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9 | 2013via
Erleben Teegenuss in der Schweiz
Länggass-Tee, Bern
Nach einem Kinoabend hatten
Gerhard und Katrin Lange die
Idee, ein Teegeschäft zu eröffnen.
Das war 1983. In den dreissig
Jahren danach hat sich der
kleine Quartierladen zu einem
der gefragstesten Teehäuser der
Schweiz entwickelt. An der
Länggassstrasse in Bern kann
man Tee kaufen, sich beraten
lassen, Tee aus aller Welt
degustieren – und in speziellen
Kursen alles über Tee lernen.
laenggasstee.ch
Der Tee vom Monte Verità
Es ist eine europäische Exklusivi-
tät: Nur am Monte Verità wächst die
Camellia sinensis. 1000 Teepflanzen
umfasst die Teeplantage oberhalb von
Ascona. «Acht Kilogramm Teeblätter
werden jeweils im Frühling geerntet
und zu grünem Tee verarbeitet», er-
zählt Isabelle Mondoux, Verantwort-
liche der Casa del Tè, die zur Plantage
gehört. Dabei werden nur die jüngs-
ten Blätter von Hand gepflückt, 2–3
Minuten gedämpft, danach kurz an-
getrocknet und schliesslich mit rei-
ner Handarbeit während 4 Stunden
gerollt und gleichzeitig getrocknet. So
bleiben 2 Kilogramm, die in den Han-
del gelangen. Um die hohe Qualität
dieses Shincha (japanisch für «neuer
Tee») zu garantieren, reisen jedes Jahr
eigens japanische Tee-Experten an,
denn: «Das Dämpfen und Rollen ver-
langt besondere Fähigkeiten.»
monteverita.org
casa-del-te.ch
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9 | 2013 via
Teegenuss in der Schweiz Erleben
Mal ist er weiss, dann wieder grün oder schwarz. Mal ist
das Blatt gerollt, mal riecht er nach Blumen, mal nach Erde
oder Meer. Tee ist das wohl grossartigste Getränk der Welt.
Text:Janine Radlingmayr und Gaston Haas; Fotos:Anne Gabriel-Jürgens
Poesie zum Trinken
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9 | 2013via
Teezeremonie, Zürich
Im Museum Rietberg, unter dem
Dach der Remise, befindet sich
das Teezimmer, das Isshin-an.
Gestaltet wurde der Raum nach
den Vorgaben von Soyu Mukai,
seit 1988 japanische Teemeiste-
rin. Das Museum bietet öf-
fentliche Teezeremonien nach
japanischer Tradition an.
rietberg.ch
chado.ch
Lesen Sie das Interview mit Soyu
Mukai in der via-iPad-Ausgabe.
Erleben Teegenuss in der Schweiz
Teegenuss in der Schweiz Erleben
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9 | 2013 via
L’art du thé, Luzern
Barbara Vogler-Häfliger ist
Inhaberin der Luzerner Tee-
Boutique an der Burgerstrasse 1.
Die Eindrücke ihrer Reisen
zu den Teeproduzenten diverser
asiatischer Länder gibt sie an
Seminaren und Referaten an
Teeliebhaber weiter. In der
eigenen Produktionsstätte in
Ballwil entstehen die Sachets
Chrystal, Portionentees von
herausragender Qualität.
art-du-the.ch
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Erleben Teegenuss in der Schweiz
Kaum ein Getränk bietet eine grössere Vielfalt
in Produktion, Herstellung, Kultur und Preis als Tee.
A
ls der Kaiser von China dem russischen
Zaren ein aussergewöhnliches Geschenk
machenwollte,liesserindieKistenweder
Gold noch Jade packen, sondern Tee. «Tee ist das teu-
erste Getränk der Welt», sagt Katrin Lange von Läng-
gass-Tee in Bern. Liebhaber sind bereit, Tausende von
Franken für eine Rarität auszugeben – pro hundert
Gramm.
