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Johannes Gutenberg – Universität Mainz

       Institut für Politikwissenschaft
   Hauptseminar: Soziale Bewegungen in
                 Deutschland
  Leitung: Univ. – Prof. Dr. Kai Arzheimer
   Politisches Engagement in den neuen
                Bundesländern
Referenten: Tassilo Heinrich und Amer Lizde

               15.01.2013
   Im Herbst 1989 kam es zu spontanen
    Massenprotesten
   Die Folge: Ablösung des SED Regimes
   Ausgangsfrage:
    ◦ Wie haben sich die Proteste in den neuen
      Bundesländern seit 1989 entwickelt?
   Warum wird Leipzig als Beispiel gewählt?
    ◦ Insgesamt besondere Rolle bei der Ablösung des
      SED Regimes
    ◦ 9. Oktober 1989: Erste Massendemonstration ohne
      Eingreifen der Sicherheitskräfte
    ◦ Gute Datengrundlage
   Untersuchungsobjekte:
    ◦ Verlauf der Proteste
    ◦ Protestteilnahme
   Makroanalyse von Protestaktivitäten anhand der
    Berichterstattung der Leipziger Volkszeitung (LVZ)
   Recherchezeitraum: 18. März 1990 – 31.Mai 1993
   Kodierung der Protestereignisse:
    1.   Demonstrationen
    2.   Streiks
    3.   Bombendrohungen
    4.   Leserbriefe
    5.   Besetzungen von Gebäuden und Blockaden
    6.   Protesttage
   Bei Verknüpfung von Protestformen wird eine
    Zuweisung zur überwiegenden Protestform
    vorgenommen
   Am 29. März 1990 Demonstrieren etwa 10.000
    Leipziger für eine „saubere Volkskammer―
   Ab Mai 1990 nehmen Streiks und Blockaden zu
   Ende 1990 kommt es zu zahlreichen
    Studentenprotesten
   Im März 1991 leben die Montags-Demos auf
   Juni 1992: Gewerkschaft der Bergleute ruft zu
    einer Großdemonstration in Leipzig auf
   Ab Ende 1992 rufen verstärkt einzelne
    Interessengruppen zu Demonstrationen auf
   Anfang 1993 findet „Gewalt ätzt!― statt—eine
    Rock-Demo zu der Künstler und öffentliche
    Personen aufgerufen haben
   Wie hat sich die Anzahl der einzelnen
    Prostestereignisse seit 1990 verändert?
   Häufigste Protestform: Demonstrationen und
    Streiks
   „illegale Protesthandlungen― nehmen
    insgesamt 15% ein…
   …allerdings kaum noch Bombendrohungen
   Wie hat sich die Anzahl der Protestteilnehmer
    entwickelt?
   Teilnehmerzahlen schwanken über alle
    Protestformen zwischen 60 und 70.000
    Teilnehmer
   Entwicklung widersprüchlich:
    ◦ Von 1990 bis 1991: leichter Rückgang
    ◦ Von 1991 bis 1992: starker Rückgang
    ◦ 1993: Anstieg auf Höchstwert
   Individualanalyse anhand einer
    Panelbefragung
    ◦ Erstbefragung im Herbst 1990, 1300 repräsentativ
      ausgewählte Leipziger
    ◦ Zweitbefragung im Sommer 1993, 513 Personen
      aus der Erstbefragung
   Ergebnisse beziehen sich nur auf die 513
    Personen, welche in beiden Wellen befragt
    wurden
   Wie hat sich das individuelle politische
    Engagement im Befragungszeitraum verändert?
   Auf die Frage, ob Befragte sich an einer Reihe
    politischer Handlungen beteiligten, gab es
    folgende Antwortmöglichkeiten:
    1.   Kam für mich nicht in Frage
    2.   Habe das überlegt, aber nicht gemacht
    3.   Habe das einmal gemacht
    4.   Habe das mehrmals gemacht
    Zusammenfassung der Werte 1. und 2. zu
     0, sowie 3. und 4. zu 1
   Gibt es eine Veränderung des
    Protestrepertoires?
