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Die Künstler der Sammlung Brandhorst

Positionen des 20. Jahrhunderts und der Gegenwartskunst

Joseph Beuys

Joseph Beuys (1921-1986) gilt als einer der bedeutendsten deutschen Künstler der
Nachkriegszeit und genießt internationales Renommee. Sein Werk strebt nach einer
»Erweiterung des Kunstbegriffs«, ein Postulat, unter dem er eine Loslösung von traditionell
geprägten formal-ästhetischen Gesichtspunkten hin zu einer anthropologischen Kunst
versteht. Damit verbindet sich auch das Konzept der »sozialen Plastik«, eine Vorstellung, der
zufolge jeder Mensch als ein Künstler durch bewusstes und gezieltes Handeln einen
individuellen Beitrag leisten kann, gesellschaftliche Strukturen und damit die Welt zu
verändern. Seine vielschichtig angelegten Arbeiten sind konzeptionelle Visualisierungen
komplexer Gedankenstrukturen und stellen nicht selten Vorarbeiten und Relikte
performativer Aktionen dar. Beuys´ Kunstverständnis ist geprägt von einer tief empfundenen
Naturverbundenheit, die sich unter anderem in der Einbeziehung erhabener, ursprünglicher
Mythen zeigt. Weiterhin sind sie eine Reflektion über physikalische Prozesse und den
Eigenschaften der von ihm verwendeten Materialien.

Dumme Kiste, eine Arbeit aus der Sammlung Brandhorst, zeigt einen aus vier Kupferplatten
zusammengesetzten nach oben hin offenen Kasten. An den Schnittstellen der scharfen
Kanten hat Beuys aus Filz ausgeschnittene Platten eingefügt. Dadurch entsteht ein Kontrast
zwischen dem kalten Metall und seiner kristallinen Struktur, das physikalisch betrachtet die
potentielle Fähigkeit eines elektrischen Leiters aufweist und dem weichen und warmen
Material Filz mit seiner isolierenden Eigenschaft. Ihr Zusammenspiel kreiert einen
architektonischen Raum, der sich modellhaft als ein von physikalischen Gegebenheiten
bestimmter Lebensraum begreifen lässt. Die auf den ersten Blick wenig beachtenswert
anmutende Dumme Kiste offenbart sich bei eingehender Betrachtung als ein intellektuelles
Modell gefühlt physikalischer Realitäten.


James Lee Byars

Man hat ihn den »Magier der Stille« genannt. James Lee Byars, 1932 in Detroit geboren,
studierte Kunst, Psychologie und Philosophie. Vor allem die Auseinandersetzung mit der
fernöstlichen Kultur Japans, wo Byars mehrere Jahre lebte, hat seine Geisteshaltung ent-
scheidend geprägt. Seit den siebziger Jahren ist der Minimalist, Konzept- und Performance-
künstler mit Objekten, Skulpturen, Rauminstallationen und Aktionen international präsent
und mehrfach auf der »documenta« vertreten. Byars` Werk kreist um die existentiellen
Themen von Leben und Tod. Seine Intention ist der Ausdruck von erhabener Vollkommenheit,
ein Zustand, der sich in der momenthaften Begegnung zwischen dem Flüchtigen und dem
Ewigen einstellt. 1994 schenkte der Künstler seine Performance The Perfect Smile, eine
Darbietung, bestehend aus einer winzigen Mundbewegung, die zu einem Lächeln wird, dem
Museum Ludwig in Köln. Die immaterielle und flüchtige Vorführung wird allein durch den Akt
der auf Dauer ausgerichteten Schenkung durch ihre potentielle Wiederholbarkeit zu einem
museal »konservierten« Kunstwerk.

In I am Imaginary, einer nach oben hin abgerundeten Marmorplatte, die den Titel des Werkes
in einer kaum sichtbaren goldenen Inschrift aufweist, wird das dauerhafte und hochwertige
Material zu einem monumentalen Epitaph und damit zu einem langfristigen Stellvertreter
der eigenen ephemeren Existenz. Auch die vollkommene Form der Kugel in The Lucky Stone
visualisiert anschaulich die Umsetzung des Absoluten und Perfekten, das der 1997
verstorbene Künstler in dem auf Fortbestand ausgerichteten Material des Steins auf ewig
festzuhalten suchte.


     Chamberlain
John Chamberlain

1927 in Rochester im US-Bundesstaat Indiana geboren, erhielt der Bildhauer John
Chamberlain seine Kunstausbildung zunächst in Chicago, um dann ein Jahr am Black
Mountain College zu verbringen, wo er mit einigen der wichtigsten Künstler und Literaten
seiner Zeit Bekanntschaft machte. Als er 1957 nach New York zog, entwickelte er die für sein
Werk typische Ästhetik mit verbeulten, verschiedenfarbigen Autoteilen, durch die er zu einem
Protagonisten der Junk Art wurde. Nachdem er in den späten 1960er Jahren mit Film
experimentiert und in den 1970er Jahren auch druckgraphische Prozesse für sich entdeckt
hatte, erweiterte er seit den 1980er Jahren die Bandbreite seiner skulpturalen Werkstoffe. Er
lebt und arbeitet in New York.

In der Sammlung Brandhorst sind verschiedene Aspekte aus Chamberlains Schaffen
vertreten, neben frühen monochromen, lackierten und unlackierten Autostahl-Plastiken
auch kleinformatige bunte Wandreliefs sowie zwei Blätter aus der Serie Gondola (1982). Mit
Lord Suckfist (1989) bewahrt das Museum Brandhorst eines der Hauptwerke John
Chamberlains. Die allansichtige Plastik vereint Karosserieteile verschiedener Autos und
verknautscht diese scheinbar leicht und doch kunstvoll zu einem ästhetisch ansprechenden
und abwechslungsreichen Gebilde. Dass dieses Objekt keiner Zufälligkeit und keinem
»Unfall« zu verdanken ist und dass somit Chamberlains Skulpturen stets oberflächliche und
unterschwellige Bezüge in sich vereinen, belegt auch der Titel, der auf eine lächerliche Figur
in dem Renaissance-Romanzyklus »Pantagruel« von François Rabelais anspielt.


Eric Fischl

Der 1948 in New York geborene amerikanische Maler und Grafiker Eric Fischl zog nach dem
Kunststudium in Kalifornien und einem Lehrauftrag in Nova Scotia 1978 nach New York, wo
er seither lebt. In den 1980er Jahren entwickelte er die Bildsprache, die ihm zu
internationalem Erfolg verhalf. Seine in flächigem Realismus ausgeführten Figuren aus
bürgerlichem Milieu befinden sich häufig in zweideutigen Situationen mit oft sexuellen oder
gewalttätigen Untertönen. Fischl fordert damit dem Betrachter ein genaues Hinsehen ab,
verweigert aber eine Erklärung im Bild. Dieses enigmatische Verfahren hat Vorläufer bei
Eduard Manet und Edward Hopper, verrät aber zugleich auch enge Parallelen zur
zeitgenössischen Fotografie, mit deren Paradigmen sich Fischls Werk immer wieder
auseinanderzusetzen scheint.

