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Katalog "jetztkunst in der Zentrifuge" (c) 2009

Katalog zur Ausstellungsreihe in der Zentrifuge 22. Mai bis 16. August 2009 Herausgeber Zentrifuge – Verein für Kommunikation, Kunst und Kultur e.V. www.zentrifuge-nuernberg.de | Vereinsnummer: VR 200589 © 2009 | Copyright für die Texte bei den Autoren, alle Bildrechte bei den Künstlern. Jede Art der Vervielfältigung, insbesondere die elektronische Aufbereitung von Texten und Bildern oder der Gesamtheit dieser Publikation, bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung durch die Urheber. Koordination: Michael Schels | www.kulturbuero-schels.de Grafik, Fotografie: Kerstin Heider | www.kerstinheider.com Texte: Dr. Harald Tesan Konzeption, Redaktion: Michael Schels, Kerstin Heider, Dr. Harald Tes

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U1
Eine Ausstellungsreihe in der Zentrifuge Nürnberg, Halle 14 Auf AEG
22. Mai bis 16. August 2009
3 x 3
Malerei
Auf AEG
Lachen in der Krise
Baden und Schwimmen
s	 Sparkasse
	 Nürnberg
Unsere	Kulturförderung:
Gut	für	die	Sinne.
Gut	für	Nürnberg,
Stadt	und	Land.
Kunst	und	Kultur	sind	für	die	gesellschaftliche	Entwicklung	entscheidend.	Sie	setzen	Krea-
ti	vität	 frei	 und	 fördern	 die	 Aufgeschlossenheit	 gegenüber	 Neuem.	 Die	 Philosophie	 der		
Sparkasse	Nürnberg	ist	es,	vor	Ort,	in	Nürnberg	und	dem	Landkreis	Nürnberger	Land,	in		
einer	Vielzahl	von	Projekten	Verantwortung	für	die	Gesellschaft	zu	übernehmen.	Mit	jähr-	
lichen	Zuwendungen	von	rund	einer	Million	Euro	ist	die	Sparkasse	Nürnberg	einer	der	großen		
Kulturförderer	in	der	Region. www.sparkasse-nuernberg.de
jetztkunst in der Zentrifuge
Nürnberg 2009
J E T Z T K U N S T I N D E R Z E N T R I F U G E
Georg Baier / Sascha Banck / Anna Bittersohl / Ralf Brück / Hans Jürgen Diez / Sybille
Dömel / Cornelia Effner / Eva Engelhardt / Renate Fukerider / Katja Fischer / Stephan Haimerl
Rubin Hirschbeck / Christian Höhn / Chunquing Huang / Korbinian Huber / Frank Johannes
Eleonora Kirchgessner / Anneliese Kraft / Johannes Kriesche / Meike Lohmann / Eva-
Maria Mandok / Birgit Nadrau / Gerlinde Pistner / Angelika Prinz / Romina Schenone
Kerstin Schmitt / Alexander Schräpler / Volker Schildmann / Stephan Schwarzmann / Shóhé
Alexander Seiler / Tobias Stutz / Anders Theorell / Tessa Wolkersdorfer / Fred Ziegler / Ralph
Zoller
mit Texten von Harald Tesan
Editorial
3 x 3
Malerei
Auf AEG
Lachen in der Krise
Baden und Schwimmen
Special Guest
Impressum / Dank
INHALT
4
8
11
21
45
65
93
106
108
100
8 9
Das Projekt „jetztkunst in der Zentrifuge“ präsentierte über einen Zeitraum von
knapp drei Monaten in fünf Teilausstellungen 36 ausgewählte Künstler des jurier-
ten Online-Künstlerverzeichnisses jetztkunst.de. Das Spektrum reichte von Foto-
grafie und Malerei über Skulpturen und Installationen bis hin zu Performances.
Rein gattungsspezifische Ausstellungen (Malerei, Fotografie) gingen über in orts-
bezogene („Auf AEG“) und schließlich themenbezogene Ausstellungen („Lachen
in der Krise“, „Baden und Schwimmen“).
Im Zweiwochentakt wurde in der Zentrifuge auf- und abgebaut, jedes Mal aufs
Neue entstanden Ausstellungen von hoher Qualität, bei denen kein Kurator, son-
dern die jeweils ausstellenden KünstlerInnen gemeinsam festlegten, wer an wel-
chem Ort welche Arbeiten zeigt. Die mobilen Stellwände erlaubten flexible Raum-
aufteilungen, wobei die Korrespondenzen zwischen den Exponaten und ihr Bezug
zur Halle immer wieder einen hohen Stellenwert einnahmen.
Die Zusammenarbeit zwischen den KünstlerInnen war durchweg geprägt von
konstruktiver, aber auch kritischer Kollegialität, sie unterstützten sich gegenseitig
und respektierten sich trotz ihrer teilweise sehr unterschiedlichen künstlerischen
Positionen. Auch darin zeigte sich die hohe Professionalität der beteiligten Künst-
lerinnen und Künstler.
Alle Beteiligten waren überrascht, wie reibungslos die zwangsläufig doch immer
intensiven Aufbautage verliefen – innerhalb von nur zwei Tagen musste jede der
Ausstellungen aufgebaut und zu einem präsentablen Ergebnis geführt werden.
Wir von der Zentrifuge moderierten und unterstützen diesen Prozess und freuten
uns bei jeder Vernissage über die hinreißenden Ergebnisse und den guten Zu-
spruch seitens der Gäste. Die durchweg gelungenen Ausstellungen wurden ent-
sprechend vom Publikum gelobt – gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künst-
lern ist es und gelungen, ein breites und hochwertiges Spektrum künstlerischen
Schaffens an einem neu geschaffenen Kulturort zu versammeln und dafür auch
ein interessiertes und anspruchsvolles Publikum zu finden, das die Ergebnisse
unserer Arbeit zu schätzen weiß.
EDITORIAL
„jetztkunst in der Zentrifuge“ war in dieser Form ein sicher einmaliges Projekt.
Wir haben uns drei Monate lang nahezu täglich verausgabt mit dem Ziel vor Au-
gen, Kulturinteressierte und Kulturschaffende aus der Metropolregion Nürnberg
und darüber hinaus miteinander in Kontakt zu bringen und daraus Neues entste-
hen zu lassen. Vor allem die Brücke Frankfurt-Nürnberg wurde durch das Projekt
„jetztkunst in der Zentrifuge“ ausgebaut und gefestigt.
Im Rahmen der Ausstellungen fanden zudem Filmvorführungen und Workshops
statt. Es zeigt sich: In der Zentrifuge agiert eine kreative Szene, die für das Areal
Auf AEG sowie für Nürnberg und die Region von zunehmender Bedeutung ist.
Michael Schels
Erster Vorstand
Zentrifuge – Kommunikation, Kunst und Kultur e.V.
11
Ralf Brück / Christian Höhn / Frank Johannes
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Katalog "jetztkunst in der Zentrifuge" (c) 2009

  • 1. U1 Eine Ausstellungsreihe in der Zentrifuge Nürnberg, Halle 14 Auf AEG 22. Mai bis 16. August 2009 3 x 3 Malerei Auf AEG Lachen in der Krise Baden und Schwimmen
  • 2. s Sparkasse Nürnberg Unsere Kulturförderung: Gut für die Sinne. Gut für Nürnberg, Stadt und Land. Kunst und Kultur sind für die gesellschaftliche Entwicklung entscheidend. Sie setzen Krea- ti vität frei und fördern die Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem. Die Philosophie der Sparkasse Nürnberg ist es, vor Ort, in Nürnberg und dem Landkreis Nürnberger Land, in einer Vielzahl von Projekten Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen. Mit jähr- lichen Zuwendungen von rund einer Million Euro ist die Sparkasse Nürnberg einer der großen Kulturförderer in der Region. www.sparkasse-nuernberg.de jetztkunst in der Zentrifuge Nürnberg 2009
  • 3. J E T Z T K U N S T I N D E R Z E N T R I F U G E Georg Baier / Sascha Banck / Anna Bittersohl / Ralf Brück / Hans Jürgen Diez / Sybille Dömel / Cornelia Effner / Eva Engelhardt / Renate Fukerider / Katja Fischer / Stephan Haimerl Rubin Hirschbeck / Christian Höhn / Chunquing Huang / Korbinian Huber / Frank Johannes Eleonora Kirchgessner / Anneliese Kraft / Johannes Kriesche / Meike Lohmann / Eva- Maria Mandok / Birgit Nadrau / Gerlinde Pistner / Angelika Prinz / Romina Schenone Kerstin Schmitt / Alexander Schräpler / Volker Schildmann / Stephan Schwarzmann / Shóhé Alexander Seiler / Tobias Stutz / Anders Theorell / Tessa Wolkersdorfer / Fred Ziegler / Ralph Zoller mit Texten von Harald Tesan
  • 4. Editorial 3 x 3 Malerei Auf AEG Lachen in der Krise Baden und Schwimmen Special Guest Impressum / Dank INHALT 4 8 11 21 45 65 93 106 108 100
  • 5. 8 9 Das Projekt „jetztkunst in der Zentrifuge“ präsentierte über einen Zeitraum von knapp drei Monaten in fünf Teilausstellungen 36 ausgewählte Künstler des jurier- ten Online-Künstlerverzeichnisses jetztkunst.de. Das Spektrum reichte von Foto- grafie und Malerei über Skulpturen und Installationen bis hin zu Performances. Rein gattungsspezifische Ausstellungen (Malerei, Fotografie) gingen über in orts- bezogene („Auf AEG“) und schließlich themenbezogene Ausstellungen („Lachen in der Krise“, „Baden und Schwimmen“). Im Zweiwochentakt wurde in der Zentrifuge auf- und abgebaut, jedes Mal aufs Neue entstanden Ausstellungen von hoher Qualität, bei denen kein Kurator, son- dern die jeweils ausstellenden KünstlerInnen gemeinsam festlegten, wer an wel- chem Ort welche Arbeiten zeigt. Die mobilen Stellwände erlaubten flexible Raum- aufteilungen, wobei die Korrespondenzen zwischen den Exponaten und ihr Bezug zur Halle immer wieder einen hohen Stellenwert einnahmen. Die Zusammenarbeit zwischen den KünstlerInnen war durchweg geprägt von konstruktiver, aber auch kritischer Kollegialität, sie unterstützten sich gegenseitig und respektierten sich trotz ihrer teilweise sehr unterschiedlichen künstlerischen Positionen. Auch darin zeigte sich die hohe Professionalität der beteiligten Künst- lerinnen und Künstler. Alle Beteiligten waren überrascht, wie reibungslos die zwangsläufig doch immer intensiven Aufbautage verliefen – innerhalb von nur zwei Tagen musste jede der Ausstellungen aufgebaut und zu einem präsentablen Ergebnis geführt werden. Wir von der Zentrifuge moderierten und unterstützen diesen Prozess und freuten uns bei jeder Vernissage über die hinreißenden Ergebnisse und den guten Zu- spruch seitens der Gäste. Die durchweg gelungenen Ausstellungen wurden ent- sprechend vom Publikum gelobt – gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künst- lern ist es und gelungen, ein breites und hochwertiges Spektrum künstlerischen Schaffens an einem neu geschaffenen Kulturort zu versammeln und dafür auch ein interessiertes und anspruchsvolles Publikum zu finden, das die Ergebnisse unserer Arbeit zu schätzen weiß. EDITORIAL „jetztkunst in der Zentrifuge“ war in dieser Form ein sicher einmaliges Projekt. Wir haben uns drei Monate lang nahezu täglich verausgabt mit dem Ziel vor Au- gen, Kulturinteressierte und Kulturschaffende aus der Metropolregion Nürnberg und darüber hinaus miteinander in Kontakt zu bringen und daraus Neues entste- hen zu lassen. Vor allem die Brücke Frankfurt-Nürnberg wurde durch das Projekt „jetztkunst in der Zentrifuge“ ausgebaut und gefestigt. Im Rahmen der Ausstellungen fanden zudem Filmvorführungen und Workshops statt. Es zeigt sich: In der Zentrifuge agiert eine kreative Szene, die für das Areal Auf AEG sowie für Nürnberg und die Region von zunehmender Bedeutung ist. Michael Schels Erster Vorstand Zentrifuge – Kommunikation, Kunst und Kultur e.V.
