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Der Stuttgarter
Ein Miteinander von Jung und Alt
Generationen-
vertrag
1
die demografische Entwicklung in Deutschland bedeutet für
uns alle die Chance, immer älter zu werden und dabei län-
ger gesund und fit zu bleiben – dabei werden gleichzeitig
aber immer weniger Kinder geboren. Um die Rahmenbedin-
gungen für einen Kinderzuwachs zu verbessern, habe ich im
Jahr 2003 das Ziel formuliert, Stuttgart zur kinderfreundlichs-
ten Großstadt zu machen. In meiner Amtszeit konnte die
Stadt die finanziellen Aufwendungen für ihre rund 90.000
Kinder und Jugendlichen auf 590 Millionen Euro fast ver-
doppeln.
So wichtig aber die finanzielle Absicherung für Familien und
Kinder ist, kann sie doch nicht allein die optimalen Chancen
und Betreuung für unsere Kinder garantieren. Das früher
übliche Modell der Mehrgenerationenfamilie, in der auch
die Großeltern Kinder fördern konnten, ist längst dem ge-
sellschaftlichen Wandel zum Opfer gefallen.
Auf der anderen Seite steht für viele Ältere die Frage nach
der sinnbringenden Gestaltung des dritten, immer längeren
Lebensabschnitts nach dem Abschluss der Erwerbstätigkeit.
In dem Buch „Der Stuttgarter Generationenvertrag“, das
im Dezember 2007 erschienen ist, habe ich erstmals zwölf
Ziele formuliert. Sie bilden eine gemeinsame Grundlage
nicht nur für ein fruchtbares Miteinander von Jung und Alt
in unserer Stadt, sondern lassen darüber hinaus die vorder-
gründig so verschiedenen Generationen voneinander und
miteinander profitieren. Dabei verknüpfen sich die Sorge um
die junge Generation in – wie ich meine – geeigneter Weise
mit dem Anrecht der Älteren auf einen erfüllten und sinn-
vollen Lebensabend. Deshalb ist der Stuttgarter Generatio-
nenvertrag zugleich ein wichtiger Teil des Programms Kinder-
freundliches Stuttgart.
Die vorliegende Broschüre will zum Engagement ermutigen
und zeigt mit guten Beispielen, dass sich der Einsatz für an-
dere auch im eigenen Interesse lohnt. Wir alle werden im-
mer älter, fitter und gesünder: Machen wir etwas daraus –
für uns und unsere Stadt!
Dr. Wolfgang Schuster
Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart
2
Inhaltsverzeichnis
Vorwort Seite 1
Generationenvertrag statt Generationenkonflikt Seite 5
Vielfältige Herausforderungen in Zukunft Seite 6
Der Stuttgarter Generationenvertrag Seite 11
Ziel 1:
Stuttgart soll die kinderfreundlichste Stadt werden Seite 11
Ziel 2:
Ein selbstbestimmtes Leben in sicherem Umfeld garantieren Seite 13
Ziel 3:
Vielfältige Begegnungsangebote schaffen Seite 14
Ziel 4:
Netzwerke der Eigeninitiative und der Selbsthilfe fördern Seite 16
Ziel 5:
Vernetzung in den Stadtbezirken herstellen Seite 17
Ziel 6:
Bildungsangebote für lebenslanges Lernen fördern Seite 18
Ziel 7:
Jugendlichen eine faire Chance eröffnen Seite 19
3
Ziel 8:
Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch
eine familienfreundlichere Arbeitswelt erreichen Seite 20
Ziel 9:
Die Kompetenz und Lebenserfahrung älterer Menschen
insbesondere im Arbeitsleben nutzen Seite 22
Ziel 10:
Durch eine nachhaltige Stadtentwicklung unsere
natürlichen Lebensgrundlagen erhalten Seite 23
Ziel 11:
Für eine faire Ausgabenpolitik und einen konsequenten
Schuldenabbau arbeiten Seite 24
Ziel 12:
Die persönliche Bereicherung durch freiwilliges Engagement
deutlich machen Seite 26
Ansprechpartner und Literaturhinweise Seite 27
Albert Schweitzer: Du bist so jung wie deine Zuversicht Seite 28
4
Generationenvertrag statt
Generationenkonflikt
Die kollektiven Sicherungssysteme haben zwar unsere individuelle
Absicherung bei Krankheit und Alter über die Pflege durch die Fa-
milie ergänzt und partiell ersetzt. Doch gerade weil die Mehrge-
nerationenfamilie, deren Mitglieder sich gegenseitig fördern und
stützen können, eine Rarität geworden ist, bedarf es neuer sozia-
ler Modelle – jenseits der notwendigen materiellen Absicherung.
Diese finanzielle Absicherung der öffentlichen Sicherungssysteme
ist langfristig nicht gewährleistet. Die demografische Entwicklung
in Deutschland und den meisten europäischen Ländern bedeutet
schlicht, dass die Zahl der Erwerbstätigen tendenziell abnimmt
und die Zahl der Nichterwerbstätigen laufend zunimmt. Diese
Schere wird in den nächsten Jahrzehnten weiter aufgehen, so
dass die steigenden sozialen Ausgaben immer weniger durch die
gesetzlich vorgeschriebenen Beiträge der Kranken-, Pflege- und
Rentenversicherung getragen werden können. Damit steigt der
Anteil der Sozialausgaben, die aus den öffentlichen Haushalten
direkt zu finanzieren sind. Doch unsere öffentlichen Haushalte
sind seit Jahrzehnten defizitär.
Wie lebt es sich in einer Stadt, in der nur noch in wenigen
Haushalten Kinder und Jugendliche wohnen, Familien mit drei
Kindern zu einer kleinen Minderheit gehören und die Drei-Ge-
nerationen-Familie zu einer Rarität geworden ist? Der „demo-
grafische Baum“ ist nicht nur schief gewachsen; es besteht zu
Recht auch die Sorge, dass er durch einen Generationenkonflikt
vollends entwurzelt wird.
