Rahmenprogramm Gesundheitsforschungder Bundesregierung
ImpressumHerausgeberBundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)Referat Gesundheitsforschung11055 BerlinBestellungen...
Rahmenprogramm Gesundheitsforschungder Bundesregierung
VorwortVorwortAlt zu werden und gesund zu bleiben ist ein             und außer­ niversitären Forschungseinrichtungen     ...
Inhalt                                                                                                                    ...
2   Zusammenfassung
Zusammenfassung                                                                                        3ZusammenfassungAkt...
4                                                                                      ZusammenfassungAktionsfeld 5       ...
Zusammenfassung                                                                                            5    Diesen Her...
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Ausgangsbedingungen                                                                                 7lichen medizinischen ...
8   Die strukturelle Herausforderung: Gebündelte Erforschung von Volkskrankheiten
Die strukturelle Herausforderung: Gebündelte Erforschung von Volkskrankheiten   9
10   Die strukturelle Herausforderung: Gebündelte Erforschung von Volkskrankheiten
Die strukturelle Herausforderung: Gebündelte Erforschung von Volkskrankheiten                          11Die strukturelle ...
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14                     Die strukturelle Herausforderung: Gebündelte Erforschung von Volkskrankheiten gen über lange Zeit e...
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Die strukturelle Herausforderung: Gebündelte Erforschung von Volkskrankheiten                      17Krankheitsbezogene Pr...
18   Die Forschungsherausforderung: Individualisierte Medizin
Die Forschungsherausforderung: Individualisierte Medizin                                               19Die Forschungsher...
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Die Forschungsherausforderung: Individualisierte Medizin                                                 21 Genetic Epidem...
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Die Forschungsherausforderung: Individualisierte Medizin   23
24   Die Vorsorgeherausforderung: Präventions- und Ernährungsforschung
Die Vorsorgeherausforderung: Präventions- und Ernährungsforschung                                    25Die Vorsorgeherausf...
26                                Die Vorsorgeherausforderung: Präventions- und Ernährungsforschungdingten Erkrankungen be...
Die Vorsorgeherausforderung: Präventions- und Ernährungsforschung                                     27 Die Förderung der...
28                                Die Vorsorgeherausforderung: Präventions- und Ernährungsforschung Synergieeffekte erziel...
Die Vorsorgeherausforderung: Präventions- und Ernährungsforschung   29
30   Die Systemherausforderung: Versorgungsforschung
Die Systemherausforderung: Versorgungsforschung                                                      31Die Systemherausfor...
32                                               Die Systemherausforderung: Versorgungsforschung Die Förderung der Versorg...
Die Systemherausforderung: Versorgungsforschung                                                       33 Y Studien in der ...
34   Die Innovationsherausforderung: Gesundheitswirtschaft
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  1. 1. Rahmenprogramm Gesundheitsforschungder Bundesregierung
  2. 2. ImpressumHerausgeberBundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)Referat Gesundheitsforschung11055 BerlinBestellungenschriftlich an den HerausgeberPostfach 30 02 3553182 Bonnoder perTel.: 01805 - 262 302Fax: 01805 - 262 303(Festnetzpreis 14 ct/Min., höchstens 42 ct/Min. aus Mobilfunknetzen)E-Mail: books@bmbf.bund.deInternet: www.bmbf.deGestaltungChristiane Zay, W. Bertelsmann Verlag (wbv), Bielefeld, www.wbv.deDruckereiMöller Druck und Verlag GmbH, Ahrensfelde OT BlumbergBonn, Berlin 2010BildnachweisTitelbild: Andersen Ross/Getty Images; S. 5: pra_zit/shutterstock; S. 7: thinkstock/istockphoto; S. 8–9: lakeemotion/shutterstock; S. 10: Peter Dazeley/Getty Images;S.  12: thinkstock/stockbyte; S. 14: Alex Raths/istock; S. 17: Jan Woitas/picture-alliance; S.  18: thinkstock/Comstock Images; S. 21: Paul Burns/picture-alliance;S.  23: Kay Chernush/Getty Images; S. 24: thinkstock/Jupiterimages; S. 26: image­ -fruit/image­ roker/medialpicture; S.  28: Peter-Michael Petsch/medicalpicture; bS.  29: Jan  Kranendonk/shutterstock; S. 30: Andreas Christians/medicalpicture;S.  32: Bärbel  Högner/medicalpicture; S. 37: Jan-Peter Kaspar/picture-alliance;S.  38:  Frank  Geisler/medicalpicure; S.   39: Olaf Heil/medicalpicture; S.  40: Hugh Sitton/Corbis; S. 43: Bao  Feifei/Corbis; S.  45: Greg Pease/Getty Images; S. 46: thinkstock/istockphoto; S. 12: thinkstock/stockbyte; Alle anderen Abbildungen: PT DLR/BMBF
  3. 3. Rahmenprogramm Gesundheitsforschungder Bundesregierung
  4. 4. VorwortVorwortAlt zu werden und gesund zu bleiben ist ein und außer­ niversitären Forschungseinrichtungen uMenschheitstraum, dem wir in den vergangenen arbeiten in diesen Zentren eng zusammen, umJahrzehnten durch verbesserte Lebensbedingun- möglichst rasch wegweisende Erkenntnisgewinnegen und eine gute medizinische Versorgung ein zu erzielen und Therapiechancen zu eröffnen.gutes Stück näher gekommen sind. Mit der wach-senden Lebenserwartung steigt jedoch die Zahl Darüber hinaus legt das Programm ein beson-der Menschen, die an Krebs, neurodegenerativen deres Augenmerk auf individualisierte Therapie-oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Auch ansätze, Präventions- und Ernährungsforschung,die Häufigkeit von chronischen und Mehrfach­ Versorgungsforschung, Gesundheitswirtschafterkrankungen wächst. und global vernetzte Forschungsansätze. Vor diesem Hintergrund setzt die Bundesregie- Mit dem Rahmenprogramm Gesundheits­rung mit dem neuen „Rahmenprogramm Gesund­ forschung leistet die Bundesregierung ihrenheitsforschung“ Prioritäten und definiert die strate­ Beitrag zur umfassenden Erforschung von Krank-gische Ausrichtung der medizinischen Forschung heiten. Aus der Zusammenarbeit von Wissen-für die kommenden Jahre. Der Leitgedanke: Durch schaftlerinnen und Wissenschaftlern entsteheneine engere Verknüpfung der Kompetenzen, Dis­ die Ansätze, die bei entsprechender Weiterent-ziplinen und Institutionen sollen Forschungsergeb- wicklung und erfolgreicher Übertragung in dienisse in Zukunft schneller aus der Grundlagen- und medizinische Praxis den Menschen in unseremder klinischen Forschung in die medizinische Ver­ Land ein beschwerdefreies, selbstbestimmtes undsorgung und damit zu den Patienten gelangen. langes Leben ermöglichen. Der inhaltliche Schwerpunkt des Programmsliegt auf der Erforschung der Volkskrankheiten.Hier sind der Handlungsbedarf und die Hoff-nung am größten, durch Forschung neue Wege Prof. Dr. Annette Schavan, MdBfür Prävention und Behandlung zu finden. Die Bundesministerin für Bildung und ForschungBundesregierung baut zu sechs VolkskrankheitenDeutsche Zentren der Gesundheitsforschung auf:Neben dem „Deutschen Zentrum für Neurode-generative Erkrankungen“ und dem „DeutschenZentrum für Diabetesforschung“ werden Zentrenin den Bereichen Herz-Kreislauf-, Infektions-, Dr. Philipp Rösler, MdBKrebs- und Lungenforschung eingerichtet. Die Bundesminister für Gesundheitbesten Forscher­ ruppen aus Hochschulmedizin g
  5. 5. Inhalt 1InhaltZusammenfassung............................................................................................................................................................. 3Ausgangsbedingungen.................................................................................................................................................... 6Aktionsfeld 1 – die strukturelle Herausforderung:Gebündelte Erforschung von Volkskrankheiten....................................................................................................... 11Aktionsfeld 2 – die Forschungsherausforderung:Individualisierte Medizin................................................................................................................................................ 19Aktionsfeld 3 – die Vorsorgeherausforderung:Präventions- und Ernährungsforschung..................................................................................................................... 25Aktionsfeld 4 – die Systemherausforderung:Versorgungsforschung..................................................................................................................................................... 31Aktionsfeld 5 – die Innovationsherausforderung:Gesundheitswirtschaft..................................................................................................................................................... 35Aktionsfeld 6 – die globale Herausforderung:Gesundheitsforschung in internationaler Kooperation......................................................................................... 41Die förderpolitische Herausforderung:Instrumente und Verfahren zur Förderung................................................................................................................ 44
  6. 6. 2 Zusammenfassung
  7. 7. Zusammenfassung 3ZusammenfassungAktionsfeld 1 einer Stufe des Innovationsprozesses zur nächstenDie strukturelle Herausforderung: wird erleichtert. Die Erforschung seltener Krank- heiten wird ebenfalls gefördert.Gebündelte Erforschung vonVolkskrankheiten Aktionsfeld 3 Die Vorsorge­heraus­forderung:Der demografische Wandel lässt den Bedarf anmedizinischem Fortschritt steigen: Die Zahl der Präventions- und ErnährungsforschungMenschen wächst, die an Volkskrankheiten wieKrebs, Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel-, Infektions-, Erkenntnisse über den Einfluss von Ernährung,Lungen- oder neurodegenerativen Erkrankun- Bewegung, sonstigem Verhalten und Umwelt aufgen sowie an psychischen, muskuloskelettalen die Aktivität von Genen eröffnen neue Möglich-oder allergischen Erkrankungen leiden – oder keiten, um die Entstehung von Volkskrankheitenauch an mehreren dieser Erkrankungen. Zudem wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungendauert es oft noch zu lange, bis Ergebnisse aus besser zu verstehen und ihnen vorzubeugen. Dasder Grund­agen- und der klinischen Forschung in l Wissen darüber, ob und wie Prävention funktio-die medizinische Regelversorgung gelangen und niert, muss weiter wachsen.Patienten von ihnen profitieren. Diesen als Trans­lation bezeichneten Prozess schneller und effekti- Unter dem Dach der nationalen Präventions-ver zu gestalten ist ein Leitgedanke des Rahmen­ strategie entwickelt das BMBF einen Aktionsplan,programms. der die Forschungsförderung zu allen für Prä- ventions- und Ernährungsforschung relevanten Daher gründet die Bundesregierung Deut- Ansätzen – von der Epigenetik bis zur Epide-sche Zentren der Gesundheitsforschung, um die miologie  – zusammenführt und interdisziplinäruniversitäre und außeruniversitäre Forschung zu verknüpft.eini­ en besonders bedeutsamen Volkskrankheiten gzu bündeln und die Anwendung ihrer Ergebnisse Aktionsfeld 4zu beschleunigen. Zugleich wird die krankheits- Die Systemherausforderung:bezogene Projektförderung ausgebaut und aufforschungs- und nachwuchsfreundliche Rahmen- Versorgungsforschungbedingungen und Strukturen hingewirkt. Der Anspruch, jedem Menschen eine bestmög­Aktionsfeld 2 liche und sichere Therapie zu ermöglichen, bleibtDie Forschungs­herausforderung: von zentraler Bedeutung für die Gesundheits- versorgung. Gleichzeitig steigt der Druck, auchIndividualisierte Medizin im Gesundheitssystem Kosten zu begrenzen; gute Gesundheitsversorgung und wirtschaftlicheDas Verständnis grundlegender Krankheits­ Überlegungen müssen miteinander in Einklangmechanismen wächst, eine auf die individuellen gebracht werden.Bedürfnisse und Voraussetzungen zugeschnitteneMedizin wird greifbar. Damit rückt auch das Errei- Die Bundesregierung fördert den Aufbauchen des Ziels näher, ein selbstbestimmtes Leben einer leistungsstarken deutschen Versorgungs-im Alter bei gutem Gesundheitszustand forschung und Gesundheitsökonomie und stelltzu ermöglichen. dabei Patientenorientierung und Patienten­ sicher­ eit in den Mittelpunkt. Hierzu werden der h Die Bundesregierung unterstützt deshalb die Auf­ au nachhaltiger Forschungsstrukturen und bEntwicklung von Diagnostika und Therapeutika die Durchführung von Studien zur Bewertungund spannt in der Förderung den Bogen entlang des Nutzens etablierter und neuer Verfahren imdes Innovationsprozesses von der lebenswissen­ Versorgungsalltag, der Aufbau von Studienstruk-schaftlichen Grundlagenforschung über die turen, die Durchführung von Studien zur Pro­ ess­ zpräklinische und klinisch-patientenorientierte optimierung von Versorgungsabläufen und dieForschung bis zur Marktreife. Der Übergang von Nachwuchsförderung unterstützt.