  • 6. 11 Ralf Brück / Christian Höhn / Frank Johannes 3 X 3
  • 7. 12 13 URBANE IRRITATIONEN Drei mal drei Fotoarbeiten, die schon auf den ersten Blick einiges gemeinsam haben. Alle drei Künstler richten die Linse ihrer Kamera auf ein städtisches Um- feld, dem sie ungeahnte, irritierende Perspektiven abgewinnen. Alle drei sind Perfektionisten in handwerklicher wie in kompositioneller oder beleuchtungs- technischer Hinsicht, wollen dem Zufall möglichst wenig überlassen. Subtil ar- beiten alle drei Fotografen gegen eine in der breiten Bevölkerung immer noch vorherrschende Meinung, die Fotografie sei ein rein dokumentierendes, objekti- ves Medium. Drei Fotografen gehen der alten, die anderen Bildenden Künste auch beschäfti- genden Frage nach, inwieweit es möglich ist, eine subjektive künstlerische Wirk- lichkeit zu schaffen. Ihre Strategie ist absichtlich doppelbödig. Wir sollen der beeindruckenden Präsenz der großformatigen Panoramen auf den Leim gehen, sollen zunächst einmal schön und bemerkenswert finden, was wir im alltägli- chen Leben übersehen hätten. Wie zum Beispiel das Toilettenhäuschen auf dem Autobahnrastplatz, das FRANK JOHANNES im suggestiven Abendlicht fotografiert und das von Weitem erstrahlt wie ein fernöstlicher Tempelpavillon. Im raumgreifenden Querformat gleicht selbst ein Kreisverkehr, wie er allerorts anzutreffen ist, einer prähistori- schen Kultstätte oder einem keltischen Grabhügel. Um den “anderen” Blick geht es auch in der Aufnahme des Alexanderplatzes, aus der Johannes sämtliche Pas- santen, Verkehrsschilder und Werbelogos wegretuschiert hat. Die unerbittliche Totalität des auf die pure Architektur reduzierten Ostberliner Ensembles spricht nun für sich. Das Licht der Großstadt aus gebührender Distanz ist das Hauptthema in den Aufnahmen von CHRISTIAN HÖHN. Der Fotograf ist nachts am menschenleeren Strand Dubais unterwegs oder betrachtet die aus dem Sand gestampfte Wüsten- metropole von erhöhter Warte. Entstanden sind Nachtaufnahmen von betörender Brillanz, in denen die extreme Künstlichkeit moderner Zivilisation evident wird. Das Unheimliche beschleicht diese Glitzerwelt in Form der verlassenen Strandlie- gen, die, Gräbern nicht unähnlich, den Vordergrund für die Skyline abgeben. Auf der Klaviatur von Bildern, die sich ins kollektive Unterbewusstsein einge- brannt haben, spielt RALF BRÜCK. Das verwahrloste Hochhaus in Texas expo- niert unterschwellig politische Inhalte an seiner Fassade, weil der Stern zu Zeiten des Kalten Krieges in Ost und West ein nur allzu bekanntes Symbol der Macht war. Auch die Kombination von einem Flugzeug am Himmel und einem Wolken- kratzer ruft seit dem 11. September eindeutige Assoziationen wach. Sind solche Bedrohungsszenarien erst einmal in Gang gesetzt, fällt es nicht schwer, die Ex- plosion einer Feuerwerksrakete mit der Challenger-Katastrophe in Verbindung zu bringen. Alle drei Fotografen haben keine Bedenken, die Fotografie nach dem Betätigen des Auslösers noch einmal einer digitalen Bildbearbeitung zu unterziehen. Wenn es das fertige Ergebnis erfordert, wird der Computer als Werkzeug akzeptiert wie andere komplizierte Hilfsmittel, ohne die ein Zustandekommen der Fotografie unmöglich wäre. Wichtig ist die Message und die ist nicht digital, sondern be- zieht sich auf das ewig Analoge. Genau gesagt auf die Austauschbarkeit von Kulturen und auf eine sich global angleichende Welt, in der die Grenzen zwi- schen öffentlichem und privatem Raum zunehmend aufgehoben sind. Insofern ist es eigentlich egal, ob besagtes Hochhaus in Dubai, Dallas oder Tel Aviv steht. Indem drei Fotografen in je drei Arbeiten der Frage nachgehen, was Realität ist und was Fiktion, verhandeln sie auch das Problem der Manipulation. Dies gilt im künstlerischen wie im übertragenen Sinn, denn die technische Manipulierbar- keit ist natürlich als dezenter Hinweis auf die Lenkfähigkeit von uns allen zu se- hen. Doch enthält sich der kühle Blick aller dreier Fotografen einer moralisieren- den Zivilisationskritik, registriert eher beiläufig die latente Präsenz von Gewalt in unserer Gesellschaft. Die Fotografen gehen behutsam ans Werk, wie Archäo- logen, die Spuren von Behausungen entdecken, in denen die Bewohner längst verschwunden sind.
  • 8. star09, 2009, 4c-print, 120 x 160 cm 14 15 1995 Klasse Prof. Bernd Becher 2000 Klasse Prof. Thomas Ruff 2002 Meisterschüler, Prof. Thomas Ruff 2003 Akademiebrief der Kunstakademie Düsseldorf Einzelausstellungen (Auswahl) 2006 „Im ernst“, Rheinisches Landesmuseum Bonn, Germany 2008 „qué onda guero“, galerie januar ev., Bochum 2009 „the good times are killing me“, Galerie Pitrowski, Berlin 2009 the bakery, München 2009 „w“, Galerie aplanat, Hamburg Stipendien 2004 Villa-Romana Stipendium, Florenz 2005 Kunst und Kulturstiftung NRW 2008 StiftungKunstfonds e.V., Bonn Gruppenausstellungen (Auswahl) 2005 Voices Off Festival, Arles, Frankreich 2006 Märkisches Stipendium für Bildende Kunst 2007 Städtische Galerie Iserlohn 2007 „room X room“, James Harris Gallery, Seattle, USA, mit Candida Höfer, Matthew Jordan, Laura Letinsky and Andrew Moore 2007 „Das komponierte Dokument“, Kulturbahnhof Eller, Düsseldorf 2009 „Die Angst reist immer mit“ Neues Problem, Berlin Preise 2001 Leo-Breuer-Preis, Rheinisches Landesmuseum Bonn 2002 Lovell´s Kunstförderpreis Kontakt www.ralfbrueck.com Ralf Brück | 3 x 3 stars, 2009, 4c-print, 120 x 160 cmtlv, 2009, 4c-print, 120 x 160 cm
  • 9. 16 17 Christian Höhn | 3 x 3 1990-1994 Studium und Assistenz 1994 Freier Fotodesigner 1998 Aufnahme in den BFF 2009 Berufung in die Deutsche Gesellschaft für Photographie DGPH Buchveröffentlichungen/Projekte 1994 Schottland, Buchprojekt 1994 Menschen in Franken, Buchprojekt 1995 Nürnberg - Die Stadt, Buchprojekt 1997 Bühnenbild Intern. Menschenrechtspreis 1999 Bühnenbild Intern. Menschenrechtspreis 1998-2002 Polaroidserie Italien 2000 Renault Avantime 2001 New York Architektur 2002 Engel 2004 Urban Landscapes 2005 Eurovisionen - Europäische Gesichter seit 2006 Megacities seit 2007 Deutsche Städte Ausstellungen 1993-2008 Einzel- und Gruppenausstellungen in Brüssel, Nürnberg, München, Berlin, Köln, China, Ukraine, Polen Repräsentanten und Agenturen München, Mailand, Barcelona, Zürich, London, USA Galerien LandskronSchneidzik, Nürnberg; Time-Lights, Düsseldorf Kontakt www.christianhoehn.de Dubai 1, Dubai 4, Dubai 5, 2009, Leuchtkasten, je 132 x 104 x 15 cm
  • 10. Alexanderplatz, 2009, 4c-print, 107 x 152 cm 18 19 1969 geboren in Nürnberg 1990-1995 Studium in Ulm und Nürnberg (Physik, BWL und Sozialwissenschaften) 1996-1998 Foto-Assistent in Fürth 1998-1999 Fotograf in London / UK 1999-2000 Fotograf in Bern / CH seit 2000 Fotograf mit Wohnsitz in Nürnberg seit 2005 Eigenes Studio in Nürnberg seit 2009 Dozent an der Photoacademy i Berlin Ausstellungen (Auswahl) 2005 „in & out“, Kultursalon im Hauptbahnhof / Nürnberg 2006 „Zwölf mal Buchschwabach“, Galerie Destillarta / Buchschwabach 2006/2007 „So ist das“ - Einzelausstellung, Galerie in der Weinerei 2008 „Ansichtssache“, Galerie im Treppenhaus / Erlangen „public privacy“, Galerie Artelier / Nürnberg 2009 Kunstpreis Langwasser Kontakt www.shoot-now.com Autobahn, 2009, 4c-print, 107 x 217 cm Frank Johannes l 3 x 3 Kreisverkehr, 2009, 4c-print, 107 x 217 cm
  • 11. 21 Sascha Banck / Rubin Hirschbeck / Eleonora Kirchgessner Johannes Kriesche / Birgit Nadrau / Gerlinde Pistner Angelika Prinz / Stephan Schwarzmann / Ralph Zoller MALEREI
  • 12. 22 23 Die Auferstehung des in den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts totgesagten Tafelbildes ist unbestritten. Diese Wiederkehr ausschließlich als Symptom einer restaurativen Epoche zu werten, in der ein Rückzug auf privatbürgerliche Be- sitzstände stattfindet, würde sicher zu kurz greifen. Andererseits blieb auch die Kunst von den Vorgaben einer neoliberalen Wirtschaftsordnung nicht verschont. Der “Handlungscharakter” von Kunst hat sich eben als nur bedingt taugliche Wertanlage erwiesen. Offenbar rentiert sich handgemachte Malerei auch wieder, nachdem die Farbfo- tografien in den Leuchtkästen der privaten und öffentlichen Sammlungen un- widerruflich verblassen. Andere Faktoren kamen hinzu und retteten die Ware Kunst. Dass der lange unter dem Schock von Nationalsozialismus und Kaltem Krieg stehende “Westen” nach dem Fall des Eisernen Vorhanges einen enormen Nachholbedarf an figürlicher Kunst hatte, erklärt den in den Kunstmetropolen zu verzeichnenden Hype um die realistische Malerei. Doch was bewegt die Maler nach der Postmoderne? Den poststrukturalistischen Prämissen eines “anything goes” entspricht augen- scheinlich die Position von JOHANNES KRIESCHE. Seine Retro-Ästhetik der Se- venties befördert eine babylonische Sprachverwirrung, die darauf aufmerksam macht, dass Stile, Medien, Techniken usw. konditioniert sind, mithin auf einem gesellschaftlichen Verabredungswert basieren. Kriesche kultiviert die räumliche Verunklärung, das optische Verschleiern und den kunterbunten Mix unterschied- lichster künstlerischer Ausdrucksmittel, um über Wege und Irrwege menschlicher Kommunikation nachzudenken. Auch ANGELIKA PRINZ bezieht graphische und malerische Elemente in be- wusstem Kontrast aufeinander. Ihre vorgebliche, sich auch in den Bildtiteln nie- derschlagende Naivität erfrischt, ist nicht nur Ausdruck einer infantilen Spaß- gesellschaft, sondern als Suche nach einer eigenen Weltsicht zu werten. Die ist weiblich und von barocker Ambivalenz, trägt die ganze Welt auf dem Kopf. Es überrascht der enzyklopädische Blick, mit dem die Zusammenschau von plas- tisch-prächtiger Fauna und den zarten, umrisshaften Frauengestalten erfolgt. EXPRESSION UND REFLEXION ELEONORA KIRCHGESSNER malt ihre Schwester, die ihr äußerlich erstaun- lich ähnlich ist. Über solche persönlichen Reflexionsmomente hinaus, ist die ihr Spiegelbild im Wasser betrachtende junge Frau in Jeans und modischem Top als zeitgenössische Paraphrase auf eine der Urlegenden der Malerei, den Narkissos- mythos, aufzufassen. Betrachtet man außerdem die halbabstrakten, flüchtig die Seerosenbilder Monets wachrufenden anderen Teichflächen, scheint in Kirch- gessners ausgestellten Bildern ein deutlicher Reflex der Kunst der Impressionis- ten auf. Mit RUBIN HIRSCHBECK ist einer der besten Figuralisten der Region in der Zen- trifuge vertreten. Er schöpft aus einer seit der Renaissance vor allem in Deutsch- land gebräuchlichen Tradition der subjektiven Überbetonung einzelner Partien und Merkmale. Dabei überschreitet Hirschbecks Malerei nie ganz die Grenze zur Karikatur. Vielmehr bleiben die merkwürdigen Beziehungen zwischen Menschen und Dingen offen. Die Absurditäten des Stinknormalen auszudeuten, ist der Phantasie des Betrachters überlassen. BIRGIT NADRAU hinterlegt drei ihrer in kühlen Rosatönen gehaltenen Frauen- porträts mit Blattaluminium. Sie hat nicht nur profanisierte Ikonen einer glo- balen Informationsgesellschaft, sondern auch einer zukünftigen Vergangenheit geschaffen, denn unsere momentan als der neueste Schrei empfundene Handy- kultur wird in einigen Jahren ihrerseits historisch sein. Nadrau hat dem Phäno- men der nicht abschließbaren Moderne ein, nein: drei Gesichter gegeben. Eine Bildsprache nach dem Verfahren des berechneten Zufalls hat sich SASCHA BANCK erarbeitet. Man könnte diese mit Schlagworten wie “kalligraphisch- lichtkinetischer Neo-Pop” oder “arabesker Expressionismus” umschreiben. Auf jeden Fall sind in die variiert wiederkehrenden Rhythmen der fluoreszierenden Farbschlingen nicht nur die Unendlichkeitsvorstellungen der einschlägigen frak- talen Theorien eingeflossen. Banck, die Ausdruckstanz und Jonglage mit phos- phorisierenden Objekten betreibt, haben wohl auch die Nachzieheffekte des Lichts zu ihrer Malerei inspiriert.
