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9. Ausgabe
Herbst 2018
AUS DER ’KAMMER
FutureHealth Basel
Redesigning Healthcare
STANDORT
Stimmungsbarometer
Wirtschaft im Hoch
FOKUS
RISIKEN DES
WOHLSTANDS-
KUCHENS
2 twice Herbst 2018
IMPRESSUM
twice erscheint zweimal im Jahr (Frühjahr und Herbst) HERAUSGEBER Handelskammer beider Basel, St. Jakobs-Strasse 25, Postfach, 4010 Basel, T +41 61 270 60 60,
F +41 61 270 60 05, E-Mail: info@hkbb.ch REDAKTION Jasmin Fürstenberger, j.fuerstenberger@hkbb.ch, Lucia Uebersax, l.uebersax@hkbb.ch MITAUTORIN Anne Theiss,
Brenneisen Theiss Communications ART DIRECTION Brenneisen Theiss Communications FOTOS Pino Covino (S. 10/30), EuroAirport (S. 25), Fotolia: stockpics (S. 21),
Rebecca Koblet (S. 18), Shutterstock: Oleinik Iuliia (Titelbild), Iudina Ekaterina (S. 2/4), Marynova (S. 8), virgmos (S. 12), justone (14/16), Andreas Zimmermann (S. 2)
DRUCK Schaub Medien AG, Sissach
IN DIESER AUSGABE
	14	 Wirtschaft der Region im
Hoch
	16	 SV17 – ein Gewinn für Basel
	18	 Verpacken mit System
	21	 Wirtschaftsflächen – unter-
nehmerisches Bedürfnis
oder politischer Zankapfel?
	22	tunBasel – der
Erfolg geht weiter
	25	EuroAirport – ready for take-
off
	26	 FutureHealth Basel
	27	Weltweit führend
	 28	Abstimmungen
	 29	 Agenda
	 30	 Impressionen
	4	Die Risiken des
Wohlstandskuchens
	8	Erfolgsgeheimnis Schweiz
	10	Wohlstand ist kein
Naturgesetz
	12	Initiativflut bringt Schweiz
ins Stottern
	13	Kolumne
	
FOKUS STANDORT AUS DER ’KAMMER
twice Herbst 2018 3
EDITORIAL
LIEBE LESERIN, LIEBER LESER
Unser Stimmungsbarometer zeigt: Die Wirtschaft ist in Form. Viele Unter-
nehmen sind zufrieden mit ihrem aktuellen Geschäftsgang und blicken zu-
versichtlich in die Zukunft. Dies ist erfreulich und zeigt, dass die Unterneh-
men weiterhin erfolgreich unterwegs sind und massgeblich zu unserem
Wohlstand beitragen.
Die Antwort auf die Frage, woher unser Wohlstand kommt, mag zwar komplex
sein, aber vereinfacht kann man sagen: Wir öffneten unsere Märkte der inter-
nationalen Konkurrenz, begegneten ausländischen Direktinvestitionen posi-
tiv und liessen es zu, ein attraktives Einwanderungsland zu werden. Zudem
haben wir durch exzellente Hochschulen und ein ausgezeichnetes Bildungs-
system den Boden für eine innovative Wirtschaft gelegt, mit Qualität und
Leistungsbereitschaft überzeugt, die Sozialpartnerschaft gepflegt, die Nach-
haltigkeit gefördert und über lange Jahre an einem schlanken und föderalis-
tischen Staat festgehalten.
Doch die Zeiten haben sich geändert. Immer häufiger und scharfzüngiger
werden in der Schweiz Forderungen gestellt, die an diesem Fundament rütteln.
Protektionistische Tendenzen zeichnen sich ab. Doch die Globalisierungskritik
ist so heftig wie falsch. Politische Vorstösse wie die «Selbstbestimmungs»- und
Unternehmensverantwortungs-Initiative zielen auf Abschottung und nationale
Regulierung ab. Dies widerspricht nicht nur unseren Interessen, sondern setzt
auch unseren Wohlstand aufs Spiel.
Für Unternehmen sind klare und gesicherte Rahmenbedingungen das Rückgrat
ihres Erfolgs. Dazu gehört auch die Steuervorlage 17: Unternehmen benötigen
rasch ein international akzeptiertes Steuersystem und damit Rechtssicherheit.
Und die Wirtschaft braucht Fachkräfte. Damit Unternehmen diese auch in
Zukunft zur Verfügung stehen, haben wir vor acht Jahren die Erlebnisschau
tunBasel lanciert. Auf spielerische Art sollen Kinder und Jugendliche die fas-
zinierende Welt der MINT-Fächer entdecken. Kommen Sie vom 8. bis 17. Februar
2019 an der tunBasel der muba vorbei – wir freuen uns auf Sie. Auch freuen
wir uns, neu mit Ihnen auf unseren sozialen Netzwerken in Kontakt zu sein.
Martin Dätwyler, Direktor
WOHLSTAND
KEIN SELBSTLÄUFER
4 twice Herbst 2018
DIE RISIKEN
DES WOHLSTANDSKUCHENS
Wachstumsskeptiker negieren den globalen
Wohlstandszuwachs, den wirtschaftliches Wachstum
gebracht hat. Ohne Wachstum wird die heutige
Welt konserviert. Höchste Zeit also, den Skeptikern und
Globalisierungskritikern entgegenzutreten.
Von Peter Grünenfelder, Direktor, und Natanael Rother, Fellow von Avenir Suisse
FOKUS
twice Herbst 2018 5
Wachstumskritik hat Hochkonjunktur –
auch Jahrzehnte nach dem Bestseller «Die
Grenzen des Wachstums» des Club of Rome
wird die stetig steigende Prosperität von
Skeptikern begleitet: Der materielle Wohl-
stand führe in die Sackgasse, Überbevöl-
kerung drohe und natürliche Ressourcen
würden übernutzt.
«Was fehlt, wenn alles da ist», fragte eine
andere Publikation vor Kurzem. Der Titel
ist Mahnmal des diffusen Gefühls, dass
wir nichts Zusätzliches bräuchten. Man
könnte diese Art der Zukunftsangst als
Quengelei abtun. Der Gefahr, die von ihr
ausgeht, würde man damit aber nicht ge-
recht. Wachstumsskepsis negiert den
Dreh- und Angelpunkt liberaler Politik,
die gerade darauf abzielt, den Fortschritt
zu fördern. Grund genug also für eine
Analyse, warum es die fortschrittskriti-
schen Vorlagen aufs politische Parkett
schaffen, und für einen Anlauf, zumin-
dest einigen der weitverbreiteten Ängste
entgegenzutreten.
ZUNEHMEND
WIRTSCHAFTSKRITISCH
Vorlagen der direkten Demokratie würden
immer wirtschaftsfeindlicher, so eine The-
se. Tatsächlich stimmt das bedingt: Wirt-
schafts- und damit wohlstandskritische
Vorlagen sind kein neues Phänomen. Sie
sind vielmehr seit Langem die Regel. Zwi-
schen 1946 und 2015 etwa waren von 133
wirtschaftsrelevanten Initiativen auf natio-
naler Ebene nicht weniger als 130 wirt-
schaftskritisch. Und ein Grossteil der Refe-
renden hat versucht, wirtschaftsfreundliche
Vorlagen über Bord zu werfen. In Anbe-
tracht dieser Flut von Versuchen, die Bevöl-
kerung zu einem wirtschaftsfeindlichen
Abstimmungsverhalten zu bewegen, scheint
die Annahmequote überraschend gering.
Bei Volksinitiativen waren es insgesamt
nur 8 Prozent, und bei Referenden mit 32
Prozent zumindest nicht die Mehrheit. Die
Herausforderungen durch wirtschaftskri-
tische Vorlagen sind keineswegs neu, aber
die Dringlichkeit, dagegen anzutreten, ist
gestiegen. Denn alleine von 2013 bis 2017
stimmte der Souverän über insgesamt 18
Vorlagen ab, die die marktwirtschaftlichen
Rahmenbedingungen stark tangierten.
ZU ERFOLGREICH?
Auch wenn man angesichts der täglichen
Medienberichterstattung daran zweifeln
könnte: Es geht uns nach wie vor gut in
der Schweiz. Unser Wohlstand ist – nur
schon im innereuropäischen Vergleich –
bemerkenswert hoch. Das zeigt etwa ein
kleines Gedankenexperiment, bei dem
man die Schweizer Bevölkerung ihrem
Einkommen entsprechend in zehn gleich
grosse Gruppen unterteilt. Selbst die aus
dieser Warte betrachtet Ärmsten der
Schweiz gehören noch zum europäischen
Mittelstand. Und die aus schweizerischer
Sicht mittleren Einkommen zählen inner-
halb Europas bereits zur Gruppe der Rei-
chen. Etwas überspitzt könnte man also
sagen, dass es in der Schweiz vor einem
europäischen Hintergrund keine Armen
gibt. Wer wollte da schon für mehr Wachs-
tum weibeln? Und nicht nur das: Grund-
sätzlich lässt sich feststellen, dass mehr
Wohlstand durchgehend zu mehr Lebens-
zufriedenheit führt – und dies auch in be-
reits ökonomisch «reichen» Ländern.
Woher also die Wohlstandsmüdigkeit? Drei
Erklärungsansätze können eine Erklärung
bieten:
WACHSTUM UND UMWELTSCHUTZ
SIND KEINE GEGENSÄTZE
Angesichts der vielen negativ konnotier-
ten Berichte zu Ressourcenverbrauch über
Luft, Boden, Wasser und Biodiversität
könnte man fast glauben, dass wir die
Umwelt in der Schweiz zugrunde richten.
Das Gegenteil ist der Fall: Umweltanaly-
sen des Bundesamtes für Statistik zeigen,
dass seit den 1990er-Jahren etliche Prob-
leme entschärft wurden Die Luftqualität
ist heute generell besser als vor 20 Jahren
Luftschadstoffe und Feinstaubemissionen
sind rückgängig, die Wasserqualität in
den Seen steigt dank Rückgang der Nähr-
stoffeinträge, der Trinkwasserverbrauch
nimmt ab, die in Deponien entsorgte Ab-
fallmenge stagniert anstatt zuzunehmen
und die Treibhausgasemissionen wurden
stabilisiert. Das hat natürlich auch mit
dem Übergang zur Dienstleistungswirt-
schaft zu tun. Aber es erfolgte trotz
Wachstum – oder vielmehr dank ihm. Der
Grund dafür ist simpel: Die Nachfrage
nach einer intakten Umwelt nimmt mit
dem Einkommen zu.
Wirtschaftskritische
Initiativen
(1946–2015)
abgelehnt
angenommen
120
Referenden gegen
wirtschaftsfreundliche Vorlagen
(1946–2015)
nicht erfolgreich
erfolgreich
49
2310
6 twice Herbst 2018
FOKUS
WIR LEBEN LÄNGER UND
ARBEITEN WENIGER
Wachstum ist nicht nur quantitativ, son-
dern vor allem auch qualitativ. Wachstum
im weiteren Sinne hat so viele neue Errun-
genschaften mit sich gebracht, dass es
schwer ist, einige wenige Beispiele auszu-
wählen. Die Entwicklung der Kindersterb-
lichkeit zum Beispiel ist ein guter, weil
weltweit vergleichbarer Wohlstandsindi-
kator. Sie ist in der Schweiz seit 1970 um
fast 80 Prozent zurückgegangen. Zudem:
Wir leben länger. 2013 Geborene zum Bei-
spiel dürfen in der Schweiz mit einer
durchschnittlichen Lebensdauer von über
89,5 Jahren rechnen, das ist weltweit einer
der höchsten Werte. Und da ist noch etwas:
Wir arbeiten pro Jahr auch noch weniger:
Seit 1950 hat die jährliche Arbeitszeit im
Mittel um 420 Stunden abgenommen, wäh-
rend der Lebensstandard stetig gestiegen
ist: Nach Abzug der Ausgaben für den
Grundbedarf (Essen, Wohnen, Kleidung)
blieben einem durchschnittlichen Haus-
halt 1912 gerade noch 14 Prozent des Bud-
gets übrig. Heute kann mehr als die Hälfte
des Haushaltsbudgets für Güter und
Dienstleistungen verwendet werden, die
über die Deckung der Grundbedürfnisse
hinausgehen.
So geht es übrigens nicht nur uns: Dank
der Globalisierung können auch die ärms-
ten Staaten von Wirtschaftswachstum pro-
fitieren. Die Armutsquote ist alleine von
1981 bis 2012 von weltweit 44 auf 13 Pro-
zent gesunken. Die Tendenz ist seit damals
unverändert. Der «Human Development
Index» zeigt, dass die Zahl der Länder mit
tiefem Entwicklungsstand auch über ande-
re Themenbereiche kontinuierlich abnimmt.
Darum bleibt nur noch die eine Frage: Wer
will eigentlich den Fortschritt behindern
und weshalb?
NULLWACHSTUM SENKT DEN
LEBENSSTANDARD
Technischer Fortschritt und Wachstum ha-
ben uns aber nicht nur bessere Gesundheit
und mehr Freizeit gebracht, sondern auch
die materiellen Voraussetzungen für den
heutigen Sozialstaat geschaffen. Gute An-
schauungsbeispiele bieten dabei die aktu-
ellen Debatten um Gesundheitskosten oder
die Altersvorsorge. Wir haben uns an ein
Schweizer System gewöhnt, dass im Kern
institutionelle Fehler mit sich bringt: Ob-
wohl versicherungsmathematisch trivial,
drücken wir uns davor, die Altersvorsorge
an geänderte Lebenserwartung, demogra-
fische Gegebenheiten und Zinsen anzu-
passen. Das Umverteilungssystem ist auf
das Wirtschaftswachstum ausgerichtet –
ironischerweise wird dieses gerade von
den Promotoren dieses Systems als kri-
tisch angesehen. Und bei steigenden Prä-
mien für die Krankenversicherung geht
ein Raunen durchs Land – ungeachtet des-
sen, dass die Qualität der Leistungen deut-
lich zugenommen hat. Ohne Wachstum
hätten wir längst Abstriche bei der sozia-
len Sicherheit oder der medizinischen Ver-
sorgung in Kauf nehmen müssen, weil wir
sie uns schlicht nicht mehr hätten leisten
können.
Reiche Arme und arme Reiche
Nationale Einkommen im europäischen Vergleich (2016)
Einkommensklasse innerhalb von Europa
Tiefe Einkommen Nationale Einkommensschichten Hohe Einkommen
Bulgarien
Deutschland
Frankreich
Griechenland
Italien
Norwegen
Österreich
Portugal
Schweiz
Vereinigtes Königreich
Daten: Eigene Berechnungen auf Basis von Eurostat. Ausgangslage sind kaufkraftbereinigte Werte zu den Dezilsgrenzen der Einkommen. Das heisst, die Bevölkerung wurde der Höhe der
Einkommen entsprechend in zehn gleich grosse Gruppen aufgeteilt. Für jedes Land bestehen so neun Einkommensgrenzwerte. Jeder dieser Einkommensgrenzwerte wird in die europäische
Einkommensverteilung eingeordnet. Um diese europäischen Einkommensschichten zu bilden, werden die nationalen Einkommenszahlen der Bevölkerung entsprechend gewichtet. Die euro­
päischen Einkommensschichten werden zusammengefasst in Arme, einen breiten Mittelstand und Reiche.
Arme Mittelstand Reiche
twice Herbst 2018 7
NICHT IN SELBSTGEFÄLLIGKEIT
VERFALLEN
In Teilen des politischen Spektrums ist von
einer positiven Grundhaltung gegenüber
Wachstum, aber auch Globalisierung nicht
viel zu spüren. Das hat vor allem damit zu
tun, dass Marktwirtschaft nicht als das ge-
sehen wird, was sie ist: Es geht nicht um
Akkumulation von Kapital, sondern um In-
novationen, um es in den Worten der
US-Ökonomin Deirdre McCloskey zu sa-
gen. Politische Pole vereinen sich in einer
abwehrenden Haltung gegenüber Wachs-
tum. Die Links-Konservativen machen es
sich entgegen aller Evidenz zur Aufgabe,
den Kapitalismus schlechtzureden. Den
Rechts-Restaurativen widerstreben Verän-
derungen.
McCloskeys Beschreibung der Politik
scheint auf die Schweiz durchaus zuzutref-
fen. Statt darum, wie zukünftiger Wohl-
stand geschaffen werden könnte, geht es
viel zu oft darum, wie das, was wir heute
haben, auf noch mehr Köpfe verteilt wer-
den könnte. Dass der Wohlstandskuchen
aber nur durch Wachstum grösser wird
und nicht, indem wir das gleiche Kuchen-
stück auf immer mehr Personen aufteilen,
geht dabei unter. Die Fortschritts- und da-
mit einhergehende Veränderungsangst ist
eine denkbar schlechte Vorbereitung für
die Zukunft. Gerade weil wir nicht wissen,
was die zukünftigen Herausforderungen
für das Staatswesen sind, sollten wir offen
sein für Weiterentwicklungen und keines-
falls in alten Denkmustern verharren. Das
Verwalten der Gegenwart darf keine Ziel-
grösse sein.
Die Schweiz wieder in Schwung zu brin-
gen, ohne dem Stillstand zu verfallen, ist
wohl die Aufgabe der heutigen Zeit. Doch
dass es uns einfach noch gut geht, mindert
den Reformdruck, stellte erst kürzlich der
liberale Wirtschaftsjournalist Rainer Hank
in einem bemerkenswerten Beitrag in der
FAZ fest. Denn anstelle der gesprochenen
und geschriebenen Sonntagspredigten soll-
ten wir uns beim Streiten vor allem auf
konkrete Fragestellungen konzentrieren.
Die drei folgenden Punkte wären ein guter
Start dazu.
WIEDERBELEBUNG DES WETTBE-
WERBSGEDANKENS NACH INNEN
Dieser ist eigentlich Teil der Schweizer DNA,
der föderalistische Wettstreit zwischen den
Kantonen. Er birgt ungeheures Potenzial
für Innovation und Fortschritt, garantiert
Bevölkerungsnähe bei gleichzeitiger Be-
rücksichtigung unternehmerischer Anlie-
gen. Dieses System ist wieder zu stärken –
ohne dabei in föderale Folklore zu verfallen.
Das heisst aber auch, dass die Wettbewerb-
sintensität auch entscheidend zu stärken ist
im immer noch vielfach geschützten Bin-
nenmarkt, Stichwort Agrarsektor, Stichwort
Dienstleistungen. Die Dichotomie der
Schweizer Wirtschaft mit einer höchst wett-
bewerbsfähigen Exportwirtschaft und ei-
nem teilweise stark abgeschotteten Binnen-
markt mit staatlichen Eingriffen sollte der
Vergangenheit angehören.
ZULASSUNG DES
WETTBEWERBS GEGEN AUSSEN
Die aussenwirtschaftliche Offenheit und
der Zugang zu ausländischen Märkten sind
entscheidend für den Schweizer Wohlstand.
Der aus Importen und Exporten kombinier-
te Aussenhandel stieg in den letzten 35 Jah-
ren von 61 auf über 120 Prozent des Brutto-
inlandprodukts (BIP). Erstmals verdiente
die Schweiz 1999 jeden zweiten Franken im
Ausland. Die Summe der Exporte (Waren
und Dienstleistungen) entsprach also 50
Prozent des BIP. Zuletzt lag dieser Anteil
bei 70 Prozent. Als Land mitten auf dem
europäischen Kontinent und in engster
wirtschaftlicher Verflechtung mit unseren
Nachbarländern sind wir auf stabile und
zugleich dynamische Handelsbeziehungen
mit der EU angewiesen. Doch sind wir wirt-
schaftlich nicht nur ein europäisiertes, son-
dern auch ein höchst globalisiertes Land.
Im Sinne der Diversifikation des Wohl-
standspotenzials gilt es, neue Märkte mit
Freihandelsabkommen (FHA) weiter zu er-
schliessen. Wer sich der Weiterentwicklung
der Beziehungen zu Europa mittels eines
Marktzugangsabkommens und zur Welt
via neue FHA entgegenstellt, spielt darum
letztlich mit dem helvetischen Wohlstand.
DEN REFORMSTAU ÜBERWINDEN
Wichtige Reformen wie etwa die finanziel-
le Sicherung der Altersvorsorge oder ein
international kompetitives Unternehmens-
steuersystem haben zunehmend einen
schweren Stand. Verteilkämpfe statt Fort-
schritt und damit Wohlstandsmehrung do-
minieren den Diskurs. Ersteres wird auf
Dauer aber die Prosperität nicht sichern
und zunehmend die soziale Kohäsion nega-
tiv tangieren. Der Wille zu Modernisierun-
gen muss wieder obsiegen über jene Kreise,
die am Status quo festhalten. •
#wearedigital Mit der Initiative «Are you digital?» unterstützt
die Handelskammer beider Basel Unternehmen
und Startups dabei, ihre digitalen Potenziale
zu entdecken, zu entwickeln und zur Entfaltung
zu bringen.
Mehr erfahren Sie auf www.are-you-digital.ch
«ZIEL IST ES, PROJEKTE
VOM AUFTRAG BIS ZUR
FERTIGSTELLUNG KOMPLETT
DIGITAL ABZUWICKELN.
»Stefan Guldimann
Direktor Selmoni
Basel
FOKUS
8 twice Herbst 2018
ERFOLGSGEHEIMNIS
SCHWEIZ
Die Frage, woher der Wohlstand der Schweiz
kommt, interessiert sich nicht einfach für vergan-
gene Zeiten. Vielmehr soll die Frage Hinweise
für Gegenwart und Zukunft geben und auf­zeigen,
welches Erfolgsgeheimnis hinter dem Wohlstand
der Schweiz steckt.
twice Herbst 2018 9
Die Frage, warum das Land heute so wohl-
habend ist, wird mit Blick auf eine Ver-
gangenheit gestellt, in der das überhaupt
nicht der Fall war. Noch im 19. Jahrhun-
dert herrschte grosse Armut und die
Schweiz war das, was wir heute als Ent-
wicklungsland bezeichnen. Doch wie his-
torische Paläste zeigen, gab es schon da-
mals sehr reiche Einzeleigentümer und
starke räumliche Unterschiede: arme Zo-
nen im Hinterland neben Städten mit hö-
herem Wohlstand. Und in den Städten
überbevölkerte Elendsquartiere mit mise-
rablen hygienischen Verhältnissen.
Die Geschichte zeigt, dass sich im Laufe
der Entwicklung vor allem der Status der
sozial Schwachen stark verbessert hat.
QUELLEN DES WOHLSTANDS
Gerne wird gesagt, dass Tugenden wie
Fleiss, Pünktlichkeit und Verlässlichkeit
– Vertragstreue – die Quellen unseres
Wohlstands sind. Aber gehört Sparsam-
keit nicht auch dazu? Aus ökonomischer
Sicht ist Sparen kein wohlstandsfördern-
des Verhalten. Investieren wäre besser.
Damit sind wir bei der Tugend der Unter-
nehmensfreude und Risikobereitschaft.
Auch die Anpassungs- und Innovationsbe-
reitschaft gehören dazu. Dies alles finden
wir in der Schweizer Geschichte. Ein
Entrepreneurship, das schon gegen Ende
18. und Anfang 19. Jahrhunderts auch un-
ter Zuhilfenahme von Wasserrädern die
Schweiz zu einem vergleichsweise hoch-
industrialisierten Land gemacht hat.
