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Wie deutsche Führungskräfte auf den
Fachkräftemangel blicken und wie sie ihn angehen.
Eine empirische Studie von Hays
Fachkräftemangel in Deutschland
UNTERSCHÄTZT
ODER AUFGEBAUSCHT?
hays.de/fachkraeftemangel
2 | Fachkräftemangel in Deutschland
Impressum
1 Einleitung 3
2
3
Management Summary
Ergebnisse
3.1 Fachkräftemangel ja, aber nicht überall	
3.2 Unternehmen nehmen sich selbst zu wenig in die Pflicht	
3.3 Unternehmen müssen als Arbeitgeber deutlich attraktiver werden	
3.4 Kompetenzentwicklung basiert noch zu sehr auf tradierten Ansätzen	
3.5 Rekrutierung neu aufsetzen	
3.6 Personalbedarf muss vernetzter und systematischer geplant werden	
3.7 Routineaufgaben von Mitarbeitern müssen konsequenter automatisiert werden
3.8 Unternehmen haben bei flexiblen Beschäftigungsformen und externen Partnerschaften
noch Luft nach oben	
6
10
10
14
19
20
22
23
25
27
4 Fazit 30
Inhalt
Herausgeber
Hays
Willy-Brandt-Platz 1–3
68161 Mannheim
Chefredaktion
Frank Schabel, Hays
Redaktion
Dr. Andreas Stiehler
Kathrin Möckel, Hays
Frank Schabel, Hays
Grafik
Hays
ultrabold Kommunikationsdesign GmbH
Druck
LUC GmbH
Ludgeristraße 13
59379 Selm
Auflage
1.500
Fachkräftemangel in Deutschland | 3
Das Thema „Fachkräftemangel“ sorgt für Kontroversen:
Während die einen die Wirtschaft bedroht sehen, sprechen
andere von einem Mythos.
Mit der vorliegenden Studie möchten wir zu einer Versach-
lichung der Diskussion beitragen, indem wir das Thema
aus Perspektive der Unternehmen und Fachbereiche differen-
ziert aufbereiten.
Es gibt bereits zahlreiche Publikationen von wissenschaftli-
chen Einrichtungen, die sich mit dem Fachkräftemangel auf
einer Makroebene auseinandersetzen und dessen Dimension
volkswirtschaftlich betrachten.
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) führt halbjährlich eine
Fachkräfteengpassanalyse durch. Laut den im Juli 2019 ver-
öffentlichten Daten zeigt sich ein Fachkräftemangel in tech-
nischen Berufsfeldern, in Bauberufen sowie in Gesundheits-
und Pflegeberufen. In diesen Engpassberufen steigt die
Vakanzzeit deutlich an. Ein flächendeckender Fachkräfteman-
gel könne jedoch in Deutschland nicht konstatiert werden.1
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB),
das jährlich eine Erhebung der offenen Stellen durchführt,
vermeldete im März 2019 rund 1,38 Millionen offene Stellen.
Diese Zahl liegt zwar knapp unter dem im Dezember 2018
vermeldeten Rekordstand, aber deutlich über dem Vorjahres-
quartal. Entsprechend schwieriger gestalte sich daher die
Personalsuche: Auf 170 Arbeitslose kämen ca. 100 offene
Stellen. Von einem flächendeckenden Fachkräftemangel in
Deutschland spricht freilich auch das IAB nicht.2
Das KOFA (Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung), eine
Initiative des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln,
analysiert Fachkräfteengpässe auf Basis der von der BA und
weiteren Einrichtungen bereitgestellten Arbeitsmarktdaten.
Demnach ist die Anzahl der offenen Stellen und, damit
verbunden, auch der Anteil der Engpassberufe seit 2014
rasant gestiegen. Auch Ausbildungsstellen seien immer
schwerer zu besetzen. Allerdings zeigten sich regionale
Unterschiede.3
In Summe stellen diese zwar keinen flächendeckenden Fach-
kräftemangel fest. Gleichwohl zeigen die Studienergebnisse,
dass es für die Unternehmen schwieriger wird, geeignete
Fachkräfte und Auszubildende zu finden.
Allerdings ist der Fachkräftemangel kein spontan eintretendes
Ereignis. Anstatt Bedrohungsszenarien zu zeichnen, so einige
Stimmen, sollten die Unternehmen selbst aktiv werden und
geeignete Maßnahmen definieren, um sich auf die neue Situ-
ation auf dem Arbeitsmarkt einzustellen.
KAPITEL 1
EINLEITUNG
1 Bundesagentur für Arbeit (2019): Fachkräfteengpassanalyse.
2 Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2019): Presseinformation des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vom 14.5.2019, Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das erste Quartal 2019:
weiterhin hoher Bestand an offenen Stellen.
3 Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (2019): Fachkräfteengpässe verstehen.
Hintergrund
4 | Fachkräftemangel in Deutschland
KAPITEL 1 EINLEITUNG
Genau an dieser Stelle setzt unsere empirische Studie an.
Sie geht zuerst der Frage nach, wie der Fachkräftemangel
in Unternehmen wahrgenommen wird, welche Auswirkun-
gen er hat und welche Ursachen zugrunde liegen.
Im zweiten Teil untersuchen wir, mit welchen Strategien
und Maßnahmen sich Unternehmen auf die neue Situation
einstellen.
Die Grundlage für die Untersuchung bildet eine fach-
bereichs- und branchenübergreifende Befragung von
1.000 Führungskräften in deutschen Unternehmen ab
100 Mitarbeitern. Die Zufallsstichprobe wurde nach
Unternehmensgröße, Fachbereich, Branchenzugehörigkeit
und Position geschichtet, sodass die Ergebnisse der
Untersuchung ein realistisches Bild der breitgefächerten
Meinungen zu diesem Thema zeichnen.
Im Rahmen der Studie haben wir zudem Experteninterviews
mit ausgewählten Wissenschaftlern, Beratern und Praktikern
durchgeführt, die sich eingehend mit dem Thema „Fachkräf-
temangel“ auseinandersetzen. Im nachfolgenden Text sind
Kernaussagen aus den Gesprächen integriert.
Die vollständigen Experteninterviews stehen unter hays.de/
fachkraeftemangel zum Download zur Verfügung.
• Relevanz
• Auswirkungen
• Ursachen
WAHRNEHMUNG HANDLUNGSFELDER
• Attraktivität als Arbeitgeber
• Kompetenzentwicklung
• Rekrutierung und Nachwuchsförderung
• Strategische Personalplanung
• Automatisierung und Digitalisierung
• Outsourcing und flexible Beschäftigung
• Geschäftsstrategie und Standortpolitik
Mythos
oder
Realität?
Status quo,
Strategien und
Maßnahmen
FACHKRÄFTE-
MANGEL
Inhalte und Methodik der Studie
Fachkräftemangel in Deutschland | 5
Struktur der Befragten
Unternehmensgröße
100 bis 499 Mitarbeiter
37 %
500 bis 1.999 Mitarbeiter
32 %
ab 2.000 Mitarbeiter
31 %
Zu den befragten Experten gehören:
Wolfgang Brickwedde, Gründer und Direktor des Institute for
Competitive Recruiting (ICR)
Jörg Dirbach, Senior Head Competence Unit und Partner,
Zühlke Engineering AG
Martin Gaedt, Unternehmer und Gründer von Provotainment
GmbH
Gero Hesse, Geschäftsführer von TERRITORY EMBRACE
GmbH
Dr. Josephine C. Hofmann, Leiterin Team Zusammenarbeit
und Führung, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und
Organisation IAO
Prof. Dr. Gunther Olesch, Geschäftsführer CHRO, Phoenix
Contact GmbH  Co. KG
Uwe Rotermund, Geschäftsführer und Chief Empowerment
Officer, noventum consulting GmbH
Prof. Dr. Peter M. Wald, Professor für Personalmanagement
an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig
Fachbereiche
Technische Abteilung
53 %
Kaufmännische Abteilung
33 %
HR/Personalwesen
9 %
Sonstige
6 %
Fachbereiche
Branche
Dienstleistungen
44 %
Industrie
31 %
Öffentlicher Sektor
14 %
Sonstige
11 %
Positionen
Abteilungsleiter
43 %
Bereichsleiter
27 %
Teamleiter
27 %
Sonstige
3 %
Basis: n = 1.000
(alle Befragten)
Rundungsbedingt kann es zu Abweichungen und damit
zu Summenwerten von 99 % bzw. 101 % kommen.
6 | Fachkräftemangel in Deutschland
KAPITEL 2
MANAGEMENT SUMMARY
Eine endgültige Antwort, ob der Fachkräftemangel letztlich
Mythos oder aber Realität ist, kann die vorliegende Studie, in
deren Rahmen 1.000 Führungskräfte befragt wurden, nicht
geben. Eindeutig ist jedoch: Unternehmen fällt es immer
schwerer, geeignetes Personal zu finden und fähige Mitarbeiter
zu halten. Die Folgen der Personalknappheit sind heute bereits
in Form von Mehrbelastung und nicht generiertem Umsatz
spürbar.
ANAUnternehmen müssen
als Arbeitgeber deutlich
attraktiver werden
Unternehmen nehmen
sich selbst zu wenig in
die Pflicht
Kompetenzentwicklung
basiert noch zu sehr auf
tradierten Ansätzen
1
Fachkräftemangel ja,
aber nicht überall
4
3
2
Fachkräftemangel in Deutschland | 7
Allerdings gibt es vielfältige Mittel und Wege, um dem (echten
oder vermeintlichen) Fachkräftemangel und dessen Folgen
effektiv entgegenzutreten. Doch befindet sich die breite Mehr-
heit der Unternehmen noch im Dornröschenschlaf. Um kein
böses Erwachen zu erleben, sollten sie ihre Einstellungen und
Strategien in zentralen Handlungsfeldern überdenken und neue
Ansätze entwickeln. Unsere empirischen Ergebnisse verdeut-
lichen diese Gesamtschau. Basierend darauf lassen sich der
„Status quo und die zentralen Handlungsfelder“ beim Thema
Fachkräftemangel wie folgt in acht Thesen zusammenfassen:
LYSERekrutierung neu
aufsetzen
Routineaufgaben von
Mitarbeitern müssen konse-
quenter automatisiert werden
Unternehmen haben bei
flexiblen Beschäftigungsformen
und externen Partnerschaften
noch Luft nach oben
Personalbedarf
muss vernetzter
und systematischer
geplant werden
6
LYSE7
5
8
8 | Fachkräftemangel in Deutschland
KAPITEL 2 MANAGEMENT SUMMARY
1 Fachkräftemangel ja, aber nicht überall
Die überwiegende Mehrheit der befragten Führungskräfte
betrachtet den Fachkräftemangel als eine ernsthafte struktu-
relle Herausforderung für die gesamte Wirtschaft. Diese
Einschätzungen basieren auf ihren eigenen Erfahrungen:
Mehr als 40 % nehmen eine höhere Mehrbelastung der
Mitarbeiter in ihrem Fachbereich wahr. Jeder vierte Befragte
konstatiert signifikante Umsatzausfälle im eigenen Unter-
nehmen aufgrund von Personalengpässen.
Allerdings wird der Fachkräftemangel nur von etwa 40 % der
Führungskräfte als problematisch für das eigene Unterneh-
men eingeschätzt. Dessen Folgen sind je nach Branche und
Fachbereich unterschiedlich stark ausgeprägt.
 2
Unternehmen nehmen sich selbst
zu wenig in die Pflicht
Der demografische Wandel in Verbindung mit Globalisierung
und technologischer Entwicklung sowie träge Bildungssyste-
me werden von den Führungskräften als Hauptursachen
für den Fachkräftemangel benannt. Mögliche Versäumnisse
aufseiten der Unternehmen will dagegen die Mehrheit der
Führungskräfte als mögliche Ursache für den Fachkräfteman-
gel nicht erkennen.
Doch bei konkreter Nachfrage erhält dieses Bild deutliche
Risse: Mehr als zwei Drittel der Befragten halten ihr Unterneh-
men in keinem der identifizierten sieben Handlungsfelder zur
Begegnung des Fachkräftemangels – von der Attraktivität als
Arbeitgeber über Rekrutierung und Kompetenzentwicklung
bis hin zu Digitalisierung, Outsourcing und Standortpolitik –
für gut aufgestellt.

3
Unternehmen müssen als Arbeitgeber
deutlich attraktiver werden
Als Arbeitgeber deutlich attraktiver zu werden, ist aus Sicht
der Führungskräfte das Thema mit dem höchsten Handlungs-
bedarf, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Vordringlich
seien hier vor allem eine bessere Bezahlung der Mitarbeiter,
mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten und -orten sowie die Eta-
blierung einer modernen Unternehmenskultur.
Auffallend dabei: Je tiefer die Führungskräfte in der Hierar-
chieebene angesiedelt sind, desto mehr drängen sie auf eine
bessere Bezahlung der Mitarbeiter. Führungskräfte auf
höheren Ebenen plädieren dagegen zuerst für eine Verbesse-
rung des Arbeitsumfelds.

4
Kompetenzentwicklung basiert noch
zu sehr auf tradierten Ansätzen
Jede zweite Führungskraft zählt die Förderung des Kompe-
tenzerwerbs zu den Top-3-Handlungsfeldern, um dem
Fachkräftemangel zu begegnen. Entsprechende Maßnahmen
wurden in der überwiegenden Mehrheit der Unternehmen
bislang nur ansatzweise umgesetzt. Es gibt wenig Bereit-
schaft, neue Wege zu beschreiten, um den Kompetenzerwerb
auf moderne Beine zu stellen.
Vielmehr setzen die Unternehmen vorrangig auf den Ausbau
von klassischen Weiterbildungs- und Coaching-Angeboten.
Neue effektive Lernmethoden, die Förderung von Austausch
und Vernetzung oder die dedizierte Bereitstellung von
Lernbudgets spielen nur eine untergeordnete Rolle.
Fachkräftemangel in Deutschland | 9
5 Rekrutierung neu aufsetzen
Drei Viertel der Führungskräfte halten ihr Unternehmen in
puncto Rekrutierung nicht für gut aufgestellt, mehr als die
Hälfte zählt die Rekrutierung folglich zu den Top-3-Hand-
lungsfeldern beim Fachkräftemangel. Ein Großteil davon
hält es für notwendig, bei der Rekrutierung neue Wege zu
beschreiten. Dafür ist zunächst ein neues, auf Bewerber
zentriertes Mindset notwendig.
Gleichwohl sollten klassische Wege der Rekrutierung nicht
vernachlässigt werden, insbesondere bei der Zusammenarbeit
mit Bildungseinrichtungen besteht aus Sicht der Führungs-
kräfte noch erhebliches Verbesserungspotenzial.
