lung etc.) aufeinander abgestimmt werden. Welche Punkte ein Konzept enthalten soll und welche Mittel der Öffentlichkeitsarbeit für die Arbeit im Betrieb wichtig sind, erklärt dieses Skriptum. Die Begriffe Öffentlichkeitsarbeit (ÖA) und Public Relations (PR) werden in diesem Skriptum synonym verwendet. Zielgruppen Die Zielgruppen der Arbeit von Betriebsräten (BR) und Personalvertre­ tungen (PV) sind vielfältig. Denn neben dem Dialog mit Kollegen/­innen und der Unternehmensleitung müssen auch externe Gruppen wie Kun­ den/-innen, Politik und Gemeinde bedacht werden. Folgende Grafik zeigt wichtige Zielgruppen für die betriebliche ÖA. Je nach der aktuellen Situati­ on im Unternehmen oder der Organisation werden manche dieser Gruppen wegfallen bzw. neue hinzukommen.
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    Anmerkungen Die Zielgruppen können auf 3 Ebenen angesiedelt sein: Im Betriebsrat selbst, im Unternehmen und außerhalb des Unternehmens. Quelle: Tina Brunauer Zielgruppen im Unternehmen Dialog mit den Die wichtigste Zielgruppe von Betriebsräten und Personalvertretungen Mitarbeitern/­innen sind die Mitarbeiter/­innen (MA) des Unternehmens/der Organisation. Sie sollen über die Arbeit des BR/der PV informiert werden. Ihre Meinung zu möglichen neuen Betriebsvereinbarungen, zur Betriebsratsumlage etc. ist gefragt. In ihrer Arbeit haben BR/PV viel mit der Unternehmensleitung zu tun: In Verhandlungen, in offenen Briefen oder bei gemeinsamen Veranstaltungen stehen sie in Kontakt mit der Leitung des Unternehmens. Eigentümer/ ­innen, seien es Mutterkonzerne, Aktionäre/­innen oder staatliche Orga­ nisationen, müssen ebenfalls bedacht werden. Unternehmensleitung und Eigentümer/­innen gehören also zu den Zielgruppen im Unternehmen. Viele Unternehmen beschäftigen freie MA und Leiharbeiter/­innen, die auch eine Zielgruppe des Betriebsrats sein können. Zielgruppen außerhalb des Unternehmens Jeder Betrieb und jede Organisation agiert in der Öffentlichkeit: Mögliche Zielgruppen sind daher Kunden/-innen oder Klienten/-innen, Lieferfir­ men, Konkurrenz, Nachbarn/­innen, Freunde/­innen und Verwandte der MA etc. In staatsnahen Betrieben sind Politik und Medien eine wichtige Zielgruppe. Die Abstimmung mit Gewerkschaft und Arbeiterkammer ist für die tägliche Arbeit wichtig, manchmal macht es auch Sinn Netzwerke mit Betriebsräten/­innen in ähnlichen Betrieben in Österreich oder Europa aufzubauen. Allianzen bilden Der Kontakt mit diesen weiteren Zielgruppen ist meist auf konkrete An­ lässe (z. B. Werksabsiedelung, Privatisierung, etc.) begrenzt. Dennoch kön­
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    nen sie fürdie Öffentlichkeitsarbeit im Betrieb wichtig sein: Bürgermeister/ Anmerkungen ­innen können von außen Druck ausüben, mit befreundeten BR lassen sich Allianzen bilden. Kunden/­innen sollen informiert werden, wenn sie von Maßnahmen des BR/der PV betroffen sind. Die jeweilige Zielgruppe kann man am besten dort ansprechen, wo ihr In­ Externe Zielgruppen teresse liegt: Die zuständige Gewerkschaft ist in vielen Fällen strategische als Verbündete Partnerin, unterstützt die Betriebsräte/­innen und sollte daher bei wich­ tigen Themen von Anfang an eingebunden sein. Gemeinden sind am eige­ nen Standort interessiert, bei einer Betriebsabsiedelung ist mit Widerstand des/der Bürgermeisters/­in zu rechnen. Interne Kommunikation Damit überhaupt gearbeitet werden kann, ist die Abstimmung innerhalb des BR, der PV wichtig: Die Betriebsräte/­innen für Arbeiter/­innen und Angestellte können sich absprechen und gemeinsam Anliegen verfolgen. Fraktionen können ihre Differenzen für einen gemeinsamen Einsatz für die Kollegen/­innen überwinden. Wie auch immer die Zusammenarbeit vor sich geht, die jeweils andere Gruppe im BR/der PV sollte in der Kommuni­ kation nie vergessen werden. Zielgruppen erreichen Wer sind die Personen in der Ziel­ oder Dialoggruppe? Auf sie muss die Kommunikation zugeschnitten sein, ihre Sprache, ihre Lesegewohnheiten müssen getroffen werden. Betriebsräte/­innen und Personalvertreter/­in­ nen wissen, welcher Ton in ihrem Betrieb üblich ist. Auch alle anderen Kommunikationsmittel des BR/der PV (Briefe, Zeitung, Intranet etc.) soll­ ten zu den Bedürfnissen der Zielgruppe passen. Dabei kann es helfen, sich die Zusammensetzung der Zielgruppe anzu­ Zielgruppe sehen. Sind hauptsächlich Frauen oder Männer in der Zielgruppe? Wie unter der Lupe hoch ist die Schulbildung der Personen, wie alt sind sie? Lesen sie regelmä­ ßig Texte oder bevorzugen sie mündliche Kommunikation bzw. TV? Inter­ essiert sie das Thema sehr, etwas oder kaum? Wie stehen sie zu Betriebsrat und Gewerkschaft? Nach folgenden Kriterien lässt sich die Zielgruppe genauer bestimmen: l Interesse am Thema l Einstellung gegenüber Interessensvertretung l ArbeiterIn/AngestellteR l Einkommen l Stellung im Unternehmen l Gewerkschaftsmitglied ja/nein l beschäftigt in Filiale bzw. Zentrale l Geschlecht l Alter l Schulbildung l politisches Interesse l Medienkonsum und Zugang zu Medien l Wohnort bzw. Bundesland Eine professionelle Beschreibung der eigenen Zielgruppe und ihrer Inter­ essen bieten MA­Befragungen. Sie erheben auch das Meinungsbild der MA zu aktuellen Themen und ihre Wünsche in Bezug auf die Interessenvertre­ tung im Unternehmen.
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    Anmerkungen Wozu brauchen Betriebsräte/Personal- vertretungen Öffentlichkeitsarbeit? Kommunikation lässt sich nicht abschalten, oder nach Watzlawick: Man kann nicht nicht kommunizieren. Das heißt, dass auch die Tatsache, dass man sich an einem Thema, einer Diskussion nicht beteiligt, etwas kommu­ niziert: nämlich z. B. Desinteresse oder Abwesenheit. Den Eindruck, den man ohne bewusste Kommunikation erweckt, kann man nicht steuern. Informieren, Öffentlichkeitsarbeit kann helfen, das Bild, das andere von einem begeistern, haben, mitzugestalten. Öffentlichkeitsarbeit informiert, begeistert überzeugen und überzeugt (im idealen Fall) von der Arbeit des Betriebsrats/der Personalvertretung. Wer selbst kommuniziert, kann die Diskussion eines Themas besser dirigie­ ren. Öffentlichkeitsarbeit ist auch ein Mittel Themen zu setzen, das heißt die Zielgruppen auf ein Thema aufmerksam zu machen. Damit gewinnt man Themenhoheit, ist erste/­r Ansprechpartner/­in und kann die Interpreta­ tion eines Themas beeinflussen. Folgende fiktive Fallbeispiele zeigen typische Fälle, in denen Öffentlich­ keitsarbeit im Betrieb eingesetzt werden kann. Beispiel 1: Image Betriebsrat Haferschrot GmbH In unserem fiktiven Beispiel will der Betriebsrat (BR) der Firma Haferschrot sein Image bei den Mitarbeitern/­innen (MA) verbessern. Die Haferschrot GmbH ist eine Großbäckerei und beschäftigt insgesamt 00 Arbeiter/­in­ nen und Angestellte. Sie teilen sich über 0 Filialen und eine Zentrale auf bzw. sind mit den Lieferfahrzeugen unterwegs. Die Branche ist von hartem Wettbewerb geprägt, die Bäckerei expandiert. Aktuelle Themen für den gemeinsamen BR von Arbeitern/­innen und An­ gestellten: Teilzeitkräfte, die tendenziell Vollzeit arbeiten, auch real auf Vollzeit umstellen; Gesundheit am Arbeitsplatz. Eine vom Betriebsrat organisierte Befragung der MA ergibt, dass das Image des Betriebsrates als „eher schwach aber engagiert“ beschrieben wird. Der Betriebsrat möchte sein Image korrigieren und als „kompetent, engagiert und wählbar“ wahrgenommen werden. Im Kapitel „Konzepte für Öffent­ lichkeitsarbeit“, S. 9 beschreiben wir, welche Maßnahmen diese Image­ Korrektur unterstützen können. Image, inneres Bild Das Image ist das innere Bild, das andere Menschen vom BR/der PV haben. An das Image knüpfen sich Wissen, Gefühle und Hand- lungsabsichten.1 Eine Imagekorrektur ist ein langfristiger Prozess, kann also mehrere Jahre dauern. Nicht immer gelingt es ein festgefahrenes Bild in den Köpfen der Zielgruppen komplett zu ändern. Leichter ist es bestehende Bilder zu ver­ stärken oder ein wenig abzuändern. 1 Quelle: Artikel „Image“. In: Wikipedia. Die Freie Enzyklopädie. Stand: 18. März 00 1 Uhr 0. Online im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Image
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    Beispiel 2: Betriebsratswahlbei der Schlau Söhne GmbH Anmerkungen Die fiktive Reinigungsfirma Schlau Söhne beschäftigt 170 Personen, die vor allem in zwei Bereichen tätig sind: der Reinigung von Bürogebäuden (Innenbereich) und der Reinigung von Außenanlagen (Außenbereich). Die Arbeiter/­innen im Innenbereich sind großteils Teilzeit beschäftigt und arbeiten am frühen Morgen. Die Arbeiter/­innen im Außenbereich sind alle Vollzeit beschäftigt und untertags tätig. Im Außenbereich arbeiten % Frauen und % Männer, im Innenbereich sind es 98 % Frauen. Drei Viertel aller Beschäftigten haben eine andere Muttersprache als Deutsch, und zwar hauptsächlich Türkisch, Kroatisch, Englisch und Albanisch. In einem Jahr wird der Arbeiter­Betriebsrat (BR) der Firma neu gewählt. Drei von fünf aktiven BR werden wegen ihrer Pensionierung nicht mehr zur Wahl antreten. Von den Ersatzmitgliedern zeigen ebenfalls drei kein Interesse als aktives BR­Mitglied zu kandidieren, sie wollen aber Ersatzmit­ glieder bleiben. Dementsprechend fehlen für den Wahlvorschlag mindes­ tens drei Freiwillige. Die verbleibenden Mitglieder im Betriebsrat wollen bis zur Wahl MA fin­ den, die sich bereit erklären als BR zu kandidieren. Außerdem möchten sie ihre Kollegen/­innen motivieren, an der Wahl teilzunehmen. Ein Hemmnis ist dabei die Sprachbarriere: Die Mitglieder des bisherigen BR sprechen Deutsch, Englisch und Kroatisch nicht aber Türkisch oder Albanisch. Die wichtigsten Themen der BR­Arbeit: Beratung für die MA (nicht nur) in arbeitsrechtlichen Fragen, faire Abgeltung von Überstunden. Im Kapitel „Konzepte für Öffentlichkeitsarbeit“, S. beschreiben wir, wie dieses Problem mit einem Kommunikationskonzept angegangen werden kann. Beispiel 3: Gewinnung neuer Gewerkschafts-Mitglieder bei Stahlo GmbH Die fiktive Firma Stahlo GmbH produziert Blechteile für Autokarosserien und beschäftigt 0 Mitarbeiter/­innen in Niederösterreich (80 Arbeiter/ ­innen und 0 Angestellte). In den 0­er Jahren war der Traditionsbetrieb zu fast 100 % gewerkschaftlich organisiert, mittlerweile ist der Organisati­ onsgrad aber auf nur mehr 0 % gefallen. Ein Grund dafür ist, dass in den letzten Jahren viele Stamm­MA in Altersteilzeit oder in Frühpension gingen und teilweise gar nicht oder durch Leiharbeiter/­innen ersetzt wurden. Von den jüngeren Beschäftigten, die noch nicht so lange dabei sind, sind viele keine Gewerkschaftsmitglieder. Seit der Organisationsgrad im Betrieb gesunken ist, ist es schwieriger geworden, die Beschäftigten für gewerk­ schaftliche Themen zu interessieren und zu mobilisieren. Mit Unterstützung der Gewerkschaft beschließen daher Arbeiter/­innen­ Mitgliedergewinnung und Angestelltenbetriebsräte/­innen den Stahlo­MA das Thema Gewerk­ schaft wieder näher zu bringen und neue Mitglieder zu gewinnen. Wie ihr Kommunikationskonzept genau aussieht, ist im Kapitel „Konzepte für Öffentlichkeitsarbeit“, S. erklärt. Beispiel 4: Krisenkommunikation bei der Pharmamio AG Der fiktive Pharmakonzern Pharmamio beschäftigt 2.400 Mitarbeiter/-in­ nen (MA) in Wien. Immer wieder wird in der Branche über mögliche feind­ liche Übernahmen von Seiten größerer Firmen spekuliert. Der Betriebsrat rechnet damit, dass in den nächsten fünf Jahren Pharmamio entweder mit einer anderen Firma fusioniert oder feindlich übernommen wird. Diese Er­ wartung speist sich aus Gesprächen mit der Unternehmensleitung und den allgemeinen Entwicklungen in der Branche.
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    Anmerkungen Im Falle einer Fusion oder feindlichen Übernahme ist mit Personalabbau zu rechnen. Der Betriebsrat (BR) möchte so viele MA wie möglich im Unter­ nehmen halten können. Die Krise ist für ihn nicht die Fusion oder Übernah­ me, sondern die etwaige Kündigung von MA. Öffentlichkeitsarbeit kann keine Krise lösen. Sie ist kein Ersatz für strategische Planung und auch kein Ersatz für Handlungen und Verhandlungen. Ein Kommunikationskonzept kann aber Teil eines Krisenplans sein und beim Weg aus der Krise unterstützen. Das Betriebsratsteam erarbeitet für den Fall des Personalabbaus im Zuge einer Übernahme/Fusion gemeinsam einen Krisenplan. Teil davon ist ein Kommunikationskonzept, das im Kapitel „Konzepte für Öffentlichkeitsar­ beit“, S. näher beschrieben ist. Krisenplan Krisen sind ein Härtefall für jede BR­Arbeit. Es lohnt sich, sie im Voraus zu erkennen und mögliche Szenarios durchzuplanen. So ist man beim tatsäch­ lichen Eintreten der Krise besser vorbereitet und kann souveräner agieren. Während und vor der Krise sollte der BR unbedingt jene Informationen einfordern, die zu geben die Unternehmensleitung gesetzlich verpflichtet ist. Experten/­innen aus Gewerkschaft und Arbeiterkammer können dabei helfen, die Situation richtig einzuschätzen und Handlungsmöglichkeiten zu definieren. 1. Was ist ein Image? Kann ein Image verändert werden? . Welche Rolle spielt Öffentlichkeitsarbeit in einer Krisen­ situation? Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit Medien gezielt Für die Kommunikation mit den unterschiedlichen Ziel­ und Dialoggrup­ auswählen pen können verschiedene Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit (Medien) eingesetzt werden: Dabei kommt für die innerbetriebliche Kommunikation ein rasches Infomail an alle Beschäftigten genauso infrage wie ein Artikel in der Betriebsratszeitung oder eine kurzfristig anberaumte Betriebsversamm­ lung. Die Begriffe Kommunikationsinstrumente, Medien und Kommunikationsmittel werden in diesem Skriptum synonym verwendet. 8
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    Aber welches istdas richtige Medium für die eigene Zielgruppe? Mit wel­ Anmerkungen chen Instrumenten erreicht man am raschesten das anvisierte Kommunika­ tionsziel? Wer auf diese Fragen eine zufrieden stellende Antwort finden möchte, muss sich mit der Zielgruppe für seine Öffentlichkeitsarbeit bereits näher befasst haben – mit deren Zusammensetzung, Interessen und Umfeld. (Näheres dazu im Kapitel „Zielgruppen“ S. ) Zudem muss er/sie sich auch über die eigenen Kommunikationsziele klar geworden sein. (Vergleiche dazu Kapi­ tel „Wozu brauchen Betriebsräte/Personalvertretungen Öffentlichkeitsar­ beit?“ S. ) Erst dann sollte die Entscheidung fallen, welche Kommunikati­ onsmittel eingesetzt werden. Vor allem wenn die Ressourcen Zeit und Geld knapp bemessen sind, müssen Öffentlichkeitsarbeiter/­innen sehr genau planen, um Leerläufe und unnötige Kraftvergeudung zu vermeiden. Eine professionell gestaltete BR­Website kann ein Mauerblümchen­Dasein Zielgruppe bedenken führen, wenn die Beschäftigten z. B. im Pflegebereich arbeiten und so am Arbeitsplatz keinen Zugang zum Internet haben. Auch Verbesserungen an der Website bringen dann keine erhöhten Zugriffsraten. Dagegen könnte die gleiche Website das perfekte Kommunikationsmittel in einem EDV­ Betrieb darstellen, in dem die Beschäftigen ohnehin permanent online sind. Die Mitarbeiter/-innen im Pflegebereich lesen dafür vielleicht gerne in einer Betriebszeitung und informieren sich auf ansprechend gestalteten schwarzen Brettern in den Pausenräumen. Vergebliche Liebesmüh bleibt eine noch so gut gemachte Zeitung wiederum bei Mitarbeitern/­innen, die wenig oder gar nicht deutsch können. Mehrsprachige Flugblätter mit wenig Text sind in diesem Fall effizienter. Grundsätzlich wird zwischen schriftlicher und mündlicher Kom- Schriftliche und münd­ munikation unterschieden. Beide Kommunikationsarten sind für liche Kommunikation die Öffentlichkeitsarbeit im Betrieb notwendig und ergänzen sich gegenseitig. Auch ein tolles Flugblatt ersetzt nicht das persönliche Gespräch und ein E­Mail­Newsletter kann in Krisensituationen nicht die Betriebsversamm­ lung ersetzen. Stattdessen werden die einzelnen Schritte aufeinander ab­ gestimmt und an die konkrete betriebliche Situation angepasst: Ein E­Mail­ Newsletter liefert den Beschäftigten die erste Information. Im selben E­Mail finden sie eine Telefonnummer und können sich so noch einmal persönlich informieren. Zusätzlich gibt es eine Fragestunde mit dem/der Betriebsrats­ vorsitzenden. Und im Rahmen dieses Gesprächs wird den MA wiederum weiterführendes schriftliches Infomaterial zum Nachlesen übergeben. Welches Gewicht bei der betrieblichen Öffentlichkeitsarbeit jeweils schrift­ licher und mündlicher Kommunikation eingeräumt wird, hängt von vielen Faktoren ab. Einer davon ist sicher die Betriebsgröße. Je mehr Personen die Zielgruppe umfasst, umso wichtiger ist die schriftliche Kommunikation. Mündliche Kommunikation Die Basis für die Öffentlichkeitsarbeit im Betrieb ist das persönliche Reden, reden, reden Gespräch am Arbeitsplatz. Im persönlichen Gespräch entsteht Sympathie, klären sich Missverständnisse auf und werden Mitglieder für die Gewerk­ schaft gewonnen. Beschäftigte, die sich in einem persönlichen Gespräch gut betreut und beraten fühlen, transportieren diese Erfahrung weiter und werden so zu Multiplikatoren/-innen für die Botschaft der betrieb- lichen Interessenvertretung. 9
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    Anmerkungen Die Bedeutung eines persönlichen Gesprächs kann daher gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Rundgänge Natürlich ist es nicht immer möglich mit allen zu reden. Vor allem in groß­ durch den Betrieb en Betrieben mit vielen Beschäftigten kann ein verhältnismäßig kleines BR­ /PV­Team nicht mit jeder einzelnen Person sprechen. Trotzdem erwarten die Beschäftigten in der Regel von engagierten Betriebsräten/­innen, dass sie am Arbeitsplatz persönlich präsent sind. Ein regelmäßiger Rundgang sollte daher ein Fixpunkt in der betrieblichen Öffentlichkeitsarbeit sein. Die Beschäftigten haben so die Möglichkeit ihren betrieblichen Vertretern/ ­innen die eigenen Anliegen direkt mitzuteilen und die Betriebsräte/­innen erfahren aus erster Hand über Wünsche und Probleme der Beschäftigten. Diese Kenntnisse können dann sofort in die Betriebsratsarbeit einfließen. Natürlich kommt es im persönlichen Gespräch auch vor, dass sich die Be­ triebsratsmitglieder Beschwerden über die eigene Arbeit anhören müssen. Im besten Fall können diese Probleme und Konflikte gleich ausdiskutiert werden. In jedem Fall aber wird auf diesem Weg vermieden, dass sich Pro­ bleme über längere Zeit hinweg aufstauen. Großbetriebe In größeren Betrieben ist es kaum möglich, dass der/die Vorsitzende jede Woche durch alle Abteilungen geht. Hier ist Arbeitsteilung wichtig: Für jeden Bereich sollte es ein zuständiges Mitglied des Betriebsratsteams geben, das als Ansprechperson für die Beschäftigten zur Verfügung steht. Auch hier gilt: Je genauer die Betriebsräte/-innen ihre Zielgruppe kennen, umso einfacher gestaltet sich die Kommunikation. Wenn sich beispielsweise eine Gruppe von Beschäftigten eines bestimmten Bereichs regelmäßig zum Mit­ tagessen oder zur Frühstückspause trifft, könnten diese Treffen eine gute Gelegenheit darstellen, Kontakt aufzunehmen und Gespräche zu führen. Auch gemeinsame Interessen und Hobbies von Beschäftigten lassen sich für die Öffentlichkeitsarbeit des Betriebsratsteams nutzen. Sportveranstaltun­ gen, Reisen und Ausflüge sind die Klassiker auf diesem Gebiet der Kommu­ nikationsarbeit. Je nach Zielgruppe besteht darüber hinaus die Möglichkeit kulturelle Events zu veranstalten, politische Diskussionsveranstaltungen und vieles mehr. In Betrieben mit vielen MA gelingt es oft, Beschäftigte in die Betriebsrats- arbeit einzubinden, die dem BR/der PV bereits aufgeschlossen gegenü­ berstehen. In jedem Betrieb gibt es Personen, die positive Erfahrungen mit dem Betriebsrat gemacht haben oder jemanden aus dem Team persönlich kennen. Sie können die Betriebsräte/­innen unterstützen, indem sie ihnen Informationen über die Stimmung unter den Beschäftigten liefern und sie auf aktuelle Probleme hinweisen. Manche Leute lassen sich dafür gewin­ nen, konkrete Aufgaben zu übernehmen – wie Flugblätter verteilen oder einmal einen Bericht für die Zeitung schreiben. Sprechstunden Als Ergänzung für die Besuche am Arbeitsplatz sollte es regelmäßige Sprechstunden des BR/der PV geben, in denen vertrauliche Gespräche geführt werden können. Damit die MA diese Möglichkeit nutzen, muss immer dafür geworben werden – zum Beispiel bei Betriebsversammlungen aber auch in Aussendungen oder in der Betriebszeitung. Die Sprechstunde selbst muss zeitlich so angelegt sein, dass die Beson­ derheiten des jeweiligen Betriebs berücksichtigt werden. Der Ort für die Sprechstunde wird so gewählt, dass er für die Beschäftigten gut erreichbar ist. Bei sehr großen Unternehmen bleibt oft nur, die Sprechstunden dezent­ ral an mehreren Orten abzuhalten. Der Raum selbst muss für die Beschäf­ tigten einladend wirken. Infofolder und Broschüren liegen während der Sprechstunde idealerweise immer parat. Es macht keinen guten Eindruck, wenn der Betriebsrat/die Betriebsrätin sie erst unter Stößen von anderen Papieren hervor kramen muss. 10
