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Arbeitswelt 2025:
Die Jobs der Zukunft
April 2019
Mit Unterstützung von Hays
VON BUSINESS MEDIA
hays.de/it
Wir bieten Experten genau das, was sie
suchen: spannende Jobs und Projekte in
interessanten Unternehmen. Nicht mit
flüchtigem Blick auf morgen, sondern
zukunftsorientiert und nachhaltig.
EXPERTEN FÜR
SPANNENDE
AUFGABEN
IT-Karriere | 3
Zwei Entwicklungen beeinflussen heute und sicher auch in Zu-
kunft massiv unsere Arbeitswelt: die Digitalisierung und – in der
Folge daraus – das agile Arbeiten. Software wird in den meisten
Unternehmen zu einem entscheidenden Wertschöpfungsfaktor,
weshalb Fachabteilungen verstärkt die Zusammenarbeit mit
den Experten in den IT-Organisationen suchen, zunehmend aber
auch bereichsintern eigenes IT-Know-how aufbauen.
Der Druck ist immens, auch auf den IT-Chef, der den Begriff
Schatten-IT schleunigst aus seinem Wortschatz streichen und
den Aufbau von IT-Kompetenz jenseits seines Bereichs begrü-
ßen und fördern sollte. Dabei wird er akzeptieren müssen, dass
sich Vertriebs- oder Marketing-Bereiche, die schnell eine App
benötigen, auch mal an die Agentur um die Ecke wenden, an-
statt auf die manchmal noch behäbige IT-Abteilung zu warten.
IT-Verantwortliche, die dann nur angesäuert nach Schnittstel-
len, Security-Anforderungen, Compliance-, Patent- oder Urhe-
berrechtsproblemen fragen, machen sich keine Freunde.
Optimal ist die Ausgangssituation für IT-Abteilungen, wenn es
ums agile Arbeiten geht: Hier ist die IT der Vorreiter. Sie hat
die Erfahrung, von der alle anderen Unternehmensbereiche
möglichst schnell lernen möchten. Tatsächlich wird aber genau
das oft zum Problem: IT-Profis genießen ihr Herrschaftswissen
und zeigen sich wenig geneigt, anderen Unternehmensberei-
chen auf die Sprünge zu helfen. Eigentlich sind diese neuen
Probleme die alten: IT und Business tun sich schwer, miteinan-
der zu kommunizieren. Hier liegt der wesentliche Grund, dass
Fachwissen bei der Rekrutierung von IT-Personal nur die eine
Seite der Medaille ist. Mindestens ebenso wichtig sind die oft
belächelten „weichen Faktoren“. Neue Mitarbeiter sollten eine
positive Ausstrahlung mitbringen, kommunizieren können und
lernwillig sein. Sie sollten keine Angst vor dem Neuen haben
und bereit sein, Verantwortung zu übernehmen.
Editorial
Hans Königes,
COMPUTERWOCHE
Titelfoto:K_E_N/Shutterstock
4 | IT-Karriere
Inhalt
	 6	Lernbereitschaft, Verantwor-
tung übernehmen – das sind die
Topskills
		Weiche Faktoren entscheiden über
die Karriere in der digitalen Welt.
	12	Fachkräftesuche bei Bosch:
Die Mischung macht’s
		Personalleiterin Sabine Lehmann
erklärt, welche Kompetenzen dem
Unternehmen heute wichtig sind.
	16	Wer verdient am besten
in der ITK-Branche?
		Security-Experten, SAP-Berater,
Projekt-Manager – das sind Berufe, in
denen sich sehr gut verdienen lässt.
	20	Data Scientist –
ein Titel, viele Jobprofile
		Unter dem Begriff Data Scientist
sammeln sich unterschiedliche Be­-
griffe – ein Überblick bringt Klarheit.
16
Die Schere zwischen den Top-
verdienern der Branche und den
Schlusslichtern öffnet sich weiter.
Die einen dürfen mit zum Teil
kräftigen Zuwächsen rechnen, die
Gehälter der anderen stagnieren.
Ausführlicher Bericht auf Seite 16.
Sicherheitsexperten und
SAP-Berater verdienen
am besten
IT-Sicherheit
IT-Leitung
SAP-Beratung
IT-Beratung, Analyse,
Konzeption
IT-Projektleitung
SAP-Entwicklung
Softwareentwicklung
Backend
Software/gesamte DV
Softwareentwicklung
Mobile (neu, statt
Methodenplanung)
UX (User Experience, neu,
statt Organisations-
programmierung)
DV-Schulung
Softwareentwicklung
Frontend (ehemals
Web-Entwicklung)
Datenbankadministration
System- und
Netzadministration
Anwender-Support
75.577 €
73.237 €
72.893 €
72.446 €
72.287 €
65.599 €
61.674 €
60.658 €
59.760 €
58.172 €
52.548 €
50.948 €
50.511 €
49.284 €
44.745 €
Quelle: Compensation Partner
26	Data Scientist muss sich rasch
auf neue Aufgaben einstellen
		Informatiker, Physiker und Mathe-
matiker werden als „Datenschürfer“
bevorzugt.
	28	Von der Quereinsteigerin zur
IT-Security-Spezialistin
		Auch Quereinsteiger können sich
gute Chancen in diesem höchst
gefragten Beruf ausrechnen.
	30	KI, IoT und Blockchain: SAP-Be­ra­
tung wird noch anspruchsvoller
		SAP-Berater kommen mit ihrem
aktuellen Know-how nicht weiter.
	34	Die neue Welt von Industrie 4.0:
		 Maschinenbauer spricht Java
		Techniker müssen lernen, mehr über
den Tellerrand zu schauen.
	37	Informatiker benötigen mehr
Ingenieur-Know-how
		Wer als Informatiker in der Produktion
mitreden will, muss die Ingenieure
verstehen.
	40	Projektarbeit – agiles Arbeiten
– KI: Müssen wir Arbeit neu
denken?
		Hays-Manager Frank Schabel wagt
einen Blick in die neue Arbeitswelt.
Impressum
COMPUTERWOCHE-Sonderpublikation in Zusammenarbeit mit Hays, IDG Business Media GmbH,
Lyonel-Feininger-Straße 26, 80807 München, Verlagsleitung: Jonas Triebel,
Gesamtanzeigenleitung: Sebastian Wörle, Redaktionelle Konzeption: Hans Königes, Alexandra Mesmer,
Grafikkonzept und Layout: Erika Schönberger,
Druck: Silber Druck oHG, Otto-Hahn-Straße 25, 34253 Lohfelden
28
37
In unserer Verlagsgruppe
erscheinen außerdem
folgende Medienmarken
6 | IT-Karriere
Lernbereitschaft, Verantwortung
übernehmen – das sind die Topskills
Die Arbeitsmarkteffekte aus der Digitalisierung sind umstritten: Für
die einen ist sie der Jobkiller, für die anderen ein Karriere-Turbo.
Wer gewinnt und wer verliert, hängt im Wesentlichen davon ab,
wie sehr Job und technischer Fortschritt im Gleichklang sind und
wie es um die Lernwilligkeit bestellt ist.
7
Fotos:EtiAmmos/Shutterstock;Liuzishan/Shutterstock
Für viele Menschen ist längst klar: In
zehn Jahren werden sie nicht mehr
denselben Job ausüben wie heute. Das
kann allerdings ganz unterschiedliche
Ursachen haben. Während sich SAP-
Berater und Softwareentwickler immer
mehr spezialisieren müssen, um komple-
xe technische Zusammenhänge zu
durchdringen, fällt das Berufsbild des
Der jährlich erscheinen-
de HR-Report analysiert
HR-Fragestellungen in
Unternehmen. Er basiert
auf einer Online-Befragung,
an der für den aktuellen
Report 868 Mitarbeiter
aus Organisationen im
deutschsprachigen Raum
teilnahmen. Befragt wurden
Geschäftsführer (17 Pro-
zent), HR-Führungskräfte
(22 Prozent), Fachbe-
reichsleiter (40 Prozent)
sowie Mitarbeiter ohne
Personalverantwortung (21
Prozent). Das diesjährige
Schwerpunktthema heißt
„Beschäftigungseffekte der
Digitalisierung“.
Der Hays
HR-Report 2019
D
8 | IT-Karriere
Automechanikers vermutlich ganz weg.
Seine Tätigkeit übernimmt dann der
Roboter. Diese Prozesse gehen schlei­
chend vonstatten und werden sukzessive
zu Wegfall, Erweiterung oder Neudefini­
tion unzähliger Berufe führen. Ob dieser
Wandel unter dem Strich in zehn Jahren
dann zu mehr und weniger Jobs führen
wird, ist schwer zu sagen.
Erfreulich ist allerdings die große Zu­­ver-
­sicht, die trotz vieler Untergangsszenarien
in den Unternehmensetagen zu herrschen
scheint. Denn von den über 800 Füh­
rungskräften, die für den Hays HR-Report
2019 befragt wurden, ist die Mehrheit
positiv gestimmt. Zwei Drittel rechnen
damit, dass die Digitalisierung eher mehr
als weniger Jobs bringt.
Vor allem im IT-Bereich erwarten sie
po­si­tive Beschäftigungseffekte. Das
bedeutet konkret Stellenzuwächse und
neue Job­profile. Aber auch im Bereich
kundenzentrierter und kreativer Tätigkei­
ten, also von Aufgabenfeldern, die sich
nicht so schnell automatisieren oder von
künstlicher Intelligenz ablösen lassen,
sind die Befragten guten Mutes.
Mit Bezug auf die Beschäftigungseffekte
unterscheiden die Studienverfasser
dabei zwischen Qualität und Quantität.
Ersteres bezieht sich darauf, ein Er­
D
Digitalisierung: Erwartete qualitative Beschäftigungseffekte
Mit den stärksten Effekten rechnen die befragten Teilnehmer im IT-Bereich. Die Studienbe-
fragten über 50 sehen die größten Auswirkungen in Vertrieb und Kundenservice.
IT
Vertrieb/Kundenservice
Personalwesen
Produktion
Forschung und Entwicklung
Logistik
Unternehmensleitung/-entwicklung
Finanzwesen
Marketing
Einkauf/Beschaffung
43
32
30
26
24
21
19
17
17
15
Angaben in Prozent;
Basis: n = 868
(alle Befragten);
Quelle: IBE
9
werbsleben lang beschäftigungsfähig zu
bleiben, indem man seine Kompetenzen
immer wieder an die neuen Jobanforde-
rungen anpasst.
Im Unterschied dazu drücken die quan­­ti-
­tativen Beschäftigungseffekte aus, dass
neue Jobprofile oder Arbeitsplätze
entstehen. Das negative Pendant würde
dann entsprechend den Wegfall von
Ar­beitsplätzen kennzeichnen. In der
Konsequenz wurden die Entscheider
gefragt, welche qualitativen Effekte sie
für die kommenden fünf Jahre in welchen
Unternehmensbereichen erwarten.
Daten und KI sind zentrale Themen
Am stärksten wird sich ihrer Ansicht
nach die Arbeit in der IT verändern (45
Prozent), gefolgt von Vertrieb/Kunden-
service (32 Prozent) sowie an dritter
Stelle dem Personalwesen (30 Prozent).
Dazu muss man wissen, dass in der
Studie zum Großteil Dienstleistungs-
und Industrieunternehmen befragt
wurden.
Das Aufgabenspektrum der IT-Abteilung
im verarbeitenden Gewerbe dürfte
anders sein als die Aufgaben, die ein
Softwareentwickler hat, wenn er einen
Online-Shop neu programmieren muss.
Dennoch kann man festhalten, dass die
technischen Qualifikationen von Big Data
bis zur künstlichen Intelligenz in mehr
oder weniger intensiver Ausprägung
künftig viele Jobs durchziehen werden.
Im Vertrieb und Kundenservice wird der
Umgang mit Daten immer wichtiger
werden, um den Kunden individuell
anzusprechen und eine personifizierte
Lösung zu entwickeln. Das Personalwe-
sen wird sich mehr und mehr mit den
Möglichkeiten im Einsatz von künstlicher
Intelligenz in den Bewerbungsprozessen
auseinandersetzen müssen. Das brau-
chen die Personaler, um mitreden zu
können, wenn es darum geht, was Sinn
gibt und moralisch vertretbar ist.
Datenmengen steigen, Innovationszyklen
werden immer kürzer, die Veränderungs-
dynamik nimmt in allen Branchen zu.
Foto:EtiAmmos/Shutterstock
D
10 | IT-Karriere
„War die IT einst das Betätigungsfeld
einzelner Spezialisten, ist sie heute zum
entscheidenden Erfolgsfaktor ganzer
Branchen geworden“, fasst Simon Alborz,
Bereichsleiter Permanent bei Hays, die
Bedeutung des technischen Fokus für
künftige Berufe zusammen.
Lernen und über den Tellerrand schauen
Um hier allerdings in allen Unternehmens-
bereichen stets am Puls der Zeit zu sein,
bedarf es mehr als der bloßen Weiterquali-
fizierung in fachlicher Hinsicht. Das weiß
auch Sabine Lehmann, Personalleiterin
von Bosch Corporate IT: „Es wird extrem
wichtig werden, stets lernwillig zu sein.
Gleichzeitig braucht man die Fähigkeit,
sich neue Themen selbst zu erschließen.“
Interessanterweise waren besonders die
über 50-jährigen befragten Entscheider
ebenfalls dieser Meinung.
Ihrer Ansicht nach kommt es künftig mehr
denn je darauf an, eine hohe Lernbereit-
schaft an den Tag zu legen, sich auf Ver-
änderungen im Job einlassen zu können
oder auch immer bereit zu sein, Verant-
wortung zu übernehmen. Entsprechende
Kandidaten sollten ihrer Meinung nach
dann aber eher generalistische Fähigkeiten
besitzen. Das heißt, stets über den eige­nen
fachlichen Tellerrand blicken können.
Geht es etwa darum, ein Grundverständnis
für künstliche Intelligenz oder Datenanaly-
se zu bekommen, sollten sie einschätzen
können, was diese Kenntnisse für die
Aufgaben in ihrem Arbeitsalltag bedeuten.
Work-Life-Balance ist wichtiges Thema
Eine recht bemerkenswerte Verschiebung
also bei der Einschätzung dazu, welchen
Fähigkeiten künftig eine hohe Bedeutung
zugesprochen wird. Denn bisher domi­-
nierte bei der Suche nach Fachkräften
immer eine hohe Fachlichkeit, gepaart
mit „kosmetischen“ Soft Skills.
Was auch Befragungen vor einigen Jah­ren
noch bestätigten. Wem es also unter den
gewandelten Verhältnissen langfristig
ernst mit der Beschäftigungsfähigkeit
seiner Mitarbeiter ist, der sollte sich
D
Simon Alborz, Hays: „War die IT
einst das Betätigungsfeld ein-
zelner Spezialisten, ist sie heute
zum entscheidenden Erfolgsfaktor
ganzer Branchen geworden.“
Foto:Hays
11
außer um die Hard Skills darum bemü-
hen, dass es ihnen jederzeit möglich ist,
sich schnell und kompetent mit neuen
Themen auseinanderzusetzen, um sie für
die eigene Tätigkeit zu reflektieren. Dafür
braucht es wiederum die Be­reitschaft
ständig hinzuzulernen – und zwar ein
Leben lang.
Genau diesen Trend bestätigt auch die
HR-Studie. Um die Beschäftigungsfähig-
keit von Mitarbeitern in Unternehmen zu
sichern, gilt die lebenslange Fortbildung
als das wichtigste Instrument (50 Prozent)
gegen den Fachkräftemangel, lautet ein
Ergebnis des Reports.
Zudem ständen der Ausbau der Work-
Life-Balance mit 44 Prozent sowie die
Zusammenarbeit in gemischten Teams
mit 39 Prozent ganz oben auf der Liste
der geeigneten Maßnahmen.
„Für die Beschäftigungsfähigkeit wächst
die Bedeutung der Work-Life-Balance. Die
Befragten sehen hier ihr eigenes Unter-
nehmen stärker in der Verantwortung als
sich selbst“, kommentiert Jutta Rump,
Direktorin des Instituts für Beschäfti-
gung und Employability, das Ergebnis.
„An der Umsetzung der Work-Life-Balan-
ce hakt es jedoch noch deutlich.“
 Silvia Hänig
Kompetenzen zum Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit
Für die über 50-Jährigen sind Themen wie Lernbereitschaft, Einlassen auf Veränderungen,
Teamfähigkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, aufgrund ihrer größeren
Berufserfahrung sehr viel bedeutsamer als für Jüngere.
Lernbereitschaft ein Leben lang
Lernfähigkeit
Teamfähigkeit in unterschiedlichen Teamformen
Kommunikationsfähigkeit
Eigenständigkeit
Fähigkeit, in Zusammenhängen zu denken
Bereitschaft, sich auf Veränderungen aktiv einzulassen
Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen
Selbst-Management
Prozessverständnis
40
39
39
36
34
31
31
30
29
24
Angaben in Prozent;
Basis: n = 868
(alle Befragten);
Quelle: IBE
12 | IT-Karriere
Frau Lehmann, Ihr Arbeitgeber sucht
in den nächsten Jahren 25.000 IT- und
Softwareexperten und will die Zahl der
Experten für künstliche Intelligenz (KI)
auf 4000 vervierfachen. Wird Bosch
jetzt zum Softwarekonzern?
Lehmann: Wir haben den Anspruch, ein
führender Anbieter im Internet der Dinge
(IoT) und für Mobilitätslösungen zu sein.
Dabei geht es um die Kombination von
Hardware, Software, aber auch Services.
Dabei machen wir große Fortschritte. Be-
reits im vergangenen Jahr haben wir 52
Millionen vernetzbare Produkte verkauft
und 170 eigene IoT-Projekte umgesetzt.
Unser Ziel ist, dass bis 2020 alle unsere
elektronischen Produkte Internet-fähig
sind.
Wie gelingt es, diese große Menge an
neuen IT-Experten zu finden?
Lehmann: Neben den neuen Fachkräften,
die wir am Markt finden, qualifizieren
und entwickeln wir auch unsere eigenen
Fachkräftesuche bei Bosch:
Die Mischung macht’s
Bosch sucht Mitarbeiter im großen Stil, vor allem Informatiker.
Welche Erwartungen das Unternehmen an die IT-Fachkräfte
und deren künftige Kompetenzen hegt, verrät Sabine Lehmann,
Personalleiterin der weltweiten Corporate IT, im Interview.
Foto:Bosch
Mitarbeiter weiter. Dazu arbeiten wir
mit Hochschulen wie der TU Darmstadt
zusammen, um maßgeschneiderte,
hochwertige Qualifizierungen anbieten
zu können.
Gilt das auch für gesuchte KI-Experten?
Lehmann: Auch für KI bieten wir ent-
sprechende Qualifizierungen an. Diese
richten sich vor allem an berufserfahrene
Mitarbeiter, die bereits über entspre-
chendes Vorwissen verfügen. Zusätzlich
kooperieren wir mit Hochschulen und
engagieren uns in Initiativen wie dem
Cyber Valley.
Hier buhlt doch auch der internationale
Wettbewerb um die besten Köpfe.
Lehmann: Bereits heute beschäftigen wir
1000 KI-Experten. Diese Zahl wollen wir
in den kommenden drei Jahren vervierfa-
chen. Vielen Menschen ist es wichtig, mit
ihrer Arbeit dazu beitragen zu können,
die Lebensqualität der Menschen zu
13
Welche Kompetenzen brauchen Sie
momentan am dringendsten?
Lehmann: Wir suchen Mitarbeiter mit
tiefem Fachwissen in IoT und Cloud-
Lösungen, aber genauso Spezialisten für
Cybersecurity, Robotik oder auch Smart
City.
Das sind ja ziemlich viele neue Themen.
Was ist mit den Klassikern?
Lehmann: Die suchen wir auch, bei-
spielsweise SAP-Berater. Hier spielen
Soft Skills mittlerweile eine größere
Rolle als noch vor ein paar Jahren. In der
Vergangenheit wurde in erster Linie auf
das technologische Know-how geschaut.
