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Peter Diehl / Andreas Imhoff / Lenelotte Möller (Hrsg.)
Wissensgesellschaft Pfalz
90 Jahre Pfälzische Gesellschaft
zur Förderung der Wissenschaften
Veröffentlichung der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften
verlag regionalkultur
WissensgesellschaftPfalz
90JahrePfälzischeGesellschaftzurFörderungderWissenschaften
Die Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissen-
schaften wurde am 25. Oktober 1925 in Speyer ins Leben
gerufen. Ziel war es, der Pfalz, die über keine Universi-
tät verfügte, ein geistiges Forum zu verschaffen, in dem
sich Wissenschaftler möglichst vieler Fachrichtungen
über die „Pfalz und die unmittelbar an sie angrenzenden
Landschaften“ austauschen.
Die interdisziplinäre Arbeit gehört zu ihren beson-
deren Anliegen in Veröffentlichungen und Vorträgen.
Diese Jubiläumsschrift belegt in Beiträgen von 50 Auto-
rinnen und Autoren die Vielfalt und Individualität der
Forschungsgebiete, auch die fächerübergreifende Ge-
schlossenheit der Gesellschaft. Querverweise der Artikel
untereinander ermöglichen es, Aufsätze zu bestimmten
Themen zusammensuchen. Man kann aber auch einfach
schmökern und sich daran freuen, was es alles über die
Pfalz zu wissen gibt.
ISBN 978-3-89735-903-1
9 783897 359031
DR. HEINZ DANNER-STIFTUNG
KULTUR
STIFTUNG
SPEYER
Titelbildnachweis:	 1: Ortolan-Männchen bei der Nahrungssuche am Boden (Aufnahme: H.-J. Fünf-
stück); 2: Historische Entwicklung der Lebensgemeinschaft des Rheins zwischen
Basel und der deutschniederländischen Grenze in Beziehung zum durchschnittli-
chen Sauerstoffgehalt des Rheins bei Kleve-Bimmen (ausgewählte Tiergruppen).
Original aus Conrath, W., B. Fakenhage & R. Kinzelbach (1976): Übersicht über
das Makrozoobenthon des Rheins im Jahre 1976. – Gewässer und Abwasser 62/63:
63–84; 3: Kupferstich der Stadt Oggersheim aus der „Topographia Palatinatus
Rheni“ von Matthäus Merian aus dem Jahr 1645; 4: Die Scharten der Schildmauer
von Burg Neuscharfeneck; 5: Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera), Foto:
Klaus Schaubel, 2004 bis 2010; 6: Originalpositionsblätter 36 Mutterstadt/Altripp,
Ausgabe 1836–1841, Nachdruck 2004, Maßstab der Originalkarte 1:25.000, hier
verkleinert;© LandesamtfürVermessungundGeobasisinformationRheinland-Pfalz,
Geobasis-DE/LVermGeoRP2015-02-09;7:ChristusamÖlberg,Schlafzimmerbild,
um 1930. Künstler: Josef August Untersberger (1864 Gmunden–1933 München),
Pseudonym Giovanni. – ZASP Abt. 173 Nr. 38 (insgesamt achtmal belegt)
Titel:	 Wissensgesellschaft Pfalz – 90 Jahre Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der
Wissenschaften
Reihe:	 Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften Schriftenreihe
1927–2015, Bd. 116
Herstellung:	 verlag regionalkultur (vr)
Satz:	 Harald Funke, vr
Umschlaggestaltung:	 Peter Diehl und Harald Funke, vr
Endkorrektorat:	 Alexa Strittmatter, vr
ISBN 978-3-89735-903-1
Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen National­bibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.
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entsprechend den Frankfurter Forderungen.
Alle Rechte vorbehalten.
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Ubstadt-Weiher – Heidelberg – Neustadt a. d. W. – Basel
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E-Mail kontakt@verlag-regionalkultur.de • Internet www.verlag-regionalkultur.de
Impressum
2
5
3
6
1
4
7
5
Theo Wieder
Grußwort .......................................................................................................................11
Lenelotte Möller
Vorwort der Präsidentin ...................................................................................................13
Hans Ammerich
Regionale Geschichtsforschung: Das Fürstentum Pfalz-Zweibrücken und
das Hochstift Speyer im Konfessionellen Zeitalter ...........................................................17
Patricia Balcar
Welchen Einfluss hat die Waldbewirtschaftung auf die biologische Vielfalt? –
Forschung in Naturwaldreservaten und Wirtschaftswäldern ..............................................29
Otto Böcher
Der Heraldiker Otto Hupp (1859–1949) und die Pfalz ........................................................39
Jochen Braselmann
Frühmittelalterlicher Befestigungsbau in der Pfalz unter Berücksichtigung
seiner vorgeschichtlichen und spätrömischen Traditionen .................................................47
Peter Diehl
Die Entwicklung der Wasserqualität des nördlichen Oberrheins in den letzten 90 Jahren ...........59
Hans Fenske
Zwei Wegbereiter des deutschen Liberalismus aus der Pfalz. Johann Joachim Becher und
Johann Jakob Schmauß ...............................................................................................71
Reinhard Flößer
Die Rückkehr der Wölfe in die Pfalz ..................................................................................79
Inhalt
6 Inhalt
Michael Geiger
Kulturlandschaft im Wandel: Suburbanisierung im Umland von Ludwigshafen am Rhein:
Das Beispiel Mutterstadt – Ein Beitrag zur geografischen Landeskunde der Pfalz .................89
Wolfgang W. Gettmann
Hans Hass (1919–2013), ein Meeresforscher von Weltrang, seine Erfahrungen mit der Pfalz
und seine Verbindungen nach Düsseldorf .................................................................... 101
Meinrad Maria Grewenig
Industriekultur – Kulturplattform des 21. Jahrhunderts ...................................................... 107
Hans Jürgen Hahn
Grundwasser – die Tiefsee des Festlandes .......................................................................... 119
Norbert Hailer
Pflanzen mittelalterlicher Burg- und Klostergärten ............................................................. 133
Ulrich H. J. Heidtke
Ein bemerkenswertes Exemplar des xenacanthiden Süßwasserhais Xenacanthus
meisenheimensis aus der Unteren Meisenheim-Formation (Einheit M2),
Unteres Perm des Saar-Nahe-Beckens (SW-Deutschland) ............................................... 143
Joachim P. Heinz
Tonbergbau in Göllheim und Lautersheim ........................................................................ 149
Hans-Wolfgang Helb
Der Ortolan (Emberiza hortulana) – akustische und ökologische Einnischung
einer ehemaligen Vogelart der Pfalz ............................................................................. 155
Ulrich Himmelmann
Seiner Geschichte beraubt – der spätantike Schatzfund von Rülzheim ................................... 165
Traudel Himmighöfer und Lenelotte Möller
Huttens Briefe an Luther. Darstellung und kommentierte Übersetzung ................................. 175
7Inhalt
Heiko Himmler
Zur Verbreitung, Ökologie und Soziologie der Lanzettblättrigen Glockenblume
(Campanula baumgartenii J. Beck.) im Pfälzerwald ........................................................ 195
Andreas Imhoff
Zur Kurgeschichte der Stadt Bad Bergzabern ..................................................................... 203
Volker John
Flechten-Forschung in der Pfalz: Vom historischen Herbarbeleg bis zur EU-Norm .................. 213
Joachim Kemper
Stadtgeschichte 2.0 ........................................................................................................ 221
Joachim Kermann
Philipp Jakob Siebenpfeiffer und die Absetzung des Trierer Bischofs Charles Mannay (1815) .... 229
Ragnar Kinzelbach
Dynamik im Tierreich – Interdisziplinarität ...................................................................... 239
Frank Konersmann
Ländliche Gesellschaften der Pfalz in der Vormoderne – zwei Handbücher im Vergleich und
im Licht der Forschung ............................................................................................. 251
Klaus Kremb
Angewandte Aufklärung: Die „Bemerkungen der Physikalisch-ökonomischen Gesellschaft
zu Lautern“ ............................................................................................................. 265
Jörg Kreutz
Die Verfassungsfeier des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold auf dem Hambacher Schloss
am 8. und 9. August 1925 – Zur Gründungsgeschichte des Reichsbanners in der Pfalz ....... 277
Walter Lang
Fünfundvierzig Jahre Kommission „Flora der Pfalz“ ........................................................... 289
Franz Maier
„Reichsstadt“ Oggersheim? Neue Erkenntnisse zum Datum der Stadtgründung ...................... 303
8
Manfred Niehuis
Beitrag zur Geschichte der Käferkunde in der Pfalz vor dem Zweiten Weltkrieg ...................... 317
Jürgen Ott
Libellen in Reisfeldern Asiens – nur bunte Dekoration oder ein wichtiger Bestandteil
des Ökosystems? ...................................................................................................... 327