Deshalb brauchen wir einen Paradigmenwechsel in der Politik wie
in unserer Gesellschaft. Dabei ist es wichtig, neue Wege für das
Miteinander der Generationen zu entwickeln und diese auch kon-
sequent zu gehen. Es bedarf einer ganzheitlichen Konzeption, die
von den Lebenssituationen der Menschen, ob Jung oder Alt, aus-
geht – und damit im Gegensatz steht zur heute üblichen Zerglie-
derung aller Lebensbereiche. Bei diesem ganzheitlichen Ansatz ist
es wichtig, unterschiedliche bürgerschaftliche Gruppen zu beteili-
gen, damit sie ihre Ideen und Initiativen einbringen. So entstand
in einer Reihe von Diskussionen über eine langfristige Strategie
zur Gestaltung der demografischen Veränderungen der „Stuttgar-
ter Generationenvertrag“. Inzwischen haben Hunderte von Institu-
tionen, Organisationen, Vereinen und einzelnen Bürgern diesen
Generationenvertrag als „Selbstverpflichtung“ unterzeichnet. Kon-
zeption, Ziel und vor allem viele gute Beispiele finden sich in dem
Buch „Der Stuttgarter Generationenvertrag“. Darüber hinaus hat
der Gemeinderat einen Unterausschuss „Demografischer Wan-
del“ eingesetzt, um das Miteinander der Generationen mit vielen
konkreten Schritten zur Umsetzung der Ziele des Stuttgarter
Generationenvertrags zu begleiten.
Staatsrätin Prof. Dr. Claudia Hübner, der Vorsitzende des Sportkrei-
ses Werner Schüle, Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster,
Carola Haegele vom Generationenhaus Heslach und die
STARTklar-Mitarbeiterin Gisela Hurlebaus unterstützen den
Generationenvertrag.
5
Wir verstehen unsere Stadt als eine Kommune, als Gemein-
schaft von Älteren und Jüngeren, von Gesunden und Kranken,
von Menschen mit und ohne deutschen Pass. In unserer Stadt-
gemeinschaft erleben wir täglich vielfältige Veränderungen im
Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis, in unserem beruf-
lichen Umfeld und in unserem Alltagsleben. Diese Verände-
rungsdynamik ist im wesentlichen Folge von fünf großen Her-
ausforderungen:
½ dem demografischen Wandel,
½ dem wirtschaftlichen Wandel,
½ dem technologischen Wandel,
½ dem Klimawandel sowie
½ dem Wertewandel.
Der demografische Wandel
Die demografische Entwicklung bedeutet für uns alle
die Chance, immer älter zu werden und dabei immer
länger gesund und fit zu bleiben; zugleich gibt es
immer weniger Kinder.
In Deutschland und auch in Stuttgart werden immer weniger
Kinder geboren. So gibt es schon heute in über 80 Prozent
der Stuttgarter Haushalte keine Kinder und Jugendlichen
mehr. Deshalb muss unsere Stadtgesellschaft kinderfreund-
licher werden. Die Stadt hat dazu das Arbeitsprogramm „Kin-
derfreundliches Stuttgart“ mit fünf Aufgabenfeldern entwi-
ckelt. Dazu gehört, dass jedem Kind eine Förderung und
Bildung zuteil wird, die ihm faire Zukunftschancen eröffnet;
Kinder brauchen faire Zukunftschancen, um gut durchs Leben zu kommen.
Vielfältige Herausforderungen
in Zukunft
6
dass es für unsere Kinder Platz zum Wohnen und Freiräume
zum Spielen gibt; dass für die Gesundheit und die Sicherheit
unserer Kinder gesorgt ist; dass die Vereinbarkeit von Familie
und Beruf verbessert und durch einen neuen Generationen-
vertrag vor Ort das aktive Miteinander von Jung und Alt
gefördert wird.
Der demografische Wandel bringt vielfältige Veränderungen,
zum Beispiel bei der Nachfrage nach Produkten und privaten
Dienstleistungen. Durch die immer kleiner werdende Zahl der
aktiven Erwerbstätigen wird es immer schwieriger, die öffent-
lichen Leistungen sowie die Renten zu finanzieren und die me-
dizinische Versorgung und die Pflege sicherzustellen. Die jün-
gere Generation, die diese Aufgaben zu übernehmen hat, muss
zugleich ihre eigene Vorsorge für sich und ihre Kinder auf-
bauen. Deshalb wird es immer schwieriger, alle Verpflichtungen
des „alten Generationenvertrages“ zu erfüllen. Wir können die-
ses nationale Problem auf kommunaler Ebene kaum ausglei-
chen. Um zur Generationengerechtigkeit beizutragen, wollen
wir neue Wege des Miteinanders in Stuttgart gehen.
Der wirtschaftliche Wandel
Die Globalisierung verändert mehr und mehr unser
berufliches Leben und unseren Alltag.
Die Globalisierung schafft offene Grenzen für Waren, Dienstleis-
tungen, Finanzen und Informationen – und damit einen globalen
Wettbewerb. Dies betrifft uns als exportstärkste und damit
exportabhängigste Region in besonderer Weise. Als führende
Hightech-Region sind wir attraktiv für Menschen aus aller Welt.
Schon heute sind über 200.000 Stuttgarter im Ausland geboren,
die Hälfte unserer Kinder stammt aus Einwandererfamilien, bei
fast jeder zweiten Ehe ist wenigstens ein Partner ausländischer
Herkunft. In Stuttgart leben Menschen aus 170 Nationen, die
über 120 Sprachen sprechen.
Wir müssen uns auf diese wachsende Internationalität der Bevöl-
kerung einstellen. Mit dem Bündnis für Integration haben
wir Wege beschritten, um die zu uns Kommenden in unsere
Stadtgesellschaft zu integrieren und ihnen faire Chancen zu
eröffnen, Stuttgarterinnen und Stuttgarter zu werden.
7
Fast die Hälfte der Stuttgarter Kinder stammt aus Einwandererfamilien.
Eine gute Ausbildung fördert das Selbstvertrauen bei jungen Menschen.
8
Zugleich wollen wir im Wettbewerb um die besten Köpfe die
Talente unserer Jugendlichen bestmöglich fördern und attraktiv
für die Zuwanderung von Hochbegabten sein. Dazu bedarf es
weiterhin gemeinsamer öffentlicher und privater Anstrengungen,
die in der Stuttgarter Bildungspartnerschaft gebündelt und
fortentwickelt werden. Faire Bildungschancen und lebenslanges
Lernen für alle fördern ein friedliches, tolerantes und gegenseitig
bereicherndes Miteinander der Nationen und der Generationen.
Der technologische Wandel
Die technischen Entwicklungen verändern das beruf-
liche wie private Leben in unserem Kommunikations-
und Medienzeitalter.
Vor allem neue Medientechniken eröffnen für jeden eine un-
überschaubare Flut an Informationen, Unterhaltung, Spielen,
Filmen und vernetzten Kommunikationsmöglichkeiten. Dies
führt zu vielfältigen Verhaltensänderungen, vor allem bei Kin-
dern und Jugendlichen, aber auch zur Vereinsamung von vielen
älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern vor dem Fernseher.
Zugleich ersetzen computergesteuerte Maschinen persönliche
Dienstleistungen, was die Anonymität in unserem Alltagsleben
verstärkt.