  8. 8. 4 ZusammenfassungAktionsfeld 5 Aktionsfeld 6Die Innovations­herausforderung: Die globale Heraus­ orderung: fGesundheitswirtschaft Gesundheitsforschung in internationaler KooperationDie Gesundheitswirtschaft ist eines der großenWachstumsfelder in den Industrienationen. Sie um- Internationale Zusammenarbeit ermöglicht es,fasst neben der Arzneimittelindustrie, der Biotechno­ Synergien für den medizinischen Fortschrittlogie sowie der Medizintechnik auch die Versorgung freizusetzen. Forschungsinfrastrukturen könnenmit medizinischen Dienstleistungen, wobei z. B. in internationaler Arbeitsteilung gemeinsam auf-mit der Telemedizin neue Dienstleistungsformen gebaut und genutzt werden. Gleichzeitig steht dieentstehen. Bei der schnelleren Trans­ation von For­ l Gesundheitsforschung auch in der Verantwortungschungsergebnissen spielen forschungsintensive für die weltweite Gesundheitsversorgung.Unternehmen, insbesondere die der medizinischenBiotechnologie, eine wichtige Rolle. Die Bundesregierung stärkt die Internationa- lisierung der Gesundheitsforschung durch den Die Bundesregierung trägt dazu bei, die gemeinsamen Aufbau von Forschungsinfrastruk-Innovationskraft der Gesundheitswirtschaft zu turen, verbindet Forschende und Institutionenerhöhen. Dazu werden insbesondere neue Wege über Grenzen hinweg und treibt die internatio-des Wissens- und Technologietransfers erprobt nale Koordinierung von Forschungsprogrammenund rechtliche Rahmenbedingungen weiterhin voran. Ein besonderer Fokus liegt auf der Erfor-forschungs- und innovationsfreundlich gestaltet. schung vernachlässigter und armutsbedingterForschungsintensive Unternehmen werden künf- Krankheiten in Kooperation mit Entwicklungs-tig gezielt in Translationsnetzwerke eingebunden. ländern.
  9. 9. Zusammenfassung 5 Diesen Herausforderungen und Aufgaben stellt setzt ebenfalls voraus, dass der Einsatz der For-sich die Bundesregierung mit dem Rahmenpro- schungsmittel zu strukturellen Verbesserungen –gramm Gesundheitsforschung. Es gestaltet dabei insbesondere in der Transla­ ion  – führt und einen tdie Hightech-Strategie der Bundesregierung aus, gesellschaftlichen Bedarf deckt.in der Gesundheit/Ernährung eines von fünfBedarfsfeldern ist. Insbesondere formuliert die Die Einbeziehung der Wirtschaft: DieHightech-Strategie für einzelne Aktionsfelder des translationale Forschung, mit der Impulse ausRahmenprogramms Zukunftsprojekte, die kon- der Wissenschaft in die praktische Verwertungkrete Ziele wissenschaftlicher, technologischer durch das Gesundheitssystem und die Wirtschaftund gesellschaftlicher Entwicklungen über einen getragen werden, wird gestärkt. Die FörderungZeitraum von zehn bis fünfzehn Jahren verfolgen. von strate­ ischen Partnerschaften über die gDas Bundesministerium für Bildung und Forschung Wert­ chöpfungskette hinweg ermöglicht es, im splant, die Gesundheitsforschung im Zeitraum Innovationsprozess alle relevanten Akteure auf2011–2014 mit rund 5,5 Milliarden Euro zu fördern ein Ziel oder Thema hin zu vernetzen.(institutionelle Förderung, Projektförderung, Bun-desanteil der DFG-Förderung; jeweils bezogen auf Die Förderaktivitäten: Das Rahmenpro-die Gesundheitsforschung). Hinzu kommen seitens gramm Gesundheitsforschung ist ein lernendes,des Bundes erhebliche Ausgaben anderer Ressorts. sich selbst erneuerndes Programm. Kurzfristig wird eine Reihe neuer Förderaktivitäten gestar-Was ist neu am Rahmenprogramm tet: Deutsche Zentren der GesundheitsforschungGesundheitsforschung? (Aktions­eld 1), Förderkonzept zur individualisier- f ten Medizin (Aktionsfeld 2), Studien in der Ver-Der Ansatz: Die institutionenübergreifende sorgungsforschung und Zentren der gesundheits­Zusammenarbeit und Vernetzung wird in einer ökonomischen Forschung (Aktions­eld 4) und fGesundheitsforschung, die einer effizienten und Klinische Innovationszentren in der Medizin­schnellen Translation verpflichtet ist, immer technik (Aktionsfeld 5). Weitere neue Förder­wichtiger. Das Gesundheitsforschungsprogramm aktivitäten werden folgen – u. a. zur Präventions-gibt deshalb wegweisende Impulse zur struktu- und Ernährungsforschung (Aktionsfeld  3), zurrellen Verbesserung der deutschen medizinischen Förderung strategischer Partnerschaften in derForschung. Deutlichster Ausdruck hierfür ist die Gesundheitswirtschaft (Aktionsfeld 5) und zurGründung Deutscher Zentren der Gesundheitsfor- Förderung von Produktentwicklungspartner-schung, die in einem die bisherigen Grenzen des schaften (Non-Profit-Organisationen, die sich diedeutschen Wissenschaftssystems überwindenden Entwicklung von Impfstoffen, Diagnostika oderAnsatz zu sechs Volkskrankheiten die jeweils bes- Therapien für insbesondere Entwicklungsländerten Forschungsgruppen aus Hochschulmedizin betreffende Krankheiten zum Ziel setzenund außeruniversitären Forschungseinrichtungen [Aktionsfeld 6]).zusammenbringen. Weitere strukturelle Impulseverbessern die Arbeitsbedingungen und Chancendes wissenschaftlichen Nachwuchses und stärkendie klinische Forschung. Die Fokussierung: Erstmals wird ein deut­licher Fokus auf die Erforschung derjenigen Krank-heiten gelegt, die die meisten Menschen betreffen– auf die Volkskrankheiten. Dieser Fokus spiegeltsich auch in einer finanziellen Schwerpunktset-zung zugunsten der neuen Deutschen Zentren derGesundheitsforschung wider, die in den kommen-den Jahren von erheblichen zusätzlichen Mittelnfür die Gesundheitsforschung des Bundes profitie-ren werden. Die Erforschung anderer Krankheitenals der in den Deutschen Zentren bearbeiteten
  10. 10. 6 AusgangsbedingungenAusgangsbedingungenDer demografische Wandel und die rasche Voraussetzungen und den Lebensstil einzelnerZunahme der Volkskrankheiten stellen in Menschen bzw. bestimmter Bevölkerungsgruppen zugeschnittene Medizin rückt damit näher.den kommenden Jahren die Gesundheits-forschung und das Gesundheitssystem in Erkenntnisse über den Einfluss von Ernäh-Deutschland vor große Herausforderungen. rung, Bewegung, sonstigem Verhalten undBis zum Jahr 2050 wird die Zahl der Einwoh- Umwelt auf die Aktivität von Genen (Epigenetik) eröffnen neue Möglichkeiten, um die Entstehungner Deutschlands nach heutigem Kenntnis- von Volkskrankheiten wie Diabetes oder Herz-stand von über 80 Millionen auf ca. 70 Millio- Kreislauf-Erkrankungen besser zu verstehen.nen sinken. Gleichzeitig steigt der Anteil Das evidenzbasierte Wissen darüber, ob und wieder älteren Menschen an der Bevölkerung, beispielsweise bewegungs- oder ernährungs­ bezogene Präventionsmaßnahmen funktionieren,sodass von einem zunehmenden Bedarf und wächst und muss weiter wachsen. Prävention undeiner zunehmenden Nachfrage nach me- Ernährung werden in den nächsten Jahren in derdizinischen und pflegerischen Leistungen Forschung an Bedeutung gewinnen.auszugehen ist. National wie international wächst die Gesund- heitswirtschaft. Sie ist eines der großen Wachs-Die Zahl der Menschen, die heute an Krebs, Herz- tumsfelder in den Industrienationen. Neben derKreislauf-, Stoffwechsel-, Infektions-, Lungen- oder Versorgung mit medizinischen Dienstleistungenneurodegenerativen Erkrankungen sowie an psy- gehören zu dieser Branche insbesondere diechischen, muskuloskelettalen oder allergischen Pharmaindustrie mit der medizinischen Biotech-Erkrankungen leiden, steigt spürbar. Gleichzei- nologie und die Medizintechnik. Global führendetig erhöht sich – insbesondere im Kontext der Anbieter im Arzneimittelbereich, in DiagnostikAlterung unserer Gesellschaft – die Häufigkeit und medizintechnischen Produkten habenvon chronischen und Mehrfacherkrankungen. ihren Firmensitz bzw. Produktionsstandorte inDeshalb sollen im Mittelpunkt der Gesundheits- Deutschland. Zudem spielen in diesen Branchenforschung diejenigen Krankheiten stehen, die die in Deutschland kleine und mittlere Unternehmenmeisten Menschen betreffen und die eine große eine wichtige Rolle. Um weiterhin weltweit wett-Krankheitslast mit sich bringen. bewerbsfähige Produktion und damit Wertschöp- fung in Deutschland zu ermöglichen, müssen Immer offensichtlicher wird, wie unterschied- Innovationspotenziale für Behandlungsmethodenlich die Voraussetzungen und Bedürfnisse von und Produkte erschlossen werden. Es bedarfverschiedenen Bevölkerungsgruppen bei der klarer Normen und Standards sowie angemes-Gesundheitsversorgung sind. So brauchen Kin- sener Rahmenbedingungen für Forschung undder und Jugendliche andere Therapieverfahren Entwicklung.als Erwachsene; Frauen und Männer reagierenunterschiedlich auf manche Arzneimittel. Auch Ziele des Rahmenprogrammsbedürfen multimorbide Menschen spezifisch Gesundheitsforschungangepasster Behandlungsverfahren – die fürEinzelkrankheiten konzipierten medizinischen Primäres Ziel der Gesundheitsforschung ist es,Leitlinien und Behandlungsverfahren stoßen hier Qualität und Sicherheit der Gesundheitsversor-an ihre Grenzen. Zudem werden Häufigkeit und gung der Patientinnen und Patienten weiterVerlauf von Krankheiten oft vom jeweiligen sozia­ zu steigern. Hierzu werden weitreichende For-len Hintergrund beeinflusst. Gleichzeitig wächst schungserkenntnisse benötigt und deren schnelledas Verständnis grundlegender Krankheitsmecha- Translation, also die effiziente Übertragung vonnismen, und die Identifizierung von krankheits- Forschungsergebnissen in die breite medizinischeverursachenden bzw. ihre Träger vor Krankhei- Versorgung. Dabei müssen auf folgende Fragenten schützenden individuellen physiologischen Antworten gefunden werden: Wie schaffen bzw.Voraussetzungen (z. B. Genvarianten) schreitet erhalten wir in Deutschland eine internationalvoran. Eine auf die individuellen Bedürfnisse und wettbewerbsfähige Forschung, um die wesent-