Claudia Ramenda und Manfred Gahr
Der Gesang der heimischen Singvögel – Sind es immer die Männchen? ................................. 335
Walter Rummel
Archive und bürgernahe Geschichte im Zeitalter des Internets. Kulturpolitische Visionen und
Wirklichkeit ............................................................................................................ 343
Karsten Ruppert
Die Laien im Aufbruch. Die deutschen Katholikentage von den Anfängen bis zum Ende
des Kaiserreichs ........................................................................................................ 355
Rainer Schimmel
Neue Arten aus der Gattung Penia CASTELNAU, 1838, aus China ..................................... 367
Werner Schineller
Regierungspräsident Franz Alwens ................................................................................... 377
Armin Schlechter
Bücher aus der Bibliotheca Palatina und dem Jesuitenkolleg in Heidelberg in der Bibliothek
des Gymnasiums am Kaiserdom in Speyer .................................................................... 379
Otto Schmidt
Neophyten – Zierde oder Gefahr? .................................................................................... 391
Ernst Schworm
Der Disibodenberg ........................................................................................................ 403
Inhalt
9
Pirmin Spieß
Die Erstnennung Duttweilers 965/966 in der Grundherrschaft des Klosters Weißenburg i. E. ..... 411
Gabriele Stüber
Der Bestand „Volksfrömmigkeit – Glaube im Alltag“ im Zentralarchiv der Evangelischen
Kirche der Pfalz. Entwicklung, Profil und Bedeutung der Forschung ................................ 425
Rolf Übel
Geschütze auf Burg Neuscharfeneck ................................................................................. 433
Dieter Uhl
Das Klima der Pfalz und angrenzender Regionen im Tertiär ................................................. 445
Sebastian Voigt und Robert Noll
Erste Ergebnisse einer geologisch-paläontologischen Grabung im Tuff III der Donnersberg-
Formation (Rotliegend, Nahe-Subgruppe) zwischen Olsbrücken und Schallodenbach ........ 455
Jürgen Voss
Pfälzische Impressionen aus Reisebeschreibungen der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ....... 467
Paul Warmbrunn
Der erste Präsident. Zur Bedeutung Friedrich von Bassermann-Jordans für die Pfälzische
Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften ............................................................. 479
Martin Wenz
Die Torhalle des mittelalterlichen Kirchhofes in Labach, Kreis Südwestpfalz ........................... 491
Hans-Jürgen Wünschel
Eugen Jäger und Conrad Ferdinand Meyer ........................................................................ 503
Die Autoren dieses Buches .............................................................................................. 517
Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften – Schriftenreihe 1927–2015 ........... 531
Inhalt
221
Joachim Kemper
Stadtgeschichte 2.0
Im folgenden Beitrag sollen die Erfahrungen des Verfassers mit der Präsentation und Vermittlung
der (Speyerer) Stadtgeschichte im Web 2.0 zusammengefasst werden. Der Berichtzeitraum umfasst
insbesondere die Jahre 2011 bis (Sommer) 2014. Im Mittelpunkt des Textes steht das Stadtarchiv
Speyer, das als eines der ersten deutschen Archive überhaupt im Feld der „Sozialen Medien“ (Web
2.0) aktiv wurde und immer noch das breiteste Spektrum unterschiedlicher Web 2.0-Anwendungen
„bespielt“. Es geht ganz verkürzt gesagt darum, eine an den Gegebenheiten des Netzes orientierte
Geschichte der Stadt Speyer zu „schreiben“. Stadtgeschichte 2.0 ist mehr als nur eine Präsentation im
Netz. Sie erfordert auch eine neue Einstellung der Archivare/Archivarinnen gegenüber den Kunden
der eigenen Einrichtung.1
Das Vorhaben einer Stadtgeschichte 2.0 startete im Frühjahr 2011 als Projekt des Stadtarchivs
Speyer – seit dem Frühjahr 2012 firmiert dieses wiederum in erweiterter Zuständigkeit als „Abteilung
Kulturelles Erbe“ innerhalb der Stadtverwaltung. Zunächst wurde im Rahmen eines verwaltungsin-
ternen Web 2.0-Projekts, an dem auch die städtische Öffentlichkeitsarbeit (Pressestelle), die Stadtbi-
bliothek und zeitweilig dieTourist-Information beteiligt waren, ein Facebook-Account freigeschaltet.
Dieser zählte damals zu den ersten archivischen Facebook-Auftritten in Deutschland überhaupt
und ist immer noch einer der „erfolgreichsten“. Derzeit verfolgen fast 1350 „Fans“ die vielfältigen
Aktivitäten und Nachrichten des Archivteams. Die Zahl der Beitragsaufrufe hat mittlerweile die
Millionengrenze überschritten. Bis heute kann das Vermittlungspotenzial von Facebook hinsichtlich
der Speyerer Geschichte als erheblich betrachtet werden; alles andere als geringe Synergieeffekte ent-
stehen seit einiger Zeit durch eine auf privater Initiative basierende Facebook-Seite namens „Speyer
in alten Bildern“. Auch die Bezirksgruppe Speyer im Historischen Verein der Pfalz e.V. betreibt eine
eigene Seite bei Facebook.
Ziel des Vorhabens einer Stadtgeschichte 2.0 war und ist es, den Bürgerinnen und Bürgern einen
umfassenden und transparenten Blick in das „Gedächtnis der Stadt“, das Stadtarchiv, und die dort
verwahrten Quellen zu bieten.2
Das Speyerer Archiv ist das älteste Kommunalarchiv der Pfalz. Es enthält Quellen vom Mittelalter
bis in die Jetztzeit und ist daher per seTräger der Speyerer Erinnerung. Anders als etwa bei Bibliotheken
oder Museen sind die Schranken für einen Archivbesuch und die Nutzung des dort verwahrten Kul-
turguts vergleichsweise hoch. Hierzu tragen etwa die für Nichtwissenschaftler schwer lesbare Schrift
und Sprache der Quellen (Archivalien), aber auch die oft alten, hand- oder maschinenschriftlichen
Kataloge (Findmittel) der Archive bei. Die Quellen liegen zumeist nicht digital (und damit intrans-
parent für die Bürgerinnen und Bürger) vor. Das Image der Archive ist immer noch sehr „angestaubt“
(um es freundlich zu formulieren).
Das Stadtarchiv Speyer hat es sich seit dem Jahr 2011 zum Ziel gesetzt, den „Erinnerungsort“
Archiv für die Bürgerinnen und Bürger sowie für alle Interessierten zu öffnen. Die Stadtgeschichte
und das in den für die Öffentlichkeit bisher verschlossenen Magazinen über Jahrhunderte gehütete
Kulturgut werden mittels der Neuen Medien des Web 2.0 präsentiert und vermittelt. Das Archiv
222
nutzt hierfür intensiv verschiedene Kanäle der „Sozialen Medien“: Neben Facebook wird seit dem
Sommer 2011 sukzessive auf den KurznachrichtendienstTwitter, auf die beiden Bildernetzwerke Flickr
und Pinterest, auf Slideshare (Präsentationswerkzeug für Vorträge und PDF-Dokumente) sowie auf
den Videokanal YouTube gesetzt. Betrieben und kontinuierlich gepflegt werden ein halbes Dutzend
thematisch-historische Blogs.
Zum Konzept zählte es von Anfang an, auf die umfangreiche Digitalisierung der Quellen und
insbesondere auch historischer Fotografien (die oft der erste „Zugang“ für bisher wenig an städtischer
Erinnerung interessierte Personen sind) zu setzen. Dieses digitale Kulturgut zur Speyerer Geschichte
wird im Rahmen von Online-Präsentationen und der Social Media-Auftritte präsentiert und in die
Öffentlichkeit gebracht. Dass hierbei auch ein dezidiert jüngeres bzw. wenig erinnerungsaffines Pu-
blikum angesprochen wird, ist bewusst intendiert – Stadtgeschichte für alle funktioniert heute vor
allem über das Netz. Die zahlreichen „Follower“ und „Fans“ bei Facebook und Twitter sowie die in
dieTausende gehenden Aufrufe von virtuellen Fotopräsentationen und Ausstellungen zu Aspekten der
Speyerer Geschichte sprechen hier für sich. Ein Imagefilm erklärt den Zuschauern, wie das Aufrufen
von historischer Information in einem sich als modern verstehenden Archiv funktioniert.3
Auch die
Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger findet breiten Raum: So stehen über die Sozialen Medien
reiche Funktionen für Kommentare und Fragen zur Verfügung; eigene Erfahrungen und Erlebnisse
mit Geschichte können geteilt werden. Auch die Mitarbeit an der Verbesserung der Informationen
zu den digitalen Quellen ist möglich und wird gerne genutzt (sehr häufig im Bereich der Fotogra-
fien) – hier hat das Archiv positive Erfahrungen im Rahmen kleinerer „Crowdsourcing“-Projekte
gesammelt; größere Projekte im Zeichen der nutzergenerierten Erschließung sind geplant.4
Das im
angelsächsisch-amerikanischen Raum verbreitete Selbstverständnis der Bürgerinnen und Bürger als
„citizen archivist“5
, das in Deutschland leider bisher oft mit Skepsis betrachtet wird, findet hier we-
nigstens ansatzweise eine Verwirklichung.