    ◦ Annahme 1: Die Stärke des politischen
      Engagements heute, sagt die Stärke des politischen
      Engagements für morgen voraus
    ◦ Annahme 2: Veränderung des Protestrepertoires
      aufgrund Veränderter Gelegenheitsstrukturen
   Frage: Wie wahrscheinlich ist, dass der
    Befrage die betreffende Handlung in naher
    Zukunft ausführen wird?
   Antwortmöglichkeiten von 1 „keinesfalls― bis
    5 „ganz sicher―
Der Transformationsprozess
und politisches Engagement:
Ein Erklärungsmodell
1. Welche Arten von Transformationsprozessen
   beeinflussen politisches Engagement?

 Transformationsprozess: alle Änderungen seit dem
  Umbruch in der DDR, z.B. seit dem 18. März 1990
   Nicht alle Änderungen haben politisches
    Engagement beeinflusst  Welche konkreten
    Arten von Transformationsprozessen haben
    eine konkrete Veränderung politischen
    Engagements bewirkt?
   Bsp.: Haben die Privatisierung von
    Betrieben, der Wegfall von Arbeitsplätzen und
    der Wegfall bestimmter sozialer Leistungen
    politisches Engagement beeinflusst?
2.       Welche Arten von
         Transformationsprozessen haben welche
         Arten politischen Engagements
         beeinflusst?
      Viele Formen politischen Engagements
       (Wahlbeteiligung, konventionelle
       Partizipation, legale und illegale Proteste)
      Welche Transformationsprozesse haben
       welche Art politischen Engagements
       beeinflusst?
3.     In welcher Weise haben bestimmte Arten
von Transformationsprozessen bestimmte Arten
politischen Engagements beeinflusst?
    Der Transformationsprozess ist eine
     Eigenschaft eines Kollektivs
    Politisches Engagement ist eine Eigenschaft
     individueller Akteure (Aggregation
     individuellen Verhaltens)
    Wie wirken sich Veränderungen auf der
     kollektiven Ebene (Transformationsprozesse)
     auf das politische Handeln auf der
     individuellen Ebene aus?
   Politisches Engagement wird durch solche
    Arten des Transformationsprozesses
    beeinflusst, die die Bedingungen politischen
    Engagements verändern.
   Wirkungen des Transformationsprozesses
    kamen dadurch zustande, dass sich bei den
    Bürgern bestimmte Bedingungen
    veränderten, die zu politischen Engagement
    führen
 Folgerung:
    Zwischen Transformationsprozessen und
    politischem Engagement besteht keine
    kausale Beziehung, sondern lediglich
    eine Korrelation. Lediglich die
    genannten Anreize haben eine kausale
    Wirkung auf Engagement.
   Personen beteiligen sich umso eher an
    politischen Protestaktionen, in je höherem
    Maße gemeinsame, unerfüllbare Ziele
    bestehen, d.h. je größer die Unzufriedenheit
    ist.
   Nach der Standardtheorie kollektiven
    Handelns (Olson 1965) führen die
    Unzufriedenheit bzw. die Präferenzen für
    Kollektivgüter in großen Gruppen nicht zu
    politischem Engagement. Der einzelne Bürger
    geht von einer geringen Bedeutung seines
    Engagements aus.
   Diese plausiblen Annahmen haben sich in der
    Forschung nicht bestätigt. Der einzelne
    Bürger überschätzt seinen tatsächlichen
    Einfluss.  Hohe Unzufriedenheit und hoher
    wahrgenommener Einfluss führen zu hohem
    politischen Engagement.
   Unterschiedliche Arten der Unzufriedenheit
    (Unzufriedenheit mit der politischen, sozialen
    und wirtschaftlichen Situation)
   Welche Art des Protests wird gewählt?
