SlideShare ist ein Scribd-Unternehmen logo
1 von 31
Downloaden Sie, um offline zu lesen
Tuberkulose
Epidemiologie, Diagnostik und
Therapie
Dr. med. R. Bätge (Dr. med. M. Weber)
Epidemiologie
Globale Situation
1/3 der Weltbevölkerung, d.h.
1,7 Milliarden Menschen infiziert
davon 95 % in den
Entwicklungsländern (WHO 1992)
Inzidenz: Ca. 9 Millionen Neuerkrankungen /Jahr
Tendenz steigend (WHO 2000)
Mortalität: Ca.3 Millionen Menschen /Jahr
sterben
Infiziert
Nicht
Infiziert
0
10
20
30
40
50
60
70
80
2000 2005 2010 2020
Jahr
MillionenMenschen
Sterberate/Jahr
Epidemiologie
Globale Situation
Inzidenz pro 100 000 Bevölkerung im Jahr 2002
Epidemiologie
Europa
Inzidenz pro 100 000 Bevölkerung im Jahr 2002
Epidemiologie
Europa
TB Inzidenz in Europa, 1996-2002
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002
TB Fälle / 100,000
Osteuropa
Mitteleuropa
EU & Westeuropa
Epidemiologie
Deutschland
Erkrankungsrate ab 2009
stagnierend bei ca. 4000/ Jahr
Risikogruppen: Sozial schwache
Bevölkerungsanteile und
Randgruppen
HIV: Meist jüngere Menschen mit
geringer Tuberkulose-Prävalenz
TNF-alpha Inhibitoren:
rheumatologische Erkrankungen
⇒Kein Einfluß auf Tuberkulose
Inzidenz
Inzidenz: 5 Ausland : 1Deutsch
0
2000
4000
6000
8000
10000
12000
14000
1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 XX 2009 2010
Jahr
TB-Fälle gesamt
Epidemiologie
Deutschland – Problem Resistente TB
Zunahme resistenter
Tuberkulosen in den letzten
Jahren INH
RMP PZA
EMB
SM
INH + RMP
jegl. Resistenz
0
4
8
12
Anteil resistenter Tuberkulosen in %, Jahr 2003
Epidemiologie
Deutschland – Problem Resistente TB
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
Estland
Kasachstan
Lettland
Litauen
Norwegen
Belgien
Deutschland
Anteil multiresistente Tb in %, 2002 Anteil multiresistente Tb in % in Deutschland nach
Geburtsland, 2002
0
1
2
3
4
5
6
Deutschland
Zentral-undOsteuropa
andereLänder
Tuberkulose
Infektionsweg
Übertragung durch Aerosolpartikel (Keimlast 1-
10, Größe < 5 µm)
Deposition im Alveolarraum
Phagozytose durch nicht aktivierte
Alveolarmakrophagen
Keimvermehrung intrazellulär
Übertragung durch nicht pasteurisierte Milch
infizierter Rinder in Mitteleuropa heute ohne
Bedeutung
Mycobacterium tuberculosis -
Primär-Tuberkulose
Symptome unspezifisch!
Allgemeinbefinden ↓↓
Gewicht ↓↓
Fieber über mehrere Wochen
dumpfe lokalisierte
Thoraxschmerzen
pleuritische Schmerzen
Husten
Kinder
50% asymptomatisch
Subklinisch hämatogene Streuung
Lungenspitzen, Knochen, Hirn,
Nieren
Mycobacterium tuberculosis -
Klinische Stadien
Tb-Exposition
Infektion
25%
Spontan-
Heilung?
Superinfektion
Reinfektion?
keine Infektion
75%
Reaktivierte Tb
erneute
Tb-Exposition
latente Infektion
Progr.- Primär TbPrimär-Tb
5%
5%
95%
Mycobacterium tuberculosis -
Progrediente Primär-Tb
Lunge:
z. B.
endobronchiale
Aussaat
Pleura
Erguß bei ca 20-
30%
bronchogene
Aussaat
Mycobacterium tuberculosis -
Reakivierte Tb (Post-Primär-Tb)
Jedes Organ kann
betroffen sein
Bevorzugte Regionen:
Lunge (Simon‘sche
Spitzenherde)
Knochen
Hirn
Nieren
Mycobacterium tuberculosis -
Miliar-Tb
Ca. 1-3% der Tuberkulosen
Unkontrollierte, hämatogene
Dissemination
Voraussetzung
geschwächtes oder nicht voll
entwickeltes zelluläres
Immunsystem (früher: Kinder <
3a, alte Menschen; aktuell
zusätzlich: AIDS, …)
Mortalität 10 -20% (AIDS 40-50%)
Tuberkulose
Diagnostik
Tuberkulintest
derzeit einziger Nachweis einer Infektion
ohne Erkrankung (Latente Infektion)
Probleme: Kreuzreaktion, falsch negative
Befunde
Röntgen
Erkennung (Kontaktpersonen,…),
Verlaufsbeurteilung
Tuberkulose
Diagnostik - IGRA
Interferon-Gamma-Tests (Interferon Gamma Release Assay = IGRA)
Seit 2005 verfügbar
Patientenblut + Tb-Antigene
Interferon Gamma Freisetzung, falls T- Lymphoz. (Gedächtniszellen) früher Kontakt hatten
Sensitivität wie THT
Spezifität besser
(BCG-Impfung ohne Interaktion)
Kinder < 5 Jahre
Nicht empfohlen
Tuberkulose
Diagnostik
Bakteriologie
Mikroskopischer Nachweis (Ziehl-Neelsen,