Die Sammlung Brandhorst umfasst derzeit fünf bedeutende Gemälde Fischls, die einen
Einblick in sein Schaffen seit den frühen 1980er Jahren bis heute geben. Vier von Ihnen
hängen in der Erstpräsentation in einem einzigen Raum und erzeugen eine spannungsvolle
und mysteriöse Atmosphäre. Dabei sticht Daddy's girl von 1984 als frühes Meisterwerk
hervor, in dem der Maler das Bild einer glücklichen Familie durch Doppeldeutigkeiten in
Frage stellt. Die Viehversteigerung (Cattle auction, 1990) zeigt scheinbar eine folkloristische
Tanzszene, die suggestiv das Nebeneinander von Vergnügen und Gewalt inszeniert. Mit der
Badeszene Japanese bath (1988) greift Fischl auf Bilderfindungen von Impressionisten wie
Edgar Degas zurück, Living room, scene 3 (spinning) von 2002 hingegen evoziert Bilder von
einsamer Zweisamkeit Edward Hoppers.


Katharina Fritsch

Die Bildhauerin Katharina Fritsch wurde 1956 in Essen geboren. Ab Mitte der 1980er Jahre
erlangte sie mit lebensgroßen plastischen Arbeiten, wie etwa der maßstabsgetreuen
Umsetzung eines Elefanten, internationale Aufmerksamkeit. 1995 bespielte sie den
deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig.

In der Sammlung Brandhorst ist sie mit mehreren Arbeiten vertreten. Dabei handelt es sich
vornehmlich um Multiples, die inhaltlich den alltäglichen Warencharakter einer Konsum-
gesellschaft thematisieren. Die Arrangements, zusammengesetzt aus massenhaft produ-
zierten, völlig identischen Objekten, negieren den individuellen Charakter des einzelnen
Gegenstandes. Besonders deutlich zeigt sich dieser Umstand in der Arbeit Warengestell mit
Madonnen von 1987-89. Knapp 300 Marienfigürchen werden in neun ringförmigen Etagen zu
einem mannshohen turmartigen Gebilde zusammengesetzt. Bei ihnen handelt es sich um
eine in beliebiger Stückzahl nachproduzierbare Devotionalie der wundertätigen Madonna aus
dem französischen Wallfahrtsort Lourdes, ein begehrtes und zugleich beliebiges Objekt.
Einheitlich in signalfarbenes Gelb gefasst, ziehen die Figuren den Blick des Betrachters
unweigerlich auf sich, treten dabei aber gleichzeitig in ihrer Monochromie und seriellen
Gleichförmigkeit in den Hintergrund zugunsten einer übergeordneten Struktur. Fritschs
Arbeiten lassen an Warhols Bildbegriff denken, der hier im dreidimensionalen Raum
umgesetzt wird.


Robert Gober

Der 1954 geborene amerikanische Objektkünstler Robert Gober lebt und arbeitet in New
York. Nach dem Kunststudium in Vermont und Rom konzentrierte sich sein Schaffen auf
plastische Arbeiten. Formal an die Pop Art-Skulptur anknüpfend erweiterte Gober deren
gesellschaftspolitische Anliegen, ähnlich wie Eric Fischl in der Malerei, um unheimliche,
unerklärliche und subtil-bedrohliche Facetten. Seine in den frühen 1990er Jahren
einsetzende internationale Karriere gipfelte bald in der Teilnahme an der documenta in
Kassel (1992) und in einem Beitrag für die Biennale in Venedig (2001). Das Werk Gobers
umkreist die Gegenstände des amerikanischen Alltags. Um sie wieder in das Bewusstsein
des Betrachters zu rücken, entfremdet er sie durch Vergrößerung, offensichtlichen Entzug
ihrer Funktionen oder Ironisierung.

All diese Mechanismen lassen sich an den Werken der Sammlung Brandhorst studieren.
Dabei wird ein zentrales Motiv von Gobers Schaffen, der Abfluss (engl. drain) gleich in
mehreren Werken aufgegriffen: Der Künstler verwendet ihn mal als Metapher für den
gesellschaftlichen Überfluss, mal als Sinnbild für die moderne Informationsflut oder den
Gefühlsüberschwang. Im Museum Brandhorst werden in einem Raum die Hauptwerke aus
der Sammlung zusammengebracht und mit Positionen anderer Künstler, etwa Damien Hirst,
konfrontiert.


Damien Hirst

Kaum ein anderer Gegenwartskünstler genießt soviel internationale Aufmerksamkeit und
finanziellen Erfolg wie der 1965 in Bristol geborene Damien Hirst. Er zählt zur Gruppe der
Young British Artists, die die Produktionsformen von Kunst ebenso gründlich beherrschen
wie sie sich ihrer Vertriebsformen auf selbstverständliche Weise bedienen. Mit in
Formaldehyd konservierten Tierleibern, provokativ eingerichteten Käfigen, Kabinen und
Schaukästen zog Hirst schnell Kritik und Anerkennung an. Seine Werke zielen in oft
ironischer Weise darauf ab, den Betrachter mit existentiellen Themen wie Tod und
Vergänglichkeit, Sexualität und Liebe zu konfrontieren und regen zur Reflektion an. Hirst
arbeitet und lebt in London. Mit den Objekten E.M.I. (1989), Looking forward to a complete
suppression of pain (1994), Waste (Twice) (1994), Hymn (2000) und In this terrible moment we
are victims clinging helplessly to an environment that refuses to acknowledge the soul (2002)
befinden sich vor allem Werke Hirsts in der Sammlung Brandhorst, die sich mit den
Möglichkeiten und Grenzen der modernen Medizin auseinandersetzen. Bis auf die
monumentale Bronzeplastik Hymn sind alle diese Werke jetzt im Museum Brandhorst zu
sehen.


Alex Katz

Äußerst geordnet wirken die Werke des 1927 in New York geborenen Malers Alex Katz. Seine
Studienjahre fielen in die Hochphase des Abstrakten Expressionismus, doch ist er bis heute
der figurativen Malerei treu geblieben. Er gilt als einer der Wegbereiter der Pop Art. Katz ist
modern und altmodisch, radikal und gediegen, stets kontrolliert und von kühler
Distanziertheit, die jede Sentimentalität, die seinen Themen durchaus immanent ist, in ihre
Schranken verweist. Er variiert immer wieder Themen aus seinem unmittelbaren Umfeld:
Figuren, Porträts (insbesondere das seiner Frau Ada), minimalistisch reduzierte
Landschafts- und Architekturausschnitte – die mit extremer Ökonomie in die Bildfläche
eingeschrieben werden. Vor monochromen Hintergründen erscheinen die Motive wie
eingefroren in einer Bewegung, einer Geste, einem flüchtigen Lichteinfall. Japanischen
Holzschnitten vergleichbar entstehen stilisierte Realitätsfragmente, die zugleich auch die
Schönheit eines zugespitzten, im besten Sinne »impressionistischen« Augenblicks erfassen.
In der Sammlung Brandhorst befinden sich Gemälde und ein Cutout aus der Zeit von 1959 bis
1997. Es dominieren Porträts, aber einige lyrische Landschaften sind auch vertreten. In
einem eigens diesem Künstler vorbehaltenen Saal im Museum Brandhorst lässt sich daher
leicht ein Einblick in das Schaffen dieses einflussreichen amerikanischen Malers erlangen.