  • 13. 24 25 Das Spannungsfeld zwischen Chaos und Ordnung, zwischen Mikro- und Mak- rokosmos, lotet auch STEPHAN SCHWARZMANN aus. Er tut dies anhand einer comicartigen Emblematik, die eine malerische Behauptung aufstellt und diese im nächsten Moment frech Lügen straft. Schwebende rote Blüten erzeugen ein kos- misches Raumgitter, überhaupt sind die Dinge nicht das, was sie zu sein vorge- ben. Die dreiste Peinture wird zum Zerrspiegel einer schnelllebigen Konsumwelt, in der nichts beständiger ist als die Beliebigkeit. Egal ob mit traditionellen Leinwandgemälden oder mit Schachtelhäuschen aus bemalter Wellpappe, stets richtet RALPH ZOLLER sein Augenmerk auf die Stadt- randansichten. Hintergründig subversiv und mit spielerischer Hingabe zugleich erfüllt er Schrebergärtnerträume und beleuchtet Campingwagenidyllen. Und ganz nebenbei durchbricht er mit seinen naturalistisch bemalten Wandobjekten die Grenzen zwischen Malerei und Bildhauerei und überwindet Distanzen zwi- schen High & Low. Gegen den Mythos des vor allem in Deutschland romantisch verklärten Waldes malt GERLINDE PISTNER schon seit vielen Jahren an. Tat sie es früher mittels einer farbintensiven, expressiven Palette, dann in der ausgestellten Serie ihrer Wintermelancholien durch eine Malerei, die nicht nur koloristisch einen Null- punkt anstrebt, sondern auch in der Pinselfaktur auf eine Vermeidung von Vir- tuosität bedacht ist. Ein Fazit der Malereiausstellung von jetztkunst zu ziehen, fällt schwer. Immer- hin geben die beschriebenen Positionen einen Ausschnitt aus der derzeit herr- schenden breiten Palette malerischer Möglichkeiten wieder. Penibel geschilderte surreale Traumwelten haben momentan einen ebenso schwierigen Stand wie die “reine” geometrische Abstraktion, die von den Jüngeren als langweilig empfun- den wird. Die Anziehungskraft von Figuration und “Ausdruckskunst” ist dagegen ungebro- chen; man merkt das dringende Bedürfnis der Maler, sich spontan über die Prob- leme der vorgefundenen Wirklichkeit mitzuteilen. Medienreflexion ist auf jeden Fall ein Thema. Sie ist - auch wenn sie unterschwellig mitschwingt - unter dem Vorzeichen der Zeitkritik zu lesen und ersetzt die obso- lete “art pour l’art“. Vorbei die Zeiten (vorerst jedenfalls), in denen sich die Gesellschaft den Luxus tiefenpsychologischer oder formimmanenter Spekulation leisten konnte.
  • 14. Isaak1, 2009, Acryl auf Leinwand, 185 x 130 cm Isaak2, 2009, Acryl auf Leinwand, 90 x 90 cm 26 27 Sascha Banck l Malerei 1980 geboren in Nürnberg 2000 Abitur in Erlangen 2001-2002 Rundreise über Rumänien nach Marokko neunmonatiges Praktikum bei Künstlern der „arts unique gallery“, Marahau, Neuseeland 2002-2008 Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg Preise 2003 Dannerpreis für den Kurzfilm „It´s all in your head“ 2008 Kulturförderpreis der Stadt Fürth Ausstellungen (Auswahl) 2001 Ausstellungen in Neuseeland, u.a. Cafine, Nelson, Belram Gallery, Dunedin 2003 Gemeinschaftsausstellungen, Kunstverein Erlangen und Museeumswinkel Erlangen 2007 „Begegnungen“, mit D. Berger, „Galerie im Treppenhaus“, Erlangen „Psychedelische Halluzinationen“, Parkgalerie Erlangen „Human Plaster“, Gemeinschaftsausstellung in Weißenohe „Hören was es zu sehen gibt“, mit D. Berger, JC Bamberg „come inside“, mit D.Berger, Galerie „Szinhely“, Budapest, Ungarn 2008 „music of an exhibition“, b³- Bilderkonzert (Banck, Berger und Bauer) „heavy metal“, Ausstellung mit D. Berger in der Galerie „Artelier“, Nürnberg UV-B, Galerie SEHN-SUCHT, Nürnberg „Undercover“ Gemeinschaftsausstellung in Weißenohe Benefiz Malaktion, Kunstlabor Fumoso, Ateliertage 2009 Galerie SEHN-SUCHT Kontakt www.liminas.de
  • 15. POLKA, 2008, Öl auf Baumwolle ,186 x 180 cm, 28 29 1968 geboren, Nathanstift 1994-2001 Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg 2003-2004 Aufbaustudium - Malerei an der Staatl. Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart 2000 Ernennung zum Meisterschüler 2001 Weldekunstpeis 2004-2008 Lehrauftrag für Aktzeichnen - Abendakt an der Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg Zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen und Ausstellungen in In- und Ausland Öffentliche Ankäufe Institut für Gehörlose, Nürnberg, 1998 Sammlung des Bezirk Mittelfranken, Ansbach, 2001 Artothek, Nürnberg, 2007 Kunstmuseum Erlangen, 2008, 2009 Kontakt www.rubinhirschbeck.blogspot.com Rubin Hirschbeck | Malerei
  • 16. 30 31 Teich, 2009, Öl auf Leinwand, 100 x 120 cm Linda, 2009, Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm Biographie geboren 1978 in Aktjubinsk / Kasachstan 1990 Emigration nach Deutschland seit 2005 Studium der Kunsterziehung und Freien Malerei an der AdBK, Nürnberg bei Prof. Ralph Fleck Gruppenausstellungen „Art at Work 2”, Smurfit Kappa, Feucht, 2007 Klassenausstellung, Kunstverein Schwabach, 2008 Akademie Galerie, Klasse Bury + Klasse Fleck, 2008 Gemeinschaftsausstellung des Cusanuswerks im Morat Institut, Freiburg, 2009 „Plus Sieben Minus Drei“, Akademie Galerie Nürnberg, 2009 Kontakt eleonora100@googlemail.com Eleonora Kirchgessner | Malerei Am See, 2009, Öl auf Leinwand, 200 x 270 cm
  • 17. 32 33 1959 geboren in Herzebrock 1981–1987 Studium der Malerei, FH-Design, Bielefeld bei Prof. Inge Höher 1994–1995 Studienaufenthalt in Rom Mitglied im Bund Offenbacher Künstler, BOK Mitglied in der Malergruppe: K2, united Painters Mtglied im KUNST RAUM MATO Seit 1996 lebt und arbeitet in Offenbach/Main und Frankfurt/Main 2004 „Offenbacher Löwe 2004“, 1. Kunstförderpreis Einzelausstellungen (Auswahl) 2007 Galerie ART BOX, Frankfurt/Main Galerie Gallus Theater, Frankfurt/Main 2008 Galerie KUNST RAUM MATO, Offenbach/Main Galerie 84 GHz, München 2009 Regionalgalerie Südhessen, Darmstadt (Katalog) Gruppenausstellungen (Auswahl) 2007 „Das Tier in der Kunst“, Galerie Bastian, Bielefeld „Kunst im Kareé“, München „Art-Prozess“, Trapani, Sizilien „OF-KUNST-2007“, Offenbach/Main Wasserzeichen“, Shedhalle Tübingen 2008 „Migrare“, Galerie Artlantis, Bad Homburg „Tra Parentesi“ Pallazzo Ducale, Lucca 2009„LICHT 2“, Galerie Kloster Bronnbach, Wertheim „Höhenkoller“, Galerie Zeitzone, Berlin Kontakt www.johannes-kriesche.de Johannes Kriesche | Malerei Kauf, Kauf, 2009, Acryl auf Leinwand, 170 x 240 cm
  • 18. 34 35 1971 geboren in Erlangen 1991-1997 Studium Kommunikationsdesign FH Nürnberg, Diplom 2003-2009 Studium Freie Malerei und Bildende Kunst, AdBK, Nürnberg 2007 Ernennung zur Meisterschülerin 2007-2008 Studium Malerei, Akademia Sztuk Pieknych, Krakau, Polen Ausstellungen (Auswahl) 2007 „Blickfelder Shenzhen“, Zumikon Nürnberg (Katalog) 2007 Anonyme Zeichner 7, Berlin 2008 Kunsträume Bayern, Neue Galerie KV Erlangen (Katalog) 2008 Augenblick 2.0_Mirroring China, UdK Berlin (Katalog) Auszeichnungen und Stipendien (Auswahl) 2005 Materialpreis der Klasse Sayler, AdBK Nürnberg 2006 Smurfit-Kappa-Kunstpreis 2007 DAAD-OP-Reisestipendium Krakau 2008 Kulturförderung der Stadt Erlangen 2009 Förderpreis Kunst der Raiffeisen-Volksbank Erlangen Kontakt www.birgitnadrau.de Birgit Nadrau | Malerei Eva, Linda, 2009, Öl und Blattaluminium auf Leinwand, 80 x 100 cm Soomi, 2009, Öl und Blattaluminium auf Leinwand, 80 x 100 cm
  • 19. Winterbild 2, 3 und 4 aus der Serie Wintermelancholie, 2006, Öl auf Leinwand, 70 x 50 cm 36 37 1982 AdBK, Nürnberg, Klasse Prof. Pfahler, Meisterschülerin 1989 Förderpreis des Förderkreises Bildende Kunst in Nürnberg e.V. 1993 Gründung der Gruppe TSCHAK mit Anna Bien, Uschi Neuwert und Max Margot Protze 1995 Ateliersommer in Leipzig, BUGA 1996 Kunstpreis für Malerei, Nürnberger Nachrichten 1999-2008 Internationale Kunstkolonien und Workshops in USA, Mazedonien, Bulgarien, Frankreich u. Brasilien 2003/2005 Gründung / Leitung Internationale Künstlerkolonie Schloss Almoshof, Nürnberg, mit Gabriele Wahl Ausstellungen 1986–2008 (Auswahl) Marseille (Frankreich), Breda (Niederlande), London (Großbritannien), Bonn, Tübingen, Krakau (Polen), München Frankfurt/M., Leipzig, Amberg, Pommersfelden, Offenbach, Warschau und Krakau (Polen), Kriwa Palanka, Ohrid und Skopje (Mazedonien), Kysten- dil, Banzko, Pleo und Sofia (Bulgarien), Nürnberg, Amberg, Köln, Hamburg, Guayaquil (Ecuador), Bamberg, Erlangen, Aalen, Regensburg, Mainz, Dresden, Düren, Forchheim Fürth, Ravenna (Italien), Marienbad (Tschechien), Wilmington, Fairhope, Fayetteville, Bald Head Island, Ahoskie, Graham, Greensboro, Winston-Salem (USA), Nizza und Uzes (Frankreich), Sao Paulo, Jaboticabal, Fortalesa (Brasilien), Charkow, Ukraine Kontakt gerlinde_pistner@hotmail.com Gerlinde Pistner | Malerei
