Die Lösung bist DU!

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Wie werden Visionen und Träume Wirklichkeit, wie erkennt und ergreift man seine Chancen? Mathias Krieger, erfolgreicher Unternehmer und erfolgreicher Spitzensportler zeigt, was uns wirklich voranbringt.

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Die Lösung bist DU!

  1. 1. Matthias Krieger Die Lösung bist DU! Was uns wirklich voranbringt Das Buch vom „Besten Boss Deutschlands“ BILDLe se pr ob BusinessVillage e
  2. 2. Matthias Krieger Die Lösung bist DU!Was uns wirklich voranbringt BusinessVillage Update your Knowledge!
  3. 3. ImpressumMatthias KriegerDie Lösung bist DU!Was uns wirklich voranbringt1. Auflage 2011© BusinessVillage GmbH, GöttingenBestellnummernISBN 978-3-86980-081-3 (Druckausgabe)Direktbezug unter www.businessvillage.de/bl/858Bezugs- und VerlagsanschriftBusinessVillage GmbHReinhäuser Landstraße 2237083 GöttingenTelefon: +49 (0)5 51 20 99-1 00Fax: +49 (0)5 51 20 99-1 05E-Mail: info@businessvillage.deWeb: www.businessvillage.deCoverillustrationDustin SchenkLayout und SatzSabine KempkeIllustrationen im BuchDustin SchenkDruck und BindungWestermann Druck Zwickau GmbH, ZwickauCopyrightvermerkDas Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertungaußerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlagesunzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigung, Übersetzung, Mikrover-filmung und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Alle in diesemBuch enthaltenen Angaben, Ergebnisse usw. wurden von dem Autor nach bestem Wissenerstellt. Sie erfolgen ohne jegliche Verpflichtung oder Garantie des Verlages. Er übernimmtdeshalb keinerlei Verantwortung und Haftung für etwa vorhandene Unrichtigkeiten. DieWiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werkberechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namenim Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wärenund daher von jedermann benutzt werden dürfen.
  4. 4. InhaltVorwort ...................................................................................5Prolog .....................................................................................7Das Angebot ............................................................................9Die Entscheidung .................................................................... 15Die Übergabe .......................................................................... 21Die Diagnose .......................................................................... 27Der ist schon in Ordnung, der Chef! ............................................ 33Was der menschliche Geist sich vorstellen kann, das kann erauch erreichen ........................................................................ 45Wir müssen gegen den Strom schwimmen ................................... 67Wir sind auf dem richtigen Weg ................................................. 81Unsere Kunden machen uns klüger! ......................................... 101In guten wie in schlechten Zeiten .............................................115Wir werden das Unternehmen retten ........................................ 129Der Abschied ........................................................................ 143Epilog .................................................................................. 149 3
  5. 5. Anhang ................................................................................151 Literaturempfehlungen ..................................................... 152 Stimmen begeisterter Fürsprecher ....................................... 153 Tun Sie Gutes und profitieren Sie davon! ............................... 157 Danksagung .................................................................... 1584
