SlideShare ist ein Scribd-Unternehmen logo
Die Arbeitszeit wurde in Österreich zuletzt vor 40 Jahren
verkürzt. Seither geht der Trend in die andere Richtung:
10% der Frauen und 20% der Männer sind bereits über-
stundenpauschaliert, was dazu führt, dass für viele Ar-
beitnehmerInnen 50- oder 60-Stunden-Wochen die Nor-
malität sind. In Österreich arbeiten Vollzeitarbeitskräfte
insgesamt so lange wie in keinem anderen europäischen
Land mit Ausnahme von Großbritannien.
Gleichzeitig verzeichnet Österreich Rekordarbeitslosig-
keit und zunehmende Fälle stressbedingter physischer
und psychischer Erkrankungen: Die Arbeitslosenquote
lag im Vorjahr bei 8,4%, dem höchsten gemessenen Wert
seit den 50er Jahren. In der jüngsten Studie der OECD be-
legte Österreich bei der Qualität des Arbeitsumfeldes we-
gen der langen Arbeitszeiten und des hohen Zeitdrucks
unter 32 teilnehmenden Ländern lediglich Platz 27.
Arbeitszeitverkürzung schafft Beschäftigung
Die Produktivität der österreichischen Wirtschaft steigt
kontinuierlich. Dies bedeutet, dass für die Produktion ei-
ner bestimmten Menge an Gütern zunehmend weniger
Arbeitskräfte notwendig sind. Was auf der einen Seite für
zunehmenden gesellschaftlichen Wohlstand sorgt, be-
deutet auf der anderen Seite den Verlust von Arbeitsplät-
zen, da nun weniger Menschen für die gleiche Produktion
benötigt werden. Das bedeutet wiederum, dass die davon
betroffenen ArbeitnehmerInnen darauf angewiesen sind,
dass an anderer Stelle neue Arbeitsplätze entstehen. Hier-
für ist notwendig, dass das Wirtschaftswachstum zumin-
dest gleich groß ist wie die Summe aus Produktivitäts-
wachstum und dem Wachstum der Erwerbsbevölkerung.
Nicht nur die derzeitige Krise, sondern bereits die Ent-
wicklung der letzten Jahrzehnte veranschaulicht, dass
dies zunehmend schwieriger geworden ist: Während sich
in den 60er und 70er Jahren die Arbeitslosenrate bei 2%
lag, wurden ab Mitte der 90er Jahre Werte um die 7% zur
Normalität. Aber auch schon in den 60er und 70er Jahren
hätte die Bilanz schlechter ausgesehen, wäre damals nicht
die Arbeitszeit schrittweise verkürzt worden. Für das Ziel
der Vollbeschäftigung wäre sowohl kurzfristig als auch
langfristig ein hohes Wirtschaftswachstum nötig. Das
scheint wenig realistisch, deswegen sind weitere Verkür-
zungen der Arbeitszeit wirtschaftspolitisch unabdinglich.
Arbeitszeitverkürzung im Sinne der Gleichstellung
Klar ist also, dass Arbeitszeitverkürzung aus gesund-
heitlicher und arbeitsmarktpolitischer Sicht sinnvoll ist.
Darüber hinaus bringt sie aber auch für die Gleichstel-
lung Fortschritte. Kinderbetreuung und Pflege von An-
gehörigen wird derzeit zu einem großen Teil von Frauen
in Teilzeitarbeitsverhältnissen übernommen, während
Männer in der Regel einer Vollzeitbeschäftigung nachge-
hen. Jede Verkürzung der Arbeitswoche macht es Voll-
zeitverdienern leichter, sich hier zusätzlich einzubringen.
Dies sorgt auch für zusätzliche Lebensqualität, da viele
Väter angeben, dass sie gerne mehr Zeit mit ihrem Nach-
wuchs verbringen würden. Gleichzeitig wird es für den/
die andere PartnerIn leichter, eine Vollzeitstelle zu über-
nehmen, wenn die damit verbundenen Stunden geringer
sind bzw. familiäre Aufgaben gleicher verteilt werden
können.
Das Ziel: Die 30h-Woche
Damit es tatsächlich zu einer positiven Veränderung
kommt, muss das Ziel die „kurze Vollzeit“ in der Höhe
von 30 Wochenstunden sein. Mit besseren Möglichkei-
ten zu flexibler Arbeitszeiteinteilung wäre das ein ent-
scheidender Schritt zur leichteren Vereinbarkeit von Fa-
milie und Vollzeitbeschäftigung. Mehr freie Zeit schafft
aber auch Raum, um sich sozial zu engagieren sei es in
der Nachbarschaft, in Vereinen, karitativen Organisatio-
Arbeitszeitverkürzung
ist notwendig
Perspektiven
Jahoda-Bauer Institut | Policy Brief 06/2015
Quelle: OECD 2014
nen oder in der Politik und birgt so nicht nur für den
Einzelnen, sondern auch für die Gesellschaft großes po-
sitives Potential.
Arbeitszeitverkürzung ≠ Einkommensverlust
Arbeitszeitverkürzung muss dabei nicht mit einem Ein-
kommensverlust einhergehen. In den letzten Jahrzehn-
ten verzeichnete die österreichische Wirtschaft große
Produktivitätsgewinne, während die Reallöhne hinge-
gen kaum gestiegen sind. Arbeitszeitverkürzung bei vol-
lem Lohnausgleich (das heißt: bei gleichbleibendem
Brutto-Monatslohn) ist nichts anderes als eine gerechte
Entschädigung der ArbeitnehmerInnen für die vorent-
haltenen Lohnsteigerungen der letzten Jahrzehnte. Ein
realistisches Umsetzungsszenario könnte aber auch der
teilweise Lohnausgleich bei höheren, sowie der volle
Lohnausgleich bei niedrigeren Einkommen sein. Brutto-
gehaltsverluste bei höheren Einkommen würden in die-
sem Fall teilweise durch niedrige Lohnsteuerzahlungen
kompensiert werden. Da gleichzeitig mit einem Rück-
gang der Arbeitslosigkeit zu rechnen ist, fallen für den
Staat im Gegenzug niedrigere Sozialausgaben an, wo-
durch sich auch hier keine Lücke auftäte.
Gegenargument Fachkräftemangel?
Unternehmen haben es gerne, wenn sie sich die Arbeits-
kräfte aussuchen können. Weniger gerne sehen sie es
hingegen, wenn dieselben Arbeitskräfte unter mehreren
Stellen wählen können, da dies deren Ansprüche erhöht.
Arbeitszeitverkürzung bedeutet eine Machtverschiebung
zugunsten der ArbeitnehmerInnen. Das ist mehr als ge-
rechtfertigt, wenn man die Lohnentwicklung der letzten
Jahrzehnte als Spiegelbild der herrschenden Machtver-
hältnisse betrachtet. Um Engpässe zu vermeiden, bietet
sich darüber hinaus auch die Möglichkeit des Ausbaus
öffentlicher Weiterbildungsprogramme.
Damit ist klar: Arbeitszeitverkürzung bringt mehr Be-
schäftigung und mehr Lebensqualität. Dass immer wie-
der versucht wird, die Idee schlechtzureden zeigt auch,
dass es hier um eine Verteilungsfrage geht: Stehen Ge-
winne von Einzelnen oder das Wohl der Menschen im
Vordergrund?
Policy Brief 06/2015 | Herausgegeber: Jahoda-Bauer-Institut, Landstraße 36, 4020 Linz | Kontakt: georg.hubmann@jbi.or.at | www.jbi.or.at
Juli 2015 | Redaktion: Bernhard Schütz| F.d.i.V.: Georg Hubmann
Arbeitszeitentwicklung
in Österreich
1918: Einführung des 8h-Tags (48h Woche)
1959: 45h-Woche
1970: 43h-Woche
1973: 42h-Woche
1975: 40h Woche
Info
In Österreich wird so lange gearbeitet wie in kaum
einem anderen europäischen Land, während die Ar-
beitslosigkeit im Vorjahr einen neuen Höhepunkt
erreicht hat. Gleichzeitig ist die Produktivität in den
letzten Jahren stetig gestiegen, die Löhne hingegen
kaum. Eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung bei
vollem oder teilweisem Lohnsausgleich wäre eine ge-
rechte und überfällige Maßnahme.
www.facebook.com/jahodabauerinstitut
Facebook “f” Logo CMYK / .ai Facebook “f” Logo CMYK / .ai
www.twitter.com/JahodaBauer www.jbi.or.at
Produktivität und Entlohnung im Vergleich.
Grafik 2 - bitte auf zweiter Seite unten über beide Spalten Unterschrift: Produktivität und Entlohnung im Vergleich.
+5,2%
+6,4%
+2,7%
+0,7%+2,6%
-1,6%
2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
-4%
-2%
0%
2%
4%
6%
8%
10%
K
R
I
S
E
reale Lohn-Entwicklung
brutto
netto
Quelle: WIFO-Datenbank (März 2015); gesamtwirtschaftliche Durchschnittswerte, kumulierte Entwicklung (prozenttueller Geseamtzuwachs seit
2000) Produktivität = Reales Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem; Lohn = Preisbereinigter Brutto- und Nettolohn je Beschäftigungsverhältnis

