SlideShare ist ein Scribd-Unternehmen logo
Vortrag, 24.11.2010
Linke.SDS Hochschulgruppe Göttingen
Stefan Meretz, keimform.de
Commons-Theorie und
Perspektiven des Widerstandes
No rights reserved. Do what you want.
Commons-Theorie und Praxis
Übersicht:
I. Commons – deskriptive Annäherungen
II. Commons – Entwicklung eines Begriffs
III. Commons und das Öffentliche
IV. Commons als Widerstandspraxis
Commons = Gemeingüter
I. Commons – deskriptive Annäherungen
Drei kurze beschreibende Einstiege:
● Was kennzeichnet Gemeingüter?
● Was sagt Elinor Ostrom?
● Was gab‘s in der Geschichte?
Commons – deskriptive Annäherung (1)
Gemeingüter kennzeichnet ...
● dass eine Ressource, gleich ob Wasser oder Wissen, dauerhaft
gemeinsam genutzt wird, statt sie zu verbrauchen oder anderen
vorzuenthalten
● dass sich eine identifizierbare Gruppe um die entsprechende
Ressource kümmert und sie pflegt, statt die der Freibeuterei zu
überlassen
● dass diese Gruppe sich auf angemessene und transparente
Regeln verständigt, statt Regellosigkeit zu akzeptieren
● dass der Umgang mit den Ressourcen weitgehend
selbstorganisiert ist, statt fremdbestimmt zu sein
● dass alle Nutzer mitgestalten und mitbestimmen können, statt
sich immer nur vertreten zu lassen
● dass der Nutzen sich verteilt, statt sich zu konzentrieren
Quelle: S. Helfrich et. al (2009), S. 20
Commons – deskriptive Annäherung (2)
„What one can observe in the world, ... is that
neither the state nor the market is uniformly
successful in enabling individuals to sustain
longterm, productive use of natural resource
systems. Further, communities of individuals
have relied on institutions resembling neither
the state nor the market to govern some
resource systems with reasonable degrees of
success over long periods of time“
Elinor Ostrom (1990), Governing the Commons, S.1
Titel der deutschen Ausgabe (1999): Die Verfassung
der Allmende: Jenseits von Staat und Markt
Geschichte: Codex Justinianus
res nullius
res privatae
res publicae
res communes
alle
Eigentümer
Öffentlichkeit
Gemeinschaft
unreguliert
markt-reguliert
staats-reguliert
peer-reguliert
„Sache“ Zugriff Regulation
II. Commons – begriffliche Entwicklung
Schwierigkeiten beim Denken von Commons:
● Dichotomie Markt – Staat
– Marktliberale Ansätze
– Staatsregulatorische Ansätze
● Falsche Unterordnungen
– Niemandsland (Garrett Hardin: „Tragik der Commons“)
– Öffentliche Güter
Drei Schritte:
1. Eigentumsbegriff
2. Produktionsweise
3. Güter-Systematik
1. Begriff des Eigentums
Eigentum ist nicht
● die Sache, die einer Person gehört
● die Herrschaft einer Person über eine Sache
Eigentum ist
● eine Beziehung zwischen Menschen in Bezug auf
eine Sache
● der Ausschluss von der Verfügung Dritter über
eine Sache
► Eigentum ist ein soziales Verhältnis
„Eigentum“ ist nicht gleich „Eigentum“
Archaisch
Griechische Antike
Römische Antike
Mittelalter
Kein Eigentumsbegriff; individuelle
Zuordnungen bei kollektiver Nutzung
Individueller Besitz als Voraussetzung
für eine geordnete allgemeine Nutzung
Unterscheidung v. Besitz u. Eigentum;
kontextabhängige Eigentumsbegriffe
Kein absoluter Eigentumsbegriff;
Gewohnheits- und Herrschaftsrecht
Gesellschaftsform Auffassung von „Eigentum“
Kapitalismus Kodifizierter abstrakter Eigentums-
begriff zur Exklusion Dritter
Eigentum – Konzept der Moderne
► Vor dem Kapitalismus:
● Nicht-exklusive materiale „Eigentums“-Konzepte
(Analogie: „materiale Taktwahrnehmung“)
● Verwandtschaftlich und religiös strukturierte
Verbindung von Bedürfnissen und Sachverfügung
► Im Kapitalismus:
● Exklusives abstraktes Eigentumskonzept
(Analogie: „abstrakte Taktwahrnehmung“)
● Verwertung von Wert als dominierender (Selbst-)
Zweck ... gleich noch mehr dazu
Zur Taktwahrnehmung vgl. Eske Bockelmann: „Im Takt des Geldes“
2. Produktionsweise
● Klassisch: PW = PK + PV
● PK = Verhältnis Mensch – Mittel – Natur
● PV = Verhältnisse der Menschen untereinander
● PW = Art und Weise, wie Menschen ihre
Lebensbedingungen herstellen und welche
sozialen Verhältnisse sie dabei entwickeln
● Achtung: Produktionsweise ≠ Gesellschaftsform
● In einer Gesellschaftsform kann es mehrere PW
geben, wobei eine PW dominant ist und die
Gesellschaftsform bestimmt
● Kapitalismus = Gesellschaftsform, in der die
kapitalistische PW bestimmend ist
Commons =
Ressourcen + Commoning + Produkte
Gemeinschaft Regeln
Ressourcen
Naturgüter
Produkte
Commons
=
Gemeingüter
Commoning
Wenn Ressourcen = Commons
gesetzt werden, wird‘s falsch...
Aus: P. Barnes (2008), Kapitalismus 3.0: ein Leitfaden zur Wiederaneignung der Gemeinschaftsgüter
-RESSOURCEN!
►„There is no commons without commoning“
(Peter Linebaugh)
Commons als Produktionsweise
● Commons-Produktionsweise war nie dominant
(Ausnahme: „Urkommunismus“)
● Commons war immer Grundlage aller historisch
dominanten Produktionsweisen
● Marx: Sogenannte ursprüngliche Akkumulation
– Einhegung (Enclosure) der Commons
– Schaffung doppelt freier Arbeiter
– Beraubung ihrer Subsistenzmittel
● Luxemburg: Enclosure ist kontinuierlicher Prozeß
● Yochai Benkler: Commons-based Peer-Production
● George Caffentzis: pre-capitalist, capitalist, and
post-capitalist commons
3. Commons in einer Güter-Systematik
Soziale Form
Ware
● für den Tausch/Verkauf
privat hergestelltes Gut
● Voraussetzungen sind Knappheit und Exklusion
Subsistenz
● für personal Andere hergestelltes Gut
● kein Tausch, sondern geben, nehmen, zirkulieren
Commons
● für allgemeine Andere hergestelltes Gut
● kein Tausch, sondern Nutzung nach Regeln
● Träger und Pfleger sind Gemeinschaften
Rechtsform
Privateigentum
● exklusive Verfügung
● unabhängig von
Beschaffenheit und Besitz