Hinzu kamen die Vorteile, die die Schweiz
aus den europäischen Kriegen ziehen
konnte. 1914–1918 wie 1939–1945 war die
Basler Chemie eine begehrte Lieferantin
von Produkten mit enormer Wertschöp-
fung. Den Schweizer Banken ermöglichte
der Erste Weltkrieg ein Abheben und nach
dem Zweiten Weltkrieg konnte die unver-
sehrt gebliebene Schweiz mit einem Vor-
sprung in die Nachkriegszeit starten.
UMFELD ENTSCHEIDEND
Für einen Teil der Reichtumsgenerierung
ist die Schweiz nur Durchlaufstation. Ka-
pital kommt aus dem Ausland und geht als
Investitionen gleich wieder ins Ausland.
Nur ein Teil bleibt hier hängen. Dies zeigt,
dass das internationale Umfeld der
Schweiz sehr wichtig ist. Der Schweiz
wäre es weniger gut gegangen, wenn sie
ein Land mitten in Afrika gewesen wäre.
Und auch heute ist es wichtig, dass die
Schweiz direkte Nachbarstaaten mit brei-
ten Eigenwirtschaften hat und mit Zulie-
ferungen Arbeitsplätze und Einkommen
generieren kann.
Das Suchen nach Gründen für unseren
Wohlstand wäre unvollständig, nähme
man nicht auch die Neutralität ins Auge:
Ihren wirtschaftsfördernden Effekt kann
man zwar auch bezweifeln. Denn wegen
der Anforderung der Unparteilichkeit könn-
ten Geschäfte auch entgangen sein. Zudem
darf man Absicht und Effekt nicht vertau-
schen: Die Schweiz ist aus anderen Grün-
den bisher mehr oder weniger neutral ge-
wesen als aus dem Bestreben, in allen
Richtungen gute Geschäfte zu machen.
GESAMTHEIT BILDET WOHLSTAND
Vielleicht trägt auch der Föderalismus mit
seinem internen Staatswettbewerb zum
Wohlstand bei. Doch da landen wir plötz-
lich wieder bei der zunächst nur aus dem
internationalen Vergleich wahrgenomme-
nen Problematik: Warum ist – wenn es
denn wirklich so ist – ein Kanton Zug «so»
reich und der Jura so viel weniger? In wel-
chem Verhältnis stehen hier Strukturen
und Tugenden zueinander?
Harold James, ein mit der Schweiz bestens
vertrauter amerikanischer Historiker,
würdigt in seinem Vorwort zum Buch
«Wirtschaftswunder Schweiz» von James
Breiding und Gerhard Schwarz die aus ei-
ner Mischung von Struktur und Tugend
entwickelte Innovationsfähigkeit mit ih-
ren vielen Spezialisierungen in einzel-
nen, aber mit Brücken und Tunnels ver-
netzten Geländekammern. Nicht einzelne
Spitzenprodukte wie Banken, Schokola-
den oder Uhren würden die Stärke ausma-
chen, sondern eine vernetzte Gesamtheit
– das Swissness-Paket.
Zwei Erklärungen für den dichten Wohl-
stand werden wenig gesehen: Zum einen
die Kleinheit des Landes. Konfettistaaten −
von Hawaii und den Bermudas sowie Mo-
naco und San Marino über Luxemburg und
Liechtenstein bis zur Schweiz − stehen ten-
denziell überdurchschnittlich gut da. Da
entstehen leichter profitable Dienstleis-
tungszentren.
Eine weitere Erklärung dürfte der bereits
vorhandene Reichtum sein, der, wenn
man’s nicht ganz dumm anstellt, einfach
noch reicher macht. Der «Global Wealth
Report» der Credit Suisse von 2017 geht
davon aus, dass das Durchschnittsvermö-
gen der Schweizer bis 2020 von den jetzt
562’000 auf 606’000 Dollar ansteigen, die
Schweiz also in den nächsten Jahren wei-
terhin Spitze bleiben wird.
REICHTUM DANK ZUWANDERUNG
Zurück zum Anfang – zu den Tugenden.
Sind sie schweizerisch und trotzdem auch
bei den arbeitswilligen Ausländern gege-
ben, die sich von der Schweiz angezogen
fühlen? Gerne wird eingeräumt, dass die
Schweiz einen Teil des Wohlstands ehema-
ligen Nichtschweizern verdankt wie Nestlé,
Maggi, Boveri oder Hayek. Nicht vergessen
sollte man aber die weniger Qualifizierten,
die – sicher in einer zwar unausgegliche-
nen Win-win-Situation – seit dem 19. Jahr-
hundert die schweizerischen Infrastruk-
turbauten erstellt haben oder die in unseren
Zeiten den Kehricht beseitigen, die Alten-
pflege übernehmen oder als saisonale
Landarbeitskräfte arbeiten. Menschen, die
keine Schweizerinnen oder Schweizer sind,
aber zur Schweiz gehören. •
PROF. DR. GEORG KREIS ist emeritierter
Professor für Neuere Allgemeine Geschichte und
Geschichte der Schweiz an der Universität Basel.
10 twice Herbst 2018
FOKUS
Wirtschaftsfeindliche Initiativen wie die «Selbstbestimmungs»-
Initiative oder die Unternehmensverantwortungsinitiative
schaden unserer Wirtschaft. Sind Sie beunruhigt?
Bisher erscheint mir das Schweizer Stimmvolk lösungsorientiert
in seinem Abstimmungsverhalten, weshalb ich die beiden ge-
nannten Initiativen auch nicht besonders fürchte. Die beiden Bei-
spiele sind zudem sehr unterschiedlich: Die «Selbstbestimmungs»-
Initiative entspricht einer der vielen demonstrativ wehrhaften
Scheinlösungen, wie sie Populisten in ganz Europa zunehmend
proklamieren. Die Unternehmensverantwortungsinitiative greift
nachvollziehbare ethische Probleme einer globalisierten Wirt-
schaftswelt auf − ist aber aus vielen Gründen nicht umsetzbar.
Wird die Planungssicherheit von Unternehmen zunehmend aufs
Spiel gesetzt?
Wir neigen dazu, zu vergessen, wie wichtig Planungs- und In-
vestitionssicherheit für die erfolgreiche und stabile Entwicklung
von Wirtschaftsräumen sind. Immer mehr, so scheint es, werden
Partikularinteressen mit Interessen im Sinne des Gemeinwohls
gleichgestellt. Für Unternehmen ist es aber unabdingbar, dass
die Leitplanken, innerhalb deren wir wirtschaften, Beständig-
keit aufweisen.
Wo besteht denn derzeit der dringendste Reformbedarf?
Aus meinem beruflichen Alltag erscheint mir eine kinder- und
familienfreundlichere Politik dringend notwendig. Während es
bereits heute für Unternehmen herausfordernd ist, sich die not-
wendigen Personalressourcen zu sichern, werden durch den
demografischen Wandel der nächsten Jahre und Jahrzehnte die
sozialen Sicherungssysteme der Schweiz (wie auch anderer
europäischer Länder) stark strapaziert. Wir müssen also jetzt
handeln, um Eltern bei der Kinderbetreuung finanziell zu ent-
lasten. Nur so können wir die dringend notwendigen, in der
Regel gut ausgebildeten Fachkräfte schneller wieder in den
Arbeitsmarkt integrieren. Gleichzeitig beeinflusst dies sicher-
lich auch den Entscheid positiv, überhaupt Kinder zu haben.
Was ebenso wichtig ist, um die sozialen Sicherungssysteme
aufrechtzuerhalten.
Welche Hausaufgaben haben die Unternehmen?
Unternehmen müssen sich mehr in gesellschaftliche und politi-
sche Themen einbringen. Herausforderungen unserer Zeit wie
gefühlte oder tatsächlich drohende soziale Unsicherheit, Digitali-
sierung und fortschreitende Automatisierung oder negative Um-
weltentwicklungen, wie der spürbare Klimawandel, müssen drin-
gend Bestandteil gelebter Unternehmenspolitik sein.
Wie blicken Ihre ausländischen Kolleginnen und Kollegen auf
die Schweizer Wirtschaft?
Sie bewundern die Stabilität und die Stärke des Binnenmarktes
oder auch die hohe Innovationskraft. Der hohe Grad an Wettbe-
werb wird allerdings häufig unterschätzt.
IST KEIN
NATURGESETZ
WOHL-
STAND
Wirtschaftsfeindliche Initiativen schränken
die Unternehmensfreiheit ein und gefährden
damit unseren Wohlstand. Was brauchen
Unternehmen, damit sie auch zukünftig erfolg-
reich sind? CEO Eric Malitzke von Fiege Logistik
(Schweiz) AG über Planungssicherheit und
Reformbedarf.
Was brauchen
unsere Leitbranchen?
SORGE TRAGEN ZUM STANDORT
Was die Nordwestschweiz als Standort auszeichnet, ist
auch für die Bankenbranche wichtig: Regionalität und Nähe
sind elementare Erfolgsfaktoren. Die BLKB, seit jeher fest
verankert in der Region, sorgt dafür, dass die lokale Wirt-
schaft und Bevölkerung eine verlässliche und zukunftsori-
entierte Partnerin an ihrer Seite weiss. Damit das so bleibt,
darf die Finanzmarktregulierung bewährte dezentrale
Strukturen nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Regulatori-
sche Belastungen für Unternehmen sind tief zu halten. In-
dem wir Sorge tragen zu unserem Standort, stärken wir
den gesamten Finanz- und Werkplatz Schweiz.
John Häfelfinger
CEO, Basellandschaftliche Kantonalbank
KEINE ISOLATION
Als führender Life Sciences-Standort ist die Region auf
ausländische Arbeitskräfte angewiesen: Zahlreiche Unter-
nehmen mit globaler Marktausrichtung sind in der Nord-
westschweiz ansässig – für diese ist eine ausreichende
Versorgung mit verfügbaren Kontingenten für ausländische
Arbeitnehmer von zentraler, wenn nicht sogar von vitaler
Bedeutung. Die Politik ist gefordert, dafür die notwendigen
gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.
Marco Gadola
CEO, Institut Straumann AG
WELTFRIEDEN!
Was zunächst wie der Stereotyp eines ebenso frommen
wie naiven Wunsches im Rahmen einer «Miss-Wahl» klingt,
ist derzeit durchaus ernst. Eine Verschärfung des Handels-
krieges zwischen den USA und China wirkt sich nicht nur
auf internationalen Handel und Transport – und damit un-
mittelbar auf die Logistikbranche – aus. Eine signifikante
Abwertung des chinesischen Juan oder steigende Zinsen in
den USA infolge der Verschärfung des Konfliktes könnten
ferner die ohnehin volatilen Finanzmärkte unter Stress set-
zen. Eine andere Forderung, deren Umsetzung leichter
möglich ist: Die mittelständisch geprägte Logistikindustrie
der Schweiz muss in einer konzertierten Aktion das eigene
Image aufpolieren, die eigene Diversität unterstreichen,
um auch künftig Potenziale am Arbeitsmarkt zu begeistern
und zu sichern.
Eric Malitzke
CEO, Fiege Logistik (Schweiz) AG
twice Herbst 2018 11
Die Schweizer Wirtschaft hat die Krisen der Vergangenheit gut
überstanden. Wie fit ist sie für die Zukunft?
Aus der Vergangenheit zeigt sich, dass unsere Wirtschaft ein so-
lides Fundament erarbeitet hat, um sich an Veränderungen an-
zupassen oder diese gar vorwegzunehmen. Dies hat sich insbe-
sondere nach dem Frankenschock gezeigt. Zudem haben hohe
Faktorkosten bereits in der Vergangenheit bemerkenswerte In-
novationsfähigkeit und teilweise sogar Avantgardismus geför-
dert. Wenn diese Stärken die Zukunft prägen, wird die Schweiz
die Vorteile des «Early Movers» oder «Early Adaptors» abschöp-
fen können.
Wie können wir unseren Wohlstand halten?
Wir müssen erkennen, dass unser Wohlstand nicht als Naturge-
setz festgeschrieben steht. Disruptive Veränderungen werden
unsere gewohnten Handlungsmuster zusehends auf die Probe
stellen. Dazu brauchen wir weitsichtige Entscheidungsträger in
Politik und Wirtschaft, die nicht reflexhaft emotionale Blocka-
den aufbauen, um komplexe und vielleicht auch unangenehme
Fakten zu verhehlen. Nur dann können wir die unterschiedli-
chen Herausforderungen gemeinsam anpacken und die notwen-
digen Rahmenbedingungen schaffen. •
ERIC MALITZKE ist CEO von Fiege Logistik
(Schweiz) AG. Er ist deutscher Staatsangehöriger und
lebt seit 2015 mit seiner Familie im Dreiländereck. www.fiege.com
12 twice Herbst 2018
FOKUS
BRINGT SCHWEIZ INS STOTTERN
Sie läuft und läuft und läuft.
Die Schweiz wird oft mit einer
gut geölten Maschine vergli-
chen: Vielleicht etwas altmo-
disch und schwerfällig, dafür
aber robust, zuverlässig und
berechenbar, insbesondere auf
politischer Ebene. Doch das
scheint sich zu ändern. Mit
politischen Vorhaben wird
versucht, Grundlegendes auf
den Kopf zu stellen.
Die direkte Demokratie der Schweiz hat viel
dazu beigetragen, unser Land stabil und
wohlhabend zu machen. In den letzten Jah-
ren aber wird die Volksinitiative – ursprüng-
lich als Instrument für Gruppen und Positi-
onen gedacht, die im Parlament nicht ver-
treten sind – immer stärker von gewichti-
gen politischen Akteuren dazu genutzt,
zentrale Werte in Frage zu stellen. So wurde
2014 erfolgreich verlangt, die Zuwanderung
zu verringern. Dem Anliegen wurde in
Bern Rechnung getragen, unter Beachtung
der Bundesverfassung und der völkerrecht-
INITIATIVFLUT 	
lichen Verpflichtungen. Doch mit der Selbst-
bestimmungs-Initiative wollen politische
Akteure nun erreichen, dass Initiativtexte
künftig wörtlich umgesetzt werden, ohne
Rücksicht auf andere Verbindlichkeiten.
Und sie fordern neuerdings mittels «Kündi-
gungsinitiative» den Ausstieg der Schweiz
aus den wichtigsten bilateralen Verträgen
mit der EU und entziehen unseren Unter-
nehmen damit den direkten Zugang zu ih-
rem bedeutendsten Absatzmarkt.
Auch werden zunehmend Initiativen lan-
ciert oder unterstützt, die vorschreiben,
dass Schweizer Gesetze und Normen auch
im Ausland durchgesetzt werden müssen.
So bedingt die Unternehmensverantwor-
tungsinitiative staatliche Kontrollen oder
Gerichtsurteile zu Produktionsbedingun-
gen in fernen Ländern – eine beinahe
schon kolonialistische Vorstellung.
ABSATZMÄRKTE ESSENZIELL
Die Initiativen würden, wenn sie denn eine
Mehrheit finden, die gut geölte Maschine
mehr als nur ins Stottern bringen. Die Vor-
stellung, dass wir unsere Rechtsnormen
ohne jede Rücksicht auf die Welt um uns he-
rum aufstellen können, ist ebenso abwegig
wie der Traum, diese Normen der ganzen
Welt aufzuzwingen. Beides schadet dem
Wirtschaftsstandort massiv – insbesondere
weil es jahrelange Rechtsunsicherheit nach
sich zieht und den Ruf der Schweiz als ver-
lässliche Vertragspartnerin aufs Spiel setzt.
Wir sind eine Exportnation. Als solche sind
wir darauf angewiesen, dass internationale
Verträge beachtet werden und uns der Zu-
gang zu Absatzmärkten nicht verbaut wird.
Es ist bedauerlich, dass das Initiativrecht
heute immer seltener im Sinne der Erfin-
der genutzt wird, sondern häufig der wahl-
kampftaktischen Profilierung von politi-
schen Akteuren dient. Das Wohl des
Landes und nachhaltige, pragmatische Lö-
sungen haben im Vergleich dazu einen
schweren Stand, weil sie sich nicht derart
marktschreierisch bewerben lassen. Gegen-
steuer geben können nur die Stimmbürge-
rinnen und Stimmbürger: Indem sie die-
sen populistischen Initiativen konsequent
ihre Zustimmung verweigern. •
PROF. RUDOLF MINSCH ist Chefökonom
bei economiesuisse.
twice Herbst 2018 13
und Höhere Fachprüfungen. Letztere sind formale
Bildungswege für Berufsprofis, die auf ihrer Karriere-
leiter ein zweites oder drittes Mal auf- oder umsteigen
wollen. Die rund 400 Möglichkeiten sind gerade ange-
sichts des digitalen Wandels in Wirtschaft und Gesell-
schaft wichtiger denn je. Sie werden von den nationalen
Organisationen der Arbeitswelt (OdA) getragen. Damit
sind die Mitgliederfirmen dieser OdA im Lead, die
Kompetenzanforderungen festzulegen und zu prüfen.
Gemäss Bildungsbericht Schweiz verfügen Absolvierende
dieser höheren Berufsbildungsabschlüsse über die
höchsten Bildungsrenditen und sind am besten vor
Arbeitslosigkeit geschützt.
Die formalen Bildungsabschlüsse sind nach wie vor
wichtig. Sie führen in der Regel zu einem höheren Lohn
und zu einem Karriereschritt. Deshalb tut die Schweiz
gut daran, dieses hervorragend ausgebaute Bildungs-
system zu pflegen und insbesondere die berufsprak-
tischen formalen Bildungswege auf Sekundarstufe II
sowie auf Tertiärstufe zu fördern.
Inwiefern wir auch in Zukunft unseren hohen Wohlstand
geniessen können, hängt wesentlich davon ab, wie
gut es arbeitsmarktorientierten Bildungsinstitutionen
gelingt, den Wandel in der Arbeitswelt zu antizipieren
und Bildungsangebote zu fördern, die das Lernen am
Arbeitsplatz ermöglichen. Denn «Erfahrung» und «Soft­
skills» als Anforderungen für Berufsleute von morgen
kann man am effektivsten am Arbeitsplatz selber lernen.
Oft werde ich gefragt, wie es die Schweiz eigentlich
schafft, derart wettbewerbsfähig zu sein, obwohl wir
im Durchschnitt über eine Maturitätsquote von nur
rund 25 Prozent verfügen und im internationalen Ver-
gleich tiefe Einschreiberaten an Universitäten auf-
weisen. Der Grund für den Erfolg liegt in der Diversität
und der Durchlässigkeit, die unser Bildungssystem
auszeichnen.
70 Prozent der Jugendlichen machen in der Schweiz
eine Berufslehre. Das ist ein Weltrekord. Rund 15 Pro-
zent dieser Jugendlichen absolvieren eine Berufsmatura
und haben damit Zugang an die Fachhochschulen.
Wer eine Berufslehre mit Berufsmatura abschliesst,
hat zwei Tickets für die weiterführende Laufbahn. Zum
einen kann man jederzeit auf dem Beruf arbeiten, zum
anderen ermöglicht dieser Bildungsweg das Aufsteigen
in alle möglichen Hochschulausbildungen. Absolviert
man noch die «Passerelle Universität», so kann im
Optimalfall in vier Jahren auch an der ETH oder einer
kantonalen Universität studiert werden. Auch junge
Erwachsene mit gymnasialer Matura können mit einem
Jahr Berufserfahrung an die Fachhochschulen oder an
Bildungswege der höheren Berufsbildung übertreten.
Kurz: Es gibt keine Sackgassen. Unser Bildungssystem
ermöglicht das lebenslange Auf- und Umsteigen. Und
das ist im Zeitalter des digitalen Wandels von grösster
Bedeutung.
Auch die Tertiärbildung – also Niveau Hochschulen und
höhere Berufsbildung – hat Merkmale, die weltweit einzig-
artig sind. So gibt es neben Hochschulen auch höhere
Fachschulen und sogenannte eidgenössische Berufs-
PROF. DR. URSULA RENOLD ist Präsidentin des
Fachhochschulrats der Fachhochschule Nordwestschweiz.
BILDUNG.
DER EINZIGE ROHSTOFF IN DER SCHWEIZ.
Von Ursula Renold
KOLUMNE
14 twice Herbst 2018
STANDORTSTANDORT
WIRTSCHA
DER REGI
Im Stimmungsbarometer – der halbjährlichen
Konjunkturumfrage der Handelskammer
beider Basel – äussern sich ihre Mitglieder-
unternehmen zum aktuellen und erwarteten
Geschäftsgang. Die Ergebnisse fliessen
direkt in die standortpolitische Arbeit der
Handelskammer ein und werden mit den
Regierungen Basel-Stadt und Basel-Land-
schaft besprochen. Der aktuelle Stimmungs-
barometer zeigt: Die gute Verfassung der
regionalen Wirtschaft hält an.
Die Handelskammer beider Basel führt jeweils im Frühjahr und
Herbst bei ihren Mitgliedunternehmen eine Onlinebefragung
zur aktuellen wirtschaftlichen Lage und zu den konjunkturellen
Perspektiven durch.
Die Resultate der aktuellen Herbstumfrage zeigen, die Wirtschaft
der Region Basel ist im Hoch: Wie schon im Frühling beurteilen
rund die Hälfte der Unternehmen den aktuellen Geschäftsgang
mit «gut». Ein Drittel attestiert einen befriedigenden Geschäfts-
gang. Vier Fünftel der Befragten beurteilen den Geschäftsgang
als «gleich» oder «besser» im Vergleich zum Vorjahr. Dieses Stim-
mungsbild zeigt die anhaltende Formstärke der Wirtschaft in der
Region Basel auf.
ZUVERSICHTLICH IN DIE ZUKUNFT
Auch der Blick in die nahe Zukunft stimmt zuversichtlich: Über
alle Branchen gesehen rechnen mehr als die Hälfte der befrag-
ten Unternehmen mit einem gleichbleibenden, ein Drittel gar
mit einem besseren Geschäftsgang im Vergleich zu heute. Das
solide Stimmungsbild untermauern auch die beiden Indikatoren
«Investitionstätigkeit» und «Personalentwicklung».
HAUSGEMACHTE HERAUSFORDERUNGEN
Die wirtschaftliche Schönwetterlage kann sich aber schnell durch
hausgemachte Einflüsse trüben. So sehen Experten aus dem Kreis
der Handelskammer-Mitgliedunternehmen die Steuervorlage 17
als aktuell wichtigste Herausforderung. Auch wenn sie die Koppe-
twice Herbst 2018 15
AFT
ION IM HOCH
lung von Steuerreform und AHV-Finanzierung für ordnungspoli-
tisch äusserst fragwürdig halten, so erachten sie die Annahme der
SV17 unabdingbar für die positive Entwicklung der Schweizer
Wirtschaft. Entsprechend ist man bereit, den Kompromiss mitzu-
tragen. Weitere Zugeständnisse seitens der Wirtschaft kommen al-
lerdings nicht in Frage.
KLARE VERHÄLTNISSE SCHAFFEN
Ganz oben auf der Prioritätenliste der Unternehmen steht weiter-
hin, das Verhältnis der Schweiz zur Europäischen Union in Form
eines institutionellen Rahmenabkommens zu klären Es gilt, die
Markzugangsrechte für die Schweiz zu regeln und zu sichern.
