Erwachsenenbildungs-Magazin des Salzburger Bildungswerkes   02/2011




Einmal Ehrenamt –
Immer Ehrenamt



Perfekte Eltern?!



Pacha Mama feiert
Watunakuy




                                                            salzburger
                                                              bildungswerk
Das Team des Salzburger Bildungswerkes

Direktion                                 Barbara HoLZNER                            Gemeindeentwicklung
Günther SIGNITZER                         Institut für Seniorenbildung               Salzburg
Geschäftsführung                          Örtliche Bildungswerke                     Alexander GLAS
Tel: 0 662-87 26 91-14                    Tel: 0 662-872691-17                       Tel: 0 662-87 26 91-13
g.signitzer@sbw.salzburg.at               barbara.holzner@sbw.salzburg.at            alexander.glas@sbw.salzburg.at
Richard BRESCHAR                          Karin MARESCH                              Anita MoSER
Örtliche Bildungswerke                    Sekretariat                                Tel: 0 662-87 26 91-18
Tel: 0 662-87 26 91-19                    Tel: 0 662-87 26 91-12                     anita.moser@sbw.salzburg.at
richard.breschar@sbw.salzburg.at          karin.maresch@sbw.salzburg.at              Sarah REITHER
Sonja CHRIST                              Isolde MRWA                                Tel: 0 662-87 26 91-27
Sekretariat                               Organisation                               gemeindeentwicklung@sbw.salzburg.at
Tel: 0 662-87 26 91-11                    Tel: 0 6277-77 94
sonja.christ@sbw.salzburg.at              isolde.mrwa@sbw.salzburg.at                Forum Familie
Hans EDER                                 Manuela PLENINGER                          Barbara BRANDNER und
Institut für Internationale Solidarität   Öffentlichkeitsarbeit                      Andrea-Maria GRUBER
Tel: 0 662-87 26 91-20                    Tel: 0 662-87 26 91-16                     Pongau, Tel: 0664-8284180
hans.eder@sbw.salzburg.at                 manuela.pleninger@sbw.salzburg.at          forumfamilie-pongau@salzburg.gv.at
Wolfgang FoRTHoFER                        Brigitte SINGER                            Wolfgang MAyR
Institut für Europa                       Institut für Elternbildung                 Flachgau, Tel: 0664-8284238
Tel: 0 662-87 26 91-21                    Tel: 0 662-87 26 91-15                     forumfamilie-flachgau@salzburg.gv.at
w.forthofer@sbw.salzburg.at               brigitte.singer@sbw.salzburg.at            Corona RETTENBACHER
Ulrike FREIDL                                                                        Tennengau, Tel: 0664-8565527
Sekretariat                               Institut für Medienbildung                 forumfamilie-tennengau@salzburg.gv.at
Tel: 0 662-87 26 91-22                    Martin SEIBT                               Christine SCHLäFFER
ulrike.freidl@sbw.salzburg.at             Geschäftsführung                           Pinzgau, Tel: 0664-8284179
Michaela HABETSEDER                       Tel: 0 662-82 20 23-12                     forumfamilie-pinzgau@salzburg.gv.at
Öffentlichkeitsarbeit                     seibt@imb-salzburg.at                      Monika WEILHARTER
m.habetseder@sbw.salzburg.at              Monika HoHENLoHE                           Lungau, Tel: 0664-8284237
                                          Tel: 0 662-82 20 23                        forumfamilie-lungau@salzburg.gv.at
                                          office@imb-salzburg.at



                Qualitätssiegel
                Salzburger
                Bildungswerk

                Qualitätstestiert
                bis 02.07. 2012




  Veranstaltungstipps
                                                                   Bildungswochen
                                                                   Thalgau, 15. Mai bis 19. November 2011
                                                                   St. Margarethen, 25. September bis 2. Oktober 2011
 Herbstfahrt des Salzburger Bildungswerkes nach Linz               Piesendorf, 25. bis 30. September 2011
 23. bis 24. September 2011                                        Goldegg, 17. September bis 25. September 2011
                                                                   50 Jahre Bildungswochen: Festakt am 18. 9. um 10 Uhr.
 Grenzenlos Kochen in Parsch
                                                                   Strobl, 24. Oktober bis 6. November 2011
 17. November 2011, 18 Uhr, Pfarrsaal
                                                                   St. Martin bei Lofer, 6. bis 13. November 2011
Editorial                                                                                Impressum

                                                                                         Herausgeber und Verleger:
                                                                                         Salzburger Bildungswerk (Dr. Günther Signitzer)
                                                                                         Redaktion: Manuela Pleninger (MP)
                                                                                         Imbergstraße 2/2, 5020 Salzburg
                                                                                         Tel. 0662-87 26 91-0 Fax 0662-87 26 91-3
                                                                                         E-Mail: office@sbw.salzburg.at
                                                                                         www.salzburgerbildungswerk.at
                                                                                         ZVR 200 288 147

                                                                                         Grafik: Werbeagentur Gerhard Gürtler
Wie können wir den Erfolg im Bildungsbereich messen? Es wird mit PISA probiert,          Coverfoto: © Fotolia
nun soll PIAAC (auf Deutsch: Studie über die Kompetenzen Erwachsener und die An-         Fotos: Salzburger Bildungswerk
                                                                                         (falls nicht anders angegeben)
forderungen im Informationszeitalter) für die Erwachsenenbildung kommen. Viele           Druck: Schönleitner, Kuchl
Einrichtungen, so wie wir, veröffentlichen u.a. Veranstaltungs- und TeilnehmerIn-        Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier.
nenzahlen, wiederum andere versuchen es mit Standardvorgaben, und dann gibt es           Auflage: 2.200

noch Medienpräsenz, Qualitätsmanagementsysteme und Testierungen, Umfragen                MitarbeiterInnen Redaktion:
                                                                                         Dipl.-Ing. Richard Breschar (RiB)
zur Kundenzufriedenheit u.v.m. – alles nur einzelne Mosaiksteine, die differenziert zu
                                                                                         Dr. Hans Eder (HE)
betrachten und zu analysieren sind. Aber das geht in unserer Zeit von Schlagwörtern      Dr. Wolfgang Forthofer (FT)
und Schlagzahlen vielfach unter. Wir sind stolz, hervorragende Statistiken vorzeigen     Alexander Glas (AG)
                                                                                         Mag. Michaela Habetseder (MiHa)
zu können, die auch die erfolgreichen Aktivitäten in schwierigen Bildungsbereichen
                                                                                         Mag. Barbara Holzner (bh)
wie z.B. der politischen Bildung deutlich machen, Evaluierungen, die u.a. ein über-      Dr. Anita Moser (AM)
aus positives Zeugnis für unsere örtlichen, ehrenamtlichen BildungswerkleiterInnen       Isolde Mrwa (IM)
                                                                                         Martin Seibt (MS)
geben.
                                                                                         Dr. Günther Signitzer (GS)
Aber was ist das alles im Vergleich zur Freude einer örtlichen Bildungswerkleitung       DSA Mag. Brigitte Singer (BS)
über eine gelungene Veranstaltung, dem erfolgreichen Abschluss eines schwierigen         Blattlinie: Darstellung und Auseinandersetzung mit
Projektes, bei dem wichtige Themen der Gesellschaft bearbeitet wurden oder auch          aktuellen bildungs- und gesellschaftspolitischen
nur einfach die harmonische Stimmung an einem Abend mit Bildung und Kultur,              Themen, Mitteilungs- und Serviceblatt über Veran-
                                                                                         staltungen des Salzburger Bildungswerkes.
welcher Interesse weckt, sich weiter zu entwickeln? Das ist der wirkliche Erfolg un-     Das „dreieck“ richtet sich an MitarbeiterInnen in
serer Bildungs- und Kulturarbeit, der uns immer wieder stärkt und der uns immer          der Erwachsenenbildung, MultiplikatorInnen,
wieder antreibt!                                                                         PolitikerInnen sowie Medien.

                                                                                         Namentlich gekennzeichnete Beiträge drücken die
Bildungsangebote mit Mehr-Wert                                                           Meinungen der AutorInnen aus. Sie müssen sich
                                                                                         nicht immer mit der Auffassung von Redaktion und
Bei der Kuratoriumssitzung wurde der Tätigkeitsbericht 2010 einhellig positiv be-        Herausgeber decken.
wertet. Mit beinahe 1.300 Veranstaltungen und über 83.000 TeilnehmerInnen kann
                                                                                         Offenlegung nach dem Pressegesetz: Aktuelle
das Salzburger Bildungswerk eine hervorragende Leistungsbilanz im Veranstal-             Berichte, Informationen und Stellungnahmen,
tungsbereich vorlegen. Hervorzuheben sind die anwachsenden Bereiche Gesund-              die im Zusammenhang mit der Tätigkeit des über-
                                                                                         parteilichen und konfessionell nicht gebundenen
heit, Weiterbildung und Regionalentwicklung sowie Politische Bildung. LHF Gabi
                                                                                         Salzburger Bildungswerkes stehen.
Burgstaller, Präsidentin des Bildungswerkes, bedankte sich bei allen, die zu diesem
                                                                                         Wir danken für die Zusammenarbeit und
Erfolg beigetragen haben und zeigte sich beeindruckt von dem hohen Engagement            Unterstützung dem bm:ukk.
der BildungswerkleiterInnen. Sie sieht diese Bildungsarbeit als die Beste für einen
                                                                                         dreieck-Leserservice:
demokratischen Prozess und für unsere BürgerInnen.                                       Fragen an die Redaktion: Tel. 0662-872691-0 oder
Im Mittelpunkt unserer Bemühungen stehen die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen.            E-Mail: office@sbw.salzburg.at
Neben einem breiten Service für die örtlichen Bildungswerke haben wir heuer im           Erscheinungsweise: 2-3mal jährlich
                                                                                         Abonnement- und Einzelbestellung:
Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit zusammen mit der ARGE Salzburger Er-         Einzelheft € 4,- (exkl. Versand)
wachsenenbildung und der Unterstützung durch das Land Salzburg elf Weiterbil-            Jahresabonnement € 11,-
dungsangebote unter dem Titel „Anpacken“ zusammengestellt. Nähere Informati-             Einzahlungen: RVS Salzburg Kto-Nr. 00047993,
                                                                                         BLZ 35 000
onen erhalten Sie unter www.weiterbildung.salzburg.at                                    Wenn bis 31. Dezember keine Abbestellung erfolgt,
Ich wünsche unterhaltsame Stunden mit dem neuen „dreieck“, eine interessante             verlängert sich das Abo jeweils um ein weiteres Jahr.
Lektüre zum Sommerausklang mit vielen Berichten über unsere Veranstaltungen              Vorstand des Salzburger Bildungswerkes
und Projekte. Lassen Sie sich motivieren, dabei zu sein, wenn es um die aktive Ge-       Rektor Dr. Josef Sampl, HR Dr. Alfred Berghammer,
                                                                                         HR Dipl. Ing. Günter Daghofer, Dr. Andrea Gitsch-
staltung unseres Lebensraumes und der Gemeinschaft geht. Wir machen Bildung
                                                                                         thaler, BSI Josef Irnberger, HR Dr. Andreas Kiefer,
lebendig!                                                                                Senatsrat Dr. Heinz Klier, Dr. Lucia Luidold,
                                                                                         Dr. Ursula Maier-Rabler, HR Dr. Eduard Paulus,
                                                                                         HR Prof. Dr. Wilhelm Pölzl, Prim. Dr. Josef Rücker,
Dr. Günther Signitzer
                                                                                         OStR Prof. Felix Strohbichler, Prof. Dr. Martin
Direktor
                                                                                         Wiedemair

                                                                                         Präsidentin des Salzburger Bildungswerkes
                                                                                         LH Mag. Gabi Burgstaller
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                                                                                                                             Inhalt
                                                                                             Neues Leben in
                                                                                             alten Mauern
                                                                                             Werte „alter“ und
                                  Foto: Fotolia




                                                                                             „neuer“ Bauten und
                                                                                             Anbauten



07                                                14
                                                                                             Mehr dazu auf
                                                                                             Seite 14.
        Erwachsenenbildung                             Gemeindeentwicklung




       Blickpunkte                                                      Gemeindeentwicklung
       06 Einmal Ehrenamt – Immer Ehrenamt                              14   Neues Leben in alten Mauern
                                                                        15   J.A! Jung trifft Alt
                                                                        16   Parsch: Generationen verbinden
       Erwachsenenbildung                                               17   Mattsee nimmt Holz unter die Lupe
       07 Ist doch EHRENsache!                                          18   Aktivitäten im Generationendorf Hallein-Rif
       09 Zeitspuren: Entdecken Sie Rom und Berlin

                                                                        Europa und Politische Bildung
       Eltern-, Frauen- und Seniorenbildung                             19   Europatag im Europark
       10 Perfekte Eltern?!                                             19   Medien und Politik – Politik und Medien
       13 Schalala und Tellala                                          20   Den Südosten unseres Kontinents „entdecken“!
       13 Elternschule der SALK unter neuer Leitung                     21   Herbst und Winter sind nicht mehr fern ...
                                                                        22   Dokumentation Obersalzberg und Besuch im „östlichen
                                                                             Drittel“ Tschechiens



                                                                        Internationale Solidarität
                                                                        23   Pacha Mama feiert Watunakuy
                                                                        24   Biolandbau – Ein Plädoyer für Regionalität
                                                                        25   Lokal handeln, global bewegen
                                                                        26   „Mal de mina“: Was sich in der höchstgelegenen Stadt der
                                                                             Welt abspielt.




                                                          Ideen wachsen lassen
                                                          Salzburger Netzwerk „Bildung für Nachhaltige Entwicklung
                                                          und globales Lernen“
                                                          Mehr dazu auf Seite 27.

 01/2011 dreieck
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23   Internationale Solidarität          27        Aus der Direktion                 30         Aus Gemeinde und Bezirk




       Aus der Direktion                                               IMB – Institut für Medienbildung
       27   Ideen wachsen lassen                                       39 Medien-Hochburg Mauterndorf
       28   Bildungsangebote mit MEHR-WERT
       29   Starke Salzburger Vertretung
       29   Wir sagen Danke!                                           Arbeitskreise
                                                                       39 MundART – Eine Kunst wird ausgezeichnet
                                                                       40 Arbeitskreis „Geschichte und Kultur“
       Aus Gemeinde und Bezirk
       30   Zeit zum Wachsen
       32   frauen.einklang in Mattsee                                 Personalia
       32   Lachen geht durch den Magen ...                            41   Das Salzburger Bildungswerk gratuliert
       33   Über den Tellerrand schauen                                41   Bildung ein Leben lang
       33   Der Tennengau macht’s vor ...                              41   Ende und Anfang
       34   Apropos Gesundheit ...                                     41   Das Salzburger Bildungswerk begrüßt
       34   Hintersee hinterlässt Spuren                               42   Haus- und Hofchroniken St. Koloman
       35   Erotik und „Dancing Stars“                                 42   Für ein aktives Miteinander
       35   Kunstausstellung ist „Bellissimo“                          42   Bildung, die bewegt und die Umwelt schont
       36   Gemeinschaft leben                                         42   Zum Gedenken: Cilli Pichler
       37   Regionale Stärken stärken
       38   Generationenplausch „Mei erste Liab“
       38   Demokratischer Wüstenwind                                  Veranstaltungs- und Buchtipps
                                                                       02 Veranstaltungstipps
                                                                       43 Buchtipps




                                                                                                                  dreieck   02/2011
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Einmal Ehrenamt – Immer Ehrenamt
Sieglinde Rettenbacher und Manuela Pleninger im Gespräch



S
     ieglinde Rettenbacher hat sich nach ihrer Zeit als Bildungs-                                        Sie kommen also mit StraftäterInnen in direkten Kontakt, wie
     werkleiterin von Bad Vigaun weiterhin für ein Ehrenamt ent-                                         sieht dieser aus? Und kann man sich darauf vorbereiten?
     schieden. Sie engagiert sich seit fast neun Jahren im Bereich                                       Der persönliche Kontakt mit den Tätern ist in meiner Arbeit vorran-
der Jugend- und Freizeitgestaltung in der Justizanstalt Salzburg.                                        gig. Dabei ist eine ständige Bewachung durch einen Justizwache-
Wir haben uns mit unserer ehemaligen Bildungswerkleiterin getrof-                                        beamten gegeben. Außerdem habe ich zu Beginn meiner Tätigkeit
fen und Sie zu Ihren neuen Aufgaben interviewt.                                                          einen Selbstverteidigungskurs absolviert.
                                                                                                         Aber es gab für mich noch nie eine Situation, in der ich Angst ge-
Frau Rettenbacher, Sie engagieren sich im Häftlingsfürsorge-                                             habt hätte. Das Gegenteil ist der Fall: Alle Insassen verhalten sich
verein Salzburg. Was genau macht der Verein?                                                             mir gegenüber ausgesprochen höflich. Der Umgangston ist normal,
Zweck des Vereines ist es, Insassen der Justizanstalt Salzburg wäh-                                      ich lege allerdings sehr viel Wert auf gute Umgangsformen, wie
rend ihrer Haft und/oder anlässlich ihrer Entlassung durch Geld und                                      grüßen, bitte, danke usw.
Kleidung oder sonstige Gebrauchsgegenstände zu unterstützen.                                             Auf der Basis von gegenseitigem Respekt, Höflichkeit, aber auch
Während der Haft sollen die Insassen zu einer sinnvollen Freizeit-                                       viel Spaß und Entspannung habe ich einen guten Weg gefunden,
gestaltung motiviert werden. Insbesondere im Jugend- und Frau-                                           mit den Jugendlichen umzugehen. Unterstützt werde ich dabei
envollzug werden regelmäßig Workshops, Veranstaltungen und                                               vom Leiter der Jugendabteilung. Er ist für die „Jungs“ ein väterlicher
Aktivitäten eingesetzt, die ihnen eine sinnvolle Nutzung ihrer ar-                                       Freund, den sie voll respektieren. Auch wäre ohne die Hilfe des An-
beitsfreien Zeit vor Augen führen soll.                                                                               staltsleiters Oberst Dietmar Knebel bzw. der Werkstät-
                                                                                                                      ten in der Justizanstalt diese Tätigkeit nicht möglich.
Welche Motivation steckt hinter Ihrer Arbeit?
                                                               Mein Motto
Durch einen Zufall kam ich vor ungefähr zehn Jahren in der  dabei lautet: Wie sehen die Jugendlichen diese gelungene Ab-
Toskana mit einer kirchlichen Einrichtung zur Betreuung          Hart,          wechslung, und was passiert mit den in den Work-
straffällig gewordener Jugendlicher in Kontakt. Ein Pater  aber herzlich! shops und Aktionen hergestellten Produkten?
erklärte mir die Arbeitsweise und zeigte mir die Produkte,                      Die Arbeit mit den Jugendlichen hat sich inzwischen
die von den Jugendlichen gefertigt und auch verkauft werden. Ich   zu einem festen Bestandteil in der Justizanstalt Salzburg etabliert.
war davon sehr fasziniert und nachhaltig beeindruckt.              Für meine „Jungs“ ist es eine Bestätigung, dass ihre Arbeit geschätzt
Kurz darauf bekam ich von der damaligen Leiterin der Salzburger    wird – für viele das erste Mal in ihrem Leben. Mit viel Geduld, Ein-
Justizanstalt, Oberst Karin Göll, das Angebot, mit jugendlichen    fühlungsvermögen, aber auch Strenge und Konsequenz erfahren
Straftätern kreativ zu arbeiten. Ich nahm das Angebot an, wusste   sie, welche Fähigkeiten in ihnen stecken. Die Produkte dieser Arbeit
allerdings nicht, was mich erwartete.                              werden auf Adventmärkten und privat verkauft. Die Einnahmen da-
                                                                   raus kommen den Jugendlichen und dem Häftlingsfürsorgeverein
                                                                   zugute.
                                                                   In unregelmäßigen Abständen finden auch „Kochnachmittage“
                                                                   statt, in denen die Jugendlichen neben Kochen auch Tischkultur,
                                                                   Benehmen bei Tisch und Vor- und Nacharbeiten lernen und an-
                                                                   wenden. Zwischenzeitlich hat sich mein Engagement auch ausge-
                                                                   weitet. So findet heuer zum dritten Mal ein Sommerworkshop mit
                                                                   erwachsenen Insassen statt. Weiters stehen Kekse backen in der
                                                                   Adventszeit sowie ein Osterworkshop mit der Frauenabteilung auf
                                                                Foto: Häftlingsfürsorgeverein Salzburg




                                                                   dem Programm.

                                                                                                         Vielen Dank für das interessante Gespräch Frau Rettenbacher, wir
                                                                                                         wünschen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit!
                                                                                                         Danke. ich habe endlich das Betätigungsfeld gefunden, das mich
                                                                                                         persönlich ausfüllt und mir vor allem großen Spaß macht! (MP)




01/2011 dreieck
Er wa ch s en e nb ild u ng   | 7
Foto: fotolia




                Ist doch EHRENsache!
Ehrenamt und Bürgerschaftliches Engagement




E
       hrenamt, Freiwilligenarbeit und bür-    ge Zeit auf die Stimmabgabe bei Wahlen.        zentrale Motiv für Ehrenamt, so wollen die
       gerschaftliches Engagement liegen       Erst im 18. und 19. Jahrhundert begann         heute freiwillig Tätigen am öffentlichen
       im Trend. Für das Salzburger Bil-       sich das Vereinswesen als völlig neue sozi-    Leben teilhaben, soziale Sachverhalte reali-
dungswerk stellen diese Begriffe jedoch        ale Organisationsform zu etablieren, wobei     sieren, Verantwortung übernehmen, etwas
kein Neuland dar. Seine Struktur beruht        die Mitgliedschaft in Vereinen dem Bürger-     bewegen und sich nützlich machen. Hinzu
seit Jahrzehnten auf ehrenamtlicher Tätig-     tum vorbehalten war. Auch der Begriff des      kommen Motive wie Anerkennung, Selbst-
keit, sein Anliegen ist seit seiner Gründung   „Ehrenamtes“ stammt aus dieser Zeit. Im        bestimmung und -verwirklichung sowie
die gemeinwesenorientierte Arbeit. Wie es      frühen 19. Jahrhundert verteilte der Staat     das Erleben von Gemeinschaft. Freiwillig tä-
dazu kam und was heute darunter verstan-       Ämter an aufstrebende männliche Bürger,        tige Personen verpflichten sich nicht mehr
den wird, ist Inhalt der folgenden Ausfüh-     um diese symbolisch an der Macht zu betei-     lebenslänglich einer Organisation, sondern
rungen.                                        ligen (Enquete-Kommission, 2002). Frauen       engagieren sich spontan, flexibel, projekt-
                                               engagierten sich damals ausschließlich im      förmig und in flachen Hierarchien (Stricker,
Wie alles begann:                              kirchlich-sozialen Kontext der Wohlfahrt. Im   2007).
Geschichtlicher Abriss                         20. Jahrhundert wurden die Bürgerrechte
Der individuelle Beitrag zum Allgemein-        auf alle gesellschaftlichen Gruppen, auch      Im Mittelpunkt stehen die
wohl war in der gesamten abendländischen       Frauen, ausgedehnt. Der Nationalsozialis-      BürgerInnen - Begriffsklärung
Tradition unverzichtbarer Teil eines sinner-   mus bedeutete dann das sukzessive Ende         Freiwilliges Engagement wird oftmals
füllten Lebens. So gab es schon in der An-     der Selbstverwaltung, die erst nach dem        mit sehr unterschiedlichen Begriffen wie
tike die Idee der aktiven Bürgerschaft, auch   Krieg langsam wieder zum Leben erwachte.       Freiwilligenarbeit, Ehrenamt, freiwilliges
im römischen Reich galt die Übernahme          Seitdem hat sich gemeinwesenorientiertes       Engagement oder bürgerschaftliches En-
politischer Aufgaben als besonders tugend-     Engagement sowohl aus der Sicht des Indi-      gagement betitelt. Allgemein gültige De-
haft. Politik und Wissenschaft reduzierten     viduums als auch aus struktureller Hinsicht    finitionen wurden bislang nicht gefunden
die Mitbestimmung des Volkes jedoch lan-       gewandelt. War früher Wohltätigkeit das        (Anheiner, 2009). Im Mittelpunkt stehen



                                                                                                                              dreieck   02/2011
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jedoch immer Bürgerinnen und Bürger,             knapp 14,7 Millionen Arbeitsstunden. Dies                werden wie für berufliche Tätigkeiten.
die sich im Sinne des Allgemeinwohles            entspricht einer Arbeitsleistung von 373.860             Personen, die sich nicht freiwillig engagie-
engagieren. Ehrenamt bezeichnet im ur-           Erwerbstätigen mit einer Arbeitszeit von je              ren, tun dies deshalb nicht, weil sie durch
sprünglichen Sinn die Übernahme eines            39,3 Stunden.                                            familiäre Aufgaben ausgefüllt sind (68,6 %),
öffentlichen Amtes beziehungsweise die           Hinsichtlich der Altersstruktur zeigt sich,              nie um Mitarbeit gebeten wurden (58,4 %),
Mitwirkung in Wohlfahrtsorganisationen.          dass die meisten Freiwilligen zwischen 40                nie über freiwilliges Engagement nachge-
Diese Aktivitäten waren freiwillig und nicht     und 49 Jahren alt sind (22 %), dicht gefolgt             dacht haben (45,5 %) und freiwilliges Enga-
auf monetäre Verdienste ausgerichtet.            von Personen im Alter zwischen 30 und 39                 gement zeitlich nicht mit dem Berufsleben
Heute ist Ehrenamt eine Form des bürger-         Jahren (19,1 %) (Statistik Austria, 2008, S.             vereinbaren können (45,1 %) (BMASK, 2009,
schaftlichen Engagements und stellt nur          18).                                                     S. 54).
einen Teilaspekt dessen dar. Es bezeich-         Die ehrenamtliche Beteiligung in Österreich
net die Arbeit Freiwilliger in strukturierten    hat einen starken regionalen Bezug, wobei                Diskussion und Ausblick
Organisationsformen, die mit einer Mit-          das freiwillige Engagement mit zuneh-                    Bürgerschaftliches Engagement schafft In-
gliedschaft verbunden ist. Ehrenamtliche         mender Bevölkerungsdichte sinkt (ebd., S.                novationen, es überwindet alte Denk- und
Tätigkeit kann daher als eine stärker forma-     16).                                                     Verhaltensmuster, ermöglicht eine eigen-
lisierte, in Regeln eingebundene und dau-        Ehrenamt hängt neben Alter und regio-                    verantwortliche Gestaltung der Lebensbe-
erhafte Form des Engagements bezeichnet          nalen Faktoren stark von Herkunft und                    dingungen, stärkt die Demokratie, fördert
werden (Enquete-Kommission, 2002). Bür-          Bildungsstand ab. Für Österreich bedeutet                Partizipation und Integration. Es darf daher
gerschaftliches Engagement versteht sich         das, dass sich 33 Prozent der Personen mit               nicht exkludieren, sondern muss versuchen,
als eine nicht erwerbsmäßig ausgeübte            Pflichtschulabschluss, aber 54 Prozent der               möglichst viele Menschen aller soziokultu-
Tätigkeit außerhalb des eigenen Haushalts        Personen mit universitären Abschlüssen                   rellen Hintergründe zu erreichen. Denn:
und familiären Umfeldes. Es bezeichnet           freiwillig engagieren (ebd., S. 15).                     Bürgerschaftliches Engagement ist die
Engagement für Andere und/oder das ge-           Einen weiteren Einflussfaktor auf freiwilliges           Grundlage für sozialen Zusammenhalt, es
meinsame Lebensumfeld, das freiwillig,           Engagement stellt die soziale Integration                kann als Demokratisierungsstrategie gese-
eigeninitiativ, ohne persönlichen materi-        dar. Menschen übernehmen dann ehren-                     hen und genutzt werden.
ellen Gewinn, unabhängig von staatlichen         amtliche Aufgaben, wenn sie sich beteili-                Ehrenamtlich Tätige schaffen Sozialkapital,
Strukturen, regelmäßig, in Anbindung an          gen können, aber auch beteiligt werden,                  sie erhöhen das Verständnis zwischen den
eine Organisation stattfindet und mit der        sich zugehörig fühlen und ein Klima des                  verschiedensten Mitgliedern einer Gesell-
Übernahme von Aufgaben verbunden ist.            Vertrauens herrscht. Hier schließt sich der              schaft, sie erhalten die Verlässlichkeit ge-
Diese Tätigkeit kann zeitlich begrenzt und       Kreis zu arbeitslosen Personen, Personen                 meinsamer Regeln, Normen und Werte (Bun-
projektbezogen sein.                             mit Migrationshintergrund oder geringer                  desverband Deutscher Stiftungen, 2009).
Bürgerschaftliches Engagement meint, dass        gebildeten Menschen. Sie sind beim frei-                 Diskutiert werden muss daher auch weiter-
sich Bürgerinnen und Bürger nach demo-           willigen Engagement unterrepräsentiert,                  hin, wie Ehrenamt gestärkt und aufgewertet
kratischen Regeln organisieren und auf das       was einerseits auf den fehlenden Anschluss               werden kann und welche Möglichkeiten der
Gemeinwesen Einfluss nehmen. Der Begriff         durch Erwerbsarbeit oder auf die kulturelle              nicht-monetären Vergütung denkbar sind.
„Bürgerschaftliches Engagement“ ist mit          Identität zurückgeführt werden kann, an-                 Freiwillig Tätigen gebührt von Seiten aller
„freiwilligem Engagement“ gleichzusetzen.        dererseits auch auf die mangelnde „Rekru-                beteiligten Institutionen, der Politik und
                                                 tierung“ durch die Organisationen. Es ist zu             der Gesellschaft große Anerkennung, sie
Aktuelle Bezüge zu Österreich                    beobachten, dass für freiwilliges Engage-                benötigen aber auch Unterstützung und
Eine österreichische Studie zeigt, dass sich     ment ähnliche Voraussetzungen gefordert                  zukunftsweisende Visionen.               (bh)
im Jahr 2006 43,8 Prozent aller Personen ab
15 Jahren ehrenamtlich engagierten, das            Literatur: Anheiner, H. K. (2009). Zivilgesellschaft und freiwilliges Engagement in Europa. In Landes-
sind drei Millionen Österreicherinnen und          zentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Hrsg.), Grenzen-Los! Freiwilliges Engagement in
                                                   Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dokumentation der internationalen Vernetzungskonferenz (S.
Österreicher. 47,1 Prozent der Engagierten         108-111). Stuttgart: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg.
sind männlich und 40,7 Prozent weiblich.           BMASK - Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (2009). Freiwilliges Engage-
Frauen engagieren sich fast ausschließlich         ment in Österreich. 1. Freiwilligenbericht. Wien: BMASK.
                                                   Bundesverband Deutscher Stiftungen (2009). Dokumentation des 1. Zukunftssymposiums Bürgeren-
im sozialen, kirchlichen und kulturellen           gagement und gesellschaftlicher Wandel. Berlin: Bundesverband Deutscher Stiftungen.
Bereich, Männer in den Bereichen „Sport“,          Enquete-Kommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ des Deutschen Bundestages
„Hilfsdienste“, „Politik“ und „Kultur“ (BMASK,     (2002). Bürgerschaftliches Engagement: auf dem Weg in eine zukunftsfähige Bürgergesellschaft.
                                                   Schriftenreihe, Bd. 4. Opladen: Leske + Budrich.
2009, S. 10). Männer besetzen ehrenamt-            Statistik Austria (2008). Struktur und Volumen der Freiwilligenarbeit in Österreich. Aktualisierte Ausgabe.
liche Führungspositionen, Frauen die un-           Wien: Statistik Austria.
teren Ränge. Die Arbeitsleistung freiwillig        Stricker, M. (2007). Ehrenamt als soziales Kapital. Partizipation und Professionalität in der Bürgergesell-
                                                   schaft. Karlsruher Forschungsstudien Deutschland und Europa. Berlin: Dr. Köster.
Tätiger in Österreich beträgt wöchentlich



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                                                                                                                                                     Foto: Diliff
Zeitspuren: Entdecken Sie Rom und Berlin
                                                                                                                             VON ANDREAS DEUSCH



Rom, 2. bis 10. November 2011                                        Berlin, 1. bis 4. März 2012
Wir werden in einem äußerst zentral und verkehrsgünstig gele-
genen Hotel zwischen Piazza Venezia und dem Campo dei Fiori
wohnen. Das Besichtigungsprogramm, das großteils zu Fuß vom
Hotel aus erfolgt, ist auf sieben Tage verteilt. Der Einsatz eines
                                                                     Foto: Uwe Wattenberg/Pixelio.de




Funkmikrofons trägt zum Verstehen und zum Komfort der Reise
bei.

                            Rom liegt in der Region Latium am
                            Ufer des Flusses Tiber und zählt
                            im Stadtgebiet zirka 2,8 Millionen
                            Einwohner. Die von Romulus und
                            Remus um 753 v. Chr. gegründete          Die Metropole verändert ihr Gesicht in einem geradezu atem-
                            und nicht zuletzt wegen ihrer Rolle      beraubenden Tempo. In den vergangenen Jahren wurden nach
                            in der Antike als Hauptstadt des rö-     langen Restaurierungsarbeiten eine Reihe neuer Museen eröff-
                            mischen Reiches als „Ewige Stadt“        net: auf der Museumsinsel sind es Schinkels Altes-Museum, die
                            bezeichnete Metropole ist seit           Alte Nationalgalerie, das Bodemuseum, zuletzt im Herbst 2009
                            1871 die Hauptstadt des im Risorgi-      das Neue Museum (mit der ägyptischen Sammlung), dazu das
                            mento vereinigten Italiens und Sitz      Historische Museum im Zeughaus und der imponierende Bau des
                            des Malteser-Ritterordens. Innerhalb     Jüdischen Museums von Liebknecht. Neben den Museumsbe-
                            der Stadt bildet der unabhängige         suchen ist eine Stadtrundfahrt zu den Highlights der modernen
Vatikanstaat eine Enklave. Rom ist außerordentlich reich an be-      Architektur in Berlin vorgesehen. Neben den Bauten der internati-
deutenden Baudenkmälern und Museen. Die Altstadt von Rom,            onalen Avantgarde-Architektur wird uns auch die städtebauliche
der Petersdom und die Vatikanstadt wurden von der UNESCO             Problematik der lange zweigeteilten Stadt vorgeführt.
im Jahre 1980 zum Weltkulturerbe erklärt. Wie in keiner anderen      Mag. Andreas Deusch ist Projektleiter von Zeitspuren.
Stadt sind hier neue sowie antike Bauwerke miteinander vereint
und bilden eine einmalige Symbiose wie sie nirgendwo auf der         Infos zu den beiden Reisen: Andreas Deusch, Tel: 0699-10905138,
Welt zu finden ist.                                                  zeitspuren@sbg.at oder unter www.zeitspuren.at




                                                                                                                                     dreieck   02/2011
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                                                                                                                                                     Foto: Fotolia
Die heutige Eltern-Kind-Beziehung




S
       eit Jahren gibt es im Salzburger Bil-            nen, dann ist eine Eltern-Kind-Beziehung         Müssen Eltern perfekt sein?
       dungswerk im Institut für Elternbil-             gelungen.                                        Natürlich nicht. Perfektionismus ist eine
       dung das Elterntraining „Selbstma-                                                                Erwartungshaltung, die unweigerlich zur
nagement in der Erziehung“ mit Dr. Manfred              Welche Erfahrung haben Sie in den letzten        Frustration führen muss. Aber es schadet
Wünsche. Das Elterntraining basiert auf                 Jahren bei den Elterntrainings gemacht?          nicht, gut zu sein, zu wissen, wann man
einem Konzept, das Eltern in Seminarform                Bei den Eltern, die zu mir kommen, ist bereits   Fehler macht und zu wissen, wie man diese
bei ihrer Erziehungskompetenz unterstützt.              etwas Entscheidendes vorhanden: Sie inte-        revidiert. Anzuerkennen, dass man auch nur
Es ist ein guter Zeitpunkt für eine Innensicht          ressieren sich für ihre Beziehung zum Kind.      ein Mensch ist (das Kind im Übrigen auch!)
und um Erfahrungen mit diesem Angebot                   Sie wollen wissen, wie sie ihrem Kind zu ei-     und Fehler begeht, das ist viel realistischer.
zu diskutieren. Was sind heute Themen in                ner positiven Entwicklung verhelfen können.      Es hilft auch, wenn Eltern herausfinden,
der Erziehung und welche Erfahrungen                    Damit ist von den Eltern ein erster Schritt      über welche Ressourcen und Stärken sie
macht der Psychotherapeut bei dieser Ar-                gemacht. Ich helfe dann, wenn notwendig,         verfügen und wie sie diese nutzen können.
beit? Brigitte Singer stellte Manfred Wün-              Schritte zu Veränderungen einzuleiten.
sche diese und andere spannende Fragen.                 Die meisten Eltern wollen das Beste für ihr      Was sind die „hot spots“ in Ihrer Arbeit
                                                        Kind und benötigen oftmals nur wenige            mit Eltern – mit welchen Problemen sind
Herr Dr. Wünsche, was sind Grundpfeiler                 Impulse, oft auch nur Bekräftigungen ihres       die meisten Eltern konfrontiert?
gelungener Eltern-Kind-Beziehung?                       Handelns, damit sie sich als Eltern wieder       Es geht in meinen Trainings weniger um
Wenn es mir als Eltern gelungen ist, dem                besser fühlen. Viel unnötiges Leid, verur-       rein theoretische Diskussionen, ob Kinder
Kind zu vermitteln, dass es OK ist, so wie es           sacht durch Missverständnisse, wird und          Grenzen brauchen (à la Jan Uwe Rogge)
ist und wenn Eltern sich als wirksame, zu-              wurde durch die Trainings verringert bzw.        oder ob Lob dem Kind nun schadet oder
friedene und gute Eltern empfinden kön-                 verhindert.                                      nicht (à la Jesper Juul). Wir diskutieren na-