   Jemand, der wirtschaftlich unzufrieden
    ist, wird nicht eine andere Protestform wählen
    als jemand, der politisch unzufrieden ist. Man
    wählt mit hoher Wahrscheinlichkeit solche
    Arten von Protest, die man für am
    wirksamsten hält.
   Bedeutung von moralischen Anreizen, z.B. ein
    Gefühl der Verpflichtung zum Engagement
    und Rechtfertigungen für politische Gewalt
   Bedeutung von sozialen Anreizen für
    politisches Engagement, z.B. Mitgliedschaft in
    Prostest-Netzwerken
   Staatliche Repression
   Kosten der Zeit
   Schlussfolgerung aus dem Erklärungsmodell
    (Abb. 1):
       Nur solche Transformationsprozesse, die
       die Anreize für politisches Engagement
       verändern, führen zu politischem
       Engagement.
   Die schlechten Lebensverhältnisse in den
    neuen Bundesländern könnten Proteste
    hervorrufen.
   Von Bedeutung: Eine defizitäre Ressourcen-
    Ausstattung oder ein hohes
    Ressourcendefizit, z.B. der Verlust des
    Arbeitsplatzes, wahrgenommene
    Verschlechterung des Einkommens nach dem
    Umbruch
   Nur wenn ein Ressourcendefizit auch zu
    Unzufriedenheit führt, wird eine defizitäre
    Ressourcen-Ausstattung zu einer Bedingung
    für politisches Engagement.
   Je größer das Ressourcendefizit ist, desto
    größer ist auch die Unzufriedenheit mit der
    persönlichen Lebenssituation.
   Denkbar wäre, dass die Bürger in den neuen
    Bundesländern die geringe Ressourcen-
    Ausstattung als eine notwendige Folge der
    Wiedervereinigung betrachten.
   Die Ressourcendefizite werden aber nicht als
    vorübergehend angesehen. Ein relativ hohes
    Ressourcendefizit führt zu einer relativ hohen
    Unzufriedenheit mit der Lebenssituation.
   In je höherem Maße man den Staat als
    verpflichtet ansieht, Maßnahmen zur
    Verbesserung der eigenen Situation zu
    ergreifen, umso eher wird die
    Unzufriedenheit mit den eigenen
    Lebensverhältnissen Protest verursachen.
   Hohe Unzufriedenheit mit den persönlichen
    Lebensverhältnissen wirkt sich nur indirekt
    auf politisches Engagement aus, über die
    genannten Anreize.
   Veränderungen der politischen Ordnung
    führen zu einer Veränderung der Anreize für
    politisches Engagement.
   Die Kosten legalen politischen Engagements
    haben sich durch rechtlich garantierte
    politische Freiheitsrechte vermindert.
   In der ehem. DDR war Protest mit hohem
    Risiko verbunden.
   Der politische Wettbewerb erhöht die Kosten
    des Engagements.  Man muss Zeit und
    andere Ressourcen aufwenden, um
    Unterstützung zu erhalten, damit man ein
    Programm oder einzelne Forderungen
    durchsetzen kann.
   Paradoxe Konsequenzen der Wende: Der
    Übergang zur Demokratie hat die Anreize für
    Protest gleichzeitig vermindert und erhöht.
   Der Wegfall des hohen Risikos bzw. das
    Ausbleiben negativer staatlicher Sanktionen
    hat die Kosten politischen Protests
    vermindert.
   Andererseits hat die Einführung einer
    demokratischen Ordnung den
    wahrgenommenen Einfluss des Bürgers auf
    die Politik erhöht.
   Der politische Wettbewerb hat allerdings den
    Einfluss des einzelnen Bürgers vermindert.
   Ein weiteres Ergebnis des politischen
    Transformationsprozesses: Die Bürger der
    ehem. DDR haben eine größere Offenheit des
    politischen Systems für die Realisierung ihrer
    Wünsche Erwartet.  Unerfüllte Erwartungen
    haben zur Unzufriedenheit geführt.
   Politisches Engagement führt zu einer Erhöhung
    der sozialen Anreize.