Die technische Innovationsgeschwindigkeit führt allzu häufig
dazu, dass ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorzeitig aus
dem Erwerbsleben ausscheiden. Zugleich wird es für junge
Leute immer schwieriger, auf der Grundlage einer beruflichen
Qualifikation eine sichere berufliche Perspektive aufzubauen.
Um die technologisch getriebenen Veränderungsprozesse zu
verstehen, braucht es mehr denn je Bildungsangebote für lebens-
langes Lernen, beginnend im Kindergarten bis ins hohe Alter wie
sie in der Stuttgarter Bildungspartnerschaft gefördert wer-
den. Auch um die Anonymität zu überwinden, soll dieses Lernen
zugleich ein Lernen miteinander und voneinander sein.
Der Klimawandel
Der Klimawandel erfordert, verantwortungsvoller mit
unseren natürlichen Lebensgrundlagen umzugehen.
Das Klima verändert sich spürbar und viele wissenschaftliche
Untersuchungen belegen, dass der Mensch Mitverursacher
dieses Klimawandels ist. Wir sind als Bürgerinnen und Bürger,
als Stadtverwaltung und als Unternehmen gefordert, zum Kli-
maschutz, zu Energie- und Ressourceneinsparungen beizutra-
gen. Die Landeshauptstadt hat bereits 1997 ein Klimaschutz-
konzept Stuttgart (KLIKS) entwickelt, in dem die vielfältigen
Anstrengungen zum Schutze des Klimas, zur Einsparung von
Energie und zur Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen in
Stuttgart zusammengefasst und seither weiterentwickelt wurden.
Stuttgart steht als Gewinnerin der Globalisierung und führende
Hightech-Region in Europa in einer besonderen Verantwortung.
Deshalb müssen wir in den kommenden Jahren auf einer Viel-
zahl von Aufgabenfeldern mehr tun, um klimaschädliche Treib-
hausgase, vor allem das Kohlendioxid zu reduzieren und zu
einer nachhaltigen Stadtentwicklung beizutragen. Dazu gehört
die konsequente Umsetzung des Leitbildes: „urban – kompakt
– grün“, mit der planungsrechtlichen Absicherung von Grünbe-
ständen und klimatisch bedeutsamen Flächen, vor allem Frisch-
luftschneisen. Der sparsame Umgang mit Energie, ökologische
Bauweisen und umweltfreundliche Mobilität sind ebenso not-
wendig wie der Schutz unserer Gewässer, eine optimierte
Abwasserbehandlung und das Recycling von Abfällen. Nicht
zuletzt bedarf es einer breit angelegten Beratung und Öffent-
lichkeitsarbeit, beginnend bereits in den Schulen, um die Bürge-
rinnen und Bürger für eine nachhaltige Stadtentwicklung zu
gewinnen.
Der Wertewandel
Der Wertewandel in unserer Gesellschaft führt zu
einer immer größeren Vielfalt der Lebensformen.
Die Veränderung der Werte hin zu einer stärkeren Individuali-
sierung führt auch dazu, dass sich immer weniger Menschen
langfristig binden. Viele spinnen sich in ihre eigene Interessen-
sphäre ein. Mehr als die Hälfte der Haushalte in Stuttgart sind
„Single-Haushalte“. Vollständige Familien mit Kindern sind zu
einer kleinen Minderheit geworden. Die Drei-Generationen-Fa-
milie unter einem Dach ist eine Rarität.
Doch individuelle Freiheit und soziale Verantwortung gehören
zusammen. Zu dieser Verantwortung gehört auch eine nach-
haltige Politik, vor allem eine ökologische Stadtentwicklung,
durch die wir zum Klimaschutz, zum Energiesparen und zur
Ressourcenschonung beitragen. Dazu gehört aber auch eine
solide Finanzpolitik, die finanzielle Altlasten für die nächste
Generation vermeidet. Zugleich gilt es die Chancen, die sich
aus persönlichen Freiheiten ergeben, durch freiwilliges ehren-
amtliches Engagement gerade für ein aktives Miteinander von
Alt und Jung zu nutzen. Wir wollen die Herausforderungen, die
sich aus dem vielfältigen Veränderungsprozess ergeben, durch
ein aktives Miteinander von Alt und Jung gestalten. Gemein-
same Grundlage dafür ist der Stuttgarter Generationenvertrag
mit seinen zwölf Zielen, die im Folgenden erläutert werden.
Klima schützen, Ressourcen schonen,
Energie sparen.
Für unsere
Umwelt
9
11
Der Stuttgarter Generationenvertrag
1. Ziel
Stuttgart soll die kinderfreundlichste Stadt
werden:
Wir wollen den Bedürfnissen von
Kindern und Jugendlichen, von Familien
und Alleinerziehenden durch eine kinder-
freundliche Stadtgesellschaft besser
gerecht werden, indem wir die im Arbeits-
programm „Kinderfreundliches Stutt-
gart“ beschriebenen fünf Aufgabenfelder
konsequent umsetzen. Diese sind:
½ Faire Zukunftschancen durch Förderung und Bildung
für jedes Kind und jeden Jugendlichen sowie
½ Platz zum Wohnen und Freiräume zum Spielen im
Freien zu schaffen,
½ bestmöglichst für ihre Gesundheit und Sicherheit
zu sorgen,
½ die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Kinder und
Karriere zu gewährleisten und
½ ein aktives Miteinander von Jung und Alt verbindlich
zu fördern.
Von Anfang an lebte das Arbeitsprogramm „Kinderfreundliches
Stuttgart“ ganz wesentlich vom Engagement einer großen Zahl
von hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei der
Stadt wie bei den freien Trägern, den Kirchen, Vereinen und
Organisationen. Ebenso wichtig ist das ehrenamtliche Engage-
ment von Tausenden von Bürgerinnen und Bürgern, die unserer
Stadt ein kinderfreundliches Gesicht in einem familienfreund-
lichen Klima geben. Im Arbeitsprogramm befinden sich zahlrei-
che Beispiele dazu, hier zwei weitere Projekte.
Beispiele
Initiative Z – Familienpaten
Immer mehr Erwachsene mit Zeitressourcen und sozialer Kom-
petenz fördern vor allem jene Kinder, die in anregungsarmen
Entwicklungsmilieus aufwachsen, sowie junge Familien, die
keine nachbarschaftlichen oder verwandtschaftlichen Kontakte
haben. Seit Januar 2006 können Eltern im Rahmen der „Initia-
tive Z – Zeit und Herz“ die Beratung und Unterstützung von
Familienpaten in Anspruch nehmen. Sie stehen ihnen in Fragen
der Alltagsorganisation, Erziehung und Freizeitgestaltung zur
Seite. Das Projekt, das vom Jugendamt initiiert und zwei Jahre
lang von der Eduard-Pfeiffer-Stiftung finanziell gefördert wurde,
erfreut sich einer so großen Nachfrage, dass eine ständige War-
teliste besteht. Seit 2008 ist die Finanzierung fest im Haushalt
der Landeshauptstadt verankert.