Die grössten Teeanbaugebiete findet man heute in
China, Korea, Japan, Indien und Sri Lanka. In vielen
dieserLänder,aberauchinEngland,wirdertäglichge-
trunken. Tee ist denn auch das meistgetrunkene Ge-
tränkderWelt.DieTeepflanzewirdseitetwa5000Jah-
ren kultiviert, das belegen schriftliche Quellen. Damit
ist Tee auch eines der ältesten Getränke der Welt. Weil
Tee als Rohstoff zubereitet werden muss, haben sich
über die Jahrhunderte Rituale entwickelt. Die japani-
sche Teezeremonie (siehe Seite 8), das chinesische
Teeritual Gong Fu Cha oder der High Tea der Briten
sind wohl die bekanntesten. «Der High Tea ist ur-
sprünglich eine Zwischenmahlzeit am Nachmittag»,
sagtKatrinLange.«DazugehörenSüsses,Salzigesund
Scones – und natürlich ein hervorragender Tee.»
Wie aber findet man heraus, welchen Tee man ger-
ne trinkt? Was unterscheidet grünen Tee aus China
vom japanischen? Bei diesen Fragen helfen Degusta-
tionen, ähnlich wie beim Wein. «Ganz besondere
Tees werden bei uns nach chinesischer Art im Raritä-
tenraum gekostet», sagt Lange. Das kann dann durch-
aus schon mal drei Stunden dauern. Wer noch tiefer in
die faszinierende Welt dieses Getränkes eintauchen
will, besucht eine Teeschule. Dort lernt man alles über
die Pflanze selber, die Verarbeitung, die Zubereitung,
die Teekultur usw.
DasABCvomTee
Der Teestrauch Camellia sinensis ist
die Basis für eine schier unglaubli-
che Geschmacksvielfalt. Je nachdem,
wann welche Blätter geerntet wer-
den und vor allem wie sie verarbei-
tet und getrocknet werden, entstehen
die sechs Teesorten Weisser, Gelber,
Grüner, Brauner (Oolong), Schwarzer
und Postfermentierter Tee (Pu Er). An-
baugebiet und besondere Anbaume-
thoden sind weitere Faktoren, die das
Endprodukt entscheidend beeinflus-
sen. In Japan beispielsweise werden
für besonders edle Sorten die Tee-
sträucher vor der Ernte abgedeckt;
dieser «Schattentee» entwickelt ein
ganz besonderes Aroma – umami –,
neben süss, sauer, bitter und salzig
der 5. Geschmack, den wir identifizie-
ren können.
Das teuerste Getränk der Welt

Via 09 2013 tee

  • 1.
    6 9 | 2013via ErlebenTeegenuss in der Schweiz Länggass-Tee, Bern Nach einem Kinoabend hatten Gerhard und Katrin Lange die Idee, ein Teegeschäft zu eröffnen. Das war 1983. In den dreissig Jahren danach hat sich der kleine Quartierladen zu einem der gefragstesten Teehäuser der Schweiz entwickelt. An der Länggassstrasse in Bern kann man Tee kaufen, sich beraten lassen, Tee aus aller Welt degustieren – und in speziellen Kursen alles über Tee lernen. laenggasstee.ch Der Tee vom Monte Verità Es ist eine europäische Exklusivi- tät: Nur am Monte Verità wächst die Camellia sinensis. 1000 Teepflanzen umfasst die Teeplantage oberhalb von Ascona. «Acht Kilogramm Teeblätter werden jeweils im Frühling geerntet und zu grünem Tee verarbeitet», er- zählt Isabelle Mondoux, Verantwort- liche der Casa del Tè, die zur Plantage gehört. Dabei werden nur die jüngs- ten Blätter von Hand gepflückt, 2–3 Minuten gedämpft, danach kurz an- getrocknet und schliesslich mit rei- ner Handarbeit während 4 Stunden gerollt und gleichzeitig getrocknet. So bleiben 2 Kilogramm, die in den Han- del gelangen. Um die hohe Qualität dieses Shincha (japanisch für «neuer Tee») zu garantieren, reisen jedes Jahr eigens japanische Tee-Experten an, denn: «Das Dämpfen und Rollen ver- langt besondere Fähigkeiten.» monteverita.org casa-del-te.ch
  • 2.
    7 9 | 2013via Teegenuss in der Schweiz Erleben Mal ist er weiss, dann wieder grün oder schwarz. Mal ist das Blatt gerollt, mal riecht er nach Blumen, mal nach Erde oder Meer. Tee ist das wohl grossartigste Getränk der Welt. Text:Janine Radlingmayr und Gaston Haas; Fotos:Anne Gabriel-Jürgens Poesie zum Trinken
  • 3.