Kollektiveigentum
● Privateigentum für kollektive Zwecke
● Gemeineigentum, Staatseigentum, AG, VEB, etc.
Freies Gut („Niemandsland“)
● sozial ungeregelte Güter im freien Zugriff
● Tragik der Allmende ist Tragik des Niemandslands
„Linker Commons-Begriff“
...fokussiert auf:
● Produkte, Produktionsweise und Produktions-
mittel (commons-basierte Peer-Produktion)
● Individuelle Entfaltung (Freiheit) in kollektiver
Handlungsfähigkeit (Gleichheit)
● Zusammengehörigkeit weltweiter (Wieder-)
Aneignungsprozesse der Commons
● Commons als grundsätzliche Alternative und
nicht bloße Ergänzung zu Markt und Staat
● Commons als Kernelement einer neuen Vergesell-
schaftungsform jenseits des Kapitalismus
► Commons als Transformationsperspektive
III. Commons und das Öffentliche
● Rainer Rilling: Wie konstituiert sich Allgemeines
in Abhebung vom Privaten?
● Projekt des Öffentlichen nach diesen Kriterien:
– Demokratisierung
– Beförderung von Gleichheit
– Gemeinwohlorientierung
– Individualität durch Teilhabegerechtigkeit
► Commons entsprechen diesen Kriterien
► Was ist dann aber der Unterschied?
Staat und Öffentliches
● „Allgemeines“ als „das vom Staat repräsentierte
und zugleich inkorporierte Öffentliche ... im
Gegensatz zum Besonderen der Privatförmigkeit
der Ökonomie und des Marktes“ (S. 181)
● Gewährungs- statt Gestaltungsverhältnis
● Durchsetzung des Öffentlichen mit der Staatslogik
(Standort, Wettbewerb, Finanzen etc.)
● Übergriffigkeit des Staatlichen auf das Individuelle
(Kontrollwahn, Überwachung, Repression etc.)
► Allgemeines nur als Aushandlungsverhältnis
unterschiedlicher Partialinteressen
Zitat
» ...eine Kommune ist der Idealzustand eines Commons.
Doch genau dann, wenn glorreiche Stadträte anfangen, von
"Investoren" zu schwatzen, denen man "Verlässlichkeit"
demonstrieren müsse, genau dann ist der Commons wieder
aufgebrochen, wird zum Abfischteich für einen großen Pott,
dem der Zustand der Gemeinde und ihre Entwicklungs-
bedingungen für die Bürger wurstegal sind, käseegal,
schnapsegal. Hauptsache, die Kasse klingelt.
Und genau dieser Ansatz fehlt im Entwurf der Linken noch
immer. Vielleicht auch, weil ihre wichtigsten stadtpolitischen
Sprecher noch gar nicht begriffen haben, worum es geht.«
Ralf Julke, Umbau bis 2020: Leipzigs Linke diskutieren "Ökologische Leitlinien zur
Klima- und Energiepolitik", Leipziger Internetzeitung, 19.6.2010: http://is.gd/cXrHr
Probleme des Öffentlichen
● Öffentliches als rückwärtsgewandtes Projekt des
Fordismus („Öffentlicher Dienst“, „Anstalt des
öffentlichen Rechts“ etc.)
● Konkretion des Öffentlichen ist Staatliches
● Öffentlich-staatliches ist Fremdes („nicht meins“)
● Geringe Geltung des Individuellen („nicht ich“)
● Orientierung auf Stellvertretung
● Teilhabe nur als erlaubte Teilnahme
● Keine Selbstermächtigung und Selbstentfaltung
► Strukturelle Identität von Staat und Öffentlichem
► Fehlendes transformatorisches Potenzial
Chancen des Öffentlichen
● Positive Zusammenhänge:
– öffentlich = offen
– öffentlich = transparent
– öffentlich = (kosten-)frei zugänglich
– öffentlich = diskriminationsfrei
– öffentlich = verhandelbar, interventionsfähig
● Öffentliches als Offengelegtes, nicht Geheimes
– Negativbeispiel: Geheimverträge Wasser Berlin
– Positivbeispiel: Freedom of Information Act (USA)
Staat und Commons
● Allgemeines als Gesellschaftliches ist das zur
Geltung gebrachte Besondere der individuellen
Entfaltung
● Staat setzt Rahmenbedingungen der Entfaltung
des »Commonalen« (Recht, Infrastruktur etc.)
● Staat ist Förderer der Commons, weil die
Commons ein Bestandteil der öffentlichen
Infrastruktur sind
● Stete Gefahr: Instrumentalisierung der Commons
für Verwertungszwecke oder Einsparziele
► Strukturelle Differenz von Staat und Commons
IV. Commons als Widerstandspraxis
Was ist Widerstand?
1. Widerstand als Abwehr
2. Widerstand als Aneignung
3. Widerstand als Konstitution
... das kann hier nur ganz kurz angerissen werden.
1. Widerstand als Abwehr
Produktive Elemente:
● Zumutungen werden zurückgewiesen
● Lebensansprüche werden verteidigt
● Gemeinschaftlichkeit wird erlebt
Konservative Elemente:
● am Status Quo wird festgehalten
● das Bestehende wird idealisiert
● grundsätzliche Kritiken werden abgewehrt
● es wird Modus von Partialinteressen gehandelt
2. Widerstand als Aneignung
Produktive Elemente:
● Privateigentum wird kollektiv in Besitz genommen
● Freies Wissen wird aufgebaut
● Handlungsfähigkeit wird erweitert
Konservative Elemente:
● Aneignung richtet sich auf das Bestehende
● Soziale, rechtliche Formen werden vorausgesetzt
● Partialinteressen bestimmen Bewegungsform
● der Exklusionsmodus wird nicht überschritten
3. Widerstand als Konstitution
Produktive Elemente:
● Nutzung basiert auf Besitz oder Commons
● Freie Kooperation und Freiwilligkeit
● Beitragen statt Tauschen
● Offenheit und Transparenz
● Neue soziale Formen werden hergestellt
● Individuelle Entfaltung im Inklusionsmodus
Konservative Elemente:
● Allgemeininteressen
● Ökologischer Fußabdruck
● Endlichkeit der stofflichen Ressourcen
Danke :-)
Literatur
Peter Barnes (2008), Kapitalismus 3.0
Yochai Benkler (2006), The Wealth of Networks
Eske Bockelmann (2004), Im Takt des Geldes
George Caffentzis (2010), The Future of „The Commons“
Garrett Hardin (1968), The Tragedy of the Commons
Silke Helfrich, Rainer Kuhlen, Wolfgang Sachs, Christian
Siefkes (2009), Gemeingüter – Wohlstand durch Teilen
Rosa Luxemburg (1913), Die Akkumulation des Kapitals
Karl Marx (1890), Das Kapital, Bd.1, 4. Auflage
Elinor Ostrom (1990), Governing the Commons
Rainer Rilling (2009), Plädoyer für das Öffentliche