Fluoreszenzmikroskopie)
10 000 – 15 000 Keime /ml Material notwendig
Kultur (Fest-, Flüssigkultur)
100 Keime /ml Material notwendig
Ergebnis: Flüssig nach ca. 2 Wochen, Fest nach
ca. 4 Wochen
Nukleinsäureamplifikationstechniken
(PCR)
Indikationsuntersuchung (begündeter Verdacht,
Sputum mikroskopisch negativ, rasche
Notwendigkeit Therapieeinleitung [Meningitis,
HIV,…]
Mindestens 2 unabhängige Proben untersuchen
Kein Therapiekontroll-Instrument
Tuberkulose
Infektiösität
Kinder < 10 Jahre
generell nicht infektiös
Erwachsene
offene Lungentuberkulose
mikroskopisch
kulturell
andere Organe nicht infektös
Therapieeffekt
3 Wochen nach Therapiebeginn
Ansteckungsgefahr ↓↓↓
Mikroskopisch offene TB: 3 mikroskopisch
negative Sputa abwarten
infektiös!
Tuberkulose
Therapie - Historischer Rückblick
Streptomycin Monotherapie (Br Med J, 1948)
Isoniacid Monotherapie (Lancet 1953)
Streptomycin, Para-Aminosalizylsäure, Isoniazid
über 18-24 Monate (Br Med J, 1958)
Tuberkulose
Therapie - Natürliche Resistenz
Resistenz
gegen:
Streptomycin (SM),
Isoniazid (INH), Ethambutol
(EMB) in
1 von 105 - 106 Keimen
Rifampicin (RMP) in
1 von 107 Keimen
Populationsdichte von
Tb-Keimen:
ca. 105 Keime in
verkäsenden Granulomen,
Makrophagen
ca. 107 - 109 Keime in
Kavernen
Tuberkulose
Zielstellung moderne Therapie
kurzdauernde Therapie mit gut verträglichen Medikamenten
→ Optimierung der Patienten-Compliance
Kombinationstherapie und rasche Reduktion der Keimzahl
→ Vermeidung der Entstehung und Selektion von Resistenzen
Effektive Sterilisation mit Abtötung auch der metabolisch gering
aktiven Keime (Persister)
→ Vermeidung eines Rezidivs
Tuberkulose
Therapie – Initialphase
4 verschiedene Medikamente über 2 Monate
Standardmedikamente
INH Isoniazid 5 mg/kgKG (HD 300 mg)
RMP Rifampicin 10 mg/kgKG (HD 600 mg)
PZA Pyrazinamid 25 mg/kgKG (HD 2500 mg)
EMB Ethambutol 25 mg/kgKG (HD 2000 mg)
(SM) Streptomycin 15 mg/kgKG (HD 1000 mg)
Tuberkulose
Therapie – Kontinuitätsphase
2 Medikamente über 4 Monate
INH 5 mg/kgKG (HD 300 mg)
RMP 10 mg/kgKG (HD 600 mg)
Intermittierende Therapie (2x/3x Woche):
INH 15 mg/kgKG (HD 900 mg)
RMP 10 mg/kgKG (HD 600 mg)
Therapie 6 Monate, Heilungsrate > 95%
Tuberkulose
Resistenz
Monoresistenz
Resistenz gegen ein Standardmedikament
Polyresistenz
Resistenz gegen mindestens 2
Standardmedikamente aber nicht INH und RMP
zusammen
Multiresistenz
Resistenz mindestens gegen INH und RMP
Tuberkulose
Resistenz - XDR
Extensive Resistenz (XDR-Tb) – 2006 erstmals
Resistenz gegen INH und RMP
Resistenz gegen Fluorochinolone
Resistenz gegen mindestens ein injizierbares
Zweitlinienmittel
(Amikacin, Capreomycin, Kanamycin)
Ca. 5-10% der Patienten mit Multiresistenz
MDR-Tb weltweit 5,4% (650.000 Patienten)
Deutschland 2004-2006: 7 Fälle
Tuberkulose
Resistenz - Therapie
Monoresistenz
Initialphase: Immer 2 Monate mit den 4 verbleibenden
Standardmedikamenten
Kontinuität: Für INH oder RMP→EMB
Therapiedauer Kontinuität:
INH oder RMP fehlt → 10 Monate
PZA fehlt → 7 Monate
EMB oder SM fehlt → 4 Monate
Multi- / Polyresistenz
Mindestens 5 verschiedene effektive Medikamente über
mindestens 2 Jahre
Heilungsrate ca. 50%
Tuberkulose
Therapieüberwachung
Tägliche Selbstmedikation,
monatlicher Arztbesuch
Ambulante Überwachung der täglichen oder intermittierenden
Medikamenteneinnahme (DOT = directly observed treatment)
Freiwillige Therapie im Krankenhaus
Zwangseinweisung nach §30, Absatz 2,
Infektionsschutzgesetz in abgeschlossenes Krankenhaus
Peru: Tuberkulose-Inzidenz Verlauf unter
DOTS-Strategie
Tuberkulose
Arbeitsfähigkeit
Guter Allgemeinzustand
Keine wesentlichen funktionellen Einbußen
Gute Therapieverträglichkeit
⇒nach Sistieren der Infektiosität
Cave
Isoniazid und auch Ethambutol können
Reaktionsvermögen beeinträchtigen
Berufe mit möglicher Eigen- oder Fremdgefährdung
26 Jahre, Asylant, Afghanistan
19 Jahre, Asylant, Afghanistan
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Weitere ähnliche Inhalte

