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Die Möglichkeit des KommunismusMarx/Engels über Kommunismus:»...die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustandaufhebt...
Denkbarkeit des ZukünftigenKann man eine Freie Gesellschaft denken?Zwei Positionen: ● Nein, wir können die Zukunft nicht v...
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Kapitalismus als KlassengesellschaftAnalyse- und Kritikfokus:● Arbeit und Kapital als gegensätzliche Klassen● Mehrwert: Di...
Kapitalismus als WarengesellschaftAnalyse- und Kritikfokus:● Ware als soziale Form des Produkts● Wert/Geld als abstrakte F...
Verhältnis der Ansätze zueinanderKritikfokus            Finanzkapitalder Position       Mehrwert / Profit»Kapitalismusals ...
Warum Kritik der Warenproduktion?K. Marx: »Der Reichtum der Gesellschaften, in welchenkapitalistische Produktionsweise her...
Ware und Eigentum● Die Ware ist nicht bloß Ding, sondern auch soziale  Form, das Ding herzustellen (»Warenfetisch«)● Vorau...
Ware und Exklusionslogik● Die Ware bewegt und verwandelt sich (Marx:  »Metamorphosen«) in gegensätzlichen sich  ausschließ...
Ware und ProduktionWaren sind doppelt kontaminiert!● Nicht nur die soziale Form ihrer Herstellung, sondern  auch der Zweck...
Elementarform einer neuen             ProduktionsweiseKarl Marx hat die Ware als »Elementarform« desKapitalismus bestimmt....
Das Commons-Dreieck                  Commoning  Gemeinschaft                RegelnNaturgüter        CommonsRessourcen     ...
Ware und CommonsWare                       RessourcenTauschWert      Verwertung   Commoning    VernetzungGeld             ...
Ware            und            Commons●   Bedürfnisse werden im      ●   Bedürfnisse werden    Nachhinein bestätigt       ...
ProduktionsweiseWare           kapitalistische WarenproduktionCommons        commonsbasierte Peer-ProduktionMerkmale der c...
ÜbergangsdialektikPeer-Produktion entsteht und entwickelt sich im AltenPeer-Produktion besitzt eine doppelte Funktionalitä...
Gesamtgesellschaftliche             VerallgemeinerungPotenz der commonsbasierten Peer-Produktion zurVerallgemeinerung:● Po...
ZusammenfassungCommonsbasierte Transformationsstrategie istrealistischer als eine warenbasierte: ● Bedürfnisse, Selbstentf...
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Vortrag in Kassel am 1.6.2012, im Rahmen einer Veranstaltungsreihe des AK Spunk: http://spunk.tk/

Veröffentlicht in: Bildung
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Kapitalismus aufheben - aber wie?

  1. 1. Kapitalismus aufheben – aber wie?Eine Einführung in Funktionsweise und Kritik des Kapitalismus Kassel, 1.6.2012 Stefan Meretz, keimform.de
  2. 2. Nötig – aber möglich?Ausgangsposition: ● Es ist historisch notwendig, den Kapitalismus aufzuhebenFragen: ● Ist eine Aufhebung überhaupt möglich? ● Welche marxfundierten Kapitalismus-Begriffe gibt es? ● Welche Aufhebungskonzepte gibt es? ● Welches Aufhebungskonzept ist angemessen?Wie nennen wir das »Kind«? ● Kommunismus, Commonismus, Freie Gesellschaft?► Namen sind nicht relevant!
  3. 3. Die Möglichkeit des KommunismusMarx/Engels über Kommunismus:»...die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustandaufhebt.«»...eine Assoziation, worin die freie Entwicklung einesjeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.«► Zwei Aspekte: Bewegung und GesellschaftsformThese:Man kann die Bewegung der Aufhebung nur denken,wenn man das Ziel der Aufhebung – die FreieGesellschaft – denken kann.
  4. 4. Denkbarkeit des ZukünftigenKann man eine Freie Gesellschaft denken?Zwei Positionen: ● Nein, wir können die Zukunft nicht voraussagen ● Marx/Engels: »Der Kommunismus ist für uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben [wird]«► »Bilderverbot«● Ja, aber nur in einem kategorialen Sinne, niemals im Sinne einer konkreten Beschreibung.► Was nun soll das heißen?