 6
Personalbedarf muss vernetzter und
systematischer geplant werden
Unter den Top-3-Themen mit dem höchsten Handlungsbedarf
aus Sicht der Führungskräfte rangiert die strategische
Personalbedarfsplanung an zweiter Stelle. Jede zweite Fach-
kraft sieht hier hohen Handlungsbedarf – verbunden mit
der Forderung, die Bedarfe schneller zu identifizieren und
die Effektivität der Personalplanung zu erhöhen.
Um diese Ziele zu erreichen, werden in der Mehrzahl der Unter-
nehmen die Planungsprozesse zentralisiert und Entscheidungs-
befugnisse stärker in Richtung HR verlagert. Ob diese Strategie
aufgeht, bleibt jedoch abzuwarten. So deuten die Befragungs-
ergebnisse auch auf ein hohes Maß an „Kontrollillusion“ hin:
Über den Personaleinsatz wird – entgegen formalen Vorga-
ben – oft dezentral und an HR vorbei entschieden.

7
Routineaufgaben von Mitarbeitern müssen
konsequenter automatisiert werden
Die Digitalisierung treibt nicht nur den Fachkräftemangel an,
sondern bietet aus Sicht vieler Führungskräfte auch Möglich-
keiten, den damit verbundenen Herausforderungen zu
begegnen. Dabei setzen sie weniger auf eine Ersetzung der
Fachkräfte durch Roboter als vielmehr auf Entlastung der
Fachkräfte durch die Automatisierung von Routineaufgaben.
8
Unternehmen haben bei flexiblen Beschäfti-
gungsformen und externen Partnerschaften
noch Luft nach oben
Die Personalnot zwingt die Unternehmen dazu, sich stärker
für externe Partner zu öffnen. Entsprechend erwarten die
Führungskräfte in ihren Unternehmen einen deutlichen An-
stieg sowohl bei den Outsourcing- und Offshoring-Aktivitäten
als auch bei der flexiblen Beschäftigung.
So rechnet beispielsweise etwa jede zweite Führungskraft
mit einer Zunahme beim Einsatz von Freiberuflern und
Mitarbeitern im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung.
Im Zuge der Öffnung und als bevorzugte Alternative zur
Verlagerung von Geschäftsstandorten fordern viele Führungs-
kräfte zudem die Schaffung dezentraler Arbeitsmöglich-
keiten mit freier Wahl der Arbeitsorte.
10 | Fachkräftemangel in Deutschland
Unterschätzt oder aufgebauscht – wie wird der Fachkräfte-
mangel jenseits der Experten in den Unternehmen wahrge-
nommen? Auf den ersten Blick liefern die Befragungsresultate
ein klares Bild: Die überwiegende Mehrheit der befragten
Führungskräfte erlebt den Fachkräftemangel als eine kritische
und strukturelle Herausforderung für die Wirtschaft, in deren
Folge die Mitarbeiterbindung und -gewinnung ein zentrales
Thema wird.
Ich halte den Fachkräftemangel als Bedrohungsszenario eindeutig für einen Mythos, der von verschiede-
nen wirtschaftlichen und politischen Akteuren aufgebauscht wird, um eigene Interessen durchzusetzen.
Martin Gaedt
Wahrnehmung des Fachkräftemangels
Keine ernsthafte Bedrohung
79 % 22 %
Kritische Herausforderung für die Wirtschaft
Ist ein (vorübergehendes)
konjunkturelles Problem
71 % 29 %
Ist ein strukturelles Thema
Mitarbeiterbindung und -gewinnung
ist eine Herausforderung unter vielen
67 % 33 %
Mitarbeiterbindung und -gewinnung wird ein
kritischer Wettbewerbsfaktor
Ist beschränkt auf einzelne Regionen
65 % 35 %
Ist ein überregionales Thema
Betrifft nur einzelne Branchen
60 % 40 %
Zieht sich durch die gesamte Wirtschaft
Betrifft nur einzelne Tätigkeitsfelder
58 % 42 %
Betrifft die meisten Tätigkeitsfelder
Es gibt genügend Personal, aber
zu wenige ausgebildete Fachkräfte
50 % 50 %
Es mangelt insgesamt an Personal
Basis: n = 1.000
(alle Befragten)
3.1 Fachkräftemangel ja, aber nicht überall
KAPITEL 3
ERGEBNISSE
Fachkräftemangel in Deutschland | 11
Auswirkung des Fachkräftemangels (im Fachbereich der Befragten)
Ausbildungsplätze werden nicht besetzt74 %
29 %
Die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter nimmt zu84 %
41 %
Stellen können nicht optimal besetzt werden84 %
42 %
Bewerber/Mitarbeiter stellen (zu) hohe Anforderungen73 %
27 %
Genereller Einfluß Starker Einfluß Basis: n = 1.000
(alle Befragten)
Diese Einschätzungen stützen sich auf direkte Erfahrungen im
eigenen Fachbereich. Dort steigen die Vakanzzeiten stark
an (37 %), werden Stellen nur suboptimal besetzt (42 %) und
erhöht sich die Mitarbeiterfluktuation (28 %). In der Folge sind
Mitarbeiter stärker belastet (41 %) und der Umsatz sinkt (21 %).
Die Auswirkungen des Fachkräftemangels sind also spürbar.
Doch in der Frage, ob er tatsächlich eine flächendeckende
Bedrohung für die Gesamtwirtschaft darstellt, sind sich die
Befragten uneins. Immerhin 40 % meinen, dass der Fachkräf-
temangel nur einzelne Branchen und Tätigkeitsfelder betrifft.
Uneinigkeit zeigt sich auch bei der Einschätzung der Proble-
matik: Etwa 40 % der Teilnehmer stufen den Fachkräfteman-
gel für das eigene Unternehmen oder den eigenen Fachbe-
reich als „problematisch“ ein. Ein Drittel der Befragten hält
dagegen das Thema auf Unternehmens- oder Fachbereichs-
ebene für weniger relevant. Bemerkenswert ist, dass die
Führungskräfte die Auswirkungen des Fachkräftemangels
für die Gesamtwirtschaft insgesamt als problematischer
einstufen (Mittelwert: 58 Punkte) als für ihr eigenes Unterneh-
men (Mittelwert: 54 Punkte) oder ihren Fachbereich (Mittel-
wert: 52 Punkte). Dies deutet darauf hin, dass die Medien
den Fachkräftemangel zumindest in Teilen aufbauschen –
was sich wiederum in einer überzogenen (von den eigenen
Erfahrungen nicht gedeckten) Einschätzung der gesamtwirt-
schaftlichen Lage widerspiegelt.
Die Fluktuation nimmt zu77 %
28 %
Stellen bleiben länger unbesetzt89 %
37 %
Umsätze können nicht generiert werden71 %
21 %
Löhne/Personalkosten steigen79 %
26 %
12 | Fachkräftemangel in Deutschland
KAPITEL 3 ERGEBNISSE
Wahrnehmung des Fachkräftemangels (Mittelwert)
Anteil der Befragten, die den Fachkräftemangel als problematisch einschätzen
Die weiteren statistischen Auswertungen sprechen ebenfalls
dafür, dass der Fachkräftemangel je nach Branche und
Tätigkeitsfeldern unterschiedlich stark spürbar ist. So stufen  –
erwartungsgemäß – überdurchschnittlich viele Führungskräfte
aus dem Gesundheitsweisen den Fachkräftemangel für ihre
Organisation als problematisch ein (41 %) und berichten von
einer starken Mehrbelastung der Mitarbeiter (47 %).
Allerdings liefert die Analyse nach Branchen auch überra-
schende Resultate: So liegt beispielsweise der Anteil der
Führungskräfte aus der ITK-Branche, die eine starke Mehrbe-
lastung der Mitarbeiter infolge des Fachkräftemangels sehen,
mit 26 deutlich unter dem Durchschnitt von 36 Prozent über
alle Befragten hinweg. Und dies, obwohl die ITK-Führungs-
kräfte auch überdurchschnittlich oft von stark steigenden
Vakanzzeiten berichten (40%). Zudem liegt in der ITK-
Industrie der Anteil der Führungskräfte, die Umsatzeinbußen
sehen, unter dem Durchschnitt aller Branchen (22%).
Eine Erklärung für dieses Ergebnis lautet: Da die ITK-Industrie
schon länger mit dem Fachkräftemangel konfrontiert ist, hat
sie sich früher auf dessen Herausforderungen eingestellt. In
der Tat belegen unsere empirischen Daten, dass ITK-Unter-
nehmen für den Fachkräftemangel überdurchschnittlich gut
gewappnet sind.
0 100
völlig
unproblematisch
hoch
problematisch
Basis: n = 1.000
(alle Befragten)
Basis: n = 1.000
(alle Befragten)
Einstufung als problematisch: Werte ≥ 60
Fach-
bereich
52
Unter-
nehmen
54
Wirtschaft
generell
58
38 % 41 %
Gesundheits-
wesen
Gesamt
36 %
Maschinen-/
Anlagebau
33 %
Informations- und
Kommunikations-
technik (ITK)
38 %
Öffentlicher
Sektor
Fachkräftemangel in Deutschland | 13
Auswirkungen des Fachkräftemangels auf einzelne Branchen
Stellen bleiben länger unbesetzt
Stellen können nicht optimal
besetzt werden
Die Arbeitsbelastung der
Mitarbeiter nimmt zu
Umsätze können (trotz Nachfrage)
nicht generiert werden
Basis: n = 1.000
(alle Befragten)
Zusammengefasst zeigen die Befragungsergebnisse, dass
der Fachkräftemangel differenziert betrachtet werden sollte.
Zwar liefern die Ergebnisse viele Belege für einen real
spürbaren Fachkräftemangel, relativieren zugleich aber die
Dramatik, mit der das Thema öffentlich diskutiert wird.
Der Mangel an Fachkräften ist je nach Branche unterschiedlich
stark ausgeprägt und lässt sich – wie das Beispiel der ITK-
Industrie zeigt – effektiv adressieren.
Gesundheits-
wesen
49 %
49 %
47 %
33 %
Öffentlicher
Sektor
33 %
30 %
44 %
10 %
Maschinen-/
Anlagebau
45 %
37 %
34 %
29 %
Gesamt
38 %
38 %
36 %
25 %
Informations- und
Kommunikations-
technik (ITK)
40 %
31 %
26 %
22 %
Anteil der Führungskräfte, die einen starken Einfluß auf das Unternehmen angeben
14 | Fachkräftemangel in Deutschland
3.2 Unternehmen nehmen sich selbst zu wenig in die Pflicht
Für den Fachkräftemangel gibt es vielfältige Ursachen – vom demografischen Wandel über den
strukturellen und technologischen Wandel in verschiedenen Branchen bis hin zu Wanderungs-
bewegungen, die schon vor Jahren einsetzten und beispielsweise im Osten Deutschlands heute
vielen Unternehmen zu schaffen machen.
Prof. Dr. Peter M. Wald
Um dem Fachkräftemangel erfolgreich zu begegnen, ist es
notwendig, zuerst die Ursachen zu analysieren. Auch hierzu
liefert die empirische Untersuchung zunächst einen klaren
Befund: Für den wichtigsten Treiber des Fachkräftemangels
halten die befragten Führungskräfte den demografischen
Wandel. Dieses Ergebnis kommt nicht überraschend: Das
steigende Durchschnittsalter der Belegschaften lässt sich
nicht wegdiskutieren und die Folgen des demografischen
Wandels werden in den nächsten Jahren noch deutlicher zu
spüren sein.
Allerdings stellt nicht nur das sinkende Personalangebot die
Unternehmen vor neue Herausforderungen. 40 Prozent der
Befragten sehen in der Globalisierung und Digitalisierung
ebenfalls zentrale Ursachen für den Fachkräftemangel.
Denn sie sorgen dafür, dass die Anforderungen an die
Kompetenzen der Fachkräfte steigen. Folglich konstatiert
jede zweite Führungskraft weniger einen generellen Mangel
an Personal, sondern das Fehlen ausgebildeter Fachkräfte
(vgl. Abschnitt 3.1).
KAPITEL 3 ERGEBNISSE
Ursachen des Fachkräftemangels
Basis: n = 1.000
(alle Befragten)
Demografischer Wandel 53 %
Träge Bildungssysteme 50 %
Rasante technologische
Entwicklung 40 %
Globalisierung der Wirtschaft 40 %
Mangelnde Flexibilität
der Unternehmen 38 %
Politik: Starre Regelungen/
Reglementierungen 31 %
Fachkräftemangel in Deutschland | 15
Die Experteninterviews bestätigen, dass mit steigender
Komplexität die Anforderungen an das Kompetenzprofil
der Fachkräfte steigen. Vor diesem Hintergrund erscheint
es notwendig, in die Kompetenzentwicklung zu investieren.
Bei der Ursachensuche sollten allerdings nicht nur die Aus-
löser für den Fachkräftemangel, sondern auch die Reaktion
darauf auf den Prüfstand gestellt werden. Demografischer
Wandel, Globalisierung und Digitalisierung sind schließlich
langfristige Entwicklungen, auf die sich Unternehmen, Bildung
und Politik einstellen können.
Tatsächlich beklagen viele Führungskräfte ein zu träges
Reagieren des Bildungssektors. So verweist jeder zweite
Befragte auf das rigide Bildungssystem als zentrale Ursache,
und für mehr als 20 Prozent der Befragten ist dies sogar der
wichtigste Grund für den Fachkräftemangel.
Die Kritik der Führungskräfte am Bildungssystem erhält
jedoch einen bitteren Beigeschmack, wenn diese in Relation
zu der eher verhaltenen Kritik an die Trägheit des eigenen
Unternehmens gestellt wird: Zwei Drittel der befragten
Führungskräfte verneinen eine mangelnde Flexibilität der
Unternehmen als Ursache für den Fachkräftemangel.
Sie weisen damit die Verantwortung für die Bewältigung
des Fachkräftemangels anderen Akteuren zu, insbesondere
dem Bildungssektor.
Es reicht nicht aus, dem Fachkräftemangel nur quantitativ zu begegnen. Wir müssen gleichzeitig
unsere Mitarbeiter dazu befähigen, den steigenden qualitativen Anforderungen unserer Kunden
gerecht zu werden. Gefragt sind heute weder die reinen Generalisten noch die Nerds, sondern eine
Kombination daraus – die sogenannten „T-Shaped Persons“.