Insbesondere die Personenfreizügigkeit spielt dabei eine zentrale
Rolle. Der Fachkräftemangel wird von vielen Unternehmen als
regelrechter Wachstumshemmer beklagt. Der Markt an verfüg-
baren Ingenieuren sei beispielsweise komplett ausgetrocknet.
Weitere Bedrohungen sieht die Wirtschaft in der «Selbstbestim-
mungs»-Initiative und in der Unternehmensverantwortungs-Initia-
tive. Beide Initiativen sind Gift für den Werkplatz Schweiz und ge-
fährden Unternehmen, Arbeitsplätze und somit den Wohlstand
unseres Landes.
GEOPOLITISCHE WOLKEN AM HIMMEL
Eher in der Zuschauerrolle sieht sich die Schweizer Wirtschaft eini-
gen geopolitischen Herausforderungen gegenüber. Der Handels-
krieg zwischen den USA und China beziehungsweise US-Strafzölle
aller Art – zum Beispiel auf Stahl und Aluminium – auch auf Pro-
dukte der EU und entsprechende Vergeltungsmassnahmen der Ge-
genparteien werden die Schweizer Wirtschaft punktuell stark tref-
fen. Noch sind die Folgen für die Region Basel schwer abzuschätzen.
Im Gegenzug zählen die USA und China weiterhin zu den Ländern
mit guten Konjunkturaussichten, was die Wirtschaft in der Region
wiederum stimuliert.
Anlass zu vorsichtigeren Prognosen bieten politische Unsicherhei-
ten in Europa, wie beispielsweise in Italien. In diesem Kontext sind
die Schwankungen des Euro/Schweizer-Franken-Kurses zu sehen,
die je nach Branche und Unternehmen den Geschäftsgang weiter-
hin massgeblich beeinflussen. •
STIMMUNGSBAROMETER
IHRE EINSCHÄTZUNG ZÄHLT
Knapp 140 Entscheidungsträger aus Unternehmen der Re-
gion Basel haben im September 2018 an der Onlineum-
frage teilgenommen. Befragt wurden Unternehmen aus al-
len Branchen und von unterschiedlicher Grösse – vom Ein-
mannbetrieb bis zum global tätigen Unternehmen mit über
1’000 Mitarbeitenden. Neben den Mitgliederumfragen
haben wir ergänzend Expertengespräche geführt, um die
Resultate zu verifizieren.
Mit dem Stimmungsbarometer zeigt die Handelskammer so-
wohl die Entwicklungen der verschiedenen Branche als auch
als Gesamtbild in der Wirtschaftsregion auf. Sie fühlt den
Puls ihrer Mitgliedunternehmen und richtet ihre standortpo-
litische Tätigkeit auf die aktuellen Entwicklungen aus. Die
Ergebnisse der halbjährlichen Konjunkturumfrage fliessen
direkt in die standortpolitische Arbeit der Handelskammer
ein und werden unter anderem mit den Regierungen Ba-
sel-Stadt und Baselland besprochen. Mitglieder der Han-
delskammer beider Basel haben damit die einmalige Chan-
ce, aufzuzeigen, wie ihre wirtschaftliche Lage aussieht und
was die konjunkturellen Perspektiven sind.
Sieben gleichbleibende Multiple-Choice-Fragen zum Ge-
schäftsgang, zur Investitionstätigkeit, zur Entwicklung des
Personalbestands und zur Margensituation ergeben die inte-
ressante Entwicklung der Wirtschaftslage in einer Zeitreihe.
Zusätzliche Fragen widmen sich einem aktuellen Thema.
Nicht verpassen: Unser nächster Stimmungsbarometer läuft
im Frühjahr 2019.
Der Stimmungsbarometer Herbst 2018 sowie die Kurzversion
auf Video finden Sie unter
www.hkbb.ch/stimmungsbarometer
16 twice Herbst 2018
STANDORT
2017 lehnten die Schweizerinnen und
Schweizer die Unternehmenssteuerreform
III ab. Die Botschaft an die Politik war klar:
Eine Reform der Unternehmenssteuer ist
nur mehrheitsfähig, wenn soziale Aus-
gleichsmassnahmen vorgesehen sind. Re-
gierung, Parteien und Wirtschaftsverbände
schnürten deshalb ein Kompromisspaket,
mit Vorteilen für viele.
GROSSKONZERNE ZAHLEN MEHR
Grund für die Steuerreform ist, dass die
bisherige privilegierte Besteuerung von
internationalen Konzernen nicht mehr ak-
zeptiert wird. Würde man diese soge-
nannten Sonderstatusgesellschaften or-
dentlich besteuern, hätte dies massive
Steuererhöhungen zur Folge. Ein interna-
tionaler Handelskonzern beispielsweise
zahlt heute 10 Prozent Steuern auf seinen
Gewinn. Würde man die bisherige Besteu-
erungspraxis ersatzlos streichen und
nach heutigem Massstab ordentlich be-
steuern, wäre die Steuerlast mit über 22
Prozent mehr als doppelt so hoch.
KMU PROFITIEREN
Um diesen sprunghaften Anstieg der Ge-
winnsteuerlast zu verhindern, soll der all-
gemeine Gewinnsteuersatz in Basel-Stadt
auf effektiv 13 Prozent gesenkt werden.
Die Folge ist, dass Konzerne immer noch
mehr Steuern zahlen, jedoch nur etwas
mehr. Profitieren werden hingegen KMU,
die bisher mit über 22 Prozent Gewinn-
steuern belastet wurden und künftig nur
noch 13 Prozent bezahlen müssen.
Dasselbe Prinzip gilt für die Kapitalsteu-
ern. Vereinfacht gesagt müssen Unterneh-
men auf ihr Eigenkapital Steuern bezahlen.
Ordentlich besteuerte Unternehmen zah-
len heute 5,25 Promille Kapitalsteuern,
Sonderstatusgesellschaften hingegen nur
0,5 Promille. Neu wird die Kapitalsteuer im
Kanton Basel-Stadt auf 1 Promille für alle
festgesetzt. Die Steuervorlage 17 (SV17)
schafft also gleich lange Spiesse für alle.
STANDORT STÄRKEN
Basel ist ein wichtiger Forschungs- und
Innovationsstandort der Schweiz. Um die-
sen in Zukunft zu stärken, sieht die SV17
eine sogenannte Patentbox vor – ein inter-
national anerkanntes Steuerinstrument:
Gewinne, die mit patentgeschützten Pro-
dukten erzielt werden, sind tiefer besteu-
ert, sodass im Ergebnis eine Gewinnsteuer-
belastung von rund 11 Prozent resultiert.
Dies entspricht der heutigen Steuerhöhe.
Weil die entsprechenden Patente beim Ei-
genkapital angerechnet werden, bleiben
auch die Kapitalsteuern im Ergebnis ge-
genüber heute unverändert.
Kurzum: Die Steuerbelastung von Konzer-
nen wird mit der SV17 in Basel-Stadt an-
steigen. Sowohl die Gewinn- als auch die
Kapitalsteuern werden höher, dies jedoch
in einem akzeptablen Mass. Ausgenommen
sind Forschungskonzerne, deren Steuer-
belastung gleich bleiben wird. Die KMU
hingegen werden insgesamt um 100 Milli-
onen Franken entlastet.
SOZIALER AUSGLEICH
Neben den KMU soll auch die Bevölkerung
von der SV17 profitieren. Basel-Stadt hat
dafür einige Massnahmen ergriffen. So
sollen die Familienzulagen um 75 Fran-
ken pro Monat erhöht werden. Den stetig
steigenden Krankenkassenprämien wird
begegnet, indem die Beiträge für Prämien-
verbilligungen um 10 Millionen Franken
erhöht werden. Ebenso wird der Versiche-
rungsabzug bei den Einkommenssteuern
erhöht. In Kombination mit einer Senkung
des Einkommenssteuersatzes führt dies
dazu, dass praktisch die ganze Bevölke-
rung künftig mehr Geld im Portemonnaie
haben wird. Sie wird um insgesamt 150
Millionen Franken entlastet.
17SVEIN GEWINN FÜR BASEL
National- und Ständerat haben
in der Herbstsession die Steuer-
vorlage 17 verabschiedet. In
Basel-Stadt weiss man bereits,
wie sie umgesetzt werden soll
und was die Folgen sind.
twice Herbst 2018 17
DIE WIRTSCHAFT ZAHLT
Die SV17 ist für die Unternehmen von
grosser Bedeutung. Sie brauchen klare
und gesicherte Rahmenbedingungen, da-
mit sie in einem guten Umfeld Investitio-
nen tätigen und Arbeitsplätze schaffen
können. Die Wirtschaft war daher bereit,
substanziell dazu beitragen, dass ein
tragbarer Kompromiss zustande kommt.
So werden die Familienzulagen die Unter-
nehmen mit 70 Millionen Franken zusätz-
lich belasten.
Auch die Dividendenbesteuerung wird an-
gepasst. Wer mindestens 10 Prozent der
Aktien eines Unternehmens hält, muss
heute lediglich 50 Prozent des Dividende-
nertrages versteuern. Damit soll vermie-
den werden, dass ein Unternehmer densel-
ben Gewinn doppelt besteuern muss,
einmal als Unternehmensgewinn, einmal
als Einkommen. Da nun die Gewinnsteuer
sinkt, sollen Dividenden zum Ausgleich
künftig zu 80 Prozent besteuert werden.
Diese beiden Massnahmen sind alles ande-
re als erfreulich. Die Wettbewerbsfähig-
keit leidet, weil Basel-Stadt insbesondere
bei der Dividendenbesteuerung zum
Schlusslicht der Kantone wird. Aber es ist
der Preis, den die Basler Wirtschaft für die-
se wichtige Reform zu zahlen bereit ist.
FINANZIELL TRAGBAR
Voraussetzung der Steuervorlage war im-
mer, dass diese für den Kanton finanziell
tragbar ist. Der Kanton Basel-Stadt hat seit
2005 einen durchschnittlichen Überschuss
von 300 Millionen Franken erzielt, seit
2014 waren es jedes Jahr mindestens 179
Millionen Franken. Die Massnahmen für
die Bevölkerung und die Unternehmen, die
in der SV17 vorgesehen sind, werden den
Kanton Basel-Stadt unter dem Strich mit
150 Millionen Franken belasten. Ange-
sichts der Überschüsse der letzten Jahre
sind diese Ausfälle gut tragbar und eine
wichtige Investition, damit der Kanton Ba-
sel-Stadt auch künftig finanziell auf soli-
den Beinen steht.
BASELBIETER VORLAGE FOLGT
Auch der Kanton Basel-Landschaft wird
die SV17 umsetzen müssen. Kürzlich ging
die Vernehmlassung hierzu zu Ende. Der
Regierungsrat will die definitive Vorlage
noch im Herbst präsentieren, damit das
Gesetz rechtzeitig per 1. Januar 2020 in
Kraft treten kann. •
KMU MIT WENIG GEWINN
BEISPIEL: BÄCKEREI
RENDITESTARKES KMU
BEISPIEL: BAUFIRMA
ALLEINSTEHENDE
UNTERNEHMEN PRIVATPERSONEN
Eigenkapital: 100’000 Franken
Gewinn: 1’000 Franken
STEUERERSPARNIS:
451 FRANKEN
Eigenkapital: 20’000’000 Franken
Gewinn: 3’000’000 Franken
STEUERERSPARNIS:
355’000 FRANKEN
AUSWIRKUNGEN DER BASLER STEUER-
VORLAGE
HANDELSKONZERN
BEISPIEL: INTERNATIONALER KONZERN
FORSCHUNGSKONZERN
BEISPIEL: PHARMA-MULTI
EHEPAAR, 2 KINDER
Eigenkapital: 200’000’000 Franken
Gewinn: 100’000’000 Franken
MEHRBELASTUNG:
3’100’000 FRANKEN
Eigenkapital: 1’000’000’000 Franken
Gewinn: 300’000’000 Franken
STEUERBELASTUNG
BLEIBT GLEICH
Quelle: Finanzdepartement Basel-Stadt/Basellandschaftliche Zeitung
Jahreslohn |
	50’000 |
	150’000 |
	250’000 |
Steuerersparnis
0 Franken (0 %)
796 Franken (9.6 %)
1’418 Franken (5.3 %)
Familienzulage: + 75 Franken pro Kind
Jahreslohn |
	50’000 |
	150’000 |
	250’000 |
Steuerersparnis
338 Franken (14.2 %)
960 Franken (4.6 %)
1’583 Franken (4.0 %)
18 twice Herbst 2018
VERPACKEN
MIT SYSTEM
Herr Müller, Sie führen die Müller Group
in der vierten Generation. Wie lautet Ihr
Erfolgsrezept?
Peter Müller: Wir pflegen eine Kultur mit
kurzen Entscheidungswegen und aktiven
Mitwirkungsmöglichkeiten – das moti-
viert und bindet die Mitarbeitenden ein.
Mir ist wichtig, dass ich nicht im Elfen-
beinturm sitze, sondern sowohl mit Kun-
den als auch mit Mitarbeitenden in per-
sönlichem Kontakt stehe. «Management
by walking around» nenne ich diese Füh-
rungskultur. Bei fünf Standorten und gut
450 Mitarbeitenden ist das zwar nicht
mehr so einfach, aber um die Stimmung
zu spüren, muss man mit den Leuten re-
den.
Die Müller Group behauptet sich mit Industrie-
verpackungen und dazu passenden, indi­viduellen
Gesamtlösungen erfolgreich in seinen Märkten.
Das Familienunternehmen bekennt sich zum
Standort Münchenstein, wie Mitinhaber Peter
Müller und Verwaltungsrat Dr. Christian Heuer
ausführen.
Christian Heuer: Zum Erfolg trägt bei,
dass es innerhalb des Kaders keine Ellbo-
genmentalität gibt. Darauf wird in der
Führung grossen Wert gelegt. Bei Müller
gibt es keine Karriere auf Kosten anderer.
Diese Bündelung der Kräfte macht den Er-
folg des Unternehmens aus.
Was war der grösste Meilenstein in der
über 120-jährigen Firmengeschichte?
P.M.: Meilensteine gibt es viele. 1922 hat
Ernst Müller zum Beispiel ein Fabrika­
tionsgebäude in Münchenstein gekauft.
Oder 1965 haben wir im grenznahen
Rheinfelden die Müller GmbH gegründet.
Nach der kontinuierlichen Expansion un-
serer Geschäftsfelder gehen wir nun mit
einem Joint Venture noch einen Schritt
weiter und produzieren demnächst in In-
dien Stahlfässer in annähernd Schweizer
Qualität.
C.H.: Einen aktuellen Meilenstein setzen
wir derzeit mit dem Neubau des Produk-
tionsgebäudes hier am Standort München-
stein.
Weshalb investieren Sie in den Standort
Münchenstein?
P.M.: Münchenstein ist für uns ein guter
Standort. Wir sind nahe bei vielen unse-
rer Kunden, die in der Region produzieren
und unsere Gebinde brauchen. Unsere
Mitarbeitenden profitieren von einer sehr
guten Verkehrsanbindung inklusive ÖV-
STANDORT
twice Herbst 2018 19
Netz. Überhaupt liegen wir im Dreiländer­
eck optimal bezüglich Personalrekrutie-
rung. Und schliesslich können wir in
Münchenstein auf eine Gemeinde zählen,
die sehr wirtschafts- und industriefreund-
lich ist.
Was ist Ihr Hauptdifferenzierungsmerk-
mal?
C.H.: Wir sind ein Systemanbieter mit
übergreifenden Lösungen. Das heisst, im
Gegensatz zu vielen Mitbewerbern bieten
wir ein Komplettsystem an. Für den Kun-
den ist es in vielerlei Hinsicht attraktiv,
einen Anbieter zu wählen, der eine Kom-
plettlösung mit abgestimmten Schnittstel-
len anbietet, die er sonst womöglich von
PETER MÜLLER ist Delegierter des Verwaltungsrats
und CEO der Müller Group.
DR. CHRISTIAN HEUER ist COO der Müller AG Clea-
ning Solutions und Verwaltungsrat der Müller Group.
ÜBER DIE MÜLLER GROUP
Das international tätige Familien-
unternehmen mit Hauptsitz in
Münchenstein beschäftigt an fünf
Standorten in der Schweiz und in
Deutschland rund 440 Mitarbeitende.
Ein Netzwerk von 54 Vertretungen
stellt die weltweite Präsenz sicher.
Das Unternehmen entwickelt, pro-
duziert und vertreibt UN-geprüfte
Industrieverpackungen, Produktions-
handlingssysteme, Reinigungsanlagen
und Intralogistiklösungen für Kunden
aus verschiedenen Branchen.
www.mueller-group.com
vier bis fünf Herstellern einkaufen müsste.
Dadurch reduziert sich der Aufwand im
Bereich der technischen Schnittstellen sig-
nifikant. Wir begleiten den gesamten Pro-
duktionsprozess beim Kunden. Ein Rund-
um-Sorglos-Paket sozusagen.
Welche Herausforderungen bringen die zu-
geschnittenen Komplettlösungen mit sich?
P.M.: In der Regel hat der Kunde ein kon-
kretes Problem, das wir für ihn lösen.
Durch das «customizen» gehen jedoch Ska-
leneffekte verloren, weil die Lösungen, die
wir anbieten, sehr individuell sind. Um un-
sere Ressourcen zu schonen, führen wir
heute mehr denn je Marktanalysen durch
und eruieren, wo Multiplikationseffekte
geschaffen werden können.
Beschäftigt Sie der Fachkräftemangel?
Bilden Sie selber aus?
P.M.: Wir bilden in der Schweiz und in
Deutschland rund 15 Lernende in den Be-
rufen Polymechaniker, Konstrukteur und
Maschinenführer aus, also diejenigen Be-
rufe, die wir danach auch weiterhin be-
schäftigen können. Viele unserer ehemali-
gen Auszubildenden sind nach einigen
«Wanderjahren» wieder zur Müller Group
zurückgekehrt und heute als Kadermitar-
beitende angestellt.
C.H.: Fachkräftemangel spüren wir hier
am Standort Münchenstein keinen. Aller-
dings bringen jüngere Bewerber, besonders
Berufsanfänger, oft die geforderten Qualifi-
kationen nicht mit. Ältere Bewerber hinge-
gen können auf ein breiteres Erfahrungs-
spektrum zurückgreifen und sind so besser
in dem von uns gewünschten Gebiet ausge-
bildet. Deshalb stellen wir – entgegen dem
Trend – auch gerne über 50-Jährige ein.
Inwiefern beschäftigt Sie die Digitalisie-
rung?
C.H.: Natürlich beschäftigt uns die Digita-
lisierung, obwohl wir in unserem Bereich
nicht Vorreiter auf diesem Gebiet sein müs-
sen. Unsere Branche ist doch sehr konser-
vativ und sehr stark reguliert. Nichtsdesto-
trotz dürfen wir auch hier Entwicklungen
nicht verschlafen und haben das Thema
auf dem Radar.
Welche drei Begriffe machen Ihren zu-
künftigen Erfolg aus?
P.M.: Reaktionszeit, gesunde Finanzen und
Zuverlässigkeit.
C.H.: Wachstum, Innovation und Flexibi-
lität. •
20 twice Herbst 2018
Infrapark Baselland AG
Der ideale Standort für Industrieunternehmen
vor allem der Chemie- und Life Science-Branche.
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Unser Angebot ist auf die forschende, entwickelnde und produzierende
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behandlung bieten wir auch interessierten Kunden ausserhalb des Infrapark an.
Infrapark®
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Chemie- und Life Science-Firmen
twice Herbst 2018 21
STANDORT
WIRTSCHAFTS-
FLÄCHEN
UNTERNEHMERISCHES BEDÜRFNIS
ODER POLITISCHER ZANKAPFEL?
Über 180 Unternehmen aus der Region
haben an der Umfrage der Handelskam-
mer beider Basel teilgenommen und
ihre Bedürfnisse an Wirtschaftsflächen
dargelegt. Auffallend ist, dass Büro- und
Lagerflächen die Spitzenposition bei den
Wirtschaftsflächen in der Region ein-
nehmen und die Unternehmen eine Zu-
nahme des Bedarfs an Produktionsflä-
chen in den nächsten fünf bis zehn
Jahren prognostizieren.
WERKPLATZ BASEL – WOHIN?
Rund ein Dutzend grössere Areale in Ba-
sel-Stadt und Baselland befinden sich
zurzeit in Transformation. Sie sind ent-
weder unternutzt oder die traditionellen
Industrieunternehmen haben infolge von
Verlagerungen oder Einstellungen keine
Verwendung mehr dafür. Trotzdem ha-
ben Unternehmen Schwierigkeiten, pas-
sende Wirtschaftsfläche in der Region zu
finden. Dass vier von zehn Unternehmen
auf der Suche nach Flächen nicht fündig
wurden, sei zu viel, sagt Martin Dätwyler,
Direktor Handelskammer beider Basel:
«Die Situation hat sich zwar verbessert,
aber dies ist kein Grund, sich auszuruhen.»
Wohin entwickelt sich der Werkplatz Ba-
sel? Und wie lässt sich die prognostizierte
Zunahme an Produktionsflächen abbilden?
Diese Fragen müssen in der Raumplanung
sowie der Arealentwicklung Beachtung fin-
den. Keine einfache Aufgabe. Denn die Ent-
wicklungen sind sehr dynamisch und ver-
langen Flexibilität. Erschwerend kommt
hinzu, dass sich die Interessen kontrovers
präsentieren: Die Forderungen nach mehr
Wohnraum und zusätzlichen Frei- oder
Kulturflächen stehen den Forderungen
nach höheren Renditen der Grundeigentü-
mer gegenüber. Und für die Wirtschaft ist
es vital, dass auch sie ein Stück vom Ku-
chen abbekommt.
WIRTSCHAFTSFLÄCHEN –
INDUSTRIE 4.0
Nebst den bekannten Produktionsformen
werden für den Werkplatz Basel zukünftig
vermehrt Unternehmen erwartet, die in
den Bereichen Robotik und High-Tech bezie-
hungsweise Industrie 4.0 agieren. Dazu be-
nötigen sie Wirtschaftsflächen, die gut zu
erreichen sind, ein attraktives Umfeld bie-
ten und direkten Zugang zum Arbeitsmarkt
haben. Die Unternehmen unterscheiden
sich von der traditionellen Industrie und
vom klassischen Gewerbe insbesondere
durch tiefere Emissionen: «Damit wird eine
attraktive und dichte Nutzungsform der
Areale in unmittelbarer Nachbarschaft
zum Wohnen möglich», so Dätwyler.
GESAMTKONZEPT TUT NOT
Vor diesem Hintergrund erscheint die ak-
tuelle Debatte um Gewerbeflächen im
Volta Nord zu kurz gegriffen. Es braucht
Gewerbeflächen zweifellos, aber nicht
nur. Die Handelskammer beider Basel
setzt sich dafür ein, dass man sich von der
Einzelbetrachtung singulärer Areale löst.
«Diese Sichtweise führt zum Verteilkampf
zwischen den einzelnen Ansprüchen», so
Dätwyler. Denn wird der Perimeter geöff-
net, lassen sich die Areale in einer Ge-
samtschau aufeinander abstimmen und
auf die Bedürfnisse der Wirtschaft ausge-
richtet entwickeln. «Dazu zählen wir auch
die Überprüfung der Zonenreglemente,
die auch künftige Entwicklung abbilden
müssen. Getreu dem Grundsatz: Raum-
entwicklung ist auch Wirtschaftsentwick-
lung», so Dätwyler. •
An der Umfrage haben 183 Unter-
nehmen unterschiedlicher Grösse
und Branche aus den Kantonen
Baselland und Basel-Stadt teilgenom-
men. Die Eigentumsverhältnisse
teilen sich in 62 % Miete, 31 % Eigen-
tum und 7 % Baurecht auf. Die be-
wirtschaftete Fläche umfasst bei
rund zwei Dritteln der Unternehmen
zwischen 251 und 10’000 m2
.