Die mediale Verankerung des Speyerer Projekts erfolgte und erfolgt trotzdem auch über „klassische“
Kanäle (Pressemitteilungen, Zeitungsberichte), zum Teil wurde auch in Radio- und (regionalen)
Fernsehbeiträgen über die Stadtgeschichte 2.0-Angebote berichtet.6
Im Projekt Stadtgeschichte 2.0 werden thematische Schwerpunkte gesetzt, die bisher entweder
im Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger kaum präsent waren oder zum Beispiel durch klassische
Publikationen nicht ausreichend dargestellt werden können:
Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem letzten Jahrhundert der Speyerer Geschichte: Das 20. Jahr-
hundert ist in der Erinnerung mancher Bürgerinnen und Bürger und vor allem in der Weitergabe der
Erinnerung von Generation zu Generation ansatzweise noch präsent, droht aber verloren zu gehen.
Auch die Erinnerung an düstere Kapitel der Speyerer Historie, als kleiner Teil der gesamtdeutschen
Geschichte, wird natürlich nicht ausgespart. Hier setzen Angebote wie ein Virtuelles Gedenkbuch für
die Zeit von 1933 bis 1945 an, das sich zum Ziel setzt, die bisher in der Öffentlichkeit nicht ausrei-
chend präsenten Namen und Schicksale der Zwangsarbeiter und Juden zu benennen. Die Präsenta-
tionsform als virtuelles Gedenkbuch und Blog erlaubt, jederzeit Veränderungen und Verbesserungen
am Wissensstand vorzunehmen; die Einbeziehung der Bevölkerung wird erleichtert. Das Gedenkbuch
soll kontinuierlich fortgeführt werden. Die öffentlichen Reaktionen auf dieses Webangebot waren
bisher sehr ermutigend.7
Gleiches gilt für die Präsentation eines Tagebuchs zum Kriegsende 1945 in Speyer (Blog „Speyer
1945 – Das Ende und ein Anfang“, Abb. 1) oder für verschiedene Fotopräsentationen zum 1. Welt-
Joachim Kemper
223
krieg, dessen 100. „Jubiläum“ ja derzeit ansteht. Das Blog zum Kriegsende 1945 nutzt nicht nur
eine tagebuchartige Quelle aus den Beständen des Archivs; die Archivmitarbeiter/innen „bloggen“
(möglichst „auf den Tag genau“) auch ergänzende Quellen (Texte, Plakate, Fotos), um auf einfache
Weise das damalige Geschehen virtuell präsent zu machen.8
Mittels der Smartphone-App „Speyer – Stadt der Reformation“ wird ein mit stadthistorischen
Quellen und Bildmaterial versehener virtueller Führer zu den Stätten der „Protestation“ in Speyer
geboten: die Orte des reformationsgeschichtlich entscheidenden Speyerer Reichstags der Protestation
von 1529 entstehen vor den Augen der Smartphone-Nutzer neu. Die App, ein gemeinsames, von
mehreren regionalen Sponsoren gefördertes Vorhaben des Landeskirchenrats und des Stadtarchivs
Speyer, wurde in Zusammenarbeit mit der Speyerer Werbeagentur Lange&Pflanz erstellt. Die Appli-
kation ist seit Mai 2014 in den gängigen Betriebssystemen verfügbar; der Download ist kostenfrei.9
Eine private städtische Quelle der Speyerer „Napoleonzeit“ nahm das sogenannte „Hausbuch“-
Blog unter die Lupe. Hier wurden die tagebuchartigen Aufzeichnungen des Speyerer Bürgers und
Gärtners Johann Michael Beutelspacher in regelmäßigen Abständen und abschnittsweise transkribiert
und veröffentlicht. Das Blog bot einen Einblick in privat-familiäre Angelegenheiten eines Speyerer
Einwohners und verdeutlicht darüber hinaus, wie sich das „Weltgeschehen“ in den Aufzeichnungen
eines „einfachen Mannes“ darstellt.10
Für das deutsch-französische EU-Projekt „Archivum Rhenanum“ (Laufzeit: Januar 2013 bis Juni
2015) wurden unter Federführung des Stadtarchivs zwei Blogs aufgebaut (deutsche und französische
Version). Die Blogs dienen der Information der interessierten Öffentlichkeit über die Ziele des Pro-
jekts; zugleich sind sie ein kommunikationsoffener „Ersatz“ für einen Projekt-Internetauftritt. Das
Vorhaben „Archivum Rhenanum“ bringt verschiedene mittlere und größere regionale Archive sowie
weitere Partner im Elsass, in Baden und der Pfalz zusammen. Zu den Kofinanzierern zählen dabei
die Stadtarchive Freiburg und Speyer, das Generallandesarchiv Karlsruhe sowie die beiden Regional-
archive in Colmar und Straßburg. Ziel ist die Digitalisierung grenzüberschreitender archivalischer
Überlieferung in den beteiligten Einrichtungen sowie die Zusammenführung in einem zweisprachigen
Abb. 1: Blog „Speyer 1945“.
Stadtgeschichte 2.0
224
Portal. Das Portal befindet sich im Aufbau und soll bis zum Ende der Projektlaufzeit (Sommer 2015)
in den Echtbetrieb gehen.11
Zu den überregional erfolgreichsten Blogs des Stadtarchivs zählt namentlich die für die Konfe-
renz „Offene Archive?“ (22. bis 23. November 2012, Speyer) aufgebaute Plattform „Archive 2.0“.
Das Blog diente der Vorbereitung der genannten Konferenz, in deren Verlauf erstmals im deutschen
Archivwesen das Thema der Nutzung des Web 2.0 umfassend präsentiert und diskutiert werden
konnte. Eine zweite Konferenz („Offene Archive 2.1“), ebenfalls unter Beteiligung des Stadtarchivs,
folgte im Frühjahr 2014. Die Zugriffszahlen auf das Blog verdeutlichen ein erhebliches Interesse der
deutschen Archivare (und bei weitem nicht nur dieser!) an der Nutzung der Sozialen Medien. War
das Blog im Jahr 2013 von über 35.000 unterschiedlichen Besuchern aufgerufen worden (auf die
über 185.000 Seitenzugriffe zurückgingen), so wurden im ersten Halbjahr 2014 (Januar bis Juni)
über 27.000 unterschiedliche Besucher sowie über 125.000 Seitenzugriffe gezählt.12
Das Verständnis für die konkrete Quellenarbeit und die damit verbundenen Probleme (zum Beispiel
auch der Konservierung und Bestandserhaltung), die Erinnerung am „Leben“ zu erhalten, wird auch
Abb. 2: Blog „Archivar – Kamera – Weltkrieg“.
Joachim Kemper
225
durch die virtuellen Angebote gefördert. So setzt sich das Blog „Archivar – Kamera – Krieg“ zum Ziel
(Abb. 2), die Arbeit an der umfangreichen Fotosammlung zum ZweitenWeltkrieg des pfälzischen Archi-
vars Karl Lutz (1896–1982) in Form eines Online-Tagebuchs regelmäßig nachvollziehbar zu machen.13
Einige der genannten Blogs verfügen über eine eigene ISSN, die von der Deutschen Nationalbi-
bliothek vergeben wurde.14
Das Projekt einer „Stadtgeschichte 2.0“ wäre ohne die Kooperation mit weiteren Einrichtungen –
insbesondere dem Historischen Verein der Pfalz (hier: Bezirksgruppe Speyer) – kaum in dieser
Form möglich. Der Historische Verein ergänzt das Angebot um Online-Ressourcen zu Zeitzeugen
(Interviews: „Oral history“) und insbesondere auch im Bereich der Social Media. Hier bestehen viele
Vernetzungen und Synergieeffekte, auf die an dieser Stelle nur summarisch verwiesen sei.15
Die Schwerpunkte der Aspekte der „Erinnerungsarbeit“ im Feld der Speyerer „Stadtgeschichte
2.0“ liegen, wie bisher beschrieben, auf Ereignissen und Epochen, die bisher in der Speyerer Stadt-
geschichte weniger oder gar nicht
präsent waren bzw. die aufgrund
fehlender Quellengrundlagen
bisher nicht im Vordergrund
standen. Während die Zeit der
Salier und Staufer als Blütezeit der
Stadt wohlbekannt und vielfach
dargestellt worden ist (und ebenso
im Bewusstsein der Bevölkerung
verankert ist), gilt dies für spätere
Zeiträume umso weniger. Selbst
die Frühe Neuzeit, als Speyer als
Veranstaltungsort großer und
folgenreicher Reichstage sowie
durch das hier von 1527 bis 1689
residierende Reichskammerge-
richt in der Öffentlichkeit des
Alten Reiches präsent war und
aus heutiger Sicht als einer der
Zentralorte des Reiches bezeich-
net werden kann, bleibt zumeist
unbeachtet. Auch hier werden
aktuell Versuche unternommen,
das Interesse der Öffentlichkeit
(aber auch der Forschung) in diese
Richtung zu lenken.16
Zu den Schwerpunkten zäh-
len daneben, wie dargestellt, das
19. und vor allem 20. Jahrhundert,
insbesondere auch das dunkle Ka­
pitel des 3. Reiches.