  5. 5. Beschreibungen und KategorienBeschreibungen● sind sprachliche Widerspiegelungen wirklicher PhänomeneKategorien● sind analytische Begriffe● sind begriffliche Verallgemeinerungen historischer oder logischer Entwicklungen● beziehen sich auf Wirklichkeit, bilden aber keine ab► Mit Kategorien kann man Entwicklungslogiken und Strukturzusammenhänge erfassen
  6. 6. Zwei Transformationskonzepte Kapitalismus als Kapitalismus als Klassengesellschaft Warengesellschaft Machtübernahme Aufbau einer neuendurch Mehrheitsklasse Produktionsweise Umbau der Ablösung der Produktionsweise Warenproduktion Freie Gesellschaft Freie Gesellschaft
  7. 7. Kapitalismus als KlassengesellschaftAnalyse- und Kritikfokus:● Arbeit und Kapital als gegensätzliche Klassen● Mehrwert: Differenz zwischen Wert der Arbeitskraft und Wert der von der Arbeitskraft hergestellten Waren● Ausbeutung: Aneignung des Mehrwerts durch Kapital● Privateigentum an ProduktionsmittelnHandlungsfokus:● Interessenkampf● Umverteilung zugunsten der Arbeitsklasse● Politische Intervention zur Beeinflussung des Staats● Perspektivisch Übernahme der Staatsmacht● Letztlich aber »Absterben des Staats«
  8. 8. Kapitalismus als WarengesellschaftAnalyse- und Kritikfokus:● Ware als soziale Form des Produkts● Wert/Geld als abstrakte Form des Reichtums● Exklusionslogik als Dynamik der Entfremdung● Besitz an Re-/ProduktionsmittelnHandlungsfokus:● Aufbau neuer sozialer Formen der Peer-Produktion● Beitragen statt Tauschen, Besitz statt Eigentum● Auskooperieren von warenförmigen Strukturen● Perspektivisch Durchsetzung der Peer-Produktion● Letztlich Aufhebung aller Spaltungen und des Staats
  9. 9. Verhältnis der Ansätze zueinanderKritikfokus Finanzkapitalder Position Mehrwert / Profit»Kapitalismusals Klassen- Verwertung / Kapital Kritikfokusgesellschaft« Wert / Geld der Position »Kapitalismus Waren / Tausch als Waren- Arbeit / Entfremdung gesellschaft« Kritik an der Kritik an der Gegenposition: Gegenposition: Vernachlässigung Unterbestimmung des Machtaspekts der Produktion
  10. 10. Warum Kritik der Warenproduktion?K. Marx: »Der Reichtum der Gesellschaften, in welchenkapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint alseine ›ungeheure Warensammlung‹, die einzelne Ware alsseine Elementarform. Unsere Untersuchung beginntdaher mit der Analyse der Ware.« (»Kapital«, Bd. 1)Warum Elementarform – und was heißt das?● Vorab: »Ware« und »Produkt« sind keine Synonyme● Produkte nehmen Warenform an, wenn sie in getrennter Privatproduktion hergestellt und anschließend über den Markt getauscht werden● Weitere Kategorien folgen aus der Warenform: Wert, Mehrwert, Profit, Geld, Kapital, Ausbeutung...
