Schadstoffe im Boden

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Schadstoffe im Boden

  1. 1. Geowissenschaften Rubin 2007 GeographieDamit der Salat nicht so schwer im Magen liegt:Schadstoffe im Boden festsetzen Abb. 1: Die eine oder andere Handvoll Boden wandert schon mal in den Mund. Rita Haag Die dreijährige Lena hilft ihrer Oma bei der Salaternte. Bernd Marschner Die eine oder andere Handvoll Erde wandert dabei in den Ingo Müller Mund. Halb so schlimm, denkt die Oma, das haben wir alle früher gemacht. Sie putzt den Salat gründlich und freut sich auf die vitaminreiche Beilage. Doch der Salat enthält nicht nur Gutes, und auch die Erde ist nicht harm- los: Schwermetalle, vor allem Blei und Cadmium kommen mitunter in hohen Konzentrationen im Boden vor. Wie man sie dingfest macht, ohne gleich den ganzen Boden abzutragen, erforschen Bodenökologen der RUB. 13
  2. 2. Geographie Geowissenschaften Rubin 2007G erade im Ruhrgebiet gibt es viele Schrebergärten, die zur eigenen Versorgung mit Ge-müse beitragen. Ist der Verzehr vonProdukten aus eigenem Anbau bei dervorliegenden Umweltbelastung dennüberhaupt noch gesund? Ist es schäd- An Bodenpartikellich für Kinder, wenn beim Spielen im gebundene StoffeGarten Boden über Mund oder Atem- Futterpflanzen Nahrungspflanzen Oberflächen- gewässerwege aufgenommen wird, fragen vie- Nachbarflächenle besorgte Gartenbesitzer. Denn auchwenn Gemüse aus eigenem Anbau Gelöste Stoffesicherlich frischer und oft geschmack-voller als aus dem Supermarkt ist, kann Grundwasseres auch unerwünschte Stoffe enthalten.Hierzu gehören beispielsweise Schwer- Abb. 2: Wirkungspfade von Schadstoffen aus den Böden.metalle, vor allem Blei und Cadmium,die sich besonders im Ruhrgebiet inhohen Konzentrationen im Boden erhöhten Konzentrationen dem Boden gelungen zu Schadstoffgehalten innachweisen lassen und von den Pflan- erhalten. Auch hier gilt dosis facet Böden (s. Info 1).zen aufgenommen werden können. venenum (Die Menge macht das Gift): Schadstoffe wie Schwermetalle kön-Schwermetalle gelangen bei der Bo- Erhöhte Schwermetallgehalte können nen auf unterschiedlichen Wegendenbildung je nach Ausgangsgestein auf Mensch und Umwelt schädlich in den menschlichen Körper gelan-auf natürliche Weise in die Böden – wirken. Blei etwa kann Nervenschä- gen und dort Schäden verursachenmitunter stark ergänzt um Einträge den hervorrufen und bei Kindern die (s. Abb. 2). Beim so genannten „Di-aufgrund menschlicher Tätigkeit, z.B. Gehirnentwicklung beeinträchtigen. rektpfad“ gelangen die Schadstoffeaus der Schwerindustrie oder dem Au- Cadmium schädigt Leber und Niere. direkt mit dem belasteten Boden beimtoverkehr. Böden haben ein langes Seit 1999 gibt es mit dem Bundes- Verschlucken oder Hautkontakt in denGedächtnis: Auch nach dem weitge- Bodenschutzgesetz (BBodSchG) so- Körper. Dies kann besonders beihenden Verschwinden der Belastungs- wie der dazugehörigen Verordnung Kleinkindern eine Rolle spielen. In-quellen bleiben die Schwermetalle in (BBodSchV) bundeseinheitliche Re- direkte Schadstoffwege führen über info1 Den Boden gesund halten – Gesetzliche Regelungen Ziel des Bundes-Bodenschutzgesetzes (BBodSchG) ist es, verpflichtet (§ 4). Das bedeutet aber nicht, dass Kleingärtner nachhaltig die Funktionen des Bodens zu sichern oder wie- dazu verpflichtet sind, Bodenuntersuchungen durchführen