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BusinessVillage
STEFAN DUDAS
VOLL
SINN
NUR WAS SINN MACHT,
KANN UNS ERFÜLLEN.
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STEFAN DUDAS
NUR WAS SINN MACHT,
KANN UNS ERFÜLLEN.
Stefan Dudas
Voll Sinn
Nur was Sinn macht, kann uns erfüllen.
1. Auflage 2017
© BusinessVillage GmbH, Göttingen
Bestellnummern
ISBN 978-3-86980-394-4 (Druckausgabe)
ISBN 978-3-86980-395-1 (E-Book, PDF)
Direktbezug www.BusinessVillage.de/bl/1033
Bezugs- und Verlagsanschrift
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Reinhäuser Landstraße 22
37083 Göttingen
Telefon:	 +49 (0)5 51 20 99-1 00
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Layout und Satz
Sabine Kempke
Autorenfoto
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Druck und Bindung
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Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung
außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages
unzulässig und strafbar.
Das gilt insbesondere für Vervielfältigung, Übersetzung, Mikroverfilmung und die Einspei-
cherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Alle in diesem Buch enthaltenen Angaben, Ergebnisse usw. wurden von dem Autor nach
bestem Wissen erstellt. Sie erfolgen ohne jegliche Verpflichtung oder Garantie des Verlages.
Er übernimmt deshalb keinerlei Verantwortung und Haftung für etwa vorhandene Unrich-
tigkeiten.
Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem
Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche
Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten
wären und daher von jedermann benutzt werden dürfen.
Inhalt | 5
Inhalt
Über den Autor .............................................................................. 9
Mehr als ein persönliches Vorwort: Sinnieren über den Sinn? ............ 11
1.	Sinn – Warum die Zeit reif ist ..................................................... 19
1.1	Fünf Gründe, warum Sinn gerade heute Sinn macht ..................... 20
1.2	Willkommen in der Rushhour des Lebens.................................... 34
1.3	Sinn? Reine Philosophie?......................................................... 38
1.4	Vergiss alle Erfolgsregeln ........................................................ 40
2.	Die Showtime ist zu Ende: Masken runter!.................................... 45
2.1	Jetzt mal ehrlich: Die spinnen, die Menschen! ............................ 46
2.2	Warum wir es tun: Bitte, bitte! Hab mich lieb! ........................... 51
2.3	Jenseits des Seins: Wie ich wäre, wenn ich wirklich ich selbst
sein könnte .......................................................................... 60
2.4	Die Welt wird transparent. Schrecklich transparent ...................... 65
2.5	Nur authentische Unternehmen überleben.................................. 66
3.	Mensch, was willst du eigentlich wirklich? .................................. 71
3.1	Die banalste Frage des Lebens und warum wir über siebzig
Prozent unserer Lebenszeit wegwerfen....................................... 72
3.2	Freiheit 2.0 – Können wir damit überhaupt umgehen?.................. 76
3.3	Vom Lifestyle zum Stil deines Lebens......................................... 84
3.4	Talent, Gegenwind und Sinn..................................................... 92
4.	Der Traum vom eigenen Traum..................................................... 95
4.1	Lebenszeit gegen Geld? Das 1×1 deines Lebens........................... 96
4.2	Der große Traum: Warum ihn die meisten nicht anrühren ….......... 99
4.3	Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Ein Geheimnis wird
gelüftet.............................................................................. 110
4.4	Der Traum von der Karriere oder: Zur Sinnlosigkeit befördert ....... 111
4.5	Traumsuche mit Sinn ............................................................ 115
4.6	Fokus im Alltag bewahren: Zwei Tools ..................................... 118
6 | Inhalt
5.	Sinn-Produktion....................................................................... 121
5.1	Sinn? Wie denn? Was denn? Wo denn?..................................... 122
5.2	Die Anleitung für den Sinn deines Lebens ................................ 126
5.3	Leben mit Sinn – eine Frage der Haltung ................................. 128
5.4	Beziehungen schaffen und Punkte verbinden............................ 133
5.5	Sinnige Konzepte: Ikigai und Hygge ....................................... 137
6.	Vorsicht! Heilige Kühe!............................................................. 145
6.1	Heilige Kühe im Leben: Darüber müsste man mal sprechen …..... 146
6.2	Glück ist Sinn oder Sinn ist Glück? ......................................... 156
6.3	Die heilige Kuh bedingungsloses Grundeinkommen – und was
sie mit Sinn am Hut hat ....................................................... 158
6.4	Das letzte Tabu: Der Tod ....................................................... 162
7.	Wir optimieren auf Leistung statt auf Wirkung .......................... 165
7.1	Der klassische Denkfehler: Wir verkaufen eine Leistung ............. 166
7.2	Die Angst vor der eigenen Position – im Leben und in der
Arbeitswelt ......................................................................... 173
7.3	Leistung zählt nicht. – Hör auf dein Herz und alles wird gut.
Echt jetzt?.......................................................................... 176
7.4	Das Wirkungsprinzip im Unternehmen ..................................... 179
8.	Zwischen Voll-, Schwach- und Unsinn......................................... 189
8.1 Macht eigentlich alles Sinn? .................................................. 190
8.2	Alles Ausreden? Warum Ausreden keinen Sinn machen................ 192
8.3	Alles sinnlos? Wenn nichts mehr Sinn macht............................. 199
8.4	Alles (Un)sinn? Spirituelle Schnellhilfe für Dummys................... 201
8.5	An den Sinn glauben? In dieser Welt?...................................... 204
8.6	Sind wir denn noch zu retten? Burn Baby, burn …..................... 205
8.7	Sinn im Unternehmen oder: Das nächste Management-Schwein
kommt ins Dorf.................................................................... 207
9.	Die neue Rolle der Führung: Wie man das Team zur Besinnung
bringt ..................................................................................... 211
9.1	Besinnungsloses Team auf Kurs bringen?.................................. 217
9.2	Von einem coolen Ding zum nächsten …................................. 219
9.3	Klarheit finden: Die neue Rolle als Führender.............................221
Inhalt | 7
10. Wie andere die Sinnfrage angehen........................................... 225
10.1 Vom Buch ins Leben.......................................................... 226
10.2 Persönlichkeiten zum Thema Sinn........................................ 227
Nachwort – Kleines Manifest des Sinns.......................................... 253
Dank........................................................................................... 258
Verzeichnis der verwendeten und weiterführender Literatur............. 260
Die Website zum Buch.................................................................. 263
Über den Autor | 9
Über den Autor
Stefan Dudas ist Business-Experte für Sinnge-
bung und ist im deutschsprachigen Raum be-
kannt als Keynote-Speaker, Coach und Autor.
Mit seiner suxess AG hat er in diversen Unter-
nehmen seinen Ansatz des sinnbasierten Ma-
nagements implementiert.
Schon mit siebzehn Jahren stellte sich Stefan
Dudas die Frage, welches die entscheidenden
Faktoren sind, damit Menschen einen tieferen
Sinn im Leben erkennen, ihr Leben bewusst ge-
nießen und Spaß haben. Stefan Dudas sammelte bereits in jungen Jahren
Erfahrung in der Führungsverantwortung in verschiedenen Unternehmen
– zuletzt als Geschäftsführer eines Tochter-Unternehmens des größten
Schweizer Medienkonzerns.