Was ist angesagt?

Was ist angesagt? (9)

Tuberkulose. Tuberkulose Teil 2. Tuberkulose und Therapie. Diagnostik und The...
Tuberkulose. Tuberkulose Teil 2. Tuberkulose und Therapie. Diagnostik und The...Tuberkulose. Tuberkulose Teil 2. Tuberkulose und Therapie. Diagnostik und The...
Tuberkulose. Tuberkulose Teil 2. Tuberkulose und Therapie. Diagnostik und The...
 
GIST-Chirurgie: Chirurgie Behandlungsmöglichkeiten an der Leber
GIST-Chirurgie: Chirurgie Behandlungsmöglichkeiten an der LeberGIST-Chirurgie: Chirurgie Behandlungsmöglichkeiten an der Leber
GIST-Chirurgie: Chirurgie Behandlungsmöglichkeiten an der Leber
 
13.05 Reiseerkrankungen und Tropenmedizin.Schutzmaß- nahmen und Prophylaxe di...
13.05 Reiseerkrankungen und Tropenmedizin.Schutzmaß- nahmen und Prophylaxe di...13.05 Reiseerkrankungen und Tropenmedizin.Schutzmaß- nahmen und Prophylaxe di...
13.05 Reiseerkrankungen und Tropenmedizin.Schutzmaß- nahmen und Prophylaxe di...
 
13.04 Reisemedizin und bakterielle Infektionen. Protozoeninfekte.
13.04 Reisemedizin und bakterielle Infektionen. Protozoeninfekte.13.04 Reisemedizin und bakterielle Infektionen. Protozoeninfekte.
13.04 Reisemedizin und bakterielle Infektionen. Protozoeninfekte.
 
Interdisziplinäre Diskussion von Fällen, GIST Tumorboard
Interdisziplinäre Diskussion von Fällen, GIST TumorboardInterdisziplinäre Diskussion von Fällen, GIST Tumorboard
Interdisziplinäre Diskussion von Fällen, GIST Tumorboard
 
15.114 Entzündliche Darmerkrankungen allgemein.Chronisch entzündliche Darm- e...
15.114 Entzündliche Darmerkrankungen allgemein.Chronisch entzündliche Darm- e...15.114 Entzündliche Darmerkrankungen allgemein.Chronisch entzündliche Darm- e...
15.114 Entzündliche Darmerkrankungen allgemein.Chronisch entzündliche Darm- e...
 
13.03 Tropenkrankheiten. Häufige Tropen - krankheitserreger. Reisemedizin.
13.03 Tropenkrankheiten. Häufige Tropen - krankheitserreger. Reisemedizin.13.03 Tropenkrankheiten. Häufige Tropen - krankheitserreger. Reisemedizin.
13.03 Tropenkrankheiten. Häufige Tropen - krankheitserreger. Reisemedizin.
 
Carolin meets Hanna - Expression VI
Carolin meets Hanna -  Expression VICarolin meets Hanna -  Expression VI
Carolin meets Hanna - Expression VI
 
Tuberkulose, Teil 3. Tuberkulose und Erkrankungsverlauf. Tuberkulose.
Tuberkulose, Teil 3. Tuberkulose und Erkrankungsverlauf. Tuberkulose. Tuberkulose, Teil 3. Tuberkulose und Erkrankungsverlauf. Tuberkulose.
Tuberkulose, Teil 3. Tuberkulose und Erkrankungsverlauf. Tuberkulose.
 

Andere mochten auch

Neue diagnosen in der kinderklinik skript
Neue diagnosen in der kinderklinik skriptNeue diagnosen in der kinderklinik skript
Neue diagnosen in der kinderklinik skript
Klinikum Lippe GmbH
 
Pq hiv.de-lemmen+gekeler-dah-mitgliederversammlung-erfurt2008
Pq hiv.de-lemmen+gekeler-dah-mitgliederversammlung-erfurt2008Pq hiv.de-lemmen+gekeler-dah-mitgliederversammlung-erfurt2008
Pq hiv.de-lemmen+gekeler-dah-mitgliederversammlung-erfurt2008
Deutsche AIDS-Hilfe e.V.
 
Vakbélgyulladás, appendicitis
Vakbélgyulladás, appendicitis Vakbélgyulladás, appendicitis
Vakbélgyulladás, appendicitis
dubeczattila
 
Htap thrombo embolique chronique docteur norah ghanem
Htap thrombo embolique chronique docteur norah ghanemHtap thrombo embolique chronique docteur norah ghanem
Htap thrombo embolique chronique docteur norah ghanem
Nora Ghanem
 
Management of Atrial Fibrillation Science:Myths & Fashion
Management of Atrial Fibrillation Science:Myths & FashionManagement of Atrial Fibrillation Science:Myths & Fashion
Management of Atrial Fibrillation Science:Myths & Fashion
theheartofthematter
 
Impact du diabète sur la vie des patients IRT
Impact du diabète sur la vie des patients IRTImpact du diabète sur la vie des patients IRT
Impact du diabète sur la vie des patients IRT
Egn Njeba
 
Lemmen pq-partizipative qualitaetsentwicklung- was heisst das. münchen2010
Lemmen pq-partizipative qualitaetsentwicklung- was heisst das. münchen2010Lemmen pq-partizipative qualitaetsentwicklung- was heisst das. münchen2010
Lemmen pq-partizipative qualitaetsentwicklung- was heisst das. münchen2010
Deutsche AIDS-Hilfe
 