Die Umfrage der Handels-
kammer beider Basel zeigt:
Wirtschaftsflächen sind ein
wichtiger Standortfaktor
für wirtschaftliche Tätigkeit.
Für eine zukunftsgerichtete
Entwicklung braucht es eine
Gesamtschau über alle
Areale hinweg.
STANDORT
22 twice Herbst 2018
Seit rund neun Jahren wird mit der tunBasel aktive Nach-
wuchsförderung betrieben, um dem Fachkräftemangel in
den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften
und Technik (MINT) entgegenzuwirken. Martin Dätwyler,
Direktor der Handelskammer beider Basel, spricht über die
Initiative und ihren Erfolg.
Herr Dätwyler, warum engagiert sich ein
Wirtschaftsverband in der Nachwuchs-
förderung?
Seit Jahren warnt die Wirtschaft vor einem
Fachkräftemangel in den MINT-Bereichen.
In vielen Branchen fehlt es schon heute an
qualifizierten Fachleuten. Insbesondere die
Nachfrage nach MINT-Fachleuten hat sich
in den vergangenen Jahren vervielfacht.
Und hier knüpft das von der Handelskam-
mer beider Basel initiierte ausserschulische
Lernangebot aus der Wirtschaft – die tun-
Basel – an. Ziel ist es, auf diese Weise Kin-
der und Jugendliche für Technik und Natur-
wissenschaften zu begeistern, damit die
Wahl entsprechender Berufe und Studien-
gänge zu begünstigen und so dem Nach-
wuchsmangel entgegenzuwirken.
Wie funktioniert die tunBasel?
Kinder und Jugendliche zwischen 7 und
13 Jahren erleben ausserhalb des Schul-
unterrichts, wie spannend und herausfor-
dernd naturwissenschaftliches und tech-
nisches Lernen und Arbeiten ist. Darüber
hinaus erfahren sie gemeinsam mit ihren
Eltern und Lehrpersonen, dass die
MINT-Bereiche zukunftsträchtige Be-
schäftigungsfelder mit interessanten be-
ruflichen Perspektiven bieten. Im Vorder-
grund stehen dabei natürlich die
Experimente der rund 20 Aussteller. Die
Kinder und Jugendlichen stellen Pulver-
schnee oder Parfum her, erkunden mit der
Wärmebildkamera die Umwelt oder erzeu-
gen aus einer Kartoffel Strom.
Warum ist die Zielgruppe so jung?
Es gibt diverse Studien, die bestätigen,
dass Jugendliche, die nicht schon im Kin-
desalter positive Erfahrungen in den
TUNBASEL DER ERFOLG GEHT WEITER
STANDORT
twice Herbst 2018 23
MINT-Bereichen machen, sich auch später
kaum mehr dafür interessieren. Das un-
terstützen auch die Akademien der Wis-
senschaften mit ihrer diesjährigen Analy-
se: Die MINT-Fächer werden in der Schweiz
im internationalen Vergleich zu spät und
zu wenig gefördert. Besonders die frühe
Förderung bleibe im internationalen Ver-
gleich noch auf der Strecke. Wichtig sei,
dass sich Kinder früher als heute für die
MINT-Themen interessieren, damit sie die-
se während der Berufswahl im Hinterkopf
haben. Kinder und Jugendliche sollten da-
her bereits im Primarschulalter spiele-
risch an Physik, Mechanik und mathema-
tische Formeln herangeführt werden. Und
genau das macht die Handelskammer bei-
der Basel mit ihrer tunBasel.
Wann findet die nächste tunBasel statt?
Die mittlerweile fünfte tunBasel wird vom
8. bis 17. Februar 2019 in den Messehallen
der muba stattfinden. Ich kann schon jetzt
verraten, dass die Ausstellerzahl gewach-
sen ist und dass es viele neue, spannende
Experimente geben wird. Wir erwarten
daher auch 2019 eine grosse Besucher-
zahl. •
HIGHLIGHTS TUNBASEL 2019
ROBOTIK
Jugendliche ab 12 Jahren können mit zwei Experimenten die faszinierende
Welt der Roboter und ihre Interaktionen erforschen. Im Projekt «Interface of
Things» können sie über eine interaktive Tischoberfläche Roboter fahren, len-
ken und stoppen. Im zweiten Projekt «Humanoid Robotics» kommunizieren
sie mit Robotern. Hier programmieren sie nicht mehr, sondern treten mit hu-
manoiden Robotern direkt in einen interaktiven Austausch. Mit beiden Expe-
rimenten erleben sie so spielerisch, wie die digitale und physische Welt im-
mer mehr ineinandergreifen.
MATHEMATIKUM AUF 80 m2
Im Mathematikum der Fachhochschule Nordwestschweiz erleben Kinder und
Jugendliche die spannende und vielfältige Welt der Mathematik kennen. Diver-
se Exponate laden ein, sich mit der praktischen Seite der Mathematik ausein-
anderzusetzen. Bereiche wie periodische Parkettierung, Zerlegungsproblem,
Funktionen, Beschleunigung, Kombinatorik, Körper, Problemlöseverhalten und
anderes werden sicht- und erlebbar gemacht.
LASER-LABYRINTH
Wie lange braucht man, um das Ziel mit dem Laserstrahl zu treffen? Im Laser-
spiel lernen Kinder ab 7 Jahren, herauszufinden, wie die Spiegel einzusetzen
sind, um den Laserstrahl so abzulenken, dass er das Zielobjekt trifft. Zudem
lernen sie die verschiedenen interessanten Eigenschaften von Laserlicht kennen.
Hallo.
Kennen wir uns?
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24 twice Herbst 2018
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11. ZOLLSYMPOSIUM AM 20. NOVEMBER 2018
SSIB
twice Herbst 2018 25
STANDORT
Der EuroAirport ist für die Wirtschaftsentwicklung unserer Region von grösster
Bedeutung. Deshalb muss unser Flughafen auch in Zukunft für Reisende
und Güter optimal erschlossen sein. Der Bahnanschluss ist hierfür unabdingbar.
Jahr für Jahr meldet der binationale Flugha-
fen EuroAirport einen neuen Passagierre-
kord. Alleine 2017 Jahr reisten 7,9 Millionen
Passagiere über den französisch-schweize-
rischen Flughafen, was einem Wachstum
von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr ent-
spricht. Diese Entwicklung setzt sich im
laufenden Jahr fort. Der EuroAirport liegt
damit gut im weltweiten Trend. «Mit über
90 Destinationen in wichtigen europäischen
Wirtschaftszentren trägt der EuroAirport
wesentlich dazu bei, dass unsere Region
international gut zu erreichen ist», so
Martin Dätwyler, Direktor Handelskammer
beider Basel.
WICHTIGER FRACHTHUB
Doch nicht nur die Passagierzahlen neh-
men zu, auch die Luftfracht steigt stark
an: Zwischen 2016 und 2017 legte sie um
rund 17 Prozent zu und gehört mit den
Passagierflügen und dem Umbau und Un-
terhalt von Privatflugzeugen zu den wich-
tigsten Geschäftsfeldern des Flughafens.
Mehr als 64’000 Tonnen Luftfracht wurden
2017 über den EuroAirport versandt, 73 Pro-
zent davon als Expressfracht. Hinzu kom-
men 48’000 Tonnen Fracht, die per Camion
an andere grosse Flughäfen transportiert
werden. «Diese eindrücklichen Zahlen wi-
derspiegeln die Bedeutung des EuroAirport
für unsere exportintensiven Branchen als
Teil des leistungsfähigen Logistik-Clusters
Basel», erläutert Dätwyler. «Wertmässig wird
sogar ein Viertel des Güterumschlags im
Raum Basel über den Luftweg abgewickelt.»
GROSSER ARBEITGEBER
Dieser Erfolg macht den EuroAirport zu
einem grossen und beliebten Arbeitgeber
der Region Basel. Rund 6’300 Personen
sind am Flughafen im Dreiländereck be-
schäftigt. Ende 2017 hat Bundesbern mit
Paris ein Steuerabkommen abgeschlossen
und damit Rechtssicherheit für die Unter-
nehmen im Schweizer Sektor erlangte.
Dies lässt eine zusätzliche Dynamik so-
wohl im Personen- wie auch im Güterver-
kehr und hinsichtlich der Anzahl Mitar-
beitenden am EuroAirport erwarten.
BAHNANSCHLUSS VITAL
FÜR REGION
Damit der EuroAirport auch zukünftig
seine Rolle als «Tor zur Welt» auf dem
Luftweg wahrnehmen kann, muss er opti-
mal zu erreichen sein. Die Handelskam-
mer beider Basel setzt sich deshalb für die
zeitnahe Realisierung des Bahnanschlus-
ses an den EuroAirport ein. Verkehrsstu-
dien gehen übrigens davon aus, dass jähr-
lich bis zu sechs Millionen Passagiere mit
dem Zug zum Flughafen fahren könnten.
Die Industrie- und Handelskammern am
südlichen Oberrhein fordern die Bundes-
behörden in der Schweiz und Frankreich
auf, die Gespräche über eine Projektfi-
nanzierung unverzüglich aufzunehmen
und rasch abzuschliessen. Denn eins ist
klar: Für die Weiterentwicklung der
zweitgrössten und zugleich dynamischs-
ten Wirtschaftsregion der Schweiz ist Ba-
sel auf leistungsfähige Infrastrukturen
angewiesen. •
READY FOR TAKEOFF
26 twice Herbst 2018
REDESIGNING
HEALTHCARE.
Inspirations for a patient
centric healthcare
system.
28. JANUAR 2019
HALLE 7, BASEL
Am 28. Januar 2019 findet mit FutureHealth Basel zum
zweiten Mal die internationale Konferenz für Changemaker
in der Gesundheitswirtschaft statt. Die von der Handels-
kammer beider Basel und dem Swiss Economic Forum
initiierte Plattform zeigt die Trends von morgen und stellt
den Patienten und seine Bedürfnisse ins Zentrum.
Unser Gesundheitssystem steht vor gros-
sen Veränderungen. Der technologische
Fortschritt, demografische Entwicklungen
sowie sich wandelnde Kundenbedürfnisse
stellen nicht nur bisherige Geschäftsmo-
delle vor Herausforderungen, sondern er-
möglichen gleichzeitig den Markteintritt
neuer, branchenfremder Unternehmen.
Dieses volatile Umfeld fordert alle Akteure
der Schweizer Gesundheitsindustrie mehr
denn je. Gleichzeitig bieten sich aber auch
Chancen für zukunftsfähige Lösungen und
Kollaborationen. Wie man diese Chancen
nützen kann und vor allem was sie den
Patienten bringen, diskutieren die Teil-
nehmerinnen und Teilnehmer an der Kon-
ferenz FutureHealth Basel. «Mit der Fu-
tureHealth Basel haben wir eine Konferenz
lanciert, die sich den Herausforderungen
von morgen stellt und neue Trends und zu-
kunftsfähige Lösungsansätze präsentiert»,
so Martin Dätwyler, Direktor Handels-
kammer beider Basel.
PATIENT IM FOKUS
Das Swiss Economic Forum und die Han-
delskammer beider Basel haben 2018 die
FutureHealth Basel – eine Konferenz für
Changemaker in der Gesundheitswirt-
schaft – erfolgreich lanciert: «350 Teilneh-
merinnen und Teilnehmer haben sich An-
fang 2018 in Basel ausgetauscht und die
Trends im Gesundheitssektor von morgen
diskutiert», so Dätwyler. 2019 steht die Fu-
tureHealth Basel im Zeichen der Zukunft
der Healthcare- und Life Sciences-Indus­
trie. Dabei werden der Patient, seine Bedürf­
nisse und die sich verändernden Ökosys­
teme ins Zentrum gestellt. •
FUTUREHEALTH BASEL
STANDORTAUS DER ’KAMMER
Die Changemaker-Konferenz vernetzt
internationale junge Wilde der Branche
mit erfahrenen Führungspersönlich-
keiten von Life Sciences- und MedTech-
Unternehmen, Technologiefirmen,
Managed-Service-Anbietern, Logistik­
unternehmen, Behörden, Praxen und
Spitälern sowie Krankenversicherun-
gen. FutureHealth Basel zeichnet sich
durch ein sorgfältig gemischtes Teil-
nehmerfeld, bestehend aus ausgewie-
senen Thought Leaders und Change-
makers, aus.
Anmeldung:
www.nzz-futurehealth.com
twice Herbst 2018 27
WELTWEIT
FÜHREND
Die Region Basel gehört zu den weltweit führenden Life Sciences-Standorten und ist klar die
Nummer Eins Europas. Damit die Region diese Spitzenposition nicht nur behaupten, sondern
auch ausbauen kann, setzt sich die Life Sciences-Kommission der Handelskammer beider Basel
für attraktive Rahmenbedingungen ein.
Die Region Basel gehört weltweit zu den
wichtigsten Zentren der Life Sciences. Der
Region ist es gelungen, eines der vollstän-
digsten Life Sciences-Ökosysteme welt-
weit aufzubauen. Nirgendwo auf der Welt
gibt es so viele Life Sciences-Arbeitsplätze
auf so engem Raum. Und nirgendwo sonst
leistet die Life Sciences-Branche einen so
hohen Anteil an der Gesamtwertschöp-
fung einer Region. Ihr grosses Potenzial
mit mehr als 800 Life Sciences-Unterneh-
men entlang der gesamten Wertschöp-
fungskette und über 33’000 Mitarbeiten-
den in der Branche verspricht die Life
Sciences-Industrie der Region Basel im
nächsten Jahrzehnt noch wettbewerbsfä-
higer zu machen und den technologischen
Wandel für Innovationen zu nutzen.
Um diese ausserordentliche Marktstellung
der in der Region angesiedelten Life Scien-
ces-Unternehmen und -Institute zu vertei-
digen und weiter auszubauen, vereint die
Handelskammer beider Basel in ihrer Life
Sciences-Kommission Fachpersonen aus
Industrie, Spitälern und Hochschulen. «Die
Kommission hat die Förderung und Weiter-
entwicklung der Life Sciences-Branche
zum Ziel», so Jürg Erismann, Präsident der
Life Sciences-Kommission der Handels-
kammer beider Basel. «Es ist wichtig, dass
die Life Sciences-Region geeint auftritt
und in der Nordwestschweiz aber auch
schweizweit auf ihre Anliegen als wichti-
ger Wirtschaftsmotor aufmerksam macht.»
TRENDS ERKENNEN
Um das Wertschöpfungspotenzial der
Branche weiter voranzutreiben, entwickelt
die Handelskammer beider Basel gemein-
sam mit den Kantonen Basel-Stadt und Ba-
selland in regelmässigen Abständen eine
übergeordnete Cluster-Strategie. Die Life
Sciences-Strategie hält Ziele und Mass-
nahmen fest, die es in naher Zukunft an-
zupacken gilt. So liegen die Schwerpunkte
der aktuellen Strategie in der Weiterent-
wicklung der personalisierten Medizin,
der aktiven Unterstützung von Start-ups
sowie der Mitgestaltung von gesetzlichen
und regulatorischen Rahmenbedingungen.
«Die bereits sehr erfolgreiche Leitbranche
soll auch zukünftig trotz neuen Herausfor-
derungen eine weltweit führende Rolle
einnehmen», so Erismann. •
AUF EINEN BLICK −
LIFE SCIENCES CLUSTER
REGION BASEL
Seit diesem Herbst ist das neue «Life
Sciences Cluster Mapping Region
Basel» online und steht allen offen,
die sich über die Life Sciences-Akteu-
re in der Region Basel informieren
möchten. Die webbasierte Visualisie-
rung der Life Sciences-Branche in der
Region Basel zeigt, wie sich der Clus-
ter historisch entwickelt hat, wo die
einzelnen Unternehmen angesiedelt
und welche Branchen vertreten sind.
Dank dem digitalen Tool ist also erst-
mals sicht- und erlebbar, wie gross,
kompetent und vernetzt der weltweit
führende Life Sciences Cluster in der
Region Basel ist. Die Präsenz im Tool
ist für Unternehmen kostenlos.
www.lifesciencesbasel.ch
JÜRG ERISMANN, Präsident der Life Sciences-
Kommission der Handelskammer beider Basel und Leiter
Standort Basel F. Hoffmann-La Roche AG.
AUS DER ’KAMMER
28 twice Herbst 2018
2018
25November
AB S TIMMUNG E N
NEIN
ZUR
«SELBSTBESTIMMUNGS»-
INITIATIVE
Die «Selbstbestimmungs»-Initiative wäre ein fataler Eingriff in
die Wirtschaft der Exportnation Schweiz. Weil die Initiative eine
Rückwirkungsklausel enthält, wären rund 600 Abkommen mit
wirtschaftsrelevantem Inhalt gefährdet. Dazu gehören wichtige
Abkommen in den Bereichen internationaler Handel, Investitio-
nen oder geistiges Eigentum. Die Initiative will, dass zukünftig
die Bundesverfassung über allen internationalen Verträgen steht:
im Falle eines Widerspruchs zwischen Verpflichtungen und der
Verfassung soll das Völkerrecht angepasst oder das entsprechen-
de Abkommen gekündigt werden.
Bereits heute kann die Schweiz keine internationalen Verträge
abschliessen, die ihrer Verfassung widersprechen. Bei einer Kolli-
sion von neuen Verfassungsbestimmungen mit dem Völkerrecht
suchen der Bundesrat und das Parlament nach pragmatischen
und breit abgestützten Lösungen, die sowohl den Vorgaben der
Verfassung als auch den völkerrechtlichen Verpflichtungen der
Schweiz Rechnung tragen. Und bringt ein Vertrag später Nach-
teile, kann per Initiative seine Kündigung verlangt werden. Mit
ihrem Vorbehalt, widersprüchliche Abkommen neu zu verhan-
deln oder nötigenfalls zu kündigen, schwächt die «Selbstbestim-
mungs»-Initiative die Schweiz als verlässliche Vertragspartnerin
und isoliert sie international.
Um die wirtschaftliche Stabilität, die Vertragsverlässlichkeit, die
Wettbewerbsfähigkeit und somit den Wohlstand der Schweiz
nicht zu gefährden, empfehlen wir am 25. November 2018 ein
NEIN zur «Selbstbestimmungs»-Initiative. •
Eidgenössische Vorlagen
NEIN zur
•	 «Selbstbestimmungs»-Initiative
JA zur
•	 Änderung des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-
rechts
Basel-Stadt
JA zu
•	 Verlängerung der Ladenöffnungszeiten
•	 Bebauungsplan Volta Nord
Basel-Landschaft
JA zum
•	 Gegenvorschlag für eine faire steuerliche
Behandlung der Wohnkosten
NEIN zur
•	 formulierten Gesetzesinitiative Ja zur
Prämienverbilligung
«Die Selbstbestimmungs  -Initiative bringt die
Bilateralen in Gefahr, isoliert die Schweiz langfristig
und gefährdet damit unseren Wohlstand.»
ELISABETH SCHNEIDER-SCHNEITER
PRÄSIDENTIN HANDELSKAMMER BEIDER BASEL UND NATIONALRÄTIN CVP BASELLAND
«Die «Selbstbestimmungs»-Initiative bringt
Schweizerinnen und Schweizer keine neuen Rechte.
Sie bringt aber Rechtsunsicherheit und nimmt uns
den Handlungsspielraum für pragmatische Lösungen!»
MATTHIAS LEUENBERGER
LÄNDERPRÄSIDENT NOVARTIS SCHWEIZ
NOVEMBER
Mi, 7. November 2018
8. cluster-forum
Politik und Logistik – eine schwierige
Beziehung?
Do, 8. November 2018
Werkstatt Basel
Mi, 14. November 2018
Absolventenmesse Basel
Patronat der Handelskammer
2019
JANUAR
Di, 8. Januar 2019
Neujahrsempfang 2019
Mo, 28. Januar 2019
FutureHealth Basel
APRIL
Mi, 3. April 2019
Mitgliedfirmen stellen sich vor –
Besichtigung der Schweizer Salinen AG
MAI
Do, 9. Mai 2019
Mitgliedfirmen stellen sich vor –
Besichtigung der Settelen AG
AGENDA
Donnerstag, 8. November 2018
Werkstatt Basel
Act local – think global
Wo?	 Kino Pathé Küchlin,
	 Steinenvorstadt 55, Basel
Wann?	 18.00 – 20.00 Uhr
Dienstag, 8. Januar 2019
Neujahrsempfang 2019
Wo?	 UBS Forum,
	 Aeschenvorstadt 1, Basel
Wann?	 18.00 Uhr
	 (Türöffnung 17.30 Uhr)
Wer?	 Mitglieder und geladene Gäste
Der Vorstand und die Geschäftsstelle der
Handelskammer beider Basel laden ihre
Mitglieder herzlich zum traditionellen
Neujahrsempfang ein.
Handelskammer vernetzt interessante
Menschen, schafft neue Kontakte und fördert
den Dialog.
Handelskammer fokussiert auf aktuelle
Themen aus Politik, Wirtschaft und Gesell-
schaft, führt Debatten zu Themen und Trends
unserer Region und bildet Meinungen.
Handelskammer informiert im Rahmen von
Weiterbildungen. Nebst zahlreichen Schulungen
zum Exportgeschäft zählen auch Angebote zur
Entwicklung persönlicher Skills und Manage-
mentfähigkeiten zur Veranstaltungsreihe.
Die Agenda wird laufend aktualisiert auf
www.hkbb.ch
Vielfältig. Praxisorientiert. Berufsnah.
Aus- und Weiterbildung an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW
www.fhnw.ch
twice Herbst 2018 29
AUS DER ’KAMMER
Bundesrat Ignazio CassisAndreas Büttiker, Daniela Schneeberger,
Mathias F. Böhm
Andreas Klemens, Daniel Scheidegger
Raphaela Mischler, Jasmin Pulfer
30 twice Herbst 2018
Ueli Vischer, Heinrich Koller, Christoph Eymann,
Conradin Cramer
Sven Hoffmann, Björn Hoffmann
22. GENERALVER-
SAMMLUNG DER
HANDELSKAMMER
BEIDER BASEL
18. JUNI 2018
Christina Hatebur, Markus Lehmann
Elisabeth Augstburger, Jacqueline Bader,
Nicole Strahm, Brigitte Müller-Kaderli
Elisabeth Schneider-Schneiter Eva Herzog, Susanne Leutenegger-Oberholzer
Luzius Bosshard, Cathrin Bosshard Pablo Grendelmeier, Martin Drescher
Fotos: Pino Covino
Ganimetja Jasari, Matthias Arndt
Pierre de Meuron, Elisabeth Schneider-Schneiter
Maya Graf, Hans Schneiter
Christoph Brutschin, Patricia von Falkenstein,
Daniel Egloff
Caspar von Stülpnagel, Michael Beglinger,
Martin Ursprung
Lukas Ott, Christian Greif
twice Herbst 2018 31
Luca Urgese, Sabine Pegoraro, Andreas Zappalà
Martin Dätwyler, Baschi Dürr
Gilbert Achermann, Felix ReiffAdrian Thomet, Florian Thomet
SOMMERAPÉRO
DER HANDELS-
KAMMER
BEIDER BASEL
14. AUGUST 2018
Michael T. Bächle, Conradin Cramer
Irina Blonina, Hans Martin Tschudi
Conradin Cramer, Isaac Reber,
Elisabeth Schneider-Schneiter, Hannes Schweizer,
Remo Gallacchi
Carlo Conti, Mario Gasparini
Handelskammer beider Basel
St. Jakobs-Strasse 25
Postfach
4010 Basel
T +41 61 270 60 60
F +41 61 270 60 05
E-Mail: info@hkbb.ch
www.hkbb.ch
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Präsentation von Regierungsrat Anton Lauber zur Steuervorlage 17
 
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Präsentation des ersten Unternehmertreffs Leimental der Handelskammer beider ...