  6. 6. Vorwort
  7. 7. Das vorliegende Buch ist ein weiteres Beispiel der Exzellenzeines „Martin Ritters“, der nicht nur als Unternehmer viel er-reicht hat, sondern der sich auch als Mensch treu geblieben ist.Führung hat drei Dimensionen: Die Unternehmensführung, dieFührung von Menschen und letztlich die Führung des eigenenLebens. Alle diese Disziplinen werden in außergewöhnlicherWeise in diesem Buch vereint. Die unternehmerische Erfolgs-geschichte eines „Martin Ritters“ in Form einer erzählten Ge-schichte ist sehr angenehm zu lesen und als Managementbucheine sehr angenehme Abwechslung. Der Bezug zur Praxis istfür jeden Unternehmer und für jede Führungskraft sehr in-spirierend. Ich wünsche dem Buch viel Erfolg, den Lesern sehrgute Einsichten und „Martin Ritter“ und seinem Unternehmenweiterhin so viel Erfolg.Cay von Fournier6
  8. 8. Prolog
  9. 9. Ein Traum war für Martin Ritter in Erfüllung gegangen: Ausden Händen des Bundeswirtschaftsministers hatte er die langersehnte Auszeichnung „Bester Arbeitgeber Deutschlands“ er-halten. Als Erste hatte ihm die Bundeskanzlerin gratuliert. Eswar ein großartiger Moment gewesen, ein Brennpunkt seinesLebens. All die Fotografen und Journalisten, die ein Inter-view mit ihm machen wollten, die vielen Gespräche mit denanderen Preisträgern, mit den Gratulanten – selbst jetzt, woer zwei Tage nach der feierlichen Preisverleihung wieder inseinem Büro sitzt, ist ihm noch ganz schwindlig. Nie wird ervergessen, wie glücklich er in diesen Stunden war – und stolzauf das, was er und seine Mitarbeiter erreicht hatten. MeinVater wäre auch stolz auf mich gewesen, denkt er. Was hätteich darum gegeben, ihn bei der Preisverleihung dabei gehabt zuhaben. Dass ich diesen Preis bekommen habe, habe ich ihm zuverdanken. Seine Gedanken gehen zurück in die Vergangen-heit, in die Zeit vor zwanzig Jahren, als er gerade mit seinemBauingenieurstudium fertig geworden war und sich Gedankenüber seinen Berufseinstieg gemacht hatte. Damals war sein Va-ter sein wichtigster Ratgeber gewesen. Martin erinnert sichnoch genau an den Tag, an dem alles angefangen hatte …8
  10. 10. Das Angebot
  11. 11. Martin saß im Wohnzimmer, als das Telefon klingelte. Er hörte,wie seine Frau Silvia mit dem Anrufer sprach. Kurz danachkam sie mit dem Telefon zu ihm. Mit der Hand auf der Sprech-muschel flüsterte sie: „Dein Onkel!“Martin verdrehte die Augen und nahm den Hörer.„Hallo, Onkel Karl-Heinz. Was verschafft mir denn die Ehre?“„Hallo Martin, können wir uns treffen?“„Um was geht’s?“„Ich will mit dir übers Familienunternehmen sprechen.“ Karl-Heinz hatte das großelterliche Bauunternehmen übernommen,während sein Bruder, Martins Vater, Unternehmensberater ge-worden war.Martins Aversion gegen seinen Onkel bekam wieder Konturen.„Ich arbeite nicht für dich“, war deshalb seine prompte Ant-wort.„Das sollst du auch nicht. Es geht um die Nachfolge.“„Kein Interesse.“„Bitte, Martin, lass uns zumindest darüber sprechen. Ich weiß,dass du sowieso irgendwann ein eigenes Unternehmen habenwillst. Komm morgen in mein Büro, dann können wir uns da-rüber unterhalten.“„Nein, morgen geht es nicht. Frühestens nächste Woche.“Der Onkel dachte nach.„Mmh, einverstanden. Dann nächsten Mittwoch, um 10 Uhr?“„Gut, bis dann.“„Bis dahin“, sagte Karl-Heinz Ritter und legte auf.Martin setzte sich hin und dachte: Was war das denn? Warumhat er es so eilig? Und verdammt, warum habe ich überhauptzugesagt?„Was wollte er denn?“, riss Silvia ihn aus seinen Gedanken.„Ach, er will mit mir über die Unternehmensnachfolge reden.Nächste Woche treffen wir uns in seinem Büro.“10