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    Bei der Betreuungbesonders gefordert sind Betriebsräte/­innen von Leih- Sonderfall: arbeitsfirmen und anderen Bereichen, wo die Beschäftigten auf viele viele Standorte Standorte verstreut sind. Ihnen bleibt keine andere Wahl als den Großteil der Kommunikation mit der Belegschaft schriftlich zu gestalten. Trotzdem sollte auch da für die Beschäftigten die Möglichkeit bestehen, Kontakt mit dem Betriebsrat/der Betriebsrätin aufzunehmen und ein persönliches Ge­ spräch zu vereinbaren. Dort, wo die Beschäftigten ihre Vertreter/­innen nicht oder kaum persönlich kennen, ist es besonders wichtig sich in den schriftlichen Medien immer mit Foto und Kontaktmöglichkeit (Telefon und E­Mail) zu präsentieren. Ein unverzichtbares Mittel und der Klassiker der mündlichen Kommuni­ Betriebs­ kation ist die Betriebsversammlung. Betriebsversammlungen sind keine versammlungen langweilige Pflicht oder Veranstaltungen, die nur in Krisenzeiten stattfin­ den und der Übermittlung von Hiobsbotschaften dienen. Betriebsversamm­ lungen können auch informativ sein und Spaß machen. Es lohnt sich, jedes mal von Neuem ausführlich über ihre Gestaltung nachzudenken. Die Nachdenkarbeit beginnt bei der rechtzeitigen Einladung, die eine in­ teressante Veranstaltung verspricht. Nicht besonders ansprechend klingt eine Einladung, die als Tagesordnung ausschließlich Punkte enthält wie Bericht des BR, Bericht der Geschäftsführung, Aktuelles, Verschiedenes, etc. Wichtige Themen, die bei der Betriebsversammlung diskutiert werden sollen, können schon in die Einladung eingebaut werden. Weitere Tipps zur Gestaltung der Einladung finden sich im Abschnitt „Medien selbst gestal­ ten“ S. . Eine Betriebsversammlung die den BR/die PV als Team präsentiert, wirkt Betriebsrat als wesentlich sympathischer, und ansprechender als eine einstündige One­ Team präsentieren Man­ oder One­Woman­Show des/der Vorsitzenden. Der Einsatz von Multi-Media für Präsentationen gleich welcher Art ist Präsentationsmedien heute überall Standard. Dazu gehört bei großen Veranstaltungen z. B. eine einsetzen Powerpointpräsentation, die die wichtigsten Informationen im Design des BR/der PV visualisiert. Bestimmte Themen lassen sich vielleicht auch durch ein kurzes Video besonders gut darstellen, das am Arbeitsplatz aufgenom­ men wurde. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Einen Experten/eine Expertin zur Versammlung einzuladen, kann einen Experten/­innen und neuen Blickwinkel auf ein bestimmtes Thema eröffnen. Eine Diskussions­ Diskussionsrunden runde mit betroffenen MA, die zu einem umstrittenen Thema mit je einem Vertreter/einer Vertreterin der Arbeitgeberseite und des BR/der PV dis­ kutieren, lockert die Veranstaltung auf und macht die Beschäftigten zu Beteiligten. Detaillierte Informationen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen einer Betriebsversammlung gibt das Skriptum „Sitzungen und Versammlungen der Belegschaftsvertretungen“ – PGA . Mehr Infos zum Thema Gesprächs­ führung, Reden verfassen etc. finden sich im Skriptum „Sprechen – frei sprechen“ – SK 1. Beide können unter www.voegb.at/skripten herunter geladen werden. Rundschreiben Jeder Betriebsrat und jede Betriebsrätin hat wohl schon ein Schreiben an die Informationsschreiben Beschäftigten verfasst, das per Post, E­Mail oder händisch an die Beschäf­ des BR/der PV tigten verteilt wurde. Rundschreiben gehören zu den einfachsten Mitteln der schriftlichen Kommunikation im Betrieb. Trotzdem sollte jedes einzelne gut durchdacht und Teil eines Gesamtkonzeptes sein. 11
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    Anmerkungen Mit einem Rundschreiben kann man rasch auf aktuelle Ereignisse reagieren, einen Erfolg vermitteln oder zu einer Betriebsversamm- lung einladen. Auch kleine Erfolge sind eine kurze Information an die Beschäftigten wert. Wenn man in regelmäßigen Abständen Informationsschreiben an die Be­ schäftigten schickt, vermittelt man ihnen, dass man sie über die Vorgänge im Unternehmen am Laufenden halten möchte und schafft Vertrauen. Einfache Infobriefe sind vor allem dann geeignet, wenn Zeit und Geld knapp sind, oder auch in Klein­ und Mittelbetrieben, wo sich aufwändige Medien – wie etwa eine eigene Zeitung – nicht lohnen. Selbst dort, wo ein Großteil der Kommunikation mit den MA mündlich passiert, ist es in bestimmten Fällen notwendig schriftlich zu informieren. Vor allem Zahlen, Termine und komplexe Informationen – wie etwa die Inhalte einer neuen Betriebsvereinbarung – verlangen in jedem Fall nach einer schriftlichen Nachricht an die Beschäftigten. Informationsschreiben des BR/der PV lassen sich gut auch per E­Mail verschicken. Beachten muss man dabei, dass auch Mitarbeiter/­innen ohne Internetzugang alle Infor­ mationen erhalten. Kontaktdaten immer Informationsschreiben sollten wie Geschäftsbriefe von Firmen einen Brief- mitschicken kopf mit dem Logo des BR haben. So ist garantiert, dass die Leser/­innen auf den ersten Blick einordnen können, von wem die Nachricht stammt. Sie sollten außerdem eine Kontaktmöglichkeit (Telefonnummer, E­Mail­ Adresse und wenn vorhanden Internetadresse) enthalten. Auch wenn das Schreiben so klar formuliert ist, dass keine Fragen offen bleiben und man sicher ist, dass alle Leser/­innen die Kontaktdaten kennen, wirkt es profes­ sionell und kompetent, wenn diese wichtigen Informationen immer wieder enthalten sind. Am besten ist es, sie gleich in den Briefkopf zu integrieren. Hat man den Briefkopf einmal gestaltet, kann man ihn bei weiteren Aus­ sendungen arbeitssparend einfach wieder verwenden. Auch Informations­ E­Mails sollten im Übrigen immer gleich aufgebaut sein: schon im Betreff muss erkennbar sein, dass die Nachricht vom BR stammt. Eine elektro­ nische Visitenkarte lässt sich in allen E­Mail­Programmen leicht erstellen und mitschicken. Da die meisten Menschen wenig Zeit mit dem Lesen von Nachrichten verbringen, müssen diese kurz und gut verständlich aufbreitet sein. Ist es notwendig ausführliche Informationen mitzuschicken – etwa die neue Be­ triebsvereinbarung im Volltext ­, dann sollte man eine kurze Zusammenfas­ sung voran stellen. (Ausführliche Tipps zum Thema Texten und Gestaltung gibt es im Abschnitt „Medien selbst gestalten“ S. .) Flugblatt Flugblätter Fast genauso schnell wie ein Rundbrief lässt sich ein Flugblatt erstellen. Flugblätter ermöglichen es, rasch eine große Personengruppe zu erreichen und deren Aufmerksamkeit zu wecken. Unterschied Flugblatt – Rundschreiben l Im Unterschied zum einfachen Infobrief stellt ein Flugblatt höhere An­ sprüche an die Layouter/­innen. Die Herstellung nimmt daher mehr Zeit in Anspruch. l Rundschreiben gehen in der Regel als Brief oder Mail an alle Beschäf­ tigten des Unternehmens. Flugblätter dagegen werden gezielt verteilt, hängen am Schwarzen Brett und liegen an strategisch wichtigen Stellen auf. 1
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    Anmerkungen Bevor man beginnt den Text für das Flugblatt zu verfassen, sollte man sich selbst folgende grundlegende Fragen stellen: l Welche Zielgruppe soll erreicht werden? l Welche Botschaft soll das Infoblatt vermitteln? l Welche Handlungen soll die angesprochene Zielgruppe setzen? Denn: Mit einem verteilten Flugblatt lässt sich nur eine Botschaft vermitteln und nur auch nur eine Zielgruppe erreichen. Das heißt: Ein Flugblatt darf nicht mit Inhalt überfrachtet werden. Zudem müssen Inhalt und Gestaltung des Flugblatts auf die Zielgruppe und die vermittelte Botschaft ausgerichtet werden. Menschen, die in ihrer Freizeit kaum lesen, werden nur wenig Begeisterung für klein gedruckte Textmas­ sen aufbringen. Und die Einladung zu einer Betriebsversammlung soll­ te anders gestaltet sein als die zu einem Faschingsfest. Unabhängig vom jeweiligen Inhalt sollten die Flugblätter – wie jedes andere Printprodukt – auch zum Erscheinungsbild (Corporate Design) des Betriebsrats passen. Hilfreich für die Erstellung eines Flugblatts kann die so genannte AIDA- AIDA­Regel Regel sein, die übrigens auch auf alle anderen PR­Maßnahmen anwendbar ist. Die Abkürzung AIDA steht für Attention (Aufmerksamkeit), Interest (Interesse), Desire (Wunsch) und Action (Handlung). Aufmerksamkeit Damit ein Flugblatt Erfolg hat, muss es zunächst auffallen. Aufmerksamkeit wird in erster Linie durch die optische Gestaltung erreicht, aber auch durch eine besonders interessante Überschrift. Um nicht über das Ziel hinaus zu schießen, ist es wichtig, nur einen Blickfang pro Flugblatt zu verwenden: nur eine Schlagzeile, eine auffällige Grafik oder ein Bild. Ein Flugblatt mit vielen bunten und hervorstechenden Elementen wirkt unübersichtlich und abschreckend. Interesse Ist die Aufmerksamkeit erst einmal geweckt, muss der Inhalt so aufbereitet sein, dass die Leser und Leserinnen zum Weiterlesen angeregt werden. Ihr Interesse muss geweckt werden. Sie sollen das Flugblatt ja nicht nach dem ersten Blick weglegen. Der Inhalt darf daher nicht in einen weitschweifigen Bericht verpackt sein, sondern muss kurz und prägnant zusammengefasst sein. Die Sprache, in der der Text verfasst ist, muss die der Zielgruppe sein. Wunsch Nun ist es aber immer noch nicht genug, wenn die Nachricht zu Ende gele­ sen wird. Die Leser/­innen sollen auch Lust bekommen mitzumachen, bei der Betriebsversammlung, dem Kegelturnier oder der gewerkschaftlichen Aktion. Handlung Damit der Wunsch zum Mitmachen auch in die Tat umgesetzt werden kann, ist es nötig, dass alle wichtigen Informationen – quasi die Handlungs­ anleitung – im Flugblatt enthalten sind. Die Leser/­innen werden Schritt für Schritt zur Handlung hingeführt. Ein konkretes Beispiel dazu: Der neu gewählte Betriebsrat der Firma Beispiel MusterAG möchte die MA zur Betriebsversammlung einladen. Er gestaltet daher folgendes Flugblatt, das in der Früh vor Arbeitsbeginn an die Be­ schäftigten verteilt werden soll. 1
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    Anmerkungen Quelle: Lucia Bauer, Foto: Christina Häusler Ziel der Flugblattaktion: Möglichst viele Beschäftigte sollen zur Betriebs­ versammlung kommen und so ihre Vertreter/­innen näher kennen lernen. 1. Die Aufmerksamkeit der Zielgruppe wird durch das Foto und die Über­ schrift „Betriebsversammlung“ geweckt. Das Logo des BR ist an deutlich sichtbarer Stelle eingebaut und garantiert, dass sofort klar ist von wem die Information stammt. . Um die Beschäftigten für den Inhalt des Flugblatts zu interessieren, muss gleich klar sein, worum es bei der Betriebsversammlung gehen soll. Die Aufzählung der drei Tagesordnungspunkte gibt einen ersten Eindruck. Eine nette Geste ist das versprochene „Begrüßungszuckerl“ des neuen Teams. . Schließlich soll bei den Lesern/­innen der Wunsch geweckt werden, die neuen Betriebsräte/­innen persönlich zu treffen. Daher geben die Sprechblasen schon ein bisschen etwas darüber Preis, was die drei bei der Betriebsversammlung zur Diskussion stellen werden. . Handlungsanleitung: Wer nun Lust bekommen hat, in die Diskussion einzusteigen, findet alle notwendigen Informationen, um auch tatsäch­ lich zur Versammlung zu gehen. 1
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    Betriebszeitung Betriebs(rats)zeitungen sollten mindestens viermal im Jahr erschei- Definition nen, mindestens 4 Seiten haben und schwerpunktmäßig über das Geschehen im Betrieb informieren. Wegen der längeren Vorlaufzeit kann eine Betriebszeitung nicht so aktuell informieren wie ein Flugblatt oder ein Rundschreiben. In der Betriebszei­ tung ist dafür ausreichend Platz für Hintergrundinformationen und detail­ lierte Berichterstattung. Unter dem Begriff Betriebszeitung wird hier ein vierseitiges Faltblatt ge­ nauso verstanden wie eine 0­seitige Hochglanzbroschüre, die eigentlich eher einem Magazin/einer Zeitschrift entspricht. Organisatorisches Da eine professionell gestaltete Zeitung viel Arbeit macht, ist auch hier Erste Schritte Teamarbeit unumgänglich. Ist erst mal die Entscheidung gefallen, eine eigene Zeitung heraus zu geben, sollte daher zuerst das zukünftige Redak­ tionsteam zusammen getrommelt werden. Die erste Aufgabe der Redaktion ist es, Ziele, Auflage, Frequenz und Umfang des neuen Mediums festzule- gen. Dann wird eine grundsätzliche Aufgabenteilung vorgenommen. Es ist auf jeden Fall ratsam, bei dieser Gelegenheit auch zu überlegen, was andere Kollegen/­innen, die (noch) nicht Mitglieder des Redaktionsteams sind, beitragen könnten und diese bei Interesse als „freie Mitarbeiter/­innen“ der Redaktion zu engagieren. Fast überall gibt es nämlich Menschen, die gerne schreiben und/oder fotografieren und so wichtige Beiträge für die Zeitung liefern können. Hat sich das Team der Zeitungsmacher/­innen einmal formiert, muss ein Zeitplan erstellt werden. Beim Erstellen des Zeitplans nimmt man den geplanten Erscheinungszeitpunkt als Ausgangspunkt und rechnet dann rückwärts. Ein Zeitplan könnte zum Beispiel so aussehen: Wann? Was? Wochen vor Erscheinen Erste Redaktionssitzung: der Zeitung Festlegen und Aufteilen der Themen Wochen bis Recherchieren und Schreiben Wochen vorher von Artikeln Redaktionsschluss/ Zweite Redaktionssitzung: Wochen vorher Besprechen der gesammelten Artikel, Erstellen eines Satzspiegels, Feststellen, was noch fehlt. Wochen vorher Layouten bis Drucktermin Dritte Redaktionssitzung: 1 Woche vor Drucktermin Endkontrolle Bei der ersten Ausgabe sollte man jedenfalls den Zeitrahmen großzügiger setzen, da viele Dinge mit zunehmender Routine schneller gehen. Der Zeit­ plan wird außerdem auch davon abhängen, welchen Umfang die Zeitung hat, wie viele Leute an ihr arbeiten und wie und wo sie gedruckt wird. Arbeitsaufwand abschätzen Sehr oft wird der Arbeitsaufwand für eine Zeitung am Anfang viel zu niedrig eingeschätzt und die Erwartungen zu hoch geschraubt. Die Folge 1
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    Anmerkungen ist, dass viele Betriebszeitungsprojekte mit sehr viel Elan begonnen werden und dann wieder einschlafen. Ist man sich noch nicht sicher, wie viel Zeit das Gestalten der Zeitung wirklich in Anspruch nehmen wird, sollte man lieber klein anfangen. Ein Vierseiter, der im Dreimonatsabstand erscheint, ist oft ein guter Anfang. Im Zweifelsfall geht Qualität vor Quantität. Finanzielle Ressourcen prüfen Ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung, in welchem Umfang und welcher Frequenz die Betriebszeitung in Zukunft erscheinen soll, ist das verfügbare Budget. Wenn das Geld knapp ist und niemand aus dem Team sich vorstellen kann, das Zeitungsbudget durch Inserate aufzufetten, gibt es einen weiteren Grund zunächst mit weniger Seiten zu starten. Es spricht auch nichts dagegen, die Zeitung zu Beginn schwarz­weiß zu machen und vielleicht am eigenen Kopierer zu vervielfältigen. Das Projekt später aus­ zubauen, ist immer möglich. Eine farbige Hochglanzbroschüre muss nicht unbedingt die bessere Zeitung sein als ein schlichter schwarz­weißer Vier­ seiter. Beide können optisch ansprechend gestaltet sein, spannende Artikel enthalten und daher gern gelesen werden. Beide können aber auch unüber­ sichtlich und inhaltlich wenig aufregend wirken. Folgende Beispiele illustrieren die breite Palette der unterschiedlichen Be­ triebszeitungen und zeigen, dass der Erfolg einer Betriebszeitung nicht von der Seitenzahl, Höhe der Auflage oder der Zahl der Farbfotos abhängt, sondern von der Qualität der Inhalte. Die drei Beispielzeitungen sind völlig unterschiedlich, und werden doch alle drei von ihren Lesern/­innen glei­ chermaßen geschätzt. Beispiele Beispiel 1: „Die Blechtrommel“ ist die Zeitung des Angestellten­BR der VOEST. Sie er­ scheint viermal im Jahr, hat zwischen 1 und 1 Seiten und wird vierfarbig im Offset­Druck­Verfahren gedruckt. Eine der vier Ausgaben ist eine Faschings­ Sondernummer. Beispiel 2: Der „Flexworker“ ist die Zeitung des BR des gemeinnützigen Arbeitskräfte­ überlassers Flexwork. Auch der „Flex­ worker“ erscheint viermal jährlich, hat aber nur vier Seiten und wird auf einem Farblaserdrucker vervielfältigt. 1
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    Beispiel 3: Anmerkungen Dass sich eine Betriebszeitung auch noch einfacher – ganz ohne Farbdrucker erstellen lässt, zeigt die Zeitung des BR von Technoglas „Im Scheinwerfer“. Die­ se Zeitung besteht nur aus einem gefal­ teten A­Blatt, das am ganz normalen Kopierer vervielfältigt wird. Das kleine handliche A­Format ermöglicht es, dass die Zeitung mit dem Lohnzettel gemein­ sam an die Beschäftigten verteilt wird. Gute Betriebszeitungen Was eine Betriebs­ zeitung ausmacht l signalisieren: Der BR/die PV ist präsent. l bieten ein Forum für die MA. l informieren über wichtige betriebliche Ereignisse. l beantworten wichtige Fragen der Beschäftigten: „Was wurde gefordert?“, „Was wurde erreicht?“ und „Wo ist mit Widerstand zu rechnen?“ l haben ein eigenständiges Profil. l bieten exklusive Informationen. l sind von praktischem Nutzen für die Beschäftigten l bereiten gewerkschaftliche Standpunkte auf und stellen sie zur Dis­ kussion. l und nicht zuletzt: unterhalten die Leser/-innen auch. Mögliche Inhalte – Auswahl Inhalte l Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit, Einkommen, Umwelt und Gesundheit am Arbeitsplatz l Geburten/Pensionen, Ehrung von MA, Vorstellung neuer MA, etc. l Vorhaben, Aktivitäten, Erfolge (und Misserfolge) der betrieblichen Inter­ essenvertretung l Neue Kampagnen/akuelle Themen aus der Gewerkschaft l Politik aus der Sicht der Arbeitnehmer/­innen l Kultur – Betriebliche Veranstaltungen – Termine l Feste Rubriken: z. B. Seiten für Jugendliche, ältere Menschen, Frauen etc. einführen. l Unterhaltung – Rätsel, Leser/­innenecke, Flohmarkt, Tauschbörse, Wett­ bewerbe für Kinder, Reiseberichte, ... l Service l Und vieles mehr! Gestaltung Wie alle schriftlichen Medien muss auch die Betriebszeitung ins äußere Layout von Erscheinungsbild des BR/der PV (das Corporate Design) passen. Idealer­ Betriebszeitungen weise erkennen die Beschäftigen die Zeitung so gleich auf den ersten Blick als dessen Medium. 1
  • 18.