Lemmen+gekeler evaluation und qualitätssicherung-erfurt2008
Lemmen+gekeler evaluation und qualitätssicherung-erfurt2008Lemmen+gekeler evaluation und qualitätssicherung-erfurt2008
Lemmen+gekeler evaluation und qualitätssicherung-erfurt2008
Deutsche AIDS-Hilfe
 
Pq hiv.de-lemmen+gekeler-dah-mitgliederversammlung-erfurt2008.ppt
Pq hiv.de-lemmen+gekeler-dah-mitgliederversammlung-erfurt2008.pptPq hiv.de-lemmen+gekeler-dah-mitgliederversammlung-erfurt2008.ppt
Pq hiv.de-lemmen+gekeler-dah-mitgliederversammlung-erfurt2008.ppt
Deutsche AIDS-Hilfe
 
Manual instruções floppy_be_cool
Manual instruções floppy_be_coolManual instruções floppy_be_cool
Manual instruções floppy_be_cool
Viver Qualidade
 

Andere mochten auch (20)

Neue diagnosen in der kinderklinik skript
Neue diagnosen in der kinderklinik skriptNeue diagnosen in der kinderklinik skript
Neue diagnosen in der kinderklinik skript
 
Pq hiv.de-lemmen+gekeler-dah-mitgliederversammlung-erfurt2008
Pq hiv.de-lemmen+gekeler-dah-mitgliederversammlung-erfurt2008Pq hiv.de-lemmen+gekeler-dah-mitgliederversammlung-erfurt2008
Pq hiv.de-lemmen+gekeler-dah-mitgliederversammlung-erfurt2008
 
Die Welt ist klein!
Die Welt ist klein!Die Welt ist klein!
Die Welt ist klein!
 
Vakbélgyulladás, appendicitis
Vakbélgyulladás, appendicitis Vakbélgyulladás, appendicitis
Vakbélgyulladás, appendicitis
 
Adipositas
AdipositasAdipositas
Adipositas
 
Htap thrombo embolique chronique docteur norah ghanem
Htap thrombo embolique chronique docteur norah ghanemHtap thrombo embolique chronique docteur norah ghanem
Htap thrombo embolique chronique docteur norah ghanem
 
Management of Atrial Fibrillation Science:Myths & Fashion
Management of Atrial Fibrillation Science:Myths & FashionManagement of Atrial Fibrillation Science:Myths & Fashion
Management of Atrial Fibrillation Science:Myths & Fashion
 
Apnée libre 2016
Apnée libre 2016Apnée libre 2016
Apnée libre 2016
 
Hypersomnolence, hypersomnie et trouble psychiatrique
Hypersomnolence, hypersomnie et trouble psychiatriqueHypersomnolence, hypersomnie et trouble psychiatrique
Hypersomnolence, hypersomnie et trouble psychiatrique
 
Impact du diabète sur la vie des patients IRT
Impact du diabète sur la vie des patients IRTImpact du diabète sur la vie des patients IRT
Impact du diabète sur la vie des patients IRT
 
Présentation midi santé sommeil
Présentation midi santé sommeilPrésentation midi santé sommeil
Présentation midi santé sommeil
 
la transplantation rénale chez le patient diabétique
la transplantation rénale chez le patient diabétique  la transplantation rénale chez le patient diabétique
la transplantation rénale chez le patient diabétique
 
Unité thérapeutique de l’insuffisance cardiaque
Unité thérapeutique de l’insuffisance cardiaqueUnité thérapeutique de l’insuffisance cardiaque
Unité thérapeutique de l’insuffisance cardiaque
 
Venous Thromboembolism in Obstetrics
Venous Thromboembolism in ObstetricsVenous Thromboembolism in Obstetrics
Venous Thromboembolism in Obstetrics
 
Prevention of Venous Thrombo-Embolism
Prevention of Venous Thrombo-EmbolismPrevention of Venous Thrombo-Embolism
Prevention of Venous Thrombo-Embolism
 
Lemmen pq-partizipative qualitaetsentwicklung- was heisst das. münchen2010
Lemmen pq-partizipative qualitaetsentwicklung- was heisst das. münchen2010Lemmen pq-partizipative qualitaetsentwicklung- was heisst das. münchen2010
Lemmen pq-partizipative qualitaetsentwicklung- was heisst das. münchen2010
 
Lemmen+gekeler evaluation und qualitätssicherung-erfurt2008
Lemmen+gekeler evaluation und qualitätssicherung-erfurt2008Lemmen+gekeler evaluation und qualitätssicherung-erfurt2008
Lemmen+gekeler evaluation und qualitätssicherung-erfurt2008
 
Pq hiv.de-lemmen+gekeler-dah-mitgliederversammlung-erfurt2008.ppt
Pq hiv.de-lemmen+gekeler-dah-mitgliederversammlung-erfurt2008.pptPq hiv.de-lemmen+gekeler-dah-mitgliederversammlung-erfurt2008.ppt
Pq hiv.de-lemmen+gekeler-dah-mitgliederversammlung-erfurt2008.ppt
 
Ebola
EbolaEbola
Ebola
 
Manual instruções floppy_be_cool
Manual instruções floppy_be_coolManual instruções floppy_be_cool
Manual instruções floppy_be_cool
 

Ähnlich wie Detmold Flüchtlingssymposium 25.11.2015

29 02 virale infekte &amp; hiv.Virale Infekte und HIV.Herpesviren,EBV-Viren,...
29 02 virale infekte  &amp; hiv.Virale Infekte und HIV.Herpesviren,EBV-Viren,...29 02 virale infekte  &amp; hiv.Virale Infekte und HIV.Herpesviren,EBV-Viren,...
29 02 virale infekte &amp; hiv.Virale Infekte und HIV.Herpesviren,EBV-Viren,...
Wolfgang Geiler
 

Ähnlich wie Detmold Flüchtlingssymposium 25.11.2015 (20)

13.08 Tropeninfekte und Reisekrankheiten. Infektions- krankheiten und Reisei...
13.08 Tropeninfekte und Reisekrankheiten. Infektions- krankheiten und  Reisei...13.08 Tropeninfekte und Reisekrankheiten. Infektions- krankheiten und  Reisei...
13.08 Tropeninfekte und Reisekrankheiten. Infektions- krankheiten und Reisei...
 