derherzustellen (§ 1). Der Boden erfüllt im Sinne des § 2 zu lassen. In dem untergesetzlichen Regelwerk, der Bundes- natürliche Funktionen als Lebensgrundlage und Lebens- Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) sind für raum für Menschen, Tiere, Pflanzen und Bodenorganismen verschiedene Schadstoffe konkrete Werte aufgeführt, um durch seine Wasser- und Stoffkreisläufe sowie als Abbau- schädliche Bodenveränderungen zu beurteilen. Die Über- und Ausgleichsmedium für Schadstoffe, aufgrund seiner schreitung von Vorsorgewerten deutet dabei auf ein mögli- Filter-, Puffer- und Stoffumwandlungseigenschaften, die ins- ches Entstehen einer schädlichen Bodenveränderung bei wei- besondere auch zum Schutz des Grundwassers beitragen. tergehend ungebremster Schadstoffzufuhr hin. Jeder hat sich so zu verhalten, dass schädliche Bodenverän- Werden bei Bodenuntersuchungen Prüfwerte überschrit- derungen gar nicht erst entstehen können (§ 7, Vorsorge- ten, erfolgt eine weitergehende einzelfallbezogene Unter- prinzip). Eine schädliche Bodenveränderung bedeutet dabei suchung, die zur Entscheidung führt, ob eine schädliche Bo- die Beeinträchtigung oder Schädigung der genannten Bo- denveränderung vorliegt. Bei Überschreitung von Maßnah- denfunktionen. Droht eine schädliche Bodenveränderung menwerten liegt in der Regel eine schädliche Bodenverän- oder liegt sie bereits vor, so sind Verursacher, Grundstücks- derung vor und es sind Maßnahmen zur Gefahrenabwehr eigentümer und –nutzer gleichsam zur Gefahrenabwehr zu ergreifen.14
  3. 3. Geowissenschaften Rubin 2007 GeographieNahrungsmittel wie Obst, Gemüseoder Fleisch und vom Grundwasserüber das Trinkwasser zum Menschen.Kleingärtner in Gebieten mit höhererSchadstoffbelastung sind somit meh-reren potenziellen Belastungspfadenausgesetzt.Dabei kann gerade der Verzehr vonProdukten aus eigenem Anbau eine–unsichtbare – Belastung darstel-len: Gut gewachsenem Gemüse istes nicht anzusehen, ob in den Pflan-zen Schwermetalle angereichert sind(Abb. 3). Die bodenschutzrechtlichenBewertungsmaßstäbe sind in Bezugauf den Wirkungspfad differenziert.So finden sich Werte für die Beur-teilung der direkten Bodenaufnah-me z.B. durch spielende Kinder, des Abb. 3: Der Schein kann trügerisch sein: Auch Gemüse, das appetitlich aussieht, kannTransfers vom Boden in Nahrungs- stark belastet sein.und Futterpflanzen oder der Verlage-rung in das Grundwasser.Stoffliche Belastungen von Kulturbö- metallen dar. Denn die Aufnahme von ten wird. Die Übertragung bekannterden umfassen in Nordrhein-Westfalen Schadstoffen in die Pflanzen ist nicht Löslichkeitsprodukte aus wässrigenmeist größere Flächen. Daher schei- direkt von ihren Gesamtgehalten in Lösungen auf den Boden ist aber nurden übliche großtechnische Sanie- den Böden abhängig, sondern von den bedingt möglich, da die physikalisch-rungen, beispielsweise durch Abtra- mobilen, pflanzenverfügbaren Antei- chemischen Bedingungen in Bödengung des kontaminierten Bodens, in len der Schwermetalle. sehr variabel sind.der Regel aus. Verschiedene chemische Reaktionen Sorptionsreaktionen, d.h. die Anlage-Die Maßnahmen beschränken sich steuern die Verteilung von Schwer- rung von Schwermetallen an und inoft auf Restriktionen im Hinblick auf metallen zwischen Bodenlösung und Bodenpartikel, sind entscheidend fürdie Flächennutzung, wie Einschrän- -festphase