    Anmerkungen Ist erst einmal festgelegt, was die Betriebszeitung an Themen enthalten soll, kann man daran gehen, einen ersten Entwurf zu erstellen. Dafür sollte man sich ruhig Zeit nehmen und das gesamte Redaktionsteam einbeziehen. Zunächst sammelt das Redaktionsteam gemeinsam Ideen und erstellt ein Konzept. Dann wird der Layouter/die Layouterin beauftragt anhand des Konzepts einen ersten Vorschlag zu erstellen. Dieser wird dem Team vor­ gelegt und bei Bedarf überarbeitet. Ist einmal ein Grundlayout für die Zeitung gefunden, sollte dieses strikt beibehalten werden. Tageszeitungen und Magazine ändern ihr Layout oft jahrelang nicht und dann auch nur sehr vorsichtig, um nicht ihre Leser/­ innen abzuschrecken oder zu verwirren. Bei der Erstellung des Grundlayouts sollte festgelegt werden: l Logo und Zeitungskopf l Anzahl der Spalten und Anzahl der Zeichen pro Seite und Spalte (Bei A­Format sind übrigens drei Spalten ideal. Zwei Spalten werden leicht zu breit, vier Spalten zu schmal.) l Kopf und Fußzeile l Schriftart und Schriftgröße für Fließtext, Überschriften und Unterüber­ schriften l Kästen für Rubriken, Kommentare etc., die in jeder Ausgabe vorgesehen sind l Impressum l Inhaltsverzeichnis Folgendes Beispiel zeigt zwei Seiten aus dem Erstentwurf einer dreispal­ tigen Betriebszeitung mit Logo, Zeitungskopf, Überschriften und Rubriken­ kästen. 18
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    Anmerkungen Quelle: Lucia Bauer DasGrundlayout dient als Raster für die Gestaltung aller weiteren Aus- gaben der Zeitung. Je nach Platzierung ihres Artikels erhalten Autoren/ ­innen genaue Vorgaben wie viele Wörter und Zeichen ihre Artikel umfas­ sen dürfen. Sind die Artikel dann trotzdem zu lang, muss gekürzt werden, um den Layoutern/­innen die Arbeit zu erleichtern und das Grundraster der Zeitung einzuhalten. (Weitere Tipps zum Thema Gestaltung gibt es im Abschnitt „Medien selbst gestalten“, S. .) Mehr Infos darüber, wie man am besten die eigene Zeitung gestaltet, gibt das Skriptum „Betriebszeitung“ – PGA – downloadbar unter www.voegb.at/skripten Schwarzes Brett Schwarze Bretter gibt es fast in jedem Betrieb. Meistens sind sie an Stel­ Schwarzes Brett len angebracht, an denen die Beschäftigten täglich vorbei gehen. Den­ noch fristen sie oft ein Mauerblümchendasein, denn sie werden schlecht oder gar nicht gewartet. Weil das BR­Team eine tolle Betriebszeitung her­ ausbringt, vielleicht sogar mit einer Website brilliert, wird das nahe liegen­ de, die Pinnwand des BR/der PV, völlig vergessen. Wenn sie gut betreut werden, können schwarze oder grüne oder weiße Wandzeitung Bretter jedoch ein hervorragendes Medium darstellen, das von den MA gerne gelesen wird. Am Einfachsten ist es, sich das schwarze Brett als eine Wandzei- tung vorzustellen und dann die gleichen Gestaltungsregeln anzu- wenden, die auch für „normale“ Zeitungen gelten. 19
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    Anmerkungen Das Infobrett sollte nicht mit Informationen überladen sein und übersicht­ lich aussehen. Kleingedruckte Textwüsten hängt man lieber nicht auf. Da­ für werden Bilder und Comics gerne angeschaut. Auf dem Infobord unverzichtbar sind: l Kontaktdaten der BR­/PV­Mitglieder l Zeiten für Sprechstunden l Aktuelle Termine l Internetadresse des BR/der PV (wenn vorhanden) l aktuelle Flugblätter l Informationen der Gewerkschaft l eventuell „Kleinanzeigen der Beschäftigten“ l Protokolle von BR­Sitzungen l etc. Verbesserung Um ein bisher vernachlässigtes Infobord ein bisschen aufzupeppen, emp­ des Infobords fiehlt es sich, mit einer Bestandsaufnahme zu beginnen: z. B. mit der Di­ gitalkamera ein paar Fotos machen und dann das schwarze Brett bei der nächsten Sitzung thematisieren. Wie bei allen wichtigen Aufgaben muss in der Folge auch für die Betreuung des Infobords eine zuständige Person betraut werden. Ideal ist ein Brett, das mindestens ein mal zwei Meter groß ist und genug Platz für die Informationsvielfalt bietet. Das Info­Brett des BR/der PV sollte von diesem allein genutzt werden, und nicht mit der Geschäftsführung ge­ teilt werden. Lässt sich das nicht vermeiden, muss zumindest für eine klare Trennung – z. B. durch einen dicken Strich in der Mitte – gesorgt werden. Geeigneten Ort finden Der Standort für das schwarze Brett sollte so gewählt werden, dass mög­ lichst viele Beschäftigte häufig vorbeikommen und auch die Chance haben, davor stehen zu bleiben. Plätze, an denen es oft zu Gedränge kommt, eig­ nen sich daher nicht. Homepage Betriebsratswebsites Seit einigen Jahren aus der betriebsrätlichen Öffentlichkeitsarbeit nicht mehr wegzudenken sind BR­Websites. Vorausgesetzt es passen die Rahmenbedingungen, kann eine BR­Homepage ein hervorragendes und kostengünstiges Medium sein, das die Kollegen/ ­innen täglich über Neuigkeiten am Laufenden hält. Aber Vorsicht: Nur wenn die Mehrheit der Beschäftigten am Arbeitsplatz Zugang zum Internet hat, lohnt sich der Aufwand für eine eigene Seite im Internet. Ideal ist eine Website sicher überall dort, wo die Beschäftigten mehrheitlich am PC arbei­ ten. In vielen anderen Arbeitsumgebungen, etwa im Produktions-, Pflege- und Reinigungsbereich, können die Beschäftigten nur in der Freizeit auf der Betriebsratsseite surfen und werden das daher wesentlich seltener tun. Erfolgskriterien für Internetprojekte l Aktualität Websites müssen Das wichtigste Kriterium für den Erfolg der Website ist Aktualität. Eine aktuell sein Website ist ein sehr kurzlebiges Medium, das davon lebt, dass sich min­ destens alle zwei bis drei Tage etwas Neues auf der Seite tut. Bevor man das Internetprojekt startet, muss daher die Ressourcen­Frage geklärt wer­ den: Gibt es mindestens zwei Personen im Betriebsratsteam, die über das notwendige Zeitbudget verfügen und sich regelmäßig um die Seite küm­ mern möchten/können? Ist nur eine Person verantwortlich, besteht die Gefahr, dass im Krankheitsfall und in der Urlaubszeit die Website nicht regelmäßig aktualisiert wird. Das hat zur Folge, dass die Leser/­innen 0
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    sehr schnell dasInteresse verlieren. Erfahrungsgemäß kehren Surfer/­ Anmerkungen innen, die einmal eine Website als unaktuell und daher nicht interessant eingestuft haben, nicht mehr dorthin zurück. Tipp: Linksammlungen Auch Links müssen regelmäßig gewartet werden. Sind die Zeitressour­ cen begrenzt, sollte man daher auf umfangreiche Linksammlungen ver­ zichten. Nicht funktionierende Links frustrieren die Besucher/­innen und vertreiben sie letztlich. l Aufbau Eine Website muss selbsterklärend sein. Die Besucher/­innen sollten Ein logischer Aufbau sich auf den ersten Blick einen Überblick über die Navigation verschaf­ ist Pflicht fen können und verstehen, was mit den einzelnen Navigationspunkten gemeint ist. Während die Leser/­innen von Link zu Link klicken, muss ihnen immer klar sein, wo sie sich gerade befinden. Ist die Zielgruppe eher internetunerfahren, kommt dem logischen und einfachen Aufbau der Seite eine besonders hohe Bedeutung zu. Als Faustregel gilt: m Die Hauptnavigation sollte oben oder links stehen, m nicht mehr als Navigationspunkte umfassen, m und eindeutige Benennungen haben. l Gestaltung Für die optische Gestaltung einer Website gilt, was auch für Printme­ In erster Linie lesbar dien gilt: Oberstes Prinzip ist die Lesbarkeit. Außerdem sollte auch die Website – um professionell zu wirken – Elemente aus dem Corporate Design des Betriebsrats/der Personalvertretung enthalten. (Weitere Tipps zum Thema Gestaltung gibt es im Abschnitt „Medien selbst gestalten“, S. .) l Inhalte Websites sollten wie alle Medien des BR/der PV vor allem betriebliche Betriebliche Themen Themen enthalten. interessieren Unbedingt zu finden sein sollte auf einer BR-/PV-Hompage: m Kontaktdaten und Fotos der einzelnen BR­/PV­Mitglieder m Termine des BR/der PV m Protokolle von Sitzungen und Versammlungen m Neuigkeiten aus dem BR/der PV m Neuigkeiten aus ÖGB und Gewerkschaften (mit weiterführenden Links) Weitere Inhalte könnten sein: m Fotos von Betriebsausflügen und anderen Events m MA­Briefe m Kleinanzeigen von MA m Die BR­/PV­Zeitung als Download m Informationen zum Kollektivvertrag m Lohntabellen m und vieles mehr. Da Internetseiten öffentlich zugänglich sind, kann es notwendig werden, heikle Themen mit einem Passwort zu schützen. Tipp: Interaktives auf der Betriebsratsseite Das Medium Internet ermöglicht es, auf der Website nicht nur statische, Forum, Gästebuch, sondern auch interaktive Elemente unterzubringen. Ein gut frequentiertes Chat, Besucher­Zähler Forum oder Gästebuch kann eine gute Werbung für die Website sein. Aber und Co. Vorsicht: Nur die wenigsten Foren sind wirklich gut besucht und ein Fo­ rum in dem der letzte Eintrag drei Monate zurück liegt und überdies vom eigenen Redakteur/der Redakteurin ist, wirkt nicht sehr ansprechend. Das 1
  • 22.
    Anmerkungen gleiche gilt für Chat­Möglichkeiten. Wenn niemand chattet, ist es besser di­ ese Möglichkeit gleich wegzulassen. Ganz abzuraten ist von automatischen Zählern, die die Zahl der Besucher/­innen angeben. Mitgeteilt zu bekom­ men, dass man einem elitären Kreis angehört und der/die 1., 99. oder 1. Besucher/­in ist, wirkt eher unprofessionell. Erste Schritte zur eigenen Website Themen und Aufbau Ist einmal die Entscheidung gefallen eine eigene BR­Website zu erstellen, sollte ähnlich wie bei der Betriebsratszeitung vorgegangen werden: Das gesamte Team wird zusammen gerufen und gemeinsam die ersten Über­ legungen angestellt. Zunächst wird eine Sammlung von Inhalten erstellt, die die Website enthalten soll. In einem nächsten Schritt müssen die Inhalte gegliedert und die Punkte, für die Haupt­ und die Subnavigation festgelegt und benannt werden. Eine geeignete Form, das zu tun, ist ein Mindmap – direkt am PC oder auf einem Flipchart erstellt. So lassen sich nicht nur die Inhalte, sondern auch die Ebenen darstellen. Die erste Ebene wird die Hauptnavigation, die zweite die Subnavigation. Die Reihung der einzelnen Punkte erfolgt nach Wichtigkeit. Das gemeinsam erstellte Mindmap bildet dann die Basis für die Produktion der Website. Hier ein Entwurf auf Flipchart und eine mögliche Umsetzung für dieses Konzept. Quelle: Lucia Bauer
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    Tipp: Umsetzungsmöglichkeit: ÖGB-Netzwerke FürBetriebsräte/­innen und Personalvertreter/­innen bietet der ÖGB ÖGB­Netzwerke einen Website­Baukasten an. Wie dieser Baukasten funktioniert, lernen In­ teressierte am besten in einem Website­Seminar des VÖGB. Näheres dazu unter http://netzwerke.oegb.at und http://www.voegb.at/seminare Intranet Die meisten größeren Unternehmen bieten ihren MA zur Information ein Internet oder Intranet firmeneigenes Intranet an. Sehr oft besteht in diesem Fall für den BR die Möglichkeit die eigene Seite ins Firmennetz zu stellen. Das hat wesentliche Vorteile: die Ressourcen (Webspace, und Redaktionssystem) stellt die Firma zur Verfügung, Design und Aufbau sind meist festgelegt und das Redak­ tionsteam braucht sich nur über die Inhalte Gedanken machen. Das spart Zeit und Geld. Dazu kommt, dass die MA meistens das Firmenintranet automatisch als Startseite ihres Browsers eingestellt haben und Unbefugte von außen auf das Firmennetzwerk nicht zugreifen können. Nachteile einer Seite im Intranet der Firma sind die mangelnde Flexibilität bei der Gestal­ tung der Seite und die Tatsache, dass die Firmenleitung unter Umständen mitentscheidet, welche Inhalte online gehen. Ob nun das firmeneigene Netzwerk (so vorhanden) genutzt werden kann, hängt von vielen Faktoren ab, die alle gemeinsam besprochen werden soll­ ten: den zeitlichen und finanziellen Ressourcen, dem Verhältnis zur Fir­ menleitung etc. Diskussionsgruppen Neben der Möglichkeit eine eigene Website zu erstellen, bietet das Internet Diskussionsgruppen eine ganze Reihe weiterer Kommunikationsmöglichkeiten an, die hier eben­ falls erwähnt werden sollen. Eine Möglichkeit der Online-Kommunikation sind Diskussiongruppen. Betriebsräte/­innen, die nicht den Aufwand für eine eigene Website be­ treiben können, aber trotzdem über das Internet kommunizieren wollen, Betriebsräte/­innen, die in Krisenzeiten eine Ergänzung zum Firmennetz­ werk suchen, bei der die Geschäftsleitung nicht mitlesen kann und nicht zuletzt Betriebsräte/­innen, die sich betriebsübergreifend austauschen wol­ len, können eine Diskussionsgruppe einrichten. Als technische Voraussetzung für die Teilnahme an einer Diskussionsgrup­ pe reicht die Möglichkeit, E­Mails senden und empfangen zu können. Es gibt private und öffentliche Listen, wobei auch bei der öffentlichen Form eine offene und geschlossene Variante existieren kann. Listen können au­ ßerdem moderiert oder unmoderiert sein. Der Hauptvorteil von Diskus­ sionslisten ist die Erreichbarkeit einer hohen Anzahl von Gleichgesinnten in einer relativ kurzen Zeitspanne. Diskussionsgruppen sind einfach einzu­ richten und bieten den Mitgliedern die Möglichkeit Dokumente und Bilder hoch zu laden und so rasch an die Gruppenmitglieder weiter zu geben. Die Anmeldung bei einer bestehenden Gruppe passiert meist durch ein E­Mail an eine bestimmte Adresse, z. B. xyz-subscribe@yahoogroups.de Ein Anbieter von kostenlosen Diskussionsgruppen ist z. B. Yahoo: http:// de.groups.yahoo.com
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    Anmerkungen Weblogs Weblogs sind eine kostengünstige Möglichkeit im Web die eigenen Inhalte zu platzieren. Sie sind chronologisch aufgebaut und lassen Kommentare der Leser/­innen zu. Dadurch kann ein starker Dialog entstehen, allerdings können Antworten auf diese „postings“ auch viel Arbeit machen. Neben fachlichen Weblogs von Firmen, Politiker/­innen etc. gibt es auch viele private „Blogger“, die ihr Tagebuch als Weblog ins Netz stellen. Zahlreiche Web­Anbieter stellen dafür gratis Webspace zur Verfügung. Weblogs sind gut für Arbeitnehmervertreter/­innen geeignet, die gerne schreiben und ihre Zielgruppen über das Web erreichen können. Besonders internetaffine Zielgruppen erreicht man auch mit Podcasts (Radio­Sendungen im Internet) und Vodcasts (Videos im Internet). E-Mail-Newsletter Newsletter Für Betriebe, deren MA viel Zeit am Computer verbringen und eine eigene E­Mail­Adresse haben, ist ein E­Mail­Newsletter ein ideales Medium, um alle MA rasch und aktuell zu informieren. Die einfachste Form einen Newsletter zu verschicken, ist es, regelmäßig ein einfaches Text­E­Mail an einen bestimmten Verteiler zu senden. Statt einem „nur­Text­Mail“ kann auch ein HTML­Mail im Design des BRs verschickt werden. Hier muss man aber damit rechnen, dass das E­Mail nicht in allen Mail­Boxen gleich angezeigt wird bzw. dass manche Empfänger/­innen überhaupt keine HTML­Mails zulassen. Die Zeitung oder andere Dateien als Anhänge zu verschicken, empfiehlt sich nur in Ausnahmesituationen an einen kleineren Personenkreis. Viele Mailboxen haben nur ein begrenztes Fassungsvermögen und gehen rasch über. Besser ist es in diesem Fall, ein E­ Mail zu senden, das z. B. auf eine neue Ausgabe der Zeitung hinweist und dazu einen Link, unter dem man die Zeitung herunter laden kann. Nur kurze Texte Die Texte, die per Newsletter versandt werden, sollten kurz und bündig verschicken sein und immer auf ein anders Medium verweisen. Lange und komplexe Texte eignen sich nicht für den Versand per Newsletter. Eine Möglichkeit, mit dem Newsletter Werbung für die BR­Zeitung zu machen, ist, die wichtigsten Themen herauszugreifen und jeweils in einer Schlagzeile und einem bis zwei aussagekräftigen Sätzen zusammen zu fassen. Dann wird auf den vollen Text verwiesen, der in der Zeitung nach­ zulesen ist. SMS Massen­SMS Die Handydichte in Österreich ist so groß wie nie zuvor. Vom Kleinkind bis zur älteren Person – fast alle Menschen haben ein Handy. Zudem gibt es immer mehr Anbieter, die es ermöglichen Massen­SMS zu versenden. Was liegt also näher als auch das Medium SMS für die Öffentlichkeitsarbeit des BR zu verwenden? BR und PV, die vorhaben Massen­SMS­Sendungen für ihre Kommunikation im Betrieb einzusetzen, sollten zunächst überlegen, welche Informationen sie per SMS versenden möchten. Wie alle Informationsmaßnahmen müssen auch die SMS Teil einer Gesamt­PR­Strategie sein. Nicht alle Betriebsratskörperschaften verfügen automatisch über die Han­ dynummern aller Beschäftigten und viele Menschen sind auch nicht sehr freigiebig mit ihrer Handynummer. Das SMS als Kommunikationsmedium eignet sich also in den meisten Fällen nur für kleinere Gruppen, etwa Akti­ visten/­innen, die dem BR nahe stehen und am Laufenden gehalten werden möchten und das BR­Team selbst.
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    Die Kürze vonSMS­Nachrichten stellt übrigens Texter/­innen vor neue Anmerkungen Herausforderungen. Sie müssen noch genauer als bei allen anderen Medien überlegen, was die wichtigste Botschaft ist, die sie vermitteln möchten, da­ mit nichts Wichtiges verloren geht. . Welche Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit gibt es? Nen­ nen Sie mindestens drei Instrumente und erklären Sie wie diese eingesetzt werden können? . Welche Vorteile hat schriftliche gegenüber mündlicher Kom­ munikation und umgekehrt? . Was sollten Betriebsräte/­innen und Personalvertreter/ ­innen beachten, wenn sie eine Betriebsratszeitung heraus geben möchten?