Weitere ähnliche Inhalte

Andere mochten auch

Los padres deben ser amigos de sus hijos
Los padres deben ser amigos de sus hijosLos padres deben ser amigos de sus hijos
Los padres deben ser amigos de sus hijos
Ochi AE
 
Seminario Markitude OMEXPO 2015 - Cosas que tu Jefe debería saber sobre Email...
Seminario Markitude OMEXPO 2015 - Cosas que tu Jefe debería saber sobre Email...Seminario Markitude OMEXPO 2015 - Cosas que tu Jefe debería saber sobre Email...
Seminario Markitude OMEXPO 2015 - Cosas que tu Jefe debería saber sobre Email...
FACTORY WEB, EXPERTOS EN REDES SOCIALES PARA EMPRESAS
 
Stimulus and-response-tina
Stimulus and-response-tinaStimulus and-response-tina
Stimulus and-response-tina
ScienceBlueMcguffey
 
Lifestyle Centers
Lifestyle CentersLifestyle Centers
Oracle Lizenzmonitoring - Fluch oder Segen?
Oracle Lizenzmonitoring - Fluch oder Segen?Oracle Lizenzmonitoring - Fluch oder Segen?
Oracle Lizenzmonitoring - Fluch oder Segen?
Trivadis
 
Interiorización de los valores
Interiorización de los valoresInteriorización de los valores
Interiorización de los valores
Erika Barajas Leyva
 
Viaje Lisboa Amigos Museos 20-23 mayo 2010
Viaje Lisboa Amigos Museos 20-23 mayo 2010Viaje Lisboa Amigos Museos 20-23 mayo 2010
Viaje Lisboa Amigos Museos 20-23 mayo 2010
amigosdelaalcazaba
 