Mike Kelley

Der 1954 in Detroit geborene Mike Kelley gehört der gleichen Künstlergeneration wie Robert
Gober und Christopher Wool an, doch unterscheidet sich sein Werk durch die größere
Experimentierfreude mit unterschiedlichen künstlerischen Medien. Nach dem Kunststudium
in Michigan und Kalifornien beteiligte sich Kelley zunächst an Gruppenarbeiten oft
performancehafter Natur. Ende der 1980er Jahre begann er, Stofftiere für seine Arbeiten zu
benutzen, die sich für seinen gesellschaftskritischen und oft konzeptualistischen Ansatz gut
eigneten und schnell internationalen Erfolg brachten. Der Künstler lebt und arbeitet in Los
Angeles.

Die wichtigsten Werkphasen Kelleys sind in der Sammlung Brandhorst mit eindrucksvollen
Werken vertreten: die an Comics anknüpfenden frühen Blätter, in denen er amerikanische
Mythen kritisch beleuchtet; Installationen mit Stofftieren, welche aus den so vertrauten
Kuscheltieren ein unheimliches Element hervorkitzeln. In jüngeren multimedialen
Rauminstallationen ruft die Oberflächenästhetik einer unterschwelligen Bedrohung eine
befremdliche Stimmung hervor. Mit dem Werk Kandor 15 und der dazu gehörigen Arbeit
Lenticular 15 beruft sich Mike Kelley auf den Superman-Mythos und überträgt Motive aus der
Comic-Welt in eine neue, raumfüllende Kunstinstallation.


Jannis Kounellis

Der gebürtige Grieche Jannis Kounellis ging 1956 als Zwanzigjähriger zum Kunststudium
nach Rom, wo er bis heute lebt. Bereits 1967 nahm Kounellis an der Ausstellung »Arte
Povera e Spazio IM« in Genua teil, die ihn als bedeutenden Vertreter der Arte Povera
etablierte. Kounellis erweitert in seinem Werk das Spektrum künstlerischer Mittel um
vermeintlich banale oder krude Alltagsgegenstände. Auch ephemere Phänomene wie Rauch
oder lebende Tiere sind ihm in seiner Arbeit nicht fremd. Von den Beschränkungen der
flachen Leinwand löste sich Kounellis immer wieder, geht es ihm doch oft darum, die
Produktions- wie Präsentationsbedingungen von Kunst zu befragen. Seit 1993 lehrt er an der
Kunstakademie Düsseldorf.

Obwohl die Mehrzahl der über zwanzig Werke in der Sammlung Brandhorst zweidimensional
ist, bezieht die Auswahl auch Kounellis’ plastisches Schaffen mit ein. Neben frühen fragil-
lyrischen Arbeiten auf Papier finden sich Leinwandgemälde der für den Künstler wichtigen
1960er Jahre, figurative Aquarelle aus den 1970er Jahren und eine Collage auf Stahl aus den
1980ern. Mit dem Objekt Ohne Titel (1980), setzt Kounellis einen ausgestopften, farb-
besprenkelten Papagei auf den Rand eines Farbtopfes und platziert das Gefäß auf zwei
Gesamtausgaben der Lyrik Arthur Rimbauds. Die Sammlung Brandhorst besitzt mit dieser
Arbeit ein in seiner vielschichtigen und humorvoll-subversiven Verweiskraft charakteris-
tisches wie besonders zugängliches Meisterwerk.
Mario Merz

Der 1925 in Mailand geborene Autodidakt Mario Merz gilt als einer der Hauptvertreter der
Arte Povera, einer von Italien ausgehenden Kunstrichtung, die auf Konzeptkunst, Land Art,
Informel und die Art Brut Bezug nahm. Bis zu seinem Tod 2003 lebte und arbeitete er in
Turin. Sein Markenzeichen wurde das Iglu, das ein existentielles Menschheitsthema aufgreift
und dessen Grundform Merz mit ganz unterschiedlichen Materialien variierte. Ein anderes
Interesse galt der Verwendung von Neonlicht, das er oft als zivilisatorischen Antipoden mit
Fundstücken aus der Natur in Kontrast setzte.

Mit dem Iglu Mai alzato pietra su pietra (Nie Stein auf Stein gehoben) (1968) und den Objekten
Ohne Titel (1969), Pittore in Africa (1982) sowie Numeri in colonna (1986) verfügt die
Sammlung Brandhorst über einen ebenso repräsentativen wie qualitätvollen Querschnitt
durch das Schaffen von Mario Merz. Erweitert wird dieser Einblick in das Werk des
italienischen Künstlers durch ein frühes Gemälde und mehrere Arbeiten auf Papier aus
unterschiedlichen Werkphasen.


Bruce Nauman

Der 1941 in Fort Wayne im US-Bundesstaat Indiana geborene Bruce Nauman ist einer der
vielseitigsten Künstler der vergangenen fünfzig Jahre und gehört zu jenen, die sich nur
schwer in künstlerische Kategorien einordnen lassen. Nach einem Grundstudium, das auch
Naturwissenschaften einschloss, machte Nauman seinen Abschluss in bildender Kunst.
Technisch beherrscht er die Malerei und das Zeichnen ebenso wie die Bildhauerei und
neuere Medien. Häufig setzt er auf offensichtliche Provokation, spielt aber auch mit stilleren
konzeptualistischen Anspielungen oder interdisziplinären Bezügen, wie literarischen oder
musikalischen Assoziationen.

Zentrales Thema der Arbeiten von Bruce Nauman in der Sammlung Brandhorst ist die
zwischenmenschliche Begegnung in ihrer psychologischen und physiologischen Dynamik.
Der Künstler erkundet auf Papier (Big welcome, 1985, All thumbs, 1996), in Gips (All thumbs
1996), Wachs (Two heads on base #1, 1989) sowie in einer Videoinszenierung (Violent incident
1986), welche Funktion dem Körper und einzelnen Körperteilen wie Händen oder Köpfen
verliehen wird, welche Rolle Gewalt oder Sexualität spielen. In der Neon-Plastik Mean clown
welcome (1985), einem Hauptwerk, treibt Nauman solche Themen bis zum Äußersten.


Sigmar Polke

Der 1941 in Oels/Niederschlesien geborene deutsche Künstler Sigmar Polke studierte
Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Zusammen mit seinen Kollegen Gerhard Richter
und Konrad Fischer-Lueg erfand er in den 1960er Jahren den Kapitalistischen Realismus,
eine europäische Reaktion auf die amerikanische Pop Art. Polkes selbständiges Werk ist
geprägt von experimentellen Maltechniken und einem breiten Spektrum künstlerischer
Medien. Inhaltlich geht es Polke stets um subversive Formen des Humors, die oft gesell-
schaftskritisch sind, aber auch von Selbstironie zeugen. Vielfach international ausgezeichnet
lebt und arbeitet Sigmar Polke heute in Köln.
Die Bandbreite künstlerischer Medien und Techniken, die Polkes Werk kennzeichnet, lässt
sich anhand der etwa 15 Werke in der Sammlung Brandhorst nachvollziehen. Angefangen bei
dem kleinen intimen Format des Ölbildes Goethes Werke von 1963, über das monumentale
und kämpferische Liberté, egalité, fraternité (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) (1988) bis
zum teils gedruckten, teils gemalten Meisterwerk mittleren Formats, Die drei Lügen der
Malerei (1994), umspannt die Sammlung Brandhorst Polkes gesamtes Schaffen.