   Inwieweit hat politisches Engagement vor dem
    Umbruch, also im Jahre 1989, die Anreize für
    politisches Engagement nach dem Umbruch und
    damit auch indirekt politisches Engagement nach
    der Wende beeinflusst?
   Engagieren sich z.B. diejenigen, die sich an den
    Montagsdemonstrationen beteiligt
    haben, gegenwärtig häufiger als diejenigen, die
    sich an diesen Demonstrationen nicht beteiligt
    haben?
   Engagieren sich z.B. diejenigen, die sich an
    den Montagsdemonstrationen beteiligt
    haben, gegenwärtig häufiger als
    diejenigen, die sich an diesen
    Demonstrationen nicht beteiligt haben?
   Eine große Zahl von Bürgern hat sich an
    Protesten gegen das kommunistische Regime
    beteiligt.
   Die Revolution war erfolgreich: Ablösung der
    Regierung und Wandel der politischen und
    wirtschaftlichen Ordnung
    Die Revolution in der ehem. DDR als gute
    Gelegenheit, um die Wirkungen politischen
    Protests zu untersuchen.
   Die externen Wirkungen der Proteste, d.h. die
    Wirkungen auf Regierungen wurden
    untersucht. Die internen Wirkungen, d.h. die
    Wirkungen auf die Akteure selbst wurden
    nicht untersucht.
   Der Protest zu einem bestimmten Zeitpunkt
    erhöht die Anreize für späteren Protest.

   Die Anreize 1993 wirken sich auf politisches
    Engagement 1993 aus. Es ist wenig
    plausibel, dass hohe Unzufriedenheit 1989
    Engagement 1993 beeinflusst. Die
    Unzufriedenheit 1993 ist von Bedeutung für
    Engagement 1993.
   Die Anreize 1993 wirken sich auf politisches
    Engagement 1993 aus.
   Es ist wenig plausibel, dass hohe
    Unzufriedenheit 1989 Engagement 1993
    beeinflusst.
   Die Unzufriedenheit 1993 ist von Bedeutung
    für Engagement 1993
   Von Protest 1989 geht ein indirekter Effekt
    auf Protest 1993 aus. Dieser Effekt geht über
    die Anreize von 1993.

   Die Anreize von 1989 haben vermutlich eine
    positive Beziehung zu den Anreizen von
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Politisches engagement-in-den-neuen-bundeslaendern

  • 1. Johannes Gutenberg – Universität Mainz Institut für Politikwissenschaft Hauptseminar: Soziale Bewegungen in Deutschland Leitung: Univ. – Prof. Dr. Kai Arzheimer Politisches Engagement in den neuen Bundesländern Referenten: Tassilo Heinrich und Amer Lizde 15.01.2013
  • 2. Im Herbst 1989 kam es zu spontanen Massenprotesten  Die Folge: Ablösung des SED Regimes  Ausgangsfrage: ◦ Wie haben sich die Proteste in den neuen Bundesländern seit 1989 entwickelt?
  • 3. Warum wird Leipzig als Beispiel gewählt? ◦ Insgesamt besondere Rolle bei der Ablösung des SED Regimes ◦ 9. Oktober 1989: Erste Massendemonstration ohne Eingreifen der Sicherheitskräfte ◦ Gute Datengrundlage  Untersuchungsobjekte: ◦ Verlauf der Proteste ◦ Protestteilnahme
  • 4. Makroanalyse von Protestaktivitäten anhand der Berichterstattung der Leipziger Volkszeitung (LVZ)  Recherchezeitraum: 18. März 1990 – 31.Mai 1993  Kodierung der Protestereignisse: 1. Demonstrationen 2. Streiks 3. Bombendrohungen 4. Leserbriefe 5. Besetzungen von Gebäuden und Blockaden 6. Protesttage  Bei Verknüpfung von Protestformen wird eine Zuweisung zur überwiegenden Protestform vorgenommen
  • 5.