und sind somit auch für die die Bindungsprozesse im Boden.kungen oder Verbote beim Pflanzen- Pflanzenverfügbarkeit verantwortlich: Sorptionsprozesse sind teilweise re-anbau. Daher ist man auf der Suche Eine Fällung von Schwermetallen versibel und werden deshalb in dienach alternativen Lösungen. Einen tritt ein, wenn das chemische Lös- dauerhafte, so genannte spezifische,Erfolg versprechenden Ansatz stellt lichkeitsprodukt der entsprechenden und die weniger persistente unspe-dabei die Inaktivierung von Schwer- Schwermetallverbindung überschrit- zifische Sorption untergliedert. Vor Anzeige 15
  4. 4. Geographie Geowissenschaften Rubin 2007 Blei allem die unspezifische Sorption ist stark abhängig vom pH-Wert und dem Pflanze Redox-Potential in den Böden.Bleigehalte der Pflanzen in mg/kg Frischmasse Kopfsalat 04 0,6 Porree Der pH-Wert hat einen wesentli- Endivie Spinat chen Einfluss auf die Mobilität von 0,5 Sellerie Kopfsalat 06 Schwermetallen. Im zunehmend sau- Chinakohl ren Bereich nimmt die Löslichkeit für 0,4 0,3 mg/kg Schwermetalle stark zu. Dabei gibt es Höchstgehalt 0,3 für Blattge- Unterschiede zwischen den einzel- müse sowie Sellerie nen Schwermetallen. Während sich 0,2 0,1 mg/kg bei Cadmium bereits eine Mobilisie- Höchstgehalt rung bei leicht saurem pH-Wert von 0,1 für anderes Gemüse 6,5 zeigt, wird Blei erst ab pH-Wer- (Porree) 0,0 ten von 4,0 mobilisiert. Arsen zeigt Duisburg Wuppertal hingegen ein Mobilitätsmaximum bei pH 6,5 bis 7. Der optimale pH-Wert, der bei zu sauren Böden über Kalkung Abb. 5: Metasorb® – ausgebracht vor der erreicht werden kann, sollte also an Einarbeitung in das Gartenbeet. Cadmium die vorhandenen Schadstoffe ange- Pflanze passt werden.Cadmiumgehalte der Pflanzen in mg/kg Frischmasse Kopfsalat 04 Eine Komplexbildung, durch die Materialien mit hohem und dauerhaf- 0,6 Porree Endivie Schwermetalle immobilisiert werden tem Immobilisierungspotential gehö- Spinat 0,5 Sellerie können, findet man bei organischen ren Tonminerale, Aluminium-Silikate Kopfsalat 06 Chinakohl und anorganischen Substanzen. Es wie Metasorb® und Zeolith, Phospha- 0,4 treten vor allem Komplexe zwischen te, Kiesschlämme sowie Eisen-, Alu- Schwermetallen und organischer minium- oder Mangan-Oxide. 0,3 0,2 mg/kg Höchstgehalt Substanz auf, deren starke Bindung Im Rahmen eines praxisorientierten 0,2 für Blattge- durch funktionelle Gruppen von Ful- Projekts der Abteilung Bodenkun- müse sowie Sellerie vo- und Huminsäuren verursacht wer- de/Bodenökologie des Geographi- 0,1 0,05 mg/kg den. Phosphat, Carbonat, Sulfat und schen Instituts der Ruhr-Universi- Höchstgehalt für anderes Chlorid sind anorganische Komplex- tät, das vom nordrhein-westfälischen 0,0 Gemüse (Porree) bildner. Da die Komplexe aber gerade Ministerium für Umwelt und Natur- Duisburg Wuppertal in Gartenböden durch die hohe bio- schutz, Landwirtschaft und Verbrau- logische Aktivität abgebaut werden cherschutz gefördert wird, haben wir Abb. 4: Blei- (oben) und Cadmium- können, eignen sich organische Zu- verschiedene Materialien auf ihre Fä- gehalte (unten) der Pflanzen in den sätze nicht für die dauerhafte Fixie- higkeit, Schwermetalle im Boden zu Gärten ohne Zusatz von Materialien sowie rung von Schwermetallen in Böden. fixieren, getestet. die Angaben zu Höchstgehalten nach der EU-Kontaminanten-Verordnung. Alle Durch bestimmte Bodenzusätze