Weitere ähnliche Inhalte

Ähnlich wie Commonstheorie und Perspektiven des Widerstands

Commonismus begreifen
Commonismus begreifenCommonismus begreifen
Commonismus begreifen
StefanMz
 
Polyamorie: Anders Lieben im mononormativen Kapitalismus?
Polyamorie: Anders Lieben im mononormativen Kapitalismus?Polyamorie: Anders Lieben im mononormativen Kapitalismus?
Polyamorie: Anders Lieben im mononormativen Kapitalismus?
StefanMz
 
Commons - Eine Einführung
Commons - Eine EinführungCommons - Eine Einführung
Commons - Eine Einführung
StefanMz
 
Mit Marx, Commons und Internet zum Commonismus
Mit Marx, Commons und Internet zum CommonismusMit Marx, Commons und Internet zum Commonismus
Mit Marx, Commons und Internet zum Commonismus
StefanMz
 
Peer-Commonismus
Peer-CommonismusPeer-Commonismus
Peer-Commonismus
StefanMz
 
Gesellschaft - Individuum - Emanzipation
Gesellschaft - Individuum - EmanzipationGesellschaft - Individuum - Emanzipation
Gesellschaft - Individuum - Emanzipation
StefanMz
 
Dialektik in der Kritischen Psychologie - ASC - 2018
Dialektik in der Kritischen Psychologie - ASC - 2018Dialektik in der Kritischen Psychologie - ASC - 2018
Dialektik in der Kritischen Psychologie - ASC - 2018
zukunftswerkstatt
 
Muster der Commons
Muster der CommonsMuster der Commons
Muster der Commons
zukunftswerkstatt
 
Commons produktive seite lüneburg februar 2013
Commons produktive seite lüneburg februar 2013Commons produktive seite lüneburg februar 2013
Commons produktive seite lüneburg februar 2013
Silke Helfrich
 
GdP-Kurs 3: Die gesellschaft­liche Natur des Menschen
GdP-Kurs 3: Die gesellschaft­liche Natur des MenschenGdP-Kurs 3: Die gesellschaft­liche Natur des Menschen
GdP-Kurs 3: Die gesellschaft­liche Natur des Menschen
StefanMz
 
5 keck open government_relaunch der demokratie_museum der heizkultur_w_keck_1...
5 keck open government_relaunch der demokratie_museum der heizkultur_w_keck_1...5 keck open government_relaunch der demokratie_museum der heizkultur_w_keck_1...
5 keck open government_relaunch der demokratie_museum der heizkultur_w_keck_1...OGD-DACHLI Konferenzreihe
 
Kapitalismus aufheben - aber wie?
Kapitalismus aufheben - aber wie?Kapitalismus aufheben - aber wie?
Kapitalismus aufheben - aber wie?
StefanMz
 
Commons und Markt
Commons und MarktCommons und Markt
Commons und Markt
StefanMz
 
Kommunismus oder Commonismus
Kommunismus oder CommonismusKommunismus oder Commonismus
Kommunismus oder Commonismus
StefanMz
 
Social Media in Wissenschaft und Bibliothek
Social Media in Wissenschaft und BibliothekSocial Media in Wissenschaft und Bibliothek
Social Media in Wissenschaft und BibliothekTIB Hannover
 
Impulsreferat "Möglichkeiten der politischen Jugendbildung im Web 2.0 aus chr...
Impulsreferat "Möglichkeiten der politischen Jugendbildung im Web 2.0 aus chr...Impulsreferat "Möglichkeiten der politischen Jugendbildung im Web 2.0 aus chr...
Impulsreferat "Möglichkeiten der politischen Jugendbildung im Web 2.0 aus chr...Hochschule für Philosophie München
 
Kartoffeln und Computer - Vorstellung einer lebenswerten Alternative
Kartoffeln und Computer - Vorstellung einer lebenswerten AlternativeKartoffeln und Computer - Vorstellung einer lebenswerten Alternative
Kartoffeln und Computer - Vorstellung einer lebenswerten Alternative
zukunftswerkstatt
 
Sommerschule 2014 commons und staat
Sommerschule 2014 commons und staatSommerschule 2014 commons und staat
Sommerschule 2014 commons und staat
brikarus
 
(V)ermittelt – Bedürfnisse in der gesellschaftlichen Produktion
(V)ermittelt – Bedürfnisse in der gesellschaftlichen Produktion(V)ermittelt – Bedürfnisse in der gesellschaftlichen Produktion
(V)ermittelt – Bedürfnisse in der gesellschaftlichen Produktion
StefanMz
 
Commons provadis märz 2013
Commons provadis märz 2013Commons provadis märz 2013
Commons provadis märz 2013
Silke Helfrich
 

Ähnlich wie Commonstheorie und Perspektiven des Widerstands (20)

Commonismus begreifen
Commonismus begreifenCommonismus begreifen
Commonismus begreifen
 
Polyamorie: Anders Lieben im mononormativen Kapitalismus?
Polyamorie: Anders Lieben im mononormativen Kapitalismus?Polyamorie: Anders Lieben im mononormativen Kapitalismus?
Polyamorie: Anders Lieben im mononormativen Kapitalismus?
 