Pourquoi et comment créer un réseau social en ligne pour mon territoire ?
Pourquoi et comment créer un réseau social en ligne pour mon territoire ?Pourquoi et comment créer un réseau social en ligne pour mon territoire ?
Pourquoi et comment créer un réseau social en ligne pour mon territoire ?Loïc Haÿ
 
Escuela todos
Escuela todosEscuela todos
Escuela todos
RossyPalmaM Palma M
 
Pasatiempo mfn rafael romero
Pasatiempo mfn rafael romeroPasatiempo mfn rafael romero
Pasatiempo mfn rafael romero
Rafael David
 
My fido EG3 istruzioni
My fido EG3 istruzioniMy fido EG3 istruzioni
My fido EG3 istruzioniEurosolar
 
análisis de OD en presencia de un biocatalizador en presa valsequillo
análisis de OD en presencia de un biocatalizador en presa valsequilloanálisis de OD en presencia de un biocatalizador en presa valsequillo
análisis de OD en presencia de un biocatalizador en presa valsequillo
Lorena del Pilar Ambrosio Loyde
 
Alimentástico
AlimentásticoAlimentástico
Alimentástico
Erik Rivera
 
Eolica hidrogeno y planta industrial thermal congress 31.1.12
Eolica   hidrogeno y planta industrial thermal congress 31.1.12Eolica   hidrogeno y planta industrial thermal congress 31.1.12
Eolica hidrogeno y planta industrial thermal congress 31.1.12
Luis Bertenasco
 
High Point's SoSi District Design and Development Plan
High Point's SoSi District Design and Development PlanHigh Point's SoSi District Design and Development Plan
High Point's SoSi District Design and Development Plan
triadsustain
 
Programación junio del Teatro Colón (A Coruña)
Programación junio del Teatro Colón (A Coruña)Programación junio del Teatro Colón (A Coruña)
Programación junio del Teatro Colón (A Coruña)
Conecta Coruna
 
Tatro 20111
Tatro 20111 Tatro 20111
Tatro 20111
ladytutoblog
 
Actividad no 8 redes sociales
Actividad no 8 redes socialesActividad no 8 redes sociales
Actividad no 8 redes sociales
Sindy Yazmin Bohorquez Bustos
 
Plataformas de redes sociales en la web
Plataformas de redes sociales en la webPlataformas de redes sociales en la web
Plataformas de redes sociales en la web
ArnoldLeon
 
Anovasia technology presentation nov2012 non-conf
Anovasia technology presentation nov2012 non-confAnovasia technology presentation nov2012 non-conf
Anovasia technology presentation nov2012 non-conf
John Dangerfield
 

Andere mochten auch (20)

Los padres deben ser amigos de sus hijos
Los padres deben ser amigos de sus hijosLos padres deben ser amigos de sus hijos
Los padres deben ser amigos de sus hijos
 
Seminario Markitude OMEXPO 2015 - Cosas que tu Jefe debería saber sobre Email...
Seminario Markitude OMEXPO 2015 - Cosas que tu Jefe debería saber sobre Email...Seminario Markitude OMEXPO 2015 - Cosas que tu Jefe debería saber sobre Email...
Seminario Markitude OMEXPO 2015 - Cosas que tu Jefe debería saber sobre Email...
 
Stimulus and-response-tina
Stimulus and-response-tinaStimulus and-response-tina
Stimulus and-response-tina
 
Lifestyle Centers
Lifestyle CentersLifestyle Centers
Lifestyle Centers
 
Oracle Lizenzmonitoring - Fluch oder Segen?
Oracle Lizenzmonitoring - Fluch oder Segen?Oracle Lizenzmonitoring - Fluch oder Segen?
Oracle Lizenzmonitoring - Fluch oder Segen?
 
Interiorización de los valores
Interiorización de los valoresInteriorización de los valores
Interiorización de los valores
 
Viaje Lisboa Amigos Museos 20-23 mayo 2010
Viaje Lisboa Amigos Museos 20-23 mayo 2010Viaje Lisboa Amigos Museos 20-23 mayo 2010
Viaje Lisboa Amigos Museos 20-23 mayo 2010
 
Pourquoi et comment créer un réseau social en ligne pour mon territoire ?
Pourquoi et comment créer un réseau social en ligne pour mon territoire ?Pourquoi et comment créer un réseau social en ligne pour mon territoire ?
Pourquoi et comment créer un réseau social en ligne pour mon territoire ?
 
Escuela todos
Escuela todosEscuela todos
Escuela todos
 
Pasatiempo mfn rafael romero
Pasatiempo mfn rafael romeroPasatiempo mfn rafael romero
Pasatiempo mfn rafael romero
 
My fido EG3 istruzioni
My fido EG3 istruzioniMy fido EG3 istruzioni
My fido EG3 istruzioni
 
análisis de OD en presencia de un biocatalizador en presa valsequillo
análisis de OD en presencia de un biocatalizador en presa valsequilloanálisis de OD en presencia de un biocatalizador en presa valsequillo
análisis de OD en presencia de un biocatalizador en presa valsequillo
 
Alimentástico
AlimentásticoAlimentástico
Alimentástico
 
Eolica hidrogeno y planta industrial thermal congress 31.1.12
Eolica   hidrogeno y planta industrial thermal congress 31.1.12Eolica   hidrogeno y planta industrial thermal congress 31.1.12
Eolica hidrogeno y planta industrial thermal congress 31.1.12
 
High Point's SoSi District Design and Development Plan
High Point's SoSi District Design and Development PlanHigh Point's SoSi District Design and Development Plan
High Point's SoSi District Design and Development Plan
 