  12. 12. Silvia hob die Augenbrauen: „Und? Was ist dabei das Problem?“„Du weißt, ich kann ihn nicht ausstehen. Zudem wird ge-munkelt, dass das Unternehmen nicht mehr so gut läuft. AmFreitag habe ich außerdem ein Vorstellungsgespräch bei eineranderen Firma – ich glaube, die wollen mich haben.“Silvia ließ sich in den Sessel fallen, nahm einen Keks von derSchale auf dem Tisch und sagte: „Du kannst dort auf jedenFall um ein paar Tage Bedenkzeit bitten. Es ist dein Recht,verschiedene Alternativen auszuloten. Außerdem verpflichtetdich ein Gespräch über eine eventuelle Nachfolge im Familien-unternehmen zu gar nichts und bietet vielleicht eine Chance.Jedenfalls möchte ich nicht, dass du später einmal sagst, dassdu es dir zumindest hättest anhören können.“„Stimmt. Dann rufe ich gleich Papa an. Mal hören, was er da-von hält“, sagte er und wählte.Sein Vater wollte natürlich alle Einzelheiten des Gesprächs vonihm erfahren. Und er hatte einen guten Rat für Martin: „Hördir doch erst mal an, was er dir zu bieten hat. Aber triff keinevoreilige Entscheidung. Nenne ihm eine Frist, innerhalb dererdu es dir überlegst.“Kurz vor dem Termin mit seinem Onkel fuhr Martin über dieBrücke in das kleine Gewerbegebiet im Osten der Stadt. Erwusste von seinem Vater, mit wie viel Mühe der Großvater dasUnternehmen aufgebaut hatte. Als Martins Onkel das Bau-geschäft übernommen hatte, war es außerordentlich erfolg-reich am Markt platziert gewesen. Inzwischen galt es leiderals marode und als Übernahmekandidat. Martin war froh, dassseine Großeltern das nicht miterleben mussten. Drei Jahre zu-vor hatte er ein Praktikum im Unternehmen gemacht. Damalswar er auch zuletzt dort gewesen. Als er nun auf das Geländefuhr und seinen Wagen parkte, erschrak er: Das Gebäude samtGelände sah vernachlässigt aus. Über dem Eingang hing das 11
  13. 13. inzwischen angerostete und verdreckte Firmenschild. Wie einFremdkörper stand das Auto seines Onkels davor: ein nagel-neuer BMW in der dicksten und protzigsten Variante.Er betrat das Gebäude. Innen sah es nicht besser aus. DerBoden war abgenutzt, die Farbe der Wände verblasst und ab-gesplittert, links zeigte ein lieblos hingehängtes Schild „ZurAnmeldung“. Martin war es unerklärlich, wie sein Onkel dasUnternehmen so hatte verrotten lassen können.Er betrat das Vorzimmer, und Frau Schmidt, schon immer einLichtblick im Unternehmen, begrüßte ihn freudig: „GutenMorgen, Herr Ritter, das ist ja schön, Sie mal wieder hier zusehen. Wie geht es Ihnen?“„Danke, mir geht es prima. Ich habe mein Diplom gemacht undbin inzwischen verheiratet. Und wie geht es Ihnen? Ihre stetspositive Grundstimmung kann wohl nichts trüben?“„Ich lass mich nicht unterkriegen. Aber herzlichen Glück-wunsch. Von der Hochzeit hat Ihr Onkel gar nichts erzählt.“Er beugte sich vor und flüsterte: „Ich muss zu seiner Entschul-digung sagen: Er war nicht eingeladen.“Frau Schmidt gluckste: „Jeder kriegt, was er verdient. Ich mel-de Sie mal an.“„Gleich, ich bin noch nicht soweit“, dröhnte die Stimme vonMartins Onkel aus der Sprechanlage. Beate Schmidt schauteMartin an und verzog das Gesicht.„Karl-Heinz Ritter, charmant wie immer“, sagte Martin undschüttelte den Kopf. Er nutzte die Gelegenheit, Frau Schmidtein paar Fragen über das Unternehmen zu stellen. An denGerüchten schien was dran zu sein: Die Aufträge waren zu-rückgegangen, sein Onkel arbeitete immer weniger und dasArbeitsklima ließ schwer zu wünschen übrig. Martin war FrauSchmidt dankbar für die Informationen.„So kann er Ihnen keine Märchen erzählen“, flüsterte sie.12