Commons - Eine Einführung
Commons - Eine EinführungCommons - Eine Einführung
Commons - Eine Einführung
 
Mit Marx, Commons und Internet zum Commonismus
Mit Marx, Commons und Internet zum CommonismusMit Marx, Commons und Internet zum Commonismus
Mit Marx, Commons und Internet zum Commonismus
 
Peer-Commonismus
Peer-CommonismusPeer-Commonismus
Peer-Commonismus
 
Gesellschaft - Individuum - Emanzipation
Gesellschaft - Individuum - EmanzipationGesellschaft - Individuum - Emanzipation
Gesellschaft - Individuum - Emanzipation
 
Dialektik in der Kritischen Psychologie - ASC - 2018
Dialektik in der Kritischen Psychologie - ASC - 2018Dialektik in der Kritischen Psychologie - ASC - 2018
Dialektik in der Kritischen Psychologie - ASC - 2018
 
Muster der Commons
Muster der CommonsMuster der Commons
Muster der Commons
 
Commons produktive seite lüneburg februar 2013
Commons produktive seite lüneburg februar 2013Commons produktive seite lüneburg februar 2013
Commons produktive seite lüneburg februar 2013
 
GdP-Kurs 3: Die gesellschaft­liche Natur des Menschen
GdP-Kurs 3: Die gesellschaft­liche Natur des MenschenGdP-Kurs 3: Die gesellschaft­liche Natur des Menschen
GdP-Kurs 3: Die gesellschaft­liche Natur des Menschen
 
5 keck open government_relaunch der demokratie_museum der heizkultur_w_keck_1...
5 keck open government_relaunch der demokratie_museum der heizkultur_w_keck_1...5 keck open government_relaunch der demokratie_museum der heizkultur_w_keck_1...
5 keck open government_relaunch der demokratie_museum der heizkultur_w_keck_1...
 
Kapitalismus aufheben - aber wie?
Kapitalismus aufheben - aber wie?Kapitalismus aufheben - aber wie?
Kapitalismus aufheben - aber wie?
 
Commons und Markt
Commons und MarktCommons und Markt
Commons und Markt
 
Kommunismus oder Commonismus
Kommunismus oder CommonismusKommunismus oder Commonismus
Kommunismus oder Commonismus
 
Social Media in Wissenschaft und Bibliothek
Social Media in Wissenschaft und BibliothekSocial Media in Wissenschaft und Bibliothek
Social Media in Wissenschaft und Bibliothek
 
Impulsreferat "Möglichkeiten der politischen Jugendbildung im Web 2.0 aus chr...
Impulsreferat "Möglichkeiten der politischen Jugendbildung im Web 2.0 aus chr...Impulsreferat "Möglichkeiten der politischen Jugendbildung im Web 2.0 aus chr...
Impulsreferat "Möglichkeiten der politischen Jugendbildung im Web 2.0 aus chr...
 
Kartoffeln und Computer - Vorstellung einer lebenswerten Alternative
Kartoffeln und Computer - Vorstellung einer lebenswerten AlternativeKartoffeln und Computer - Vorstellung einer lebenswerten Alternative
Kartoffeln und Computer - Vorstellung einer lebenswerten Alternative
 
Sommerschule 2014 commons und staat
Sommerschule 2014 commons und staatSommerschule 2014 commons und staat
Sommerschule 2014 commons und staat
 
(V)ermittelt – Bedürfnisse in der gesellschaftlichen Produktion
(V)ermittelt – Bedürfnisse in der gesellschaftlichen Produktion(V)ermittelt – Bedürfnisse in der gesellschaftlichen Produktion
(V)ermittelt – Bedürfnisse in der gesellschaftlichen Produktion
 
Commons provadis märz 2013
Commons provadis märz 2013Commons provadis märz 2013
Commons provadis märz 2013
 

Mehr von StefanMz

Planning of societal re/production in a commonist society
Planning of societal re/production in a commonist societyPlanning of societal re/production in a commonist society
Planning of societal re/production in a commonist society
StefanMz
 
Commonistische Inklusionsgesellschaft
Commonistische InklusionsgesellschaftCommonistische Inklusionsgesellschaft
Commonistische Inklusionsgesellschaft
StefanMz
 
Industrie 4.0 und Autonomie
Industrie 4.0 und AutonomieIndustrie 4.0 und Autonomie
Industrie 4.0 und Autonomie
StefanMz
 
Care-Revolution und Industrie 4.0
Care-Revolution und Industrie 4.0Care-Revolution und Industrie 4.0
Care-Revolution und Industrie 4.0
StefanMz
 
Zur Entstehung und Überwindung des Geldes
Zur Entstehung und Überwindung des GeldesZur Entstehung und Überwindung des Geldes
Zur Entstehung und Überwindung des Geldes
StefanMz
 
Was heißt hier Transformation? Drei Konzepte im Vergleich
Was heißt hier Transformation? Drei Konzepte im VergleichWas heißt hier Transformation? Drei Konzepte im Vergleich
Was heißt hier Transformation? Drei Konzepte im Vergleich
StefanMz
 
»Wir machen uns die Welt wie sie uns gefällt - mit Geld?«
»Wir machen uns die Welt wie sie uns gefällt - mit Geld?«»Wir machen uns die Welt wie sie uns gefällt - mit Geld?«
»Wir machen uns die Welt wie sie uns gefällt - mit Geld?«
StefanMz
 
