SlideShare ist ein Scribd-Unternehmen logo
1 von 11
Downloaden Sie, um offline zu lesen
Mitglied der FHO Fachhochschule Ostschweiz
Studierendenproteste Humboldt-Universität zu Berlin, 2003. Quelle: http://web.archive.org/web/20031118043249/http://www.agrar.hu-
berlin.de/protest/bilder/031028_Meeting7.jpg (Zugriff: 05.03.2013)
Hilft die Bibliothek wirklich
gegen den Digital Divide bei
Sozial Schwachen?
Karsten Schuldt (Schweizerisches Institut für
Informationswissenschaft, HTW Chur)




Mitglied der FHO Fachhochschule Ostschweiz
Was ist der Digital Divide?


 Der Digital Divide ist definiert durch zwei Merkmale:
   Technik und Zugang
   Nutzungsmöglichkeiten


 In beiden Bereichen ist eine «Schere» zu beobachten
   Unterschiedlich gewichtet (Zugang an sich haben alle, die Frage ist, wie,
     wie gut / schnell etc.)
   Technische Nutzungsmöglichkeiten werden mit finanziellen Möglichkeiten
     begründet (Ort selten besprochen)
   Nutzungsmöglichkeiten werden mit Bildungskapital begründet (Alter
     seltener)
Was ist der Digital Divide?


 Notwendige Thesen
  (1) Strukturelle soziale Differenzen existieren.
  (2) Zugang zu digitalen Daten und Diensten führt zu relevanten
      Unterschieden in Möglichkeiten der Lebensgestaltung.
  (3) Unterschiede in Möglichkeiten der Lebensgestaltung sind nicht gerecht
      und müssen abgebaut werden.
Was heisst «Sozial schwach»?


 «Sozial schwach» ist eine Sammelkategorie
 «Sozial schwach» ist ein strukturelles Verhältnis (nicht selbstgewählt, «sozial
vererbt»)
 «Sozial schwach» ist relational zur jeweiligen Gesellschaft
 «Sozial schwach» ist gekennzeichnet durch komplexe Verbindungen
(ökonomisches Kapital, Bildungskapital, soziales Kapital etc.)
 «Sozial schwach» ist eine Einschränkung der Möglichkeiten der
Lebensgestaltung
 «Sozial schwach» ist ein Kontinuum (nicht nur Arm und Reich)
Bildungsschwäche


 geringes Bildungskapital
   Wenig Kompetenz im Umgang mit Medien
   Weniger Reflektionsleistung, mehr «muddling through» durch Probleme
   Weniger Selbstkompetenz
   Kurzfristigere Planung (Lebensperspektive)


 Kopplung geringes Bildungskapital & andere Formen sozialer Schwäche
   Andere Lebensinteressen (Armut, Ämter etc.)
   Andere Gesundheitsinteressen
   Andere Lebensperspektiven (Welche Lehre, nicht welches Studium;
    welcher Umgang mit Medien, nicht welche Steuererleichterung etc.)
Was machen Bibliotheken?


 Angebote von öffentlichen Internetplätzen
 elektronische Angebote
 Einführungskurse «Internet» (selten)
Was wäre notwendig?


 Über technische Komponente (Zugang per se) hinausgehen
   Mehr Zugang ermöglichen
   Besseren Zugang ermöglichen
   Nicht Zugang voraussetzen (elektronische Angebote)
 Auf Interessen und Kompetenzen der «sozial Schwachen» eingehen
 Kompetenzen entwickeln helfen?

 Die ganze Gesellschaft umbauen?
Was wäre möglich?


 Strategische Planung
   Emphatische Bestimmung von Notwendigkeiten,
     Verantwortungsübernahme
   Planung für sozial Schwache, nicht für «normale» Nutzerinnen / Nutzer
 Kompetenzaufbau durch andere Formen als schul-/kursähnlichen Bildung
fördern
   Immer nur sinnvoll, wenn freiwillig wählbar




 Die ganze Gesellschaft umbauen?
Moralkeule


 Ein Nicht-Beachten struktureller sozialer Verhältnisse in der
bibliothekarischen Arbeit führt
   Zur Verstärkung sozialer Differenzen
   Schädigt sozial Schwache
 Nutzerinnen und Nutzer: Nicht nur Individuen, sondern auch die gesamte
Gesellschaft gibt Aufträge an die Bibliothek
   Bsp.: Bibliotheksinitiative St. Gallen 2012/2013