  14. 14. Sollte ich wirklich das Unternehmen weiterführen, so habe ichzumindest schon mal Frau Schmidt auf meiner Seite, dachte er.Ein paar Minuten später betrat Martin das Büro seines Onkels.Hier sah es wiederum recht nett aus: Mobiliar und Accessoiresvom Elegantesten. Der Onkel, in feinem Zwirn, thronte aufeinem großen Ledersessel hinter dem Schreibtisch.„Hallo, Martin, setz dich“, nuschelte er und zeigte dabei aufden Stuhl vor dem Schreibtisch. Martin nahm Platz und blickteihm direkt in die Augen. Dann griff Karl-Heinz Ritter nach derKaffeekanne und goss erst sich, dann seinem Neffen ein.„Erzähl doch mal, was du genau von mir willst“, forderte Mar-tin seinen Onkel auf.„Ich will nichts von dir, sondern ich biete dir die Chance,etwas aus deinem Leben zu machen. Genau das Richtige füreinen Jungspund, der noch alles vor sich hat.“„Eines vorab, Onkel Karl-Heinz: Ich bin erwachsen. Mein Stu-dium habe ich mit ‚sehr gut’ abgeschlossen und einer deinerMitbewerber bietet mir einen ordentlich bezahlten und über-dies interessanten Job. Ich bin also nicht auf eine Chance vondir angewiesen. Da musst du mir schon einen Vorschlag unter-breiten, der mich meine Aversion dir gegenüber und das be-stehende Angebot vergessen lässt.“Karl-Heinz Ritter begann herzhaft zu lachen.„Sehr gut gesprochen, junger Mann. Schon ganz wie eine Füh-rungspersönlichkeit. Nun: Ich bin 65 Jahre alt und will in mei-nen wohlverdienten Ruhestand. Eigentlich möchte ich, dassdas Unternehmen in der Familie bleibt. Wenn das nicht geht,verkaufe ich es für gutes Geld an andere.“„Gutes Geld? Nach meiner Information ist das Unternehmenziemlich marode. Und wenn ich mir den Zustand des Geländes,des Gebäudes innen und außen anschaue, dann scheint mirwas dran zu sein. Ausgenommen dein eigener Fuhrpark, das 13
  15. 15. Büro und dein persönliches Outfit, natürlich. Also, was solltemich dazu bewegen, die Firma zu übernehmen?“Der Onkel dachte eine Weile nach und blickte dann Martin an.In einem weicheren Ton sagte er: „Okay, okay. Lass uns offenmiteinander sprechen.“Martin nickte.„Du hast natürlich recht, das Unternehmen hat Konjunktur-schwierigkeiten. Außerdem bin ich älter geworden und es wirdmir zu viel. Ich glaube, dass du das schaffen kannst. Du bistehrgeizig und hast im Studium großes Potenzial gezeigt. Kin-der habe ich nicht und trotzdem wünsche ich mir, dass dasUnternehmen Ritter in die dritte Generation geht. Ob du esglaubst oder nicht: Ich mag dich. Du erinnerst mich an meinenVater. Martin, werde mein Nachfolger. Ich verspreche dir, ichziehe mich komplett zurück.“Na also, geht doch, dachte Martin.Im weiteren Gespräch gab Karl-Heinz Ritter bereitwillig Aus-kunft auf die Fragen, die Martin mit seinem Vater zusammen-gestellt hatte.„Ich muss das gut überlegen. Gib mir eine Woche, in der Zeitwerde ich eine Entscheidung fällen.“Der Onkel nickte.„Das klingt vernünftig und ich freue mich, dass du es zumin-dest in Erwägung ziehst. Also sprechen wir uns in sieben Ta-gen wieder.“„Ja“, antwortete Martin.Zuhause angekommen, griff er sofort zum Telefon und rief sei-nen Vater an: „Papa, ich muss mit dir über meine Zukunftsprechen. Können wir uns treffen?“„Gerne. Komm doch morgen Nachmittag zu uns.“„Super, danke. Bis dann.“„Tschüss, mein Junge.“Das wird spannend, dachte Martin.14
  16. 16. Die Entscheidung