02/2011 dreieck
El ter n -, Fra uen - un d S en i oren b ild u ng    | 11


türlich auch. Manchmal benötigen Kinder         solch plakative Formulierungen geführt,
Grenzen, manchmal geht es darum, die            die leider letztlich den Eltern mehr schaden
Grenzen nicht zu ziehen. Mir geht es darum,     und sie verunsichern als nützen. Was nun
dass Eltern situativ entscheiden können         wieder? Sollen Eltern jetzt wieder nicht lo-      Manfred Wünsche
und sich bewusst sind, welchen Einfluss ihr     ben? Ich gehe davon aus, dass Juul das an-        ist Klinischer
Handeln oder Nicht-Handeln auf das Kind         ders meint als es durch diese Formulierung        Psychologe, Gesund-
hat. Sie erhalten Unterstützung, im Training    transportiert wird. Ich kann ja gar nicht         heitspsychologe und
Gelerntes in der jeweiligen Familie umzu-       nicht belohnen oder nicht bestrafen. Wenn         Psychotherapeut
setzen. Wenn Sie so wollen, werden Eltern       ein Kind mir etwas erzählt und ich höre ihm
durch meine Trainings „mündigere“ Eltern.       zu, belohne ich es. Höre ich nicht zu, bestra-
                                                fe ich es. Das hat ja nichts mit Autorität ja
Woher kommt die Überforderung der               oder nein zu tun. Das ist ein allgemeines        oder Konsequenzen tendieren dazu, das
Eltern?                                         Lernprinzip. Spreche ich aber von Beloh-         Kind zu verletzen und erreichen meist das
Rein materiell und was unsere Lebens-           nung und Bestrafung im Sinne von „ja, su-        Gegenteil beim Kind. Wir sollten zudem si-
bedingungen betrifft, geht es uns wahr-         per toll hast du das gemacht“ (Belohnung)        cher sein, dass unser Kind auch weiß, was
scheinlich so gut wie noch nie. Trotzdem        oder ich schimpfe aus allen Rohren (Bestra-      wir von ihm wollen. Oft können uns die Kin-
oder vielleicht gerade deshalb wird uns         fung), dann meinetwegen ja. Das wird aber        der mit unseren Ansprüchen und Formulie-
suggeriert, dass wir ständig Leistung er-       schließlich auch nur dann zum Problem für        rungen gar nicht verstehen (wir reden dann
bringen müssen, um auch bestehen zu             das Kind, wenn dies regelhaft, nicht echt        zuviel). Am Häufigsten reden die Eltern nur
können. Gerade das verunsichert Eltern. Sie     oder unangemessen passiert. Eltern müs-          über Konsequenzen, handeln aber nicht da-
wollen oft, dass es ihre Kinder besser haben    sen selbst interpretieren und verlieren da-      nach oder aber viel zu spät. Für die Kinder
als sie das selbst als Kind erlebt haben und    durch leicht ihre Orientierung.                  zählen die Handlungen der Eltern sowie die
wissen nicht, wie und wann sie ihr Kind nun                                                      Unmittelbarkeit der Konsequenzen – das
fördern oder auch einmal frustrieren sollen.    Ist es wichtig, dass Vater und Mutter in         erleichtert das Verständnis der Kinder und
Die Flut an gut gemeinten, aber sich oft wi-    der Erziehung immer die selbe Meinung            gibt am meisten Orientierung. Außerdem
dersprechenden Erziehungsratgebern trägt        haben?                                           wird bei vielen in der Regel viel zu spät
ein Übriges dazu bei.                           Vater und Mutter gehen in der Regel unter-       und dann viel zu hart gestraft. Noch dazu
                                                schiedlich an die Sache heran, und das ist       mit Konsequenzen (Handy weg, TV-Verbot,
Müssen Eltern konsequent und Vorbild            gut so. Väter tun sich oft leichter, Entschei-   PC-Sperre etc.), die mit dem Fehlverhalten
sein?                                           dungen zu treffen und gehen recht direktiv       des Kindes nichts zu tun haben. Damit errei-
Eine zentrale Entwicklungsaufgabe für           mit dem Kind um. Mütter sind meist emoti-        che ich allerdings sehr wenig Einsicht und
Kinder ist es, Orientierung in ihrer Welt zu    onaler, fühlen sich gut in das Kind ein und      erzeuge vielmehr die Tendenz, dass sich
finden. Demnach ist es von Bedeutung,           tragen besonders zur sozialen Entwicklung        Kinder gegen diese Konsequenzen immu-
dass Eltern verlässliche Partner und Ver-       des Kindes bei. Idealerweise ergänzen sich       nisieren und die Eltern damit strafen – im
mittler dieser Orientierung sind. Dazu ist      Mutter und Vater und nutzen damit die-           Sinne von „Jetzt weiß ich nicht mehr, was
es notwendig, diese Welt konsequent und         se Ressourcen. Hebeln sich die Elternteile       ich dem Kind noch wegnehmen soll, es hilft
verlässlich zu vermitteln. Inkonsequenz ver-    häufig vor dem Kind gegenseitig aus, kriti-      alles nichts mehr“.
mittelt meist eine Desorientierung, die das     sieren und gering achten sie sich, ist das be-
Kind verunsichert. Kinder lernen am Besten,     sonders störend für das Kind, verunsichert       Spätestens dann hat sich eine Beziehungs-
wenn sie verlässlich erfahren, welche Kon-      und erzeugt Desorientierung. Verschiedene        kultur etabliert, die nur noch als Teufels-
sequenz ihr Verhalten hat. Das tun sie leider   Meinungen zu haben ist also noch kein Pro-       kreise funktionieren. Und, damit stimme ich
auch, wenn Eltern inkonsequent sind (ist        blem, entscheidend ist vielmehr, wie das         mit Juul überein, bei allem Interesse, Kinder-
eben auch eine Orientierung!), aber damit       gegenüber dem Kind vermittelt oder aus-          erziehung richtig zu machen, versuchen wir
entstehen meist die Probleme, unter denen       getragen wird.                                   oft zuviel Einfluss auf das Kind zu nehmen
sowohl Eltern als auch Kinder leiden. Das-                                                       und stören seine Entwicklung damit nur.
selbe gilt für die Notwendigkeit, ein gutes     Was sind die klassischen Erziehungsfallen        Wir sollten dem Potential unserer Kinder
Vorbild zu sein. Kinder lernen durch Beo-       in die wir tappen?                               auch vertrauen und sie unterstützen, ihren
bachtung und Nachahmung.                        Kinder lernen und entwickeln sich. Dazu          Weg autonomer zu finden und uns weniger
                                                müssen sie auch Fehler machen dürfen. Es         einmischen.
Jesper Juul meint, dass Belohnen und            ist deshalb wichtig, dass wir Eltern nicht
Bestrafen die natürliche Autorität der          persönlich gekränkt sind, wenn Fehler oder       Immer weniger Kinder (in Städten wie
Eltern zerstört – wie sehen Sie das?            Konflikte entstehen. Aus der Kränkung oder       München gibt es aktuell noch in 11 % der
Die Erziehungsdebatten werden meist über        Emotionalität getroffene Entscheidungen          Haushalte Kinder!) und dennoch immer



                                                                                                                                       dreieck       02/2011
12 |   E lte rn -, Fra u e n - u n d Senio renbildung




größere Probleme für Eltern – was sind die              ist es auch schade und traurig, dass Kinder     habe ich noch nie erlebt. Jede Erziehung
Gründe?                                                 quasi als Behinderungen in den Lebenspla-       ist eine große Verantwortung und auch
Ich vermute, dass es an den Lebensvollzü-               nungen erlebt werden und dass sich immer        Herausforderung. Jeder macht Fehler, das
gen der Menschen und ihren Erwartungen                  weniger Menschen für ein Leben in und mit       ist auch gar nicht so schlimm. Regelhaft
an das Leben liegen wird. Menschen wollen               Familie entscheiden. Ich glaube allerdings,     problematische Beziehungsmuster sollten
über sich selbst bestimmen, Karriere ma-                dass sich die offensichtliche Entwicklung       aber hinterfragt und auf ihre Bedingungen
chen, frei sein und den Luxus ihrer Karrieren           zu immer mehr Erfolg, Leistung und per-         untersucht werden. Genau das können El-
erleben. Kinder sind eine weit reichende                sönlicher Freiheit auch wieder umkehren         tern lernen, zum Beispiel in einem Eltern-
Entscheidung und verändern das Leben                    wird. Dann, wenn Menschen merken, dass          training. Denn Veränderungen sind gar
von Menschen nachhaltig. Die persönliche                das Leben mit Kindern und in einer Fami-        nicht so schwer zu erzielen. Und es ist nie
Freiheit, die viele kinderlose Menschen                 lie bereichernder, sinngebender und be-         zu spät, damit zu beginnen. Eltern können
suchen, wird durch Kinder natürlich stark               friedigender ist als das Leben ohne Kinder.     also neue Erlebens- und Verhaltensweisen
eingeschränkt bzw. verändert. Vielleicht ist            Vermutlich wird es hierbei zumindest zwei       für das Leben mit ihrem Kind lernen. Kinder
es auch gut so, dass Menschen keine Kin-                Entwicklungen geben: Menschen, die be-          sind prädestiniert dazu, schnell und auch
der zeugen, wenn es mit ihren Lebenspla-                wusst darauf verzichten und Menschen, die       gerne zu lernen, d.h. auch Problematisches
nungen nicht übereinstimmt. Das würde                   bewusst das Leben mit Kindern wählen.           umzulernen.
die berichtete Zunahme an Problemen er-
klären – denn Kinder stören damit die Le-               Wie würden Sie Eltern ermutigen?                Danke für das interessante Gespräch!
bensplanungen der Menschen. Andererseits                Eltern machen sicher nicht alles falsch – das   (BS)



  Wenn Sie dieses Angebot für Ihre Gemeinde buchen oder wissen möchten, wo und wann Elterntrainings stattfinden, wenden Sie sich
  an Mag. Brigitte Singer im Institut für Elternbildung, Tel: 0662-872691-15, b.singer@sbw.salzburg.at




                                                            Gesundheit & Wertvoll



                                                         Wohlfühlen und Fit bleiben, oder
                                                         rasch wieder gesund werden –
                                                         Wir helfen Ihnen dabei!

01/2011 dreieck
                                                                                                                www.salzburger.biz
El ter n -, Fra uen - un d S en i oren b ild u ng    | 13




Schalala und Tellala
Eine Initiative zur Entwicklung und Förderung von
Sprachkompetenz
                                                                  VON MONIKA WEILHARTER




E
      in außerordentlich hoher Anteil der        schließenden drei Informationsabenden
      Kinder zeigt beim Eintritt in die Schule   mit dem Thema „Sprachförderung für zu
      Sprachauffälligkeiten („Sprachfehler“).    Hause“ nahmen rund 80 interessierte Eltern
Es ist wissenschaftlich belegt, dass sich die    teil.
Sprache eines Kindes im vorschulischen
Alter noch in der Entwicklung befindet.          Das Projektteam, bestehend aus zwei Lo-
Speziell in diesem Alter braucht es daher        gopädinnen, Bezirksschulinspektor, Kin-
die entsprechende Unterstützung, gezielte        dergartenpädagogin, Bildungswerkleiterin,
Förderung und Therapiemöglichkeiten.             Bibliothekarin und Forum Familie Lungau,
Dies bietet eine ganz wesentliche Grundla-       wird auch weiterhin am Thema „Sprachför-
ge, um allen Kindern die Chance auf erfolg-      derung für Kinder“ arbeiten und hoffentlich
reiches Lernen zu ermöglichen.                   weitere Unterstützer finden!
                                                 Monika Weilharter ist Ansprechpartnerin im
Speziell die Therapiemöglichkeiten im Lun-       FORUM FAMILIE LUNGAU.
gau sind nicht ausreichend, und Eltern müs-
sen lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Das
Sozialfestival „Tu was, dann tut sich was“         Hinter „Tu was, dann tut sich was“, Österreichs erstem Sozialfestival, steht ein
hat sich diesem Problem angenommen und             ganz einfacher Gedanke: Überall gibt es Ideen für ein besseres Zusammenleben.
das Projekt „Schalala und Tellala“ finanziell
                                                   „Tu was, dann tut sich was“ schafft eine Gelegenheit, diese Ideen selbst umzu-
unterstützt. So konnten im Zeitraum Mai/
                                                   setzen. Das Festival bietet nicht nur einen organisatorischen Rahmen, sondern
Juni 2011 insgesamt 221 Kinder in Betreu-
ungseinrichtungen mit zwei Logopädinnen            stellt auch das zur Verfügung, woran idealistische Initiativen so oft scheitern:
ihre Sprache spielerisch testen. An den an-        Geld für die Verwirklichung.




   Kurz angemerkt


  Elternschule der SALK unter
  neuer Leitung
  R
         osemarie Huber leitet seit 1. April 2011 die Elternschule am Landeskrankenhaus Salzburg. Die diplo-
         mierte Kinderkrankenschwester und ausgebildete Schülerbetreuerin arbeitete bisher an der Neo-
         natologie und zwei Jahre lang an der Gesundheits- und Krankenpflegeschule Salzburg. Frau Huber
  wird sich künftig gemeinsam mit ihrem Team um Angebote zur Prävention und Gesundheitsförderung für
  Familien kümmern.




                                                                                                                                     dreieck       02/2011
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                                                                                           Foto: Katharina Wieland Müller/pixelio.de
Neues Leben in alten Mauern!
Themenschwerpunkt der Gemeindeentwicklung ab Herbst 2011



    N
           eues Leben in alten Mauern •
                                              Jahresschwerpunkte der Gemeindeentwicklung
„
           Lebensraum. Lebenstraum. Ge-
           meinde“: Die Gemeindeent-
wicklung Salzburg widmet sich jedes Jahr
einem für Gemeinden und BürgerInnen in-
teressanten Thema – ab Herbst dem für die
Menschen, die Gesellschaft, die Wirtschaft,
den Tourismus, das Handwerk und die Ge-
meinden so wichtigen und daher oft dis-
kutierten Themenbereich der Nutzung von
öffentlichen und privaten Räumen.
Eine bewusstseinsbildende Veranstaltungs-
serie wurde gestaltet und in vier Themen-
bereiche gegliedert: Gemeinden, Ortskerne,
Landwirtschaft und das zeitgenössische
Bauen. Durch Impulsveranstaltungen, Se-
minare, Exkursion, Schulprojekte und Aus-
stellungen soll den Menschen der Wert
historischer Bauten, die Verbindung „alter“
und „neuer“ Bauten und Anbauten, die Be-
deutung des Orts- und Landschaftsbildes
sowie die Verantwortung für die Erhaltung
von Bauten und Räumen nähergebracht
werden.

Die Auftaktveranstaltung sowie die Eröff-
nung der Ausstellung zum Themenbereich
Gemeinden finden am 26. September 2011
um 18 Uhr in der Rotunde der Salzburg AG
statt. Das Programm ist demnächst auf un-
serer Homepage gemeindeentwicklung.at
als Download verfügbar.              (MP)




02/2011 dreieck
G emei n deentw ick lu ng    | 15




  Jung trifft Alt

S
       eniorenheime bieten viele Vorteile,
       haben aber zuweilen auch Nachteile:
       Ältere Menschen sind oft nur unter
ihres gleichen, der Kontakt zu jüngeren
Generationen – vor allem zu Jugendlichen
– lässt nach. Um dies zu ändern, hat die Ge-                                                           Von Seniorenturnen bis zu
meindeentwicklung Salzburg 2010 in Koo-             Foto: youngCaritas Salzburg                        Beziehungstipps
peration mit den Salzburger Landeskliniken                                                             Die Besuche haben sich gut entwickelt, eini-
und der youngCaritas Salzburg die Initiative                                                           ge wollen „ihre“ SeniorInnen auch weiterhin
„J.A! Jung trifft Alt“ gestartet. Als Pilotschu-                                                       besuchen, und im Lauf der Zeit sind Freund-
le hat im vergangenen Schuljahr das Bun-                                                               schaften entstanden. Manche „Pärchen“ ha-
desgymnasium Zaunergasse in der Stadt                                                                  ben miteinander gebastelt, manche waren
                                                   Ein „Pärchen“ im Seniorenheim Taxham: Cornelia
Salzburg daran teilgenommen. Alle 19 Teil-         Schaberreiter (re.) und Margarethe Fuchs (li.).     beim Seniorenturnen, im Restaurant, ande-
nehmerInnen haben das Projekt vor kurzem                                                               re wieder haben „Mensch ärgere dich nicht“
abgeschlossen. Sie wurden mit einem Ab-                                                                gespielt oder einander zugehört ...: Der Kre-
schlussfest, organisiert und gesponsert von        Freundschaften wurden                               ativität waren keine Grenzen gesetzt. Ein
SPAR Österreichische Warenhandels AG, für          geschlossen                                         „Paar“ hat sein großes gemeinsames Thema
ihr Engagement belohnt und erhalten zu-            Welches Resumee ziehen die Jugendlichen             im Bereich Beziehungen gefunden, und
dem den „Sozialzeitausweis“ der Gemein-            nach diesem Jahr?                                   sie haben über Monate hinweg ihre (ver-
deentwicklung Salzburg. Diese Urkunde                                                                  gangenen) Partnerschaften analysiert.
über die geleistete Arbeit dokumentiert die        Die Rückmeldungen sind durchwegs po-
soziale Kompetenz und kann bei einer Be-           sitiv: Die Einschulungsphase und die kon-           Das Konzept ging auf: Die Generationen
werbung um eine Arbeitsstelle oder eine            tinuierliche Erreichbarkeit der Begleitung          sind einander näher gekommen.
Praktikumsstelle hilfreich sein.                   waren für die Jugendlichen besonders hilf-          Im September startet die nächste Staffel in
                                                   reich. „Das hat mir viel Druck genommen“,           der Stadt Salzburg. In den kommenden Mo-
„J.A! Jung trifft Alt“ ist ein weiteres Projekt    bringt es eine der Jugendlichen auf den             naten werden sich Jugendliche aus St. Josef,
der sozialen Gemeindeentwicklung in Salz-          Punkt. Das Schönste sei gewesen, dass die           dem Borromäum und aus dem BG Zauner-
burg – nach dem Generationendorf, den              meisten SeniorInnen schon bei der Ankunft           gasse um PatientInnen in der Geriatrie und
„Bonusmodellen für freiwilliges soziales En-       ihrer BesucherInnen gestrahlt haben und             um BewohnerInnen in der Seniorenpension
gagement“ und dem Projekt „Altern in guter         sich auf die gemeinsame Zeit sehr gefreut           am Schlossberg, im Albertus Magnus-Haus
Gesellschaft“. Es wurde gemeinsam mit              haben.                                              und in der ÖJAB-Seniorenwohnanlage Ai-
Praktikern aus der Arbeit mit Senioren ent-                                                            gen kümmern.                     (AM/MiHa)
wickelt: Nach der Schule treffen sich Jugend-
liche mit älteren Menschen, machen Ausflü-
ge, lesen ein Buch vor oder spielen ein Spiel
– kurzum, sie verbringen Zeit mit ihnen. Die
Jugendlichen werden dafür durch Fachkräf-
te ausgebildet und erhalten somit die not-
wendigen sozialen, kommunikativen und
organisatorischen Kompetenzen. Während
des Einsatzes in den Senioreneinrichtungen
nehmen die Jugendlichen an Supervisionen
teil, wo sie sich über ihre Erfahrungen mit
den Senioren und den Einrichtungen aus-
tauschen können.
„J.A! Jung trifft Alt“ wird vom Referat für Familienangelegenheiten und Generationen, der Erzdiözese Salzburg und von SPAR Österreichische Warenhandels
AG unterstützt. Ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Stadt Salzburg (Magistrat Seniorenheime).




                                                                                                                                       dreieck     02/2011
16 |   Geme i n d e e nt w i c k l u ng




Parsch: Generationen verbinden
Parsch ist ein besonders engagierter Stadtteil im Programm der sozialen Gemeindeentwicklung. Zwei aktu-
elle Initiativen im Rahmen des Generationendorfprojektes stellen wir im folgenden Artikel vor: „Grenzenlos
kochen“ und „ParschERkunden – Spürnasen unterwegs“.


Grenzenlos kochen: Multikulti
auf den Kochplatten
Selchfleischknödel aus Österreich köcheln neben einem ungarischen
Pörkölt, ein Apfelstrudel entsteht neben einer Nachspeise aus Gam-
bia. Wenn in Parsch grenzenlos gekocht wird, wird zusammenge-
rückt, nicht nur am Herd. Rund 16 verschiedene Kulturen fanden im
Rahmen der Initiative „Grenzenlos kochen“ bereits zum zweiten Mal
ganz zwanglos zueinander und lernten sich so (besser) kennen.
Integration – ein großes Wort, das seit geraumer Zeit auch von
Spitzen der Politik in den Mund genommen wird. Gerne wird an-
geführt, dass Integration eine Aktivität der Nichtintegrierten zu sein
hat. Ist dies nicht auch eine Bringschuld der Alteingesessenen? Die
ParscherInnen sehen es jedenfalls so und ihr Engagement und ihr
Angebot gilt für jene, die dabei sind, hier in ihrem Stadtteil Fuß zu
fassen.


    „Gemeinsam kochen, essen und trinken –
    das liegt so tief im Menschen, wie Feuer                               Selchfleischknödel, Pörkölt und Süßes aus Gambia: Die ParscherInnen
    machen oder säen und ernten.                                           fanden es köstlich.
    Es bedeutet Freundschaft, Gastfreundschaft
    und Frieden.“
                                                                         ParschERkunden –
                                                   Beim grenzen-
                                                   losen Kochen
                                                                         Spürnasen unterwegs
                                                   rück(t)en die         Älter werden ist eine Erfahrung, die uns allen gemeinsam ist.
                                                   Parscherinnen
                                                                         Der Dialog mit anderen Generationen bietet die Möglichkeit, sich
                                                   und Parscher
                                                   zusammen.             selbst und das Leben besser kennen zu lernen. Durch persönliche
                                                                         Begegnung ohne feste Vorgaben entsteht ein gleichwertiger Aus-
                                                                         tausch von Erfahrungen. Man lernt praktische Dinge des Alltags
                                                                         voneinander. Klischees und Vorurteile werden abgebaut, junge und
                                                                         alte Leidenschaften ergänzen und beruhigen einander. Daher star-
                                                                         tet der Stadtteil Parsch ab Herbst ein neues Generationenprojekt:
                                                                         ParschERkunden – Spürnasen unterwegs.

                                                                         Bei der gemeinsamen Spurensuche bilden Jung und Alt ein Team,
                                                                         lernen sich und den Stadtteil besser kennen und lösen gemeinsam
 Das nächste grenzenlose Kochen findet am 17. Nov. 2011,
                                                                         die verzwickten Fragen und Aufgaben. Die Spurensuche beginnt
 ab 18 Uhr, wieder im Pfarrsaal Parsch statt.
                                                                         am 3. Oktober und dauert bis 17. Oktober 2011. Wer mitmachen



02/2011 dreieck
G emei n deentw ick lu ng    | 17




will, erhält die Unterlagen im Stadtteilbüro in der Anton-Graf-Straße 4, bei
der Raika in Parsch und in den Volksschulen Parsch und Abfalter. Die voll-
ständig ausgefüllten Unterlagen sollen bis 25. Oktober im Postkasten des
Stadtteilbüros oder wieder in der Raika Parsch abgegeben werden. Auf die
erfolgreichsten Spürnasen warten attraktive Preise. Die Preisverleihung wird
am 4. November 2011 um 18.30 Uhr im Heffterhof in Parsch, im Rahmen der
Präsentation der Klein- und Flurdenkmälererhebung Parsch, Aigen und Gais-
berg, stattfinden.                                                      (AM)




  Mattsee nimmt Holz
  unter die Lupe
  Wissenschaft im Seniorenheim



                   Erwin Treml vom Holztechnikum       Mit Begeisterung da-
                   Kuchl wusste die Senioren mit       bei: Eine Seniorin bei
                   seinem Wissen über Holz zu          der Arbeit mit dem
                   fesseln.                            Mikroskop.

  „Wissenschaft im Seniorenheim“
  ist abgeleitet vom Projekt

                                                       M
  „Wissenschaft im Wirtshaus“ –                                  attsee ist gemeinsam mit Seeham, St. Georgen und Lamprechtshau-
                                                                 sen im Programm der sozialen Gemeindeentwicklung Salzburg. Im
  einer Idee, bei der Laien in einer
                                                                 Rahmen des Projektes „Altern in guter Gesellschaft“ fanden und fin-
  angenehmen Atmosphäre mit                            den zahlreiche interessante Veranstaltungen statt.
  Naturwissenschaft in Berührung                       Kürzlich begeisterte 18 Seniorinnen und Senioren eine Aktion von „Wissen-
  gebracht werden. Dafür treffen                       schaft im Seniorenheim“: Holz unter der Lupe war dieses Mal das Thema. DI
  sich engagierte ProfessorInnen                       Erwin Treml vom Holztechnikum Kuchl verstand es großartig, die älteren Teil-
  mit Interessierten in einem Lokal                    nehmerInnen mit dieser Thematik zu fesseln. Bei dieser Veranstaltung ging es
                                                       darum, nicht ganz alltägliche Dinge über Holz – Wie, wodurch kommen die Jah-
  oder im Seniorenheim, um am
                                                       resringe zustande?, Wie wächst ein Baum? oder Welche Eigenschaft hat Holz
  gemeinsamen Kaffeetisch mit ver-                     und woraus besteht es? – zu erfahren. Die Seniorinnen und Senioren waren mit
  blüffenden Experimenten (zumin-                      Begeisterung dabei, die verschiedenen Holzarten durch das Mikroskop zu be-
  dest einige) Geheimnisse der                         trachten und zu erraten. Mit vielen neuen Erkenntnissen gingen die interessier-
  Naturwissenschaften zu lüften.                       ten Teilnehmer an diesem Tag zu Bett.                                     (AM)




                                                                                                                            dreieck     02/2011
18 |                        Geme i n d e e nt w i c k l u ng




               Aktivitäten im Generationendorf Hallein-Rif
                                                                                                                                             VON MARTIN STALLMAIER



                                                                                            „Rifer Tortenstopp“
                                                                                            Naschen für den guten Zweck
                                                                                            Anfang Juni startete der
                                                                                            TREFFPUNKT-RIF         erfolg-
                                                                                            reich das Projekt „Torten-
                                                                                            stopp“, eine Bausteinaktion
                                                                                            für das Gemeindezentrum
                                                                                            mit Kirche. Jeden Samstag
                                                                                            wird von 9 bis 12 Uhr zum
                                                                                            gemeinsamen Kuchen- und
                                                                                            Tortenessen in das Pfarrzen-
                                                                                            trum eingeladen. Zahlreiche Privatpersonen, Rifer Vereine
                                                                                            und Institutionen, wie der Theaterverein die Archetypen,
                                                                                            Seniorentanz, der Sozialausschuss, aber auch die Volksschu-
                                                                                            le Rif/Rehhof sowie der Elternverein, nehmen am „Torten-
                                                                                            stopp“ teil. „Wir wollen mit Selbstgebackenem einen Beitrag
                                                                                            zum Gemeinschaftsprojekt Gemeindezentrum und Kirche
Fotos: TREFFPUNKT-RIF




                                                                                            leisten“, so die KuchenbäckerInnen. Ein Törtchen für den
                                                                                            guten Zweck konnte noch keiner verwehren, und so hoffen
                                                                                            Initiatorin Brigitte Schmidt und der Verein TREFFPUNKT-RIF
                                                                                            auf weitere zahlreiche Naschkatzen, damit ihr Gemeinde-
                                                                                            zentrum mit Kirche bald fertig wird.

                        Maibaumfest                                                         Martin Stallmaier ist Mitglied des Vereins TREFFPUNKT-RIF.


                        In nur drei Jahren entwickelte sich das Rifer
                        Maibaumfest zu einer Kultveranstaltung.

                        Gemeinsam mit 109 Freiwilligen hat der Verein TREFFPUNKT-
                        RIF, der überparteiliche Verein für Stadtteilentwicklung, dieses
                        Jahr ein ganz besonderes Maifest durchgeführt. Mit einem al-
                        ten Traktor, begleitet von 30 Kindern, den Böllerschützen und
                        Maibaum-Moar Fredl Luega sowie der Anifer Trachtenmusikka-
                        pelle, zog der 28 Meter lange Maibaum auf den Rifer Dorfplatz
                        ein. Bald darauf war der Maibaum aufgestellt und Jung und Alt
                        versuchten sich am Aufstieg, am frühen Abend unterhielten
                        der Salsaclub Salzburg mit Tanzstunden und die Musikgruppe
                        „Come2gether“ die Gäste. 1.200 Besucher feierten so 10 Stun-
                        den lang ihren Maibaum. Selbst die Abbauarbeiten des Festge-
                        ländes, am darauffolgenden Muttertag, waren noch von dieser
                        freundschaftlichen Stimmung getragen. Ein herzliches Danke an
                        die großartigen freiwilligen Helfer und Gäste.
                                                                                           Jeden Samstag lädt der „Tortenstopp“ zu Kaffee, Prosecco und Kuchen.
                                                                                           Der Erlös wird für das Gemeindezentrum und die Kirche verwendet.




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Europa un d Pol i ti s ch e B ild u ng    | 19




  Europatag im Europark


  D
          er Europatag erinnert daran, dass Europa als Gemein-
          schaft am 9. Mai 1950 „geboren“ wurde. Heuer stand
          der Europatag, der in Salzburg auf dem Theaterplatz im
  Europark gefeiert wurde, im Zeichen des Europäischen Jahrs




                                                                         Foto: Landespressebüro
  zur Freiwilligentätigkeit und von Währungsfragen rund um den
  Euro. Expertinnen und Experten verschiedener Einrichtungen
  im Land Salzburg und in der EuRegio Salzburg-Berchtesgadener
  Land-Traunstein, darunter das Institut für Europa im Salzburger
  Bildungswerk, gaben gemeinsam Auskunft zu allen Fragen rund
  um die Europäische Union. Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstal-          uns verbindenden Heimatkontinent zu machen. Möglichkeiten
  ler: „Wir haben es selber in der Hand, Europa und die EU zu dem        dazu gibt es jede Menge“.                             (FT)




Medien und Politik – Politik und Medien
Lehrgang des Instituts für Europa widmete sich diesem Spannungsfeld



W
          ie entsteht eine Zeitung, wie
          kommt eine Sendung im Radio
          oder Fernsehen zustande? Wer
bestimmt die Inhalte? Wie schaut der öster-
reichische Medienmarkt aus, und welchen
gegenseitigen Einfluss üben Politik und
Medien aufeinander aus?

Diese Fragen waren gestellt und wurden
beim Lehrgang „Medien und Politik“ tref-
                                                   2                                               3
fend beantwortet. Dafür bedanken wir uns
bei Dr. Karin Pühringer (Bild 1, re.), Dozentin   Parlamentsklubs der Grünen, Dieter Brosz        burger Nachrichten (Bild 4). Udo Bachmair
für Medien an der Fachhochschule St. Pöl-         (Bild 2, li.), bei Mag. Bernhard Schausber-     Bakk. phil. hatte den Lehrgang angeregt
ten, bei Chefredakteurin Mag. Gerlinde Hin-       ger (Bild 3) im ORF-Landesstudio Salzburg       und der Gruppe auch einen Diskussionster-
terleitner (li.) von der Onlineredaktion von      und bei Dr. Martin Stricker für interessante    min im ORF-Funkhaus in Wien ermöglicht
„derStandard.at“, beim Pressesprecher des         Erläuterungen und den Besuch bei den Salz-      (Bild 5)                              (FT)




 1                                                 4                                               5


                                                                                                                                    dreieck      02/2011
20 |                                   E u ro p a u n d Po l i t i s che B ildung




                                                                                                                                                        Sv. Jovan Kaneo
                                                                                                                                                        am Ohridsee
Fotos: Klaus Römer und Martin Kilgus




                               Den Südosten unseres Kontinents „entdecken“!
Die diesjährige Studienreise führte nach Mazedonien und in den Kosovo


D
        ie politische, wirtschaftliche und so-                                      Korruption sowie die Abwanderung der jun-   Kosovo zu seinem Nachbarn Serbien, von
        ziale Situation in Mazedonien und                                           gen Menschen. Auch über den Namensstreit    dem sich das Land erst 2008 unabhängig
        dem Kosovo stand im Mittelpunkt                                             Mazedoniens mit Griechenland und über das   erklärt hat, wurde berichtet. Dass dieses Pro-
des Bildungsprogramms, das vom Institut für                                         schwierige Verhältnis der jungen Republik   gramm so stattfinden konnte, verdanken wir
Europa in Zusammenarbeit mit dem Europa
Zentrum Baden-Württemberg sowie dem
Deutsch-Makedonischen Kulturforum „KOR-
ZO“ ausgearbeitet worden war. Kompetente
und engagierte Gesprächspartnerinnen und
-partner standen uns im mazedonischen und
kosovarischen Außenministerium, in den
deutschen und österreichischen Botschaften
in Prishtinë und Skopje sowie in Bitola im Sü-
den Mazedoniens zur Verfügung. Wir lernten
viel über die (noch schlechten) Chancen auf
einen EU-Beitritt der beiden Länder. Themen
waren unter anderem die gravierenden Pro-
                                                                                     Vor dem Regierungsgebäude in Skopje.
bleme wie extrem hohe Arbeitslosigkeit und



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Europa un d Pol i ti s ch e B ild u ng    | 21




In Prishtinë                                   Filip Nedelkovski führte bravourös durch beide Länder.               Im Botschaftsviertel von Prishtinë.


vielen Menschen, die uns vor Ort unterstützt
und so diesen Ablauf ermöglicht haben.

Wir haben Mazedonien und einen kleinen
Teil des Kosovos aber auch touristisch „er-
fahren“, römische Ausgrabungsstätten,
Moscheen, orthodoxe Kirchen und Klöster,
unberührte Natur, eindrucksvolle Gebirge,
tiefe Schluchten, große Seen, blühende
Wiesen, interessante Städte und idyllische
Dörfer vorgefunden, die darauf warten,
auch von Ihnen entdeckt zu werden.     (FT)    Staatssekretär Fitim Gllareva und sein Team erläutern die Lage der Republik Kosovo.




Herbst und Winter sind nicht mehr fern …
Veranstaltungstipps: Das Institut für Europa lädt ein

Politik in Österreich und in der               ropa noch einen Landtag? Was passiert im
Europäischen Union                             Gemeinderat? Welche Auswirkungen hat
Wer hat politische Macht in Österreich, wer    die Politik der EU auf Österreich? Und wel-
in Europa? Welche Institutionen spielen        chen Einfluss haben wir Bürgerinnen und
welche Rolle? Wozu brauchen wir in EU-Eu-      Bürger auf die Politik?
                                               Diesen und anderen Fragen wird sich der
                                               Lehrgang „Politik in Österreich und in der
                                               Europäischen Union“ widmen, der gemein-
                                               sam mit dem Katholischen Bildungswerk
                                               Salzburg vom Institut für Europa von Novem-
                                               ber 2011 bis Februar 2012 angeboten wird.
                                               Der Lehrgang umfasst zwei „theoretische“
                                               Module in Glasenbach/Elsbethen und eine
                                               praxisnahe Exkursion nach Wien, wo wir ein
                                               Besuchs- und Diskussionsprogramm im Par-             Union Studies, und Dr. Franz Fallend – beide
                                               lament, im Haus der Europäischen Union und           vom Fachbereich Politikwissenschaft und
                                               beim ORF vereinbart haben. Für die Module in         Soziologie der Universität Salzburg – sowie
 Das Parlamentsgebäude an der Wiener
 Ringstraße                                    Salzburg konnten wir bis Redaktionsschluss           Vizekanzler a. D. Dr. Erhard Busek als Vortra-
                                               Dr. Doris Wydra, Salzburg Centre of European         gende gewinnen.



                                                                                                                                        dreieck      02/2011
22 |    E u ro p a u n d Po l i t i s che B ildung




                                                                                                                                          Fotos: Institut für Zeitgeschichte München-Berlin / Fotos: Max Köstler
   Dokumentation Obersalzberg
   Besuch mit Führung am 25. November 2011
                                                                                                 Besuch im
                                                                                                 „östlichen Drittel“
                                                                                                 Tschechiens
  I
       n Zusammenarbeit mit dem Renner-Institut Salzburg bieten wir am 25. November 2011
       einen Besuch mit Führung durch die Ausstellung „Dokumentation Obersalzberg“ an.
                                                                                                 Für die Studienreise von 1. bis 5. ok-
  Diese Ausstellung ist eine Dauerausstellung des Instituts für Zeitgeschichte München-          tober nach Mähren sind noch einige
  Berlin auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden. Während des Nationalsozialismus war             Plätze frei.
  der einstige Erholungsort die zweite Schaltstelle der Macht neben Berlin, wo wichtige po-
  litische Entscheidungen, auch über Krieg und Frieden und den Holocaust, geplant und            Begleiten wird diese PhDr. Oldr ich ̌
  getroffen wurden. Erst 1996 erhielt der Freistaat Bayern die volle Verfügungsgewalt über       Br enek, der neben seiner Tätigkeit als
                                                                                                   ̌
                                                                 dieses Gebiet und errichte-     Reiseleiter in Olmütz Deutsch unter-
                                                                 te 1999 diese Dauerausstel-     richtet. Er wird die TeilnehmerInnen
                                                                 lung. Die Dokumentation         mit seinem Land vertraut machen, aber
                                                                 verbindet die Geschichte        immer wieder auch Themen aufgreifen,
                                                                 des Obersalzbergs mit den       die die politische, wirtschaftliche und
                                                                 zentralen Erscheinungs-         soziale Lage Tschechiens verständlicher
                                                                 formen der nationalsozia-       machen werden. Geplant sind auch ein
                                                                 listischen Diktatur. Bis heu-   Treffen mit einem tschechischen Kom-
                                                                 te ist die Dokumentation        munalpolitiker sowie der Besuch einer
                                                                 Obersalzberg die weltweit       Aufführung in der Mährischen Philhar-
                                                                 einzige Dauerausstellung,       monie Olmütz.
                                                                 die sich mit allen wesent-      www.salzburgerbildungswerk.at/
                                                                 lichen Themen der NS-Zeit       de/news
                                                                 beschäftigt.

   Weitere Infos erhalten Sie bei Wolfgang Forthofer im Institut für Europa, Tel: 0662-872691-21 bzw. w.forthofer@sbw.salzburg.at



02/2011 dreieck
Inter n ati on a l e S ol id a rit ät    | 23


                                                                                                                     wurde mehr nonverbal als textlich vermit-
                                                                                               Über 100 Maissor-
                                                                                               ten werden von        telt. Es ist ein Fest des Lebens und der Arten-
                                                                                               den Indígenas des     vielfalt, bei der gemeinsam die Saat auf den
                                                                                               andinen Hochlands     gemeinschaftlich genutzten Watunakuy-
                                                                                               kultiviert. Kultur-   Feldern ausgebracht wird. Herausragend ist
                                                                                               und Artenvielfalt
                                                                                                                     die Vielfalt der agrar-kulturellen Aktivitäten,
                                                                                               gehören für sie
                                                                                               zusammen.             die immer einen praktischen und spiritu-
                                                                                                                     ellen Sinn zugleich haben. Bezeichnend ist
                                                                                                                     bereits die Organisation: Es gibt verschie-
                                                                                                                     dene Zuständigkeiten z.B. für die Ochsen-
                                                                                                                     gespanne mit Pflug, die Zubereitung des
                                                                                                                     Essens und Trinkens, die Bereitstellung der
                                                                                                                     Saatgüter, die Beschmückung der Örtlich-
                                                                                                                     keiten, Tiere und Menschen und die Musik-
                                                                                                                     begleitung. Jeder ist nützlich und kann sich
Fotos: INTERSOL




                   Pacha Mama feiert Watunakuy                                                                       mit seinen Fähigkeiten und Talenten ein-
                                                                                                                     bringen, auch beeinträchtigte Menschen.
                                                                                                                     So wird dann gemeinsam die Pacha Mama
                                                                                                                     vorbereitet, ihr werden Blumen und Coca-
                  Ein Fest des Lebens und der Artenvielfalt                                                          Blätter geopfert, und gemeinsam wird die
                                                                                                                     Aussaat vorgenommen – ein Prozess der



                  S
                        chauplatz: Queromarca, ein perua-          steht vor dem Nehmen. Die Reziprozität der        Reproduktion der Vielfalt, mit dem Ziel,
                        nisches Dorf 130 km südlich von Cuz-       Schenkung ist im Zentrum. Konkret ist die         auch Außenstehende am Fest der Ernte teil-
                        co, auf der Höhe von Raqchi, einem         Logik der Schenkung, Solidarität und Rezi-        haben zu lassen.
                  weltberühmten Ort mit den Inka-Ruinen            prozität bezogen auf das gesamte Univer-
                  und Bauwerken im Rang von Weltkultur-            sum: das (liebevolle) Miteinander zwischen        Reichtum und Effizienz, aber auch
                  erbschaften. Ein Treffen von tausenden Ket-      Menschen und Kulturpflanzen; der Mit- und         Bedrohungen
                  chuas (Indigenas der Andentäler) aus Quer-       Überwelt; der Pacha Mama („Mutter Erde“ –         Siehe da: Was einem theoretisch-rational
                  omarca, Sur Andino, aber auch Angehörige         unpräzise umschrieben) und der Apus (der          denkenden Westler als „irrational“, ineffizi-
                  anderer Ethnien, sozialer Gruppen und Na-        umliegenden Berge). Dieses Jahrhundert            ent, rückständig und „entwicklungsbedürf-
                  tionen des Abya Yala (= Lateinamerika). Mit      alte praxisorientierte Ritual, getragen von       tig“ erscheint, bringt reiche Frucht hervor. So
                  dabei: einige „Weiße”. Auch ich hatte eine       einer „praktischen Rationalität“, die uns         gibt es im Sur Andigo ca. 100 Mais- und über
                  Einladung dazu – als offizielles Mitglied der    WestlerInnen nie wirklich eigen war und bei       150 Kartoffelsorten. Diese Qualität der Agri-
                  Gemeinde Queromarca.                             dem der Dienstcharakter am Anderen prä-           Kultur entspricht dann auch der Quantität
                                                                   gend ist, hat in dieser Version keine Entspre-    der Ernte: Es kann niemand so richtig erklä-
                  Watunakuy hat Fiesta-Charakter                   chung in der abendländischen Tradition.           ren, warum z.B. auf den Watunakuy-Feldern
                  Was an anderen Kulturen essentiell ist, ist                                                        im Normalfall reichhaltiger geerntet wird,
                  gleichzeitig oft sprachlich nicht verfügbar.                                                       als auf den mit Mineraldünger, chemischen
                  Es lässt sich keine adäquate Übersetzung                                                           Pestiziden und Hybridsorten bebauten kon-
                  dafür finden, was „das“ Watunakuy ist. Las-                                                        ventionellen Feldern. Doch es ist Fakt.
                  sen Sie es mich als eine intensive „Erlebnis-                                                      Die Gefahren sind freilich auch Faktum und
                  Initiative“ beschreiben, bei der Biodiversität                                                     wirken bereits massiv herein: durch die
                  und Artenvielfalt einerseits und kulturelle                                                        Intensivierung der konventionellen Land-
                  Vielfalt und Bejahung der Kulturen ande-                                                           wirtschaft - mit wenigen Sorten und viel
                  rerseits im Mittelpunkt stehen. Das Eine be-                                                       „Kunst“dünger und vielen abhängig ma-
                  dingt und bildet eine Einheit mit dem und                                                          chenden chemischen Pflanzenschutzmit-
                  den Anderen.                                                                                       teln. Im Miteinander der örtlichen Organisa-
                                                                   Ritual für die Pacha Mama (Mutter Erde) vor der
                  Das Ereignis mit Fiesta-Charakter hat keinen                                                       tionen mit CEPROSI, INTERSOL und anderen
                                                                   Aussaat.
                  Selbstzweck und die Vielfalt der Arten und                                                         solidarischen Organisationen versuchen wir
                  Sorten (Mais, Kartoffel u.a.) ist kein Markt-                                                      dieses Erbe der Menschheit zu stärken und
                  oder Preis-/Wert-Spekulationsobjekt. Der         Kulturelle Vielfalt - Artenvielfalt               weiter zu kultivieren. Auch als Impulse für
                  Markt spielt bei diesem kollektiven Mitei-       Was nun wirklich passiert bei einem Watu-         die hiesige Agrar-Kultur, die v.a. nur mehr
                  nander überhaupt keine Rolle. Das Geben          nakuy ist nicht einfach zu beschreiben – es       Land-Wirtschaft ist.                       (he)




                                                                                                                                                          dreieck        02/2011
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              Biolandbau – Ein Plädoyer für Regionalität
Fotos: INTERSOL




                                                                                                                  Ausgelaugte Böden können durch
                                                                                                                  Biolandbau und Permakulturen wieder
                                                                                                                  fruchtbar gemacht werden.