From Commons to Commonism?
From Commons to Commonism?From Commons to Commonism?
From Commons to Commonism?
StefanMz
 
Lastenräder und Commons
Lastenräder und CommonsLastenräder und Commons
Lastenräder und Commons
StefanMz
 
Kritische Psychologie - wozu?
Kritische Psychologie - wozu?Kritische Psychologie - wozu?
Kritische Psychologie - wozu?
StefanMz
 
Shareconomy und Commons
Shareconomy und CommonsShareconomy und Commons
Shareconomy und Commons
StefanMz
 
Commons - Zukunftsperspektiven jenseits alltäglicher Abwehrkämpfe
Commons - Zukunftsperspektiven jenseits alltäglicher AbwehrkämpfeCommons - Zukunftsperspektiven jenseits alltäglicher Abwehrkämpfe
Commons - Zukunftsperspektiven jenseits alltäglicher Abwehrkämpfe
StefanMz
 
Commonismus statt Sozialismus?
Commonismus statt Sozialismus?Commonismus statt Sozialismus?
Commonismus statt Sozialismus?
StefanMz
 
Open Source Economy
Open Source EconomyOpen Source Economy
Open Source Economy
StefanMz
 
Transformation - Szenarien der Aufhebung des Kapitalismus
Transformation - Szenarien der Aufhebung des KapitalismusTransformation - Szenarien der Aufhebung des Kapitalismus
Transformation - Szenarien der Aufhebung des Kapitalismus
StefanMz
 
Hegelsche Dialektik
Hegelsche DialektikHegelsche Dialektik
Hegelsche Dialektik
StefanMz
 
Perspektiven jenseits der Geldlogik
Perspektiven jenseits der GeldlogikPerspektiven jenseits der Geldlogik
Perspektiven jenseits der Geldlogik
StefanMz
 
Wissenskommunismus bei André Gorz
Wissenskommunismus bei André GorzWissenskommunismus bei André Gorz
Wissenskommunismus bei André Gorz
StefanMz
 
Das »Arrangement mit den Herrschenden« - Kritik einer analytischen Figur
Das »Arrangement mit den Herrschenden« - Kritik einer analytischen FigurDas »Arrangement mit den Herrschenden« - Kritik einer analytischen Figur
Das »Arrangement mit den Herrschenden« - Kritik einer analytischen Figur
StefanMz
 
GdP-Kurs 4: Handlungs­fähigkeit im Kapitalismus
GdP-Kurs 4: Handlungs­fähigkeit im KapitalismusGdP-Kurs 4: Handlungs­fähigkeit im Kapitalismus
GdP-Kurs 4: Handlungs­fähigkeit im Kapitalismus
StefanMz
 

Mehr von StefanMz (20)

Planning of societal re/production in a commonist society
Planning of societal re/production in a commonist societyPlanning of societal re/production in a commonist society
Planning of societal re/production in a commonist society
 
Commonistische Inklusionsgesellschaft
Commonistische InklusionsgesellschaftCommonistische Inklusionsgesellschaft
Commonistische Inklusionsgesellschaft
 
Industrie 4.0 und Autonomie
Industrie 4.0 und AutonomieIndustrie 4.0 und Autonomie
Industrie 4.0 und Autonomie
 
Care-Revolution und Industrie 4.0
Care-Revolution und Industrie 4.0Care-Revolution und Industrie 4.0
Care-Revolution und Industrie 4.0
 
Zur Entstehung und Überwindung des Geldes
Zur Entstehung und Überwindung des GeldesZur Entstehung und Überwindung des Geldes
Zur Entstehung und Überwindung des Geldes
 
Was heißt hier Transformation? Drei Konzepte im Vergleich
Was heißt hier Transformation? Drei Konzepte im VergleichWas heißt hier Transformation? Drei Konzepte im Vergleich
Was heißt hier Transformation? Drei Konzepte im Vergleich
 
»Wir machen uns die Welt wie sie uns gefällt - mit Geld?«
»Wir machen uns die Welt wie sie uns gefällt - mit Geld?«»Wir machen uns die Welt wie sie uns gefällt - mit Geld?«
»Wir machen uns die Welt wie sie uns gefällt - mit Geld?«
 
From Commons to Commonism?
From Commons to Commonism?From Commons to Commonism?
From Commons to Commonism?
 
Lastenräder und Commons
Lastenräder und CommonsLastenräder und Commons
Lastenräder und Commons
 
Kritische Psychologie - wozu?
Kritische Psychologie - wozu?Kritische Psychologie - wozu?
Kritische Psychologie - wozu?
 
Shareconomy und Commons
Shareconomy und CommonsShareconomy und Commons
Shareconomy und Commons
 
Commons - Zukunftsperspektiven jenseits alltäglicher Abwehrkämpfe
Commons - Zukunftsperspektiven jenseits alltäglicher AbwehrkämpfeCommons - Zukunftsperspektiven jenseits alltäglicher Abwehrkämpfe
Commons - Zukunftsperspektiven jenseits alltäglicher Abwehrkämpfe
 
Commonismus statt Sozialismus?
Commonismus statt Sozialismus?Commonismus statt Sozialismus?
Commonismus statt Sozialismus?
 