las- Für den Einsatz der Substanzen im Angaben beziehen sich auf mg Schwer- sen sich diese verschiedenen Reakti- Freiland wurden Gärten von jeweils metall pro kg Frischmasse. onen im Boden beeinflussen. Zu den zwei Kleingartenanlagen in Duisburg und Wuppertal ausgewählt, bei denen sowohl in den Pflanzen, als auch in Kleingarten- Anzahl Arsen Cadmium Blei Zink pH-Wert den Böden erhöhte Schwermetallge- anlage Gärten (As) (Cd) (Pb) (Zn) halte vorlagen (s. Abb. 4). In einer Feierabend 6 98 41 < 25 2360 6,6 Wuppertaler Kleingartenanlage stam- (Duisburg) ± 38 ± 9 ± 930 ± 0,1 men die Schadstoffe vor allem aus einer unter den Gärten gelegenen ehe- Varresbeck 6 63 < 2 < 25 990 6,7 (Wuppertal) ± 5 ± 450 ± 0,1 maligen Abfalldeponie. In Duisburg sind vor allem die Staubeinträge aus PW / MW 4002 40/1001 1001 20002 der Schwerindustrie (z.B. Zinkerzauf- bereitung) für die Belastung verant- * Prüf- und Maßnahmenwerte der BBodSchV im Hinblick auf: 1 Pflanzenqualität bzw. wortlich. 2 Wachstumsbeeinträchtigungen In beiden Städten traten in den unter- suchten Proben für Cadmium und Blei Tab. 1: „Mobile“ Stoffgehalte im Oberboden (NH4NO3-Extrakt) und ihre Bewertung nach Überschreitungen auf (s. Tab. 1), und BbodSchV: Alle Angaben in μg Schwermetall/Metalloid pro kg Boden (Trockenmasse). vor allem in Blattsalaten wie Endivie 16
  5. 5. Geowissenschaften Rubin 2007 GeographieAbb. 6: Zwei verschieden Zusatzstoffe und Kontrolle, bepflanzt mitKopfsalat und Porree (oben) sowie Sellerieernte (rechts).und Kopfsalat variierten die Belastun- Bildung von Eisenoxi-gen stark. In Duisburg lagen z.B. die den entsteht und des-mittleren Cadmiumgehalte des Por- halb bei der Trinkwas-rees und des Selleries über dem zuläs- seraufbereitung in großen Mengen als rung bekannt ist. Im Laufe der Ver-sigen Höchstgehalt. Pflanzen zeigen Restprodukt vorliegt; Zeolith (ZEO), suchsdauer wurden zweimal Kopfsa-unterschiedlich starke Akkumulation, ein Mineral, das als Waschmittel- lat und je einmal Endiviensalat, Sel-Wurzelgemüse lagern beispielsweise zusatz eingesetzt wird; Metasorb ® lerie, Spinat, Porree und Chinakohlbesonders viele Schadstoffe ein. (MESO, Abb. 5), ein im Handel er- angebaut (Abb. 6). Nach der ErnteUm die Wirksamkeit verschiedener hältliches Produkt, das ursprünglich wurde das Gemüse küchenfertig auf-Bodenzusätze auf die Schwermetall- bei der Kohlenrestverwertung anfiel gearbeitet und auf seine Schwerme-verfügbarkeit zu prüfen, wurden zu- und heute industriell hergestellt wird; tallgehalte untersucht.nächst rund 30 Substanzen im Labor Phosphat mit Kalk (P), mit dem vor Durch die Zusätze ließ sich eine Ver- allem Blei unlösliche Verbindungen minderung des Schwermetalltransfers Blattsalat bildet; TMT, ein für die Rauchgaswä- in die Pflanzen um bis zu 50 Prozent stark belastet sche oder zur Behandlung von metall- erreichen. Allerdings zeigte sich eine haltigem Abwasser eingesetztes Tri- große Variabilität innerhalb der Va-getestet. Bodenproben aus den Gärten natriumsalz; Tonmehl (TON) sowie rianten und nicht alle Bodenzusätzewurden mit den Zusätzen versetzt und Kombinationen dieser Zusatzstoffe. erfüllten im Freiland die in sie gesetz-nach drei Wochen der pflanzenverfüg- Die Zusätze wurden intensiv in die ten Erwartungen. Beispielsweise ver-bare Schadstoffgehalt gemessen. Die obersten 30 cm der Gartenböden ein- ursachte