  11. 11. Ausgangsbedingungen 7lichen medizinischen Herausforderungen zu effizient zu wirtschaften. Versorgungsforschungidentifizieren und in der Forschung prioritär zu und Gesundheitsökonomie beschäftigen sichbearbeiten? Welche Strukturen sind notwendig, beispielsweise damit, wie eine bestmögliche Ge-um Forschungsergebnisse aus dem Labor in die sundheitsversorgung aussehen kann und wie siemedizinische Versorgung der Patienten zu über- mit wirtschaftlichen Überlegungen in Einklangtragen und dauerhaft in eine sichere Versorgung zu bringen ist. Expertinnen und Experten auszu integrieren? verschiedenen Disziplinen – von der Ökonomie über die Rechtswissenschaft und die Pflegewis- Dabei ist es auch ein wichtiges Anliegen, senschaft bis hin zur Medizin – arbeiten in die-Lösungsvorschläge für die vielfältigen sozialen, sem Forschungsfeld zusammen und beantwortenrechtlichen und ethischen Herausforderungen zu Fragen wie: Wie lässt sich die Gesundheitsversor-erarbeiten, die sich durch neue Entwicklungen gung evidenzbasiert lokal, regional und nationalin der Gesundheitsforschung ergeben. Wie etwa verbessern und sicherer machen? Wie kann einändern neue, tief in das Wesen des Menschen besseres Zusammenwirken der Strukturen imeingreifende Diagnose- und Therapiemöglich­ Gesundheitssystem hierzu beitragen? Wie lassenkeiten unser Verständnis von Krankheit bzw. sich gute Beispiele aus anderen Ländern auf deut-das Selbstverständnis des Menschen? Die geistes- sche Verhältnisse übertragen?und sozialwissenschaftliche Forschung kann inErgänzung zu und in Kooperation mit der medi­ Des Weiteren soll die Gesundheitsforschungzinischen Forschung Antworten auf diese und auf eine wirtschaftliche Verwertbarkeit ihrerweitere Fragen geben. Erkenntnisse hinarbeiten – und dies nicht erst in den späten Phasen der klinischen Forschung, Die Gesundheitsforschung muss darüber sondern schon in der Grundlagenforschunghinaus die sozialstaatlichen Herausforderungen und der präklinischen Forschung. Die zentralenan das Gesundheitssystem thematisieren. Der Fragen sind: Welche Voraussetzungen müssenAnspruch, jedem Menschen eine bestmögliche geschaffen werden, um die Innovationspotenzialeund sichere Therapie zu ermöglichen, bleibt auch aus der Wissenschaft oder von jungen Biotech-in Zukunft von zentraler Bedeutung. Gleichzeitig nologieunternehmen zu heben? Wie kann diesteigt der Druck, auch im Gesundheitssystem Zusammenarbeit von akademischer Forschung und industrieller Entwicklung effizienter und für beide Seiten erfolgreich gestaltet werden, um Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt zu ermöglichen? Wie sehen gemeinsam getragene Strategien dafür aus? Wie gelingt es in allen Pha- sen des Innovationsprozesses, den Patientennut- zen zum zentralen Erfolgskriterium der Beteilig- ten zu machen? Schließlich muss die Gesundheitsforschung internationale Zusammenarbeit nutzen – um Synergien für den medizinischen Fortschritt freizusetzen, aber auch um ihrer Verantwortung für die weltweite Gesundheitsversorgung gerecht zu werden. Die entscheidenden Fragen lauten hier: Welche Forschungsinfrastrukturen sollten wir gemeinsam in internationaler Arbeitsteilung aufbauen und nutzen? Welche Rolle kann die Gesundheitsforschung in der Entwicklungszu- sammenarbeit spielen? Welchen Beitrag sollte Deutschland zur Erforschung von vor allem Ent- wicklungsländer betreffenden Infektionskrank­ heiten leisten?
  12. 12. 8 Die strukturelle Herausforderung: Gebündelte Erforschung von Volkskrankheiten
  13. 13. Die strukturelle Herausforderung: Gebündelte Erforschung von Volkskrankheiten 9
  14. 14. 10 Die strukturelle Herausforderung: Gebündelte Erforschung von Volkskrankheiten
  15. 15. Die strukturelle Herausforderung: Gebündelte Erforschung von Volkskrankheiten 11Die strukturelle Herausforderung: Gebündelte Erforschung von VolkskrankheitenAktionsfeld 1 des Rahmenprogramms winkel bleibt dabei nicht auf Deutschland beschränkt. Auch sogenannte vernachläs-Gesundheitsforschung sigte und armutsassoziierte Krankheiten wieErkenntnisse der nationalen und internatio- Malaria, die in tropischen Regionen sehr vielenalen lebenswissenschaftlichen Forschung Menschen betreffen, sind Volkskrankheiten.ermöglichen innovative Strategien für Dia- Innovationen entstehen oft in Forschungsge-gnostik, Therapie und zunehmend auch für bieten, die an den Schnittstellen verschiedenerFrüherkennung und Prävention von Krank- Fächer ansetzen. Ein Ineinandergreifen vonheiten. Gesundheitsforschung wird aber erst Grundlagenforschung über klinische Forschungdann zu Fortschritt, wenn Menschen von bis zur patientenorientierten und bevölkerungs- bezogenen Forschung setzt intensive Kooperatio­ihr profitieren. Dies stellt die medizinischen nen von Institutionen sowie Forscherinnen undForschungs- und Versorgungssysteme vor die Forschern voraus. Auch die für die Gesundheits-große Aufgabe, den Prozess der Translation forschung benötigten Plattformtechnologien undzu beschleunigen und dabei auf die For- Forschungsinfrastrukturen, wie Hochdurchsatz­ technologien, aussagefähige Krankheitsmodelle,schung zu fokussieren, die Patientinnen Biomaterialbanken, Kohorten oder Kompetenzin-und Patienten nutzt. frastrukturen zur Planung und Durchführung klinischer Studien, können oft nur im Zusam-Der Standort Deutschland verfügt über ein be- menwirken unterschiedlicher Partner aufgebaut,achtliches Potenzial in der biomedizinischen und getragen und effektiv genutzt werden. Hierbeiklinischen Forschung. Sowohl die universitäre als kann durch ein enges Zusammengehen vonauch die außeruniversitäre und die industrielle außeruniversitären und universitären PartnernGesundheitsforschung leisten viel beachtete Bei- ein enormes Innovationspotenzial in der Gesund-träge auf zahlreichen Feldern. Allerdings errei- heitsforschung mobilisiert werden.chen diese Aktivitäten oft nicht die erforderlichekritische Größe. Die institutionenübergreifende Die Bundesregierung hat deshalb gemein-Zusammenarbeit und Vernetzung wird in einer sam mit den Ländern begonnen, neue, koope-Gesundheitsforschung, die einer effizienten und rative Strukturen zur Erforschung der großenschnellen Translation verpflichtet ist, deshalb Volkskrankheiten zu schaffen. In einem wissen-immer wichtiger. Dies gilt insbesondere für die schaftsgeleiteten Prozess werden die führendenErforschung von Volkskrankheiten, da hier die Forschungseinrichtungen und Gruppen, die zugroßen Fragen nur in einem interdisziplinären einzelnen Krankheiten forschen, zu Deutschenund langfristig angelegten Ansatz lösbar sind. Zentren der Gesundheitsforschung vernetzt. In diesen Deutschen Zentren arbeiten die beteiligten Was sind Volkskrankheiten? Partner gleichberechtigt zusammen. Die Qualität der wissenschaftlichen Arbeit in einzelnen medi- Als Volkskrankheiten werden besonders weit­ zinischen Fakultäten, in Universitätsklinika und verbreitete Krankheiten oder Krankheitsfelder in außeruniversitären Forschungseinrichtungen mit hoher Mortalitäts- bzw. Morbiditätslast entscheidet über die Teilnahme und die Rolle in bezeichnet. Dies sind beispielsweise Krebs, den Deutschen Zen­ ren. Es wird darüber hinaus t Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel-, Infektions-, eine enge Interak­ ion mit der Wirtschaft ange- t Lungen- oder neurodegenerative Erkrankun- strebt. gen, aber auch psychische, muskuloskelettale oder allergische Erkrankungen. Es handelt Bereits im Jahr 2009 hat die Bundesregierung sich dabei um sogenannte Zivilisationskrank­ zwei Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung heiten, um Infektionskrankheiten oder um gegründet: Das Deutsche Zentrum für Neuro- Erkrankungen, die erst mit gestiegenem degenerative Erkrankungen (DZNE) und das Lebensalter sehr häufig auftreten. Der Blick- Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD).