 
Präsentation von Bundesrat Ignazio Cassis
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twice 2/2018

  • 1. 9. Ausgabe Herbst 2018 AUS DER ’KAMMER FutureHealth Basel Redesigning Healthcare STANDORT Stimmungsbarometer Wirtschaft im Hoch FOKUS RISIKEN DES WOHLSTANDS- KUCHENS
  • 2. 2 twice Herbst 2018 IMPRESSUM twice erscheint zweimal im Jahr (Frühjahr und Herbst) HERAUSGEBER Handelskammer beider Basel, St. Jakobs-Strasse 25, Postfach, 4010 Basel, T +41 61 270 60 60, F +41 61 270 60 05, E-Mail: info@hkbb.ch REDAKTION Jasmin Fürstenberger, j.fuerstenberger@hkbb.ch, Lucia Uebersax, l.uebersax@hkbb.ch MITAUTORIN Anne Theiss, Brenneisen Theiss Communications ART DIRECTION Brenneisen Theiss Communications FOTOS Pino Covino (S. 10/30), EuroAirport (S. 25), Fotolia: stockpics (S. 21), Rebecca Koblet (S. 18), Shutterstock: Oleinik Iuliia (Titelbild), Iudina Ekaterina (S. 2/4), Marynova (S. 8), virgmos (S. 12), justone (14/16), Andreas Zimmermann (S. 2) DRUCK Schaub Medien AG, Sissach IN DIESER AUSGABE 14 Wirtschaft der Region im Hoch 16 SV17 – ein Gewinn für Basel 18 Verpacken mit System 21 Wirtschaftsflächen – unter- nehmerisches Bedürfnis oder politischer Zankapfel? 22 tunBasel – der Erfolg geht weiter 25 EuroAirport – ready for take- off 26 FutureHealth Basel 27 Weltweit führend 28 Abstimmungen 29 Agenda 30 Impressionen 4 Die Risiken des Wohlstandskuchens 8 Erfolgsgeheimnis Schweiz 10 Wohlstand ist kein Naturgesetz 12 Initiativflut bringt Schweiz ins Stottern 13 Kolumne FOKUS STANDORT AUS DER ’KAMMER
  • 3. twice Herbst 2018 3 EDITORIAL LIEBE LESERIN, LIEBER LESER Unser Stimmungsbarometer zeigt: Die Wirtschaft ist in Form. Viele Unter- nehmen sind zufrieden mit ihrem aktuellen Geschäftsgang und blicken zu- versichtlich in die Zukunft. Dies ist erfreulich und zeigt, dass die Unterneh- men weiterhin erfolgreich unterwegs sind und massgeblich zu unserem Wohlstand beitragen. Die Antwort auf die Frage, woher unser Wohlstand kommt, mag zwar komplex sein, aber vereinfacht kann man sagen: Wir öffneten unsere Märkte der inter- nationalen Konkurrenz, begegneten ausländischen Direktinvestitionen posi- tiv und liessen es zu, ein attraktives Einwanderungsland zu werden. Zudem haben wir durch exzellente Hochschulen und ein ausgezeichnetes Bildungs- system den Boden für eine innovative Wirtschaft gelegt, mit Qualität und Leistungsbereitschaft überzeugt, die Sozialpartnerschaft gepflegt, die Nach- haltigkeit gefördert und über lange Jahre an einem schlanken und föderalis- tischen Staat festgehalten. Doch die Zeiten haben sich geändert. Immer häufiger und scharfzüngiger werden in der Schweiz Forderungen gestellt, die an diesem Fundament rütteln. Protektionistische Tendenzen zeichnen sich ab. Doch die Globalisierungskritik ist so heftig wie falsch. Politische Vorstösse wie die «Selbstbestimmungs»- und Unternehmensverantwortungs-Initiative zielen auf Abschottung und nationale Regulierung ab. Dies widerspricht nicht nur unseren Interessen, sondern setzt auch unseren Wohlstand aufs Spiel. Für Unternehmen sind klare und gesicherte Rahmenbedingungen das Rückgrat ihres Erfolgs. Dazu gehört auch die Steuervorlage 17: Unternehmen benötigen rasch ein international akzeptiertes Steuersystem und damit Rechtssicherheit. Und die Wirtschaft braucht Fachkräfte. Damit Unternehmen diese auch in Zukunft zur Verfügung stehen, haben wir vor acht Jahren die Erlebnisschau tunBasel lanciert. Auf spielerische Art sollen Kinder und Jugendliche die fas- zinierende Welt der MINT-Fächer entdecken. Kommen Sie vom 8. bis 17. Februar 2019 an der tunBasel der muba vorbei – wir freuen uns auf Sie. Auch freuen wir uns, neu mit Ihnen auf unseren sozialen Netzwerken in Kontakt zu sein. Martin Dätwyler, Direktor WOHLSTAND KEIN SELBSTLÄUFER
  • 4. 4 twice Herbst 2018 DIE RISIKEN DES WOHLSTANDSKUCHENS Wachstumsskeptiker negieren den globalen Wohlstandszuwachs, den wirtschaftliches Wachstum gebracht hat. Ohne Wachstum wird die heutige Welt konserviert. Höchste Zeit also, den Skeptikern und Globalisierungskritikern entgegenzutreten. Von Peter Grünenfelder, Direktor, und Natanael Rother, Fellow von Avenir Suisse FOKUS
  • 5. twice Herbst 2018 5 Wachstumskritik hat Hochkonjunktur – auch Jahrzehnte nach dem Bestseller «Die Grenzen des Wachstums» des Club of Rome wird die stetig steigende Prosperität von Skeptikern begleitet: Der materielle Wohl- stand führe in die Sackgasse, Überbevöl- kerung drohe und natürliche Ressourcen würden übernutzt. «Was fehlt, wenn alles da ist», fragte eine andere Publikation vor Kurzem. Der Titel ist Mahnmal des diffusen Gefühls, dass wir nichts Zusätzliches bräuchten. Man könnte diese Art der Zukunftsangst als Quengelei abtun. Der Gefahr, die von ihr ausgeht, würde man damit aber nicht ge- recht. Wachstumsskepsis negiert den Dreh- und Angelpunkt liberaler Politik, die gerade darauf abzielt, den Fortschritt zu fördern. Grund genug also für eine Analyse, warum es die fortschrittskriti- schen Vorlagen aufs politische Parkett schaffen, und für einen Anlauf, zumin- dest einigen der weitverbreiteten Ängste entgegenzutreten. ZUNEHMEND WIRTSCHAFTSKRITISCH Vorlagen der direkten Demokratie würden immer wirtschaftsfeindlicher, so eine The- se. Tatsächlich stimmt das bedingt: Wirt- schafts- und damit wohlstandskritische Vorlagen sind kein neues Phänomen. Sie sind vielmehr seit Langem die Regel. Zwi- schen 1946 und 2015 etwa waren von 133 wirtschaftsrelevanten Initiativen auf natio- naler Ebene nicht weniger als 130 wirt- schaftskritisch. Und ein Grossteil der Refe- renden hat versucht, wirtschaftsfreundliche Vorlagen über Bord zu werfen. In Anbe- tracht dieser Flut von Versuchen, die Bevöl- kerung zu einem wirtschaftsfeindlichen Abstimmungsverhalten zu bewegen, scheint die Annahmequote überraschend gering. Bei Volksinitiativen waren es insgesamt nur 8 Prozent, und bei Referenden mit 32 Prozent zumindest nicht die Mehrheit. Die Herausforderungen durch wirtschaftskri- tische Vorlagen sind keineswegs neu, aber die Dringlichkeit, dagegen anzutreten, ist gestiegen. Denn alleine von 2013 bis 2017 stimmte der Souverän über insgesamt 18 Vorlagen ab, die die marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen stark tangierten. ZU ERFOLGREICH? Auch wenn man angesichts der täglichen Medienberichterstattung daran zweifeln könnte: Es geht uns nach wie vor gut in der Schweiz. Unser Wohlstand ist – nur schon im innereuropäischen Vergleich – bemerkenswert hoch. Das zeigt etwa ein kleines Gedankenexperiment, bei dem man die Schweizer Bevölkerung ihrem Einkommen entsprechend in zehn gleich grosse Gruppen unterteilt. Selbst die aus dieser Warte betrachtet Ärmsten der Schweiz gehören noch zum europäischen Mittelstand. Und die aus schweizerischer Sicht mittleren Einkommen zählen inner- halb Europas bereits zur Gruppe der Rei- chen. Etwas überspitzt könnte man also sagen, dass es in der Schweiz vor einem europäischen Hintergrund keine Armen gibt. Wer wollte da schon für mehr Wachs- tum weibeln? Und nicht nur das: Grund- sätzlich lässt sich feststellen, dass mehr Wohlstand durchgehend zu mehr Lebens- zufriedenheit führt – und dies auch in be- reits ökonomisch «reichen» Ländern. Woher also die Wohlstandsmüdigkeit? Drei Erklärungsansätze können eine Erklärung bieten: WACHSTUM UND UMWELTSCHUTZ SIND KEINE GEGENSÄTZE Angesichts der vielen negativ konnotier- ten Berichte zu Ressourcenverbrauch über Luft, Boden, Wasser und Biodiversität könnte man fast glauben, dass wir die Umwelt in der Schweiz zugrunde richten. Das Gegenteil ist der Fall: Umweltanaly- sen des Bundesamtes für Statistik zeigen, dass seit den 1990er-Jahren etliche Prob- leme entschärft wurden Die Luftqualität ist heute generell besser als vor 20 Jahren Luftschadstoffe und Feinstaubemissionen sind rückgängig, die Wasserqualität in den Seen steigt dank Rückgang der Nähr- stoffeinträge, der Trinkwasserverbrauch nimmt ab, die in Deponien entsorgte Ab- fallmenge stagniert anstatt zuzunehmen und die Treibhausgasemissionen wurden stabilisiert. Das hat natürlich auch mit dem Übergang zur Dienstleistungswirt- schaft zu tun. Aber es erfolgte trotz Wachstum – oder vielmehr dank ihm. Der Grund dafür ist simpel: Die Nachfrage nach einer intakten Umwelt nimmt mit dem Einkommen zu. Wirtschaftskritische Initiativen (1946–2015) abgelehnt angenommen 120 Referenden gegen wirtschaftsfreundliche Vorlagen (1946–2015) nicht erfolgreich erfolgreich 49 2310
  • 6. 6 twice Herbst 2018 FOKUS WIR LEBEN LÄNGER UND ARBEITEN WENIGER Wachstum ist nicht nur quantitativ, son- dern vor allem auch qualitativ. Wachstum im weiteren Sinne hat so viele neue Errun- genschaften mit sich gebracht, dass es schwer ist, einige wenige Beispiele auszu- wählen. Die Entwicklung der Kindersterb- lichkeit zum Beispiel ist ein guter, weil weltweit vergleichbarer Wohlstandsindi- kator. Sie ist in der Schweiz seit 1970 um fast 80 Prozent zurückgegangen. Zudem: Wir leben länger. 2013 Geborene zum Bei- spiel dürfen in der Schweiz mit einer durchschnittlichen Lebensdauer von über 89,5 Jahren rechnen, das ist weltweit einer der höchsten Werte. Und da ist noch etwas: Wir arbeiten pro Jahr auch noch weniger: Seit 1950 hat die jährliche Arbeitszeit im Mittel um 420 Stunden abgenommen, wäh- rend der Lebensstandard stetig gestiegen ist: Nach Abzug der Ausgaben für den Grundbedarf (Essen, Wohnen, Kleidung) blieben einem durchschnittlichen Haus- halt 1912 gerade noch 14 Prozent des Bud- gets übrig. Heute kann mehr als die Hälfte des Haushaltsbudgets für Güter und Dienstleistungen verwendet werden, die über die Deckung der Grundbedürfnisse hinausgehen. So geht es übrigens nicht nur uns: Dank der Globalisierung können auch die ärms- ten Staaten von Wirtschaftswachstum pro- fitieren. Die Armutsquote ist alleine von 1981 bis 2012 von weltweit 44 auf 13 Pro- zent gesunken. Die Tendenz ist seit damals unverändert. Der «Human Development Index» zeigt, dass die Zahl der Länder mit tiefem Entwicklungsstand auch über ande- re Themenbereiche kontinuierlich abnimmt. Darum bleibt nur noch die eine Frage: Wer will eigentlich den Fortschritt behindern und weshalb? NULLWACHSTUM SENKT DEN LEBENSSTANDARD Technischer Fortschritt und Wachstum ha- ben uns aber nicht nur bessere Gesundheit und mehr Freizeit gebracht, sondern auch die materiellen Voraussetzungen für den heutigen Sozialstaat geschaffen. Gute An- schauungsbeispiele bieten dabei die aktu- ellen Debatten um Gesundheitskosten oder die Altersvorsorge. Wir haben uns an ein Schweizer System gewöhnt, dass im Kern institutionelle Fehler mit sich bringt: Ob- wohl versicherungsmathematisch trivial, drücken wir uns davor, die Altersvorsorge an geänderte Lebenserwartung, demogra- fische Gegebenheiten und Zinsen anzu- passen. Das Umverteilungssystem ist auf das Wirtschaftswachstum ausgerichtet – ironischerweise wird dieses gerade von den Promotoren dieses Systems als kri- tisch angesehen. Und bei steigenden Prä- mien für die Krankenversicherung geht ein Raunen durchs Land – ungeachtet des- sen, dass die Qualität der Leistungen deut- lich zugenommen hat. Ohne Wachstum hätten wir längst Abstriche bei der sozia- len Sicherheit oder der medizinischen Ver- sorgung in Kauf nehmen müssen, weil wir sie uns schlicht nicht mehr hätten leisten können. Reiche Arme und arme Reiche Nationale Einkommen im europäischen Vergleich (2016) Einkommensklasse innerhalb von Europa Tiefe Einkommen Nationale Einkommensschichten Hohe Einkommen Bulgarien Deutschland Frankreich Griechenland Italien Norwegen Österreich Portugal Schweiz Vereinigtes Königreich Daten: Eigene Berechnungen auf Basis von Eurostat. Ausgangslage sind kaufkraftbereinigte Werte zu den Dezilsgrenzen der Einkommen. Das heisst, die Bevölkerung wurde der Höhe der Einkommen entsprechend in zehn gleich grosse Gruppen aufgeteilt. Für jedes Land bestehen so neun Einkommensgrenzwerte. Jeder dieser Einkommensgrenzwerte wird in die europäische Einkommensverteilung eingeordnet. Um diese europäischen Einkommensschichten zu bilden, werden die nationalen Einkommenszahlen der Bevölkerung entsprechend gewichtet. Die euro­ päischen Einkommensschichten werden zusammengefasst in Arme, einen breiten Mittelstand und Reiche. Arme Mittelstand Reiche
  • 7. twice Herbst 2018 7 NICHT IN SELBSTGEFÄLLIGKEIT VERFALLEN In Teilen des politischen Spektrums ist von einer positiven Grundhaltung gegenüber Wachstum, aber auch Globalisierung nicht viel zu spüren. Das hat vor allem damit zu tun, dass Marktwirtschaft nicht als das ge- sehen wird, was sie ist: Es geht nicht um Akkumulation von Kapital, sondern um In- novationen, um es in den Worten der US-Ökonomin Deirdre McCloskey zu sa- gen. Politische Pole vereinen sich in einer abwehrenden Haltung gegenüber Wachs- tum. Die Links-Konservativen machen es sich entgegen aller Evidenz zur Aufgabe, den Kapitalismus schlechtzureden. Den Rechts-Restaurativen widerstreben Verän- derungen. McCloskeys Beschreibung der Politik scheint auf die Schweiz durchaus zuzutref- fen. Statt darum, wie zukünftiger Wohl- stand geschaffen werden könnte, geht es viel zu oft darum, wie das, was wir heute haben, auf noch mehr Köpfe verteilt wer- den könnte. Dass der Wohlstandskuchen aber nur durch Wachstum grösser wird und nicht, indem wir das gleiche Kuchen- stück auf immer mehr Personen aufteilen, geht dabei unter. Die Fortschritts- und da- mit einhergehende Veränderungsangst ist eine denkbar schlechte Vorbereitung für die Zukunft. Gerade weil wir nicht wissen, was die zukünftigen Herausforderungen für das Staatswesen sind, sollten wir offen sein für Weiterentwicklungen und keines- falls in alten Denkmustern verharren. Das Verwalten der Gegenwart darf keine Ziel- grösse sein. Die Schweiz wieder in Schwung zu brin- gen, ohne dem Stillstand zu verfallen, ist wohl die Aufgabe der heutigen Zeit. Doch dass es uns einfach noch gut geht, mindert den Reformdruck, stellte erst kürzlich der liberale Wirtschaftsjournalist Rainer Hank in einem bemerkenswerten Beitrag in der FAZ fest. Denn anstelle der gesprochenen und geschriebenen Sonntagspredigten soll- ten wir uns beim Streiten vor allem auf konkrete Fragestellungen konzentrieren. Die drei folgenden Punkte wären ein guter Start dazu. WIEDERBELEBUNG DES WETTBE- WERBSGEDANKENS NACH INNEN Dieser ist eigentlich Teil der Schweizer DNA, der föderalistische Wettstreit zwischen den Kantonen. Er birgt ungeheures Potenzial für Innovation und Fortschritt, garantiert Bevölkerungsnähe bei gleichzeitiger Be- rücksichtigung unternehmerischer Anlie- gen. Dieses System ist wieder zu stärken – ohne dabei in föderale Folklore zu verfallen. Das heisst aber auch, dass die Wettbewerb- sintensität auch entscheidend zu stärken ist im immer noch vielfach geschützten Bin- nenmarkt, Stichwort Agrarsektor, Stichwort Dienstleistungen. Die Dichotomie der Schweizer Wirtschaft mit einer höchst wett- bewerbsfähigen Exportwirtschaft und ei- nem teilweise stark abgeschotteten Binnen- markt mit staatlichen Eingriffen sollte der Vergangenheit angehören. ZULASSUNG DES WETTBEWERBS GEGEN AUSSEN Die aussenwirtschaftliche Offenheit und der Zugang zu ausländischen Märkten sind entscheidend für den Schweizer Wohlstand. Der aus Importen und Exporten kombinier- te Aussenhandel stieg in den letzten 35 Jah- ren von 61 auf über 120 Prozent des Brutto- inlandprodukts (BIP). Erstmals verdiente die Schweiz 1999 jeden zweiten Franken im Ausland. Die Summe der Exporte (Waren und Dienstleistungen) entsprach also 50 Prozent des BIP. Zuletzt lag dieser Anteil bei 70 Prozent. Als Land mitten auf dem europäischen Kontinent und in engster wirtschaftlicher Verflechtung mit unseren Nachbarländern sind wir auf stabile und zugleich dynamische Handelsbeziehungen mit der EU angewiesen. Doch sind wir wirt- schaftlich nicht nur ein europäisiertes, son- dern auch ein höchst globalisiertes Land. Im Sinne der Diversifikation des Wohl- standspotenzials gilt es, neue Märkte mit Freihandelsabkommen (FHA) weiter zu er- schliessen. Wer sich der Weiterentwicklung der Beziehungen zu Europa mittels eines Marktzugangsabkommens und zur Welt via neue FHA entgegenstellt, spielt darum letztlich mit dem helvetischen Wohlstand. DEN REFORMSTAU ÜBERWINDEN Wichtige Reformen wie etwa die finanziel- le Sicherung der Altersvorsorge oder ein international kompetitives Unternehmens- steuersystem haben zunehmend einen schweren Stand. Verteilkämpfe statt Fort- schritt und damit Wohlstandsmehrung do- minieren den Diskurs. Ersteres wird auf Dauer aber die Prosperität nicht sichern und zunehmend die soziale Kohäsion nega- tiv tangieren. Der Wille zu Modernisierun- gen muss wieder obsiegen über jene Kreise, die am Status quo festhalten. • #wearedigital Mit der Initiative «Are you digital?» unterstützt die Handelskammer beider Basel Unternehmen und Startups dabei, ihre digitalen Potenziale zu entdecken, zu entwickeln und zur Entfaltung zu bringen. Mehr erfahren Sie auf www.are-you-digital.ch «ZIEL IST ES, PROJEKTE VOM AUFTRAG BIS ZUR FERTIGSTELLUNG KOMPLETT DIGITAL ABZUWICKELN. »Stefan Guldimann Direktor Selmoni Basel
  • 8. FOKUS 8 twice Herbst 2018 ERFOLGSGEHEIMNIS SCHWEIZ Die Frage, woher der Wohlstand der Schweiz kommt, interessiert sich nicht einfach für vergan- gene Zeiten. Vielmehr soll die Frage Hinweise für Gegenwart und Zukunft geben und auf­zeigen, welches Erfolgsgeheimnis hinter dem Wohlstand der Schweiz steckt.