Heute achten wir sehr viel stärker darauf,
ob die Mitarbeiter auch zur Lösung an
sich beraten können: Stichwort Kunden-
orientierung.
Setzen Sie diesen Fokus auch bei ande-
ren Jobprofilen?
Lehmann: Ja, durchaus. Denn wir haben
uns intensiv mit der Frage beschäftigt,
wie wir heute das Potenzial von Füh-
rungskräften, Experten und Projektlei-
tern analysieren können, um sie gezielt
zu fördern. Es gab bereits Indikatoren,
die wir jetzt weiterentwickeln, um den
Anforderungen der digitalen Welt und
der Ambidextrie unseres Business ge-
recht zu werden. D
verbessern. Das ist auch unser Anspruch,
den unser Claim „Technik fürs Leben“ ver-
deutlicht. IT-Experten suchen Herausfor-
derungen, sie wollen an ihren Aufgaben
wachsen.
Sabine Lehmann: „Bereits heute be-
schäftigen wir 1000 KI-Experten. Diese
Zahl wollen wir in den kommenden drei
Jahren vervierfachen.“
14 | IT-Karriere
Wie sehen diese Indikatoren genau
aus?
Lehmann: Die Indikatoren sind Kommu­
nikation, Kooperation, Lernfähigkeit,
Bereitschaft zur Veränderung sowie
unternehmerisches Denken. Das mag
jetzt auf den ersten Blick nicht über­
raschen, aber zusammen beschreiben
sie eine neue Art der Arbeitshaltung.
Nehmen wir als Beispiel Kommunika­
tion. Häufig arbeiten wir gemeinsam in
Teams, die über die ganze Welt verteilt
sind: Stuttgart, Sunnyvale im Silicon
Valley, Shanghai, das ist keine Selten­heit.
Um gut zusammenarbeiten zu können,
spielen die Kommunikationsfähigkeiten
eine entscheidende Rolle, zum Beispiel
die Nutzung digitaler Medien.
Bevorzugen Sie dann eher die bran­
chenerfahrenen Generalisten auf den
Positionen, die diese Fähigkeiten ­
durch ihre berufliche Praxis schon
mitbringen?
Lehmann: Die Mischung macht‘s. Wir
brauchen einerseits die jungen Wilden,
die reinkommen, kreative Ideen haben
und die Dinge hinterfragen und uns in
gewisser Weise damit herausfordern.
Und wir brauchen andererseits die Mitar­
beiter mit der nötigen Erfahrung, die die
Leichtigkeit besitzen, in beiden Welten,
dem bisherigen und dem neuen Geschäft,
zurechtzukommen.
Es gab keinen Gegenwind?
Lehmann: Natürlich hat nicht jeder
gleich Juchu gerufen. Wie bei jedem
Change-Prozess braucht man Zeit, bis
sich die Dinge eingespielt haben. Mitt­
lerweile ist es so, dass sich die Teams
gegenseitig inspirieren und sehr große
Akzeptanz und Wertschätzung unterein­
ander da ist.
Was waren denn die größten Aufreger?
Lehmann: Eine Befürchtung mancher
Führungskräfte in etablierten Bereichen
war, dass zu viel Freiraum in den Teams
zu schlechteren Ergebnissen führen
könnte. Solche Befürchtungen muss man
ernst nehmen, weswegen wir den Prozess
aktiv begleitet haben. Letztlich hat sich
aber gezeigt, dass der Freiraum in den
Teams zu einer sehr hohen Motivation der
Mitarbeiter und zu besseren Arbeitsergeb­
nissen führt. In jüngeren Einheiten, die
gerade erst gegründet worden sind, sind
diese Sorgen gar nicht erst aufgekommen.
Und warum nicht, liegt das an der
Zusammensetzung der Teams?
Lehmann: Die Teams in diesen Einheiten
hatten von Anfang an große Freiräume
und wurden bewusst sehr vielfältig
besetzt. Jüngere und ältere Mitarbeiter,
Männer und Frauen, aber auch Mitarbei­
ter aus unterschiedlichen Regionen. Das
D
15
ist wichtig, denn autonomes Fahren zum
Beispiel muss überall auf der Welt funk­
tionieren, daher brauchen wir möglichst
viele unterschiedliche Sichtweisen auf
das Thema.
Was gibt es darüber hinaus?
Lehmann: Wir bieten unseren Mitarbei­
tern zum Beispiel Job-Rotation-Pro­
gramme, damit sie in andere Bereiche
hineinschnuppern können. Dabei stehen
der Austausch und praktische Lernerfah­
rungen für den eigenen Arbeitsbereich im
Vordergrund.
Was glauben Sie, welche Fähigkeiten
werden in den kommenden fünf Jahren
in der IT besonders wichtig werden?
Lehmann: Wir sind der Meinung, dass
die Bereitschaft zum ständigen Lernen
weiter an Bedeutung gewinnen wird.
Damit einher geht die Fähigkeit, sich
selbst jederzeit Themen erarbeiten zu
können. Wir werden zunehmend Exper­
ten mit einer hohen Lösungskompetenz
benötigen, aber auch Menschen, die den
„Discomfort“ suchen und sich gerne in
neue Aufgaben reinfuchsen. Wir stärken
die Zusammenarbeit über Grenzen hin­
weg, und das nicht nur im Unternehmen,
sondern auch darüber hinaus.
Apropos Partnerschaft, was tun Sie für
den weiblichen Nachwuchs?
Lehmann: Hier engagieren wir uns sehr
stark, weil wir von vielfältigen Teams
überzeugt sind. Und unser Bereich
erfreut sich wachsender Beliebtheit. Wir
haben zwei Frauen im Bereichsvorstand.
25 Prozent unserer Einstellungen im
Bereich Corporate IT sind mittlerweile
Frauen. Diesen Anteil wollen wir noch
weiter steigern. k
Silvia Hänig
„Wir suchen berufserfah-
rene Experten in ganz un-
terschiedlichen Bereichen.
Ein Schwerpunkt ist KI,
aber genauso suchen wir
Mitarbeiter mit tiefem Fach-
wissen in Bereichen wie
Computer Vision, IoT, Cloud
oder auch Robotik, zum
Beispiel fürs automatisierte
Fahren oder Industrie 4.0.
Dabei verfolgen wir einen
weltweiten Ansatz. Zudem
haben wir die Erfahrung
gemacht, dass gute Leute
gerne mit guten Leuten zu-
sammenarbeiten. Und das
nutzen wir. Parallel arbeiten
wir natürlich auch mit Uni-
versitäten zusammen.“
Wen Bosch sucht
Das letzte überdurchschnittliche
Gehaltsplus von im Mittel 6,2
Prozent liegt für ­IT-Profis schon drei
Jahre zurück. Seitdem geht es moderater
vorwärts. 2018 wuchsen die Gehälter
über alle Berufsgruppen hinweg um 3,5
Prozent an. Das ist ein Ergebnis einer
exklusiven Studie der Hamburger Ver-
gütungsberatung Compensation Partner
und der COMPUTERWOCHE. Tim Böger,
Geschäftsführer von Compensation
Partner und Projektleiter der Studie, hat
Wer verdient am besten
in der ITK-Branche?
Noch kann niemand genau sagen, ob und wie
stark das Dauerthema Digitalisierung die Gehäl-
ter der IT-Fachkräfte beeinflussen wird. Sicher ist,
dass diejenigen, die hier gefragt sind, auf der Son-
nenseite des Arbeitsmarkts stehen. Die dicksten
Geldbeutel haben die Security-Spezialisten.
Foto:Ghing/Shutterstockeinen eindeutigen Gewinner im Poker um
IT-Spitzengehälter ausgemacht.
Es ist der Security-Experte, dessen
durchschnittliches Bruttojahresgehalt
in den vergangenen beiden Jahren von
71.100 auf mittlerweile 75.600 Euro stieg.
„Die Sicherheitsexperten werden immer
wichtiger – zum Beispiel vor dem Hinter-
grund der zunehmenden Cyber-Attacken
auf global agierende Unternehmen“, sagt
Böger. Eine Folge der Digitalisierung und
16 | IT-Karriere
und der Projektleiter mit 72.300 Euro.
Haben die Experten Personalverantwor-
tung, können sie sogar mit einem 25- bis
35-prozentigen Aufschlag rechnen.
Das Schlusslicht bilden die Mitarbeiter
in der System- und Netzadministration
(49.300 Euro) und im Anwender-Support
(44.800 Euro). Die Einkünfte der weniger
Qualifizierten stagnierten, so Böger. Der
Druck auf Mitarbeiter in Support und
Administration wachse. Das Thema D
Vernetzung seien neue Sicherheitslücken
und Schlupflöcher für Cyber-Kriminelle,
die es zu schließen gelte.
SAP-Berater verdienen nach
den Security-Profis am besten
Zu den Spitzenverdienern unter den
IT-Fachkräften ohne Personalverantwor-
tung gehören auch der SAP-Berater mit
einem Jahres­gehalt von 72.900 Euro, der
„normale“ IT-Berater mit 72.500 Euro
17
18 | IT-Karriere
Outsourcing spiele nach wie vor eine
Rolle, wenn es darum gehe, Kosten zu
senken.
Master verdienen immer mehr
Knapp 60 Prozent aller Personen, deren
Daten in die Gehaltsstudie eingeflossen
sind, verfügen über einen Hochschulab-
schluss. Am besten honoriert wird das
Universitätsdiplom mit durchschnittlich
76.500 Euro (Vorjahr 72.700 Euro), ein
Fachhochschulabschluss bringt 70.700
Euro (Vorjahr 69.200 Euro). Der Master
hat noch nicht das Niveau des Diploms
erreicht, die Gehaltssteigerung ist aber
überdurchschnittlich, so dass im Mittel
65.600 Euro jährlich gezahlt werden
(Vorjahr 60.900 Euro).
Der Rückstand gegenüber den Diplo­man-
d­en liegt am noch niedrigen Durchschnitts-
alter der Master-Absol­ven­ten. Der ebenfalls
noch junge Bachelor-Abschluss bringt den
Experten durchschnittlich 55.200 Euro
ein (Vorjahr 53.300 Euro). Wer eine Lehre
absolviert hat, muss sich mit etwa 50.000
Euro (Vorjahr 48.500 Euro) im Jahr zu-
friedengeben. Wichtiger Hinweis: Bei den
Zahlen handelt es sich nicht um Einstiegs-
gehälter, sondern um Einkommen, die im
Schnitt mit dem jeweiligen Abschluss zu
erreichen sind.
Berufserfahrung lohnt sich
Spezialisten mit drei bis sechs Jahren Be-
rufspraxis kommen auf rund 52.200 Euro
(Vorjahr 50.900 Euro) jährlich, mit einer
Berufserfahrung von sieben bis zehn
Jahren liegen die Gehälter im Schnitt
bei 56.400 Euro (Vorjahr 54.000 Euro).
Wer mehr als zehn Jahre im Geschäft ist,
hat im Mittel etwa 68.000 Euro (Vorjahr
66.300 Euro) auf dem Lohnzettel. An
das Gehaltsniveau ihrer Chefs kommen
­IT-Fachkräfte trotz aller Berufserfahrung
nicht heran: ­IT-Leiter mit mehr als zehn
D
Security-Profis
verdienen im
Schnitt 75.600
Euro pro Jahr.
Foto:Gorodenkoff/Shutterstock
19
Jahren Berufserfahrung beispielsweise
erhalten knapp 150.000 Euro jährlich. Da-
mit geht die Schere zwischen Fach- und
Führungskräften weiter auseinander.
Mittelstand holt auf
Generell gilt: Je größer das Unterneh-
men, umso höher die Vergütung. Um
diesen Unterschied zu verdeutlichen, hat
Compensation Partner die Gehälter aller
­IT-Fachkräfte eines Unternehmens in ei-
nen Topf geworfen und den Durchschnitt
ermittelt. Die gute Nachricht in diesem
Jahr: In den kleinen Firmen sind die
Gehälter stärker ­gestiegen als in großen
­Betrieben.
In einem mittelständischen ­Betrieb mit
bis zu 100 Mitarbeitern nimmt der Com-
puterfachmann derzeit rund 52.700 Euro
nach Hause, im Vorjahr waren es 49.700
Euro. Wechselt er zu einem größeren
Mittelständler mit bis zu 1000 Beschäf-
tigten, sind es gleich rund 8000 Euro
mehr pro Jahr. Geht er zu einem Konzern,
kommen noch einmal rund 18.000 Euro
drauf, insgesamt macht das dann etwa
78.000 Euro. Böger erinnert daran, dass
Konzerne auch deshalb ihren Beschäftig-
ten mehr bezahlen, weil sie tarifgebun-
den sind. Um weitere 40.000 bis 60.000
Euro kann das Gehalt steigen, wenn der
IT-Experte eine Führungsfunk­tion mit
Personalverantwortung übernimmt. k
 Hans Königes
Datenbasis: An der Studie
beteiligten sich 37 Unterneh-
men aus der IT-Wirtschaft,
die insgesamt 1012 Datensät-
ze geliefert haben. Wei­te­re
11.213 Datensätze stammen
aus Direkt­befra­gungen von
Fach- und Füh­rungskräften.
Insgesamt sind so 12.225
Datensätze einge­flossen.
733 Meldungen kamen zu
Füh­rungspositionen und
11.492 Meldungen zu Fach-
und Spezia­listen­posi­tionen.
Methode: Compensation
Partner hat Höhe und Struktur
der Gehälter von 29 IT-Funk­
tio­nen untersucht. Innerhalb
der Funktionen wurde nach
Anspruchsstufen differenziert:
IT-Berater etwa sind vom
einfachen Consultant bis hin
zum Manager mit Personal-
verantwortung analysiert
worden.
Preis: Die Vergütungsstudie
„IT-Funktionen 2019“ kann
zum Preis von 599 Euro
(zuzüglich MWSt und Ver-­
sandkosten) über die Home-­
page von Compensation
Partner bestellt werden.
Die Gehaltsstudie
„IT-Funktionen 2019“
Sehr viele Unternehmen sind auf der
Suche nach Data Scientists, um sich
die Potenziale datengetriebener Vorge-
hensweisen und Geschäftsmodelle zu
erschließen oder sie auszubauen. Was bei
der Fülle von Anforderungen in diesem
Arbeitsbereich und der dafür notwendi-
gen Kompetenzen schnell klar wird:
DEN Data Scientist gibt es nicht
Unter den Begriff fallen eine Reihe von
Unterprofilen, die ein Mitarbeiter selten
alle gleich gut erfüllen kann. Im ersten
Schritt geht es also darum, festzustellen,
welches Anforderungsprofil gemeint ist,
wenn ein Unternehmen Data Scientists
sucht.
Data Scientist –
ein Titel,
viele Jobprofile
Unter dem Begriff Data Scientist
sammeln sich höchst unter-
schiedliche Tätigkeiten. Ein
Blick auf die Facetten eines
Berufsfelds, das für Firmen
überlebenswichtig werden kann.
Foto:anttoniart/Shutterstock
Vier Subprofile des Data Scientist
Das Feld lässt sich in vier Kategorien
oder Profile im Team unterteilen: Data
Analyst, Data Architect, Data Manager
und Data Business Developer.
•Data Analysts benötigen profunde
Kenntnisse in der Datenanalytik. Meist
sind sie Mathematiker und Informa-
tiker, die gutes statistisches Know-
how mitbringen. Sie sind diejenigen,
die Daten auswerten, nach Mustern
suchen und diese aufbereiten. In neue
Data-Science-Teams berufen Unterneh-
men oft zunächst einmal Analysten.
•Data Architects kommen bei Daten-
IT-Karriere | 21
•Data Manager engagieren Unterneh-
men oft erst dann, wenn sie bemerkt
haben, welche Probleme ohne sie auf-
treten. Die Aufgabe der Data Manager
ist es, sich um die Qualität der Daten
zu kümmern, ihnen eine Semantik zu
geben. Sie müssen Daten miteinander
verknüpfen können, auch wenn sie aus
unterschiedlichen Abteilungen stam-
men und unterschiedliche Strukturen
aufweisen. Und es geht darum, reprä-
sentative Trainingsdaten anzulegen,
um das Modell immer wieder rekali-
brieren zu können. Viele reden von
einem „Big Data Lake“, den sie angelegt
haben. Dieser kann jedoch auch ein Da-
tengrab werden, wenn die Daten darin
nicht richtig aufbereitet sind.
•Kein Unternehmen sollte sich ein Team
von Data Scientists aufbauen, einfach
nur, weil es auch eines haben möchte.
Sie benötigen immer klare Business
Cases. Daher braucht ein vollständiges
Data-Science-Team auch einen Data
Business Developer – eine Person, die
die Unternehmensziele und Marktgege-
benheiten gut mit den Datenanalysen
verbinden und Business Cases schaffen
kann. Während der interdisziplinäre
Hintergrund der anderen Data Scien-
tists eher von Informatik, Mathematik,
Statistik und Sozialwissenschaften
gebildet wird, müssen die Business
Developer sich mit Betriebswirtschafts-
lehre auskennen. D
mengen ins Spiel, die den Begriff Big
Data auch verdienen. Zu ihren Kern-
kompetenzen gehören Verfahren zum
Umgang mit großen unstrukturierten
Datenmengen aus verschiedenen
Datenquellen. Oft entwickeln sie auch
die Anwendungen mit. Data Scientists
können es sich nicht leisten, lang auf
Ergebnisse zu warten. Daher müssen
sie wissen, wie sich große Datenmengen
auf einem Cluster verteilt bearbeiten
lassen. Dafür eignen sich, je nachdem,
um welche Daten es geht, unterschiedli-
che Verfahren und Infrastrukturen. Data
Architects stellen Unternehmen meist
dann ein, wenn die ersten Projekte
Erfolge zeigen und es um immer größere
Datenvolumen geht.
22 | IT-Karriere
Kompetenzen und Know-how
Welche Kompetenzen für Unternehmen
im Vordergrund stehen, hängt von ihrem
Anwendungsbereich ab und davon, wie
strategisch das Unternehmen die digitale
Transformation angehen möchte. Gewiss
wird auch ein Data Analyst Teilaufgaben
der anderen Bereiche erfüllen können,
aber für wirklichen Erfolg ist eine
Spezialisierung und ein Teamaufbau
notwendig. Das gilt auch innerhalb des
Profils Analyst. Denn unterschiedliche
Datentypen bedingen unterschiedliches
Verfahrens-Know-how. Damit benötigen
Unternehmen je nach ihrer Branche und
den dort vorherrschenden Datentypen
unterschiedliche Spezialisten.
Unternehmen, die sich vornehmlich im
Bereich Industrie 4.0 bewegen, brauchen
etwa Spezialisten für die Zeitreihenana-
lyse. Sie werden es mit großen Datenströ-
men zu tun haben, die zeitlich geordnete
Sensor- und Prozessdaten enthalten.
Hier geht es für Data Scientists zunächst
meist darum, Modelle zur Erkennung
von Anomalien und zur vorausschauen-
den Wartung (Predictive Maintenance
etwa für Produktionsmaschinen oder für
Aufzüge in Gebäuden) zu schaffen, um
vorhersagen zu können, wann ein Defekt
auftreten wird.
Chatbots sollen Unterhaltungen führen
Ähnliche Fragen gibt es in der Medizin,
aber mit ganz anderen Daten. Für Ultra-
schall-, Röntgen- und MRT-Daten sind
Bilderkennungsverfahren wichtig. Diese
können helfen, Veränderungen oder Schä-
digungen im Gewebe zu erkennen und
zu bewerten. Und zwar möglichst schon
im Frühstadium. Unterstützen können
solche Verfahren auch bei einer Operation
oder Behandlung, um die Geräte optimal
einzustellen und zu führen.
Versicherungen setzen Bilderkennungs-
verfahren ein, um auf Fotos Schäden zu
erkennen und zu begutachten. In der
Produktion decken Kameras etwa Qua-
litätsmängel am entstehenden Produkt
frühzeitig auf. Bilderkennung erleichtert
auch die direkte Analyse von Videos im
Sicherheitsbereich, wenn es darum geht,
verdächtiges Verhalten zu erkennen oder
D
Data Analysts sollten Mathematiker und
Informatiker sein, die gutes statistisches
Know-how mitbringen.