Abb. 3: Ein Beispiel für die mögliche „Schaufenster“-Funktion
von Digitalisaten: Dieses digitalisierte Foto (Speyer, Dombau­
arbeiten, 1931) war im Frühjahr 2014 auf Facebook in über
20.000 Fällen aufgerufen und betrachtet worden.
Stadtgeschichte 2.0
226
Ein durch ein Stadtarchiv getragenes kommunalgeschichtliches Projekt, das dezidiert und im
beschriebenen Umfang auf die neuen Medien, namentlich die unterschiedlichsten Anwendungen der
„Sozialen Medien“ und Blogs setzt, ist im deutschen Sprachraum immer noch relativ selten.
Das „Gedächtnis der Stadt“ hat sich durch das Projekt geöffnet und präsentiert einen digitalen
Zugang zur Geschichte der Stadt. Dass hierfür auch ein erheblicher digitaler „content“ geschaffen
werden muss, versteht sich von selbst: Seit 2011 wurden weit über 50.000 Bilder von Archivalien und
Fotos bzw. kompletten Beständen durch das Archiv angefertigt (Abb. 3).17
Sie werden im Netz im
Verbund mit den Online-Findmitteln präsentiert – Stadtgeschichte 2.0 funktioniert nur, wenn das
schriftliche/fotografische Kulturgut auch umfassend und annähernd strategisch digitalisiert wird.18
Es bleibt abzuwarten, was die Zukunft bringen mag. Am Weg einer Vermittlung der lokalen/
regionalen Geschichte unter den Bedingungen und mit den Möglichkeiten des Netzes und der derzeit
verfügbaren „Sozialen Medien“ scheint jedoch kaum ein Weg vorbei zu führen.19
Stadtgeschichte 2.0: Ressourcen in Speyer
Stadtarchiv 2.0
Homepage: http://www.stadtarchiv.speyer.de
Facebook: http://www.facebook.com/Speyer.Stadtarchiv
Twitter: http://twitter.com/Speyer_Archiv
Online-Findmittel (Kataloge, mit digitalen Präsentationen)
http://www.stadtarchiv-speyer.findbuch.net
http://www.mom-ca.uni-koeln.de/mom/DE-StaASpeyer/archive
Digitale Präsentationen
Slideshare (PPT-Präsentationen von Vorträgen): http://www.slideshare.net/StadtASpeyer
Youtube (Videokanal, historische Filme und Imagefilm): http://www.youtube.com/user/SpeyerArchiv
Flickr (Fotoplattform, virtuelle Ausstellungen, crowdsourcing): http://flickr.com/photos/stad-
tarchiv_speyer
Pinterest (Bildernetzwerk, virtuelle Ausstellungen): http://www.pinterest.com/speyerarchiv
Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Stadtarchiv_Speyer
Projekte
EU-Projekt Archivum Rhenanum (Stadtarchiv als Projektpartner in einem grenzüberschreitenden
Digitalisierungsprojekt am Oberrhein)
Blog: http://archives.hypotheses.org
Facebook: http://www.facebook.com/ArchivumRhenanum
Twitter: http://twitter.com/ARhenanum
Blogs
„Offene Archive?“ (Tagungsblog, thematisches Blog „Archive 2.0“): http://archive20.hypotheses.org
Twitter: http://twitter.com/archive20
Blog zu einer Speyerer autobiographischen Quelle um 1800: http://speyererhausbuch1795.blogspot.de
Joachim Kemper
227
Erinnern in Speyer 1933–1945 (virtuelles Gedenkbuch): http://speyermemo.hypotheses.org
„Tagebuch“ zur Bearbeitung des Fotobestandes Karl Lutz – Zweiter Weltkrieg:
http://kriegsfoto.hypotheses.org
Speyer 1945 – Das Ende und ein Anfang (Tagebuch zum Kriegsende 1945 in Speyer):
http://speyer1945.blogspot.de/
Weitere Ressourcen
Facebook-Auftritt der Bezirksgruppe Speyer (Historischer Verein): https://www.facebook.com/His-
torischerVereinDerPfalzBezirksgruppeSpeyer
Facebook-Gruppe „Speyer in alten Bildern“: https://www.facebook.com/pages/Speyer-in-alten-Bildern
Homepage der Bezirksgruppe Speyer (Historischer Verein): http://historischer-verein-speyer.de/
Anmerkungen
1	 Kemper, Joachim: Archivische Spätzünder? Sechs Web 2.0-Praxisberichte. In: Archivar. Zeitschrift für
Archivwesen 65. Heft 2 (2012), S. 136–143; Bentz, Oliver/Kemper, Joachim: Stadtarchiv Speyer@
web2.0 – Aus der social-media-Praxis eines Kommunalarchivs. In: „Im virtuellen Lesesaal ist für Sie ein
Platz reserviert …“. Archivbenutzung heute – Perspektiven für morgen (Texte und Untersuchungen zur
Archivpflege; 27). Münster 2013, S. 47–51.
2	 Eine Auflistung der verschiedenen Anwendungen im Sinne einer Stadtgeschichte 2.0 findet sich am Ende
dieses Beitrags. Auf Einzelnachweise innerhalb des Textes wird daher zumeist (abgesehen von den archi-
vischen Blogs) verzichtet. Ich danke für Korrekturen und Ergänzungen meiner Kollegin Doreen Kelimes
M.A.
3	 https://www.youtube.com/watch?v=7UzLeMBibzI
4	 Steiger, Elisabeth: Crowdsourcing, Online-Präsentationen und -Ausstellungen. Zur Nutzung von Flickr
im Stadtarchiv Speyer (Vortrag auf der Konferenz „Offene Archive 2.1“, 4. April 2014;Textfassung: http://
archive20.hypotheses.org/1718)
5	 Das US-Nationalarchiv verfügt beispielsweise über eine reiche und durch das Publikum gut genutzte Palette
von Web 2.0-Anwendungen, darunter ein umfassendes „Citizen archivist dashboard“: http://www.archives.
gov/citizen-archivist/
6	 Ein gutes Beispiel ist ein Interview in der Sendung RNF Life (Rhein-Neckar-Fernsehen) zum Video-
kanal des Stadtarchivs. Der Redakteur wurde auf die historischen Filme des Archivs über einen Tweet
(Twitter-Nachricht) aufmerksam. Das Interview ist online abrufbar: http://www.rnf.de/mediathek/video/
im-gespraech-dr-joachim-kemper-stadtarchiv-speyer/#.U6FDkqh_v5E
7	 http://speyermemo.hypotheses.org/
8	 http://speyer1945.blogspot.de/
9	 https://itunes.apple.com/de/app/speyer-stadt-d.-protestation/id885382304?mt=8; https://play.google.com/
store/apps/details?id=de.stadtspeyer.p5421ih
10	 http://speyererhausbuch1795.blogspot.de/
11	 http://archives.hypotheses.org/
12	 http://archive20.hypotheses.org/
13	 http://kriegsfoto.hypotheses.org/
14	 http://redaktionsblog.hypotheses.org/2220
15	 Als Einstieg empfiehlt sich der Internetauftritt der Bezirksgruppe: http://historischer-verein-speyer.de/
16	 Seit Juni 2014 wird eine durch das Stadtarchiv konzipierte moderne (Dauer-)Ausstellung zum Speyerer
Reichskammergericht im Altpörtel gezeigt. Ein größeres Forschungsvorhaben wäre hier sicher wünschens-
wert. Auch die Smartphone-App („Speyer – Stadt der Protestation“) hat einen Schwerpunkt in der Frühen
Neuzeit.
17	 Neben den kompletten Urkundenbeständen waren und sind dies beispielsweise zahlreiche ältere Akten und
Amtsbücher des reichsstädtischen Archivs, die Kirchenbücher (komplett) sowieTeile der Fotosammlung(en).
Stadtgeschichte 2.0
228
18	 Online-Plattformen für die Digitalisate sind das virtuelle Urkundenarchiv „Monasterium“ (http://www.
mom-ca.uni-koeln.de/mom/DE-StaASpeyer/archive) sowie „Findbuch.net“: http://www.stadtarchiv-speyer.
findbuch.net. Daneben werden bei Bedarf die Bildernetzwerke Pinterest und Flickr genutzt.
19	 Kleines Update, Anfang Juli 2014: Das Projekt „Stadtgeschichte 2.0“ hat beim Stiftungspreis 2014 der
Stiftung „Lebendige Stadt“ bei 437 Bewerbungen aus dem In- und Ausland einen der vorderen Plätze (1
bis 16) erreicht.
Anmerkungen der Herausgeber
Einzelne Orte der Pfalz behandeln in diesem Band Michael Geiger, Joachim P. Heinz, Andreas
Imhoff, Franz Maier und Pirmin Spiess.