Progamm für ein kinderfreundliches
Stuttgart
Zukunft
Kinder
ZukunftKinder
ProgammfüreinkinderfreundlichesStuttgart
Die Broschüre stellt Ziele für ein kinderfreundliches Stuttgart vor.
1.
Leseohren e. V. – das Stuttgarter Vorleseprojekt
Das Stuttgarter Vorleseprojekt vereint die beiden 2002 gegrün-
deten Initiativen „Leseohren aufgeklappt“ und „Zeit für Kin-
der“. Dank der erfolgreichen Kooperation aus Stadtbücherei,
Staatlichem Schulamt, Jugendamt, Literaturhaus und Breunin-
ger Stiftung werden Kinder unabhängig von sozialer Herkunft
und Bildung erreicht. Inzwischen lesen rund 230 ehrenamtliche
Vorlesepaten in 18 Büchereien, 32 Schulen, 59 Kindergärten
und bei öffentlichen Veranstaltungen vor. Allein 2007 gab es
rund 7.000 Vorleseeinsätze für 30.000 Kinder. Der Verein Lese-
ohren e. V. wählt die Vorlesepaten aus, organisiert Fortbil-
dungsveranstaltungen und berät bei der Auswahl der geeigne-
ten Literatur.
12
Vorlesepaten fördern das kindliche Bedürfnis, selbst zu lesen.
13
2. Ziel
Ein selbstbestimmtes Leben in sicherem
Umfeld garantieren:
Wir wollen individuell auf die Bedürf-
nisse der Älteren, ob inländischer oder
ausländischer Herkunft, eingehen und sie
durch Bildung, Beratung und Hilfen im
Alltag unterstützen, damit sie möglichst
lange ein selbstbestimmtes Leben in
einem sicheren Umfeld führen können.
Ältere Menschen sind keine homogene Gruppe, das zeigt sich
allein schon an den Begriffen wie „junge Senioren“, „Silver
Age“; „Vierter Lebensabschnitt“ und „Hochbetagte“. Je unter-
schiedlicher sich die Gruppe der Älteren zusammensetzt, desto
differenzierter sind ihre Bedürfnisse.
Unsere Angebote müssen den Bedarf von Begleitung und
Unterstützung, den Wunsch nach Bildung, Kultur und Bewe-
gung, den Willen nach Mitgestaltung und Engagement und das
Verlangen nach Geselligkeit berücksichtigen. In unseren Begeg-
nungsstätten finden Ältere zum Beispiel Kurse zur Vorbereitung
auf die nachberufliche Phase, Bewegungs- und Tanzangebote,
Sprachkurse, Gesundheitsförderung, Beratung zu altersspezifi-
schen Fragen und Betreuungsangebote für demente Menschen.
Besucherdienste, altengerechte Wohnungen, Mittagstische und
Altenerholung unterstützen ältere Menschen in ihrer Selbstbestim-
mung und Selbstständigkeit. Die Zahl der Angebote trägt dazu bei,
dem Bedürfnis nach Kontakt, Unterhaltung und Teilhabe gerecht
zu werden. Dazu gehören auch seniorenfreundliche Angebote im
ÖPNV durch den VVS und eine sichere Stadt, zu der die gemeinsa-
me Arbeit von Polizei, Bürgerschaft und Stadtverwaltung in der
Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft wesentlich beiträgt.
Beispiele
Wohnen mit Hilfe
Bei der Initiative „Wohnen mit Hilfe“ haben ältere Menschen
die Möglichkeit, an Studierende Wohnraum zu vermieten und
dafür verbindliche Hilfeleistungen zu vereinbaren. Durchgeführt
wird das Projekt von der Wohnberatungsstelle des Deutschen
Roten Kreuzes, Kreisverband Stuttgart e. V., mit Unterstützung
der Studentenwerke Stuttgart und Tübingen-Hohenheim.
Wohninitiative Wabe e. V.
In enger Kooperation mit der Pro-Wohnungsgenossenschaft
e. V. realisierte die Wohninitiative Wabe e. V. bereits zahlreiche
generationenübergreifende Wohnprojekte in Stuttgart, wobei
die Häuser alle in Form von Baugemeinschaften entstanden sind.
Pedelecs – mit Elektroantrieb geht es leichter.
2.
14
3. Ziel
Vielfältige Begegnungsangebote schaffen:
Wir wollen mit vorhandenen und neuen
Einrichtungen und gemeinnützigen
Organisationen wie Generationenhäu-
sern, Begegnungsstätten, Bürgerhäu-
sern, Sportvereinen, Gartenbau- und
Umweltvereinen, Kulturvereinen, Schu-
len und Kirchengemeinden, vielfältige
Begegnungsangebote schaffen, um neue
persönliche Bekanntschaften über die
Generationen hinweg zu erleichtern und
Patenschaften zu stiften.
Mit unseren vielfältigen dezentralen Strukturen machen wir es
jedem, ob Jung oder Alt, leicht, Kontakt zu knüpfen und dabei
auf die individuellen Interessen einzugehen. Dies ist umso
wichtiger, als tradierte Familienstrukturen, vor allem die Drei-
Generationen-Familie unter einem Dach, selten sind und des-
halb die Gefahr der Vereinsamung in einer anonymen Groß-
stadt umso größer ist. Um die Älteren von ihren Fernsehern
und aus ihrer Wohnung „wegzulocken“, bedarf es vielfältiger
niederschwelliger Angebote.
Beispiele
Generationenhaus Heslach
Das seit 2002 bestehende „Generationenhaus Heslach“ wurde
von der Rudolf Schmid und Hermann Schmid Stiftung finan-
ziert. Im Jahr 2004 zeichnete die Stiftung „Lebendige Stadt“
dieses generationenübergreifende Wohnkonzept mit dem
ersten Preis aus. Innovativ ist das Projekt nicht nur, weil hier
jüngere und ältere Menschen mit und ohne körperliche Beein-
trächtigungen unter einem Dach leben, sondern auch, weil
Mütter und ihre Kinder die vielfältigen Kontakt- und Betreu-
ungsmöglichkeiten nutzen können. Außerdem sind über 100
Gruppierungen und Vereine aus dem Stadtteil eingebunden.
Sie alle verbindet der Wunsch, miteinander ins Gespräch zu
kommen und das soziale und kulturelle Leben ihres Stadtteils
mitzugestalten. Im Foyer des Generationenhauses Heslach
wurde im Mai 2008 zusammen mit der städtischen Freiwilligen-
agentur ein „Nachbarschaftscafé“ eingerichtet, das 20 Aktive
betreiben. Hier können sich Menschen treffen und austau-
schen, die ehrenamtlich tätig sind oder Interesse an einem
Ehrenamt haben.