    8 9 | 2013via Teezeremonie,Zürich Im Museum Rietberg, unter dem Dach der Remise, befindet sich das Teezimmer, das Isshin-an. Gestaltet wurde der Raum nach den Vorgaben von Soyu Mukai, seit 1988 japanische Teemeiste- rin. Das Museum bietet öf- fentliche Teezeremonien nach japanischer Tradition an. rietberg.ch chado.ch Lesen Sie das Interview mit Soyu Mukai in der via-iPad-Ausgabe. Erleben Teegenuss in der Schweiz
  • 4.
    Teegenuss in derSchweiz Erleben 9 9 | 2013 via L’art du thé, Luzern Barbara Vogler-Häfliger ist Inhaberin der Luzerner Tee- Boutique an der Burgerstrasse 1. Die Eindrücke ihrer Reisen zu den Teeproduzenten diverser asiatischer Länder gibt sie an Seminaren und Referaten an Teeliebhaber weiter. In der eigenen Produktionsstätte in Ballwil entstehen die Sachets Chrystal, Portionentees von herausragender Qualität. art-du-the.ch
  • 5.
    10 9 | 2013via ErlebenTeegenuss in der Schweiz Kaum ein Getränk bietet eine grössere Vielfalt in Produktion, Herstellung, Kultur und Preis als Tee. A ls der Kaiser von China dem russischen Zaren ein aussergewöhnliches Geschenk machenwollte,liesserindieKistenweder Gold noch Jade packen, sondern Tee. «Tee ist das teu- erste Getränk der Welt», sagt Katrin Lange von Läng- gass-Tee in Bern. Liebhaber sind bereit, Tausende von Franken für eine Rarität auszugeben – pro hundert Gramm. Die grössten Teeanbaugebiete findet man heute in China, Korea, Japan, Indien und Sri Lanka. In vielen dieserLänder,aberauchinEngland,wirdertäglichge- trunken. Tee ist denn auch das meistgetrunkene Ge- tränkderWelt.DieTeepflanzewirdseitetwa5000Jah- ren kultiviert, das belegen schriftliche Quellen. Damit ist Tee auch eines der ältesten Getränke der Welt. Weil Tee als Rohstoff zubereitet werden muss, haben sich über die Jahrhunderte Rituale entwickelt. Die japani- sche Teezeremonie (siehe Seite 8), das chinesische Teeritual Gong Fu Cha oder der High Tea der Briten sind wohl die bekanntesten. «Der High Tea ist ur- sprünglich eine Zwischenmahlzeit am Nachmittag», sagtKatrinLange.«DazugehörenSüsses,Salzigesund Scones – und natürlich ein hervorragender Tee.» Wie aber findet man heraus, welchen Tee man ger- ne trinkt? Was unterscheidet grünen Tee aus China vom japanischen? Bei diesen Fragen helfen Degusta- tionen, ähnlich wie beim Wein. «Ganz besondere Tees werden bei uns nach chinesischer Art im Raritä- tenraum gekostet», sagt Lange. Das kann dann durch- aus schon mal drei Stunden dauern. Wer noch tiefer in die faszinierende Welt dieses Getränkes eintauchen will, besucht eine Teeschule. Dort lernt man alles über die Pflanze selber, die Verarbeitung, die Zubereitung, die Teekultur usw. DasABCvomTee Der Teestrauch Camellia sinensis ist die Basis für eine schier unglaubli- che Geschmacksvielfalt. Je nachdem, wann welche Blätter geerntet wer- den und vor allem wie sie verarbei- tet und getrocknet werden, entstehen die sechs Teesorten Weisser, Gelber, Grüner, Brauner (Oolong), Schwarzer und Postfermentierter Tee (Pu Er). An- baugebiet und besondere Anbaume- thoden sind weitere Faktoren, die das Endprodukt entscheidend beeinflus- sen. In Japan beispielsweise werden für besonders edle Sorten die Tee- sträucher vor der Ernte abgedeckt; dieser «Schattentee» entwickelt ein ganz besonderes Aroma – umami –, neben süss, sauer, bitter und salzig der 5. Geschmack, den wir identifizie- ren können. Das teuerste Getränk der Welt