  • 20. Frösche brauchen keine Prinzessinen, 2009, Mischtechnik auf Leinwand, 100 x 50 cm 38 39 Ausstellungen (Auswahl) 2003 Mato goes Japan, Galerie KUNST-RAUM-MATO, Offenbach/M. 2004 off course, Klingspor Museum, Offenbach/M. Über-Lebens-Mittel, Galerie KUNST-RAUM-MATO, Offenbach/M. (E) dogsworld, KIK, Frankfurt/M. (E) 2005 Art meets Classic, Burg Kronberg, Kronberg Taunus Köstlich serviert, Kantine am Wingertsberg, Bad Homburg (E) 2006 Tierisch kulinarisch, Physion, Lich/Hessen (E) 20 Jahre Artothek Frankfurt, AusstellungsHalle, Frankfurt/M. Die Kunst der Erlösung, Phillipp Mainländer, Stadtmuseum, Offenbach Doppel de – Junge Kunst in Dresden, Dresden 2007 Dreams of Freedom, Studio Mezmor, New York, USA Artium Art Gallery, Luxemburg (E) Herbstsalon, Kunstverein Artlantis, Bad Homburg Denk ich an Deutschland, Galerie KUNST-RAUM-MATO, Offenbach/M. MIGRARE-Wandern, Stadtmuseum, Offenbach/M. 2008 In Verhandlung, 2plus, bok – Bund Offenbacher Künstler, Offenbach/M. Summer of Love, Galerie Planet Vivid, Frankfurt/M. 2009 MATO liebt, Mato-Fabrik Offenbach/M. Kontakt angelika.prinz@t-online.de Angelika Prinz | Malerei Immer zu Späßen aufgelegt, 2009, Mischtechnik auf Leinwand, 100 x 48 cm
  • 21. 40 41 mingo II, 2009, Acryl auf Baumwolle, 70 x 100 cm geboren 1976 in Nürnberg 2001–2007 Studium der Malerei, Grafik und Objektkunst bei Prof. Rolf G. Dienst, AdbK Nürnberg 2004–2005 Studienaufenthalt an der Accademia di Belle Arti di Palermo, Italien Ausstellungen 2005 „Salva con nome“, Palermo 2006–2008 „Gastspiel“, Fürth 2007 „Kunstkiosk“, Kunsthalle Grüner Markt, Fürth 2008 „Komm schau Kunst“, Kunstgalerie, Fürth 2009 „Kunst im Bahnhofsviertel“, Hof Kontakt www.stephan-schwarzmann.com Stephan Schwarzmann | Malerei mingo III, 2009, Acryl auf Baumwolle, 70 x 100 cm
  • 22. 42 43 1965 geboren in Erlangen 1985-1988 Hochschule für Gestaltung, Offenbach 1989 Gaststudium AdBK Rotterdam 1991–1993 AdBK Rotterdam, bei Jaap van den Enden (Malerei) und Cees Spermon (Freie Zeichnung) 1993 Abschluss: Bachelor of Art in Malerei und Freie Zeichnung 1994 Wiederaufnahme des Studiums an der Hochschule für Gestaltung, Offenbach, 1996 Abschluss: Diplom seit 1996 selbstständig als freischaffender Künstler Mitglied im Kunst-Raum-Mato und Bund Offenbacher Künstler Gruppenausstellungen (Auswahl) 2007 Kunst Raum Mato, „Lustobjekte“, eine Matinée 2008 Kulturbahnhof, „Deutschland“, Darmstadt 2009 Galerie Voigt, Nürnberg Einzelausstellungen (Auswahl) 2007 Deutsches Ledermuseum, Offenbach 2008 Kunstverein Erlangen 2009 Museum für Stadtgeschichte, Offenbach Projekte / Kunst am Bau (Auswahl) 2006 Geometrisches Alphabet (9 x 3 m), Erich Kästner Schule, Offenbach 2009 „Skyline“, City-Panorama für Firmen-Lobby, Frankfurt Kontakt ralph.zoller@gmx.de Bauwagen-Idylle, 2009, Acryl, Pappe und Holz, 100 x 150 cm Ralph Zoller | Malerei fünf Hütten, 2008-2009, Acryl und Pappe, verschiedene Größen
  • 23. 45 AUF AEG Anna Bittersohl / Stephan Haimerl Eva-Maria Mandok / Romina Schenone Shóhé Alexander Seiler / Tobias Stutz / Fred Ziegler
  • 24. 46 47 Wie ein gestrandeter Supertanker liegt er da: der Bau 74 auf dem ehemaligen Werksgelände der AEG in Nürnberg. Von dem Gebäudekomplex geht eine nur schwer zu beschreibende Stimmung aus. Es beschleicht einen das mulmige Gefühl, das Relikt einer vergangenen, einst besseren Epoche zu betreten. Erst innen im Gebäude spürt man allmählich etwas von der Aufbruchstimmung einer brodelnden Kreativfabrik, die neuen, hoffnungsvollen Ufern zusteuert. Auf un- bestimmte Zeit haben ganz unterschiedliche Künstlerinnen und Künstler Raum bezogen. In den lichten und großzügigen Ateliers finden sie ideale Arbeitsbe- dingungen vor. Wer den Kontakt sucht, kann sich mit anderen austauschen, zugleich bieten die riesigen Dimensionen genügend Rückzugsmöglichkeiten. Für die Ausstellung “Auf AEG” mussten die Werke der jetzt-Künstler nicht weit transportiert werden, galt es doch innerhalb des ausgedehnten Werksgeländes nur etwa 500 Meter bis zur Zentrifugenhalle schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite zu überwinden. Wie wirken sich die ganz eigenen Arbeitsbedin- gungen auf AEG in Bezug auf das Schaffen der Schicksalsgemeinschaft auf Zeit aus? Lassen die gezeigten Gemälde und Objekte etwas von der zwiespältigen Atmosphäre erkennen, transportieren sie einen verwehten Mythos oder handelt es sich nur um einen losen Verbund zufällig Wand an Wand Arbeitender? Dem Thema der Reise auf einer metaphorischen Ebene widmet sich SHÓHÉ ALEXANDER SEILER, dessen wuchtig-massive und zugleich äußerst fragile Gipsschiffe den Eintretenden empfangen. Zwei monumentale Vehikel, ein Kriegs- schiff und eine Zeremonialbarke, sind in der Zentrifuge vor Anker gegangen. Jedes ist eine wüste Arche Noah mannigfaltigster Spolien, beide scheinen sie müde und reparaturbedürftig. Es sind Symbole von Macht und Ohnmacht einer ebenso streitbaren wie verletzlichen “abendländischen” Kultur. Die hatte immer schon Patchworkcharakter und wird sich wohl auch weiterhin die Frage stellen, was denn Original ist und was nicht. Thematisch schließen an diesem Punkt die Arbeiten von ROMINA SCHENONE an. Flüchtig betrachtet, sind hier Badende gemalt, das Urthema der angeblich “kunstautonomen” Klassischen Moderne, doch zeigt Schenone die vom alten WOHER, WER UND WOHIN? Gruppenfoto abgemalten eigenen Vorfahren, die im Zweiten Weltkrieg vor dem Naziregime aus Deutschland nach Argentinien fliehen mussten. Die von Meeres- wogen umspülten, dicht an dicht gedrängten Familienmitglieder sind “Inmigran- tes de vacaciones”. Ihre Gefühle sind hin und her gerissen zwischen Nachdenken über den Verlust von Heimat bzw. Verwandten und der unfreiwillig eingetrete- nen, eigentlich unpassenden Urlaubsstimmung. Wiederum im Dreidimensionalen, baut EVA-MARIA MANDOK auf die Kontras- tierung von Gegensatzpaaren wie hart - weich, schwarz - weiß oder schwer - leicht. In ihren poetischen und narrativen Installationen akkumuliert die gelernte Raumausstatterin gleichartige Objekte, um einfach verständliche Botschaften zu vermitteln. „Harte Ziele, weiche Waffen“ besteht aus zwei Haufen am Boden: In hellem Beton gegossene Teddybären liegen da neben ausgepolsterten Kurzstre- ckenraketen aus schwarzem Textil. Von geradezu sakraler Wirkung sind die hyperrealistisch gemalten Unterwas- seraufnahmen von ANNA BITTERSOHL. Über den in der blauen Tiefe schim- mernden Flugzeugwracks liegt meditative Ewigkeitsstimmung. Bittersohl ist dem Urgrund romantischen Denkens auf der Spur, denn ihre auf den Meeresboden gesunkenen Fluggeräte haben etwas von Rochen, Haien oder Tiefseefischen. Still und unnahbar, verweisen sie auf das Scheitern des menschlichen Traumes und den Sieg der unendlichen Natur über eine endliche Zivilisation. TOBIAS STUTZ interessiert sich immer weniger für die Darstellung des Men- schen und findet seine Motive zunehmend in der Architektur. Mit malerischer Raffinesse und Nonchalance geht er der spannenden Frage nach, wie viel Abstraktion ein realistisches Bild zulässt. Es gibt Symmetrie und Dekonstruktion, Räumlichkeit und Flächenreduktion, wenn Stutz in einem wirklichkeitsgetreu gemalten Fassadenausschnitt eines an und für sich langweiligen Balkonhoch- hauses das alte Figur-Grund-Problem des synthetischen Kubismus neu durch- spielt.
  • 25. 48 49 Haben mehrere Malergenerationen des 20. Jahrhunderts auf jeweils eine ganz bestimmte Art den Ausstieg aus dem Illusionismus postuliert, wird in den gemalten Collagen von STEPHAN HAIMERL unbekümmert über Medien und Mittel reflektiert. Der Maler kombiniert Versatzstücke aus der trivialen Gegen- wartskultur und solche aus der längst museal gewordenen Pop-Art. Ob figurative Fragmente aus Mangas oder ungegenständliche Kürzel aus Klassischer Moderne und Informel, alle fließen sie ein in einen vielschichtigen Bildraum, der trotzig den aktiven Widerstand gegen alles Einheitliche, ästhetisch Konventionalisierte probt. Sicherlich am wenigsten berührt von den Arbeitsbedingungen auf AEG ist FRED ZIEGLER. Er gehört einer etwas älteren Generation an und hat sein Thema gefunden, lange bevor ein Atelierumzug in die Muggenhofer Straße anstand. Bei ihm war halt schon immer alles gelb. So auch hier, wo Zieglers sphärisch-kon- krete Kompositionen geradezu eine Gegenposition zu den in irgend einer Weise an der Realität rückversicherten Arbeiten der übrigen Ausstellungsteilnehmer beziehen. Aber verkörpert das Mandala nicht archetypisch die Entbindung von der materiellen Welt? Und so gibt es vielleicht - gerade wegen der offen zu Tage tretenden Verweise auf die Romantik - ein gemeinsames Moment. Es werden die alten Grundsatz- überlegungen formuliert, die schon den Symbolisten Gauguin bewegten: “Woher kommen wir - Wer sind wir - Wohin gehen wir?”