Generationenverbindende Projekte des
TREFFPUNKT Senior
In Erzähl-Cafés stellen junge Menschen den Senioren vor, was
sie als Kinder bewegt und begeistert hat und umgekehrt. Beide
nehmen Anteil an der Lebenswelt der jeweils anderen Genera-
tion und erleben die Freude am Miteinander.
In der Geschichtswerkstatt berichten Seniorinnen und Senioren
von ihren Erlebnissen während des Krieges, der Nachkriegszeit
und der Aufbauphase der Bundesrepublik. Sie lassen sich gerne
zum Beispiel von den Schülerinnen und Schülern des Heidehof-
Gymnasiums „Löcher in den Bauch“ fragen. Gemeinsam machen
sie sich Gedanken darüber, was aus der Geschichte gelernt wer-
den kann und wie wir unsere Zeit heute so gestalten können,
dass sie für alle lebenswert bleibt. Unter dem Motto: „Hilfe, mein
Handy piepst!“ geben Schülerinnen und Schüler den Seniorinnen
und Senioren eine Einführung in den Umgang mit dem Handy.
3.
Die Interessengemeinschaft „SeniorenNet“ im Generationenhaus Heslach will den Einstieg ins Internet für Seniorinnen und Senioren
erleichtern.
15
4. Ziel
Netzwerke der Eigeninitiative und der Selbst-
hilfe fördern:
Wir wollen neue Netzwerke der Eigen-
initiative und der Selbsthilfe organisato-
risch und materiell gezielt fördern, in
denen die Älteren ihre Erfahrungen, ihr
Können und Wissen einbringen.
Gerade in einer Großstadt ist es wichtig, bei der Organisation
von Netzwerkstrukturen zu helfen und Plattformen der Selbst-
hilfe zu unterstützen. Um diesen Prozess zu erleichtern, hat die
Stadt Stuttgart die Freiwilligenagentur eingerichtet. Mit einer
professionellen Leitung berät ein Team von 36 Ehrenamtlichen
die Bürgerinnen und Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren
möchten. Zugleich sammelt die Freiwilligenagentur Angebote
von Organisationen und Vereinen, die Ehrenamtliche brauchen.
Diese internetunterstützte Ehrenamtsbörse funktioniert inzwi-
schen erfreulich gut. Verbunden ist dies mit der Arbeit der frEE
Akademie der Stadt Stuttgart. Sie hat sich zum Ziel gesetzt,
Ehrenamtliche weiterzubilden; die Kurse und Seminare werden
dabei generationenübergreifend angeboten.
Beispiele
KISS
Besonders aktiv und wichtig ist KISS, die Kontakt- und
Informationsstelle für Selbsthilfegruppen e. V. Sie bietet
durch ihre Erfahrungen den vielfältigen Selbsthilfegruppen
Unterstützung an, ob bei der Gruppenarbeit, der Öffentlich-
keitsarbeit, durch Weiterbildung oder bei der Raumsuche.
Dies ist besonders wichtig, gerade auch für Ältere, die damit
zugleich neue persönliche Beziehungen aufbauen können.
In KISS haben sich über 500 Gruppen organisiert. Die Stadt
unterstützt KISS, indem sie geeignete Räume zur Verfügung
stellt.
Bürgerstiftung Stuttgart als Plattform für
bürgerschaftliches Engagement
Die Bürgerstiftung Stuttgart wurde 2001 mit Unterstützung und
Förderung des Oberbürgermeisters gegründet. Heute ist sie die
drittgrößte Bürgerstiftung in Deutschland. Sie sieht sich selbst als
Plattform für all die Menschen in der Stadt, die etwas verändern
wollen. Dazu wurden „Runde Tische“ gegründet, bei denen
Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen und Rollen das
gemeinsame Anliegen verfolgen, nämlich neue Netzwerke der
Eigeninitiative und Selbsthilfe zu organisieren. Dazu gehört vor
allem der Runde Tisch „Jung und Alt: voneinander lernen, mitein-
ander tun“. Ein Projekt dabei ist: „Stuttgart liest vor“.
Lothar Späth bei „Stuttgart liest vor“.
16
4.
5. Ziel
Vernetzung in den Stadtbezirken herstellen:
Wir wollen durch die Vernetzung in
unseren Stadtbezirken nicht nur neue
Chancen für persönliche Beziehungen
schaffen, sondern auch die Bedürfnisse
und Erwartungen der Älteren wie die
von Kindern und Familien in ihrer Viel-
falt, Gegensätzlichkeit und Gemeinsam-
keit aufnehmen, indem sich unsere
Bezirksämter verstärkt um dieses Mitein-
ander der Generationen vor Ort kümmern.
Stuttgart hat im letzten Jahrzehnt konsequent alle öffentlichen
Dienstleistungen dezentralisiert, um sie möglichst wohnortnah
und bürgernah in jedem Stadtbezirk in unseren Bezirksrathäu-
sern anbieten zu können. Ergänzend entstanden in allen Stadt-
teilen Bürgerhäuser und Bürgerzentren. Sie haben die Aufgabe,
die generationenübergreifende Begegnung von Jung und Alt
sowie die Integration von ausländischen Mitbürgerinnen und
Mitbürgern aller Altersschichten zu fördern.
Für Senioren und Jugendliche werden Veranstaltungen wie
Spielnachmittage angeboten, unter anderem auch von
ausländischen Kulturvereinen. Zugleich sind diese wohnortna-
hen Treffpunkte ein wichtiger Kommunikationsort im Stadtbe-
zirk. Die Arbeiten mit den vielfältigen anderen Angeboten, zum
Beispiel auch im Sport, zu vernetzen und in die Öffentlichkeit
zu bringen, ist Teil der dezentralen Strategie in unseren Stadtbe-
zirken, um den demografischen Wandel vor Ort zu gestalten.
Beispiele
Anna-Haag-Haus in Bad Cannstatt
Bereits seit vielen Jahrzehnten fördert das nach der Schriftstelle-
rin, Pazifistin und Frauenrechtlerin benannte Anna-Haag-Haus
erfolgreich den Dialog zwischen den Generationen. Altenpflege-
heim, hauswirtschaftliche Bildungsstätte und Kindertagesstätte
sind unter einem Dach vereint. Alle drei Einrichtungen koope-
rieren beim gemeinsamen Spielen, Singen und Musizieren.