Atemwegsinfekte in der Praxis
Atemwegsinfekte in der PraxisAtemwegsinfekte in der Praxis
Atemwegsinfekte in der Praxis
 
Antimykotika und Anaerobier.Allgemeines bei menschenpathogenen Pilzen.Risiken...
Antimykotika und Anaerobier.Allgemeines bei menschenpathogenen Pilzen.Risiken...Antimykotika und Anaerobier.Allgemeines bei menschenpathogenen Pilzen.Risiken...
Antimykotika und Anaerobier.Allgemeines bei menschenpathogenen Pilzen.Risiken...
 
Allgemeine Empfehlungen zu Impfungen.
Allgemeine Empfehlungen zu Impfungen.Allgemeine Empfehlungen zu Impfungen.
Allgemeine Empfehlungen zu Impfungen.
 
Dendriten onkositzung
Dendriten onkositzungDendriten onkositzung
Dendriten onkositzung
 
Pilzinfekte.Antimykotikatherapie.Pilzinfektionen allgemein.Pilzinfektionen au...
Pilzinfekte.Antimykotikatherapie.Pilzinfektionen allgemein.Pilzinfektionen au...Pilzinfekte.Antimykotikatherapie.Pilzinfektionen allgemein.Pilzinfektionen au...
Pilzinfekte.Antimykotikatherapie.Pilzinfektionen allgemein.Pilzinfektionen au...
 
Melprotect 090902
Melprotect 090902Melprotect 090902
Melprotect 090902
 
21a Dermatologie. Diagnose und Therapie der Syphilis
21a Dermatologie. Diagnose und Therapie der Syphilis21a Dermatologie. Diagnose und Therapie der Syphilis
21a Dermatologie. Diagnose und Therapie der Syphilis
 
Md medicus dr_günther
Md medicus dr_güntherMd medicus dr_günther
Md medicus dr_günther
 
AOK-Faktenbox: Kombinierte Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln
AOK-Faktenbox: Kombinierte Impfung gegen Masern, Mumps und RötelnAOK-Faktenbox: Kombinierte Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln
AOK-Faktenbox: Kombinierte Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln
 
Allergien.Allergien, Teil 13. Behandlung Allergien im Einzelnen. Alles rundu...
Allergien.Allergien, Teil 13.  Behandlung Allergien im Einzelnen. Alles rundu...Allergien.Allergien, Teil 13.  Behandlung Allergien im Einzelnen. Alles rundu...
Allergien.Allergien, Teil 13. Behandlung Allergien im Einzelnen. Alles rundu...
 
Titnus Lol
Titnus LolTitnus Lol
Titnus Lol
 
50.21b Dermatologie. Diagnostik und Therapie der Syphilis, Teil 2
50.21b Dermatologie. Diagnostik und Therapie der Syphilis, Teil 250.21b Dermatologie. Diagnostik und Therapie der Syphilis, Teil 2
50.21b Dermatologie. Diagnostik und Therapie der Syphilis, Teil 2
 
Therapie der Sarkome, Teil 3. Interdisziplinäre Behandlung von Patienten mit ...
Therapie der Sarkome, Teil 3. Interdisziplinäre Behandlung von Patienten mit ...Therapie der Sarkome, Teil 3. Interdisziplinäre Behandlung von Patienten mit ...
Therapie der Sarkome, Teil 3. Interdisziplinäre Behandlung von Patienten mit ...
 
Update 2014: Infektiologie - W.-V. Kern, Freiburg
Update 2014: Infektiologie - W.-V. Kern, FreiburgUpdate 2014: Infektiologie - W.-V. Kern, Freiburg
Update 2014: Infektiologie - W.-V. Kern, Freiburg
 
Tuberkulose,Teil 5. Prinzipien und praktisches Vorgehen bei der TBC. Die Diag...
Tuberkulose,Teil 5. Prinzipien und praktisches Vorgehen bei der TBC. Die Diag...Tuberkulose,Teil 5. Prinzipien und praktisches Vorgehen bei der TBC. Die Diag...
Tuberkulose,Teil 5. Prinzipien und praktisches Vorgehen bei der TBC. Die Diag...
 
29 02 virale infekte &amp; hiv.Virale Infekte und HIV.Herpesviren,EBV-Viren,...
29 02 virale infekte  &amp; hiv.Virale Infekte und HIV.Herpesviren,EBV-Viren,...29 02 virale infekte  &amp; hiv.Virale Infekte und HIV.Herpesviren,EBV-Viren,...
29 02 virale infekte &amp; hiv.Virale Infekte und HIV.Herpesviren,EBV-Viren,...
 