Die Bedeutung des Internets für die Archivarbeit beleuchtet auch Walter Rummel in seinem Aufsatz.
Weitere moderne Aspekte der Kulturvermittlung behandelt Meinrad Maria Grewenig.
Joachim Kemper

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Stadtgeschichte 2.0

  • 1. Peter Diehl / Andreas Imhoff / Lenelotte Möller (Hrsg.) Wissensgesellschaft Pfalz 90 Jahre Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften Veröffentlichung der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften verlag regionalkultur WissensgesellschaftPfalz 90JahrePfälzischeGesellschaftzurFörderungderWissenschaften Die Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissen- schaften wurde am 25. Oktober 1925 in Speyer ins Leben gerufen. Ziel war es, der Pfalz, die über keine Universi- tät verfügte, ein geistiges Forum zu verschaffen, in dem sich Wissenschaftler möglichst vieler Fachrichtungen über die „Pfalz und die unmittelbar an sie angrenzenden Landschaften“ austauschen. Die interdisziplinäre Arbeit gehört zu ihren beson- deren Anliegen in Veröffentlichungen und Vorträgen. Diese Jubiläumsschrift belegt in Beiträgen von 50 Auto- rinnen und Autoren die Vielfalt und Individualität der Forschungsgebiete, auch die fächerübergreifende Ge- schlossenheit der Gesellschaft. Querverweise der Artikel untereinander ermöglichen es, Aufsätze zu bestimmten Themen zusammensuchen. Man kann aber auch einfach schmökern und sich daran freuen, was es alles über die Pfalz zu wissen gibt. ISBN 978-3-89735-903-1 9 783897 359031 DR. HEINZ DANNER-STIFTUNG KULTUR STIFTUNG SPEYER
  • 2. Titelbildnachweis: 1: Ortolan-Männchen bei der Nahrungssuche am Boden (Aufnahme: H.-J. Fünf- stück); 2: Historische Entwicklung der Lebensgemeinschaft des Rheins zwischen Basel und der deutschniederländischen Grenze in Beziehung zum durchschnittli- chen Sauerstoffgehalt des Rheins bei Kleve-Bimmen (ausgewählte Tiergruppen). Original aus Conrath, W., B. Fakenhage & R. Kinzelbach (1976): Übersicht über das Makrozoobenthon des Rheins im Jahre 1976. – Gewässer und Abwasser 62/63: 63–84; 3: Kupferstich der Stadt Oggersheim aus der „Topographia Palatinatus Rheni“ von Matthäus Merian aus dem Jahr 1645; 4: Die Scharten der Schildmauer von Burg Neuscharfeneck; 5: Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera), Foto: Klaus Schaubel, 2004 bis 2010; 6: Originalpositionsblätter 36 Mutterstadt/Altripp, Ausgabe 1836–1841, Nachdruck 2004, Maßstab der Originalkarte 1:25.000, hier verkleinert;© LandesamtfürVermessungundGeobasisinformationRheinland-Pfalz, Geobasis-DE/LVermGeoRP2015-02-09;7:ChristusamÖlberg,Schlafzimmerbild, um 1930. Künstler: Josef August Untersberger (1864 Gmunden–1933 München), Pseudonym Giovanni. – ZASP Abt. 173 Nr. 38 (insgesamt achtmal belegt) Titel: Wissensgesellschaft Pfalz – 90 Jahre Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften Reihe: Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften Schriftenreihe 1927–2015, Bd. 116 Herstellung: verlag regionalkultur (vr) Satz: Harald Funke, vr Umschlaggestaltung: Peter Diehl und Harald Funke, vr Endkorrektorat: Alexa Strittmatter, vr ISBN 978-3-89735-903-1 Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen National­bibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. Diese Publikation ist auf alterungsbeständigem und säurefreiem Papier (TCF nach ISO 9706) gedruckt entsprechend den Frankfurter Forderungen. Alle Rechte vorbehalten. © 2015 verlag regionalkultur verlag regionalkultur Ubstadt-Weiher – Heidelberg – Neustadt a. d. W. – Basel Korrespondenzadresse Bahnhofstr. 2 • D-76698 Ubstadt-Weiher • Tel. 07251 36703-0 • Fax 07251 36703-29 E-Mail kontakt@verlag-regionalkultur.de • Internet www.verlag-regionalkultur.de Impressum 2 5 3 6 1 4 7
  • 3. 5 Theo Wieder Grußwort .......................................................................................................................11 Lenelotte Möller Vorwort der Präsidentin ...................................................................................................13 Hans Ammerich Regionale Geschichtsforschung: Das Fürstentum Pfalz-Zweibrücken und das Hochstift Speyer im Konfessionellen Zeitalter ...........................................................17 Patricia Balcar Welchen Einfluss hat die Waldbewirtschaftung auf die biologische Vielfalt? – Forschung in Naturwaldreservaten und Wirtschaftswäldern ..............................................29 Otto Böcher Der Heraldiker Otto Hupp (1859–1949) und die Pfalz ........................................................39 Jochen Braselmann Frühmittelalterlicher Befestigungsbau in der Pfalz unter Berücksichtigung seiner vorgeschichtlichen und spätrömischen Traditionen .................................................47 Peter Diehl Die Entwicklung der Wasserqualität des nördlichen Oberrheins in den letzten 90 Jahren ...........59 Hans Fenske Zwei Wegbereiter des deutschen Liberalismus aus der Pfalz. Johann Joachim Becher und Johann Jakob Schmauß ...............................................................................................71 Reinhard Flößer Die Rückkehr der Wölfe in die Pfalz ..................................................................................79 Inhalt
  • 4. 6 Inhalt Michael Geiger Kulturlandschaft im Wandel: Suburbanisierung im Umland von Ludwigshafen am Rhein: Das Beispiel Mutterstadt – Ein Beitrag zur geografischen Landeskunde der Pfalz .................89 Wolfgang W. Gettmann Hans Hass (1919–2013), ein Meeresforscher von Weltrang, seine Erfahrungen mit der Pfalz und seine Verbindungen nach Düsseldorf .................................................................... 101 Meinrad Maria Grewenig Industriekultur – Kulturplattform des 21. Jahrhunderts ...................................................... 107 Hans Jürgen Hahn Grundwasser – die Tiefsee des Festlandes .......................................................................... 119 Norbert Hailer Pflanzen mittelalterlicher Burg- und Klostergärten ............................................................. 133 Ulrich H. J. Heidtke Ein bemerkenswertes Exemplar des xenacanthiden Süßwasserhais Xenacanthus meisenheimensis aus der Unteren Meisenheim-Formation (Einheit M2), Unteres Perm des Saar-Nahe-Beckens (SW-Deutschland) ............................................... 143 Joachim P. Heinz Tonbergbau in Göllheim und Lautersheim ........................................................................ 149 Hans-Wolfgang Helb Der Ortolan (Emberiza hortulana) – akustische und ökologische Einnischung einer ehemaligen Vogelart der Pfalz ............................................................................. 155 Ulrich Himmelmann Seiner Geschichte beraubt – der spätantike Schatzfund von Rülzheim ................................... 165 Traudel Himmighöfer und Lenelotte Möller Huttens Briefe an Luther. Darstellung und kommentierte Übersetzung ................................. 175
  • 5. 7Inhalt Heiko Himmler Zur Verbreitung, Ökologie und Soziologie der Lanzettblättrigen Glockenblume (Campanula baumgartenii J. Beck.) im Pfälzerwald ........................................................ 195 Andreas Imhoff Zur Kurgeschichte der Stadt Bad Bergzabern ..................................................................... 203 Volker John Flechten-Forschung in der Pfalz: Vom historischen Herbarbeleg bis zur EU-Norm .................. 213 Joachim Kemper Stadtgeschichte 2.0 ........................................................................................................ 221 Joachim Kermann Philipp Jakob Siebenpfeiffer und die Absetzung des Trierer Bischofs Charles Mannay (1815) .... 229 Ragnar Kinzelbach Dynamik im Tierreich – Interdisziplinarität ...................................................................... 239 Frank Konersmann Ländliche Gesellschaften der Pfalz in der Vormoderne – zwei Handbücher im Vergleich und im Licht der Forschung ............................................................................................. 251 Klaus Kremb Angewandte Aufklärung: Die „Bemerkungen der Physikalisch-ökonomischen Gesellschaft zu Lautern“ ............................................................................................................. 265 Jörg Kreutz Die Verfassungsfeier des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold auf dem Hambacher Schloss am 8. und 9. August 1925 – Zur Gründungsgeschichte des Reichsbanners in der Pfalz ....... 277 Walter Lang Fünfundvierzig Jahre Kommission „Flora der Pfalz“ ........................................................... 289 Franz Maier „Reichsstadt“ Oggersheim? Neue Erkenntnisse zum Datum der Stadtgründung ...................... 303
  • 6. 8 Manfred Niehuis Beitrag zur Geschichte der Käferkunde in der Pfalz vor dem Zweiten Weltkrieg ...................... 317 Jürgen Ott Libellen in Reisfeldern Asiens – nur bunte Dekoration oder ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems? ...................................................................................................... 327 Claudia Ramenda und Manfred Gahr Der Gesang der heimischen Singvögel – Sind es immer die Männchen? ................................. 335 Walter Rummel Archive und bürgernahe Geschichte im Zeitalter des Internets. Kulturpolitische Visionen und Wirklichkeit ............................................................................................................ 343 Karsten Ruppert Die Laien im Aufbruch. Die deutschen Katholikentage von den Anfängen bis zum Ende des Kaiserreichs ........................................................................................................ 355 Rainer Schimmel Neue Arten aus der Gattung Penia CASTELNAU, 1838, aus China ..................................... 367 Werner Schineller Regierungspräsident Franz Alwens ................................................................................... 377 Armin Schlechter Bücher aus der Bibliotheca Palatina und dem Jesuitenkolleg in Heidelberg in der Bibliothek des Gymnasiums am Kaiserdom in Speyer .................................................................... 379 Otto Schmidt Neophyten – Zierde oder Gefahr? .................................................................................... 391 Ernst Schworm Der Disibodenberg ........................................................................................................ 403 Inhalt
  • 7. 9 Pirmin Spieß Die Erstnennung Duttweilers 965/966 in der Grundherrschaft des Klosters Weißenburg i. E. ..... 411 Gabriele Stüber Der Bestand „Volksfrömmigkeit – Glaube im Alltag“ im Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz. Entwicklung, Profil und Bedeutung der Forschung ................................ 425 Rolf Übel Geschütze auf Burg Neuscharfeneck ................................................................................. 433 Dieter Uhl Das Klima der Pfalz und angrenzender Regionen im Tertiär ................................................. 445 Sebastian Voigt und Robert Noll Erste Ergebnisse einer geologisch-paläontologischen Grabung im Tuff III der Donnersberg- Formation (Rotliegend, Nahe-Subgruppe) zwischen Olsbrücken und Schallodenbach ........ 455 Jürgen Voss Pfälzische Impressionen aus Reisebeschreibungen der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ....... 467 Paul Warmbrunn Der erste Präsident. Zur Bedeutung Friedrich von Bassermann-Jordans für die Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften ............................................................. 479 Martin Wenz Die Torhalle des mittelalterlichen Kirchhofes in Labach, Kreis Südwestpfalz ........................... 491 Hans-Jürgen Wünschel Eugen Jäger und Conrad Ferdinand Meyer ........................................................................ 503 Die Autoren dieses Buches .............................................................................................. 517 Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften – Schriftenreihe 1927–2015 ........... 531 Inhalt
  • 8.