  • 9. twice Herbst 2018 9 Die Frage, warum das Land heute so wohl- habend ist, wird mit Blick auf eine Ver- gangenheit gestellt, in der das überhaupt nicht der Fall war. Noch im 19. Jahrhun- dert herrschte grosse Armut und die Schweiz war das, was wir heute als Ent- wicklungsland bezeichnen. Doch wie his- torische Paläste zeigen, gab es schon da- mals sehr reiche Einzeleigentümer und starke räumliche Unterschiede: arme Zo- nen im Hinterland neben Städten mit hö- herem Wohlstand. Und in den Städten überbevölkerte Elendsquartiere mit mise- rablen hygienischen Verhältnissen. Die Geschichte zeigt, dass sich im Laufe der Entwicklung vor allem der Status der sozial Schwachen stark verbessert hat. QUELLEN DES WOHLSTANDS Gerne wird gesagt, dass Tugenden wie Fleiss, Pünktlichkeit und Verlässlichkeit – Vertragstreue – die Quellen unseres Wohlstands sind. Aber gehört Sparsam- keit nicht auch dazu? Aus ökonomischer Sicht ist Sparen kein wohlstandsfördern- des Verhalten. Investieren wäre besser. Damit sind wir bei der Tugend der Unter- nehmensfreude und Risikobereitschaft. Auch die Anpassungs- und Innovationsbe- reitschaft gehören dazu. Dies alles finden wir in der Schweizer Geschichte. Ein Entrepreneurship, das schon gegen Ende 18. und Anfang 19. Jahrhunderts auch un- ter Zuhilfenahme von Wasserrädern die Schweiz zu einem vergleichsweise hoch- industrialisierten Land gemacht hat. Hinzu kamen die Vorteile, die die Schweiz aus den europäischen Kriegen ziehen konnte. 1914–1918 wie 1939–1945 war die Basler Chemie eine begehrte Lieferantin von Produkten mit enormer Wertschöp- fung. Den Schweizer Banken ermöglichte der Erste Weltkrieg ein Abheben und nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die unver- sehrt gebliebene Schweiz mit einem Vor- sprung in die Nachkriegszeit starten. UMFELD ENTSCHEIDEND Für einen Teil der Reichtumsgenerierung ist die Schweiz nur Durchlaufstation. Ka- pital kommt aus dem Ausland und geht als Investitionen gleich wieder ins Ausland. Nur ein Teil bleibt hier hängen. Dies zeigt, dass das internationale Umfeld der Schweiz sehr wichtig ist. Der Schweiz wäre es weniger gut gegangen, wenn sie ein Land mitten in Afrika gewesen wäre. Und auch heute ist es wichtig, dass die Schweiz direkte Nachbarstaaten mit brei- ten Eigenwirtschaften hat und mit Zulie- ferungen Arbeitsplätze und Einkommen generieren kann. Das Suchen nach Gründen für unseren Wohlstand wäre unvollständig, nähme man nicht auch die Neutralität ins Auge: Ihren wirtschaftsfördernden Effekt kann man zwar auch bezweifeln. Denn wegen der Anforderung der Unparteilichkeit könn- ten Geschäfte auch entgangen sein. Zudem darf man Absicht und Effekt nicht vertau- schen: Die Schweiz ist aus anderen Grün- den bisher mehr oder weniger neutral ge- wesen als aus dem Bestreben, in allen Richtungen gute Geschäfte zu machen. GESAMTHEIT BILDET WOHLSTAND Vielleicht trägt auch der Föderalismus mit seinem internen Staatswettbewerb zum Wohlstand bei. Doch da landen wir plötz- lich wieder bei der zunächst nur aus dem internationalen Vergleich wahrgenomme- nen Problematik: Warum ist – wenn es denn wirklich so ist – ein Kanton Zug «so» reich und der Jura so viel weniger? In wel- chem Verhältnis stehen hier Strukturen und Tugenden zueinander? Harold James, ein mit der Schweiz bestens vertrauter amerikanischer Historiker, würdigt in seinem Vorwort zum Buch «Wirtschaftswunder Schweiz» von James Breiding und Gerhard Schwarz die aus ei- ner Mischung von Struktur und Tugend entwickelte Innovationsfähigkeit mit ih- ren vielen Spezialisierungen in einzel- nen, aber mit Brücken und Tunnels ver- netzten Geländekammern. Nicht einzelne Spitzenprodukte wie Banken, Schokola- den oder Uhren würden die Stärke ausma- chen, sondern eine vernetzte Gesamtheit – das Swissness-Paket. Zwei Erklärungen für den dichten Wohl- stand werden wenig gesehen: Zum einen die Kleinheit des Landes. Konfettistaaten − von Hawaii und den Bermudas sowie Mo- naco und San Marino über Luxemburg und Liechtenstein bis zur Schweiz − stehen ten- denziell überdurchschnittlich gut da. Da entstehen leichter profitable Dienstleis- tungszentren. Eine weitere Erklärung dürfte der bereits vorhandene Reichtum sein, der, wenn man’s nicht ganz dumm anstellt, einfach noch reicher macht. Der «Global Wealth Report» der Credit Suisse von 2017 geht davon aus, dass das Durchschnittsvermö- gen der Schweizer bis 2020 von den jetzt 562’000 auf 606’000 Dollar ansteigen, die Schweiz also in den nächsten Jahren wei- terhin Spitze bleiben wird. REICHTUM DANK ZUWANDERUNG Zurück zum Anfang – zu den Tugenden. Sind sie schweizerisch und trotzdem auch bei den arbeitswilligen Ausländern gege- ben, die sich von der Schweiz angezogen fühlen? Gerne wird eingeräumt, dass die Schweiz einen Teil des Wohlstands ehema- ligen Nichtschweizern verdankt wie Nestlé, Maggi, Boveri oder Hayek. Nicht vergessen sollte man aber die weniger Qualifizierten, die – sicher in einer zwar unausgegliche- nen Win-win-Situation – seit dem 19. Jahr- hundert die schweizerischen Infrastruk- turbauten erstellt haben oder die in unseren Zeiten den Kehricht beseitigen, die Alten- pflege übernehmen oder als saisonale Landarbeitskräfte arbeiten. Menschen, die keine Schweizerinnen oder Schweizer sind, aber zur Schweiz gehören. • PROF. DR. GEORG KREIS ist emeritierter Professor für Neuere Allgemeine Geschichte und Geschichte der Schweiz an der Universität Basel.
  • 10. 10 twice Herbst 2018 FOKUS Wirtschaftsfeindliche Initiativen wie die «Selbstbestimmungs»- Initiative oder die Unternehmensverantwortungsinitiative schaden unserer Wirtschaft. Sind Sie beunruhigt? Bisher erscheint mir das Schweizer Stimmvolk lösungsorientiert in seinem Abstimmungsverhalten, weshalb ich die beiden ge- nannten Initiativen auch nicht besonders fürchte. Die beiden Bei- spiele sind zudem sehr unterschiedlich: Die «Selbstbestimmungs»- Initiative entspricht einer der vielen demonstrativ wehrhaften Scheinlösungen, wie sie Populisten in ganz Europa zunehmend proklamieren. Die Unternehmensverantwortungsinitiative greift nachvollziehbare ethische Probleme einer globalisierten Wirt- schaftswelt auf − ist aber aus vielen Gründen nicht umsetzbar. Wird die Planungssicherheit von Unternehmen zunehmend aufs Spiel gesetzt? Wir neigen dazu, zu vergessen, wie wichtig Planungs- und In- vestitionssicherheit für die erfolgreiche und stabile Entwicklung von Wirtschaftsräumen sind. Immer mehr, so scheint es, werden Partikularinteressen mit Interessen im Sinne des Gemeinwohls gleichgestellt. Für Unternehmen ist es aber unabdingbar, dass die Leitplanken, innerhalb deren wir wirtschaften, Beständig- keit aufweisen. Wo besteht denn derzeit der dringendste Reformbedarf? Aus meinem beruflichen Alltag erscheint mir eine kinder- und familienfreundlichere Politik dringend notwendig. Während es bereits heute für Unternehmen herausfordernd ist, sich die not- wendigen Personalressourcen zu sichern, werden durch den demografischen Wandel der nächsten Jahre und Jahrzehnte die sozialen Sicherungssysteme der Schweiz (wie auch anderer europäischer Länder) stark strapaziert. Wir müssen also jetzt handeln, um Eltern bei der Kinderbetreuung finanziell zu ent- lasten. Nur so können wir die dringend notwendigen, in der Regel gut ausgebildeten Fachkräfte schneller wieder in den Arbeitsmarkt integrieren. Gleichzeitig beeinflusst dies sicher- lich auch den Entscheid positiv, überhaupt Kinder zu haben. Was ebenso wichtig ist, um die sozialen Sicherungssysteme aufrechtzuerhalten. Welche Hausaufgaben haben die Unternehmen? Unternehmen müssen sich mehr in gesellschaftliche und politi- sche Themen einbringen. Herausforderungen unserer Zeit wie gefühlte oder tatsächlich drohende soziale Unsicherheit, Digitali- sierung und fortschreitende Automatisierung oder negative Um- weltentwicklungen, wie der spürbare Klimawandel, müssen drin- gend Bestandteil gelebter Unternehmenspolitik sein. Wie blicken Ihre ausländischen Kolleginnen und Kollegen auf die Schweizer Wirtschaft? Sie bewundern die Stabilität und die Stärke des Binnenmarktes oder auch die hohe Innovationskraft. Der hohe Grad an Wettbe- werb wird allerdings häufig unterschätzt. IST KEIN NATURGESETZ WOHL- STAND Wirtschaftsfeindliche Initiativen schränken die Unternehmensfreiheit ein und gefährden damit unseren Wohlstand. Was brauchen Unternehmen, damit sie auch zukünftig erfolg- reich sind? CEO Eric Malitzke von Fiege Logistik (Schweiz) AG über Planungssicherheit und Reformbedarf.
  • 11. Was brauchen unsere Leitbranchen? SORGE TRAGEN ZUM STANDORT Was die Nordwestschweiz als Standort auszeichnet, ist auch für die Bankenbranche wichtig: Regionalität und Nähe sind elementare Erfolgsfaktoren. Die BLKB, seit jeher fest verankert in der Region, sorgt dafür, dass die lokale Wirt- schaft und Bevölkerung eine verlässliche und zukunftsori- entierte Partnerin an ihrer Seite weiss. Damit das so bleibt, darf die Finanzmarktregulierung bewährte dezentrale Strukturen nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Regulatori- sche Belastungen für Unternehmen sind tief zu halten. In- dem wir Sorge tragen zu unserem Standort, stärken wir den gesamten Finanz- und Werkplatz Schweiz. John Häfelfinger CEO, Basellandschaftliche Kantonalbank KEINE ISOLATION Als führender Life Sciences-Standort ist die Region auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen: Zahlreiche Unter- nehmen mit globaler Marktausrichtung sind in der Nord- westschweiz ansässig – für diese ist eine ausreichende Versorgung mit verfügbaren Kontingenten für ausländische Arbeitnehmer von zentraler, wenn nicht sogar von vitaler Bedeutung. Die Politik ist gefordert, dafür die notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Marco Gadola CEO, Institut Straumann AG WELTFRIEDEN! Was zunächst wie der Stereotyp eines ebenso frommen wie naiven Wunsches im Rahmen einer «Miss-Wahl» klingt, ist derzeit durchaus ernst. Eine Verschärfung des Handels- krieges zwischen den USA und China wirkt sich nicht nur auf internationalen Handel und Transport – und damit un- mittelbar auf die Logistikbranche – aus. Eine signifikante Abwertung des chinesischen Juan oder steigende Zinsen in den USA infolge der Verschärfung des Konfliktes könnten ferner die ohnehin volatilen Finanzmärkte unter Stress set- zen. Eine andere Forderung, deren Umsetzung leichter möglich ist: Die mittelständisch geprägte Logistikindustrie der Schweiz muss in einer konzertierten Aktion das eigene Image aufpolieren, die eigene Diversität unterstreichen, um auch künftig Potenziale am Arbeitsmarkt zu begeistern und zu sichern. Eric Malitzke CEO, Fiege Logistik (Schweiz) AG twice Herbst 2018 11 Die Schweizer Wirtschaft hat die Krisen der Vergangenheit gut überstanden. Wie fit ist sie für die Zukunft? Aus der Vergangenheit zeigt sich, dass unsere Wirtschaft ein so- lides Fundament erarbeitet hat, um sich an Veränderungen an- zupassen oder diese gar vorwegzunehmen. Dies hat sich insbe- sondere nach dem Frankenschock gezeigt. Zudem haben hohe Faktorkosten bereits in der Vergangenheit bemerkenswerte In- novationsfähigkeit und teilweise sogar Avantgardismus geför- dert. Wenn diese Stärken die Zukunft prägen, wird die Schweiz die Vorteile des «Early Movers» oder «Early Adaptors» abschöp- fen können. Wie können wir unseren Wohlstand halten? Wir müssen erkennen, dass unser Wohlstand nicht als Naturge- setz festgeschrieben steht. Disruptive Veränderungen werden unsere gewohnten Handlungsmuster zusehends auf die Probe stellen. Dazu brauchen wir weitsichtige Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft, die nicht reflexhaft emotionale Blocka- den aufbauen, um komplexe und vielleicht auch unangenehme Fakten zu verhehlen. Nur dann können wir die unterschiedli- chen Herausforderungen gemeinsam anpacken und die notwen- digen Rahmenbedingungen schaffen. • ERIC MALITZKE ist CEO von Fiege Logistik (Schweiz) AG. Er ist deutscher Staatsangehöriger und lebt seit 2015 mit seiner Familie im Dreiländereck. www.fiege.com
  • 12. 12 twice Herbst 2018 FOKUS BRINGT SCHWEIZ INS STOTTERN Sie läuft und läuft und läuft. Die Schweiz wird oft mit einer gut geölten Maschine vergli- chen: Vielleicht etwas altmo- disch und schwerfällig, dafür aber robust, zuverlässig und berechenbar, insbesondere auf politischer Ebene. Doch das scheint sich zu ändern. Mit politischen Vorhaben wird versucht, Grundlegendes auf den Kopf zu stellen. Die direkte Demokratie der Schweiz hat viel dazu beigetragen, unser Land stabil und wohlhabend zu machen. In den letzten Jah- ren aber wird die Volksinitiative – ursprüng- lich als Instrument für Gruppen und Positi- onen gedacht, die im Parlament nicht ver- treten sind – immer stärker von gewichti- gen politischen Akteuren dazu genutzt, zentrale Werte in Frage zu stellen. So wurde 2014 erfolgreich verlangt, die Zuwanderung zu verringern. Dem Anliegen wurde in Bern Rechnung getragen, unter Beachtung der Bundesverfassung und der völkerrecht- INITIATIVFLUT lichen Verpflichtungen. Doch mit der Selbst- bestimmungs-Initiative wollen politische Akteure nun erreichen, dass Initiativtexte künftig wörtlich umgesetzt werden, ohne Rücksicht auf andere Verbindlichkeiten. Und sie fordern neuerdings mittels «Kündi- gungsinitiative» den Ausstieg der Schweiz aus den wichtigsten bilateralen Verträgen mit der EU und entziehen unseren Unter- nehmen damit den direkten Zugang zu ih- rem bedeutendsten Absatzmarkt. Auch werden zunehmend Initiativen lan- ciert oder unterstützt, die vorschreiben, dass Schweizer Gesetze und Normen auch im Ausland durchgesetzt werden müssen. So bedingt die Unternehmensverantwor- tungsinitiative staatliche Kontrollen oder Gerichtsurteile zu Produktionsbedingun- gen in fernen Ländern – eine beinahe schon kolonialistische Vorstellung. ABSATZMÄRKTE ESSENZIELL Die Initiativen würden, wenn sie denn eine Mehrheit finden, die gut geölte Maschine mehr als nur ins Stottern bringen. Die Vor- stellung, dass wir unsere Rechtsnormen ohne jede Rücksicht auf die Welt um uns he- rum aufstellen können, ist ebenso abwegig wie der Traum, diese Normen der ganzen Welt aufzuzwingen. Beides schadet dem Wirtschaftsstandort massiv – insbesondere weil es jahrelange Rechtsunsicherheit nach sich zieht und den Ruf der Schweiz als ver- lässliche Vertragspartnerin aufs Spiel setzt. Wir sind eine Exportnation. Als solche sind wir darauf angewiesen, dass internationale Verträge beachtet werden und uns der Zu- gang zu Absatzmärkten nicht verbaut wird. Es ist bedauerlich, dass das Initiativrecht heute immer seltener im Sinne der Erfin- der genutzt wird, sondern häufig der wahl- kampftaktischen Profilierung von politi- schen Akteuren dient. Das Wohl des Landes und nachhaltige, pragmatische Lö- sungen haben im Vergleich dazu einen schweren Stand, weil sie sich nicht derart marktschreierisch bewerben lassen. Gegen- steuer geben können nur die Stimmbürge- rinnen und Stimmbürger: Indem sie die- sen populistischen Initiativen konsequent ihre Zustimmung verweigern. • PROF. RUDOLF MINSCH ist Chefökonom bei economiesuisse.
  • 13. twice Herbst 2018 13 und Höhere Fachprüfungen. Letztere sind formale Bildungswege für Berufsprofis, die auf ihrer Karriere- leiter ein zweites oder drittes Mal auf- oder umsteigen wollen. Die rund 400 Möglichkeiten sind gerade ange- sichts des digitalen Wandels in Wirtschaft und Gesell- schaft wichtiger denn je. Sie werden von den nationalen Organisationen der Arbeitswelt (OdA) getragen. Damit sind die Mitgliederfirmen dieser OdA im Lead, die Kompetenzanforderungen festzulegen und zu prüfen. Gemäss Bildungsbericht Schweiz verfügen Absolvierende dieser höheren Berufsbildungsabschlüsse über die höchsten Bildungsrenditen und sind am besten vor Arbeitslosigkeit geschützt. Die formalen Bildungsabschlüsse sind nach wie vor wichtig. Sie führen in der Regel zu einem höheren Lohn und zu einem Karriereschritt. Deshalb tut die Schweiz gut daran, dieses hervorragend ausgebaute Bildungs- system zu pflegen und insbesondere die berufsprak- tischen formalen Bildungswege auf Sekundarstufe II sowie auf Tertiärstufe zu fördern. Inwiefern wir auch in Zukunft unseren hohen Wohlstand geniessen können, hängt wesentlich davon ab, wie gut es arbeitsmarktorientierten Bildungsinstitutionen gelingt, den Wandel in der Arbeitswelt zu antizipieren und Bildungsangebote zu fördern, die das Lernen am Arbeitsplatz ermöglichen. Denn «Erfahrung» und «Soft­ skills» als Anforderungen für Berufsleute von morgen kann man am effektivsten am Arbeitsplatz selber lernen. Oft werde ich gefragt, wie es die Schweiz eigentlich schafft, derart wettbewerbsfähig zu sein, obwohl wir im Durchschnitt über eine Maturitätsquote von nur rund 25 Prozent verfügen und im internationalen Ver- gleich tiefe Einschreiberaten an Universitäten auf- weisen. Der Grund für den Erfolg liegt in der Diversität und der Durchlässigkeit, die unser Bildungssystem auszeichnen. 70 Prozent der Jugendlichen machen in der Schweiz eine Berufslehre. Das ist ein Weltrekord. Rund 15 Pro- zent dieser Jugendlichen absolvieren eine Berufsmatura und haben damit Zugang an die Fachhochschulen. Wer eine Berufslehre mit Berufsmatura abschliesst, hat zwei Tickets für die weiterführende Laufbahn. Zum einen kann man jederzeit auf dem Beruf arbeiten, zum anderen ermöglicht dieser Bildungsweg das Aufsteigen in alle möglichen Hochschulausbildungen. Absolviert man noch die «Passerelle Universität», so kann im Optimalfall in vier Jahren auch an der ETH oder einer kantonalen Universität studiert werden. Auch junge Erwachsene mit gymnasialer Matura können mit einem Jahr Berufserfahrung an die Fachhochschulen oder an Bildungswege der höheren Berufsbildung übertreten. Kurz: Es gibt keine Sackgassen. Unser Bildungssystem ermöglicht das lebenslange Auf- und Umsteigen. Und das ist im Zeitalter des digitalen Wandels von grösster Bedeutung. Auch die Tertiärbildung – also Niveau Hochschulen und höhere Berufsbildung – hat Merkmale, die weltweit einzig- artig sind. So gibt es neben Hochschulen auch höhere Fachschulen und sogenannte eidgenössische Berufs- PROF. DR. URSULA RENOLD ist Präsidentin des Fachhochschulrats der Fachhochschule Nordwestschweiz. BILDUNG. DER EINZIGE ROHSTOFF IN DER SCHWEIZ. Von Ursula Renold KOLUMNE
  • 14. 14 twice Herbst 2018 STANDORTSTANDORT WIRTSCHA DER REGI Im Stimmungsbarometer – der halbjährlichen Konjunkturumfrage der Handelskammer beider Basel – äussern sich ihre Mitglieder- unternehmen zum aktuellen und erwarteten Geschäftsgang. Die Ergebnisse fliessen direkt in die standortpolitische Arbeit der Handelskammer ein und werden mit den Regierungen Basel-Stadt und Basel-Land- schaft besprochen. Der aktuelle Stimmungs- barometer zeigt: Die gute Verfassung der regionalen Wirtschaft hält an. Die Handelskammer beider Basel führt jeweils im Frühjahr und Herbst bei ihren Mitgliedunternehmen eine Onlinebefragung zur aktuellen wirtschaftlichen Lage und zu den konjunkturellen Perspektiven durch. Die Resultate der aktuellen Herbstumfrage zeigen, die Wirtschaft der Region Basel ist im Hoch: Wie schon im Frühling beurteilen rund die Hälfte der Unternehmen den aktuellen Geschäftsgang mit «gut». Ein Drittel attestiert einen befriedigenden Geschäfts- gang. Vier Fünftel der Befragten beurteilen den Geschäftsgang als «gleich» oder «besser» im Vergleich zum Vorjahr. Dieses Stim- mungsbild zeigt die anhaltende Formstärke der Wirtschaft in der Region Basel auf. ZUVERSICHTLICH IN DIE ZUKUNFT Auch der Blick in die nahe Zukunft stimmt zuversichtlich: Über alle Branchen gesehen rechnen mehr als die Hälfte der befrag- ten Unternehmen mit einem gleichbleibenden, ein Drittel gar mit einem besseren Geschäftsgang im Vergleich zu heute. Das solide Stimmungsbild untermauern auch die beiden Indikatoren «Investitionstätigkeit» und «Personalentwicklung». HAUSGEMACHTE HERAUSFORDERUNGEN Die wirtschaftliche Schönwetterlage kann sich aber schnell durch hausgemachte Einflüsse trüben. So sehen Experten aus dem Kreis der Handelskammer-Mitgliedunternehmen die Steuervorlage 17 als aktuell wichtigste Herausforderung. Auch wenn sie die Koppe-
  • 15. twice Herbst 2018 15 AFT ION IM HOCH lung von Steuerreform und AHV-Finanzierung für ordnungspoli- tisch äusserst fragwürdig halten, so erachten sie die Annahme der SV17 unabdingbar für die positive Entwicklung der Schweizer Wirtschaft. Entsprechend ist man bereit, den Kompromiss mitzu- tragen. Weitere Zugeständnisse seitens der Wirtschaft kommen al- lerdings nicht in Frage. KLARE VERHÄLTNISSE SCHAFFEN Ganz oben auf der Prioritätenliste der Unternehmen steht weiter- hin, das Verhältnis der Schweiz zur Europäischen Union in Form eines institutionellen Rahmenabkommens zu klären Es gilt, die Markzugangsrechte für die Schweiz zu regeln und zu sichern. Insbesondere die Personenfreizügigkeit spielt dabei eine zentrale Rolle. Der Fachkräftemangel wird von vielen Unternehmen als regelrechter Wachstumshemmer beklagt. Der Markt an verfüg- baren Ingenieuren sei beispielsweise komplett ausgetrocknet. Weitere Bedrohungen sieht die Wirtschaft in der «Selbstbestim- mungs»-Initiative und in der Unternehmensverantwortungs-Initia- tive. Beide Initiativen sind Gift für den Werkplatz Schweiz und ge- fährden Unternehmen, Arbeitsplätze und somit den Wohlstand unseres Landes. GEOPOLITISCHE WOLKEN AM HIMMEL Eher in der Zuschauerrolle sieht sich die Schweizer Wirtschaft eini- gen geopolitischen Herausforderungen gegenüber. Der Handels- krieg zwischen den USA und China beziehungsweise US-Strafzölle aller Art – zum Beispiel auf Stahl und Aluminium – auch auf Pro- dukte der EU und entsprechende Vergeltungsmassnahmen der Ge- genparteien werden die Schweizer Wirtschaft punktuell stark tref- fen. Noch sind die Folgen für die Region Basel schwer abzuschätzen. Im Gegenzug zählen die USA und China weiterhin zu den Ländern mit guten Konjunkturaussichten, was die Wirtschaft in der Region wiederum stimuliert. Anlass zu vorsichtigeren Prognosen bieten politische Unsicherhei- ten in Europa, wie beispielsweise in Italien. In diesem Kontext sind die Schwankungen des Euro/Schweizer-Franken-Kurses zu sehen, die je nach Branche und Unternehmen den Geschäftsgang weiter- hin massgeblich beeinflussen. • STIMMUNGSBAROMETER IHRE EINSCHÄTZUNG ZÄHLT Knapp 140 Entscheidungsträger aus Unternehmen der Re- gion Basel haben im September 2018 an der Onlineum- frage teilgenommen. Befragt wurden Unternehmen aus al- len Branchen und von unterschiedlicher Grösse – vom Ein- mannbetrieb bis zum global tätigen Unternehmen mit über 1’000 Mitarbeitenden. Neben den Mitgliederumfragen haben wir ergänzend Expertengespräche geführt, um die Resultate zu verifizieren. Mit dem Stimmungsbarometer zeigt die Handelskammer so- wohl die Entwicklungen der verschiedenen Branche als auch als Gesamtbild in der Wirtschaftsregion auf. Sie fühlt den Puls ihrer Mitgliedunternehmen und richtet ihre standortpo- litische Tätigkeit auf die aktuellen Entwicklungen aus. Die Ergebnisse der halbjährlichen Konjunkturumfrage fliessen direkt in die standortpolitische Arbeit der Handelskammer ein und werden unter anderem mit den Regierungen Ba- sel-Stadt und Baselland besprochen. Mitglieder der Han- delskammer beider Basel haben damit die einmalige Chan- ce, aufzuzeigen, wie ihre wirtschaftliche Lage aussieht und was die konjunkturellen Perspektiven sind. Sieben gleichbleibende Multiple-Choice-Fragen zum Ge- schäftsgang, zur Investitionstätigkeit, zur Entwicklung des Personalbestands und zur Margensituation ergeben die inte- ressante Entwicklung der Wirtschaftslage in einer Zeitreihe. Zusätzliche Fragen widmen sich einem aktuellen Thema. Nicht verpassen: Unser nächster Stimmungsbarometer läuft im Frühjahr 2019. Der Stimmungsbarometer Herbst 2018 sowie die Kurzversion auf Video finden Sie unter www.hkbb.ch/stimmungsbarometer
  • 16. 16 twice Herbst 2018 STANDORT 2017 lehnten die Schweizerinnen und Schweizer die Unternehmenssteuerreform III ab. Die Botschaft an die Politik war klar: Eine Reform der Unternehmenssteuer ist nur mehrheitsfähig, wenn soziale Aus- gleichsmassnahmen vorgesehen sind. Re- gierung, Parteien und Wirtschaftsverbände schnürten deshalb ein Kompromisspaket, mit Vorteilen für viele. GROSSKONZERNE ZAHLEN MEHR Grund für die Steuerreform ist, dass die bisherige privilegierte Besteuerung von internationalen Konzernen nicht mehr ak- zeptiert wird. Würde man diese soge- nannten Sonderstatusgesellschaften or- dentlich besteuern, hätte dies massive Steuererhöhungen zur Folge. Ein interna- tionaler Handelskonzern beispielsweise zahlt heute 10 Prozent Steuern auf seinen Gewinn. Würde man die bisherige Besteu- erungspraxis ersatzlos streichen und nach heutigem Massstab ordentlich be- steuern, wäre die Steuerlast mit über 22 Prozent mehr als doppelt so hoch. KMU PROFITIEREN Um diesen sprunghaften Anstieg der Ge- winnsteuerlast zu verhindern, soll der all- gemeine Gewinnsteuersatz in Basel-Stadt auf effektiv 13 Prozent gesenkt werden. Die Folge ist, dass Konzerne immer noch mehr Steuern zahlen, jedoch nur etwas mehr. Profitieren werden hingegen KMU, die bisher mit über 22 Prozent Gewinn- steuern belastet wurden und künftig nur noch 13 Prozent bezahlen müssen. Dasselbe Prinzip gilt für die Kapitalsteu- ern. Vereinfacht gesagt müssen Unterneh- men auf ihr Eigenkapital Steuern bezahlen. Ordentlich besteuerte Unternehmen zah- len heute 5,25 Promille Kapitalsteuern, Sonderstatusgesellschaften hingegen nur 0,5 Promille. Neu wird die Kapitalsteuer im Kanton Basel-Stadt auf 1 Promille für alle festgesetzt. Die Steuervorlage 17 (SV17) schafft also gleich lange Spiesse für alle. STANDORT STÄRKEN Basel ist ein wichtiger Forschungs- und Innovationsstandort der Schweiz. Um die- sen in Zukunft zu stärken, sieht die SV17 eine sogenannte Patentbox vor – ein inter- national anerkanntes Steuerinstrument: Gewinne, die mit patentgeschützten Pro- dukten erzielt werden, sind tiefer besteu- ert, sodass im Ergebnis eine Gewinnsteuer- belastung von rund 11 Prozent resultiert. Dies entspricht der heutigen Steuerhöhe. Weil die entsprechenden Patente beim Ei- genkapital angerechnet werden, bleiben auch die Kapitalsteuern im Ergebnis ge- genüber heute unverändert. Kurzum: Die Steuerbelastung von Konzer- nen wird mit der SV17 in Basel-Stadt an- steigen. Sowohl die Gewinn- als auch die Kapitalsteuern werden höher, dies jedoch in einem akzeptablen Mass. Ausgenommen sind Forschungskonzerne, deren Steuer- belastung gleich bleiben wird. Die KMU hingegen werden insgesamt um 100 Milli- onen Franken entlastet. SOZIALER AUSGLEICH Neben den KMU soll auch die Bevölkerung von der SV17 profitieren. Basel-Stadt hat dafür einige Massnahmen ergriffen. So sollen die Familienzulagen um 75 Fran- ken pro Monat erhöht werden. Den stetig steigenden Krankenkassenprämien wird begegnet, indem die Beiträge für Prämien- verbilligungen um 10 Millionen Franken erhöht werden. Ebenso wird der Versiche- rungsabzug bei den Einkommenssteuern erhöht. In Kombination mit einer Senkung des Einkommenssteuersatzes führt dies dazu, dass praktisch die ganze Bevölke- rung künftig mehr Geld im Portemonnaie haben wird. Sie wird um insgesamt 150 Millionen Franken entlastet. 17SVEIN GEWINN FÜR BASEL National- und Ständerat haben in der Herbstsession die Steuer- vorlage 17 verabschiedet. In Basel-Stadt weiss man bereits, wie sie umgesetzt werden soll und was die Folgen sind.