Erfahrungen und Perspektiven der Regionalkooperation Salzburg – San Vicente



E
       x-EU-Landwirtschaftskommissär Dipl.                (auch der österreichischen) formulierte Ziel          „realistische“ Zielvorgabe, die ohne viel
       Ing. Franz Fischler bewarb sich für                galt als sehr ambitioniert – auch viele NGOs          intellektuelle Eigenleistung schlicht über-
       den Chefposten der FAO (Food-Ag-                   (österreichische inklusive) hatten eine neue          nommen wurde. Man fragte (und fragt sich
ricultural-Organisation) mit Sitz in Rom.                                                                       bis heute) in diesen Kreisen nicht, welche
Seine inhaltlich-strategische Ansage war:                                                                       Ursache Hunger und Armut haben, wer
Wir müssen den Hunger, der mindestens 1                                                                         diese Misere verursacht und täglich neu
Mrd. Menschen geißelt, und die Ernährungs-                                                                      produziert. Man begnügt sich mit acht
misere generell lösen – und das ginge nur                                                                       Zielen und zweifelhaften Strategien sowie
mit den ca. 500 Millionen Kleinbauern. Mit                                                                      Programmen. Man reicht Projekte ein, die,
all diesen Zielen und Positionen hat er sicher                                                                  wenn sie die Millenniumsziele erwähnen,
recht: eine historische Herausforderung mit                                                                     finanzielle Mittel erwarten, verteilen und
schicksalhaftem Charakter. So weit so gut ...                                                                   abrechnen können. Natürlich ohne nach-
                                                                                                                folgende Wirkungsforschung.
Seit 1973 bekämpft die FAo
den Hunger. 2000 kamen die                                                                                      Die Alternative: Biolandbau der
Millenniumsziele                                                                                                anderen Art
Ich erinnere mich: Vor meinem Einsatz als                                                                       Nun, wie ist die Leistungsfähigkeit des
„Entwicklungshelfer“ (diese Bezeichnung                                                                         Biolandbaus einzuschätzen, wenn es um
würde ich nie mehr verwenden) gab es 1973                                                                       die edle Aufgabe der Bekämpfung des
die FAO-Weltkonferenz in Nairobi. Als Ziel                                                                      Hungers geht? Die Antworten verweisen,
wurde formuliert, den Hunger bis zur Jahr-                                                                      biblisch-analog ausgedrückt, auf die „Un-
tausendwende (2000) zu beseitigen. Was                                                                          terscheidung der Geister“. Während die
folgte war erbärmlich und ineffizient. 2000               „Gemeinsam sind wir Teil des Prozesses und nicht      einen darin das Allheilmittel wähnen, se-
                                                          auf die Rolle des Geldgebers beschränkt“.
wurden dann die Millenniumsziele formu-                                                                         hen die anderen nur eine Nische – verbun-
                                                          Hans Eder, Leiter des Institutes für Internationale
liert: Halbierung des Hungers bis 2015. Das               Solidarität des Salzburger Bildungswerkes und
                                                                                                                den mit der Überzeugung, dass die „Neue
von der Weltbank, der OECD, der EU und                    Direktor von INTERSOL, in Tecoluca mit einer          Grüne Revolution“ (mit Gentechnik) die
nachgeordneten nationalen Regierungen                     Gemeindebürgerin.                                     Lösung wäre. Viele dieser Positionen sind



02/2011 dreieck
Inter n ati on a l e S ol id a rit ät    | 25


weniger sachlich begründet, als vielmehr                           Nachdem uns der Beginn mit einem inef-               zur Förderung des Biolandbaus (mit Betei-
politisch-opportunistisch motiviert. Klar ist                      fizienten, nur mit vielen Versprechen gar-           ligung österreichischer Betriebe, Schulen,
unserer Meinung nach Folgendes: Wenn                               nierten Entwicklungsprojekt, finanziert von          der Universität für Bodenkultur, ...).
man für den „Schlüsselsektor“ der land-                            der ADA (Austrian Development Agency,
wirtschaftlichen Klein-und Mittelbetriebe,                         mit Horizont 3000 und zwei salvadoria-               Langfristige Prozesse versus
hier wie dort, Effizienz will, dann geht das                       nischen NGOs – in Allianz mit der ARENA-             Projektitis
weder durch die traditionelle, noch durch                          Regierung) vermasselt wurde, sind wir nun            Die bisherigen Erfolge bestätigen, dass der
konventionelle, meist erdölbasierte Dün-                           seit zwei Jahren sehr erfolgreich am Aufbau          Biolandbau prozesshaft (und nicht als Pro-
ger und synthetische Pflanzenschutzmit-                            der BioLandbau-Bewegung (MOPAO – Mo-                 jektitis) betrieben werden muss. Es geht um
tel. Auch die Integration in den Weltmarkt,                        vimiento Popular de Agricultura Organica)            den Aufbau von nationalen und internatio-
bei der die Kleinen sowieso keine Chance                           beteiligt. Inzwischen bilden 15 Organisa-            nalen Allianzen. Biolandbau kann nur dann
haben, ist keine Lösung. Wir schlagen vor:                         tionen der Zivilgesellschaft und der Ge-             erfolgreich und effizient für Mensch und
konsequenter Biolandbau verbunden mit                              meinde Tecoluca diese Bewegung, bei der              Umwelt sein, wenn er lokal und regional
Permakultur. Das ist klar ein Plädoyer gegen                       INTERSOL Teil des gesamten Prozesses und             verankert und international verschränkt ist.
die BioLandbau-Agro-Industrie mit ihren                            nicht auf die Rolle des Geldgebers mit Mo-           Das ist auch die Erfolgsstrategie in Öster-
Mega-Ausdehnungen und der problema-                                nitoring-Aufgaben beschränkt ist.                    reich – und deshalb sind wir für einen ver-
tischen Ökologie-Bilanz.                                                                                                stärkten Einsatz von Bundes-EZA-Mitteln für
                                                                   Unsere Beiträge als Vorstandsmitglied um-            den Biolandbau. Solche Prozesse sollte die
Mittendrin: Regionalkooperation                                    fassen die Mitarbeit an der Konzeption des           FAO verhunderttausendfachen - ob das mit
Salzburg – San Vicente                                             BioLandbaus/Permakultur, die Bereitstel-             dem Brasilianer Jose Graziano da Silva als
Genau das praktiziert INTERSOL in Zusam-                           lung finanzieller Mittel (Quelle: Landesre-          designiertem Chef der FAO möglich ist, darf
menarbeit mit dem Salzburger Bildungs-                             gierung Salzburg), der Personaleinsätze (Zi-         angesichts der brasilianischen Verhältnisse
werk im Rahmen der Regionalkooperati-                              vildiener/Fachkräfte) und die Durchführung           bezweifelt werden.                       (he)
on Salzburg – San Vicente (El Salvador).                           von ambitionierten Austauschprogrammen




                  Lokal handeln, global bewegen
                  Jugend übernimmt Verantwortung



                  B
                         ereits zum 8. Mal führte INTERSOL in Zusammenarbeit mit              chen freiwillig arbeiteten. Es wurden über 50 Arbeitsplätze in Salz-
                         dem Salzburger Bildungswerk heuer die Aktion „Global                 burg und Umgebung für solidaritätsbewegte SchülerInnen zur
                         Solidarity - Jugend übernimmt Verantwortung“ durch. Die              Verfügung gestellt. Alle erarbeiteten Mittel aus Global Solidarity
                  teilnehmenden SchülerInnen bewiesen im Rahmen dieser Aktion                 kommen unmittelbar der Arbeit von MUSOL (Mujeres en Solidari-
                  ihre Solidarität mit Bolivien, einem der ärmsten Länder der Erde,           dad) für die Frauen und Kinder in Potosí/Bolivien zugute.       (MP)
                  indem sie einen Tag lang während der letzten beiden Schulwo-
Fotos: INTERSOL




                  An „Global Solidarity“ haben seit 2004 über 3.700 SchülerInnen aus ganz Österreich teilgenommen und ein Zeichen internationaler Solidarität gesetzt.




                                                                                                                                                              dreieck        02/2011
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„Mal de mina“: Was sich in der höchstgelegenen
Stadt der Welt abspielt
Ein Erfahrungsbericht von GUDRUN DANTER aus Potosí (Bolivien)



4.
        Juli 2011: Nach elf Stunden Anreise       ist nicht vollkommen auszuschließen und
        aus Cochabamba komme ich in Po-           Potosí könnte – wie andere Bergwerksorte
        tosí an. Erschöpft von der Busfahrt,      – zur Geisterstadt verkommen. Noch ist es




                                                                                                                                                  Fotos: Gudrun Danter
aber glücklich hier zu sein, in der höchstge-     nicht soweit, noch sterben Menschen im
legenen Stadt der Welt auf 4.067 Meter See-       Berg oder an den Folgen ihrer Arbeit.
höhe. Die klare, kalte Winterluft lässt mich
sofort wieder hellwach werden. Gleichgül-         Mal de mina
tig von welcher Himmelsrichtung man sich          5. Juli 2011: Mein zweiter Tag in Potosí be-     Gudrun mit Kindern des Kinderhorts „Cara-
Potosí nähert, immer ist das Symbol der           ginnt mit einer Todesnachricht. Felix, ein       coles“. Schon früh werden die Kinder mit der
                                                                                                   harten Realität in Potosi konfrontiert. Ein wenig
Stadt, der kegelförmige Berg „Sumaj Or-           Minero, ist in der Nacht an „mal de mina“
                                                                                                   Abwechslung bietet da ausgelassenes Spielen
cko“, der aufgrund der Kolonialgeschichte         verstorben. Dies ist ein Ausdruck für den        und gemeinsames Lernen.
auch Cerro Rico, der Reiche Berg, genannt         aussichtlosen Kampf gegen Silikosis, Staub-
wird, im Blickfeld. Seit ihrer Gründung 1545      lunge. Diese Krankheit ist heimtückisch, da     betreuung, die Kinder können spielen, er-
bestimmt der Berg das Schicksal von Poto-         sie langsam aber stetig die Lungen zersetzt.    halten Mahlzeiten – ihre Mamas, die nach
sí, der einst reichsten Weltmetropole und         Bei Felix dauerte es zwei Jahre. Zurück blei-   dem Tod ihrer Männer oft ohne Pension
jetzigem Armenhaus Boliviens. Seit damals         ben seine Frau Naty und acht Kinder. Bei        dastehen und daher arbeiten müssen, sind
werden Erze aus dem Berg geschürft, verar-        der Verabschiedung von Felix sind wir von       von der Sorge um ihre Betreuung entlastet.
beitet und in die ganze Welt exportiert. 34       MUSOL, Mujeres en solidaridad, vor Ort.         Für die Kinder der Guardas, Aufpasserinnen
Kooperativen sind derzeit mit der Förder-         MUSOL ist eine Organisation, die Familien,      auf Gerätschaften der Bergwerksgenossen-
ung von Rohstoffen beschäftigt, ca. 15.000        die von den Auswirkungen des Bergbaus           schaften, betreibt MUSOL den Kinderhort
Minenarbeiter, Mineros, schuften täglich im       betroffen sind, unterstützt. Als ob der Tod     „Caracoles“ auf dem Cerro Rico.
Berg, jedesmal froh, wenn sie lebend zu ih-       eines 8-fachen Familienvaters und Ehe-
ren Familien zurückkehren. Multinationale         mannes nicht schon tragisch genug ist, sind     Internationale Solidarität
Konzerne mit Sitz in der Schweiz oder Japan       wir noch mehr betroffen als sein 20-jähriger    INTERSOL, der Verein zur Förderung INTER-
schneiden mit am Kuchen der profitbring-          Sohn in den Raum getragen wurde: auf            nationaler SOLidarität, und das Institut für
enden Rohstoffe des Cerro Rico. Auf die Ar-       einem Plastiksessel, eingewickelt in Decken,    Internationale Solidarität arbeiten seit 20
beitsbedingungen der Mineros wird ebenso          angehängt an eine Infusion. Osmar ist 20        Jahren mit den Partnern in Potosí zusam-
wenig geachtet wie auf Umweltschutz. Der          Jahre und hat Blutkrebs. MUSOL unterstützt      men. Es ist nicht immer einfach angesichts
Berg ist durchlöchert wie ein Schweizer           diese und andere Familien durch (psycho-        der Tragweite der Auswirkungen des Mi-
Käse. Niemand weiß genau, wie viele Stol-         logische) Betreuung, Gesundheitsvorsorge,       nenbergbaus und manchmal ist es (nur) ein
len und Galerien in den Jahrhunderten in          Rechtsberatung, alternative Einkommens-         Tropfen auf den heißen Stein. Wenn man
den Berg getrieben wurden. Ein Einsturz           entwicklung und finanzielle Unterstützung.      aber die Frauen und Kinder und ihre Kraft
                                                  Insgesamt handelt es sich um 500 Frauen         und ihr Leuchten in den Augen sieht, ist es
                                                  und deren Kinder.                               einfach ganz klar, was notwendig ist: Soli-
                                                                                                  darität mit diesen Menschen, deren Leben
                                                  Die Zukunft ist nicht rosig, aber sie           nicht zuletzt aufgrund unserer Bedürfnisse
                                                  leuchtet doch                                   nach Rohstoffen wie Silber, Zink, Zinn oder
                                                  8. Juli 2011: Wir feiern das 4-Jahresjubilä-    Wolfram so hart ist.
                                                  um des Kinderzentrums „Nuevas Luces“,           Mag. Gudrun Danter arbeitet für INTERSOL.
                                                  was soviel wie „Neue Lichter“ bedeutet.
                                                  Dieses Zentrum wurde mit Unterstützung          Für Fragen zum Thema:
                                                  und viel Engagement aus Österreich er-          office@intersol.at oder 0662-874723
 Blick auf den Cerro Rico – Symbol für Reichtum   richtet. In Nuevas Luces werden Kinder von      Mehr Information: www.intersol.at
 und Ausbeutung. Vorne die Universität von        Bergarbeiter-Witwen betreut. Ausgebildete       Raiffeisenverband Salzburg, BLZ 35000,
 Potosi „universidad autónoma tomás frías“.
                                                  Erzieherinnen kümmern sich um die Lern-         Kto.Nr. 53959, Kennwort: „MUSOL“



02/2011 dreieck
Aus der Di re k t ion    | 27




 Ideen wachsen lassen                                                                                       Bettina Grubers Projekt:
                                                                                                            „ÇOLUK ÇOCUK - KIND und KEGEL“




                                                                                           Foto: Fotolia
                                                                                                             Ein generationenübergreifendes,
                                                                                                             interkulturelles Bildungsprojekt für
                                                                                                             Pädagoginnen, türkischstämmige
                                                                                                             Mütter und Großmütter
                                                                                                             „Çoluk Çocuk“ ist ein 11-monatiges Pro-
                                                                                                             jekt zur interkulturellen und vorschulpä-
                                                                                                             dagogischen Bildung. Zielgruppen sind
                                                                                                             Pädagoginnen, türkischstämmige Müt-
                                                                                                             ter und Großmütter. Gemeinsames Er-
                        BETTINA
                                                                                                             leben und emotionszentriertes Arbeiten
                        GRUBER
                                                                                                             stehen im Vordergrund. Durch gemein-
                                                                                                             same Erlebnisse (z.B. Feiern, Bildungsrei-



                                           D
Geschäftsführerin des Unternehmens                 as Salzburger Netzwerk „Bildung für                       se, ...) werden soziale Kontakte geknüpft
„Kalaydoskop – Interkulturelle                     Nachhaltige Entwicklung und glo-                          und Dialoge ermöglicht, die über den
Beratung und Projektmanagement“                    bales Lernen“, kurz „sabine“, startet                     kognitiven Wissensaustausch hinaus zu
1995-2000 lebte sie in der Türkei,         im November den zweiten Nachhaltigkeits-                          einem besseren Verständnis führen.
während dieser Zeit gründete und           Intensivlehrgang „Ideen wachsen lassen“. Wir
leitete sie eine internationale            haben uns mit Bettina Gruber, Teilnehmerin
Kindertagesstätte.                         des Intensivlehrganges 2009/2010, getroffen
                                           und sie zu ihren Eindrücken, Erfahrungen und
Resümee                                    nachhaltigen Effekten befragt.                                  Was bedeutet Nachhaltigkeit heute
                                                                                                           für Sie?
                                           Frau Gruber, was hat Sie dazu bewogen,                          Ich bekam einen anderen Blickwinkel und
Ingrid Benedikt aus Vorarlberg,            am Intensivlehrgang „Nachhaltigkeit“ teil-                      nehme bestimmte Themen, die mich vor
Teilnehmerin eines Lehrgangs:              zunehmen?                                                       dem Lehrgang nicht emotional berührten
                                           Ich wollte mehr über das Thema erfahren.                        anders war. Ich bin kritischer und hinterfra-
„Ich würde den Lehrgang in jedem
                                           Die Ausschreibung war ansprechend und                           ge mehr.
Fall empfehlen. Er war für mich sehr
                                           die Kosten für einen Lehrgang dieser Quali-
motivierend und interessant. Ich habe
                                           tät attraktiv.                                                  Sehen Sie das Zertifikat bzw. das Gelernte
viele neue Informationen zum Thema
                                                                                                           als hilfreich für Ihren Arbeitsalltag? Und
Nachhaltigkeit auf sehr spannende,
                                           Was wussten Sie vorher über das Thema                           können Sie Gelerntes in Ihrem Beruf ein-
witzige, inspirierende Art erfahren. Im
                                           Nachhaltigkeit? War es Ihnen ein Begriff?                       setzen bzw. umsetzen?
Austausch und in Gesprächen wurde
                                           Wenig, ich habe das Thema hauptsächlich                         Ich habe nach dem Lehrgang mein Unter-
meine Projektidee sehr konkret, und
                                           auf mich als Person bezogen.                                    nehmen „Kalaydoskop – Interkulturelle Bera-
ich konnte das Ganze sehr strukturiert
                                                                                                           tung und Projektmanagement“ gegründet.
angehen.
                                           Was haben Sie aus diesem Intensivlehr-                          Viele Themen und Inhalte des Lehrgangs
Ich habe sehr viele Tipps für den Alltag
                                           gang mitgenommen?                                               sind für meine Tätigkeit hilfreich, werden in
und auch meine berufliche Tätigkeit
                                           Der Lehrgang war eine persönliche Berei-                        Projektkonzepten berücksichtigt und sind in
bekommen. Außerdem ist es immer
                                           cherung für mein privates und berufliches                       der Praxis leicht umsetzbar.
wieder toll, wie man motiviert wird,
                                           Leben. Ich lernte sehr interessante Teilneh-
weiter zu tun. Das ist ja gerade in der
                                           merInnen aus den unterschiedlichsten Bran-                      Frau Gruber, herzlichen Dank
Umsetzung, z. B. auf politischer Ebene,
                                           chen kennen. Dadurch hat sich ein breites                       für Ihr Resümee!                              (MP)
oft ein langer und mühsamer Weg.“
                                           Erfahrungs- und Wissensspektrum ergeben.

  Mehr Infos finden Sie unter www.salzburgerbildungswerk.at
  Anmeldeschluss ist der 25. Oktober 2011, die Kosten betragen 490 Euro, Studierende bezahlen 380 Euro.



                                                                                                                                          dreieck      02/2011
28 |   A u s d e r D i re k t i o n




   Bildungsangebote mit MEHR-WERT
„Vom Engagement zur Kompetenz – Von
der Kompetenz zum Engagement“. Er-
wachsenenbildung durch ehrenamtliches
Engagement: Unter diesem Titel fand
Ende Mai 2011 in Wien die Tagung für 70
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den
Einrichtungen des Ringes Österreichischer




                                                                                                                                    Fotos: Ring Österreichischer Bildungswerke
Bildungswerke, darunter auch das Salz-
burger Bildungswerk, statt. Im Mittelpunkt
standen Charakteristik und Entwicklungs-
perspektiven ehrenamtlicher Erwachsenen-
bildung und Kulturarbeit. Das Salzburger
Bildungswerk war neben Geschäftsführer
Dr. Günther Signitzer mit insgesamt acht
hauptamtlichen MitarbeiterInnen vertreten,
welche unter anderem zu den Themen „At-
traktivität“ und „Web 2.0 in der ehrenamt-   Zum Themenbereich Regionalentwicklung        Mit dieser Tagung wurde auch die Bedeu-
lichen Bildungsarbeit“ referierten.          und ehrenamtliche Erwachsenenbildung         tung des Ehrenamts im Bereich der Erwach-
                                             durften wir EU-Kommissar Johannes Hahn       senenbildung betont.
                                             begrüßen und ihm ausgewählte Beispiele
                                             unserer Bildungsarbeit präsentieren.         Die TeilnehmerInnen der Tagung hielten
  Ring Österreichischer                      Johannes Hahn betonte die Wichtigkeit der    fest, was ehrenamtliche Bildungsarbeit
  Bildungswerke                              Bildung für die positive Entwicklung von     braucht:
                                             Städten, Gemeinden und Regionen. „Das        3 Hauptamtliche Strukturen, die über öf-
                                             Bildungsangebot der Ring-Einrichtungen          fentliche Gelder abgesichert sind
                                             ist MEHR-WERT: nämlich persönliche           3 Betreuende Begleitung und Anerken-
  Der Ring Österreichischer Bildungs-        Selbstverwirklichung, politische Teilhabe,      nung
  werke vertritt die Bildungs- und Kultur-   die Fähigkeit, ein selbstbestimmtes Leben    3 Ehrenamtliches Engagement darf nicht
  arbeit von über 2.200 ehrenamtlichen       zu führen und Verantwortung für das Ge-         als Gegensatz zur „professionellen“ Tä-
  MitarbeiterInnen in den rund 1.000         meinwesen zu übernehmen. Lernen ist eine        tigkeit gesehen werden, sondern als
  örtlichen Bildungswerken und über          der wesentlichen Voraussetzungen, um in         notwendige Ergänzung und als Chance
  3.200 Einsatzorten auf Bundesebene.        schwierigen Zeiten wirtschaftlich bestehen      zur Beteiligung der BürgerInnen an der
  Die im Ring Österreichischer Bildungs-     zu können, Bildung eröffnet Zukunftschan-       Gesellschaft sowie ein Mitwirken an po-
  werke vertretenen Einrichtungen            cen. Lernen gibt Sinn, macht Spaß, verän-       litischer Gestaltung und Entwicklung der
  gehen von einem ganzheitlichen,            dert Menschen und Gemeinschaft.“                Demokratie.                         (MP)
  gemeinwesenorientierten Bildungs-
  begriff aus und verknüpfen konkrete
  Fragestellungen und Herausforde-
  rungen des Einzelnen, der Familie
  und der Gesellschaft. Mit über 13.000
  Bildungsveranstaltungen jährlich und
  fast 390.000 Teilnahmen sowie den
  über 5.500 Sonderveranstaltungen
                                                                                                          Das Team des Salzburger
  gehört der Ring zu den großen ös-                                                                       Bildungswerkes mit
  terreichischen Bildungsträgern in der                                                                   EU-Kommissar Johannes
  Weiterbildung.                                                                                          Hahn (Mitte).




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Aus der Di re k t ion    | 29



Starke Salzburger Vertretung




                                                                                               Foto: Ring Österreichischer Bildungswerke
Wahl im Ring Österreichischer Bildungswerke



E
      U-Kommissar Dr. Johannes Hahn wur-       (ARGE Region Kultur) vertreten.
      de kürzlich zum Ehrenpräsidenten im      EU-Kommissar Hahn und Günther Signitzer
      Ring Österreichischer Bildungswerke      betonten die Wichtigkeit des lebensbeglei-
gewählt. Dr. Günther Signitzer, der Direktor   tenden Lernens. Ein qualitätsvolles, kontinu-
des Salzburger Bildungswerkes, wurde zum       ierliches, möglichst bürgernahes Weiterbil-
Vorsitzenden des Vorstandes, und zu seinen     dungsangebot sei dafür unverzichtbar: „Wir                                                  Im Bild (v.li.) Michael Aichholzer, Dr. Günther
                                                                                                                                           Signitzer, Dr. Anton Rohrmoser, Dr. Michael
Stellvertretern wurden Prof. Dr. Michael       erfüllen damit ein Hauptanliegen des EU-
                                                                                                                                           Bünker, Angela Bergauer, die Generalsekretä-
Bünker (ARGE Evangelische Bildungswerke)       Memorandums zum Lebenslangen Lernen                                                         rin des Rings Österreichischer Bildungswerke,
und Landtagspräsident Prof. Harry Kopietz      – Das Lernen den Lernenden räumlich näher                                                   und Dr. Johannes Hahn.
(Verband Österreichischer Volksbildungs-       zu bringen“. Dies werde durch die engagier-
werke) gewählt. Weiters sind im Vorstand       te Arbeit der Bildungswerke gewährleistet.           werke. Der Ring Österreichischer Erwach-
Michael Aichholzer (Kärntner Bildungs-         Der Direktor des Salzburger Bildungswerkes           senenbildung stellt 2011 das „Europäische
werk), Dr. Kirsten Beuth (Evangelische Aka-    verwies auf die professionelle Begleitung            Jahr der Freiwilligentätigkeit“ unter das
demie Wien), Margarete Ringler (Tiroler        der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und              Motto „Engagement schafft Kompetenz“.
Bildungsforum) und Dr. Anton Rohrmoser         die Qualitätszertifizierung der Bildungs-            (GS)




   Wir sagen Danke!
   Herbstfahrt des Salzburger
   Bildungswerkes nach Linz




                                                                                                                                                                                           Foto: ARS Electronica Center




                                                S
                                                      tatt zur traditionellen Herbstta-        3Besuch des Oberösterreichischen
                                                      gung sind heuer die Bildungswerk-          Volksbildungswerkes in Linz
                                                      leiterInnen und Mitglieder des Salz-     3 Märchen- und Sagenabend mit
                                                                                                 Ein
                                                burger Bildungswerkes zu einer Herbst-           Helmut Wittmann
                                                fahrt nach Linz eingeladen.                    3Stadtführung durch Linz
                                                                                               3Besuch im Ars Electronica Center
                                                Unter der Devise „Hauptamt trifft Ehren-
                                                amt“ stehen von 23. bis 24. September          Wir freuen uns auf die gemeinsame Zug-
                                                2011 interessante Aktivitäten auf dem          fahrt, die vielen Gespräche und auf einen
                                                Programm:                                      interessanten Aufenthalt in Linz!




                                                                                                                                                                           dreieck     02/2011
30 |   A u s G e me i n d e u n d B ezirk




                                                                         Zeit zum Wachsen


                                                                          Interkulturelle Gärten sind Orte der
                                                                          Integration, weil …
                                                                          … sie die Menschen erden, neu beheimaten und in
                                                                            Frieden kommen lassen.

                                                                          … hier ein interkultureller Austausch unter Gleichen
                                                                            stattfindet.

                                                                          … hier die Fähigkeiten und das Wissen aller zählen.

                                                                          … in ihnen das Eigene im Lichte des Anderen erscheint.

                                                                          … hier aus Flüchtlingen öffentliche AkteurInnen werden.




Interkultureller Gemeinschaftsgarten in Neumarkt am Wallersee
                                                                                                                      VON INGRID WEYDEMANN




                                                                         B
                                                                                 egonnen hat alles mit der Erkenntnis einer multikulturellen
                                                                                 Gesellschaft, die nicht „inter“ agiert, sondern wirklich nur
                                                                                 „multi“ nebeneinander lebt: ein Zusammenleben ohne aus-
                                                                         ufernde Kontaktmöglichkeiten und auch fast keine Reibflächen für
                                                                         Konflikte. Es sollte etwas Verbindendes geschehen – nur wie und
                                                                         von wem? Mit dem Prozess des Projektes „Agenda 21 – Nachhaltig-
                                                                         keit für Neumarkt“ wurde 2007 die Idee des Interkulturellen Gartens
                                                                         geboren und der Gemeinde vorgestellt. Beim Wettbewerb „land-
                                                                         auf“ ist die Idee von Dr. Hans Eder (Salzburger Bildungswerk/INTER-
                                                                         SOL) gemeinsam mit Ingrid Weydemann (Bildungswerkleiterin),
                                                                         Mag. Hermann Signitzer (Pfarre Neumarkt) und Berta Altendorfer
                                                                         (Salzburger Bildungswerk Mattsee) schließlich eingereicht und mit
                                                                         einem der sieben Hauptpreise ausgezeichnet worden. Daraufhin
                                                                         wurde die Grünflache der Gürtlervilla vom Salzburger Bildungswerk
                                                                         Neumarkt gepachtet und zum Gärtnern vorbereitet. Seit 2008 wer-
Ein Teil des Gartens der Gürtlervilla wurde umgepflügt und zum Bebauen   den so beim Sähen, Pflegen, Gießen und Ernten Begegnungen, Ge-
vorbereitet.                                                             spräche und Interkultureller Austausch Realität.



02/2011 dreieck
Aus G emei n de un d Bez irk    | 31


Das Wir im Mittelpunkt
In Neumarkt wohnen viele MigrantInnen: Im Stadtzentrum woh-           Infos zum Interkulturellen Garten
nen fast 40 AsylwerberInnen, die dort auf ihren „Bescheid“ warten
und leider nicht arbeiten dürfen. Durch Workshops und Projekte
mit dem Kulturaustausch des Museums Fronfeste wurden die Pro-
bleme dieser Menschen in den Mittelpunkt gerückt und werden
nun im interkulturellen Austausch und dem inzwischen aufge-
bauten Netzwerk konkret angepackt.                                    Anknüpfungspunkt: In Neumarkt ist es nicht das erste Mal,
                                                                      dass Menschen miteinander in und an einem Garten arbeiten:
In den vergangenen vier Jahren haben wir versucht, einen Prozess      Nach dem 2. Weltkrieg gab es auf dem Gelände des ehemaligen
zu leben, der bei allen Beteiligten ein Gefühl der Zufriedenheit      RADArbeitslagers bereits eine größere Fläche, auf der Men-
hinterlässt – wir machen uns keinen Stress, das Projekt wächst nur    schen unterschiedlicher Herkunft (Kriegsgefangene, Vertrie-
so schnell, wie wir es gemeinsam gut bewältigen können, unsere        bene, Einheimische) gemeinsam Gemüse anbauten.
Vorhaben sind so ausgelegt, dass keiner überfordert ist, im Mittel-
punkt steht der Mensch, und der Spaß am Tun bleibt im Vorder-         Unsere GärtnerInnen: Vier Asylwerber aus dem Gasthof Gerbl,
grund. Es gibt keine Misserfolge, es sind Stationen des Lernens!      vier Einzelpersonen aus Neumarkt, zwei Familien (eine davon
                                                                      mit Migrationshintergrund), vier Schulklassen, zwei Kinder-
                                                                      gartengruppen. Eine Abordnung der Gemeindevertretung
Es ist schon viel passiert                                            pflanzte „Kommunalkartoffeln“.
Darüber berichten wir im nächsten dreieck – dazu eine kleine Vor-
schau: Wir haben nun schon über 40 GärtnerInnen aus 15 Natio-         Begleitung: Seit dem Start der Gartensaison im April 2008 gab
nen, gemeinsam mit der Türkischen Gemeinschaft gab es im Juli         es monatlich ein organisiertes Treffen, zu dem alle GärtnerInnen
das 1. Interkulturelle Sommerfest, das zugleich der Start für ein     eingeladen wurden. Später haben wir die Treffen mit einem ge-
„Bildungszentrum für Migranten und Migrantinnen Salzburger            meinsamen Essen verbunden, denn auch gemeinsames Essen
Seenland“ war. Ein Bauwagen wird mit Jugendlichen zum Löwen-          bringt uns einander näher.
zahn – Waggon mit Bücherei, Kaffeemaschine, Sitzgelegenheiten
– ausgebaut, Sommergrillfeste, Sommer-Sprachtage – Deutsch            Mitgarteln: Das Angebot, sich an dem Gartenprojekt zu beteili-
lernen in den Ferien ... und vieles mehr.                             gen, ist kostenlos – lediglich zwei kleine Bedingungen werden
                                                                      gestellt: Einerseits muss man dem erhofften interkulturellen
Ingrid Weydemann MAS ist Bildungswerkleiterin in Neumarkt.            Austausch (Kontakte mit anderen GärtnerInnen) grundsätzlich
                                                                      positiv gegenüber stehen und andererseits Gartenbau nach
                                                                      ökologischen Kriterien (ohne Pestizideinsatz und synthetische
                                                                      Düngemittel, ...) betreiben.

                                                                      Projektbeteiligte: Stadtpfarre Neumarkt, Salzburger Bildungs-
                                                                      werk Neumarkt, Museum Fronfeste Neumarkt, Stadtgemeinde
                                                                      Neumarkt, Hauptschule Neumarkt, Elternverein der Haupt-
                                                                      schule Neumarkt, Caritaszentrum Neumarkt, Johann Aigner-
                                                                      Volkschule Neumarkt, Kindergarten Neumarkt, HBLA Neumarkt,
                                                                      Samshofbauer.

                                                                      Interessierte Helferinnen: Im Rahmen der Aktion „Global So-
                                                                      lidarity“ (siehe dazu Seite 25) halfen uns Schülerinnen der 2a
                                                                      HBLA Neumarkt. Sie jäteten, zupften Unkraut und gestalteten
                                                                      ein tolles Schild für unseren Garten. Um Kontakte und Ge-
                                                                      spräche auch bei Regen möglich zu machen, baute ein Teil
                                                                      der Mädchen im Rahmen der „72 Stunden ohne Kompromiss“
                                                                      (www.72h.at) eine Gartenlaube.

                                                                      Kontakt: Ingrid Weydemann MAS, museum@neumarkt.at
                                                                      Pastoralassistentin Mag. Alexandra Kunstmann-Hirnböck,
Die Gemeindevertretung hat gemeinsam den Garten besucht und           pfarre@neumarkt.at
„Kommunalkartoffeln“ angebaut.



                                                                                                                           dreieck     02/2011
32 |    A u s G e me i n d e u n d B ezirk




    frauen.einklang in Mattsee
                                                                                                                                   VON BERTA ALTENDORFER




A
       nfang April hat das Netzwerk frauen.        intensiv spüren. Die Schwingungen der Pla-
       mattsee zu einem besonderen                 netenklangschalen wirken heilsam auf den
       Abend eingeladen: zum „frauen.ein-          Körper und lösen Blockaden. Gedanken
klang“. Drei frauenspezifische Workshops           kommen zur Ruhe und die Kreativität wird
haben einen Abend lang Frauen in Einklang          angeregt.
mit sich selbst gebracht.
                                                   Maria Maislinger, seit 25 Jahren im Verein
So ließ Monika Steindl die Klangschalen er-        „Aktiv  Gesund Union Mattsee“ aktiv, erar-
klingen. Zu Beginn des Workshops wurden            beitete dann Wellness für Frauen und deren
die Teilnehmerinnen an ihre tiefe Atmung           Familien in Theorie und Praxis. So wurden
erinnert, so konnte man die Klangräume             hilfreiche Übungen zur Stärkung der Kör-
                                                   permitte, um so Stress und Belastung ab-
                                                   bauen zu können, gezeigt.

                                                   Rose Sattler, Diplomierte Erwachsenenbild-
                                                   nerin im musisch-kreativen Bereich und
                                                   Integrative Rhythmuspädagogin, bildete
                                                                                                            Gemeinsam mit Rose Sattler brachten die Frauen
                                                   den Abschluss mit Bodypercussions und
                                                                                                            den Körper trommelnd zum Klingen.
                                                   Trommeln. Tanzend, trommelnd, lachend
                                                   und singend wurde der Körper zum Klingen
                                                   gebracht. „Spielerisch tauchten wir ein in                Das Netzwerk frauen.mattsee wurde 2005
                                                   die Welt voll von Musik und Rhythmus, akti-               vom Salzburger Bildungswerk gegründet
                                                   vierten unsere Energie und Lebensfreude“,                 und wird getragen von Frauen aus den
                                                   so eine Teilnehmerin.                                     verschiedensten örtlichen Organisationen
                                                                                                             und Vereinen. Ziele sind die Organisation
                                                   Beim gemeinsamen Umtrunk ließen die                       und Durchführung von frauenspezifischen
                                                   Frauen den gemeinsamen Abend ausklin-                     Veranstaltungen vor Ort. Das Netzwerk
 Monika Steindl aus Salzburg ließ die              gen.                                                      setzt sich Jahr für Jahr je nach Projekt/Ver-
 Klangschalen erklingen.
                                                   Berta Altendorfer ist Bildungswerkleiterin in Mattsee.    anstaltung individuell zusammen.




   Lachen geht durch den Magen …
                                                                VON INES SALFER




  A
          m 8. April 2011 hatte der Lachyogaclub Salzburg die Ehre, 4-Hau-
          benköchin Johanna Maier und ihre Schwiegertochter Christina
          Maier (Bild Mitte) begrüßen zu dürfen.
  Wir haben uns das Lachen durch den Magen gehen lassen, gemeinsam
  Kichererbsensuppe „gekocht“ und das Zwerchfell hüpfen lassen. Was
  für ein Riesenspaß. Wobei wir ehrlich zugeben müssen, dass wir in die-
  sem Fall noch lieber Frau Maiers Suppe im Original statt als Lachübung
                                                                                                                                                        Foto: lachyogasalzburg




  verkostet hätten.
  Wir freuen uns auf ein lachendes Wiedersehen!
  Ines Salfer ist Lachyogatrainerin in Salzburg.




02/2011 dreieck
Aus G emei n de un d Bez irk     | 33



Über den Tellerrand schauen
Eine Woche voller Nachhaltigkeit, Umwelt und Energie
                                                                   VON MARTIN ROHRMOSER




D
        ie Fähigkeit, über den eigenen Tel-    gangenheit über die Gegenwart in die Zu-
        lerrand schauen zu können, gehört      kunft schauen: Das haben wir uns in diesen
        zur Minimalanforderung in einer sich   Tagen vorgenommen.
vernetzenden und global agierenden Welt.       So wurden gemeinsam mit den Österrei-
                                                                                              Wasser marsch! Die
Die Gewohnheit, nur in der eigenen Sup-        chischen Bundesforsten und den Volksschü-      Freiwillige Feuerwehr
pe schwimmen zu wollen, sich inhaltlich,       lerInnen Fichten und Lärchen im National-      begeisterte Groß und
gedanklich und gefühlsmäßig einzuigeln,        parkgebiet gepflanzt sowie ein Aktionstag      Klein.
hat in einem vereinten Europa wohl nichts      in der Nationalparkpartnerschule und im
mehr zu suchen.                                Kindergarten veranstaltet. Beim gemein-
                                               samen Kochen von Fleischfarvel (zuberei-
 Kontakte knüpfen, Erfahrungen                 tet von Bürgermeister Hans Toferer) bis zu
 austauschen, voneinander                      französischen Crepes (gebacken von Martin
                                               Rohrmoser) haben wir kulinarisch über den
 profitieren ...
                                               Tellerrand geschaut. Bei Musik, Tanz und
 Vielleicht sollte ich den Ausstieg            gelungenen Sketches haben uns die Kinder
 aus meinem wohlbehüteten                      mit Begeisterung von Afrika bis in unser
 Tellerreich wagen und in die                  kleines Dorf Hüttschlag geführt.
 faszinierende unbekannte                      Damit nicht genug, veranstaltete die Frei-
 Um- und Außenwelt eintreten.                  willige Feuerwehr einen spannenden Vor-       Stromtankstelle des Großarltales. Diese ist
                                               mittag mit Lösch- und Räumübung, und          kostenlos zugänglich und wird vom Klein-
Einen Versuch wäre es zumindest wert,          Energieberater informierten über Ener-        kraftwerksbetreiber Prof. Dr. Peter Draxler
dachte ich mir, und so gestalteten wir Ende    giebilanz und nachhaltige Energieformen.      zu Verfügung gestellt.
Mai 2011 gemeinsam mit vielen Ehrenamt-        Woher kommt unsere Energie, wie gehen         Den Höhepunkt der Bildungstage bildeten
lichen die Bildungstage in Hüttschlag unter    wir damit um, was sind die besten Ener-       die Feierlichkeiten anlässlich „20 Jahre Na-
dem Motto „Über den Tellerrand schauen“.       gieformen, wie schaut unsere Energiebi-       tionalparkgemeinde Hüttschlag“ und „210
Entdecken, erfahren, erforschen, schme-        lanz aus? Das war ein großes und abend-       Jahre Trachtenmusikkapelle“.
cken, riechen, mit allen Sinnen, mit eigenen   füllendes Thema. Eröffnet wurde auch die      Martin Rohrmoser ist Bildungswerkleiter in
Händen und Füßen etwas tun, von der Ver-       erste mit Energie aus Wasserkraft gespeiste   Hüttschlag.