Open Source Economy
Open Source EconomyOpen Source Economy
Open Source Economy
 
Transformation - Szenarien der Aufhebung des Kapitalismus
Transformation - Szenarien der Aufhebung des KapitalismusTransformation - Szenarien der Aufhebung des Kapitalismus
Transformation - Szenarien der Aufhebung des Kapitalismus
 
Hegelsche Dialektik
Hegelsche DialektikHegelsche Dialektik
Hegelsche Dialektik
 
Perspektiven jenseits der Geldlogik
Perspektiven jenseits der GeldlogikPerspektiven jenseits der Geldlogik
Perspektiven jenseits der Geldlogik
 
Wissenskommunismus bei André Gorz
Wissenskommunismus bei André GorzWissenskommunismus bei André Gorz
Wissenskommunismus bei André Gorz
 
Das »Arrangement mit den Herrschenden« - Kritik einer analytischen Figur
Das »Arrangement mit den Herrschenden« - Kritik einer analytischen FigurDas »Arrangement mit den Herrschenden« - Kritik einer analytischen Figur
Das »Arrangement mit den Herrschenden« - Kritik einer analytischen Figur
 
GdP-Kurs 4: Handlungs­fähigkeit im Kapitalismus
GdP-Kurs 4: Handlungs­fähigkeit im KapitalismusGdP-Kurs 4: Handlungs­fähigkeit im Kapitalismus
GdP-Kurs 4: Handlungs­fähigkeit im Kapitalismus
 

Kürzlich hochgeladen

Wie spät ist es.pptx Wie spät ist es Wie spät ist es
Wie spät ist es.pptx Wie spät ist es Wie spät ist esWie spät ist es.pptx Wie spät ist es Wie spät ist es
Wie spät ist es.pptx Wie spät ist es Wie spät ist es
OlenaKarlsTkachenko
 
Polizeigeschichten.pptx PolizeigeschichtenPolizeigeschichten
Polizeigeschichten.pptx PolizeigeschichtenPolizeigeschichtenPolizeigeschichten.pptx PolizeigeschichtenPolizeigeschichten
Polizeigeschichten.pptx PolizeigeschichtenPolizeigeschichten
OlenaKarlsTkachenko
 
matematicasIIcastellano.pdfnavarraevau2024
matematicasIIcastellano.pdfnavarraevau2024matematicasIIcastellano.pdfnavarraevau2024
matematicasIIcastellano.pdfnavarraevau2024
amayaltc18
 
Mathematikunterricht in 1zu1 Ausstattungen.pptx
Mathematikunterricht in 1zu1 Ausstattungen.pptxMathematikunterricht in 1zu1 Ausstattungen.pptx
Mathematikunterricht in 1zu1 Ausstattungen.pptx
FlippedMathe
 
6 Verben Gruppe e a o.pptx 6 Verben Gruppe e a o
6 Verben Gruppe e a o.pptx 6 Verben Gruppe e a o6 Verben Gruppe e a o.pptx 6 Verben Gruppe e a o
6 Verben Gruppe e a o.pptx 6 Verben Gruppe e a o
OlenaKarlsTkachenko
 
Teaching and Learning Experience Design – der Ruf nach besserer Lehre: aber wie?
Teaching and Learning Experience Design – der Ruf nach besserer Lehre: aber wie?Teaching and Learning Experience Design – der Ruf nach besserer Lehre: aber wie?
Teaching and Learning Experience Design – der Ruf nach besserer Lehre: aber wie?
Isa Jahnke
 

Kürzlich hochgeladen (6)

Wie spät ist es.pptx Wie spät ist es Wie spät ist es
Wie spät ist es.pptx Wie spät ist es Wie spät ist esWie spät ist es.pptx Wie spät ist es Wie spät ist es
Wie spät ist es.pptx Wie spät ist es Wie spät ist es
 
Polizeigeschichten.pptx PolizeigeschichtenPolizeigeschichten
Polizeigeschichten.pptx PolizeigeschichtenPolizeigeschichtenPolizeigeschichten.pptx PolizeigeschichtenPolizeigeschichten
Polizeigeschichten.pptx PolizeigeschichtenPolizeigeschichten
 
matematicasIIcastellano.pdfnavarraevau2024
matematicasIIcastellano.pdfnavarraevau2024matematicasIIcastellano.pdfnavarraevau2024
matematicasIIcastellano.pdfnavarraevau2024
 
Mathematikunterricht in 1zu1 Ausstattungen.pptx
Mathematikunterricht in 1zu1 Ausstattungen.pptxMathematikunterricht in 1zu1 Ausstattungen.pptx
Mathematikunterricht in 1zu1 Ausstattungen.pptx
 
6 Verben Gruppe e a o.pptx 6 Verben Gruppe e a o
6 Verben Gruppe e a o.pptx 6 Verben Gruppe e a o6 Verben Gruppe e a o.pptx 6 Verben Gruppe e a o
6 Verben Gruppe e a o.pptx 6 Verben Gruppe e a o
 
Teaching and Learning Experience Design – der Ruf nach besserer Lehre: aber wie?
Teaching and Learning Experience Design – der Ruf nach besserer Lehre: aber wie?Teaching and Learning Experience Design – der Ruf nach besserer Lehre: aber wie?
Teaching and Learning Experience Design – der Ruf nach besserer Lehre: aber wie?
 