  • 26. o.T., 2009, Öl auf Leinwand, 130 x 170 cm 50 51 3 x o.T., 2008-2009, Öl auf Leinwand, 24 x 18 cm geboren 1982 in Dachau 2003-2009 Studium der Freien Malerei, Klasse Ralph Fleck, AdBK Nürnberg 2008 Meisterschülerin bei Ralph Fleck Ausgewählte Ausstellungen und Preise 2007 Ausstellung „Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten“ „Fünfzehn aus Fünf“ - Galerie ABTArt, Stuttgart 2008 „Von A nach B“ - Galerie Constantin b., Regensburg „ART Amsterdam“ - mit der Galerie Josine Bokhoven 2009 „Ralph Fleck en zijn studenten“ - Galerie Josine Bokhoven, Amsterdam Sonderpreis 2009 der „Galerie mit der blauen Tür“ Katalog „Anna Bittersohl“, gefördert durch Karin Abt-Straubinger Stiftung und LfA Landesförderbank Bayern Kontakt www.bittersohl.net Anna Bittersohl l Auf AEG
  • 27. Werte-Wissen-Wirklichkeit, 2009, Acryl und Lack auf Leinwand, 126,5 x 154 cm 52 53 1974 geboren in München 1994 Abschluss der Berufsausildung zum Schreiner 2002 Studienbeginn an der AdBK in Nürnberg 2007 Klassenpreis zur Jahresausstellung an der AdBK in Nürnberg 2008 Ernennung zum Meisterschüler bei Prof. Th. Hartmann Stipendium an der int. Sommerakademie für Bildende Kunst, Salzburg Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen 2007 fünfzehn aus fünf, Galerie ABTart, Stuttgart gelacht wird im wald, Akademiegalerie, Nürnberg “everybody goes...“, imkorridor, Fürth regressed information, Galerie in der Kernstrasse, Nürnberg 2008 “duallokalismisch” Gleis0, Kunsträume Bayern, Fürth der Blick nach außen, Museum der Stadt Ratingen, Ratingen pavillon fünfzehn, Galerie in Pankow, Berlin unterdruck, Akademiegalerie, Nürnberg 2009 “haimweg”, Ausstellungshalle der AdBK in Nürnberg Kontakt www.stephan-haimerl.de Stephan Haimerl l Auf AEG fuck-ups, 2008, Acryl und Lack auf Leinwand, 5 teilig, 31,5 x 29,5 cm
  • 28. 54 55 1975 geboren in Nürnberg 1991-1997 Raumausstatterin 1997-1998 Werkbund Werkstatt Nürnberg 1998-1999 Soziales Jahr in Saao Paulo, Brasilien 2002-2008 Studium der Bildhauerei an der AdBK Nürnberg 2007-2008 Zwei Auslandsstipendien, Krakau seit 2008 Freie Künstlerin Ausgewählte Einzelausstellungen 2009 „Mobile-Kriegsführung“, Die Vitrine, Nürnberg Ausgewählte Gruppenausstellungen 2004 AdBK, Nürnberg, Ausstellung mit Studenten und Ehemaligen der Klasse Prof. Höpfner 2005 Bildhauerklasse B. Stöcker, Schloss Almoshof, Nürnberg „Beton Kunst“ Camera-Werke-Braun, Nürnberg 2006 „Mächtige Verlierer - Machtlose Gewinner“, KunstRaum Weißenohe 2007 „ORTUNG 5“, Schwabacher Kunsttage 2008 „3. Kronacher SANDSTEINTRIENNALE“, Kronacher Kunstverein e.V. “In aller Heimlichkeit (Undercover)“, Kunstraum Weißenohe Kontakt eva.mandok@gmx.de Eva-Maria Mandok l Auf AEG Harte Ziele, weiche Waffen, 2006, Beton, Textil mit Schaumstoff
  • 29. x aca, x alla, 2008, Öl auf Leinwand, 100 x 170 cm 56 57 1977 geboren in Buenos Aires, Argentinien 1996-1999 Staatliche Kunstakademie ‘Manuel Belgrano’, Buenos Aires 2000 Gründung der Gruppe ‘Pulpo”, mit Fernando Fernandez Nuñez, bestehend aus fünf Künstlern mit Spezialisierung auf Wandmalerei 2000-2001 Besuch der Kunsthochschule „Ernesto de la Carcova“, Schwerpunkt Siebdruck, bei Professorin Andrea Moccio 2002 bühnenbildnerische Tätigkeit am Theater ‘IFT’ der Stadt Buenos Aires seit 2005 Gaststudium an der AdBK, Nürnberg seit 2008 freischaffende Künstlerin Einzel- und Gruppenausstellungen 2000-2002 Künstlerische Stadtgestaltung, Restaurierungs- und Transformationsarbeiten an Fassaden, Avellaneda, Gruppe „Pulpo” 2006 „Aus-Druck wird Bild“, Foyer der Stadtwerke Erlangen „Flecken in Bewegung“ - mit Elsa Pierry-Grammare, Gesellschaft zur Förderung von Kunst und Kultur in Europa e. V., Nürnberg 2007 „Carnosas – Sukkulenten“, Weinerei, Nürnberg (E) „Aufstehen“ (Installation) mit Christophe Jardin, Hugenottenplatz, Erlangen 2008 Städtische Galerie Museumswinkel, Erlangen Kontakt www.rominaschenone.com Romina Schenone l Auf AEG Inmigrantes de vacaciones, 2009, Öl auf Leinwand, 150 x 200 cm
  • 30. Oligarchenbarke, Archiskulptur, 2008-2009, Gips, Länge ca. 5 m Mutterschiff, Archiskulptur, 2008-2009, Gips, Länge ca. 5 m 58 59 1987-1995 Studium an der AdBK, Nürnberg, Klasse Prof. Hans Peter Reuter Studium der freien Malerei, Graphik, Kunsterziehung, daneben Studium der Kunstgeschichte an, Friedrich-Alexander- Universität Erlangen-Nürnberg. Ausgewählte Einzelausstellungen 2006 Kreisgalerie Nürnberg 2009 Galerie Michael Schultz, Berlin Galerie Spinnerei Archiv Massiv, Leipzig Kontakt www.archiskulpturen.de Ausgewählte Gruppenausstellungen 2002 Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten, Palais Stutterheim, Erlangen 2005 „Aquarium“, mit Christoph Haupt, Galerie im Bürgerhaus Schwabach, (Malerei) „Ortung IV“, Schwabach 2006 BBK-Debütantenausstellung, Künstlerhaus Nürnberg 2007 Große Kunstausstellung München (Katalog) 2007 „Nashorn“, Galerie Nürnberger, Nürnberg 1987 Ankauf durch die Kunststiftung VW Wolfsburg. 1988 Erster Preis beim Wettbewerb der Computerzeichnung, „4. Biennale der Zeichnung“, Kunsthalle Nürnberg Oligarchenbarke (Detail) Shóhé Alexander Seiler | Auf AEG
  • 31. o.T., 2009, Öl auf Leinwand, 100 x 120 cm 60 61 1983 geboren in Filderstadt 1986-1989 in Schottland (Stirling) lebend 2003 Abitur 2003-2004 ADA in Nord-Irland (Belfast) 2004-2005 Praktikum - Bühnenbildnerei, Markgrafentheaters, Erlangen 2005 Studium, freie Malerei an der AdBK Nürberg, bei Prof. Fleck 2007 Oskar-Karl-Forster-Stipendium Ausstellungen (Auswahl) 2007 K2h Kunstkaufhaus, Schenker Turm, Regensburg 2008 Unter Druck, Akademie Galerie Nürnberg Kontakt tobias.stutz@gmail.com o.T., 2009, Öl auf Leinwand, 100 x 120 cm Tobias Stutz l Auf AEG
  • 32. Ziele für den langsamen Pfeil, 1996-2006, Siebdruck, je 80 x 80 cm 62 63 1972-77 Fachhochschule Nürnberg, Fachbereich Grafik-Design 1977-1984 Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, bei Prof. Weil und Prof. Colditz, Meisterschüler 1981 Stipendiat des Deutsch-Französischen Jugendwerks an der École nationale d’artdécoratif, Nice, France 1986 Debütantenpreis des Bayer. Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst 1988 Civitella d’Agliano-Stipendium, Kulturförderpreis der Stadt Nürnberg 1988-89 Cité Internationale des Arts, Paris; Stipendium des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst 1992: Virginia Center for the Creative Arts, USA; Stipendium des Oberpfälzer Künstlerhauses 1993 Côte d’Azur-Stipendium der Deutsch-Französischen Gesellschaft, Passau 1995 Tel Aviv Artists’ Studios 1997 International Art Workshop, Goethe - Institut, Colombo Sri Lanka 1999 Inszenierung der Ausstellung `Points et Entrelacs´ für dasProjekt Präsentations ästhetik für das Goethe Institut Casablanca in Marrakesch, Marokko 2000 Villa Vigoni Kolleg , Lago di Como 2001 Bühnenbild für das Ballett Nürnberg, “Geflügeltes Gelb” 2004 Shenzhen Art Institute, China 2006 Artist in Residence, Kanazawa Art College, Japan 2007 Art Karlsruhe, One man Show, Galerie Tanner Stuttgart; Artist in Residence, Tyrone Guthrie Centre, Irland; Artist in Residence, XLIV International Fine Arts Colony Strumica, Mazedonien 2008 Lecture, Kanazawa Art College, Japan Seit 1995 Mitglied des Beirats Bildender Kunst der Stadt Nürnberg Seit 1997 Lehrauftrag an der Fachhochschule Nürnberg, FB Kommunikationsdesign Kontakt www.fredziegler.de Fred Ziegler | Auf AEG
  • 33. 65 Georg Baier / Sybille Dömel / Cornelia Effner / Katja Fischer Korbinian Huber / Meike Lohmann / Volker Schildmann Alexander Schräpler / Anders Theorell / Tessa Wolkersdorfer LACHEN IN DER KRISE
  • 34. DIE GEBURT DES LACHENS AUS DEM GEIST DER KRISE 66 67 Warum wir eigentlich lachen, wissen wir noch immer nicht genau. Die Verhaltensforschung geht davon aus, dass es sich um eine Geste der Aggres- sion handelt. Unsere nächsten Verwandten, die Bonobos und Schimpansen, of- fenbaren ein lautes “Lachen” und fletschen die Zähne, wenn die Horde auf eine unvermittelt auftretende Gefahr reagiert. Immerhin scheint sich die Forschung darauf verständigt zu haben, dass wir dann lachen, wenn unser Hirn mit nicht zusammen passenden, plötzlichen Eindrücken überfordert ist. Das menschliche Gehirn ist nämlich auf die Wahrnehmung einfacher Struktu- ren trainiert. Es arbeitet nach den Gesetzen möglichst simpel zu erschließender Zusammenhänge. Versagt das wohltuende Prinzip Wiedererkennung, weil wir mit etwas völlig Neuartigem, Unvorhergesehenem konfrontiert sind, schrillen die Alarmglocken. Um mit dieser bedrohlichen Situation zurecht zu kommen, kön- nen wir uns nicht mit langem Grübeln aufhalten (der Säbelzahntiger hätte uns sonst längst in Stücke zerrissen). Lieber erst einmal selbst Zähne zeigen und … Wenn wir lachen, werden wir vom Zwerchfell ausgehend von Kopf bis Fuß durchgerüttelt. Der Körper kommt dem ratlosen Gehirn zu Hilfe, schüttelt gewis- sermaßen all die nicht miteinander vereinbaren Gedanken hinaus, um wieder ei- nen Neuansatz zu ermöglichen. Das Lachen hat, evolutionsbiologisch betrachtet, überlebenswichtige Funktion. Es ist eine Art nötige Verlegenheitsgeste, oder, wie die Biologen sagen würden: eine Übersprungshandlung. Weil man im Moment nichts Gescheites weiß, tut man halt etwas Dummes, Albernes. Man schlägt sich auf die Schenkel, gibt urwüchsige, unkontrollierte Laute von sich und verzieht das Gesicht zu einer schrecklichen Grimasse. Danach ist entweder der Groschen gefallen, man hat etwas gelernt, oder eben nicht. Auf jeden Fall kann man rasch zu einem anderen Thema übergehen. Betrachtet man das scheußliche, maskenhaft grinsende Gorgonenhaupt, das über dem Eingang der archaischen griechischen Tempel angebracht war, wird vieles über die ursprüngliche Funktion des Lachens klar. Transponiert auf eine “höhere“ kulturgeschichtliche Ebene, hat das Lachen eine apotropäische, d.h. Übel abwehrende Funktion. Es bannt den Ansturm böser Mächte, die ge- fährden, was heilig ist. Das Lachen verdankt seine Entstehung also einer Krise. Ob das Lachen selbst in der Krise steckt, ist fraglich. In der Krise sind allenfalls 1000 Künstler, die in ei- ner Stadt bzw. einer Metropolregion ausharren, in der ganze drei Jäger und Sammler ihr Unwesen treiben. Und so werden sie eher selten aufgeschreckt, um sich zu jener spontan auftretenden, lauthals sich äußernden und am liebs- ten kollektiv gepflegten Affekthandlung hinreißen zu lassen. - Haben die Künst- ler in Franken wirklich nichts zu lachen oder müssen sie die “Krise“ vielmehr als Chance empfinden? Bitterböse, wenn nicht schon sarkastisch, sind die Arbeiten von GEORG BAI- ER gleich zu Beginn des Ausstellungsparcours. “Sich einfach mal hängen lassen” steht auf der expressiv schematisierten Darstellung eines Gehängten geschrieben. Solchen Galgenhumor entfaltet Baier an einer dicht mit skurrilen Objekten und meist kleinformatigen Bildern bestückten Wand. Launige Einfälle wie die drei rosa Wölkchen mit dem Titel “Vision eines Optimisten” sind ebenso zu entde- cken wie eine blutrot verschmierte Sägescheibe mit der Aufschrift “Pech”. Eigentlich nicht lustig ist die Welt von MEIKE LOHMANN. Sie entnimmt ihre Motive alten Magazinen und kombiniert sie in merkwürdig nostalgisch anmu- tenden Gemälden. Windhunde - für die Künstlerin stehen sie für schnell ver- streichende Zeit - besiedeln eine öde Landschaft, die man von amerikanischen Gemälden und Filmen der Vierziger- und Fünfzigerjahre zu kennen meint. Amüsant ist bei Lohmann nur ein einziges Bild: ein Mann ist da Opfer mehrerer Klappstühle geworden. Spinnenbeinen gleich türmen sie sich über dem am Bo- den Liegenden. Die banale Assoziation an eine Maus in der Klappfalle stellt sich ein und alles tiefere Sinnieren über die tragische Unabwendbarkeit des Schick- sals bekommt flugs eine heitere Note. Mit dem Mittel der Übertreibung, von dem nicht selten der Witz seine Kraft be- zieht, operiert VOLKER SCHILDMANN. Die weibliche Aktfigur, das Thema