Der Vordenker legt mit seinen Impulsvorträgen humorvoll und tiefsinnig
das Fundament für neue Denk-Ansätze und mehr Sinnerfüllung in Arbeit
und Leben. Stefan Dudas gibt sein Wissen und seine Erfahrung auch als
Dozent an verschiedenen Bildungseinrichtungen weiter. Als Speaker, Coach
und Autor steht der Schweizer Businessexperte im Ruf, das Bewusstsein
für Sinn in den Unternehmen und in unserer Gesellschaft zu schärfen. Dies
macht er auf seine eigene Art: berührend, humorvoll, echt.
Kontakt
E-Mail:	 info@stefandudas.com
Web:	 www.stefandudas.com; www.suxess.ch
		www.voll-sinn.com (Webseite zu diesem Buch)
Mehr als ein persönliches Vorwort:
Sinnieren über den Sinn?
12 | Mehr als ein persönliches Vorwort: Sinnieren über den Sinn?
Es gibt einen ganz einfachen Weg herauszufinden, was sich Menschen
wirklich wünschen. Von was sie insgeheim träumen, ohne dies jemandem
zu verraten. Man analysiert einfach, mit welchen Auslösern die Werbung
arbeitet. Schon vor dreißig Jahren saß der einsame Cowboy nur mit seinem
treuesten Begleiter (seinem Pferd) an einem Lagerfeuer. Um ihn herum
nur die Stille der Natur und sonst nichts. In der nächsten Einstellung zieht
er genüsslich an einer Zigarette. Diese Werbefigur stand (und steht im-
mer noch) für Individualität, in absoluter Freiheit leben und niemandem
Rechenschaft ablegen müssen. Auch Bierwerbung zielt auf die gleichen
Muster ab: Ein großes Segelschiff und im Hintergrund hört man »Sail away
…«. Ja, Freiheit kann so einfach sein. Etwas Tabak, ein Bier und gut ist.
Menschen wünschen sich frei zu sein. Sie wünschen sich sinnvolle Dinge zu
tun. Mit zunehmendem Alter stellen wir uns mehr als einmal die Frage, ob
es das jetzt gewesen ist. Ob wir wirklich schon alles gemacht haben, was
wir eigentlich mal vorhatten zu machen. Haben wir unsere frühen Träume
umgesetzt und hat unser Leben einen Sinn gemacht?
So unmöglich diese Frage zu beantworten scheint, so wichtig ist es, sie
zu stellen und darüber nach- und vorzudenken. Schließlich geht es ja um
nichts weniger als um unser eigenes Leben.
Der Mensch kann ohne Sinn nicht sein. Er stirbt zwar nicht gleich, wenn
der Sinn fehlt. Zumindest nicht körperlich. Aber ein Leben ohne bewusst
erlebten Sinn ist trübe. Langweilig. Voller Hamsterräder, die uns abstump-
fen lassen. Sinn ist also eigentlich lebenswichtig.
Trotzdem funktioniert unsere Gesellschaft scheinbar anders. Die meisten
Menschen sind so sehr mit ihrem Leben beschäftigt, dass sie vergessen
darüber nachzudenken, was sie eigentlich wirklich wollen im Leben. Sie
funktionieren und mit etwas Glück auch nahezu perfekt. Die eigene per-
sönliche Freiheit besteht aus drei Wochen Urlaub auf Teneriffa im Sommer
und Skiurlaub im Winter. Dazwischen tun wir, was von uns erwartet wird.
Mehr als ein persönliches Vorwort: Sinnieren über den Sinn? | 13
Schließlich funktioniert ja eigentlich alles. Es geht uns ja gut. Wir haben
in unseren Breitengraden einen großen Wohlstand. Es gibt jeden Tag neue
technische Errungenschaften, die uns das Leben (vermeintlich) vereinfa-
chen. Medizinisch ist vieles möglich, wovon wir vor Jahren noch geträumt
haben. Zudem bekommen wir heute fast jede Information, die wir benöti-
gen, (und auch alle anderen) in Sekundenbruchteilen aufs Smartphone ge-
liefert. Kein Grund zu Klagen also? Glaubt man den Umfragen, ist trotzdem
eine Unzufriedenheit zu bemerken. Die Zahl der Burn-out-Erkrankungen
steigt und in vielen Köpfen ist Angst. Angst, dass der Arbeitsplatz nicht
sicher ist. Angst, dass in den Flüchtlingsdebatten die falschen Entschei-
dungen gefällt werden. Angst vor Terror. Angst vor der Digitalisierung. Und
natürlich – ganz wichtig – Angst vor der Zukunft. Macht das Sinn?
Ich bin kein Philosoph – zumindest habe ich nicht Philosophie studiert.
Aber bereits im zarten Alter von siebzehn Jahren ist bei mir die Frage auf-
getaucht, warum es Menschen gibt, die ihr Leben mit Begeisterung, Spaß
und echter Lebendigkeit genießen, und andere, die einfach nur zu exis-
tieren scheinen. Ja, ich wähle extra das Wort »existieren«. Frühmorgens
aufstehen, im Stau zur Arbeit fahren, acht bis zwölf Stunden arbeiten, im
Stau nach Hause fahren, essen, fernsehen, schlafen gehen, um dann früh-
morgens wieder aufzustehen. Kurz vor dem Einschlafen denkt man kurz
darüber nach, ob es das jetzt wirklich schon gewesen ist. Man grübelt, was
einen überhaupt noch antreibt, erfreut oder sogar begeistert. Während
man noch grübelt, übermannt einen der Schlaf und das Spiel beginnt mor-
gen von Neuem.
Das Interessante daran ist, dass sich Menschen sehr schnell mit ihrem Le-
ben arrangieren. Das ist natürlich evolutionär sinnvoll, um das Überleben
der Menschheit zu sichern. Ein Mensch ist fähig, sich in fast jeder Situation
zurechtzufinden. Zudem schützt er seine Lebensdenkmuster. Denn wenn
jemand von außen kommt und sagt, dass sein Leben schon lange von der
Lethargie und Angst übernommen wurde, ist das für das Weltbild und das
Selbstwertgefühl dieser Person gefährlich. Er wird diesen Umstand vernei-
14 | Mehr als ein persönliches Vorwort: Sinnieren über den Sinn?
nen, den Kritiker auslachen, bekämpfen und auf Facebook blockieren. Um
seine Sicht des Lebens zu schützen. Hierzu sehr passend ist dann auch der
nett gemeinte Ratschlag (von Menschen, die ja nur helfen wollen), man
dürfe sich nicht in das Leben seiner Mitmenschen einmischen. Was für
mich richtig ist, müsse für andere ja nicht richtig sein. Absolute Zustim-
mung von mir. Ich bin auch der Meinung, dass wir nicht das Recht haben,
uns in das Leben anderer zu zwängen und zu meinen, dass wir besser
wissen können, was richtig und wichtig für die Person ist. Aber trotzdem
kann man Menschen immer mal wieder zum Denken bringen. Genau das ist
meine Absicht als Redner: Menschen zu inspirieren und anzuregen. Denn
oft, sehr oft, denken Menschen nicht über ihr eigenes Leben nach. Dieses
Denken möchte ich auch niemandem abnehmen, aber ich gebe gerne den
Impuls hierzu und helfe gerne die eigenen Gedanken neben der Bewälti-
gung des Alltages einmal auf das Wichtigste zu richten: das eigene Leben.