Detmold Flüchtlingsymposium 25.11.2015
Detmold Flüchtlingsymposium 25.11.2015Detmold Flüchtlingsymposium 25.11.2015
Detmold Flüchtlingsymposium 25.11.2015
 
15.311 Infekte.Darmerkrankungen. Path. Bakterien im Gastrointestinaltrakt.
15.311 Infekte.Darmerkrankungen. Path. Bakterien im Gastrointestinaltrakt.15.311 Infekte.Darmerkrankungen. Path. Bakterien im Gastrointestinaltrakt.
15.311 Infekte.Darmerkrankungen. Path. Bakterien im Gastrointestinaltrakt.
 
Impfungen aus Sicht der Wissenschaft
Impfungen aus Sicht der WissenschaftImpfungen aus Sicht der Wissenschaft
Impfungen aus Sicht der Wissenschaft
 

Mehr von Klinikum Lippe GmbH

2016 wahl-immunotherapy with imiquimod and interferon alfa for metastasized m...
2016 wahl-immunotherapy with imiquimod and interferon alfa for metastasized m...2016 wahl-immunotherapy with imiquimod and interferon alfa for metastasized m...
2016 wahl-immunotherapy with imiquimod and interferon alfa for metastasized m...
Klinikum Lippe GmbH
 

Mehr von Klinikum Lippe GmbH (20)

Kongressplakat pathologie lunge recurrent pleural effusions_prof. hansen
Kongressplakat pathologie lunge recurrent pleural effusions_prof. hansenKongressplakat pathologie lunge recurrent pleural effusions_prof. hansen
Kongressplakat pathologie lunge recurrent pleural effusions_prof. hansen
 
Gunnemann harnleiterstenose v2
Gunnemann harnleiterstenose v2Gunnemann harnleiterstenose v2
Gunnemann harnleiterstenose v2
 
Kongressplakat durasinusmalformation kinderklinik zurebiani
Kongressplakat durasinusmalformation kinderklinik zurebianiKongressplakat durasinusmalformation kinderklinik zurebiani
Kongressplakat durasinusmalformation kinderklinik zurebiani
 
Kongressplakat innere amputation dermatologie quellmalz_din a0
Kongressplakat innere amputation dermatologie quellmalz_din a0Kongressplakat innere amputation dermatologie quellmalz_din a0
Kongressplakat innere amputation dermatologie quellmalz_din a0
 
Kongressplakat pathologie dworak grading system prof. hansen_din a0
Kongressplakat pathologie dworak grading system prof. hansen_din a0Kongressplakat pathologie dworak grading system prof. hansen_din a0
Kongressplakat pathologie dworak grading system prof. hansen_din a0
 
2018 kleinfeld-speech-paper-1
2018 kleinfeld-speech-paper-12018 kleinfeld-speech-paper-1
2018 kleinfeld-speech-paper-1
 
2018 ghassemi-parotis-bjoms
2018 ghassemi-parotis-bjoms2018 ghassemi-parotis-bjoms
2018 ghassemi-parotis-bjoms
 
2018 ghaneh-compsarsion
2018 ghaneh-compsarsion2018 ghaneh-compsarsion
2018 ghaneh-compsarsion
 
2018 behrens-patient-spezcific
2018 behrens-patient-spezcific2018 behrens-patient-spezcific
2018 behrens-patient-spezcific
 
2017 modabber-medial-approach-dcia-cad-cam
2017 modabber-medial-approach-dcia-cad-cam2017 modabber-medial-approach-dcia-cad-cam
2017 modabber-medial-approach-dcia-cad-cam
 
2017 modabber-ear-aps
2017 modabber-ear-aps2017 modabber-ear-aps
2017 modabber-ear-aps
 
2017 jamilian-family history-cleft
2017 jamilian-family history-cleft2017 jamilian-family history-cleft
2017 jamilian-family history-cleft
 
2016 wahl-immunotherapy with imiquimod and interferon alfa for metastasized m...
2016 wahl-immunotherapy with imiquimod and interferon alfa for metastasized m...2016 wahl-immunotherapy with imiquimod and interferon alfa for metastasized m...
2016 wahl-immunotherapy with imiquimod and interferon alfa for metastasized m...
 
2016 movahedian- acellular-dermal-graft
2016 movahedian- acellular-dermal-graft2016 movahedian- acellular-dermal-graft
2016 movahedian- acellular-dermal-graft
 
2016 ghassemi-nasal reconstr-threelayer
2016 ghassemi-nasal reconstr-threelayer  2016 ghassemi-nasal reconstr-threelayer
2016 ghassemi-nasal reconstr-threelayer
 
2016 heinz-two-step reconstruction of non-marginal auricular defects
2016 heinz-two-step reconstruction of non-marginal auricular defects2016 heinz-two-step reconstruction of non-marginal auricular defects
2016 heinz-two-step reconstruction of non-marginal auricular defects
 
2016 ghassemi-maxillary advancement versus man
2016 ghassemi-maxillary advancement versus man2016 ghassemi-maxillary advancement versus man
2016 ghassemi-maxillary advancement versus man
 
2016 ghassemi-clinically-usable-fib-ilium
2016 ghassemi-clinically-usable-fib-ilium2016 ghassemi-clinically-usable-fib-ilium
2016 ghassemi-clinically-usable-fib-ilium
 
2016 bartella-face-lift-gesichtsrekonstruktion-2
2016 bartella-face-lift-gesichtsrekonstruktion-22016 bartella-face-lift-gesichtsrekonstruktion-2
2016 bartella-face-lift-gesichtsrekonstruktion-2
 
2015 heinz-repairing a non-marginal full-thickness auricular defect using a r...
2015 heinz-repairing a non-marginal full-thickness auricular defect using a r...2015 heinz-repairing a non-marginal full-thickness auricular defect using a r...
2015 heinz-repairing a non-marginal full-thickness auricular defect using a r...
 