Zeolith (ZEO) eine zusätzli-sechs Zusätze, die im Labor die bes- gearbeitet. In jedem Garten wurde ein che Schadstoffmobilisierung, vor al-ten Ergebnisse erzielten, wurden dann Teil der Fläche zur Kontrolle unbe- lem bei Blei (Abb. 7). Für Cadmiumin den Gärten in einem dreijährigen handelt gelassen. und Blei zeigten der Zusatz Wasser-Feldversuch eingesetzt. Da Pflanzen ein stoff-spezifisches werksschlamm (WS) und PhosphatFür den Feldversuch qualifizierten Aufnahmeverhalten zeigen, wurden mit Wasserwerksschlamm (P+WS)sich Wasserwerksschlamm (WS), der für die Bepflanzung ortstypische Ge- relativ gute Erfolge.beim Kontakt von stark eisenhaltigem müsesorten ausgewählt, von denen Parallel zu den Untersuchungen derGrundwasser mit Sauerstoff durch die teilweise eine Schwermetallanreiche- Pflanzen wurden zur Ernte Boden- 17
  6. 6. Geographie Geowissenschaften Rubin 2007 Cadmium proben entnommen und analysiert, talle im Vergleich zur unbehandelten um beide Parameter miteinander in Bodenprobe. An einem künstlichenCadmiumgehalte der Pflanzen im Vergleich zur Kontrolle Pflanze Beziehung setzen zu können. Denn chemischen Magen-Darm-Modell 140 Kopfsalat Spinat die Pflanzenverfügbarkeit anorga- (Abb. 9) konnte die potenzielle Re- 120 nischer Schadstoffe wird nicht nur sorptionsmenge von Schwermetal- 100 Kontrolle durch die Schadstoffgesamtgehalte len in den unterschiedlichen Verdau- und die Schadstoffeigenschaften be- ungsabschnitten getestet werden. Da- 80 stimmt, sondern auch durch Boden- bei zeigte sich, dass durch die Zusätze 60 eigenschaften wie Mineralbestand, pH-Wert und Humusgehalt. Im künstlichen Magen- 40 Es zeigte sich, dass sich durch die Darm-Modell getestet 20 Zusätze die Schwermetallmobilität auch im Boden um bis zu 50 Pro- die mögliche Aufnahme von Schwer- 0 KO MESO P+WS TON WS ZEO zent verringern ließ. Allerdings fand metallen über den Darm in den Kör- Variante sich eine deutlich größere Variabi- per bis zu 48 Prozent gesenkt werden lität als bei den vorangegangenen konnte. In dem dargestellten Beispiel Blei Laborversuchen (s. Abb. 8). Die Zu- (Abb. 10) sind die im Darm resor- sätze Wasserwerksschlamm (WS) und bierbaren Gehalte, links von Cadmi- PflanzeBleigehalte der Pflanzen im Vergleich zur Kontrolle 250 Kopfsalat Phosphat mit Metasorb® (P + MESO) um und rechts von Blei dargestellt. In Spinat verringerten die pflanzenverfügbaren beiden Fällen zeigte TMT die höchste 200 Cadmiumgehalte um bis zu über Abnahme der Resorptionsverfügbar- 40 Prozent. keit um 36 Prozent bei Cadmium und 150 Aber nicht alle Schwermetallmobili- um 48 Prozent bei Blei. Aber auch täten wurden gleichermaßen positiv Eisenoxide (FE), Metasorb® (MESO) 100 Kontrolle durch die Zusätze verändert: Phos- und Wasserwerksschlamm (WSL) phat in dem Zusatz „P + MESO“ zeigten Verminderungen der Bleiver- 50 verursachte etwa eine Mobilisie- fügbarkeit von über 30 Prozent. Die rung des Arsens im Mittel um bis zu Bindungsformen in den Böden wur- 0 120 Prozent. Zink konnte hingegen den durch die Zusätze also so stark MESO P+WS TON WS ZEO Variante durch den gleichen Zusatz um über verändert, dass die Wirkung bezüg- 60 Prozent in seiner Verfügbarkeit lich des Direktpfads, also die ora- Abb. 7: Relative Cadmium- (oben) und Blei- verringert werden. le oder dermale Aufnahme, abnahm gehalte (unten) der Pflanzen im Vergleich zur Um die