Sinn ist ja ein schönes, persönliches Thema. Aber für die breite Masse
ist es trotzdem kein Thema …
Doch das ändert sich gerade. Die Sinnfrage wird heute in einer neuen Qua-
lität gestellt. Es geht nicht mehr nur um den individuellen privaten Sinn
des Lebens, sondern plötzlich wird die Sinnfrage in den Führungsetagen
der Unternehmen gestellt. Die Sinnfrage ist heute weder Privatsache noch
haftet ihr länger der akademisch universitäre Pathos an. Mit Büchern wie
Bodo Janssens Die stille Revolution: Führen mit Sinn und Menschlichkeit hat
eine Diskussion begonnen, die offenlegt, dass sich kaum eine Organisation
der Sinnfrage entziehen kann. Wenn Mitarbeiter auswählen können, wo
sie arbeiten wollen, dann reicht Geld als Anreiz und alleinige Zielgröße
nicht mehr.
Wenn Sinn in der Kommunikation und im Marketing fehlt, wird man schon
in sehr naher Zukunft keine Top-Mitarbeiter mehr finden und die Kunden
werden sich von diesen Unternehmen abwenden. Also einmal mehr Verän-
Mehr als ein persönliches Vorwort: Sinnieren über den Sinn? | 15
derungen über Veränderungen. Reicht es nicht einmal? Können wir nicht
einfach nur mal zufrieden sein mit dem, was wir haben?
Man muss doch auch mal zufrieden sein.
Diesen Satz höre ich immer wieder. Sei es in Unternehmen oder bei Pri-
vat-Coachingkunden. Hauptsache wir sind gesund. Sind wir das wirklich?
Ein Blick in die Verfassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt
Klarheit über den Begriff »Gesundheit«: »Die Gesundheit ist ein Zustand
des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und
nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.« Das ist praktisch für
die Gesundheitsbranche. Denn durch diese Definition sind wir fast auto-
matisch krank. Definieren Sie doch bitte soziales Wohlergehen! Ist damit
nicht einfach gemeint, wenn wir im Leben erfolgreich unterwegs sind?
Ist denn eine Gesellschaft erfolgreich, wenn …
•	 Druck herrscht (Du musst erfolgreicher sein als dein Nachbar)?
•	 niemals gelernt wird, was das Leben wirklich ausmacht?
•	 laut dem Job-Stress-Index 2016 der Gesundheitsförderung Schweiz
jeder vierte Erwerbstätige erschöpft ist und Burn-out-ähnliche Phasen
erlebt?
•	 jeden Freitag in den Radios die Endlich-Freitag-Berieselung startet
und sich jeden Montag versteinerte Gesichter und die dazugehörigen
Körper zur Arbeit zwingen?
•	 die allermeisten Menschen in dieser Gesellschaft nie ernsthaft darüber
nachdenken, wie sie wirklich leben möchten und was ihnen privat und
beruflich Befriedigung und Sinn gibt?
Eigentlich geht es doch darum, wirklich glücklich zu sein. Glücklich mit
sich selbst und seinem Leben. Um das zu beurteilen, muss man zuerst
wieder lernen ehrlich zu sich selbst zu sein. Fernab von eingebrannten
Denkmustern, gesellschaftlichen Konventionen und persönlichen Vernebe-
lungen und Schutzbehauptungen. Richtig schwer.
16 | Mehr als ein persönliches Vorwort: Sinnieren über den Sinn?
Früher definierte ich berufliches Glück damit, dass ich einen gut bezahlten
Job hatte und mir vieles leisten konnte. Heute definiere ich als berufliches
Glück, dass ich das tun kann im Leben, was ich wirklich will. Meine Arbeit,
soweit ich das im klassischen Sinn Arbeit nennen darf, macht mir großen
Spaß und bringt mir eine große innere Befriedigung, und überdies kann
ich noch sehr gut von dem, was ich mache, leben.
Doch denke ich wirklich utopisch oder sogar naiv, wenn ich fordere, dass
jeder so leben sollte? Ein Leben wie das meine können niemals alle errei-
chen, wird mir oft entgegnet und der Einwand stimmt. Eine solche Lebens-
situation ist nicht für alle erreichbar. Sie ist nur erreichbar für Menschen,
die sich überhaupt damit befassen.
Ich wurde schon von Journalisten gefragt, ob ich ein Sinnstifter sei. Dies
ist zwar sehr nett gemeint, aber nein. Sinn kann man nicht stiften. Sinn
kann man nur anbieten. Denn jeder Mensch hat eine individuelle Defini-
tion von Sinn. Ich kann anbieten, dass Sie sich mit mir zusammen einige
Gedanken zu diesem Thema und damit zu Ihrem persönlichen Leben ma-
chen. Mit Leben meine ich immer das Privat- und das Businessleben.
Sie befassen sich mit diesem wichtigen Thema. Oder haben zumindest das
Buch gekauft und schon einmal bis hierher gelesen. Dazu gratuliere ich
Ihnen.
Weil das Thema ein sehr persönliches ist, werde ich Sie in diesem Buch ab
sofort duzen. Das ist einfacher zu lesen und besser zu verstehen. Ich hoffe,
dieses gegenseitige Du ist für dich in Ordnung.
Um dich schon mal zu warnen: Es wird in diesem Buch keinen heiligen
Sinn-Gral geben. Sinn kann man sich erschaffen, indem man sich vieles
bewusst macht, darüber nachdenkt und dann Veränderungen an und in
seinem Leben tatsächlich vornimmt. Das ist ein unglaublich spannender
Mehr als ein persönliches Vorwort: Sinnieren über den Sinn? | 17
Prozess. Der wichtigste Prozess überhaupt. Denn dieser Prozess ist lebens-
verändernd. Er entscheidet, ob du glücklich und erfüllt bist oder nicht.
Leider lernen wir darüber nichts in der Schule. Die Lese- und Nachdenkzeit,
die du mit diesem Buch verbringst, ist also bestens investiert. Nicht weil
es mein Buch ist, sondern weil es dein Leben betrifft, und das kannst nur
du ändern.
Ich wünsche dir spannende Erkenntnisse und viele sinnreiche Entdeckun-
gen.
Dein
1.
Sinn – Warum die Zeit reif ist
20 | Sinn – Warum die Zeit reif ist
1.1	Fünf Gründe, warum Sinn gerade heute Sinn
macht
Businesscoachingtermin. Ein vierundvierzigjähriger, sehr gut gekleideter
Mann sitzt mir gegenüber. Der Mann, CEO eines Unternehmens für Pharma-
zubehör, erzählt mir von seinem Leben:
»Ich habe keinen Grund zu klagen. Ich habe sehr schnell Karriere gemacht.
Ja, ›Karriere‹. Ich habe das gemacht, was alle von mir erwartet haben. Heu-
te habe ich eigentlich alles. Einen gut bezahlten Job, eine tolle Frau, zwei
wunderbare Kinder, ein schönes, großes Haus, eine Nanny, Autos und genug
Geld.«
»Und warum wollen Sie ein Coaching mit mir?«, frage ich.
Er denkt kurz nach und antwortet: »Ich möchte in Zukunft etwas tun, was
wirklich Sinn für mich macht. Können Sie das verstehen?«
Ich lächle ihm zu: »Ich kann das sogar sehr gut verstehen.«
In meiner Coachingarbeit höre ich vermehrt von solchen Lebenssituatio-
nen. Scheinbar (von außen betrachtet) erfolgreiche Menschen, die sich
irgendwann die Frage stellen, was sie eigentlich mit ihrem Leben tun. Das
hat wenig mit einer Midlife-Crisis zu tun, sondern viel mehr mit unserer
Gesellschaft und unserem heutigen Verständnis von Leben, von Arbeit und
vom Lebenserfolg. Dieses Verständnis beruht auf alten Denkmustern und
wir tragen diese schon seit Jahrzehnten mit uns herum. Das Problem dabei
ist, dass sich alles um uns herum schon massiv verändert hat und sich
laufend weiter stark verändert. Wäre da nicht auch ein Denkmuster-Update
angebracht?