  • 35. 68 69 abendländischer Skulptur schlechthin, erfährt bei diesem hyperrealistisch mo- dellierenden Post-Pop-Artisten eine ironische Brechung, bei der zugleich die Femme fatale, jene Urform des modernen Vamps, ihr Fett abbekommt. Mit gleich mehreren seit dem Barock erprobten Mitteln schert Schildmann aus dem klassi- schen Kanon aus: er lässt seine naturalistisch polychromierten Kunststofffrau- en grimassieren und versetzt sie in gymnastische Posen, die - ebenso wie die un- schicklich hervorgehobenen primären Geschlechtsmerkmale - auf ein Vermeiden jenes mittleren Maßes abzielen, das J. J. Winckelmann & Co einst als verbindli- che Norm setzten. Das Auspendeln aus dem akademischen Kanon ist auch das große Thema des anderen Bildhauers dieser Ausstellung. KORBINIAN HUBER nimmt es geradezu wörtlich, denn alle seine Figuren befinden sich in einem labilen, das statuarische Prinzip konterk arierenden Zustand. Pyknische Männer tapsen vorwärts, geraten aus der Balance und Hunde springen aus oder in Kisten. Das transitorische Mo- ment jenseits des klassischen Kontrapostes reizt den Holzbildhauer. Er will jenen traumwandlerischen Schwebezustand einfangen, in dem sich Mensch und Tier so trefflich ähneln. Wahrscheinlich aus diesem Grund trifft man immer wieder auf Tierdarstellungen unter den Figuralisten dieser Ausstellung. So auch bei TESSA WOLKERSDORFER, deren Tuschemalerei auf ungrundierter Leinwand eine schwüle, tropische Atmo- sphäre ausdampft; egal, ob sie Schafe zeigt oder eine eigentümlich aufreizende Frauengestalt in einem weißen Kleid mit roten Strümpfen, die vor einem Haufen mit Bananenstrünken sitzt. An exotischen oder besser kolonialen Aspekten der Weiblichkeit interessiert zeigt sich auch SYBILLE DÖMEL. Ihre Bildideen findet Dömel oft auf Reisen, etwa in Rom, wo sie von einem Frauengesicht fasziniert war, dessen innig verträumter Blick an die androgynen Jünglinge eines Caravaggio erinnert. Meist sind Frauen die Trä- ger ihrer eigenen, hermetischen Ikonographie. So auch in dem wiederkehrenden, an das Phänomen des Rattenkönigs gemahnenden Motiv, bei dem die langen, fadenför- migen Haare der Protagonistinnen untrennbar miteinander verwoben sind. Bildergeschichten, die sich erst aus dem Arrangement einzeln erschauter Sze- nen heraus ergeben, kommen auch bei CORNELIA EFFNER vor. Sie ist eine scharfe Beobachterin banaler Situationen, in denen sich die Menschen wichti- ger nehmen, als sie sind. Als ob diese Chronistin kitschiger Schnödigkeit ihren Kommentar dazu mitliefern will, lässt sie die Aquarellfarbe wässrig verfließen, verleiht ihren Wesen dadurch etwas Unbeständiges und rettet sie gnädig vor dem Absturz ins völlig Lächerliche. Weniger mit den Mitteln der Karikatur und dennoch ähnlich hintergründig ar- beitet KATJA FISCHER. Ihre Normbreitformate kombiniert sie zu Modulen. Scheinbar gleichrangig gibt sie Ausschnitte aus alltäglichen Gegebenheiten wie- der; Spektakuläres hängt da neben Lapidarem. Dem Betrachter ist es überlassen, sich auf eine Suche nach dem tieferen Sinn der Wirklichkeit zu begeben. Anyway: auf alle Fälle künden diese illustrativen Versatzstücke von einer hohen malerischen Kultur. Und diese schuldet der lange verpönten Salonmalerei und - besonders deutlich in der raffinierten Kombination von erdigen Tönen und von flockigem Weiß - auch dem Sozialistischen Realismus etliches. Auf das Unbewusste, und damit auf tiefer liegende Schichten menschlicher Wahrnehmung, die beim Lachen eine wichtige Rolle spielen, hebt ALEXANDER SCHRÄPLER ab. Auf der Rückseite von gebrauchtem Papier wie z.B. Computer- ausdrucken präsentiert er einerseits impulsiv hingeworfene Linien, die gewohn- te kommunikative Situationen wiedergeben. Diese Linien sind spontan in ei- nem fort durchgezogen, erinnern von daher an die vor allem im therapeutischen Bereich übliche Praxis der Blindkonturzeichnung. Bei der anderen Werkgruppe Schräplers handelt es sich um überarbeitete Fotografien von gewöhnlichen Ob- jekten und eigentlich öden, sich selbst überlassenen Orten, denen eine eigene, verborgene Ästhetik abgewonnen wird. Verweisen die letzteren Arbeiten subtil darauf, dass das Lachen den schmalen Grat des Übergangs von einer Situation in eine andere besetzt, so erfährt man bei ANDERS THEORELL viel über die reinigende Kraft des Kalauers. Die Schrul- ligkeiten des alten Schweden könnten unter der Rubrik purer Nonsens verbucht
  • 36. 70 71 werden, wäre da nicht sein durchaus ernst gemeintes Anliegen, auf Schiefstän- de in einer konsum- und reizüberfluteten Gesellschaft aufmerksam zu machen. Doch Theorell will keinesfalls schulmeisterlich belehrend wirken. Lieber beschäf- tigen ihn so sinnvolle Erfindungen wie “Der mobile Stammtisch“, “ Der Button für wechselnde Meinungen - digital mit 112 Programmiermöglichkeiten” oder “Für die eilige Hausfrau: Die Haartrockner-Staubsauger-Kombination”. Und so funktioniert der Witz dieser Ausstellung öfter nach der Devise: Humor ist, wenn man trotzdem lacht!
  • 37. Gesichtzeigen23 72 73 1953 geboren in Aurachtal Ausbildung zum Grafiker seit 1986 freischaffend Mitglied im BBK und im Kunstverein Erlangen 1997 Kunstpreis des Kunstvereins Höchstadt Einzelausstellungen (Auswahl) Galerie Aurum, Erlangen; Galerie Kocher, Fürth; Galerie für neue Kunst, Amberg; Kunsthaus, Nürnberg; KunstRaum Herzogenaurach; Kunstverein Erlangen; Hannah und Gerhard Hornung, Höchstadt; Galeriehaus e. V. Nürnberg; Galerie T, München; Kunstkreis Neustadt/Aisch; PKI Galerie, Nürnberg; Galerie Pod Nad, Tarnowskie Góry, Polen Gruppenausstellungen (Auswahl) ART Nürnberg 1990-1993; „150 Jahre badische Revolution“, Kunstverein Coburg; Kron- acher Kunstsommer; „Tradition und Moderne“, Kaiserburg Nürnberg; Kunstverein Bay- reuth und Hollfeld; „Revolution XS“, BBK Karlsruhe; Internationale Biennale Neues Aquarell, Kunststation Waldsassen; Erlanger und Fürther Galerie/Ateliertage; Kunst- kreis Neumarkt; „Sein ist die Zeit“, Diözese Eichstädt; Kunsthaus Nürnberg; „Venedig-Entlastungs-Projekt“, zu Texten von Ingo Cesaro (verschiedene Orte); LGA Kunstsommer, Nürnberg; Kunstraum Weißenohe; KunstHaus Kammerer, Erlangen; „Lorem Ipsum“ BBK München; „Literarisches Papier“ BBK Augsburg Kontakt www.baier-georg-art.de Georg Baier | Lachen in der Krise Gesichtzeigen33
  • 38. o.T., 2008, Tusche auf Papier, 75 x 50 cm o.T., 2009, Mischtechnik, 65 x 50 cm 74 75 1965 geboren in Hofheim 1987-1996 Studium der Visuellen Kommunikation an der HfG in Offenbach 1996 Diplom, Schwerpunkte Zeichnung, Malerei, Druckgraphik 1999-2008 Lehrauftrag an einer Privatschule 2009 Studienreisen nach Rom und Island Ausgewählte Einzelausstellungen 2001 Frühjahrsleuten, Wohnungsgalerie „twobytwo“, Frankfurt 2004 entfaltung, Salon Brenner des bok (Bund Offenbacher Künstler), Offenbach 2004 Im Tauchgang, Forum des Gallustheaters, Frankfurt 2005 Freischwimmer, Galerie im Kreishaus, Hofheim/Ts. 2008 Die Dinge haben keine Umrisslinie, Forum des Kunstvereins Wesseling Ausgewählte Gruppenausstellungen 1997 Achter Kunstpreis Ebersberg, Ausstellung ausgewählter Arbeiten, Ebersberg 1998 Dorit Lecke und Sybille Dömel, Kultureller Förderkreis Buchschlag, Dreieich 2007 Herbstsalon & Kunstpreis, Kunstverein des Hochtaunuskreises, Bad Homburg 2007 Figurative Zeitgenössische Kunst, INIGraphicsNet-Stiftung im Fraunhofer Institut, Darmstadt Stipendien 1991/1992 Auslandsstipendium an der „École des beaux arts“ in Rennes, Bretagne 1999 Druckwerkstattstipendium im Schloss Wolfsburg 2009 Nes-Artist-Stipendium in Skagaströnd, Island Kontakt s.doemel@gmx.de Sybille Dömel | Lachen in der Krise Donna Rosa, 2009, Tusche auf Papier, 65 x 50 cm
  • 39. 76 77 Geboren 1955 in Heilbad Heiligenstadt/Eichsfeld (ehem. DDR). Besuchte zehn Jahre die Polytechnische Oberschule und spielte zu dieser Zeit auch in einer ostdeutschen Folkgruppe, die später verboten wurde. 1971 Umzug nach Quedlinburg im Harz, Ausbildung zur Plakatmalerin und Schauwerbege- stalterin. Arbeitete einige Jahre bei der Konsumgesellschaft Quedlinburg und anschließend drei Jahre als Grafikerin und Werbeleiterin bei den Städtischen Bühnen Quedlinburg. 1980 Ausreiseantrag, der 1984 genehmigt wurde. Seit 1996 öffentliche Ausstellungen (Malerei, Zeichnung, Objekte). Einzelausstellungen 2006 Ring frei für Kellerfalten, Galerie Kunstraum Sutter-Kress, Erlangen 2007 Heiße Reifen und Hundeküsse, Galerie A. Scholz, Hersbruck 2008 Scheinbare Spielplätze, Kunsthoken Quedlinburg 2009 Beobachtet, Galerie Knirym, Regensburg Gruppenausstellungen 2006 Schöne Bescherung, Jahresgaben 2006, Kunstverein Nürnberg, Albrecht-Dürer Gesellschaft e.V., Nürnberg (Broschüre) 2007 Anonyme Zeichner 6, blütenweiss c/o, meinblau e.V., Berlin FEMALE 8, Kunstverein GRAZ, Regensburg 2009 Fatal attraction, Galerie Lutz Rohs, Düren C. Effner + R. Bergmann Kontakt cornelia-effner@gmx.de Cornelia Effner l Lachen in der Krise Engel, Aquarell auf Papier, 40 x 30 cm Sei` elastisch Babe!, Aquarell auf Papier, 40 x 30 cm