Detmold Flüchtlingssymposium 25.11.2015

  • 1. Tuberkulose Epidemiologie, Diagnostik und Therapie Dr. med. R. Bätge (Dr. med. M. Weber)
  • 2. Epidemiologie Globale Situation 1/3 der Weltbevölkerung, d.h. 1,7 Milliarden Menschen infiziert davon 95 % in den Entwicklungsländern (WHO 1992) Inzidenz: Ca. 9 Millionen Neuerkrankungen /Jahr Tendenz steigend (WHO 2000) Mortalität: Ca.3 Millionen Menschen /Jahr sterben Infiziert Nicht Infiziert 0 10 20 30 40 50 60 70 80 2000 2005 2010 2020 Jahr MillionenMenschen Sterberate/Jahr
  • 3. Epidemiologie Globale Situation Inzidenz pro 100 000 Bevölkerung im Jahr 2002
  • 4. Epidemiologie Europa Inzidenz pro 100 000 Bevölkerung im Jahr 2002
  • 5. Epidemiologie Europa TB Inzidenz in Europa, 1996-2002 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 TB Fälle / 100,000 Osteuropa Mitteleuropa EU & Westeuropa
  • 6. Epidemiologie Deutschland Erkrankungsrate ab 2009 stagnierend bei ca. 4000/ Jahr Risikogruppen: Sozial schwache Bevölkerungsanteile und Randgruppen HIV: Meist jüngere Menschen mit geringer Tuberkulose-Prävalenz TNF-alpha Inhibitoren: rheumatologische Erkrankungen ⇒Kein Einfluß auf Tuberkulose Inzidenz Inzidenz: 5 Ausland : 1Deutsch 0 2000 4000 6000 8000 10000 12000 14000 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 XX 2009 2010 Jahr TB-Fälle gesamt
  • 7. Epidemiologie Deutschland – Problem Resistente TB Zunahme resistenter Tuberkulosen in den letzten Jahren INH RMP PZA EMB SM INH + RMP jegl. Resistenz 0 4 8 12 Anteil resistenter Tuberkulosen in %, Jahr 2003
  • 8. Epidemiologie Deutschland – Problem Resistente TB 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 Estland Kasachstan Lettland Litauen Norwegen Belgien Deutschland Anteil multiresistente Tb in %, 2002 Anteil multiresistente Tb in % in Deutschland nach Geburtsland, 2002 0 1 2 3 4 5 6 Deutschland Zentral-undOsteuropa andereLänder
  • 9. Tuberkulose Infektionsweg Übertragung durch Aerosolpartikel (Keimlast 1- 10, Größe < 5 µm) Deposition im Alveolarraum Phagozytose durch nicht aktivierte Alveolarmakrophagen Keimvermehrung intrazellulär Übertragung durch nicht pasteurisierte Milch infizierter Rinder in Mitteleuropa heute ohne Bedeutung
  • 10. Mycobacterium tuberculosis - Primär-Tuberkulose Symptome unspezifisch! Allgemeinbefinden ↓↓ Gewicht ↓↓ Fieber über mehrere Wochen dumpfe lokalisierte Thoraxschmerzen pleuritische Schmerzen Husten Kinder 50% asymptomatisch Subklinisch hämatogene Streuung Lungenspitzen, Knochen, Hirn, Nieren
  • 11. Mycobacterium tuberculosis - Klinische Stadien Tb-Exposition Infektion 25% Spontan- Heilung? Superinfektion Reinfektion? keine Infektion 75% Reaktivierte Tb erneute Tb-Exposition latente Infektion Progr.- Primär TbPrimär-Tb 5% 5% 95%
  • 12. Mycobacterium tuberculosis - Progrediente Primär-Tb Lunge: z. B. endobronchiale Aussaat Pleura Erguß bei ca 20- 30% bronchogene Aussaat
  • 13. Mycobacterium tuberculosis - Reakivierte Tb (Post-Primär-Tb) Jedes Organ kann betroffen sein Bevorzugte Regionen: Lunge (Simon‘sche Spitzenherde) Knochen Hirn Nieren
  • 14. Mycobacterium tuberculosis - Miliar-Tb Ca. 1-3% der Tuberkulosen Unkontrollierte, hämatogene Dissemination Voraussetzung geschwächtes oder nicht voll entwickeltes zelluläres Immunsystem (früher: Kinder < 3a, alte Menschen; aktuell zusätzlich: AIDS, …) Mortalität 10 -20% (AIDS 40-50%)
  • 15. Tuberkulose Diagnostik Tuberkulintest derzeit einziger Nachweis einer Infektion ohne Erkrankung (Latente Infektion) Probleme: Kreuzreaktion, falsch negative Befunde Röntgen Erkennung (Kontaktpersonen,…), Verlaufsbeurteilung
  • 16. Tuberkulose Diagnostik - IGRA Interferon-Gamma-Tests (Interferon Gamma Release Assay = IGRA) Seit 2005 verfügbar Patientenblut + Tb-Antigene Interferon Gamma Freisetzung, falls T- Lymphoz. (Gedächtniszellen) früher Kontakt hatten Sensitivität wie THT Spezifität besser (BCG-Impfung ohne Interaktion) Kinder < 5 Jahre Nicht empfohlen