Fotos:EugenioMarongiu/Shutterstock;Rawpixel/Shutterstock
23
sich bewegende Personen und Fahrzeuge
zu verfolgen.
In Kundenkommunikation und -service
stehen Texte im Vordergrund – bei Social
Media Monitoring etwa oder bei der
Bearbeitung von E-Mails und Briefen.
Hier müssen große Textmengen gefiltert,
gruppiert und klassifiziert werden. Dafür
ist es erforderlich, Stichwörter und Daten
zu extrahieren und Stimmungen zu
erkennen.
Durch den Trend zu Sprachassistenten
geht es bei der Kundenkommunikation
und bei intelligenten Geräten zunehmend
auch um Spracherkennung. Sprachein-
gabe muss in Text umgewandelt und die
generierten Antworten müssen akustisch
ausgegeben werden. Chatbots sollen die
Struktur und Semantik von Sätzen so weit
verstehen, dass sie Unterhaltungen im
Kontext führen können.
Auch Spezialwissen ist aufzubauen
Intelligente Roboter oder autonome
Agenten in E-Games oder auf digitalen
Märkten müssen oft mehrere Aktionen
ausführen, bevor sie ihr Ziel erreichen
oder ihren Auftrag erledigt haben. Sie
müssen dazu Änderungen in ihrer Umge-
bung wahrnehmen, in Bezug auf ihr Ziel
analysieren und daraus lernen, jeweils
die beste nächste Aktion auszuwählen.
Für diese verschiedenen Datentypen sind
unterschiedliche Verfahren notwendig.
Dazu müssen Data Scientists Spezial-
wissen aufbauen, um die Potenziale
datengetriebener Anwendungsfälle zu
erschließen.
Basiskompetenzen und Wissen
für Fortgeschrittene
Bestimmte Grundlagenkenntnisse
werden für alle Unterprofile gebraucht.
In den Schulungen, die die Fraunhofer-
Allianz Big Data in Zusammenarbeit mit
der Fraunhofer Academy anbietet, gehö-
ren dazu die neuesten Entwicklungen im
Bereich Open Source. Denn das Data-
Science-Feld wird von großen Akteuren
massiv durch quelloffene Bibliotheken
vorangetrieben: Spark MLlib durch Apa-
che, Torch durch Facebook, TensorFlow
durch Google, AML durch Amazon. D
Data Architects durchdringen und ord-
nen große unstrukturierte Datenmengen
aus verschiedenen Datenquellen.
24 | IT-Karriere
Dies wird bei Fraunhofer auch in
den Seminaren behandelt – gedacht für
Praktiker, die neue Methoden und Tools
kennenlernen wollen, und vermittelt
durch Praktiker, die an vielen Projekten
beteiligt waren. Dazu kommen Schu-
lungen, die ihre Schwerpunkte auf die
Data-Scientist-Berufsprofile oder An-
wendungsfelder wie Industrie 4.0, Smart
Buildings oder die Energiewirtschaft
legen. Hier geht es vertieft um Fragen
folgender Art: Wie lässt sich ein intelli-
gentes Energie-Management betreiben?
Was kann die Simulation von Energienet-
zen zur Prozess- und Kostenoptimierung
beitragen? Oder auch: Wie können intelli-
gente Fertigungssysteme datengetriebe-
ne Fabrikbetriebsoptimierung umsetzen?
Gerade Data Scientists müssen sich
permanent weiterbilden. IT-Wissen
veraltet sehr schnell, Bibliotheken zur
Datenanalyse zurzeit noch viel schnel-
ler, auch durch neue Entwicklungen im
Bereich Machine Learning – ein unglaub-
lich dynamisches Forschungsfeld mit
riesigen Potenzialen in der künstlichen
Intelligenz. Unternehmen sollten daher
hier noch mehr als in anderen Bereichen
Sorge tragen, dass sich ihre Data Scien-
tists regelmäßig weiterbilden.
Gerade beim Machine Learning ist die
Nachfrage nach Weiterbildung besonders
stark. Hier geht es um neue Verfahrens-
klassen für künstliche neuronale Netze.
Durch die Nutzung von Big Data ist es
heute möglich, leistungsfähige neuronale
Netze mit so viel Daten zu trainieren,
dass sie richtig gute Ergebnisse liefern.
Es gibt aber viele Varianten von neurona-
len Netzen – hier steht im Vordergrund,
sich das Wissen über die Unterschiede
anzueignen, um richtig auszuwählen. Zu-
sätzliche Kenntnisse und Verfahren sind
erforderlich, wenn die Ergebnisse nicht
nur genau, sondern auch nachvollziehbar
sein sollen.
Künftige Berufsprofile
Ein bereits neu entstandenes Berufsbild
ist das des Chief Data Officer: Seine
Aufgabe ist es, Unternehmen strategisch,
technisch und personell datengetrieben
aufzustellen, Geschäftsfelder zu identi-
D
Fotos:ra2studio/Shutterstock;everythingpossible/Shutterstock
Data Manager kümmern sich um die
Qualität der Daten und geben ihnen eine
Semantik. Sie müssen heterogene Daten
verknüpfen können.
25
fizieren und voranzutreiben. In den USA
zeigt sich das stärker ausgeprägt als in
Deutschland – dort sind die CDOs auf
Vorstandsebene oder direkt darunter
angesiedelt und mit entsprechenden
Befugnissen ausgestattet. In Deutschland
werden sie eher auf Abteilungsleiterebe-
ne eingestuft.
Weitere Spezialisierungen kommen
In Zukunft dürften sich die Berufsbilder
der Data Science noch weiter differen-
zieren. Vorstellbar sind etwa Spezialisie-
rungen wie Text-Miner, Bildverarbeiter,
Sprachspezialist und Data Broker. Ein
grundlegendes Thema ist immer die
Datensicherheit. Die Spezialisierung wird
noch zunehmen, je weiter die Digitalisie-
rung und Automatisierung die verschie-
denen Wirtschaftssegmente durchziehen.
Bei sehr vielen Tätigkeitsfeldern mit sich
wiederholenden Aufgaben können Assis-
tenzsysteme eine effiziente Unterstützung
für das Personal darstellen.
Entsprechend wichtig werden auch Fach-
leute für die Mensch-Maschine-Interakti-
on. Menschengerechte Entwicklung wird
in den kommenden Jahren ein großes The-
ma – genau wie Datenschutz und Daten-
souveränität. Es stellt eine politische wie
gesellschaftliche Aufgabe dar, dass dies
mit Beteiligung der betroffenen Personen
geschieht. Jeder muss informiert und
souverän über seine Daten entscheiden
können, damit ein datenschutzgerechter
Austausch sichergestellt ist.
Das beginnt mit vermeintlich simplen
Dingen. Überlegen Sie mal, wie viele
moderne Autos Regensensoren besitzen.
Wenn Sie deren Daten zusammen mit de-
nen der Klimaanlagen-Temperaturfühler
über eine neutrale Plattform anonymi-
siert auswerten könnten, wie würde sich
das auf die Genauigkeit von Wetterpro-
gnosen auswirken? Andere im Verkehr
generierte Daten könnten helfen, die
Pünktlichkeit im Verkehr- und Transport-
wesen zu optimieren und die Sicherheit
zu verbessern. k
Dirk Hecker, Geschäftsführer der Fraunhofer-
Allianz Big Data, und Regine Freitag, Leiterin
Schulungsprogramm, Geschäftsstelle
Fraunhofer-Allianz Big Data
Data Business Developer entwickeln mit
Datenanalysen Business Cases. Dazu
müssen sie die Unternehmensziele und
Marktgegebenheiten verstehen.
26 | IT-Karriere
Andreas Hübner entschied sich nach
dem Master-Abschluss in Wirtschafts-
informatik vor fünf Jahren gegen eine
Promotion und für den Direkteinstieg bei
­Alexander Thamm in München, einem
jungen Unternehmen für Datenanalyse. Zu
seinen Aufgaben als Data Scientist gehört
es, die Kundenwünsche zu verstehen und
in mathematische Modelle zu übersetzen.
Dafür muss er die Technik genauso gut
verstehen wie die ökonomischen Aspekte
und detektivisches Gespür mitbringen.
Ein Data Scientist muss sich rasch
auf neue Aufgaben einstellen
Der Beruf des Data Scientist ist noch ziemlich jung. Informatiker,
Physiker und Mathematiker bringen gute Grundlagen mit. Interesse
an wirtschaftlichen Zusammenhängen und Kommunikationstalent
sind hilfreich.
Fotos:KhakimullinAleksandr/Shutterstock;AlexanderThammGmbH
Frustrationstoleranz zählt ebenfalls zum
Berufsprofil, um sich von Rückschlägen
nicht entmutigen zu lassen. Mit einem
Wirtschaftsinformatikstudium in Pader-
born schuf sich Hübner ein solides
Fundament in Computer Science, Software-­
Engineering sowie Betriebs- und Volkswirt-
schaft. Während seines Master-Studiums
vertiefte er sich in die Datenanalyse,
be­schäftigte sich intensiv mit mathemati-
schen Optimierungsmethoden, künstlicher
Intelligenz (KI) und maschinellem Lernen.
27
Andreas Hübner, Data Scientist
bei ­Alexander Thamm: „Ich muss
verstehen, welche Problemstel-
lung es gibt und ob sie mit einer
Datenanalyse lösbar ist.“
rerseits viele Aufgaben durch die rasante
Weiterentwicklung von KI und ­Machine
Learning wieder. Herausfordernd sind
auch die methodischen und technischen
Entwicklungen, mit denen Hübner Schritt
halten muss. Deshalb besucht er Konfe­
renzen, tauscht sich mit Spezialisten aus,
liest Blogs, verfolgt Portale. „Wenn ich mit
Kollegen spreche und mich umhöre, sind
die­jenigen am erfolgreichsten, die auch in
eigene Projekte investieren, denn sonst
kommt keiner hinterher.“ Also schafft sich
Hübner auch daheim in seiner Wohnung
eine Spielwiese, installiert Sensoren
und tüftelt, indem er beispielsweise die
Katzen­klappe mit einer Bilderkennungs­
software koppelt oder die Raumtempera­
tur intelligent reguliert.  k
 Ingrid Weidner
Das Klischee vom Kellerkind, das sich
den ganzen Tag mit Algorithmen be­schäf­
tigt, mit niemandem spricht und nur
pro­grammiert, kennt Hübner, doch mit
seinem Arbeitsalltag hat es nichts zu tun.
„Es fängt schon damit an, dass ich ver­­-
stehen muss, welche Problemstellung es
gibt und ob sie mit einer Datenanalyse
lösbar ist“, sagt der 31-Jährige. Gemein­
sam mit den Spezialisten in Mathematik
und Statistik unter seinen Kollegen
tüftelt er an ­Lösungen.
Die Kundenprojekte reichten von der
Analyse des Stromverbrauchs einer
Einzelhandelskette bis zur Bilderken­
nung und Bildverarbeitung nach einer
Naturkatastrophe für eine Versi­cherung.
„Während eines Projekts kommt es dar­
auf an, die Ergebnisse zu evaluieren und
die Modelle anzupassen. Die menschliche
Erfahrung ist immer noch wichtig.“
Quereinsteiger haben es nicht leicht
Die Aufgabenstellungen für Data Scien­
tists sind auch für andere Berufsgruppen
attraktiv. „Viele wollen als Data Scientist
quereinsteigen, doch manche tun sich
schwer. Physiker, Mathe­matiker und In­
formatiker bringen wichtige Grundlagen
mit, auch jemand mit einem VWL-Studium
und dem Schwerpunkt Statistik ist gut
qualifiziert“, sagt Hübner. Während die
­Generalisten unter den Data Scientists be­
sonders gesucht sind, verschwinden ande­
Im Selbststudium erarbeitete sich Nikola
Morgner ihr Wissen über Betriebssys-
teme, Server und Netze. Im ersten Job
half sie PC-Nutzern über eine IT-Support-
Hotline weiter, seit 2002 arbeitet sie für
Fresenius Netcare in Bad Homburg.
Dort entdeckte die gelernte Arzthelferin
ihre „Vorliebe für Netzwerke“, wie sie er-
zählt. „Ich bin eine Quereinsteigerin und
habe mir viele meiner IT-Kenntnisse im
Selbststudium beigebracht“, sagt Nikola
Morgner, die heute als Senior Consultant
Cybersecurity in einem 16-köpfigen Team
arbeitet.
Von der Quereinsteigerin
zur IT-Security-Spezialistin
IT-Security-Profis sind gefragt. Die Netzspezialistin Nikola Morgner
wechselte vor drei Jahren zum Team Cybersecurity von Fresenius
Netcare und hat dort noch viel vor.
Fotos:TierneyMJ/Shutterstock;Fresenius
Als Network Engineer beschäftigte sich
Morgner jahrelang intensiv mit tech-
nischen Fragen, bildete sich in White
Hacking weiter, sicherte Netze und Ser-
ver. Deshalb war der Wechsel kein allzu
großer Schritt für sie. Informationsecu-
rity, oft auch synonym mit Cybersecurity
verwendet, umfasst für Morgner alle
gespeicherten Daten und Informationen.
Das können über das Internet versandte,
lokal oder in der Cloud gespeicherte Da-
ten sein, aber auch Papiere mit kritischen
Informationen, die Mitarbeiter auf ihrem
Schreibtisch liegen haben. „Auch die Si-
cherheit von IoT-, HR- oder Supplier-Ma-
IT-Karriere | 29
Morgners Team bildet die zentrale
Anlaufstelle für Cybersecurity im Un-
ternehmen. Neben fundiertem techni-
schem Wissen bringt Morgner auch die
notwendigen Social Skills mit. Beides
braucht sie, um Workshops oder Infor-
mationskampagnen für die Mitarbeiter
nagement-Systemen und physikalische
Sicherheit zähle ich dazu“, sagt Morgner.
Ihre Aufgaben bei Fresenius sind
vielfältig. Morgner prüft beispielsweise
Innovationen und neue Produkte wie
Datenbrillen auf sicherheitsrelevante
Aspekte. „Mit der HoloLens von Mi-
crosoft kann ich mir den Betrieb eines
Rechenzentrums ansehen, ohne vor
Ort zu sein. Aber das Gerät kann auch
viel Schaden anrichten, wenn es nicht
in das Sicherheitskonzept des Unter-
nehmens eingebunden ist.“ Außerdem
sensibilisiert Morgner die Mitarbeiter für
Sicherheitsrisiken, etwa wenn es um die
Verwendung von Software oder Apps auf
firmeneigenen Geräten geht.
Ständige Weiterbildung ist Pflicht
Unter Hackern gilt Social Engineering als
vielversprechendes Einfallstor in Netze.
Sie nutzen dabei die Hilfsbereitschaft
oder auch Naivität der Nutzer aus, um
an sensible Informationen zu kommen,
indem sie sich beispielsweise über E-Mail-
Anhänge Zugang verschaffen oder Schad-
software einschleusen. Aber auch ein
unbedacht im ICE oder Flugzeug genutzter
Laptop gibt oft Firmengeheimnisse preis.
„Manchmal helfen einfache Dinge wie die
Einstellun­gen im Betriebssystem oder ein
Blickschutzfilter auf dem Bildschirm des
Laptops. Wir zeigen den Mitarbeitern, was
sie besser machen können.“
zu konzipieren. Ständige Weiterbildung
zählt deshalb ebenso zu Morgners
Arbeitsalltag wie ein Händchen dafür,
die Mitarbeiter gut zu informieren, ohne
allzu belehrend zu wirken. „Durch meine
Ausbildung als Arzthelferin habe ich
gelernt, zuzuhören und zu verstehen. Das
hilft mir auch heute noch im Job.“  k
 Ingrid Weidner
Nikola Morgner, Fresenius: „Durch
meine Ausbildung als Arzthelferin
habe ich gelernt, zuzuhören und
zu verstehen. Das hilft mir auch
heute noch im Job.“
30 | IT-Karriere
Harald Rodler arbeitet als Innovati-
on Manager und Experte für neue
Technologien wie IoT und Industrie 4.0
für Kunden des SAP-Beratungsunterneh-
mens Itelligence und lotet die Möglich-
keiten der Digitalisierung aus. Er sieht
die SAP-Beratung in einem schnellen
Wandel: „Mit neuen Technologien wie
IoT, künstlicher Intelligenz, Big Data oder
Blockchain wandelt sich auch das Berufs-
bild im SAP-Bereich.“ Die Innovationsge-
schwindigkeit nehme immer schneller zu.
Das klassische Berufsbild, dessen Kern
die Anpassung der SAP-Software an
besondere Bedürfnisse und Prozesse der
Anwenderunternehmen ist, sowie die
traditionellen Fortbildungspfade für SAP-
Fachkräfte werden laut Rodler nach und
nach zu einem Auslaufmodell werden. Das
Erweitern von Modulwissen weicht einem
ganzheitlicheren Ansatz. Dieser besteht
aus Know-how in neuen Spezialdiszipli-
nen, dem entsprechenden Software- und
Hardware-Ökosystem sowie deren Integ-
ration in die SAP-Anwendungen.
KI, IoT und Blockchain: SAP-Beratung
wird noch anspruchsvoller
Sie sind fachlich hoch spezialisiert, betriebswirtschaftlich erfahren
und mit allen Wassern gewaschen: SAP-Berater, eine der gesuch-
testen Berufsgruppen im IT-Umfeld. Doch selbst diese Qualitäten
könnten in einigen Jahren für Spitzenpositionen nicht mehr reichen.
Fotos:Itelligence
Kontinuierliche Weiterbildung und ein
großes Maß an Eigenverantwortung
hatten stets zu den Aufgaben von SAP-
Fachkräften gehört. „Doch um diese
neuen Herausforderungen zu bewältigen,
müssen SAP-Fachkräfte ein noch höheres
Maß an Eigeninitiative, Forschungs-
drang und persönlichem Interesse für
neue Technologien mitbringen, um sich
entsprechendes Wissen anzueignen“,
sagt Rodler. Ein breites Fachwissen in
diesen neuen Gebieten sei Vorausset-
zung, um deren Vorteile in die SAP-Welt
zu integrieren und dadurch Synergien
für Controlling, Business Intelligence,
Warenhaltung, Predictive Analytics und
Marketing zu schaffen.
Immer am Ball bleiben
Mit der fortschreitenden Digitalisierung –
Stichwort Industrie 4.0 – und angesichts
der neuen Technologien erweitern sich
also die ohnehin hohen Anforderungen
an zukünftige SAP-Berater noch einmal
deutlich. Der Einsatz dieser Technologien
Berater auch bei der Hardwareentwick-
lung am Ball bleiben, um das geeignete
Szenario für ein SAP-Anwenderunterneh-
men zu designen und umzusetzen.“
Anwendungsfall IoT: Echtzeit-Tracking
und Data Analytics in der Logistik
Dies illustriert der Innovation Manager
bei Itelligence anhand der neuen Mög-
lichkeiten der Sensorik im Logistikbe-
reich: Man kann Warensendungen heute
rund um die Uhr lokalisieren. Doch das
ist nicht alles. Die Verfügbarkeit und Aus-
wertung von Daten der Umgebungspa-
rameter wie Vibration, Luftfeuchtigkeit
und Geschwindigkeit einer Sendung kann
durch die Integration in SAP-Anwendun-
gen verschiedene betriebswirtschaftlich
wertvolle Erkenntnisse bis hin zu Pre- D
kann erhebliche Produktivitätsgewinne
für Unternehmen bedeuten. Doch um den
vollen Nutzen aus diesen Techniken zu
ziehen, müssen sie mit der betriebswirt-
schaftlichen Software verknüpft werden.
Dafür braucht es einerseits das Spezial-
wissen der SAP-Fachkräfte. Gleichzeitig
ist ein rein auf SAP-Lösungen konzentrier-
tes Know-how noch kein ausreichendes
Fundament für die erfolgreiche Umset-
zung von Projekten.