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    Medien selbst gestalten Handwerkszeugfür Bevor man daran geht ein Öffentlichkeitsarbeitskonzept umzusetzen und die Öffentlichkeits­ Flugblätter, Zeitungen und Newsletter zu produzieren, ist es wichtig sich arbeit auch mit dem Handwerkszeug der schriftlichen Kommunikation auseinan­ der zu setzen: dem Texten und Gestalten von verschiedenen Medien. Die einzelnen Medien sollten dabei so gestaltet werden, dass sie in ein einheit­ liches Erscheinungsbild des Betriebsrats/der Personalvertretung passen, in das so genannte Corporate Design. Corporate Identity Unter Corporate Identity (CI) versteht man die „Persönlichkeit“ bzw. den „Charakter“ eines Unternehmens, eines Vereins oder auch der Betriebs­ ratskörperschaft. Das Konzept der CI basiert auf der Idee, dass diese wie Persönlichkeiten wahrgenommen werden und auch ähnlich wie solche handeln können. Die Identität einer Person ergibt sich für den Beobach­ ter/die Beobachterin normalerweise aus der Art und Weise zu sprechen, zu handeln und der optischen Erscheinung. Typischer Weise umfasst die CI daher Leitbild, Begrifflichkeiten, Handlungsrichtlinien, Namen, Logo, und alle weiteren Besonderheiten. Corporate Identity In der Theorie der Unternehmenskommunikation besteht die Corporate ist nicht gleich Identity aus den drei Unterbereichen: Corporate Design (CD), Corpo- Corporate Design rate Communication (CC) und Corporate Behavior (CB). Das Corporate Design, unter dem zunächst nur die visuelle Identität verstanden wur­ de, wird dabei zunehmend als der sinnlich wahrnehmbare Gesamtauftritt verstanden. Die Corporate Communication umfasst die gesamte Unter­ nehmens­ (oder in unserem Fall Betriebsrats­) Kommunikation nach in­ nen wie nach außen. Zum Corporate Behaviour gehört das Verhalten der Mitarbeiter/­innen bzw. Betriebsräte/­innen untereinander und gegenüber anderen. In der Praxis überschneiden sich diese Bereiche häufig. In der Umgangsprache wird – fälschlicher Weise – häufig von Cororate Identity gesprochen, wenn eigentlich nur das Corporate Design gemeint ist. Vereinfacht gesagt: Ziel der Umsetzung eines einheitlichen Erscheinungs­ bildes ist es, dass der BR/die PV als homogenes Ganzes wahrgenommen wird und die einzelnen Medien, Aktivitäten auf den ersten Blick dem BR/ der PV zugeordnet werden. Aber Achtung: Der Anspruch auf Einheitlich- keit der Kommunikationsmaßnahmen relativiert nicht die Notwendig- keit einer an unterschiedliche Zielgruppen angepasste Kommunikation. Umsetzungsbeispiel Hier das fiktive Corporate Design des Betriebsrats xyz. Zunächst wurde in Corporate Design Anlehnung an das Firmenlogo ein Betriebsratslogo entwickelt. Quelle: Lucia Bauer Dieses Logo findet sich dann leicht abgewandelt in allen Medien des BR wie­ der. Ausgeführt wurden für dieses Skriptum bereits die Zeitung (S. 18/19), die Website (S. ), die Betriebsratszeitung und das besondere Briefpapier Quelle: Artikel „Corporate Identity“. In: Wikipedia. Die Freie Enzyklopädie. Stand: . Mai 00 1. Uhr. Online im Internet: http:/ /de.wikipedia.org/wiki/Corporate_Identity
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    Anmerkungen Quelle: Lucia Bauer desselbenBetriebsrats (siehe oben). Neben dem Logo kann das Corporate Design unter anderem eine bestimmte Schriftart, weitere fixe Gestaltungs­ elemente und Regeln, wie diese eingesetzt werden sollen sowie bestimmte Farben umfassen. Texten Betriebsräte/­innen und Personalvertreter/­innen, die schriftlich mit ihren Schreiben ist werben MA kommunizieren, müssen sich immer bewusst sein, dass jedes E­Mail, jedes Fax, jeder Brief, jeder Text, den sie verschicken, ein Bild des BR/der PV vermittelt. Dieses Bild kann sympathisch, modern und verständlich sein, aber auch bürokratisch, gespreizt und umständlich. Dabei liegen die Unterschiede oft im Detail: Die Wahl der passenden Wörter und ein ein­ facher Satzbau sind entscheidend für einen gelungenen Text. Grund genug, unseren alltäglichen Texten etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen.
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    Regeln Hier ein paar Regeln für verständliches Texten: l Das Wichtigste zuerst Die wichtigste Botschaft eines Textes sollte immer am Anfang stehen. So wissen die Leser/­innen immer sofort, worum es bei diesem Text geht, auch wenn sie – wie es sehr oft vorkommt – nicht bis zum Ende lesen. Journalisten/­innen schreiben daher oft in so, dass ihre Texte von hinten her kürzbar sind, ohne dass die wesentlichen Informationen verloren gehen. l Einfache Sprache verwenden Leser/­innen wissen es zu schätzen, wenn ein Text in einfacher, gut ver­ ständlicher Sprache verfasst ist. Schachtelsätze sollte man dabei genauso vermeiden wie Fach­ und Fremdwörter. l Nicht länger als nötig Besonders bei Texten, die die Leserinnen und Leser in erster Linie infor­ mieren und weniger unterhalten sollen, ist es wichtig, sich so kurz als möglich fassen. Natürlich müssen alle wesentlichen Informationen ent­ halten sein und es lässt sich nicht jede komplexe Angelegenheit auf ein paar Zeilen verkürzen. Ist es daher nötig über ein Thema ausführlicher zu schreiben, sollte man unbedingt ein kurze Zusammenfassung voran­ stellen und die Details dann anhängen. l Nicht „einfach drauflos schreiben“ Um ungeübten Schreibern/­innen die Scheu vor dem Texten zu neh­ men, hört man oft: „Schreib doch, wie du sprichst!“ Leider sprechen die meisten Menschen aber keine druckreifen Sätze, sondern schweifen ab, beginnen Sätze – nur um sie gleich wieder zu unterbrechen und etwas einzuschieben. Es ist also notwendig, die eigenen Gedanken zuerst zu ordnen und auszuformulieren, bevor sie abgedruckt werden können. Tipps zum Korrektur Lesen: Korrektur lesen l Eine gute Kontrolle für die Lesbarkeit der eigenen Produkte ist es, je- mand „Außenstehenden“ gegen lesen zu lassen. Nur so bekommt man die Gewissheit, dass auch andere verstehen, was einem selbst sonnenklar ist. Auch was Tipp­ und Rechtschreibfehler betrifft, passiert es selbst ge­ übten Textern/­innen immer wieder, dass sie etwas übersehen. l Sehr oft stolpert man auch über holprige Formulierungen und Fehler, wenn man sich einen Text selbst laut vorliest. l Zum Korrektur Lesen macht es übrigens immer Sinn, einen Text auszu- drucken, da man am Bildschirm viel eher Fehler übersieht. Zielgruppe und Medium berücksichtigen Texten für die Wichtig ist, wie in allen Bereichen der Kommunikation, dass man auch die Zielgruppe Texte an die Zielgruppe anpasst. Jugendliche wollen anders angesprochen werden als ältere Menschen, Bauarbeiter/­innen haben womöglich andere Lesegewohnheiten und Ausdrucksweisen als die Angestellten eines IT­Un­ ternehmens. Jedes Unternehmen hat darüber hinaus seine eigenen „Fach­ begriffe“ und sprachlichen Besonderheiten, auf die Rücksicht genommen werden muss. 8
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    Anmerkungen Folgende Fragen sollte man sich stellen, bevor man beginnt den Text zu schreiben: l An wen richtet sich der Text? Warum gerade an sie/ihn? l In welcher Situation ist meine Zielgruppe (bezogen auf mein Anliegen)? l Kann ich ihr Interesse voraussetzen oder muss ich es erst we- cken? l Welche Informationen sind für meine Zielgruppe nützlich, wel- che überflüssig? l Kann ich/die BR-Körperschaft tatsächlich halten, was ich in meinem Rundschreiben/meinem Flugblatt etc. verspreche? Sind zum Beispiel ausreichend Ressourcen für eine Nachbetreuung vorhanden? Weiters sollte man sich im Klaren sein, in welchem Medium dieser Text Medium bedenken erscheinen soll. Der Artikel aus der Betriebsratszeitung muss fürs Internet womöglich noch einmal gekürzt werden. Es gibt auch die Möglichkeit, im Internet nur eine Zusammenfassung zu publizieren, mit einem Link auf die Langfassung. Möchte man schließlich noch ein SMS zum selben Thema aus­ senden, muss aus dem ursprünglich vielleicht ganzseitigen Artikel schließ­ lich ein einzelner Satz, oder eine Reihe von Schlagworten werden. (Detaillierte Infos zum Thema Sprache und journalistisches Schreiben gibt das Skriptum „Betriebszeitung“ – PGA – downloadbar unter www.voegb.at/skripten) Layout Als Layout (engl.: „Plan“ oder „Anlage“) bezeichnet man das detaillierte Definition Sichtbarmachen eines gedanklichen Bildes. Für ein geplantes Produkt – eine Zeitung, ein Flugblatt oder einen Folder – wird eine äußere Form entwickelt. Diese Gestaltung sollte für die Zielgruppe vertraut wirken, eine Anlehnung an das Firmendesign ist daher in vielen Fällen sinnvoll. Das Layout ist die Verpackung für den Inhalt und mit ihr wird in Das Layout jedem Fall – gewollt oder ungewollt – eine Botschaft präsentiert. transportiert ein Bild des BR/der PV Wann immer wir Werbematerial betrachten, entsteht vor unserem geistigen Auge automatisch ein Bild des Unternehmens oder Geschäfts, vom dem dieses Werbematerial stammt. Wir können uns vorstellen, ob die Produkte die in einem Geschäft verkauft werden, als qualitativ hochwertig oder eher als Ramsch einzustufen sind. Dieses Bild entsteht, ohne dass wir uns viele Gedanken über Layout und Gestaltung machen. Auf die Drucksachen des BR/der PV übertragen heißt das: Ist ein Produkt professionell gestaltet, nutzt das automatisch dem Image des Betriebsrats/der Personalvertretung. Alles, was schlecht oder schlampig gestaltet ist, kann dagegen dem Image des Betriebsrats erheblichen Schaden zufügen, weil es indirekt immer auch vermittelt, dass der BR schlecht arbeitet. Das lässt sich gut deutlich machen, wenn man das Flugblatt von Seite 1 Beispiel einem neuen Flugblatt gegenüberstellt. Die beiden Flugblätter unterschei­ den sich inhaltlich kaum. Trotzdem ist das Bild des Betriebsrats, das sie transportieren völlig verschieden. Schauen Sie sich die beiden Bilder an und überlegen Sie, von welchem Betriebsratsteam Sie sich lieber vertreten lassen würden. Welchem Team trauen Sie mehr Kompetenz zu? Die Mehrheit der Menschen die sich diese Fragen stellen, würden wohl das Team von Flug­ blatt A als kompetenter einstufen. Grund genug, sich gründlich mit dem Thema Gestaltung zu beschäftigen. 9
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    Anmerkungen Flugblatt A Flugblatt B Quelle: Lucia Bauer, Foto: Christina Häusler Einige Grundregeln der Gestaltung Grundregeln Ein gutes Layout erfüllt mehrere Funktionen: des Layoutens l Es erleichtert die Lesbarkeit, da es den Text strukturiert. l Ein gleich bleibendes Layout erhöht den Wiedererkennungseffekt bei den Lesern/­innen. l Es lenkt die Aufmerksamkeit der Leser/­innen auf bestimmte Themen. l Es illustriert den Text. Das Layout ordnet sich dem Inhalt unter, unterstreicht diesen und lenkt nicht vom Inhalt ab. l Hervorhebungen Nicht zu viele Um eine übersichtliche Struktur zu schaffen, ist es wichtig Hervorhe­ Elemente hervorheben bungen sparsam einzusetzen. Sind ein oder zwei Elemente hervorgeho­ ben entsteht dadurch eine Hierarchie der Elemente. Ist alles hervorgeho­ ben, ist am Ende nichts mehr hervorgehoben. Vielmehr entsteht Chaos. Hervorhebungen lassen sich gut durch Kontraste erzielen: groß – klein, hell – dunkel, unterschiedliche Farben und Formen etc. In der Praxis ist es daher wichtig vorher zu überlegen: „Was ist meine wichtigste Botschaft“ und diese dann klar hervorzuheben. Dazu noch einmal ein kurzer Blick auf die beiden Flugblätter oben: Bei Flugblatt A ist eine eindeutige Gewichtung der Elemente zu erken­ nen: am Wichtigsten sind das Foto und die Überschrift „Betriebsver­ sammlung“. Flugblatt B wirkt dagegen verwirrend: da fast alle Elemente 0
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    gleich stark hervorgehobensind, ist es schwierig auf den ersten Blick die Anmerkungen wichtigste Botschaft heraus zu lesen. lAnordung Entscheidend dafür, wie gut ein Layout gelingt, ist auch die Anordnung Anordnen der Elemente. Um dabei eine gewisse Ordnung einzuhalten, ist sinnvoll dem Layout einen Raster (einen Satzspiegel) zugrunde zu legen, an dem dann die einzelnen Elemente angeordnet werden. Dieser Raster gliedert die Seite, bestimmt das Verhältnis und den Abstand der einzelnen Ele­ mente zueinander und zum Rand. Layoutprogramme bieten die Mög­ lichkeit, die Seite in verschiedene Bereiche zu untergliedern. Zusätzlich können noch Hilfslinien eingefügt werden. Diese erleichtern es, die ein­ zelnen Elemente aufeinander abzustimmen. Tipp: Seiten nicht voll stopfen! Keine Angst Ungeübte Gestalter/­innen haben oft das Bedürfnis, den Platz auf einer vor weißen Flächen Seite ideal zu nutzen und kein Fleckchen frei zu lassen. Dadurch wirkt eine Seite leicht voll gestopft und unübersichtlich. Besser ist es beim Anordnen Kontraste zu schaffen – zwischen Stellen, die „dichter“ und solchen, die „lockerer“ sind oder überhaupt frei bleiben. lGesamtbild einer Seite Lesegewohnheiten Um den Blick der Leser/­innen auf bestimmte Themen zu lenken, hilft es berücksichtigen auch über das Leseverhalten der (meisten) Menschen Bescheid zu wissen und dieses dann zu berücksichtigen: m Wenn wir ein bedrucktes Blatt Papier in die Hand bekommen (sei es Zeitung oder Flugblatt), gleiten unsere Augen automatisch in einer verkehrten S­Kurve über die Seite: von links oben nach rechts unten – entsprechend unserer Leserichtung. 1
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    Anmerkungen m Bei Doppelseiten wird stärker die rechte Seite beachtet. m Am meisten Aufmerksamkeit geschenkt werden: Titeln, Bildern und Bildunterschriften Typografie Umgang mit Schrift Für die Auswahl der Schriften gilt wie in vielen anderen Teilbereichen der PR die Regel: Weniger ist mehr. Das heißt: Nicht zu viele Schriftarten und Schriftgrößen miteinander kombinieren und eher einfache, schnörkellose Schriftarten verwenden. Sehr oft kommt man für eine Publikation mit einer oder zwei Schriftarten aus. Zur zusätzlichen Hervorhebung gibt es die Mög­ lichkeit Teile des Textes fett oder kursiv zu machen. Von Unterstreichungen sollte man dagegen eher die Finger lassen. Diese wirken manchmal wie Links und oft ein bisschen unprofessionell. Noch einmal zurück zu den beiden Flugblättern auf Seite 0. Hier wird deutlich, wie sich der Einsatz von unterschiedlichen Schriftarten auswirkt. Flugblatt A kommt mit einer einzigen Schriftart aus, die zudem recht schlicht wirkt. Auf Flugblatt B dagegen finden sich vier, sehr unruhige und verschnörkelte Schriftarten, die eher schlecht lesbar sind. Auch bei der Auswahl der Schrift sollte man auf die Lesegewohnheiten der Menschen Rücksicht nehmen und gut lesbare Schriften verwenden. Gut lesbar sind die sogenannten Grotesk­ (Arial, Helvetica, ...) und Anti­ qua­Schriften (Times New Roman, Garamond, ...). Diese werden auch am Häufigsten in Büchern, Zeitungen und Zeitschriften – also für größere Text­ mengen – verwendet. Tipp: Unterschied Internet und Druck Die meisten Bücher und Zeitungen verwenden (für lange Textpassagen) Antiqua­Schriften. Im Internet und zum Lesen am Bildschirm dagegen sind (fast) nur Grotesk­Schriften im Einsatz. Die Vielfalt an unterschiedlichen Schriftarten ist enorm. Genauso groß ist die Verlockung, diese auch einzusetzen. Neben der Frage nach der Lesbar­ keit einer verwendeten Schriftart, sollte man jedoch immer auch überlegen, welches Bild man durch den Einsatz einer bestimmten Schrift transpor­ tiert. Im Folgenden Beispiel ist der Satz „Wir laden dich zu unserem Treffen ein“ in drei verschiedenen Schriftarten gesetzt. Lassen Sie die drei Zeilen auf sich wirken und überlegen Sie wer hier wohl zu einem Treffen einlädt. Schriftarten Ziemlich sicher entsteht bei jeder Zeile in Ihrem Kopf ein anderes Bild dieses Treffens. Das erste Treffen könnte das eines Trachtenvereins, aber auch das einer Burschenschaft sein, das dritte könnte sehr gut ein Kinder­ geburtstag sein. Beide Schriftarten sind wohl für eine Publikation des BR ungeeignet. Das mittlere Treffen ist schwerer zuzuordnen und lässt mehr Möglichkeiten offen.
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    Für die Praxisbedeutet das: Vorsicht beim Einsatz von „Schmuckschriften“. Anmerkungen Verwendet man unabsichtlich eine unpassende Schrift, ohne zu bemerken welche Botschaft diese mittransportiert, so wirkt das unprofessionell. Mehr Tipps zum Thema Gestaltung und Typografie gibt das Skriptum „Be­ triebszeitung“ – PGA – downloadbar unter www.voegb.at/skripten Bilder Bilder sind z. B. Fotos, Karikaturen und Cartoons oder Zeichnungen, aber auch Tabellen und Grafiken. Sie wecken Aufmerksamkeit und ziehen die Blicke auf sich. Fotos haben eine starke emotionale Wirkung, Grafiken hin­ gegen unterstreichen die Sachlichkeit. Im Layout machen Bilder auf den Inhalt eines Textes aufmerksam. Sie sind daher ein unverzichtbarer Bestandteil von Betriebsratszeitungen, Home­ pages etc. Text braucht Bilder zur Illustration, Bilder können im Layout aber auch ohne Text stehen, wie z. B. ein Cartoon, der aktuelle Missstände humorvoll beschreibt. Bild und Text Wenn sich Bilder auf einen Text beziehen, dann sollten sie in der Nähe des Titels platziert sein, damit dieser Bezug klar wird. Positiv kann auch ein freigestelltes Bild wirken – dabei wird der Hintergrund z. B. einer Person wegretouchiert. Im Zweifelsfall ist es besser, ein großes Foto zu verwenden als viele kleine Fotos. Für Porträtfotos gilt das aber nur, wenn sich im Bild „etwas tut“, wenn gestikuliert wird oder Bewegung im Foto ist. Porträts wirken einla­ dender, wenn die abgebildete Person zur Mitte des Mediums schaut (das ist die Seitenmitte einer Zeitung, der mittige Bereich einer Website oder eines schwarzen Bretts, etc.). Ein Beispiel zeigt die Verwendung von Bildern im Layout: Fotos stehen in der Nähe jener Überschrift, auf die sie sich beziehen. Quelle: Tina Brunauer
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    Bildunterschriften Bildunterschriften führen den/die Leser/­in vom Foto zum Text. Sie sind verwenden die Brücke zwischen der reinen Betrachtung des Fotos und dem tatsäch­ lichen Lesen. Jedes Foto sollte eine Bildunterschrift haben. Die Bildunterschrift fasst in Worte, was am Bild zu sehen ist, enthält also z. B. die Namen der abgebildeten Personen, eine Beschreibung der Aktion oder einen Hinweis auf den Text, den das Foto illustriert. Die Bildunter­ schrift sollte nah beim Bild stehen und sich optisch vom Lauftext abheben. Auflösung beachten Die Auflösung eines Fotos wird mit dpi (dots per inch) bezeichnet und gibt an, wie viele Bildpunkte pro Inch ein Foto aufweist. Ist die Auflösung zu gering, dann wirkt ein Foto unscharf oder körnig und ist nicht gut für den Abdruck geeignet. Druck oder Internet Für Druckmedien (Zeitungen, Flugblätter, etc.) gilt: Je besser der Druck, desto höher sollte die Auflösung der Fotos sein. Wird eine Betriebsratszei­ tung in einer Druckerei gedruckt, dann braucht jedes Foto eine Auflösung von 300 dpi. Wird sie am eigenen Drucker ausgedruckt, genügen je nach Gerät meist 00 dpi. Es lohnt sich aber, die Digitalkamera auf höchste Qua­ lität einzustellen, wenn für die Betriebsratszeitung fotografiert wird. Im Internet, in einem E­Mail­Newsletter oder Weblog werden Bilder mit einer Auflösung von nur 72 dpi verwendet. So spart man Speicherplatz und nutzt gleichzeitig die Auflösung, die das Medium bietet, optimal. Format Als Format für Digitalbilder haben sich .jpg und .tiff etabliert, Formate, die fast jedes Bildprogramm lesen kann. Rechtliches Fotos sind urheberrechtlich geschützt. Das Recht, ein Foto in Printmedien oder im Internet zu verwenden, kann jedoch von professionellen Foto­ grafen/­innen erworben werden. Das kommt üblicherweise recht günstig und schützt vor hohen Prozesskosten, die dann drohen, wenn ein/eine Fotograf/­in entdeckt, dass man eines seiner/ihrer Fotos verwendet hat, ohne die Rechte zu kaufen. Für Betriebsratsmedien ist es wichtig, die Verwertungsrechte für verwen­ dete Bilder (z. B. Landkarten) und Fotos zu kaufen. Das gilt auch für jene Bilder, die im Internet gefunden werden! Auch wenn die Verwertungsrechte beim Betriebsrat liegen, wird der/die Fotograf/­in neben dem Bild (z. B. mit © in der Bildunterschrift) genannt. Kostenlose Fotos Im Internet gibt es Bilddatenbanken, die lizenzfreie Fotos sammeln – also Fotos, die kostenlos veröffentlicht werden können. Bei diesen Fotos verzich­ tet zwar der/die Fotograf/­in auf Rechte, es gilt jedoch das Recht am eige­ nen Bild der abgebildeten Personen. Werden Fotos von Bilddatenbanken verwendet, sollte man unbedingt die Nutzungsbedingungen der jewei­ ligen Datenbank lesen. Recht am eigenen Bild Das österreichische Recht schützt jene Personen, die auf einem Foto zu er­ kennen sind. Wichtig ist dabei der Kontext, in dem die Person abgebildet ist: Durch Bloßstellung, Preisgabe des Privatlebens etc. werden berechtigte Interessen verletzt, die eingeklagt werden können. Eine Ausnahme bilden zum Teil Personen des öffentlichen Lebens wie z. B. Politiker/­innen. Im Zweifelsfall lohnt es sich, eine schriftliche Zustimmung der abgebil­ deten, erkennbaren Person einzuholen.