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  • 8. Am 29. März 1990 Demonstrieren etwa 10.000 Leipziger für eine „saubere Volkskammer―  Ab Mai 1990 nehmen Streiks und Blockaden zu  Ende 1990 kommt es zu zahlreichen Studentenprotesten  Im März 1991 leben die Montags-Demos auf  Juni 1992: Gewerkschaft der Bergleute ruft zu einer Großdemonstration in Leipzig auf  Ab Ende 1992 rufen verstärkt einzelne Interessengruppen zu Demonstrationen auf  Anfang 1993 findet „Gewalt ätzt!― statt—eine Rock-Demo zu der Künstler und öffentliche Personen aufgerufen haben
  • 9.
  • 10. Wie hat sich die Anzahl der einzelnen Prostestereignisse seit 1990 verändert?  Häufigste Protestform: Demonstrationen und Streiks  „illegale Protesthandlungen― nehmen insgesamt 15% ein…  …allerdings kaum noch Bombendrohungen
  • 11.
  • 12. Wie hat sich die Anzahl der Protestteilnehmer entwickelt?  Teilnehmerzahlen schwanken über alle Protestformen zwischen 60 und 70.000 Teilnehmer  Entwicklung widersprüchlich: ◦ Von 1990 bis 1991: leichter Rückgang ◦ Von 1991 bis 1992: starker Rückgang ◦ 1993: Anstieg auf Höchstwert
  • 13. Individualanalyse anhand einer Panelbefragung ◦ Erstbefragung im Herbst 1990, 1300 repräsentativ ausgewählte Leipziger ◦ Zweitbefragung im Sommer 1993, 513 Personen aus der Erstbefragung  Ergebnisse beziehen sich nur auf die 513 Personen, welche in beiden Wellen befragt wurden
  • 14. Wie hat sich das individuelle politische Engagement im Befragungszeitraum verändert?  Auf die Frage, ob Befragte sich an einer Reihe politischer Handlungen beteiligten, gab es folgende Antwortmöglichkeiten: 1. Kam für mich nicht in Frage 2. Habe das überlegt, aber nicht gemacht 3. Habe das einmal gemacht 4. Habe das mehrmals gemacht  Zusammenfassung der Werte 1. und 2. zu 0, sowie 3. und 4. zu 1
  • 15.
  • 16. Gibt es eine Veränderung des Protestrepertoires? ◦ Annahme 1: Die Stärke des politischen Engagements heute, sagt die Stärke des politischen Engagements für morgen voraus ◦ Annahme 2: Veränderung des Protestrepertoires aufgrund Veränderter Gelegenheitsstrukturen  Frage: Wie wahrscheinlich ist, dass der Befrage die betreffende Handlung in naher Zukunft ausführen wird?  Antwortmöglichkeiten von 1 „keinesfalls― bis 5 „ganz sicher―
  • 17.
  • 18. Der Transformationsprozess und politisches Engagement: Ein Erklärungsmodell
  • 19. 1. Welche Arten von Transformationsprozessen beeinflussen politisches Engagement?  Transformationsprozess: alle Änderungen seit dem Umbruch in der DDR, z.B. seit dem 18. März 1990
  • 20. Nicht alle Änderungen haben politisches Engagement beeinflusst  Welche konkreten Arten von Transformationsprozessen haben eine konkrete Veränderung politischen Engagements bewirkt?  Bsp.: Haben die Privatisierung von Betrieben, der Wegfall von Arbeitsplätzen und der Wegfall bestimmter sozialer Leistungen politisches Engagement beeinflusst?
  • 21. 2. Welche Arten von Transformationsprozessen haben welche Arten politischen Engagements beeinflusst?  Viele Formen politischen Engagements (Wahlbeteiligung, konventionelle Partizipation, legale und illegale Proteste)  Welche Transformationsprozesse haben welche Art politischen Engagements beeinflusst?