Programación junio del Teatro Colón (A Coruña)
Programación junio del Teatro Colón (A Coruña)Programación junio del Teatro Colón (A Coruña)
Programación junio del Teatro Colón (A Coruña)
 
Tatro 20111
Tatro 20111 Tatro 20111
Tatro 20111
 
Actividad no 8 redes sociales
Actividad no 8 redes socialesActividad no 8 redes sociales
Actividad no 8 redes sociales
 
Plataformas de redes sociales en la web
Plataformas de redes sociales en la webPlataformas de redes sociales en la web
Plataformas de redes sociales en la web
 
Anovasia technology presentation nov2012 non-conf
Anovasia technology presentation nov2012 non-confAnovasia technology presentation nov2012 non-conf
Anovasia technology presentation nov2012 non-conf
 

Ähnlich wie Perspektiven 06 2015_arbeitszeitverkürzung

ECHT KRASS - Ausgabe Nr. 5 / April 2014
ECHT KRASS - Ausgabe Nr. 5 / April 2014ECHT KRASS - Ausgabe Nr. 5 / April 2014
ECHT KRASS - Ausgabe Nr. 5 / April 2014Herbert Huber
 
Das deutsche Mindestlohngesetz – Eine erste ökonomische Bewertung
Das deutsche Mindestlohngesetz – Eine erste ökonomische BewertungDas deutsche Mindestlohngesetz – Eine erste ökonomische Bewertung
Das deutsche Mindestlohngesetz – Eine erste ökonomische Bewertung
I W
 
Aeltere Menschen im Betrieb
Aeltere Menschen im BetriebAeltere Menschen im Betrieb
Aeltere Menschen im BetriebRegionalverband
 
Solidaritaet_#967_201608
Solidaritaet_#967_201608Solidaritaet_#967_201608
Solidaritaet_#967_201608
FESD GKr
 
Zehn Jahre Agenda 2010
Zehn Jahre Agenda 2010Zehn Jahre Agenda 2010
Zehn Jahre Agenda 2010
I W
 
Die Beschäftigungseffekte der experi-mentellen Arbeitsmarktpolitik der 1980er...
Die Beschäftigungseffekte der experi-mentellen Arbeitsmarktpolitik der 1980er...Die Beschäftigungseffekte der experi-mentellen Arbeitsmarktpolitik der 1980er...
Die Beschäftigungseffekte der experi-mentellen Arbeitsmarktpolitik der 1980er...
FESD GKr
 
Einstieg in Arbeit – Die Rolle der Arbeitsmarktregulierung
Einstieg in Arbeit – Die Rolle der ArbeitsmarktregulierungEinstieg in Arbeit – Die Rolle der Arbeitsmarktregulierung
Einstieg in Arbeit – Die Rolle der Arbeitsmarktregulierung
I W
 
Renten auf einen Blick 2019
Renten auf einen Blick 2019Renten auf einen Blick 2019
Renten auf einen Blick 2019
OECD Berlin Centre
 
BVR Volkswirtschaft kompakt Ausgabe Februar 2017
BVR Volkswirtschaft kompakt Ausgabe Februar 2017 BVR Volkswirtschaft kompakt Ausgabe Februar 2017
BVR Volkswirtschaft kompakt Ausgabe Februar 2017
Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken
 
metrobasel report 2014
metrobasel report 2014metrobasel report 2014
metrobasel report 2014
metrobasel
 
Brief aus Berlin 18 // 2015
Brief aus Berlin 18 // 2015Brief aus Berlin 18 // 2015
Brief aus Berlin 18 // 2015
Hansjörg Durz
 
Gesteuerte Zuwanderung in der Flüchtlingskrise – Warum Deutschland trotz des ...
Gesteuerte Zuwanderung in der Flüchtlingskrise – Warum Deutschland trotz des ...Gesteuerte Zuwanderung in der Flüchtlingskrise – Warum Deutschland trotz des ...
Gesteuerte Zuwanderung in der Flüchtlingskrise – Warum Deutschland trotz des ...
I W
 
Flexible Arbeitswelt - Bericht an die Expertenkommission
Flexible Arbeitswelt - Bericht an die ExpertenkommissionFlexible Arbeitswelt - Bericht an die Expertenkommission
Flexible Arbeitswelt - Bericht an die Expertenkommission
Bertelsmann Stiftung
 
Twice-Frühjahr 2019
Twice-Frühjahr 2019 Twice-Frühjahr 2019
Twice-Frühjahr 2019
Handelskammer beider Basel
 
Info zum egb aktionstag 14-nov_2012_scd
Info zum egb aktionstag 14-nov_2012_scdInfo zum egb aktionstag 14-nov_2012_scd
Info zum egb aktionstag 14-nov_2012_scdWerner Drizhal
 
Global Pension Atlas Germany
Global Pension Atlas GermanyGlobal Pension Atlas Germany
Global Pension Atlas Germany
Open Knowledge
 
Pensions at a Glance 2017 - Renten in Deutschland
Pensions at a Glance 2017 - Renten in DeutschlandPensions at a Glance 2017 - Renten in Deutschland
Pensions at a Glance 2017 - Renten in Deutschland
OECD Berlin Centre
 
2 dispatching kb_final
2 dispatching kb_final2 dispatching kb_final
2 dispatching kb_final
Kristin Block
 
Neue Gründerzeit. Wir sind dafür.
Neue Gründerzeit. Wir sind dafür.Neue Gründerzeit. Wir sind dafür.
Neue Gründerzeit. Wir sind dafür.
Julius Raab Stiftung
 