„Beispielsweise geht es im IoT-Bereich
nicht mehr ohne Wissen, wie man mit
Geräten, Sensoren und vernetzten Din-
gen Geschäftsprozesse grundlegend neu
gestalten kann“, erklärt Rodler. „Welche
Hardware und welche kundenindividu-
ellen Funktionen benötigt das Unterneh-
men für seine Prozesse? Hier müssen
32 | IT-Karriere
dictive Analytics bereitstellen. Kom-
plexe Auswertungen in Bruchteilen von
Sekunden und auf Basis von Echtzeit-
daten bieten völlig neue Einblicke und
Möglichkeiten der Prozessoptimierung.
Stellt das Echtzeit-Tracking anhand der
Vibration beispielsweise einen Sturz der
Warensendung fest, kann eine automati-
sche Nachricht an die zuständige Abtei-
lung gesendet werden. Dies ermöglicht
ein direktes Eingreifen: Man kann etwa
den Empfänger über eine mögliche Be-
schädigung der Ware verständigen oder
gleich eine Ersatzsendung losschicken.
Zudem können diese Vorkommnisse
zur rechtssicheren Nachweisbarkeit als
unveränderlicher Eintrag in einer Block-
chain festgeschrieben werden. Durch
die Verknüpfung dieser Daten aus dem
SAP-System können weitere Maßnahmen
getroffen werden, beispielsweise eine
Anpassung der Versicherungspolicen auf
Basis von KI.
Rodler: „Die Möglichkeiten sind sehr
vielfältig, und das macht es nicht ein-
facher, sondern schwerer.“ Wichtig für
SAP-Berater sei hierbei die Fähigkeit,
Kundenanforderungen genau zu ver-
stehen und dafür die richtige Hardware
zu wählen oder zu spezifizieren. Beim
Echtzeit-Tracking in der Logistik stellt
sich etwa die Frage nach der benötigten
Ortungsgenauigkeit. Braucht der Anwen-
dungsfall eine möglichst genaue Ortung
innerhalb eines Radius von nur weni-
gen Zentimetern? Oder genügen einige
Meter? Besteht die Notwendigkeit einer
lückenlosen weltweiten Ortung? Welche
geeigneten Datenübertragungsformen
existieren hierfür? SAP-Berater müssen
die passende Hardware auswählen kön-
nen, mit dem Anbieter sprechen und dem
D
33
Anwenderunternehmen eine Empfehlung
geben.
„Die Vernetzung der Dinge ist keine
Worthülse. Es geht darum, dass wir Da-
ten beschaffen, um noch genauer planen
oder vorhersagen zu können“, so Rodler.
Jede Dateninformation sei wie ein Pixel
in einem Bild. „Je mehr Bildpunkte wir
sammeln, desto genauer wird schließlich
das Bild. Hierfür ist eine Integration un-
terschiedlichster Daten und Systeme in
ein übergeordnetes Framework notwen-
dig.“ Als weiteres Beispiel führt er die
Schwingungsdaten einer Produktions-
maschine an: „Durch Big Data Analytics
können Informationen in einen Kontext
gesetzt werden. Was fertigt diese Maschi-
ne gerade? Unter welchen Umständen
fällt eine solche Maschine häufig aus
oder produziert Ausschuss?“
Die SAP-Beratung wandelt sich: Denken
abseits ausgetretener Pfade
Ein SAP-Berater muss sich demnach
heute vorstellen können, wie sich durch
technische Veränderungen auch Ge-
schäftsprozesse und Geschäftsmodelle
disruptiv neu denken lassen. „SAP-Berater
müssen das Silodenken aufbrechen, um
die Daten in die SAP-Cloud-Plattform und
somit in neue Lösungen und Technologien
einzubinden. Hier sind Freigeister gefragt,
die Kreativität mitbringen und neue Wege
beschreiten“, kommentiert Rodler.
Statt unbeweglicher monolithischer Sys-
teme benötigen Unternehmen heute agile
und integrationsfähige Dateninfra-
strukturen, Cloud-Anwendungen oder
On-Premises-Lösungen, die sich kontinu-
ierlich verbessern und weiterentwickeln.
Für den IoT-Experten Rodler ist klar:
Klassisches SAP-Customizing bietet
für jüngere Berater langfristig keine
berufliche Basis mehr. Sie sollten daher
wachsam beobachten, welche neuen
Technologien relevante Daten für das
Geschäft generieren und erfassen können
und wie sich dadurch Prozesse optimie-
ren und vereinfachen lassen. „Offenheit
für Neues und lebenslanges Lernen – das
ist das Erfolgsrezept.“ k
 Lilian Loke
Harald Rodler, Itelligence: „Ein
rein auf SAP-Lösungen kon-
zentriertes Know-how ist kein
ausreichendes Fundament für
die erfolgreiche Umsetzung von
Projekten.“
Informatiker und Ingenieure sprechen
eine ähnliche Sprache“, erklärt
Dominik von Lavante, wie die interne
Zusammenarbeit funktioniert. Der
technische Leiter dient in der Firma
Devetec bei Saarbrücken als Schnitt­stelle
Die neue Welt von Industrie 4.0:
Maschinenbauer spricht Java
Über den Tellerrand schauen – so könnte das neue Motto heißen
für eine bessere Zusammenarbeit von Informatikern und Ingenieu-
ren. Die Digitalisierung lässt keinen anderen Schluss zu, als dass
beide Berufsgruppen stärker aufeinander zugehen müssen.
Fotos:Devetec;privat
zwischen Ingenieuren und In­formatikern.
Industrie 4.0 lässt die Grenzen zwischen
Soft- und Hardware verschmelzen. Als
pro­movierter Maschinenbauer leitet und
moderiert von Lavante die Fachkräfte in
dem Unternehmen, das seit 19 Jahren
Abwärmekraftwerk: Interdisziplinäres Arbeiten ermöglicht intelligente Systeme.
IT-Karriere | 35
Zurzeit designen die Ingenieure das
Kraftwerk und überwachen die Kon-
struktion. Die Informatiker arbeiten an
der Vernetzung von Anlagen mit Cloud-
und Datenbanksystemen für Fernwar-
tung und mit Predictive Maintenance, bei
der intelligente Systeme Prognosen über
den Zustand der Maschine machen. Von
Lavante sieht aber mehr Potenzial. Deep
D
Anlagen zur Abwärmenutzung entwi-
ckelt.
Von Lavante maß sich bereits als Jugend-
licher in Programmierwettbewerben. In-
formatik wollte der heute 35-Jährige aber
nicht studieren: „Mir war immer klar,
dass Programmieren ein reines Werkzeug
bleiben soll.“
Nach seiner Doktorarbeit an der Universi-
tät Stuttgart über Störungssimulationen
in Atomkraftwerken (AKWs) entwickelte
der gebürtige Heidelberger beim TÜV
Rheinland eine Software, die sämtliche
Reststoffflüsse beim Rückbau von AKWs
dokumentiert. Nach der Katastrophe von
Fukushima plante er ein Sicherheitssys-
tem, das solche Vorfälle verhindert, wenn
alte AKW damit nachgerüstet werden.
Auf Investorensuche für seine Idee lernte
er die Goffin Gruppe kennen. Die Inhaber
übernahmen kürzlich die Firma Devetec,
die Abwärmekraftwerke baut, die mit
einem Nutzungsgrad von 90 Prozent
Prozesswärme oberhalb von 250 Grad zu
Strom, Druckluft oder Kälte umwandeln.
Von seiner Idee einer effizienten und
kompakten Wärmemaschine überzeugt,
boten die Investoren von Lavante eine
Stelle als Technischer Leiter an. Seit Mai
2018 verantwortet er das Gesamtkonzept
der ORC-Abwärmekraftwerke (ORC = Orga-
nic Rankine Cycle) und transformiert die
Technologie in die Digitalisierung.
Dominik von Lavante bildet das
Bindeglied zwischen Ingenieuren
und Informatikern. Er entschied
sich für ein Maschinenbaustudi-
um, weil er Programmieren eher
als Werkzeug sieht.
Learning könne die Maschinenbauer bei
einfachen Tätigkeiten wie der Rohrstre-
ckenfindung entlasten.
Artificial Intelligence (AI) vermöge in
der Fertigung fehlerhafte Komponenten
frühzeitig zu erkennen. Mit cyber-phy-
36 | IT-Karriere
sischen Modellen und virtuellen Kraft-
werken optimieren Fachleute wie von
Lavante Anlagen immer weiter. „Parallel
dazu wird alles dokumentiert“, sagt der
Ingenieur. Das Bedürfnis des Besitzers
nach Informationen werde immer größer.
Mit all dieser Vernetzung erhalte der
Anlagenbesitzer alle wichtigen Prozess-
daten in Echtzeit und Informationen über
jede verbaute Komponente.
„In der Sensorik herrscht noch viel
Vernetzungsbedarf“, weiß von Lavante.
Während bei Prozessen die Ingenieure
proaktiv Informatiker nach intelligenten
Lösungen für einzelne Probleme fragen,
müssten bei der Messtechnik beide Par-
teien voll involviert sein. „Welche Daten
mit welchen Methoden am besten erho-
ben und wie und wann diese Daten verar-
beitet werden, übersteigt die Kompetenz
des Einzelnen“, erklärt der Maschinen-
bauer die notwendige Zusammenarbeit.
Seiner Erfahrung nach fällt es vielen
Ingenieuren leicht, sich Grundkenntnisse
in Informatik anzueignen.
Die Guten bevorzugen Konzerne
Auch lernen Ingenieurstudenten mittler-
weile Programmieren im Studium. „Da-
gegen haben wir als Startup Probleme,
studierte Informatiker zu finden, die über
genügend Branchenwissen im Maschi-
nenbau verfügen“, sagt von Lavante. Die
Guten bevorzugen Großkonzerne und
Absolventen fehle die Praxis.
„Die einzelnen Bereiche werden immer
komplexer“, verdeutlicht von Lavante.
Auch die Spezialisierung innerhalb der
Berufe nehme zu. Dementsprechend
mehr Schnittstellen entwickeln sich. Von
Lavante sieht auf beiden Seiten Wachs-
tumspotenzial: Informatiker sollten
mehr Verständnis und Interesse für die
physische Welt entwickeln, Ingenieure
müssten zumindest die Grundbausteine
der Informatik kennen. k
 Michael Sudahl
D
Das Herzstück des Abwärmekraftwerks
ist die ORC-Dampfturbine. Sie arbeitet mit
organischer Flüssigkeit.
37
Fotos:Inductoheat
Härten braucht in erster Linie Erfah-
rung“, sagt Alexander Ulferts. Der
LeiterProzessentwicklung und -technologie
bei Inductoheat beobachtet, dass ver­mehrt
Laien oder Quereinsteiger an Induktions-
Industriewunsch: Informatiker
brauchen mehr Ingenieur-Know-how
Die Industrie benötigt mehr Mitarbeiter mit IT-Know-how, die die
Produktionsabläufe verstehen. Allerdings: Wenn es um Themen
wie Zuverlässigkeit und Datensicherheit geht, sind die Topspezia-
listen aus der Informatik gefragt.
anlagen arbeiten. Moderne Härtemaschi-
nen sollen intelligenter werden und ihren
Benutzer automatisch unterstützen. „Die
Anlagen werden immer mehr zu Compu-
tern“, so der studierte Elektroingenieur. D
Härten: Ideal abgestimmte Parameter
sparen Zeit und Energie.
38 | IT-Karriere
Seit neun Jahren arbeitet Ulferts bei
Inductoheat. Der Markt- und Technologie-
führer aus Reichenbach/Fils in Württem-
berg gehört seit 1986 zur weltweit tätigen
Inductotherm Group, einem inhaberge-
führten US-Unternehmen, das Maschi-
nen und Anlagen zur induktiven Erwär-
mung in lokalen Niederlassungen fertigt.
Zuvor arbeitete der gebürtige Ostfriese
fünf Jahre lang an der Universität Han-
nover als wissenschaftlicher Mitarbeiter
für elektrothermische Prozesse.
2010 erfolgte dann der Wechsel in die
Industrie. „Irgendwie war es Zufall“, erin-
nert sich Ulferts. Ein Fachartikel machte
ihn auf das Unternehmen aufmerksam.
Management, Entwicklung und Trouble-
shooting gehören zu seinem Alltag.
„Ich stehe auch gerne mal im blauen
Kittel vor der Anlage“, lacht der Inge-
nieur, der die Hands-on-Mentalität im
Mittelstand genießt. Laufend entwickelt
er die Anlagen weiter, damit sie auf dem
neuesten Stand der Technik bleiben.
Um neue, digitale Systeme aus den
bestehenden abzuleiten, arbeiten bei
Inductoheat interdisziplinäre Teams zu-
sammen. Die Kollegen sitzen in den USA,
Indien und China. Gemeinsam erörtern
die Experten Lösungsansätze. Ziel ist
eine flexible und systemoffene Plattform
der Prozesskontrolle, die ein Daten- und
Energie-Management bietet und univer-
sell einsetzbar ist
„Wartungs-Management und Energie-
optimierung sind bereits digitalisiert“,
bilanziert der 43-Jährige. So konnte das
Unternehmen mit einem neuen Tool des
Industrieserviceanbieters Riempp aus
Oberboihingen die Kosten gegenüber
herkömmlichen Verfahren im Härteofen
um ein Drittel reduzieren.
D
Prozessentwicklung:
Kompetente Mitarbeiter nutzen
modernste Produktions- und
­Messmittel, um individuelle
­Kundenwünsche zu erfüllen.
39
Dieses Werkzeug steuert und dokumen-
tiert sämtliche Parameter des Härte-
prozesses individuell. Das Energie-Ma-
nagement-System „Emsyst“ von Riempp
wiederum vernetzt Anlagen und Gebäu-
de. Nebenbei kann eine abweichende
Pumpleistung einen Defekt frühzeitig
erkennen. Als Nächstes will Ulferts
Induktionsanlagen entwickeln, die ihren
Nutzer aktiv unterstützen.
„In Schmiedeanlagen funktioniert das
Modell bereits“, sagt Ulferts. Mit den Di-
mensionen und Eigenschaften berechnet
das System im Hintergrund automatisch
passende Parameter. Im induktiven Här-
ten sei die Rechnerleistung noch unzu-
länglich. Je nach Komplexität dauert eine
Simulation mehrere Stunden, manchmal
sogar bis zu zwei Tagen. „In der Praxis
wären maximal 30 Minuten akzepta-
bel“, verdeutlicht der Fachmann. Hinzu
kommt: Ingenieure müssten sich stärker
spezialisieren, um in ihren Branchen
effektiv zu sein, gleichzeitig vernetzten
sich die Technologien. „Ich kann auch C,
Java und Python, aber ein Programm von
Grund auf entwickeln ist etwas anderes“,
so der Wahlschwabe, der sich abends und
am Wochenende selbständig in digitale
Themen einliest.
Im Tagesgeschäft sei dafür keine Zeit.
Ulferts schließt Wissenslücken mit
digitalen Lernplattformen, die klassische
Fachliteratur ergänzen. Und er muss
noch mehr tun. Denn mit dem Internet
der Dinge steige der Programmierauf-
wand.
Datenbanken und zuverlässige Systeme
erfordern professionelles Programmie-
ren. „Wenn es um Datensicherheit oder
Zuverlässigkeit geht, sind keine Fehler
erlaubt“, stellt Ulferts klar. Doch vielen
Informatikern fehle das Verständnis für
Prozesse oder Fachwissen wie Elektro-
technik. Die Industrie brauche mehr tech-
nische Informatiker, die mit Abläufen in
der Industrie vertraut sind. Angehenden
Informatikern rät Ulferts, „während des
Studiums so viele Praktika oder Ferien-
jobs in der Industrie zu machen wie mög-
lich“. Er habe jede Gelegenheit genutzt,
Praxisluft zu schnuppern, um sich an die
interdisziplinäre Arbeit zu gewöhnen. k
 Michael Sudahl
Foto:Privat
Alexander Ulferts, Inductoheat:
„Smarte Anlagen sollen den
Nutzer aktiv unterstützen.“
Wer in der IT-Industrie tätig ist,
kennt diese Situation: Während
die Anbieter von Lösungen ihre neu
programmierten Features über den
grünen Klee loben, befinden sich viele
Anwender noch im zähen Abnutzungs-
kampf mit der Implementierung älterer
Releases.
Projektarbeit – agiles Arbeiten – KI:
Müssen wir Arbeit neu denken?
Die Arbeitsplätze – vor allem die Büros – werden immer hipper, die
Diskussion darüber, wie wir künftig arbeiten werden, immer inten-
siver. Der betriebliche Alltag sieht aber oft noch recht trostlos aus.
Hays-Manager Frank Schabel wagt eine Prognose, wie sich die
Arbeitswelt verändern wird, und stellt eine Forderung.
Foto:GaudiLab/Shutterstock
Ein ähnliches Muster zeigt sich, wenn wir
diskutieren, wie sich die Digitalisierung
auf unsere Arbeitswelt auswirkt. Dann
bewegen sich die Zukunftsszenarien
in anderen Sphären als das, was wir
in unserem Alltag erleben. Da ist noch
wenig agil, flexibel oder durch flache
Hierarchien geprägt. Unsere Studie zu
IT-Karriere | 41
sowohl an die Bedürfnisse junger Talente
als auch an die ihrer Kunden. Denn agile
Teams handeln durch ihre Struktur und
ihre Vorgehensweisen schlicht schneller
und kundennäher; Unternehmen mit
offeneren Kulturen ziehen attraktivere
Talente an.
Es sind also nicht hehre Proklamationen
der Unternehmensleitung oder aus dem
HR-Bereich, die die Arbeitswelt verän-
dern, sondern der Druck von außen. Und
der wird in Anbetracht der weiteren Digi-
talisierung und Automatisierung weiter
Fahrt aufnehmen.
Flexibilisierung wird weiter
voranschreiten
Bereits heute gestalten Unternehmen
ihre Arbeitsstrukturen beweglicher. So
ist es mittlerweile gang und gäbe, dass
Mitarbeiter zeitlich und räumlich flexibel
arbeiten. Hier ist das Ende der Fahnen-
stange noch nicht erreicht. Neue digitale
Technologien werden ein noch flexibleres
Arbeiten ermöglichen und gleichzeitig
die Autonomie von Teams und Individu-
en forcieren. Unternehmen werden sich
deshalb fragen müssen, wie sie vor diesem
Hintergrund ein unternehmensweites
Gemeinschaftsgefühl entwickeln können.
Auch auf einer anderen Ebene wird es
flexibler werden: Die Projektwirtschaft
wird künftig noch stärker unseren D
den Spannungsfeldern in Organisationen
(Ambidextrie) aus dem letzten Jahr hat
dies deutlich aufgezeigt: Die Mehrheit
der Unternehmen bewegt sich noch in
vertrautem Fahrwasser. Zwar ist der neue
Wein bei ihnen angekommen, aber sie
bearbeiten ihn noch in alten Schläuchen.
Daran ändert auch das Zauberwort New
Work wenig. Hippe Räume, coole Archi-
tekturen und tiefschürfende Diskussio-
nen über Selbstverwirklichung in der Ar-
beit machen noch keinen Frühling. Und
trotzdem – das ist das Gute – bewegt sich
die Arbeitswelt hin zu mehr Agilität und
offeneren Kulturen. Nicht weil das Propa-
gieren von New Work erste Früchte trägt.
Vielmehr verändern sich Organisationen,
weil sie sonst den Anschluss verlieren –
42 | IT-Karriere
Arbeitsalltag prägen. Immer mehr The-
men werden in interdisziplinären Teams
bearbeitet – zu Lasten der klassischen
Linienorganisation.
Lernen und Arbeiten verschmelzen
In unseren Biografien fand Bildung und
Lernen meist vor unserem Berufsleben
statt. Sicher haben wir regelmäßig Semi-
nare besucht. Aber das dort Gelernte in
Laufenden. Lernen vollzieht sich dabei
immer stärker über Learning by Doing im
konkreten Arbeitsalltag, nicht losgelöst
davon. Dies beinhaltet, über pluralistisch
besetzte Teams den Umgang mit unter-
schiedlichen Kompetenzen und Sichtwei-
sen als gemeinsames Lernen zu begreifen.
Nicht nur herkömmliche Erwerbsarbeit
wird als Arbeit gelten
Natürlich wissen wir nicht, wie die
Arbeitswelt in 20 Jahren aussehen wird.