Gerhard Richter

Gerhard Richter, 1932 in Dresden geboren, gilt heute als einer der bedeutendsten deutschen
Maler von internationalem Ansehen. Richter studierte zwischen 1951 und 1956 an der Kunst-
akademie in Düsseldorf und entwickelte dort zusammen mit Sigmar Polke den Kapitalis-
tischen Realismus, um der damals dominierenden Pop Art und der Fluxus-Bewegung
kritisch etwas entgegenzusetzen. Richters Anliegen war und blieb über Jahrzehnte hinweg,
mit der Malerei über Persönliches hinauszugelangen. Häufig verwendete er Fotografien als
Vorlagen für seine Bilder und setzte verfremdend eine malerische Unschärfe ein. Beide
Stilmittel machten Richter schließlich international bekannt.

Von Gerhard Richter befinden sich einige Zeichnungen, kleinformatige Farbarbeiten aus den
1980er Jahren und das bedeutende Gemälde Familie nach Altem Meister von 1965 in der
Sammlung Brandhorst. Letzteres ist ein frühes Beispiel für Richters Maltechnik der
Unschärfe und ein Meisterwerk der Porträtkunst des 20. Jahrhunderts.


Cy Twombly

Der in der Sammlung Brandhorst wohl bedeutendste Künstler ist der 1928 in
Lexington/Virginia geborene Amerikaner Cy Twombly. Nach dem Kunststudium an ver-
schiedenen Hochschulen besuchte er kurz das Black Mountain College, um danach eine
Europa- und Nordafrikareise mit Robert Rauschenberg anzutreten. Seither beschäftigt sich
Twombly mit dem Mittelmeerraum, der zu einer seiner wichtigsten Inspirationen geworden
ist. Twomblys Kunst hat wie keine andere eine sensible und lyrische Verbindung von Bild und
Text erreicht. Neben Robert Rauschenberg und Jasper Johns ist Twombly der bedeutendste
Vertreter der Generation, die den Abstrakten Expressionismus ablöste. Wie seinen beiden
Kollegen gelang es ihm, eine neue Ära nicht nur der amerikanischen Kunst einzuleiten und
eine ganz eigene, höchst einflussreiche Bildsprache zu entwickeln.

Twomblys monumentalem Werk Lepanto (2001), bestehend aus zwölf Bildern, ist dauerhaft
ein zentraler Saal des Museums vorbehalten, der nach Wünschen des Künstlers gestaltet
wurde. Mit mehr als 60 Werken – Gemälden, Skulpturen und Zeichnungen – aus
unterschiedlichen Schaffensperioden bietet die Sammlung Brandhorst einen Überblick über
die künstlerische Entwicklung dieses ungewöhnlichen Künstlers und ist somit die
bedeutendste außerhalb der USA, vergleichbar nur der »Cy Twombly Gallery« der Menil
Collection in Houston/Texas. Jüngster Zuwachs ist eine Werkgruppe um das Motiv Rose von
2008, dem im Obergeschoss ein eigener Saal eingerichtet wurde.
Andy Warhol

1928 in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania als Sohn slowakischer Immigranten
geboren, absolvierte Warhol ein Kunst- und Designstudium in seiner Heimatstadt. Nachdem
er 1949 nach New York übersiedelte und sich schnell im Einzelhandel und bei Mode-
magazinen einen Namen als Produkt- und Werbedesigner gemacht hatte, erlebte er Anfang
der 1960er Jahre erste Erfolge als bildender Künstler. Den Durchbruch erzielte er mit
Werken, die von der Alltagswelt inspiriert waren. Heute gilt Warhol als einer der
Protagonisten der Pop Art. Von Anfang an inszenierte sich der Künstler als glamourösen
Sonderling, was ihm eine große Anhängerschaft verschaffte, die er wiederum in seine
Werkproduktion einband. 1987 starb Warhol in New York unerwartet nach einer Operation.

Mit weit über hundert Werken ist die Sammlung Brandhorst eine der größten Warhol-
Sammlungen in Europa. Besonders bemerkenswert ist, dass alle Schaffensperioden, auch
die sehr frühen, mit qualitätvollen Beispielen repräsentiert sind. So bewahrt das Museum
frühe Zeichnungen im von Warhol erfundenen blotted-line-Stil, handgemalte Dollarschein-
Gemälde aus den 1950er Jahren sowie die berühmten Siebdrucke mit Starporträts oder
Blumenmuster. Darüber hinaus enthält die Sammlung Brandhorst Werkgruppen aus den
1970er und 80er Jahren, in denen Warhol zum einen die Glamourkultur, zum anderen
metaphysische Themen beschäftigten. Im Museum findet sich eine große Konzentration von
Warhol-Werken im Untergeschoss, doch werden auch in anderen Sälen spannende neue
Konfrontationen mit Werken anderer Künstler gesucht. Dank der Stiftung Brandhorst ist es
dem Museum Brandhorst möglich, auch weiterhin Ankäufe für diesen einzigartigen Warhol-
Bestand zu tätigen.


Franz West

Zu den bedeutendsten lebenden Künstlern Österreichs zählt der 1947 in Wien geborene
Franz West. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er an der Akademie der bildenden
Künste Wien. In Wests meist dreidimensionalen Arbeiten verbinden sich Anklänge aus
Wiener Aktionismus und Pop Art, aus am menschlichen Körper entwickelten Formen mit
philosophischen Inhalten. In Wests Kunst spielt die Interaktion eine große Rolle, sowohl
zwischen ihm und anderen Künstlern als auch zwischen seinen Werken und dem Betrachter.
Folgerichtig sind seine Arbeiten oft raumgreifend.

Der Künstler war zweimal auf der documenta vertreten (1992 und 1997). Im Jahr 1990 nahm
er an der 44. Biennale in Venedig teil. West lebt und arbeitet in Wien. 2007 konnte die für die
Biennale in Venedig angefertigte siebenteilige Arbeit Das Fragile an seiner Kloake (2007) für
die Sammlung Brandhorst erworben werden. Sie bildet das Herzstück des Werkkomplexes
von Franz West und wird in einem der schönsten Säle des neuen Museums gezeigt. Mit der
Arbeit bezieht sich der Künstler auf eine These des französischen Philosophen Jacques
Lacan, nach der keine Hochkultur ohne die Lösung des Abwasser-problems zustande
kommen konnte.
Christopher Wool

Neben Mike Kelley und Robert Gober ist Christopher Wool einer der bedeutendsten Post-Pop
Art-Künstler der New Yorker Kunstszene. 1955 in Chicago geboren ging er in den 1980er
Jahren nach New York. Bereits Ende der 1980er Jahre wurden internationale
Ausstellungsmacher und Galerien auf seine Gemälde aufmerksam, in denen er schwarze,
scheinbar gedruckte Worte, oft Zitate oder Zitatfragmente, auf weißgrundierte Alumi-
niumtafeln malte oder druckte. Als er sein Motivspektrum und seine Maltechnik um Über-
malungen erweiterte, wirkte dieser Rückgriff auf die Alltagskultur poetischer und nachdenk-
licher als jene der Pop Art-Künstler. Wool lebt und arbeitet in New York.