Lernen und Arbeiten ein Leben lang
Lernen und Arbeiten ein Leben langLernen und Arbeiten ein Leben lang
Lernen und Arbeiten ein Leben lang
Berufsausbildung und Berufsvorbereitung
 

Ähnlich wie Perspektiven 06 2015_arbeitszeitverkürzung (20)

ECHT KRASS - Ausgabe Nr. 5 / April 2014
ECHT KRASS - Ausgabe Nr. 5 / April 2014ECHT KRASS - Ausgabe Nr. 5 / April 2014
ECHT KRASS - Ausgabe Nr. 5 / April 2014
 
Das deutsche Mindestlohngesetz – Eine erste ökonomische Bewertung
Das deutsche Mindestlohngesetz – Eine erste ökonomische BewertungDas deutsche Mindestlohngesetz – Eine erste ökonomische Bewertung
Das deutsche Mindestlohngesetz – Eine erste ökonomische Bewertung
 
Aeltere Menschen im Betrieb
Aeltere Menschen im BetriebAeltere Menschen im Betrieb
Aeltere Menschen im Betrieb
 
Solidaritaet_#967_201608
Solidaritaet_#967_201608Solidaritaet_#967_201608
Solidaritaet_#967_201608
 
Zehn Jahre Agenda 2010
Zehn Jahre Agenda 2010Zehn Jahre Agenda 2010
Zehn Jahre Agenda 2010
 
Die Beschäftigungseffekte der experi-mentellen Arbeitsmarktpolitik der 1980er...
Die Beschäftigungseffekte der experi-mentellen Arbeitsmarktpolitik der 1980er...Die Beschäftigungseffekte der experi-mentellen Arbeitsmarktpolitik der 1980er...
Die Beschäftigungseffekte der experi-mentellen Arbeitsmarktpolitik der 1980er...
 
Einstieg in Arbeit – Die Rolle der Arbeitsmarktregulierung
Einstieg in Arbeit – Die Rolle der ArbeitsmarktregulierungEinstieg in Arbeit – Die Rolle der Arbeitsmarktregulierung
Einstieg in Arbeit – Die Rolle der Arbeitsmarktregulierung
 
Renten auf einen Blick 2019
Renten auf einen Blick 2019Renten auf einen Blick 2019
Renten auf einen Blick 2019
 
BVR Volkswirtschaft kompakt Ausgabe Februar 2017
BVR Volkswirtschaft kompakt Ausgabe Februar 2017 BVR Volkswirtschaft kompakt Ausgabe Februar 2017
BVR Volkswirtschaft kompakt Ausgabe Februar 2017
 
metrobasel report 2014
metrobasel report 2014metrobasel report 2014
metrobasel report 2014
 
Brief aus Berlin 18 // 2015
Brief aus Berlin 18 // 2015Brief aus Berlin 18 // 2015
Brief aus Berlin 18 // 2015
 
Gesteuerte Zuwanderung in der Flüchtlingskrise – Warum Deutschland trotz des ...
Gesteuerte Zuwanderung in der Flüchtlingskrise – Warum Deutschland trotz des ...Gesteuerte Zuwanderung in der Flüchtlingskrise – Warum Deutschland trotz des ...
Gesteuerte Zuwanderung in der Flüchtlingskrise – Warum Deutschland trotz des ...
 
Flexible Arbeitswelt - Bericht an die Expertenkommission
Flexible Arbeitswelt - Bericht an die ExpertenkommissionFlexible Arbeitswelt - Bericht an die Expertenkommission
Flexible Arbeitswelt - Bericht an die Expertenkommission
 
Twice-Frühjahr 2019
Twice-Frühjahr 2019 Twice-Frühjahr 2019
Twice-Frühjahr 2019
 
Info zum egb aktionstag 14-nov_2012_scd
Info zum egb aktionstag 14-nov_2012_scdInfo zum egb aktionstag 14-nov_2012_scd
Info zum egb aktionstag 14-nov_2012_scd
 
Global Pension Atlas Germany
Global Pension Atlas GermanyGlobal Pension Atlas Germany
Global Pension Atlas Germany
 
Pensions at a Glance 2017 - Renten in Deutschland
Pensions at a Glance 2017 - Renten in DeutschlandPensions at a Glance 2017 - Renten in Deutschland
Pensions at a Glance 2017 - Renten in Deutschland
 
2 dispatching kb_final
2 dispatching kb_final2 dispatching kb_final
2 dispatching kb_final
 
Neue Gründerzeit. Wir sind dafür.
Neue Gründerzeit. Wir sind dafür.Neue Gründerzeit. Wir sind dafür.
Neue Gründerzeit. Wir sind dafür.
 