Uwe Rotermund
16 | Fachkräftemangel in Deutschland
4
KAPITEL 3 ERGEBNISSE
Die überwiegende Mehrheit der Unternehmen ist für den Fachkräftemangel nicht
ausreichend gerüstet
Wie Unternehmen dem Fachkräftemangel begegnen können
Tatsächlich eröffnen sich den Unternehmen Handlungsfelder,
um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen. Für diese
Studie wurden sieben zentrale Handlungsfelder identifiziert.
Der empirische Befund fällt ernüchternd aus.
Egal, welches dieser Felder betrachtet wird, der Großteil der
Unternehmen ist aus Sicht der Befragten nicht ausreichend für
den Fachkräftemangel gerüstet.
1
5
2
6
3
7
Attraktivität
als Arbeitgeber
Hays identifizierte 7
zentrale Handlungsfelder
Automatisierung und
Digitalisierung
Strategische Planung
des Personalbedarfs
Kompetenzentwicklung
der Mitarbeiter
Outsourcing und
flexible Beschäftigung
Rekrutierung und
Nachwuchsförderung
Geschäftsausrichtung
und Standortpolitik
5
Fachkräftemangel in Deutschland | 17
Praktiken gegen den Fachkräftemangel – Stand der Umsetzung
53 %20 %
73 % 25 %
Rekrutierung und Nachwuchsförderung
60 %11 %
71 % 28 %
Attraktivität als Arbeitgeber
50 %20 %
70 % 26 %
Strategische Planung des Personalbedarfs
52 %15 %
67 % 28 %
Geschäftsstrategie und Standortpolitik
49 %16 %
65 % 26 %
Outsourcing und flexible Beschäftigungsformen
51 %14 %
65 % 28 %
Automatisierung und Digitalisierung
Bemerkenswert sind an dieser Stelle die Resultate der ITK-
Branche, die seit Jahren mit Schwierigkeiten bei der Rekrutie-
rung neuer Mitarbeiter konfrontiert ist: Der Anteil der Füh-
rungskräfte, die ihr Unternehmen als „bestens gewappnet“
einstufen, liegt hier für alle Handlungsfelder überdurchschnitt-
lich hoch. Offensichtlich hat sich die ITK-Branche früh und
besser als andere Branchen auf den Fachkräftemangel ein-
gestellt.
Bestens gewappnet/auf der Höhe der Zeit
Verbesserungswürdig
Basis: n = 1.000
(alle Befragten)
Mangelhaft
Fehlende Werte zu 100 %: keine Angabe
50 %16 %
66 % 33 %
Kompetenzentwicklung der Mitarbeiter
18 | Fachkräftemangel in Deutschland
KAPITEL 3 ERGEBNISSE
Wo sehen die Führungskräfte den größten Handlungsbedarf?
Wenig überraschend stehen die klassischen Personalthemen,
allen voran der Ausbau der Arbeitgeberattraktivität, ganz
oben auf der Prioritätenliste der Führungskräfte.
Immerhin mehr als ein Viertel der Befragten schließen bei der
Nennung der Themen mit dem höchsten Verbesserungsbe-
darf auch weitere Felder wie Outsourcing, Standortpolitik und
Digitalisierung ein. In den nachfolgenden Abschnitten wird
diskutiert, welche Forderungen und Erwartungen die Befrag-
ten mit den gewählten Top-Themen konkret verbinden, und
inwieweit Maßnahmen in ausgewählten Handlungsfeldern
bereits umgesetzt wurden.
Themen mit dem höchsten Handlungsbedarf
Basis: n = 1.000
(alle Befragten)
Attraktivität als Arbeitgeber 54 %
Rekrutierung und
Nachwuchsförderung 49 %
Strategische Planung
des Personalbedarfs 48 %
Kompetenzentwicklung
der Mitarbeiter 47 %
Geschäftsstrategie
und Standortpolitik 28 %
Outsourcing und flexible
Beschäftigungsformen 27 %
Automatisierung
und Digitalisierung 25 %
Fachkräftemangel in Deutschland | 19
3.3 Unternehmen müssen als Arbeitgeber deutlich attraktiver werden
Die Attraktivität als Arbeitgeber ist letztlich entscheidend, um sich als Unternehmen in dem harschen
Wettbewerb um die Fachkräfte behaupten zu können. Dies ergibt sich schon allein aus dem Fakt, dass
heute 87 Prozent der Bewerber Bewertungsplattformen wie kununu nutzen, um sich über die Unter-
nehmen im Vorfeld zu informieren. Die besten Marketingversprechen und Rekrutierungstechniken
werden in ihrer Wirkung verpuffen, wenn ein Unternehmen hier schlecht abschneidet. Die Bewerber
nehmen ihnen diese Botschaften dann schlicht nicht mehr ab – und sie tun gut daran.
Prof. Dr. Gunther Olesch
Fachkräfte sind sich ihrer guten Position auf dem Arbeits-
markt bewusst. Sie können oft zwischen mehreren Beschäfti-
gungsangeboten wählen und höhere Löhne sowie bessere
Rahmenbedingungen einfordern. Gleichzeitig ermöglichen
ihnen Plattformen wie kununu, im Vorfeld Arbeitsklima und
Kultur potenzieller Arbeitgeber zu informieren.
Die Attraktivität als Arbeitgeber entwickelt sich damit zum
zentralen Erfolgsfaktor für die Rekrutierung. Die empirischen
Ergebnisse spiegeln die immense Bedeutung der Arbeitge-
berattraktivität im Ringen um geeignete Fachkräfte wider.
Unter den genannten Themen mit dem höchsten Handlungs-
bedarf rangiert dieses Kriterium klar an erster Stelle (siehe
Abschnitt 3.2).
Aber wo können bzw. sollten die Unternehmen hier konkret
ansetzen? Vordringlich ist laut Sicht der Befragten eine
bessere Bezahlung der Mitarbeiter (56 %), mehr Flexibilität bei
Arbeitszeiten und -orten (49 %) sowie die Förderung einer
modernen Unternehmenskultur (46 %).
Bemerkenswert, wenngleich nicht überraschend: Je tiefer die
Führungskräfte in der Hierarchieebene angesiedelt sind, desto
mehr drängen sie auf eine bessere Bezahlung der Mitarbeiter.
Führungskräfte auf höheren Ebenen plädieren dagegen zuerst
für eine Verbesserung des Arbeitsumfelds. Nach übereinstim-
mender Meinung der Experten kommen die Unternehmen
allerdings nicht umhin, sowohl das Arbeitsumfeld zu moderni-
sieren als auch die Gehälter anzupassen.
Bessere Bezahlung
der Mitarbeiter98 %
56 %
Aufbau einer besseren (technischen und
räumlichen) Infrastruktur95 %
35 %
Schaffung einer modernen Unternehmenskultur,
die Selbstorganisation und Agilität unterstützt95 %
46 %
Maßnahmen zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität
Ausbau der Flexibilität bei
Arbeitszeiten und -orten92 %
49 %
Basis: n = 541 (Teilgruppe, Thema wurde
als Top-Thema benannt)
Sinnvolle Maßnahme Sinnvolle, vordringliche Maßnahme
20 | Fachkräftemangel in Deutschland
KAPITEL 3 ERGEBNISSE
3.4 Kompetenzentwicklung basiert noch zu sehr auf tradierten Ansätzen
Den Kompetenzerwerb der Mitarbeiter zu unterstützen, gehört
zu den Kernforderungen von Führungskräften, erst recht
vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels. Fast jede zweite
Führungskraft zählt das Thema zu den drei wichtigsten
Handlungsfeldern, für jede fünfte Führungskraft ist es sogar
das wichtigste Thema (vgl. Abschnitt 3.2).
Unsere Befragungsresultate bestätigen, dass die meisten
Unternehmen nur ansatzweise den Kompetenzerwerb fördern.
Allerdings mangelt es nicht nur an der Investitionsbereitschaft,
sondern auch am Willen und an der Kreativität der Verant-
wortlichen, beim Kompetenzerwerb neue Wege zu beschrei-
ten. So reichen die von den meisten Führungskräften geforder-
ten klassischen Weiterbildungsangebote nicht aus, um das
vielfach geforderte „lebenslange Lernen“ in einem zunehmend
dynamischen Umfeld effektiv zu unterstützen.
Vielmehr sollten die Mitarbeiter dazu befähigt werden, ihre
Lerninhalte selbst zu wählen und sich mit anderen Wissensträ-
gern auszutauschen.
Allerdings nehmen die Implementierung neuer effektiver Lern-
methoden, die Förderung von Austausch und Vernetzung oder
die Bereitstellung von dedizierten Lernzeitbudgets für die Mit-
arbeiter nur eine nachgeordnete Stellung ein. Gerade einmal
ein Drittel der hierzu befragten Führungskräfte halten die För-
derung effektiver Lernmethoden und nur wenig mehr (37 %)
die Förderung von Austausch und Vernetzung für vordringlich.
Basis: n = 465 (Teilgruppe, Thema
wurde als Top-Thema benannt)
Ausbau der vom Unternehmen bereit-
gestellten Weiterbildungsangebote97 %
50 %
Dedizierte Lernzeitbudgets
für die Mitarbeiter89 %
35 %
Coaching der Mitarbeiter bei der
Kompetenzentwicklung94 %
47 %
Förderung neuer/effektiverer Lernmethoden
(z. B. Working Out Loud)89 %
33 %
Umsetzung von Trainingsprogrammen
auf Basis von künstlicher Intelligenz78 %
30 %
Förderung von
Vielfalt88 %
38 %
Förderung von
Austausch und Vernetzung94 %
37 %
Maßnahmen zur Steigerung der Kompetenzentwicklung
Sinnvolle Maßnahme Sinnvolle, vordringliche Maßnahme
Fachkräftemangel in Deutschland | 21
Um den Kompetenzbedarf zu decken, reicht es nicht aus, nur auf die Eigenverantwortung der
Mitarbeiter zu setzen oder auf den Staat zu blicken und zu hoffen, dass aus den Ausbildungseinrich-
tungen irgendwann fertige Fachkräfte zuhauf hervorgehen. Die Unternehmen müssen auch selbst
in die Aus- und Weiterbildung investieren.
Dr. Josephine C. Hofmann
Die eher traditionelle Sicht der Führungskräfte auf den Kom-
petenzerwerb zeigt sich auch bei der Frage, welche Kompe-
tenzen vom Bildungssystem intensiver vermittelt werden
sollten. Praktische Fertigkeiten und IT-Fachkenntnisse stehen
auf dem Forderungskatalog der befragten Führungskräfte
ganz oben.
Diese Forderung ist auf den ersten Blick nachvollziehbar, der
aktuelle Bedarf nach solchen Fertigkeiten ist hoch. Sie geht
einher mit der öffentlichen Diskussion um die „Hyper-Akade-
misierung“ der Bildung und dem Wunsch nach mehr Reali-
tätsbezug in der Ausbildung.
Vor dem Hintergrund der schnelllebigen Markt- und Tech-
nologieentwicklung – verbunden mit einem immer schnel-
leren Wissensverfall – sollte jedoch auch kritisch hinter-
fragt werden, ob der Ausbau von persönlichen Fähigkeiten
zum selbstständigen Kompetenzerwerb oder eine huma-
nistische Bildung, die den Blick über den Tellerrand schult,
auf längere Sicht nicht ebenso dringend geboten wäre.
Themen/Kompetenzen, die vom Bildungssystem früher bzw. intensiver vermittelt werden sollten
Basis: n = 1.000
(alle Befragten)
Praktische Fertigkeiten (Praktika, duale
Studien/Ausbildungslehrgänge) 57 %
Team- und Projektarbeit
(Anregung zu Austausch und Vernetzung)
56 %
IT-Fachkompetenz
(Informatik, Programmierung etc.) 51 %
Humanistische Bildung, um den Blick
über den Tellerrand zu schulen 43 %
Eigenständige Erschließung von Themen/
selbstständiger Kompetenzerwerb 38 %
Medienkompetenz (kritischer Umgang
mit Informationen über Medien etc.) 36 %
22 | Fachkräftemangel in Deutschland
3.5 Rekrutierung neu aufsetzen
Drei Viertel der Führungskräfte halten ihr Unternehmen in
puncto Rekrutierung nicht für gut aufgestellt. Folglich zählen
rund die Hälfte der Befragten die Rekrutierung zu den
wichtigsten Handlungsfeldern beim Fachkräftemangel (vgl.
Abschnitt 3.2). Ein Großteil davon hält es für notwendig, bei
der Rekrutierung neue Wege zu beschreiten.
Diese Forderung sollte sich allerdings nicht allein darauf
beschränken, neue Technologien und Formate bei der
Ansprache von Bewerbern zu implementieren. Zunächst
benötigen die Unternehmen bzw. Rekrutierer eine andere
Haltung: Denn im Zuge des Fachkräftemangels bewerben
sich nicht mehr die Fachkräfte bei den Unternehmen, sondern
umgekehrt die Unternehmen bei den Fachkräften. Um vor
diesem Hintergrund im Fachkräftemarkt zu punkten, ist ein
bewerberzentrisches Mindset notwendig.
Jenseits der neuen Wege sollten zudem die traditionellen
Formen der Rekrutierung nicht vernachlässigt werden. So
weisen die Befragungsresultate darauf hin, dass das Potenzial
bei der Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen noch
nicht ausgeschöpft ist. Gerade Kooperationen mit Hochschu-
len sind nach wie vor ein wichtiges Instrument für die Identi-
fikation und Rekrutierung von Talenten.
Basis: n = 488 (Teilgruppe, Thema
wurde als Top-Thema benannt)
Sinnvolle Maßnahme Sinnvolle, vordringliche Maßnahme
KAPITEL 3 ERGEBNISSE
Die meisten Verantwortlichen für Personalmanagement und Rekrutierung wurden in einer Zeit
sozialisiert und ausgebildet, in der es den Fachkräftemangel, wie wir ihn heute kennen, nicht gab.
Entsprechend agieren sie häufig mit einem Handwerkszeug, das für Arbeitgeber-, aber nicht für
Arbeitnehmermärkte ausgelegt ist.
Gero Hesse
Beschreiten neuer Wege/Kanäle bei der
Rekrutierung (Empfehlung/Soziale Kanäle etc.)96 %
45 %
Ausbau der Ausbildungs-/Praktikumsangebote für
Auszubildende und Studenten96 %
41 %
Ausbau der strategischen Zusammenarbeit mit
Personaldienstleistern86 %
26 %
Verstärkte Ansprache neuer Zielgruppen
(z. B. Geflüchtete)79 %
30 %
Investment in die
Employer Brand83 %
24 %
Ausbau von Kooperationen/Netzwerken
mit Bildungseinrichtungen92 %
41 %
Maßnahmen für eine bessere Rekrutierung und Nachwuchsförderung in Zeiten des Fachkräftemangels
Fachkräftemangel in Deutschland | 23
3.6 Personalbedarf muss vernetzter und systematischer geplant werden
Unter den Themen mit dem höchsten Handlungsbedarf ran-
giert die strategische Personalbedarfsplanung an dritter Stelle
(vgl. Abschnitt 3.2). Dahinter verbirgt sich der Wunsch, den
Personalbedarf effektiver zu planen und Bedarfe schneller zu
identifizieren.