Die Werke der Sammlung Brandhorst geben einen repräsentativen Einblick in das Schaffen
Wools seit den frühen 1990er Jahren. Neben den Zitatbildern erfasst sie Beispiele für
Übermalungen und den späteren Graffiti-Zeichenstil, neben Arbeiten auf Aluminium solche
auf Papier, intime Formate ebenso wie ausgedehnte. Wie in der Erstpräsentation des
Museums Brandhorst zu sehen ist, können Wools Werke durchaus jenen von Warhol oder
Chamberlain auf Augenhöhe begegnen.

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  • 1. Die Künstler der Sammlung Brandhorst Positionen des 20. Jahrhunderts und der Gegenwartskunst Joseph Beuys Joseph Beuys (1921-1986) gilt als einer der bedeutendsten deutschen Künstler der Nachkriegszeit und genießt internationales Renommee. Sein Werk strebt nach einer »Erweiterung des Kunstbegriffs«, ein Postulat, unter dem er eine Loslösung von traditionell geprägten formal-ästhetischen Gesichtspunkten hin zu einer anthropologischen Kunst versteht. Damit verbindet sich auch das Konzept der »sozialen Plastik«, eine Vorstellung, der zufolge jeder Mensch als ein Künstler durch bewusstes und gezieltes Handeln einen individuellen Beitrag leisten kann, gesellschaftliche Strukturen und damit die Welt zu verändern. Seine vielschichtig angelegten Arbeiten sind konzeptionelle Visualisierungen komplexer Gedankenstrukturen und stellen nicht selten Vorarbeiten und Relikte performativer Aktionen dar. Beuys´ Kunstverständnis ist geprägt von einer tief empfundenen Naturverbundenheit, die sich unter anderem in der Einbeziehung erhabener, ursprünglicher Mythen zeigt. Weiterhin sind sie eine Reflektion über physikalische Prozesse und den Eigenschaften der von ihm verwendeten Materialien. Dumme Kiste, eine Arbeit aus der Sammlung Brandhorst, zeigt einen aus vier Kupferplatten zusammengesetzten nach oben hin offenen Kasten. An den Schnittstellen der scharfen Kanten hat Beuys aus Filz ausgeschnittene Platten eingefügt. Dadurch entsteht ein Kontrast zwischen dem kalten Metall und seiner kristallinen Struktur, das physikalisch betrachtet die potentielle Fähigkeit eines elektrischen Leiters aufweist und dem weichen und warmen Material Filz mit seiner isolierenden Eigenschaft. Ihr Zusammenspiel kreiert einen architektonischen Raum, der sich modellhaft als ein von physikalischen Gegebenheiten bestimmter Lebensraum begreifen lässt. Die auf den ersten Blick wenig beachtenswert anmutende Dumme Kiste offenbart sich bei eingehender Betrachtung als ein intellektuelles Modell gefühlt physikalischer Realitäten. James Lee Byars Man hat ihn den »Magier der Stille« genannt. James Lee Byars, 1932 in Detroit geboren, studierte Kunst, Psychologie und Philosophie. Vor allem die Auseinandersetzung mit der fernöstlichen Kultur Japans, wo Byars mehrere Jahre lebte, hat seine Geisteshaltung ent- scheidend geprägt. Seit den siebziger Jahren ist der Minimalist, Konzept- und Performance- künstler mit Objekten, Skulpturen, Rauminstallationen und Aktionen international präsent und mehrfach auf der »documenta« vertreten. Byars` Werk kreist um die existentiellen Themen von Leben und Tod. Seine Intention ist der Ausdruck von erhabener Vollkommenheit, ein Zustand, der sich in der momenthaften Begegnung zwischen dem Flüchtigen und dem Ewigen einstellt. 1994 schenkte der Künstler seine Performance The Perfect Smile, eine Darbietung, bestehend aus einer winzigen Mundbewegung, die zu einem Lächeln wird, dem
  • 2. Museum Ludwig in Köln. Die immaterielle und flüchtige Vorführung wird allein durch den Akt der auf Dauer ausgerichteten Schenkung durch ihre potentielle Wiederholbarkeit zu einem museal »konservierten« Kunstwerk. In I am Imaginary, einer nach oben hin abgerundeten Marmorplatte, die den Titel des Werkes in einer kaum sichtbaren goldenen Inschrift aufweist, wird das dauerhafte und hochwertige Material zu einem monumentalen Epitaph und damit zu einem langfristigen Stellvertreter der eigenen ephemeren Existenz. Auch die vollkommene Form der Kugel in The Lucky Stone visualisiert anschaulich die Umsetzung des Absoluten und Perfekten, das der 1997 verstorbene Künstler in dem auf Fortbestand ausgerichteten Material des Steins auf ewig festzuhalten suchte. Chamberlain John Chamberlain 1927 in Rochester im US-Bundesstaat Indiana geboren, erhielt der Bildhauer John Chamberlain seine Kunstausbildung zunächst in Chicago, um dann ein Jahr am Black Mountain College zu verbringen, wo er mit einigen der wichtigsten Künstler und Literaten seiner Zeit Bekanntschaft machte. Als er 1957 nach New York zog, entwickelte er die für sein Werk typische Ästhetik mit verbeulten, verschiedenfarbigen Autoteilen, durch die er zu einem Protagonisten der Junk Art wurde. Nachdem er in den späten 1960er Jahren mit Film experimentiert und in den 1970er Jahren auch druckgraphische Prozesse für sich entdeckt hatte, erweiterte er seit den 1980er Jahren die Bandbreite seiner skulpturalen Werkstoffe. Er lebt und arbeitet in New York. In der Sammlung Brandhorst sind verschiedene Aspekte aus Chamberlains Schaffen vertreten, neben frühen monochromen, lackierten und unlackierten Autostahl-Plastiken auch kleinformatige bunte Wandreliefs sowie zwei Blätter aus der Serie Gondola (1982). Mit Lord Suckfist (1989) bewahrt das Museum Brandhorst eines der Hauptwerke John Chamberlains. Die allansichtige Plastik vereint Karosserieteile verschiedener Autos und verknautscht diese scheinbar leicht und doch kunstvoll zu einem ästhetisch ansprechenden und abwechslungsreichen Gebilde. Dass dieses Objekt keiner Zufälligkeit und keinem »Unfall« zu verdanken ist und dass somit Chamberlains Skulpturen stets oberflächliche und unterschwellige Bezüge in sich vereinen, belegt auch der Titel, der auf eine lächerliche Figur in dem Renaissance-Romanzyklus »Pantagruel« von François Rabelais anspielt. Eric Fischl Der 1948 in New York geborene amerikanische Maler und Grafiker Eric Fischl zog nach dem Kunststudium in Kalifornien und einem Lehrauftrag in Nova Scotia 1978 nach New York, wo er seither lebt. In den 1980er Jahren entwickelte er die Bildsprache, die ihm zu internationalem Erfolg verhalf. Seine in flächigem Realismus ausgeführten Figuren aus bürgerlichem Milieu befinden sich häufig in zweideutigen Situationen mit oft sexuellen oder gewalttätigen Untertönen. Fischl fordert damit dem Betrachter ein genaues Hinsehen ab, verweigert aber eine Erklärung im Bild. Dieses enigmatische Verfahren hat Vorläufer bei