  • 9. 221 Joachim Kemper Stadtgeschichte 2.0 Im folgenden Beitrag sollen die Erfahrungen des Verfassers mit der Präsentation und Vermittlung der (Speyerer) Stadtgeschichte im Web 2.0 zusammengefasst werden. Der Berichtzeitraum umfasst insbesondere die Jahre 2011 bis (Sommer) 2014. Im Mittelpunkt des Textes steht das Stadtarchiv Speyer, das als eines der ersten deutschen Archive überhaupt im Feld der „Sozialen Medien“ (Web 2.0) aktiv wurde und immer noch das breiteste Spektrum unterschiedlicher Web 2.0-Anwendungen „bespielt“. Es geht ganz verkürzt gesagt darum, eine an den Gegebenheiten des Netzes orientierte Geschichte der Stadt Speyer zu „schreiben“. Stadtgeschichte 2.0 ist mehr als nur eine Präsentation im Netz. Sie erfordert auch eine neue Einstellung der Archivare/Archivarinnen gegenüber den Kunden der eigenen Einrichtung.1 Das Vorhaben einer Stadtgeschichte 2.0 startete im Frühjahr 2011 als Projekt des Stadtarchivs Speyer – seit dem Frühjahr 2012 firmiert dieses wiederum in erweiterter Zuständigkeit als „Abteilung Kulturelles Erbe“ innerhalb der Stadtverwaltung. Zunächst wurde im Rahmen eines verwaltungsin- ternen Web 2.0-Projekts, an dem auch die städtische Öffentlichkeitsarbeit (Pressestelle), die Stadtbi- bliothek und zeitweilig dieTourist-Information beteiligt waren, ein Facebook-Account freigeschaltet. Dieser zählte damals zu den ersten archivischen Facebook-Auftritten in Deutschland überhaupt und ist immer noch einer der „erfolgreichsten“. Derzeit verfolgen fast 1350 „Fans“ die vielfältigen Aktivitäten und Nachrichten des Archivteams. Die Zahl der Beitragsaufrufe hat mittlerweile die Millionengrenze überschritten. Bis heute kann das Vermittlungspotenzial von Facebook hinsichtlich der Speyerer Geschichte als erheblich betrachtet werden; alles andere als geringe Synergieeffekte ent- stehen seit einiger Zeit durch eine auf privater Initiative basierende Facebook-Seite namens „Speyer in alten Bildern“. Auch die Bezirksgruppe Speyer im Historischen Verein der Pfalz e.V. betreibt eine eigene Seite bei Facebook. Ziel des Vorhabens einer Stadtgeschichte 2.0 war und ist es, den Bürgerinnen und Bürgern einen umfassenden und transparenten Blick in das „Gedächtnis der Stadt“, das Stadtarchiv, und die dort verwahrten Quellen zu bieten.2 Das Speyerer Archiv ist das älteste Kommunalarchiv der Pfalz. Es enthält Quellen vom Mittelalter bis in die Jetztzeit und ist daher per seTräger der Speyerer Erinnerung. Anders als etwa bei Bibliotheken oder Museen sind die Schranken für einen Archivbesuch und die Nutzung des dort verwahrten Kul- turguts vergleichsweise hoch. Hierzu tragen etwa die für Nichtwissenschaftler schwer lesbare Schrift und Sprache der Quellen (Archivalien), aber auch die oft alten, hand- oder maschinenschriftlichen Kataloge (Findmittel) der Archive bei. Die Quellen liegen zumeist nicht digital (und damit intrans- parent für die Bürgerinnen und Bürger) vor. Das Image der Archive ist immer noch sehr „angestaubt“ (um es freundlich zu formulieren). Das Stadtarchiv Speyer hat es sich seit dem Jahr 2011 zum Ziel gesetzt, den „Erinnerungsort“ Archiv für die Bürgerinnen und Bürger sowie für alle Interessierten zu öffnen. Die Stadtgeschichte und das in den für die Öffentlichkeit bisher verschlossenen Magazinen über Jahrhunderte gehütete Kulturgut werden mittels der Neuen Medien des Web 2.0 präsentiert und vermittelt. Das Archiv
  • 10. 222 nutzt hierfür intensiv verschiedene Kanäle der „Sozialen Medien“: Neben Facebook wird seit dem Sommer 2011 sukzessive auf den KurznachrichtendienstTwitter, auf die beiden Bildernetzwerke Flickr und Pinterest, auf Slideshare (Präsentationswerkzeug für Vorträge und PDF-Dokumente) sowie auf den Videokanal YouTube gesetzt. Betrieben und kontinuierlich gepflegt werden ein halbes Dutzend thematisch-historische Blogs. Zum Konzept zählte es von Anfang an, auf die umfangreiche Digitalisierung der Quellen und insbesondere auch historischer Fotografien (die oft der erste „Zugang“ für bisher wenig an städtischer Erinnerung interessierte Personen sind) zu setzen. Dieses digitale Kulturgut zur Speyerer Geschichte wird im Rahmen von Online-Präsentationen und der Social Media-Auftritte präsentiert und in die Öffentlichkeit gebracht. Dass hierbei auch ein dezidiert jüngeres bzw. wenig erinnerungsaffines Pu- blikum angesprochen wird, ist bewusst intendiert – Stadtgeschichte für alle funktioniert heute vor allem über das Netz. Die zahlreichen „Follower“ und „Fans“ bei Facebook und Twitter sowie die in dieTausende gehenden Aufrufe von virtuellen Fotopräsentationen und Ausstellungen zu Aspekten der Speyerer Geschichte sprechen hier für sich. Ein Imagefilm erklärt den Zuschauern, wie das Aufrufen von historischer Information in einem sich als modern verstehenden Archiv funktioniert.3 Auch die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger findet breiten Raum: So stehen über die Sozialen Medien reiche Funktionen für Kommentare und Fragen zur Verfügung; eigene Erfahrungen und Erlebnisse mit Geschichte können geteilt werden. Auch die Mitarbeit an der Verbesserung der Informationen zu den digitalen Quellen ist möglich und wird gerne genutzt (sehr häufig im Bereich der Fotogra- fien) – hier hat das Archiv positive Erfahrungen im Rahmen kleinerer „Crowdsourcing“-Projekte gesammelt; größere Projekte im Zeichen der nutzergenerierten Erschließung sind geplant.4 Das im angelsächsisch-amerikanischen Raum verbreitete Selbstverständnis der Bürgerinnen und Bürger als „citizen archivist“5 , das in Deutschland leider bisher oft mit Skepsis betrachtet wird, findet hier we- nigstens ansatzweise eine Verwirklichung. Die mediale Verankerung des Speyerer Projekts erfolgte und erfolgt trotzdem auch über „klassische“ Kanäle (Pressemitteilungen, Zeitungsberichte), zum Teil wurde auch in Radio- und (regionalen) Fernsehbeiträgen über die Stadtgeschichte 2.0-Angebote berichtet.6 Im Projekt Stadtgeschichte 2.0 werden thematische Schwerpunkte gesetzt, die bisher entweder im Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger kaum präsent waren oder zum Beispiel durch klassische Publikationen nicht ausreichend dargestellt werden können: Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem letzten Jahrhundert der Speyerer Geschichte: Das 20. Jahr- hundert ist in der Erinnerung mancher Bürgerinnen und Bürger und vor allem in der Weitergabe der Erinnerung von Generation zu Generation ansatzweise noch präsent, droht aber verloren zu gehen. Auch die Erinnerung an düstere Kapitel der Speyerer Historie, als kleiner Teil der gesamtdeutschen Geschichte, wird natürlich nicht ausgespart. Hier setzen Angebote wie ein Virtuelles Gedenkbuch für die Zeit von 1933 bis 1945 an, das sich zum Ziel setzt, die bisher in der Öffentlichkeit nicht ausrei- chend präsenten Namen und Schicksale der Zwangsarbeiter und Juden zu benennen. Die Präsenta- tionsform als virtuelles Gedenkbuch und Blog erlaubt, jederzeit Veränderungen und Verbesserungen am Wissensstand vorzunehmen; die Einbeziehung der Bevölkerung wird erleichtert. Das Gedenkbuch soll kontinuierlich fortgeführt werden. Die öffentlichen Reaktionen auf dieses Webangebot waren bisher sehr ermutigend.7 Gleiches gilt für die Präsentation eines Tagebuchs zum Kriegsende 1945 in Speyer (Blog „Speyer 1945 – Das Ende und ein Anfang“, Abb. 1) oder für verschiedene Fotopräsentationen zum 1. Welt- Joachim Kemper