Der Tennengau macht’s vor …
1. Bildungswerkstammtisch


D
        ie Arbeit im Salzburger Bildungs-      Wasserfall fiel leider im wahrsten Sinne
        werk macht Spaß! Das sah und           des Wortes ins Wasser. Dies tat der guten
        hörte man beim ersten Stammtisch       Stimmung jedoch keinen Abbruch, und so
des Salzburger Bildungswerkes – Region         wurden beim anschließenden Abendessen
Tennengau, der am 8. Juni 2011 in Golling      Erfahrungen, Referententipps, Zukunftsvor-
stattfand.                                     haben und vieles mehr besprochen. Der Ge-      Bezirksleiter MMag. Michael Neureiter mit den
Nach einem Willkommenstrunk im Gasthof         dankenaustausch war so rege, dass wir erst     BildungswerkleiterInnen beim ersten Tennen-
                                                                                              gauer Bildungswerkstammtisch in Golling.
Abfalter wurde das Torrener Konglomerat-       zu späterer Stunde den Gasthof Abfalter
plateau „erklommen“, wo Alois Hettegger,       verließen. Ein rundum gelungener Abend
Pfarrkirchenratsobmann von Golling, durch      ging erfolgreich zu Ende! Auf Wunsch aller    fen und den gemeinschaftlich-sozialen Part
die frisch renovierte Filialkirche St. Niko-   Beteiligten werden wir uns nun halbjährlich   unserer Bildungsarbeit weiter intensiveren.
laus führte. Die Wanderung zum Gollinger       in gemütlicher Stammtischatmosphäre tref-     (bh)




                                                                                                                               dreieck    02/2011
34 |   A u s G e me i n d e u n d B ezirk




  Apropos Gesundheit …                          Hintersee hinterlässt Spuren
                                                                                                               VON BRIGITTE WEISSENBACHER




                                                U
                                                       nter dem Motto „Spuren hinterlas-     die Bestsellerautorin Nicola Förg aus Ba-
                                                       sen“ veranstaltete das Salzburger     yern gemeinsam mit Erich Weidinger zu
                                                       Bildungswerk Hintersee im Mai         einem unterhaltsamen Krimiabend.
                                                2011 die vierte Bildungswoche. Dieses        Ein weiteres Highlight war die Veran-
                                                Motto wurde gewählt, da es dem Vorbe-        staltung mit dem mehrfachen Para-
                                                reitungsteam besonders wichtig erschien,     olympicteilnehmer und Monoskifahrer
                                                in einem kleinen Ort wie Hintersee posi-     Reini Sampl aus Muhr im Lungau, der in
                                                tive Spuren für ihre Kinder und Enkel zu     eindrucksvoller und höchst interessanter
                       VON HEIDEMARIA MIMRA
                                                hinterlassen.                                Art und Weise sein Leben vor und nach
                                                                                             seinem schweren Schiunfall schilderte –



  G
         esundheit - Welches Thema              Die Eröffnung des neuen Gemeindezen-         unter dem passenden Motto „Bis an die
         sonst hätten die Veranstal-            trums bildete den idealen Rahmen für         Grenzen gehen – Mein Weg zurück“. Die-
         ter, Lionsclub, Salzburger Bil-        den Auftakt der Bildungswoche, die von       ser sehr emotionale Abend begeisterte
  dungswerk und Verein KULTUR.GUT,              Dr. Josef Sampl, dem Vorstandsvorsit-        aktive WintersportlerInnen jeder Alters-
  in einem Kurort wie Bad Hofgastein für        zenden des Salzburger Bildungswerkes,        gruppe.
  die 4. Bildungswoche wählen sollen?           eröffnet wurde.
  Gesundheit in alter Zeit mit oft schon        Das Programm wurde abwechslungsreich         Zum Abschluss der 4. Hinterseer Bildungs-
  vergessenen Hausmitteln, Gesundheit           und spannend gestaltet – sowohl für die      woche fand ein öffentlicher Gemeindetag
  heute mit einem breiten Spektrum an           Kinder als auch die Erwachsenen und die      statt, bei dem sich die BürgerInnen mit
  Therapiemöglichkeiten und Ideen zur           örtlichen Vereine. So gehörten eine lusti-   Ideen und Fragen an den Bürgermeister
  Gesundheit in der Zukunft: Eine Wo-           ge Lesung für die Kindergarten- und          sowie an die Gemeindevertretung ins ört-
  che lang standen verschiedenste Ge-           Volksschulkinder mit Erich Weidinger, ein    liche Leben einbringen konnten.
  sundheitsthemen im Mittelpunkt des            Vortrag zum Thema „Was die Seele (un)-
  Geschehens.                                   glücklich macht“ von Mag. Andreas Kaiser     Die Veranstaltungen wurden von der
                                                von der Geriatrie der Christian-Doppler-     Hinterseer Bevölkerung sowie von Besu-
  Zusätzlich erwartete die Hofgastei-           Klinik in Salzburg ebenfalls zum Pro-        cherInnen aus den Nachbargemeinden
  nerInnen und ihre Gäste Amüsantes             gramm wie eine Maiandacht der Vereine        sehr gut angenommen. Für uns ist das
  und Interessantes, wie das Kabarett           mit einem Vortrag von Prälat Dr. Hans        Ansporn, auch in Zukunft interessante
  des fabelhaften Performancekünstlers          Paarhammer.                                  Veranstaltungen anzubieten!
  Götz Bury und eine Kunstaktion, die           Aber auch die Spannung durfte in dieser      Brigitte Weißenbacher ist Bildungswerkleiterin in
  historische Behandlungsweisen in den          Woche nicht zu kurz kommen, und so lud       Hintersee.
  Mittelpunkt stellte.
  Die interessanten Vorträge über Wild-
  kräuter, über die heute so viel bespro-
  chenen Schüsslersalze oder über das
  noch lebendige Arzneimittelwissen
  unser SeniorenInnen fanden zahl-
  reiche ZuhörerInnen.
  Unser Resümee: Aufschlussreich, inte-                                                                        Den Auftakt zur Bildungs-
                                                                                                               woche bildete die Eröff-
  ressant, amüsant – das Thema Gesund-
                                                                                                               nung des neuen Gemeinde-
  heit erschöpft sich nicht so schnell, da-                                                                    zentrums, zu der LHF Mag.
  her gibt es in Bad Hofgastein vielleicht                                                                     Gabi Burgstaller und LH-Stv.
  in Zukunft bald wieder eine Woche                                                                            Dr. Wilfried Haslauer, Ab-
                                                                                                               geordnete des Salzburgers
  voll Gesundheit.
                                                                                                               Landtag sowie Politiker aus
                                                                                                               den umliegenden Gemein-
  Mag. Dr. Heidemaria Mimra ist Bildungswerk-
  leiterin in Bad Hofgastein.
                                                                                                               den der Fuschlseeregion
                                                                                                               anreisten.




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                                                                                                 Kunstausstellung ist
                 Erotik und „Dancing Stars“                                                      „Bellissimo“
                                                                     VON STEFANIE WALCH




I
    n dem einzigartigen Ambiente des       Tag gefrönt. Die BesucherInnen malten
    Rauchhauses „Mühlgrub“ fand am         und basteln, so entstanden Struktur-En-
    13. und 14. Mai 2011 zum dritten       ergie-Bilder, Recycling-Schmuckstücke,
Mal die Veranstaltungsreihe „Kunst Kul-    Laubsägearbeiten und Naturkosmetika.
tur Kulinarik“ statt, die vom Tourismus-   Die Atmosphäre des Rauchhauses hat
verband und Salzburger Bildungswerk        laut Aussage der TeilnehmerInnen die
                                                                                             Bgm. Martin Greisberger, Anneliese Grubinger,
Hof gemeinsam durchgeführt wurde.          Kreativität stark gefördert, und so ent-          Volkskulturleiterin Dr. Lucia Luidold, Dr. Erich
                                           standen tolle Kunstwerke.                         Marx und Günther Signitzer freuen sich über
Als der Heimatverein Hof am Freitag-                                                         den großen Erfolg.
abend auftanzte, wurde der Tennenbo-
                                                                                                                     VON BERNHARD IGLHAUSER
den des Rauchhauses zu einem „Tanzbo-



                                                                                             E
den“. Zur Einstimmung wurden einige                                                                in Highlight der 20. Bildungswoche in
Volkstänze vorgeführt. Das machte Lust                                                             Thalgau ist sicherlich die erstmalige
auf mehr, und so beteiligten sich dann                                                             Thalgauer Kunstausstellung „Bellissi-
viele BesucherInnen bei den anschlie-                                                        mo“, die in Zusammenarbeit mit dem Salz-
ßenden Publikumstänzen, die unter der                                                        burger Bildungswerk erstellt wurde. Obfrau
fachkundigen Führung eines Profitän-                                                         Anneliese Grubinger und ihrem Team gelang
zers, ähnlich wie bei „Dancing Stars“,                                                       es auf Anhieb, mit der Vielfalt der Kunstexpo-
gar nicht so schwer fielen.                                                                  nate der 25 AusstellerInnen eine ausgezeich-
                                                                                             nete Resonanz zu erreichen.
Neben Kultur und Kunst auch                                                                  Festredner Dr. Erich Marx, Leiter des Salzburg
Kulinarik                                                                                    Museums, hob bei der Eröffnung die Bedeu-
                                           Katrin Walch mit ihrem Kunstwerk.
Tags darauf konnte dann das über 500                                                         tung der Bildersammlung des vergessenen
Jahre alte Rauchhaus „Mühlgrub“ ge-        Für die kulinarischen Schmankerln                 Malers Engelbert Mayrhofer für die örtliche
nauestens inspiziert werden. Der Denk-     sorgten die Wirtsleute von der Mayrle-            und auch Salzburger Kunst- und Regionalge-
malhof steht auf einem Hügel zwischen      hen Hütte, die Faistenauer Hofkäserei             schichte hervor.
Hof und Thalgau (Riedlstraße) und dient    sowie Gerti’s Genussladen.                        Ein Konzert des Pianisten Otto Andreas
heute als Museum, als Zeugnis bäuer-                                                         Fickert und ein gelungenes Biedermeier-Cafe
licher Kulturgeschichte.                   Den Höhepunkt und auch den Ab-                    von der Eine-Welt-Gruppe Thalgau rundeten
Doch auch der Kunst wurde an diesem        schluss bildete eine erotische Märchen-           die stimmungsvolle Eröffnungsfeier zur 20.
                                           lesung. Der aus Hörfunk und Fernsehen             Jubiläums-Bildungswoche ab.
                                           bekannte Helmut Wittmann erzählte,                Die Ausstellung ist bis 30. Oktober 2011 zu
                                           begleitet von Aneta Marie Pichler auf             den Besuchszeiten des Museums zugängig.
                                           der Harfe und Franz Bernegger auf dem             DDr. Bernhard Iglhauser ist Bildungswerkleiter in
                                           Böhmischen Bock (einer Art Sackpfeife),           Thalgau.

                                           überlieferte erotische Volksmärchen.
                                           Passend dazu wurden den Gästen Ge-
                                           richte wie der Liebesteller, Waldorffsalat
                                           und Liebesknochen serviert. Neben der
                                           Erotik kam auch das Lachen nicht zu
                                           kurz, und so erlebten die ZuhörerInnen
Fotos: TVB Hof




                                           einen interessanten Abend, dessen
                                           Fortsetzung leider nur erahnt werden
Märchenerzähler Helmut Wittmann sorgte
                                           konnte ...                                        „Kunst und Schule“: ein spannendes Keramikmo-
mit seinen erotischen Märchen für einen                                                      saik-Projekt der 3B-Klasse mit dem Künstler Axel
gelungenen Abend im Rauchhaus.             Stefanie Walch ist Bildungswerkleiterin in Hof.   Wilhelm Krauss.




                                                                                                                                  dreieck   02/2011
36 |   A u s G e me i n d e u n d B ezirk




Gemeinschaft                                                                                                 Etwas ganz Besonderes:
                                                                                                             das Samsontreffen.
leben
                               VON JOHANN POSCH




A
       nlässlich des 100-jährigen Bestands-
       jubiläums der Freiwilligen Feuer-
       wehr St. Andrä und der damit ver-
bundenen offiziellen Übergabe des neuen
Feuerwehrhauses mit Gemeindebauhof
und Recyclinghof sowie des Samsonturmes
hat das Bildungswerk St. Andrä gemeinsam
mit der Freiwilligen Feuerwehr Anfang Juni
2011 eine Bildungswoche unter dem Motto
„Gemeinschaft leben“ veranstaltet.

Schon bei der Auftaktveranstaltung mit
Mag. Maria Thaler stand „Gemeinschaft
leben“ im Mittelpunkt. Die Referentin ver-
mittelte mit dem Bild der „Giraffensprache“       Hans Posch gab dazu Einblicke in seine Foto-   Spiele gesammelt und diese auch in einer
sehr anschaulich eine Anleitung zu einer          sammlung, in der er Fotos aus vergangener      Broschüre zusammengefasst und illustriert.
hilfreichen Kommunikation zwischen den            Zeit von verschiedenen Anlässen, aus dem       Der Pfingstsamstag stand ganz im Zeichen
Generationen, um Missverständnisse ver-           Alltagsleben, von Feierlichkeiten sowie An-    des 1. Taurachtaler Samsontreffens in St.
meiden zu können. Umrahmt wurde dieser            sichten von Gebäuden aus allen Ortsteilen      Andrä. Die Festlichkeiten begannen am
Abend sehr stimmungsvoll von der genera-          der Gemeinde zusammengetragen hat.             Dorfplatz mit der Vorstellung der Samsone
tionenübergreifenden Hausmusik Santner                                                           des Taurachtales und einem gemeinsamen
(drei Generationen) aus Lintsching.               Gemeinsam spielen                              Tanz der fünf Riesen. Begleitet von der Mu-
                                                  Gemeinschaft spielerisch und generati-         sikkapelle und einer großen Zahl von Besu-
Eine fotografische Spurensuche durch die          onenübergreifend erleben: Das war der Sinn     cherInnen marschierten die Samsone bis
Gemeinde stand am nächsten Tag auf dem            des Spielefestes am Dorfplatz. Unter dem       zum Festzelt. Dort sorgten die „Jungen Pal-
Programm. Insgesamt 80 Gemeindebürge-             Motto „Alte Spiele – neu entdeckt“ hatten      dauer“ bis in die Morgenstunden für gute
rInnen machten im neuen Schulungsraum             VolksschülerInnen und Kindergartenkinder       Unterhaltung.
der Feuerwehr einen Blick zurück in die Ent-      im Laufe des Jahres unter Mithilfe ihrer El-   Dir. Mag. Johann Posch ist Bildungswerkleiter in
wicklung von St. Andrä. Bildungswerkleiter        tern und Großeltern schon fast vergessene      St. Andrä.




                                                           Beim Spielefest konn-
                                                           te man Gemeinschaft
                                                           spielerisch und gene-
                                                           rationenübergreifend
                                                           erleben.




                                                                 Hausmusik Santner




02/2011 dreieck
Aus G emei n de un d Bez irk    | 37




  Regionale Stärken stärken
Lernende Regionen Oberpinzgau – Tennengau - Salzburger Seenland



D
       as Bundesland Salzburg darf seit
       einem Jahr drei Lernende Regionen
       sein Eigen nennen. Doch worum
geht es dabei eigentlich?
Das Programm „Lernende Regionen“ ist ein
EU-Projekt, welches beim Lebensministeri-
um angesiedelt ist und vom Land Salzburg
kofinanziert wird, Projektträger ist der Verein   Eine Lernende Region kann nur gelingen,        Der Oberpinzgau hat es sich unter anderem
„Salzburger Erwachsenenbildung“. Haupt-           wenn ihre Anliegen klar kommuniziert           zum Ziel gesetzt, Eigeninitiative und Selbst-
akteure der Lernenden Regionen sind die           werden, MultiplikatorInnen Träger der zu-      bestimmung der Bevölkerung zu stärken.
in den Regionen tätigen Weiterbildungs-           grundeliegenden Bildungsvision sind, Bür-      Inhaltliche Schwerpunkte sind dabei Inte-
organisationen der Arbeitsgemeinschaft            gerInnen sensibilisiert sowie mobilisiert      gration, Basisbildung, emanzipatorische
Salzburger Erwachsenenbildung und die             werden und Möglichkeiten der Beteiligung       Bildungsarbeit und Tourismus. Im Herbst
LEADER-Managements/Regionalverbände.              vorfinden. Die Salzburger Lernenden Re-        2011 beginnen Qualifizierungskurse zum
                                                  gionen gestalten Entwicklungsprozesse          Thema „Regionale Geschichte und Kultur“
Das Projekt zielt darauf ab, ländliche Regi-      deshalb möglichst partizipativ. So wurden      für Personen, die im Tourismus tätig sind.
onen „zukunftsfähig“ zu halten. Klar ist, dass    die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der        Weiters startet ein Generationenprojekt,
den Herausforderungen unserer Zeit nur            beteiligten Institutionen im Rahmen von        bei dem VolksschülerInnen mit ihren Groß-
durch Bildung und lebenslanges Lernen             Regionalkonferenzen an der Strategieent-       eltern alte Handwerkskünste umfassend
begegnet werden kann. Daher besteht die           wicklung beteiligt. Sie sind auf Grund ihrer   „wiederbeleben“.
Grundidee einer Lernenden Region darin,           Multiplikatorenrolle wichtige Kooperations-
regionale (Weiterbildungs)Institutionen an        partner und wirken soweit als möglich an       Im Salzburger Seenland wurde ein nachhal-
einen Tisch zu bringen, bestehende Netz-          Planung und Entscheidungsfindung mit.          tiges Leitthema entwickelt. Unter dem Mot-
werke zu intensivieren sowie neue, nach-                                                         to „Leben.Energie.Bildung“ sind Veranstal-
haltige Synergien zu bilden, um das Thema         Lern.fest 2011                                 tungen zu Umweltbildung, Lebensstil und
Bildung für BürgerInnen noch greifbarer zu        Nach der Entwicklung der regionalen Bil-       -qualität sowie Energie und Ressourcen ge-
machen. Diese institutionalisierte Zusam-         dungsstrategien geht es in den Lernenden       plant, die regelmäßig in einem eigenen Bil-
menarbeit von Bildungsanbietern, AMS,             Regionen Salzburgs nun um die Umsetzung        dungskalender kommuniziert werden. Am
Unternehmen, sonstigen Einrichtungen (z.          erster Projekte. Da die Regionen und deren     10. und 11. September findet im Rahmen
B. Vereine) und der Regionalentwicklung ist       Bedürfnisse sehr heterogen sind, gibt es       des Kunsthandwerksmarktes Seeham das
in der Form völlig neu.                           kein Standardprogramm, sondern regional        Fest der Bildung statt, bei dem jede Menge
                                                  abgestimmte Maßnahmenpakete.                   Workshops kostenlos „beschnuppert“ wer-
Botschafter für Bildung und                                                                      den können                             (bh)
Weiterbildung                                     Im Tennengau wird alles dran gesetzt, Men-
Lernen soll nicht als „Muss“ wahrgenom-           schen Lust auf Lernen zu machen. Daher
men werden, sondern als Bereicherung für          findet am 8. Oktober in Hallein das erste
das eigene Leben. Ein Hauptanliegen des           Tennengauer Lernfest unter dem Motto
Projektes ist es daher, gemeinsam (Weiter)-       „lern.fest 2011. staunen.erleben.begreifen.“    Lernende Regionen im Netz:
Bildungsmaßnahmen, die auf die regionalen         statt. Ziel ist es, die Lust am Lernen durch    Oberpinzgau: http://www.oberpinzgau.
Bedürfnisse abgestimmt sind, zu entwickeln        Mitmachen und Ausprobieren erlebnis-            info/index.php?id=151
und umzusetzen. Dies soll gemeinde-, aber         orientiert zu vermitteln. Geboten wird ein      Salzburger Seenland: www.rvss.at,
auch einrichtungsübergreifend passieren.          vielfältiges Programm für Jung und Alt wie      Rubrik „Lernende Region“
Dahinter steht das Ziel, den Beteiligungs-        beispielsweise Wissenschaft im Wirtshaus,       Tennengau: http://www.lernende-
grad an Bildung in den Regionen längerfri-        Biografieworkshops, Sprachkurse, Lachyo-        regionen.at/de/region.asp?id=30
stig und dauerhaft zu erhöhen.                    ga und Gedächtnistraining.



                                                                                                                               dreieck     02/2011
38 |   A u s G e me i n d e u n d B ezirk




  Generationenplausch „Mei erste Liab“
                           VON ROLAND LORSCHEID




      T
            u doch was“, dachten sich in Un-

  „
            ternberg unter Anderem Heidi
            Stolz und Rosi Wieland vom Kin-
  dergarten, Vevi Unterainer von den Seni-
  oren und Bildungswerkleiter Roland Lor-
  scheid. ... und es hat sich was getan beim      Heut is so a scheana Tag: Es wird   Hans Fanninger             Familienmusik Santner: Josef
  Generationenplausch zum Thema „Mei              eifrig gesungen und getanzt.        (Minibauer) erzählt.       (10 Jahre), Franziska und Alois.
  erste Liab, dåz‘mals und heut“ beim Schil-
  cherwirt in Unternberg: Jung bis Jungge-        den Mann, der nichts als seine geflickte         selbst gebackene Lebkuchenherzen mit
  bliebene verbrachten einen gemütlichen          Hose zu vererben hat, führten Raimund            „Liebe ist ...“-Sprüchen.
  Nachmittag bei Kaffee und Kuchen.               Lüftenegger (Bartler) und Marianne Sag-          „Mei erste Liab, dåz‘mals und heut“ war
  Moderiert von Schilcherwirt Alois Santner,      meister (Fötschl).                               eine gelungene Veranstaltung in Koopera-
  gab es über die Liebe und das Verliebtsein      Die Veranstaltung war so wie der Titel des       tion mit der Lungauer Kulturvereinigung
  in früheren Tagen einiges zu erzählen. Für      Liedes „Heut ist so ein schöner Tag“, das        im Rahmen von Kultur an der Mur „Kann
  den musikalischen Rahmen sorgten Josef,         die Kindergartenkinder mit den Erwach-           denn Liebe Sünde sein?“.
  Franziska und Vater Alois Santner aus Lint-     senen gemeinsam zum Besten gaben.                Roland Lorscheid ist Bildungswerkleiter in
  sching. Einen Dialog über einen trinken-        Zum Abschluss verteilten die Seniorinnen         Unternberg.




Demokratischer Wüstenwind
                                                                                                                                  VON MARIA PLÖSSNIG




D
        ie Umstürze und Bewegungen in             alen Missständen, Arbeitslosigkeit, Korrup-
        der Arabischen Welt sind eines der        tion, dem Unmut über autoritäre Regime
        hochaktuellen politischen Themen,         und den Sicherheitsapparat. Auch voran-            Dr. Claudius
die Menschen rund um die Welt dieses Jahr         gehende, ausgewählte Provokationen und             Jan Völkel
beschäftigt haben. Das Salzburger Bildungs-       Protestaktionen wurden näher erläutert.            Politikwissen-
                                                                                                     schafter und

                                                                                                                                                       Foto: privat
werk hat zu diesem Anlass im Frühjahr 2011        Schließlich folgte die Analyse der Revoluti-
in drei Gemeinden – Abtenau, Kuchl und            on in Tunesien und dem „Tag des Zorns“ in          Islam-Experte
Henndorf – den Vortrag „Demokratischer            Ägypten bis hin zu tagesaktuellen Informa-
Wüstenwind“ mit dem Politikwissenschaf-           tionen zu den Massenprotesten in Libyen,
ter und Islam-Experten Dr. Jan Claudius Völ-      Syrien, Jemen, Saudi-Arabien usw.                 der gerade aktuellen Weltpolitik orientiert
kel organisiert.                                  Auch die Auswirkungen und Erwartungs-             und Einblicke in eine Gesellschaft gibt, die
Dr. Völkel hat den ZuhörerInnen dabei             haltungen der Arabischen Welt an die Euro-        zu unserer „westlichen“ Gesellschaft paral-
ausführlich über die Vorgeschichte, den           päische Union wurden erörtert. Die Auswir-        lel existiert und auf sie Einfluss nimmt, aber
Verlauf und mögliche Auswirkungen des             kungen auf unsere Gesellschaft in Europa          leider auch oft sehr oberflächlich und vor-
„arabischen Frühlings“ berichtet. In seinem       sind bei diesem Thema praktisch greifbar.         urteilsbehaftet betrachtet wird. Wir in Kuchl
Tätigkeitsbereich – sowohl an der Universi-       Dementsprechend brisant und wichtig war           hoffen, Dr. Völkel wieder einmal zu einem
tät in Salzburg als auch als „Regionalkoor-       dieser Vortrag für die BesucherInnen: Es gab      ähnlichen Thema einladen zu dürfen und
dinator Nordafrika/Nahost“ beim Bertels-          zahlreiche Fragen aus dem Publikum, die           würden uns freuen, wenn sich eine ent-
mann Transformation Index – ist er bestens        Dr. Völkel ausführlich beantwortete.              sprechende Gelegenheit ergibt.
über aktuelle Entwicklungen informiert. Der       Insgesamt gesehen ist hier ein interessanter,
Vortrag begann mit der Analyse von sozi-          spannender Vortrag gelungen, der sich an          Mag. Maria Plößnig ist Bildungswerkleiterin in Kuchl.




02/2011 dreieck
IMB – In sti tut für Medi en b ild u ng    | 39




  Medien-Hochburg Mauterndorf
                                                                                                                                   VON MARTIN SEIBT




D
        ie beschauliche Marktgemeinde          men der Medientage drehte sich alles um
        Mauterndorf mit ihren knapp 2.000      die (Medien-)Welt von Jugendlichen. Die
        EinwohnernInnen wurde Ende Mai         Vorträge von Dr. Christine Wijnen (Medien-
2011 zur Medien-Hochburg. Denn da fan-         welt als Lebenswelt Heranwachsender), Dr.
den die ersten Mauterndorfer Medientage        Sascha Trültzsch (Social Web im Alltag von
statt. Workshops mit 60 SchülerInnen zu        Jugendlichen) und Mag. Mareike Düssel
den Themen Film, Radio und Blog, eine          (Bildung und Social Media) gaben Einblicke
Fachtagung für Lehrkräfte und Jugendar-        in die Medienwelt unserer Jugendlichen.
beiterInnen sowie Workshops für Pädago-
gInnen standen auf dem Programm.               Martin Seibt, Geschäftsführer des Insti-           Medientage mitveranstaltete. Ich sehe die
Die Jugendlichen hatten die Möglichkeit,       tuts für Medienbildung (IMB) resümiert:            Medientage auch als eine Veranstaltung im
einen Kurzfilm oder eine Radiosendung zu       „Umfassende Medienkompetenz, von kri-              Vorfeld unserer umfassenden Ausbildung
produzieren oder ihren eigenen Webblog         tischer Medienreflexion bis zu aktivem und         „Educational Technology Multimedia Lea-
zu gestalten. Ziel war es, die SchülerInnen    kreativem „Selber Machen“ von Medien,              dership“, unserem Fortbildungsprogramm
von passiven KonsumentInnen zu aktiven         ist eine der wichtigsten Kernkompetenzen           für MulitplikatorInnen in Kooperation mit
ProduzentInnen zu machen.                      der heutigen Zeit. Es freut mich, dass das         der Donauuniversität Krems.“
Life 2.0 – Schein und Sein in der Lebenswelt   Institut für Medienbildung ein Teil des
Jugendlicher: Bei der Fachtagung im Rah-       Netzwerkes ist, das die 1. Mauterndorfer           Mag. Martin Seibt MSc ist Geschäftsführer des IMB




                                                                                                                                    Arb e it sk re ise   |



 MundART – Eine Kunst wird ausgezeichnet

D
      er Walter-Kraus-Mundartpreis 2011        Lebzeiten ein bedeutender Mundartdich-             (2000), Anton Aichhorn (2002) und Max
      geht an die Taxenbacher Mund-            ter und bekannt für seinen Einsatz rund um         Faistauer (2004) darf sich nun wieder eine
      artautorin Theresia Oblasser. Vor        die Salzburger Dialektkultur – besonders als       Frau über den Preis für Mundartschaffen-
kurzem wurde ihr der Preis in der Gemeinde     Gestalter von Mundartsendungen über und            de freuen. Die 1941 geborene Bergbäuerin
Nußdorf verliehen.                             mit Salzburger Mundartschaffenden. „Dank           Theresia Oblasser schreibt seit fast 30 Jah-
                                               der Gemeinde Nußdorf, dem Raiffeisen-              ren kritische Geschichten und Gedichte, an-
Mit dem Preis, der 1998 auf Anregung von       verband Salzburg und dem ORF ist es uns            fangs noch in Schriftsprache heute haupt-
Herbert Gschwendtner initiiert wurde, wer-     gelungen, den Preis wieder einzuführen             sächlich im Dialekt. „Angeregt wurde ich
den MundartdichterInnen für ihre Arbeit        und Walter Kraus zu würdigen. Er wird nun          durch Erinnerungen, durch den Klang eines
gewürdigt.                                     alle drei Jahre verliehen“, freut sich Initiator   Wortes, durch Betrachtung von Bildern und
Der mit 2.000 Euro dotierte „Walter-Kraus-     Max Faistauer, Mundartautor und Leiter des         Blumen und nicht zuletzt durch Auseinan-
Mundartpreis“ wurde heuer nach sieben          Arbeitskreises „Regionale Sprache und Lite-        dersetzungen mit Anderen in der Region
Jahren Pause wieder verliehen. Das Salzbur-    ratur“.                                            über Entwicklungen und Fragen unserer
ger Bildungswerk bemühte sich gemein-                                                             Zeit“, berichtet Theresia Oblasser.
sam mit seinem Arbeitskreis „Regionale         Der kritische Blick der
Sprache und Literatur“ anlässlich des 80.      Theresia oblasser                                  Sie zählt ohne Zweifel zu den bekanntesten
Geburtstages von Walter Kraus um eine          Nach den Preisträgern Erwin Rutzinger              und renommiertesten Mundartautorinnen
Wiedererweckung. Walter Kraus war zu           (1998), Barbara Rettenbacher-Höllwerth             Salzburgs, so erhielt sie 2008 den Mundart-



                                                                                                                                    dreieck     02/2011
40 |   A r b e i t sk re i se




preis „Quergredt“ vom ORF-Landesstudio
Salzburg.

„Ihre Werke in Prosa und Versform legen
Zeugnis ab von dem Aufbruch und der Ver-
änderung, der in den letzten Jahrzehnten
in der traditionellen ländlichen Welt statt-
gefunden hat, und geben diesem Wandel            Theresia Oblasser im
eine Stimme, die Stimme einer Frau, die den      Kreis der Jurymitglieder
Menschen und den Dingen auf den Grund            (v.li.) Günther Signitzer,
                                                 Manfred Baumann,
geht“, ist im Juryprotokoll zu lesen, „There-
                                                 Erwin Rutzinger, Johann
sia Oblassers Werke ragen aus der Fülle der      Ganisl, Fritz Schwärz,
Salzburger Mundartliteratur heraus“.             Max Faistauer und Peter
                                                 Haudum.
Als Jurymitglieder fungierten Manfred Bau-
mann (ORF-Landesstudio Salzburg), Max
Faistauer, der Nußdorfer Bürgermeister          als Vertreter der bisherigen Preisträger, Fritz   burger Bildungswerkes, als Juryvorsitzender.
Johann Ganisl, Germanist Mag. Peter Hau-        Schwärz (Raiffeisenverband Salzburg) und          (GS)
dum, Mundartautor Prof. Erwin Rutzinger         Dr. Günther Signitzer, der Direktor des Salz-




  Arbeitskreis „Geschichte und Kultur“



                                                   D
                                                          er Arbeitskreis „Geschichte und         historisch interessierten Laien unter dem
                                                          Kultur“ wurde kürzlich unter der        Gesichtspunkt der Stärkung des Interes-
                                                          neuen Leitung von Dir. Dr. Os-          ses über die Landesgeschichte und Kul-
                                                   kar Dohle konstituiert. Die thematische        tur.                                  (GS)
                                                   und personelle Weiterentwicklung des
                                                   Arbeitskreises „Landesgeschichte“ soll
                                                   damit auch in der Bezeichnung ihren
                                                   Niederschlag finden. Haupttätigkeit des
                                                   Arbeitskreises unter der langjährigen,
                                                   engagierten Leitung von HR Dr. Fritz
                                                   Koller war seit 1985 die Durchführung
                                                   der Chronistenseminare. Diese wer-
                                                   den in Zusammenarbeit mit der EuRe-
                                                   gio Salzburg – Berchtesgadener Land
                                                   – Traunstein nun auch mit dem neuen
                                                   Themenschwerpunkt           „Gemeindear-
                                                   chive“ fortgeführt. Die beiden bisher
                                                   angebotenen Seminare „Gemeindear-
                                                                                                  Foto: Salzburger Landesarchiv




                                                   chive als Einrichtungen des lokalen Erin-
 Die Mitglieder des Arbeitskreises:                nerns“ und „Archive entdecken“ waren
 Dir. Mag. Dr. Oskar Dohle (Vorsitz), Mag.         äußerst gut besucht und gaben einen
 Andreas Deusch, O.Univ.-Prof. Dr. Heinz           hervorragenden Einblick. Im Herbst wird
 Dopsch, Dr. Guido Friedl, Dr. Raimund Kast-       das Thema „Fotografie und lokale Ge-
 ler, Augustin Kloiber, Dr. Peter Kramml, Dr.      schichtsforschung“ angeboten. Ziel des                         Dr. Dohle im Speicher des Salzburger
 Johannes Lang M.A., Dr. Erich Marx, Dr. Tho-      Arbeitskreises ist die Vernetzung der Ex-                      Landesarchivs
 mas Mitterecker, Mag. Bernhard Schlag             perten und die Zusammenführung mit




02/2011 dreieck
Per sona lia    | 41



  Das Salzburger Bildungswerk gratuliert

  Frieda Aigner, ehem. Bildungswerkleiterin aus Anthering (Bild), und Johann Müller,
  Gründer und Leiter des Landesskimuseums in Werfenweng, zum Verdienstzeichen des
  Landes Salzburg, verliehen von LH Mag. Gabi Burgstaller.

  Friedl Bahner, Bildungswerkleiter in Hallein,
  Dipl. Päd. Mag. Birgit Schaupensteiner, Bildungswerkleiterin in St. Johann,




                                                                                                  Foto: Franz Neumayr
  HR Dipl. Ing. Dr. Arno Watteck, langjähriger Leiter des Arbeitskreises
  „Heimatsammlungen“,
  zum runden Geburtstag.




Bildung ein Leben lang
Neue Bezirksleiterin im Pinzgau
                                                                                Ende und Anfang
G
         abriele Di Centa-Laimer übernahm mit Mai 2011 die Betreuung
         des Oberpinzgaues sowie einiger Gemeinden des Mitterpinz-
         gaues und folgt damit dem ehemaligen Bezirksleiter Rudolf
Langer aus Hollersbach nach. Gemeinsam mit Siegfried Kopp bildet
sie nun ein dynamisches und engagiertes Team für die Bildungswerke
im Pinzgau.
Gabriele Di Centa-Laimer leitete sieben Jahre lang das bfi in Zell am
See. Sie sagt über sich: „Bildung hat mich ein Leben lang begleitet und
hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Die enorme Bandbreite des
Salzburger Bildungswerkes ist für mich eine große Motivation mitzu-
arbeiten“. Erste Schritte ihrer neuen Tätigkeit werden Gabriele Di Centa-
Laimer in die einzelnen Gemeinden führen. Der persönliche Kontakt, der
Austausch und die Vernetzung untereinander stellen für die neue Be-
zirksleiterin die wichtigsten Aufgaben dar.                          (RiB)

                                                                                Altes und neues Team mit der ehemaligen Bildungswerkleiterin
                                          Bezirksleiter Siegfried Kopp aus
                                                                                Martina Brugger (stehend, 3.v.re.), und der neuen Bildungswerk-
                                          Rauris (re.) freut sich gemein-
                                                                                leiterin Dipl. Ing. Monika Hönegger (knieend, li.).
                                          sam mit Richard Breschar und
                                          Barbara Holzner von der Direk-
                                          tion des Salzburger Bildungs-



                                                                             V
                                          werkes über die Verstärkung in             izebürgermeisterin Martina Brugger übergibt die
                                          der Bezirksleitung durch                   Bildungswerkleitung von Lessach nach elf Jahren
                                          Gabriele Di Centa-Laimer                   an Dipl. Ing. Monika Hönegger. Als Höhepunkte
                                          (2.v.re.).
                                                                             ihrer Arbeit nennt Martina Brugger zwei Bildungswochen,
                                                                             Gesundheitstage und die Erfassung und Dokumentation
                                                                             aller Klein- und Flurdenkmäler in ihrer Gemeinde. Bezirks-
                                                                             leiter Robert Grießner dankte ihr dafür und überreichte ihr
  Das Salzburger Bildungswerk begrüßt                                        die Ehrennadel in Silber des Salzburger Bildungswerkes.
                                                                             Bürgermeister Peter Perner freut sich, dass die ausgezeich-
                                                                             nete Arbeit des Bildungswerkes in Lessach mit einem neu-
  Sabine Fischinger als neue Bildungswerkleiterin in Göming und              en Team fortgeführt werden kann. Die neue Leiterin, Dipl.
  Dr. Wolfgang Kirchtag als neuen Bildungswerkleiter in Henndorf.            Ing. Monika Hönegger, ist Lehrerin an der Landwirtschaft-
  Gemeinsam machen wir Bildung lebendig!                                     lichen Fachschule in Tamsweg.                          (RiB)




                                                                                                                                  dreieck     02/2011
42 |   Pe rs o n a l i a




  B
          ei einer feierlichen Veranstaltung wurden vor kurzem die Haus- und Hofchroniken
          St. Kolomans vorgestellt. Erika Rettenbacher, die Leiterin des Mundartarchives
          der Gemeinde und Mitglied unseres Arbeitskreises „Regionale Sprache und Lite-
  ratur“, gestaltete gemeinsam mit der Ortsbauernschaft den feierlichen Rahmen.

  Erika Rettenbacher hat in mühevoller Arbeit Informationen und Fotos zu Häusern und Hö-
  fen in St. Koloman gesammelt und liefert so einen wichtigen Beitrag zur Chronik, in der
  bereits Höfe um 1348 aufscheinen.
                                                                                                Im Bild (v.li.) Ortsbäuerin Gabriele Schnöll,
                                                                                                Ortsbauer Gerhard Ramsauer, Erika Retten-
                                                                                                bacher und Bürgermeister Willi Wallinger.