Ich glaube nicht einmal, dass das eigentliche Problem eine Burn-out- oder
eine Sinnkrise ist. Das viel bedeutsamere Problem ist, dass viele Menschen
unbewusst resigniert haben oder – noch schlimmer – nie wirklich begon-
nen haben, ihr eigenes Leben zu leben. Die Zeit könnte nicht besser sein,
um noch mehr über Sinn und Unsinn zu sprechen und nachzudenken. Aus
meiner Sicht fallen in unserer Zeit fünf gewichtige Faktoren zusammen.
Sinn – Warum die Zeit reif ist | 21
Diese sind – ohne dass die Reihenfolge eine Wertung darstellen soll:
Sinnfaktor 1: Generation XY ungelöst
Sinnfaktor 2: Der Irrtum von Maslow
Sinnfaktor 3: Leid, Schicksal und neue Lebensabschnitte
Sinnfaktor 4: Unsicherheit
Sinnfaktor 5: Relevanz im Business
Jeder Faktor für sich stellt bereits die Sinnfrage. In der Kombination, wie
wir die Welt im Moment vermehrt erleben, schaffen sie umwälzende Ver-
änderungen. Für jeden einzelnen Menschen und für Unternehmen und Ge-
sellschaft. Analysieren wir also diese fünf Faktoren.
Sinnfaktor 1: Generation XY ungelöst
Ich gebe es gleich am Anfang zu: Ich bin immer sehr skeptisch, wenn man
versucht, ganze Generationen über einen statistischen Kamm zu scheren.
Aber jede Generation wird bestimmt etwas anders ticken als die letzte. Das
war schon immer so und wird auch bei zukünftigen Generationen so sein.
Schon immer gab und gibt es den Konflikt der Generationen. »Die heutige
Jugend hat keinen Respekt mehr, will nur noch Party machen und hängt
den ganzen Tag an den Smartphones.« So könnte ein Urteil über die heu-
tige Jugend klingen. Völlig neu? Gar nicht. Sokrates (469 bis 399 v. Chr.)
soll schon gesagt haben: »Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat
schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den
älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute ste-
hen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen
ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die
Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.«
Wenn wir davon ausgehen, dass auch nur ein Teil davon stimmt, was die
Generationsforscher und -experten meinen, sind hier natürlich Tendenzen
ableitbar. Doch zuerst ein kurzer Überblick zur Generationen-Bezeichnung:
22 | Sinn – Warum die Zeit reif ist
Du fragst dich vielleicht, wie Generationexperten ableiten, wie Menschen
in den verschiedenen Generationen ticken sollen? Menschen werden ge-
prägt. Durch ihr Umfeld und natürlich auch durch die Zeit, in der sie auf-
gewachsen sind. So ist eine Generation, die noch den Kalten Krieg erlebt
hat, sicher davon geprägt und hat andere Verhaltensmuster als eine Gene-
ration, die mit dem 9/11-Terroranschlag in Amerika und dem Irak-Krieg
aufgewachsen ist.
Wie sich das Ganze auswirkt und welchen Einfluss dies auf das Thema Sinn
hat? Ein Beispiel: Meine Generation (Generation X) hat auf den Vorschlag
des Chefs, dass man befördert werden soll, ganz einfach reagiert mit einem
»Herzlichen Dank, Chef!«. Die Generation Y soll hier etwas differenzierter
vorgehen: Diese Mitarbeiter wägen ab, was sie durch die Beförderung mehr
bekommen, aber auch, was sie im Gegenzug dafür mehr leisten müssen. Sie
Sinn – Warum die Zeit reif ist | 23
analysieren dann die persönliche Work-Life-Balance und besprechen dies
zu Hause. Hohe Gehälter oder attraktive Boni alleine beeindrucken diese
Generation nicht mehr so. Zudem ist die Bereitschaft, den Arbeitgeber zu
wechseln, auch viel höher als früher.
Die Studie von PwC Millenials at work. Resharping the workplace wird noch
deutlicher zur Generation Y. Till Lohmann, Partner bei PwC: »Sie lehnen
hierarchische Strukturen ebenso ab wie Herrschaftswissen. Sie verachten
Stillstand, wünschen sich fortlaufend Feedback auf ihre Leistung zu erhal-
ten und erhoffen sich eine abwechslungsreiche berufliche Laufbahn. Mit
anderen Worten: Millenials erwarten einen Managementstil und eine Unter-
nehmenskultur, die sich in vielen Dingen von angestammten Strukturen
unterscheiden.« (PwC: Millenials at Work)
Im Jahr 2020 wird diese Generation bereits die Hälfte der erwerbstätigen
Bevölkerung (weltweit) ausmachen. Dieser Wandel sei wirklich spürbar, be-
stätigten mir schon viele Personalverantwortliche und Unternehmer. Ab
der Generation Y (ausgesprochen Why) stellt man sich also vermehrt die
Frage »Warum?«. Diese Digital Natives, wie die Generation Y auch bezeich-
net wird, stellen Althergebrachtes infrage. Denn Leistung und Lebensquali-
tät gehören für sie zusammen. In jungen Jahren hat diese Generation viel
Unsicherheit erlebt und anscheinend mit dieser Unsicherheit leben gelernt.
Daher gehen sie weniger Kompromisse ein.
Das bedeutet also, dass auch der Arbeitgeber attraktiv sein muss, um die
Generationen Y und Z ins Unternehmen zu locken und dort zu halten.
Denn natürlich möchte man die Besten haben. Die Besten können aber
auswählen und entscheiden sich für Unternehmen, die am besten zu ihnen
passen. Wer meint, man könne diese Generationen so führen, wie man
noch vor zwanzig Jahren geführt hat, irrt gewaltig. Diese Generation stellt
auch im Berufsleben die Sinnfrage. Ihnen ist es wichtig, etwas Sinnvolles
zu tun. Also bleibt den Unternehmen nichts anderes übrig als auch sinn-
voll zu kommunizieren und zu handeln (siehe Sinnfaktor 5).
Klug zweifeln
Es klingt gut, durchdacht, schlüssig. Und doch führen nicht wenige
Entscheidungen privat, wirtschaftlich oder politisch in Katastrophen.
Denn die vermeintlich guten Lösungen von heute schaffen die Probleme
von morgen.
Wir haben es einfach nicht im Griff. Aber das hindert uns nicht an
ungebrochenem und arrogantem Interventionismus. Wir greifen
allerorts ein und erfinden Modelle: Lebensmodelle, Wirtschaftsmodelle,
Führungsmodelle, Rezepte jeder Art. Doch wo führt das alles hin? Warum
sind wir so anfällig für die einfachen Lösungen? Hat unser Scheitern
System?
Heinz Jiraneks neues Buch liefert Antworten auf diese Fragen. Es lädt
Sie zu einer spannenden Reise durch eine kritische Weltbetrachtung ein,
vermittelt in packender Weise die praktischen Folgen der Systemtheorie
und rüttelt an unserem Glauben, alles in der Hand zu haben.
Doch was können wir tun? Die Lösung ist ganz einfach und schwierig
zugleich: Keinen simplifizierenden Kausalannahmen auf den Leim gehen.
Begreifen, was alles nicht geht. Vorhandenes Wissen nutzen. Denken.
Selbst denken.
Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, dann erzähl’ ihm von deinen
Plänen.