  17. 17. In der Einfahrt seines Elternhauses angelangt, stieg Martin ausund schaute auf das parkähnliche Grundstück. Am Schwimm-teich tollten Max und Moritz, zwei Promenadenmischungen.Es war Frühling, und die Sonne hatte bereits viel Kraft. Rings-herum begann es langsam grün und bunt zu werden. MartinsMutter hatte nicht nur ein Händchen für den Garten. Hierstanden auch einige Skulpturen, die sie in ihrer Freizeit an-gefertigt hatte. Alle strahlten Heiterkeit und Leichtigkeit aus.Martin ging die Treppenstufen hinauf und klingelte. Er waraufgeregt.„Da bist du ja!“, begrüßte Ingrid Ritter ihren Sohn freudig.Dieses Gefühl der vorbehaltlosen Liebe bekam Martin von ihr,seitdem er denken konnte – selbst, wenn er als Kind irgendet-was angestellt hatte. Das gab ihm stets Sicherheit und Selbst-vertrauen.Sie umarmten sich.„Werner wartet bereits auf dich. Du scheinst ihn mächtig zubeschäftigen. Seitdem ihr telefoniert habt, sitzt er jede freieMinute am Schreibtisch. Kann ich ihn mir für das Wochenendebei dir ausleihen?“, fragte sie mit einem Grinsen.„Ab heute Abend kannst du mit ihm machen, was du willst“,konterte Martin mit betont dunkler, kratziger Stimme.Er ging durch den Flur und klopfte an die Tür des Arbeitszim-mers. „Papa, ich bin’s und bitte um Einlass.“„Komm rein, du Witzbold. Oder warte, ich komme gleich raus.Wir fahren weg.“Werner Ritter riss die Tür seines Arbeitszimmers auf und rief:„Ingrid, wir sind dann weg. Bis nachher“.„Wo geht’s denn hin?“, fragte Martin, als sie losfuhren.„Entspann dich. Wir fahren an einen Ort, der dir früher be-sonders wichtig war.“16
  18. 18. Also legte Martin den Kopf zurück, zog tief die Luft durchdie Nase ein und schloss die Augen. Als er sie wieder öffnete,schaute er auf die Felder links und rechts der Allee, die sielang fuhren. Plötzlich setzte Werner Ritter den Blinker, gingrunter vom Gas und bog ab.Keine fünf Minuten mit dem Auto vom Elternhaus entfernt lagvor ihnen das alte Stadion. Martin spürte einen Stich.Wie viel Zeit habe ich hier bloß verbracht und wie viel Schweißvergossen?, fragte er sich. In diesem Stadion hatte alles an-gefangen – Martins Traum von Olympia. Schon als kleinerJunge war für ihn Sport das Wichtigste überhaupt gewesen.Olympioniken verkörperten alles, woran er glaubte: Sie unter-warfen sich einem Ziel, nahmen Widrigkeiten in Kauf und ver-krafteten Rückschläge. Abends beim Einschlafen und morgensbeim Aufwachen hatte er immer ein ganz bestimmtes Bild vorAugen gehabt: Er stand ganz oben auf dem Siegertreppchenund bekam eine Goldmedaille umgehängt. Das war sein sehn-lichster Wunsch gewesen. Und er hatte alles dafür getan, dasser in Erfüllung ging: Er trainierte wie ein Besessener, späterging er auf ein Sportinternat, er absolvierte Wettkämpfe inungeahnter Zahl, gewann regionale, landes- und bundesweitePreise im Zehnkampf und gehörte auch dem Nationalkader an.Doch kurz vor seinem Abitur hatte sich herausgestellt, dasssein Rücken zu schwach für den Leistungssport war. Das hattedas Aus für seine Profikarriere und für seinen Traum von Olym-pia bedeutet. Nach einer Zeit der Wut und der Enttäuschunghatte er es allerdings geschafft, seine Energie und seinen Ehr-geiz in sein Bauingenieurstudium zu legen. Und nun stand ermit seinem Vater wieder vor diesem alten Stadion, in dem erso viel Zeit verbracht hatte.„Papa, was soll das?“, fragte er erstaunt.„Komm einfach mit.“ 17
  19. 19. Kopfschüttelnd begleitete Martin seinen Vater ins Stadion. Siegingen an der Balustrade entlang und setzen sich auf die alteTribüne. In Martins Nase krochen langsam vertraute Gerüche.Er blickte in den Innenraum. Vor ihm lag die Weitsprunggrube,dahinter die Laufbahnen. Er erinnerte sich an die vielen Trai-ningseinheiten zum Stabhochsprung auf der Gegengeraden.Nacheinander wanderten seine Augen die Punkte entlang, andenen die Disziplinen für den Zehnkampf stattfanden.„Hier hat dein olympischer Traum begonnen“, durchbrach seinVater die Erinnerung. „Du warst jede freie Minute im Stadion.Manchmal musste ich dich zum Essen holen, weil du einfachdie Zeit vergessen hattest. Hier warst du glücklich. Ich denke,es ist genau der richtige Ort, an dem du deine Gefühle zulas-sen kannst, um herauszufinden, was du wirklich willst.