Fraglich ist allerdings, ob und wie sich diese Forderung
angesichts der dynamischen Markt- und Technologieentwick-
lung in der Praxis umsetzen lässt.
Den Verantwortlichen fällt es immer schwerer einzuschätzen,
an welchen Themen die Teams in den nächsten Monaten
arbeiten und wie sich die hierfür notwendigen Kompetenzpro-
file spezifizieren lassen.
So prallen in der Diskussion zu diesem Thema zwei Modelle
aufeinander: Während die eine Seite eine stärkere Zentralisierung
der Planung fordert, verbunden mit einer Straffung der Prozesse
und mehr Entscheidungsbefugnissen für HR, plädiert die andere
Seite für eine stärkere Dezentralisierung, also den Ausbau der
Eigenverantwortung für die Fachbereiche.
Unsere Befragungsergebnisse deuten darauf hin, dass die über-
wiegende Mehrheit der Unternehmen die strategische Personal-
planung auf dem herkömmlichen Weg verbessern möchte.
Etwa zwei Drittel der Führungskräfte sehen eine stärkere Zentra-
lisierung, also eine Verlagerung der Entscheidungsbefugnisse
in Richtung HR.
Maßnahmen zur strategischen Planung des Personalbedarfs
Effektivere Planung
des Personalbedarfs
Mehr Flexibilität im
Freigabe-/Entscheidungsprozess98 % 95 %
57 % 42 %
Schnellere Identifikation
der Bedarfe
Flexiblere Nutzung (Pooling) von Personal
über Bereichsgrenzen hinweg97 % 93 %
50 % 40 %
Basis: n = 478 (Teilgruppe, Thema
wurde als Top-Thema benannt)
Sinnvolle Maßnahme Sinnvolle, vordringliche Maßnahme
24 | Fachkräftemangel in Deutschland
KAPITEL 3 ERGEBNISSE
Veränderung der Personalbedarfsplanung und -beschaffung im Unternehmen
HR bleibt bei Entscheidung öfters außen vor
61 % 38 %
HR erhält mehr Entscheidungsbefugnisse
Entscheidungen über Einsatz externer Mitarbeiter
werden eher ad hoc getroffen
64 % 37 %
Entscheidungen über Einsatz externer Mitarbeiter
werden langfristig strategisch geplant
Basis: n = 1.000
(alle Befragten)
Entscheidungen über Festanstellungen
werden eher ad hoc getroffen
70 % 31 %
Entscheidungen über Festanstellungen
werden langfristig strategisch geplant
Personalbedarfsplanung wird stärker dezentralisiert
33 %
Personalbedarfsplanung wird stärker zentralisiert
68 %
Rundungsbedingt kann es zu Abweichungen und damit
zu Summenwerten von 99 % bzw. 101 % kommen.
Fachkräftemangel in Deutschland | 25
3.7 Routineaufgaben von Mitarbeitern müssen konsequenter automatisiert werden
Die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Fachkräftemarkt
sind nicht eindeutig. Einerseits steigt durch die rasante Techno-
logieentwicklung der Bedarf an qualifizierten Fachkräften.
Andererseits gehen die Investitionen in die Digitalisierung mit
dem Versprechen einher, dass für gleichartige Aufgabenstel-
lungen zukünftig weniger Fachkräfte benötigt werden. Welcher
dieser Effekte letztlich überwiegt, ist offen.
Immerhin rund 40 Prozent der Führungskräfte erwarten, dass
der Fachkräftemangel in Folge der Automatisierung und
Digitalisierung abebbt. Allerdings glaubt die Mehrheit nicht,
dass sich Fachkräfte durch Roboter ersetzen lassen. Vielmehr
fordern die Führungskräfte an erster Stelle eine stärkere
Automatisierung von Routineaufgaben.
Mit Automatisierung und Digitalisierung
wird der Fachkräftemangel abebben
Automatisierung und Digitalisierung
treiben den Fachkräftemangel
Basis: n = 1.000
(alle Befragten)
41 % 59 %
Automatisierung und Digitalisierung vs. Fachkräftemangel
Die für die Rekrutierung Verantwortlichen sollten schließlich auch Möglichkeiten des Einsatzes neuer
Technologien ernsthaft prüfen – nicht, weil eine künstliche Intelligenz besser rekrutieren kann, aber
weil sich durch den Technologieeinsatz Routineaufgaben automatisieren lassen und so Ressourcen für
ein strategisches und aktives Personal-Sourcing frei werden.
Wolfgang Brickwedde
Automatisierung und Digitalisierung – Wichtigkeit der Maßnahmen
Automatisierung von
Routinetätigkeiten
Investitionen in (neue) Digitalisierungsthemen, die
geringere Abhängigkeit von Fachkräften versprechen95 % 89 %
59 % 40 %
Ersetzung analoger Vorgehensweisen
und Kundenansprachen durch digitale Ansätze
Ersetzen von Fachkräften
durch Roboter90 % 61 %
42 % 21 %
Basis: n = 248 (Teilgruppe,
Thema wurde als Top-Thema benannt)
Sinnvolle Maßnahme Sinnvolle, vordringliche Maßnahme
26 | Fachkräftemangel in Deutschland
KAPITEL 3 ERGEBNISSE
Ich halte wenig davon, dass Unternehmen mit Verweis auf eine vermeintliche Bedrohung durch
Fachkräftemangel bei der Politik pauschal mehr Flexibilität einfordern, ohne zunächst das ihnen zur
Verfügung stehende Flexibilitätspotenzial auszuschöpfen.
Prof. Dr. Peter M. Wald
Fachkräftemangel in Deutschland | 27
Outsourcing und flexible Beschäftigung – Wichtigkeit der Maßnahmen
Strategische Kooperationen mit
externen Partnern
Nutzung von globalen Ressourcen
(offshore/nearshore)94 % 86 %
35 % 31 %
Aufbau von Wertschöpfungsnetzwerken
mit anderen Unternehmen
Ausbau der flexiblen Beschäftigung Externer
(Zeitarbeit und Freiberufler)
Erhöhung des Anteils externer Dienstleistungen
(Outsourcing/Werkverträge)86 %
86 %
83 %
40 %
39 %
39 %
Basis: n = 272 (Teilgruppe, Thema
wurde als Top-Thema benannt)
3.8 Unternehmen haben bei flexiblen Beschäftigungsformen und externen Partner-
schaften noch Luft nach oben
Unternehmenspartnerschaften, Outsourcing und flexible Be-
schäftigungsformen sind keine neuen Entwicklungen. Mit dem
Fachkräftemangel erhalten diese Formen jedoch einen neuen
Auftrieb. Die Personalnot zwingt die Unternehmen schließlich
dazu, sich nach außen zu öffnen.
Die Befragungsresultate bestätigen dies: Für jeden Vierten
zählt „Outsourcing und flexible Beschäftigung“ zu den
Top-3-Handlungsfeldern zur Adressierung des Fachkräfte-
mangels (vgl. Abschnitt 3.2). Dies beinhaltet ein breites
Spektrum an Forderungen – vom Ausbau strategischer
Kooperation mit externen Partnern über den verstärkten
Einsatz externer Mitarbeiter bis hin zur Nutzung globaler
Ressourcen.
Im Saldo erwarten die Führungskräfte in ihren Unternehmen
einen deutlichen Anstieg sowohl bei den Outsourcing- und
Offshoring-Aktivitäten als auch bei der flexiblen Beschäfti-
gung. So erwartet knapp jede zweite Führungskraft (48 %)
eine Zunahme beim Einsatz von Freiberuflern und Mitarbei-
tern im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung. Mit einem
Rückgang rechnet dagegen nur jede zehnte Führungskraft.
Der Fachkräftemangel entwickelt sich zum treibenden Faktor für Outsourcing,
Offshoring und flexibler Beschäftigung
Sinnvolle Maßnahme Sinnvolle, vordringliche Maßnahme
28 | Fachkräftemangel in Deutschland
KAPITEL 3 ERGEBNISSE
Die Verfügbarkeit von Fachkräften – so die gängige These –
nimmt im Zuge des Fachkräftemangels einen immer stärkeren
Einfluss auf die Standortpolitik der Unternehmen. Speziell
Unternehmen im ländlichen (oder weniger urbanen) Raum
verfügen demnach über einen Standortnachteil.
Unsere Befragungsresultate stützen diese These nicht: So
finden sich in der Wahrnehmung des Fachkräftemangels keine
nennenswerten Unterschiede zwischen Unternehmen, in denen
die befragten Führungskräfte im ländlichen Raum oder im
Umfeld einer Großstadt angesiedelt sind. Dieses Ergebnis
lässt sich damit erklären, dass immer mehr Unternehmen –
als Alternative zur Standortverlagerung – dezentrale Arbeits-
möglichkeiten für ihre Mitarbeiter einrichten.
Genau darin besteht eine Hauptforderung derjenigen Füh-
rungskräfte, die das Thema Geschäftsstrategie und Standort-
politik als Top-Handlungsfeld zur Adressierung des Fach-
kräftemangels benennen.
Standortpolitik: Die Schaffung dezentraler Arbeitsmöglichkeiten gewinnt an
Bedeutung – auch als Alternative zur Verlagerung von Geschäftsstandorten
Abnahme Zunahme
Inanspruchnahme externer Dienstleistungen
Basis: n = 1.000
(alle Befragten)
5 % 58 %
Outsourcing/Vergabe von Leistungen an Partner in Deutschland
9 % 48 %
Einsatz externer Fachkräfte als Freiberufler
11 % 48 %
Einsatz externer Fachkräfte in Arbeitnehmerüberlassung
6 % 47 %
Outsourcing/Vergabe von Leistungen an Partner in Europa
8 % 44 %
Bündelung von Tätigkeiten in Shared Service Center
8 % 42 %
Auf-/Ausbau von internen Offshore-Kapazitäten
9 % 40 %
Outsourcing/Vergabe von Leistungen an außereuropäische Partner
Fehlende Werte zu 100 %: Bleibt gleich oder spielt keine Rolle
Fachkräftemangel in Deutschland | 29
Geschäftsstrategie und Standortpolitik – Wichtigkeit der Maßnahmen
Schaffung dezentraler Arbeitsmöglichkeiten
mit freier Wahl des Arbeitsplatzes90 %
44 %
Fokussierung auf ausgewählte
Geschäftsfelder
Verlagerung von Geschäftstätigkeiten
ins Ausland84 % 61 %
38 % 25 %
Verlagerung von Geschäftstätigkeit in
begehrte urbane Räume77 %
35 %
Basis: n = 282 (Teilgruppe, Thema
wurde als Top-Thema benannt)
Der Wettbewerb um die Fachkräfte beeinflusst heute auch unsere Standort- und Sourcing-Politik.
[…] Als Dienstleister werden wir natürlich auch zukünftig dort präsent sein, wo unsere Kunden sind.
Gleichzeitig versuchen wir, die Möglichkeiten eines verteilten Arbeitens noch konsequenter auszu-
schöpfen.
Jörg Dirbach
Viele Führungskräfte fordern zudem, sich auf ausgewählte
Geschäftsfelder zu fokussieren, für die der Personalbedarf
sichergestellt ist. Dies ist nachvollziehbar: Der Fachkräfte-
mangel zwingt Unternehmen dazu (wie im vorherigen Kapitel
diskutiert), „Make or Buy“-Strategien zu überdenken und
Wertschöpfungsnetzwerke mit anderen Unternehmen in
Betracht zu ziehen. Allerdings erscheint es unrealistisch,
dass Unternehmen durch eine Fokussierung der Geschäfts-
strategie dem Fachkräftemangel vollständig ausweichen
können.
Ausbau von Shared Service Centern
im Unternehmen80 %
27 %
Sinnvolle Maßnahme Sinnvolle, vordringliche Maßnahme
30 | Fachkräftemangel in Deutschland
KAPITEL 4
FAZIT
Wir können kontrovers darüber diskutieren, ob der Fachkräf-
temangel den Standort Deutschland bedroht oder nur ein
Mythos ist. Aber ist diese Frage wirklich so zentral?! Ungleich
wichtiger erscheint uns aufgrund der Ergebnisse der Studie
eine Diskussion darüber, welche Hebel die Unternehmen
selbst in der Hand halten, um qualifizierte Mitarbeiter zu
finden und zu binden. Daher raten wir den Verantwortlichen
dazu, sich nicht mit Klagen über Personalnot und träge
Bildungssysteme aufzuhalten, sondern zuerst ihr eigenes
Tun kritisch zu hinterfragen.
Denn bislang, so zeigt unser empirischer Befund, ist die
überwiegende Mehrheit der Unternehmen nicht gut gerüstet,
um dem Fachkräftemangel konstruktiv und lösungsorientiert
zu begegnen. Unsere Studie liefert klare Hinweise, auf
welchen Handlungsfeldern Unternehmen aktiv werden
müssen. Im Vordergrund stehen:
Der Aufbau einer attraktiven Arbeitgebermarke, die über
eine hohe Glaubwürdigkeit verfügt
Das Beschreiten neuer Wege bei der Rekrutierung
Der Ausbau der Angebote zum Erwerb von Kompetenzen
Die Etablierung einer integrierten Personalbedarfsplanung,
die zudem extern benötigte Ressourcen einbezieht
Die erfolgreiche Umsetzung dieser Maßnahmen setzt aller-
dings voraus, dass die Verantwortlichen sich die veränderten
Kräfteverhältnisse im Fachkräftemarkt bewusst machen, ihre
Prioritäten entsprechend anpassen und bereit sind, bei der
Umsetzung von Maßnahmen auch alte Zöpfe abzuschneiden
beziehungsweise ans Eingemachte zu gehen.
Halten wir also fest: Larmoyanz, gepaart mit Schuldzuweisun-
gen an das träge Bildungssystem, helfen Unternehmen nicht
weiter.
Der Fachkräftemangel stellt vor allem für die Unternehmen
eine Bedrohung dar, die nicht willens sind, die neuen Realitä-
ten am Arbeitsmarkt anzuerkennen oder sich an die neue
Lage anzupassen. Für wandlungsfähige Unternehmen bietet
er dagegen die Chance, sich über eine moderne Personal-
politik von Mitbewerbern abzusetzen.