  16. 16. 12 Die strukturelle Herausforderung: Gebündelte Erforschung von VolkskrankheitenDarüber hinaus sollen im Jahr 2011 vier weitere von Forschungsergebnissen aus dem Labor inDeutsche Zentren eingerichtet werden: das Deut- die breite medizinische Versorgung, deutlich zusche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung, das beschleunigen. Damit soll eine neue Basis fürDeutsche Konsortium für Translationale Krebsfor- translationale biomedizinische Spitzenforschungschung, das Deutsche Zentrum für Infektionsfor- gelegt werden, die im internationalen Vergleichschung und das Deutsche Zentrum für Lungen- sichtbar und konkurrenzfähig ist. Dabei werdenforschung. die Deutschen Zentren die Gesundheitswirtschaft bereichern und stärken. Mit diesen Zentren, die auch untereinandereng kooperieren werden, sollen die Kapazitäten Die gleichberechtigte Partnerschaft zwischenund Qualitäten der deutschen Forschung gebün- außeruniversitären Einrichtungen der Gesund-delt werden, um aufbauend auf einer starken heitsforschung und der Universitätsmedizin,Grundlagenforschung und einer leistungsfähigen die Auswahl der Partner durch ein transparen­ -klinischen Forschung gemeinsam besser und tes Begutachtungsverfahren durch internationalerfolgreicher klinische Studien durchführen, die renommierte Experten, die regelmäßige Eva-Einführung neuer klinischer Ansätze analysieren luation und Begleitung durch Expertenbeiräteund deren Wirksamkeit überprüfen zu können. sowie die längerfristige Finanzierung werdenDie Deutschen Zentren sollen entscheidend dazu den Erfolg der Deutschen Zentren sicher­ tellen. sbeitragen, die Translation, also den Transfer
  17. 17. Die strukturelle Herausforderung: Gebündelte Erforschung von Volkskrankheiten 13 eutsche Zentren der Gesundheits­ D wie Alzheimer und Parkinson. Neben dem Kern- forschung zentrum in Bonn gehören sechs leistungsstarke Partnerstandorte in Rostock/Greifswald, Magde- Jedes Deutsche Zentrum besteht aus mehreren burg, Göttingen, Witten-Herdecke, Tübingen und Partnerstandorten. Ein Partnerstandort kann aus München dazu. Jeder Standort konzen­riert sich t einer universitären oder einer außeruniversitä- auf seine speziellen Stärken und hat dabei das ren Einrichtung bestehen, aber auch aus einem gemeinsame Ziel der Verbesserung von Therapie regionalen Verbund von zwei oder mehreren und Prävention neurodegenera­iver Erkrankungen t dieser Einrichtungen. Die Finanzierung der Deut- im Blick. Überdies beschränkt sich das Zentrum schen Zentren erfolgt zu 90 % durch den Bund. nicht auf Grundlagenforschung, vielmehr ist die Die Bundesmittel werden im Wege der institu­ Übertragung in die therapeutische Praxis Teil des tionellen Förderung zur Verfügung gestellt. Jedes Gründungsauftrags. Land finanziert die bei ihm ansässigen, an einem Deutschen Zentrum beteiligten Einrichtungen Y eutsches Zentrum für Diabetes­ D mit einem anteiligen Beitrag in Höhe von 10 %. forschung Bei der Auswahl der Partnerstandorte und bei der Förderung der Deutschen Zentren der Die modernen Lebens- und Ernährungsgewohn- Gesundheitsforschung wird Wert darauf gelegt, heiten mit einer energiereichen Ernährung bei dass wegweisende Beispiele zur Behebung der gleichzeitigem Bewegungsmangel begünstigen strukturellen Nachteile des deutschen Gesund- zunehmend auch bei Kindern und Jugendlichen heitsforschungssystems (vgl. Seite 16) erarbeitet die Entstehung von Übergewicht und Adiposi- und erprobt werden. Die Deutschen Zentren tas. Diese werden oft als primäre Ursachen für stehen in der besonderen Verantwortung, die die Entwicklung von Krankheiten wie Diabetes zur Verfügung stehenden Forschungsgelder Typ  2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und diversen konzentriert und effektiv zum Wohl der Patien- Tumorarten genannt. In Deutschland werden für ten einzusetzen. Daher wird die Übertragung das Jahr 2025 annähernd 10 Millionen Diabetes- wissenschaftlicher Erkenntnisse in die therapeu- Patienten vorhergesagt. Angesichts der stetigen tische Praxis wesentlicher Bestandteil und auch Zunahme der Erkrankungen ist eine wesentlich Evaluierungskrite­ ium der Deutschen Zentren r umfassendere Forschungsstrategie mit neuen sein. Methoden zur individualisierten Diagnose, Prä- vention und Therapie dringend erforderlich. Y eutsches Zentrum für Neuro­ D degenerative Erkrankungen Im Jahr 2009 wurde das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung gegründet. Es hat fünf Die Funktion des menschlichen Gehirns, seine Partner: das Helmholtz Zentrum München für Entwicklung und seine Erkrankungen zu ver- Gesundheit und Umwelt, das Deutsche Diabetes- stehen ist eine der größten Herausforderungen Zentrum in Düsseldorf, das Deutsche Institut der Biowissenschaften. Durch Fortschritte in für Ernährungsforschung Potsdam, die Univer- der Weiter- und Neuentwicklung von Untersu- sität Tübingen sowie das Universitätsklinikum chungsmethoden und -geräten ist es möglich Dresden. Durch diese Zusammenarbeit werden geworden, das gesunde menschliche Gehirn zu Lücken in der Forschungskette geschlossen und studieren und damit weitreichende Erkenntnisse die translationale Forschung in Deutschland auf über unser Denken, Fühlen und Verhalten und diesem Forschungsgebiet gestärkt. entsprechende Störungen zu erlangen. Neurode- generative Erkrankungen, zu denen Parkinson Y eutsches Zentrum für Herz-Kreislauf­ D und Demenzen wie Alzheimer gehören, sind für Forschung Betroffene und Angehörige eine extrem hohe Belastung. Den unterschiedlichen Herz-Kreislauf-Erkran- kungen liegen häufig gemeinsame Risikofakto- Das im Jahr 2009 gegründete Zentrum bündelt ren wie Übergewicht, Diabetes oder Rauchen bundesweit die wissenschaftliche Kompetenz auf zugrunde. Sie führen zu einer signifikanten dem Gebiet von neurodegenerativen Krankheiten Verkürzung der Lebensdauer und beeinträchti-
  18. 18. 14 Die strukturelle Herausforderung: Gebündelte Erforschung von Volkskrankheiten gen über lange Zeit erheblich die Lebensqualität Y eutsches Zentrum für Infektions­ D der Betroffenen. Zur Bekämpfung von Herz- forschung Kreislauf-Erkrankungen existieren zahlreiche therapeutische Konzepte. Häufig lässt sich damit Jeden Tag sterben weltweit Tausende Menschen jedoch nur eine unzureichende Verbesserung an HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria sowie der Organfunktion und der Gesamtsituation der an weiteren, nicht minder lebensbedrohlichen Patienten erreichen. Umso wichtiger ist die Ent- tropischen Infektionskrankheiten. Zu ihrer wicklung und Förderung von Konzepten, die auf Bekämpfung fehlt es nach wie vor an sicheren eine frühzeitige, individualisierte Prävention und und bezahlbaren Impfstoffen, Diagnosemetho- Therapie abzielen. den und Therapien. Deutschland kann und will zu ihrer erfolgreichen Bekämpfung einen Deutsche Forscherinnen und Forscher sind in wichtigen Beitrag leisten. den für die Herz-Kreislauf-Forschung entscheiden- den Forschungsgebieten international erfolg- Die Belastung durch Infektionserkrankun- reich und haben wesentliche Beiträge zu den gen ist aber auch in Deutschland von enormer medizinischen Fortschritten geleistet. Durch die medizinischer und ökonomischer Bedeutung. Zentrumsbildung wird die deutsche Herz-Kreislauf- Dies betrifft auch die sogenannten Zoonosen, Forschung nachhaltig verzahnt – von der Grundla- d.  h. Krankheiten, die von Tieren oder auch genforschung über die klinische Forschung bis zur Lebensmitteln tierischer Herkunft auf den Men- Versorgungsforschung. Universitäre und außeruni- schen übertragen werden können. Die schnell versitäre Einrichtungen werden überregional part- anwachsende Weltbevölkerung, der demografi- nerschaftlich zusammenarbeiten, ihre Arbeiten sche Wandel in der Bevölkerung, der Klimawan- koordinieren und Forschungsinfrastrukturen wie del, die Veränderungen in den Essgewohnhei- z. B. Register gemeinsam nutzen. ten sowie die Globalisierung des Reiseverkehrs
  19. 19. Die strukturelle Herausforderung: Gebündelte Erforschung von Volkskrankheiten 15 und des Handels begünstigen dabei das Bei verschiedenen Krebstherapien ist die Auftreten von Zoonosen und die Verbreitung individualisierte Medizin nicht nur Visi- von Zoonosenerregern. Die Erforschung on, sondern schon Realität. Hier gibt es dieses Gebiets erfordert die enge Zusammen- eine Reihe von Arzneimitteln, für die vor arbeit von Humanmedizin und Veterinärme- Therapiebeginn molekularbiologische dia- dizin. Aber auch eine andere Entwicklung gnostische Tests durchgeführt werden, um erhöht die von Infektionskrankheiten aus- Vorhersagen über Wirksamkeit, Nebenwir- gehenden Gefahren: Immer mehr bewährte kungen und angemessene Dosierung der antiinfektive Substanzen wie Antibiotika, Wirkstoffe für den einzelnen Patienten Antimykotika und Virostatika verlieren ihre zu treffen. Insgesamt hat die Entwicklung Wirksamkeit, da die Keime Resistenzen neuer Therapien und Diagnostika mit den entwickeln. Darüber hinaus treten immer enorm wachsenden Erkenntnissen aus der wieder neue Krankheitserreger oder bekann- Grundlagenforschung jedoch nicht Schritt te Erreger mit veränderten Eigenschaften gehalten. Um neue Therapiekonzepte wei- auf, die Krankheiten mit hoher Morbidität terzuentwickeln sowie die Heilungsraten und Mortalität auslösen und große Anforde- und Überlebenschancen der Patienten zu rungen an die Erkennung, Vorbeugung und verbessern, müssen die Erkenntnisse aus Behandlung stellen. den Forschungslaboren in klinische Studien und weiter in die medizinische Versorgung Im Deutschen Zentrum für Infektionsfor- übertragen werden. Dies zählt zu den Kern- schung werden wissenschaftliche Expertisen, aufgaben des Deutschen Konsortiums für Infrastrukturen und Ressourcen bundesweit translationale Krebsforschung. gebündelt und die bestehenden universi- tären und nichtuniversitären Forschungs- Y eutsches Zentrum für Lungen- D gruppen enger verbunden. Ziel künftiger forschung Forschung ist es, die Mechanismen von Infektionskrankheiten und ihre Verlaufs- Für Asthma und andere chronische Lungen- und Verbreitungsmuster sowie die mit der krankheiten, aber auch für Bronchialkarzi- Behandlung der Krankheiten verbundenen nome, Lungenemphyseme oder respiratori- Resistenzentwicklungen der Erreger besser sche Allergien existieren keine hinreichend zu verstehen. effektiven Therapiemöglichkeiten. Dies stellt eine große Herausforderung für die Gesund- Y eutsches Konsortium für translationale D heitsforschung dar, der nur durch wissen- Krebsforschung schaftliche und strukturelle Koordinierung der führenden deutschen Lungenforschungs- Die biomedizinische Grundlagenforschung gruppen begegnet werden kann. hat in den vergangenen 30 Jahren zu den molekularen und zellulären Ursachen von Um dies zu erreichen, werden im Deut- Krebserkrankungen wegweisende Erkennt- schen Zentrum für Lungenforschung die nisse gewonnen und daraus neue Strategien besten universitären und außeruniversitären zur Therapie entwickelt. Für Patienten mit pneumologischen Forschungseinrichtungen bestimmten Krebserkrankungen, wie Leukä- zusammengeführt. Die grundlagen- und mien oder bestimmte bösartige Tumore im patientenorientierte Forschung auf dem Ge- Kindesalter, haben sich die Chancen auf eine biet der Lungenerkrankungen wird koordi- dauerhafte Heilung in den vergangenen zehn niert und auf internationales Spitzenniveau bis fünfzehn Jahren erheblich verbessert. Bei angehoben, um so die Translation grundla- häufigen Tumoren wie Brust- und Darmkrebs genwissenschaftlicher Erkenntnisse in neue stieg die Fünfjahresüberlebensrate auf über klinische Konzepte zur Verbesserung der 75 bzw. 55 %. Patientenversorgung sicherzustellen.