Heinz Jiranek
Klug zweifeln
Weil der zweite Gedanke oft der bessere ist.
Erkennen was dahintersteckt
342 Seiten; 2017; 24,95 Euro
ISBN 978-3-86980-390-6; Art-Nr.: 1025
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  • 1. BusinessVillage STEFAN DUDAS VOLL SINN NUR WAS SINN MACHT, KANN UNS ERFÜLLEN. Leseprobe
  • 3. VOLL SINN BusinessVillage STEFAN DUDAS NUR WAS SINN MACHT, KANN UNS ERFÜLLEN.
  • 4. Stefan Dudas Voll Sinn Nur was Sinn macht, kann uns erfüllen. 1. Auflage 2017 © BusinessVillage GmbH, Göttingen Bestellnummern ISBN 978-3-86980-394-4 (Druckausgabe) ISBN 978-3-86980-395-1 (E-Book, PDF) Direktbezug www.BusinessVillage.de/bl/1033 Bezugs- und Verlagsanschrift BusinessVillage GmbH Reinhäuser Landstraße 22 37083 Göttingen Telefon: +49 (0)5 51 20 99-1 00 Fax: +49 (0)5 51 20 99-1 05 E–Mail: info@businessvillage.de Web: www.businessvillage.de Layout und Satz Sabine Kempke Autorenfoto Suza Schlecht, Köln, www.ambassadoress.com Druck und Bindung Westermann Druck Zwickau GmbH Copyrightvermerk Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigung, Übersetzung, Mikroverfilmung und die Einspei- cherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Alle in diesem Buch enthaltenen Angaben, Ergebnisse usw. wurden von dem Autor nach bestem Wissen erstellt. Sie erfolgen ohne jegliche Verpflichtung oder Garantie des Verlages. Er übernimmt deshalb keinerlei Verantwortung und Haftung für etwa vorhandene Unrich- tigkeiten. Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürfen.
  • 5. Inhalt | 5 Inhalt Über den Autor .............................................................................. 9 Mehr als ein persönliches Vorwort: Sinnieren über den Sinn? ............ 11 1. Sinn – Warum die Zeit reif ist ..................................................... 19 1.1 Fünf Gründe, warum Sinn gerade heute Sinn macht ..................... 20 1.2 Willkommen in der Rushhour des Lebens.................................... 34 1.3 Sinn? Reine Philosophie?......................................................... 38 1.4 Vergiss alle Erfolgsregeln ........................................................ 40 2. Die Showtime ist zu Ende: Masken runter!.................................... 45 2.1 Jetzt mal ehrlich: Die spinnen, die Menschen! ............................ 46 2.2 Warum wir es tun: Bitte, bitte! Hab mich lieb! ........................... 51 2.3 Jenseits des Seins: Wie ich wäre, wenn ich wirklich ich selbst sein könnte .......................................................................... 60 2.4 Die Welt wird transparent. Schrecklich transparent ...................... 65 2.5 Nur authentische Unternehmen überleben.................................. 66 3. Mensch, was willst du eigentlich wirklich? .................................. 71 3.1 Die banalste Frage des Lebens und warum wir über siebzig Prozent unserer Lebenszeit wegwerfen....................................... 72 3.2 Freiheit 2.0 – Können wir damit überhaupt umgehen?.................. 76 3.3 Vom Lifestyle zum Stil deines Lebens......................................... 84 3.4 Talent, Gegenwind und Sinn..................................................... 92 4. Der Traum vom eigenen Traum..................................................... 95 4.1 Lebenszeit gegen Geld? Das 1×1 deines Lebens........................... 96 4.2 Der große Traum: Warum ihn die meisten nicht anrühren ….......... 99 4.3 Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Ein Geheimnis wird gelüftet.............................................................................. 110 4.4 Der Traum von der Karriere oder: Zur Sinnlosigkeit befördert ....... 111 4.5 Traumsuche mit Sinn ............................................................ 115 4.6 Fokus im Alltag bewahren: Zwei Tools ..................................... 118
  • 6. 6 | Inhalt 5. Sinn-Produktion....................................................................... 121 5.1 Sinn? Wie denn? Was denn? Wo denn?..................................... 122 5.2 Die Anleitung für den Sinn deines Lebens ................................ 126 5.3 Leben mit Sinn – eine Frage der Haltung ................................. 128 5.4 Beziehungen schaffen und Punkte verbinden............................ 133 5.5 Sinnige Konzepte: Ikigai und Hygge ....................................... 137 6. Vorsicht! Heilige Kühe!............................................................. 145 6.1 Heilige Kühe im Leben: Darüber müsste man mal sprechen …..... 146 6.2 Glück ist Sinn oder Sinn ist Glück? ......................................... 156 6.3 Die heilige Kuh bedingungsloses Grundeinkommen – und was sie mit Sinn am Hut hat ....................................................... 158 6.4 Das letzte Tabu: Der Tod ....................................................... 162 7. Wir optimieren auf Leistung statt auf Wirkung .......................... 165 7.1 Der klassische Denkfehler: Wir verkaufen eine Leistung ............. 166 7.2 Die Angst vor der eigenen Position – im Leben und in der Arbeitswelt ......................................................................... 173 7.3 Leistung zählt nicht. – Hör auf dein Herz und alles wird gut. Echt jetzt?.......................................................................... 176 7.4 Das Wirkungsprinzip im Unternehmen ..................................... 179 8. Zwischen Voll-, Schwach- und Unsinn......................................... 189 8.1 Macht eigentlich alles Sinn? .................................................. 190 8.2 Alles Ausreden? Warum Ausreden keinen Sinn machen................ 192 8.3 Alles sinnlos? Wenn nichts mehr Sinn macht............................. 199 8.4 Alles (Un)sinn? Spirituelle Schnellhilfe für Dummys................... 201 8.5 An den Sinn glauben? In dieser Welt?...................................... 204 8.6 Sind wir denn noch zu retten? Burn Baby, burn …..................... 205 8.7 Sinn im Unternehmen oder: Das nächste Management-Schwein kommt ins Dorf.................................................................... 207 9. Die neue Rolle der Führung: Wie man das Team zur Besinnung bringt ..................................................................................... 211 9.1 Besinnungsloses Team auf Kurs bringen?.................................. 217 9.2 Von einem coolen Ding zum nächsten …................................. 219 9.3 Klarheit finden: Die neue Rolle als Führender.............................221
  • 7. Inhalt | 7 10. Wie andere die Sinnfrage angehen........................................... 225 10.1 Vom Buch ins Leben.......................................................... 226 10.2 Persönlichkeiten zum Thema Sinn........................................ 227 Nachwort – Kleines Manifest des Sinns.......................................... 253 Dank........................................................................................... 258 Verzeichnis der verwendeten und weiterführender Literatur............. 260 Die Website zum Buch.................................................................. 263
  • 8. Über den Autor | 9 Über den Autor Stefan Dudas ist Business-Experte für Sinnge- bung und ist im deutschsprachigen Raum be- kannt als Keynote-Speaker, Coach und Autor. Mit seiner suxess AG hat er in diversen Unter- nehmen seinen Ansatz des sinnbasierten Ma- nagements implementiert. Schon mit siebzehn Jahren stellte sich Stefan Dudas die Frage, welches die entscheidenden Faktoren sind, damit Menschen einen tieferen Sinn im Leben erkennen, ihr Leben bewusst ge- nießen und Spaß haben. Stefan Dudas sammelte bereits in jungen Jahren Erfahrung in der Führungsverantwortung in verschiedenen Unternehmen – zuletzt als Geschäftsführer eines Tochter-Unternehmens des größten Schweizer Medienkonzerns. Der Vordenker legt mit seinen Impulsvorträgen humorvoll und tiefsinnig das Fundament für neue Denk-Ansätze und mehr Sinnerfüllung in Arbeit und Leben. Stefan Dudas gibt sein Wissen und seine Erfahrung auch als Dozent an verschiedenen Bildungseinrichtungen weiter. Als Speaker, Coach und Autor steht der Schweizer Businessexperte im Ruf, das Bewusstsein für Sinn in den Unternehmen und in unserer Gesellschaft zu schärfen. Dies macht er auf seine eigene Art: berührend, humorvoll, echt. Kontakt E-Mail: info@stefandudas.com Web: www.stefandudas.com; www.suxess.ch www.voll-sinn.com (Webseite zu diesem Buch)
  • 9. Mehr als ein persönliches Vorwort: Sinnieren über den Sinn?