Mobilität schädlicher Schwer- – gute Nachrichten also für besorg- unbehandelten Kontrolle (=100 Prozent). metalle im menschlichen Körper nach te Gärtner. der Bodenbehandlung bei direkter Um mögliche Risiken und weitere Abb. 8: „Mobile“, durch Pflanzen auf- Aufnahme des Bodens über die Ver- Wirkungspfade einschätzen zu kön- nehmbare relative Cadmium- (links) und Arsengehalte (rechts) nach Zugabe ver- dauung zu testen, analysierten wir zu- nen, werden zusätzlich Untersuchun- schiedener Zusätze im Vergleich zur unbe- sätzlich im Labor die so genannte Re- gen zum Eintrag der Schwermetalle in handelten Kontrolle. sorptionsverfügbarkeit der Schwerme- das Grundwasser sowie zum Einfluss der Zusätze auf Bo- „Mobile“ Cadmiumgehalte des Bodens „Mobile“ Arsengehalte des Bodens denorganismen durch- geführt. Insgesamt zeigt sich 120 250 aus den bisherigen Er- gebnissen, dass Mög- 100 Kontrolle 200 lichkeiten zur Immobi- 80 lisierung von Schwer- 150 metallen durch ver- 60 schiedene Zusätze 100 Kontrolle durchaus gute Ergeb- 40 nisse erzielen, vor al- 50 lem in Bezug auf die 20 direkte Aufnahme von 0 0 Boden, etwa durch MESO P+MESO P+WS WS ZEO MESO P+MESO P+WS WS ZEO Kinder. Aber auch bei Variante Variante der indirekten Aufnah- 18
  7. 7. Geowissenschaften Rubin 2007 GeographieAbb. 9: Im Magen-Darm-Modell wurde die Schadstoffaufnahme über die Verdauung im Labor getestet.me über Pflanzen können bestimmte den und dort nach den anfallenden metall und die Akkumulation im Ge-Zusätze über mehrere Jahre hinweg zu Schlämmen fragen, allerdings liegen müse die gleiche Wirkung zeigt. Opti-deutlichen Verringerungen der Schwer- sie dort meist mit sehr hohem Wasser- mal angepasste Zusätze sind auch fürmetallgehalte führen. Als vielverspre- gehalt vor, der Transport und Einar- andere Anwendungen interessant, z.B.chende Zusätze erwiesen sich vor allem beitung erschwert. Des Weiteren muss auf landwirtschaftlichen Flächen.Wasserwerksschlamm und TMT. man die örtlichen Schwermetallgehal-Nach abschließender Auswertung der te des Wasserwerksschlamms berück- Prof. Dr. Bernd Marschner, Dipl. Geogr.Daten und Diskussionen mit Betroffe- sichtigen, damit man keine zusätz- Rita Haag, Dr. Ingo Müller, Geographi-nen, Herstellern und den verantwort- liche Belastung seines Gartenbodens sches Institut, Bodenkunde und Bo-lichen Umweltbehörden wird sich verursacht. denökologiezeigen, ob es zur Weiterentwicklung In jedem Fall wird es weiterhin not-dieser potenziellen Immobilisierungs- wendig sein, die Standorteigenschaf-produkte zur Praxisreife und damit ten und die örtliche Belastungssitu- Abb. 10: Im Darm resorbierbare relativezur Verfügbarkeit im Handel kommen ation bei der Wahl eines geeigneten Cadmium- (links) und Bleigehalte (rechts)wird. Zurzeit kann sich zwar theore- Bodenzusatzes zu berücksichtigen, da von behandelten Böden im Vergleich zurtisch jeder an ein Wasserwerk wen- nicht jeder Zusatz auf jedes Schwer- unbehandelten Kontrolle (Mittelwerte). Cadmium-Resorption im Darm Blei-Resorption im Darm 110 110 100 Kontrolle 100 Kontrolle -12 % 90 90 -16 % -16 % -18 % -18 % -20 % -21 % -22 % 80 80 -23 % -24 % -27 % -27 % -30 % -32 % 70 70 -33 % -36 % -35 % 60 60 -48 % 50 50 TMT FE P WSIMET P WS MESO WSL P TMT FE P WSIMET P WS MESO WSL P WS TMT WS WS TMT WS TMT TMT Variante Variante 19

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