  20. 20. 16 Die strukturelle Herausforderung: Gebündelte Erforschung von VolkskrankheitenForschungs- und nachwuchsfreundliche Klinische Studienzentren, die TranslationszentrenRahmenbedingungen und Strukturen für Regenerative Medizin oder die Etablierung gesonderter Nachwuchsforschungsgruppen wid-Strukturelle Probleme der medizinischen For- men sich dieser Herausforderung. Folgende Zieleschung in Deutschland wurden schon oft in Denk- stehen dabei besonders im Blickfeld:schriften thematisiert und mit Fördermaßnahmender Bundesregierung angegangen. Es gibt zwar ●● eine fundierte wissenschaftliche Qualifizie-punktuelle Erfolge, aber noch keine in die Fläche rung des Nachwuchses in der Medizin, dengehenden, nachhaltigen Verbesserungen. Naturwissenschaften und in Gesundheits- berufen wie Pflegewissenschaft, Logopädie, Dies ist insbesondere für die Situation des wis- Ergotherapie, Physiotherapie und dem Hebam-senschaftlichen Nachwuchses nachteilig. Gerade in menwesen,der Hochschulmedizin steht der wissenschaftlicheNachwuchs in einem besonderen Spannungsfeld. ●● eine angemessene Verankerung wissenschaft-Das bisherige Leitbild des deutschen Hochschulme- licher Arbeitsweise in allen Phasen der medi-diziners geht davon aus, dass exzellente Leistun- zinischen Ausbildung, z. B. durch Integrationgen in Forschung, Lehre und Krankenversorgung einer wissenschaftlichen Grundausbildung indurch ein und dieselbe Person erbracht werden. das Studium, durch Forschungsstipendien fürDie medizinische Ausbildung an den deutschen Studierende, zeitlich begrenzte FreistellungenHochschulen ist jedoch auf die praktische ärztliche von der Krankenversorgung oder durch höhe-Tätigkeit ausgerichtet und bietet kaum Qualifizie- re wissenschaftliche Ansprüche an medizini-rungsinhalte für wissenschaftliches Arbeiten. Die sche Doktorarbeiten,wachsende Bedeutung der patientenorientiertenForschung darf die Arbeitsbelastung engagierter ●● eine frühe wissenschaftliche und finanzielleNachwuchswissenschaftlerinnen und -wissen- Selbstständigkeit für die Arbeit von Nach-schaftler nicht weiter erhöhen; Forschung sollte wuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchs-nicht in die „Freizeit“ verschoben, sondern als Teil wissenschaftlern,der ärztlichen Aufgaben verstanden werden undeinen dementsprechenden Stellenwert erhalten. ●● die Erhaltung des Interesses an Forschung nach der ärztlichen Ausbildung, u. a. durch eine Aus dem Dreiklang von Forschung, Lehre und stärkere Berücksichtigung von Forschungs­Krankenversorgung ergibt sich eine weitere struk- leistungen in der beruflichen Karriere an Uni-turelle Problematik: Die für die Erfüllung dieser versitätsklinika und durch adäquate Beschäfti-drei hochschulmedizinischen Aufgaben erfor- gungssituationen für den wissenschaftlichenderlichen Mittel stammen aus unterschied­ichen l Mittelbau,Quellen, sind aber jeweils zweckgebunden. Auchwenn die Tätigkeit eines einzelnen ärzt­ichen l ●● die Vermittlung eines GrundverständnissesMitarbeiters oder einer einzelnen ärztlichen Mit- für industrielle Forschung und Entwicklungarbeiterin nicht minutengenau Forschung, Lehre und der für Industriekooperationen relevantenoder Krankenversorgung zugeordnet werden regulatorischen Standards für Postgraduierte,kann, müssen die hochschulmedizinischen Stand-orte doch mit einer funktionierenden Trennungs- ●● die Verbesserung der beruflichen Chancenrechnung sicherstellen, dass Forschungsmittel für naturwissenschaftliche Forscherinnen undvollständig der Forschung zugutekommen. Forscher in der Gesundheitsforschung. Von den Deutschen Zentren der Gesundheits- Unter dem Dach des Rahmenprogramms Gesund-forschung werden wegweisende Impulse zur heitsforschung werden diese Ziele in den genann-Schaffung forschungs- und nachwuchsfreund- ten, besonders auf die Schaffung forschungs- undlicher Rahmenbedingungen und Strukturen nachwuchsfreundlicher Rahmenbedingungenerwartet. Auch andere Förderaktivitäten des und Strukturen ausgerichteten Fördermaßnah-Rahmenprogramms Gesundheitsforschung wie men verfolgt, aber auch als Querschnittsziele inIntegrierte Forschungs- und Behandlungszentren, allen anderen Maßnahmen (vgl. Seite 45).
  21. 21. Die strukturelle Herausforderung: Gebündelte Erforschung von Volkskrankheiten 17Krankheitsbezogene Projektförderung Die Projektförderung außerhalb des thema­ tischen Bereichs der Deutschen Zentren wird mitKrankheitsbezogene Förderung erfolgt im Rah- verschiedenen Förderinstrumenten die Erfor-menprogramm Gesundheitsforschung einerseits schung anderer wichtiger Krankheiten als der inmit den Deutschen Zentren der Gesundheitsfor- Deutschen Zentren bearbeiteten Volkskrankhei-schung, andererseits mit der Projektförderung ten ermöglichen. Dazu zählen andere häufigedes Bundes. Die krankheitsbezogene Projektförde- Erkrankungen, aber auch weniger häufige undrung wird künftig die Forschungsschwerpunkte seltene Erkrankungen mit gesellschaftlicher Re-der Deutschen Zentren komplementär ergänzen. levanz. Der Einsatz der Forschungsmittel erfolgtProjektförderung im thematischen Bereich eines dabei so, dass er zu strukturellen VerbesserungenDeutschen Zentrums wird zwei zentrale Ziele führt, einen gesellschaftlichen Bedarf deckt undhaben: im Deutschen Zentrum zu der jeweiligen zu Innovationen und Wertschöpfung in Deutsch-Volkskrankheit nicht bearbeitete Forschungsfra- land beiträgt. Entlang dieser Kriterien wird diegen zu verfolgen und das Deutsche Zentrum mit Bundesregierung ihre krankheitsbezogene Pro-weiteren wissenschaftlichen Partnern und der jektförderung weiter profilieren.Wirtschaft zu verbinden.
  22. 22. 18 Die Forschungsherausforderung: Individualisierte Medizin
  23. 23. Die Forschungsherausforderung: Individualisierte Medizin 19Die Forschungsherausforderung: Individualisierte MedizinAktionsfeld 2 des Rahmenprogramms Neben der Auswahl geeigneter ArzneimittelGesundheitsforschung bietet die individualisierte Medizin auch ein großes Potenzial für patientenspezifische Medizinprodukte.Eine der zentralen Herausforderungen der Ge- Sogenannte therapeutische Unikate, die passgenausundheitsforschung ist es, für jeden Patienten für den einzelnen Patienten angefertigt werden,und jede Patientin das höchstmögliche Maß sind in der Prothetik bereits Routine.an therapeutischer Wirksamkeit bei gleich­ In Zukunft wird auch die regenerative Medi-zeitiger Minimierung der Nebenwirkungen zin Verfahren entwickeln und bereitstellen, diezu erreichen. Die großen Fortschritte in der patientenspezifisch sind. Erste TherapieverfahrenErforschung von Krankheitsursachen und befinden sich bereits in der klinischen Anwendung, z. B. bei der Regeneration des Immunsystems oderneue diagnostische Technologien lassen die- von Knorpeln und Haut. Einen wichtigen Beitragses Ziel näher rücken – wir befinden uns auf leisten Untersuchungen zu den sogenanntendem Weg zu einer individualisierten Medizin. Advanced Therapies mit gewebebasierten Metho- den (Tissue Engineering), mit Zellen (Zelltherapie)Im Rahmen der individualisierten Medizin wer- und genbasierten Ansätzen (Gentherapie). Bis zurden auch die unterschiedlichen Voraussetzungen Routineanwendung müssen jedoch noch Fragen zuund Bedürfnisse von verschiedenen Bevölkerungs- Wirksamkeit, Nutzen, Wirtschaftlichkeit, Sicherheit,gruppen bei der Gesundheitsversorgung und der Normung und Standardisierung durch entspre-Prävention besonders berücksichtigt. So brauchen chende Studien beantwortet werden. Des Weiterenetwa Kinder und Jugendliche andere Therapiever- müsste das Potenzial an Chancen und Risiken imfahren als erwachsene oder alte Menschen; Frauen Bereich der individualisierten Medizin im Hinblickund Männer reagieren verschieden auf manche auf Patientenautonomie, Nichtdiskriminierung undArzneimittel, und multimorbide Menschen bedür- Verteilungsgerechtigkeit untersucht werden.fen individuell angepasster Behandlungsverfahren.Zudem werden Häufigkeit und Verlauf von Krank- Erste Schritte auf dem Weg zur individualisier-heiten oft vom jeweiligen sozialen Hintergrund ten Medizin sind das Verständnis grundlegenderbeeinflusst. Krankheitsmechanismen und die Identifizierung molekularer Schaltstellen für die Ausprägung einer In der Vision der individualisierten Medizin Erkrankung. Wichtig sind Diagnostik und daraufwird es bereits vor Beginn der Behandlung mög- aufbauend die Entwicklung geeigneter Therapien.lich sein, das für den Einzelnen optimale thera- Die meisten Volkskrankheiten haben viele Ursachen;peutische Verfahren auszuwählen. So wird sich häufig spielen Ernährung, Bewegung und individu-vorab feststellen lassen, ob der Patient oder eine elle genetische und physische Ausprägungen mitbestimmte Patientengruppe ein Arzneimittel gut Umwelteinflüssen zusammen. Viele der sogenanntenvertragen wird oder ob das Arzneimittel bei der seltenen Erkrankungen entstehen dagegen durch diejeweiligen individuellen Veranlagung und dem Mutation einzelner Gene. Von den ca. drei MilliardenErkrankungstyp tatsächlich wirksam werden kann. genetischen Bausteinen ist etwa jeder tausendste vonKrankheits- und therapierelevante Gene, Proteine Mensch zu Mensch verschieden. Ein wesentlichesund andere Moleküle werden für eine spezifische Ziel der Forschung ist es, diejenigen GenvariantenDiagnose und eine maßgeschneiderte Therapie zu identifizieren, die Krankheiten verursachen bzw.genutzt. Therapien lassen sich gezielt und damit ihre Träger vor Krankheiten schützen. Basis für diewirksamer einsetzen und führen somit zu besseren Identifizierung krankheitsrelevanter Gene, derenErgebnissen für Patientinnen und Patienten. Dabei Funktionsanalysen oder die Beschreibung der kom-wird es für die Übertragung der Forschungsergeb- plexen Wechselwirkungen ist die lebenswissenschaft-nisse in medizinische Produkte und Verfahren und liche Grundlagenforschung, zu der in diesem Kontextin die allgemeine Versorgung darauf ankommen, insbesondere die medizinische Genomforschung, dieWirksamkeit und Nutzen der neuen Möglichkeiten Systembiologie, die Computational Neuroscience undgenau zu bewerten. die Stammzellforschung gehören.