  • 17. Tuberkulose Diagnostik Bakteriologie Mikroskopischer Nachweis (Ziehl-Neelsen, Fluoreszenzmikroskopie) 10 000 – 15 000 Keime /ml Material notwendig Kultur (Fest-, Flüssigkultur) 100 Keime /ml Material notwendig Ergebnis: Flüssig nach ca. 2 Wochen, Fest nach ca. 4 Wochen Nukleinsäureamplifikationstechniken (PCR) Indikationsuntersuchung (begündeter Verdacht, Sputum mikroskopisch negativ, rasche Notwendigkeit Therapieeinleitung [Meningitis, HIV,…] Mindestens 2 unabhängige Proben untersuchen Kein Therapiekontroll-Instrument
  • 18. Tuberkulose Infektiösität Kinder < 10 Jahre generell nicht infektiös Erwachsene offene Lungentuberkulose mikroskopisch kulturell andere Organe nicht infektös Therapieeffekt 3 Wochen nach Therapiebeginn Ansteckungsgefahr ↓↓↓ Mikroskopisch offene TB: 3 mikroskopisch negative Sputa abwarten infektiös!
  • 19. Tuberkulose Therapie - Historischer Rückblick Streptomycin Monotherapie (Br Med J, 1948) Isoniacid Monotherapie (Lancet 1953) Streptomycin, Para-Aminosalizylsäure, Isoniazid über 18-24 Monate (Br Med J, 1958)
  • 20. Tuberkulose Therapie - Natürliche Resistenz Resistenz gegen: Streptomycin (SM), Isoniazid (INH), Ethambutol (EMB) in 1 von 105 - 106 Keimen Rifampicin (RMP) in 1 von 107 Keimen Populationsdichte von Tb-Keimen: ca. 105 Keime in verkäsenden Granulomen, Makrophagen ca. 107 - 109 Keime in Kavernen
  • 21. Tuberkulose Zielstellung moderne Therapie kurzdauernde Therapie mit gut verträglichen Medikamenten → Optimierung der Patienten-Compliance Kombinationstherapie und rasche Reduktion der Keimzahl → Vermeidung der Entstehung und Selektion von Resistenzen Effektive Sterilisation mit Abtötung auch der metabolisch gering aktiven Keime (Persister) → Vermeidung eines Rezidivs
  • 22. Tuberkulose Therapie – Initialphase 4 verschiedene Medikamente über 2 Monate Standardmedikamente INH Isoniazid 5 mg/kgKG (HD 300 mg) RMP Rifampicin 10 mg/kgKG (HD 600 mg) PZA Pyrazinamid 25 mg/kgKG (HD 2500 mg) EMB Ethambutol 25 mg/kgKG (HD 2000 mg) (SM) Streptomycin 15 mg/kgKG (HD 1000 mg)
  • 23. Tuberkulose Therapie – Kontinuitätsphase 2 Medikamente über 4 Monate INH 5 mg/kgKG (HD 300 mg) RMP 10 mg/kgKG (HD 600 mg) Intermittierende Therapie (2x/3x Woche): INH 15 mg/kgKG (HD 900 mg) RMP 10 mg/kgKG (HD 600 mg) Therapie 6 Monate, Heilungsrate > 95%
  • 24. Tuberkulose Resistenz Monoresistenz Resistenz gegen ein Standardmedikament Polyresistenz Resistenz gegen mindestens 2 Standardmedikamente aber nicht INH und RMP zusammen Multiresistenz Resistenz mindestens gegen INH und RMP
  • 25. Tuberkulose Resistenz - XDR Extensive Resistenz (XDR-Tb) – 2006 erstmals Resistenz gegen INH und RMP Resistenz gegen Fluorochinolone Resistenz gegen mindestens ein injizierbares Zweitlinienmittel (Amikacin, Capreomycin, Kanamycin) Ca. 5-10% der Patienten mit Multiresistenz MDR-Tb weltweit 5,4% (650.000 Patienten) Deutschland 2004-2006: 7 Fälle
  • 26. Tuberkulose Resistenz - Therapie Monoresistenz Initialphase: Immer 2 Monate mit den 4 verbleibenden Standardmedikamenten Kontinuität: Für INH oder RMP→EMB Therapiedauer Kontinuität: INH oder RMP fehlt → 10 Monate PZA fehlt → 7 Monate EMB oder SM fehlt → 4 Monate Multi- / Polyresistenz Mindestens 5 verschiedene effektive Medikamente über mindestens 2 Jahre Heilungsrate ca. 50%
  • 27. Tuberkulose Therapieüberwachung Tägliche Selbstmedikation, monatlicher Arztbesuch Ambulante Überwachung der täglichen oder intermittierenden Medikamenteneinnahme (DOT = directly observed treatment) Freiwillige Therapie im Krankenhaus Zwangseinweisung nach §30, Absatz 2, Infektionsschutzgesetz in abgeschlossenes Krankenhaus Peru: Tuberkulose-Inzidenz Verlauf unter DOTS-Strategie
  • 28. Tuberkulose Arbeitsfähigkeit Guter Allgemeinzustand Keine wesentlichen funktionellen Einbußen Gute Therapieverträglichkeit ⇒nach Sistieren der Infektiosität Cave Isoniazid und auch Ethambutol können Reaktionsvermögen beeinträchtigen Berufe mit möglicher Eigen- oder Fremdgefährdung
  • 29. 26 Jahre, Asylant, Afghanistan
  • 30. 19 Jahre, Asylant, Afghanistan
  • 31. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!