 Es ist kein Thema, dass von selbst erledigt
Vielen Dank für Ihre
Aufmerksamkeit.
karsten.schuldt@htwchur.ch




Mitglied der FHO Fachhochschule Ostschweiz

Weitere ähnliche Inhalte

Ähnlich wie Hilft die bibliothek wirklich gegen den digital divide

Das neue netz_wiesbaden_2010_print
Das neue netz_wiesbaden_2010_printDas neue netz_wiesbaden_2010_print
Das neue netz_wiesbaden_2010_printJan Schmidt
 
Digitalisierung oder Mediatisierung?.pdf
Digitalisierung oder Mediatisierung?.pdfDigitalisierung oder Mediatisierung?.pdf
Digitalisierung oder Mediatisierung?.pdfAlexander Unger
 
Teilhabe an digitaler Weiterbildung ermöglichen
Teilhabe an digitaler Weiterbildung ermöglichenTeilhabe an digitaler Weiterbildung ermöglichen
Teilhabe an digitaler Weiterbildung ermöglichenDörte Stahl
 
Neue Öffentlichkeiten Tübingen 2010
Neue Öffentlichkeiten Tübingen 2010Neue Öffentlichkeiten Tübingen 2010
Neue Öffentlichkeiten Tübingen 2010Jan Schmidt
 
Alles entgrenzt? Formales und informelles Lernen in der mediatisierten Gesell...
Alles entgrenzt? Formales und informelles Lernen in der mediatisierten Gesell...Alles entgrenzt? Formales und informelles Lernen in der mediatisierten Gesell...
Alles entgrenzt? Formales und informelles Lernen in der mediatisierten Gesell...Alexander Unger
 
Kommunikationswandel hamburg 2010_print
Kommunikationswandel hamburg 2010_printKommunikationswandel hamburg 2010_print
Kommunikationswandel hamburg 2010_printJan Schmidt
 
Persönliche Öffentlichkeiten Halle 2009
Persönliche Öffentlichkeiten Halle 2009Persönliche Öffentlichkeiten Halle 2009
Persönliche Öffentlichkeiten Halle 2009Jan Schmidt
 
Digitalisierung oder Mediatisierung
Digitalisierung oder MediatisierungDigitalisierung oder Mediatisierung
Digitalisierung oder MediatisierungAlexander Unger
 
Schmidt socialmedia 2011_print
Schmidt socialmedia 2011_printSchmidt socialmedia 2011_print
Schmidt socialmedia 2011_printJan Schmidt
 
Digitale Kompetenz - Forum "Digitale Interaktive Didaktik"
Digitale Kompetenz - Forum "Digitale Interaktive Didaktik"Digitale Kompetenz - Forum "Digitale Interaktive Didaktik"
Digitale Kompetenz - Forum "Digitale Interaktive Didaktik"Franco Rau
 
Wissensmanagement studierender mit social network werkzeugen 4
Wissensmanagement studierender mit social network werkzeugen 4 Wissensmanagement studierender mit social network werkzeugen 4
Wissensmanagement studierender mit social network werkzeugen 4 Kai Sostmann
 
Web 2.0 und seine Öffentlichkeiten
Web 2.0 und seine ÖffentlichkeitenWeb 2.0 und seine Öffentlichkeiten
Web 2.0 und seine ÖffentlichkeitenJan Schmidt
 
Ermächtigende Stadt? Soziale Innovationen in der Zivilgesellschaft
Ermächtigende Stadt? Soziale Innovationen in der ZivilgesellschaftErmächtigende Stadt? Soziale Innovationen in der Zivilgesellschaft
Ermächtigende Stadt? Soziale Innovationen in der ZivilgesellschaftPeter Kühnberger
 
Lernen und Weiterbildung heute
Lernen und Weiterbildung heuteLernen und Weiterbildung heute
Lernen und Weiterbildung heuteESch
 
Passau privatheit 2010_print
Passau privatheit 2010_printPassau privatheit 2010_print
Passau privatheit 2010_printJan Schmidt
 

Ähnlich wie Hilft die bibliothek wirklich gegen den digital divide (20)

Das neue netz_wiesbaden_2010_print
Das neue netz_wiesbaden_2010_printDas neue netz_wiesbaden_2010_print
Das neue netz_wiesbaden_2010_print
 