  • 11. 223 krieg, dessen 100. „Jubiläum“ ja derzeit ansteht. Das Blog zum Kriegsende 1945 nutzt nicht nur eine tagebuchartige Quelle aus den Beständen des Archivs; die Archivmitarbeiter/innen „bloggen“ (möglichst „auf den Tag genau“) auch ergänzende Quellen (Texte, Plakate, Fotos), um auf einfache Weise das damalige Geschehen virtuell präsent zu machen.8 Mittels der Smartphone-App „Speyer – Stadt der Reformation“ wird ein mit stadthistorischen Quellen und Bildmaterial versehener virtueller Führer zu den Stätten der „Protestation“ in Speyer geboten: die Orte des reformationsgeschichtlich entscheidenden Speyerer Reichstags der Protestation von 1529 entstehen vor den Augen der Smartphone-Nutzer neu. Die App, ein gemeinsames, von mehreren regionalen Sponsoren gefördertes Vorhaben des Landeskirchenrats und des Stadtarchivs Speyer, wurde in Zusammenarbeit mit der Speyerer Werbeagentur Lange&Pflanz erstellt. Die Appli- kation ist seit Mai 2014 in den gängigen Betriebssystemen verfügbar; der Download ist kostenfrei.9 Eine private städtische Quelle der Speyerer „Napoleonzeit“ nahm das sogenannte „Hausbuch“- Blog unter die Lupe. Hier wurden die tagebuchartigen Aufzeichnungen des Speyerer Bürgers und Gärtners Johann Michael Beutelspacher in regelmäßigen Abständen und abschnittsweise transkribiert und veröffentlicht. Das Blog bot einen Einblick in privat-familiäre Angelegenheiten eines Speyerer Einwohners und verdeutlicht darüber hinaus, wie sich das „Weltgeschehen“ in den Aufzeichnungen eines „einfachen Mannes“ darstellt.10 Für das deutsch-französische EU-Projekt „Archivum Rhenanum“ (Laufzeit: Januar 2013 bis Juni 2015) wurden unter Federführung des Stadtarchivs zwei Blogs aufgebaut (deutsche und französische Version). Die Blogs dienen der Information der interessierten Öffentlichkeit über die Ziele des Pro- jekts; zugleich sind sie ein kommunikationsoffener „Ersatz“ für einen Projekt-Internetauftritt. Das Vorhaben „Archivum Rhenanum“ bringt verschiedene mittlere und größere regionale Archive sowie weitere Partner im Elsass, in Baden und der Pfalz zusammen. Zu den Kofinanzierern zählen dabei die Stadtarchive Freiburg und Speyer, das Generallandesarchiv Karlsruhe sowie die beiden Regional- archive in Colmar und Straßburg. Ziel ist die Digitalisierung grenzüberschreitender archivalischer Überlieferung in den beteiligten Einrichtungen sowie die Zusammenführung in einem zweisprachigen Abb. 1: Blog „Speyer 1945“. Stadtgeschichte 2.0
  • 12. 224 Portal. Das Portal befindet sich im Aufbau und soll bis zum Ende der Projektlaufzeit (Sommer 2015) in den Echtbetrieb gehen.11 Zu den überregional erfolgreichsten Blogs des Stadtarchivs zählt namentlich die für die Konfe- renz „Offene Archive?“ (22. bis 23. November 2012, Speyer) aufgebaute Plattform „Archive 2.0“. Das Blog diente der Vorbereitung der genannten Konferenz, in deren Verlauf erstmals im deutschen Archivwesen das Thema der Nutzung des Web 2.0 umfassend präsentiert und diskutiert werden konnte. Eine zweite Konferenz („Offene Archive 2.1“), ebenfalls unter Beteiligung des Stadtarchivs, folgte im Frühjahr 2014. Die Zugriffszahlen auf das Blog verdeutlichen ein erhebliches Interesse der deutschen Archivare (und bei weitem nicht nur dieser!) an der Nutzung der Sozialen Medien. War das Blog im Jahr 2013 von über 35.000 unterschiedlichen Besuchern aufgerufen worden (auf die über 185.000 Seitenzugriffe zurückgingen), so wurden im ersten Halbjahr 2014 (Januar bis Juni) über 27.000 unterschiedliche Besucher sowie über 125.000 Seitenzugriffe gezählt.12 Das Verständnis für die konkrete Quellenarbeit und die damit verbundenen Probleme (zum Beispiel auch der Konservierung und Bestandserhaltung), die Erinnerung am „Leben“ zu erhalten, wird auch Abb. 2: Blog „Archivar – Kamera – Weltkrieg“. Joachim Kemper
  • 13. 225 durch die virtuellen Angebote gefördert. So setzt sich das Blog „Archivar – Kamera – Krieg“ zum Ziel (Abb. 2), die Arbeit an der umfangreichen Fotosammlung zum ZweitenWeltkrieg des pfälzischen Archi- vars Karl Lutz (1896–1982) in Form eines Online-Tagebuchs regelmäßig nachvollziehbar zu machen.13 Einige der genannten Blogs verfügen über eine eigene ISSN, die von der Deutschen Nationalbi- bliothek vergeben wurde.14 Das Projekt einer „Stadtgeschichte 2.0“ wäre ohne die Kooperation mit weiteren Einrichtungen – insbesondere dem Historischen Verein der Pfalz (hier: Bezirksgruppe Speyer) – kaum in dieser Form möglich. Der Historische Verein ergänzt das Angebot um Online-Ressourcen zu Zeitzeugen (Interviews: „Oral history“) und insbesondere auch im Bereich der Social Media. Hier bestehen viele Vernetzungen und Synergieeffekte, auf die an dieser Stelle nur summarisch verwiesen sei.15 Die Schwerpunkte der Aspekte der „Erinnerungsarbeit“ im Feld der Speyerer „Stadtgeschichte 2.0“ liegen, wie bisher beschrieben, auf Ereignissen und Epochen, die bisher in der Speyerer Stadt- geschichte weniger oder gar nicht präsent waren bzw. die aufgrund fehlender Quellengrundlagen bisher nicht im Vordergrund standen. Während die Zeit der Salier und Staufer als Blütezeit der Stadt wohlbekannt und vielfach dargestellt worden ist (und ebenso im Bewusstsein der Bevölkerung verankert ist), gilt dies für spätere Zeiträume umso weniger. Selbst die Frühe Neuzeit, als Speyer als Veranstaltungsort großer und folgenreicher Reichstage sowie durch das hier von 1527 bis 1689 residierende Reichskammerge- richt in der Öffentlichkeit des Alten Reiches präsent war und aus heutiger Sicht als einer der Zentralorte des Reiches bezeich- net werden kann, bleibt zumeist unbeachtet. Auch hier werden aktuell Versuche unternommen, das Interesse der Öffentlichkeit (aber auch der Forschung) in diese Richtung zu lenken.16 Zu den Schwerpunkten zäh- len daneben, wie dargestellt, das 19. und vor allem 20. Jahrhundert, insbesondere auch das dunkle Ka­ pitel des 3. Reiches. Abb. 3: Ein Beispiel für die mögliche „Schaufenster“-Funktion von Digitalisaten: Dieses digitalisierte Foto (Speyer, Dombau­ arbeiten, 1931) war im Frühjahr 2014 auf Facebook in über 20.000 Fällen aufgerufen und betrachtet worden. Stadtgeschichte 2.0