Commonstheorie und Perspektiven des Widerstands

  • 1. Vortrag, 24.11.2010 Linke.SDS Hochschulgruppe Göttingen Stefan Meretz, keimform.de Commons-Theorie und Perspektiven des Widerstandes No rights reserved. Do what you want.
  • 2. Commons-Theorie und Praxis Übersicht: I. Commons – deskriptive Annäherungen II. Commons – Entwicklung eines Begriffs III. Commons und das Öffentliche IV. Commons als Widerstandspraxis Commons = Gemeingüter
  • 3. I. Commons – deskriptive Annäherungen Drei kurze beschreibende Einstiege: ● Was kennzeichnet Gemeingüter? ● Was sagt Elinor Ostrom? ● Was gab‘s in der Geschichte?
  • 4. Commons – deskriptive Annäherung (1) Gemeingüter kennzeichnet ... ● dass eine Ressource, gleich ob Wasser oder Wissen, dauerhaft gemeinsam genutzt wird, statt sie zu verbrauchen oder anderen vorzuenthalten ● dass sich eine identifizierbare Gruppe um die entsprechende Ressource kümmert und sie pflegt, statt die der Freibeuterei zu überlassen ● dass diese Gruppe sich auf angemessene und transparente Regeln verständigt, statt Regellosigkeit zu akzeptieren ● dass der Umgang mit den Ressourcen weitgehend selbstorganisiert ist, statt fremdbestimmt zu sein ● dass alle Nutzer mitgestalten und mitbestimmen können, statt sich immer nur vertreten zu lassen ● dass der Nutzen sich verteilt, statt sich zu konzentrieren Quelle: S. Helfrich et. al (2009), S. 20
  • 5. Commons – deskriptive Annäherung (2) „What one can observe in the world, ... is that neither the state nor the market is uniformly successful in enabling individuals to sustain longterm, productive use of natural resource systems. Further, communities of individuals have relied on institutions resembling neither the state nor the market to govern some resource systems with reasonable degrees of success over long periods of time“ Elinor Ostrom (1990), Governing the Commons, S.1 Titel der deutschen Ausgabe (1999): Die Verfassung der Allmende: Jenseits von Staat und Markt
  • 6. Geschichte: Codex Justinianus res nullius res privatae res publicae res communes alle Eigentümer Öffentlichkeit Gemeinschaft unreguliert markt-reguliert staats-reguliert peer-reguliert „Sache“ Zugriff Regulation
  • 7. II. Commons – begriffliche Entwicklung Schwierigkeiten beim Denken von Commons: ● Dichotomie Markt – Staat – Marktliberale Ansätze – Staatsregulatorische Ansätze ● Falsche Unterordnungen – Niemandsland (Garrett Hardin: „Tragik der Commons“) – Öffentliche Güter Drei Schritte: 1. Eigentumsbegriff 2. Produktionsweise 3. Güter-Systematik
  • 8. 1. Begriff des Eigentums Eigentum ist nicht ● die Sache, die einer Person gehört ● die Herrschaft einer Person über eine Sache Eigentum ist ● eine Beziehung zwischen Menschen in Bezug auf eine Sache ● der Ausschluss von der Verfügung Dritter über eine Sache ► Eigentum ist ein soziales Verhältnis
  • 9. „Eigentum“ ist nicht gleich „Eigentum“ Archaisch Griechische Antike Römische Antike Mittelalter Kein Eigentumsbegriff; individuelle Zuordnungen bei kollektiver Nutzung Individueller Besitz als Voraussetzung für eine geordnete allgemeine Nutzung Unterscheidung v. Besitz u. Eigentum; kontextabhängige Eigentumsbegriffe Kein absoluter Eigentumsbegriff; Gewohnheits- und Herrschaftsrecht Gesellschaftsform Auffassung von „Eigentum“ Kapitalismus Kodifizierter abstrakter Eigentums- begriff zur Exklusion Dritter
  • 10. Eigentum – Konzept der Moderne ► Vor dem Kapitalismus: ● Nicht-exklusive materiale „Eigentums“-Konzepte (Analogie: „materiale Taktwahrnehmung“) ● Verwandtschaftlich und religiös strukturierte Verbindung von Bedürfnissen und Sachverfügung ► Im Kapitalismus: ● Exklusives abstraktes Eigentumskonzept (Analogie: „abstrakte Taktwahrnehmung“) ● Verwertung von Wert als dominierender (Selbst-) Zweck ... gleich noch mehr dazu Zur Taktwahrnehmung vgl. Eske Bockelmann: „Im Takt des Geldes“
  • 11. 2. Produktionsweise ● Klassisch: PW = PK + PV ● PK = Verhältnis Mensch – Mittel – Natur ● PV = Verhältnisse der Menschen untereinander ● PW = Art und Weise, wie Menschen ihre Lebensbedingungen herstellen und welche sozialen Verhältnisse sie dabei entwickeln ● Achtung: Produktionsweise ≠ Gesellschaftsform ● In einer Gesellschaftsform kann es mehrere PW geben, wobei eine PW dominant ist und die Gesellschaftsform bestimmt ● Kapitalismus = Gesellschaftsform, in der die kapitalistische PW bestimmend ist
  • 12. Commons = Ressourcen + Commoning + Produkte Gemeinschaft Regeln Ressourcen Naturgüter Produkte Commons = Gemeingüter Commoning
  • 13. Wenn Ressourcen = Commons gesetzt werden, wird‘s falsch... Aus: P. Barnes (2008), Kapitalismus 3.0: ein Leitfaden zur Wiederaneignung der Gemeinschaftsgüter -RESSOURCEN! ►„There is no commons without commoning“ (Peter Linebaugh)
  • 14. Commons als Produktionsweise ● Commons-Produktionsweise war nie dominant (Ausnahme: „Urkommunismus“) ● Commons war immer Grundlage aller historisch dominanten Produktionsweisen ● Marx: Sogenannte ursprüngliche Akkumulation – Einhegung (Enclosure) der Commons – Schaffung doppelt freier Arbeiter – Beraubung ihrer Subsistenzmittel ● Luxemburg: Enclosure ist kontinuierlicher Prozeß ● Yochai Benkler: Commons-based Peer-Production ● George Caffentzis: pre-capitalist, capitalist, and post-capitalist commons
  • 15. 3. Commons in einer Güter-Systematik
  • 16. Soziale Form Ware ● für den Tausch/Verkauf privat hergestelltes Gut ● Voraussetzungen sind Knappheit und Exklusion Subsistenz ● für personal Andere hergestelltes Gut ● kein Tausch, sondern geben, nehmen, zirkulieren Commons ● für allgemeine Andere hergestelltes Gut ● kein Tausch, sondern Nutzung nach Regeln ● Träger und Pfleger sind Gemeinschaften