  • 17. twice Herbst 2018 17 DIE WIRTSCHAFT ZAHLT Die SV17 ist für die Unternehmen von grosser Bedeutung. Sie brauchen klare und gesicherte Rahmenbedingungen, da- mit sie in einem guten Umfeld Investitio- nen tätigen und Arbeitsplätze schaffen können. Die Wirtschaft war daher bereit, substanziell dazu beitragen, dass ein tragbarer Kompromiss zustande kommt. So werden die Familienzulagen die Unter- nehmen mit 70 Millionen Franken zusätz- lich belasten. Auch die Dividendenbesteuerung wird an- gepasst. Wer mindestens 10 Prozent der Aktien eines Unternehmens hält, muss heute lediglich 50 Prozent des Dividende- nertrages versteuern. Damit soll vermie- den werden, dass ein Unternehmer densel- ben Gewinn doppelt besteuern muss, einmal als Unternehmensgewinn, einmal als Einkommen. Da nun die Gewinnsteuer sinkt, sollen Dividenden zum Ausgleich künftig zu 80 Prozent besteuert werden. Diese beiden Massnahmen sind alles ande- re als erfreulich. Die Wettbewerbsfähig- keit leidet, weil Basel-Stadt insbesondere bei der Dividendenbesteuerung zum Schlusslicht der Kantone wird. Aber es ist der Preis, den die Basler Wirtschaft für die- se wichtige Reform zu zahlen bereit ist. FINANZIELL TRAGBAR Voraussetzung der Steuervorlage war im- mer, dass diese für den Kanton finanziell tragbar ist. Der Kanton Basel-Stadt hat seit 2005 einen durchschnittlichen Überschuss von 300 Millionen Franken erzielt, seit 2014 waren es jedes Jahr mindestens 179 Millionen Franken. Die Massnahmen für die Bevölkerung und die Unternehmen, die in der SV17 vorgesehen sind, werden den Kanton Basel-Stadt unter dem Strich mit 150 Millionen Franken belasten. Ange- sichts der Überschüsse der letzten Jahre sind diese Ausfälle gut tragbar und eine wichtige Investition, damit der Kanton Ba- sel-Stadt auch künftig finanziell auf soli- den Beinen steht. BASELBIETER VORLAGE FOLGT Auch der Kanton Basel-Landschaft wird die SV17 umsetzen müssen. Kürzlich ging die Vernehmlassung hierzu zu Ende. Der Regierungsrat will die definitive Vorlage noch im Herbst präsentieren, damit das Gesetz rechtzeitig per 1. Januar 2020 in Kraft treten kann. • KMU MIT WENIG GEWINN BEISPIEL: BÄCKEREI RENDITESTARKES KMU BEISPIEL: BAUFIRMA ALLEINSTEHENDE UNTERNEHMEN PRIVATPERSONEN Eigenkapital: 100’000 Franken Gewinn: 1’000 Franken STEUERERSPARNIS: 451 FRANKEN Eigenkapital: 20’000’000 Franken Gewinn: 3’000’000 Franken STEUERERSPARNIS: 355’000 FRANKEN AUSWIRKUNGEN DER BASLER STEUER- VORLAGE HANDELSKONZERN BEISPIEL: INTERNATIONALER KONZERN FORSCHUNGSKONZERN BEISPIEL: PHARMA-MULTI EHEPAAR, 2 KINDER Eigenkapital: 200’000’000 Franken Gewinn: 100’000’000 Franken MEHRBELASTUNG: 3’100’000 FRANKEN Eigenkapital: 1’000’000’000 Franken Gewinn: 300’000’000 Franken STEUERBELASTUNG BLEIBT GLEICH Quelle: Finanzdepartement Basel-Stadt/Basellandschaftliche Zeitung Jahreslohn | 50’000 | 150’000 | 250’000 | Steuerersparnis 0 Franken (0 %) 796 Franken (9.6 %) 1’418 Franken (5.3 %) Familienzulage: + 75 Franken pro Kind Jahreslohn | 50’000 | 150’000 | 250’000 | Steuerersparnis 338 Franken (14.2 %) 960 Franken (4.6 %) 1’583 Franken (4.0 %)
  • 18. 18 twice Herbst 2018 VERPACKEN MIT SYSTEM Herr Müller, Sie führen die Müller Group in der vierten Generation. Wie lautet Ihr Erfolgsrezept? Peter Müller: Wir pflegen eine Kultur mit kurzen Entscheidungswegen und aktiven Mitwirkungsmöglichkeiten – das moti- viert und bindet die Mitarbeitenden ein. Mir ist wichtig, dass ich nicht im Elfen- beinturm sitze, sondern sowohl mit Kun- den als auch mit Mitarbeitenden in per- sönlichem Kontakt stehe. «Management by walking around» nenne ich diese Füh- rungskultur. Bei fünf Standorten und gut 450 Mitarbeitenden ist das zwar nicht mehr so einfach, aber um die Stimmung zu spüren, muss man mit den Leuten re- den. Die Müller Group behauptet sich mit Industrie- verpackungen und dazu passenden, indi­viduellen Gesamtlösungen erfolgreich in seinen Märkten. Das Familienunternehmen bekennt sich zum Standort Münchenstein, wie Mitinhaber Peter Müller und Verwaltungsrat Dr. Christian Heuer ausführen. Christian Heuer: Zum Erfolg trägt bei, dass es innerhalb des Kaders keine Ellbo- genmentalität gibt. Darauf wird in der Führung grossen Wert gelegt. Bei Müller gibt es keine Karriere auf Kosten anderer. Diese Bündelung der Kräfte macht den Er- folg des Unternehmens aus. Was war der grösste Meilenstein in der über 120-jährigen Firmengeschichte? P.M.: Meilensteine gibt es viele. 1922 hat Ernst Müller zum Beispiel ein Fabrika­ tionsgebäude in Münchenstein gekauft. Oder 1965 haben wir im grenznahen Rheinfelden die Müller GmbH gegründet. Nach der kontinuierlichen Expansion un- serer Geschäftsfelder gehen wir nun mit einem Joint Venture noch einen Schritt weiter und produzieren demnächst in In- dien Stahlfässer in annähernd Schweizer Qualität. C.H.: Einen aktuellen Meilenstein setzen wir derzeit mit dem Neubau des Produk- tionsgebäudes hier am Standort München- stein. Weshalb investieren Sie in den Standort Münchenstein? P.M.: Münchenstein ist für uns ein guter Standort. Wir sind nahe bei vielen unse- rer Kunden, die in der Region produzieren und unsere Gebinde brauchen. Unsere Mitarbeitenden profitieren von einer sehr guten Verkehrsanbindung inklusive ÖV- STANDORT
  • 19. twice Herbst 2018 19 Netz. Überhaupt liegen wir im Dreiländer­ eck optimal bezüglich Personalrekrutie- rung. Und schliesslich können wir in Münchenstein auf eine Gemeinde zählen, die sehr wirtschafts- und industriefreund- lich ist. Was ist Ihr Hauptdifferenzierungsmerk- mal? C.H.: Wir sind ein Systemanbieter mit übergreifenden Lösungen. Das heisst, im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern bieten wir ein Komplettsystem an. Für den Kun- den ist es in vielerlei Hinsicht attraktiv, einen Anbieter zu wählen, der eine Kom- plettlösung mit abgestimmten Schnittstel- len anbietet, die er sonst womöglich von PETER MÜLLER ist Delegierter des Verwaltungsrats und CEO der Müller Group. DR. CHRISTIAN HEUER ist COO der Müller AG Clea- ning Solutions und Verwaltungsrat der Müller Group. ÜBER DIE MÜLLER GROUP Das international tätige Familien- unternehmen mit Hauptsitz in Münchenstein beschäftigt an fünf Standorten in der Schweiz und in Deutschland rund 440 Mitarbeitende. Ein Netzwerk von 54 Vertretungen stellt die weltweite Präsenz sicher. Das Unternehmen entwickelt, pro- duziert und vertreibt UN-geprüfte Industrieverpackungen, Produktions- handlingssysteme, Reinigungsanlagen und Intralogistiklösungen für Kunden aus verschiedenen Branchen. www.mueller-group.com vier bis fünf Herstellern einkaufen müsste. Dadurch reduziert sich der Aufwand im Bereich der technischen Schnittstellen sig- nifikant. Wir begleiten den gesamten Pro- duktionsprozess beim Kunden. Ein Rund- um-Sorglos-Paket sozusagen. Welche Herausforderungen bringen die zu- geschnittenen Komplettlösungen mit sich? P.M.: In der Regel hat der Kunde ein kon- kretes Problem, das wir für ihn lösen. Durch das «customizen» gehen jedoch Ska- leneffekte verloren, weil die Lösungen, die wir anbieten, sehr individuell sind. Um un- sere Ressourcen zu schonen, führen wir heute mehr denn je Marktanalysen durch und eruieren, wo Multiplikationseffekte geschaffen werden können. Beschäftigt Sie der Fachkräftemangel? Bilden Sie selber aus? P.M.: Wir bilden in der Schweiz und in Deutschland rund 15 Lernende in den Be- rufen Polymechaniker, Konstrukteur und Maschinenführer aus, also diejenigen Be- rufe, die wir danach auch weiterhin be- schäftigen können. Viele unserer ehemali- gen Auszubildenden sind nach einigen «Wanderjahren» wieder zur Müller Group zurückgekehrt und heute als Kadermitar- beitende angestellt. C.H.: Fachkräftemangel spüren wir hier am Standort Münchenstein keinen. Aller- dings bringen jüngere Bewerber, besonders Berufsanfänger, oft die geforderten Qualifi- kationen nicht mit. Ältere Bewerber hinge- gen können auf ein breiteres Erfahrungs- spektrum zurückgreifen und sind so besser in dem von uns gewünschten Gebiet ausge- bildet. Deshalb stellen wir – entgegen dem Trend – auch gerne über 50-Jährige ein. Inwiefern beschäftigt Sie die Digitalisie- rung? C.H.: Natürlich beschäftigt uns die Digita- lisierung, obwohl wir in unserem Bereich nicht Vorreiter auf diesem Gebiet sein müs- sen. Unsere Branche ist doch sehr konser- vativ und sehr stark reguliert. Nichtsdesto- trotz dürfen wir auch hier Entwicklungen nicht verschlafen und haben das Thema auf dem Radar. Welche drei Begriffe machen Ihren zu- künftigen Erfolg aus? P.M.: Reaktionszeit, gesunde Finanzen und Zuverlässigkeit. C.H.: Wachstum, Innovation und Flexibi- lität. •
  • 20. 20 twice Herbst 2018 Infrapark Baselland AG Der ideale Standort für Industrieunternehmen vor allem der Chemie- und Life Science-Branche. Integrierte Gesamtlösungen Die Infrapark Baselland AG bietet angesiedelten Unternehmen umfassende Dienstleistungen und ein hervorragend erschlossenes Areal von 32 Hektaren. Treten Sie mit uns in Kontakt: Infrapark Baselland AG Rothausstrasse 61 CH-4132 Muttenz 1 Tel.: +41-61 469 59 99 E-Mail: info@infrapark-baselland.com www.infrapark-baselland.com Breites Dienstleistungsangebot Unser Angebot ist auf die forschende, entwickelnde und produzierende Industrie zugeschnitten und erfüllt sämtliche Anforderungen an einen Chemie- und Life Science-Standort. Dienstleistungen wie Analytik, Logistik, Abfallentsorgung und Abwasservor- behandlung bieten wir auch interessierten Kunden ausserhalb des Infrapark an. Infrapark® , der Standort für Chemie- und Life Science-Firmen
  • 21. twice Herbst 2018 21 STANDORT WIRTSCHAFTS- FLÄCHEN UNTERNEHMERISCHES BEDÜRFNIS ODER POLITISCHER ZANKAPFEL? Über 180 Unternehmen aus der Region haben an der Umfrage der Handelskam- mer beider Basel teilgenommen und ihre Bedürfnisse an Wirtschaftsflächen dargelegt. Auffallend ist, dass Büro- und Lagerflächen die Spitzenposition bei den Wirtschaftsflächen in der Region ein- nehmen und die Unternehmen eine Zu- nahme des Bedarfs an Produktionsflä- chen in den nächsten fünf bis zehn Jahren prognostizieren. WERKPLATZ BASEL – WOHIN? Rund ein Dutzend grössere Areale in Ba- sel-Stadt und Baselland befinden sich zurzeit in Transformation. Sie sind ent- weder unternutzt oder die traditionellen Industrieunternehmen haben infolge von Verlagerungen oder Einstellungen keine Verwendung mehr dafür. Trotzdem ha- ben Unternehmen Schwierigkeiten, pas- sende Wirtschaftsfläche in der Region zu finden. Dass vier von zehn Unternehmen auf der Suche nach Flächen nicht fündig wurden, sei zu viel, sagt Martin Dätwyler, Direktor Handelskammer beider Basel: «Die Situation hat sich zwar verbessert, aber dies ist kein Grund, sich auszuruhen.» Wohin entwickelt sich der Werkplatz Ba- sel? Und wie lässt sich die prognostizierte Zunahme an Produktionsflächen abbilden? Diese Fragen müssen in der Raumplanung sowie der Arealentwicklung Beachtung fin- den. Keine einfache Aufgabe. Denn die Ent- wicklungen sind sehr dynamisch und ver- langen Flexibilität. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Interessen kontrovers präsentieren: Die Forderungen nach mehr Wohnraum und zusätzlichen Frei- oder Kulturflächen stehen den Forderungen nach höheren Renditen der Grundeigentü- mer gegenüber. Und für die Wirtschaft ist es vital, dass auch sie ein Stück vom Ku- chen abbekommt. WIRTSCHAFTSFLÄCHEN – INDUSTRIE 4.0 Nebst den bekannten Produktionsformen werden für den Werkplatz Basel zukünftig vermehrt Unternehmen erwartet, die in den Bereichen Robotik und High-Tech bezie- hungsweise Industrie 4.0 agieren. Dazu be- nötigen sie Wirtschaftsflächen, die gut zu erreichen sind, ein attraktives Umfeld bie- ten und direkten Zugang zum Arbeitsmarkt haben. Die Unternehmen unterscheiden sich von der traditionellen Industrie und vom klassischen Gewerbe insbesondere durch tiefere Emissionen: «Damit wird eine attraktive und dichte Nutzungsform der Areale in unmittelbarer Nachbarschaft zum Wohnen möglich», so Dätwyler. GESAMTKONZEPT TUT NOT Vor diesem Hintergrund erscheint die ak- tuelle Debatte um Gewerbeflächen im Volta Nord zu kurz gegriffen. Es braucht Gewerbeflächen zweifellos, aber nicht nur. Die Handelskammer beider Basel setzt sich dafür ein, dass man sich von der Einzelbetrachtung singulärer Areale löst. «Diese Sichtweise führt zum Verteilkampf zwischen den einzelnen Ansprüchen», so Dätwyler. Denn wird der Perimeter geöff- net, lassen sich die Areale in einer Ge- samtschau aufeinander abstimmen und auf die Bedürfnisse der Wirtschaft ausge- richtet entwickeln. «Dazu zählen wir auch die Überprüfung der Zonenreglemente, die auch künftige Entwicklung abbilden müssen. Getreu dem Grundsatz: Raum- entwicklung ist auch Wirtschaftsentwick- lung», so Dätwyler. • An der Umfrage haben 183 Unter- nehmen unterschiedlicher Grösse und Branche aus den Kantonen Baselland und Basel-Stadt teilgenom- men. Die Eigentumsverhältnisse teilen sich in 62 % Miete, 31 % Eigen- tum und 7 % Baurecht auf. Die be- wirtschaftete Fläche umfasst bei rund zwei Dritteln der Unternehmen zwischen 251 und 10’000 m2 . Die Umfrage der Handels- kammer beider Basel zeigt: Wirtschaftsflächen sind ein wichtiger Standortfaktor für wirtschaftliche Tätigkeit. Für eine zukunftsgerichtete Entwicklung braucht es eine Gesamtschau über alle Areale hinweg. STANDORT
  • 22. 22 twice Herbst 2018 Seit rund neun Jahren wird mit der tunBasel aktive Nach- wuchsförderung betrieben, um dem Fachkräftemangel in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) entgegenzuwirken. Martin Dätwyler, Direktor der Handelskammer beider Basel, spricht über die Initiative und ihren Erfolg. Herr Dätwyler, warum engagiert sich ein Wirtschaftsverband in der Nachwuchs- förderung? Seit Jahren warnt die Wirtschaft vor einem Fachkräftemangel in den MINT-Bereichen. In vielen Branchen fehlt es schon heute an qualifizierten Fachleuten. Insbesondere die Nachfrage nach MINT-Fachleuten hat sich in den vergangenen Jahren vervielfacht. Und hier knüpft das von der Handelskam- mer beider Basel initiierte ausserschulische Lernangebot aus der Wirtschaft – die tun- Basel – an. Ziel ist es, auf diese Weise Kin- der und Jugendliche für Technik und Natur- wissenschaften zu begeistern, damit die Wahl entsprechender Berufe und Studien- gänge zu begünstigen und so dem Nach- wuchsmangel entgegenzuwirken. Wie funktioniert die tunBasel? Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 13 Jahren erleben ausserhalb des Schul- unterrichts, wie spannend und herausfor- dernd naturwissenschaftliches und tech- nisches Lernen und Arbeiten ist. Darüber hinaus erfahren sie gemeinsam mit ihren Eltern und Lehrpersonen, dass die MINT-Bereiche zukunftsträchtige Be- schäftigungsfelder mit interessanten be- ruflichen Perspektiven bieten. Im Vorder- grund stehen dabei natürlich die Experimente der rund 20 Aussteller. Die Kinder und Jugendlichen stellen Pulver- schnee oder Parfum her, erkunden mit der Wärmebildkamera die Umwelt oder erzeu- gen aus einer Kartoffel Strom. Warum ist die Zielgruppe so jung? Es gibt diverse Studien, die bestätigen, dass Jugendliche, die nicht schon im Kin- desalter positive Erfahrungen in den TUNBASEL DER ERFOLG GEHT WEITER STANDORT
  • 23. twice Herbst 2018 23 MINT-Bereichen machen, sich auch später kaum mehr dafür interessieren. Das un- terstützen auch die Akademien der Wis- senschaften mit ihrer diesjährigen Analy- se: Die MINT-Fächer werden in der Schweiz im internationalen Vergleich zu spät und zu wenig gefördert. Besonders die frühe Förderung bleibe im internationalen Ver- gleich noch auf der Strecke. Wichtig sei, dass sich Kinder früher als heute für die MINT-Themen interessieren, damit sie die- se während der Berufswahl im Hinterkopf haben. Kinder und Jugendliche sollten da- her bereits im Primarschulalter spiele- risch an Physik, Mechanik und mathema- tische Formeln herangeführt werden. Und genau das macht die Handelskammer bei- der Basel mit ihrer tunBasel. Wann findet die nächste tunBasel statt? Die mittlerweile fünfte tunBasel wird vom 8. bis 17. Februar 2019 in den Messehallen der muba stattfinden. Ich kann schon jetzt verraten, dass die Ausstellerzahl gewach- sen ist und dass es viele neue, spannende Experimente geben wird. Wir erwarten daher auch 2019 eine grosse Besucher- zahl. • HIGHLIGHTS TUNBASEL 2019 ROBOTIK Jugendliche ab 12 Jahren können mit zwei Experimenten die faszinierende Welt der Roboter und ihre Interaktionen erforschen. Im Projekt «Interface of Things» können sie über eine interaktive Tischoberfläche Roboter fahren, len- ken und stoppen. Im zweiten Projekt «Humanoid Robotics» kommunizieren sie mit Robotern. Hier programmieren sie nicht mehr, sondern treten mit hu- manoiden Robotern direkt in einen interaktiven Austausch. Mit beiden Expe- rimenten erleben sie so spielerisch, wie die digitale und physische Welt im- mer mehr ineinandergreifen. MATHEMATIKUM AUF 80 m2 Im Mathematikum der Fachhochschule Nordwestschweiz erleben Kinder und Jugendliche die spannende und vielfältige Welt der Mathematik kennen. Diver- se Exponate laden ein, sich mit der praktischen Seite der Mathematik ausein- anderzusetzen. Bereiche wie periodische Parkettierung, Zerlegungsproblem, Funktionen, Beschleunigung, Kombinatorik, Körper, Problemlöseverhalten und anderes werden sicht- und erlebbar gemacht. LASER-LABYRINTH Wie lange braucht man, um das Ziel mit dem Laserstrahl zu treffen? Im Laser- spiel lernen Kinder ab 7 Jahren, herauszufinden, wie die Spiegel einzusetzen sind, um den Laserstrahl so abzulenken, dass er das Zielobjekt trifft. Zudem lernen sie die verschiedenen interessanten Eigenschaften von Laserlicht kennen. Hallo. Kennen wir uns? Schwabe AG mit Druck, Medienproduktion und Informatik heisst jetzt Die Medienmacher AG hallo@medienmacher.com www.medienmacher.com