  • 40. 78 79 1970 geboren in München Schreinerlehre, Psychologiestudium 1995-1999 Studium der Malerei bei Prof. Horst Sauerbruch, AdBK München 1998 Studium der Malerei bei Thomas Nyquist und Heikki Somersalo, Hochschule für Kunst und Design, Helsinki 2004-2005 Studium der Malerei bei Prof. Anke Doberauer, AdBK München Einzelausstellungen (Auswahl) 2008 Debutantenausstellung des BBK Nürnberg, Kunsthaus Nürnberg 2009 neuekunst Galerie, Karlsruhe Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl) 2008 NN Kunstpreis, Kunsthaus Nürnberg 4 künstlerische Wege, Galerie Fuhrmann, München Galerie DoK, Baden, Schweiz 2009 Stille Welt, Städtische Galerie, Traunstein Kunstförderungen und Kunstpreise (Auswahl) 2000 agriExpo Cultura, Kunstpreis der bayerischen Staatsregierung, EXPO, Hannover 2008 bayerisches Atelierförderprogramm Debütantenförderung des Bayerischen Staatsministeriums Öffentliche Ankäufe 1997 Artothek München Kontakt www.katjafischer.net Katja Fischer l Lachen in der Krise Traum3, 2009, Öl auf Leinwand, 32 x 40 cm 24 Bilder aus Mindwall, 2009, Öl auf Leinwand, je 18 x 33 cm
  • 41. Große Bussiness, Holz 80 81 Escape, HolzTrunkener Soldat, Holz Seit 1985 Steinmetzgeselle Bis 1996 Studium der Bildhauerei an der AdBK Nürnberg bei Wilhelm Uhlig und Tim Scott Seit 1998 freischaffendes Mitglied im BBK Niederbayern / Oberpfalz Kontakt korbinian@huber-duggendorf.de Ausgewählte Einzelausstellungen 1997 Marstall Freising 2000 Galerie Diana Pula, Galerie Fonticus Groznjan (HR) 2005 Subgalerie MUL Pula, Stadt Beratz- hausen, Dolinagewölbe Riedenburg 2006 Freising 2007 Neumarkt, Hof am Regen 2008 Regensburg, Freising Auszeichnungen 1993 Kulturförderpreis Landkreis Freising 2000 Realisierungsauftrag nach Wettbewerb „Kunst in der Fußgänger- zone“, Bad Abbach Korbinian Huber | Lachen in der Krise
  • 42. no country for old dog, Öl, Kasein auf Baumwolle, 115 x 140 cm 82 83 2001 Staatsexamen zur Erzieherin, Tätigkeit in der Kulturpädagogik und Jugendsozialarbeit 2002 Praktikum in der Druckwerkstatt Heinz Thurn, Nürnberg Studium der freien Malerei an der AdBK Nürnberg, bei Prof. Peter Angermann 2004 DAAD-Stipendium für Budapest, bei Prof. Dora Maurer 2004 Oskar-Karl-Forster-Stipendium 2006 Ankauf der Arbeit „Huckepack“ durch die Deutsche Bundesbank, Nürnberg Auszeichnungen 2007 Materialpreis der Gesellschaft der Freunde der AdBK Nürnberg Ernennung zur Meisterschülerin Herbst 07 2009 Debütantenpreis des BBK Nürnberg Ausgewählte Gruppenausstellungen 2005 „present perfect“, Kunstraum Sterngasse, Nürnberg 2006 „football-open space“ Opelvillen Rüsselsheim; „Uggacchanta“ Lions Club, Bremen; „Fett auf Mager“, Wanderausstellung der Klasse Angermann in Hof, Weiden, Schwabach und Nürnberg 2007 Art Karlsruhe (Galerie Lindbeck); Messe Hannover; Kunst in Herrenhausen (Galerie Lindbeck); Arena-Festival in Erlangen; Fiesta de Arte, Kunstkreis Tennenlohe e.V.; art at work, Smurfit Kappa, Feucht; Cologne Fine Art (Galerie Lindbeck); „Haut“, Akademie-Galerie Nürnberg 2008 Gruppenausstellung mit Carolin Storm und Axel Gercke, Galerie Lindbeck, Isernhagen; Klassenausstellung in Budapest; Beteiligung am Projekt „Tier + Mensch“, Bernsteinzimmer, Nürnberg Kontakt www.kauftmehrkunst.de Meike Lohmann | Lachen in der Krise Zwei Hunde, Öl auf Baumwolle, 40 x 54 cm
  • 43. 84 85 1965 geboren in Bielefeld 1993-998 Studium der Bildhauerei, AdBK Nürnberg, bei Prof. Christian Höpfner 1998 freischaffend in Nürnberg Ausstellungen 2002 Galerie im Bürgerhaus Schwabach (mit Rubin Hirschbeck) 2006 Atelierhaus Nordstadt, Nürnberg (mit A. Wazansky, Stefan Burger) 2007 Galerie Bernsteinzimmer (mit Rubin Hirschbeck) Kulturbüro Schels im Atelier- und Galeriehaus Defet, Nürnberg 2009 Galerie Kernstraße, Nürnberg (mit Arthur Wazansky) Beteiligungen 1998 Münchner Künstlergenossenschaft 1868, Deutsches Museum München 1999 Warenzeichen, Nürbanum Nürnberg 2000 NN-Kunstpreis, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg 2001 Höpfner und Schüler, Galerie Flierl Berlin ConsumentArt, Messe Nürnberg Jetztkunst, Z-Bau Nürnberg 2003 NN-Kunstpreis, Kunsthaus Nürnberg 2004 NN-Kunstpreis, Kunsthaus Nürnberg, Fine Art Institute Shenzhen 2009 Zur Figur, Kulturort Badstraße 8, Fürth Kontakt volkerschildmann1@alice-dsl.net Volker Schildmann l Lachen in der Krise Penthesilea, 2009, Kunststoff, H. ca.110 cm Gänseliesl, 2007-2009, Kunststoff, H. ca.105 cm
  • 44. 86 87 Rundtreppe, Digitalprint auf Stoff, 36 x 24 cm Ball im Becken, Digitalprint auf Stoff, 36 x 24 cm 1992-1997 Studium, Kunst und Englisch an der Universität Erlangen-Nürnberg seit 1997 Selbstständiges Arbeiten im Bereich Grafik / Programmierung / Konzeption 1998-2002 Tutorentätigkeit an der Universität Erlangen-Nürnberg Examensvorbereitung Haupt- und Didaktikfach Kunst seit 1999 Lehrauftrag an der Universität Erlangen-Nürnberg 2005-2006 Lehrauftrag an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg Ausstelllungen 2005 Ausstellungshalle der Pädagogischen Hochschule Heidelberg 2008 „Ansichtssache“, Galerie im Treppenhaus, Erlangen 2008 „Licht und Schatten“, A.K.T. Amberg 2009 „licht|zeichnungen“, Klinikum Görlitz Kontakt www.schraepler.com Alexander Schräpler l Lachen in der Krise Das kommt halt mit dem Alter, Kugelschreiber auf Papier, A4 Hoffentlich stimmt die Richtung, Kugelschreiber auf Papier, A4 Gefunden, Kugelschreiber auf Papier, A4
  • 45. Erfindungen die das Leben erleichtern, Zeichnungen auf Papier (A2) 88 89 geboren 1941 in Kalmar, Schweden Ausbildung in Göteborg und Malmö Künstlerische Weiterbildung in Malmö, Nürnberg und Trentino Verfremdete Bestecke als Kunstobjekte Lebt in Kalmar, Schweden und Röthenbach bei Nürnberg Kontakt www.mobiler-stammtisch.de Anders Theorell | Lachen in der Krise
  • 46. Schokobad, 2009, Tusche auf Baumwolle, 155 x 135 cm 90 91 Surrealistisches Bild Nr. 1, 2009, Tusche auf Baumwolle, 140 x 160 cm 2002 Praktika im künstlerischen Bereich seit 2003 Studium der freien Malerei, AdBK Nürnberg bei Prof. Peter Angermann seit 2009 Meisterschülerin bei Prof. Peter Angermann Ausgewählte Gruppenausstellungen 2004-2009 Jahresausstellungen der AdBK Nürnberg 2005-2006 „fett auf mager“ Hof, Weiden, Schwabach und Nürnberg 2008 „Tier und Mensch“ Ausstellungsprojekt der Stadt Nürnberg „ägeschegädrä“, AdBK Budapest, Ungarn „Eurokunsthäuser 08“, Feldkirchen, Österreich „Regionale Künstler“, Freunde der Kunst e.V., Kunstverein Oberviechtach „Forum junge Kunst aus Bayern und Tschechien“, Centrum Bavaria Bohemia Schönsee 2009 „Schüler vom Schüler vom Beuys“, Joseph Konsum, Leipzig Kontakt www.tessa-wolkersdorfer.de Tessa Wolkersdorfer | Lachen in der Krise
  • 47. 93 BADEN UND SCHWIMMEN Hans Jürgen Diez / Renate Fukerider / Chunqing Huang Anneliese Kraft, Eva Engelhardt und Tatjana Maté / Kerstin Schmitt
  • 48. 94 95 LA JOIE DE VIVRE Am Thema der Badenden bzw. dem der Toilette lässt sich eine Entwicklung mo- derner Kunst aufzeigen, die im 19. Jahrhundert von Ingres über Manet oder Renoir bis hin zu Cézanne reicht und in Matisses „La joie de vivre“ einen vor- läufigen Höhepunkt findet, bevor sich Picasso des Sujets bemächtigt und 1907 mit den „Demoiselles d‘Avignon“ Schluss macht mit den idyllischen Projektionen seiner Vorgänger. Und heute? Jenes Mädchen, das der Meeresgischt noch zögernd gegenübersteht, mag symptomatisch sein für ein aktuell wahrgenommenes Hinausbegeben aus dem Vertrauten, das Risiken birgt, aber auch ungeahnte Freiheiten verspricht. CHUNQING HUANG hat die junge Frau im verlorenen Profil von hinten darge- stellt, lässt sie als Identifikationsfigur wirken. Auf einem anderen Bild der Male- rin, die sich seit gut fünf Jahren mit dem Thema der Badenden beschäftigt, hat das Mädchen seine Hemmungen überwunden. Es befindet sich im Einklang mit dem nassen Element, treibt lächelnd in der Lotusstellung und hat augenschein- lich eine innere Balance gefunden. Die weitgehende Aufhebung der Schwerkraft, die wir beim Eintauchen ins Was- ser empfinden, wird in einer Installation von HANS JÜRGEN DIEZ nachvollzieh- bar. Ein Pulk Badender tummelt sich, mehr oder weniger eingesunken, an der vertikalen Wandfläche. Es würde sich um ein fröhliches Stelldichein bunt bemal- ter Schaumstofffiguren handeln, wäre da nicht der Afrikaner, der, etwas abseits und unbemerkt von den Weißen, tot im Wasser treibt. “Lampedusa Beach” lau- tet der Untertitel der Installation, mit der Diez auf das tragische Schicksal von Bootsflüchtlingen vor der Küste der italienischen Insel aufmerksam macht. Objekte ohne Badende oder Schwimmende zeigt RENATE FUKERIDER. Höchs- tens die Prêt-à-porter-Moden, die offenbar die Badenden als leere Hüllen ihrer selbst zurückgelassen haben. Die Form des menschlichen Thorax nehmen auch die Schilde auf. Wenn an ihnen Alterungsprozesse und Witterungseinflüsse ab- lesbar sind wie an Treibhölzern, so geht es Fukerider auch bei den Kissen um “Zeitfänger”, die sich im Laufe des Gebrauchs verformen und auf diese Weise ein Stück Erinnerung an Handlungen oder Personen konservieren. Ganz auf visuelle Reize verzichtet die Audioinstallation von ANNELIESE KRAFT und EVA ENGELHARDT. Beide haben in Zusammenarbeit mit der Performance- künstlerin TATJANA MATÉ eine Soundcollage erstellt, bei der die gesproche- nen Worte zum Thema Wasser in immer schnellerer Abfolge niederprasseln und schließlich das täuschend echte Geräusch fallender Regentropfen annehmen. Die Arbeit rekurriert auf die ursprünglich lautmalerische Funktion von Sprache und widmet sich - ganz in der Tradition der Konkreten Poesie - ihrer vom Inhalt und von der Verstandeskontrolle abgekoppelten musikalischen Qualität. Die noch Heranwachsenden auf den zarten Bildern von KERSTIN SCHMITT ge- ben sich als Repräsentanten der Konsumgesellschaft zu erkennen. Sie halten sich fast alle an etwas fest: an Rudern, Schaukeln, Bällen oder wie die Balancieren- de an einem iPod. Dem Wasser nähern sie sich ausgerüstet mit Freizeitgerät wie Tretboot oder Luftmatratze. Dabei fällt auf, dass sie sich sämtlich in einem la- bilen Zustand befinden. Der augenfälligste Unterschied zu den Badenden der früheren Künstlergenerationen ist jedoch, dass sie züchtig mit Bikini und Ba- dehose bekleidet sind. Die lebensreformerischen Vorstellungen, die sich an eine Nacktheit in freier Na- tur knüpfen, greifen bei einer jüngeren Generation von Künstlern längst nicht mehr. Ein unverfälschtes Dasein im Einklang mit der Natur, wie es Rousseau proklamierte, fand ja schon Gauguin nicht mehr vor; seine Flucht vor der eu- ropäischen Zivilisation in die Südsee ist die Geschichte tragischen Scheiterns. Allerdings scheint in der Flut neuer technischer und kommunikativer Mög- lichkeiten der symbolträchtige Übergang von einem Medium in ein anderes dar- stellungswürdiger denn je. War vor gut einhundert Jahren das Luftbad ein Lieb- lingsthema der Maler - schließlich diente es noch immer als Vorwand für die Darstellung des Nackten - setzen sich gegenwärtig erstaunlich viele Künstler mit dem Schwimmen selbst auseinander.