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    (Weitere Infos zumThema Bilder gibt das Skriptum „Betriebszeitung“ – Anmerkungen PGA – downloadbar unter www.voegb.at/skripten) . Was ist der Unterschied zwischen den beiden Begriffen Cor­ porate Design und Corporate Identity? . Welche grundsätzlichen Überlegungen sollte man anstellen, bevor man beginnt, einen Text zu schreiben? 8. Welche Aufgaben muss ein gelungenes Layout erfüllen? 9. Wozu verwendet man Bildunterschriften? Konzepte für Öffentlichkeitsarbeit Ein Konzept dient dazu Öffentlichkeitsarbeit langfristig zu planen. Es kann zum einen die regelmäßige Kommunikation der Betriebsratskörperschaft strukturieren. Zum andern hilft ein Konzept in der Kommunikation einzel­ ner Kampagnen. Wenn alle Mitglieder des Betriebsrates an der Umsetzung mitar- beiten sollen, müssen auch alle bei der Planung dabei gewesen sein. Ein Konzept ist Teamarbeit – ebenso wie die Umsetzung und das Feiern der Erfolge.
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    Aufbau eines Konzepts Analyse – Planung – Ein Kommunikationskonzept enthält folgende Punkte: Umsetzung – Kontrolle l Analyse der Ist­Situation (wo stehen wir?) l Festlegung der Ziele (wo wollen wir hin?) l Festlegung der Zielgruppen l Auswahl der Kommunikationsmittel l Kommunikationsmittel aufeinander abstimmen l Finanzierung l Budgetverteilung l Umsetzung l Kontrolle (haben wir die Ziele erreicht?) Quelle: Bruhn 00 Das Konzept besteht also aus den Phasen der Analyse, Planung, Umset­ zung und Kontrolle. Eine genaue Planung der Ziele und Zielgruppen macht es leichter, den Erfolg der Kommunikation zu kontrollieren. Die Kontrolle ist notwendig, um für kommende Themen und Konzepte der Öffentlich­ keitsarbeit zu lernen. Ist-Situation analysieren Am Beginn einer Kampagne bzw. eines Kommunikationsprozesses ist es wichtig zu wissen, wo man steht. Was ist das Thema? Warum braucht es Kommunikation? Sind sich die Beteiligten des Themas bewusst? Was sollten oder wollen sie wissen? Ist das Thema emotional belegt? War das Thema in der Vergangenheit bereits wichtig? Zuerst werden also alle rele­ vanten Informationen gesammelt. Stärken und Interessant ist auch das Umfeld des Themas und die Chancen und Risiken, Schwächen die sich daraus ergeben. In einer vereinfachten SWOT-Analyse können die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken (englisch: strenghts, weaknesses, opportunities and threats, kurz SWOT) analysiert werden. Die SWOT-Analyse hilft, einen Überblick über die wichtigsten Chancen und Pro- bleme zu bekommen, sowie die eigenen Stärken richtig einzuschätzen. Quelle: Tina Brunauer
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    Während die SWOT­Analysemit Schätzungen auskommt, benötigen an­ Mitarbeiter/­innen dere Analysen konkrete Daten. Sie können z. B. mit einer Mitarbeiter/-in- befragen nen-Befragung erhoben werden. Dabei empfiehlt sich professionelle Hilfe von Statistikern/­innen oder Meinungsforscheren/­innen. Themen einer solchen Erhebung können sein: Wissen zu einem Thema, Einstellungen und Gefühle zu einem Thema, Handlungsabsichten (Mobilisierbarkeit), Bewer­ tung der Arbeit des BR/der PV, Image des BR/der PV, etc. Je genauer die Analyse, desto einfacher wird das weitere Vorgehen. Beste­ hende Probleme und Herausforderungen können so schon in der Anfangs­ phase erkannt werden. Ideal ist es, die Ergebnisse der Analyse schriftlich festzuhalten, um darauf die weiteren Schritte aufbauen zu können. Ziele festlegen Ziele genau definieren Als zweiten Schritt werden Ziele bzw. ein Ziel festgelegt. Sie basieren auf der Ist­Situation und schreiben fest, was mit der Öffentlichkeitsarbeit er­ reicht werden soll. Die Ziele können sich von den allgemeinen Zielen der Betriebsratskörper­ schaft ableiten (das gilt besonders, wenn ein Leitbild der BR­Arbeit erstellt wurde). Dennoch sollen die Ziele nicht allgemein bleiben sondern genau definiert werden. Eine Hilfe dafür bietet die folgende Aufzählung. Ziele sind l realistisch l erreichbar l messbar l zeitlich begrenzt l unmissverständlich Finden Verhandlungen statt und begleitend gibt es PR, dann hängen die Ziele der PR mit jenen der Verhandlungen zusammen, sind aber nicht au­ tomatisch dieselben. Das Verhandlungsziel kann z. B. der Abschluss einer neuen Betriebsvereinbarung sein, Kommunikationsziel ist die Bekanntma­ chung der Vereinbarung. Typische Kommunikationsziele sind eine höhere Bekanntheit eines The­ mas bzw. ein besseres Image einer Körperschaft. Kommunikation kann auch Handlungen anregen – allerdings nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Das heißt, dass z. B. die Werbung für den Wahlgang vor allem dann wirkungsvoll sein kann, wenn die Wahlteilnahme einfach ist (u.a. der Wahlort gut und zu verschiedenen Zeiten erreichbar ist). Ein Beispiel für ein Kommunikationsziel: Beispiel für ein Ziel „Der Betriebsrat der Fa. xy will innerhalb eines Zeitraums von Jah­ ren die neue Weiterbildungsregelung unter den Mitarbeitern/­innen be­ kannt machen. Ziel ist es, dass bis Ende des kommenden Jahres bereits 0 % die neue Regelung nutzen, bis Ende des darauffolgenden Jahres sol­ len es 0 % sein. Die gestützte Bekanntheit der Weiterbildungsregelung soll nach Jahren bei 9 % liegen.“ Anm.: Gestützte Bekanntheit heißt vereinfacht, dass die Personen den Begriff kennen, wenn sie ihn hören. Die Ziele der Kommunikation geben den Rahmen für zielgruppenspezi­ fische Ziele vor. Bei neuen Kolleginnen und Kollegen im Unternehmen kann das Unterziel z. B. Information, bei länger im Betrieb Beschäftigten Mobilisierung sein.
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    Anmerkungen Zielgruppen festlegen In den meisten Konzepten wird eine Hauptzielgruppe genannt, z. B. die Mitarbeiter/­innen des Unternehmens. Weitere Zielgruppen können je nach Thema verschieden sein, z. B. Kunden/­innen bei einem Streik. Mehr dazu im Kapitel „Zielgruppen“, S. . Ein Unterziel Für jede dieser Zielgruppen sollte ein Unterziel festgelegt werden. Daraus für jede Zielgruppe ist es möglich Maßnahmen (z. B. Einsatz der Kommunikationsmittel wie Zeitung, Versammlung, SMS etc.) abzuleiten, die der Zielgruppe entspre­ chen. Auswahl der Kommunikationsmittel Passend zu den Zielgruppen können nun die Mittel der Kommunikation ausgewählt werden. Während manche Zielgruppen besser mit mündlicher Kommunikation (Be­ triebsversammlungen, Gesprächen) erreicht werden können, ist bei ande­ ren Zielgruppen schriftliche Kommunikation ideal (Brief, Flugblatt, E­Mail­ Newsletter). Teamarbeit Bei der Auswahl der Kommunikationsmittel sollte man auf die Ressourcen im BR/in der PV Rücksicht nehmen: Gibt es z. B. passionierte Texter/­innen oder Hobbyfotografen/­innen, die gerne einen Teil der BR­Zeitung gestal­ ten wollen? Hier ist Teamarbeit gefragt. Bei der Verteilung der Aufgaben sollten alle Mitglieder des BR/der PV dabei sein. Eine gute Ergänzung kann es auch sein, von Anfang an Mitarbeiter/­innen einzubinden, die nicht im Betriebsrat aktiv sind und sie auf diesem Weg mit dem BR­Team in Kontakt zu bringen. Welche Kommunikationsmittel sich für welche Zwecke und Zielgruppen eignen, ist im Kapitel „Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit“, S. 8 beschrie­ ben. Mehr über ihre Gestaltung ist im Kapitel „Medien selbst gestalten“, S. nachzulesen. Kommunikationsmittel aufeinander abstimmen In einem guten Konzept werden die einzelnen Kommunikationsmittel in­ tegriert, das heißt auf ihre Wirkung hin betrachtet und aufeinander abge­ stimmt. Damit können Leerläufe vermieden und die gemeinsame Wirkung der Kommunikationsmittel verstärkt werden. Ein Leitmedium Eine Möglichkeit dafür ist, ein Leitmedium zu schaffen, auf das in jedem anderen Medium verwiesen wird. Das Leitmedium kann die Homepage sein, die Betriebsratszeitung oder auch das persönliche Gespräch. In letzte­ rem Fall könnte man z. B. auf jedem Flugblatt und in jedem Newsletter die Beratungszeiten des Betriebsratsbüros und die Telefonnummer angeben. Durchgängiges Das Design der Medien sollte aufeinander abgestimmt werden, näheres Design dazu im Kapitel „Medien selbst gestalten“, S. . Inhalte und Integriert werden auch die Inhalte der Kommunikation: Angenommen, das Ablaufplan Thema X ist gerade das wichtigste in der BR­Arbeit. Dann informiert die BR­Zeitung über die Hintergründe zum Thema X und die Maßnahmen des BR; in der Mitarbeiterversammlung erfahren die Beschäftigten alles über die Verhandlungen zum Thema X und per Internet gibt es regelmäßige Up­ dates zum Thema X. Ein Ablaufplan regelt die zeitliche Abstimmung der Kommunikationsmittel. Finanzierung Als nächsten Schritt sollte man sich über die Finanzierung Gedanken ma­ chen. Sind genügend Mittel vorhanden oder muss zusätzliches Geld auf­ getrieben werden? Mögliche Quellen sind Anzeigen, Sponsoring, Benefiz- Veranstaltungen, etc. 8
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    Ist insgesamt zuwenigGeld da, können die Ziele eventuell nicht erreicht Ziele notfalls werden: In diesem Fall wird es notwendig sein, die Ziele anzupassen. überarbeiten Budgetverteilung Die finanziellen Mittel werden anschließend auf die Kommunikationsmittel aufgeteilt. Sie stellen das Budget innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens dar. Bei der Aufteilung des Budgets sollte die Arbeitszeit nicht verges- sen werden. Kommunikationsmittel wie eine Zeitung brauchen viel Vorbereitungszeit, ein Flugblatt weitaus weniger. Umsetzung Nach der Planung geht es an die Umsetzung. Beispiele dafür gibt es in den Beispielkonzepten in diesem Kapitel. Tipps für die Umsetzung findet man auch in den Kapiteln „Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit“ und „Medien selbst gestalten“. Kontrolle Am Ende der PR­Kampagne bzw. an bestimmten Punkten (z. B. Halbzeit) Kontrolle hilft weiter überprüft man die Zielerreichung. Fragen dazu sind: In welchem Ausmaß sind die Ziele erreicht worden? Welche Probleme traten auf, welche Er­ folgsfaktoren wurden gefunden? Die Kontrolle schafft eine wichtige Basis für die nächste PR­Kampagne – und die kommt bestimmt! Beispielkonzept 1: Image Betriebsrat Haferschrot GmbH Der Betriebsrat der Firma Haferschrot will sein Image unter den Mitarbei­ tern/­innen (MA) verbessern. Die genaue Ausgangssituation ist im Kapitel „Wozu brauchen Betriebsräte/Personalvertretungen Öffentlichkeitsarbeit“ S. beschrieben. Analyse der Ist-Situation Zerlegt man das Image in mehrere Komponenten, kann es gemessen wer­ Image messen den. Dazu werden Eigenschaften wie z. B. stark, einflussreich, kompetent, achtet auf gesunde Arbeitsplätze, setzt sich für mich ein, wählbar, sympa­ thisch, verhandlungsbereit, modern etc. bei wichtigen Zielgruppen abge­ fragt. Das kann in unserem Beispiel mit einer MA-Befragung geschehen. Denkbar sind auch Interviews mit ausgewählten Beschäftigten. Die Entscheidung, wie genau die Analyse gemacht wird, hängt auch von den verfügbaren Mitteln ab. Selbst wenn gar kein Geld da ist, sollten ausge­ wählte Personen aus der Zielgruppe zu ihrem Bild des BR/der PV befragt werden. Da der Betriebsrat der Fa. Haferschrott sich über eine geringe BR­Umlage finanziert, will er für die Analysephase kein Meinungsforschungsinstitut beauftragen. Stattdessen werden die BR­Mitglieder gebeten, mit je fünf Be­ schäftigten über das Image des BR zu reden. Insgesamt sollen 0 Interviews geführt werden. Der Betriebsrat legt wichtige Fragen fest, wie z. B. „Wissen Sie, ob die Fa. Haferschrot einen BR hat?“, „Welche Eigenschaften hat für Sie der BR?“, etc. Außerdem werden gemeinsam die Zielgruppen für die improvisierte Um­ frage festgelegt. Die Zielgruppe sind die Mitarbeiter/­innen des Betriebs, also Angestellte und Arbeiter/­innen. Sie können weiter unterteilt werden 9
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    Anmerkungen in Beschäftigte in der Zentrale, in Filialen und Fahrer/­innen. Eine weitere Unterteilung geschieht nach Filialen in der Stadt A und Filialen in der Stadt B. Es sollen außerdem gleich viele Frauen wie Männer und gleich viele ältere und jüngere Arbeitnehmer/­innen befragt werden. Auch Fili­ alleiter/­innen gehören in die „Stichprobe“. Eine genaue Einteilung, wer wen befragt, ist also wichtig. Diese Interviews liefern kein repräsentatives Ergebnis, können aber eine Ahnung davon vermitteln, welches Bild die MA vom BR haben. Festlegung der Ziele Die Analyse der Ist­Situation zeigt die bestehenden Stärken und Schwächen im Image. Die Ergebnisse können mit dem Selbst­Bild, das die BR­Mit­ glieder von ihrer Körperschaft haben, verglichen werden. Die Mitglieder des BR haben die Antworten der Kollegen/­innen zusam­ mengefasst. Die Ergebnisse zeigen, dass neue MA in Filialen oft nicht wis­ sen, dass es einen BR gibt. Das Image des BR wurde als „eher schwach aber engagiert“ beschrieben. Bekanntheit aufbauen Darauf aufbauend legt der BR seine Ziele fest: 1. „Alle neuen Mitarbeiter/­innen sollen nach spätestens einem Monat im Betrieb Kontakt mit einem Betriebsrat oder einer Betriebsrätin gehabt haben. Kontrolle: Im Betriebsratsbüro wird eine Liste der neuen Mit­ arbeiter/­innen mit Einstellungsdatum geführt und vermerkt, wer bereits besucht wurde. Die Liste wird Thema der regelmäßigen BR­Sitzung.“ . „Bis Ende des kommenden Jahres soll sich das Image des BR folgen­ dermaßen verändern: Der BR wird als kompetent, engagiert und wähl­ bar gesehen. Kontrolle: Mit einer repräsentativen Befragung Ende des Jahres.“ Von dieser Befragung verspricht sich der BR nicht nur eine gute Kontrolle der Ergebnisse sondern auch wichtige Informationen über die Einstellun­ gen und Mobilisierbarkeit der MA zur Wahl, die ein halbes Jahr später stattfindet. Festlegung der Zielgruppen Die Zielgruppe der Imagekampagne besteht aus: l Beschäftigten in der Zentrale l Beschäftigten in Filialen l Fahrer/­innen Die Zielgruppe der Kampagne zur Erhöhung der Bekanntheit ist: l neue Mitarbeiter/­innen Die zwei Ziele werden also an zwei verschiedenen Zielgruppen festge­ macht. Weitere Zielgruppen außerhalb des Betriebs sind befreundete BR, die nach ihren Erfahrungen mit Imagekampagnen gefragt werden können. Das Ziel ist hier Erfahrungsaustausch. Auswahl der Kommunikationsmittel Der Betriebsrat hat keine Zeitung und will auch keine einführen. Die BR­ Mitglieder können sich gut vorstellen eine Homepage zu starten, eine/r hat sogar Erfahrung im Programmieren. Allerdings ist der Internetzugang in der Arbeit nur bei den Angestellten gegeben. Inwieweit die Arbeiter/­in­ nen in der Freizeit Internetzugang haben, ist nicht bekannt. Diese Idee wird daher verworfen. Bisher wird ein schwarzes Brett gestaltet (Zentrale) und werden Gewerk­ schaftsmitglieder angeworben (auch in der Zentrale). Der Betriebsrats­Vor­ 0
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    sitzende hat ein Büro in der Zentrale und spricht häufig mit den dort Be­ Anmerkungen schäftigten. In den Filialen sind die BR­Mitglieder wenig vertreten, zu den Fahrern/­innen besteht fast überhaupt kein Kontakt. Daher werden Briefe (mit Geschenken wie einem BR­Sticker), Flugblätter und eine Betriebsrats­Frühstücksbox als ergänzende Kommunikationsmit­ tel fixiert. Die Gespräche in den Filialen sollen ausgebaut werden – z. B. bei Besuchen nach der Einstellung neuer MA. Folgende Tabelle zeigt, welche Kommunikationsmittel welche Zielgruppen ansprechen sollen: Schwarzes BR-Früh- Info zur Ge- BR-Sitzung Gespräch Brief Sticker Flugblatt Brett stücksbox werkschaft 1x/Monat Beschäftigte ► ► ► ► ► in der Zentrale Beschäftigte (►) ► ► ► ► ► in Filialen Fahrer/-innen ► ► ► ► ► neue MA ► ► ► befreundete BR ► BR-interne ► Kommunikation Damit die interne Kommunikation nicht vergessen wird, hat der BR sie in die Tabelle aufgenommen. Das persönliche Gespräch mit neuen MA in Filialen kann auch für Ge­ spräche mit schon länger dort Beschäftigten genutzt werden. Die Früh­ stückbox mit z. B. einer Brezel, Schinken, Ei, Käse und Obst ist eine neue Idee, sie soll den MA ca. ein­ bis zweimal im Jahr den Arbeitsanfang er­ leichtern und daran erinnern, dass der BR für sie da ist. Der Box wird ein aktuelles Flugblatt beigelegt. Die Flugblätter behandeln Themen wie Gesundheit am Arbeitsplatz, Voll­ zeit statt Teilzeit, Einsparungen, aktuelle Aufgaben des BR, etc. Kommunikationsmittel aufeinander abstimmen Als Leitmedium der Öffentlichkeitsarbeit wird das Gespräch festgelegt. Leitmedium persön­ Daher wird in jedem Flugblatt und jedem Brief auf die Erreichbarkeit des liches Gespräch BR (Telefonnummer, Sprechstunde) hingewiesen. Auch Fahrer/­innen sol­ len, wenn sie in die Zentrale kommen, die Möglichkeit zum direkten Kon­ takt haben. Dadurch rücken die Mitglieder des BR in den Vordergrund: Sie sind kompetent und engagiert und sollen mit ihrer Arbeit das Image des BR stärken. Der BR lässt von einem Grafiker ein passendes Logo entwerfen. Es kommt in Zukunft auf alle schriftlichen Unterlagen, auf das schwarze Brett und auch auf die Frühstücksbox. Außerdem wird ein Layout für die Flugblätter entworfen, das immer gleich bleibt. Damit sich das Image in den Dimensionen kompetent, engagiert und wähl­ bar verbessert, werden Themen kommuniziert, für die sich der BR kompe­ tent engagiert (Vollzeit statt Teilzeit, Gesundheit, etc.). Der Schwerpunkt liegt dabei auf Information und Aufklärung. Die BR­Mitglieder möchten keine „Selbstbeweihräucherung“, sondern „ehrliche“ Information. Eine gute Idee ist es, die BR­Mitglieder mit einem (professionellen) Foto vorzu­ stellen – mit Name, Erreichbarkeit, Schwerpunkt, Grund des Engagements im BR. Dadurch steigt die Bekanntheit und der gute Eindruck aus dem per­ sönlichen Gespräch wird verfestigt. 1
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    Anmerkungen Pro Flugblatt (A) wird ein Thema behandelt. Dasselbe Thema streichen die BR­Mitglieder in persönlichen Gesprächen hervor. Das Thema wird auch am schwarzen Brett und in einem Brief aufgegriffen. Zeitplanung hilft den Der Ablaufplan für das kommende Jahr sieht folgendermaßen aus: Überblick zu bewahren Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Image-Interviews ► Auswertung ► Kostenvoranschläge ► ► einholen Logo-Design ► Layout Flugblatt ► Fotos ► Persönliches ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► Gespräch Filialen besuchen ► ► ► ► ► ► ► ► ► Postadressen der MA ► recherchieren Vorbereitung Brief ► (texten, Kuverts ...) Persönl. Brief ► Sticker ► Vorbereitung Flug- blatt (texten, Verviel- ► ► ► ► fältigung ...) Flugblatt ► ► ► ► Schwarzes Brett ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► BR-Frühstücksbox ► ► Info zur Gewerkschaft ► ► BR-Sitzung ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► MA-Befragung ► Eine Imagekorrektur ist langfristig zu sehen und nach einem Jahr noch nicht abgeschlossen. Spätestens im dritten Quartal sollte daher das Folge­ jahr geplant werden. Finanzierung Das neue Logo und die professionellen Fotos sind eine einmalige Ausgabe. So wie die Flugblätter, Briefe und die Frühstückbox werden sie aus dem Betriebsratsfonds finanziert. Ein genauer Budgetplan kann erst nach dem Einholen der Angebote fixiert werden. Budgetverteilung Die Arbeitszeit der freigestellten und nicht­freigestellten BR­Mitglieder wird entsprechend dem Zeitplan verteilt, ebenso die Finanzmittel.