  • 3. Eduard Manet und Edward Hopper, verrät aber zugleich auch enge Parallelen zur zeitgenössischen Fotografie, mit deren Paradigmen sich Fischls Werk immer wieder auseinanderzusetzen scheint. Die Sammlung Brandhorst umfasst derzeit fünf bedeutende Gemälde Fischls, die einen Einblick in sein Schaffen seit den frühen 1980er Jahren bis heute geben. Vier von Ihnen hängen in der Erstpräsentation in einem einzigen Raum und erzeugen eine spannungsvolle und mysteriöse Atmosphäre. Dabei sticht Daddy's girl von 1984 als frühes Meisterwerk hervor, in dem der Maler das Bild einer glücklichen Familie durch Doppeldeutigkeiten in Frage stellt. Die Viehversteigerung (Cattle auction, 1990) zeigt scheinbar eine folkloristische Tanzszene, die suggestiv das Nebeneinander von Vergnügen und Gewalt inszeniert. Mit der Badeszene Japanese bath (1988) greift Fischl auf Bilderfindungen von Impressionisten wie Edgar Degas zurück, Living room, scene 3 (spinning) von 2002 hingegen evoziert Bilder von einsamer Zweisamkeit Edward Hoppers. Katharina Fritsch Die Bildhauerin Katharina Fritsch wurde 1956 in Essen geboren. Ab Mitte der 1980er Jahre erlangte sie mit lebensgroßen plastischen Arbeiten, wie etwa der maßstabsgetreuen Umsetzung eines Elefanten, internationale Aufmerksamkeit. 1995 bespielte sie den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig. In der Sammlung Brandhorst ist sie mit mehreren Arbeiten vertreten. Dabei handelt es sich vornehmlich um Multiples, die inhaltlich den alltäglichen Warencharakter einer Konsum- gesellschaft thematisieren. Die Arrangements, zusammengesetzt aus massenhaft produ- zierten, völlig identischen Objekten, negieren den individuellen Charakter des einzelnen Gegenstandes. Besonders deutlich zeigt sich dieser Umstand in der Arbeit Warengestell mit Madonnen von 1987-89. Knapp 300 Marienfigürchen werden in neun ringförmigen Etagen zu einem mannshohen turmartigen Gebilde zusammengesetzt. Bei ihnen handelt es sich um eine in beliebiger Stückzahl nachproduzierbare Devotionalie der wundertätigen Madonna aus dem französischen Wallfahrtsort Lourdes, ein begehrtes und zugleich beliebiges Objekt. Einheitlich in signalfarbenes Gelb gefasst, ziehen die Figuren den Blick des Betrachters unweigerlich auf sich, treten dabei aber gleichzeitig in ihrer Monochromie und seriellen Gleichförmigkeit in den Hintergrund zugunsten einer übergeordneten Struktur. Fritschs Arbeiten lassen an Warhols Bildbegriff denken, der hier im dreidimensionalen Raum umgesetzt wird. Robert Gober Der 1954 geborene amerikanische Objektkünstler Robert Gober lebt und arbeitet in New York. Nach dem Kunststudium in Vermont und Rom konzentrierte sich sein Schaffen auf plastische Arbeiten. Formal an die Pop Art-Skulptur anknüpfend erweiterte Gober deren gesellschaftspolitische Anliegen, ähnlich wie Eric Fischl in der Malerei, um unheimliche, unerklärliche und subtil-bedrohliche Facetten. Seine in den frühen 1990er Jahren einsetzende internationale Karriere gipfelte bald in der Teilnahme an der documenta in Kassel (1992) und in einem Beitrag für die Biennale in Venedig (2001). Das Werk Gobers
  • 4. umkreist die Gegenstände des amerikanischen Alltags. Um sie wieder in das Bewusstsein des Betrachters zu rücken, entfremdet er sie durch Vergrößerung, offensichtlichen Entzug ihrer Funktionen oder Ironisierung. All diese Mechanismen lassen sich an den Werken der Sammlung Brandhorst studieren. Dabei wird ein zentrales Motiv von Gobers Schaffen, der Abfluss (engl. drain) gleich in mehreren Werken aufgegriffen: Der Künstler verwendet ihn mal als Metapher für den gesellschaftlichen Überfluss, mal als Sinnbild für die moderne Informationsflut oder den Gefühlsüberschwang. Im Museum Brandhorst werden in einem Raum die Hauptwerke aus der Sammlung zusammengebracht und mit Positionen anderer Künstler, etwa Damien Hirst, konfrontiert. Damien Hirst Kaum ein anderer Gegenwartskünstler genießt soviel internationale Aufmerksamkeit und finanziellen Erfolg wie der 1965 in Bristol geborene Damien Hirst. Er zählt zur Gruppe der Young British Artists, die die Produktionsformen von Kunst ebenso gründlich beherrschen wie sie sich ihrer Vertriebsformen auf selbstverständliche Weise bedienen. Mit in Formaldehyd konservierten Tierleibern, provokativ eingerichteten Käfigen, Kabinen und Schaukästen zog Hirst schnell Kritik und Anerkennung an. Seine Werke zielen in oft ironischer Weise darauf ab, den Betrachter mit existentiellen Themen wie Tod und Vergänglichkeit, Sexualität und Liebe zu konfrontieren und regen zur Reflektion an. Hirst arbeitet und lebt in London. Mit den Objekten E.M.I. (1989), Looking forward to a complete suppression of pain (1994), Waste (Twice) (1994), Hymn (2000) und In this terrible moment we are victims clinging helplessly to an environment that refuses to acknowledge the soul (2002) befinden sich vor allem Werke Hirsts in der Sammlung Brandhorst, die sich mit den Möglichkeiten und Grenzen der modernen Medizin auseinandersetzen. Bis auf die monumentale Bronzeplastik Hymn sind alle diese Werke jetzt im Museum Brandhorst zu sehen. Alex Katz Äußerst geordnet wirken die Werke des 1927 in New York geborenen Malers Alex Katz. Seine Studienjahre fielen in die Hochphase des Abstrakten Expressionismus, doch ist er bis heute der figurativen Malerei treu geblieben. Er gilt als einer der Wegbereiter der Pop Art. Katz ist modern und altmodisch, radikal und gediegen, stets kontrolliert und von kühler Distanziertheit, die jede Sentimentalität, die seinen Themen durchaus immanent ist, in ihre Schranken verweist. Er variiert immer wieder Themen aus seinem unmittelbaren Umfeld: Figuren, Porträts (insbesondere das seiner Frau Ada), minimalistisch reduzierte Landschafts- und Architekturausschnitte – die mit extremer Ökonomie in die Bildfläche eingeschrieben werden. Vor monochromen Hintergründen erscheinen die Motive wie eingefroren in einer Bewegung, einer Geste, einem flüchtigen Lichteinfall. Japanischen Holzschnitten vergleichbar entstehen stilisierte Realitätsfragmente, die zugleich auch die Schönheit eines zugespitzten, im besten Sinne »impressionistischen« Augenblicks erfassen.