  Für ein aktives                                                     Bildung, die bewegt
  Miteinander                                                         und die Umwelt schont

                                                                                                       D
                                                                                                               as Salzburger Bildungswerk
                                                                                                               hat im Juni mit zwei Teams



E
      ine Rückschau mit Bildern über 18 Jahre Dorfgemeinschaft                                                 an der Aktion „Österreich
      Sauerfeld gab vor kurzem den idealen Rahmen für eine offi-                                       radelt zur Arbeit“ teilgenommen
      zielle Übergabe der Bildungswerksleitung. Maria und Peter                                        und beachtliche 1.004 km erradelt!
Fuchsberger wurden von Dir.-Stv. Dipl. Ing. Richard Breschar zu                                        Gemeinsam haben wir 17.770,8
Bildungswerkleitern von Tamsweg-Sauerfeld bestellt. Beide ar-                                          kcal verbrannt sowie 461,84 Euro
beiten seit Jahren sehr aktiv in der Dorfgemeinschaft und im ört-                                      und 159,636 kg CO2 gespart! Un-
lichen Bildungswerk mit. Ihre Vorgängerin, Helga Pressler, meinte:                                     sere sportlichste Radlerin war Ul-
„Sie sind aktive Menschen mit tollen Ideen – ideale Nachfolger“.                                       rike Freidl (Bild), mit 240 km in nur
Die Dorfgemeinschaft sorgt in Sauerfeld mit vielen Aktivitäten für                                     einem Monat.
ein reges „Miteinander“. Auch bei dieser gab es einen Wechsel:
Gerhard Klemm folgt Eduard Fuchsberger. Die traditionell gute
Zusammenarbeit zwischen Dorfgemeinschaft und Bildungswerk
wird weiter geführt.
Der Tamsweger Bürgermeister Ing. Alois Lankmayer dankte allen,          Zum Gedenken
die zum Gelingen der intakten Gemeinschaft im Ortsteil Sauerfeld
beigetragen haben und wünschte dem neuen Team viel Erfolg und



                                                                       N
gutes Gelingen bei den verschiedenen Wettbewerben, Bildungs-                    ach langer, schwerer Krankheit verstarb am 14. Juni 2011
veranstaltungen und Projekten.                               (RiB)              die Lungauer Mundartdichterin Cilli Pichler im 89. Le-
                                                                                bensjahr.
                                                                       Schreiben in ihrer Lungauer Mundart war der Bergbäuerin ein Le-
                                             Im Bild (v.li.) Bgm.
                                             Alois Lankmayer,          ben lang wichtig. Ihr Werk ist in vier Büchern der Mundartreihe
                                             Maria Gabriele            „Lebendiges Wort“ erhalten. Daneben erschienen ihre Gedichte
                                             Aigner (Bildungs-         und Geschichten in Anthologien, im Salzburger Bauernkalender,
                                             werkleiterin von          in Zeitschriften und Broschüren. Das Leben ihrer Mitmenschen,
                                             Tamsweg), die ehe-
                                                                       Natur und Kultur ihrer Umwelt in Gegenwart und Vergangenheit
                                             malige Bildungs-
                                             werkleiterin Helga        lieferten den Stoff zu ihrem dichterischen Schaffen. Heimatliebe
                                             Pressler, die neuen       und tiefer Glaube sind darin unaufdringlich immer spürbar. Land
                                             Bildungswerkleiter        Salzburg, ihre Heimat Tamsweg und das Salzburger Bildungs-
                                             Peter und Maria           werk würdigten ihr Werk mit mehreren Auszeichnungen. Den
                                             Fuchsberger sowie
                                                                       Freunden ihrer Dichtung bleibt Cilli Pichler unvergessen!
                                             Richard Breschar.




02/2011 dreieck
Bu cht ip p s    | 43



Buchtipps

Lehrbuch für Lernen und Lehren                Integration, Rassismen und                                   Food Change – 7 Leitideen für eine
mit Technologien (L3T)                        Weltwirtschaftskrise                                         neue Esskultur
Herausgeber: Martin Ebner, Sandra Schön       Herausgeber: Manfred Oberlechner,                            AutorInnen: Hanni Rützler,
Hardcover-Version in Farbe                    Gerhard Hetfleisch                                           Wolfgang Reiter
Verlag: BoD Books on Demand                   Verlag: Braumüller Universitäts-Verlags-                     Hubert Krenn-Verlag
ISBN 978-3-8423-4011-4                        buchhandlung                                                 ISBN: 978-3-99005-031-6
452 Seiten, € 129,-                           ISBN 978-3-7003-1733-3                                       178 Seiten, € 19,95
Softcover-Variante sw                         476 Seiten, € 26,90
Verlag: ePubli                                                                                             Das Zusammenwachsen der
ISBN 978-3-8442-0437-7                        Inwiefern nimmt die Welt-                                    Welt hat Geschmacksvor-
452 Seiten, € 69,-                            wirtschaftskrise nachhal-                                    stellungen, Nahrungsmit-
Kostenfrei im Internet unter http://l3t.eu    tig Einfluss auf Leben und                                   telangebote, Logistikket-
                                              Arbeit in unserer Gesell-                                    ten, Nachfragestrukturen
Dieses Lehrbuch ist eine                      schaft? Wie wirken sich                                      und Marktentwicklungen
Sammlung von Lehrtex-                         wirtschaftliche Prozesse                                     grundlegend     verändert:
ten zu unterschiedlichen                      auf Migranten in Österrei-                                   Was Inder und Chinesen
Themen und Perspekti-                         ch aus? Tritt Rassismus in                                   essen wollen, beeinflusst die Bauern in
ven des Lernens und Leh-                      Zeiten der Krise verstärkt auf?                              Iowa ebenso wie jene in Vorarlberg. Was,
rens mit Technologien.                        Dies sind nur einige der spannenden Fra-                     wie und warum wir in Zukunft essen, wird
Basierend auf einführen-                      gen, die das Werk „Integration, Rassismen                    sich fundamental ändern. Aber wie wird
den Texten und Beiträgen                      und Weltwirtschaftskrise“ stellt. Die Auto-                  die Zukunft schmecken? Eintönig – künst-
zur Geschichte werden dabei unterschied-      ren analysieren erstmals ausführlich den                     lich – umweltbelastend? Oder vielfältig –
liche Anwendungen, Technologien, Ein-         Zusammenhang zwischen Wirtschaft,                            wertvoll – authentisch – exotisch – einfach
satzgebiete und disziplinäre Perspektiven     Migration/Integration/Rassismen und Ar-                      – gesund?
aufgegriffen. Ein Schwerpunkt der Beiträge    beitsmarkt – eingangs aus einer breiteren
liegt auf neuen Entwicklungen, beispiels-     sozioökonomischen, historischen sowie                        Dieses Buch zeigt anhand konkreter Bei-
weise Educasts, (Micro-)Blogging oder         theoretischen Perspektive, gefolgt von                       spiele einer Trendanalyse, dass der Pro-
mobilem Lernen. Die Lehrtexte enthalten       regionalen österreichischen und schließ-                     zess des Food Change bereits im Gange
Übungsaufgaben und Praxisbeispiele, die       lich ideologiekritischen Sichtweisen. Die                    ist: Welche Form er aber annehmen wird,
das Selbststudium oder das gemeinsame         Stärke dieses thematischen Zuganges                          ist unsicher – und bestimmbar! Denn, so
Lernen unterstützen.                          liegt in der fruchtbaren Kombination von                     die zentrale These der Trendfoodexperten
                                              wissenschaftlicher Theorie und Empirie                       Rützler und Reiter, es liegt an „uns“, die
Fast 200 Personen haben über Monate hin-      mit langjähriger sozialer Praxiserfahrung                    Zukunft dieses (Über)Lebensbereichs zu
weg zusammengearbeitet, um das erste          in der Arbeit und im Zusammenleben mit                       gestalten: durch innovative Konzepte in
deutschsprachige, frei zugängliche Lehr-      MigrantInnen. Die Autoren liefern mit ih-                    Landwirtschaft, Handel und Gastronomie,
buch zum Thema „Lernen und Lehren mit         ren Beiträgen ein themenspezifisches und                     die unsere Esskultur ebenso beeinflussen
Technologien“ zu schreiben. Seit 2011 ste-    neuartiges Handbuch zur Integrationsar-                      wie kritischer und bewusster Konsum.
hen 48 Kapitel kostenfrei im Internet unter   beit in Österreich.                                          Jede Speisekarte, jede EU-Verordnung,
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                                              „Anhand von Statistiken, aber auch qualitativen
gibt es das Lehrbuch auch gedruckt im         Forschungen nehmen die Autoren eine wirtschafts-             wagen … alle, vom Produzenten bis zum
Buchhandel und als Android e-book. Das        und gesellschaftspolititsche Analyse vor, die deut-          Konsumenten, formen die Zukunft unserer
gedruckte Buch ist als ein Service für Ler-   lich macht, wie tief die Weltwirtschaftskrise unsere         Ernährung.
                                              Gesellschaft beeinflusst hat. Dabei wird eine Spra-
nende und Lehrende gedacht, die gerne         che verwendet, die der Komplexität der Thematik
mit einem Buch arbeiten, darin blättern       gerecht wird, aber dennoch auf für Nichtwissen-              „Fast unbemerkt sind wir gerade dabei, un-
wollen und sich gerne handschriftliche        schaftler verständlich bleibt.“ (Buchtipp in „Die Pres-      ser Essen neu zu erfinden – und damit ein
                                              se“, 25. Mai 2011)
Notizen machen.                               „In Summe ist es (...) ein vielseitiges und (...) sehr en-   Stück weit auch uns selbst“: Hanni Rützler
                                              gagiert geschriebenes Buch.“ (Buchtipp in „Wiener            (MP)
                                              Zeitung“, 17. März 2011)




                                                                                                                                          dreieck       02/2011
Österreichische Post AG
                                 Info-Mail. Entgelt bezahlt.




 www.salzburgerbildungswerk.at




salzburger
                           Wir machen
  bildungswerk       Bildung lebendig!