Wenn digitale und automatisierte Ab-
läufe unsere Rolle in der Arbeitswelt
verändern, werden wir künftig vielleicht
einen allumfassenderen Begriff von Ar-
beit entwickeln. Herkömmliche Erwerbs-
arbeit ist dann nur noch ein Element
unseres Verständnisses von Arbeit. In
Zukunft werden wir soziale Arbeit in der
Familie oder in unserer Nachbarschaft
genauso wie Ehrenämter oder gesell-
schaftliches Engagement in den Begriff
Arbeit integrieren.
Ungeachtet dieses Szenarios sollten
wir die „alte“ Erwerbsarbeit mehr denn
je aktiv gestalten und sie nicht den
Investitionsentscheidungen einiger
Unternehmen überlassen. Wie wir das
Verhältnis zwischen uns Menschen auf
der einen Seite und KI-Lösungen sowie
Big-Data-Maschinen auf der anderen Sei-
te entwickeln, sollten wir als Gesellschaft
entscheiden. k
D
Frank Schabel, Hays: „Wenn di-
gitale und automatisierte Abläufe
unsere Rolle in der Arbeitswelt
verändern, werden wir künftig
­einen umfassenderen Begriff von
Arbeit entwickeln müssen.“
Foto:Hays
die Arbeitswelt zu transferieren ist selten
gelungen. Aufgrund der ständigen Um-
wälzungen rücken Arbeit und Lernen nun
zusammen. Nur auf diese Weise halten wir
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Arbeitswelt 2025: Die Jobs der Zukunft

  • 1. Arbeitswelt 2025: Die Jobs der Zukunft April 2019 Mit Unterstützung von Hays VON BUSINESS MEDIA
  • 2. hays.de/it Wir bieten Experten genau das, was sie suchen: spannende Jobs und Projekte in interessanten Unternehmen. Nicht mit flüchtigem Blick auf morgen, sondern zukunftsorientiert und nachhaltig. EXPERTEN FÜR SPANNENDE AUFGABEN
  • 3. IT-Karriere | 3 Zwei Entwicklungen beeinflussen heute und sicher auch in Zu- kunft massiv unsere Arbeitswelt: die Digitalisierung und – in der Folge daraus – das agile Arbeiten. Software wird in den meisten Unternehmen zu einem entscheidenden Wertschöpfungsfaktor, weshalb Fachabteilungen verstärkt die Zusammenarbeit mit den Experten in den IT-Organisationen suchen, zunehmend aber auch bereichsintern eigenes IT-Know-how aufbauen. Der Druck ist immens, auch auf den IT-Chef, der den Begriff Schatten-IT schleunigst aus seinem Wortschatz streichen und den Aufbau von IT-Kompetenz jenseits seines Bereichs begrü- ßen und fördern sollte. Dabei wird er akzeptieren müssen, dass sich Vertriebs- oder Marketing-Bereiche, die schnell eine App benötigen, auch mal an die Agentur um die Ecke wenden, an- statt auf die manchmal noch behäbige IT-Abteilung zu warten. IT-Verantwortliche, die dann nur angesäuert nach Schnittstel- len, Security-Anforderungen, Compliance-, Patent- oder Urhe- berrechtsproblemen fragen, machen sich keine Freunde. Optimal ist die Ausgangssituation für IT-Abteilungen, wenn es ums agile Arbeiten geht: Hier ist die IT der Vorreiter. Sie hat die Erfahrung, von der alle anderen Unternehmensbereiche möglichst schnell lernen möchten. Tatsächlich wird aber genau das oft zum Problem: IT-Profis genießen ihr Herrschaftswissen und zeigen sich wenig geneigt, anderen Unternehmensberei- chen auf die Sprünge zu helfen. Eigentlich sind diese neuen Probleme die alten: IT und Business tun sich schwer, miteinan- der zu kommunizieren. Hier liegt der wesentliche Grund, dass Fachwissen bei der Rekrutierung von IT-Personal nur die eine Seite der Medaille ist. Mindestens ebenso wichtig sind die oft belächelten „weichen Faktoren“. Neue Mitarbeiter sollten eine positive Ausstrahlung mitbringen, kommunizieren können und lernwillig sein. Sie sollten keine Angst vor dem Neuen haben und bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Editorial Hans Königes, COMPUTERWOCHE Titelfoto:K_E_N/Shutterstock
  • 4. 4 | IT-Karriere Inhalt 6 Lernbereitschaft, Verantwor- tung übernehmen – das sind die Topskills Weiche Faktoren entscheiden über die Karriere in der digitalen Welt. 12 Fachkräftesuche bei Bosch: Die Mischung macht’s Personalleiterin Sabine Lehmann erklärt, welche Kompetenzen dem Unternehmen heute wichtig sind. 16 Wer verdient am besten in der ITK-Branche? Security-Experten, SAP-Berater, Projekt-Manager – das sind Berufe, in denen sich sehr gut verdienen lässt. 20 Data Scientist – ein Titel, viele Jobprofile Unter dem Begriff Data Scientist sammeln sich unterschiedliche Be­- griffe – ein Überblick bringt Klarheit. 16 Die Schere zwischen den Top- verdienern der Branche und den Schlusslichtern öffnet sich weiter. Die einen dürfen mit zum Teil kräftigen Zuwächsen rechnen, die Gehälter der anderen stagnieren. Ausführlicher Bericht auf Seite 16. Sicherheitsexperten und SAP-Berater verdienen am besten IT-Sicherheit IT-Leitung SAP-Beratung IT-Beratung, Analyse, Konzeption IT-Projektleitung SAP-Entwicklung Softwareentwicklung Backend Software/gesamte DV Softwareentwicklung Mobile (neu, statt Methodenplanung) UX (User Experience, neu, statt Organisations- programmierung) DV-Schulung Softwareentwicklung Frontend (ehemals Web-Entwicklung) Datenbankadministration System- und Netzadministration Anwender-Support 75.577 € 73.237 € 72.893 € 72.446 € 72.287 € 65.599 € 61.674 € 60.658 € 59.760 € 58.172 € 52.548 € 50.948 € 50.511 € 49.284 € 44.745 € Quelle: Compensation Partner
  • 5. 26 Data Scientist muss sich rasch auf neue Aufgaben einstellen Informatiker, Physiker und Mathe- matiker werden als „Datenschürfer“ bevorzugt. 28 Von der Quereinsteigerin zur IT-Security-Spezialistin Auch Quereinsteiger können sich gute Chancen in diesem höchst gefragten Beruf ausrechnen. 30 KI, IoT und Blockchain: SAP-Be­ra­ tung wird noch anspruchsvoller SAP-Berater kommen mit ihrem aktuellen Know-how nicht weiter. 34 Die neue Welt von Industrie 4.0: Maschinenbauer spricht Java Techniker müssen lernen, mehr über den Tellerrand zu schauen. 37 Informatiker benötigen mehr Ingenieur-Know-how Wer als Informatiker in der Produktion mitreden will, muss die Ingenieure verstehen. 40 Projektarbeit – agiles Arbeiten – KI: Müssen wir Arbeit neu denken? Hays-Manager Frank Schabel wagt einen Blick in die neue Arbeitswelt. Impressum COMPUTERWOCHE-Sonderpublikation in Zusammenarbeit mit Hays, IDG Business Media GmbH, Lyonel-Feininger-Straße 26, 80807 München, Verlagsleitung: Jonas Triebel, Gesamtanzeigenleitung: Sebastian Wörle, Redaktionelle Konzeption: Hans Königes, Alexandra Mesmer, Grafikkonzept und Layout: Erika Schönberger, Druck: Silber Druck oHG, Otto-Hahn-Straße 25, 34253 Lohfelden 28 37 In unserer Verlagsgruppe erscheinen außerdem folgende Medienmarken
  • 6. 6 | IT-Karriere Lernbereitschaft, Verantwortung übernehmen – das sind die Topskills Die Arbeitsmarkteffekte aus der Digitalisierung sind umstritten: Für die einen ist sie der Jobkiller, für die anderen ein Karriere-Turbo. Wer gewinnt und wer verliert, hängt im Wesentlichen davon ab, wie sehr Job und technischer Fortschritt im Gleichklang sind und wie es um die Lernwilligkeit bestellt ist.
  • 7. 7 Fotos:EtiAmmos/Shutterstock;Liuzishan/Shutterstock Für viele Menschen ist längst klar: In zehn Jahren werden sie nicht mehr denselben Job ausüben wie heute. Das kann allerdings ganz unterschiedliche Ursachen haben. Während sich SAP- Berater und Softwareentwickler immer mehr spezialisieren müssen, um komple- xe technische Zusammenhänge zu durchdringen, fällt das Berufsbild des Der jährlich erscheinen- de HR-Report analysiert HR-Fragestellungen in Unternehmen. Er basiert auf einer Online-Befragung, an der für den aktuellen Report 868 Mitarbeiter aus Organisationen im deutschsprachigen Raum teilnahmen. Befragt wurden Geschäftsführer (17 Pro- zent), HR-Führungskräfte (22 Prozent), Fachbe- reichsleiter (40 Prozent) sowie Mitarbeiter ohne Personalverantwortung (21 Prozent). Das diesjährige Schwerpunktthema heißt „Beschäftigungseffekte der Digitalisierung“. Der Hays HR-Report 2019 D
  • 8. 8 | IT-Karriere Automechanikers vermutlich ganz weg. Seine Tätigkeit übernimmt dann der Roboter. Diese Prozesse gehen schlei­ chend vonstatten und werden sukzessive zu Wegfall, Erweiterung oder Neudefini­ tion unzähliger Berufe führen. Ob dieser Wandel unter dem Strich in zehn Jahren dann zu mehr und weniger Jobs führen wird, ist schwer zu sagen. Erfreulich ist allerdings die große Zu­­ver- ­sicht, die trotz vieler Untergangsszenarien in den Unternehmensetagen zu herrschen scheint. Denn von den über 800 Füh­ rungskräften, die für den Hays HR-Report 2019 befragt wurden, ist die Mehrheit positiv gestimmt. Zwei Drittel rechnen damit, dass die Digitalisierung eher mehr als weniger Jobs bringt. Vor allem im IT-Bereich erwarten sie po­si­tive Beschäftigungseffekte. Das bedeutet konkret Stellenzuwächse und neue Job­profile. Aber auch im Bereich kundenzentrierter und kreativer Tätigkei­ ten, also von Aufgabenfeldern, die sich nicht so schnell automatisieren oder von künstlicher Intelligenz ablösen lassen, sind die Befragten guten Mutes. Mit Bezug auf die Beschäftigungseffekte unterscheiden die Studienverfasser dabei zwischen Qualität und Quantität. Ersteres bezieht sich darauf, ein Er­ D Digitalisierung: Erwartete qualitative Beschäftigungseffekte Mit den stärksten Effekten rechnen die befragten Teilnehmer im IT-Bereich. Die Studienbe- fragten über 50 sehen die größten Auswirkungen in Vertrieb und Kundenservice. IT Vertrieb/Kundenservice Personalwesen Produktion Forschung und Entwicklung Logistik Unternehmensleitung/-entwicklung Finanzwesen Marketing Einkauf/Beschaffung 43 32 30 26 24 21 19 17 17 15 Angaben in Prozent; Basis: n = 868 (alle Befragten); Quelle: IBE
  • 9. 9 werbsleben lang beschäftigungsfähig zu bleiben, indem man seine Kompetenzen immer wieder an die neuen Jobanforde- rungen anpasst. Im Unterschied dazu drücken die quan­­ti- ­tativen Beschäftigungseffekte aus, dass neue Jobprofile oder Arbeitsplätze entstehen. Das negative Pendant würde dann entsprechend den Wegfall von Ar­beitsplätzen kennzeichnen. In der Konsequenz wurden die Entscheider gefragt, welche qualitativen Effekte sie für die kommenden fünf Jahre in welchen Unternehmensbereichen erwarten. Daten und KI sind zentrale Themen Am stärksten wird sich ihrer Ansicht nach die Arbeit in der IT verändern (45 Prozent), gefolgt von Vertrieb/Kunden- service (32 Prozent) sowie an dritter Stelle dem Personalwesen (30 Prozent). Dazu muss man wissen, dass in der Studie zum Großteil Dienstleistungs- und Industrieunternehmen befragt wurden. Das Aufgabenspektrum der IT-Abteilung im verarbeitenden Gewerbe dürfte anders sein als die Aufgaben, die ein Softwareentwickler hat, wenn er einen Online-Shop neu programmieren muss. Dennoch kann man festhalten, dass die technischen Qualifikationen von Big Data bis zur künstlichen Intelligenz in mehr oder weniger intensiver Ausprägung künftig viele Jobs durchziehen werden. Im Vertrieb und Kundenservice wird der Umgang mit Daten immer wichtiger werden, um den Kunden individuell anzusprechen und eine personifizierte Lösung zu entwickeln. Das Personalwe- sen wird sich mehr und mehr mit den Möglichkeiten im Einsatz von künstlicher Intelligenz in den Bewerbungsprozessen auseinandersetzen müssen. Das brau- chen die Personaler, um mitreden zu können, wenn es darum geht, was Sinn gibt und moralisch vertretbar ist. Datenmengen steigen, Innovationszyklen werden immer kürzer, die Veränderungs- dynamik nimmt in allen Branchen zu. Foto:EtiAmmos/Shutterstock D
  • 10. 10 | IT-Karriere „War die IT einst das Betätigungsfeld einzelner Spezialisten, ist sie heute zum entscheidenden Erfolgsfaktor ganzer Branchen geworden“, fasst Simon Alborz, Bereichsleiter Permanent bei Hays, die Bedeutung des technischen Fokus für künftige Berufe zusammen. Lernen und über den Tellerrand schauen Um hier allerdings in allen Unternehmens- bereichen stets am Puls der Zeit zu sein, bedarf es mehr als der bloßen Weiterquali- fizierung in fachlicher Hinsicht. Das weiß auch Sabine Lehmann, Personalleiterin von Bosch Corporate IT: „Es wird extrem wichtig werden, stets lernwillig zu sein. Gleichzeitig braucht man die Fähigkeit, sich neue Themen selbst zu erschließen.“ Interessanterweise waren besonders die über 50-jährigen befragten Entscheider ebenfalls dieser Meinung. Ihrer Ansicht nach kommt es künftig mehr denn je darauf an, eine hohe Lernbereit- schaft an den Tag zu legen, sich auf Ver- änderungen im Job einlassen zu können oder auch immer bereit zu sein, Verant- wortung zu übernehmen. Entsprechende Kandidaten sollten ihrer Meinung nach dann aber eher generalistische Fähigkeiten besitzen. Das heißt, stets über den eige­nen fachlichen Tellerrand blicken können. Geht es etwa darum, ein Grundverständnis für künstliche Intelligenz oder Datenanaly- se zu bekommen, sollten sie einschätzen können, was diese Kenntnisse für die Aufgaben in ihrem Arbeitsalltag bedeuten. Work-Life-Balance ist wichtiges Thema Eine recht bemerkenswerte Verschiebung also bei der Einschätzung dazu, welchen Fähigkeiten künftig eine hohe Bedeutung zugesprochen wird. Denn bisher domi­- nierte bei der Suche nach Fachkräften immer eine hohe Fachlichkeit, gepaart mit „kosmetischen“ Soft Skills. Was auch Befragungen vor einigen Jah­ren noch bestätigten. Wem es also unter den gewandelten Verhältnissen langfristig ernst mit der Beschäftigungsfähigkeit seiner Mitarbeiter ist, der sollte sich D Simon Alborz, Hays: „War die IT einst das Betätigungsfeld ein- zelner Spezialisten, ist sie heute zum entscheidenden Erfolgsfaktor ganzer Branchen geworden.“ Foto:Hays
  • 11. 11 außer um die Hard Skills darum bemü- hen, dass es ihnen jederzeit möglich ist, sich schnell und kompetent mit neuen Themen auseinanderzusetzen, um sie für die eigene Tätigkeit zu reflektieren. Dafür braucht es wiederum die Be­reitschaft ständig hinzuzulernen – und zwar ein Leben lang. Genau diesen Trend bestätigt auch die HR-Studie. Um die Beschäftigungsfähig- keit von Mitarbeitern in Unternehmen zu sichern, gilt die lebenslange Fortbildung als das wichtigste Instrument (50 Prozent) gegen den Fachkräftemangel, lautet ein Ergebnis des Reports. Zudem ständen der Ausbau der Work- Life-Balance mit 44 Prozent sowie die Zusammenarbeit in gemischten Teams mit 39 Prozent ganz oben auf der Liste der geeigneten Maßnahmen. „Für die Beschäftigungsfähigkeit wächst die Bedeutung der Work-Life-Balance. Die Befragten sehen hier ihr eigenes Unter- nehmen stärker in der Verantwortung als sich selbst“, kommentiert Jutta Rump, Direktorin des Instituts für Beschäfti- gung und Employability, das Ergebnis. „An der Umsetzung der Work-Life-Balan- ce hakt es jedoch noch deutlich.“ Silvia Hänig Kompetenzen zum Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit Für die über 50-Jährigen sind Themen wie Lernbereitschaft, Einlassen auf Veränderungen, Teamfähigkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, aufgrund ihrer größeren Berufserfahrung sehr viel bedeutsamer als für Jüngere. Lernbereitschaft ein Leben lang Lernfähigkeit Teamfähigkeit in unterschiedlichen Teamformen Kommunikationsfähigkeit Eigenständigkeit Fähigkeit, in Zusammenhängen zu denken Bereitschaft, sich auf Veränderungen aktiv einzulassen Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen Selbst-Management Prozessverständnis 40 39 39 36 34 31 31 30 29 24 Angaben in Prozent; Basis: n = 868 (alle Befragten); Quelle: IBE
  • 12. 12 | IT-Karriere Frau Lehmann, Ihr Arbeitgeber sucht in den nächsten Jahren 25.000 IT- und Softwareexperten und will die Zahl der Experten für künstliche Intelligenz (KI) auf 4000 vervierfachen. Wird Bosch jetzt zum Softwarekonzern? Lehmann: Wir haben den Anspruch, ein führender Anbieter im Internet der Dinge (IoT) und für Mobilitätslösungen zu sein. Dabei geht es um die Kombination von Hardware, Software, aber auch Services. Dabei machen wir große Fortschritte. Be- reits im vergangenen Jahr haben wir 52 Millionen vernetzbare Produkte verkauft und 170 eigene IoT-Projekte umgesetzt. Unser Ziel ist, dass bis 2020 alle unsere elektronischen Produkte Internet-fähig sind. Wie gelingt es, diese große Menge an neuen IT-Experten zu finden? Lehmann: Neben den neuen Fachkräften, die wir am Markt finden, qualifizieren und entwickeln wir auch unsere eigenen Fachkräftesuche bei Bosch: Die Mischung macht’s Bosch sucht Mitarbeiter im großen Stil, vor allem Informatiker. Welche Erwartungen das Unternehmen an die IT-Fachkräfte und deren künftige Kompetenzen hegt, verrät Sabine Lehmann, Personalleiterin der weltweiten Corporate IT, im Interview. Foto:Bosch Mitarbeiter weiter. Dazu arbeiten wir mit Hochschulen wie der TU Darmstadt zusammen, um maßgeschneiderte, hochwertige Qualifizierungen anbieten zu können. Gilt das auch für gesuchte KI-Experten? Lehmann: Auch für KI bieten wir ent- sprechende Qualifizierungen an. Diese richten sich vor allem an berufserfahrene Mitarbeiter, die bereits über entspre- chendes Vorwissen verfügen. Zusätzlich kooperieren wir mit Hochschulen und engagieren uns in Initiativen wie dem Cyber Valley. Hier buhlt doch auch der internationale Wettbewerb um die besten Köpfe. Lehmann: Bereits heute beschäftigen wir 1000 KI-Experten. Diese Zahl wollen wir in den kommenden drei Jahren vervierfa- chen. Vielen Menschen ist es wichtig, mit ihrer Arbeit dazu beitragen zu können, die Lebensqualität der Menschen zu
  • 13. 13 Welche Kompetenzen brauchen Sie momentan am dringendsten? Lehmann: Wir suchen Mitarbeiter mit tiefem Fachwissen in IoT und Cloud- Lösungen, aber genauso Spezialisten für Cybersecurity, Robotik oder auch Smart City. Das sind ja ziemlich viele neue Themen. Was ist mit den Klassikern? Lehmann: Die suchen wir auch, bei- spielsweise SAP-Berater. Hier spielen Soft Skills mittlerweile eine größere Rolle als noch vor ein paar Jahren. In der Vergangenheit wurde in erster Linie auf das technologische Know-how geschaut. Heute achten wir sehr viel stärker darauf, ob die Mitarbeiter auch zur Lösung an sich beraten können: Stichwort Kunden- orientierung. Setzen Sie diesen Fokus auch bei ande- ren Jobprofilen? Lehmann: Ja, durchaus. Denn wir haben uns intensiv mit der Frage beschäftigt, wie wir heute das Potenzial von Füh- rungskräften, Experten und Projektlei- tern analysieren können, um sie gezielt zu fördern. Es gab bereits Indikatoren, die wir jetzt weiterentwickeln, um den Anforderungen der digitalen Welt und der Ambidextrie unseres Business ge- recht zu werden. D verbessern. Das ist auch unser Anspruch, den unser Claim „Technik fürs Leben“ ver- deutlicht. IT-Experten suchen Herausfor- derungen, sie wollen an ihren Aufgaben wachsen. Sabine Lehmann: „Bereits heute be- schäftigen wir 1000 KI-Experten. Diese Zahl wollen wir in den kommenden drei Jahren vervierfachen.“