ATTRAKTIVER
ARBEITGEBER
FAZITFAZITFAZIT
KOMPETENZ-
ENTWICKLUNG
BESSERE
REKRUTIERUNG
PERSONAL­
BEDARFSPLANUNG
EXTERNE
RESSOURCEN
Fachkräftemangel in Deutschland | 31
Hays
Willy-Brandt-Platz 1–3
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Unsere Niederlassungen
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Hays (Schweiz) AG
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Fachkräftemangel in Deutschland - unterschätzt oder aufgebauscht?

  • 1. Wie deutsche Führungskräfte auf den Fachkräftemangel blicken und wie sie ihn angehen. Eine empirische Studie von Hays Fachkräftemangel in Deutschland UNTERSCHÄTZT ODER AUFGEBAUSCHT? hays.de/fachkraeftemangel
  • 2. 2 | Fachkräftemangel in Deutschland Impressum 1 Einleitung 3 2 3 Management Summary Ergebnisse 3.1 Fachkräftemangel ja, aber nicht überall 3.2 Unternehmen nehmen sich selbst zu wenig in die Pflicht 3.3 Unternehmen müssen als Arbeitgeber deutlich attraktiver werden 3.4 Kompetenzentwicklung basiert noch zu sehr auf tradierten Ansätzen 3.5 Rekrutierung neu aufsetzen 3.6 Personalbedarf muss vernetzter und systematischer geplant werden 3.7 Routineaufgaben von Mitarbeitern müssen konsequenter automatisiert werden 3.8 Unternehmen haben bei flexiblen Beschäftigungsformen und externen Partnerschaften noch Luft nach oben 6 10 10 14 19 20 22 23 25 27 4 Fazit 30 Inhalt Herausgeber Hays Willy-Brandt-Platz 1–3 68161 Mannheim Chefredaktion Frank Schabel, Hays Redaktion Dr. Andreas Stiehler Kathrin Möckel, Hays Frank Schabel, Hays Grafik Hays ultrabold Kommunikationsdesign GmbH Druck LUC GmbH Ludgeristraße 13 59379 Selm Auflage 1.500
  • 3. Fachkräftemangel in Deutschland | 3 Das Thema „Fachkräftemangel“ sorgt für Kontroversen: Während die einen die Wirtschaft bedroht sehen, sprechen andere von einem Mythos. Mit der vorliegenden Studie möchten wir zu einer Versach- lichung der Diskussion beitragen, indem wir das Thema aus Perspektive der Unternehmen und Fachbereiche differen- ziert aufbereiten. Es gibt bereits zahlreiche Publikationen von wissenschaftli- chen Einrichtungen, die sich mit dem Fachkräftemangel auf einer Makroebene auseinandersetzen und dessen Dimension volkswirtschaftlich betrachten. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) führt halbjährlich eine Fachkräfteengpassanalyse durch. Laut den im Juli 2019 ver- öffentlichten Daten zeigt sich ein Fachkräftemangel in tech- nischen Berufsfeldern, in Bauberufen sowie in Gesundheits- und Pflegeberufen. In diesen Engpassberufen steigt die Vakanzzeit deutlich an. Ein flächendeckender Fachkräfteman- gel könne jedoch in Deutschland nicht konstatiert werden.1 Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das jährlich eine Erhebung der offenen Stellen durchführt, vermeldete im März 2019 rund 1,38 Millionen offene Stellen. Diese Zahl liegt zwar knapp unter dem im Dezember 2018 vermeldeten Rekordstand, aber deutlich über dem Vorjahres- quartal. Entsprechend schwieriger gestalte sich daher die Personalsuche: Auf 170 Arbeitslose kämen ca. 100 offene Stellen. Von einem flächendeckenden Fachkräftemangel in Deutschland spricht freilich auch das IAB nicht.2 Das KOFA (Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung), eine Initiative des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, analysiert Fachkräfteengpässe auf Basis der von der BA und weiteren Einrichtungen bereitgestellten Arbeitsmarktdaten. Demnach ist die Anzahl der offenen Stellen und, damit verbunden, auch der Anteil der Engpassberufe seit 2014 rasant gestiegen. Auch Ausbildungsstellen seien immer schwerer zu besetzen. Allerdings zeigten sich regionale Unterschiede.3 In Summe stellen diese zwar keinen flächendeckenden Fach- kräftemangel fest. Gleichwohl zeigen die Studienergebnisse, dass es für die Unternehmen schwieriger wird, geeignete Fachkräfte und Auszubildende zu finden. Allerdings ist der Fachkräftemangel kein spontan eintretendes Ereignis. Anstatt Bedrohungsszenarien zu zeichnen, so einige Stimmen, sollten die Unternehmen selbst aktiv werden und geeignete Maßnahmen definieren, um sich auf die neue Situ- ation auf dem Arbeitsmarkt einzustellen. KAPITEL 1 EINLEITUNG 1 Bundesagentur für Arbeit (2019): Fachkräfteengpassanalyse. 2 Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2019): Presseinformation des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vom 14.5.2019, Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das erste Quartal 2019: weiterhin hoher Bestand an offenen Stellen. 3 Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (2019): Fachkräfteengpässe verstehen. Hintergrund
  • 4. 4 | Fachkräftemangel in Deutschland KAPITEL 1 EINLEITUNG Genau an dieser Stelle setzt unsere empirische Studie an. Sie geht zuerst der Frage nach, wie der Fachkräftemangel in Unternehmen wahrgenommen wird, welche Auswirkun- gen er hat und welche Ursachen zugrunde liegen. Im zweiten Teil untersuchen wir, mit welchen Strategien und Maßnahmen sich Unternehmen auf die neue Situation einstellen. Die Grundlage für die Untersuchung bildet eine fach- bereichs- und branchenübergreifende Befragung von 1.000 Führungskräften in deutschen Unternehmen ab 100 Mitarbeitern. Die Zufallsstichprobe wurde nach Unternehmensgröße, Fachbereich, Branchenzugehörigkeit und Position geschichtet, sodass die Ergebnisse der Untersuchung ein realistisches Bild der breitgefächerten Meinungen zu diesem Thema zeichnen. Im Rahmen der Studie haben wir zudem Experteninterviews mit ausgewählten Wissenschaftlern, Beratern und Praktikern durchgeführt, die sich eingehend mit dem Thema „Fachkräf- temangel“ auseinandersetzen. Im nachfolgenden Text sind Kernaussagen aus den Gesprächen integriert. Die vollständigen Experteninterviews stehen unter hays.de/ fachkraeftemangel zum Download zur Verfügung. • Relevanz • Auswirkungen • Ursachen WAHRNEHMUNG HANDLUNGSFELDER • Attraktivität als Arbeitgeber • Kompetenzentwicklung • Rekrutierung und Nachwuchsförderung • Strategische Personalplanung • Automatisierung und Digitalisierung • Outsourcing und flexible Beschäftigung • Geschäftsstrategie und Standortpolitik Mythos oder Realität? Status quo, Strategien und Maßnahmen FACHKRÄFTE- MANGEL Inhalte und Methodik der Studie
  • 5. Fachkräftemangel in Deutschland | 5 Struktur der Befragten Unternehmensgröße 100 bis 499 Mitarbeiter 37 % 500 bis 1.999 Mitarbeiter 32 % ab 2.000 Mitarbeiter 31 % Zu den befragten Experten gehören: Wolfgang Brickwedde, Gründer und Direktor des Institute for Competitive Recruiting (ICR) Jörg Dirbach, Senior Head Competence Unit und Partner, Zühlke Engineering AG Martin Gaedt, Unternehmer und Gründer von Provotainment GmbH Gero Hesse, Geschäftsführer von TERRITORY EMBRACE GmbH Dr. Josephine C. Hofmann, Leiterin Team Zusammenarbeit und Führung, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO Prof. Dr. Gunther Olesch, Geschäftsführer CHRO, Phoenix Contact GmbH Co. KG Uwe Rotermund, Geschäftsführer und Chief Empowerment Officer, noventum consulting GmbH Prof. Dr. Peter M. Wald, Professor für Personalmanagement an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig Fachbereiche Technische Abteilung 53 % Kaufmännische Abteilung 33 % HR/Personalwesen 9 % Sonstige 6 % Fachbereiche Branche Dienstleistungen 44 % Industrie 31 % Öffentlicher Sektor 14 % Sonstige 11 % Positionen Abteilungsleiter 43 % Bereichsleiter 27 % Teamleiter 27 % Sonstige 3 % Basis: n = 1.000 (alle Befragten) Rundungsbedingt kann es zu Abweichungen und damit zu Summenwerten von 99 % bzw. 101 % kommen.
  • 6. 6 | Fachkräftemangel in Deutschland KAPITEL 2 MANAGEMENT SUMMARY Eine endgültige Antwort, ob der Fachkräftemangel letztlich Mythos oder aber Realität ist, kann die vorliegende Studie, in deren Rahmen 1.000 Führungskräfte befragt wurden, nicht geben. Eindeutig ist jedoch: Unternehmen fällt es immer schwerer, geeignetes Personal zu finden und fähige Mitarbeiter zu halten. Die Folgen der Personalknappheit sind heute bereits in Form von Mehrbelastung und nicht generiertem Umsatz spürbar. ANAUnternehmen müssen als Arbeitgeber deutlich attraktiver werden Unternehmen nehmen sich selbst zu wenig in die Pflicht Kompetenzentwicklung basiert noch zu sehr auf tradierten Ansätzen 1 Fachkräftemangel ja, aber nicht überall 4 3 2
  • 7. Fachkräftemangel in Deutschland | 7 Allerdings gibt es vielfältige Mittel und Wege, um dem (echten oder vermeintlichen) Fachkräftemangel und dessen Folgen effektiv entgegenzutreten. Doch befindet sich die breite Mehr- heit der Unternehmen noch im Dornröschenschlaf. Um kein böses Erwachen zu erleben, sollten sie ihre Einstellungen und Strategien in zentralen Handlungsfeldern überdenken und neue Ansätze entwickeln. Unsere empirischen Ergebnisse verdeut- lichen diese Gesamtschau. Basierend darauf lassen sich der „Status quo und die zentralen Handlungsfelder“ beim Thema Fachkräftemangel wie folgt in acht Thesen zusammenfassen: LYSERekrutierung neu aufsetzen Routineaufgaben von Mitarbeitern müssen konse- quenter automatisiert werden Unternehmen haben bei flexiblen Beschäftigungsformen und externen Partnerschaften noch Luft nach oben Personalbedarf muss vernetzter und systematischer geplant werden 6 LYSE7 5 8
  • 8. 8 | Fachkräftemangel in Deutschland KAPITEL 2 MANAGEMENT SUMMARY 1 Fachkräftemangel ja, aber nicht überall Die überwiegende Mehrheit der befragten Führungskräfte betrachtet den Fachkräftemangel als eine ernsthafte struktu- relle Herausforderung für die gesamte Wirtschaft. Diese Einschätzungen basieren auf ihren eigenen Erfahrungen: Mehr als 40 % nehmen eine höhere Mehrbelastung der Mitarbeiter in ihrem Fachbereich wahr. Jeder vierte Befragte konstatiert signifikante Umsatzausfälle im eigenen Unter- nehmen aufgrund von Personalengpässen. Allerdings wird der Fachkräftemangel nur von etwa 40 % der Führungskräfte als problematisch für das eigene Unterneh- men eingeschätzt. Dessen Folgen sind je nach Branche und Fachbereich unterschiedlich stark ausgeprägt. 2 Unternehmen nehmen sich selbst zu wenig in die Pflicht Der demografische Wandel in Verbindung mit Globalisierung und technologischer Entwicklung sowie träge Bildungssyste- me werden von den Führungskräften als Hauptursachen für den Fachkräftemangel benannt. Mögliche Versäumnisse aufseiten der Unternehmen will dagegen die Mehrheit der Führungskräfte als mögliche Ursache für den Fachkräfteman- gel nicht erkennen. Doch bei konkreter Nachfrage erhält dieses Bild deutliche Risse: Mehr als zwei Drittel der Befragten halten ihr Unterneh- men in keinem der identifizierten sieben Handlungsfelder zur Begegnung des Fachkräftemangels – von der Attraktivität als Arbeitgeber über Rekrutierung und Kompetenzentwicklung bis hin zu Digitalisierung, Outsourcing und Standortpolitik – für gut aufgestellt. 3 Unternehmen müssen als Arbeitgeber deutlich attraktiver werden Als Arbeitgeber deutlich attraktiver zu werden, ist aus Sicht der Führungskräfte das Thema mit dem höchsten Handlungs- bedarf, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Vordringlich seien hier vor allem eine bessere Bezahlung der Mitarbeiter, mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten und -orten sowie die Eta- blierung einer modernen Unternehmenskultur. Auffallend dabei: Je tiefer die Führungskräfte in der Hierar- chieebene angesiedelt sind, desto mehr drängen sie auf eine bessere Bezahlung der Mitarbeiter. Führungskräfte auf höheren Ebenen plädieren dagegen zuerst für eine Verbesse- rung des Arbeitsumfelds. 4 Kompetenzentwicklung basiert noch zu sehr auf tradierten Ansätzen Jede zweite Führungskraft zählt die Förderung des Kompe- tenzerwerbs zu den Top-3-Handlungsfeldern, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Entsprechende Maßnahmen wurden in der überwiegenden Mehrheit der Unternehmen bislang nur ansatzweise umgesetzt. Es gibt wenig Bereit- schaft, neue Wege zu beschreiten, um den Kompetenzerwerb auf moderne Beine zu stellen. Vielmehr setzen die Unternehmen vorrangig auf den Ausbau von klassischen Weiterbildungs- und Coaching-Angeboten. Neue effektive Lernmethoden, die Förderung von Austausch und Vernetzung oder die dedizierte Bereitstellung von Lernbudgets spielen nur eine untergeordnete Rolle.