dreieck Ausgabe02 2011

  • 1.
    Erwachsenenbildungs-Magazin des SalzburgerBildungswerkes 02/2011 Einmal Ehrenamt – Immer Ehrenamt Perfekte Eltern?! Pacha Mama feiert Watunakuy salzburger bildungswerk
  • 2.
    Das Team desSalzburger Bildungswerkes Direktion Barbara HoLZNER Gemeindeentwicklung Günther SIGNITZER Institut für Seniorenbildung Salzburg Geschäftsführung Örtliche Bildungswerke Alexander GLAS Tel: 0 662-87 26 91-14 Tel: 0 662-872691-17 Tel: 0 662-87 26 91-13 g.signitzer@sbw.salzburg.at barbara.holzner@sbw.salzburg.at alexander.glas@sbw.salzburg.at Richard BRESCHAR Karin MARESCH Anita MoSER Örtliche Bildungswerke Sekretariat Tel: 0 662-87 26 91-18 Tel: 0 662-87 26 91-19 Tel: 0 662-87 26 91-12 anita.moser@sbw.salzburg.at richard.breschar@sbw.salzburg.at karin.maresch@sbw.salzburg.at Sarah REITHER Sonja CHRIST Isolde MRWA Tel: 0 662-87 26 91-27 Sekretariat Organisation gemeindeentwicklung@sbw.salzburg.at Tel: 0 662-87 26 91-11 Tel: 0 6277-77 94 sonja.christ@sbw.salzburg.at isolde.mrwa@sbw.salzburg.at Forum Familie Hans EDER Manuela PLENINGER Barbara BRANDNER und Institut für Internationale Solidarität Öffentlichkeitsarbeit Andrea-Maria GRUBER Tel: 0 662-87 26 91-20 Tel: 0 662-87 26 91-16 Pongau, Tel: 0664-8284180 hans.eder@sbw.salzburg.at manuela.pleninger@sbw.salzburg.at forumfamilie-pongau@salzburg.gv.at Wolfgang FoRTHoFER Brigitte SINGER Wolfgang MAyR Institut für Europa Institut für Elternbildung Flachgau, Tel: 0664-8284238 Tel: 0 662-87 26 91-21 Tel: 0 662-87 26 91-15 forumfamilie-flachgau@salzburg.gv.at w.forthofer@sbw.salzburg.at brigitte.singer@sbw.salzburg.at Corona RETTENBACHER Ulrike FREIDL Tennengau, Tel: 0664-8565527 Sekretariat Institut für Medienbildung forumfamilie-tennengau@salzburg.gv.at Tel: 0 662-87 26 91-22 Martin SEIBT Christine SCHLäFFER ulrike.freidl@sbw.salzburg.at Geschäftsführung Pinzgau, Tel: 0664-8284179 Michaela HABETSEDER Tel: 0 662-82 20 23-12 forumfamilie-pinzgau@salzburg.gv.at Öffentlichkeitsarbeit seibt@imb-salzburg.at Monika WEILHARTER m.habetseder@sbw.salzburg.at Monika HoHENLoHE Lungau, Tel: 0664-8284237 Tel: 0 662-82 20 23 forumfamilie-lungau@salzburg.gv.at office@imb-salzburg.at Qualitätssiegel Salzburger Bildungswerk Qualitätstestiert bis 02.07. 2012 Veranstaltungstipps Bildungswochen Thalgau, 15. Mai bis 19. November 2011 St. Margarethen, 25. September bis 2. Oktober 2011 Herbstfahrt des Salzburger Bildungswerkes nach Linz Piesendorf, 25. bis 30. September 2011 23. bis 24. September 2011 Goldegg, 17. September bis 25. September 2011 50 Jahre Bildungswochen: Festakt am 18. 9. um 10 Uhr. Grenzenlos Kochen in Parsch Strobl, 24. Oktober bis 6. November 2011 17. November 2011, 18 Uhr, Pfarrsaal St. Martin bei Lofer, 6. bis 13. November 2011
  • 3.
    Editorial Impressum Herausgeber und Verleger: Salzburger Bildungswerk (Dr. Günther Signitzer) Redaktion: Manuela Pleninger (MP) Imbergstraße 2/2, 5020 Salzburg Tel. 0662-87 26 91-0 Fax 0662-87 26 91-3 E-Mail: office@sbw.salzburg.at www.salzburgerbildungswerk.at ZVR 200 288 147 Grafik: Werbeagentur Gerhard Gürtler Wie können wir den Erfolg im Bildungsbereich messen? Es wird mit PISA probiert, Coverfoto: © Fotolia nun soll PIAAC (auf Deutsch: Studie über die Kompetenzen Erwachsener und die An- Fotos: Salzburger Bildungswerk (falls nicht anders angegeben) forderungen im Informationszeitalter) für die Erwachsenenbildung kommen. Viele Druck: Schönleitner, Kuchl Einrichtungen, so wie wir, veröffentlichen u.a. Veranstaltungs- und TeilnehmerIn- Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier. nenzahlen, wiederum andere versuchen es mit Standardvorgaben, und dann gibt es Auflage: 2.200 noch Medienpräsenz, Qualitätsmanagementsysteme und Testierungen, Umfragen MitarbeiterInnen Redaktion: Dipl.-Ing. Richard Breschar (RiB) zur Kundenzufriedenheit u.v.m. – alles nur einzelne Mosaiksteine, die differenziert zu Dr. Hans Eder (HE) betrachten und zu analysieren sind. Aber das geht in unserer Zeit von Schlagwörtern Dr. Wolfgang Forthofer (FT) und Schlagzahlen vielfach unter. Wir sind stolz, hervorragende Statistiken vorzeigen Alexander Glas (AG) Mag. Michaela Habetseder (MiHa) zu können, die auch die erfolgreichen Aktivitäten in schwierigen Bildungsbereichen Mag. Barbara Holzner (bh) wie z.B. der politischen Bildung deutlich machen, Evaluierungen, die u.a. ein über- Dr. Anita Moser (AM) aus positives Zeugnis für unsere örtlichen, ehrenamtlichen BildungswerkleiterInnen Isolde Mrwa (IM) Martin Seibt (MS) geben. Dr. Günther Signitzer (GS) Aber was ist das alles im Vergleich zur Freude einer örtlichen Bildungswerkleitung DSA Mag. Brigitte Singer (BS) über eine gelungene Veranstaltung, dem erfolgreichen Abschluss eines schwierigen Blattlinie: Darstellung und Auseinandersetzung mit Projektes, bei dem wichtige Themen der Gesellschaft bearbeitet wurden oder auch aktuellen bildungs- und gesellschaftspolitischen nur einfach die harmonische Stimmung an einem Abend mit Bildung und Kultur, Themen, Mitteilungs- und Serviceblatt über Veran- staltungen des Salzburger Bildungswerkes. welcher Interesse weckt, sich weiter zu entwickeln? Das ist der wirkliche Erfolg un- Das „dreieck“ richtet sich an MitarbeiterInnen in serer Bildungs- und Kulturarbeit, der uns immer wieder stärkt und der uns immer der Erwachsenenbildung, MultiplikatorInnen, wieder antreibt! PolitikerInnen sowie Medien. Namentlich gekennzeichnete Beiträge drücken die Bildungsangebote mit Mehr-Wert Meinungen der AutorInnen aus. Sie müssen sich nicht immer mit der Auffassung von Redaktion und Bei der Kuratoriumssitzung wurde der Tätigkeitsbericht 2010 einhellig positiv be- Herausgeber decken. wertet. Mit beinahe 1.300 Veranstaltungen und über 83.000 TeilnehmerInnen kann Offenlegung nach dem Pressegesetz: Aktuelle das Salzburger Bildungswerk eine hervorragende Leistungsbilanz im Veranstal- Berichte, Informationen und Stellungnahmen, tungsbereich vorlegen. Hervorzuheben sind die anwachsenden Bereiche Gesund- die im Zusammenhang mit der Tätigkeit des über- parteilichen und konfessionell nicht gebundenen heit, Weiterbildung und Regionalentwicklung sowie Politische Bildung. LHF Gabi Salzburger Bildungswerkes stehen. Burgstaller, Präsidentin des Bildungswerkes, bedankte sich bei allen, die zu diesem Wir danken für die Zusammenarbeit und Erfolg beigetragen haben und zeigte sich beeindruckt von dem hohen Engagement Unterstützung dem bm:ukk. der BildungswerkleiterInnen. Sie sieht diese Bildungsarbeit als die Beste für einen dreieck-Leserservice: demokratischen Prozess und für unsere BürgerInnen. Fragen an die Redaktion: Tel. 0662-872691-0 oder Im Mittelpunkt unserer Bemühungen stehen die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen. E-Mail: office@sbw.salzburg.at Neben einem breiten Service für die örtlichen Bildungswerke haben wir heuer im Erscheinungsweise: 2-3mal jährlich Abonnement- und Einzelbestellung: Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit zusammen mit der ARGE Salzburger Er- Einzelheft € 4,- (exkl. Versand) wachsenenbildung und der Unterstützung durch das Land Salzburg elf Weiterbil- Jahresabonnement € 11,- dungsangebote unter dem Titel „Anpacken“ zusammengestellt. Nähere Informati- Einzahlungen: RVS Salzburg Kto-Nr. 00047993, BLZ 35 000 onen erhalten Sie unter www.weiterbildung.salzburg.at Wenn bis 31. Dezember keine Abbestellung erfolgt, Ich wünsche unterhaltsame Stunden mit dem neuen „dreieck“, eine interessante verlängert sich das Abo jeweils um ein weiteres Jahr. Lektüre zum Sommerausklang mit vielen Berichten über unsere Veranstaltungen Vorstand des Salzburger Bildungswerkes und Projekte. Lassen Sie sich motivieren, dabei zu sein, wenn es um die aktive Ge- Rektor Dr. Josef Sampl, HR Dr. Alfred Berghammer, HR Dipl. Ing. Günter Daghofer, Dr. Andrea Gitsch- staltung unseres Lebensraumes und der Gemeinschaft geht. Wir machen Bildung thaler, BSI Josef Irnberger, HR Dr. Andreas Kiefer, lebendig! Senatsrat Dr. Heinz Klier, Dr. Lucia Luidold, Dr. Ursula Maier-Rabler, HR Dr. Eduard Paulus, HR Prof. Dr. Wilhelm Pölzl, Prim. Dr. Josef Rücker, Dr. Günther Signitzer OStR Prof. Felix Strohbichler, Prof. Dr. Martin Direktor Wiedemair Präsidentin des Salzburger Bildungswerkes LH Mag. Gabi Burgstaller
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    4 | Inhalt Neues Leben in alten Mauern Werte „alter“ und Foto: Fotolia „neuer“ Bauten und Anbauten 07 14 Mehr dazu auf Seite 14. Erwachsenenbildung Gemeindeentwicklung Blickpunkte Gemeindeentwicklung 06 Einmal Ehrenamt – Immer Ehrenamt 14 Neues Leben in alten Mauern 15 J.A! Jung trifft Alt 16 Parsch: Generationen verbinden Erwachsenenbildung 17 Mattsee nimmt Holz unter die Lupe 07 Ist doch EHRENsache! 18 Aktivitäten im Generationendorf Hallein-Rif 09 Zeitspuren: Entdecken Sie Rom und Berlin Europa und Politische Bildung Eltern-, Frauen- und Seniorenbildung 19 Europatag im Europark 10 Perfekte Eltern?! 19 Medien und Politik – Politik und Medien 13 Schalala und Tellala 20 Den Südosten unseres Kontinents „entdecken“! 13 Elternschule der SALK unter neuer Leitung 21 Herbst und Winter sind nicht mehr fern ... 22 Dokumentation Obersalzberg und Besuch im „östlichen Drittel“ Tschechiens Internationale Solidarität 23 Pacha Mama feiert Watunakuy 24 Biolandbau – Ein Plädoyer für Regionalität 25 Lokal handeln, global bewegen 26 „Mal de mina“: Was sich in der höchstgelegenen Stadt der Welt abspielt. Ideen wachsen lassen Salzburger Netzwerk „Bildung für Nachhaltige Entwicklung und globales Lernen“ Mehr dazu auf Seite 27. 01/2011 dreieck
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    | 5 23 Internationale Solidarität 27 Aus der Direktion 30 Aus Gemeinde und Bezirk Aus der Direktion IMB – Institut für Medienbildung 27 Ideen wachsen lassen 39 Medien-Hochburg Mauterndorf 28 Bildungsangebote mit MEHR-WERT 29 Starke Salzburger Vertretung 29 Wir sagen Danke! Arbeitskreise 39 MundART – Eine Kunst wird ausgezeichnet 40 Arbeitskreis „Geschichte und Kultur“ Aus Gemeinde und Bezirk 30 Zeit zum Wachsen 32 frauen.einklang in Mattsee Personalia 32 Lachen geht durch den Magen ... 41 Das Salzburger Bildungswerk gratuliert 33 Über den Tellerrand schauen 41 Bildung ein Leben lang 33 Der Tennengau macht’s vor ... 41 Ende und Anfang 34 Apropos Gesundheit ... 41 Das Salzburger Bildungswerk begrüßt 34 Hintersee hinterlässt Spuren 42 Haus- und Hofchroniken St. Koloman 35 Erotik und „Dancing Stars“ 42 Für ein aktives Miteinander 35 Kunstausstellung ist „Bellissimo“ 42 Bildung, die bewegt und die Umwelt schont 36 Gemeinschaft leben 42 Zum Gedenken: Cilli Pichler 37 Regionale Stärken stärken 38 Generationenplausch „Mei erste Liab“ 38 Demokratischer Wüstenwind Veranstaltungs- und Buchtipps 02 Veranstaltungstipps 43 Buchtipps dreieck 02/2011
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    6 | B lic k p u n k te Einmal Ehrenamt – Immer Ehrenamt Sieglinde Rettenbacher und Manuela Pleninger im Gespräch S ieglinde Rettenbacher hat sich nach ihrer Zeit als Bildungs- Sie kommen also mit StraftäterInnen in direkten Kontakt, wie werkleiterin von Bad Vigaun weiterhin für ein Ehrenamt ent- sieht dieser aus? Und kann man sich darauf vorbereiten? schieden. Sie engagiert sich seit fast neun Jahren im Bereich Der persönliche Kontakt mit den Tätern ist in meiner Arbeit vorran- der Jugend- und Freizeitgestaltung in der Justizanstalt Salzburg. gig. Dabei ist eine ständige Bewachung durch einen Justizwache- Wir haben uns mit unserer ehemaligen Bildungswerkleiterin getrof- beamten gegeben. Außerdem habe ich zu Beginn meiner Tätigkeit fen und Sie zu Ihren neuen Aufgaben interviewt. einen Selbstverteidigungskurs absolviert. Aber es gab für mich noch nie eine Situation, in der ich Angst ge- Frau Rettenbacher, Sie engagieren sich im Häftlingsfürsorge- habt hätte. Das Gegenteil ist der Fall: Alle Insassen verhalten sich verein Salzburg. Was genau macht der Verein? mir gegenüber ausgesprochen höflich. Der Umgangston ist normal, Zweck des Vereines ist es, Insassen der Justizanstalt Salzburg wäh- ich lege allerdings sehr viel Wert auf gute Umgangsformen, wie rend ihrer Haft und/oder anlässlich ihrer Entlassung durch Geld und grüßen, bitte, danke usw. Kleidung oder sonstige Gebrauchsgegenstände zu unterstützen. Auf der Basis von gegenseitigem Respekt, Höflichkeit, aber auch Während der Haft sollen die Insassen zu einer sinnvollen Freizeit- viel Spaß und Entspannung habe ich einen guten Weg gefunden, gestaltung motiviert werden. Insbesondere im Jugend- und Frau- mit den Jugendlichen umzugehen. Unterstützt werde ich dabei envollzug werden regelmäßig Workshops, Veranstaltungen und vom Leiter der Jugendabteilung. Er ist für die „Jungs“ ein väterlicher Aktivitäten eingesetzt, die ihnen eine sinnvolle Nutzung ihrer ar- Freund, den sie voll respektieren. Auch wäre ohne die Hilfe des An- beitsfreien Zeit vor Augen führen soll. staltsleiters Oberst Dietmar Knebel bzw. der Werkstät- ten in der Justizanstalt diese Tätigkeit nicht möglich. Welche Motivation steckt hinter Ihrer Arbeit? Mein Motto Durch einen Zufall kam ich vor ungefähr zehn Jahren in der dabei lautet: Wie sehen die Jugendlichen diese gelungene Ab- Toskana mit einer kirchlichen Einrichtung zur Betreuung Hart, wechslung, und was passiert mit den in den Work- straffällig gewordener Jugendlicher in Kontakt. Ein Pater aber herzlich! shops und Aktionen hergestellten Produkten? erklärte mir die Arbeitsweise und zeigte mir die Produkte, Die Arbeit mit den Jugendlichen hat sich inzwischen die von den Jugendlichen gefertigt und auch verkauft werden. Ich zu einem festen Bestandteil in der Justizanstalt Salzburg etabliert. war davon sehr fasziniert und nachhaltig beeindruckt. Für meine „Jungs“ ist es eine Bestätigung, dass ihre Arbeit geschätzt Kurz darauf bekam ich von der damaligen Leiterin der Salzburger wird – für viele das erste Mal in ihrem Leben. Mit viel Geduld, Ein- Justizanstalt, Oberst Karin Göll, das Angebot, mit jugendlichen fühlungsvermögen, aber auch Strenge und Konsequenz erfahren Straftätern kreativ zu arbeiten. Ich nahm das Angebot an, wusste sie, welche Fähigkeiten in ihnen stecken. Die Produkte dieser Arbeit allerdings nicht, was mich erwartete. werden auf Adventmärkten und privat verkauft. Die Einnahmen da- raus kommen den Jugendlichen und dem Häftlingsfürsorgeverein zugute. In unregelmäßigen Abständen finden auch „Kochnachmittage“ statt, in denen die Jugendlichen neben Kochen auch Tischkultur, Benehmen bei Tisch und Vor- und Nacharbeiten lernen und an- wenden. Zwischenzeitlich hat sich mein Engagement auch ausge- weitet. So findet heuer zum dritten Mal ein Sommerworkshop mit erwachsenen Insassen statt. Weiters stehen Kekse backen in der Adventszeit sowie ein Osterworkshop mit der Frauenabteilung auf Foto: Häftlingsfürsorgeverein Salzburg dem Programm. Vielen Dank für das interessante Gespräch Frau Rettenbacher, wir wünschen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit! Danke. ich habe endlich das Betätigungsfeld gefunden, das mich persönlich ausfüllt und mir vor allem großen Spaß macht! (MP) 01/2011 dreieck
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    Er wa chs en e nb ild u ng | 7 Foto: fotolia Ist doch EHRENsache! Ehrenamt und Bürgerschaftliches Engagement E hrenamt, Freiwilligenarbeit und bür- ge Zeit auf die Stimmabgabe bei Wahlen. zentrale Motiv für Ehrenamt, so wollen die gerschaftliches Engagement liegen Erst im 18. und 19. Jahrhundert begann heute freiwillig Tätigen am öffentlichen im Trend. Für das Salzburger Bil- sich das Vereinswesen als völlig neue sozi- Leben teilhaben, soziale Sachverhalte reali- dungswerk stellen diese Begriffe jedoch ale Organisationsform zu etablieren, wobei sieren, Verantwortung übernehmen, etwas kein Neuland dar. Seine Struktur beruht die Mitgliedschaft in Vereinen dem Bürger- bewegen und sich nützlich machen. Hinzu seit Jahrzehnten auf ehrenamtlicher Tätig- tum vorbehalten war. Auch der Begriff des kommen Motive wie Anerkennung, Selbst- keit, sein Anliegen ist seit seiner Gründung „Ehrenamtes“ stammt aus dieser Zeit. Im bestimmung und -verwirklichung sowie die gemeinwesenorientierte Arbeit. Wie es frühen 19. Jahrhundert verteilte der Staat das Erleben von Gemeinschaft. Freiwillig tä- dazu kam und was heute darunter verstan- Ämter an aufstrebende männliche Bürger, tige Personen verpflichten sich nicht mehr den wird, ist Inhalt der folgenden Ausfüh- um diese symbolisch an der Macht zu betei- lebenslänglich einer Organisation, sondern rungen. ligen (Enquete-Kommission, 2002). Frauen engagieren sich spontan, flexibel, projekt- engagierten sich damals ausschließlich im förmig und in flachen Hierarchien (Stricker, Wie alles begann: kirchlich-sozialen Kontext der Wohlfahrt. Im 2007). Geschichtlicher Abriss 20. Jahrhundert wurden die Bürgerrechte Der individuelle Beitrag zum Allgemein- auf alle gesellschaftlichen Gruppen, auch Im Mittelpunkt stehen die wohl war in der gesamten abendländischen Frauen, ausgedehnt. Der Nationalsozialis- BürgerInnen - Begriffsklärung Tradition unverzichtbarer Teil eines sinner- mus bedeutete dann das sukzessive Ende Freiwilliges Engagement wird oftmals füllten Lebens. So gab es schon in der An- der Selbstverwaltung, die erst nach dem mit sehr unterschiedlichen Begriffen wie tike die Idee der aktiven Bürgerschaft, auch Krieg langsam wieder zum Leben erwachte. Freiwilligenarbeit, Ehrenamt, freiwilliges im römischen Reich galt die Übernahme Seitdem hat sich gemeinwesenorientiertes Engagement oder bürgerschaftliches En- politischer Aufgaben als besonders tugend- Engagement sowohl aus der Sicht des Indi- gagement betitelt. Allgemein gültige De- haft. Politik und Wissenschaft reduzierten viduums als auch aus struktureller Hinsicht finitionen wurden bislang nicht gefunden die Mitbestimmung des Volkes jedoch lan- gewandelt. War früher Wohltätigkeit das (Anheiner, 2009). Im Mittelpunkt stehen dreieck 02/2011
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    8 | E r wa c h se n e n b i l d u n g jedoch immer Bürgerinnen und Bürger, knapp 14,7 Millionen Arbeitsstunden. Dies werden wie für berufliche Tätigkeiten. die sich im Sinne des Allgemeinwohles entspricht einer Arbeitsleistung von 373.860 Personen, die sich nicht freiwillig engagie- engagieren. Ehrenamt bezeichnet im ur- Erwerbstätigen mit einer Arbeitszeit von je ren, tun dies deshalb nicht, weil sie durch sprünglichen Sinn die Übernahme eines 39,3 Stunden. familiäre Aufgaben ausgefüllt sind (68,6 %), öffentlichen Amtes beziehungsweise die Hinsichtlich der Altersstruktur zeigt sich, nie um Mitarbeit gebeten wurden (58,4 %), Mitwirkung in Wohlfahrtsorganisationen. dass die meisten Freiwilligen zwischen 40 nie über freiwilliges Engagement nachge- Diese Aktivitäten waren freiwillig und nicht und 49 Jahren alt sind (22 %), dicht gefolgt dacht haben (45,5 %) und freiwilliges Enga- auf monetäre Verdienste ausgerichtet. von Personen im Alter zwischen 30 und 39 gement zeitlich nicht mit dem Berufsleben Heute ist Ehrenamt eine Form des bürger- Jahren (19,1 %) (Statistik Austria, 2008, S. vereinbaren können (45,1 %) (BMASK, 2009, schaftlichen Engagements und stellt nur 18). S. 54). einen Teilaspekt dessen dar. Es bezeich- Die ehrenamtliche Beteiligung in Österreich net die Arbeit Freiwilliger in strukturierten hat einen starken regionalen Bezug, wobei Diskussion und Ausblick Organisationsformen, die mit einer Mit- das freiwillige Engagement mit zuneh- Bürgerschaftliches Engagement schafft In- gliedschaft verbunden ist. Ehrenamtliche mender Bevölkerungsdichte sinkt (ebd., S. novationen, es überwindet alte Denk- und Tätigkeit kann daher als eine stärker forma- 16). Verhaltensmuster, ermöglicht eine eigen- lisierte, in Regeln eingebundene und dau- Ehrenamt hängt neben Alter und regio- verantwortliche Gestaltung der Lebensbe- erhafte Form des Engagements bezeichnet nalen Faktoren stark von Herkunft und dingungen, stärkt die Demokratie, fördert werden (Enquete-Kommission, 2002). Bür- Bildungsstand ab. Für Österreich bedeutet Partizipation und Integration. Es darf daher gerschaftliches Engagement versteht sich das, dass sich 33 Prozent der Personen mit nicht exkludieren, sondern muss versuchen, als eine nicht erwerbsmäßig ausgeübte Pflichtschulabschluss, aber 54 Prozent der möglichst viele Menschen aller soziokultu- Tätigkeit außerhalb des eigenen Haushalts Personen mit universitären Abschlüssen rellen Hintergründe zu erreichen. Denn: und familiären Umfeldes. Es bezeichnet freiwillig engagieren (ebd., S. 15). Bürgerschaftliches Engagement ist die Engagement für Andere und/oder das ge- Einen weiteren Einflussfaktor auf freiwilliges Grundlage für sozialen Zusammenhalt, es meinsame Lebensumfeld, das freiwillig, Engagement stellt die soziale Integration kann als Demokratisierungsstrategie gese- eigeninitiativ, ohne persönlichen materi- dar. Menschen übernehmen dann ehren- hen und genutzt werden. ellen Gewinn, unabhängig von staatlichen amtliche Aufgaben, wenn sie sich beteili- Ehrenamtlich Tätige schaffen Sozialkapital, Strukturen, regelmäßig, in Anbindung an gen können, aber auch beteiligt werden, sie erhöhen das Verständnis zwischen den eine Organisation stattfindet und mit der sich zugehörig fühlen und ein Klima des verschiedensten Mitgliedern einer Gesell- Übernahme von Aufgaben verbunden ist. Vertrauens herrscht. Hier schließt sich der schaft, sie erhalten die Verlässlichkeit ge- Diese Tätigkeit kann zeitlich begrenzt und Kreis zu arbeitslosen Personen, Personen meinsamer Regeln, Normen und Werte (Bun- projektbezogen sein. mit Migrationshintergrund oder geringer desverband Deutscher Stiftungen, 2009). Bürgerschaftliches Engagement meint, dass gebildeten Menschen. Sie sind beim frei- Diskutiert werden muss daher auch weiter- sich Bürgerinnen und Bürger nach demo- willigen Engagement unterrepräsentiert, hin, wie Ehrenamt gestärkt und aufgewertet kratischen Regeln organisieren und auf das was einerseits auf den fehlenden Anschluss werden kann und welche Möglichkeiten der Gemeinwesen Einfluss nehmen. Der Begriff durch Erwerbsarbeit oder auf die kulturelle nicht-monetären Vergütung denkbar sind. „Bürgerschaftliches Engagement“ ist mit Identität zurückgeführt werden kann, an- Freiwillig Tätigen gebührt von Seiten aller „freiwilligem Engagement“ gleichzusetzen. dererseits auch auf die mangelnde „Rekru- beteiligten Institutionen, der Politik und tierung“ durch die Organisationen. Es ist zu der Gesellschaft große Anerkennung, sie Aktuelle Bezüge zu Österreich beobachten, dass für freiwilliges Engage- benötigen aber auch Unterstützung und Eine österreichische Studie zeigt, dass sich ment ähnliche Voraussetzungen gefordert zukunftsweisende Visionen. (bh) im Jahr 2006 43,8 Prozent aller Personen ab 15 Jahren ehrenamtlich engagierten, das Literatur: Anheiner, H. K. (2009). Zivilgesellschaft und freiwilliges Engagement in Europa. In Landes- sind drei Millionen Österreicherinnen und zentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Hrsg.), Grenzen-Los! Freiwilliges Engagement in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dokumentation der internationalen Vernetzungskonferenz (S. Österreicher. 47,1 Prozent der Engagierten 108-111). Stuttgart: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. sind männlich und 40,7 Prozent weiblich. BMASK - Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (2009). Freiwilliges Engage- Frauen engagieren sich fast ausschließlich ment in Österreich. 1. Freiwilligenbericht. Wien: BMASK. Bundesverband Deutscher Stiftungen (2009). Dokumentation des 1. Zukunftssymposiums Bürgeren- im sozialen, kirchlichen und kulturellen gagement und gesellschaftlicher Wandel. Berlin: Bundesverband Deutscher Stiftungen. Bereich, Männer in den Bereichen „Sport“, Enquete-Kommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ des Deutschen Bundestages „Hilfsdienste“, „Politik“ und „Kultur“ (BMASK, (2002). Bürgerschaftliches Engagement: auf dem Weg in eine zukunftsfähige Bürgergesellschaft. Schriftenreihe, Bd. 4. Opladen: Leske + Budrich. 2009, S. 10). Männer besetzen ehrenamt- Statistik Austria (2008). Struktur und Volumen der Freiwilligenarbeit in Österreich. Aktualisierte Ausgabe. liche Führungspositionen, Frauen die un- Wien: Statistik Austria. teren Ränge. Die Arbeitsleistung freiwillig Stricker, M. (2007). Ehrenamt als soziales Kapital. Partizipation und Professionalität in der Bürgergesell- schaft. Karlsruher Forschungsstudien Deutschland und Europa. Berlin: Dr. Köster. Tätiger in Österreich beträgt wöchentlich 02/2011 dreieck
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    Er wa chs en e nb ild u ng | 9 Foto: Diliff Zeitspuren: Entdecken Sie Rom und Berlin VON ANDREAS DEUSCH Rom, 2. bis 10. November 2011 Berlin, 1. bis 4. März 2012 Wir werden in einem äußerst zentral und verkehrsgünstig gele- genen Hotel zwischen Piazza Venezia und dem Campo dei Fiori wohnen. Das Besichtigungsprogramm, das großteils zu Fuß vom Hotel aus erfolgt, ist auf sieben Tage verteilt. Der Einsatz eines Foto: Uwe Wattenberg/Pixelio.de Funkmikrofons trägt zum Verstehen und zum Komfort der Reise bei. Rom liegt in der Region Latium am Ufer des Flusses Tiber und zählt im Stadtgebiet zirka 2,8 Millionen Einwohner. Die von Romulus und Remus um 753 v. Chr. gegründete Die Metropole verändert ihr Gesicht in einem geradezu atem- und nicht zuletzt wegen ihrer Rolle beraubenden Tempo. In den vergangenen Jahren wurden nach in der Antike als Hauptstadt des rö- langen Restaurierungsarbeiten eine Reihe neuer Museen eröff- mischen Reiches als „Ewige Stadt“ net: auf der Museumsinsel sind es Schinkels Altes-Museum, die bezeichnete Metropole ist seit Alte Nationalgalerie, das Bodemuseum, zuletzt im Herbst 2009 1871 die Hauptstadt des im Risorgi- das Neue Museum (mit der ägyptischen Sammlung), dazu das mento vereinigten Italiens und Sitz Historische Museum im Zeughaus und der imponierende Bau des des Malteser-Ritterordens. Innerhalb Jüdischen Museums von Liebknecht. Neben den Museumsbe- der Stadt bildet der unabhängige suchen ist eine Stadtrundfahrt zu den Highlights der modernen Vatikanstaat eine Enklave. Rom ist außerordentlich reich an be- Architektur in Berlin vorgesehen. Neben den Bauten der internati- deutenden Baudenkmälern und Museen. Die Altstadt von Rom, onalen Avantgarde-Architektur wird uns auch die städtebauliche der Petersdom und die Vatikanstadt wurden von der UNESCO Problematik der lange zweigeteilten Stadt vorgeführt. im Jahre 1980 zum Weltkulturerbe erklärt. Wie in keiner anderen Mag. Andreas Deusch ist Projektleiter von Zeitspuren. Stadt sind hier neue sowie antike Bauwerke miteinander vereint und bilden eine einmalige Symbiose wie sie nirgendwo auf der Infos zu den beiden Reisen: Andreas Deusch, Tel: 0699-10905138, Welt zu finden ist. zeitspuren@sbg.at oder unter www.zeitspuren.at dreieck 02/2011
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    10 | E lte rn -, Fra u e n - u n d Senio renbildung Perfekte Eltern?! Foto: Fotolia Die heutige Eltern-Kind-Beziehung S eit Jahren gibt es im Salzburger Bil- nen, dann ist eine Eltern-Kind-Beziehung Müssen Eltern perfekt sein? dungswerk im Institut für Elternbil- gelungen. Natürlich nicht. Perfektionismus ist eine dung das Elterntraining „Selbstma- Erwartungshaltung, die unweigerlich zur nagement in der Erziehung“ mit Dr. Manfred Welche Erfahrung haben Sie in den letzten Frustration führen muss. Aber es schadet Wünsche. Das Elterntraining basiert auf Jahren bei den Elterntrainings gemacht? nicht, gut zu sein, zu wissen, wann man einem Konzept, das Eltern in Seminarform Bei den Eltern, die zu mir kommen, ist bereits Fehler macht und zu wissen, wie man diese bei ihrer Erziehungskompetenz unterstützt. etwas Entscheidendes vorhanden: Sie inte- revidiert. Anzuerkennen, dass man auch nur Es ist ein guter Zeitpunkt für eine Innensicht ressieren sich für ihre Beziehung zum Kind. ein Mensch ist (das Kind im Übrigen auch!) und um Erfahrungen mit diesem Angebot Sie wollen wissen, wie sie ihrem Kind zu ei- und Fehler begeht, das ist viel realistischer. zu diskutieren. Was sind heute Themen in ner positiven Entwicklung verhelfen können. Es hilft auch, wenn Eltern herausfinden, der Erziehung und welche Erfahrungen Damit ist von den Eltern ein erster Schritt über welche Ressourcen und Stärken sie macht der Psychotherapeut bei dieser Ar- gemacht. Ich helfe dann, wenn notwendig, verfügen und wie sie diese nutzen können. beit? Brigitte Singer stellte Manfred Wün- Schritte zu Veränderungen einzuleiten. sche diese und andere spannende Fragen. Die meisten Eltern wollen das Beste für ihr Was sind die „hot spots“ in Ihrer Arbeit Kind und benötigen oftmals nur wenige mit Eltern – mit welchen Problemen sind Herr Dr. Wünsche, was sind Grundpfeiler Impulse, oft auch nur Bekräftigungen ihres die meisten Eltern konfrontiert? gelungener Eltern-Kind-Beziehung? Handelns, damit sie sich als Eltern wieder Es geht in meinen Trainings weniger um Wenn es mir als Eltern gelungen ist, dem besser fühlen. Viel unnötiges Leid, verur- rein theoretische Diskussionen, ob Kinder Kind zu vermitteln, dass es OK ist, so wie es sacht durch Missverständnisse, wird und Grenzen brauchen (à la Jan Uwe Rogge) ist und wenn Eltern sich als wirksame, zu- wurde durch die Trainings verringert bzw. oder ob Lob dem Kind nun schadet oder friedene und gute Eltern empfinden kön- verhindert. nicht (à la Jesper Juul). Wir diskutieren na- 02/2011 dreieck
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    El ter n-, Fra uen - un d S en i oren b ild u ng | 11 türlich auch. Manchmal benötigen Kinder solch plakative Formulierungen geführt, Grenzen, manchmal geht es darum, die die leider letztlich den Eltern mehr schaden Grenzen nicht zu ziehen. Mir geht es darum, und sie verunsichern als nützen. Was nun dass Eltern situativ entscheiden können wieder? Sollen Eltern jetzt wieder nicht lo- Manfred Wünsche und sich bewusst sind, welchen Einfluss ihr ben? Ich gehe davon aus, dass Juul das an- ist Klinischer Handeln oder Nicht-Handeln auf das Kind ders meint als es durch diese Formulierung Psychologe, Gesund- hat. Sie erhalten Unterstützung, im Training transportiert wird. Ich kann ja gar nicht heitspsychologe und Gelerntes in der jeweiligen Familie umzu- nicht belohnen oder nicht bestrafen. Wenn Psychotherapeut setzen. Wenn Sie so wollen, werden Eltern ein Kind mir etwas erzählt und ich höre ihm durch meine Trainings „mündigere“ Eltern. zu, belohne ich es. Höre ich nicht zu, bestra- fe ich es. Das hat ja nichts mit Autorität ja Woher kommt die Überforderung der oder nein zu tun. Das ist ein allgemeines oder Konsequenzen tendieren dazu, das Eltern? Lernprinzip. Spreche ich aber von Beloh- Kind zu verletzen und erreichen meist das Rein materiell und was unsere Lebens- nung und Bestrafung im Sinne von „ja, su- Gegenteil beim Kind. Wir sollten zudem si- bedingungen betrifft, geht es uns wahr- per toll hast du das gemacht“ (Belohnung) cher sein, dass unser Kind auch weiß, was scheinlich so gut wie noch nie. Trotzdem oder ich schimpfe aus allen Rohren (Bestra- wir von ihm wollen. Oft können uns die Kin- oder vielleicht gerade deshalb wird uns fung), dann meinetwegen ja. Das wird aber der mit unseren Ansprüchen und Formulie- suggeriert, dass wir ständig Leistung er- schließlich auch nur dann zum Problem für rungen gar nicht verstehen (wir reden dann bringen müssen, um auch bestehen zu das Kind, wenn dies regelhaft, nicht echt zuviel). Am Häufigsten reden die Eltern nur können. Gerade das verunsichert Eltern. Sie oder unangemessen passiert. Eltern müs- über Konsequenzen, handeln aber nicht da- wollen oft, dass es ihre Kinder besser haben sen selbst interpretieren und verlieren da- nach oder aber viel zu spät. Für die Kinder als sie das selbst als Kind erlebt haben und durch leicht ihre Orientierung. zählen die Handlungen der Eltern sowie die wissen nicht, wie und wann sie ihr Kind nun Unmittelbarkeit der Konsequenzen – das fördern oder auch einmal frustrieren sollen. Ist es wichtig, dass Vater und Mutter in erleichtert das Verständnis der Kinder und Die Flut an gut gemeinten, aber sich oft wi- der Erziehung immer die selbe Meinung gibt am meisten Orientierung. Außerdem dersprechenden Erziehungsratgebern trägt haben? wird bei vielen in der Regel viel zu spät ein Übriges dazu bei. Vater und Mutter gehen in der Regel unter- und dann viel zu hart gestraft. Noch dazu schiedlich an die Sache heran, und das ist mit Konsequenzen (Handy weg, TV-Verbot, Müssen Eltern konsequent und Vorbild gut so. Väter tun sich oft leichter, Entschei- PC-Sperre etc.), die mit dem Fehlverhalten sein? dungen zu treffen und gehen recht direktiv des Kindes nichts zu tun haben. Damit errei- Eine zentrale Entwicklungsaufgabe für mit dem Kind um. Mütter sind meist emoti- che ich allerdings sehr wenig Einsicht und Kinder ist es, Orientierung in ihrer Welt zu onaler, fühlen sich gut in das Kind ein und erzeuge vielmehr die Tendenz, dass sich finden. Demnach ist es von Bedeutung, tragen besonders zur sozialen Entwicklung Kinder gegen diese Konsequenzen immu- dass Eltern verlässliche Partner und Ver- des Kindes bei. Idealerweise ergänzen sich nisieren und die Eltern damit strafen – im mittler dieser Orientierung sind. Dazu ist Mutter und Vater und nutzen damit die- Sinne von „Jetzt weiß ich nicht mehr, was es notwendig, diese Welt konsequent und se Ressourcen. Hebeln sich die Elternteile ich dem Kind noch wegnehmen soll, es hilft verlässlich zu vermitteln. Inkonsequenz ver- häufig vor dem Kind gegenseitig aus, kriti- alles nichts mehr“. mittelt meist eine Desorientierung, die das sieren und gering achten sie sich, ist das be- Kind verunsichert. Kinder lernen am Besten, sonders störend für das Kind, verunsichert Spätestens dann hat sich eine Beziehungs- wenn sie verlässlich erfahren, welche Kon- und erzeugt Desorientierung. Verschiedene kultur etabliert, die nur noch als Teufels- sequenz ihr Verhalten hat. Das tun sie leider Meinungen zu haben ist also noch kein Pro- kreise funktionieren. Und, damit stimme ich auch, wenn Eltern inkonsequent sind (ist blem, entscheidend ist vielmehr, wie das mit Juul überein, bei allem Interesse, Kinder- eben auch eine Orientierung!), aber damit gegenüber dem Kind vermittelt oder aus- erziehung richtig zu machen, versuchen wir entstehen meist die Probleme, unter denen getragen wird. oft zuviel Einfluss auf das Kind zu nehmen sowohl Eltern als auch Kinder leiden. Das- und stören seine Entwicklung damit nur. selbe gilt für die Notwendigkeit, ein gutes Was sind die klassischen Erziehungsfallen Wir sollten dem Potential unserer Kinder Vorbild zu sein. Kinder lernen durch Beo- in die wir tappen? auch vertrauen und sie unterstützen, ihren bachtung und Nachahmung. Kinder lernen und entwickeln sich. Dazu Weg autonomer zu finden und uns weniger müssen sie auch Fehler machen dürfen. Es einmischen. Jesper Juul meint, dass Belohnen und ist deshalb wichtig, dass wir Eltern nicht Bestrafen die natürliche Autorität der persönlich gekränkt sind, wenn Fehler oder Immer weniger Kinder (in Städten wie Eltern zerstört – wie sehen Sie das? Konflikte entstehen. Aus der Kränkung oder München gibt es aktuell noch in 11 % der Die Erziehungsdebatten werden meist über Emotionalität getroffene Entscheidungen Haushalte Kinder!) und dennoch immer dreieck 02/2011
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    12 | E lte rn -, Fra u e n - u n d Senio renbildung größere Probleme für Eltern – was sind die ist es auch schade und traurig, dass Kinder habe ich noch nie erlebt. Jede Erziehung Gründe? quasi als Behinderungen in den Lebenspla- ist eine große Verantwortung und auch Ich vermute, dass es an den Lebensvollzü- nungen erlebt werden und dass sich immer Herausforderung. Jeder macht Fehler, das gen der Menschen und ihren Erwartungen weniger Menschen für ein Leben in und mit ist auch gar nicht so schlimm. Regelhaft an das Leben liegen wird. Menschen wollen Familie entscheiden. Ich glaube allerdings, problematische Beziehungsmuster sollten über sich selbst bestimmen, Karriere ma- dass sich die offensichtliche Entwicklung aber hinterfragt und auf ihre Bedingungen chen, frei sein und den Luxus ihrer Karrieren zu immer mehr Erfolg, Leistung und per- untersucht werden. Genau das können El- erleben. Kinder sind eine weit reichende sönlicher Freiheit auch wieder umkehren tern lernen, zum Beispiel in einem Eltern- Entscheidung und verändern das Leben wird. Dann, wenn Menschen merken, dass training. Denn Veränderungen sind gar von Menschen nachhaltig. Die persönliche das Leben mit Kindern und in einer Fami- nicht so schwer zu erzielen. Und es ist nie Freiheit, die viele kinderlose Menschen lie bereichernder, sinngebender und be- zu spät, damit zu beginnen. Eltern können suchen, wird durch Kinder natürlich stark friedigender ist als das Leben ohne Kinder. also neue Erlebens- und Verhaltensweisen eingeschränkt bzw. verändert. Vielleicht ist Vermutlich wird es hierbei zumindest zwei für das Leben mit ihrem Kind lernen. Kinder es auch gut so, dass Menschen keine Kin- Entwicklungen geben: Menschen, die be- sind prädestiniert dazu, schnell und auch der zeugen, wenn es mit ihren Lebenspla- wusst darauf verzichten und Menschen, die gerne zu lernen, d.h. auch Problematisches nungen nicht übereinstimmt. Das würde bewusst das Leben mit Kindern wählen. umzulernen. die berichtete Zunahme an Problemen er- klären – denn Kinder stören damit die Le- Wie würden Sie Eltern ermutigen? Danke für das interessante Gespräch! bensplanungen der Menschen. Andererseits Eltern machen sicher nicht alles falsch – das (BS) Wenn Sie dieses Angebot für Ihre Gemeinde buchen oder wissen möchten, wo und wann Elterntrainings stattfinden, wenden Sie sich an Mag. Brigitte Singer im Institut für Elternbildung, Tel: 0662-872691-15, b.singer@sbw.salzburg.at Gesundheit & Wertvoll Wohlfühlen und Fit bleiben, oder rasch wieder gesund werden – Wir helfen Ihnen dabei! 01/2011 dreieck www.salzburger.biz
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    El ter n-, Fra uen - un d S en i oren b ild u ng | 13 Schalala und Tellala Eine Initiative zur Entwicklung und Förderung von Sprachkompetenz VON MONIKA WEILHARTER E in außerordentlich hoher Anteil der schließenden drei Informationsabenden Kinder zeigt beim Eintritt in die Schule mit dem Thema „Sprachförderung für zu Sprachauffälligkeiten („Sprachfehler“). Hause“ nahmen rund 80 interessierte Eltern Es ist wissenschaftlich belegt, dass sich die teil. Sprache eines Kindes im vorschulischen Alter noch in der Entwicklung befindet. Das Projektteam, bestehend aus zwei Lo- Speziell in diesem Alter braucht es daher gopädinnen, Bezirksschulinspektor, Kin- die entsprechende Unterstützung, gezielte dergartenpädagogin, Bildungswerkleiterin, Förderung und Therapiemöglichkeiten. Bibliothekarin und Forum Familie Lungau, Dies bietet eine ganz wesentliche Grundla- wird auch weiterhin am Thema „Sprachför- ge, um allen Kindern die Chance auf erfolg- derung für Kinder“ arbeiten und hoffentlich reiches Lernen zu ermöglichen. weitere Unterstützer finden! Monika Weilharter ist Ansprechpartnerin im Speziell die Therapiemöglichkeiten im Lun- FORUM FAMILIE LUNGAU. gau sind nicht ausreichend, und Eltern müs- sen lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Das Sozialfestival „Tu was, dann tut sich was“ Hinter „Tu was, dann tut sich was“, Österreichs erstem Sozialfestival, steht ein hat sich diesem Problem angenommen und ganz einfacher Gedanke: Überall gibt es Ideen für ein besseres Zusammenleben. das Projekt „Schalala und Tellala“ finanziell „Tu was, dann tut sich was“ schafft eine Gelegenheit, diese Ideen selbst umzu- unterstützt. So konnten im Zeitraum Mai/ setzen. Das Festival bietet nicht nur einen organisatorischen Rahmen, sondern Juni 2011 insgesamt 221 Kinder in Betreu- ungseinrichtungen mit zwei Logopädinnen stellt auch das zur Verfügung, woran idealistische Initiativen so oft scheitern: ihre Sprache spielerisch testen. An den an- Geld für die Verwirklichung. Kurz angemerkt Elternschule der SALK unter neuer Leitung R osemarie Huber leitet seit 1. April 2011 die Elternschule am Landeskrankenhaus Salzburg. Die diplo- mierte Kinderkrankenschwester und ausgebildete Schülerbetreuerin arbeitete bisher an der Neo- natologie und zwei Jahre lang an der Gesundheits- und Krankenpflegeschule Salzburg. Frau Huber wird sich künftig gemeinsam mit ihrem Team um Angebote zur Prävention und Gesundheitsförderung für Familien kümmern. dreieck 02/2011
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    14 | Geme i n d e e nt w i c k l u ng Foto: Katharina Wieland Müller/pixelio.de Neues Leben in alten Mauern! Themenschwerpunkt der Gemeindeentwicklung ab Herbst 2011 N eues Leben in alten Mauern • Jahresschwerpunkte der Gemeindeentwicklung „ Lebensraum. Lebenstraum. Ge- meinde“: Die Gemeindeent- wicklung Salzburg widmet sich jedes Jahr einem für Gemeinden und BürgerInnen in- teressanten Thema – ab Herbst dem für die Menschen, die Gesellschaft, die Wirtschaft, den Tourismus, das Handwerk und die Ge- meinden so wichtigen und daher oft dis- kutierten Themenbereich der Nutzung von öffentlichen und privaten Räumen. Eine bewusstseinsbildende Veranstaltungs- serie wurde gestaltet und in vier Themen- bereiche gegliedert: Gemeinden, Ortskerne, Landwirtschaft und das zeitgenössische Bauen. Durch Impulsveranstaltungen, Se- minare, Exkursion, Schulprojekte und Aus- stellungen soll den Menschen der Wert historischer Bauten, die Verbindung „alter“ und „neuer“ Bauten und Anbauten, die Be- deutung des Orts- und Landschaftsbildes sowie die Verantwortung für die Erhaltung von Bauten und Räumen nähergebracht werden. Die Auftaktveranstaltung sowie die Eröff- nung der Ausstellung zum Themenbereich Gemeinden finden am 26. September 2011 um 18 Uhr in der Rotunde der Salzburg AG statt. Das Programm ist demnächst auf un- serer Homepage gemeindeentwicklung.at als Download verfügbar. (MP) 02/2011 dreieck
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    G emei ndeentw ick lu ng | 15 Jung trifft Alt S eniorenheime bieten viele Vorteile, haben aber zuweilen auch Nachteile: Ältere Menschen sind oft nur unter ihres gleichen, der Kontakt zu jüngeren Generationen – vor allem zu Jugendlichen – lässt nach. Um dies zu ändern, hat die Ge- Von Seniorenturnen bis zu meindeentwicklung Salzburg 2010 in Koo- Foto: youngCaritas Salzburg Beziehungstipps peration mit den Salzburger Landeskliniken Die Besuche haben sich gut entwickelt, eini- und der youngCaritas Salzburg die Initiative ge wollen „ihre“ SeniorInnen auch weiterhin „J.A! Jung trifft Alt“ gestartet. Als Pilotschu- besuchen, und im Lauf der Zeit sind Freund- le hat im vergangenen Schuljahr das Bun- schaften entstanden. Manche „Pärchen“ ha- desgymnasium Zaunergasse in der Stadt ben miteinander gebastelt, manche waren Ein „Pärchen“ im Seniorenheim Taxham: Cornelia Salzburg daran teilgenommen. Alle 19 Teil- Schaberreiter (re.) und Margarethe Fuchs (li.). beim Seniorenturnen, im Restaurant, ande- nehmerInnen haben das Projekt vor kurzem re wieder haben „Mensch ärgere dich nicht“ abgeschlossen. Sie wurden mit einem Ab- gespielt oder einander zugehört ...: Der Kre- schlussfest, organisiert und gesponsert von Freundschaften wurden ativität waren keine Grenzen gesetzt. Ein SPAR Österreichische Warenhandels AG, für geschlossen „Paar“ hat sein großes gemeinsames Thema ihr Engagement belohnt und erhalten zu- Welches Resumee ziehen die Jugendlichen im Bereich Beziehungen gefunden, und dem den „Sozialzeitausweis“ der Gemein- nach diesem Jahr? sie haben über Monate hinweg ihre (ver- deentwicklung Salzburg. Diese Urkunde gangenen) Partnerschaften analysiert. über die geleistete Arbeit dokumentiert die Die Rückmeldungen sind durchwegs po- soziale Kompetenz und kann bei einer Be- sitiv: Die Einschulungsphase und die kon- Das Konzept ging auf: Die Generationen werbung um eine Arbeitsstelle oder eine tinuierliche Erreichbarkeit der Begleitung sind einander näher gekommen. Praktikumsstelle hilfreich sein. waren für die Jugendlichen besonders hilf- Im September startet die nächste Staffel in reich. „Das hat mir viel Druck genommen“, der Stadt Salzburg. In den kommenden Mo- „J.A! Jung trifft Alt“ ist ein weiteres Projekt bringt es eine der Jugendlichen auf den naten werden sich Jugendliche aus St. Josef, der sozialen Gemeindeentwicklung in Salz- Punkt. Das Schönste sei gewesen, dass die dem Borromäum und aus dem BG Zauner- burg – nach dem Generationendorf, den meisten SeniorInnen schon bei der Ankunft gasse um PatientInnen in der Geriatrie und „Bonusmodellen für freiwilliges soziales En- ihrer BesucherInnen gestrahlt haben und um BewohnerInnen in der Seniorenpension gagement“ und dem Projekt „Altern in guter sich auf die gemeinsame Zeit sehr gefreut am Schlossberg, im Albertus Magnus-Haus Gesellschaft“. Es wurde gemeinsam mit haben. und in der ÖJAB-Seniorenwohnanlage Ai- Praktikern aus der Arbeit mit Senioren ent- gen kümmern. (AM/MiHa) wickelt: Nach der Schule treffen sich Jugend- liche mit älteren Menschen, machen Ausflü- ge, lesen ein Buch vor oder spielen ein Spiel – kurzum, sie verbringen Zeit mit ihnen. Die Jugendlichen werden dafür durch Fachkräf- te ausgebildet und erhalten somit die not- wendigen sozialen, kommunikativen und organisatorischen Kompetenzen. Während des Einsatzes in den Senioreneinrichtungen nehmen die Jugendlichen an Supervisionen teil, wo sie sich über ihre Erfahrungen mit den Senioren und den Einrichtungen aus- tauschen können. „J.A! Jung trifft Alt“ wird vom Referat für Familienangelegenheiten und Generationen, der Erzdiözese Salzburg und von SPAR Österreichische Warenhandels AG unterstützt. Ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Stadt Salzburg (Magistrat Seniorenheime). dreieck 02/2011