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    Umsetzung Anmerkungen Als Beispiel für die Umsetzung ist hier ein Flugblatt des Betriebsrates der Firma Haferschrot abgebildet: Jedes Flugblatt ist einem eigenen Thema gewidmet. Quelle: Tina Brunauer Kontrolle Die Erfolgskontrolle ist Ende des Jahres mit der MA­Befragung gegeben. Befragung Die Befragung wird zeigen, wie der BR nun wahrgenommen wird und zur Kontrolle ob sich sein Image verbessert hat (Vorsicht: Der direkte Vergleich mit den Interviewergebnissen der ersten Befragung ist nicht möglich, da die Inter­ views u.a. nicht repräsentativ waren). Die Befragung kann auch erheben, inwiefern die MA für die BR­Wahl im darauf folgenden Jahr mobilisierbar sind. Beispielkonzept 2: Betriebsratswahl bei der Schlau Söhne GmbH Der Betriebsrat der Schlau Söhne GmbH benötigt neue Kandidaten/-in­ nen für die kommende Betriebsratswahl. Die genaue Ausgangssituation ist in Kapitel „Wozu brauchen Betriebsräte/Personalvertretungen Öffentlich­ keitsarbeit“ S. beschrieben.
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    Ist-Situation analysieren Ehrliche Analyse Das Betriebsrats-Team der Firma Schlau Söhne steht vor einer schwie­ rigen Situation: Werden nicht mindestens drei neue Freiwillige für die Be­ triebsratswahl in einem Jahr gefunden, kann keine Interessenvertretung im Betrieb gewählt werden. Ein zweites Problem ist die Beratung von Mitarbeitern/­innen mit alba­ nischer oder türkischer Muttersprache und schlechten Deutschkenntnissen. Sie kann bisher nur eingeschränkt stattfinden. Die Betriebsräte/­innen haben sich daher entschieden, aktiv MA mit mig­ rantischem Hintergrund für den Betriebsrat anzuwerben. Aus jeder größe­ ren Gruppe möchten sie einen/eine Vertreter/­in gewinnen. Die größten Gruppen nach Herkunftsländern/Regionen sind: l Türkei l Kroatien l Ostafrika l Albanien bzw. Kosovo l Österreich Da Personen aus Kroatien und Österreich bereits im BR vertreten sind, kon­ zentriert sich die Suche auf Kollegen/­innen mit den Herkunftsregionen Türkei, Ostafrika und Albanien/Kosovo. Festlegung der Ziele Der BR legt dementsprechend ein Hauptziel fest: 1. „Bis zum Mai nächsten Jahres sind mindestens bisher nicht aktive Kol­ legen/­innen bereit, für den BR zu kandidieren.“ Wird das Ziel nicht erreicht, kann die BR­Arbeit nicht fortgesetzt werden. Das Team glaubt aber an einen Erfolg und legt noch zwei weitere Ziele fest, die auf der Erreichung des ersten Ziels aufbauen: Ein Hauptziel, zwei . „Die Beratung und Interessenvertretung des BR verbessert sich im Lau­ nachrangige Ziele fe der nächsten Jahre, weil mindestens neue Kollegen/­innen mit den Herkunftsgebieten Türkei, Ostafrika und Albanien/Kosovo in die BR­Arbeit eingebunden werden. Eingebunden werden sie z. B. als Dol­ metscher/­innen, als BR­Kandidaten/­innen oder als Multiplikatoren/ ­innen unter den Kollegen/­innen.“ . „Mindestens 0 % der MA sollen an der BR­Wahl im nächsten Mai teil­ nehmen.“ Festlegung der Zielgruppen Die Aufteilung in drei Ziele setzt sich in der Einteilung der Zielgruppen fort. Zielgruppen und Ziele Die Zielgruppe für Ziel 1 sind alle MA im Innen­ und Außendienst. Aller­ dings sind die Chancen für ein Engagement bei MA, die bereits mit dem BR zu tun hatten, größer. Der BR legt die Zielgruppe folgendermaßen fest: Alle MA, die in den ver­ gangenen zwei Jahren mit dem BR zu tun hatten (Zielgruppe 1). Die Zielgruppe für Ziel 2 wird so definiert: MA mit den Herkunftsländern Türkei, Ostafrika und Albanien/Kosovo, die bereit sind als Dolmetscher/ ­innen, als BR­Kandidaten/­innen oder als Multiplikatoren/­innen tätig zu werden (Zielgruppe ). Die Zielgruppe für Ziel 3 umfasst alle Arbeiter/­innen des Betriebs.
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    Auswahl der Kommunikationsmittel Anmerkungen Bisher hat der Betriebsrat vierteljährlich eine 8­seitige Zeitung herausgege­ ben, die aber nur wenig gelesen wurde. Bevor Alternativen bestimmt wer­ den, analysiert der BR die Zielgruppen genauer. So soll vermieden werden, dass neue Kommunikationsmittel nicht ankommen. Allen Zielgruppen gemeinsam sind folgende Eigenschaften: Eigenschaften der Ziel­ l Arbeiter/­innen gruppen beachten l tendenziell mehr Konsum von TV, Radio etc. als von Zeitungen l Wohnort in einem Ballungsraum Eine Besonderheit von Zielgruppe 1 ist: l in den vergangenen zwei Jahren Beratung durch den BR aufgrund von arbeitsrechtlichen/sozialen oder sonstigen Problemen l hohe Bekanntheit des Betriebsrates l gutes Image des Betriebsrates l mehr Männer als Frauen Eine Besonderheit von Zielgruppe ist: l hauptsächlich Frauen l deutschsprachige Texte werden selten gelesen l häufiger im Innen- als im Außendienst (daher wegen der Arbeitszeiten schwer erreichbar) Nach dieser Analyse wird immer klarer, dass die Weiterführung der Zei­ tung in der bisherigen Form nicht sinnvoll ist. Die BR­Mitglieder überlegen, die gut eingeführte Zeitung in knapperer Form und dafür mehrsprachig herauszubringen. Außerdem wird die Einführung von Help-Cards über­ legt, auf denen die wichtigsten Ansprechpartner/­innen für arbeitsrecht­ liche und soziale Probleme genannt werden. Den BR­Mitgliedern ist klar, dass das persönliche Gespräch nicht zu erset­ Persönliches Gespräch zen ist. Aufgrund der De­Zentralisierung und der Sprachbarrieren ist es aber oft schwierig, mit den MA persönlich zu sprechen. Der BR einigt sich darauf Dolmetscher/­innen aus dem Betrieb anzuwerben, die ihn freiwillig unterstützen. Zusätzlich organisiert der BR mit Unterstützung der Gewerkschaft einen kostenlosen Deutschkurs für die Kollegen/­innen. Die Geschäftsleitung stellt für den Kurs auf Anfrage Räumlichkeiten zur Verfügung. Für die kommende Funktionsperiode setzt sich das Team zum Ziel, in Verhand­ lungen zu erreichen, dass der Kurs in der Arbeitszeit abgehalten werden kann. Aktuelle Themen der BR­Arbeit sollen an ausgewählte Personen der Zielgruppen 1 und außerdem per SMS kommuniziert werden, da jede/je­ der MA ein Handy hat. Die Telefonnummern sind dem BR bekannt. Folgende Tabelle zeigt, welche Kommunikationsmittel welche Zielgruppen ansprechen sollen: Gespräch Betriebs- persönlich Zeitung Schwarzes und Help- Versamm- einladen BR-Sitzung SMS (1–2 Brett (Foto Deutsch- Cards lung (inkl. zum 1x/Monat Seiten) + Kontakt) kurs Einladungen) Mitmachen Zielgruppe 1 ► ► ► ► ► ► ► ► Zielgruppe 2 ► ► ► ► ► ► ► Alle ► ► ► ► ► BR-interne ► ► ► Kommunikation
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    Anmerkungen Mitglieder der Zielgruppe 1, die dazu bereit sind, sollen an den BR­Sit­ zungen teilnehmen, um so langsam in die Arbeit hineinzuwachsen. Sie wer­ den persönlich angesprochen und mehrmals zum Mitmachen eingeladen. Sie sollen auch dabei helfen, die Help­Cards zu verteilen. Vor der Wahl will der BR besonders stark kommunizieren und plant daher eine Betriebsversammlung, bei der über die Wahl und ihre Bedeutung in­ formiert werden soll. Außerdem soll eine Beratungsecke vor und nach der Versammlung helfen, dringende arbeitsrechtliche Fragen der Kollegen/­ innen zu klären. Kommunikationsmittel aufeinander abstimmen Kommunikation Die Stärke des BR liegt in der persönlichen Beratung – mit oder ohne Dol­ mit Bildern metscher/­in. Als Leitmedium wird daher ein Foto des Teams samt der Erreichbarkeit in allen wichtigen Sprachen im Betrieb aufgehängt. Das Foto und die Info sind auch auf der Help-Card zu finden. Beim Event sind alle BR­Mitglieder präsent – auch die neuen Kandidaten/­innen stellen sich vor. Die Beratungsecken erinnern an die Kernkompetenz des BR. Der BR entscheidet sich für ein schlichtes Design in den Firmenfarben. Das Layout der Zeitung wird auf Seiten adaptiert aber in den Grundzügen beibehalten, schließlich ist die Zeitung bereits bekannt. Neu ist das Foto des Teams, das auf allen Drucksorten aufscheint. Ein Ablaufplan regelt die zeitliche Abstimmung der Kommunikations­ mittel: Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jan Feb Mär Apr Mai Jun BR-Sitzung ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► Einladen zum ► ► ► ► ► ► ► ► Mitmachen (ZG 1) Einladen zum ► ► ► ► ► Mitmachen (ZG 2) / Dolmetscher/-innen um Hilfe bitten Persönl. Gespräche ► ► ► ► ► ► ► ► NEU: mit Dolmetscher/ -in wenn nötig Kostenloser ► ► ► ► ► Deutschkurs Kostenvoranschläge ► ► einholen Help-Cards erscheinen ► Help-Cards verteilen ► ► ► ► ► ► Foto+Kontakt auf ► ► ► ► ► ► ► ► ► schwarzem Brett (mit neuen Kandida- ten/-innen) SMS an ZG 1+2 (aus- ► ► ► ► ► ► gewählte Personen) Vorbereitung Zeitung ► ► ► ► (inkl. Übersetzen) Zeitung (1–2 Seiten, ► ► mehrsprachig) Betriebsversammlung ► Wahl ►
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    Finanzierung Anmerkungen Die Mittel und Personalressourcen, die bisher viermal im Jahr in die Pro­ duktion einer umfangreichen Zeitung geflossen sind, sollen nun neu aufge­ teilt werden: Für die Produktion der Help­Cards bleibt so Geld übrig. Die Übersetzungen und Dolmetsch­Leistungen können kostenlos organisiert werden – ein großer Vorteil einer mehrsprachigen Belegschaft! Budgetverteilung Die Arbeitszeit der BR­Mitglieder wird entsprechend dem Zeitplan verteilt, ebenso die Finanzmittel. Außerdem wird geschätzt, wie groß der Bedarf an Dolmetsch­Leistungen und Übersetzungen ist und wer dafür zur Verfü­ gung stehen könnte. Umsetzung Als Beispiel für die Umsetzung sind hier die Vorder­ und die Rückseite einer Help-Card des Betriebsrates der Firma Schlau Söhne abgebildet. Es ist die deutsch/englische Version. Die Help­Card (in der Größe eines Bierdeckels und aus stabilem Karton) existiert auch in deutsch/kroatisch, deutsch/türkisch und deutsch/albanisch. Die Help-Card gibt einen raschen Überblick über Beratungsangebote. Quelle: Tina Brunauer, Foto: Christina Häusler Kontrolle Eine erste Erfolgskontrolle findet im Juni mit der BR-Wahl statt: Wurde das Ziel 1 (genug Kandidaten/-innen für die BR-Wahl finden) erreicht? Wenn nicht, haben sich die anderen Ziele erübrigt. Konnte das Ziel aber erreicht werden, so kann der neue BR gemeinsam an der Erreichung des zweiten Ziels arbeiten. Beispielkonzept 3: Gewinnung neuer Gewerkschafts- Mitglieder bei der Stahlo GmbH Die Betriebsräte/­innen von Stahlo planen gemeinsam mit der Gewerk­ schaft in ihrem Betrieb aktiv neue Mitglieder für die Gewerkschaft zu wer­ ben. Die Ausgangssituation ist im Kapitel „Wozu brauchen Betriebsräte/ Personalvertretungen Öffentlichkeitsarbeit“ S. beschrieben. Analyse der Ist-Situation Die BR von Stahlo wissen, welche Mitarbeiter/­innen (MA) in ihrem Betrieb Genau analysieren – insgesamt ungefähr 0 % – Gewerkschaftsmitglieder sind und sie vermu­ ten, dass mehr ältere MA Mitglieder sind als jüngere. Für die Erstellung
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    Anmerkungen eines Kommunikationskonzepts reichen diese Informationen jedoch nicht aus. Bei einem ersten Planungstreffen gemeinsam mit den Gewerkschaf­ tern/­innen beschließen sie daher zunächst eine MA-Befragung durchzu­ führen. Unterstützt von einem Bekannten, der in der Meinungsforschung tätig ist, entwickelt das Team auch einen Fragebogen, der an alle MA ver- teilt werden soll. Gefragt wird nach: l Alter, Geschlecht, Arbeiter/­in/Angestellte, Dauer der Tätigkeit im Be­ trieb l Gewerkschaftsmitgliedschaft l Gründen für den Beitritt oder Nicht­Beitritt l Meinung über die Gewerkschaft und den BR l Bereitschaft sich gewerkschaftlich zu engagieren l Erwartungen an Gewerkschaft und Betriebsrat l Interessen, Hobbys Zusätzlich führen einige der Betriebsratsmitglieder eine Reihe von infor- mellen Gesprächen, um die Stimmung im Betrieb zu erheben. Alle diese Gespräche werden schriftlich dokumentiert. Auswertung Die Ergebnisse der ausgewerteten Fragebögen und der Gespräche waren bei der Ergebnisse Arbeitern/­innen und Angestellten sehr ähnlich und für die Betriebsräte/ ­innen zum Teil überraschend: Der von den befragten Nichtmitgliedern am häufigsten genannte Grund, der Gewerkschaft nicht beizutreten, ist: „Weil ich noch nie gefragt wurde“. Gleichzeitig ist das Image der Gewerkschaft bei mehr als der Hälfte der befragten Nichtmitglieder eher positiv. Weniger überraschend dagegen ist, dass vor allem langjährige Mitarbeiter/ ­innen, die schon ihr ganzes Arbeitsleben Gewerkschaftsmitglieder sind und intensiven Kontakt zum BR haben, auch die positivste Einstellung zu Gewerkschaft und BR­Arbeit haben. Die Mitglieder dieser Gruppe bekun­ deten am häufigsten die Bereitschaft, aktiv mitzuarbeiten und bieten sich für die Mitgliederwerbeaktion vor allem als Multiplikatoren/­innen an. Die jüngeren Befragten (Nichtmitglieder und Mitglieder) haben dagegen oft eine weniger positive Meinung von Gewerkschaft und BR. In den persön­ lichen Gesprächen meinten viele der jüngeren Nichtmitglieder, sie könnten sich ihre Angelegenheiten mit ihrem Chef sehr gut selbst regeln. Auf Nach­ fragen wussten bei den jüngeren Mitarbeitern/­innen weder die Mitglieder noch die Nichtmitglieder viel über die Aufgaben einer Gewerkschaft und deren Nutzen für die Arbeitnehmer/­innen. Festlegung der Ziele Ziele definieren Als Hauptziel der Mitgliederwerbeaktion bei der Stahlo GmbH wird schließlich festgelegt: „Über einen Zeitraum von sieben Monaten soll es gelingen, den Organi­ sationsgrad bei den Stahlo­MA von 0 % auf 0 % zu erhöhen.“ Aus der Befragung der MA haben sich drei Teil-Ziele ergeben, die zur Er­ reichung des Hauptziels beitragen sollen: 1. „Alle MA, die bisher nicht Gewerkschaftsmitglieder sind, sollen aus­ führliche schriftliche Informationen über die Vorteile einer Gewerk­ schaftsmitgliedschaft erhalten. In der Folge sollen auch mit allen diesen Kollegen/­innen persönliche Gespräche geführt werden.“ Kontrolle: Es werden über alle Gespräche Protokolle angefertigt und bei jeder Be­ triebsratsitzung besprochen, mit welchen MA schon geredet wurde. Die Gesprächs­Protokolle dienen außerdem als Unterstützung für weitere Gespräche. 8
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    . „Im selbenZeitraum soll das Thema Gewerkschaft bei den Beschäftigten Anmerkungen von Stahlo stärker positioniert werden (in allen Medien und bei sämt­ lichen Aktivitäten des Betriebsrats).“ . „Langjährige Gewerkschaftsmitglieder sollen als Multiplikatoren/­in­ nen für die Kampagne gewonnen werden.“ (Sie sollen mehr und mehr in die Aktivitäten eingebunden werden und nach Möglichkeit auch selbst Werbegespräche führen.) Festlegung der Zielgruppen Entsprechend der drei Teilziele ergeben sich drei Zielgruppen, die für die Zielgruppen definieren Kampagne unterschiedliche Bedeutung haben: Zielgruppe für Ziel 1: Alle Mitarbeiter/­innen, die (noch) keine Gewerk­ schaftsmitglieder sind. Zielgruppe für Ziel : Da der BR von Stahlo nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung hat, definiert er als Zielgruppe für das zweite Ziel: Alle MA (Mitglieder und Nichtmitglieder) bei Stahlo, die noch wenig in Kontakt mit BR und Gewerkschaft waren. Einen besonderen Schwerpunkt sollen dabei die MA bilden, die neu bei Stahlo anfangen. Zielgruppe für : MA, die schon einige Zeit bei Stahlo arbeiten, langjährige Gewerkschaftsmitglieder sind und dem BR nahe stehen. Auswahl der Kommunikationsmittel Bei der Auswahl der Kommunikationsmittel stehen die Werber/­innen vor der Herausforderung, dass vor allem die Zielgruppe 1 sehr groß und inhomogen ist. Die MA aus Zielgruppe 1 haben nur gemeinsam, dass sie keine Gewerkschaftsmitglieder sind. Daher wird diese Gruppe noch ge­ nauer analysiert. Basis dafür bietet die durchgeführte MA­Befragung: In Zielgruppe 1 gibt es MA, die von sich sagen, dass sie überhaupt kein Inter­ esse an der Arbeit des BR und der Gewerkschaft haben und ausschließen können jemals der Gewerkschaft beizutreten. Eine zweite Gruppe gibt an, dass sie Gewerkschaft weder positiv noch negativ sehen, dass sie aber für sich persönlich noch keinen Grund gefunden haben, der Gewerkschaft bei­ zutreten. Die dritte Gruppe schließlich gibt an, der Gewerkschaft prinzipiell positiv gegenüber zu stehen, sich mit dem Thema Gewerkschaft aber noch nie beschäftigt zu haben. Schließlich fällt dem BR noch auf, dass es zwischen den MA, die ein enges Verhältnis zu BR und Gewerkschaft haben (Zielgruppe 3) und den „neuen“ MA (Zielgruppe 2) kaum Berührungspunkte gibt. An den BR­Aktivitä­ ten, dem Betriebsausflug und auch an den MA-Stammtischen des BR neh- men hauptsächlich die „alten Hasen“ teil. Nur wenn es gelingt, diese Grup­ pen stärker miteinander in Kontakt zu bringen, können die älteren MA zu Multiplikatoren/­innen für die Werbeaktion werden. Für die weitere Vorgehensweise werden schließlich folgende Schritte fest­ gelegt: l Ein befreundeter Grafiker entwickelt ein eigenes Logo für die Werbe­ Weitere Schritte aktion, das in den nächsten Monaten auf alle Medien des BR abgedruckt sein wird. 9
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    Anmerkungen Quelle: Lucia Bauer l Alle MA werden mit Flugblättern schriftlich über die Vorteile einer Ge­ werkschaftsmitgliedschaft informiert. l Als zusätzlichen Anreiz, sich mit dem Thema auseinander zu setzen, wird ein Gewinnspiel veranstaltet. Für das Gewinnspiel werden eigene Teilnahme­Karten gedruckt. Auf der Vorderseite der Karten ist das Logo der Werbeaktion zu sehen. Um sowohl Mitglieder als auch Nicht­Mit­ glieder für das Gewinnspiel zu interessieren und diese beiden Gruppen miteinander in Kontakt zu bringen, lässt sich die Karte in Puzzle­Teile zerlegen. Jeder Puzzleteil hat auf der Rückseite Platz auf dem jeweils ein Vorteil einer Gewerkschaftsmitgliedschaft eingetragen werden muss. Die Puzzleteile werden einzeln an die Beschäftigten verteilt. Für die Teil­ nahme am Gewinnspiel müssen sich je zwei Mitglieder und zwei Nicht­ Mitglieder zusammen finden, die gemeinsam ein komplettes Puzzle und Vorteile einer Gewerkschaftsmitgliedschaft abliefern. Die vier Gewin­ ner/­innen erhalten je ein Wochenende in einem Wellness­Hotel, in dem der BR Sonderkonditionen bekommt. Die Vorderseite der zerlegten Gewinnkarte. Quelle: Lucia Bauer 0