Diversität und Spaltung - Digitale Medien in der Gesellschaft
Diversität und Spaltung - Digitale Medien in der GesellschaftDiversität und Spaltung - Digitale Medien in der Gesellschaft
Diversität und Spaltung - Digitale Medien in der Gesellschaft
 
Digitalisierung oder Mediatisierung?.pdf
Digitalisierung oder Mediatisierung?.pdfDigitalisierung oder Mediatisierung?.pdf
Digitalisierung oder Mediatisierung?.pdf
 
Teilhabe an digitaler Weiterbildung ermöglichen
Teilhabe an digitaler Weiterbildung ermöglichenTeilhabe an digitaler Weiterbildung ermöglichen
Teilhabe an digitaler Weiterbildung ermöglichen
 
Digital divide
Digital divideDigital divide
Digital divide
 
Neue Öffentlichkeiten Tübingen 2010
Neue Öffentlichkeiten Tübingen 2010Neue Öffentlichkeiten Tübingen 2010
Neue Öffentlichkeiten Tübingen 2010
 
Participation on Demand
Participation on Demand Participation on Demand
Participation on Demand
 
Alles entgrenzt? Formales und informelles Lernen in der mediatisierten Gesell...
Alles entgrenzt? Formales und informelles Lernen in der mediatisierten Gesell...Alles entgrenzt? Formales und informelles Lernen in der mediatisierten Gesell...
Alles entgrenzt? Formales und informelles Lernen in der mediatisierten Gesell...
 
Armut und Bibliotheken
Armut und BibliothekenArmut und Bibliotheken
Armut und Bibliotheken
 
Kommunikationswandel hamburg 2010_print
Kommunikationswandel hamburg 2010_printKommunikationswandel hamburg 2010_print
Kommunikationswandel hamburg 2010_print
 
Persönliche Öffentlichkeiten Halle 2009
Persönliche Öffentlichkeiten Halle 2009Persönliche Öffentlichkeiten Halle 2009
Persönliche Öffentlichkeiten Halle 2009
 
Alles digital. Auch die Bildung?
Alles digital. Auch die Bildung?Alles digital. Auch die Bildung?
Alles digital. Auch die Bildung?
 
Digitalisierung oder Mediatisierung
Digitalisierung oder MediatisierungDigitalisierung oder Mediatisierung
Digitalisierung oder Mediatisierung
 
Schmidt socialmedia 2011_print
Schmidt socialmedia 2011_printSchmidt socialmedia 2011_print
Schmidt socialmedia 2011_print
 
Digitale Kompetenz - Forum "Digitale Interaktive Didaktik"
Digitale Kompetenz - Forum "Digitale Interaktive Didaktik"Digitale Kompetenz - Forum "Digitale Interaktive Didaktik"
Digitale Kompetenz - Forum "Digitale Interaktive Didaktik"
 
Wissensmanagement studierender mit social network werkzeugen 4
Wissensmanagement studierender mit social network werkzeugen 4 Wissensmanagement studierender mit social network werkzeugen 4
Wissensmanagement studierender mit social network werkzeugen 4
 
Web 2.0 und seine Öffentlichkeiten
Web 2.0 und seine ÖffentlichkeitenWeb 2.0 und seine Öffentlichkeiten
Web 2.0 und seine Öffentlichkeiten
 
Ermächtigende Stadt? Soziale Innovationen in der Zivilgesellschaft
Ermächtigende Stadt? Soziale Innovationen in der ZivilgesellschaftErmächtigende Stadt? Soziale Innovationen in der Zivilgesellschaft
Ermächtigende Stadt? Soziale Innovationen in der Zivilgesellschaft
 
Lernen und Weiterbildung heute
Lernen und Weiterbildung heuteLernen und Weiterbildung heute
Lernen und Weiterbildung heute
 
Passau privatheit 2010_print
Passau privatheit 2010_printPassau privatheit 2010_print
Passau privatheit 2010_print
 

Mehr von Karsten Schuldt

Was sollen Menschen in Armut eigentlich in der Bibliothek? Ein paar kritische...
Was sollen Menschen in Armut eigentlich in der Bibliothek? Ein paar kritische...Was sollen Menschen in Armut eigentlich in der Bibliothek? Ein paar kritische...
Was sollen Menschen in Armut eigentlich in der Bibliothek? Ein paar kritische...Karsten Schuldt
 
LL.gomo – mobile makerspaces für bibliotheken
LL.gomo – mobile makerspaces für bibliothekenLL.gomo – mobile makerspaces für bibliotheken
LL.gomo – mobile makerspaces für bibliothekenKarsten Schuldt
 