  • 9. Fachkräftemangel in Deutschland | 9 5 Rekrutierung neu aufsetzen Drei Viertel der Führungskräfte halten ihr Unternehmen in puncto Rekrutierung nicht für gut aufgestellt, mehr als die Hälfte zählt die Rekrutierung folglich zu den Top-3-Hand- lungsfeldern beim Fachkräftemangel. Ein Großteil davon hält es für notwendig, bei der Rekrutierung neue Wege zu beschreiten. Dafür ist zunächst ein neues, auf Bewerber zentriertes Mindset notwendig. Gleichwohl sollten klassische Wege der Rekrutierung nicht vernachlässigt werden, insbesondere bei der Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen besteht aus Sicht der Führungs- kräfte noch erhebliches Verbesserungspotenzial. 6 Personalbedarf muss vernetzter und systematischer geplant werden Unter den Top-3-Themen mit dem höchsten Handlungsbedarf aus Sicht der Führungskräfte rangiert die strategische Personalbedarfsplanung an zweiter Stelle. Jede zweite Fach- kraft sieht hier hohen Handlungsbedarf – verbunden mit der Forderung, die Bedarfe schneller zu identifizieren und die Effektivität der Personalplanung zu erhöhen. Um diese Ziele zu erreichen, werden in der Mehrzahl der Unter- nehmen die Planungsprozesse zentralisiert und Entscheidungs- befugnisse stärker in Richtung HR verlagert. Ob diese Strategie aufgeht, bleibt jedoch abzuwarten. So deuten die Befragungs- ergebnisse auch auf ein hohes Maß an „Kontrollillusion“ hin: Über den Personaleinsatz wird – entgegen formalen Vorga- ben – oft dezentral und an HR vorbei entschieden. 7 Routineaufgaben von Mitarbeitern müssen konsequenter automatisiert werden Die Digitalisierung treibt nicht nur den Fachkräftemangel an, sondern bietet aus Sicht vieler Führungskräfte auch Möglich- keiten, den damit verbundenen Herausforderungen zu begegnen. Dabei setzen sie weniger auf eine Ersetzung der Fachkräfte durch Roboter als vielmehr auf Entlastung der Fachkräfte durch die Automatisierung von Routineaufgaben. 8 Unternehmen haben bei flexiblen Beschäfti- gungsformen und externen Partnerschaften noch Luft nach oben Die Personalnot zwingt die Unternehmen dazu, sich stärker für externe Partner zu öffnen. Entsprechend erwarten die Führungskräfte in ihren Unternehmen einen deutlichen An- stieg sowohl bei den Outsourcing- und Offshoring-Aktivitäten als auch bei der flexiblen Beschäftigung. So rechnet beispielsweise etwa jede zweite Führungskraft mit einer Zunahme beim Einsatz von Freiberuflern und Mitarbeitern im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung. Im Zuge der Öffnung und als bevorzugte Alternative zur Verlagerung von Geschäftsstandorten fordern viele Führungs- kräfte zudem die Schaffung dezentraler Arbeitsmöglich- keiten mit freier Wahl der Arbeitsorte.
  • 10. 10 | Fachkräftemangel in Deutschland Unterschätzt oder aufgebauscht – wie wird der Fachkräfte- mangel jenseits der Experten in den Unternehmen wahrge- nommen? Auf den ersten Blick liefern die Befragungsresultate ein klares Bild: Die überwiegende Mehrheit der befragten Führungskräfte erlebt den Fachkräftemangel als eine kritische und strukturelle Herausforderung für die Wirtschaft, in deren Folge die Mitarbeiterbindung und -gewinnung ein zentrales Thema wird. Ich halte den Fachkräftemangel als Bedrohungsszenario eindeutig für einen Mythos, der von verschiede- nen wirtschaftlichen und politischen Akteuren aufgebauscht wird, um eigene Interessen durchzusetzen. Martin Gaedt Wahrnehmung des Fachkräftemangels Keine ernsthafte Bedrohung 79 % 22 % Kritische Herausforderung für die Wirtschaft Ist ein (vorübergehendes) konjunkturelles Problem 71 % 29 % Ist ein strukturelles Thema Mitarbeiterbindung und -gewinnung ist eine Herausforderung unter vielen 67 % 33 % Mitarbeiterbindung und -gewinnung wird ein kritischer Wettbewerbsfaktor Ist beschränkt auf einzelne Regionen 65 % 35 % Ist ein überregionales Thema Betrifft nur einzelne Branchen 60 % 40 % Zieht sich durch die gesamte Wirtschaft Betrifft nur einzelne Tätigkeitsfelder 58 % 42 % Betrifft die meisten Tätigkeitsfelder Es gibt genügend Personal, aber zu wenige ausgebildete Fachkräfte 50 % 50 % Es mangelt insgesamt an Personal Basis: n = 1.000 (alle Befragten) 3.1 Fachkräftemangel ja, aber nicht überall KAPITEL 3 ERGEBNISSE
  • 11. Fachkräftemangel in Deutschland | 11 Auswirkung des Fachkräftemangels (im Fachbereich der Befragten) Ausbildungsplätze werden nicht besetzt74 % 29 % Die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter nimmt zu84 % 41 % Stellen können nicht optimal besetzt werden84 % 42 % Bewerber/Mitarbeiter stellen (zu) hohe Anforderungen73 % 27 % Genereller Einfluß Starker Einfluß Basis: n = 1.000 (alle Befragten) Diese Einschätzungen stützen sich auf direkte Erfahrungen im eigenen Fachbereich. Dort steigen die Vakanzzeiten stark an (37 %), werden Stellen nur suboptimal besetzt (42 %) und erhöht sich die Mitarbeiterfluktuation (28 %). In der Folge sind Mitarbeiter stärker belastet (41 %) und der Umsatz sinkt (21 %). Die Auswirkungen des Fachkräftemangels sind also spürbar. Doch in der Frage, ob er tatsächlich eine flächendeckende Bedrohung für die Gesamtwirtschaft darstellt, sind sich die Befragten uneins. Immerhin 40 % meinen, dass der Fachkräf- temangel nur einzelne Branchen und Tätigkeitsfelder betrifft. Uneinigkeit zeigt sich auch bei der Einschätzung der Proble- matik: Etwa 40 % der Teilnehmer stufen den Fachkräfteman- gel für das eigene Unternehmen oder den eigenen Fachbe- reich als „problematisch“ ein. Ein Drittel der Befragten hält dagegen das Thema auf Unternehmens- oder Fachbereichs- ebene für weniger relevant. Bemerkenswert ist, dass die Führungskräfte die Auswirkungen des Fachkräftemangels für die Gesamtwirtschaft insgesamt als problematischer einstufen (Mittelwert: 58 Punkte) als für ihr eigenes Unterneh- men (Mittelwert: 54 Punkte) oder ihren Fachbereich (Mittel- wert: 52 Punkte). Dies deutet darauf hin, dass die Medien den Fachkräftemangel zumindest in Teilen aufbauschen – was sich wiederum in einer überzogenen (von den eigenen Erfahrungen nicht gedeckten) Einschätzung der gesamtwirt- schaftlichen Lage widerspiegelt. Die Fluktuation nimmt zu77 % 28 % Stellen bleiben länger unbesetzt89 % 37 % Umsätze können nicht generiert werden71 % 21 % Löhne/Personalkosten steigen79 % 26 %
  • 12. 12 | Fachkräftemangel in Deutschland KAPITEL 3 ERGEBNISSE Wahrnehmung des Fachkräftemangels (Mittelwert) Anteil der Befragten, die den Fachkräftemangel als problematisch einschätzen Die weiteren statistischen Auswertungen sprechen ebenfalls dafür, dass der Fachkräftemangel je nach Branche und Tätigkeitsfeldern unterschiedlich stark spürbar ist. So stufen  – erwartungsgemäß – überdurchschnittlich viele Führungskräfte aus dem Gesundheitsweisen den Fachkräftemangel für ihre Organisation als problematisch ein (41 %) und berichten von einer starken Mehrbelastung der Mitarbeiter (47 %). Allerdings liefert die Analyse nach Branchen auch überra- schende Resultate: So liegt beispielsweise der Anteil der Führungskräfte aus der ITK-Branche, die eine starke Mehrbe- lastung der Mitarbeiter infolge des Fachkräftemangels sehen, mit 26 deutlich unter dem Durchschnitt von 36 Prozent über alle Befragten hinweg. Und dies, obwohl die ITK-Führungs- kräfte auch überdurchschnittlich oft von stark steigenden Vakanzzeiten berichten (40%). Zudem liegt in der ITK- Industrie der Anteil der Führungskräfte, die Umsatzeinbußen sehen, unter dem Durchschnitt aller Branchen (22%). Eine Erklärung für dieses Ergebnis lautet: Da die ITK-Industrie schon länger mit dem Fachkräftemangel konfrontiert ist, hat sie sich früher auf dessen Herausforderungen eingestellt. In der Tat belegen unsere empirischen Daten, dass ITK-Unter- nehmen für den Fachkräftemangel überdurchschnittlich gut gewappnet sind. 0 100 völlig unproblematisch hoch problematisch Basis: n = 1.000 (alle Befragten) Basis: n = 1.000 (alle Befragten) Einstufung als problematisch: Werte ≥ 60 Fach- bereich 52 Unter- nehmen 54 Wirtschaft generell 58 38 % 41 % Gesundheits- wesen Gesamt 36 % Maschinen-/ Anlagebau 33 % Informations- und Kommunikations- technik (ITK) 38 % Öffentlicher Sektor
  • 13. Fachkräftemangel in Deutschland | 13 Auswirkungen des Fachkräftemangels auf einzelne Branchen Stellen bleiben länger unbesetzt Stellen können nicht optimal besetzt werden Die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter nimmt zu Umsätze können (trotz Nachfrage) nicht generiert werden Basis: n = 1.000 (alle Befragten) Zusammengefasst zeigen die Befragungsergebnisse, dass der Fachkräftemangel differenziert betrachtet werden sollte. Zwar liefern die Ergebnisse viele Belege für einen real spürbaren Fachkräftemangel, relativieren zugleich aber die Dramatik, mit der das Thema öffentlich diskutiert wird. Der Mangel an Fachkräften ist je nach Branche unterschiedlich stark ausgeprägt und lässt sich – wie das Beispiel der ITK- Industrie zeigt – effektiv adressieren. Gesundheits- wesen 49 % 49 % 47 % 33 % Öffentlicher Sektor 33 % 30 % 44 % 10 % Maschinen-/ Anlagebau 45 % 37 % 34 % 29 % Gesamt 38 % 38 % 36 % 25 % Informations- und Kommunikations- technik (ITK) 40 % 31 % 26 % 22 % Anteil der Führungskräfte, die einen starken Einfluß auf das Unternehmen angeben
  • 14. 14 | Fachkräftemangel in Deutschland 3.2 Unternehmen nehmen sich selbst zu wenig in die Pflicht Für den Fachkräftemangel gibt es vielfältige Ursachen – vom demografischen Wandel über den strukturellen und technologischen Wandel in verschiedenen Branchen bis hin zu Wanderungs- bewegungen, die schon vor Jahren einsetzten und beispielsweise im Osten Deutschlands heute vielen Unternehmen zu schaffen machen. Prof. Dr. Peter M. Wald Um dem Fachkräftemangel erfolgreich zu begegnen, ist es notwendig, zuerst die Ursachen zu analysieren. Auch hierzu liefert die empirische Untersuchung zunächst einen klaren Befund: Für den wichtigsten Treiber des Fachkräftemangels halten die befragten Führungskräfte den demografischen Wandel. Dieses Ergebnis kommt nicht überraschend: Das steigende Durchschnittsalter der Belegschaften lässt sich nicht wegdiskutieren und die Folgen des demografischen Wandels werden in den nächsten Jahren noch deutlicher zu spüren sein. Allerdings stellt nicht nur das sinkende Personalangebot die Unternehmen vor neue Herausforderungen. 40 Prozent der Befragten sehen in der Globalisierung und Digitalisierung ebenfalls zentrale Ursachen für den Fachkräftemangel. Denn sie sorgen dafür, dass die Anforderungen an die Kompetenzen der Fachkräfte steigen. Folglich konstatiert jede zweite Führungskraft weniger einen generellen Mangel an Personal, sondern das Fehlen ausgebildeter Fachkräfte (vgl. Abschnitt 3.1). KAPITEL 3 ERGEBNISSE Ursachen des Fachkräftemangels Basis: n = 1.000 (alle Befragten) Demografischer Wandel 53 % Träge Bildungssysteme 50 % Rasante technologische Entwicklung 40 % Globalisierung der Wirtschaft 40 % Mangelnde Flexibilität der Unternehmen 38 % Politik: Starre Regelungen/ Reglementierungen 31 %
  • 15. Fachkräftemangel in Deutschland | 15 Die Experteninterviews bestätigen, dass mit steigender Komplexität die Anforderungen an das Kompetenzprofil der Fachkräfte steigen. Vor diesem Hintergrund erscheint es notwendig, in die Kompetenzentwicklung zu investieren. Bei der Ursachensuche sollten allerdings nicht nur die Aus- löser für den Fachkräftemangel, sondern auch die Reaktion darauf auf den Prüfstand gestellt werden. Demografischer Wandel, Globalisierung und Digitalisierung sind schließlich langfristige Entwicklungen, auf die sich Unternehmen, Bildung und Politik einstellen können. Tatsächlich beklagen viele Führungskräfte ein zu träges Reagieren des Bildungssektors. So verweist jeder zweite Befragte auf das rigide Bildungssystem als zentrale Ursache, und für mehr als 20 Prozent der Befragten ist dies sogar der wichtigste Grund für den Fachkräftemangel. Die Kritik der Führungskräfte am Bildungssystem erhält jedoch einen bitteren Beigeschmack, wenn diese in Relation zu der eher verhaltenen Kritik an die Trägheit des eigenen Unternehmens gestellt wird: Zwei Drittel der befragten Führungskräfte verneinen eine mangelnde Flexibilität der Unternehmen als Ursache für den Fachkräftemangel. Sie weisen damit die Verantwortung für die Bewältigung des Fachkräftemangels anderen Akteuren zu, insbesondere dem Bildungssektor. Es reicht nicht aus, dem Fachkräftemangel nur quantitativ zu begegnen. Wir müssen gleichzeitig unsere Mitarbeiter dazu befähigen, den steigenden qualitativen Anforderungen unserer Kunden gerecht zu werden. Gefragt sind heute weder die reinen Generalisten noch die Nerds, sondern eine Kombination daraus – die sogenannten „T-Shaped Persons“. Uwe Rotermund
  • 16. 16 | Fachkräftemangel in Deutschland 4 KAPITEL 3 ERGEBNISSE Die überwiegende Mehrheit der Unternehmen ist für den Fachkräftemangel nicht ausreichend gerüstet Wie Unternehmen dem Fachkräftemangel begegnen können Tatsächlich eröffnen sich den Unternehmen Handlungsfelder, um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen. Für diese Studie wurden sieben zentrale Handlungsfelder identifiziert. Der empirische Befund fällt ernüchternd aus. Egal, welches dieser Felder betrachtet wird, der Großteil der Unternehmen ist aus Sicht der Befragten nicht ausreichend für den Fachkräftemangel gerüstet. 1 5 2 6 3 7 Attraktivität als Arbeitgeber Hays identifizierte 7 zentrale Handlungsfelder Automatisierung und Digitalisierung Strategische Planung des Personalbedarfs Kompetenzentwicklung der Mitarbeiter Outsourcing und flexible Beschäftigung Rekrutierung und Nachwuchsförderung Geschäftsausrichtung und Standortpolitik 5