  • 14. 14 | IT-Karriere Wie sehen diese Indikatoren genau aus? Lehmann: Die Indikatoren sind Kommu­ nikation, Kooperation, Lernfähigkeit, Bereitschaft zur Veränderung sowie unternehmerisches Denken. Das mag jetzt auf den ersten Blick nicht über­ raschen, aber zusammen beschreiben sie eine neue Art der Arbeitshaltung. Nehmen wir als Beispiel Kommunika­ tion. Häufig arbeiten wir gemeinsam in Teams, die über die ganze Welt verteilt sind: Stuttgart, Sunnyvale im Silicon Valley, Shanghai, das ist keine Selten­heit. Um gut zusammenarbeiten zu können, spielen die Kommunikationsfähigkeiten eine entscheidende Rolle, zum Beispiel die Nutzung digitaler Medien. Bevorzugen Sie dann eher die bran­ chenerfahrenen Generalisten auf den Positionen, die diese Fähigkeiten ­ durch ihre berufliche Praxis schon mitbringen? Lehmann: Die Mischung macht‘s. Wir brauchen einerseits die jungen Wilden, die reinkommen, kreative Ideen haben und die Dinge hinterfragen und uns in gewisser Weise damit herausfordern. Und wir brauchen andererseits die Mitar­ beiter mit der nötigen Erfahrung, die die Leichtigkeit besitzen, in beiden Welten, dem bisherigen und dem neuen Geschäft, zurechtzukommen. Es gab keinen Gegenwind? Lehmann: Natürlich hat nicht jeder gleich Juchu gerufen. Wie bei jedem Change-Prozess braucht man Zeit, bis sich die Dinge eingespielt haben. Mitt­ lerweile ist es so, dass sich die Teams gegenseitig inspirieren und sehr große Akzeptanz und Wertschätzung unterein­ ander da ist. Was waren denn die größten Aufreger? Lehmann: Eine Befürchtung mancher Führungskräfte in etablierten Bereichen war, dass zu viel Freiraum in den Teams zu schlechteren Ergebnissen führen könnte. Solche Befürchtungen muss man ernst nehmen, weswegen wir den Prozess aktiv begleitet haben. Letztlich hat sich aber gezeigt, dass der Freiraum in den Teams zu einer sehr hohen Motivation der Mitarbeiter und zu besseren Arbeitsergeb­ nissen führt. In jüngeren Einheiten, die gerade erst gegründet worden sind, sind diese Sorgen gar nicht erst aufgekommen. Und warum nicht, liegt das an der Zusammensetzung der Teams? Lehmann: Die Teams in diesen Einheiten hatten von Anfang an große Freiräume und wurden bewusst sehr vielfältig besetzt. Jüngere und ältere Mitarbeiter, Männer und Frauen, aber auch Mitarbei­ ter aus unterschiedlichen Regionen. Das D
  • 15. 15 ist wichtig, denn autonomes Fahren zum Beispiel muss überall auf der Welt funk­ tionieren, daher brauchen wir möglichst viele unterschiedliche Sichtweisen auf das Thema. Was gibt es darüber hinaus? Lehmann: Wir bieten unseren Mitarbei­ tern zum Beispiel Job-Rotation-Pro­ gramme, damit sie in andere Bereiche hineinschnuppern können. Dabei stehen der Austausch und praktische Lernerfah­ rungen für den eigenen Arbeitsbereich im Vordergrund. Was glauben Sie, welche Fähigkeiten werden in den kommenden fünf Jahren in der IT besonders wichtig werden? Lehmann: Wir sind der Meinung, dass die Bereitschaft zum ständigen Lernen weiter an Bedeutung gewinnen wird. Damit einher geht die Fähigkeit, sich selbst jederzeit Themen erarbeiten zu können. Wir werden zunehmend Exper­ ten mit einer hohen Lösungskompetenz benötigen, aber auch Menschen, die den „Discomfort“ suchen und sich gerne in neue Aufgaben reinfuchsen. Wir stärken die Zusammenarbeit über Grenzen hin­ weg, und das nicht nur im Unternehmen, sondern auch darüber hinaus. Apropos Partnerschaft, was tun Sie für den weiblichen Nachwuchs? Lehmann: Hier engagieren wir uns sehr stark, weil wir von vielfältigen Teams überzeugt sind. Und unser Bereich erfreut sich wachsender Beliebtheit. Wir haben zwei Frauen im Bereichsvorstand. 25 Prozent unserer Einstellungen im Bereich Corporate IT sind mittlerweile Frauen. Diesen Anteil wollen wir noch weiter steigern. k Silvia Hänig „Wir suchen berufserfah- rene Experten in ganz un- terschiedlichen Bereichen. Ein Schwerpunkt ist KI, aber genauso suchen wir Mitarbeiter mit tiefem Fach- wissen in Bereichen wie Computer Vision, IoT, Cloud oder auch Robotik, zum Beispiel fürs automatisierte Fahren oder Industrie 4.0. Dabei verfolgen wir einen weltweiten Ansatz. Zudem haben wir die Erfahrung gemacht, dass gute Leute gerne mit guten Leuten zu- sammenarbeiten. Und das nutzen wir. Parallel arbeiten wir natürlich auch mit Uni- versitäten zusammen.“ Wen Bosch sucht
  • 16. Das letzte überdurchschnittliche Gehaltsplus von im Mittel 6,2 Prozent liegt für ­IT-Profis schon drei Jahre zurück. Seitdem geht es moderater vorwärts. 2018 wuchsen die Gehälter über alle Berufsgruppen hinweg um 3,5 Prozent an. Das ist ein Ergebnis einer exklusiven Studie der Hamburger Ver- gütungsberatung Compensation Partner und der COMPUTERWOCHE. Tim Böger, Geschäftsführer von Compensation Partner und Projektleiter der Studie, hat Wer verdient am besten in der ITK-Branche? Noch kann niemand genau sagen, ob und wie stark das Dauerthema Digitalisierung die Gehäl- ter der IT-Fachkräfte beeinflussen wird. Sicher ist, dass diejenigen, die hier gefragt sind, auf der Son- nenseite des Arbeitsmarkts stehen. Die dicksten Geldbeutel haben die Security-Spezialisten. Foto:Ghing/Shutterstockeinen eindeutigen Gewinner im Poker um IT-Spitzengehälter ausgemacht. Es ist der Security-Experte, dessen durchschnittliches Bruttojahresgehalt in den vergangenen beiden Jahren von 71.100 auf mittlerweile 75.600 Euro stieg. „Die Sicherheitsexperten werden immer wichtiger – zum Beispiel vor dem Hinter- grund der zunehmenden Cyber-Attacken auf global agierende Unternehmen“, sagt Böger. Eine Folge der Digitalisierung und 16 | IT-Karriere
  • 17. und der Projektleiter mit 72.300 Euro. Haben die Experten Personalverantwor- tung, können sie sogar mit einem 25- bis 35-prozentigen Aufschlag rechnen. Das Schlusslicht bilden die Mitarbeiter in der System- und Netzadministration (49.300 Euro) und im Anwender-Support (44.800 Euro). Die Einkünfte der weniger Qualifizierten stagnierten, so Böger. Der Druck auf Mitarbeiter in Support und Administration wachse. Das Thema D Vernetzung seien neue Sicherheitslücken und Schlupflöcher für Cyber-Kriminelle, die es zu schließen gelte. SAP-Berater verdienen nach den Security-Profis am besten Zu den Spitzenverdienern unter den IT-Fachkräften ohne Personalverantwor- tung gehören auch der SAP-Berater mit einem Jahres­gehalt von 72.900 Euro, der „normale“ IT-Berater mit 72.500 Euro 17
  • 18. 18 | IT-Karriere Outsourcing spiele nach wie vor eine Rolle, wenn es darum gehe, Kosten zu senken. Master verdienen immer mehr Knapp 60 Prozent aller Personen, deren Daten in die Gehaltsstudie eingeflossen sind, verfügen über einen Hochschulab- schluss. Am besten honoriert wird das Universitätsdiplom mit durchschnittlich 76.500 Euro (Vorjahr 72.700 Euro), ein Fachhochschulabschluss bringt 70.700 Euro (Vorjahr 69.200 Euro). Der Master hat noch nicht das Niveau des Diploms erreicht, die Gehaltssteigerung ist aber überdurchschnittlich, so dass im Mittel 65.600 Euro jährlich gezahlt werden (Vorjahr 60.900 Euro). Der Rückstand gegenüber den Diplo­man- d­en liegt am noch niedrigen Durchschnitts- alter der Master-Absol­ven­ten. Der ebenfalls noch junge Bachelor-Abschluss bringt den Experten durchschnittlich 55.200 Euro ein (Vorjahr 53.300 Euro). Wer eine Lehre absolviert hat, muss sich mit etwa 50.000 Euro (Vorjahr 48.500 Euro) im Jahr zu- friedengeben. Wichtiger Hinweis: Bei den Zahlen handelt es sich nicht um Einstiegs- gehälter, sondern um Einkommen, die im Schnitt mit dem jeweiligen Abschluss zu erreichen sind. Berufserfahrung lohnt sich Spezialisten mit drei bis sechs Jahren Be- rufspraxis kommen auf rund 52.200 Euro (Vorjahr 50.900 Euro) jährlich, mit einer Berufserfahrung von sieben bis zehn Jahren liegen die Gehälter im Schnitt bei 56.400 Euro (Vorjahr 54.000 Euro). Wer mehr als zehn Jahre im Geschäft ist, hat im Mittel etwa 68.000 Euro (Vorjahr 66.300 Euro) auf dem Lohnzettel. An das Gehaltsniveau ihrer Chefs kommen ­IT-Fachkräfte trotz aller Berufserfahrung nicht heran: ­IT-Leiter mit mehr als zehn D Security-Profis verdienen im Schnitt 75.600 Euro pro Jahr. Foto:Gorodenkoff/Shutterstock
  • 19. 19 Jahren Berufserfahrung beispielsweise erhalten knapp 150.000 Euro jährlich. Da- mit geht die Schere zwischen Fach- und Führungskräften weiter auseinander. Mittelstand holt auf Generell gilt: Je größer das Unterneh- men, umso höher die Vergütung. Um diesen Unterschied zu verdeutlichen, hat Compensation Partner die Gehälter aller ­IT-Fachkräfte eines Unternehmens in ei- nen Topf geworfen und den Durchschnitt ermittelt. Die gute Nachricht in diesem Jahr: In den kleinen Firmen sind die Gehälter stärker ­gestiegen als in großen ­Betrieben. In einem mittelständischen ­Betrieb mit bis zu 100 Mitarbeitern nimmt der Com- puterfachmann derzeit rund 52.700 Euro nach Hause, im Vorjahr waren es 49.700 Euro. Wechselt er zu einem größeren Mittelständler mit bis zu 1000 Beschäf- tigten, sind es gleich rund 8000 Euro mehr pro Jahr. Geht er zu einem Konzern, kommen noch einmal rund 18.000 Euro drauf, insgesamt macht das dann etwa 78.000 Euro. Böger erinnert daran, dass Konzerne auch deshalb ihren Beschäftig- ten mehr bezahlen, weil sie tarifgebun- den sind. Um weitere 40.000 bis 60.000 Euro kann das Gehalt steigen, wenn der IT-Experte eine Führungsfunk­tion mit Personalverantwortung übernimmt. k Hans Königes Datenbasis: An der Studie beteiligten sich 37 Unterneh- men aus der IT-Wirtschaft, die insgesamt 1012 Datensät- ze geliefert haben. Wei­te­re 11.213 Datensätze stammen aus Direkt­befra­gungen von Fach- und Füh­rungskräften. Insgesamt sind so 12.225 Datensätze einge­flossen. 733 Meldungen kamen zu Füh­rungspositionen und 11.492 Meldungen zu Fach- und Spezia­listen­posi­tionen. Methode: Compensation Partner hat Höhe und Struktur der Gehälter von 29 IT-Funk­ tio­nen untersucht. Innerhalb der Funktionen wurde nach Anspruchsstufen differenziert: IT-Berater etwa sind vom einfachen Consultant bis hin zum Manager mit Personal- verantwortung analysiert worden. Preis: Die Vergütungsstudie „IT-Funktionen 2019“ kann zum Preis von 599 Euro (zuzüglich MWSt und Ver-­ sandkosten) über die Home-­ page von Compensation Partner bestellt werden. Die Gehaltsstudie „IT-Funktionen 2019“
  • 20. Sehr viele Unternehmen sind auf der Suche nach Data Scientists, um sich die Potenziale datengetriebener Vorge- hensweisen und Geschäftsmodelle zu erschließen oder sie auszubauen. Was bei der Fülle von Anforderungen in diesem Arbeitsbereich und der dafür notwendi- gen Kompetenzen schnell klar wird: DEN Data Scientist gibt es nicht Unter den Begriff fallen eine Reihe von Unterprofilen, die ein Mitarbeiter selten alle gleich gut erfüllen kann. Im ersten Schritt geht es also darum, festzustellen, welches Anforderungsprofil gemeint ist, wenn ein Unternehmen Data Scientists sucht. Data Scientist – ein Titel, viele Jobprofile Unter dem Begriff Data Scientist sammeln sich höchst unter- schiedliche Tätigkeiten. Ein Blick auf die Facetten eines Berufsfelds, das für Firmen überlebenswichtig werden kann. Foto:anttoniart/Shutterstock Vier Subprofile des Data Scientist Das Feld lässt sich in vier Kategorien oder Profile im Team unterteilen: Data Analyst, Data Architect, Data Manager und Data Business Developer. •Data Analysts benötigen profunde Kenntnisse in der Datenanalytik. Meist sind sie Mathematiker und Informa- tiker, die gutes statistisches Know- how mitbringen. Sie sind diejenigen, die Daten auswerten, nach Mustern suchen und diese aufbereiten. In neue Data-Science-Teams berufen Unterneh- men oft zunächst einmal Analysten. •Data Architects kommen bei Daten-
  • 21. IT-Karriere | 21 •Data Manager engagieren Unterneh- men oft erst dann, wenn sie bemerkt haben, welche Probleme ohne sie auf- treten. Die Aufgabe der Data Manager ist es, sich um die Qualität der Daten zu kümmern, ihnen eine Semantik zu geben. Sie müssen Daten miteinander verknüpfen können, auch wenn sie aus unterschiedlichen Abteilungen stam- men und unterschiedliche Strukturen aufweisen. Und es geht darum, reprä- sentative Trainingsdaten anzulegen, um das Modell immer wieder rekali- brieren zu können. Viele reden von einem „Big Data Lake“, den sie angelegt haben. Dieser kann jedoch auch ein Da- tengrab werden, wenn die Daten darin nicht richtig aufbereitet sind. •Kein Unternehmen sollte sich ein Team von Data Scientists aufbauen, einfach nur, weil es auch eines haben möchte. Sie benötigen immer klare Business Cases. Daher braucht ein vollständiges Data-Science-Team auch einen Data Business Developer – eine Person, die die Unternehmensziele und Marktgege- benheiten gut mit den Datenanalysen verbinden und Business Cases schaffen kann. Während der interdisziplinäre Hintergrund der anderen Data Scien- tists eher von Informatik, Mathematik, Statistik und Sozialwissenschaften gebildet wird, müssen die Business Developer sich mit Betriebswirtschafts- lehre auskennen. D mengen ins Spiel, die den Begriff Big Data auch verdienen. Zu ihren Kern- kompetenzen gehören Verfahren zum Umgang mit großen unstrukturierten Datenmengen aus verschiedenen Datenquellen. Oft entwickeln sie auch die Anwendungen mit. Data Scientists können es sich nicht leisten, lang auf Ergebnisse zu warten. Daher müssen sie wissen, wie sich große Datenmengen auf einem Cluster verteilt bearbeiten lassen. Dafür eignen sich, je nachdem, um welche Daten es geht, unterschiedli- che Verfahren und Infrastrukturen. Data Architects stellen Unternehmen meist dann ein, wenn die ersten Projekte Erfolge zeigen und es um immer größere Datenvolumen geht.
  • 22. 22 | IT-Karriere Kompetenzen und Know-how Welche Kompetenzen für Unternehmen im Vordergrund stehen, hängt von ihrem Anwendungsbereich ab und davon, wie strategisch das Unternehmen die digitale Transformation angehen möchte. Gewiss wird auch ein Data Analyst Teilaufgaben der anderen Bereiche erfüllen können, aber für wirklichen Erfolg ist eine Spezialisierung und ein Teamaufbau notwendig. Das gilt auch innerhalb des Profils Analyst. Denn unterschiedliche Datentypen bedingen unterschiedliches Verfahrens-Know-how. Damit benötigen Unternehmen je nach ihrer Branche und den dort vorherrschenden Datentypen unterschiedliche Spezialisten. Unternehmen, die sich vornehmlich im Bereich Industrie 4.0 bewegen, brauchen etwa Spezialisten für die Zeitreihenana- lyse. Sie werden es mit großen Datenströ- men zu tun haben, die zeitlich geordnete Sensor- und Prozessdaten enthalten. Hier geht es für Data Scientists zunächst meist darum, Modelle zur Erkennung von Anomalien und zur vorausschauen- den Wartung (Predictive Maintenance etwa für Produktionsmaschinen oder für Aufzüge in Gebäuden) zu schaffen, um vorhersagen zu können, wann ein Defekt auftreten wird. Chatbots sollen Unterhaltungen führen Ähnliche Fragen gibt es in der Medizin, aber mit ganz anderen Daten. Für Ultra- schall-, Röntgen- und MRT-Daten sind Bilderkennungsverfahren wichtig. Diese können helfen, Veränderungen oder Schä- digungen im Gewebe zu erkennen und zu bewerten. Und zwar möglichst schon im Frühstadium. Unterstützen können solche Verfahren auch bei einer Operation oder Behandlung, um die Geräte optimal einzustellen und zu führen. Versicherungen setzen Bilderkennungs- verfahren ein, um auf Fotos Schäden zu erkennen und zu begutachten. In der Produktion decken Kameras etwa Qua- litätsmängel am entstehenden Produkt frühzeitig auf. Bilderkennung erleichtert auch die direkte Analyse von Videos im Sicherheitsbereich, wenn es darum geht, verdächtiges Verhalten zu erkennen oder D Data Analysts sollten Mathematiker und Informatiker sein, die gutes statistisches Know-how mitbringen. Fotos:EugenioMarongiu/Shutterstock;Rawpixel/Shutterstock
  • 23. 23 sich bewegende Personen und Fahrzeuge zu verfolgen. In Kundenkommunikation und -service stehen Texte im Vordergrund – bei Social Media Monitoring etwa oder bei der Bearbeitung von E-Mails und Briefen. Hier müssen große Textmengen gefiltert, gruppiert und klassifiziert werden. Dafür ist es erforderlich, Stichwörter und Daten zu extrahieren und Stimmungen zu erkennen. Durch den Trend zu Sprachassistenten geht es bei der Kundenkommunikation und bei intelligenten Geräten zunehmend auch um Spracherkennung. Sprachein- gabe muss in Text umgewandelt und die generierten Antworten müssen akustisch ausgegeben werden. Chatbots sollen die Struktur und Semantik von Sätzen so weit verstehen, dass sie Unterhaltungen im Kontext führen können. Auch Spezialwissen ist aufzubauen Intelligente Roboter oder autonome Agenten in E-Games oder auf digitalen Märkten müssen oft mehrere Aktionen ausführen, bevor sie ihr Ziel erreichen oder ihren Auftrag erledigt haben. Sie müssen dazu Änderungen in ihrer Umge- bung wahrnehmen, in Bezug auf ihr Ziel analysieren und daraus lernen, jeweils die beste nächste Aktion auszuwählen. Für diese verschiedenen Datentypen sind unterschiedliche Verfahren notwendig. Dazu müssen Data Scientists Spezial- wissen aufbauen, um die Potenziale datengetriebener Anwendungsfälle zu erschließen. Basiskompetenzen und Wissen für Fortgeschrittene Bestimmte Grundlagenkenntnisse werden für alle Unterprofile gebraucht. In den Schulungen, die die Fraunhofer- Allianz Big Data in Zusammenarbeit mit der Fraunhofer Academy anbietet, gehö- ren dazu die neuesten Entwicklungen im Bereich Open Source. Denn das Data- Science-Feld wird von großen Akteuren massiv durch quelloffene Bibliotheken vorangetrieben: Spark MLlib durch Apa- che, Torch durch Facebook, TensorFlow durch Google, AML durch Amazon. D Data Architects durchdringen und ord- nen große unstrukturierte Datenmengen aus verschiedenen Datenquellen.