  • 22. 3. In welcher Weise haben bestimmte Arten von Transformationsprozessen bestimmte Arten politischen Engagements beeinflusst?  Der Transformationsprozess ist eine Eigenschaft eines Kollektivs  Politisches Engagement ist eine Eigenschaft individueller Akteure (Aggregation individuellen Verhaltens)  Wie wirken sich Veränderungen auf der kollektiven Ebene (Transformationsprozesse) auf das politische Handeln auf der individuellen Ebene aus?
  • 23.
  • 24. Politisches Engagement wird durch solche Arten des Transformationsprozesses beeinflusst, die die Bedingungen politischen Engagements verändern.  Wirkungen des Transformationsprozesses kamen dadurch zustande, dass sich bei den Bürgern bestimmte Bedingungen veränderten, die zu politischen Engagement führen
  • 25.  Folgerung: Zwischen Transformationsprozessen und politischem Engagement besteht keine kausale Beziehung, sondern lediglich eine Korrelation. Lediglich die genannten Anreize haben eine kausale Wirkung auf Engagement.
  • 26. Personen beteiligen sich umso eher an politischen Protestaktionen, in je höherem Maße gemeinsame, unerfüllbare Ziele bestehen, d.h. je größer die Unzufriedenheit ist.
  • 27. Nach der Standardtheorie kollektiven Handelns (Olson 1965) führen die Unzufriedenheit bzw. die Präferenzen für Kollektivgüter in großen Gruppen nicht zu politischem Engagement. Der einzelne Bürger geht von einer geringen Bedeutung seines Engagements aus.
  • 28. Diese plausiblen Annahmen haben sich in der Forschung nicht bestätigt. Der einzelne Bürger überschätzt seinen tatsächlichen Einfluss.  Hohe Unzufriedenheit und hoher wahrgenommener Einfluss führen zu hohem politischen Engagement.  Unterschiedliche Arten der Unzufriedenheit (Unzufriedenheit mit der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Situation)
  • 29. Welche Art des Protests wird gewählt?  Jemand, der wirtschaftlich unzufrieden ist, wird nicht eine andere Protestform wählen als jemand, der politisch unzufrieden ist. Man wählt mit hoher Wahrscheinlichkeit solche Arten von Protest, die man für am wirksamsten hält.
  • 30. Bedeutung von moralischen Anreizen, z.B. ein Gefühl der Verpflichtung zum Engagement und Rechtfertigungen für politische Gewalt  Bedeutung von sozialen Anreizen für politisches Engagement, z.B. Mitgliedschaft in Prostest-Netzwerken  Staatliche Repression  Kosten der Zeit
  • 31. Schlussfolgerung aus dem Erklärungsmodell (Abb. 1): Nur solche Transformationsprozesse, die die Anreize für politisches Engagement verändern, führen zu politischem Engagement.
  • 32.
  • 33. Die schlechten Lebensverhältnisse in den neuen Bundesländern könnten Proteste hervorrufen.  Von Bedeutung: Eine defizitäre Ressourcen- Ausstattung oder ein hohes Ressourcendefizit, z.B. der Verlust des Arbeitsplatzes, wahrgenommene Verschlechterung des Einkommens nach dem Umbruch
  • 34. Nur wenn ein Ressourcendefizit auch zu Unzufriedenheit führt, wird eine defizitäre Ressourcen-Ausstattung zu einer Bedingung für politisches Engagement.
  • 35. Je größer das Ressourcendefizit ist, desto größer ist auch die Unzufriedenheit mit der persönlichen Lebenssituation.  Denkbar wäre, dass die Bürger in den neuen Bundesländern die geringe Ressourcen- Ausstattung als eine notwendige Folge der Wiedervereinigung betrachten.
  • 36. Die Ressourcendefizite werden aber nicht als vorübergehend angesehen. Ein relativ hohes Ressourcendefizit führt zu einer relativ hohen Unzufriedenheit mit der Lebenssituation.