  • 17. Fachkräftemangel in Deutschland | 17 Praktiken gegen den Fachkräftemangel – Stand der Umsetzung 53 %20 % 73 % 25 % Rekrutierung und Nachwuchsförderung 60 %11 % 71 % 28 % Attraktivität als Arbeitgeber 50 %20 % 70 % 26 % Strategische Planung des Personalbedarfs 52 %15 % 67 % 28 % Geschäftsstrategie und Standortpolitik 49 %16 % 65 % 26 % Outsourcing und flexible Beschäftigungsformen 51 %14 % 65 % 28 % Automatisierung und Digitalisierung Bemerkenswert sind an dieser Stelle die Resultate der ITK- Branche, die seit Jahren mit Schwierigkeiten bei der Rekrutie- rung neuer Mitarbeiter konfrontiert ist: Der Anteil der Füh- rungskräfte, die ihr Unternehmen als „bestens gewappnet“ einstufen, liegt hier für alle Handlungsfelder überdurchschnitt- lich hoch. Offensichtlich hat sich die ITK-Branche früh und besser als andere Branchen auf den Fachkräftemangel ein- gestellt. Bestens gewappnet/auf der Höhe der Zeit Verbesserungswürdig Basis: n = 1.000 (alle Befragten) Mangelhaft Fehlende Werte zu 100 %: keine Angabe 50 %16 % 66 % 33 % Kompetenzentwicklung der Mitarbeiter
  • 18. 18 | Fachkräftemangel in Deutschland KAPITEL 3 ERGEBNISSE Wo sehen die Führungskräfte den größten Handlungsbedarf? Wenig überraschend stehen die klassischen Personalthemen, allen voran der Ausbau der Arbeitgeberattraktivität, ganz oben auf der Prioritätenliste der Führungskräfte. Immerhin mehr als ein Viertel der Befragten schließen bei der Nennung der Themen mit dem höchsten Verbesserungsbe- darf auch weitere Felder wie Outsourcing, Standortpolitik und Digitalisierung ein. In den nachfolgenden Abschnitten wird diskutiert, welche Forderungen und Erwartungen die Befrag- ten mit den gewählten Top-Themen konkret verbinden, und inwieweit Maßnahmen in ausgewählten Handlungsfeldern bereits umgesetzt wurden. Themen mit dem höchsten Handlungsbedarf Basis: n = 1.000 (alle Befragten) Attraktivität als Arbeitgeber 54 % Rekrutierung und Nachwuchsförderung 49 % Strategische Planung des Personalbedarfs 48 % Kompetenzentwicklung der Mitarbeiter 47 % Geschäftsstrategie und Standortpolitik 28 % Outsourcing und flexible Beschäftigungsformen 27 % Automatisierung und Digitalisierung 25 %
  • 19. Fachkräftemangel in Deutschland | 19 3.3 Unternehmen müssen als Arbeitgeber deutlich attraktiver werden Die Attraktivität als Arbeitgeber ist letztlich entscheidend, um sich als Unternehmen in dem harschen Wettbewerb um die Fachkräfte behaupten zu können. Dies ergibt sich schon allein aus dem Fakt, dass heute 87 Prozent der Bewerber Bewertungsplattformen wie kununu nutzen, um sich über die Unter- nehmen im Vorfeld zu informieren. Die besten Marketingversprechen und Rekrutierungstechniken werden in ihrer Wirkung verpuffen, wenn ein Unternehmen hier schlecht abschneidet. Die Bewerber nehmen ihnen diese Botschaften dann schlicht nicht mehr ab – und sie tun gut daran. Prof. Dr. Gunther Olesch Fachkräfte sind sich ihrer guten Position auf dem Arbeits- markt bewusst. Sie können oft zwischen mehreren Beschäfti- gungsangeboten wählen und höhere Löhne sowie bessere Rahmenbedingungen einfordern. Gleichzeitig ermöglichen ihnen Plattformen wie kununu, im Vorfeld Arbeitsklima und Kultur potenzieller Arbeitgeber zu informieren. Die Attraktivität als Arbeitgeber entwickelt sich damit zum zentralen Erfolgsfaktor für die Rekrutierung. Die empirischen Ergebnisse spiegeln die immense Bedeutung der Arbeitge- berattraktivität im Ringen um geeignete Fachkräfte wider. Unter den genannten Themen mit dem höchsten Handlungs- bedarf rangiert dieses Kriterium klar an erster Stelle (siehe Abschnitt 3.2). Aber wo können bzw. sollten die Unternehmen hier konkret ansetzen? Vordringlich ist laut Sicht der Befragten eine bessere Bezahlung der Mitarbeiter (56 %), mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten und -orten (49 %) sowie die Förderung einer modernen Unternehmenskultur (46 %). Bemerkenswert, wenngleich nicht überraschend: Je tiefer die Führungskräfte in der Hierarchieebene angesiedelt sind, desto mehr drängen sie auf eine bessere Bezahlung der Mitarbeiter. Führungskräfte auf höheren Ebenen plädieren dagegen zuerst für eine Verbesserung des Arbeitsumfelds. Nach übereinstim- mender Meinung der Experten kommen die Unternehmen allerdings nicht umhin, sowohl das Arbeitsumfeld zu moderni- sieren als auch die Gehälter anzupassen. Bessere Bezahlung der Mitarbeiter98 % 56 % Aufbau einer besseren (technischen und räumlichen) Infrastruktur95 % 35 % Schaffung einer modernen Unternehmenskultur, die Selbstorganisation und Agilität unterstützt95 % 46 % Maßnahmen zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität Ausbau der Flexibilität bei Arbeitszeiten und -orten92 % 49 % Basis: n = 541 (Teilgruppe, Thema wurde als Top-Thema benannt) Sinnvolle Maßnahme Sinnvolle, vordringliche Maßnahme
  • 20. 20 | Fachkräftemangel in Deutschland KAPITEL 3 ERGEBNISSE 3.4 Kompetenzentwicklung basiert noch zu sehr auf tradierten Ansätzen Den Kompetenzerwerb der Mitarbeiter zu unterstützen, gehört zu den Kernforderungen von Führungskräften, erst recht vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels. Fast jede zweite Führungskraft zählt das Thema zu den drei wichtigsten Handlungsfeldern, für jede fünfte Führungskraft ist es sogar das wichtigste Thema (vgl. Abschnitt 3.2). Unsere Befragungsresultate bestätigen, dass die meisten Unternehmen nur ansatzweise den Kompetenzerwerb fördern. Allerdings mangelt es nicht nur an der Investitionsbereitschaft, sondern auch am Willen und an der Kreativität der Verant- wortlichen, beim Kompetenzerwerb neue Wege zu beschrei- ten. So reichen die von den meisten Führungskräften geforder- ten klassischen Weiterbildungsangebote nicht aus, um das vielfach geforderte „lebenslange Lernen“ in einem zunehmend dynamischen Umfeld effektiv zu unterstützen. Vielmehr sollten die Mitarbeiter dazu befähigt werden, ihre Lerninhalte selbst zu wählen und sich mit anderen Wissensträ- gern auszutauschen. Allerdings nehmen die Implementierung neuer effektiver Lern- methoden, die Förderung von Austausch und Vernetzung oder die Bereitstellung von dedizierten Lernzeitbudgets für die Mit- arbeiter nur eine nachgeordnete Stellung ein. Gerade einmal ein Drittel der hierzu befragten Führungskräfte halten die För- derung effektiver Lernmethoden und nur wenig mehr (37 %) die Förderung von Austausch und Vernetzung für vordringlich. Basis: n = 465 (Teilgruppe, Thema wurde als Top-Thema benannt) Ausbau der vom Unternehmen bereit- gestellten Weiterbildungsangebote97 % 50 % Dedizierte Lernzeitbudgets für die Mitarbeiter89 % 35 % Coaching der Mitarbeiter bei der Kompetenzentwicklung94 % 47 % Förderung neuer/effektiverer Lernmethoden (z. B. Working Out Loud)89 % 33 % Umsetzung von Trainingsprogrammen auf Basis von künstlicher Intelligenz78 % 30 % Förderung von Vielfalt88 % 38 % Förderung von Austausch und Vernetzung94 % 37 % Maßnahmen zur Steigerung der Kompetenzentwicklung Sinnvolle Maßnahme Sinnvolle, vordringliche Maßnahme
  • 21. Fachkräftemangel in Deutschland | 21 Um den Kompetenzbedarf zu decken, reicht es nicht aus, nur auf die Eigenverantwortung der Mitarbeiter zu setzen oder auf den Staat zu blicken und zu hoffen, dass aus den Ausbildungseinrich- tungen irgendwann fertige Fachkräfte zuhauf hervorgehen. Die Unternehmen müssen auch selbst in die Aus- und Weiterbildung investieren. Dr. Josephine C. Hofmann Die eher traditionelle Sicht der Führungskräfte auf den Kom- petenzerwerb zeigt sich auch bei der Frage, welche Kompe- tenzen vom Bildungssystem intensiver vermittelt werden sollten. Praktische Fertigkeiten und IT-Fachkenntnisse stehen auf dem Forderungskatalog der befragten Führungskräfte ganz oben. Diese Forderung ist auf den ersten Blick nachvollziehbar, der aktuelle Bedarf nach solchen Fertigkeiten ist hoch. Sie geht einher mit der öffentlichen Diskussion um die „Hyper-Akade- misierung“ der Bildung und dem Wunsch nach mehr Reali- tätsbezug in der Ausbildung. Vor dem Hintergrund der schnelllebigen Markt- und Tech- nologieentwicklung – verbunden mit einem immer schnel- leren Wissensverfall – sollte jedoch auch kritisch hinter- fragt werden, ob der Ausbau von persönlichen Fähigkeiten zum selbstständigen Kompetenzerwerb oder eine huma- nistische Bildung, die den Blick über den Tellerrand schult, auf längere Sicht nicht ebenso dringend geboten wäre. Themen/Kompetenzen, die vom Bildungssystem früher bzw. intensiver vermittelt werden sollten Basis: n = 1.000 (alle Befragten) Praktische Fertigkeiten (Praktika, duale Studien/Ausbildungslehrgänge) 57 % Team- und Projektarbeit (Anregung zu Austausch und Vernetzung) 56 % IT-Fachkompetenz (Informatik, Programmierung etc.) 51 % Humanistische Bildung, um den Blick über den Tellerrand zu schulen 43 % Eigenständige Erschließung von Themen/ selbstständiger Kompetenzerwerb 38 % Medienkompetenz (kritischer Umgang mit Informationen über Medien etc.) 36 %
  • 22. 22 | Fachkräftemangel in Deutschland 3.5 Rekrutierung neu aufsetzen Drei Viertel der Führungskräfte halten ihr Unternehmen in puncto Rekrutierung nicht für gut aufgestellt. Folglich zählen rund die Hälfte der Befragten die Rekrutierung zu den wichtigsten Handlungsfeldern beim Fachkräftemangel (vgl. Abschnitt 3.2). Ein Großteil davon hält es für notwendig, bei der Rekrutierung neue Wege zu beschreiten. Diese Forderung sollte sich allerdings nicht allein darauf beschränken, neue Technologien und Formate bei der Ansprache von Bewerbern zu implementieren. Zunächst benötigen die Unternehmen bzw. Rekrutierer eine andere Haltung: Denn im Zuge des Fachkräftemangels bewerben sich nicht mehr die Fachkräfte bei den Unternehmen, sondern umgekehrt die Unternehmen bei den Fachkräften. Um vor diesem Hintergrund im Fachkräftemarkt zu punkten, ist ein bewerberzentrisches Mindset notwendig. Jenseits der neuen Wege sollten zudem die traditionellen Formen der Rekrutierung nicht vernachlässigt werden. So weisen die Befragungsresultate darauf hin, dass das Potenzial bei der Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen noch nicht ausgeschöpft ist. Gerade Kooperationen mit Hochschu- len sind nach wie vor ein wichtiges Instrument für die Identi- fikation und Rekrutierung von Talenten. Basis: n = 488 (Teilgruppe, Thema wurde als Top-Thema benannt) Sinnvolle Maßnahme Sinnvolle, vordringliche Maßnahme KAPITEL 3 ERGEBNISSE Die meisten Verantwortlichen für Personalmanagement und Rekrutierung wurden in einer Zeit sozialisiert und ausgebildet, in der es den Fachkräftemangel, wie wir ihn heute kennen, nicht gab. Entsprechend agieren sie häufig mit einem Handwerkszeug, das für Arbeitgeber-, aber nicht für Arbeitnehmermärkte ausgelegt ist. Gero Hesse Beschreiten neuer Wege/Kanäle bei der Rekrutierung (Empfehlung/Soziale Kanäle etc.)96 % 45 % Ausbau der Ausbildungs-/Praktikumsangebote für Auszubildende und Studenten96 % 41 % Ausbau der strategischen Zusammenarbeit mit Personaldienstleistern86 % 26 % Verstärkte Ansprache neuer Zielgruppen (z. B. Geflüchtete)79 % 30 % Investment in die Employer Brand83 % 24 % Ausbau von Kooperationen/Netzwerken mit Bildungseinrichtungen92 % 41 % Maßnahmen für eine bessere Rekrutierung und Nachwuchsförderung in Zeiten des Fachkräftemangels
  • 23. Fachkräftemangel in Deutschland | 23 3.6 Personalbedarf muss vernetzter und systematischer geplant werden Unter den Themen mit dem höchsten Handlungsbedarf ran- giert die strategische Personalbedarfsplanung an dritter Stelle (vgl. Abschnitt 3.2). Dahinter verbirgt sich der Wunsch, den Personalbedarf effektiver zu planen und Bedarfe schneller zu identifizieren. Fraglich ist allerdings, ob und wie sich diese Forderung angesichts der dynamischen Markt- und Technologieentwick- lung in der Praxis umsetzen lässt. Den Verantwortlichen fällt es immer schwerer einzuschätzen, an welchen Themen die Teams in den nächsten Monaten arbeiten und wie sich die hierfür notwendigen Kompetenzpro- file spezifizieren lassen. So prallen in der Diskussion zu diesem Thema zwei Modelle aufeinander: Während die eine Seite eine stärkere Zentralisierung der Planung fordert, verbunden mit einer Straffung der Prozesse und mehr Entscheidungsbefugnissen für HR, plädiert die andere Seite für eine stärkere Dezentralisierung, also den Ausbau der Eigenverantwortung für die Fachbereiche. Unsere Befragungsergebnisse deuten darauf hin, dass die über- wiegende Mehrheit der Unternehmen die strategische Personal- planung auf dem herkömmlichen Weg verbessern möchte. Etwa zwei Drittel der Führungskräfte sehen eine stärkere Zentra- lisierung, also eine Verlagerung der Entscheidungsbefugnisse in Richtung HR. Maßnahmen zur strategischen Planung des Personalbedarfs Effektivere Planung des Personalbedarfs Mehr Flexibilität im Freigabe-/Entscheidungsprozess98 % 95 % 57 % 42 % Schnellere Identifikation der Bedarfe Flexiblere Nutzung (Pooling) von Personal über Bereichsgrenzen hinweg97 % 93 % 50 % 40 % Basis: n = 478 (Teilgruppe, Thema wurde als Top-Thema benannt) Sinnvolle Maßnahme Sinnvolle, vordringliche Maßnahme
  • 24. 24 | Fachkräftemangel in Deutschland KAPITEL 3 ERGEBNISSE Veränderung der Personalbedarfsplanung und -beschaffung im Unternehmen HR bleibt bei Entscheidung öfters außen vor 61 % 38 % HR erhält mehr Entscheidungsbefugnisse Entscheidungen über Einsatz externer Mitarbeiter werden eher ad hoc getroffen 64 % 37 % Entscheidungen über Einsatz externer Mitarbeiter werden langfristig strategisch geplant Basis: n = 1.000 (alle Befragten) Entscheidungen über Festanstellungen werden eher ad hoc getroffen 70 % 31 % Entscheidungen über Festanstellungen werden langfristig strategisch geplant Personalbedarfsplanung wird stärker dezentralisiert 33 % Personalbedarfsplanung wird stärker zentralisiert 68 % Rundungsbedingt kann es zu Abweichungen und damit zu Summenwerten von 99 % bzw. 101 % kommen.