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    16 | Geme i n d e e nt w i c k l u ng Parsch: Generationen verbinden Parsch ist ein besonders engagierter Stadtteil im Programm der sozialen Gemeindeentwicklung. Zwei aktu- elle Initiativen im Rahmen des Generationendorfprojektes stellen wir im folgenden Artikel vor: „Grenzenlos kochen“ und „ParschERkunden – Spürnasen unterwegs“. Grenzenlos kochen: Multikulti auf den Kochplatten Selchfleischknödel aus Österreich köcheln neben einem ungarischen Pörkölt, ein Apfelstrudel entsteht neben einer Nachspeise aus Gam- bia. Wenn in Parsch grenzenlos gekocht wird, wird zusammenge- rückt, nicht nur am Herd. Rund 16 verschiedene Kulturen fanden im Rahmen der Initiative „Grenzenlos kochen“ bereits zum zweiten Mal ganz zwanglos zueinander und lernten sich so (besser) kennen. Integration – ein großes Wort, das seit geraumer Zeit auch von Spitzen der Politik in den Mund genommen wird. Gerne wird an- geführt, dass Integration eine Aktivität der Nichtintegrierten zu sein hat. Ist dies nicht auch eine Bringschuld der Alteingesessenen? Die ParscherInnen sehen es jedenfalls so und ihr Engagement und ihr Angebot gilt für jene, die dabei sind, hier in ihrem Stadtteil Fuß zu fassen. „Gemeinsam kochen, essen und trinken – das liegt so tief im Menschen, wie Feuer Selchfleischknödel, Pörkölt und Süßes aus Gambia: Die ParscherInnen machen oder säen und ernten. fanden es köstlich. Es bedeutet Freundschaft, Gastfreundschaft und Frieden.“ ParschERkunden – Beim grenzen- losen Kochen Spürnasen unterwegs rück(t)en die Älter werden ist eine Erfahrung, die uns allen gemeinsam ist. Parscherinnen Der Dialog mit anderen Generationen bietet die Möglichkeit, sich und Parscher zusammen. selbst und das Leben besser kennen zu lernen. Durch persönliche Begegnung ohne feste Vorgaben entsteht ein gleichwertiger Aus- tausch von Erfahrungen. Man lernt praktische Dinge des Alltags voneinander. Klischees und Vorurteile werden abgebaut, junge und alte Leidenschaften ergänzen und beruhigen einander. Daher star- tet der Stadtteil Parsch ab Herbst ein neues Generationenprojekt: ParschERkunden – Spürnasen unterwegs. Bei der gemeinsamen Spurensuche bilden Jung und Alt ein Team, lernen sich und den Stadtteil besser kennen und lösen gemeinsam Das nächste grenzenlose Kochen findet am 17. Nov. 2011, die verzwickten Fragen und Aufgaben. Die Spurensuche beginnt ab 18 Uhr, wieder im Pfarrsaal Parsch statt. am 3. Oktober und dauert bis 17. Oktober 2011. Wer mitmachen 02/2011 dreieck
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    G emei ndeentw ick lu ng | 17 will, erhält die Unterlagen im Stadtteilbüro in der Anton-Graf-Straße 4, bei der Raika in Parsch und in den Volksschulen Parsch und Abfalter. Die voll- ständig ausgefüllten Unterlagen sollen bis 25. Oktober im Postkasten des Stadtteilbüros oder wieder in der Raika Parsch abgegeben werden. Auf die erfolgreichsten Spürnasen warten attraktive Preise. Die Preisverleihung wird am 4. November 2011 um 18.30 Uhr im Heffterhof in Parsch, im Rahmen der Präsentation der Klein- und Flurdenkmälererhebung Parsch, Aigen und Gais- berg, stattfinden. (AM) Mattsee nimmt Holz unter die Lupe Wissenschaft im Seniorenheim Erwin Treml vom Holztechnikum Mit Begeisterung da- Kuchl wusste die Senioren mit bei: Eine Seniorin bei seinem Wissen über Holz zu der Arbeit mit dem fesseln. Mikroskop. „Wissenschaft im Seniorenheim“ ist abgeleitet vom Projekt M „Wissenschaft im Wirtshaus“ – attsee ist gemeinsam mit Seeham, St. Georgen und Lamprechtshau- sen im Programm der sozialen Gemeindeentwicklung Salzburg. Im einer Idee, bei der Laien in einer Rahmen des Projektes „Altern in guter Gesellschaft“ fanden und fin- angenehmen Atmosphäre mit den zahlreiche interessante Veranstaltungen statt. Naturwissenschaft in Berührung Kürzlich begeisterte 18 Seniorinnen und Senioren eine Aktion von „Wissen- gebracht werden. Dafür treffen schaft im Seniorenheim“: Holz unter der Lupe war dieses Mal das Thema. DI sich engagierte ProfessorInnen Erwin Treml vom Holztechnikum Kuchl verstand es großartig, die älteren Teil- mit Interessierten in einem Lokal nehmerInnen mit dieser Thematik zu fesseln. Bei dieser Veranstaltung ging es darum, nicht ganz alltägliche Dinge über Holz – Wie, wodurch kommen die Jah- oder im Seniorenheim, um am resringe zustande?, Wie wächst ein Baum? oder Welche Eigenschaft hat Holz gemeinsamen Kaffeetisch mit ver- und woraus besteht es? – zu erfahren. Die Seniorinnen und Senioren waren mit blüffenden Experimenten (zumin- Begeisterung dabei, die verschiedenen Holzarten durch das Mikroskop zu be- dest einige) Geheimnisse der trachten und zu erraten. Mit vielen neuen Erkenntnissen gingen die interessier- Naturwissenschaften zu lüften. ten Teilnehmer an diesem Tag zu Bett. (AM) dreieck 02/2011
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    18 | Geme i n d e e nt w i c k l u ng Aktivitäten im Generationendorf Hallein-Rif VON MARTIN STALLMAIER „Rifer Tortenstopp“ Naschen für den guten Zweck Anfang Juni startete der TREFFPUNKT-RIF erfolg- reich das Projekt „Torten- stopp“, eine Bausteinaktion für das Gemeindezentrum mit Kirche. Jeden Samstag wird von 9 bis 12 Uhr zum gemeinsamen Kuchen- und Tortenessen in das Pfarrzen- trum eingeladen. Zahlreiche Privatpersonen, Rifer Vereine und Institutionen, wie der Theaterverein die Archetypen, Seniorentanz, der Sozialausschuss, aber auch die Volksschu- le Rif/Rehhof sowie der Elternverein, nehmen am „Torten- stopp“ teil. „Wir wollen mit Selbstgebackenem einen Beitrag zum Gemeinschaftsprojekt Gemeindezentrum und Kirche Fotos: TREFFPUNKT-RIF leisten“, so die KuchenbäckerInnen. Ein Törtchen für den guten Zweck konnte noch keiner verwehren, und so hoffen Initiatorin Brigitte Schmidt und der Verein TREFFPUNKT-RIF auf weitere zahlreiche Naschkatzen, damit ihr Gemeinde- zentrum mit Kirche bald fertig wird. Maibaumfest Martin Stallmaier ist Mitglied des Vereins TREFFPUNKT-RIF. In nur drei Jahren entwickelte sich das Rifer Maibaumfest zu einer Kultveranstaltung. Gemeinsam mit 109 Freiwilligen hat der Verein TREFFPUNKT- RIF, der überparteiliche Verein für Stadtteilentwicklung, dieses Jahr ein ganz besonderes Maifest durchgeführt. Mit einem al- ten Traktor, begleitet von 30 Kindern, den Böllerschützen und Maibaum-Moar Fredl Luega sowie der Anifer Trachtenmusikka- pelle, zog der 28 Meter lange Maibaum auf den Rifer Dorfplatz ein. Bald darauf war der Maibaum aufgestellt und Jung und Alt versuchten sich am Aufstieg, am frühen Abend unterhielten der Salsaclub Salzburg mit Tanzstunden und die Musikgruppe „Come2gether“ die Gäste. 1.200 Besucher feierten so 10 Stun- den lang ihren Maibaum. Selbst die Abbauarbeiten des Festge- ländes, am darauffolgenden Muttertag, waren noch von dieser freundschaftlichen Stimmung getragen. Ein herzliches Danke an die großartigen freiwilligen Helfer und Gäste. Jeden Samstag lädt der „Tortenstopp“ zu Kaffee, Prosecco und Kuchen. Der Erlös wird für das Gemeindezentrum und die Kirche verwendet. 02/2011 dreieck
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    Europa un dPol i ti s ch e B ild u ng | 19 Europatag im Europark D er Europatag erinnert daran, dass Europa als Gemein- schaft am 9. Mai 1950 „geboren“ wurde. Heuer stand der Europatag, der in Salzburg auf dem Theaterplatz im Europark gefeiert wurde, im Zeichen des Europäischen Jahrs Foto: Landespressebüro zur Freiwilligentätigkeit und von Währungsfragen rund um den Euro. Expertinnen und Experten verschiedener Einrichtungen im Land Salzburg und in der EuRegio Salzburg-Berchtesgadener Land-Traunstein, darunter das Institut für Europa im Salzburger Bildungswerk, gaben gemeinsam Auskunft zu allen Fragen rund um die Europäische Union. Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstal- uns verbindenden Heimatkontinent zu machen. Möglichkeiten ler: „Wir haben es selber in der Hand, Europa und die EU zu dem dazu gibt es jede Menge“. (FT) Medien und Politik – Politik und Medien Lehrgang des Instituts für Europa widmete sich diesem Spannungsfeld W ie entsteht eine Zeitung, wie kommt eine Sendung im Radio oder Fernsehen zustande? Wer bestimmt die Inhalte? Wie schaut der öster- reichische Medienmarkt aus, und welchen gegenseitigen Einfluss üben Politik und Medien aufeinander aus? Diese Fragen waren gestellt und wurden beim Lehrgang „Medien und Politik“ tref- 2 3 fend beantwortet. Dafür bedanken wir uns bei Dr. Karin Pühringer (Bild 1, re.), Dozentin Parlamentsklubs der Grünen, Dieter Brosz burger Nachrichten (Bild 4). Udo Bachmair für Medien an der Fachhochschule St. Pöl- (Bild 2, li.), bei Mag. Bernhard Schausber- Bakk. phil. hatte den Lehrgang angeregt ten, bei Chefredakteurin Mag. Gerlinde Hin- ger (Bild 3) im ORF-Landesstudio Salzburg und der Gruppe auch einen Diskussionster- terleitner (li.) von der Onlineredaktion von und bei Dr. Martin Stricker für interessante min im ORF-Funkhaus in Wien ermöglicht „derStandard.at“, beim Pressesprecher des Erläuterungen und den Besuch bei den Salz- (Bild 5) (FT) 1 4 5 dreieck 02/2011
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    20 | E u ro p a u n d Po l i t i s che B ildung Sv. Jovan Kaneo am Ohridsee Fotos: Klaus Römer und Martin Kilgus Den Südosten unseres Kontinents „entdecken“! Die diesjährige Studienreise führte nach Mazedonien und in den Kosovo D ie politische, wirtschaftliche und so- Korruption sowie die Abwanderung der jun- Kosovo zu seinem Nachbarn Serbien, von ziale Situation in Mazedonien und gen Menschen. Auch über den Namensstreit dem sich das Land erst 2008 unabhängig dem Kosovo stand im Mittelpunkt Mazedoniens mit Griechenland und über das erklärt hat, wurde berichtet. Dass dieses Pro- des Bildungsprogramms, das vom Institut für schwierige Verhältnis der jungen Republik gramm so stattfinden konnte, verdanken wir Europa in Zusammenarbeit mit dem Europa Zentrum Baden-Württemberg sowie dem Deutsch-Makedonischen Kulturforum „KOR- ZO“ ausgearbeitet worden war. Kompetente und engagierte Gesprächspartnerinnen und -partner standen uns im mazedonischen und kosovarischen Außenministerium, in den deutschen und österreichischen Botschaften in Prishtinë und Skopje sowie in Bitola im Sü- den Mazedoniens zur Verfügung. Wir lernten viel über die (noch schlechten) Chancen auf einen EU-Beitritt der beiden Länder. Themen waren unter anderem die gravierenden Pro- Vor dem Regierungsgebäude in Skopje. bleme wie extrem hohe Arbeitslosigkeit und 02/2011 dreieck
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    Europa un dPol i ti s ch e B ild u ng | 21 In Prishtinë Filip Nedelkovski führte bravourös durch beide Länder. Im Botschaftsviertel von Prishtinë. vielen Menschen, die uns vor Ort unterstützt und so diesen Ablauf ermöglicht haben. Wir haben Mazedonien und einen kleinen Teil des Kosovos aber auch touristisch „er- fahren“, römische Ausgrabungsstätten, Moscheen, orthodoxe Kirchen und Klöster, unberührte Natur, eindrucksvolle Gebirge, tiefe Schluchten, große Seen, blühende Wiesen, interessante Städte und idyllische Dörfer vorgefunden, die darauf warten, auch von Ihnen entdeckt zu werden. (FT) Staatssekretär Fitim Gllareva und sein Team erläutern die Lage der Republik Kosovo. Herbst und Winter sind nicht mehr fern … Veranstaltungstipps: Das Institut für Europa lädt ein Politik in Österreich und in der ropa noch einen Landtag? Was passiert im Europäischen Union Gemeinderat? Welche Auswirkungen hat Wer hat politische Macht in Österreich, wer die Politik der EU auf Österreich? Und wel- in Europa? Welche Institutionen spielen chen Einfluss haben wir Bürgerinnen und welche Rolle? Wozu brauchen wir in EU-Eu- Bürger auf die Politik? Diesen und anderen Fragen wird sich der Lehrgang „Politik in Österreich und in der Europäischen Union“ widmen, der gemein- sam mit dem Katholischen Bildungswerk Salzburg vom Institut für Europa von Novem- ber 2011 bis Februar 2012 angeboten wird. Der Lehrgang umfasst zwei „theoretische“ Module in Glasenbach/Elsbethen und eine praxisnahe Exkursion nach Wien, wo wir ein Besuchs- und Diskussionsprogramm im Par- Union Studies, und Dr. Franz Fallend – beide lament, im Haus der Europäischen Union und vom Fachbereich Politikwissenschaft und beim ORF vereinbart haben. Für die Module in Soziologie der Universität Salzburg – sowie Das Parlamentsgebäude an der Wiener Ringstraße Salzburg konnten wir bis Redaktionsschluss Vizekanzler a. D. Dr. Erhard Busek als Vortra- Dr. Doris Wydra, Salzburg Centre of European gende gewinnen. dreieck 02/2011
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    22 | E u ro p a u n d Po l i t i s che B ildung Fotos: Institut für Zeitgeschichte München-Berlin / Fotos: Max Köstler Dokumentation Obersalzberg Besuch mit Führung am 25. November 2011 Besuch im „östlichen Drittel“ Tschechiens I n Zusammenarbeit mit dem Renner-Institut Salzburg bieten wir am 25. November 2011 einen Besuch mit Führung durch die Ausstellung „Dokumentation Obersalzberg“ an. Für die Studienreise von 1. bis 5. ok- Diese Ausstellung ist eine Dauerausstellung des Instituts für Zeitgeschichte München- tober nach Mähren sind noch einige Berlin auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden. Während des Nationalsozialismus war Plätze frei. der einstige Erholungsort die zweite Schaltstelle der Macht neben Berlin, wo wichtige po- litische Entscheidungen, auch über Krieg und Frieden und den Holocaust, geplant und Begleiten wird diese PhDr. Oldr ich ̌ getroffen wurden. Erst 1996 erhielt der Freistaat Bayern die volle Verfügungsgewalt über Br enek, der neben seiner Tätigkeit als ̌ dieses Gebiet und errichte- Reiseleiter in Olmütz Deutsch unter- te 1999 diese Dauerausstel- richtet. Er wird die TeilnehmerInnen lung. Die Dokumentation mit seinem Land vertraut machen, aber verbindet die Geschichte immer wieder auch Themen aufgreifen, des Obersalzbergs mit den die die politische, wirtschaftliche und zentralen Erscheinungs- soziale Lage Tschechiens verständlicher formen der nationalsozia- machen werden. Geplant sind auch ein listischen Diktatur. Bis heu- Treffen mit einem tschechischen Kom- te ist die Dokumentation munalpolitiker sowie der Besuch einer Obersalzberg die weltweit Aufführung in der Mährischen Philhar- einzige Dauerausstellung, monie Olmütz. die sich mit allen wesent- www.salzburgerbildungswerk.at/ lichen Themen der NS-Zeit de/news beschäftigt. Weitere Infos erhalten Sie bei Wolfgang Forthofer im Institut für Europa, Tel: 0662-872691-21 bzw. w.forthofer@sbw.salzburg.at 02/2011 dreieck
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    Inter n ation a l e S ol id a rit ät | 23 wurde mehr nonverbal als textlich vermit- Über 100 Maissor- ten werden von telt. Es ist ein Fest des Lebens und der Arten- den Indígenas des vielfalt, bei der gemeinsam die Saat auf den andinen Hochlands gemeinschaftlich genutzten Watunakuy- kultiviert. Kultur- Feldern ausgebracht wird. Herausragend ist und Artenvielfalt die Vielfalt der agrar-kulturellen Aktivitäten, gehören für sie zusammen. die immer einen praktischen und spiritu- ellen Sinn zugleich haben. Bezeichnend ist bereits die Organisation: Es gibt verschie- dene Zuständigkeiten z.B. für die Ochsen- gespanne mit Pflug, die Zubereitung des Essens und Trinkens, die Bereitstellung der Saatgüter, die Beschmückung der Örtlich- keiten, Tiere und Menschen und die Musik- begleitung. Jeder ist nützlich und kann sich Fotos: INTERSOL Pacha Mama feiert Watunakuy mit seinen Fähigkeiten und Talenten ein- bringen, auch beeinträchtigte Menschen. So wird dann gemeinsam die Pacha Mama vorbereitet, ihr werden Blumen und Coca- Ein Fest des Lebens und der Artenvielfalt Blätter geopfert, und gemeinsam wird die Aussaat vorgenommen – ein Prozess der S chauplatz: Queromarca, ein perua- steht vor dem Nehmen. Die Reziprozität der Reproduktion der Vielfalt, mit dem Ziel, nisches Dorf 130 km südlich von Cuz- Schenkung ist im Zentrum. Konkret ist die auch Außenstehende am Fest der Ernte teil- co, auf der Höhe von Raqchi, einem Logik der Schenkung, Solidarität und Rezi- haben zu lassen. weltberühmten Ort mit den Inka-Ruinen prozität bezogen auf das gesamte Univer- und Bauwerken im Rang von Weltkultur- sum: das (liebevolle) Miteinander zwischen Reichtum und Effizienz, aber auch erbschaften. Ein Treffen von tausenden Ket- Menschen und Kulturpflanzen; der Mit- und Bedrohungen chuas (Indigenas der Andentäler) aus Quer- Überwelt; der Pacha Mama („Mutter Erde“ – Siehe da: Was einem theoretisch-rational omarca, Sur Andino, aber auch Angehörige unpräzise umschrieben) und der Apus (der denkenden Westler als „irrational“, ineffizi- anderer Ethnien, sozialer Gruppen und Na- umliegenden Berge). Dieses Jahrhundert ent, rückständig und „entwicklungsbedürf- tionen des Abya Yala (= Lateinamerika). Mit alte praxisorientierte Ritual, getragen von tig“ erscheint, bringt reiche Frucht hervor. So dabei: einige „Weiße”. Auch ich hatte eine einer „praktischen Rationalität“, die uns gibt es im Sur Andigo ca. 100 Mais- und über Einladung dazu – als offizielles Mitglied der WestlerInnen nie wirklich eigen war und bei 150 Kartoffelsorten. Diese Qualität der Agri- Gemeinde Queromarca. dem der Dienstcharakter am Anderen prä- Kultur entspricht dann auch der Quantität gend ist, hat in dieser Version keine Entspre- der Ernte: Es kann niemand so richtig erklä- Watunakuy hat Fiesta-Charakter chung in der abendländischen Tradition. ren, warum z.B. auf den Watunakuy-Feldern Was an anderen Kulturen essentiell ist, ist im Normalfall reichhaltiger geerntet wird, gleichzeitig oft sprachlich nicht verfügbar. als auf den mit Mineraldünger, chemischen Es lässt sich keine adäquate Übersetzung Pestiziden und Hybridsorten bebauten kon- dafür finden, was „das“ Watunakuy ist. Las- ventionellen Feldern. Doch es ist Fakt. sen Sie es mich als eine intensive „Erlebnis- Die Gefahren sind freilich auch Faktum und Initiative“ beschreiben, bei der Biodiversität wirken bereits massiv herein: durch die und Artenvielfalt einerseits und kulturelle Intensivierung der konventionellen Land- Vielfalt und Bejahung der Kulturen ande- wirtschaft - mit wenigen Sorten und viel rerseits im Mittelpunkt stehen. Das Eine be- „Kunst“dünger und vielen abhängig ma- dingt und bildet eine Einheit mit dem und chenden chemischen Pflanzenschutzmit- den Anderen. teln. Im Miteinander der örtlichen Organisa- Ritual für die Pacha Mama (Mutter Erde) vor der Das Ereignis mit Fiesta-Charakter hat keinen tionen mit CEPROSI, INTERSOL und anderen Aussaat. Selbstzweck und die Vielfalt der Arten und solidarischen Organisationen versuchen wir Sorten (Mais, Kartoffel u.a.) ist kein Markt- dieses Erbe der Menschheit zu stärken und oder Preis-/Wert-Spekulationsobjekt. Der Kulturelle Vielfalt - Artenvielfalt weiter zu kultivieren. Auch als Impulse für Markt spielt bei diesem kollektiven Mitei- Was nun wirklich passiert bei einem Watu- die hiesige Agrar-Kultur, die v.a. nur mehr nander überhaupt keine Rolle. Das Geben nakuy ist nicht einfach zu beschreiben – es Land-Wirtschaft ist. (he) dreieck 02/2011
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    24 | Inte rn at i o n a l e So l i darität Biolandbau – Ein Plädoyer für Regionalität Fotos: INTERSOL Ausgelaugte Böden können durch Biolandbau und Permakulturen wieder fruchtbar gemacht werden. Erfahrungen und Perspektiven der Regionalkooperation Salzburg – San Vicente E x-EU-Landwirtschaftskommissär Dipl. (auch der österreichischen) formulierte Ziel „realistische“ Zielvorgabe, die ohne viel Ing. Franz Fischler bewarb sich für galt als sehr ambitioniert – auch viele NGOs intellektuelle Eigenleistung schlicht über- den Chefposten der FAO (Food-Ag- (österreichische inklusive) hatten eine neue nommen wurde. Man fragte (und fragt sich ricultural-Organisation) mit Sitz in Rom. bis heute) in diesen Kreisen nicht, welche Seine inhaltlich-strategische Ansage war: Ursache Hunger und Armut haben, wer Wir müssen den Hunger, der mindestens 1 diese Misere verursacht und täglich neu Mrd. Menschen geißelt, und die Ernährungs- produziert. Man begnügt sich mit acht misere generell lösen – und das ginge nur Zielen und zweifelhaften Strategien sowie mit den ca. 500 Millionen Kleinbauern. Mit Programmen. Man reicht Projekte ein, die, all diesen Zielen und Positionen hat er sicher wenn sie die Millenniumsziele erwähnen, recht: eine historische Herausforderung mit finanzielle Mittel erwarten, verteilen und schicksalhaftem Charakter. So weit so gut ... abrechnen können. Natürlich ohne nach- folgende Wirkungsforschung. Seit 1973 bekämpft die FAo den Hunger. 2000 kamen die Die Alternative: Biolandbau der Millenniumsziele anderen Art Ich erinnere mich: Vor meinem Einsatz als Nun, wie ist die Leistungsfähigkeit des „Entwicklungshelfer“ (diese Bezeichnung Biolandbaus einzuschätzen, wenn es um würde ich nie mehr verwenden) gab es 1973 die edle Aufgabe der Bekämpfung des die FAO-Weltkonferenz in Nairobi. Als Ziel Hungers geht? Die Antworten verweisen, wurde formuliert, den Hunger bis zur Jahr- biblisch-analog ausgedrückt, auf die „Un- tausendwende (2000) zu beseitigen. Was terscheidung der Geister“. Während die folgte war erbärmlich und ineffizient. 2000 „Gemeinsam sind wir Teil des Prozesses und nicht einen darin das Allheilmittel wähnen, se- auf die Rolle des Geldgebers beschränkt“. wurden dann die Millenniumsziele formu- hen die anderen nur eine Nische – verbun- Hans Eder, Leiter des Institutes für Internationale liert: Halbierung des Hungers bis 2015. Das Solidarität des Salzburger Bildungswerkes und den mit der Überzeugung, dass die „Neue von der Weltbank, der OECD, der EU und Direktor von INTERSOL, in Tecoluca mit einer Grüne Revolution“ (mit Gentechnik) die nachgeordneten nationalen Regierungen Gemeindebürgerin. Lösung wäre. Viele dieser Positionen sind 02/2011 dreieck
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    Inter n ation a l e S ol id a rit ät | 25 weniger sachlich begründet, als vielmehr Nachdem uns der Beginn mit einem inef- zur Förderung des Biolandbaus (mit Betei- politisch-opportunistisch motiviert. Klar ist fizienten, nur mit vielen Versprechen gar- ligung österreichischer Betriebe, Schulen, unserer Meinung nach Folgendes: Wenn nierten Entwicklungsprojekt, finanziert von der Universität für Bodenkultur, ...). man für den „Schlüsselsektor“ der land- der ADA (Austrian Development Agency, wirtschaftlichen Klein-und Mittelbetriebe, mit Horizont 3000 und zwei salvadoria- Langfristige Prozesse versus hier wie dort, Effizienz will, dann geht das nischen NGOs – in Allianz mit der ARENA- Projektitis weder durch die traditionelle, noch durch Regierung) vermasselt wurde, sind wir nun Die bisherigen Erfolge bestätigen, dass der konventionelle, meist erdölbasierte Dün- seit zwei Jahren sehr erfolgreich am Aufbau Biolandbau prozesshaft (und nicht als Pro- ger und synthetische Pflanzenschutzmit- der BioLandbau-Bewegung (MOPAO – Mo- jektitis) betrieben werden muss. Es geht um tel. Auch die Integration in den Weltmarkt, vimiento Popular de Agricultura Organica) den Aufbau von nationalen und internatio- bei der die Kleinen sowieso keine Chance beteiligt. Inzwischen bilden 15 Organisa- nalen Allianzen. Biolandbau kann nur dann haben, ist keine Lösung. Wir schlagen vor: tionen der Zivilgesellschaft und der Ge- erfolgreich und effizient für Mensch und konsequenter Biolandbau verbunden mit meinde Tecoluca diese Bewegung, bei der Umwelt sein, wenn er lokal und regional Permakultur. Das ist klar ein Plädoyer gegen INTERSOL Teil des gesamten Prozesses und verankert und international verschränkt ist. die BioLandbau-Agro-Industrie mit ihren nicht auf die Rolle des Geldgebers mit Mo- Das ist auch die Erfolgsstrategie in Öster- Mega-Ausdehnungen und der problema- nitoring-Aufgaben beschränkt ist. reich – und deshalb sind wir für einen ver- tischen Ökologie-Bilanz. stärkten Einsatz von Bundes-EZA-Mitteln für Unsere Beiträge als Vorstandsmitglied um- den Biolandbau. Solche Prozesse sollte die Mittendrin: Regionalkooperation fassen die Mitarbeit an der Konzeption des FAO verhunderttausendfachen - ob das mit Salzburg – San Vicente BioLandbaus/Permakultur, die Bereitstel- dem Brasilianer Jose Graziano da Silva als Genau das praktiziert INTERSOL in Zusam- lung finanzieller Mittel (Quelle: Landesre- designiertem Chef der FAO möglich ist, darf menarbeit mit dem Salzburger Bildungs- gierung Salzburg), der Personaleinsätze (Zi- angesichts der brasilianischen Verhältnisse werk im Rahmen der Regionalkooperati- vildiener/Fachkräfte) und die Durchführung bezweifelt werden. (he) on Salzburg – San Vicente (El Salvador). von ambitionierten Austauschprogrammen Lokal handeln, global bewegen Jugend übernimmt Verantwortung B ereits zum 8. Mal führte INTERSOL in Zusammenarbeit mit chen freiwillig arbeiteten. Es wurden über 50 Arbeitsplätze in Salz- dem Salzburger Bildungswerk heuer die Aktion „Global burg und Umgebung für solidaritätsbewegte SchülerInnen zur Solidarity - Jugend übernimmt Verantwortung“ durch. Die Verfügung gestellt. Alle erarbeiteten Mittel aus Global Solidarity teilnehmenden SchülerInnen bewiesen im Rahmen dieser Aktion kommen unmittelbar der Arbeit von MUSOL (Mujeres en Solidari- ihre Solidarität mit Bolivien, einem der ärmsten Länder der Erde, dad) für die Frauen und Kinder in Potosí/Bolivien zugute. (MP) indem sie einen Tag lang während der letzten beiden Schulwo- Fotos: INTERSOL An „Global Solidarity“ haben seit 2004 über 3.700 SchülerInnen aus ganz Österreich teilgenommen und ein Zeichen internationaler Solidarität gesetzt. dreieck 02/2011
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    26 | Inte rn at i o n a l e So l i darität „Mal de mina“: Was sich in der höchstgelegenen Stadt der Welt abspielt Ein Erfahrungsbericht von GUDRUN DANTER aus Potosí (Bolivien) 4. Juli 2011: Nach elf Stunden Anreise ist nicht vollkommen auszuschließen und aus Cochabamba komme ich in Po- Potosí könnte – wie andere Bergwerksorte tosí an. Erschöpft von der Busfahrt, – zur Geisterstadt verkommen. Noch ist es Fotos: Gudrun Danter aber glücklich hier zu sein, in der höchstge- nicht soweit, noch sterben Menschen im legenen Stadt der Welt auf 4.067 Meter See- Berg oder an den Folgen ihrer Arbeit. höhe. Die klare, kalte Winterluft lässt mich sofort wieder hellwach werden. Gleichgül- Mal de mina tig von welcher Himmelsrichtung man sich 5. Juli 2011: Mein zweiter Tag in Potosí be- Gudrun mit Kindern des Kinderhorts „Cara- Potosí nähert, immer ist das Symbol der ginnt mit einer Todesnachricht. Felix, ein coles“. Schon früh werden die Kinder mit der harten Realität in Potosi konfrontiert. Ein wenig Stadt, der kegelförmige Berg „Sumaj Or- Minero, ist in der Nacht an „mal de mina“ Abwechslung bietet da ausgelassenes Spielen cko“, der aufgrund der Kolonialgeschichte verstorben. Dies ist ein Ausdruck für den und gemeinsames Lernen. auch Cerro Rico, der Reiche Berg, genannt aussichtlosen Kampf gegen Silikosis, Staub- wird, im Blickfeld. Seit ihrer Gründung 1545 lunge. Diese Krankheit ist heimtückisch, da betreuung, die Kinder können spielen, er- bestimmt der Berg das Schicksal von Poto- sie langsam aber stetig die Lungen zersetzt. halten Mahlzeiten – ihre Mamas, die nach sí, der einst reichsten Weltmetropole und Bei Felix dauerte es zwei Jahre. Zurück blei- dem Tod ihrer Männer oft ohne Pension jetzigem Armenhaus Boliviens. Seit damals ben seine Frau Naty und acht Kinder. Bei dastehen und daher arbeiten müssen, sind werden Erze aus dem Berg geschürft, verar- der Verabschiedung von Felix sind wir von von der Sorge um ihre Betreuung entlastet. beitet und in die ganze Welt exportiert. 34 MUSOL, Mujeres en solidaridad, vor Ort. Für die Kinder der Guardas, Aufpasserinnen Kooperativen sind derzeit mit der Förder- MUSOL ist eine Organisation, die Familien, auf Gerätschaften der Bergwerksgenossen- ung von Rohstoffen beschäftigt, ca. 15.000 die von den Auswirkungen des Bergbaus schaften, betreibt MUSOL den Kinderhort Minenarbeiter, Mineros, schuften täglich im betroffen sind, unterstützt. Als ob der Tod „Caracoles“ auf dem Cerro Rico. Berg, jedesmal froh, wenn sie lebend zu ih- eines 8-fachen Familienvaters und Ehe- ren Familien zurückkehren. Multinationale mannes nicht schon tragisch genug ist, sind Internationale Solidarität Konzerne mit Sitz in der Schweiz oder Japan wir noch mehr betroffen als sein 20-jähriger INTERSOL, der Verein zur Förderung INTER- schneiden mit am Kuchen der profitbring- Sohn in den Raum getragen wurde: auf nationaler SOLidarität, und das Institut für enden Rohstoffe des Cerro Rico. Auf die Ar- einem Plastiksessel, eingewickelt in Decken, Internationale Solidarität arbeiten seit 20 beitsbedingungen der Mineros wird ebenso angehängt an eine Infusion. Osmar ist 20 Jahren mit den Partnern in Potosí zusam- wenig geachtet wie auf Umweltschutz. Der Jahre und hat Blutkrebs. MUSOL unterstützt men. Es ist nicht immer einfach angesichts Berg ist durchlöchert wie ein Schweizer diese und andere Familien durch (psycho- der Tragweite der Auswirkungen des Mi- Käse. Niemand weiß genau, wie viele Stol- logische) Betreuung, Gesundheitsvorsorge, nenbergbaus und manchmal ist es (nur) ein len und Galerien in den Jahrhunderten in Rechtsberatung, alternative Einkommens- Tropfen auf den heißen Stein. Wenn man den Berg getrieben wurden. Ein Einsturz entwicklung und finanzielle Unterstützung. aber die Frauen und Kinder und ihre Kraft Insgesamt handelt es sich um 500 Frauen und ihr Leuchten in den Augen sieht, ist es und deren Kinder. einfach ganz klar, was notwendig ist: Soli- darität mit diesen Menschen, deren Leben Die Zukunft ist nicht rosig, aber sie nicht zuletzt aufgrund unserer Bedürfnisse leuchtet doch nach Rohstoffen wie Silber, Zink, Zinn oder 8. Juli 2011: Wir feiern das 4-Jahresjubilä- Wolfram so hart ist. um des Kinderzentrums „Nuevas Luces“, Mag. Gudrun Danter arbeitet für INTERSOL. was soviel wie „Neue Lichter“ bedeutet. Dieses Zentrum wurde mit Unterstützung Für Fragen zum Thema: und viel Engagement aus Österreich er- office@intersol.at oder 0662-874723 Blick auf den Cerro Rico – Symbol für Reichtum richtet. In Nuevas Luces werden Kinder von Mehr Information: www.intersol.at und Ausbeutung. Vorne die Universität von Bergarbeiter-Witwen betreut. Ausgebildete Raiffeisenverband Salzburg, BLZ 35000, Potosi „universidad autónoma tomás frías“. Erzieherinnen kümmern sich um die Lern- Kto.Nr. 53959, Kennwort: „MUSOL“ 02/2011 dreieck
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    Aus der Dire k t ion | 27 Ideen wachsen lassen Bettina Grubers Projekt: „ÇOLUK ÇOCUK - KIND und KEGEL“ Foto: Fotolia Ein generationenübergreifendes, interkulturelles Bildungsprojekt für Pädagoginnen, türkischstämmige Mütter und Großmütter „Çoluk Çocuk“ ist ein 11-monatiges Pro- jekt zur interkulturellen und vorschulpä- dagogischen Bildung. Zielgruppen sind Pädagoginnen, türkischstämmige Müt- ter und Großmütter. Gemeinsames Er- BETTINA leben und emotionszentriertes Arbeiten GRUBER stehen im Vordergrund. Durch gemein- same Erlebnisse (z.B. Feiern, Bildungsrei- D Geschäftsführerin des Unternehmens as Salzburger Netzwerk „Bildung für se, ...) werden soziale Kontakte geknüpft „Kalaydoskop – Interkulturelle Nachhaltige Entwicklung und glo- und Dialoge ermöglicht, die über den Beratung und Projektmanagement“ bales Lernen“, kurz „sabine“, startet kognitiven Wissensaustausch hinaus zu 1995-2000 lebte sie in der Türkei, im November den zweiten Nachhaltigkeits- einem besseren Verständnis führen. während dieser Zeit gründete und Intensivlehrgang „Ideen wachsen lassen“. Wir leitete sie eine internationale haben uns mit Bettina Gruber, Teilnehmerin Kindertagesstätte. des Intensivlehrganges 2009/2010, getroffen und sie zu ihren Eindrücken, Erfahrungen und Resümee nachhaltigen Effekten befragt. Was bedeutet Nachhaltigkeit heute für Sie? Frau Gruber, was hat Sie dazu bewogen, Ich bekam einen anderen Blickwinkel und Ingrid Benedikt aus Vorarlberg, am Intensivlehrgang „Nachhaltigkeit“ teil- nehme bestimmte Themen, die mich vor Teilnehmerin eines Lehrgangs: zunehmen? dem Lehrgang nicht emotional berührten Ich wollte mehr über das Thema erfahren. anders war. Ich bin kritischer und hinterfra- „Ich würde den Lehrgang in jedem Die Ausschreibung war ansprechend und ge mehr. Fall empfehlen. Er war für mich sehr die Kosten für einen Lehrgang dieser Quali- motivierend und interessant. Ich habe tät attraktiv. Sehen Sie das Zertifikat bzw. das Gelernte viele neue Informationen zum Thema als hilfreich für Ihren Arbeitsalltag? Und Nachhaltigkeit auf sehr spannende, Was wussten Sie vorher über das Thema können Sie Gelerntes in Ihrem Beruf ein- witzige, inspirierende Art erfahren. Im Nachhaltigkeit? War es Ihnen ein Begriff? setzen bzw. umsetzen? Austausch und in Gesprächen wurde Wenig, ich habe das Thema hauptsächlich Ich habe nach dem Lehrgang mein Unter- meine Projektidee sehr konkret, und auf mich als Person bezogen. nehmen „Kalaydoskop – Interkulturelle Bera- ich konnte das Ganze sehr strukturiert tung und Projektmanagement“ gegründet. angehen. Was haben Sie aus diesem Intensivlehr- Viele Themen und Inhalte des Lehrgangs Ich habe sehr viele Tipps für den Alltag gang mitgenommen? sind für meine Tätigkeit hilfreich, werden in und auch meine berufliche Tätigkeit Der Lehrgang war eine persönliche Berei- Projektkonzepten berücksichtigt und sind in bekommen. Außerdem ist es immer cherung für mein privates und berufliches der Praxis leicht umsetzbar. wieder toll, wie man motiviert wird, Leben. Ich lernte sehr interessante Teilneh- weiter zu tun. Das ist ja gerade in der merInnen aus den unterschiedlichsten Bran- Frau Gruber, herzlichen Dank Umsetzung, z. B. auf politischer Ebene, chen kennen. Dadurch hat sich ein breites für Ihr Resümee! (MP) oft ein langer und mühsamer Weg.“ Erfahrungs- und Wissensspektrum ergeben. Mehr Infos finden Sie unter www.salzburgerbildungswerk.at Anmeldeschluss ist der 25. Oktober 2011, die Kosten betragen 490 Euro, Studierende bezahlen 380 Euro. dreieck 02/2011
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    28 | A u s d e r D i re k t i o n Bildungsangebote mit MEHR-WERT „Vom Engagement zur Kompetenz – Von der Kompetenz zum Engagement“. Er- wachsenenbildung durch ehrenamtliches Engagement: Unter diesem Titel fand Ende Mai 2011 in Wien die Tagung für 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Einrichtungen des Ringes Österreichischer Fotos: Ring Österreichischer Bildungswerke Bildungswerke, darunter auch das Salz- burger Bildungswerk, statt. Im Mittelpunkt standen Charakteristik und Entwicklungs- perspektiven ehrenamtlicher Erwachsenen- bildung und Kulturarbeit. Das Salzburger Bildungswerk war neben Geschäftsführer Dr. Günther Signitzer mit insgesamt acht hauptamtlichen MitarbeiterInnen vertreten, welche unter anderem zu den Themen „At- traktivität“ und „Web 2.0 in der ehrenamt- Zum Themenbereich Regionalentwicklung Mit dieser Tagung wurde auch die Bedeu- lichen Bildungsarbeit“ referierten. und ehrenamtliche Erwachsenenbildung tung des Ehrenamts im Bereich der Erwach- durften wir EU-Kommissar Johannes Hahn senenbildung betont. begrüßen und ihm ausgewählte Beispiele unserer Bildungsarbeit präsentieren. Die TeilnehmerInnen der Tagung hielten Ring Österreichischer Johannes Hahn betonte die Wichtigkeit der fest, was ehrenamtliche Bildungsarbeit Bildungswerke Bildung für die positive Entwicklung von braucht: Städten, Gemeinden und Regionen. „Das 3 Hauptamtliche Strukturen, die über öf- Bildungsangebot der Ring-Einrichtungen fentliche Gelder abgesichert sind ist MEHR-WERT: nämlich persönliche 3 Betreuende Begleitung und Anerken- Der Ring Österreichischer Bildungs- Selbstverwirklichung, politische Teilhabe, nung werke vertritt die Bildungs- und Kultur- die Fähigkeit, ein selbstbestimmtes Leben 3 Ehrenamtliches Engagement darf nicht arbeit von über 2.200 ehrenamtlichen zu führen und Verantwortung für das Ge- als Gegensatz zur „professionellen“ Tä- MitarbeiterInnen in den rund 1.000 meinwesen zu übernehmen. Lernen ist eine tigkeit gesehen werden, sondern als örtlichen Bildungswerken und über der wesentlichen Voraussetzungen, um in notwendige Ergänzung und als Chance 3.200 Einsatzorten auf Bundesebene. schwierigen Zeiten wirtschaftlich bestehen zur Beteiligung der BürgerInnen an der Die im Ring Österreichischer Bildungs- zu können, Bildung eröffnet Zukunftschan- Gesellschaft sowie ein Mitwirken an po- werke vertretenen Einrichtungen cen. Lernen gibt Sinn, macht Spaß, verän- litischer Gestaltung und Entwicklung der gehen von einem ganzheitlichen, dert Menschen und Gemeinschaft.“ Demokratie. (MP) gemeinwesenorientierten Bildungs- begriff aus und verknüpfen konkrete Fragestellungen und Herausforde- rungen des Einzelnen, der Familie und der Gesellschaft. Mit über 13.000 Bildungsveranstaltungen jährlich und fast 390.000 Teilnahmen sowie den über 5.500 Sonderveranstaltungen Das Team des Salzburger gehört der Ring zu den großen ös- Bildungswerkes mit terreichischen Bildungsträgern in der EU-Kommissar Johannes Weiterbildung. Hahn (Mitte). 02/2011 dreieck
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    Aus der Dire k t ion | 29 Starke Salzburger Vertretung Foto: Ring Österreichischer Bildungswerke Wahl im Ring Österreichischer Bildungswerke E U-Kommissar Dr. Johannes Hahn wur- (ARGE Region Kultur) vertreten. de kürzlich zum Ehrenpräsidenten im EU-Kommissar Hahn und Günther Signitzer Ring Österreichischer Bildungswerke betonten die Wichtigkeit des lebensbeglei- gewählt. Dr. Günther Signitzer, der Direktor tenden Lernens. Ein qualitätsvolles, kontinu- des Salzburger Bildungswerkes, wurde zum ierliches, möglichst bürgernahes Weiterbil- Vorsitzenden des Vorstandes, und zu seinen dungsangebot sei dafür unverzichtbar: „Wir Im Bild (v.li.) Michael Aichholzer, Dr. Günther Signitzer, Dr. Anton Rohrmoser, Dr. Michael Stellvertretern wurden Prof. Dr. Michael erfüllen damit ein Hauptanliegen des EU- Bünker, Angela Bergauer, die Generalsekretä- Bünker (ARGE Evangelische Bildungswerke) Memorandums zum Lebenslangen Lernen rin des Rings Österreichischer Bildungswerke, und Landtagspräsident Prof. Harry Kopietz – Das Lernen den Lernenden räumlich näher und Dr. Johannes Hahn. (Verband Österreichischer Volksbildungs- zu bringen“. Dies werde durch die engagier- werke) gewählt. Weiters sind im Vorstand te Arbeit der Bildungswerke gewährleistet. werke. Der Ring Österreichischer Erwach- Michael Aichholzer (Kärntner Bildungs- Der Direktor des Salzburger Bildungswerkes senenbildung stellt 2011 das „Europäische werk), Dr. Kirsten Beuth (Evangelische Aka- verwies auf die professionelle Begleitung Jahr der Freiwilligentätigkeit“ unter das demie Wien), Margarete Ringler (Tiroler der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und Motto „Engagement schafft Kompetenz“. Bildungsforum) und Dr. Anton Rohrmoser die Qualitätszertifizierung der Bildungs- (GS) Wir sagen Danke! Herbstfahrt des Salzburger Bildungswerkes nach Linz Foto: ARS Electronica Center S tatt zur traditionellen Herbstta- 3Besuch des Oberösterreichischen gung sind heuer die Bildungswerk- Volksbildungswerkes in Linz leiterInnen und Mitglieder des Salz- 3 Märchen- und Sagenabend mit Ein burger Bildungswerkes zu einer Herbst- Helmut Wittmann fahrt nach Linz eingeladen. 3Stadtführung durch Linz 3Besuch im Ars Electronica Center Unter der Devise „Hauptamt trifft Ehren- amt“ stehen von 23. bis 24. September Wir freuen uns auf die gemeinsame Zug- 2011 interessante Aktivitäten auf dem fahrt, die vielen Gespräche und auf einen Programm: interessanten Aufenthalt in Linz! dreieck 02/2011
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    30 | A u s G e me i n d e u n d B ezirk Zeit zum Wachsen Interkulturelle Gärten sind Orte der Integration, weil … … sie die Menschen erden, neu beheimaten und in Frieden kommen lassen. … hier ein interkultureller Austausch unter Gleichen stattfindet. … hier die Fähigkeiten und das Wissen aller zählen. … in ihnen das Eigene im Lichte des Anderen erscheint. … hier aus Flüchtlingen öffentliche AkteurInnen werden. Interkultureller Gemeinschaftsgarten in Neumarkt am Wallersee VON INGRID WEYDEMANN B egonnen hat alles mit der Erkenntnis einer multikulturellen Gesellschaft, die nicht „inter“ agiert, sondern wirklich nur „multi“ nebeneinander lebt: ein Zusammenleben ohne aus- ufernde Kontaktmöglichkeiten und auch fast keine Reibflächen für Konflikte. Es sollte etwas Verbindendes geschehen – nur wie und von wem? Mit dem Prozess des Projektes „Agenda 21 – Nachhaltig- keit für Neumarkt“ wurde 2007 die Idee des Interkulturellen Gartens geboren und der Gemeinde vorgestellt. Beim Wettbewerb „land- auf“ ist die Idee von Dr. Hans Eder (Salzburger Bildungswerk/INTER- SOL) gemeinsam mit Ingrid Weydemann (Bildungswerkleiterin), Mag. Hermann Signitzer (Pfarre Neumarkt) und Berta Altendorfer (Salzburger Bildungswerk Mattsee) schließlich eingereicht und mit einem der sieben Hauptpreise ausgezeichnet worden. Daraufhin wurde die Grünflache der Gürtlervilla vom Salzburger Bildungswerk Neumarkt gepachtet und zum Gärtnern vorbereitet. Seit 2008 wer- Ein Teil des Gartens der Gürtlervilla wurde umgepflügt und zum Bebauen den so beim Sähen, Pflegen, Gießen und Ernten Begegnungen, Ge- vorbereitet. spräche und Interkultureller Austausch Realität. 02/2011 dreieck