  • 24. 24 twice Herbst 2018 WWW.SSIB.CH Ein Unternehmen der Industrie- und HandelskammernRiedtlistrasse 19 | 8006 Zürich | 043 243 75 30 | mail@ssib.ch Steigen Sie dank einem eidg. Abschluss als Aussenhandelsfachmann/-frau oder Aussenhan- delsleiter/-in die Karriereleiter hoch. Die nächsten vorbereitenden Lehrgänge zu Ihrem Karriereziel beginnen am: ■ 9. November 2018 – Aussenhandelsleiter/-in mit eidg. Diplom (HFP) in Zürich ■ 22. Februar 2019 – Aussenhandelsfachmann/-frau mit eidg. Fachausweis (BP) in Basel Weiterer Lehrgangsstart am 7. Mai 2019 in Basel: ■ Importsachbearbeiter/-in mit SIHK-Diplom ■ Zollsachbearbeiter/-in mit SSIB-Diplom Persönliche Beratung jederzeit möglich. Anmeldung unter: www.ssib.ch/lehrgaenge HOCH HINAUS MIT EINEM EIDG. ABSCHLUSS Know-how für die Aussenwirtschaft Der jährlich stattfindende Fachkongress der Aus- senwirtschaft «Zollsymposium» bietet spannende Referate zu aktuellen Themen für Führungs- und Fachkräfte international tätiger Unternehmen. Der Kongress ist die perfekte Plattform um Expertenwis- sen aus erster Hand zu erhalten, Erfahrungen auszu- tauschen, Pflege und Ausbau des eigenen Netzwerks und um länderspezifische Beratungsgespräche in Anspruch zu nehmen. Melden Sie sich jetzt online an! Wir freuen uns Sie im Foyer des Hallenstadions Zürich zu begrüssen. www.ssib.ch/zollsymposium 11. ZOLLSYMPOSIUM AM 20. NOVEMBER 2018 SSIB
  • 25. twice Herbst 2018 25 STANDORT Der EuroAirport ist für die Wirtschaftsentwicklung unserer Region von grösster Bedeutung. Deshalb muss unser Flughafen auch in Zukunft für Reisende und Güter optimal erschlossen sein. Der Bahnanschluss ist hierfür unabdingbar. Jahr für Jahr meldet der binationale Flugha- fen EuroAirport einen neuen Passagierre- kord. Alleine 2017 Jahr reisten 7,9 Millionen Passagiere über den französisch-schweize- rischen Flughafen, was einem Wachstum von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr ent- spricht. Diese Entwicklung setzt sich im laufenden Jahr fort. Der EuroAirport liegt damit gut im weltweiten Trend. «Mit über 90 Destinationen in wichtigen europäischen Wirtschaftszentren trägt der EuroAirport wesentlich dazu bei, dass unsere Region international gut zu erreichen ist», so Martin Dätwyler, Direktor Handelskammer beider Basel. WICHTIGER FRACHTHUB Doch nicht nur die Passagierzahlen neh- men zu, auch die Luftfracht steigt stark an: Zwischen 2016 und 2017 legte sie um rund 17 Prozent zu und gehört mit den Passagierflügen und dem Umbau und Un- terhalt von Privatflugzeugen zu den wich- tigsten Geschäftsfeldern des Flughafens. Mehr als 64’000 Tonnen Luftfracht wurden 2017 über den EuroAirport versandt, 73 Pro- zent davon als Expressfracht. Hinzu kom- men 48’000 Tonnen Fracht, die per Camion an andere grosse Flughäfen transportiert werden. «Diese eindrücklichen Zahlen wi- derspiegeln die Bedeutung des EuroAirport für unsere exportintensiven Branchen als Teil des leistungsfähigen Logistik-Clusters Basel», erläutert Dätwyler. «Wertmässig wird sogar ein Viertel des Güterumschlags im Raum Basel über den Luftweg abgewickelt.» GROSSER ARBEITGEBER Dieser Erfolg macht den EuroAirport zu einem grossen und beliebten Arbeitgeber der Region Basel. Rund 6’300 Personen sind am Flughafen im Dreiländereck be- schäftigt. Ende 2017 hat Bundesbern mit Paris ein Steuerabkommen abgeschlossen und damit Rechtssicherheit für die Unter- nehmen im Schweizer Sektor erlangte. Dies lässt eine zusätzliche Dynamik so- wohl im Personen- wie auch im Güterver- kehr und hinsichtlich der Anzahl Mitar- beitenden am EuroAirport erwarten. BAHNANSCHLUSS VITAL FÜR REGION Damit der EuroAirport auch zukünftig seine Rolle als «Tor zur Welt» auf dem Luftweg wahrnehmen kann, muss er opti- mal zu erreichen sein. Die Handelskam- mer beider Basel setzt sich deshalb für die zeitnahe Realisierung des Bahnanschlus- ses an den EuroAirport ein. Verkehrsstu- dien gehen übrigens davon aus, dass jähr- lich bis zu sechs Millionen Passagiere mit dem Zug zum Flughafen fahren könnten. Die Industrie- und Handelskammern am südlichen Oberrhein fordern die Bundes- behörden in der Schweiz und Frankreich auf, die Gespräche über eine Projektfi- nanzierung unverzüglich aufzunehmen und rasch abzuschliessen. Denn eins ist klar: Für die Weiterentwicklung der zweitgrössten und zugleich dynamischs- ten Wirtschaftsregion der Schweiz ist Ba- sel auf leistungsfähige Infrastrukturen angewiesen. • READY FOR TAKEOFF
  • 26. 26 twice Herbst 2018 REDESIGNING HEALTHCARE. Inspirations for a patient centric healthcare system. 28. JANUAR 2019 HALLE 7, BASEL Am 28. Januar 2019 findet mit FutureHealth Basel zum zweiten Mal die internationale Konferenz für Changemaker in der Gesundheitswirtschaft statt. Die von der Handels- kammer beider Basel und dem Swiss Economic Forum initiierte Plattform zeigt die Trends von morgen und stellt den Patienten und seine Bedürfnisse ins Zentrum. Unser Gesundheitssystem steht vor gros- sen Veränderungen. Der technologische Fortschritt, demografische Entwicklungen sowie sich wandelnde Kundenbedürfnisse stellen nicht nur bisherige Geschäftsmo- delle vor Herausforderungen, sondern er- möglichen gleichzeitig den Markteintritt neuer, branchenfremder Unternehmen. Dieses volatile Umfeld fordert alle Akteure der Schweizer Gesundheitsindustrie mehr denn je. Gleichzeitig bieten sich aber auch Chancen für zukunftsfähige Lösungen und Kollaborationen. Wie man diese Chancen nützen kann und vor allem was sie den Patienten bringen, diskutieren die Teil- nehmerinnen und Teilnehmer an der Kon- ferenz FutureHealth Basel. «Mit der Fu- tureHealth Basel haben wir eine Konferenz lanciert, die sich den Herausforderungen von morgen stellt und neue Trends und zu- kunftsfähige Lösungsansätze präsentiert», so Martin Dätwyler, Direktor Handels- kammer beider Basel. PATIENT IM FOKUS Das Swiss Economic Forum und die Han- delskammer beider Basel haben 2018 die FutureHealth Basel – eine Konferenz für Changemaker in der Gesundheitswirt- schaft – erfolgreich lanciert: «350 Teilneh- merinnen und Teilnehmer haben sich An- fang 2018 in Basel ausgetauscht und die Trends im Gesundheitssektor von morgen diskutiert», so Dätwyler. 2019 steht die Fu- tureHealth Basel im Zeichen der Zukunft der Healthcare- und Life Sciences-Indus­ trie. Dabei werden der Patient, seine Bedürf­ nisse und die sich verändernden Ökosys­ teme ins Zentrum gestellt. • FUTUREHEALTH BASEL STANDORTAUS DER ’KAMMER Die Changemaker-Konferenz vernetzt internationale junge Wilde der Branche mit erfahrenen Führungspersönlich- keiten von Life Sciences- und MedTech- Unternehmen, Technologiefirmen, Managed-Service-Anbietern, Logistik­ unternehmen, Behörden, Praxen und Spitälern sowie Krankenversicherun- gen. FutureHealth Basel zeichnet sich durch ein sorgfältig gemischtes Teil- nehmerfeld, bestehend aus ausgewie- senen Thought Leaders und Change- makers, aus. Anmeldung: www.nzz-futurehealth.com
  • 27. twice Herbst 2018 27 WELTWEIT FÜHREND Die Region Basel gehört zu den weltweit führenden Life Sciences-Standorten und ist klar die Nummer Eins Europas. Damit die Region diese Spitzenposition nicht nur behaupten, sondern auch ausbauen kann, setzt sich die Life Sciences-Kommission der Handelskammer beider Basel für attraktive Rahmenbedingungen ein. Die Region Basel gehört weltweit zu den wichtigsten Zentren der Life Sciences. Der Region ist es gelungen, eines der vollstän- digsten Life Sciences-Ökosysteme welt- weit aufzubauen. Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele Life Sciences-Arbeitsplätze auf so engem Raum. Und nirgendwo sonst leistet die Life Sciences-Branche einen so hohen Anteil an der Gesamtwertschöp- fung einer Region. Ihr grosses Potenzial mit mehr als 800 Life Sciences-Unterneh- men entlang der gesamten Wertschöp- fungskette und über 33’000 Mitarbeiten- den in der Branche verspricht die Life Sciences-Industrie der Region Basel im nächsten Jahrzehnt noch wettbewerbsfä- higer zu machen und den technologischen Wandel für Innovationen zu nutzen. Um diese ausserordentliche Marktstellung der in der Region angesiedelten Life Scien- ces-Unternehmen und -Institute zu vertei- digen und weiter auszubauen, vereint die Handelskammer beider Basel in ihrer Life Sciences-Kommission Fachpersonen aus Industrie, Spitälern und Hochschulen. «Die Kommission hat die Förderung und Weiter- entwicklung der Life Sciences-Branche zum Ziel», so Jürg Erismann, Präsident der Life Sciences-Kommission der Handels- kammer beider Basel. «Es ist wichtig, dass die Life Sciences-Region geeint auftritt und in der Nordwestschweiz aber auch schweizweit auf ihre Anliegen als wichti- ger Wirtschaftsmotor aufmerksam macht.» TRENDS ERKENNEN Um das Wertschöpfungspotenzial der Branche weiter voranzutreiben, entwickelt die Handelskammer beider Basel gemein- sam mit den Kantonen Basel-Stadt und Ba- selland in regelmässigen Abständen eine übergeordnete Cluster-Strategie. Die Life Sciences-Strategie hält Ziele und Mass- nahmen fest, die es in naher Zukunft an- zupacken gilt. So liegen die Schwerpunkte der aktuellen Strategie in der Weiterent- wicklung der personalisierten Medizin, der aktiven Unterstützung von Start-ups sowie der Mitgestaltung von gesetzlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen. «Die bereits sehr erfolgreiche Leitbranche soll auch zukünftig trotz neuen Herausfor- derungen eine weltweit führende Rolle einnehmen», so Erismann. • AUF EINEN BLICK − LIFE SCIENCES CLUSTER REGION BASEL Seit diesem Herbst ist das neue «Life Sciences Cluster Mapping Region Basel» online und steht allen offen, die sich über die Life Sciences-Akteu- re in der Region Basel informieren möchten. Die webbasierte Visualisie- rung der Life Sciences-Branche in der Region Basel zeigt, wie sich der Clus- ter historisch entwickelt hat, wo die einzelnen Unternehmen angesiedelt und welche Branchen vertreten sind. Dank dem digitalen Tool ist also erst- mals sicht- und erlebbar, wie gross, kompetent und vernetzt der weltweit führende Life Sciences Cluster in der Region Basel ist. Die Präsenz im Tool ist für Unternehmen kostenlos. www.lifesciencesbasel.ch JÜRG ERISMANN, Präsident der Life Sciences- Kommission der Handelskammer beider Basel und Leiter Standort Basel F. Hoffmann-La Roche AG.
  • 28. AUS DER ’KAMMER 28 twice Herbst 2018 2018 25November AB S TIMMUNG E N NEIN ZUR «SELBSTBESTIMMUNGS»- INITIATIVE Die «Selbstbestimmungs»-Initiative wäre ein fataler Eingriff in die Wirtschaft der Exportnation Schweiz. Weil die Initiative eine Rückwirkungsklausel enthält, wären rund 600 Abkommen mit wirtschaftsrelevantem Inhalt gefährdet. Dazu gehören wichtige Abkommen in den Bereichen internationaler Handel, Investitio- nen oder geistiges Eigentum. Die Initiative will, dass zukünftig die Bundesverfassung über allen internationalen Verträgen steht: im Falle eines Widerspruchs zwischen Verpflichtungen und der Verfassung soll das Völkerrecht angepasst oder das entsprechen- de Abkommen gekündigt werden. Bereits heute kann die Schweiz keine internationalen Verträge abschliessen, die ihrer Verfassung widersprechen. Bei einer Kolli- sion von neuen Verfassungsbestimmungen mit dem Völkerrecht suchen der Bundesrat und das Parlament nach pragmatischen und breit abgestützten Lösungen, die sowohl den Vorgaben der Verfassung als auch den völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz Rechnung tragen. Und bringt ein Vertrag später Nach- teile, kann per Initiative seine Kündigung verlangt werden. Mit ihrem Vorbehalt, widersprüchliche Abkommen neu zu verhan- deln oder nötigenfalls zu kündigen, schwächt die «Selbstbestim- mungs»-Initiative die Schweiz als verlässliche Vertragspartnerin und isoliert sie international. Um die wirtschaftliche Stabilität, die Vertragsverlässlichkeit, die Wettbewerbsfähigkeit und somit den Wohlstand der Schweiz nicht zu gefährden, empfehlen wir am 25. November 2018 ein NEIN zur «Selbstbestimmungs»-Initiative. • Eidgenössische Vorlagen NEIN zur • «Selbstbestimmungs»-Initiative JA zur • Änderung des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs- rechts Basel-Stadt JA zu • Verlängerung der Ladenöffnungszeiten • Bebauungsplan Volta Nord Basel-Landschaft JA zum • Gegenvorschlag für eine faire steuerliche Behandlung der Wohnkosten NEIN zur • formulierten Gesetzesinitiative Ja zur Prämienverbilligung «Die Selbstbestimmungs  -Initiative bringt die Bilateralen in Gefahr, isoliert die Schweiz langfristig und gefährdet damit unseren Wohlstand.» ELISABETH SCHNEIDER-SCHNEITER PRÄSIDENTIN HANDELSKAMMER BEIDER BASEL UND NATIONALRÄTIN CVP BASELLAND «Die «Selbstbestimmungs»-Initiative bringt Schweizerinnen und Schweizer keine neuen Rechte. Sie bringt aber Rechtsunsicherheit und nimmt uns den Handlungsspielraum für pragmatische Lösungen!» MATTHIAS LEUENBERGER LÄNDERPRÄSIDENT NOVARTIS SCHWEIZ
  • 29. NOVEMBER Mi, 7. November 2018 8. cluster-forum Politik und Logistik – eine schwierige Beziehung? Do, 8. November 2018 Werkstatt Basel Mi, 14. November 2018 Absolventenmesse Basel Patronat der Handelskammer 2019 JANUAR Di, 8. Januar 2019 Neujahrsempfang 2019 Mo, 28. Januar 2019 FutureHealth Basel APRIL Mi, 3. April 2019 Mitgliedfirmen stellen sich vor – Besichtigung der Schweizer Salinen AG MAI Do, 9. Mai 2019 Mitgliedfirmen stellen sich vor – Besichtigung der Settelen AG AGENDA Donnerstag, 8. November 2018 Werkstatt Basel Act local – think global Wo? Kino Pathé Küchlin, Steinenvorstadt 55, Basel Wann? 18.00 – 20.00 Uhr Dienstag, 8. Januar 2019 Neujahrsempfang 2019 Wo? UBS Forum, Aeschenvorstadt 1, Basel Wann? 18.00 Uhr (Türöffnung 17.30 Uhr) Wer? Mitglieder und geladene Gäste Der Vorstand und die Geschäftsstelle der Handelskammer beider Basel laden ihre Mitglieder herzlich zum traditionellen Neujahrsempfang ein. Handelskammer vernetzt interessante Menschen, schafft neue Kontakte und fördert den Dialog. Handelskammer fokussiert auf aktuelle Themen aus Politik, Wirtschaft und Gesell- schaft, führt Debatten zu Themen und Trends unserer Region und bildet Meinungen. Handelskammer informiert im Rahmen von Weiterbildungen. Nebst zahlreichen Schulungen zum Exportgeschäft zählen auch Angebote zur Entwicklung persönlicher Skills und Manage- mentfähigkeiten zur Veranstaltungsreihe. Die Agenda wird laufend aktualisiert auf www.hkbb.ch Vielfältig. Praxisorientiert. Berufsnah. Aus- und Weiterbildung an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW www.fhnw.ch twice Herbst 2018 29
  • 30. AUS DER ’KAMMER Bundesrat Ignazio CassisAndreas Büttiker, Daniela Schneeberger, Mathias F. Böhm Andreas Klemens, Daniel Scheidegger Raphaela Mischler, Jasmin Pulfer 30 twice Herbst 2018 Ueli Vischer, Heinrich Koller, Christoph Eymann, Conradin Cramer Sven Hoffmann, Björn Hoffmann 22. GENERALVER- SAMMLUNG DER HANDELSKAMMER BEIDER BASEL 18. JUNI 2018 Christina Hatebur, Markus Lehmann Elisabeth Augstburger, Jacqueline Bader, Nicole Strahm, Brigitte Müller-Kaderli Elisabeth Schneider-Schneiter Eva Herzog, Susanne Leutenegger-Oberholzer Luzius Bosshard, Cathrin Bosshard Pablo Grendelmeier, Martin Drescher
  • 31. Fotos: Pino Covino Ganimetja Jasari, Matthias Arndt Pierre de Meuron, Elisabeth Schneider-Schneiter Maya Graf, Hans Schneiter Christoph Brutschin, Patricia von Falkenstein, Daniel Egloff Caspar von Stülpnagel, Michael Beglinger, Martin Ursprung Lukas Ott, Christian Greif twice Herbst 2018 31 Luca Urgese, Sabine Pegoraro, Andreas Zappalà Martin Dätwyler, Baschi Dürr Gilbert Achermann, Felix ReiffAdrian Thomet, Florian Thomet SOMMERAPÉRO DER HANDELS- KAMMER BEIDER BASEL 14. AUGUST 2018 Michael T. Bächle, Conradin Cramer Irina Blonina, Hans Martin Tschudi Conradin Cramer, Isaac Reber, Elisabeth Schneider-Schneiter, Hannes Schweizer, Remo Gallacchi Carlo Conti, Mario Gasparini
  • 32. Handelskammer beider Basel St. Jakobs-Strasse 25 Postfach 4010 Basel T +41 61 270 60 60 F +41 61 270 60 05 E-Mail: info@hkbb.ch www.hkbb.ch informiert. fokussiert. vernetzt. Die nächste twice-Ausgabe erscheint im Frühjahr 2019. Treten Sie mit uns in Kontakt auf Social Media.