Daneben werden zahlreiche Projekte und Kurse für und mit
Eltern und Familien angeboten. Beispielsweise besuchen Kinder
und ihre Eltern die Senioren im Haus und gestalten mit ihnen
gemeinsame Projekte. Im Sommer 2007 hat das Anna-Haag-
Haus seinen Neubau in der Martha-Schmidtmann-Straße in Bad
Cannstatt bezogen.
Gemeinsam Stuttgart-Ost entdecken
Der Stuttgarter Osten mit seinen Stadtteilen Berg, Frauenkopf,
Gablenberg, Gänsheide, Gaisburg, Ostheim und Stöckach ist mit
über 47.000 Einwohnern der drittgrößte Stadtbezirk. Er gehört
zu den kulturell und sozial
vielfältigsten Stadtbezirken.
Der Kulturtreff Stuttgart Ost e. V.
hat es sich zu einer seiner
Aufgaben gemacht, Bürgerinnen
und Bürger, Junge und Alte
durch heimatkundliche
Stadtteilrundgänge mit der
Geschichte ihrer Heimat
vertraut zu machen.
17
5.
6. Ziel
Bildungsangebote für lebenslanges Lernen
fördern:
Wir wollen die Bildungsangebote für
lebenslanges Lernen fördern, beginnend
im Kindergarten, in Schulen, Hochschu-
len, Bibliotheken, in der beruflichen wie
in der kulturellen Bildung, um die not-
wendige geistige Mobilität von Jung und
Alt und das Lernen voneinander und
miteinander zu ermöglichen.
Die Stuttgarter Bildungspartnerschaft macht deutlich, wie viel-
fältig die Angebote sein müssen, damit lebenslanges Lernen für
Jung und Alt gelingen kann. Entsprechend dem Grundsatz
„kein Abschluss ohne Anschluss“ gilt es, nicht nur im schuli-
schen Bereich Bildungsangebote so zu verzahnen, dass sie le-
bensbegleitend werden. Dazu gehören vielfältige Formen der
kulturellen Vermittlung sowie des interkulturellen und interge-
nerativen Miteinander-Lernens.
Beispiele
Kein Kuss für Oma
Die Eigenproduktion „Kein Kuss für Oma“ mit Kindern und
Senioren unseres Theaters Junges Ensemble Stuttgart (JES) zeigt
einmal mehr, wie spannend es sein kann, wenn ein Kinder- und
Jugendtheater mit einem Seniorentheater ergänzt wird. Der JES
Kinderspielclub und das JES Seniorentheater „Die fünfte Jahres-
zeit“ haben sich über das Kinderbuch „Kannst Du pfeifen,
Johanna“ von Ulf Stark und Anna Höglund darauf verständigt,
gemeinsam ein Theaterstück zu entwickeln, das den Lebens-
mut, die Suche nach Glück, den Verlust durch Tod, die
Gebrechlichkeit sowie das Gemeinsame und Trennende thema-
tisiert.
Lernlotsen in der Stadtteilbücherei West
Wie ein Schiffslotse zeigen Senioren als Lernlotsen Kindern und
Jugendlichen in der Stadtteilbücherei West den richtigen Weg
zu den unterschiedlichen Medien, helfen bei der Auswahl ge-
eigneter Informationen und geben nützliche Tipps bei Bewer-
bungen, Referaten und anderem.
Spaß legt den Grundstein für ein lebenslanges Lernen.
18
6.
7. Ziel
Jugendlichen eine faire Chance eröffnen:
Wir wollen jedem Jugendlichen eine faire
Chance für die Entfaltung seiner Begabun-
gen und für eine angemessene berufliche
Qualifikation eröffnen und ihn persönlich
in seinem Bemühen um eine gute berufli-
che Perspektive durch ältere Mitbürgerin-
nen und Mitbürger fördern.
Fast die Hälfte aller Jugendlichen in Stuttgart hat einen Migra-
tionshintergrund. Darüber hinaus kommen viele Jugendliche
aus bildungsfernen familiären Milieus, die es ihnen schwer ma-
chen, ihre Talente zu entfalten, den schulischen Anforderungen
gerecht zu werden und mit Abschluss der Schule eine gute be-
rufliche Qualifikation zu finden. Neben den vielfältigen Förde-
rungen in unseren Schulen, vor allem in den Hauptschulen,
durch engagierte Lehrerinnen und Lehrer, ist die Vernetzung in
das gesellschaftliche Umfeld im Stadtbezirk und die persönliche
Unterstützung beim Übergang von der Schule in den Beruf
wichtig. Dankenswerterweise gibt es eine Vielzahl von Initiati-
ven, zum Beispiel STARTklar in der Gesamtstadt, aber auch in
einzelnen Stadtbezirken.
Beispiele
30 Jahre Hausaufgabenhilfe Degerloch
Die Hausaufgabenhilfe Degerloch – die offizielle Bezeichnung
ist „Sprach-, Lern- und Hausaufgabenhilfe“ – gibt es ohne
Unterbrechung seit 30 Jahren. In dieser privaten Initiative teilen
sich ehrenamtlich 15 bis 20 Frauen und Männer die Arbeit an
drei Nachmittagen pro Woche. Eines ihrer Hauptanliegen ist,
die sprachlichen Defizite der Kinder abzubauen, Lesen und Dik-
tate zu üben und sie – häufig über viele Jahre – in der Schule so
zu begleiten, dass sie den Übergang in einen Beruf erfolgreich
meistern.
Miteinander der Nationen und Generationen im Haus 49
Das Haus 49 ist ein Standort der mobilen Jugendarbeit in der
Trägerschaft des Caritasverbandes Stuttgart. Neben dem vielfäl-
tigen Angebot für Jugendliche ist das Haus auch zu einem Ort
der Begegnung für Familien und Erwachsene aus dem Stadtteil
geworden. Vormittags sind Kleinkinder in der Krippe, mittags
kommen Schüler zum Essen und zur Hausaufgabenbetreuung,
nachmittags und abends treffen sich Ältere bei Kaffee und Ku-
chen, darunter der türkische und italienische Seniorenklub. Das
Haus 49 verbindet Menschen aller Kulturen und Generationen.
Hausaufgabenbetreuung im Haus 49
19
7.
8. Ziel
Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und
Beruf durch eine familienfreundlichere
Arbeitswelt erreichen:
Wir wollen eine bessere Vereinbarkeit
von Familie und Beruf durch eine famili-
enfreundlichere Arbeitswelt erreichen,
um vor allem für junge Frauen das Mit-
einander von Kind und Karriere zu
erleichtern.