Neo-70er. Oder: Bibliotheken werden nicht getrieben, sie erfinden nur ständig...
Neo-70er. Oder: Bibliotheken werden nicht getrieben, sie erfinden nur ständig...Neo-70er. Oder: Bibliotheken werden nicht getrieben, sie erfinden nur ständig...
Neo-70er. Oder: Bibliotheken werden nicht getrieben, sie erfinden nur ständig...Karsten Schuldt
 
Soziale gerechtigkeit und bibliotheken
Soziale gerechtigkeit und bibliothekenSoziale gerechtigkeit und bibliotheken
Soziale gerechtigkeit und bibliothekenKarsten Schuldt
 
Unterstützung von Bildungsaktivitäten
Unterstützung von BildungsaktivitätenUnterstützung von Bildungsaktivitäten
Unterstützung von BildungsaktivitätenKarsten Schuldt
 
Zählen, Standardisieren, Wettbewerb erzeugen. Wird die Bildung besser, wenn s...
Zählen, Standardisieren, Wettbewerb erzeugen. Wird die Bildung besser, wenn s...Zählen, Standardisieren, Wettbewerb erzeugen. Wird die Bildung besser, wenn s...
Zählen, Standardisieren, Wettbewerb erzeugen. Wird die Bildung besser, wenn s...Karsten Schuldt
 
Status Quo der Schulbibliotheken in Deutschland, Beispiel Berlin
Status Quo der Schulbibliotheken in Deutschland, Beispiel BerlinStatus Quo der Schulbibliotheken in Deutschland, Beispiel Berlin
Status Quo der Schulbibliotheken in Deutschland, Beispiel BerlinKarsten Schuldt
 
Bibliotheken und Lebenslanges Lernen
Bibliotheken und Lebenslanges LernenBibliotheken und Lebenslanges Lernen
Bibliotheken und Lebenslanges LernenKarsten Schuldt
 

Mehr von Karsten Schuldt (8)

Was sollen Menschen in Armut eigentlich in der Bibliothek? Ein paar kritische...
Was sollen Menschen in Armut eigentlich in der Bibliothek? Ein paar kritische...Was sollen Menschen in Armut eigentlich in der Bibliothek? Ein paar kritische...
Was sollen Menschen in Armut eigentlich in der Bibliothek? Ein paar kritische...
 
LL.gomo – mobile makerspaces für bibliotheken
LL.gomo – mobile makerspaces für bibliothekenLL.gomo – mobile makerspaces für bibliotheken
LL.gomo – mobile makerspaces für bibliotheken
 
Neo-70er. Oder: Bibliotheken werden nicht getrieben, sie erfinden nur ständig...
Neo-70er. Oder: Bibliotheken werden nicht getrieben, sie erfinden nur ständig...Neo-70er. Oder: Bibliotheken werden nicht getrieben, sie erfinden nur ständig...
Neo-70er. Oder: Bibliotheken werden nicht getrieben, sie erfinden nur ständig...
 
Soziale gerechtigkeit und bibliotheken
Soziale gerechtigkeit und bibliothekenSoziale gerechtigkeit und bibliotheken
Soziale gerechtigkeit und bibliotheken
 
Unterstützung von Bildungsaktivitäten
Unterstützung von BildungsaktivitätenUnterstützung von Bildungsaktivitäten
Unterstützung von Bildungsaktivitäten
 
Zählen, Standardisieren, Wettbewerb erzeugen. Wird die Bildung besser, wenn s...
Zählen, Standardisieren, Wettbewerb erzeugen. Wird die Bildung besser, wenn s...Zählen, Standardisieren, Wettbewerb erzeugen. Wird die Bildung besser, wenn s...
Zählen, Standardisieren, Wettbewerb erzeugen. Wird die Bildung besser, wenn s...
 