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    l Der BR vonStahlo gibt viermal pro Jahr eine ­seitige BR-Zeitung her­ Anmerkungen aus, die von den MA gut angenommen wird. In den folgenden Ausga­ ben soll dem Thema Gewerkschaft der Hauptartikel gewidmet werden. l den Pausenräumen hat der BR jeweils ein Info-Brett, das ebenfalls für In Informationen über die Gewerkschaft genutzt werden soll. l Dem BR­Team ist klar, dass MA nicht wegen eines Gewinnspiels oder eines Artikels in der BR­Zeitung der Gewerkschaft betreten. Die persön- lichen Gespräche mit den einzelnen MA sind das wichtigste Mittel der MG­Gewinnung. Da die Ressourcen des BR jedoch begrenzt sind und viele Mitglieder des BR­Teams keine Erfahrungen mit Werbegesprächen haben, sollen in der ersten Runde die Gespräche zunächst mit jener Grup­ pe von Nichtmitgliedern geführt werden, die dem Thema Gewerkschaft bereits offen gegenüber stehen. Erst in der zweiten Runde – nach einer ersten Evaluierung – sollen die Gespräche dann auf alle MA ausgedehnt werden. Die Ergebnisse der MA­Befragung geben den Werbern/­innen Basis und Anknüpfungspunkte für die Gespräche. Zusätzliche Unterstützung für die Werbegespräche holen sich die Stahlo­ Unterstützung BR beim VÖGB. In Absprache mit der Gewerkschaft wird ein „Rufsemi­ für die Werber/­innen nar“ zum Thema Mitgliedergewinnung bei Stahlo veranstaltet, das einen Schwerpunkt „Werbegespräche“ hat. Um die MA aus Zielgruppe zu motivieren und zu den Werber/­innen­Treffen einzuladen, müssen auch mit diesen Kollegen/­innen persönliche Gespräche geführt werden. l Für die neuen MA soll ein Willkommens-Info-Paket über die Arbeit des BR­Teams zusammengestellt werden. Dieses wird in Zukunft auch Informationen über die Gewerkschaft enthalten. l Zur zusätzlichen Motivation der Werber/­innen sollen BR­Mitglieder und Gewerkschaftsmitglieder, die sich an der Werbeaktion als Multipli­ katoren/­innen beteiligen, zu regelmäßigen Treffen eingeladen werden. Diese Treffen dienen dem Austausch und bieten die Möglichkeit sich beim Team oder bei einem Vertreter/einer Vertreterin der Gewerkschaft Unterstützung oder Feedback für die eigene Arbeit zu holen. l Nach Monaten soll die Mitglieder­Werbeaktion mit einem großen Fest zu Ende gehen. Dabei sollen alle beteiligten Werber/-innen ein offizielles Dankeschön und einen Gutschein für ein Abendessen erhalten und die Gewinner/­innen des Preisausschreibens ausgelost werden. Die neuge­ worbenen Gewerkschaftsmitglieder werden bei diesem Fest willkommen geheißen. Als Einladung zum Abschlussfest soll wieder ein Flugblatt an alle MA gehen. Die folgende Tabelle zeigt noch einmal welche Zielgruppe durch welches Mittel angesprochen werden soll: Zeitung Werber/ Gewinn- Willkom- Schwarzes Abschluss- Gespräch (Haupt- Flugblatt -innen- spiel menspaket Brett fest artikel) Treffen Zielgruppe 1 ► ► ► ► ► ► Zielgruppe 2 ► ► ► ► ► ► Zielgruppe 3 ► ► ► ► ► ► Alle ► ► ► ► Neue Mitglieder ► 1
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    Anmerkungen Kommunikationsmittel aufeinander abstimmen Wichtig ist es auch, die Kommunikationsmittel zeitlich aufeinander abzu­ stimmen. Den Zeitplan des BR­Teams von Stahlo zeigt die folgende Tabel­ le: Monat 1 M2 M3 M4 M5 M6 M7 Treffen der WerberInnen ► ► ► ► ► ► ► Rufseminar „Werbege- ► spräche“ Einladung zu den Wer- ► ► ► ► ► ► ► ber/-innen-Treffen ► Flugblätter ► (Einladung zum Abschlussfest) Zeitung ► ► ► Gespräche: erste Runde ► ► Evaluierung der ersten ► Gesprächsrunde Gewinnspiel, Verteilung ► des Puzzles Persönl. Gespräche: ► ► ► zweite Runde Abschlussfest, Verlosung ► Willkommens-Paket Langfristig und anlassbezogen, wann immer jemand neu bei für neue MA Stahlo beginnt. Mit dem Abschluss­Fest, soll nicht ein Schlusspunkt unter das Thema Ge­ werkschaftsmitgliedschaft gesetzt werden. Die Stahlo­BR wollen nach dem Fest vielmehr eine erste Bilanz ziehen und überprüfen ob es ihnen gelungen ist, ihr Hauptziel, die Steigerung des Organisationsgrades von 0 % auf 0 % zu erreichen. Finanzierung Da es bei der Kampagne der Stahlo­BR um Mitgliedergewinnung geht, bekommen die BR auch finanzielle Unterstützung von der Gewerkschaft. Diese finanziert das Gewinnspiel und stellt Info-Materialien über die Vor­ teile einer Gewerkschaftsmitgliedschaft zur Verfügung. Das Seminar für die Werber/-innen finanziert der VÖGB. Die Flugblätter können die BR am firmeneigenen Kopierer vervielfältigen. Weil der Hauptteil der Werbung im persönlichen Gespräch passiert, müssen die BR­Mitglieder aber viel Zeit für die Werbeaktion aufwenden. Beispielkonzept 4: Krisenkommunikation bei der Pharmamio AG Um bei einer möglichen Fusion des Unternehmens gut vorbereitet zu sein, erstellt der Betriebsrat des Konzerns Pharmamio einen Krisenplan mit Kommunikationskonzept. Die Ausgangssituation dafür ist im Kapitel „Wozu brauchen Betriebsräte/Personalvertretungen Öffentlichkeitsarbeit“ S. beschrieben.
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    Ist-Situation analysieren Anmerkungen Für die Analyse der Ist­Situation sammeln die BR­Mitglieder gemeinsam alle verfügbaren Informationen. Dann wird ein wahrscheinliches Krisen­ Szenario definiert, es lautet folgendermaßen: Feindliche Übernahme durch den Marktführer. Die Übernahme findet zu Konditionen statt, die für die MA von Pharmamio unvorteilhaft sind. Kün­ digungen drohen. Am Beispiel dieses Szenarios schildern wir hier den Aufbau eines Kommu­ nikationskonzepts in der Krise. Für den Betriebsrat wird es wichtig sein, auch andere, mögliche Szenarien zu definieren und evt. mehrere parallele Krisenpläne auszuarbeiten. Der BR legt zuerst einen Krisenplan für das Szenario fest, er definiert die Handlungsmöglich­ wichtigsten Handlungsmöglichkeiten des BR. Die Definition und Auswahl keiten in den Phasen der Handlungsmöglichkeiten ist eine Voraussetzung für ein Kommunika­ der Krise tionskonzept. Sie basiert auf strategischen Entscheidungen, die viel Know­ How und Wissen erfordern. Der Betriebsrat von Pharmamio informiert sich daher bei Experten/­innen des Aktienrechts, Gewerkschaft und anderen Betriebsräten/­innen in ähnlichen Situationen, bevor er eine Entscheidung trifft. Dann legt der BR folgende Handlungsmöglichkeiten für verschiedene Pha­ sen der Krise fest: l In der Präventionsphase: Erweitern der bestehenden MA­Beteiligung an Pharmamio auf mindestens 10 % aus strategischen Gründen. Die 10 %­Marke soll innerhalb von Jahren erreicht werden. Bis dahin gelten für die folgenden Phasen noch Ziele, die von einer geringeren MA­Betei­ ligung ausgehen: l In der Früherkennungsphase (falls MA­Beteiligung kleiner 10 %): Aktua­ lisierung des Krisenplans. Eine gemeinsame Sprachregelung schaffen. Forderungen für einen Sozialplan festlegen. Verhandlungen über eine Förderung des Standorts durch die Stadtverwaltung/das Land. l In der Kriseneindämmungsphase (falls MA­Beteiligung kleiner 10 %): Sozialplan verhandeln. l In der Erholungsphase (falls MA­Beteiligung kleiner 10 %): Verhandeln über stabile Konditionen für verbleibende MA. Der Krisenplan soll regelmäßig aktualisiert werden. Ist die 10 %­Schwelle erreicht, kann der Betriebsrat die Handlungsmöglichkeiten in den weiteren Phasen der Krise ganz anders gestalten, da die MA dann strategisches Ei­ gentum halten. Teil des Krisenplans ist ein Kommunikationskonzept. Festlegung der Ziele Das Kommunikationsziel im Krisenplan lautet in der Präventionsphase folgendermaßen: „Werbung für eine stärkere Mitarbeiterbeteiligung am Unternehmen. Ziel ist es, dass in Jahren 10 % des Unternehmens in der Hand der MA sind.“ Die Phasen der Krise beziehen sich auf die Einteilung nach Töpfer 1999 (siehe Literatur­ hinweise). Das Für und Wider von MA­Beteiligungen wird hier ausgespart, da es nur um die Krisen­ kommunikation anhand eines Beispiels geht.
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    Kommunikationsziel in derFrüherkennungsphase: Ziele und Phasen „Die wichtigsten Akteure/­innen der Übernahme wissen, dass die Beschäf­ tigten nicht übergangen werden können. Die MA wissen, dass sich der BR für sie einsetzt.“ Kommunikationsziel in der Kriseneindämmungsphase: „Die MA wissen, dass sich der BR für sie einsetzt. Die Geschäftsleitung weiß, dass es notwendig ist, auf die Forderungen des BR nach einem Sozial­ plan einzugehen.“ Kommunikationsziel in der Erholungsphase: „Die MA wissen, dass sich der BR für sie einsetzt. Die Geschäftsleitung weiß, dass die Erfüllung der Forderungen des BR die Motivation heben kann.“ Vorbeugen Für alle diese Ziele werden nun Zielgruppen, Kommunikationsmittel etc. bestimmt. Da das Kommunikationskonzept dadurch sehr umfangreich wird, gehen wir hier hauptsächlich auf das Ziel der Präventionsphase – Werbung für eine starke Mitarbeiterbeteiligung – ein. Die Präventions- phase ist besonders wichtig: Ideal ist es, die Krise ganz zu verhindern. Kommunikation kann dabei unterstützen. Auch wenn es nicht gelingt, die Krise „abzusagen“, so ist mit der Prävention die Basis für die Eindämmung der Krise geschaffen. Kühler Kopf Ein weiterer Grund, warum hier schwerpunktmäßig die Präventionsphase behandelt wird, ist die bessere Planbarkeit. Eine Krise ist im Fall ihres „Aus­ brechens“ schwer zu durchschauen. Es ist einfacher, die Szenarien im Vor­ hinein festzulegen und anhand der Phasen Ziele zu vereinbaren. So kann man auch mitten in der Krise leichter einen kühlen Kopf behalten. Festlegung der Zielgruppen Das Ziel der Präventionsphase ist eine stärkere MA­Beteiligung. Es bindet folgende Zielgruppen ein: l die MA. Das Ziel für diese Zielgruppe: „Die MA sollen verstehen, dass ihre Beteiligung an Pharmamio wichtig ist. Sie sollen Teile ihres Entgelts in Aktien umwandeln, so dass sie in Jahren 10 % des Unternehmens halten.“ l die Personalverantwortliche im Management. Das Ziel für diese Person: „Die Personalverantwortliche im Management soll ab kommenden April die MA­Beteiligung als Motivationsanreiz bewerben.“ l die Unternehmensleitung. Das Ziel für diese Zielgruppe: „Die Unter­ nehmensleitung soll ab kommenden April die Abteilungsleiter/­innen anweisen, Aktien als Motivationsanreize einzusetzen. Auswahl der Kommunikationsmittel Für die Zielgruppe der MA verwendet der BR seine bisherigen Kommuni­ kationsmittel. Diese sind: l BR­Bereich im Intranet des Unternehmens l Pop­Ups am Bildschirm zu aktuellen Anlässen (mit Verweisen auf das Intranet) l BR­Newsletter: ein­ bis zweimal/Monat per E­Mail l Schwarze Bretter in den Pausenbereichen l Sticker und Plakate in der Kantine l Seiten im MA­Magazin des Unternehmens l Persönliche Gespräche l Regelmäßige Events (Filmvorführungen, etc.) l Geschenke an die MA zu besonderen Anlässen (Jubiläen, Festtage)
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    Zusätzlich wird ein„Beteiligungs­Barometer“ in der Kantine eingerichtet, Anmerkungen das jeden Tag den Aktien­Anteil der MA an Pharmamio anzeigt und bei knapp über 10 % endet. Werden die 10 % erreicht, wird der BR ein großes Fest für alle MA organisieren. Die Personalverantwortliche im Management soll durch Best-Practice-Bei- Best Practice spiele von anderen Unternehmen überzeugt werden, die MA­Beteiligung stärker zu bewerben. Der BR stellt eine Info­Mappe zusammen. Dafür holt er Informationen bei der Gewerkschaft und bei befreundeten BR ein. Au­ ßerdem sollen regelmäßige Gespräche das Thema vorantreiben. Die Info­ Mappe weist auch darauf hin, dass MA ein stabiler, berechenbarer Kernak­ tionär sind und ihre stärkere Beteiligung im Interesse von Pharmamio ist. Für die Unternehmensleitung fasst der BR die Informationen aus der Map­ pe kurz zusammen. Er bringt die MA­Beteiligung bei einer Aufsichtsrats­ sitzung auf die Tagesordnung. Bei Gesprächen im Vorfeld hat er bereits versucht Verbündete zu sammeln. Auch für die MA stellt der BR Info­Material zusammen, das alle wichtigen Fragen rund um die Aufstockung der MA­Beteiligung beantwortet. Es wird ehrlich auch über die Risiken einer Beteiligung informiert, z. B. bei einem Kurssturz. Folgende Tabelle zeigt, welche Kommunikationsmittel welche Zielgruppen ansprechen sollen: Schwarze Info- Info- Intranet, News- Bretter, MA- Ge- BR- Gespräch material Events mappe Pop-Ups letter Sticker, Magazin schenke Sitzung (MA) Plakate MA ► ► ► ► ► ► ► ► Personal- ► ► abteilung (lang) ► Leitung ► (kurz) BR-Intern ► Kommunikationsmittel aufeinander abstimmen Die Kommunikationsmittel, die sich an die MA richten, werden durch eine Slogan in allen Medien Grundaussage – nämlich „Holen wir uns 10 % vom Kuchen“ – aufeinander abgestimmt. Dieser Slogan geht mit einem Bild von einem leckeren Ku­ chenstück einher. Er kommt in allen Kommunikationsmitteln vor. Kuchenstück und Slogan werden von gut aufbereitetem Info­Material zu den Details der Mitarbeiterbeteiligung (Finanzierung, Steuern etc.) be­ gleitet. Ein Pop-Up wirbt für die Mitarbeiterbeteiligung. Quelle: Tina Brunauer Zeitplan für die Umsetzung der Maßnahmen im ersten Jahr
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    Anmerkungen der Kampagne: Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez BR-Sitzung ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► Infomappen erstellen ► Infomappen ► ► ► Aufsichtsratssitzung ► BR-Bereich im Intranet: ► ► ► ► Bericht zum Thema Pop-Ups zum Thema ► ► Infomaterial für MA erstellen ► BR-Newsletter zum Thema ► ► Schwarze Bretter ► ► ► Sticker, Plakate ► ► ► 2 Seiten im MA-Magazin ► ► ► ► Gespräche ► ► ► ► ► ► ► ► ► Event ► ► ► Geschenke (zu Jubiläen etc.) ► ► ► Finanzierung und Budgetverteilung Die Werbekampagne wird keine zusätzlichen Ressourcen benötigen, sie kann im normalen Betrieb abgewickelt werden. Ein großer Mehraufwand an Kommunikation ist erst nötig, wenn eine Krise tatsächlich „ausbricht“. Umsetzung Die einzelnen Kommunikationsmittel werden entsprechend dem Slogan gestaltet. Zwei Beispiele: Pop­ups in der Form von Kuchenstücken erschei­ nen zum Start der Kampagne am Bildschirm. Als besonderes Geschenk gibt es ein Kuchenstück für jede/n MA. Die Krise wird akut Was, wenn nun plötzlich doch eine feindliche Übernahme stattfindet, noch bevor die Prävention durch eine stärkere MA­Beteiligung greift? Nun sollte unbedingt Kontakt mit den Experten/­innen der Gewerkschaft aufgenom­ men werden. Der BR wird im Fall einer Übernahme über die Weiterbeschäftigung aller MA verhandeln. Klappt das nicht, muss über einen Sozialplan verhandelt werden. In der akuten Krise (Kriseneindämmungsphase) sollte man in der Kommunikation Folgendes beachten: l Besser agieren als reagieren. l Die MA regelmäßig informieren (z. B. vom Stand der Verhand- lungen) l Vom Ausgang des Konflikts berichten
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    Wichtig ist, dassder BR „mit einer Stimme“ spricht. Eine gemeinsame „Sprache“ festlegen Sprachregelung wird vereinbart, an die sich jeder hält. Sie beinhaltet z. B. einen Kernsatz: „Wir verhandeln über die Übernahme aller MA. Der BR lässt euch nicht im Stich.“ Die Sprachregelung kann auch die Vermeidung bestimmter Wörter umfassen, z. B. wenn niemand von „Kündigungen“ spricht, sondern von „Weiterbeschäftigung“. Im Fall von Pharmamio reagiert der BR auf die Nachricht von der Übernah­ me in einer Zeitung sofort mit einem E­Mail­Newsletter, in dem er die MA informiert, dass „der BR über die Übernahme aller MA verhandeln wird. Der BR lässt euch nicht im Stich.“ In der Folge ist eine Betriebsversammlung geplant, in der alle Infos über den Regelmäßig Stand der Verhandlungen bekannt gegeben werden. Auf der BR­Homepage kommunizieren kann man sich für einen SMS­Newsletter einloggen. Regelmäßig schickt der BR SMS über den Stand der Verhandlungen. Außerdem gibt es ab sofort eine „Wir machen weiter“-Informationsveranstaltung, bei der MA über ihre Erwartungen und Befürchtungen reden können. Noch kann der BR zwar wenig über mögliche Lösungen sagen, ein Gespräch hilft aber, Ängste abzubauen. Mit weiteren E­Mail­Newslettern informiert der BR über die Fortschritte der Verhandlungen und lädt zur Betriebsversammlung. Aktuelle News finden sich auch im Intranet auf der BR-Homepage. Bei großen Unternehmen kann die Landespolitik bzw. die Wirtschaftspoli­ Krise öffentlich tiker/-innen häufig mobilisiert werden, wenn es um Themen wie „Aus­ machen? verkauf“ geht. Der BR kann sich daher überlegen, wie er Politiker/­innen einbinden kann. Vielleicht wird es auch notwendig sein, öffentlich Druck zu erzeugen. In diesem Fall könnten die MA eingeladen werden, an öffent­ lichen Aktionen zum Thema teilzunehmen (z. B. Demo in der Innenstadt, Verständigung per SMS). Solche Aktionen sind nur dann sinnvoll, wenn die breite Öffentlichkeit in die Diskussion einbezogen werden soll. Zur Eindämmung der Krise sind sie aber nicht geeignet. Kontrolle In der Präventionsphase ist eine exakte Erfolgskontrolle möglich, in den anderen Phasen ist das schwieriger. Trotzdem ist es wichtig zumindest alle Materialien zu dokumentieren, um aus einer Phase für die nächste zu lernen. 10. Wie können Betriebsräte/­innen und Personalvertreter/ ­innen ihre aktuelle Situation analysieren? 11. Welche Rolle spielt die Zielgruppe bei der Auswahl der Kommunikationsmittel?