  • 5. In der Sammlung Brandhorst befinden sich Gemälde und ein Cutout aus der Zeit von 1959 bis 1997. Es dominieren Porträts, aber einige lyrische Landschaften sind auch vertreten. In einem eigens diesem Künstler vorbehaltenen Saal im Museum Brandhorst lässt sich daher leicht ein Einblick in das Schaffen dieses einflussreichen amerikanischen Malers erlangen. Mike Kelley Der 1954 in Detroit geborene Mike Kelley gehört der gleichen Künstlergeneration wie Robert Gober und Christopher Wool an, doch unterscheidet sich sein Werk durch die größere Experimentierfreude mit unterschiedlichen künstlerischen Medien. Nach dem Kunststudium in Michigan und Kalifornien beteiligte sich Kelley zunächst an Gruppenarbeiten oft performancehafter Natur. Ende der 1980er Jahre begann er, Stofftiere für seine Arbeiten zu benutzen, die sich für seinen gesellschaftskritischen und oft konzeptualistischen Ansatz gut eigneten und schnell internationalen Erfolg brachten. Der Künstler lebt und arbeitet in Los Angeles. Die wichtigsten Werkphasen Kelleys sind in der Sammlung Brandhorst mit eindrucksvollen Werken vertreten: die an Comics anknüpfenden frühen Blätter, in denen er amerikanische Mythen kritisch beleuchtet; Installationen mit Stofftieren, welche aus den so vertrauten Kuscheltieren ein unheimliches Element hervorkitzeln. In jüngeren multimedialen Rauminstallationen ruft die Oberflächenästhetik einer unterschwelligen Bedrohung eine befremdliche Stimmung hervor. Mit dem Werk Kandor 15 und der dazu gehörigen Arbeit Lenticular 15 beruft sich Mike Kelley auf den Superman-Mythos und überträgt Motive aus der Comic-Welt in eine neue, raumfüllende Kunstinstallation. Jannis Kounellis Der gebürtige Grieche Jannis Kounellis ging 1956 als Zwanzigjähriger zum Kunststudium nach Rom, wo er bis heute lebt. Bereits 1967 nahm Kounellis an der Ausstellung »Arte Povera e Spazio IM« in Genua teil, die ihn als bedeutenden Vertreter der Arte Povera etablierte. Kounellis erweitert in seinem Werk das Spektrum künstlerischer Mittel um vermeintlich banale oder krude Alltagsgegenstände. Auch ephemere Phänomene wie Rauch oder lebende Tiere sind ihm in seiner Arbeit nicht fremd. Von den Beschränkungen der flachen Leinwand löste sich Kounellis immer wieder, geht es ihm doch oft darum, die Produktions- wie Präsentationsbedingungen von Kunst zu befragen. Seit 1993 lehrt er an der Kunstakademie Düsseldorf. Obwohl die Mehrzahl der über zwanzig Werke in der Sammlung Brandhorst zweidimensional ist, bezieht die Auswahl auch Kounellis’ plastisches Schaffen mit ein. Neben frühen fragil- lyrischen Arbeiten auf Papier finden sich Leinwandgemälde der für den Künstler wichtigen 1960er Jahre, figurative Aquarelle aus den 1970er Jahren und eine Collage auf Stahl aus den 1980ern. Mit dem Objekt Ohne Titel (1980), setzt Kounellis einen ausgestopften, farb- besprenkelten Papagei auf den Rand eines Farbtopfes und platziert das Gefäß auf zwei Gesamtausgaben der Lyrik Arthur Rimbauds. Die Sammlung Brandhorst besitzt mit dieser Arbeit ein in seiner vielschichtigen und humorvoll-subversiven Verweiskraft charakteris- tisches wie besonders zugängliches Meisterwerk.
  • 6. Mario Merz Der 1925 in Mailand geborene Autodidakt Mario Merz gilt als einer der Hauptvertreter der Arte Povera, einer von Italien ausgehenden Kunstrichtung, die auf Konzeptkunst, Land Art, Informel und die Art Brut Bezug nahm. Bis zu seinem Tod 2003 lebte und arbeitete er in Turin. Sein Markenzeichen wurde das Iglu, das ein existentielles Menschheitsthema aufgreift und dessen Grundform Merz mit ganz unterschiedlichen Materialien variierte. Ein anderes Interesse galt der Verwendung von Neonlicht, das er oft als zivilisatorischen Antipoden mit Fundstücken aus der Natur in Kontrast setzte. Mit dem Iglu Mai alzato pietra su pietra (Nie Stein auf Stein gehoben) (1968) und den Objekten Ohne Titel (1969), Pittore in Africa (1982) sowie Numeri in colonna (1986) verfügt die Sammlung Brandhorst über einen ebenso repräsentativen wie qualitätvollen Querschnitt durch das Schaffen von Mario Merz. Erweitert wird dieser Einblick in das Werk des italienischen Künstlers durch ein frühes Gemälde und mehrere Arbeiten auf Papier aus unterschiedlichen Werkphasen. Bruce Nauman Der 1941 in Fort Wayne im US-Bundesstaat Indiana geborene Bruce Nauman ist einer der vielseitigsten Künstler der vergangenen fünfzig Jahre und gehört zu jenen, die sich nur schwer in künstlerische Kategorien einordnen lassen. Nach einem Grundstudium, das auch Naturwissenschaften einschloss, machte Nauman seinen Abschluss in bildender Kunst. Technisch beherrscht er die Malerei und das Zeichnen ebenso wie die Bildhauerei und neuere Medien. Häufig setzt er auf offensichtliche Provokation, spielt aber auch mit stilleren konzeptualistischen Anspielungen oder interdisziplinären Bezügen, wie literarischen oder musikalischen Assoziationen. Zentrales Thema der Arbeiten von Bruce Nauman in der Sammlung Brandhorst ist die zwischenmenschliche Begegnung in ihrer psychologischen und physiologischen Dynamik. Der Künstler erkundet auf Papier (Big welcome, 1985, All thumbs, 1996), in Gips (All thumbs 1996), Wachs (Two heads on base #1, 1989) sowie in einer Videoinszenierung (Violent incident 1986), welche Funktion dem Körper und einzelnen Körperteilen wie Händen oder Köpfen verliehen wird, welche Rolle Gewalt oder Sexualität spielen. In der Neon-Plastik Mean clown welcome (1985), einem Hauptwerk, treibt Nauman solche Themen bis zum Äußersten. Sigmar Polke Der 1941 in Oels/Niederschlesien geborene deutsche Künstler Sigmar Polke studierte Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Zusammen mit seinen Kollegen Gerhard Richter und Konrad Fischer-Lueg erfand er in den 1960er Jahren den Kapitalistischen Realismus, eine europäische Reaktion auf die amerikanische Pop Art. Polkes selbständiges Werk ist geprägt von experimentellen Maltechniken und einem breiten Spektrum künstlerischer Medien. Inhaltlich geht es Polke stets um subversive Formen des Humors, die oft gesell- schaftskritisch sind, aber auch von Selbstironie zeugen. Vielfach international ausgezeichnet lebt und arbeitet Sigmar Polke heute in Köln.