Status Quo der Schulbibliotheken in Deutschland, Beispiel Berlin
Status Quo der Schulbibliotheken in Deutschland, Beispiel BerlinStatus Quo der Schulbibliotheken in Deutschland, Beispiel Berlin
Status Quo der Schulbibliotheken in Deutschland, Beispiel Berlin
 
Bibliotheken und Lebenslanges Lernen
Bibliotheken und Lebenslanges LernenBibliotheken und Lebenslanges Lernen
Bibliotheken und Lebenslanges Lernen
 

Hilft die bibliothek wirklich gegen den digital divide

  • 1. Mitglied der FHO Fachhochschule Ostschweiz Studierendenproteste Humboldt-Universität zu Berlin, 2003. Quelle: http://web.archive.org/web/20031118043249/http://www.agrar.hu- berlin.de/protest/bilder/031028_Meeting7.jpg (Zugriff: 05.03.2013)
  • 2. Hilft die Bibliothek wirklich gegen den Digital Divide bei Sozial Schwachen? Karsten Schuldt (Schweizerisches Institut für Informationswissenschaft, HTW Chur) Mitglied der FHO Fachhochschule Ostschweiz
  • 3. Was ist der Digital Divide?  Der Digital Divide ist definiert durch zwei Merkmale:  Technik und Zugang  Nutzungsmöglichkeiten  In beiden Bereichen ist eine «Schere» zu beobachten  Unterschiedlich gewichtet (Zugang an sich haben alle, die Frage ist, wie, wie gut / schnell etc.)  Technische Nutzungsmöglichkeiten werden mit finanziellen Möglichkeiten begründet (Ort selten besprochen)  Nutzungsmöglichkeiten werden mit Bildungskapital begründet (Alter seltener)
  • 4. Was ist der Digital Divide?  Notwendige Thesen (1) Strukturelle soziale Differenzen existieren. (2) Zugang zu digitalen Daten und Diensten führt zu relevanten Unterschieden in Möglichkeiten der Lebensgestaltung. (3) Unterschiede in Möglichkeiten der Lebensgestaltung sind nicht gerecht und müssen abgebaut werden.
  • 5. Was heisst «Sozial schwach»?  «Sozial schwach» ist eine Sammelkategorie  «Sozial schwach» ist ein strukturelles Verhältnis (nicht selbstgewählt, «sozial vererbt»)  «Sozial schwach» ist relational zur jeweiligen Gesellschaft  «Sozial schwach» ist gekennzeichnet durch komplexe Verbindungen (ökonomisches Kapital, Bildungskapital, soziales Kapital etc.)  «Sozial schwach» ist eine Einschränkung der Möglichkeiten der Lebensgestaltung  «Sozial schwach» ist ein Kontinuum (nicht nur Arm und Reich)
  • 6. Bildungsschwäche  geringes Bildungskapital  Wenig Kompetenz im Umgang mit Medien  Weniger Reflektionsleistung, mehr «muddling through» durch Probleme  Weniger Selbstkompetenz  Kurzfristigere Planung (Lebensperspektive)  Kopplung geringes Bildungskapital & andere Formen sozialer Schwäche  Andere Lebensinteressen (Armut, Ämter etc.)  Andere Gesundheitsinteressen  Andere Lebensperspektiven (Welche Lehre, nicht welches Studium; welcher Umgang mit Medien, nicht welche Steuererleichterung etc.)
  • 7. Was machen Bibliotheken?  Angebote von öffentlichen Internetplätzen  elektronische Angebote  Einführungskurse «Internet» (selten)
  • 8. Was wäre notwendig?  Über technische Komponente (Zugang per se) hinausgehen  Mehr Zugang ermöglichen  Besseren Zugang ermöglichen  Nicht Zugang voraussetzen (elektronische Angebote)  Auf Interessen und Kompetenzen der «sozial Schwachen» eingehen  Kompetenzen entwickeln helfen?  Die ganze Gesellschaft umbauen?
  • 9. Was wäre möglich?  Strategische Planung  Emphatische Bestimmung von Notwendigkeiten, Verantwortungsübernahme  Planung für sozial Schwache, nicht für «normale» Nutzerinnen / Nutzer  Kompetenzaufbau durch andere Formen als schul-/kursähnlichen Bildung fördern  Immer nur sinnvoll, wenn freiwillig wählbar  Die ganze Gesellschaft umbauen?
  • 10. Moralkeule  Ein Nicht-Beachten struktureller sozialer Verhältnisse in der bibliothekarischen Arbeit führt  Zur Verstärkung sozialer Differenzen  Schädigt sozial Schwache  Nutzerinnen und Nutzer: Nicht nur Individuen, sondern auch die gesamte Gesellschaft gibt Aufträge an die Bibliothek  Bsp.: Bibliotheksinitiative St. Gallen 2012/2013  Es ist kein Thema, dass von selbst erledigt
  • 11. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. karsten.schuldt@htwchur.ch Mitglied der FHO Fachhochschule Ostschweiz