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    Anmerkungen Exkurs: Medienarbeit Rückt ein betriebliches Thema ins öffentliche Interesse, schalten sich die Medien ein. Dann kommen vermutlich Anfragen von Journalisten/­innen, die den/die Betriebsratsvorsitzende/­n interviewen möchten. In diesem Fall ist es relativ einfach, mit der eigenen Sicht der Dinge in den Medien gehört zu werden. Trotzdem ist Vorsicht angebracht: Ein Interview sollte gut vorbereitet werden, eine vorher festgelegte Kernaussage hilft die eigene Botschaft „durchzubringen“. Die Kernaussage sollte im Interview mehr­ mals wiederholt werden. Bei Wochen­ und Monatsmagazinen ist es teil­ weise möglich, das Interview vor dem Druck zu autorisieren – bei heiklen Themen empfiehlt es sich, diese Möglichkeit in Anspruch zu nehmen. Auf die Medien Schwieriger wird es, wenn der Betriebsrat versucht, ein neues Thema an zugehen die Öffentlichkeit zu tragen. Die Erfolgschancen dafür steigen, je neuer, wichtiger (für die Öffentlichkeit) und interessanter die Nachricht ist. Dafür gibt es verschiedene Instrumente/Kommunikationsmittel, wie z. B. Presse­ konferenzen und –gespräche, Presseaussendungen, Telefonate, informelle Gespräche, Pressereisen/Exkursionen in den Betrieb, Homepages, Weblogs und kreative Formen der PR. Pressekonferenz, Pressegespräch Täglich finden in den Ballungsräumen zahlreiche Pressekonferenzen und - gespräche statt. Daher ist ein für die Medien interessanter „Aufhänger“ des Gesprächs wichtig. Während in einer akuten Krise Aufmerksamkeit fast immer garantiert ist, braucht es in ruhigeren Zeiten ein mehr an Attraktion: z. B. eine/n prominente/n Teilnehmer/­in, eine gewichtige Ankündigung, eine bildhafte Aktion, einen Beitrag zu einem gerade wichtigen Thema, lokalen Bezug, etc. Während eine Pressekonferenz formaler angelegt ist, ist ein Pressegespräch ein wenig kleiner, dialogorientierter. Beide Formen benötigen viel professio­ nelle Vorbereitung. Folgende Checkliste soll dabei helfen: Checkliste Fragen, die sich zu Beginn stellen: m Ist das Thema für Medien interessant? m Kann es mit einem Interview besser abgedeckt werden? m Gibt es genügend Zeit, die Pressekonferenz/das Pressegespräch zu orga­ nisieren? m Was soll das Ziel der Pressekonferenz/des Pressegesprächs sein? Nachdem das Ziel festgelegt wurde, geht es um das Organisatorische: m Termin: Wenn tagesaktuelle Medien erreicht werden sollen, dann sind die Tage Dienstag bis Freitag gut geeignet, ideal ist der Vormittag, ca. ab 9:0 Uhr. Dauer: ca. eine Stunde. m Ort: Pressekonferenzen und –gespräche finden meist in zentralen Kaf­ feehäusern statt. Ein interessanter anderer Ort (z. B. im Betrieb) muss gut erreichbar, ungestört und ruhig sein und zum Anlass passen. Auf die rechtzeitige Reservierung nicht vergessen! m Sprecher/-innen: Am Podium sollten ein bis vier Personen sitzen, auf keinen Fall mehr. Namenskärtchen stellen sicher, dass die Sprecher/­in­ nen mit dem richtigen Namen zitiert werden. m Einladung: Die Einladung kann per OTS­Aussendung über die Austria Presse Agentur (APA) erfolgen, muss aber nicht. Einladungen gehen ein bis zwei Wochen vor der Pressekonferenz direkt an Journalisten/ ­innen, die über ähnliche Themen schreiben. Wichtig ist die persönliche Ansprache, die Einladung wird per E­Mail oder manchmal auch per Post verschickt. Cirka zwei Tage davor schickt man per E­Mail oder OTS eine Erinnerung. In jedem Fall sollte die Terminredaktion der APA informiert werden, da ihre Tagesübersicht die Planungsgrundlage vieler Redak­ tionen ist. 8
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    m Wenn eine spektakuläre Aktion die Pressekonferenz begleitet, ist es Anmerkungen sinnvoll eine/n Fotografen/-in zu engagieren. m Die wichtigste Botschaft wird vor der Pressekonferenz festgelegt, sie sollte griffig formuliert sein. Außerdem wird vereinbart, wer welche Themen in welcher Reihenfolge anspricht (Statements nie länger als fünf Minuten). Im Vorfeld sollten auch mögliche Fragen der Journalisten/­ innen identifiziert und Antwortmöglichkeiten festgelegt werden. m Eine Pressemappe enthält die wichtigsten Forderungen, evt. eine Situ­ ationsbeschreibung, Informationen über die Personen am Podium und einen Kontakthinweis für Rückfragen. Presseaussendungen Hier empfiehlt es sich, sich unter www.ots.at Beispiele für Aussendungen Wenig anzusehen und mit ihrem Niederschlag in den Medien zu vergleichen, Aufmerksamkeit bevor mit der eigenen Aussendung begonnen wird. Verschickt werden Presseaussendungen zunehmend per E­Mail, die Aufmerksamkeit für die einzelne Aussendung sinkt. Für Massen­E­Mails gilt das Telekommunika­ tionsgesetz, das Spam verbietet. Es empfiehlt sich also, den Verteiler klein aber treffsicher zu halten. Die Grundregeln für verständliches Texten (nach­ zulesen im Kapitel „Medien selbst gestalten“, Unterpunkt „Texten“, S. ) gelten auch bei Presseaussendungen. Telefonate Sie sind der schnellste Weg in die Medien. Die ideale Zeit zum Anrufen ist in tagesaktuellen Medien der Vormittag, in anderen Medien immer den Re­ daktionsschluss beachten (notfalls im Sekretariat erkundigen). Gute Vorbe­ reitung ist wichtig, aus einem Telefonat kann schnell ein Interview werden. Informelle Gespräche Diese Gespräche finden z. B. bei einem Mittagessen oder Kaffee mit nur einem/einer Journalisten/­in statt. Journalisten/­innen legen üblicherwei­ se Wert auf ihre Unabhängigkeit und lassen sich nicht auf die Konsumation einladen. Allerdings gibt es auch einige, die eine Einladung erwarten. Am besten ist es, die Erwartungshaltung diskret abzuklären. Zusammenhänge, die zum Verständnis wichtig sind, die aber nicht an Off the records die Öffentlichkeit gelangen sollen, kann man „off the records“ abklären. Trotzdem ist Vorsicht angebracht, nicht alle Medien halten sich an solche Vereinbarungen. Pressereisen/Exkursionen in den Betrieb. Eine Reise oder Exkursion ermöglicht den Journalisten/­innen einen tief­ eren Einblick und ist auch ein soziales Event. Wenn die Bereitschaft der Medien dazu besteht, ist eine Exkursion eine gute und wirksame Form der Medienarbeit. Homepage, Weblog Gut gemachte Homepages und Weblogs werden von Journalisten/­in­ nen gelesen, vor allem, wenn man ihnen aus aktuellem Anlass einen Link schickt. Kreative Formen der PR Bildhafte Aktionen und erlebnisorientierte PR sorgen für Aufmerksamkeit. Neue Formen finden Beispiele sind z. B. l Sprechblasen an öffentlichen Orten montieren, l Kampagnen­Websites launchen, die die eigene Sichtweise an die Öffent­ lichkeit bringen, optisch aber jenen der „Gegner/­innen“ sehr ähnlich sehen, l „Theaterspielen“ bei öffentlichen Events, etc. 9
  • 60.
    Anmerkungen Quellenverweis Kapitel: Wozu brauchen BR/PV Öffentlichkeitsarbeit? Artikel „Image“. In: Wikipedia. Die Freie Enzyklopädie. Stand: 18. März 00 1.0 Uhr. Online im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Image Kapitel: Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit Buck, Harald, Kommunikation in elektronischen Diskussionsgruppen, Networx Nr. 11, 1999, URL: http:/ /www.websprache.uni­hannover.de/networx/ docs/networx­11.pdf Cornelsen, Claudia, Das 1x1 der PR. So haben sie mit Public Relations die Nase vorn, Freiburg, Berlin, München, Zürich: Haufe Mediengruppe 00 Goldmann, Martin, Hooffacker, Gabriele, Online publizieren, für Web­Medien tex­ ten, konzipieren und gestalten. Hooffacker, Gabriele, Online Journalismus, Schreiben und Gestalten für das Inter­ net, Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis, München: List Verlag Meier, Klaus (Hg), Internet­Journalismus, Ein Leitfaden für ein neues Medium, Konstanz: UVK Medien 1999 Rommert, Frank-Michael, Hoffnungsträger Intranet, Charakteristika und Aufga­ ben eines neuen Mediums in der internen Kommunikation, München: Verlag Reinhard Fischer 00 Saim, Rolf Alkan, Texten für das Internet, Ein Handbuch für Redakteure und Webdesigner, Bonn: Galileo Press 00 Wolf, Klaus-Peter, Öffentlichkeitsarbeit, Handbuch für Betrieb und Gewerk­ schaft, Köln: Bund­Verlag 199 Zowislo, Natascha, Heike Schwab, Interne Kommunikation im Veränderungs­ prozess, Mitarbeiter gezielt informieren und erfolgreich einbeziehen, Wies­ baden: Gabler 00 Kapitel: Medien selbst gestalten Boba, Gert und Michael Walter, Leitfaden Foto­Urheberrecht für österreichische Berufsfotografen, Wien: Verlag für photographische Literatur 199 Deg, Robert, Basiswissen Public Relations. Professionelle Presse­ und Öffentlich­ keitsarbeit, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften, 2. Auflage 2006 Förster, Hans-Peter, Texten wie ein Profi, Frankfurt am Main: Frankfurter Allge­ meine Buch 00 Khazaeli, Cyrus Dominik, Crashkurs Typo und Layout, Vom Schriftdesign zum visuellen Konzept, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 00 Artikel „Corporate Identity“. In: Wikipedia. Die Freie Enzyklopädie. Stand: . Mai 00 1. Uhr. Online im Internet: http:/ /de.wikipedia.org/wiki/ Corporate_Identity Kapitel: Konzepte für Öffentlichkeitsarbeit Bruhn, Manfred, Integrierte Unternehmens­ und Markenkommunikation, Stra­ tegische Planung und Operative Umsetzung, 3. Auflage, Stuttgart: Schäfer- Poeschel Verlag 00. Bruhn, Manfred, Marketing für Nonprofit-Organisationen, Grundlagen – Kon­ zepte – Instrumente, Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer 00. Herbst, Dieter, Das professionelle 1x1: Interne Kommunikation, Berlin: Cornel­ sen 1999. Leipziger, Jürg W., Konzepte entwickeln, F.A.Z.­Institut für Management­, Markt­ und Medieninformationen GmbH, Frankfurt am Main: 00. Leitsmüller, Heinz, Naderer, Ruth, Hofbauer, Silvia und Günter Köstelbauer, Be­ triebsräte sind gefordert... Unternehmenskrise und Insolvenz, Wien: Verlag des Österreichischen Gewerkschaftsbudnes 199. IG Metall, Vertrauensleute in der IG Metall, Kompetent und klar informieren, Öffentlichkeitsarbeit im Betrieb, Töpfer, Armin: Plötzliche Unternehmenskrisen – Gefahr oder Chance? Grund­ lagen des Krisenmanagement, Praxisfälle, Grundsätze zur Krisenvorsorge. Neuwied [u.a.]: Luchterhand, 1999. Trenkwalder, Verena und Daniela Gruber, Zielsetzungen und Gestaltungsmöglich­ keiten von Mitarbeiterbeteiligungen in: Trenkwalder, Verena und Michael Tumpel: SWK­Sonderheft Stock Options, Wien: Linde Verlag April 001 Kapitel Exkurs Medienarbeit Buchner, Michael, Friedrich, Fabian, Kunkel, Dino, Zielkampagnen für NGO: Stra­ tegische Kommunikation und Kampagnenmanagement im Dritten Sektor, Lit Verlag Januar 00 0
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    Beantwortung der Fragen Anmerkungen F 1: Das Image ist das innere Bild, das andere von einem haben. Daran knüpfen sich Wissen, Gefühle und Handlungsabsichten. Ein Image kann zwar korrigiert werden, das ist aber ein langfristiger Prozess. Leichte Korrekturen sind leichter zu bewerkstelligen als ein totaler Imagewandel. F 2: Öffentlichkeitsarbeit wird in Form eines Kommunikationskonzepts in einen Krisenplan integriert. Sie unterstützt beim Weg aus der Krise. Öffentlichkeitsarbeit kann aber strategische Planung, Handeln und Verhandlungen nicht ersetzen. F 3: Flugblatt: Flugblätter eignen sich dafür, schnell eine große Anzahl an Menschen zu erreichen. Am effizientesten kann ein Flugblatt sein, das nur eine klar formulierte Botschaft enthält und sich an nur eine Zielgruppe richtet. Flugblätter sollten nur kurze Textbotschaften ent­ halten und übersichtlich und zum Corporate Design des Betriebs­ rats/der Personalvertretung passend gestaltet sein. Betriebsratswebsite: Betriebsratshomepages machen dann Sinn, wenn eine große Zahl der Beschäftigten Zugang zum Internet hat und am PC arbeitet. Websites sind aber auch sehr kurzlebige Medi­ en, die immer aktuell gehalten werden müssen. Sie sind daher auch relativ zeitintensiv. SMS: Immer mehr Menschen in Österreich haben Handys und kön­ nen SMS empfangen. Massen­SMS lassen sich daher auch als Komm­ nikationsmittel das BR/der PV einsetzen. Voraussetzung dafür ist, dass die Handynummern der Beschäftigten bekannt sind und sie den Massenversand gutheißen. Für die Texter/­innen sind SMS­Bot­ schaften wegen der Kürze eine besondere Herausforderung, da auch keine wichtige Information fehlen sollte. F 4: In allen Betrieben ist es notwenig sowohl schriftlich als auch münd­ lich mit der Belegschaft zu kommunizieren. Die beiden Kommunika­ tionsarten stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern ergänzen sich. Je größer ein Unternehmen, desto wichtiger wird schriftliche Kommunikation, da es dann nicht mehr möglich ist, dass der/die BR­Vorsitzende regelmäßig mit allen persönlich spricht. Trotzdem ist es nötig auch in großen Betrieben immer wieder den persönlichen Kontakt zu suchen, Sprechstunden und Informationsveranstaltungen anzubieten. In kleineren Betrieben geschieht die meiste Kommunika­ tion mündlich. Das hat den Vorteil, dass Missverständnisse gleich ausgeräumt und Probleme gleich persönlich besprochen werden können. Trotzdem ist auch hier manchmal schriftliche Kommunika­ tion wichtig, vor allem wenn komplizierte Fakten vermittelt werden sollen, z. B. die Inhalte der neuen Betriebsvereinbarung. F 5: Betriebsräte/­innen und Personalvertreter/­innen, die eine Betriebs­ ratszeitung heraus geben möchten, sollten zunächst einmal ein Tref­ fen des gesamten Teams einberufen und dann gemeinsam folgende Überlegungen anstellen: Welche Ziele soll das neue Medium haben? Welche Auflage und wie viele Seiten soll es haben? In welcher Fre­ quenz soll es erscheinen? Bei der Beantwortung dieser Fragen ist es wichtig finanzielle und zeitliche Ressourcen des BR/der PV zu berücksichtigen. Im Zweifelsfall ist es sinnvoll, mit einem kleineren Projekt zu starten und die Zeitung im Laufe der Zeit auszubauen. In einem nächsten Schritt wird dann ein Zeitplan erstellt, Aufgaben werden verteilt und ein Grundlayout wird entwickelt. 1
  • 62.
    Anmerkungen F 6: Der Begriff Corporate Identity (CI) bezeichnet die „Persönlichkeit“/ den „Charakter“ eines Unternehmens. Die CI umfasst normalerweise Leitbild, Begrifflichkeiten, Handlungsrichtlinien, Namen, Logo, etc. Das Corporate Design (CD) ist ein Teilbereich der CI und bezeichnet den sinnlich wahrnehmbaren Gesamtauftritt eines Unternehmens oder einer Organsation. F 7: Bevor man beginnt einen Text zu schreiben, muss man sich zunächst darüber klar sein, wo der Text erscheinen soll (Flugblatt, Website, Zeitung,...) Dann sollte man überlegen, an welche Zielgruppe sich dieser Text richtet: Was möchte ich von der Zielgruppe und in wel­ cher Situation ist die Zielgruppe bezogen auf mein Anliegen? Ist meine Zielgruppe bereits interessiert, oder muss ich ihr Interesse erst wecken? Welche Informationen sind für meine Zielgruppe wichtig? Wenn im Text etwas versprochen wird, ist es immer wichtig vorab zu klären, ob wirklich die Ressourcen da sind, dieses Versprechen auch zu halten. F 8: Ein gelungenes Layout strukturiert und illustriert den Text und er­ leichtert die Lesbarkeit. Es schafft einen Wiedererkennungseffekt bei den Lesern/­innen und kann die Aufmerksamkeit der Leser/­innen auf bestimmte Themen lenken. F 9: Zum einen führen Bildunterschriften die Leser/­innen vom Bild zum Text. Sie können dafür sorgen, dass zumindest der Anfang eines Artikels gelesen wird. Zum anderen enthalten sie wichtige Informa­ tionen wie z. B. die Namen der abgebildeten Personen. F 10: Bei der Analyse der aktuellen Situation werden zuerst alle verfüg­ baren Informationen gesammelt. Reichen diese Informationen aus, kann der Betriebsrat/die Personalvertretung sie gemeinsam analy­ sieren. Eine SWOT­Analyse hilft, das Umfeld eines Themas zu klären sowie Chancen und Risiken zu definieren. Sind zu wenig Informa- tionen über die Mitarbeiter/­innen vorhanden, kann – am besten mit Hilfe von Experten/­innen – eine Befragung durchgeführt werden. Sie erhebt das Wissen, die Einstellungen und Handlungsabsichten der Mitarbeiter/­innen in Bezug auf bestimmte Themen. F11: Bei der Auswahl der Kommunikationsmittel sollte die Zielgruppe unbedingt bedacht werden. Nur wenn die Kommunikationsmittel zur Zielgruppe passen, können die Botschaften des Betriebsrats/der Personalvertretung ankommen.
  • 63.
    Name und Adresse: Anmerkungen Fragen zu Praktische Gewerkschaftsarbeit 5 Wir ersuchen Sie, die folgenden Fragen zu beantworten:* 1. Eine Personalvertretung an einer Schule überlegt, einen E­Mail­News­ letter einzuführen. Welche Eigenschaften ihrer Zielgruppe sollte sie be­ achten? 2. Der Betriebsrat des fiktiven Bauunternehmens „Schöner Bauen“ möchte den Arbeitnehmer/­innenschutz stärken. Das Unternehmen hat 0 Be­ schäftigte, die sich auf Baustellen im Raum Wien und Niederösterreich aufteilen. Der BR hat gehört, dass die Helmpflicht nur teilweise eingehal­ ten wird und will daher die MA von der Verpflichtung zum Helmtragen und vom Schutz, den dieser bietet, informieren. Welche Instrumente kann er dafür nutzen und warum gerade diese?
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    Anmerkungen 3. Der Betriebsrat der fiktiven Softwarefirma „Xvisio“ will seine Bekannt­ heit bei den MA erhöhen. Xvisio beschäftigt 80 MA, davon arbeiten 0 % in Telearbeit. Formulieren sie ein Kommunikationsziel, das sich der BR setzen kann. 4. Der Betriebsrat eines Krankenhauses hat eine Betriebsvereinbarung zu einem dringend benötigten Betriebskindergarten ausgehandelt. Per E­Mail hat er alle MA, deren Adressen bekannt waren, davon infor­ miert. Trotzdem gibt es bisher kaum Anmeldungen für die erste Kinder­ gartengruppe, die in einem Monat startet. Woran könnte das liegen? Wie könnte der BR seine Kommunikation verbessern? * Fernlehrgangsteilnehmer/­innen bitten wir, nach Abschluss der Fragen­ beantwortung die Seite(n) mit den Fragen abzutrennen und an folgende Adresse zu senden: Fernlehrgang des Österreichischen Gewerkschaftsbundes 1010 Wien, Hohenstaufengasse 10.