Lernen und Arbeiten ein Leben lang
Lernen und Arbeiten ein Leben langLernen und Arbeiten ein Leben lang
Lernen und Arbeiten ein Leben lang
 

Mehr von FESD GKr

Freedom convoy austria 2022
Freedom convoy austria 2022Freedom convoy austria 2022
Freedom convoy austria 2022
FESD GKr
 
Bedarfsorientierte Mindestsicherung
Bedarfsorientierte MindestsicherungBedarfsorientierte Mindestsicherung
Bedarfsorientierte Mindestsicherung
FESD GKr
 
Gold plaiting
Gold plaiting Gold plaiting
Gold plaiting
FESD GKr
 
Was verbindet, was trennt ...
Was verbindet, was trennt ...Was verbindet, was trennt ...
Was verbindet, was trennt ...
FESD GKr
 
Kinder haben Rechte
Kinder haben RechteKinder haben Rechte
Kinder haben Rechte
FESD GKr
 
Nur menschengerecht gestaltete Arbeit ist gute Arbeit !
Nur menschengerecht gestaltete Arbeit ist gute Arbeit !Nur menschengerecht gestaltete Arbeit ist gute Arbeit !
Nur menschengerecht gestaltete Arbeit ist gute Arbeit !
FESD GKr
 
Inequality in europe
Inequality in europeInequality in europe
Inequality in europe
FESD GKr
 
Daten & Fakten zu nachwachsenden Rohstoffen
Daten & Fakten zu nachwachsenden RohstoffenDaten & Fakten zu nachwachsenden Rohstoffen
Daten & Fakten zu nachwachsenden Rohstoffen
FESD GKr
 
Epicenter works Stellungnahme_Stg-novelle_2017_294_final
Epicenter works Stellungnahme_Stg-novelle_2017_294_finalEpicenter works Stellungnahme_Stg-novelle_2017_294_final
Epicenter works Stellungnahme_Stg-novelle_2017_294_final
FESD GKr
 
Gemeinwohlökonomie
GemeinwohlökonomieGemeinwohlökonomie
Gemeinwohlökonomie
FESD GKr
 
Demokratie neu starten
Demokratie neu startenDemokratie neu starten
Demokratie neu starten
FESD GKr
 
Schattendorf 1927; Demokratie am Wendepunkt
Schattendorf 1927;  Demokratie am WendepunktSchattendorf 1927;  Demokratie am Wendepunkt
Schattendorf 1927; Demokratie am Wendepunkt
FESD GKr
 
Broschuere Patientenrechte Psychiatrie_2013_web
Broschuere Patientenrechte Psychiatrie_2013_webBroschuere Patientenrechte Psychiatrie_2013_web
Broschuere Patientenrechte Psychiatrie_2013_web
FESD GKr
 
BERICHT INTERNET-SICHERHEIT - Cert.at jahresbericht-2016
BERICHT INTERNET-SICHERHEIT - Cert.at jahresbericht-2016BERICHT INTERNET-SICHERHEIT - Cert.at jahresbericht-2016
BERICHT INTERNET-SICHERHEIT - Cert.at jahresbericht-2016
FESD GKr
 
A social and democratic Europe?
A social and democratic Europe?A social and democratic Europe?
A social and democratic Europe?
FESD GKr
 
AK Einladung net_0118_Steuervermeidung_k1
AK Einladung net_0118_Steuervermeidung_k1AK Einladung net_0118_Steuervermeidung_k1
AK Einladung net_0118_Steuervermeidung_k1
FESD GKr
 
Jahoda-Bauer - Perspektiven Gesamtwerk-2016-web
Jahoda-Bauer - Perspektiven Gesamtwerk-2016-webJahoda-Bauer - Perspektiven Gesamtwerk-2016-web
Jahoda-Bauer - Perspektiven Gesamtwerk-2016-web
FESD GKr
 
Kontrovers 01 09_Finanzkrise2009
Kontrovers 01 09_Finanzkrise2009Kontrovers 01 09_Finanzkrise2009
Kontrovers 01 09_Finanzkrise2009
FESD GKr
 
Neoliberalismus der Demokraten - Er brachte Trump den Sieg
Neoliberalismus der Demokraten - Er brachte Trump den SiegNeoliberalismus der Demokraten - Er brachte Trump den Sieg
Neoliberalismus der Demokraten - Er brachte Trump den Sieg
FESD GKr
 
Kinder haben Rechte
Kinder haben RechteKinder haben Rechte
Kinder haben Rechte
FESD GKr
 

Mehr von FESD GKr (20)

Freedom convoy austria 2022
Freedom convoy austria 2022Freedom convoy austria 2022
Freedom convoy austria 2022
 
Bedarfsorientierte Mindestsicherung
Bedarfsorientierte MindestsicherungBedarfsorientierte Mindestsicherung
Bedarfsorientierte Mindestsicherung
 
Gold plaiting
Gold plaiting Gold plaiting
Gold plaiting
 
Was verbindet, was trennt ...
Was verbindet, was trennt ...Was verbindet, was trennt ...
Was verbindet, was trennt ...
 
Kinder haben Rechte
Kinder haben RechteKinder haben Rechte
Kinder haben Rechte
 
Nur menschengerecht gestaltete Arbeit ist gute Arbeit !
Nur menschengerecht gestaltete Arbeit ist gute Arbeit !Nur menschengerecht gestaltete Arbeit ist gute Arbeit !
Nur menschengerecht gestaltete Arbeit ist gute Arbeit !
 