  • 25. Fachkräftemangel in Deutschland | 25 3.7 Routineaufgaben von Mitarbeitern müssen konsequenter automatisiert werden Die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Fachkräftemarkt sind nicht eindeutig. Einerseits steigt durch die rasante Techno- logieentwicklung der Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Andererseits gehen die Investitionen in die Digitalisierung mit dem Versprechen einher, dass für gleichartige Aufgabenstel- lungen zukünftig weniger Fachkräfte benötigt werden. Welcher dieser Effekte letztlich überwiegt, ist offen. Immerhin rund 40 Prozent der Führungskräfte erwarten, dass der Fachkräftemangel in Folge der Automatisierung und Digitalisierung abebbt. Allerdings glaubt die Mehrheit nicht, dass sich Fachkräfte durch Roboter ersetzen lassen. Vielmehr fordern die Führungskräfte an erster Stelle eine stärkere Automatisierung von Routineaufgaben. Mit Automatisierung und Digitalisierung wird der Fachkräftemangel abebben Automatisierung und Digitalisierung treiben den Fachkräftemangel Basis: n = 1.000 (alle Befragten) 41 % 59 % Automatisierung und Digitalisierung vs. Fachkräftemangel Die für die Rekrutierung Verantwortlichen sollten schließlich auch Möglichkeiten des Einsatzes neuer Technologien ernsthaft prüfen – nicht, weil eine künstliche Intelligenz besser rekrutieren kann, aber weil sich durch den Technologieeinsatz Routineaufgaben automatisieren lassen und so Ressourcen für ein strategisches und aktives Personal-Sourcing frei werden. Wolfgang Brickwedde Automatisierung und Digitalisierung – Wichtigkeit der Maßnahmen Automatisierung von Routinetätigkeiten Investitionen in (neue) Digitalisierungsthemen, die geringere Abhängigkeit von Fachkräften versprechen95 % 89 % 59 % 40 % Ersetzung analoger Vorgehensweisen und Kundenansprachen durch digitale Ansätze Ersetzen von Fachkräften durch Roboter90 % 61 % 42 % 21 % Basis: n = 248 (Teilgruppe, Thema wurde als Top-Thema benannt) Sinnvolle Maßnahme Sinnvolle, vordringliche Maßnahme
  • 26. 26 | Fachkräftemangel in Deutschland KAPITEL 3 ERGEBNISSE Ich halte wenig davon, dass Unternehmen mit Verweis auf eine vermeintliche Bedrohung durch Fachkräftemangel bei der Politik pauschal mehr Flexibilität einfordern, ohne zunächst das ihnen zur Verfügung stehende Flexibilitätspotenzial auszuschöpfen. Prof. Dr. Peter M. Wald
  • 27. Fachkräftemangel in Deutschland | 27 Outsourcing und flexible Beschäftigung – Wichtigkeit der Maßnahmen Strategische Kooperationen mit externen Partnern Nutzung von globalen Ressourcen (offshore/nearshore)94 % 86 % 35 % 31 % Aufbau von Wertschöpfungsnetzwerken mit anderen Unternehmen Ausbau der flexiblen Beschäftigung Externer (Zeitarbeit und Freiberufler) Erhöhung des Anteils externer Dienstleistungen (Outsourcing/Werkverträge)86 % 86 % 83 % 40 % 39 % 39 % Basis: n = 272 (Teilgruppe, Thema wurde als Top-Thema benannt) 3.8 Unternehmen haben bei flexiblen Beschäftigungsformen und externen Partner- schaften noch Luft nach oben Unternehmenspartnerschaften, Outsourcing und flexible Be- schäftigungsformen sind keine neuen Entwicklungen. Mit dem Fachkräftemangel erhalten diese Formen jedoch einen neuen Auftrieb. Die Personalnot zwingt die Unternehmen schließlich dazu, sich nach außen zu öffnen. Die Befragungsresultate bestätigen dies: Für jeden Vierten zählt „Outsourcing und flexible Beschäftigung“ zu den Top-3-Handlungsfeldern zur Adressierung des Fachkräfte- mangels (vgl. Abschnitt 3.2). Dies beinhaltet ein breites Spektrum an Forderungen – vom Ausbau strategischer Kooperation mit externen Partnern über den verstärkten Einsatz externer Mitarbeiter bis hin zur Nutzung globaler Ressourcen. Im Saldo erwarten die Führungskräfte in ihren Unternehmen einen deutlichen Anstieg sowohl bei den Outsourcing- und Offshoring-Aktivitäten als auch bei der flexiblen Beschäfti- gung. So erwartet knapp jede zweite Führungskraft (48 %) eine Zunahme beim Einsatz von Freiberuflern und Mitarbei- tern im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung. Mit einem Rückgang rechnet dagegen nur jede zehnte Führungskraft. Der Fachkräftemangel entwickelt sich zum treibenden Faktor für Outsourcing, Offshoring und flexibler Beschäftigung Sinnvolle Maßnahme Sinnvolle, vordringliche Maßnahme
  • 28. 28 | Fachkräftemangel in Deutschland KAPITEL 3 ERGEBNISSE Die Verfügbarkeit von Fachkräften – so die gängige These – nimmt im Zuge des Fachkräftemangels einen immer stärkeren Einfluss auf die Standortpolitik der Unternehmen. Speziell Unternehmen im ländlichen (oder weniger urbanen) Raum verfügen demnach über einen Standortnachteil. Unsere Befragungsresultate stützen diese These nicht: So finden sich in der Wahrnehmung des Fachkräftemangels keine nennenswerten Unterschiede zwischen Unternehmen, in denen die befragten Führungskräfte im ländlichen Raum oder im Umfeld einer Großstadt angesiedelt sind. Dieses Ergebnis lässt sich damit erklären, dass immer mehr Unternehmen – als Alternative zur Standortverlagerung – dezentrale Arbeits- möglichkeiten für ihre Mitarbeiter einrichten. Genau darin besteht eine Hauptforderung derjenigen Füh- rungskräfte, die das Thema Geschäftsstrategie und Standort- politik als Top-Handlungsfeld zur Adressierung des Fach- kräftemangels benennen. Standortpolitik: Die Schaffung dezentraler Arbeitsmöglichkeiten gewinnt an Bedeutung – auch als Alternative zur Verlagerung von Geschäftsstandorten Abnahme Zunahme Inanspruchnahme externer Dienstleistungen Basis: n = 1.000 (alle Befragten) 5 % 58 % Outsourcing/Vergabe von Leistungen an Partner in Deutschland 9 % 48 % Einsatz externer Fachkräfte als Freiberufler 11 % 48 % Einsatz externer Fachkräfte in Arbeitnehmerüberlassung 6 % 47 % Outsourcing/Vergabe von Leistungen an Partner in Europa 8 % 44 % Bündelung von Tätigkeiten in Shared Service Center 8 % 42 % Auf-/Ausbau von internen Offshore-Kapazitäten 9 % 40 % Outsourcing/Vergabe von Leistungen an außereuropäische Partner Fehlende Werte zu 100 %: Bleibt gleich oder spielt keine Rolle
  • 29. Fachkräftemangel in Deutschland | 29 Geschäftsstrategie und Standortpolitik – Wichtigkeit der Maßnahmen Schaffung dezentraler Arbeitsmöglichkeiten mit freier Wahl des Arbeitsplatzes90 % 44 % Fokussierung auf ausgewählte Geschäftsfelder Verlagerung von Geschäftstätigkeiten ins Ausland84 % 61 % 38 % 25 % Verlagerung von Geschäftstätigkeit in begehrte urbane Räume77 % 35 % Basis: n = 282 (Teilgruppe, Thema wurde als Top-Thema benannt) Der Wettbewerb um die Fachkräfte beeinflusst heute auch unsere Standort- und Sourcing-Politik. […] Als Dienstleister werden wir natürlich auch zukünftig dort präsent sein, wo unsere Kunden sind. Gleichzeitig versuchen wir, die Möglichkeiten eines verteilten Arbeitens noch konsequenter auszu- schöpfen. Jörg Dirbach Viele Führungskräfte fordern zudem, sich auf ausgewählte Geschäftsfelder zu fokussieren, für die der Personalbedarf sichergestellt ist. Dies ist nachvollziehbar: Der Fachkräfte- mangel zwingt Unternehmen dazu (wie im vorherigen Kapitel diskutiert), „Make or Buy“-Strategien zu überdenken und Wertschöpfungsnetzwerke mit anderen Unternehmen in Betracht zu ziehen. Allerdings erscheint es unrealistisch, dass Unternehmen durch eine Fokussierung der Geschäfts- strategie dem Fachkräftemangel vollständig ausweichen können. Ausbau von Shared Service Centern im Unternehmen80 % 27 % Sinnvolle Maßnahme Sinnvolle, vordringliche Maßnahme
  • 30. 30 | Fachkräftemangel in Deutschland KAPITEL 4 FAZIT Wir können kontrovers darüber diskutieren, ob der Fachkräf- temangel den Standort Deutschland bedroht oder nur ein Mythos ist. Aber ist diese Frage wirklich so zentral?! Ungleich wichtiger erscheint uns aufgrund der Ergebnisse der Studie eine Diskussion darüber, welche Hebel die Unternehmen selbst in der Hand halten, um qualifizierte Mitarbeiter zu finden und zu binden. Daher raten wir den Verantwortlichen dazu, sich nicht mit Klagen über Personalnot und träge Bildungssysteme aufzuhalten, sondern zuerst ihr eigenes Tun kritisch zu hinterfragen. Denn bislang, so zeigt unser empirischer Befund, ist die überwiegende Mehrheit der Unternehmen nicht gut gerüstet, um dem Fachkräftemangel konstruktiv und lösungsorientiert zu begegnen. Unsere Studie liefert klare Hinweise, auf welchen Handlungsfeldern Unternehmen aktiv werden müssen. Im Vordergrund stehen: Der Aufbau einer attraktiven Arbeitgebermarke, die über eine hohe Glaubwürdigkeit verfügt Das Beschreiten neuer Wege bei der Rekrutierung Der Ausbau der Angebote zum Erwerb von Kompetenzen Die Etablierung einer integrierten Personalbedarfsplanung, die zudem extern benötigte Ressourcen einbezieht Die erfolgreiche Umsetzung dieser Maßnahmen setzt aller- dings voraus, dass die Verantwortlichen sich die veränderten Kräfteverhältnisse im Fachkräftemarkt bewusst machen, ihre Prioritäten entsprechend anpassen und bereit sind, bei der Umsetzung von Maßnahmen auch alte Zöpfe abzuschneiden beziehungsweise ans Eingemachte zu gehen. Halten wir also fest: Larmoyanz, gepaart mit Schuldzuweisun- gen an das träge Bildungssystem, helfen Unternehmen nicht weiter. Der Fachkräftemangel stellt vor allem für die Unternehmen eine Bedrohung dar, die nicht willens sind, die neuen Realitä- ten am Arbeitsmarkt anzuerkennen oder sich an die neue Lage anzupassen. Für wandlungsfähige Unternehmen bietet er dagegen die Chance, sich über eine moderne Personal- politik von Mitbewerbern abzusetzen. ATTRAKTIVER ARBEITGEBER FAZITFAZITFAZIT KOMPETENZ- ENTWICKLUNG BESSERE REKRUTIERUNG PERSONAL­ BEDARFSPLANUNG EXTERNE RESSOURCEN
  • 32. Hays Willy-Brandt-Platz 1–3 68161 Mannheim T: +49 621 1788 0 F: +49 621 1788 1299 info@hays.de www.hays.de Unsere Niederlassungen finden Sie unter www.hays.de/standorte Hays (Schweiz) AG Sihlstrasse 37 8001 Zürich T: +41 44 2255 000 F: +41 44 2255 299 info@hays.ch www.hays.ch Unsere Niederlassungen finden Sie unter www.hays.ch/standorte Hays Österreich GmbH Europaplatz 3/5 1150 Wien T: +43 1 535 3443 0 F: +43 1 535 3443 299 info@hays.at www.hays.at Unsere Niederlassungen finden Sie unter www.hays.at/standorte © Copyright Hays plc, 2019. HAYS, die H-Symbole für das Unternehmen und die jeweilige Branche, Recruiting Experts Worldwide, das Logo Hays Recruiting Experts Worldwide und Powering the World of Work sind eingetragene Markenzeichen der Hays plc. Die H-Symbole für das Unternehmen und die jeweilige Branche sind Originaldesigns, die in vielen Ländern geschützt sind. Alle Rechte vorbehalten.