  • 10. 12 | Mehr als ein persönliches Vorwort: Sinnieren über den Sinn? Es gibt einen ganz einfachen Weg herauszufinden, was sich Menschen wirklich wünschen. Von was sie insgeheim träumen, ohne dies jemandem zu verraten. Man analysiert einfach, mit welchen Auslösern die Werbung arbeitet. Schon vor dreißig Jahren saß der einsame Cowboy nur mit seinem treuesten Begleiter (seinem Pferd) an einem Lagerfeuer. Um ihn herum nur die Stille der Natur und sonst nichts. In der nächsten Einstellung zieht er genüsslich an einer Zigarette. Diese Werbefigur stand (und steht im- mer noch) für Individualität, in absoluter Freiheit leben und niemandem Rechenschaft ablegen müssen. Auch Bierwerbung zielt auf die gleichen Muster ab: Ein großes Segelschiff und im Hintergrund hört man »Sail away …«. Ja, Freiheit kann so einfach sein. Etwas Tabak, ein Bier und gut ist. Menschen wünschen sich frei zu sein. Sie wünschen sich sinnvolle Dinge zu tun. Mit zunehmendem Alter stellen wir uns mehr als einmal die Frage, ob es das jetzt gewesen ist. Ob wir wirklich schon alles gemacht haben, was wir eigentlich mal vorhatten zu machen. Haben wir unsere frühen Träume umgesetzt und hat unser Leben einen Sinn gemacht? So unmöglich diese Frage zu beantworten scheint, so wichtig ist es, sie zu stellen und darüber nach- und vorzudenken. Schließlich geht es ja um nichts weniger als um unser eigenes Leben. Der Mensch kann ohne Sinn nicht sein. Er stirbt zwar nicht gleich, wenn der Sinn fehlt. Zumindest nicht körperlich. Aber ein Leben ohne bewusst erlebten Sinn ist trübe. Langweilig. Voller Hamsterräder, die uns abstump- fen lassen. Sinn ist also eigentlich lebenswichtig. Trotzdem funktioniert unsere Gesellschaft scheinbar anders. Die meisten Menschen sind so sehr mit ihrem Leben beschäftigt, dass sie vergessen darüber nachzudenken, was sie eigentlich wirklich wollen im Leben. Sie funktionieren und mit etwas Glück auch nahezu perfekt. Die eigene per- sönliche Freiheit besteht aus drei Wochen Urlaub auf Teneriffa im Sommer und Skiurlaub im Winter. Dazwischen tun wir, was von uns erwartet wird.
  • 11. Mehr als ein persönliches Vorwort: Sinnieren über den Sinn? | 13 Schließlich funktioniert ja eigentlich alles. Es geht uns ja gut. Wir haben in unseren Breitengraden einen großen Wohlstand. Es gibt jeden Tag neue technische Errungenschaften, die uns das Leben (vermeintlich) vereinfa- chen. Medizinisch ist vieles möglich, wovon wir vor Jahren noch geträumt haben. Zudem bekommen wir heute fast jede Information, die wir benöti- gen, (und auch alle anderen) in Sekundenbruchteilen aufs Smartphone ge- liefert. Kein Grund zu Klagen also? Glaubt man den Umfragen, ist trotzdem eine Unzufriedenheit zu bemerken. Die Zahl der Burn-out-Erkrankungen steigt und in vielen Köpfen ist Angst. Angst, dass der Arbeitsplatz nicht sicher ist. Angst, dass in den Flüchtlingsdebatten die falschen Entschei- dungen gefällt werden. Angst vor Terror. Angst vor der Digitalisierung. Und natürlich – ganz wichtig – Angst vor der Zukunft. Macht das Sinn? Ich bin kein Philosoph – zumindest habe ich nicht Philosophie studiert. Aber bereits im zarten Alter von siebzehn Jahren ist bei mir die Frage auf- getaucht, warum es Menschen gibt, die ihr Leben mit Begeisterung, Spaß und echter Lebendigkeit genießen, und andere, die einfach nur zu exis- tieren scheinen. Ja, ich wähle extra das Wort »existieren«. Frühmorgens aufstehen, im Stau zur Arbeit fahren, acht bis zwölf Stunden arbeiten, im Stau nach Hause fahren, essen, fernsehen, schlafen gehen, um dann früh- morgens wieder aufzustehen. Kurz vor dem Einschlafen denkt man kurz darüber nach, ob es das jetzt wirklich schon gewesen ist. Man grübelt, was einen überhaupt noch antreibt, erfreut oder sogar begeistert. Während man noch grübelt, übermannt einen der Schlaf und das Spiel beginnt mor- gen von Neuem. Das Interessante daran ist, dass sich Menschen sehr schnell mit ihrem Le- ben arrangieren. Das ist natürlich evolutionär sinnvoll, um das Überleben der Menschheit zu sichern. Ein Mensch ist fähig, sich in fast jeder Situation zurechtzufinden. Zudem schützt er seine Lebensdenkmuster. Denn wenn jemand von außen kommt und sagt, dass sein Leben schon lange von der Lethargie und Angst übernommen wurde, ist das für das Weltbild und das Selbstwertgefühl dieser Person gefährlich. Er wird diesen Umstand vernei-
  • 12. 14 | Mehr als ein persönliches Vorwort: Sinnieren über den Sinn? nen, den Kritiker auslachen, bekämpfen und auf Facebook blockieren. Um seine Sicht des Lebens zu schützen. Hierzu sehr passend ist dann auch der nett gemeinte Ratschlag (von Menschen, die ja nur helfen wollen), man dürfe sich nicht in das Leben seiner Mitmenschen einmischen. Was für mich richtig ist, müsse für andere ja nicht richtig sein. Absolute Zustim- mung von mir. Ich bin auch der Meinung, dass wir nicht das Recht haben, uns in das Leben anderer zu zwängen und zu meinen, dass wir besser wissen können, was richtig und wichtig für die Person ist. Aber trotzdem kann man Menschen immer mal wieder zum Denken bringen. Genau das ist meine Absicht als Redner: Menschen zu inspirieren und anzuregen. Denn oft, sehr oft, denken Menschen nicht über ihr eigenes Leben nach. Dieses Denken möchte ich auch niemandem abnehmen, aber ich gebe gerne den Impuls hierzu und helfe gerne die eigenen Gedanken neben der Bewälti- gung des Alltages einmal auf das Wichtigste zu richten: das eigene Leben. Sinn ist ja ein schönes, persönliches Thema. Aber für die breite Masse ist es trotzdem kein Thema … Doch das ändert sich gerade. Die Sinnfrage wird heute in einer neuen Qua- lität gestellt. Es geht nicht mehr nur um den individuellen privaten Sinn des Lebens, sondern plötzlich wird die Sinnfrage in den Führungsetagen der Unternehmen gestellt. Die Sinnfrage ist heute weder Privatsache noch haftet ihr länger der akademisch universitäre Pathos an. Mit Büchern wie Bodo Janssens Die stille Revolution: Führen mit Sinn und Menschlichkeit hat eine Diskussion begonnen, die offenlegt, dass sich kaum eine Organisation der Sinnfrage entziehen kann. Wenn Mitarbeiter auswählen können, wo sie arbeiten wollen, dann reicht Geld als Anreiz und alleinige Zielgröße nicht mehr. Wenn Sinn in der Kommunikation und im Marketing fehlt, wird man schon in sehr naher Zukunft keine Top-Mitarbeiter mehr finden und die Kunden werden sich von diesen Unternehmen abwenden. Also einmal mehr Verän-