  11. 11. Ware und Eigentum● Die Ware ist nicht bloß Ding, sondern auch soziale Form, das Ding herzustellen (»Warenfetisch«)● Voraussetzung der getrennten Privatproduktion ist die exklusive Verfügung über Produktionsmittel, das sog. »Privateigentum«● Privat-Eigentum ist eigentlich ein »weißer Schimmel«: Eigentum ist immer privat (privare: beraubt, getrennt)● Gegenteil von »Privateigentum« ist nicht »Gemein- eigentum«, denn »Gemeineigentum« ist »kollektives Privateigentum«, also strukturell gleichartig● Eigentum: rechtsförmige Exklusion Dritter von der Verfügung über ein Gut► Eigentum ist die Kehrseite der Ware
  12. 12. Ware und Exklusionslogik● Die Ware bewegt und verwandelt sich (Marx: »Metamorphosen«) in gegensätzlichen sich ausschließenden Formen: Relativ-/Äquivalentform, konkrete/abstrakte Arbeit, Gebrauchswert/Wert, Produktion/Verwertung, Kauf/Verkauf usw.● Kapitalismus ist eine Gesellschaft der dynamischen Exklusionen und Spaltungen: Klassen, Geschlecht, Hautfarbe, Sexualitätspräferenz, Alter, Fitness etc.► Bestimmendes Merkmal des Kapitalismus ist die alles durchziehende Exklusionslogik► Aufhebung ist nicht entlang nur einer (oder einiger) Exklusionsdimensionen möglich
  13. 13. Ware und ProduktionWaren sind doppelt kontaminiert!● Nicht nur die soziale Form ihrer Herstellung, sondern auch der Zweck (Verkauf und Profit) ist in die Waren eingeschrieben (z.B. »geplanter Verfall«)● D.h. auch die Produktionsmittel sind kontaminiert► Übernahmekonzepte importieren die KontaminationenStattdessen: Veränderung & Neuschöpfung der Produkteund der Produktion – Beispiele: ● Wikipedia vs. Brockhaus ● Wikispeed vs. Monolith-Auto ● Global Village Construction Set (Projekt Open Source Ecology) vs. proprietäre Spezialmaschinen
  14. 14. Elementarform einer neuen ProduktionsweiseKarl Marx hat die Ware als »Elementarform« desKapitalismus bestimmt.Wenn nun die Ware als Grundlage einer Alternativeausfällt, was kann dann die Elementarform sein?Es sind die CommonsWie ist das zu verstehen? Was sind Commons?
  15. 15. Das Commons-Dreieck Commoning Gemeinschaft RegelnNaturgüter CommonsRessourcen Produkte
  16. 16. Ware und CommonsWare RessourcenTauschWert Verwertung Commoning VernetzungGeld CommonsKapital
  17. 17. Ware und Commons● Bedürfnisse werden im ● Bedürfnisse werden Nachhinein bestätigt vorher vermittelt● Zielkonflikte werden ● Zielkonflikte werden externalisiert intern verhandelt● Ziel ist eindimensional: ● Ziele bilden eine multi- Profit dimensionale Pluralität● Zeiteinsparung ist un- ● Zeitverausgabung ist abwendbarer Zwang Lebensqualität● Erzeugung von Spaltung ● Erzeugung von positiver und Ausschluss Reziprozität► Logik der Exklusion ► Logik der Inklusion
  18. 18. ProduktionsweiseWare kapitalistische WarenproduktionCommons commonsbasierte Peer-ProduktionMerkmale der commonsbasierten Peer-Produktion imCommonismus:● Beitragen statt Tauschen● Besitz statt Eigentum● Selbstentfaltung statt Selbstverwertung● Selbstorganisation statt Fremdbestimmung
  19. 19. ÜbergangsdialektikPeer-Produktion entsteht und entwickelt sich im AltenPeer-Produktion besitzt eine doppelte Funktionalität:● Verwertungsvorteil in der Warenproduktion (Preis, Produktivität)● Inkompatibilität zur WarenproduktionPeer-Produktion kann sich durchsetzen, wenn● die Warenlogik nicht mehr trägt (Krise)● sie sich auf eigener Grundlage entfaltet► Eine neue Produktionsweise setzt sich nur durch, wenn sie sich als neue Produktionsweise durchsetzt!
  20. 20. Gesamtgesellschaftliche VerallgemeinerungPotenz der commonsbasierten Peer-Produktion zurVerallgemeinerung:● Polyzentrisches Modell● Commons von Commons von Commons● Vermittlungsmatrix: Bedürfnisse und ReputationGesellschaftlicher Umbau (spekulativ):● Abbau des Staates, Aufbau von Meta-Commons● Umstrukturierung gesellschaftlicher Arbeitsteilung● Abbau des Finanzsystems (Geldlosigkeit)● Abbau von Nationalstaaten● Aufbau problemzentrierter Global-Commons
  21. 21. ZusammenfassungCommonsbasierte Transformationsstrategie istrealistischer als eine warenbasierte: ● Bedürfnisse, Selbstentfaltung, Selbstorganisation und freie Kooperation als Grundlage ● Ziel ist eine neue Produktionsweise, d.h. ein neues Mensch-Natur-Verhältnis ● Existierende vielfältige weltweite Bewegung ● Jede und jeder kann sofort mit dem Umbau beginnen und Commons organisieren ● Widersprüche zwischen der Commons- und der Warenlogik können solidarisch bewältigt werden No rights reserved. Do what you want.

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