  • 49. Badende (Lampedusa Beach), Schaumstoff bemalt, Figuren 20-40 cm hoch 96 97 1973–1979 Studium der Malerei und Kunsttheorie, HfbK-Städelschule, Frankfurt/M. 1979–1982 Gaststudium, Kunstphilosophisches Seminar, Universität Frankfurt/M. lebt und arbeitet bei Stuttgart und Frankfurt/M. Einzelausstellungen 1989 Galerie Thieme, Darmstadt; Friedman Guiness Galerie, Frankfurt/M. 1992 Galerie Ribbentrop, Eltville/Rh. 1993 „Kulturdezernat“, München 1994 Galerie Andreas Vogt, Wiesbaden 1995 Galerie Scherer, Miltenberg 1997 „Super bone machine“, Galerie Fruchtig, Frankfurt/M. 1999 „Zeichnungen“ Ausstellungshalle 1a, Frankfurt/M. 2004 „L-ich-T“, Station 15, Kassel 2007 Altkönigsstift Kronberg/Ts. Auszeichnungen 1982 Meisterschülertitel für Malerei, HfbK-Städelschule, Frankfurt/M. 1986 „Dynamik beherrschen“Anerkennungspreis, Teves GmbH 1988 „Certificate of Excellence“, Art Horizons, New York 2005 „New digital Art Award“ Anerkennungspreis Kontakt www.diez.homepage.t-online.de Hans Jürgen Diez | Baden und Schwimmen
  • 50. Prêt à porter, 2009, Papier, Draht, Ölfarbe, Eisengestell, H. 120 und 140 cm Füllstück (32-teilig), 2009, Papierstoff genäht, gefüllt, Ölfarbe, je 48 x 48 x 5 cm 98 99 1957 geboren in Freihung 1973-1984 Ausbildung und Tätigkeit als Reprofotografin ab 1985 Aus-und Weiterbildung an freien Akademien tätig als Malerin und Objektkünstlerin Mitglied BBK, Gedok, IAPMA (Papierkünstler) Einzelausstellungen (Auswahl) 2006 VERWERTVOLL-VERWERTLOS, Kunsthalle Reitstadel, Neumarkt; Kaiserpfalz Museum, Forchheim 2007 ZEITFÄNGER, Städtisches Museum, Deggendorf 2009 GEBAUTE BILDER, Kulturladen Schloß Almoshof, Nürnberg ÜBERHÜLLEN, ETA-Hofmann-Theater, Bamberg Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl) 2003-2009 Kunsthaus Nürnberg 2006-2008 Städtische Galerie Villa Dessauer, Bamberg 2007 Handwerksforum Hannover 2008 BBK Landesausstellung, München 2009 Kunstverein Coburg, Kunstverein Hof Arbeiten in privatem und öffentlichem Besitz. Kontakt www.renate-fukerider.de Renate Fukerider | Baden und Schwimmen
  • 51. Gimme the ball, 2005, Öl auf Leinwand, 90 x 125 cm No pebbles here, 2004, Öl auf Leinwand, 157 x 300 cm 100 101 Da möchte ich hin, 2007, Öl auf Leinwand, 94 x 100 cm Chunqing Huang ist im Jahr 2000 mit einem Bachelor der Zentral-Akademie für Bildende Kunst in Peking nach Deutschland gekommen. Während der folgenden drei Jahre hat sie in Klassen von Hermann Nitsch und Wolf- gang Tillmans an der Städelschule in Frankfurt am Main ihr Diplom absolviert und nach einem weiteren Jahr den Titel Meisterschülerin erworben. Chunqing hat seit Be- ginn ihres künstlerischen Wirkens an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen teilgenommen, sowohl in Asien als auch in Europa und in den USA. Lebt und arbeitet in Frankfurt/M. Kontakt mgxhuang@web.de Chunqing Huang | Baden und Schwimmen
  • 52. Wasser - ein fremdes Wesen, Installation: Kunststoff, CD-Player, Kopfhörer 102 103 Eva Engelhardt 1962 geboren in Schwabach 1983-1985 Studium der Malerei an der AdBK Nürnberg, bei Prof. Fischer und Prof. Pfahler Anneliese Kraft 1941 geboren in Franken bis 2000 Berufsausbildungen und Berufsausübung seit1984 intensive Auseinandersetzung mit Malerei, Objekten und Installationen Gemeinschaftsausstellungen 2005 Filzfabrik Schwabach 2008 „Wasser“, Ponte Cultura Nürnberg 2004-2008 „Kunstwerk“, Kulturfabrik Roth Kontakt Atelier - Bachgasse 10, 91126 Schwabach, Tel. 09122/887 885 Tatjana Maté 1967 geboren in Slowenien klassische Musikausbildung in Slowenien Musikstudium in Deutschland und Großbritannien Kontakt tlipovsek@web.de Anneliese Kraft, Eva Engelhardt Tatjana Maté | Baden und Schwimmen
  • 53. Unter Wasser IV, 2009, Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm Luftmatratze, 2009, Öl auf Leinwand, 60 x 80 cm o.T., 2009, Öl auf Leinwand, 100 x 70 cm 104 105 Mädchen mit dem roten Ball, 2009, Öl auf Leinwand, 90 x 125 cm 1984 geboren in Haßfurt 2004 Abitur am E.T.A.-Hoffmann-Gymnasium in Bamberg 2004-2005 neunmonatiges Praktikum in Bamberg seit 2005 Studium der Malerei bei Prof. Peter Angermann an der AdBK Nürnberg 2007/08 fünfmonatiger Erasmus-Aufenthalt an der Universität für Angewandte Kunst in Wien Ausstellungen 2006 „Fett auf Mager“ der Klasse Angermann, Weiden „sprache-denken-kunst“ im Domminikanerbau Bamberg 2007 „Kunstinfekte“ im Anatomischen Institut Erlangen 2008 Klassenausstellung im „Epreskert“ der Kunstakademie Budapest Gruppenausstellung im Kunsthaus Ansbach 2009 Klassenausstellung im Joseph-Konsum in Leipzig „Auswandern/Movement“ in Weißenohe Kontakt www.schmittkerstin.de Kerstin Schmitt | Baden und Schwimmen
  • 54. jetztkunst in der Zentrifuge, Installation, 2009, Öl auf Kupfer, ca. 4 x 5 m Rosário Rebello de Andrade – Titel: Installation “Jetztkunst in der Zentrifuge” 2009 – Öl auf Kupfer – Variable Größe (ungefähr 4/5 Meter) 106 107 geboren in Portugal Kunststudium Ar.Co, Lissabon 1993-1995 Stipendien der Luso-Amerikanischen Stiftung an der Universität Massachusetts und der Stiftung Calouste Gulbenkian seit 1992 freischaffende Künstlerin 1994-1997 Dozentin für Malerei und Zeichnung an der Kunstakademie Ar.Co, Lissabon Einzelausstellungen (Auswahl) 2008 “QUELLE-PERLE-BELLE”, KulturPackt-Burö, Schweinfurt Die Vögel singen in Werneck, Aktionskunst “Lebendiger Frühling”, Werneck 2009 “Arquitecturas e Artistas”, Alecrim 50, Lissabon Gruppenausstellungen (Auswahl) 2003 Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten, Kunsthaus Nürnberg 2005 Neue Impulse, Galerie LandskronSchneidzik, Nürnberg 2006 Sparkasse Mainfranken, Würzburg, Installation und Malerei mit Kathrin Feser Ar.Co Bazar, CCB-Centro Cultural de Belém, Lissabon 2008 Ausstellung zur Erinnerung an Portugal, Camões und Europäische Gemeinschaft, Bundesministerium Museum, Viana do Castelo 2009 “Lá Fora” Artistas Portugueses, Fundação EDP, Lissabon Preise 1990 Erster Preis für Malerei, Sindicato Bancarios Sul e Ilhas, Portugal Kontakt www.rebello.eu Rosario Rebello de Andrade | Special Guest
  • 55. 108 IMPRESSUM jetztkunst in der Zentrifuge Katalog zur Ausstellungsreihe in der Zentrifuge 22. Mai bis 16. August 2009 Herausgeber Zentrifuge – Verein für Kommunikation, Kunst und Kultur e.V. www.zentrifuge-nuernberg.de | Vereinsnummer: VR 200589 © 2009 | Copyright für die Texte bei den Autoren, alle Bildrechte bei den Künstlern. Jede Art der Vervielfältigung, insbesondere die elektronische Aufbereitung von Texten und Bildern oder der Gesamtheit dieser Publikation, bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung durch die Urheber. Koordination: Michael Schels | www.kulturbuero-schels.de Grafik, Fotografie: Kerstin Heider | www.kerstinheider.com Texte: Dr. Harald Tesan Konzeption, Redaktion: Michael Schels, Kerstin Heider, Dr. Harald Tesan Druckvorstufe: Roland Mietke Druck: Fahner Druck GmbH | www.fahner.de Auflage: 225 Exemplare (davon Sonderedition mit anderem Coverdesign 25 Exemplare) Das Projekt fand Unterstützung Auf AEG Dank Die Zentrifuge dankt ihren Förderern, Partnern und Sponsoren: Stadt Nürnberg Kulturreferat, Kulturstiftung der Sparkasse Nürnberg für die Stadt Nürnberg, Bezirk Mittel- franken, Marketingverein Metropolregion Nürnberg, KUNSTRAUM Forum, eggsandbulbs - Gesellschaft für Eventtechnologien mbH, infowerk ag, Fahner Druck GmbH, Derag Hotel Maximilian, Klosterbrauerei Weißenohe, Hausmaxx Facility Management. Wir danken allen, die bei der Entwicklung der Zentrifuge, bei diesem Ausstellungsprojekt sowie bei der Erstel- lung des Katalogs mitgewirkt haben. Besonderer Dank an Michael Ammann, Sascha Banck, Dr. Jim Broome, Stefanie Dunker, Lisa Fernando, Kerstin Heider, Jürgen Hellmann, Markus Hormeß, Ulrike Irrgang, Frank Johan- nes, Markus Just, Dr. Reinhard Knodt, Frank Lambrecht, Christine Lörincz, Nina Metz-Frank, Roland Mietke, Hans-Peter Miksch, Almut Reichenbach, Marc Robrock, Petra Scherer, Bertram Schultze, Stefan Streiß, Ronald Smutny, Martina Sutter-Kress, Anders Theorell, Karin Wallner, Dr. Annegret Winter. ISBN 978-3-00-028508-0