  • 17. Rechtsform Privateigentum ● exklusive Verfügung ● unabhängig von Beschaffenheit und Besitz Kollektiveigentum ● Privateigentum für kollektive Zwecke ● Gemeineigentum, Staatseigentum, AG, VEB, etc. Freies Gut („Niemandsland“) ● sozial ungeregelte Güter im freien Zugriff ● Tragik der Allmende ist Tragik des Niemandslands
  • 18. „Linker Commons-Begriff“ ...fokussiert auf: ● Produkte, Produktionsweise und Produktions- mittel (commons-basierte Peer-Produktion) ● Individuelle Entfaltung (Freiheit) in kollektiver Handlungsfähigkeit (Gleichheit) ● Zusammengehörigkeit weltweiter (Wieder-) Aneignungsprozesse der Commons ● Commons als grundsätzliche Alternative und nicht bloße Ergänzung zu Markt und Staat ● Commons als Kernelement einer neuen Vergesell- schaftungsform jenseits des Kapitalismus ► Commons als Transformationsperspektive
  • 19. III. Commons und das Öffentliche ● Rainer Rilling: Wie konstituiert sich Allgemeines in Abhebung vom Privaten? ● Projekt des Öffentlichen nach diesen Kriterien: – Demokratisierung – Beförderung von Gleichheit – Gemeinwohlorientierung – Individualität durch Teilhabegerechtigkeit ► Commons entsprechen diesen Kriterien ► Was ist dann aber der Unterschied?
  • 20. Staat und Öffentliches ● „Allgemeines“ als „das vom Staat repräsentierte und zugleich inkorporierte Öffentliche ... im Gegensatz zum Besonderen der Privatförmigkeit der Ökonomie und des Marktes“ (S. 181) ● Gewährungs- statt Gestaltungsverhältnis ● Durchsetzung des Öffentlichen mit der Staatslogik (Standort, Wettbewerb, Finanzen etc.) ● Übergriffigkeit des Staatlichen auf das Individuelle (Kontrollwahn, Überwachung, Repression etc.) ► Allgemeines nur als Aushandlungsverhältnis unterschiedlicher Partialinteressen
  • 21. Zitat » ...eine Kommune ist der Idealzustand eines Commons. Doch genau dann, wenn glorreiche Stadträte anfangen, von "Investoren" zu schwatzen, denen man "Verlässlichkeit" demonstrieren müsse, genau dann ist der Commons wieder aufgebrochen, wird zum Abfischteich für einen großen Pott, dem der Zustand der Gemeinde und ihre Entwicklungs- bedingungen für die Bürger wurstegal sind, käseegal, schnapsegal. Hauptsache, die Kasse klingelt. Und genau dieser Ansatz fehlt im Entwurf der Linken noch immer. Vielleicht auch, weil ihre wichtigsten stadtpolitischen Sprecher noch gar nicht begriffen haben, worum es geht.« Ralf Julke, Umbau bis 2020: Leipzigs Linke diskutieren "Ökologische Leitlinien zur Klima- und Energiepolitik", Leipziger Internetzeitung, 19.6.2010: http://is.gd/cXrHr
  • 22. Probleme des Öffentlichen ● Öffentliches als rückwärtsgewandtes Projekt des Fordismus („Öffentlicher Dienst“, „Anstalt des öffentlichen Rechts“ etc.) ● Konkretion des Öffentlichen ist Staatliches ● Öffentlich-staatliches ist Fremdes („nicht meins“) ● Geringe Geltung des Individuellen („nicht ich“) ● Orientierung auf Stellvertretung ● Teilhabe nur als erlaubte Teilnahme ● Keine Selbstermächtigung und Selbstentfaltung ► Strukturelle Identität von Staat und Öffentlichem ► Fehlendes transformatorisches Potenzial
  • 23. Chancen des Öffentlichen ● Positive Zusammenhänge: – öffentlich = offen – öffentlich = transparent – öffentlich = (kosten-)frei zugänglich – öffentlich = diskriminationsfrei – öffentlich = verhandelbar, interventionsfähig ● Öffentliches als Offengelegtes, nicht Geheimes – Negativbeispiel: Geheimverträge Wasser Berlin – Positivbeispiel: Freedom of Information Act (USA)
  • 24. Staat und Commons ● Allgemeines als Gesellschaftliches ist das zur Geltung gebrachte Besondere der individuellen Entfaltung ● Staat setzt Rahmenbedingungen der Entfaltung des »Commonalen« (Recht, Infrastruktur etc.) ● Staat ist Förderer der Commons, weil die Commons ein Bestandteil der öffentlichen Infrastruktur sind ● Stete Gefahr: Instrumentalisierung der Commons für Verwertungszwecke oder Einsparziele ► Strukturelle Differenz von Staat und Commons
  • 25. IV. Commons als Widerstandspraxis Was ist Widerstand? 1. Widerstand als Abwehr 2. Widerstand als Aneignung 3. Widerstand als Konstitution ... das kann hier nur ganz kurz angerissen werden.
  • 26. 1. Widerstand als Abwehr Produktive Elemente: ● Zumutungen werden zurückgewiesen ● Lebensansprüche werden verteidigt ● Gemeinschaftlichkeit wird erlebt Konservative Elemente: ● am Status Quo wird festgehalten ● das Bestehende wird idealisiert ● grundsätzliche Kritiken werden abgewehrt ● es wird Modus von Partialinteressen gehandelt
  • 27. 2. Widerstand als Aneignung Produktive Elemente: ● Privateigentum wird kollektiv in Besitz genommen ● Freies Wissen wird aufgebaut ● Handlungsfähigkeit wird erweitert Konservative Elemente: ● Aneignung richtet sich auf das Bestehende ● Soziale, rechtliche Formen werden vorausgesetzt ● Partialinteressen bestimmen Bewegungsform ● der Exklusionsmodus wird nicht überschritten
  • 28. 3. Widerstand als Konstitution Produktive Elemente: ● Nutzung basiert auf Besitz oder Commons ● Freie Kooperation und Freiwilligkeit ● Beitragen statt Tauschen ● Offenheit und Transparenz ● Neue soziale Formen werden hergestellt ● Individuelle Entfaltung im Inklusionsmodus Konservative Elemente: ● Allgemeininteressen ● Ökologischer Fußabdruck ● Endlichkeit der stofflichen Ressourcen
  • 29. Danke :-) Literatur Peter Barnes (2008), Kapitalismus 3.0 Yochai Benkler (2006), The Wealth of Networks Eske Bockelmann (2004), Im Takt des Geldes George Caffentzis (2010), The Future of „The Commons“ Garrett Hardin (1968), The Tragedy of the Commons Silke Helfrich, Rainer Kuhlen, Wolfgang Sachs, Christian Siefkes (2009), Gemeingüter – Wohlstand durch Teilen Rosa Luxemburg (1913), Die Akkumulation des Kapitals Karl Marx (1890), Das Kapital, Bd.1, 4. Auflage Elinor Ostrom (1990), Governing the Commons Rainer Rilling (2009), Plädoyer für das Öffentliche