  • 13. Mehr als ein persönliches Vorwort: Sinnieren über den Sinn? | 15 derungen über Veränderungen. Reicht es nicht einmal? Können wir nicht einfach nur mal zufrieden sein mit dem, was wir haben? Man muss doch auch mal zufrieden sein. Diesen Satz höre ich immer wieder. Sei es in Unternehmen oder bei Pri- vat-Coachingkunden. Hauptsache wir sind gesund. Sind wir das wirklich? Ein Blick in die Verfassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt Klarheit über den Begriff »Gesundheit«: »Die Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.« Das ist praktisch für die Gesundheitsbranche. Denn durch diese Definition sind wir fast auto- matisch krank. Definieren Sie doch bitte soziales Wohlergehen! Ist damit nicht einfach gemeint, wenn wir im Leben erfolgreich unterwegs sind? Ist denn eine Gesellschaft erfolgreich, wenn … • Druck herrscht (Du musst erfolgreicher sein als dein Nachbar)? • niemals gelernt wird, was das Leben wirklich ausmacht? • laut dem Job-Stress-Index 2016 der Gesundheitsförderung Schweiz jeder vierte Erwerbstätige erschöpft ist und Burn-out-ähnliche Phasen erlebt? • jeden Freitag in den Radios die Endlich-Freitag-Berieselung startet und sich jeden Montag versteinerte Gesichter und die dazugehörigen Körper zur Arbeit zwingen? • die allermeisten Menschen in dieser Gesellschaft nie ernsthaft darüber nachdenken, wie sie wirklich leben möchten und was ihnen privat und beruflich Befriedigung und Sinn gibt? Eigentlich geht es doch darum, wirklich glücklich zu sein. Glücklich mit sich selbst und seinem Leben. Um das zu beurteilen, muss man zuerst wieder lernen ehrlich zu sich selbst zu sein. Fernab von eingebrannten Denkmustern, gesellschaftlichen Konventionen und persönlichen Vernebe- lungen und Schutzbehauptungen. Richtig schwer.
  • 14. 16 | Mehr als ein persönliches Vorwort: Sinnieren über den Sinn? Früher definierte ich berufliches Glück damit, dass ich einen gut bezahlten Job hatte und mir vieles leisten konnte. Heute definiere ich als berufliches Glück, dass ich das tun kann im Leben, was ich wirklich will. Meine Arbeit, soweit ich das im klassischen Sinn Arbeit nennen darf, macht mir großen Spaß und bringt mir eine große innere Befriedigung, und überdies kann ich noch sehr gut von dem, was ich mache, leben. Doch denke ich wirklich utopisch oder sogar naiv, wenn ich fordere, dass jeder so leben sollte? Ein Leben wie das meine können niemals alle errei- chen, wird mir oft entgegnet und der Einwand stimmt. Eine solche Lebens- situation ist nicht für alle erreichbar. Sie ist nur erreichbar für Menschen, die sich überhaupt damit befassen. Ich wurde schon von Journalisten gefragt, ob ich ein Sinnstifter sei. Dies ist zwar sehr nett gemeint, aber nein. Sinn kann man nicht stiften. Sinn kann man nur anbieten. Denn jeder Mensch hat eine individuelle Defini- tion von Sinn. Ich kann anbieten, dass Sie sich mit mir zusammen einige Gedanken zu diesem Thema und damit zu Ihrem persönlichen Leben ma- chen. Mit Leben meine ich immer das Privat- und das Businessleben. Sie befassen sich mit diesem wichtigen Thema. Oder haben zumindest das Buch gekauft und schon einmal bis hierher gelesen. Dazu gratuliere ich Ihnen. Weil das Thema ein sehr persönliches ist, werde ich Sie in diesem Buch ab sofort duzen. Das ist einfacher zu lesen und besser zu verstehen. Ich hoffe, dieses gegenseitige Du ist für dich in Ordnung. Um dich schon mal zu warnen: Es wird in diesem Buch keinen heiligen Sinn-Gral geben. Sinn kann man sich erschaffen, indem man sich vieles bewusst macht, darüber nachdenkt und dann Veränderungen an und in seinem Leben tatsächlich vornimmt. Das ist ein unglaublich spannender
  • 15. Mehr als ein persönliches Vorwort: Sinnieren über den Sinn? | 17 Prozess. Der wichtigste Prozess überhaupt. Denn dieser Prozess ist lebens- verändernd. Er entscheidet, ob du glücklich und erfüllt bist oder nicht. Leider lernen wir darüber nichts in der Schule. Die Lese- und Nachdenkzeit, die du mit diesem Buch verbringst, ist also bestens investiert. Nicht weil es mein Buch ist, sondern weil es dein Leben betrifft, und das kannst nur du ändern. Ich wünsche dir spannende Erkenntnisse und viele sinnreiche Entdeckun- gen. Dein
  • 16. 1. Sinn – Warum die Zeit reif ist
  • 17. 20 | Sinn – Warum die Zeit reif ist 1.1 Fünf Gründe, warum Sinn gerade heute Sinn macht Businesscoachingtermin. Ein vierundvierzigjähriger, sehr gut gekleideter Mann sitzt mir gegenüber. Der Mann, CEO eines Unternehmens für Pharma- zubehör, erzählt mir von seinem Leben: »Ich habe keinen Grund zu klagen. Ich habe sehr schnell Karriere gemacht. Ja, ›Karriere‹. Ich habe das gemacht, was alle von mir erwartet haben. Heu- te habe ich eigentlich alles. Einen gut bezahlten Job, eine tolle Frau, zwei wunderbare Kinder, ein schönes, großes Haus, eine Nanny, Autos und genug Geld.« »Und warum wollen Sie ein Coaching mit mir?«, frage ich. Er denkt kurz nach und antwortet: »Ich möchte in Zukunft etwas tun, was wirklich Sinn für mich macht. Können Sie das verstehen?« Ich lächle ihm zu: »Ich kann das sogar sehr gut verstehen.« In meiner Coachingarbeit höre ich vermehrt von solchen Lebenssituatio- nen. Scheinbar (von außen betrachtet) erfolgreiche Menschen, die sich irgendwann die Frage stellen, was sie eigentlich mit ihrem Leben tun. Das hat wenig mit einer Midlife-Crisis zu tun, sondern viel mehr mit unserer Gesellschaft und unserem heutigen Verständnis von Leben, von Arbeit und vom Lebenserfolg. Dieses Verständnis beruht auf alten Denkmustern und wir tragen diese schon seit Jahrzehnten mit uns herum. Das Problem dabei ist, dass sich alles um uns herum schon massiv verändert hat und sich laufend weiter stark verändert. Wäre da nicht auch ein Denkmuster-Update angebracht? Ich glaube nicht einmal, dass das eigentliche Problem eine Burn-out- oder eine Sinnkrise ist. Das viel bedeutsamere Problem ist, dass viele Menschen unbewusst resigniert haben oder – noch schlimmer – nie wirklich begon- nen haben, ihr eigenes Leben zu leben. Die Zeit könnte nicht besser sein, um noch mehr über Sinn und Unsinn zu sprechen und nachzudenken. Aus meiner Sicht fallen in unserer Zeit fünf gewichtige Faktoren zusammen.