  24. 24. 20 Die Forschungsherausforderung: Individualisierte Medizin Die Forschungsförderung unter Nachweis ihres Nutzens für den Patienten zur individua­isierten Medizin l rasch zur Marktreife gelangen. In der Förderung wird indikationsoffen der Gesonderte Schwerpunkte liegen auf der Bogen von der Grundlagenforschung über die Erforschung der seltenen Krankheiten und auf präklinische und klinisch-patientenorientierte der Erforschung von Krankheitsaspekten, die für Forschung bis in die Gesundheitswirtschaft bestimmte Bevölkerungsgruppen spezifisch sind gespannt und so – mit dem Ziel einer schnellen (z. B. Frauen/Männer, Menschen mit Migrations- und effektiven Translation – die systematische hintergrund, Kinder). Zu Prävention vgl. Aktions- Entwicklung von Produkten und Verfahren ent- feld 3, zu Versorgungsforschung Aktionsfeld 4. lang des Innovationsprozesses ermöglicht. Y ebenswissenschaftliche Grundlagen­ L Hierzu wird ein aufeinander abgestimmtes forschung Spektrum an Förderaktivitäten angeboten und weiterentwickelt, das die Stufen des Innovations- Umfangreiche, aufeinander abgestimmte Förder- prozesses adressiert. Regelmäßige Ausschreibun- aktivitäten zielen insbesondere auf vier Bereiche gen dieser Förderaktivitäten geben Wissenschaft der lebenswissenschaftlichen Grundlagenfor- und Wirtschaft Verlässlichkeit und ermöglichen schung: es, nach erfolgreichem Projektabschluss die Arbeit konsequent in einer nachfolgenden Stufe des Medizinische Genomforschung – Die Zusam- Innovationsprozesses fortzusetzen. Bei der Ent- menführung von struktur- und funktionsbezoge- wicklung von Produkten und Verfahren ist häufig nen Daten mit Informationen über die Krank- gerade der Übergang von einer Stufe des Innovati- heitsentstehung und ihren Verlauf ermöglicht onsprozesses zur nächsten problematisch. Deshalb Rückschlüsse auf den Einfluss des Genoms, wird zusätzlich zu den Fördermaßnahmen, die seiner Produkte sowie von Umwelteinflüssen einzelne dieser Stufen adressieren, ein neues För- bei multifaktoriell bedingten Krankheiten. derinstrument entwickelt, das über mehrere Stu- Durch die Fördermaßnahmen des Nationalen fen hinweg strategische Partnerschaften zwischen Genomforschungsnetzes und der Medizinischen Wissenschaft, Wirtschaft und Anwendern im Ge- Infektionsgenomik, aber auch mithilfe der sundheitssystem entlang des Innovationsprozesses Beteiligung an internationalen Aktivitäten wie unterstützt. So wird es möglich, dass innovative dem International Human Epigenome Consorti- Ideen für neue Diagnose- und Therapieverfahren um (IHEC) und dem ERA-NET on Genomics and Wie entstehen diagnostische und therapeutische Produkte und Verfahren? 5. Klinische 3. Klinische Stu­­dien Studien 4. linische K Phase  IV (nach 1. ebenswissen­ L Phase I/II: Studien Einfüh­rung in 6. Versorgungs­ schaftliche 2. Präklinische Verträglichkeit Phase  III: die Routine­ forschung, Grundlagen­ Forschung und Sicherheit Nachweis versorgung): Gesundheits­ forschung und erste Unter­ der Wirk­ Therapiever- ökonomie suchungen zur samkeit gleichsstudien, Wirksamkeit Therapie­ optimierung
  25. 25. Die Forschungsherausforderung: Individualisierte Medizin 21 Genetic Epidemiology of Multifactorial Disease übergreifend von der Neurobiologie sowie (GenERA) wird die Förderung im Rahmen die- der Kognitionsforschung, Systembiologie und ses Programms dazu in den kommenden Jahren Informationstechnologie genutzt werden kann. wichtige Beiträge leisten. Die Aktivitäten des Bernstein Netzwerks liefern wichtige Forschungsimpulse für die Computa­ Systembiologie – Molekularbiologische tional Neuroscience. Methoden der Genom-, Proteom- und Meta- bolomforschung werden mit mathematischen Stammzellforschung – Wegen ihrer Regenera- Konzepten der Datenanalyse und Modellierung tions- und Entwicklungsfähigkeit sind Stammzel- verknüpft. Dadurch wird es möglich, biologi- len ein hervorragendes Forschungsobjekt, um sche Systeme in ihren funktionellen Eigenschaf- die Steuerung und Entwicklung von Zellen sowie ten zu verstehen und Vorhersagen über ihr die Regenerationsmechanismen des Körpers zu Verhalten zu ermöglichen, wie beispielsweise untersuchen. Neben den gewebespezifischen bei Stoffwechselwegen, Zellorganellen, ganzen (adulten) und den embryonalen sind in den ver- Zellen, Organen oder Organismen. Mit einem gangenen Jahren die induzierten pluripotenten Innova­ ionswettbewerb Systembiologie werden t Stammzellen in den Mittelpunkt des Interesses die bisherigen Aktivitäten gebündelt, das der Stammzellforschung gerückt. Ein besseres Potenzial des systembiologischen Forschungs- Verständnis der Eigenschaften und Entwicklungs- ansatzes für die Grundlagenforschung gestärkt prozesse von Stammzellen erlaubt eine effiziente und gleichzeitig Brücken hin zur Anwendung Nutzung als Testsysteme für die Entwicklung von geschlagen. Therapien und erleichtert eine spätere Nutzung in der regenerativen Medizin. Computational Neuroscience – Konzeptio- neller Forschungsansatz in der Hirnforschung, Y räklinische Forschung P der Experiment, Datenanalyse und Computersi- mulation auf der Grundlage definierter theore- Ein kritischer Schritt in der Entwicklung neuer tischer Konzepte verbindet und so ein besseres Therapeutika, Diagnostika oder Impfstoffe ist Verständnis der neuronalen Grundlagen kog- die Identifizierung von potenziellen Andock- nitiver Leistungen ermöglicht. Die Computa­ punkten, möglichen Wirkstoffen und deren tional Neuroscience stellt eine wissenschaftliche erste Überprüfung auf therapeutische oder Sprache zur Verfügung, die fach- und ebenen- diagnostische Wirksamkeit im Labor.
  26. 26. 22 Die Forschungsherausforderung: Individualisierte Medizin Individuelle Behandlungen erfordern neben Y trategische Partnerschaften S diagnostischen Verfahren zur Unterscheidung für Translation der Patienten die Existenz alternativer Thera- pieoptionen. Dabei kristallisiert sich heraus, Effiziente Translation soll das Ziel verfol- dass immer weniger innovative Substanzen gen, medizinischen Fortschritt, d. h. die mit den klassischen Methoden der Pharmafor- Übertragung der Forschungsergebnisse in schung gefunden werden. Stattdessen kommen das Gesundheitswesen, zu beschleunigen, immer häufiger biotechnologische Verfahren damit neue Erkenntnisse schneller als bisher zum Einsatz. Auch wurde aufbauend auf Er- den Menschen zugutekommen. Aus der gebnissen der Grundlagenforschung ein großes synergistischen Zusammenarbeit von Wis- Potenzial an molekularen Markern erschlos- senschaft, Biotechnologiefirmen, Kliniken, sen. Eines der wesentlichen Probleme ist die Pharmafirmen und – soweit zulässig – von Überprüfung ihres konkreten Nutzens für The- Regulierungsbehörden ergeben sich dabei rapieentscheidungen. Derartige Forschungs- neue Möglichkeiten für Translation; neuar- arbeiten werden ebenso wie die Forschung tige Ansätze für innovative Produkte und zur Erweiterung der Therapiemöglichkeiten Dienstleistungen können entstehen. Diese gefördert. Zudem wird künftig die Erforschung Ziele werden durch die Förderung strategi- der Kombination neuer Diagnostik- mit Thera- scher Partnerschaften zur individualisierten pieverfahren unterstützt, denn erst durch diese Medizin verfolgt. Kombination erfolgt die eigentliche Individua­ lisierung der Behandlungskonzepte. Die prä- Y rforschung seltener Krankheiten E klinische Forschung greift diese Ergebnisse auf und bringt sie in ein Stadium der Entwicklung, Von der Individualisierung der Medizin profi- in dem sie gefahrlos am Menschen angewandt tiert auch die Erforschung seltener Krankhei- werden können. ten. Eine Erkrankung gilt nach der in der EU gültigen Definition als selten, wenn weniger Y linische Studien K als eine von 2.000 Personen darunter leidet. Zu den seltenen Krankheiten werden zwischen Klinische Studien sind Motor für Innovationen 5.000 und 8.000 Krankheiten gezählt; an ihnen in der Gesundheitsforschung und im Gesund- leiden in Deutschland insgesamt etwa 2,5 bis heitswesen. Klinische Studien aller Prüfphasen 5 Millionen Menschen. Die Forschung zu sel- sind aber mit einem hohen wissenschaftlichen, tenen Erkrankungen – besonders die klinische logistischen und finanziellen Aufwand ver- Forschung – ist mit erschwerten Ausgangsbe- bunden, der vor allem der Patientensicherheit dingungen konfrontiert. Dazu zählen vordring- dient. Durch die Förderung der klinischen For- lich die geringe Anzahl an Patienten, eine die schung in Koordinierungszentren für klinische Durchführung von Studien erschwerende über- Studien, Studienzentren und Kompetenznet- regionale Verteilung und eine geringe Zahl zen hat das BMBF in den vergangenen Jahren von Wissenschaftlern, die an einer seltenen Er- die Voraussetzungen für bundesweite und krankung arbeiten. Im Rahmen des von BMG, internationale Studiennetze geschaffen, um BMBF und Achse e.V. etablierten Nationalen Forschungsergebnisse schneller in der Praxis Aktionsbündnisses für Menschen mit seltenen anwenden zu können. Damit hat sich Deutsch- Erkrankungen (NAMSE) wird daher gezielt die land im internationalen Vergleich eine sehr kooperative Forschung und Vernetzung von gute Position erarbeitet. Deutschland nimmt Wissenschaft und Klinik gefördert. Da etliche seit dem Jahr 2006 bei der absoluten Zahl der Erkrankungen auch durch Bündelung nationa- Studien innerhalb der EU die Spitzenposition ler Kapazitäten nicht adäquat erforschbar sind, ein. Dies lässt Rückschlüsse zu auf die Zahl werden die nationalen Fördermaßnahmen zu- der Studien durchführenden Zentren und auf dem europäisch und international abgestimmt die gute Infrastruktur für klinische Prüfungen und ergänzt. in Deutschland insgesamt. Außerdem fördern BMBF und DFG gemeinsam nicht kommerzielle multizentrische klinische Studien.