  • 24. 24 | IT-Karriere Dies wird bei Fraunhofer auch in den Seminaren behandelt – gedacht für Praktiker, die neue Methoden und Tools kennenlernen wollen, und vermittelt durch Praktiker, die an vielen Projekten beteiligt waren. Dazu kommen Schu- lungen, die ihre Schwerpunkte auf die Data-Scientist-Berufsprofile oder An- wendungsfelder wie Industrie 4.0, Smart Buildings oder die Energiewirtschaft legen. Hier geht es vertieft um Fragen folgender Art: Wie lässt sich ein intelli- gentes Energie-Management betreiben? Was kann die Simulation von Energienet- zen zur Prozess- und Kostenoptimierung beitragen? Oder auch: Wie können intelli- gente Fertigungssysteme datengetriebe- ne Fabrikbetriebsoptimierung umsetzen? Gerade Data Scientists müssen sich permanent weiterbilden. IT-Wissen veraltet sehr schnell, Bibliotheken zur Datenanalyse zurzeit noch viel schnel- ler, auch durch neue Entwicklungen im Bereich Machine Learning – ein unglaub- lich dynamisches Forschungsfeld mit riesigen Potenzialen in der künstlichen Intelligenz. Unternehmen sollten daher hier noch mehr als in anderen Bereichen Sorge tragen, dass sich ihre Data Scien- tists regelmäßig weiterbilden. Gerade beim Machine Learning ist die Nachfrage nach Weiterbildung besonders stark. Hier geht es um neue Verfahrens- klassen für künstliche neuronale Netze. Durch die Nutzung von Big Data ist es heute möglich, leistungsfähige neuronale Netze mit so viel Daten zu trainieren, dass sie richtig gute Ergebnisse liefern. Es gibt aber viele Varianten von neurona- len Netzen – hier steht im Vordergrund, sich das Wissen über die Unterschiede anzueignen, um richtig auszuwählen. Zu- sätzliche Kenntnisse und Verfahren sind erforderlich, wenn die Ergebnisse nicht nur genau, sondern auch nachvollziehbar sein sollen. Künftige Berufsprofile Ein bereits neu entstandenes Berufsbild ist das des Chief Data Officer: Seine Aufgabe ist es, Unternehmen strategisch, technisch und personell datengetrieben aufzustellen, Geschäftsfelder zu identi- D Fotos:ra2studio/Shutterstock;everythingpossible/Shutterstock Data Manager kümmern sich um die Qualität der Daten und geben ihnen eine Semantik. Sie müssen heterogene Daten verknüpfen können.
  • 25. 25 fizieren und voranzutreiben. In den USA zeigt sich das stärker ausgeprägt als in Deutschland – dort sind die CDOs auf Vorstandsebene oder direkt darunter angesiedelt und mit entsprechenden Befugnissen ausgestattet. In Deutschland werden sie eher auf Abteilungsleiterebe- ne eingestuft. Weitere Spezialisierungen kommen In Zukunft dürften sich die Berufsbilder der Data Science noch weiter differen- zieren. Vorstellbar sind etwa Spezialisie- rungen wie Text-Miner, Bildverarbeiter, Sprachspezialist und Data Broker. Ein grundlegendes Thema ist immer die Datensicherheit. Die Spezialisierung wird noch zunehmen, je weiter die Digitalisie- rung und Automatisierung die verschie- denen Wirtschaftssegmente durchziehen. Bei sehr vielen Tätigkeitsfeldern mit sich wiederholenden Aufgaben können Assis- tenzsysteme eine effiziente Unterstützung für das Personal darstellen. Entsprechend wichtig werden auch Fach- leute für die Mensch-Maschine-Interakti- on. Menschengerechte Entwicklung wird in den kommenden Jahren ein großes The- ma – genau wie Datenschutz und Daten- souveränität. Es stellt eine politische wie gesellschaftliche Aufgabe dar, dass dies mit Beteiligung der betroffenen Personen geschieht. Jeder muss informiert und souverän über seine Daten entscheiden können, damit ein datenschutzgerechter Austausch sichergestellt ist. Das beginnt mit vermeintlich simplen Dingen. Überlegen Sie mal, wie viele moderne Autos Regensensoren besitzen. Wenn Sie deren Daten zusammen mit de- nen der Klimaanlagen-Temperaturfühler über eine neutrale Plattform anonymi- siert auswerten könnten, wie würde sich das auf die Genauigkeit von Wetterpro- gnosen auswirken? Andere im Verkehr generierte Daten könnten helfen, die Pünktlichkeit im Verkehr- und Transport- wesen zu optimieren und die Sicherheit zu verbessern. k Dirk Hecker, Geschäftsführer der Fraunhofer- Allianz Big Data, und Regine Freitag, Leiterin Schulungsprogramm, Geschäftsstelle Fraunhofer-Allianz Big Data Data Business Developer entwickeln mit Datenanalysen Business Cases. Dazu müssen sie die Unternehmensziele und Marktgegebenheiten verstehen.
  • 26. 26 | IT-Karriere Andreas Hübner entschied sich nach dem Master-Abschluss in Wirtschafts- informatik vor fünf Jahren gegen eine Promotion und für den Direkteinstieg bei ­Alexander Thamm in München, einem jungen Unternehmen für Datenanalyse. Zu seinen Aufgaben als Data Scientist gehört es, die Kundenwünsche zu verstehen und in mathematische Modelle zu übersetzen. Dafür muss er die Technik genauso gut verstehen wie die ökonomischen Aspekte und detektivisches Gespür mitbringen. Ein Data Scientist muss sich rasch auf neue Aufgaben einstellen Der Beruf des Data Scientist ist noch ziemlich jung. Informatiker, Physiker und Mathematiker bringen gute Grundlagen mit. Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen und Kommunikationstalent sind hilfreich. Fotos:KhakimullinAleksandr/Shutterstock;AlexanderThammGmbH Frustrationstoleranz zählt ebenfalls zum Berufsprofil, um sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Mit einem Wirtschaftsinformatikstudium in Pader- born schuf sich Hübner ein solides Fundament in Computer Science, Software-­ Engineering sowie Betriebs- und Volkswirt- schaft. Während seines Master-Studiums vertiefte er sich in die Datenanalyse, be­schäftigte sich intensiv mit mathemati- schen Optimierungsmethoden, künstlicher Intelligenz (KI) und maschinellem Lernen.
  • 27. 27 Andreas Hübner, Data Scientist bei ­Alexander Thamm: „Ich muss verstehen, welche Problemstel- lung es gibt und ob sie mit einer Datenanalyse lösbar ist.“ rerseits viele Aufgaben durch die rasante Weiterentwicklung von KI und ­Machine Learning wieder. Herausfordernd sind auch die methodischen und technischen Entwicklungen, mit denen Hübner Schritt halten muss. Deshalb besucht er Konfe­ renzen, tauscht sich mit Spezialisten aus, liest Blogs, verfolgt Portale. „Wenn ich mit Kollegen spreche und mich umhöre, sind die­jenigen am erfolgreichsten, die auch in eigene Projekte investieren, denn sonst kommt keiner hinterher.“ Also schafft sich Hübner auch daheim in seiner Wohnung eine Spielwiese, installiert Sensoren und tüftelt, indem er beispielsweise die Katzen­klappe mit einer Bilderkennungs­ software koppelt oder die Raumtempera­ tur intelligent reguliert. k Ingrid Weidner Das Klischee vom Kellerkind, das sich den ganzen Tag mit Algorithmen be­schäf­ tigt, mit niemandem spricht und nur pro­grammiert, kennt Hübner, doch mit seinem Arbeitsalltag hat es nichts zu tun. „Es fängt schon damit an, dass ich ver­­- stehen muss, welche Problemstellung es gibt und ob sie mit einer Datenanalyse lösbar ist“, sagt der 31-Jährige. Gemein­ sam mit den Spezialisten in Mathematik und Statistik unter seinen Kollegen tüftelt er an ­Lösungen. Die Kundenprojekte reichten von der Analyse des Stromverbrauchs einer Einzelhandelskette bis zur Bilderken­ nung und Bildverarbeitung nach einer Naturkatastrophe für eine Versi­cherung. „Während eines Projekts kommt es dar­ auf an, die Ergebnisse zu evaluieren und die Modelle anzupassen. Die menschliche Erfahrung ist immer noch wichtig.“ Quereinsteiger haben es nicht leicht Die Aufgabenstellungen für Data Scien­ tists sind auch für andere Berufsgruppen attraktiv. „Viele wollen als Data Scientist quereinsteigen, doch manche tun sich schwer. Physiker, Mathe­matiker und In­ formatiker bringen wichtige Grundlagen mit, auch jemand mit einem VWL-Studium und dem Schwerpunkt Statistik ist gut qualifiziert“, sagt Hübner. Während die ­Generalisten unter den Data Scientists be­ sonders gesucht sind, verschwinden ande­
  • 28. Im Selbststudium erarbeitete sich Nikola Morgner ihr Wissen über Betriebssys- teme, Server und Netze. Im ersten Job half sie PC-Nutzern über eine IT-Support- Hotline weiter, seit 2002 arbeitet sie für Fresenius Netcare in Bad Homburg. Dort entdeckte die gelernte Arzthelferin ihre „Vorliebe für Netzwerke“, wie sie er- zählt. „Ich bin eine Quereinsteigerin und habe mir viele meiner IT-Kenntnisse im Selbststudium beigebracht“, sagt Nikola Morgner, die heute als Senior Consultant Cybersecurity in einem 16-köpfigen Team arbeitet. Von der Quereinsteigerin zur IT-Security-Spezialistin IT-Security-Profis sind gefragt. Die Netzspezialistin Nikola Morgner wechselte vor drei Jahren zum Team Cybersecurity von Fresenius Netcare und hat dort noch viel vor. Fotos:TierneyMJ/Shutterstock;Fresenius Als Network Engineer beschäftigte sich Morgner jahrelang intensiv mit tech- nischen Fragen, bildete sich in White Hacking weiter, sicherte Netze und Ser- ver. Deshalb war der Wechsel kein allzu großer Schritt für sie. Informationsecu- rity, oft auch synonym mit Cybersecurity verwendet, umfasst für Morgner alle gespeicherten Daten und Informationen. Das können über das Internet versandte, lokal oder in der Cloud gespeicherte Da- ten sein, aber auch Papiere mit kritischen Informationen, die Mitarbeiter auf ihrem Schreibtisch liegen haben. „Auch die Si- cherheit von IoT-, HR- oder Supplier-Ma-
  • 29. IT-Karriere | 29 Morgners Team bildet die zentrale Anlaufstelle für Cybersecurity im Un- ternehmen. Neben fundiertem techni- schem Wissen bringt Morgner auch die notwendigen Social Skills mit. Beides braucht sie, um Workshops oder Infor- mationskampagnen für die Mitarbeiter nagement-Systemen und physikalische Sicherheit zähle ich dazu“, sagt Morgner. Ihre Aufgaben bei Fresenius sind vielfältig. Morgner prüft beispielsweise Innovationen und neue Produkte wie Datenbrillen auf sicherheitsrelevante Aspekte. „Mit der HoloLens von Mi- crosoft kann ich mir den Betrieb eines Rechenzentrums ansehen, ohne vor Ort zu sein. Aber das Gerät kann auch viel Schaden anrichten, wenn es nicht in das Sicherheitskonzept des Unter- nehmens eingebunden ist.“ Außerdem sensibilisiert Morgner die Mitarbeiter für Sicherheitsrisiken, etwa wenn es um die Verwendung von Software oder Apps auf firmeneigenen Geräten geht. Ständige Weiterbildung ist Pflicht Unter Hackern gilt Social Engineering als vielversprechendes Einfallstor in Netze. Sie nutzen dabei die Hilfsbereitschaft oder auch Naivität der Nutzer aus, um an sensible Informationen zu kommen, indem sie sich beispielsweise über E-Mail- Anhänge Zugang verschaffen oder Schad- software einschleusen. Aber auch ein unbedacht im ICE oder Flugzeug genutzter Laptop gibt oft Firmengeheimnisse preis. „Manchmal helfen einfache Dinge wie die Einstellun­gen im Betriebssystem oder ein Blickschutzfilter auf dem Bildschirm des Laptops. Wir zeigen den Mitarbeitern, was sie besser machen können.“ zu konzipieren. Ständige Weiterbildung zählt deshalb ebenso zu Morgners Arbeitsalltag wie ein Händchen dafür, die Mitarbeiter gut zu informieren, ohne allzu belehrend zu wirken. „Durch meine Ausbildung als Arzthelferin habe ich gelernt, zuzuhören und zu verstehen. Das hilft mir auch heute noch im Job.“ k Ingrid Weidner Nikola Morgner, Fresenius: „Durch meine Ausbildung als Arzthelferin habe ich gelernt, zuzuhören und zu verstehen. Das hilft mir auch heute noch im Job.“
  • 30. 30 | IT-Karriere Harald Rodler arbeitet als Innovati- on Manager und Experte für neue Technologien wie IoT und Industrie 4.0 für Kunden des SAP-Beratungsunterneh- mens Itelligence und lotet die Möglich- keiten der Digitalisierung aus. Er sieht die SAP-Beratung in einem schnellen Wandel: „Mit neuen Technologien wie IoT, künstlicher Intelligenz, Big Data oder Blockchain wandelt sich auch das Berufs- bild im SAP-Bereich.“ Die Innovationsge- schwindigkeit nehme immer schneller zu. Das klassische Berufsbild, dessen Kern die Anpassung der SAP-Software an besondere Bedürfnisse und Prozesse der Anwenderunternehmen ist, sowie die traditionellen Fortbildungspfade für SAP- Fachkräfte werden laut Rodler nach und nach zu einem Auslaufmodell werden. Das Erweitern von Modulwissen weicht einem ganzheitlicheren Ansatz. Dieser besteht aus Know-how in neuen Spezialdiszipli- nen, dem entsprechenden Software- und Hardware-Ökosystem sowie deren Integ- ration in die SAP-Anwendungen. KI, IoT und Blockchain: SAP-Beratung wird noch anspruchsvoller Sie sind fachlich hoch spezialisiert, betriebswirtschaftlich erfahren und mit allen Wassern gewaschen: SAP-Berater, eine der gesuch- testen Berufsgruppen im IT-Umfeld. Doch selbst diese Qualitäten könnten in einigen Jahren für Spitzenpositionen nicht mehr reichen. Fotos:Itelligence Kontinuierliche Weiterbildung und ein großes Maß an Eigenverantwortung hatten stets zu den Aufgaben von SAP- Fachkräften gehört. „Doch um diese neuen Herausforderungen zu bewältigen, müssen SAP-Fachkräfte ein noch höheres Maß an Eigeninitiative, Forschungs- drang und persönlichem Interesse für neue Technologien mitbringen, um sich entsprechendes Wissen anzueignen“, sagt Rodler. Ein breites Fachwissen in diesen neuen Gebieten sei Vorausset- zung, um deren Vorteile in die SAP-Welt zu integrieren und dadurch Synergien für Controlling, Business Intelligence, Warenhaltung, Predictive Analytics und Marketing zu schaffen. Immer am Ball bleiben Mit der fortschreitenden Digitalisierung – Stichwort Industrie 4.0 – und angesichts der neuen Technologien erweitern sich also die ohnehin hohen Anforderungen an zukünftige SAP-Berater noch einmal deutlich. Der Einsatz dieser Technologien
  • 31. Berater auch bei der Hardwareentwick- lung am Ball bleiben, um das geeignete Szenario für ein SAP-Anwenderunterneh- men zu designen und umzusetzen.“ Anwendungsfall IoT: Echtzeit-Tracking und Data Analytics in der Logistik Dies illustriert der Innovation Manager bei Itelligence anhand der neuen Mög- lichkeiten der Sensorik im Logistikbe- reich: Man kann Warensendungen heute rund um die Uhr lokalisieren. Doch das ist nicht alles. Die Verfügbarkeit und Aus- wertung von Daten der Umgebungspa- rameter wie Vibration, Luftfeuchtigkeit und Geschwindigkeit einer Sendung kann durch die Integration in SAP-Anwendun- gen verschiedene betriebswirtschaftlich wertvolle Erkenntnisse bis hin zu Pre- D kann erhebliche Produktivitätsgewinne für Unternehmen bedeuten. Doch um den vollen Nutzen aus diesen Techniken zu ziehen, müssen sie mit der betriebswirt- schaftlichen Software verknüpft werden. Dafür braucht es einerseits das Spezial- wissen der SAP-Fachkräfte. Gleichzeitig ist ein rein auf SAP-Lösungen konzentrier- tes Know-how noch kein ausreichendes Fundament für die erfolgreiche Umset- zung von Projekten. „Beispielsweise geht es im IoT-Bereich nicht mehr ohne Wissen, wie man mit Geräten, Sensoren und vernetzten Din- gen Geschäftsprozesse grundlegend neu gestalten kann“, erklärt Rodler. „Welche Hardware und welche kundenindividu- ellen Funktionen benötigt das Unterneh- men für seine Prozesse? Hier müssen
  • 32. 32 | IT-Karriere dictive Analytics bereitstellen. Kom- plexe Auswertungen in Bruchteilen von Sekunden und auf Basis von Echtzeit- daten bieten völlig neue Einblicke und Möglichkeiten der Prozessoptimierung. Stellt das Echtzeit-Tracking anhand der Vibration beispielsweise einen Sturz der Warensendung fest, kann eine automati- sche Nachricht an die zuständige Abtei- lung gesendet werden. Dies ermöglicht ein direktes Eingreifen: Man kann etwa den Empfänger über eine mögliche Be- schädigung der Ware verständigen oder gleich eine Ersatzsendung losschicken. Zudem können diese Vorkommnisse zur rechtssicheren Nachweisbarkeit als unveränderlicher Eintrag in einer Block- chain festgeschrieben werden. Durch die Verknüpfung dieser Daten aus dem SAP-System können weitere Maßnahmen getroffen werden, beispielsweise eine Anpassung der Versicherungspolicen auf Basis von KI. Rodler: „Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig, und das macht es nicht ein- facher, sondern schwerer.“ Wichtig für SAP-Berater sei hierbei die Fähigkeit, Kundenanforderungen genau zu ver- stehen und dafür die richtige Hardware zu wählen oder zu spezifizieren. Beim Echtzeit-Tracking in der Logistik stellt sich etwa die Frage nach der benötigten Ortungsgenauigkeit. Braucht der Anwen- dungsfall eine möglichst genaue Ortung innerhalb eines Radius von nur weni- gen Zentimetern? Oder genügen einige Meter? Besteht die Notwendigkeit einer lückenlosen weltweiten Ortung? Welche geeigneten Datenübertragungsformen existieren hierfür? SAP-Berater müssen die passende Hardware auswählen kön- nen, mit dem Anbieter sprechen und dem D
  • 33. 33 Anwenderunternehmen eine Empfehlung geben. „Die Vernetzung der Dinge ist keine Worthülse. Es geht darum, dass wir Da- ten beschaffen, um noch genauer planen oder vorhersagen zu können“, so Rodler. Jede Dateninformation sei wie ein Pixel in einem Bild. „Je mehr Bildpunkte wir sammeln, desto genauer wird schließlich das Bild. Hierfür ist eine Integration un- terschiedlichster Daten und Systeme in ein übergeordnetes Framework notwen- dig.“ Als weiteres Beispiel führt er die Schwingungsdaten einer Produktions- maschine an: „Durch Big Data Analytics können Informationen in einen Kontext gesetzt werden. Was fertigt diese Maschi- ne gerade? Unter welchen Umständen fällt eine solche Maschine häufig aus oder produziert Ausschuss?“ Die SAP-Beratung wandelt sich: Denken abseits ausgetretener Pfade Ein SAP-Berater muss sich demnach heute vorstellen können, wie sich durch technische Veränderungen auch Ge- schäftsprozesse und Geschäftsmodelle disruptiv neu denken lassen. „SAP-Berater müssen das Silodenken aufbrechen, um die Daten in die SAP-Cloud-Plattform und somit in neue Lösungen und Technologien einzubinden. Hier sind Freigeister gefragt, die Kreativität mitbringen und neue Wege beschreiten“, kommentiert Rodler. Statt unbeweglicher monolithischer Sys- teme benötigen Unternehmen heute agile und integrationsfähige Dateninfra- strukturen, Cloud-Anwendungen oder On-Premises-Lösungen, die sich kontinu- ierlich verbessern und weiterentwickeln. Für den IoT-Experten Rodler ist klar: Klassisches SAP-Customizing bietet für jüngere Berater langfristig keine berufliche Basis mehr. Sie sollten daher wachsam beobachten, welche neuen Technologien relevante Daten für das Geschäft generieren und erfassen können und wie sich dadurch Prozesse optimie- ren und vereinfachen lassen. „Offenheit für Neues und lebenslanges Lernen – das ist das Erfolgsrezept.“ k Lilian Loke Harald Rodler, Itelligence: „Ein rein auf SAP-Lösungen kon- zentriertes Know-how ist kein ausreichendes Fundament für die erfolgreiche Umsetzung von Projekten.“
  • 34. Informatiker und Ingenieure sprechen eine ähnliche Sprache“, erklärt Dominik von Lavante, wie die interne Zusammenarbeit funktioniert. Der technische Leiter dient in der Firma Devetec bei Saarbrücken als Schnitt­stelle Die neue Welt von Industrie 4.0: Maschinenbauer spricht Java Über den Tellerrand schauen – so könnte das neue Motto heißen für eine bessere Zusammenarbeit von Informatikern und Ingenieu- ren. Die Digitalisierung lässt keinen anderen Schluss zu, als dass beide Berufsgruppen stärker aufeinander zugehen müssen. Fotos:Devetec;privat zwischen Ingenieuren und In­formatikern. Industrie 4.0 lässt die Grenzen zwischen Soft- und Hardware verschmelzen. Als pro­movierter Maschinenbauer leitet und moderiert von Lavante die Fachkräfte in dem Unternehmen, das seit 19 Jahren Abwärmekraftwerk: Interdisziplinäres Arbeiten ermöglicht intelligente Systeme.