  • 37. In je höherem Maße man den Staat als verpflichtet ansieht, Maßnahmen zur Verbesserung der eigenen Situation zu ergreifen, umso eher wird die Unzufriedenheit mit den eigenen Lebensverhältnissen Protest verursachen.  Hohe Unzufriedenheit mit den persönlichen Lebensverhältnissen wirkt sich nur indirekt auf politisches Engagement aus, über die genannten Anreize.
  • 38. Veränderungen der politischen Ordnung führen zu einer Veränderung der Anreize für politisches Engagement.  Die Kosten legalen politischen Engagements haben sich durch rechtlich garantierte politische Freiheitsrechte vermindert.  In der ehem. DDR war Protest mit hohem Risiko verbunden.
  • 39. Der politische Wettbewerb erhöht die Kosten des Engagements.  Man muss Zeit und andere Ressourcen aufwenden, um Unterstützung zu erhalten, damit man ein Programm oder einzelne Forderungen durchsetzen kann.  Paradoxe Konsequenzen der Wende: Der Übergang zur Demokratie hat die Anreize für Protest gleichzeitig vermindert und erhöht.
  • 40. Der Wegfall des hohen Risikos bzw. das Ausbleiben negativer staatlicher Sanktionen hat die Kosten politischen Protests vermindert.  Andererseits hat die Einführung einer demokratischen Ordnung den wahrgenommenen Einfluss des Bürgers auf die Politik erhöht.  Der politische Wettbewerb hat allerdings den Einfluss des einzelnen Bürgers vermindert.
  • 41. Ein weiteres Ergebnis des politischen Transformationsprozesses: Die Bürger der ehem. DDR haben eine größere Offenheit des politischen Systems für die Realisierung ihrer Wünsche Erwartet.  Unerfüllte Erwartungen haben zur Unzufriedenheit geführt.
  • 42. Politisches Engagement führt zu einer Erhöhung der sozialen Anreize.  Inwieweit hat politisches Engagement vor dem Umbruch, also im Jahre 1989, die Anreize für politisches Engagement nach dem Umbruch und damit auch indirekt politisches Engagement nach der Wende beeinflusst?  Engagieren sich z.B. diejenigen, die sich an den Montagsdemonstrationen beteiligt haben, gegenwärtig häufiger als diejenigen, die sich an diesen Demonstrationen nicht beteiligt haben?
  • 43. Engagieren sich z.B. diejenigen, die sich an den Montagsdemonstrationen beteiligt haben, gegenwärtig häufiger als diejenigen, die sich an diesen Demonstrationen nicht beteiligt haben?  Eine große Zahl von Bürgern hat sich an Protesten gegen das kommunistische Regime beteiligt.
  • 44. Die Revolution war erfolgreich: Ablösung der Regierung und Wandel der politischen und wirtschaftlichen Ordnung   Die Revolution in der ehem. DDR als gute Gelegenheit, um die Wirkungen politischen Protests zu untersuchen.  Die externen Wirkungen der Proteste, d.h. die Wirkungen auf Regierungen wurden untersucht. Die internen Wirkungen, d.h. die Wirkungen auf die Akteure selbst wurden nicht untersucht.
  • 45.
  • 46. Der Protest zu einem bestimmten Zeitpunkt erhöht die Anreize für späteren Protest.  Die Anreize 1993 wirken sich auf politisches Engagement 1993 aus. Es ist wenig plausibel, dass hohe Unzufriedenheit 1989 Engagement 1993 beeinflusst. Die Unzufriedenheit 1993 ist von Bedeutung für Engagement 1993.
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  • 48. Die Anreize 1993 wirken sich auf politisches Engagement 1993 aus.  Es ist wenig plausibel, dass hohe Unzufriedenheit 1989 Engagement 1993 beeinflusst.  Die Unzufriedenheit 1993 ist von Bedeutung für Engagement 1993
  • 49. Von Protest 1989 geht ein indirekter Effekt auf Protest 1993 aus. Dieser Effekt geht über die Anreize von 1993.  Die Anreize von 1989 haben vermutlich eine positive Beziehung zu den Anreizen von 1993.