“Das stimmt, hier bin ich mir selbst sehr nahe, stellte Martinfest.„Wie weit bist du denn mit deinen Überlegungen zum Fami-lienunternehmen Ritter?“, fragte Werner.„Seit dem Gespräch mit dem Alten habe ich eine Plus-Minus-Liste gemacht. Aber die hilft mir auch nicht weiter. Nehme ichdie Stelle, die das andere Unternehmen mir angeboten hat, binich finanziell und beruflich erst einmal gut aufgestellt, undSilvia und ich könnten sogar über Kinder nachdenken. Über-nehme ich die Nachfolge, so gehe ich ein Risiko ein. Die FirmaRitter steht nicht gut da. Aber die Familientradition fortzu-führen, indem ich das Unternehmen rette, reizt mich sehr.Selbstständig machen möchte ich mich so oder so – allerdingshatte ich das erst für später geplant. Ich bin noch so jung undmir mangelt es an Berufserfahrung.“„Ein altes Sprichwort lautet: ‚Ein Schiff im Hafen ist sicher.Aber dafür werden Schiffe nicht gebaut.’ Jeder geht ein ge-wisses Risiko ein, Martin. Es kommt darauf an, einzuschätzen,wie hoch es ist. Was sagt dir denn dein Herz?“18
  20. 20. „Ich kann nicht darauf warten, dass der Erfolg zu mir kommt.Ich muss zum Erfolg kommen. Deshalb möchte ich eigentlichdas Familienunternehmen. Das geht aber nur, wenn der Alteabtritt und zwar so schnell wie möglich. Aber dann habe ichkeine gescheite Übergabe.“„Ich will dich nicht beeinflussen. Deine größte Fehlentschei-dung wäre allerdings, keine Entscheidung zu treffen.“„Ich weiß, aber …“„Denk an deinen olympischen Traum. Ist der Wunsch nach die-ser Herausforderung so intensiv wie damals, als du als kleinerJunge davon träumtest, ganz oben mit der Goldmedaille aufdem Treppchen zu stehen?“„Ja. Aber ich bin ängstlich und schaffe das nicht allein. Hilfstdu mir?“„Nur wer Angst hat, entwickelt Mut. Und dass du mutig bist,hast du schon oft bewiesen. Es war dir stets wichtig, dass ichbei deinen Wettkämpfen dabei war. Und das tat ich gern. Dasist heute nicht anders. Natürlich helfe ich dir, was glaubst dudenn?“In Martin machte sich Erleichterung breit. „Also los, dann lassuns mit der Arbeit beginnen!“, rief er begeistert.„Ja, gerne. Aber ich muss zunächst über die Nachfolge nach-denken. Es gibt kein Erfolgsrezept für eine ideale Übergabe– wir brauchen eine individuelle Lösung. Deshalb stellen wirzunächst alles zusammen, was dafür nötig ist. Die Übergabesollte schnell, am besten innerhalb eines Monats, durchgezo-gen werden. Das wird klappen, weil mein Bruder Karl-Heinzeine faule Socke ist und schnell aus dem Unternehmen ver-schwinden will. Und wenn das geschafft ist, bringe ich dir al-les andere nach und nach bei. In ein paar Jahren hast du allesdrauf. Und weißt du was? Ich freue mich darauf.“ 19
  21. 21. Auf der Heimfahrt fühlte sich Martin großartig. Er hatte einenEntschluss gefasst und war völlig beseelt von seinem Vorha-ben. Es war das gleiche Gefühl wie damals als Junge: Ich will!Und dass mein Vater wieder mit dabei ist, macht mich glücklich.Ein paar Tage später rief Martin seinen Onkel an und teilte ihmseinen Entschluss mit.20
  22. 22. Expertenwissen auf einen Klick … Gratis Download: MiniBooks – Wissen in Rekordzeit MiniBooks sind Zusammenfassungen ausgewählter BusinessVillage Bücher aus der Edition PRAXIS.WISSEN. Komprimiertes Know-how renommierter Experten – für das kleine Wissens-Update zwischendurch. Wählen Sie aus mehr als zehn MiniBooks aus den Bereichen: Erfolg & Karriere, Vertrieb & Verkaufen, Marketing und PR. Æ www.BusinessVillage.de/Gratis BusinessVillage Update your Knowledge! Verlag für die Wirtschaft

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