Es sind noch viele Schritte notwendig, um die Vereinbarkeit von
Familie und Beruf zu verbessern. (Im vierten Kapitel des Arbeits-
programms Kinderfreundliches Stuttgart wird dies ausführlich
thematisiert). Dies betrifft nicht nur die öffentlichen Betreu-
ungs- und Bildungsangebote mit entsprechend verlässlichen,
flexiblen Öffnungszeiten. Hinzu kommen familienfreundliche
Arbeitswelten und das Engagement von Unternehmen, die auf
die Bedürfnisse von Familien, vor allem junger Frauen, stärker
eingehen. Das in Stuttgart entwickelte Unternehmensnetzwerk
hilft dabei als Plattform des Erfahrungsaustauschs und durch
bewährte Beispiele aus der Praxis. Aber auch die Stadt als gro-
ße Arbeitgeberin bemüht sich um eine bessere Familienfreund-
lichkeit, nicht zuletzt im Interesse der Qualität der Arbeit.
Beispiele
Familienfreundliche Unternehmen
Mittlerweile haben viele große, mittlere und auch kleinere
Unternehmen in Stuttgart und der Region je nach ihren Mög-
lichkeiten familien- und kinderfreundliche Maßnahmen und
Strukturen in ihren Arbeitsbereichen umgesetzt. Unterstützt
werden sie dabei von dem Netzwerk familienfreundlicher
Unternehmen, das die Stabsstelle für Chancengleichheit der
Stadt Stuttgart zusammen mit dem Kuratorium Kinderfreundli-
ches Stuttgart koordiniert.
Die Allianz Lebensversicherungsgesellschaft mit Sitz in Stuttgart
hat sich als großer Dienstleister zum Ziel gesetzt, durch Initiati-
ven zugunsten der Familien die Qualität und Motivation ihrer
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verbessern. Dazu gehören
flexible Arbeitszeiten, erweiterte Teilzeitarbeit, Förderung des
beruflichen Fortkommens von Frauen, die Begleitung in allen
Lebensabschnitten, die Suche nach einer adäquaten Kinderbe-
treuung, die Benutzung der Kantine für die Kinder sowie Schu-
lungen und Personalentwicklungsgespräche, die die Bedeutung
der Kinder- und Familienfreundlichkeit des Unternehmens ins
Bewusstsein der Vorgesetzten und Mitarbeiterinnen und Mitar-
beiter bringen.
Generationenhaus West
Das „Generationenhaus West“ wurde von der Rudolf und
Hermann Schmid Stiftung mit elf Millionen Euro finanziert und
wird von vier Trägern gemeinschaftlich betrieben. Es beher-
bergt eine städtische Kindertageseinrichtung, betreutes Woh-
nen für Senioren unterschiedlicher nationaler Herkunft, den
Verein Freie Altenarbeit, der einen ganzheitlichen Pflegedienst
anbietet, sowie das Eltern-Kind-Zentrum (EKiZ).
20
8.
Familienfreundliche Unternehmen helfen Müttern, Kinder und Beruf zu vereinbaren.
Diese vielfältigen Angebote dienen dazu, dass zum Beispiel vor
allem junge Frauen die Möglichkeit haben, ihre Kinder dort flexi-
bel betreuen zu lassen. Damit können sie ihre Arbeitszeiten mit
den Betreuungszeiten gut abstimmen. Zugleich können sie neue
freundschaftliche Beziehungen aufbauen, die zur täglichen Erzie-
hung und Entwicklung der Kinder beitragen. Im November 2006
wurde das Eltern-Kind-Zentrum Stuttgart-West e. V. im Genera-
tionenhaus West der Rudolf und Hermann Schmid Stiftung durch
Frau Bundesministerin Ursula von der Leyen in das bundesweite
Aktionsprogramm des Bundesfamilienministeriums als Mehrge-
nerationenhaus Stuttgart aufgenommen. Durch das Aktionspro-
gramm kann das Haus seine Angebote weiter ausbauen und für
die verschiedenen Generationen erweitern.
21
22
9. Ziel
Kompetenz und Lebenserfahrung älterer Men-
schen insbesondere im Arbeitsleben nutzen:
Wir wollen, dass die Lebenserfahrung
Älterer an die Kinder und Jugendlichen
weitergegeben wird. Insbesondere wollen
wir Unternehmen gewinnen, weniger
häufig ältere Mitarbeiterinnen und Mitar-
beiter vorzeitig aus dem Arbeitsleben zu
verabschieden und vielmehr ihre Kompe-
tenzen für unsere wirtschaftliche Entwick-
lung besser zu nutzen.
Erwerbsarbeit ist für viele Menschen wesentliche Voraussetzung
zur Teilhabe an unserer Gesellschaft. Unabhängig von den finan-
ziellen Folgen für den arbeitslos Gewordenen und die finanziel-
len Belastungen für unsere Sozialsysteme ist es eine Frage der
Solidarität und Chancengerechtigkeit, dass Menschen ihre Talente,
Begabungen und Erfahrungen in das Arbeitsleben einbringen
können. Auch wenn der Trend zur vorzeitigen Altersteilzeit wie-
der gestoppt ist, ist doch die Zahl der fitten Älteren, die unfrei-
willig aus dem Erwerbsleben ausscheiden mussten, erschreckend
hoch. Mit ihnen verlieren die Arbeitgeber nicht nur berufliche
Erfahrungen, sondern auch vielfältige soziale Kompetenzen des
generationenübergreifenden Miteinanders.
Beispiele
Neue Chancen für ältere Arbeitnehmer durch
das Jobcenter Stuttgart
Im Bewusstsein der Verantwortung für ältere langzeitarbeitslose
Bürgerinnen und Bürger hat die Landeshauptstadt Stuttgart in
dem gemeinsam mit der Agentur für Arbeit getragenen Job-
center das Konzept „Fördern und Fordern“ auf den Weg
gebracht. Es hilft den Älteren bei der Rückkehr in eine reguläre
Arbeit.
Senioren helfen Junioren
Ein Team ehemaliger Unternehmer und Führungskräfte aus
Industrie, Handel, Handwerk, aus Dienstleistungsunternehmen
und freien Berufen, hilft als Senioren den Junioren. Durch
Berufserfahrung, Kompetenz, Kontinuität und im täglichen
Beratungsgespräch unterstützen sie die jungen Existenzgründer
in der Startphase.
9.
Alt und Jung können viel voneinander lernen.
10. Ziel
Durch eine nachhaltige Stadtentwicklung un-
sere natürlichen Lebensgrundlagen erhalten:
Wir wollen durch Nachhaltigkeit unserer
Stadtentwicklung dazu beitragen, auch
den nachfolgenden Generationen unsere
natürlichen Lebensgrundlagen zu erhal-
ten und Umweltschäden soweit wie
möglich zu beseitigen.