  27. 27. Die Forschungsherausforderung: Individualisierte Medizin 23
  28. 28. 24 Die Vorsorgeherausforderung: Präventions- und Ernährungsforschung
  29. 29. Die Vorsorgeherausforderung: Präventions- und Ernährungsforschung 25Die Vorsorgeherausforderung: Präventions- und ErnährungsforschungAktionsfeld 3 des Rahmenprogramms Maßnahmen dienen im Regelfall der generellenGesundheitsforschung Gesundheitsförderung, in ihrem Mittelpunkt ste- hen häufig Bewegung, Ernährung und Stressbe-Die Entstehung oder der Verlauf von Krank­ wältigung. Maßnahmen der Sekundärpräventionheiten kann durch Ernährung, Bewegung, haben zum Ziel, Krankheiten besonders früh zuVerhaltensweisen oder Umweltfaktoren erkennen. Dadurch soll der Verlauf der Krankheit günstig beeinflusst oder ihr Auftreten sogar ganzbeeinflusst werden. Bei der Aufklärung der verhindert werden. In diesen Bereich fallen bei-Wechselwirkungen zwischen krankheits­ spielsweise die Maßnahmen zur Früherkennungauslösenden Genmutationen und externen bei Krebs. Tertiäre Präventionsmaßnahmen sollenFaktoren sind jedoch noch vielfältige For­ Rückfällen vorbeugen, haben also beispielsweise zum Ziel, dass kein weiterer Schlaganfall eintritt.schungsfragen zu klären. Bekannt ist, dass Die tertiäre Prävention ist eine wichtige Kompo-verschiedene Ansätze vorbeugend wirken nente in der Rehabilitation, mit deren Hilfe nichtkönnen: regelmäßiger Sport, gesunde Er­ nur Rückfälle, sondern auch Komplikationen odernährung, Impfungen, aber auch umweltbe­ Folgeerkrankungen vermieden werden können. Bis vor wenigen Jahren galt, dass Präventions-zogene Maßnahmen wie die Reduzierung maßnahmen häufig ohne ausreichenden wissen-von Feinstäuben oder allergieauslösenden schaftlichen Nachweis ihrer Wirksamkeit, aberStoffen. Dabei bewirkt erfolgreiche Präven­ auch ihrer möglichen unerwünschten Effektetion zweierlei: Sie steigert Wohlbefinden und durchgeführt wurden, da nur wenige entspre- chende Studien vorlagen. Da sich z. B. sekundär-Gesundheit und birgt zugleich erhebliche präventive Maßnahmen der Krankheitsfrüher-Einsparpotenziale für die Sozialsysteme. kennung an klinisch gesunde, beschwerdefreie Menschen richten, ist es besonders wichtig, denNicht jeder Raucher erkrankt an Krebs, und nicht Nutzen dieser Maßnahmen (z. B. bessere Prognosejeder Nichtraucher ist davor geschützt. Nichtrau- aufgrund der früheren Krankheitsentdeckung)chen reduziert aber die Wahrscheinlichkeit einer gegen mögliche Risiken (z. B. psychische Belas-Krebserkrankung – selbst wenn eine Veranlagung tung durch falsch-positive Diagnosen, Überdiag-für Krebs vorliegt. Prädisposition einerseits und nose und Übertherapie) abwägen zu können.Verhalten, Ernährung, Bewegung und weitereLebensstilfaktoren andererseits beeinflussen also Für die Planung und Durchführung einergemeinsam die Gesundheit des Menschen. Das Präventionsmaßnahme wie auch einer Therapiewahre Ausmaß dieser Wechselwirkungen wird ist eine belastbare Datengrundlage unerlässlich.erst seit einigen Jahren deutlich. Die Erkennt- Hierzu dienen beim gesunden Menschen dienis, dass durch Umweltfaktoren hervorgerufene populationsbezogene Epidemiologie sowie beimchemische Veränderungen der Erbsubstanz an kranken Menschen die klinische Epidemiologie.die nächste Generation weitergegeben werden In der klinischen und bevölkerungsbezogenenkönnen, ist der Ausgangspunkt für die For- Epidemiologie gewinnen prospektive Langzeitun-schungsrichtung der Epigenetik. Erkenntnisse aus tersuchungen, die Entwicklungen im Krankheits-der Epigenetik tragen entscheidend dazu bei, die geschehen sowie den Einfluss von positiven undFunktionsweise von Prävention besser zu verste- negativen Faktoren evaluieren, immer mehr anhen. Das Verständnis der Zusammenhänge von Bedeutung.Prädisposition, Ernährung und Umwelt ist auchfür die Erforschung von Allergien bedeutend. Der Gesundheitsstatus des Menschen wird auch durch die Ernährung beeinflusst. Mit einer Präventionsmaßnahmen werden drei Katego- frühzeitigen Ernährungsumstellung werdenrien zugeordnet, wobei die Übergänge in der Pra- oftmals Stabilisierungen oder Verbesserungen desxis fließend sind: Primärprävention, Sekundärprä- Gesundheitsstatus erreicht. Zunehmend sind auchvention und Tertiärprävention. Primärpräventive Kinder und Jugendliche von ernährungsmitbe-
  30. 30. 26 Die Vorsorgeherausforderung: Präventions- und Ernährungsforschungdingten Erkrankungen betroffen, in Deutschland Der demografische Wandel und geändertesind ca. 2 Millionen von ihnen übergewichtig. Bei Lebensumstände stellen die Präventions- undden Erwachsenen sind es ca. 37 Millionen. Zwar Ernährungsforschung auch in Hinblick auf diewerden beinahe täglich neue Ernährungsemp- Lebensmittelsicherheit vor große Herausforderun-fehlungen und Diätratgeber veröffentlicht, aber gen – beispielsweise in Hinblick auf eine infolgenach wie vor sind grundlegende Fragen über die hohen Alters oder Multimorbidität geschwächteZusammenhänge zwischen Ernährung, Bewe- Immunabwehr oder auf lebensmittelbedingtegung und deren Wirkungsweise im menschlichen zoonotische Krankheiten.Körper ungeklärt. Wodurch wird das Ernährungs-verhalten des Einzelnen bestimmt? Welche Unter- Für den eindrucksvollen Anstieg der Lebens­schiede gibt es in der Metabolisierung (Verstoff- erwartung und das deutliche Sinken der Kinder-wechselung) zwischen den einzelnen Menschen? sterblichkeit sind die Erfolge der Impfstoffent-Wann und aus welchen Gründen isst der Mensch? wicklung mit verantwortlich. So konnten alleinNach welchen molekularen Mechanismen wirken durch die globale Initiative zur Impfung gegenInhaltsstoffe der Nahrung beim Menschen auf Masern die weltweiten Masern-Todesfälle vondas Immun-, Hormon- und Verdauungssystem 733.000 Menschen im Jahr 2000 auf 164.000 imsowie die Hirnfunktion? Der Beantwortung dieser Jahr 2008 gesenkt werden. Während einigenFragen, die für eine funktionierende Prävention Krankheiten durch Impfungen also effektiv vor-ganz entscheidend ist, widmet sich die Ernäh- gebeugt werden kann, fehlt es für diverse chro-rungsforschung. nische Infektionen wie HIV/Aids, Hepatitis oder Tuberkulose nach wie vor an Impfstoffen.
  31. 31. Die Vorsorgeherausforderung: Präventions- und Ernährungsforschung 27 Die Förderung der Präventions- und gangsweg erfolgt, wie die persönliche Anspra- Ernährungsforschung che durch den Hausarzt. Die Förderung dieser Forschung soll in Umfang und Themenbreite Unter dem Dach der Nationalen Präventions- ausgeweitet und systematisiert werden. Künftig strategie entwickelt das BMBF einen Aktions- sollen Effektivität, Effizienz und unerwünschte plan zur Präventions- und Ernährungsfor- Effekte von Maßnahmen der Primär-, Sekun- schung, der die für beide Bereiche relevanten där- und Tertiärprävention erforscht werden, Forschungsansätze zusammenführt und inter- insbesondere ihre längerfristige Wirksamkeit. disziplinär verknüpft. Auch die Entwicklung neuer evidenzbasierter Präventionskonzepte ist eine wichtige Aufgabe Y pigenetische Forschung zu Prävention E für die Zukunft. und Ernährung Y pidemiologische Forschung E Ergebnis bisheriger Forschung ist, dass schon im Mutterleib durch Ernährung und toxische Die deutsche epidemiologische Forschung Einflüsse erbliche Faktoren für den Rest des Le- nimmt im internationalen Vergleich bisher bens an- oder abgeschaltet werden. Gerade bei keine herausragende Rolle ein. Ein nachhalti- Krankheiten wie Diabetes und Adipositas zeigt ger Ausbau der Epidemiologie setzt struktur- sich die Bedeutung dieser sogenannten metabo- fördernde Maßnahmen voraus. Hierzu gehören lischen Programmierung im Jugendalter. Aber spezifisch epidemiologisch ausgerichtete auch in späteren Lebensabschnitten können Lehrstühle an den Hochschulen, um sowohl Umwelteinflüsse erbliche Faktoren nachhaltig exzellente Forschung zu betreiben als auch beeinflussen. Forschungsbedarf besteht auch qualifizierten wissenschaftlichen Nachwuchs bei der Klärung, welche Umwelteinwirkungen auszubilden. Aber auch der Aufbau von epide- welche epigenetischen Modulationen zur Folge miologischen Nachwuchs-Forschungsgruppen haben und welche Konsequenz daraus für die ist erforderlich. Des Weiteren wird unter der menschliche Gesundheit folgt. Bezeichnung „Deutsche Studie für Gesundheit und Prävention“ eine nationale Kohorte mit Diesbezügliche Forschungsprojekte werden 200.000 gesunden Studienteilnehmern im Alter künftig in enger Abstimmung mit der For- zwischen 20 und 70 Jahren geplant. Dabei soll schungsförderung zur individualisierten Medi- der Gesundheitsstatus von Männern und Frau- zin ermöglicht. en aus verschiedenen Regionen Deutschlands über einen längeren Zeitraum verfolgt werden, Y rforschung des Nutzens E um Zusammenhänge zwischen Genen, Verhal- von Präventionsmaßnahmen ten, Ernährung, Bewegung und Umwelt bei der Entstehung von Krankheiten aufzudecken. Das BMBF fördert schon seit einigen Jahren Projekte zur Erforschung des Nutzens von Y rnährungsforschung E Maßnahmen der Primärprävention. Die bislang vorliegenden Forschungsergebnisse weisen Die nationale akademische Ernährungsfor- darauf hin, dass Präventionsmaßnahmen nur schung wird so aufgestellt, dass sie in stärkerem dann erfolgreich sein können, wenn sie auf die Maße als bisher Lösungen für die aktuellen jeweilige Zielgruppe (etwa Frauen, Männer, ernährungsbedingten Gesundheitsprobleme Eltern, Betriebsangehörige, Menschen mit entwickelt. Darüber hinaus können neue Migrationshintergrund) zugeschnitten und der wissenschaftliche Erkenntnisse im Ernährungs- jeweils optimale Zugangsweg (z. B. persönliche bereich zur Entwicklung innovativer, konsu- Ansprache durch den Hausarzt, Tageszeitung, mentenfreundlicher und gesundheitsfördern- Internet) genutzt wurde. Auch für alte Men- der Produkte und Dienstleistungen beitragen. schen sind gesundheitsfördernde Maßnahmen Forschung und Entwicklung in Wissenschaft von Vorteil, aber nur, wenn diese ihrem Alter und Wirtschaft werden durch Profilbildung entsprechend gestaltet sind, und nur, wenn die der Forschungsstandorte gestärkt und so ein Aufforderung dazu über einen adäquaten Zu- international kompetitives Niveau erreicht,
  32. 32. 28 Die Vorsorgeherausforderung: Präventions- und Ernährungsforschung Synergieeffekte erzielt und Ressourcen effi- und die Weiterentwicklung des Human-Biomo- zienter eingesetzt. Die Innovationsfähigkeit nitorings. Gleichzeitig sollte die Forschung zu der deutschen Ernährungsindustrie und der Fein- und Ultrafeinstaub ( 100 Nanometer) vor- Nachwuchs werden gezielt unterstützt (capacity angetrieben werden. Gesundheitliche Fragestel- building). lungen zu synthetischen Nanomaterialien, die zunehmend in neuen Technologien eingesetzt Deutschland wird zudem aktiv an der gemein- werden, werden unter dem Dach des Aktions- samen Planung der Forschungsprogramme plans Nanotechnologie bearbeitet. in Europa (Joint Programming) im Bereich Gesundheit, Ernährung und Prävention ernäh- Y mpfstoffentwicklung I rungsbedingter Krankheiten mitwirken und so die Stärkung der deutschen Forschungsland- Um die Schwierigkeiten bei der Entwicklung schaft und deren Einbindung in den europäi- von Impfstoffen gegen HIV oder Tropen- schen Forschungsraum vorantreiben. krankheiten wie Malaria zu lösen, müssen die anwendungsorientierte Grundlagenforschung Y mweltbezogene Gesundheitsforschung U intensiviert und neue Verfahren zur Impf- stoffentwicklung erforscht werden. Gleichzei- Die umweltbezogene Gesundheitsforschung tig ist eine enge Zusammenarbeit zwischen vermeidet langfristig Krankheitskosten. Bislang Wissenschaft und Wirtschaft notwendig, um fehlt es an einer Bewertung der relativen in Deutschland nicht nur die grundlegenden Bedeutung verschiedener Umweltlasten für Erkenntnisse zu gewinnen, sondern auch die einzelne Krankheiten (Environmental Burden of darauf basierende Impfstoffentwicklung und Disease, EBD). Außerdem müssen Daten gene- wirtschaftliche Verwertung zu ermöglichen. riert werden, die rechtzeitig über die Belastung Deutschland steht zu seiner Mitverantwortung der Bevölkerung informieren (Frühwarnsystem), für Länder, die die Kosten für die Entwicklung und es muss ermittelt werden, ob umweltge- neuer Impfstoffe gegen Tropenkrankheiten richtete Maßnahmen Erfolg haben (Monito- allein nicht aufbringen können, und beteiligt ring). Geeignete Instrumente hierfür sind die sich deshalb auf europäischer Ebene an der Fortführung der Umweltsurveys, die Einbezie- Zusammenarbeit mit Afrika bei der klinischen hung von Geburtskohorten bei neuen Studien Entwicklung und Erprobung neuer Impfstoffe.