  • 18. Sinn – Warum die Zeit reif ist | 21 Diese sind – ohne dass die Reihenfolge eine Wertung darstellen soll: Sinnfaktor 1: Generation XY ungelöst Sinnfaktor 2: Der Irrtum von Maslow Sinnfaktor 3: Leid, Schicksal und neue Lebensabschnitte Sinnfaktor 4: Unsicherheit Sinnfaktor 5: Relevanz im Business Jeder Faktor für sich stellt bereits die Sinnfrage. In der Kombination, wie wir die Welt im Moment vermehrt erleben, schaffen sie umwälzende Ver- änderungen. Für jeden einzelnen Menschen und für Unternehmen und Ge- sellschaft. Analysieren wir also diese fünf Faktoren. Sinnfaktor 1: Generation XY ungelöst Ich gebe es gleich am Anfang zu: Ich bin immer sehr skeptisch, wenn man versucht, ganze Generationen über einen statistischen Kamm zu scheren. Aber jede Generation wird bestimmt etwas anders ticken als die letzte. Das war schon immer so und wird auch bei zukünftigen Generationen so sein. Schon immer gab und gibt es den Konflikt der Generationen. »Die heutige Jugend hat keinen Respekt mehr, will nur noch Party machen und hängt den ganzen Tag an den Smartphones.« So könnte ein Urteil über die heu- tige Jugend klingen. Völlig neu? Gar nicht. Sokrates (469 bis 399 v. Chr.) soll schon gesagt haben: »Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute ste- hen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.« Wenn wir davon ausgehen, dass auch nur ein Teil davon stimmt, was die Generationsforscher und -experten meinen, sind hier natürlich Tendenzen ableitbar. Doch zuerst ein kurzer Überblick zur Generationen-Bezeichnung:
  • 19. 22 | Sinn – Warum die Zeit reif ist Du fragst dich vielleicht, wie Generationexperten ableiten, wie Menschen in den verschiedenen Generationen ticken sollen? Menschen werden ge- prägt. Durch ihr Umfeld und natürlich auch durch die Zeit, in der sie auf- gewachsen sind. So ist eine Generation, die noch den Kalten Krieg erlebt hat, sicher davon geprägt und hat andere Verhaltensmuster als eine Gene- ration, die mit dem 9/11-Terroranschlag in Amerika und dem Irak-Krieg aufgewachsen ist. Wie sich das Ganze auswirkt und welchen Einfluss dies auf das Thema Sinn hat? Ein Beispiel: Meine Generation (Generation X) hat auf den Vorschlag des Chefs, dass man befördert werden soll, ganz einfach reagiert mit einem »Herzlichen Dank, Chef!«. Die Generation Y soll hier etwas differenzierter vorgehen: Diese Mitarbeiter wägen ab, was sie durch die Beförderung mehr bekommen, aber auch, was sie im Gegenzug dafür mehr leisten müssen. Sie
  • 20. Sinn – Warum die Zeit reif ist | 23 analysieren dann die persönliche Work-Life-Balance und besprechen dies zu Hause. Hohe Gehälter oder attraktive Boni alleine beeindrucken diese Generation nicht mehr so. Zudem ist die Bereitschaft, den Arbeitgeber zu wechseln, auch viel höher als früher. Die Studie von PwC Millenials at work. Resharping the workplace wird noch deutlicher zur Generation Y. Till Lohmann, Partner bei PwC: »Sie lehnen hierarchische Strukturen ebenso ab wie Herrschaftswissen. Sie verachten Stillstand, wünschen sich fortlaufend Feedback auf ihre Leistung zu erhal- ten und erhoffen sich eine abwechslungsreiche berufliche Laufbahn. Mit anderen Worten: Millenials erwarten einen Managementstil und eine Unter- nehmenskultur, die sich in vielen Dingen von angestammten Strukturen unterscheiden.« (PwC: Millenials at Work) Im Jahr 2020 wird diese Generation bereits die Hälfte der erwerbstätigen Bevölkerung (weltweit) ausmachen. Dieser Wandel sei wirklich spürbar, be- stätigten mir schon viele Personalverantwortliche und Unternehmer. Ab der Generation Y (ausgesprochen Why) stellt man sich also vermehrt die Frage »Warum?«. Diese Digital Natives, wie die Generation Y auch bezeich- net wird, stellen Althergebrachtes infrage. Denn Leistung und Lebensquali- tät gehören für sie zusammen. In jungen Jahren hat diese Generation viel Unsicherheit erlebt und anscheinend mit dieser Unsicherheit leben gelernt. Daher gehen sie weniger Kompromisse ein. Das bedeutet also, dass auch der Arbeitgeber attraktiv sein muss, um die Generationen Y und Z ins Unternehmen zu locken und dort zu halten. Denn natürlich möchte man die Besten haben. Die Besten können aber auswählen und entscheiden sich für Unternehmen, die am besten zu ihnen passen. Wer meint, man könne diese Generationen so führen, wie man noch vor zwanzig Jahren geführt hat, irrt gewaltig. Diese Generation stellt auch im Berufsleben die Sinnfrage. Ihnen ist es wichtig, etwas Sinnvolles zu tun. Also bleibt den Unternehmen nichts anderes übrig als auch sinn- voll zu kommunizieren und zu handeln (siehe Sinnfaktor 5).
  • 21. Klug zweifeln Es klingt gut, durchdacht, schlüssig. Und doch führen nicht wenige Entscheidungen privat, wirtschaftlich oder politisch in Katastrophen. Denn die vermeintlich guten Lösungen von heute schaffen die Probleme von morgen. Wir haben es einfach nicht im Griff. Aber das hindert uns nicht an ungebrochenem und arrogantem Interventionismus. Wir greifen allerorts ein und erfinden Modelle: Lebensmodelle, Wirtschaftsmodelle, Führungsmodelle, Rezepte jeder Art. Doch wo führt das alles hin? Warum sind wir so anfällig für die einfachen Lösungen? Hat unser Scheitern System? Heinz Jiraneks neues Buch liefert Antworten auf diese Fragen. Es lädt Sie zu einer spannenden Reise durch eine kritische Weltbetrachtung ein, vermittelt in packender Weise die praktischen Folgen der Systemtheorie und rüttelt an unserem Glauben, alles in der Hand zu haben. Doch was können wir tun? Die Lösung ist ganz einfach und schwierig zugleich: Keinen simplifizierenden Kausalannahmen auf den Leim gehen. Begreifen, was alles nicht geht. Vorhandenes Wissen nutzen. Denken. Selbst denken. Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, dann erzähl’ ihm von deinen Plänen. Heinz Jiranek Klug zweifeln Weil der zweite Gedanke oft der bessere ist. Erkennen was dahintersteckt 342 Seiten; 2017; 24,95 Euro ISBN 978-3-86980-390-6; Art-Nr.: 1025 www.BusinessVillage.de