  • 14. 226 Ein durch ein Stadtarchiv getragenes kommunalgeschichtliches Projekt, das dezidiert und im beschriebenen Umfang auf die neuen Medien, namentlich die unterschiedlichsten Anwendungen der „Sozialen Medien“ und Blogs setzt, ist im deutschen Sprachraum immer noch relativ selten. Das „Gedächtnis der Stadt“ hat sich durch das Projekt geöffnet und präsentiert einen digitalen Zugang zur Geschichte der Stadt. Dass hierfür auch ein erheblicher digitaler „content“ geschaffen werden muss, versteht sich von selbst: Seit 2011 wurden weit über 50.000 Bilder von Archivalien und Fotos bzw. kompletten Beständen durch das Archiv angefertigt (Abb. 3).17 Sie werden im Netz im Verbund mit den Online-Findmitteln präsentiert – Stadtgeschichte 2.0 funktioniert nur, wenn das schriftliche/fotografische Kulturgut auch umfassend und annähernd strategisch digitalisiert wird.18 Es bleibt abzuwarten, was die Zukunft bringen mag. Am Weg einer Vermittlung der lokalen/ regionalen Geschichte unter den Bedingungen und mit den Möglichkeiten des Netzes und der derzeit verfügbaren „Sozialen Medien“ scheint jedoch kaum ein Weg vorbei zu führen.19 Stadtgeschichte 2.0: Ressourcen in Speyer Stadtarchiv 2.0 Homepage: http://www.stadtarchiv.speyer.de Facebook: http://www.facebook.com/Speyer.Stadtarchiv Twitter: http://twitter.com/Speyer_Archiv Online-Findmittel (Kataloge, mit digitalen Präsentationen) http://www.stadtarchiv-speyer.findbuch.net http://www.mom-ca.uni-koeln.de/mom/DE-StaASpeyer/archive Digitale Präsentationen Slideshare (PPT-Präsentationen von Vorträgen): http://www.slideshare.net/StadtASpeyer Youtube (Videokanal, historische Filme und Imagefilm): http://www.youtube.com/user/SpeyerArchiv Flickr (Fotoplattform, virtuelle Ausstellungen, crowdsourcing): http://flickr.com/photos/stad- tarchiv_speyer Pinterest (Bildernetzwerk, virtuelle Ausstellungen): http://www.pinterest.com/speyerarchiv Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Stadtarchiv_Speyer Projekte EU-Projekt Archivum Rhenanum (Stadtarchiv als Projektpartner in einem grenzüberschreitenden Digitalisierungsprojekt am Oberrhein) Blog: http://archives.hypotheses.org Facebook: http://www.facebook.com/ArchivumRhenanum Twitter: http://twitter.com/ARhenanum Blogs „Offene Archive?“ (Tagungsblog, thematisches Blog „Archive 2.0“): http://archive20.hypotheses.org Twitter: http://twitter.com/archive20 Blog zu einer Speyerer autobiographischen Quelle um 1800: http://speyererhausbuch1795.blogspot.de Joachim Kemper
  • 15. 227 Erinnern in Speyer 1933–1945 (virtuelles Gedenkbuch): http://speyermemo.hypotheses.org „Tagebuch“ zur Bearbeitung des Fotobestandes Karl Lutz – Zweiter Weltkrieg: http://kriegsfoto.hypotheses.org Speyer 1945 – Das Ende und ein Anfang (Tagebuch zum Kriegsende 1945 in Speyer): http://speyer1945.blogspot.de/ Weitere Ressourcen Facebook-Auftritt der Bezirksgruppe Speyer (Historischer Verein): https://www.facebook.com/His- torischerVereinDerPfalzBezirksgruppeSpeyer Facebook-Gruppe „Speyer in alten Bildern“: https://www.facebook.com/pages/Speyer-in-alten-Bildern Homepage der Bezirksgruppe Speyer (Historischer Verein): http://historischer-verein-speyer.de/ Anmerkungen 1 Kemper, Joachim: Archivische Spätzünder? Sechs Web 2.0-Praxisberichte. In: Archivar. Zeitschrift für Archivwesen 65. Heft 2 (2012), S. 136–143; Bentz, Oliver/Kemper, Joachim: Stadtarchiv Speyer@ web2.0 – Aus der social-media-Praxis eines Kommunalarchivs. In: „Im virtuellen Lesesaal ist für Sie ein Platz reserviert …“. Archivbenutzung heute – Perspektiven für morgen (Texte und Untersuchungen zur Archivpflege; 27). Münster 2013, S. 47–51. 2 Eine Auflistung der verschiedenen Anwendungen im Sinne einer Stadtgeschichte 2.0 findet sich am Ende dieses Beitrags. Auf Einzelnachweise innerhalb des Textes wird daher zumeist (abgesehen von den archi- vischen Blogs) verzichtet. Ich danke für Korrekturen und Ergänzungen meiner Kollegin Doreen Kelimes M.A. 3 https://www.youtube.com/watch?v=7UzLeMBibzI 4 Steiger, Elisabeth: Crowdsourcing, Online-Präsentationen und -Ausstellungen. Zur Nutzung von Flickr im Stadtarchiv Speyer (Vortrag auf der Konferenz „Offene Archive 2.1“, 4. April 2014;Textfassung: http:// archive20.hypotheses.org/1718) 5 Das US-Nationalarchiv verfügt beispielsweise über eine reiche und durch das Publikum gut genutzte Palette von Web 2.0-Anwendungen, darunter ein umfassendes „Citizen archivist dashboard“: http://www.archives. gov/citizen-archivist/ 6 Ein gutes Beispiel ist ein Interview in der Sendung RNF Life (Rhein-Neckar-Fernsehen) zum Video- kanal des Stadtarchivs. Der Redakteur wurde auf die historischen Filme des Archivs über einen Tweet (Twitter-Nachricht) aufmerksam. Das Interview ist online abrufbar: http://www.rnf.de/mediathek/video/ im-gespraech-dr-joachim-kemper-stadtarchiv-speyer/#.U6FDkqh_v5E 7 http://speyermemo.hypotheses.org/ 8 http://speyer1945.blogspot.de/ 9 https://itunes.apple.com/de/app/speyer-stadt-d.-protestation/id885382304?mt=8; https://play.google.com/ store/apps/details?id=de.stadtspeyer.p5421ih 10 http://speyererhausbuch1795.blogspot.de/ 11 http://archives.hypotheses.org/ 12 http://archive20.hypotheses.org/ 13 http://kriegsfoto.hypotheses.org/ 14 http://redaktionsblog.hypotheses.org/2220 15 Als Einstieg empfiehlt sich der Internetauftritt der Bezirksgruppe: http://historischer-verein-speyer.de/ 16 Seit Juni 2014 wird eine durch das Stadtarchiv konzipierte moderne (Dauer-)Ausstellung zum Speyerer Reichskammergericht im Altpörtel gezeigt. Ein größeres Forschungsvorhaben wäre hier sicher wünschens- wert. Auch die Smartphone-App („Speyer – Stadt der Protestation“) hat einen Schwerpunkt in der Frühen Neuzeit. 17 Neben den kompletten Urkundenbeständen waren und sind dies beispielsweise zahlreiche ältere Akten und Amtsbücher des reichsstädtischen Archivs, die Kirchenbücher (komplett) sowieTeile der Fotosammlung(en). Stadtgeschichte 2.0
  • 16. 228 18 Online-Plattformen für die Digitalisate sind das virtuelle Urkundenarchiv „Monasterium“ (http://www. mom-ca.uni-koeln.de/mom/DE-StaASpeyer/archive) sowie „Findbuch.net“: http://www.stadtarchiv-speyer. findbuch.net. Daneben werden bei Bedarf die Bildernetzwerke Pinterest und Flickr genutzt. 19 Kleines Update, Anfang Juli 2014: Das Projekt „Stadtgeschichte 2.0“ hat beim Stiftungspreis 2014 der Stiftung „Lebendige Stadt“ bei 437 Bewerbungen aus dem In- und Ausland einen der vorderen Plätze (1 bis 16) erreicht. Anmerkungen der Herausgeber Einzelne Orte der Pfalz behandeln in diesem Band Michael Geiger, Joachim P. Heinz, Andreas Imhoff, Franz Maier und Pirmin Spiess. Die Bedeutung des Internets für die Archivarbeit beleuchtet auch Walter Rummel in seinem Aufsatz. Weitere moderne Aspekte der Kulturvermittlung behandelt Meinrad Maria Grewenig. Joachim Kemper