Inequality in europe
Inequality in europeInequality in europe
Inequality in europe
 
Daten & Fakten zu nachwachsenden Rohstoffen
Daten & Fakten zu nachwachsenden RohstoffenDaten & Fakten zu nachwachsenden Rohstoffen
Daten & Fakten zu nachwachsenden Rohstoffen
 
Epicenter works Stellungnahme_Stg-novelle_2017_294_final
Epicenter works Stellungnahme_Stg-novelle_2017_294_finalEpicenter works Stellungnahme_Stg-novelle_2017_294_final
Epicenter works Stellungnahme_Stg-novelle_2017_294_final
 
Gemeinwohlökonomie
GemeinwohlökonomieGemeinwohlökonomie
Gemeinwohlökonomie
 
Demokratie neu starten
Demokratie neu startenDemokratie neu starten
Demokratie neu starten
 
Schattendorf 1927; Demokratie am Wendepunkt
Schattendorf 1927;  Demokratie am WendepunktSchattendorf 1927;  Demokratie am Wendepunkt
Schattendorf 1927; Demokratie am Wendepunkt
 
Broschuere Patientenrechte Psychiatrie_2013_web
Broschuere Patientenrechte Psychiatrie_2013_webBroschuere Patientenrechte Psychiatrie_2013_web
Broschuere Patientenrechte Psychiatrie_2013_web
 
BERICHT INTERNET-SICHERHEIT - Cert.at jahresbericht-2016
BERICHT INTERNET-SICHERHEIT - Cert.at jahresbericht-2016BERICHT INTERNET-SICHERHEIT - Cert.at jahresbericht-2016
BERICHT INTERNET-SICHERHEIT - Cert.at jahresbericht-2016
 
A social and democratic Europe?
A social and democratic Europe?A social and democratic Europe?
A social and democratic Europe?
 
AK Einladung net_0118_Steuervermeidung_k1
AK Einladung net_0118_Steuervermeidung_k1AK Einladung net_0118_Steuervermeidung_k1
AK Einladung net_0118_Steuervermeidung_k1
 
Jahoda-Bauer - Perspektiven Gesamtwerk-2016-web
Jahoda-Bauer - Perspektiven Gesamtwerk-2016-webJahoda-Bauer - Perspektiven Gesamtwerk-2016-web
Jahoda-Bauer - Perspektiven Gesamtwerk-2016-web
 
Kontrovers 01 09_Finanzkrise2009
Kontrovers 01 09_Finanzkrise2009Kontrovers 01 09_Finanzkrise2009
Kontrovers 01 09_Finanzkrise2009
 
Neoliberalismus der Demokraten - Er brachte Trump den Sieg
Neoliberalismus der Demokraten - Er brachte Trump den SiegNeoliberalismus der Demokraten - Er brachte Trump den Sieg
Neoliberalismus der Demokraten - Er brachte Trump den Sieg
 