  • 7. Die Bandbreite künstlerischer Medien und Techniken, die Polkes Werk kennzeichnet, lässt sich anhand der etwa 15 Werke in der Sammlung Brandhorst nachvollziehen. Angefangen bei dem kleinen intimen Format des Ölbildes Goethes Werke von 1963, über das monumentale und kämpferische Liberté, egalité, fraternité (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) (1988) bis zum teils gedruckten, teils gemalten Meisterwerk mittleren Formats, Die drei Lügen der Malerei (1994), umspannt die Sammlung Brandhorst Polkes gesamtes Schaffen. Gerhard Richter Gerhard Richter, 1932 in Dresden geboren, gilt heute als einer der bedeutendsten deutschen Maler von internationalem Ansehen. Richter studierte zwischen 1951 und 1956 an der Kunst- akademie in Düsseldorf und entwickelte dort zusammen mit Sigmar Polke den Kapitalis- tischen Realismus, um der damals dominierenden Pop Art und der Fluxus-Bewegung kritisch etwas entgegenzusetzen. Richters Anliegen war und blieb über Jahrzehnte hinweg, mit der Malerei über Persönliches hinauszugelangen. Häufig verwendete er Fotografien als Vorlagen für seine Bilder und setzte verfremdend eine malerische Unschärfe ein. Beide Stilmittel machten Richter schließlich international bekannt. Von Gerhard Richter befinden sich einige Zeichnungen, kleinformatige Farbarbeiten aus den 1980er Jahren und das bedeutende Gemälde Familie nach Altem Meister von 1965 in der Sammlung Brandhorst. Letzteres ist ein frühes Beispiel für Richters Maltechnik der Unschärfe und ein Meisterwerk der Porträtkunst des 20. Jahrhunderts. Cy Twombly Der in der Sammlung Brandhorst wohl bedeutendste Künstler ist der 1928 in Lexington/Virginia geborene Amerikaner Cy Twombly. Nach dem Kunststudium an ver- schiedenen Hochschulen besuchte er kurz das Black Mountain College, um danach eine Europa- und Nordafrikareise mit Robert Rauschenberg anzutreten. Seither beschäftigt sich Twombly mit dem Mittelmeerraum, der zu einer seiner wichtigsten Inspirationen geworden ist. Twomblys Kunst hat wie keine andere eine sensible und lyrische Verbindung von Bild und Text erreicht. Neben Robert Rauschenberg und Jasper Johns ist Twombly der bedeutendste Vertreter der Generation, die den Abstrakten Expressionismus ablöste. Wie seinen beiden Kollegen gelang es ihm, eine neue Ära nicht nur der amerikanischen Kunst einzuleiten und eine ganz eigene, höchst einflussreiche Bildsprache zu entwickeln. Twomblys monumentalem Werk Lepanto (2001), bestehend aus zwölf Bildern, ist dauerhaft ein zentraler Saal des Museums vorbehalten, der nach Wünschen des Künstlers gestaltet wurde. Mit mehr als 60 Werken – Gemälden, Skulpturen und Zeichnungen – aus unterschiedlichen Schaffensperioden bietet die Sammlung Brandhorst einen Überblick über die künstlerische Entwicklung dieses ungewöhnlichen Künstlers und ist somit die bedeutendste außerhalb der USA, vergleichbar nur der »Cy Twombly Gallery« der Menil Collection in Houston/Texas. Jüngster Zuwachs ist eine Werkgruppe um das Motiv Rose von 2008, dem im Obergeschoss ein eigener Saal eingerichtet wurde.
  • 8. Andy Warhol 1928 in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania als Sohn slowakischer Immigranten geboren, absolvierte Warhol ein Kunst- und Designstudium in seiner Heimatstadt. Nachdem er 1949 nach New York übersiedelte und sich schnell im Einzelhandel und bei Mode- magazinen einen Namen als Produkt- und Werbedesigner gemacht hatte, erlebte er Anfang der 1960er Jahre erste Erfolge als bildender Künstler. Den Durchbruch erzielte er mit Werken, die von der Alltagswelt inspiriert waren. Heute gilt Warhol als einer der Protagonisten der Pop Art. Von Anfang an inszenierte sich der Künstler als glamourösen Sonderling, was ihm eine große Anhängerschaft verschaffte, die er wiederum in seine Werkproduktion einband. 1987 starb Warhol in New York unerwartet nach einer Operation. Mit weit über hundert Werken ist die Sammlung Brandhorst eine der größten Warhol- Sammlungen in Europa. Besonders bemerkenswert ist, dass alle Schaffensperioden, auch die sehr frühen, mit qualitätvollen Beispielen repräsentiert sind. So bewahrt das Museum frühe Zeichnungen im von Warhol erfundenen blotted-line-Stil, handgemalte Dollarschein- Gemälde aus den 1950er Jahren sowie die berühmten Siebdrucke mit Starporträts oder Blumenmuster. Darüber hinaus enthält die Sammlung Brandhorst Werkgruppen aus den 1970er und 80er Jahren, in denen Warhol zum einen die Glamourkultur, zum anderen metaphysische Themen beschäftigten. Im Museum findet sich eine große Konzentration von Warhol-Werken im Untergeschoss, doch werden auch in anderen Sälen spannende neue Konfrontationen mit Werken anderer Künstler gesucht. Dank der Stiftung Brandhorst ist es dem Museum Brandhorst möglich, auch weiterhin Ankäufe für diesen einzigartigen Warhol- Bestand zu tätigen. Franz West Zu den bedeutendsten lebenden Künstlern Österreichs zählt der 1947 in Wien geborene Franz West. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er an der Akademie der bildenden Künste Wien. In Wests meist dreidimensionalen Arbeiten verbinden sich Anklänge aus Wiener Aktionismus und Pop Art, aus am menschlichen Körper entwickelten Formen mit philosophischen Inhalten. In Wests Kunst spielt die Interaktion eine große Rolle, sowohl zwischen ihm und anderen Künstlern als auch zwischen seinen Werken und dem Betrachter. Folgerichtig sind seine Arbeiten oft raumgreifend. Der Künstler war zweimal auf der documenta vertreten (1992 und 1997). Im Jahr 1990 nahm er an der 44. Biennale in Venedig teil. West lebt und arbeitet in Wien. 2007 konnte die für die Biennale in Venedig angefertigte siebenteilige Arbeit Das Fragile an seiner Kloake (2007) für die Sammlung Brandhorst erworben werden. Sie bildet das Herzstück des Werkkomplexes von Franz West und wird in einem der schönsten Säle des neuen Museums gezeigt. Mit der Arbeit bezieht sich der Künstler auf eine These des französischen Philosophen Jacques Lacan, nach der keine Hochkultur ohne die Lösung des Abwasser-problems zustande kommen konnte.
  • 9. Christopher Wool Neben Mike Kelley und Robert Gober ist Christopher Wool einer der bedeutendsten Post-Pop Art-Künstler der New Yorker Kunstszene. 1955 in Chicago geboren ging er in den 1980er Jahren nach New York. Bereits Ende der 1980er Jahre wurden internationale Ausstellungsmacher und Galerien auf seine Gemälde aufmerksam, in denen er schwarze, scheinbar gedruckte Worte, oft Zitate oder Zitatfragmente, auf weißgrundierte Alumi- niumtafeln malte oder druckte. Als er sein Motivspektrum und seine Maltechnik um Über- malungen erweiterte, wirkte dieser Rückgriff auf die Alltagskultur poetischer und nachdenk- licher als jene der Pop Art-Künstler. Wool lebt und arbeitet in New York. Die Werke der Sammlung Brandhorst geben einen repräsentativen Einblick in das Schaffen Wools seit den frühen 1990er Jahren. Neben den Zitatbildern erfasst sie Beispiele für Übermalungen und den späteren Graffiti-Zeichenstil, neben Arbeiten auf Aluminium solche auf Papier, intime Formate ebenso wie ausgedehnte. Wie in der Erstpräsentation des Museums Brandhorst zu sehen ist, können Wools Werke durchaus jenen von Warhol oder Chamberlain auf Augenhöhe begegnen.