  • 35. IT-Karriere | 35 Zurzeit designen die Ingenieure das Kraftwerk und überwachen die Kon- struktion. Die Informatiker arbeiten an der Vernetzung von Anlagen mit Cloud- und Datenbanksystemen für Fernwar- tung und mit Predictive Maintenance, bei der intelligente Systeme Prognosen über den Zustand der Maschine machen. Von Lavante sieht aber mehr Potenzial. Deep D Anlagen zur Abwärmenutzung entwi- ckelt. Von Lavante maß sich bereits als Jugend- licher in Programmierwettbewerben. In- formatik wollte der heute 35-Jährige aber nicht studieren: „Mir war immer klar, dass Programmieren ein reines Werkzeug bleiben soll.“ Nach seiner Doktorarbeit an der Universi- tät Stuttgart über Störungssimulationen in Atomkraftwerken (AKWs) entwickelte der gebürtige Heidelberger beim TÜV Rheinland eine Software, die sämtliche Reststoffflüsse beim Rückbau von AKWs dokumentiert. Nach der Katastrophe von Fukushima plante er ein Sicherheitssys- tem, das solche Vorfälle verhindert, wenn alte AKW damit nachgerüstet werden. Auf Investorensuche für seine Idee lernte er die Goffin Gruppe kennen. Die Inhaber übernahmen kürzlich die Firma Devetec, die Abwärmekraftwerke baut, die mit einem Nutzungsgrad von 90 Prozent Prozesswärme oberhalb von 250 Grad zu Strom, Druckluft oder Kälte umwandeln. Von seiner Idee einer effizienten und kompakten Wärmemaschine überzeugt, boten die Investoren von Lavante eine Stelle als Technischer Leiter an. Seit Mai 2018 verantwortet er das Gesamtkonzept der ORC-Abwärmekraftwerke (ORC = Orga- nic Rankine Cycle) und transformiert die Technologie in die Digitalisierung. Dominik von Lavante bildet das Bindeglied zwischen Ingenieuren und Informatikern. Er entschied sich für ein Maschinenbaustudi- um, weil er Programmieren eher als Werkzeug sieht. Learning könne die Maschinenbauer bei einfachen Tätigkeiten wie der Rohrstre- ckenfindung entlasten. Artificial Intelligence (AI) vermöge in der Fertigung fehlerhafte Komponenten frühzeitig zu erkennen. Mit cyber-phy-
  • 36. 36 | IT-Karriere sischen Modellen und virtuellen Kraft- werken optimieren Fachleute wie von Lavante Anlagen immer weiter. „Parallel dazu wird alles dokumentiert“, sagt der Ingenieur. Das Bedürfnis des Besitzers nach Informationen werde immer größer. Mit all dieser Vernetzung erhalte der Anlagenbesitzer alle wichtigen Prozess- daten in Echtzeit und Informationen über jede verbaute Komponente. „In der Sensorik herrscht noch viel Vernetzungsbedarf“, weiß von Lavante. Während bei Prozessen die Ingenieure proaktiv Informatiker nach intelligenten Lösungen für einzelne Probleme fragen, müssten bei der Messtechnik beide Par- teien voll involviert sein. „Welche Daten mit welchen Methoden am besten erho- ben und wie und wann diese Daten verar- beitet werden, übersteigt die Kompetenz des Einzelnen“, erklärt der Maschinen- bauer die notwendige Zusammenarbeit. Seiner Erfahrung nach fällt es vielen Ingenieuren leicht, sich Grundkenntnisse in Informatik anzueignen. Die Guten bevorzugen Konzerne Auch lernen Ingenieurstudenten mittler- weile Programmieren im Studium. „Da- gegen haben wir als Startup Probleme, studierte Informatiker zu finden, die über genügend Branchenwissen im Maschi- nenbau verfügen“, sagt von Lavante. Die Guten bevorzugen Großkonzerne und Absolventen fehle die Praxis. „Die einzelnen Bereiche werden immer komplexer“, verdeutlicht von Lavante. Auch die Spezialisierung innerhalb der Berufe nehme zu. Dementsprechend mehr Schnittstellen entwickeln sich. Von Lavante sieht auf beiden Seiten Wachs- tumspotenzial: Informatiker sollten mehr Verständnis und Interesse für die physische Welt entwickeln, Ingenieure müssten zumindest die Grundbausteine der Informatik kennen. k Michael Sudahl D Das Herzstück des Abwärmekraftwerks ist die ORC-Dampfturbine. Sie arbeitet mit organischer Flüssigkeit.
  • 37. 37 Fotos:Inductoheat Härten braucht in erster Linie Erfah- rung“, sagt Alexander Ulferts. Der LeiterProzessentwicklung und -technologie bei Inductoheat beobachtet, dass ver­mehrt Laien oder Quereinsteiger an Induktions- Industriewunsch: Informatiker brauchen mehr Ingenieur-Know-how Die Industrie benötigt mehr Mitarbeiter mit IT-Know-how, die die Produktionsabläufe verstehen. Allerdings: Wenn es um Themen wie Zuverlässigkeit und Datensicherheit geht, sind die Topspezia- listen aus der Informatik gefragt. anlagen arbeiten. Moderne Härtemaschi- nen sollen intelligenter werden und ihren Benutzer automatisch unterstützen. „Die Anlagen werden immer mehr zu Compu- tern“, so der studierte Elektroingenieur. D Härten: Ideal abgestimmte Parameter sparen Zeit und Energie.
  • 38. 38 | IT-Karriere Seit neun Jahren arbeitet Ulferts bei Inductoheat. Der Markt- und Technologie- führer aus Reichenbach/Fils in Württem- berg gehört seit 1986 zur weltweit tätigen Inductotherm Group, einem inhaberge- führten US-Unternehmen, das Maschi- nen und Anlagen zur induktiven Erwär- mung in lokalen Niederlassungen fertigt. Zuvor arbeitete der gebürtige Ostfriese fünf Jahre lang an der Universität Han- nover als wissenschaftlicher Mitarbeiter für elektrothermische Prozesse. 2010 erfolgte dann der Wechsel in die Industrie. „Irgendwie war es Zufall“, erin- nert sich Ulferts. Ein Fachartikel machte ihn auf das Unternehmen aufmerksam. Management, Entwicklung und Trouble- shooting gehören zu seinem Alltag. „Ich stehe auch gerne mal im blauen Kittel vor der Anlage“, lacht der Inge- nieur, der die Hands-on-Mentalität im Mittelstand genießt. Laufend entwickelt er die Anlagen weiter, damit sie auf dem neuesten Stand der Technik bleiben. Um neue, digitale Systeme aus den bestehenden abzuleiten, arbeiten bei Inductoheat interdisziplinäre Teams zu- sammen. Die Kollegen sitzen in den USA, Indien und China. Gemeinsam erörtern die Experten Lösungsansätze. Ziel ist eine flexible und systemoffene Plattform der Prozesskontrolle, die ein Daten- und Energie-Management bietet und univer- sell einsetzbar ist „Wartungs-Management und Energie- optimierung sind bereits digitalisiert“, bilanziert der 43-Jährige. So konnte das Unternehmen mit einem neuen Tool des Industrieserviceanbieters Riempp aus Oberboihingen die Kosten gegenüber herkömmlichen Verfahren im Härteofen um ein Drittel reduzieren. D Prozessentwicklung: Kompetente Mitarbeiter nutzen modernste Produktions- und ­Messmittel, um individuelle ­Kundenwünsche zu erfüllen.
  • 39. 39 Dieses Werkzeug steuert und dokumen- tiert sämtliche Parameter des Härte- prozesses individuell. Das Energie-Ma- nagement-System „Emsyst“ von Riempp wiederum vernetzt Anlagen und Gebäu- de. Nebenbei kann eine abweichende Pumpleistung einen Defekt frühzeitig erkennen. Als Nächstes will Ulferts Induktionsanlagen entwickeln, die ihren Nutzer aktiv unterstützen. „In Schmiedeanlagen funktioniert das Modell bereits“, sagt Ulferts. Mit den Di- mensionen und Eigenschaften berechnet das System im Hintergrund automatisch passende Parameter. Im induktiven Här- ten sei die Rechnerleistung noch unzu- länglich. Je nach Komplexität dauert eine Simulation mehrere Stunden, manchmal sogar bis zu zwei Tagen. „In der Praxis wären maximal 30 Minuten akzepta- bel“, verdeutlicht der Fachmann. Hinzu kommt: Ingenieure müssten sich stärker spezialisieren, um in ihren Branchen effektiv zu sein, gleichzeitig vernetzten sich die Technologien. „Ich kann auch C, Java und Python, aber ein Programm von Grund auf entwickeln ist etwas anderes“, so der Wahlschwabe, der sich abends und am Wochenende selbständig in digitale Themen einliest. Im Tagesgeschäft sei dafür keine Zeit. Ulferts schließt Wissenslücken mit digitalen Lernplattformen, die klassische Fachliteratur ergänzen. Und er muss noch mehr tun. Denn mit dem Internet der Dinge steige der Programmierauf- wand. Datenbanken und zuverlässige Systeme erfordern professionelles Programmie- ren. „Wenn es um Datensicherheit oder Zuverlässigkeit geht, sind keine Fehler erlaubt“, stellt Ulferts klar. Doch vielen Informatikern fehle das Verständnis für Prozesse oder Fachwissen wie Elektro- technik. Die Industrie brauche mehr tech- nische Informatiker, die mit Abläufen in der Industrie vertraut sind. Angehenden Informatikern rät Ulferts, „während des Studiums so viele Praktika oder Ferien- jobs in der Industrie zu machen wie mög- lich“. Er habe jede Gelegenheit genutzt, Praxisluft zu schnuppern, um sich an die interdisziplinäre Arbeit zu gewöhnen. k Michael Sudahl Foto:Privat Alexander Ulferts, Inductoheat: „Smarte Anlagen sollen den Nutzer aktiv unterstützen.“
  • 40. Wer in der IT-Industrie tätig ist, kennt diese Situation: Während die Anbieter von Lösungen ihre neu programmierten Features über den grünen Klee loben, befinden sich viele Anwender noch im zähen Abnutzungs- kampf mit der Implementierung älterer Releases. Projektarbeit – agiles Arbeiten – KI: Müssen wir Arbeit neu denken? Die Arbeitsplätze – vor allem die Büros – werden immer hipper, die Diskussion darüber, wie wir künftig arbeiten werden, immer inten- siver. Der betriebliche Alltag sieht aber oft noch recht trostlos aus. Hays-Manager Frank Schabel wagt eine Prognose, wie sich die Arbeitswelt verändern wird, und stellt eine Forderung. Foto:GaudiLab/Shutterstock Ein ähnliches Muster zeigt sich, wenn wir diskutieren, wie sich die Digitalisierung auf unsere Arbeitswelt auswirkt. Dann bewegen sich die Zukunftsszenarien in anderen Sphären als das, was wir in unserem Alltag erleben. Da ist noch wenig agil, flexibel oder durch flache Hierarchien geprägt. Unsere Studie zu
  • 41. IT-Karriere | 41 sowohl an die Bedürfnisse junger Talente als auch an die ihrer Kunden. Denn agile Teams handeln durch ihre Struktur und ihre Vorgehensweisen schlicht schneller und kundennäher; Unternehmen mit offeneren Kulturen ziehen attraktivere Talente an. Es sind also nicht hehre Proklamationen der Unternehmensleitung oder aus dem HR-Bereich, die die Arbeitswelt verän- dern, sondern der Druck von außen. Und der wird in Anbetracht der weiteren Digi- talisierung und Automatisierung weiter Fahrt aufnehmen. Flexibilisierung wird weiter voranschreiten Bereits heute gestalten Unternehmen ihre Arbeitsstrukturen beweglicher. So ist es mittlerweile gang und gäbe, dass Mitarbeiter zeitlich und räumlich flexibel arbeiten. Hier ist das Ende der Fahnen- stange noch nicht erreicht. Neue digitale Technologien werden ein noch flexibleres Arbeiten ermöglichen und gleichzeitig die Autonomie von Teams und Individu- en forcieren. Unternehmen werden sich deshalb fragen müssen, wie sie vor diesem Hintergrund ein unternehmensweites Gemeinschaftsgefühl entwickeln können. Auch auf einer anderen Ebene wird es flexibler werden: Die Projektwirtschaft wird künftig noch stärker unseren D den Spannungsfeldern in Organisationen (Ambidextrie) aus dem letzten Jahr hat dies deutlich aufgezeigt: Die Mehrheit der Unternehmen bewegt sich noch in vertrautem Fahrwasser. Zwar ist der neue Wein bei ihnen angekommen, aber sie bearbeiten ihn noch in alten Schläuchen. Daran ändert auch das Zauberwort New Work wenig. Hippe Räume, coole Archi- tekturen und tiefschürfende Diskussio- nen über Selbstverwirklichung in der Ar- beit machen noch keinen Frühling. Und trotzdem – das ist das Gute – bewegt sich die Arbeitswelt hin zu mehr Agilität und offeneren Kulturen. Nicht weil das Propa- gieren von New Work erste Früchte trägt. Vielmehr verändern sich Organisationen, weil sie sonst den Anschluss verlieren –
  • 42. 42 | IT-Karriere Arbeitsalltag prägen. Immer mehr The- men werden in interdisziplinären Teams bearbeitet – zu Lasten der klassischen Linienorganisation. Lernen und Arbeiten verschmelzen In unseren Biografien fand Bildung und Lernen meist vor unserem Berufsleben statt. Sicher haben wir regelmäßig Semi- nare besucht. Aber das dort Gelernte in Laufenden. Lernen vollzieht sich dabei immer stärker über Learning by Doing im konkreten Arbeitsalltag, nicht losgelöst davon. Dies beinhaltet, über pluralistisch besetzte Teams den Umgang mit unter- schiedlichen Kompetenzen und Sichtwei- sen als gemeinsames Lernen zu begreifen. Nicht nur herkömmliche Erwerbsarbeit wird als Arbeit gelten Natürlich wissen wir nicht, wie die Arbeitswelt in 20 Jahren aussehen wird. Wenn digitale und automatisierte Ab- läufe unsere Rolle in der Arbeitswelt verändern, werden wir künftig vielleicht einen allumfassenderen Begriff von Ar- beit entwickeln. Herkömmliche Erwerbs- arbeit ist dann nur noch ein Element unseres Verständnisses von Arbeit. In Zukunft werden wir soziale Arbeit in der Familie oder in unserer Nachbarschaft genauso wie Ehrenämter oder gesell- schaftliches Engagement in den Begriff Arbeit integrieren. Ungeachtet dieses Szenarios sollten wir die „alte“ Erwerbsarbeit mehr denn je aktiv gestalten und sie nicht den Investitionsentscheidungen einiger Unternehmen überlassen. Wie wir das Verhältnis zwischen uns Menschen auf der einen Seite und KI-Lösungen sowie Big-Data-Maschinen auf der anderen Sei- te entwickeln, sollten wir als Gesellschaft entscheiden. k D Frank Schabel, Hays: „Wenn di- gitale und automatisierte Abläufe unsere Rolle in der Arbeitswelt verändern, werden wir künftig ­einen umfassenderen Begriff von Arbeit entwickeln müssen.“ Foto:Hays die Arbeitswelt zu transferieren ist selten gelungen. Aufgrund der ständigen Um- wälzungen rücken Arbeit und Lernen nun zusammen. Nur auf diese Weise halten wir unsere Beschäftigungsfähigkeit auf dem
  • 43. IT-Karriere | 43 • Wir informieren Sie über Chancen von Frauen in der digitalen Welt • Wir sagen Ihnen, wer die besten Arbeitgeber sind • Wir beraten Sie in allen Fragen zu Bewerbung, Karriere und Gehalt • Wir fragen Managerinnen, wie sie sich behauptet haben www.womenandwork.de Deutschlands größter Messe-Kongress für Frauen 4. Mai 2019 in Frankfurt am Main Treffen Sie das COMPUTERWOCHE-Team auf der Women Work
  • 44. hays.de/it Wir verfügen über eine der größten und qualifiziertesten Expertendatenbanken. So finden wir die Experten für unsere Kunden nicht nur schnell und flexibel, sondern auch passgenau.