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    Aus G emein de un d Bez irk | 31 Das Wir im Mittelpunkt In Neumarkt wohnen viele MigrantInnen: Im Stadtzentrum woh- Infos zum Interkulturellen Garten nen fast 40 AsylwerberInnen, die dort auf ihren „Bescheid“ warten und leider nicht arbeiten dürfen. Durch Workshops und Projekte mit dem Kulturaustausch des Museums Fronfeste wurden die Pro- bleme dieser Menschen in den Mittelpunkt gerückt und werden nun im interkulturellen Austausch und dem inzwischen aufge- bauten Netzwerk konkret angepackt. Anknüpfungspunkt: In Neumarkt ist es nicht das erste Mal, dass Menschen miteinander in und an einem Garten arbeiten: In den vergangenen vier Jahren haben wir versucht, einen Prozess Nach dem 2. Weltkrieg gab es auf dem Gelände des ehemaligen zu leben, der bei allen Beteiligten ein Gefühl der Zufriedenheit RADArbeitslagers bereits eine größere Fläche, auf der Men- hinterlässt – wir machen uns keinen Stress, das Projekt wächst nur schen unterschiedlicher Herkunft (Kriegsgefangene, Vertrie- so schnell, wie wir es gemeinsam gut bewältigen können, unsere bene, Einheimische) gemeinsam Gemüse anbauten. Vorhaben sind so ausgelegt, dass keiner überfordert ist, im Mittel- punkt steht der Mensch, und der Spaß am Tun bleibt im Vorder- Unsere GärtnerInnen: Vier Asylwerber aus dem Gasthof Gerbl, grund. Es gibt keine Misserfolge, es sind Stationen des Lernens! vier Einzelpersonen aus Neumarkt, zwei Familien (eine davon mit Migrationshintergrund), vier Schulklassen, zwei Kinder- gartengruppen. Eine Abordnung der Gemeindevertretung Es ist schon viel passiert pflanzte „Kommunalkartoffeln“. Darüber berichten wir im nächsten dreieck – dazu eine kleine Vor- schau: Wir haben nun schon über 40 GärtnerInnen aus 15 Natio- Begleitung: Seit dem Start der Gartensaison im April 2008 gab nen, gemeinsam mit der Türkischen Gemeinschaft gab es im Juli es monatlich ein organisiertes Treffen, zu dem alle GärtnerInnen das 1. Interkulturelle Sommerfest, das zugleich der Start für ein eingeladen wurden. Später haben wir die Treffen mit einem ge- „Bildungszentrum für Migranten und Migrantinnen Salzburger meinsamen Essen verbunden, denn auch gemeinsames Essen Seenland“ war. Ein Bauwagen wird mit Jugendlichen zum Löwen- bringt uns einander näher. zahn – Waggon mit Bücherei, Kaffeemaschine, Sitzgelegenheiten – ausgebaut, Sommergrillfeste, Sommer-Sprachtage – Deutsch Mitgarteln: Das Angebot, sich an dem Gartenprojekt zu beteili- lernen in den Ferien ... und vieles mehr. gen, ist kostenlos – lediglich zwei kleine Bedingungen werden gestellt: Einerseits muss man dem erhofften interkulturellen Ingrid Weydemann MAS ist Bildungswerkleiterin in Neumarkt. Austausch (Kontakte mit anderen GärtnerInnen) grundsätzlich positiv gegenüber stehen und andererseits Gartenbau nach ökologischen Kriterien (ohne Pestizideinsatz und synthetische Düngemittel, ...) betreiben. Projektbeteiligte: Stadtpfarre Neumarkt, Salzburger Bildungs- werk Neumarkt, Museum Fronfeste Neumarkt, Stadtgemeinde Neumarkt, Hauptschule Neumarkt, Elternverein der Haupt- schule Neumarkt, Caritaszentrum Neumarkt, Johann Aigner- Volkschule Neumarkt, Kindergarten Neumarkt, HBLA Neumarkt, Samshofbauer. Interessierte Helferinnen: Im Rahmen der Aktion „Global So- lidarity“ (siehe dazu Seite 25) halfen uns Schülerinnen der 2a HBLA Neumarkt. Sie jäteten, zupften Unkraut und gestalteten ein tolles Schild für unseren Garten. Um Kontakte und Ge- spräche auch bei Regen möglich zu machen, baute ein Teil der Mädchen im Rahmen der „72 Stunden ohne Kompromiss“ (www.72h.at) eine Gartenlaube. Kontakt: Ingrid Weydemann MAS, museum@neumarkt.at Pastoralassistentin Mag. Alexandra Kunstmann-Hirnböck, Die Gemeindevertretung hat gemeinsam den Garten besucht und pfarre@neumarkt.at „Kommunalkartoffeln“ angebaut. dreieck 02/2011
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    32 | A u s G e me i n d e u n d B ezirk frauen.einklang in Mattsee VON BERTA ALTENDORFER A nfang April hat das Netzwerk frauen. intensiv spüren. Die Schwingungen der Pla- mattsee zu einem besonderen netenklangschalen wirken heilsam auf den Abend eingeladen: zum „frauen.ein- Körper und lösen Blockaden. Gedanken klang“. Drei frauenspezifische Workshops kommen zur Ruhe und die Kreativität wird haben einen Abend lang Frauen in Einklang angeregt. mit sich selbst gebracht. Maria Maislinger, seit 25 Jahren im Verein So ließ Monika Steindl die Klangschalen er- „Aktiv Gesund Union Mattsee“ aktiv, erar- klingen. Zu Beginn des Workshops wurden beitete dann Wellness für Frauen und deren die Teilnehmerinnen an ihre tiefe Atmung Familien in Theorie und Praxis. So wurden erinnert, so konnte man die Klangräume hilfreiche Übungen zur Stärkung der Kör- permitte, um so Stress und Belastung ab- bauen zu können, gezeigt. Rose Sattler, Diplomierte Erwachsenenbild- nerin im musisch-kreativen Bereich und Integrative Rhythmuspädagogin, bildete Gemeinsam mit Rose Sattler brachten die Frauen den Abschluss mit Bodypercussions und den Körper trommelnd zum Klingen. Trommeln. Tanzend, trommelnd, lachend und singend wurde der Körper zum Klingen gebracht. „Spielerisch tauchten wir ein in Das Netzwerk frauen.mattsee wurde 2005 die Welt voll von Musik und Rhythmus, akti- vom Salzburger Bildungswerk gegründet vierten unsere Energie und Lebensfreude“, und wird getragen von Frauen aus den so eine Teilnehmerin. verschiedensten örtlichen Organisationen und Vereinen. Ziele sind die Organisation Beim gemeinsamen Umtrunk ließen die und Durchführung von frauenspezifischen Frauen den gemeinsamen Abend ausklin- Veranstaltungen vor Ort. Das Netzwerk Monika Steindl aus Salzburg ließ die gen. setzt sich Jahr für Jahr je nach Projekt/Ver- Klangschalen erklingen. Berta Altendorfer ist Bildungswerkleiterin in Mattsee. anstaltung individuell zusammen. Lachen geht durch den Magen … VON INES SALFER A m 8. April 2011 hatte der Lachyogaclub Salzburg die Ehre, 4-Hau- benköchin Johanna Maier und ihre Schwiegertochter Christina Maier (Bild Mitte) begrüßen zu dürfen. Wir haben uns das Lachen durch den Magen gehen lassen, gemeinsam Kichererbsensuppe „gekocht“ und das Zwerchfell hüpfen lassen. Was für ein Riesenspaß. Wobei wir ehrlich zugeben müssen, dass wir in die- sem Fall noch lieber Frau Maiers Suppe im Original statt als Lachübung Foto: lachyogasalzburg verkostet hätten. Wir freuen uns auf ein lachendes Wiedersehen! Ines Salfer ist Lachyogatrainerin in Salzburg. 02/2011 dreieck
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    Aus G emein de un d Bez irk | 33 Über den Tellerrand schauen Eine Woche voller Nachhaltigkeit, Umwelt und Energie VON MARTIN ROHRMOSER D ie Fähigkeit, über den eigenen Tel- gangenheit über die Gegenwart in die Zu- lerrand schauen zu können, gehört kunft schauen: Das haben wir uns in diesen zur Minimalanforderung in einer sich Tagen vorgenommen. vernetzenden und global agierenden Welt. So wurden gemeinsam mit den Österrei- Wasser marsch! Die Die Gewohnheit, nur in der eigenen Sup- chischen Bundesforsten und den Volksschü- Freiwillige Feuerwehr pe schwimmen zu wollen, sich inhaltlich, lerInnen Fichten und Lärchen im National- begeisterte Groß und gedanklich und gefühlsmäßig einzuigeln, parkgebiet gepflanzt sowie ein Aktionstag Klein. hat in einem vereinten Europa wohl nichts in der Nationalparkpartnerschule und im mehr zu suchen. Kindergarten veranstaltet. Beim gemein- samen Kochen von Fleischfarvel (zuberei- Kontakte knüpfen, Erfahrungen tet von Bürgermeister Hans Toferer) bis zu austauschen, voneinander französischen Crepes (gebacken von Martin Rohrmoser) haben wir kulinarisch über den profitieren ... Tellerrand geschaut. Bei Musik, Tanz und Vielleicht sollte ich den Ausstieg gelungenen Sketches haben uns die Kinder aus meinem wohlbehüteten mit Begeisterung von Afrika bis in unser Tellerreich wagen und in die kleines Dorf Hüttschlag geführt. faszinierende unbekannte Damit nicht genug, veranstaltete die Frei- Um- und Außenwelt eintreten. willige Feuerwehr einen spannenden Vor- Stromtankstelle des Großarltales. Diese ist mittag mit Lösch- und Räumübung, und kostenlos zugänglich und wird vom Klein- Einen Versuch wäre es zumindest wert, Energieberater informierten über Ener- kraftwerksbetreiber Prof. Dr. Peter Draxler dachte ich mir, und so gestalteten wir Ende giebilanz und nachhaltige Energieformen. zu Verfügung gestellt. Mai 2011 gemeinsam mit vielen Ehrenamt- Woher kommt unsere Energie, wie gehen Den Höhepunkt der Bildungstage bildeten lichen die Bildungstage in Hüttschlag unter wir damit um, was sind die besten Ener- die Feierlichkeiten anlässlich „20 Jahre Na- dem Motto „Über den Tellerrand schauen“. gieformen, wie schaut unsere Energiebi- tionalparkgemeinde Hüttschlag“ und „210 Entdecken, erfahren, erforschen, schme- lanz aus? Das war ein großes und abend- Jahre Trachtenmusikkapelle“. cken, riechen, mit allen Sinnen, mit eigenen füllendes Thema. Eröffnet wurde auch die Martin Rohrmoser ist Bildungswerkleiter in Händen und Füßen etwas tun, von der Ver- erste mit Energie aus Wasserkraft gespeiste Hüttschlag. Der Tennengau macht’s vor … 1. Bildungswerkstammtisch D ie Arbeit im Salzburger Bildungs- Wasserfall fiel leider im wahrsten Sinne werk macht Spaß! Das sah und des Wortes ins Wasser. Dies tat der guten hörte man beim ersten Stammtisch Stimmung jedoch keinen Abbruch, und so des Salzburger Bildungswerkes – Region wurden beim anschließenden Abendessen Tennengau, der am 8. Juni 2011 in Golling Erfahrungen, Referententipps, Zukunftsvor- stattfand. haben und vieles mehr besprochen. Der Ge- Bezirksleiter MMag. Michael Neureiter mit den Nach einem Willkommenstrunk im Gasthof dankenaustausch war so rege, dass wir erst BildungswerkleiterInnen beim ersten Tennen- gauer Bildungswerkstammtisch in Golling. Abfalter wurde das Torrener Konglomerat- zu späterer Stunde den Gasthof Abfalter plateau „erklommen“, wo Alois Hettegger, verließen. Ein rundum gelungener Abend Pfarrkirchenratsobmann von Golling, durch ging erfolgreich zu Ende! Auf Wunsch aller fen und den gemeinschaftlich-sozialen Part die frisch renovierte Filialkirche St. Niko- Beteiligten werden wir uns nun halbjährlich unserer Bildungsarbeit weiter intensiveren. laus führte. Die Wanderung zum Gollinger in gemütlicher Stammtischatmosphäre tref- (bh) dreieck 02/2011
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    34 | A u s G e me i n d e u n d B ezirk Apropos Gesundheit … Hintersee hinterlässt Spuren VON BRIGITTE WEISSENBACHER U nter dem Motto „Spuren hinterlas- die Bestsellerautorin Nicola Förg aus Ba- sen“ veranstaltete das Salzburger yern gemeinsam mit Erich Weidinger zu Bildungswerk Hintersee im Mai einem unterhaltsamen Krimiabend. 2011 die vierte Bildungswoche. Dieses Ein weiteres Highlight war die Veran- Motto wurde gewählt, da es dem Vorbe- staltung mit dem mehrfachen Para- reitungsteam besonders wichtig erschien, olympicteilnehmer und Monoskifahrer in einem kleinen Ort wie Hintersee posi- Reini Sampl aus Muhr im Lungau, der in tive Spuren für ihre Kinder und Enkel zu eindrucksvoller und höchst interessanter VON HEIDEMARIA MIMRA hinterlassen. Art und Weise sein Leben vor und nach seinem schweren Schiunfall schilderte – G esundheit - Welches Thema Die Eröffnung des neuen Gemeindezen- unter dem passenden Motto „Bis an die sonst hätten die Veranstal- trums bildete den idealen Rahmen für Grenzen gehen – Mein Weg zurück“. Die- ter, Lionsclub, Salzburger Bil- den Auftakt der Bildungswoche, die von ser sehr emotionale Abend begeisterte dungswerk und Verein KULTUR.GUT, Dr. Josef Sampl, dem Vorstandsvorsit- aktive WintersportlerInnen jeder Alters- in einem Kurort wie Bad Hofgastein für zenden des Salzburger Bildungswerkes, gruppe. die 4. Bildungswoche wählen sollen? eröffnet wurde. Gesundheit in alter Zeit mit oft schon Das Programm wurde abwechslungsreich Zum Abschluss der 4. Hinterseer Bildungs- vergessenen Hausmitteln, Gesundheit und spannend gestaltet – sowohl für die woche fand ein öffentlicher Gemeindetag heute mit einem breiten Spektrum an Kinder als auch die Erwachsenen und die statt, bei dem sich die BürgerInnen mit Therapiemöglichkeiten und Ideen zur örtlichen Vereine. So gehörten eine lusti- Ideen und Fragen an den Bürgermeister Gesundheit in der Zukunft: Eine Wo- ge Lesung für die Kindergarten- und sowie an die Gemeindevertretung ins ört- che lang standen verschiedenste Ge- Volksschulkinder mit Erich Weidinger, ein liche Leben einbringen konnten. sundheitsthemen im Mittelpunkt des Vortrag zum Thema „Was die Seele (un)- Geschehens. glücklich macht“ von Mag. Andreas Kaiser Die Veranstaltungen wurden von der von der Geriatrie der Christian-Doppler- Hinterseer Bevölkerung sowie von Besu- Zusätzlich erwartete die Hofgastei- Klinik in Salzburg ebenfalls zum Pro- cherInnen aus den Nachbargemeinden nerInnen und ihre Gäste Amüsantes gramm wie eine Maiandacht der Vereine sehr gut angenommen. Für uns ist das und Interessantes, wie das Kabarett mit einem Vortrag von Prälat Dr. Hans Ansporn, auch in Zukunft interessante des fabelhaften Performancekünstlers Paarhammer. Veranstaltungen anzubieten! Götz Bury und eine Kunstaktion, die Aber auch die Spannung durfte in dieser Brigitte Weißenbacher ist Bildungswerkleiterin in historische Behandlungsweisen in den Woche nicht zu kurz kommen, und so lud Hintersee. Mittelpunkt stellte. Die interessanten Vorträge über Wild- kräuter, über die heute so viel bespro- chenen Schüsslersalze oder über das noch lebendige Arzneimittelwissen unser SeniorenInnen fanden zahl- reiche ZuhörerInnen. Unser Resümee: Aufschlussreich, inte- Den Auftakt zur Bildungs- woche bildete die Eröff- ressant, amüsant – das Thema Gesund- nung des neuen Gemeinde- heit erschöpft sich nicht so schnell, da- zentrums, zu der LHF Mag. her gibt es in Bad Hofgastein vielleicht Gabi Burgstaller und LH-Stv. in Zukunft bald wieder eine Woche Dr. Wilfried Haslauer, Ab- geordnete des Salzburgers voll Gesundheit. Landtag sowie Politiker aus den umliegenden Gemein- Mag. Dr. Heidemaria Mimra ist Bildungswerk- leiterin in Bad Hofgastein. den der Fuschlseeregion anreisten. 02/2011 dreieck
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    Aus G emein de un d Bez irk | 35 Kunstausstellung ist Erotik und „Dancing Stars“ „Bellissimo“ VON STEFANIE WALCH I n dem einzigartigen Ambiente des Tag gefrönt. Die BesucherInnen malten Rauchhauses „Mühlgrub“ fand am und basteln, so entstanden Struktur-En- 13. und 14. Mai 2011 zum dritten ergie-Bilder, Recycling-Schmuckstücke, Mal die Veranstaltungsreihe „Kunst Kul- Laubsägearbeiten und Naturkosmetika. tur Kulinarik“ statt, die vom Tourismus- Die Atmosphäre des Rauchhauses hat verband und Salzburger Bildungswerk laut Aussage der TeilnehmerInnen die Bgm. Martin Greisberger, Anneliese Grubinger, Hof gemeinsam durchgeführt wurde. Kreativität stark gefördert, und so ent- Volkskulturleiterin Dr. Lucia Luidold, Dr. Erich standen tolle Kunstwerke. Marx und Günther Signitzer freuen sich über Als der Heimatverein Hof am Freitag- den großen Erfolg. abend auftanzte, wurde der Tennenbo- VON BERNHARD IGLHAUSER den des Rauchhauses zu einem „Tanzbo- E den“. Zur Einstimmung wurden einige in Highlight der 20. Bildungswoche in Volkstänze vorgeführt. Das machte Lust Thalgau ist sicherlich die erstmalige auf mehr, und so beteiligten sich dann Thalgauer Kunstausstellung „Bellissi- viele BesucherInnen bei den anschlie- mo“, die in Zusammenarbeit mit dem Salz- ßenden Publikumstänzen, die unter der burger Bildungswerk erstellt wurde. Obfrau fachkundigen Führung eines Profitän- Anneliese Grubinger und ihrem Team gelang zers, ähnlich wie bei „Dancing Stars“, es auf Anhieb, mit der Vielfalt der Kunstexpo- gar nicht so schwer fielen. nate der 25 AusstellerInnen eine ausgezeich- nete Resonanz zu erreichen. Neben Kultur und Kunst auch Festredner Dr. Erich Marx, Leiter des Salzburg Kulinarik Museums, hob bei der Eröffnung die Bedeu- Katrin Walch mit ihrem Kunstwerk. Tags darauf konnte dann das über 500 tung der Bildersammlung des vergessenen Jahre alte Rauchhaus „Mühlgrub“ ge- Für die kulinarischen Schmankerln Malers Engelbert Mayrhofer für die örtliche nauestens inspiziert werden. Der Denk- sorgten die Wirtsleute von der Mayrle- und auch Salzburger Kunst- und Regionalge- malhof steht auf einem Hügel zwischen hen Hütte, die Faistenauer Hofkäserei schichte hervor. Hof und Thalgau (Riedlstraße) und dient sowie Gerti’s Genussladen. Ein Konzert des Pianisten Otto Andreas heute als Museum, als Zeugnis bäuer- Fickert und ein gelungenes Biedermeier-Cafe licher Kulturgeschichte. Den Höhepunkt und auch den Ab- von der Eine-Welt-Gruppe Thalgau rundeten Doch auch der Kunst wurde an diesem schluss bildete eine erotische Märchen- die stimmungsvolle Eröffnungsfeier zur 20. lesung. Der aus Hörfunk und Fernsehen Jubiläums-Bildungswoche ab. bekannte Helmut Wittmann erzählte, Die Ausstellung ist bis 30. Oktober 2011 zu begleitet von Aneta Marie Pichler auf den Besuchszeiten des Museums zugängig. der Harfe und Franz Bernegger auf dem DDr. Bernhard Iglhauser ist Bildungswerkleiter in Böhmischen Bock (einer Art Sackpfeife), Thalgau. überlieferte erotische Volksmärchen. Passend dazu wurden den Gästen Ge- richte wie der Liebesteller, Waldorffsalat und Liebesknochen serviert. Neben der Erotik kam auch das Lachen nicht zu kurz, und so erlebten die ZuhörerInnen Fotos: TVB Hof einen interessanten Abend, dessen Fortsetzung leider nur erahnt werden Märchenerzähler Helmut Wittmann sorgte konnte ... „Kunst und Schule“: ein spannendes Keramikmo- mit seinen erotischen Märchen für einen saik-Projekt der 3B-Klasse mit dem Künstler Axel gelungenen Abend im Rauchhaus. Stefanie Walch ist Bildungswerkleiterin in Hof. Wilhelm Krauss. dreieck 02/2011
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    36 | A u s G e me i n d e u n d B ezirk Gemeinschaft Etwas ganz Besonderes: das Samsontreffen. leben VON JOHANN POSCH A nlässlich des 100-jährigen Bestands- jubiläums der Freiwilligen Feuer- wehr St. Andrä und der damit ver- bundenen offiziellen Übergabe des neuen Feuerwehrhauses mit Gemeindebauhof und Recyclinghof sowie des Samsonturmes hat das Bildungswerk St. Andrä gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Anfang Juni 2011 eine Bildungswoche unter dem Motto „Gemeinschaft leben“ veranstaltet. Schon bei der Auftaktveranstaltung mit Mag. Maria Thaler stand „Gemeinschaft leben“ im Mittelpunkt. Die Referentin ver- mittelte mit dem Bild der „Giraffensprache“ Hans Posch gab dazu Einblicke in seine Foto- Spiele gesammelt und diese auch in einer sehr anschaulich eine Anleitung zu einer sammlung, in der er Fotos aus vergangener Broschüre zusammengefasst und illustriert. hilfreichen Kommunikation zwischen den Zeit von verschiedenen Anlässen, aus dem Der Pfingstsamstag stand ganz im Zeichen Generationen, um Missverständnisse ver- Alltagsleben, von Feierlichkeiten sowie An- des 1. Taurachtaler Samsontreffens in St. meiden zu können. Umrahmt wurde dieser sichten von Gebäuden aus allen Ortsteilen Andrä. Die Festlichkeiten begannen am Abend sehr stimmungsvoll von der genera- der Gemeinde zusammengetragen hat. Dorfplatz mit der Vorstellung der Samsone tionenübergreifenden Hausmusik Santner des Taurachtales und einem gemeinsamen (drei Generationen) aus Lintsching. Gemeinsam spielen Tanz der fünf Riesen. Begleitet von der Mu- Gemeinschaft spielerisch und generati- sikkapelle und einer großen Zahl von Besu- Eine fotografische Spurensuche durch die onenübergreifend erleben: Das war der Sinn cherInnen marschierten die Samsone bis Gemeinde stand am nächsten Tag auf dem des Spielefestes am Dorfplatz. Unter dem zum Festzelt. Dort sorgten die „Jungen Pal- Programm. Insgesamt 80 Gemeindebürge- Motto „Alte Spiele – neu entdeckt“ hatten dauer“ bis in die Morgenstunden für gute rInnen machten im neuen Schulungsraum VolksschülerInnen und Kindergartenkinder Unterhaltung. der Feuerwehr einen Blick zurück in die Ent- im Laufe des Jahres unter Mithilfe ihrer El- Dir. Mag. Johann Posch ist Bildungswerkleiter in wicklung von St. Andrä. Bildungswerkleiter tern und Großeltern schon fast vergessene St. Andrä. Beim Spielefest konn- te man Gemeinschaft spielerisch und gene- rationenübergreifend erleben. Hausmusik Santner 02/2011 dreieck
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    Aus G emein de un d Bez irk | 37 Regionale Stärken stärken Lernende Regionen Oberpinzgau – Tennengau - Salzburger Seenland D as Bundesland Salzburg darf seit einem Jahr drei Lernende Regionen sein Eigen nennen. Doch worum geht es dabei eigentlich? Das Programm „Lernende Regionen“ ist ein EU-Projekt, welches beim Lebensministeri- um angesiedelt ist und vom Land Salzburg kofinanziert wird, Projektträger ist der Verein Eine Lernende Region kann nur gelingen, Der Oberpinzgau hat es sich unter anderem „Salzburger Erwachsenenbildung“. Haupt- wenn ihre Anliegen klar kommuniziert zum Ziel gesetzt, Eigeninitiative und Selbst- akteure der Lernenden Regionen sind die werden, MultiplikatorInnen Träger der zu- bestimmung der Bevölkerung zu stärken. in den Regionen tätigen Weiterbildungs- grundeliegenden Bildungsvision sind, Bür- Inhaltliche Schwerpunkte sind dabei Inte- organisationen der Arbeitsgemeinschaft gerInnen sensibilisiert sowie mobilisiert gration, Basisbildung, emanzipatorische Salzburger Erwachsenenbildung und die werden und Möglichkeiten der Beteiligung Bildungsarbeit und Tourismus. Im Herbst LEADER-Managements/Regionalverbände. vorfinden. Die Salzburger Lernenden Re- 2011 beginnen Qualifizierungskurse zum gionen gestalten Entwicklungsprozesse Thema „Regionale Geschichte und Kultur“ Das Projekt zielt darauf ab, ländliche Regi- deshalb möglichst partizipativ. So wurden für Personen, die im Tourismus tätig sind. onen „zukunftsfähig“ zu halten. Klar ist, dass die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der Weiters startet ein Generationenprojekt, den Herausforderungen unserer Zeit nur beteiligten Institutionen im Rahmen von bei dem VolksschülerInnen mit ihren Groß- durch Bildung und lebenslanges Lernen Regionalkonferenzen an der Strategieent- eltern alte Handwerkskünste umfassend begegnet werden kann. Daher besteht die wicklung beteiligt. Sie sind auf Grund ihrer „wiederbeleben“. Grundidee einer Lernenden Region darin, Multiplikatorenrolle wichtige Kooperations- regionale (Weiterbildungs)Institutionen an partner und wirken soweit als möglich an Im Salzburger Seenland wurde ein nachhal- einen Tisch zu bringen, bestehende Netz- Planung und Entscheidungsfindung mit. tiges Leitthema entwickelt. Unter dem Mot- werke zu intensivieren sowie neue, nach- to „Leben.Energie.Bildung“ sind Veranstal- haltige Synergien zu bilden, um das Thema Lern.fest 2011 tungen zu Umweltbildung, Lebensstil und Bildung für BürgerInnen noch greifbarer zu Nach der Entwicklung der regionalen Bil- -qualität sowie Energie und Ressourcen ge- machen. Diese institutionalisierte Zusam- dungsstrategien geht es in den Lernenden plant, die regelmäßig in einem eigenen Bil- menarbeit von Bildungsanbietern, AMS, Regionen Salzburgs nun um die Umsetzung dungskalender kommuniziert werden. Am Unternehmen, sonstigen Einrichtungen (z. erster Projekte. Da die Regionen und deren 10. und 11. September findet im Rahmen B. Vereine) und der Regionalentwicklung ist Bedürfnisse sehr heterogen sind, gibt es des Kunsthandwerksmarktes Seeham das in der Form völlig neu. kein Standardprogramm, sondern regional Fest der Bildung statt, bei dem jede Menge abgestimmte Maßnahmenpakete. Workshops kostenlos „beschnuppert“ wer- Botschafter für Bildung und den können (bh) Weiterbildung Im Tennengau wird alles dran gesetzt, Men- Lernen soll nicht als „Muss“ wahrgenom- schen Lust auf Lernen zu machen. Daher men werden, sondern als Bereicherung für findet am 8. Oktober in Hallein das erste das eigene Leben. Ein Hauptanliegen des Tennengauer Lernfest unter dem Motto Projektes ist es daher, gemeinsam (Weiter)- „lern.fest 2011. staunen.erleben.begreifen.“ Lernende Regionen im Netz: Bildungsmaßnahmen, die auf die regionalen statt. Ziel ist es, die Lust am Lernen durch Oberpinzgau: http://www.oberpinzgau. Bedürfnisse abgestimmt sind, zu entwickeln Mitmachen und Ausprobieren erlebnis- info/index.php?id=151 und umzusetzen. Dies soll gemeinde-, aber orientiert zu vermitteln. Geboten wird ein Salzburger Seenland: www.rvss.at, auch einrichtungsübergreifend passieren. vielfältiges Programm für Jung und Alt wie Rubrik „Lernende Region“ Dahinter steht das Ziel, den Beteiligungs- beispielsweise Wissenschaft im Wirtshaus, Tennengau: http://www.lernende- grad an Bildung in den Regionen längerfri- Biografieworkshops, Sprachkurse, Lachyo- regionen.at/de/region.asp?id=30 stig und dauerhaft zu erhöhen. ga und Gedächtnistraining. dreieck 02/2011
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    38 | A u s G e me i n d e u n d B ezirk Generationenplausch „Mei erste Liab“ VON ROLAND LORSCHEID T u doch was“, dachten sich in Un- „ ternberg unter Anderem Heidi Stolz und Rosi Wieland vom Kin- dergarten, Vevi Unterainer von den Seni- oren und Bildungswerkleiter Roland Lor- scheid. ... und es hat sich was getan beim Heut is so a scheana Tag: Es wird Hans Fanninger Familienmusik Santner: Josef Generationenplausch zum Thema „Mei eifrig gesungen und getanzt. (Minibauer) erzählt. (10 Jahre), Franziska und Alois. erste Liab, dåz‘mals und heut“ beim Schil- cherwirt in Unternberg: Jung bis Jungge- den Mann, der nichts als seine geflickte selbst gebackene Lebkuchenherzen mit bliebene verbrachten einen gemütlichen Hose zu vererben hat, führten Raimund „Liebe ist ...“-Sprüchen. Nachmittag bei Kaffee und Kuchen. Lüftenegger (Bartler) und Marianne Sag- „Mei erste Liab, dåz‘mals und heut“ war Moderiert von Schilcherwirt Alois Santner, meister (Fötschl). eine gelungene Veranstaltung in Koopera- gab es über die Liebe und das Verliebtsein Die Veranstaltung war so wie der Titel des tion mit der Lungauer Kulturvereinigung in früheren Tagen einiges zu erzählen. Für Liedes „Heut ist so ein schöner Tag“, das im Rahmen von Kultur an der Mur „Kann den musikalischen Rahmen sorgten Josef, die Kindergartenkinder mit den Erwach- denn Liebe Sünde sein?“. Franziska und Vater Alois Santner aus Lint- senen gemeinsam zum Besten gaben. Roland Lorscheid ist Bildungswerkleiter in sching. Einen Dialog über einen trinken- Zum Abschluss verteilten die Seniorinnen Unternberg. Demokratischer Wüstenwind VON MARIA PLÖSSNIG D ie Umstürze und Bewegungen in alen Missständen, Arbeitslosigkeit, Korrup- der Arabischen Welt sind eines der tion, dem Unmut über autoritäre Regime hochaktuellen politischen Themen, und den Sicherheitsapparat. Auch voran- Dr. Claudius die Menschen rund um die Welt dieses Jahr gehende, ausgewählte Provokationen und Jan Völkel beschäftigt haben. Das Salzburger Bildungs- Protestaktionen wurden näher erläutert. Politikwissen- schafter und Foto: privat werk hat zu diesem Anlass im Frühjahr 2011 Schließlich folgte die Analyse der Revoluti- in drei Gemeinden – Abtenau, Kuchl und on in Tunesien und dem „Tag des Zorns“ in Islam-Experte Henndorf – den Vortrag „Demokratischer Ägypten bis hin zu tagesaktuellen Informa- Wüstenwind“ mit dem Politikwissenschaf- tionen zu den Massenprotesten in Libyen, ter und Islam-Experten Dr. Jan Claudius Völ- Syrien, Jemen, Saudi-Arabien usw. der gerade aktuellen Weltpolitik orientiert kel organisiert. Auch die Auswirkungen und Erwartungs- und Einblicke in eine Gesellschaft gibt, die Dr. Völkel hat den ZuhörerInnen dabei haltungen der Arabischen Welt an die Euro- zu unserer „westlichen“ Gesellschaft paral- ausführlich über die Vorgeschichte, den päische Union wurden erörtert. Die Auswir- lel existiert und auf sie Einfluss nimmt, aber Verlauf und mögliche Auswirkungen des kungen auf unsere Gesellschaft in Europa leider auch oft sehr oberflächlich und vor- „arabischen Frühlings“ berichtet. In seinem sind bei diesem Thema praktisch greifbar. urteilsbehaftet betrachtet wird. Wir in Kuchl Tätigkeitsbereich – sowohl an der Universi- Dementsprechend brisant und wichtig war hoffen, Dr. Völkel wieder einmal zu einem tät in Salzburg als auch als „Regionalkoor- dieser Vortrag für die BesucherInnen: Es gab ähnlichen Thema einladen zu dürfen und dinator Nordafrika/Nahost“ beim Bertels- zahlreiche Fragen aus dem Publikum, die würden uns freuen, wenn sich eine ent- mann Transformation Index – ist er bestens Dr. Völkel ausführlich beantwortete. sprechende Gelegenheit ergibt. über aktuelle Entwicklungen informiert. Der Insgesamt gesehen ist hier ein interessanter, Vortrag begann mit der Analyse von sozi- spannender Vortrag gelungen, der sich an Mag. Maria Plößnig ist Bildungswerkleiterin in Kuchl. 02/2011 dreieck
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    IMB – Insti tut für Medi en b ild u ng | 39 Medien-Hochburg Mauterndorf VON MARTIN SEIBT D ie beschauliche Marktgemeinde men der Medientage drehte sich alles um Mauterndorf mit ihren knapp 2.000 die (Medien-)Welt von Jugendlichen. Die EinwohnernInnen wurde Ende Mai Vorträge von Dr. Christine Wijnen (Medien- 2011 zur Medien-Hochburg. Denn da fan- welt als Lebenswelt Heranwachsender), Dr. den die ersten Mauterndorfer Medientage Sascha Trültzsch (Social Web im Alltag von statt. Workshops mit 60 SchülerInnen zu Jugendlichen) und Mag. Mareike Düssel den Themen Film, Radio und Blog, eine (Bildung und Social Media) gaben Einblicke Fachtagung für Lehrkräfte und Jugendar- in die Medienwelt unserer Jugendlichen. beiterInnen sowie Workshops für Pädago- gInnen standen auf dem Programm. Martin Seibt, Geschäftsführer des Insti- Medientage mitveranstaltete. Ich sehe die Die Jugendlichen hatten die Möglichkeit, tuts für Medienbildung (IMB) resümiert: Medientage auch als eine Veranstaltung im einen Kurzfilm oder eine Radiosendung zu „Umfassende Medienkompetenz, von kri- Vorfeld unserer umfassenden Ausbildung produzieren oder ihren eigenen Webblog tischer Medienreflexion bis zu aktivem und „Educational Technology Multimedia Lea- zu gestalten. Ziel war es, die SchülerInnen kreativem „Selber Machen“ von Medien, dership“, unserem Fortbildungsprogramm von passiven KonsumentInnen zu aktiven ist eine der wichtigsten Kernkompetenzen für MulitplikatorInnen in Kooperation mit ProduzentInnen zu machen. der heutigen Zeit. Es freut mich, dass das der Donauuniversität Krems.“ Life 2.0 – Schein und Sein in der Lebenswelt Institut für Medienbildung ein Teil des Jugendlicher: Bei der Fachtagung im Rah- Netzwerkes ist, das die 1. Mauterndorfer Mag. Martin Seibt MSc ist Geschäftsführer des IMB Arb e it sk re ise | MundART – Eine Kunst wird ausgezeichnet D er Walter-Kraus-Mundartpreis 2011 Lebzeiten ein bedeutender Mundartdich- (2000), Anton Aichhorn (2002) und Max geht an die Taxenbacher Mund- ter und bekannt für seinen Einsatz rund um Faistauer (2004) darf sich nun wieder eine artautorin Theresia Oblasser. Vor die Salzburger Dialektkultur – besonders als Frau über den Preis für Mundartschaffen- kurzem wurde ihr der Preis in der Gemeinde Gestalter von Mundartsendungen über und de freuen. Die 1941 geborene Bergbäuerin Nußdorf verliehen. mit Salzburger Mundartschaffenden. „Dank Theresia Oblasser schreibt seit fast 30 Jah- der Gemeinde Nußdorf, dem Raiffeisen- ren kritische Geschichten und Gedichte, an- Mit dem Preis, der 1998 auf Anregung von verband Salzburg und dem ORF ist es uns fangs noch in Schriftsprache heute haupt- Herbert Gschwendtner initiiert wurde, wer- gelungen, den Preis wieder einzuführen sächlich im Dialekt. „Angeregt wurde ich den MundartdichterInnen für ihre Arbeit und Walter Kraus zu würdigen. Er wird nun durch Erinnerungen, durch den Klang eines gewürdigt. alle drei Jahre verliehen“, freut sich Initiator Wortes, durch Betrachtung von Bildern und Der mit 2.000 Euro dotierte „Walter-Kraus- Max Faistauer, Mundartautor und Leiter des Blumen und nicht zuletzt durch Auseinan- Mundartpreis“ wurde heuer nach sieben Arbeitskreises „Regionale Sprache und Lite- dersetzungen mit Anderen in der Region Jahren Pause wieder verliehen. Das Salzbur- ratur“. über Entwicklungen und Fragen unserer ger Bildungswerk bemühte sich gemein- Zeit“, berichtet Theresia Oblasser. sam mit seinem Arbeitskreis „Regionale Der kritische Blick der Sprache und Literatur“ anlässlich des 80. Theresia oblasser Sie zählt ohne Zweifel zu den bekanntesten Geburtstages von Walter Kraus um eine Nach den Preisträgern Erwin Rutzinger und renommiertesten Mundartautorinnen Wiedererweckung. Walter Kraus war zu (1998), Barbara Rettenbacher-Höllwerth Salzburgs, so erhielt sie 2008 den Mundart- dreieck 02/2011
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    40 | A r b e i t sk re i se preis „Quergredt“ vom ORF-Landesstudio Salzburg. „Ihre Werke in Prosa und Versform legen Zeugnis ab von dem Aufbruch und der Ver- änderung, der in den letzten Jahrzehnten in der traditionellen ländlichen Welt statt- gefunden hat, und geben diesem Wandel Theresia Oblasser im eine Stimme, die Stimme einer Frau, die den Kreis der Jurymitglieder Menschen und den Dingen auf den Grund (v.li.) Günther Signitzer, Manfred Baumann, geht“, ist im Juryprotokoll zu lesen, „There- Erwin Rutzinger, Johann sia Oblassers Werke ragen aus der Fülle der Ganisl, Fritz Schwärz, Salzburger Mundartliteratur heraus“. Max Faistauer und Peter Haudum. Als Jurymitglieder fungierten Manfred Bau- mann (ORF-Landesstudio Salzburg), Max Faistauer, der Nußdorfer Bürgermeister als Vertreter der bisherigen Preisträger, Fritz burger Bildungswerkes, als Juryvorsitzender. Johann Ganisl, Germanist Mag. Peter Hau- Schwärz (Raiffeisenverband Salzburg) und (GS) dum, Mundartautor Prof. Erwin Rutzinger Dr. Günther Signitzer, der Direktor des Salz- Arbeitskreis „Geschichte und Kultur“ D er Arbeitskreis „Geschichte und historisch interessierten Laien unter dem Kultur“ wurde kürzlich unter der Gesichtspunkt der Stärkung des Interes- neuen Leitung von Dir. Dr. Os- ses über die Landesgeschichte und Kul- kar Dohle konstituiert. Die thematische tur. (GS) und personelle Weiterentwicklung des Arbeitskreises „Landesgeschichte“ soll damit auch in der Bezeichnung ihren Niederschlag finden. Haupttätigkeit des Arbeitskreises unter der langjährigen, engagierten Leitung von HR Dr. Fritz Koller war seit 1985 die Durchführung der Chronistenseminare. Diese wer- den in Zusammenarbeit mit der EuRe- gio Salzburg – Berchtesgadener Land – Traunstein nun auch mit dem neuen Themenschwerpunkt „Gemeindear- chive“ fortgeführt. Die beiden bisher angebotenen Seminare „Gemeindear- Foto: Salzburger Landesarchiv chive als Einrichtungen des lokalen Erin- Die Mitglieder des Arbeitskreises: nerns“ und „Archive entdecken“ waren Dir. Mag. Dr. Oskar Dohle (Vorsitz), Mag. äußerst gut besucht und gaben einen Andreas Deusch, O.Univ.-Prof. Dr. Heinz hervorragenden Einblick. Im Herbst wird Dopsch, Dr. Guido Friedl, Dr. Raimund Kast- das Thema „Fotografie und lokale Ge- ler, Augustin Kloiber, Dr. Peter Kramml, Dr. schichtsforschung“ angeboten. Ziel des Dr. Dohle im Speicher des Salzburger Johannes Lang M.A., Dr. Erich Marx, Dr. Tho- Arbeitskreises ist die Vernetzung der Ex- Landesarchivs mas Mitterecker, Mag. Bernhard Schlag perten und die Zusammenführung mit 02/2011 dreieck
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    Per sona lia | 41 Das Salzburger Bildungswerk gratuliert Frieda Aigner, ehem. Bildungswerkleiterin aus Anthering (Bild), und Johann Müller, Gründer und Leiter des Landesskimuseums in Werfenweng, zum Verdienstzeichen des Landes Salzburg, verliehen von LH Mag. Gabi Burgstaller. Friedl Bahner, Bildungswerkleiter in Hallein, Dipl. Päd. Mag. Birgit Schaupensteiner, Bildungswerkleiterin in St. Johann, Foto: Franz Neumayr HR Dipl. Ing. Dr. Arno Watteck, langjähriger Leiter des Arbeitskreises „Heimatsammlungen“, zum runden Geburtstag. Bildung ein Leben lang Neue Bezirksleiterin im Pinzgau Ende und Anfang G abriele Di Centa-Laimer übernahm mit Mai 2011 die Betreuung des Oberpinzgaues sowie einiger Gemeinden des Mitterpinz- gaues und folgt damit dem ehemaligen Bezirksleiter Rudolf Langer aus Hollersbach nach. Gemeinsam mit Siegfried Kopp bildet sie nun ein dynamisches und engagiertes Team für die Bildungswerke im Pinzgau. Gabriele Di Centa-Laimer leitete sieben Jahre lang das bfi in Zell am See. Sie sagt über sich: „Bildung hat mich ein Leben lang begleitet und hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Die enorme Bandbreite des Salzburger Bildungswerkes ist für mich eine große Motivation mitzu- arbeiten“. Erste Schritte ihrer neuen Tätigkeit werden Gabriele Di Centa- Laimer in die einzelnen Gemeinden führen. Der persönliche Kontakt, der Austausch und die Vernetzung untereinander stellen für die neue Be- zirksleiterin die wichtigsten Aufgaben dar. (RiB) Altes und neues Team mit der ehemaligen Bildungswerkleiterin Bezirksleiter Siegfried Kopp aus Martina Brugger (stehend, 3.v.re.), und der neuen Bildungswerk- Rauris (re.) freut sich gemein- leiterin Dipl. Ing. Monika Hönegger (knieend, li.). sam mit Richard Breschar und Barbara Holzner von der Direk- tion des Salzburger Bildungs- V werkes über die Verstärkung in izebürgermeisterin Martina Brugger übergibt die der Bezirksleitung durch Bildungswerkleitung von Lessach nach elf Jahren Gabriele Di Centa-Laimer an Dipl. Ing. Monika Hönegger. Als Höhepunkte (2.v.re.). ihrer Arbeit nennt Martina Brugger zwei Bildungswochen, Gesundheitstage und die Erfassung und Dokumentation aller Klein- und Flurdenkmäler in ihrer Gemeinde. Bezirks- leiter Robert Grießner dankte ihr dafür und überreichte ihr Das Salzburger Bildungswerk begrüßt die Ehrennadel in Silber des Salzburger Bildungswerkes. Bürgermeister Peter Perner freut sich, dass die ausgezeich- nete Arbeit des Bildungswerkes in Lessach mit einem neu- Sabine Fischinger als neue Bildungswerkleiterin in Göming und en Team fortgeführt werden kann. Die neue Leiterin, Dipl. Dr. Wolfgang Kirchtag als neuen Bildungswerkleiter in Henndorf. Ing. Monika Hönegger, ist Lehrerin an der Landwirtschaft- Gemeinsam machen wir Bildung lebendig! lichen Fachschule in Tamsweg. (RiB) dreieck 02/2011
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    42 | Pe rs o n a l i a B ei einer feierlichen Veranstaltung wurden vor kurzem die Haus- und Hofchroniken St. Kolomans vorgestellt. Erika Rettenbacher, die Leiterin des Mundartarchives der Gemeinde und Mitglied unseres Arbeitskreises „Regionale Sprache und Lite- ratur“, gestaltete gemeinsam mit der Ortsbauernschaft den feierlichen Rahmen. Erika Rettenbacher hat in mühevoller Arbeit Informationen und Fotos zu Häusern und Hö- fen in St. Koloman gesammelt und liefert so einen wichtigen Beitrag zur Chronik, in der bereits Höfe um 1348 aufscheinen. Im Bild (v.li.) Ortsbäuerin Gabriele Schnöll, Ortsbauer Gerhard Ramsauer, Erika Retten- bacher und Bürgermeister Willi Wallinger. Für ein aktives Bildung, die bewegt Miteinander und die Umwelt schont D as Salzburger Bildungswerk hat im Juni mit zwei Teams E ine Rückschau mit Bildern über 18 Jahre Dorfgemeinschaft an der Aktion „Österreich Sauerfeld gab vor kurzem den idealen Rahmen für eine offi- radelt zur Arbeit“ teilgenommen zielle Übergabe der Bildungswerksleitung. Maria und Peter und beachtliche 1.004 km erradelt! Fuchsberger wurden von Dir.-Stv. Dipl. Ing. Richard Breschar zu Gemeinsam haben wir 17.770,8 Bildungswerkleitern von Tamsweg-Sauerfeld bestellt. Beide ar- kcal verbrannt sowie 461,84 Euro beiten seit Jahren sehr aktiv in der Dorfgemeinschaft und im ört- und 159,636 kg CO2 gespart! Un- lichen Bildungswerk mit. Ihre Vorgängerin, Helga Pressler, meinte: sere sportlichste Radlerin war Ul- „Sie sind aktive Menschen mit tollen Ideen – ideale Nachfolger“. rike Freidl (Bild), mit 240 km in nur Die Dorfgemeinschaft sorgt in Sauerfeld mit vielen Aktivitäten für einem Monat. ein reges „Miteinander“. Auch bei dieser gab es einen Wechsel: Gerhard Klemm folgt Eduard Fuchsberger. Die traditionell gute Zusammenarbeit zwischen Dorfgemeinschaft und Bildungswerk wird weiter geführt. Der Tamsweger Bürgermeister Ing. Alois Lankmayer dankte allen, Zum Gedenken die zum Gelingen der intakten Gemeinschaft im Ortsteil Sauerfeld beigetragen haben und wünschte dem neuen Team viel Erfolg und N gutes Gelingen bei den verschiedenen Wettbewerben, Bildungs- ach langer, schwerer Krankheit verstarb am 14. Juni 2011 veranstaltungen und Projekten. (RiB) die Lungauer Mundartdichterin Cilli Pichler im 89. Le- bensjahr. Schreiben in ihrer Lungauer Mundart war der Bergbäuerin ein Le- Im Bild (v.li.) Bgm. Alois Lankmayer, ben lang wichtig. Ihr Werk ist in vier Büchern der Mundartreihe Maria Gabriele „Lebendiges Wort“ erhalten. Daneben erschienen ihre Gedichte Aigner (Bildungs- und Geschichten in Anthologien, im Salzburger Bauernkalender, werkleiterin von in Zeitschriften und Broschüren. Das Leben ihrer Mitmenschen, Tamsweg), die ehe- Natur und Kultur ihrer Umwelt in Gegenwart und Vergangenheit malige Bildungs- werkleiterin Helga lieferten den Stoff zu ihrem dichterischen Schaffen. Heimatliebe Pressler, die neuen und tiefer Glaube sind darin unaufdringlich immer spürbar. Land Bildungswerkleiter Salzburg, ihre Heimat Tamsweg und das Salzburger Bildungs- Peter und Maria werk würdigten ihr Werk mit mehreren Auszeichnungen. Den Fuchsberger sowie Freunden ihrer Dichtung bleibt Cilli Pichler unvergessen! Richard Breschar. 02/2011 dreieck
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    Bu cht ipp s | 43 Buchtipps Lehrbuch für Lernen und Lehren Integration, Rassismen und Food Change – 7 Leitideen für eine mit Technologien (L3T) Weltwirtschaftskrise neue Esskultur Herausgeber: Martin Ebner, Sandra Schön Herausgeber: Manfred Oberlechner, AutorInnen: Hanni Rützler, Hardcover-Version in Farbe Gerhard Hetfleisch Wolfgang Reiter Verlag: BoD Books on Demand Verlag: Braumüller Universitäts-Verlags- Hubert Krenn-Verlag ISBN 978-3-8423-4011-4 buchhandlung ISBN: 978-3-99005-031-6 452 Seiten, € 129,- ISBN 978-3-7003-1733-3 178 Seiten, € 19,95 Softcover-Variante sw 476 Seiten, € 26,90 Verlag: ePubli Das Zusammenwachsen der ISBN 978-3-8442-0437-7 Inwiefern nimmt die Welt- Welt hat Geschmacksvor- 452 Seiten, € 69,- wirtschaftskrise nachhal- stellungen, Nahrungsmit- Kostenfrei im Internet unter http://l3t.eu tig Einfluss auf Leben und telangebote, Logistikket- Arbeit in unserer Gesell- ten, Nachfragestrukturen Dieses Lehrbuch ist eine schaft? Wie wirken sich und Marktentwicklungen Sammlung von Lehrtex- wirtschaftliche Prozesse grundlegend verändert: ten zu unterschiedlichen auf Migranten in Österrei- Was Inder und Chinesen Themen und Perspekti- ch aus? Tritt Rassismus in essen wollen, beeinflusst die Bauern in ven des Lernens und Leh- Zeiten der Krise verstärkt auf? Iowa ebenso wie jene in Vorarlberg. Was, rens mit Technologien. Dies sind nur einige der spannenden Fra- wie und warum wir in Zukunft essen, wird Basierend auf einführen- gen, die das Werk „Integration, Rassismen sich fundamental ändern. Aber wie wird den Texten und Beiträgen und Weltwirtschaftskrise“ stellt. Die Auto- die Zukunft schmecken? Eintönig – künst- zur Geschichte werden dabei unterschied- ren analysieren erstmals ausführlich den lich – umweltbelastend? Oder vielfältig – liche Anwendungen, Technologien, Ein- Zusammenhang zwischen Wirtschaft, wertvoll – authentisch – exotisch – einfach satzgebiete und disziplinäre Perspektiven Migration/Integration/Rassismen und Ar- – gesund? aufgegriffen. Ein Schwerpunkt der Beiträge beitsmarkt – eingangs aus einer breiteren liegt auf neuen Entwicklungen, beispiels- sozioökonomischen, historischen sowie Dieses Buch zeigt anhand konkreter Bei- weise Educasts, (Micro-)Blogging oder theoretischen Perspektive, gefolgt von spiele einer Trendanalyse, dass der Pro- mobilem Lernen. Die Lehrtexte enthalten regionalen österreichischen und schließ- zess des Food Change bereits im Gange Übungsaufgaben und Praxisbeispiele, die lich ideologiekritischen Sichtweisen. Die ist: Welche Form er aber annehmen wird, das Selbststudium oder das gemeinsame Stärke dieses thematischen Zuganges ist unsicher – und bestimmbar! Denn, so Lernen unterstützen. liegt in der fruchtbaren Kombination von die zentrale These der Trendfoodexperten wissenschaftlicher Theorie und Empirie Rützler und Reiter, es liegt an „uns“, die Fast 200 Personen haben über Monate hin- mit langjähriger sozialer Praxiserfahrung Zukunft dieses (Über)Lebensbereichs zu weg zusammengearbeitet, um das erste in der Arbeit und im Zusammenleben mit gestalten: durch innovative Konzepte in deutschsprachige, frei zugängliche Lehr- MigrantInnen. Die Autoren liefern mit ih- Landwirtschaft, Handel und Gastronomie, buch zum Thema „Lernen und Lehren mit ren Beiträgen ein themenspezifisches und die unsere Esskultur ebenso beeinflussen Technologien“ zu schreiben. Seit 2011 ste- neuartiges Handbuch zur Integrationsar- wie kritischer und bewusster Konsum. hen 48 Kapitel kostenfrei im Internet unter beit in Österreich. Jede Speisekarte, jede EU-Verordnung, http://l3t.eu zur Verfügung. Seit kurzem jeder Marktstand, jeder gefüllte Einkaufs- „Anhand von Statistiken, aber auch qualitativen gibt es das Lehrbuch auch gedruckt im Forschungen nehmen die Autoren eine wirtschafts- wagen … alle, vom Produzenten bis zum Buchhandel und als Android e-book. Das und gesellschaftspolititsche Analyse vor, die deut- Konsumenten, formen die Zukunft unserer gedruckte Buch ist als ein Service für Ler- lich macht, wie tief die Weltwirtschaftskrise unsere Ernährung. Gesellschaft beeinflusst hat. Dabei wird eine Spra- nende und Lehrende gedacht, die gerne che verwendet, die der Komplexität der Thematik mit einem Buch arbeiten, darin blättern gerecht wird, aber dennoch auf für Nichtwissen- „Fast unbemerkt sind wir gerade dabei, un- wollen und sich gerne handschriftliche schaftler verständlich bleibt.“ (Buchtipp in „Die Pres- ser Essen neu zu erfinden – und damit ein se“, 25. Mai 2011) Notizen machen. „In Summe ist es (...) ein vielseitiges und (...) sehr en- Stück weit auch uns selbst“: Hanni Rützler gagiert geschriebenes Buch.“ (Buchtipp in „Wiener (MP) Zeitung“, 17. März 2011) dreieck 02/2011
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    Österreichische Post AG Info-Mail. Entgelt bezahlt. www.salzburgerbildungswerk.at salzburger Wir machen bildungswerk Bildung lebendig!