Kinder haben Rechte
Kinder haben RechteKinder haben Rechte
Kinder haben Rechte
 

Perspektiven 06 2015_arbeitszeitverkürzung

  • 1. Die Arbeitszeit wurde in Österreich zuletzt vor 40 Jahren verkürzt. Seither geht der Trend in die andere Richtung: 10% der Frauen und 20% der Männer sind bereits über- stundenpauschaliert, was dazu führt, dass für viele Ar- beitnehmerInnen 50- oder 60-Stunden-Wochen die Nor- malität sind. In Österreich arbeiten Vollzeitarbeitskräfte insgesamt so lange wie in keinem anderen europäischen Land mit Ausnahme von Großbritannien. Gleichzeitig verzeichnet Österreich Rekordarbeitslosig- keit und zunehmende Fälle stressbedingter physischer und psychischer Erkrankungen: Die Arbeitslosenquote lag im Vorjahr bei 8,4%, dem höchsten gemessenen Wert seit den 50er Jahren. In der jüngsten Studie der OECD be- legte Österreich bei der Qualität des Arbeitsumfeldes we- gen der langen Arbeitszeiten und des hohen Zeitdrucks unter 32 teilnehmenden Ländern lediglich Platz 27. Arbeitszeitverkürzung schafft Beschäftigung Die Produktivität der österreichischen Wirtschaft steigt kontinuierlich. Dies bedeutet, dass für die Produktion ei- ner bestimmten Menge an Gütern zunehmend weniger Arbeitskräfte notwendig sind. Was auf der einen Seite für zunehmenden gesellschaftlichen Wohlstand sorgt, be- deutet auf der anderen Seite den Verlust von Arbeitsplät- zen, da nun weniger Menschen für die gleiche Produktion benötigt werden. Das bedeutet wiederum, dass die davon betroffenen ArbeitnehmerInnen darauf angewiesen sind, dass an anderer Stelle neue Arbeitsplätze entstehen. Hier- für ist notwendig, dass das Wirtschaftswachstum zumin- dest gleich groß ist wie die Summe aus Produktivitäts- wachstum und dem Wachstum der Erwerbsbevölkerung. Nicht nur die derzeitige Krise, sondern bereits die Ent- wicklung der letzten Jahrzehnte veranschaulicht, dass dies zunehmend schwieriger geworden ist: Während sich in den 60er und 70er Jahren die Arbeitslosenrate bei 2% lag, wurden ab Mitte der 90er Jahre Werte um die 7% zur Normalität. Aber auch schon in den 60er und 70er Jahren hätte die Bilanz schlechter ausgesehen, wäre damals nicht die Arbeitszeit schrittweise verkürzt worden. Für das Ziel der Vollbeschäftigung wäre sowohl kurzfristig als auch langfristig ein hohes Wirtschaftswachstum nötig. Das scheint wenig realistisch, deswegen sind weitere Verkür- zungen der Arbeitszeit wirtschaftspolitisch unabdinglich. Arbeitszeitverkürzung im Sinne der Gleichstellung Klar ist also, dass Arbeitszeitverkürzung aus gesund- heitlicher und arbeitsmarktpolitischer Sicht sinnvoll ist. Darüber hinaus bringt sie aber auch für die Gleichstel- lung Fortschritte. Kinderbetreuung und Pflege von An- gehörigen wird derzeit zu einem großen Teil von Frauen in Teilzeitarbeitsverhältnissen übernommen, während Männer in der Regel einer Vollzeitbeschäftigung nachge- hen. Jede Verkürzung der Arbeitswoche macht es Voll- zeitverdienern leichter, sich hier zusätzlich einzubringen. Dies sorgt auch für zusätzliche Lebensqualität, da viele Väter angeben, dass sie gerne mehr Zeit mit ihrem Nach- wuchs verbringen würden. Gleichzeitig wird es für den/ die andere PartnerIn leichter, eine Vollzeitstelle zu über- nehmen, wenn die damit verbundenen Stunden geringer sind bzw. familiäre Aufgaben gleicher verteilt werden können. Das Ziel: Die 30h-Woche Damit es tatsächlich zu einer positiven Veränderung kommt, muss das Ziel die „kurze Vollzeit“ in der Höhe von 30 Wochenstunden sein. Mit besseren Möglichkei- ten zu flexibler Arbeitszeiteinteilung wäre das ein ent- scheidender Schritt zur leichteren Vereinbarkeit von Fa- milie und Vollzeitbeschäftigung. Mehr freie Zeit schafft aber auch Raum, um sich sozial zu engagieren sei es in der Nachbarschaft, in Vereinen, karitativen Organisatio- Arbeitszeitverkürzung ist notwendig Perspektiven Jahoda-Bauer Institut | Policy Brief 06/2015 Quelle: OECD 2014
  • 2. nen oder in der Politik und birgt so nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Gesellschaft großes po- sitives Potential. Arbeitszeitverkürzung ≠ Einkommensverlust Arbeitszeitverkürzung muss dabei nicht mit einem Ein- kommensverlust einhergehen. In den letzten Jahrzehn- ten verzeichnete die österreichische Wirtschaft große Produktivitätsgewinne, während die Reallöhne hinge- gen kaum gestiegen sind. Arbeitszeitverkürzung bei vol- lem Lohnausgleich (das heißt: bei gleichbleibendem Brutto-Monatslohn) ist nichts anderes als eine gerechte Entschädigung der ArbeitnehmerInnen für die vorent- haltenen Lohnsteigerungen der letzten Jahrzehnte. Ein realistisches Umsetzungsszenario könnte aber auch der teilweise Lohnausgleich bei höheren, sowie der volle Lohnausgleich bei niedrigeren Einkommen sein. Brutto- gehaltsverluste bei höheren Einkommen würden in die- sem Fall teilweise durch niedrige Lohnsteuerzahlungen kompensiert werden. Da gleichzeitig mit einem Rück- gang der Arbeitslosigkeit zu rechnen ist, fallen für den Staat im Gegenzug niedrigere Sozialausgaben an, wo- durch sich auch hier keine Lücke auftäte. Gegenargument Fachkräftemangel? Unternehmen haben es gerne, wenn sie sich die Arbeits- kräfte aussuchen können. Weniger gerne sehen sie es hingegen, wenn dieselben Arbeitskräfte unter mehreren Stellen wählen können, da dies deren Ansprüche erhöht. Arbeitszeitverkürzung bedeutet eine Machtverschiebung zugunsten der ArbeitnehmerInnen. Das ist mehr als ge- rechtfertigt, wenn man die Lohnentwicklung der letzten Jahrzehnte als Spiegelbild der herrschenden Machtver- hältnisse betrachtet. Um Engpässe zu vermeiden, bietet sich darüber hinaus auch die Möglichkeit des Ausbaus öffentlicher Weiterbildungsprogramme. Damit ist klar: Arbeitszeitverkürzung bringt mehr Be- schäftigung und mehr Lebensqualität. Dass immer wie- der versucht wird, die Idee schlechtzureden zeigt auch, dass es hier um eine Verteilungsfrage geht: Stehen Ge- winne von Einzelnen oder das Wohl der Menschen im Vordergrund? Policy Brief 06/2015 | Herausgegeber: Jahoda-Bauer-Institut, Landstraße 36, 4020 Linz | Kontakt: georg.hubmann@jbi.or.at | www.jbi.or.at Juli 2015 | Redaktion: Bernhard Schütz| F.d.i.V.: Georg Hubmann Arbeitszeitentwicklung in Österreich 1918: Einführung des 8h-Tags (48h Woche) 1959: 45h-Woche 1970: 43h-Woche 1973: 42h-Woche 1975: 40h Woche Info In Österreich wird so lange gearbeitet wie in kaum einem anderen europäischen Land, während die Ar- beitslosigkeit im Vorjahr einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Gleichzeitig ist die Produktivität in den letzten Jahren stetig gestiegen, die Löhne hingegen kaum. Eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung bei vollem oder teilweisem Lohnsausgleich wäre eine ge- rechte und überfällige Maßnahme. www.facebook.com/jahodabauerinstitut Facebook “f” Logo CMYK / .ai Facebook “f” Logo CMYK / .ai www.twitter.com/JahodaBauer www.jbi.or.at Produktivität und Entlohnung im Vergleich. Grafik 2 - bitte auf zweiter Seite unten über beide Spalten Unterschrift: Produktivität und Entlohnung im Vergleich. +5,2% +6,4% +2,7% +0,7%+2,6% -1,6% 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 -4% -2% 0% 2% 4% 6% 8% 10% K R I S E reale Lohn-Entwicklung brutto netto Quelle: WIFO-Datenbank (März 2015); gesamtwirtschaftliche Durchschnittswerte, kumulierte Entwicklung (prozenttueller Geseamtzuwachs seit 2000) Produktivität = Reales Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem; Lohn = Preisbereinigter Brutto- und Nettolohn je Beschäftigungsverhältnis