  33. 33. Die Vorsorgeherausforderung: Präventions- und Ernährungsforschung 29
  34. 34. 30 Die Systemherausforderung: Versorgungsforschung
  35. 35. Die Systemherausforderung: Versorgungsforschung 31Die Systemherausforderung: VersorgungsforschungAktionsfeld 4 des Rahmenprogramms insbesondere im Versorgungsalltag unter Berück-Gesundheitsforschung sichtigung aller Bevölkerungsgruppen belegen lassen. Wegen der starken Abhängigkeit des Ge-Das Gesundheitssystem steht vor der Her- sundheitssystems von nationalen Gegebenheitenausforderung, medizinische und organisa- und aufgrund der Komplexität des Versorgungs-torische Verbesserungen für alle Menschen geschehens lassen sich internationale Forschungs- ergebnisse jedoch nur begrenzt übertragen. Des-nutzbar zu machen und gleichzeitig die halb ist auch in Deutschland eine leistungsfähigeLeistungen bezahlbar zu halten. Der An- Versorgungsforschung erforderlich.teil chronisch kranker und multimorbiderMenschen wächst, während die finanziellen Versorgungsforschung wird hier verstan- den als die Wissenschaft, die die Kranken- undRessourcen für die Deckung eines wach- Gesundheitsversorgung und ihre Rahmenbedin-senden medizinischen und pflegerischen gungen beschreibt und erklärt, unter Alltags-Bedarfs begrenzt sind. Zudem entsteht Aus- bedingungen evaluiert und davon ausgehendgabendynamik durch immer mehr und bes- Versorgungskonzepte entwickelt. Dies schließt unterschiedliche Disziplinen ein, wie z. B. diesere Behandlungsmöglichkeiten in vielen Rehabilitationswissenschaften, die Pflegefor-Bereichen der Versorgung, beispielsweise schung, Forschung zur allgemeinmedizinischendurch Innovationen in der diagnostischen Versorgung und Palliativmedizin sowie dieBildgebung, durch neue Arzneimittel oder Gesundheitsökonomie. Als Grundvoraussetzung für eine effiziente Versorgungsforschung mussdurch neue Hightech-Lösungen in Strahlen- auch die Verfügbarkeit und Nutzbarkeit vontherapie, Chirurgie oder Intensivmedizin. Versorgungsdaten verbessert werden. Die Versor-Weniger sichtbar, aber ebenso bedeut- gungsforschung dient im Gesundheitswesen zursam wie der medizinische und technische Orientierung über Qualität, Therapiesicherheit, Nutzen und Nachhaltigkeit der Versorgung.Fortschritt sind die verbesserten Behand-lungsmöglichkeiten in der Psychotherapie Im Unterschied zu anderen Ländern fandund die Gesundheitsdienstleistungen wie in Deutschland eine systematische und wissen-z. B. Ergotherapie, Physiotherapie, Logopä- schaftliche Analyse des Versorgungsgesche- hens und der Patientensicherheit im Versor-die, pflegerische Therapien. Diese spielen gungsalltag sowie der sich daraus ergebendenfür die Lebensqualität der Patienten eine Fragestellungen lange Zeit kaum statt. Diebesondere Rolle, z. B. bei Herz-Kreislauf- Bundesregierung hat hier mit ihren bisherigenErkrankungen, Diabetes, psychischen Er- Fördermaßnahmen (z. B. Public Health, Rehabi- litationswissenschaften, Versorgungsforschungkrankungen, Demenzen und muskuloskelet- und Allgemeinmedizin) wesentliche Aufbauhilfetalen Erkrankungen. geleistet, sodass der Anschluss an die interna­ tionale Spitzenforschung punktuell gelungenIn unserem solidarisch finanzierten Gesundheits- ist. Diese Initiativen werden oft in Partnerschaftsystem sind die finanziellen Ressourcen begrenzt, mit Kostenträgern im Gesundheitswesen durch-daher haben Kosten-Nutzen-Erwägungen in der geführt. Das ermöglicht einen größeren Praxis-Medizin in den letzten Jahren erheblich an Bedeu- bezug der Forschungsprojekte und eine rascheretung gewonnen. Eine entsprechende Bewertung Umsetzung der Ergebnisse in den Versorgungs-neuer, aber auch bereits etablierter Verfahren ist alltag.unerlässlich, damit durch das Gesundheitssystemnur sinnvolle und wirksame Maßnahmen erstattetwerden. Dabei muss sich der Nutzen von Behand-lungen nicht nur in klinischen Studien, sondern
  36. 36. 32 Die Systemherausforderung: Versorgungsforschung Die Förderung der Versorgungsforschung gung zu erbringen. So werden die Grundlagen für neue Lösungsstrategien zu Gestaltung, Ziel der Forschungsförderung der Bundesregie- Organisation und Finanzierbarkeit des Gesund- rung zur Versorgungsforschung ist es, wissen- heitswesens geschaffen. Dabei stehen in der schaftliche Evidenz für die Verbesserung von Versorgungsforschung in besonderem Maße Qualität und Sicherheit, des Nutzens und der Patientenorientierung und Patientensicherheit Nachhaltigkeit der gesundheitlichen Versor- im Mittelpunkt.
  37. 37. Die Systemherausforderung: Versorgungsforschung 33 Y Studien in der Versorgungsforschung Forschungsmethoden erforderlich. Wissen- schaftliche Arbeitsgruppen, die hochwertige Jahrelange medizinische Versorgung ist bei gesundheitsökonomische Forschungsprojekte chronisch Kranken und bei älteren Patienten durchführen können, existieren bisher nur die Regel. Die Abgrenzung zwischen statio- an vergleichsweise wenigen Institutionen in närer und ambulanter Behandlung, zwischen Deutschland. Zudem präsentiert sich das For- akuter Versorgung, Rehabilitation und Pflege schungsfeld „Gesundheitsökonomie“ insgesamt sowie die traditionelle Abgrenzung zwischen sehr heterogen und ist in der nationalen wie ärztlicher und nichtärztlicher Behandlung internationalen Forschungslandschaft noch sind für einen koordinierten und kontinuier- nicht ausreichend sichtbar. Eine qualifizierte, lichen Behandlungsverlauf häufig hinderlich. interdisziplinäre und anerkannte gesundheits- Zur Überwindung der traditionellen Grenzen ökonomische Forschung ist in Deutschland nur zwischen diesen Versorgungssektoren werden dann zu erreichen, wenn Forschungsstrukturen bereits integrative Versorgungskonzepte umge- für diesen Fachbereich weiter auf- und ausge- setzt, beispielsweise der Aufbau medizinischer baut werden. Dies ist Voraussetzung dafür, dass Versorgungszentren, Verträge zur integrierten gesundheitsökonomische Fragen frühzeitig Versorgung, Disease-Management-Programme auch bei der Entwicklung neuer Therapien und Case Management. Gegenstand einer berücksichtigt werden. wissenschaftlich fundierten Evaluation können z. B. Prozessabläufe, Nachhaltigkeit oder Zusam- Y Förderung des wissenschaftlichen menspiel der einzelnen Akteure sein. Gefördert Nachwuchses werden mit einem thematisch offenen Ansatz Projekte aus einzelnen Bereichen z. B. der Versorgungsforschung und Gesundheitssys- Pflegeforschung, der palliativmedizinischen temforschung sind in Deutschland noch junge Forschung, der Rehabilitationsforschung und Disziplinen. Damit die Versorgungsforschung der Allgemeinmedizin, aber auch sektorüber- international sichtbar und konkurrenzfähig greifende Ansätze. wird und die wissenschaftliche Basis für ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem legen kann, Nebenwirkungen von Arzneimitteltherapien wird eine systematische und attraktive Karriere- führen in relevantem Umfang zu vermeid­ arer b optionen aufzeigende Förderung des Nach- Morbidität und Mortalität. Dies ist in allen wuchses in der Versorgungsforschung erfolgen. Ländern belegt, aus denen hierzu Untersuchun- gen vorliegen. Ansätze zur Verbesserung der Y Förderung von Studienstrukturen Arzneimitteltherapiesicherheit gehören zum für die Versorgungsforschung Spektrum der Versorgungsforschung. Studien der Versorgungsforschung sind un- Y Zentren der gesundheitsökonomischen verzichtbarer Bestandteil der medizinischen Forschung und medizinsoziologischen Forschung. Die Durchführung von Studien der Versorgungsfor- Die Bedeutung der gesundheitsökonomischen schung erfordert hohe methodische Kompetenz Forschung hat in den vergangenen Jahren und Kooperation unterschiedlicher wissen- erheblich zugenommen. Der Bedarf an fun- schaftlicher Disziplinen sowie die Koopera- dierten wissenschaftlichen Erkenntnissen für tion von Wissenschaftlern mit Akteuren des die Steuerung und effiziente Gestaltung des Gesundheitswesens in der Breite des Versor- Gesundheitssystems auf der Makro-, Meso- und gungsalltags. Daher wird die Etablierung von Mikroebene wird immer dringlicher. Forschung Strukturen für die Koordination der Versor- kann hierfür konsistente Entscheidungsgrundla- gungsforschung und für eine Erschließung der gen schaffen. Forschungspotenziale des jeweiligen Standortes gefördert. Um ökonomische Zusammenhänge in der Gesundheitsversorgung zu analysieren, sind umfassende Fachkenntnisse und spezifische
  38. 38. 34 Die Innovationsherausforderung: Gesundheitswirtschaft

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