Mit dem 1997 vom Gemeinderat beschlossenen Klimaschutzkon-
zept Stuttgart (KLIKS) hat die Stadt sich auf den Weg gemacht,
ein ganzheitliches Umweltprogramm zu entwickeln, fortzuschrei-
ben und konsequent umzusetzen. Dazu gehört zum Beispiel das
Stadtentwicklungskonzept mit dem Leitziel „urban – kompakt –
grün“. So hat Stuttgart inzwischen über 39 Prozent seiner Gemar-
kung unter Landschafts- und Naturschutz gestellt, die höchste
Quote aller deutschen Großstädte. Über 50 Prozent der Gemar-
kung sind öffentlich zugängliche Wälder, Parkanlagen und Grün-
flächen, so dass kein Stuttgarter mehr als 300 Meter Entfernung
zurücklegen muss, um ins Grüne zu gelangen. Die Revitalisierung
von Brachflächen, die Beseitigung von Altlasten, die umweltge-
rechte Abfallwirtschaft gehören ebenso zum Klimaschutzkonzept
wie die Renaturierung von Bächen, Flüssen sowie strikte Vorga-
ben zur Energieeinsparung und höheren Energieeffizienz.
Beispiele
Patenschaften für Grünflächen:
der Masterplan Tapachtal
Erfreulicherweise engagieren sich viele Bürgerinnen und Bürger
im Umweltbereich. Ein besonderes Beispiel ist das Engagement
für das Landschaftsschutzgebiet Tapachtal, bei dem dank einer
offenen Bürgerbeteiligung im Rahmen des Projekts Soziale
Stadt ein Masterplan entwickelt wurde, um die vielfältigen
Nutzungsanforderungen und Erwartungen von verschiedenen
Gruppen im Tapachtal zu erreichen.
„Let’s Putz“ in unseren Stadtbezirken
Um Verunreinigungen in Grünanlagen, Parks und Wäldern zu
reduzieren und zugleich ein verschärftes Umweltbewusstsein zu
schaffen, hat die Stadt vor elf Jahren begonnen, in jedem
Stadtbezirk Kindergärten, Schulen und Vereine zu einer jähr-
lichen Reinigungsaktion einzuladen. Die aktivsten Kindergärten,
Schulen und Stadtbezirke werden jedes Jahr mit einem Geld-
preis ausgezeichnet. Gerade bei den Kindern der Kitas und
Grundschulen hat diese Art des praktischen Umweltschutzes
eine sehr lehrreiche Wirkung.
Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen, muss bereits im
Kindergarten geübt werden.
23
10.
24
11. Ziel
Für eine faire Ausgabenpolitik und einen
konsequenten Schuldenabbau arbeiten:
Wir wollen den Verteilungskampf der
Generationen, das drohende Gegenein-
ander von Jung und Alt um materielle
Ressourcen, öffentliche Subventionen
und Dienstleistungen vermeiden, indem
wir uns für eine ausgewogene, faire
Ausgabenpolitik und einen konsequen-
ten Schuldenabbau einsetzen.
Uns Schwaben geht es gut, weil wir sparsam sind. Das ist ein
verbreitetes und Image bildendes Klischee. Das Beste daran
ist: Es stimmt! Die Geschichte unserer Region, des Schwaben-
landes, ist geprägt durch Armut, harte Arbeit, karge Land-
wirtschaft, Rohstoffmangel sowie politische Unterdrückung
und Unfreiheit. Deshalb sind über 30 Prozent der Schwaben
ausgewandert in der Hoffnung, sich an anderen Orten dieser
Welt, ob am Schwarzen Meer, in Brasilien oder in Nordameri-
ka bessere Lebenschancen erarbeiten zu können.
Diese Chancen wollen wir unseren prozentual gesehen im-
mer weniger werdenden Kindern nicht nehmen, indem wir
die Finanzmittel, die sie für ihre zukünftige Entwicklung brau-
chen, schon heute konsumieren. Wir können der nachfolgen-
den Generation keine Schuldenberge hinterlassen und zu-
gleich erwarten, dass sie unsere Renten, Sozialleistungen,
Krankheitskosten bezahlt, uns im Alter pflegt und zugleich
für sich und ihre Kinder vorsorgt. Die Stadt hat sich deshalb
vorgenommen, die Schulden auf null zu senken und Rückla-
gen aus Vermögensverkäufen, vor allem aus dem Energiesek-
tor, zu bilden. Zugleich fördert die Stadt den Stiftungsgedan-
ken, nicht nur bei der Bürgerstiftung, damit heute verfügbares
Kapital auch langfristig für die nächste Generation wirken kann.
Beispiele
Die Olgäle-Stiftung für das Kranke Kind e. V. – Hilfen
für schwerkranke Kinder und ihre Eltern
Das Olgahospital ist eines der größten Kinderkrankenhäuser in
Deutschland und bietet durch seine vielen spezialisierten Chef-
ärzte und Oberärzte ein umfassendes, hoch qualifiziertes
Behandlungsangebot. Dementsprechend kommen Kinder nicht
nur aus Stuttgart und der Region, sondern aus ganz Deutsch-
land zur Behandlung. Deshalb ist das Olgahospital „chronisch“
defizitär. Vieles, was für die schwerkranken Kinder und ihre
Eltern sinnvoll ist, kann nicht von der Stadt als Trägerin finan-
ziert werden.
Aus diesem Grund wurde vor elf Jahren die Olgäle-Stiftung ge-
gründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, eine kindgerechte Atmo-
sphäre zu schaffen, die psychosoziale Betreuung zu verbessern,
neuestes medizinisches Gerät für Diagnostik und Therapie zu
finanzieren sowie Fortbildung und Forschung zu unterstützen.
Die Olgäle-Stiftung finanziert dabei nicht nur laufende Projekte,
sondern legt einen Teil der Spenden, Erbschaften und Zustiftun-
gen als Stiftungsvermögen an, um nachhaltig auch in der Zu-
kunft helfen zu können.
Stiftung Internationale Bachakademie Stuttgart
Um die Arbeit der Internationalen Bachakademie langfristig zu
sichern, wurde vor 25 Jahren die Stiftung Internationale Bach-
akademie Stuttgart gegründet. Sie ist Trägerin des Stiftungsver-
mögens, ergänzt die Spenden- und Mitgliedsbeiträge des För-
derkreises sowie die Zuschüsse von Stadt, Land und projekt-
11.
Die Olgäle-Stiftung unter dem Vorsitz von Dr. Stefanie Schuster (rechts) unterstützt kranke Kinder und deren Eltern.
bezogen des Bundes. Damit ist es möglich, vor allem besondere
Projekte zum Beispiel zum Bachjahr 2000 und für das Musiker-
gedenkjahr 2009 (Händel, Haydn, Mendelssohn) zu finanzieren.
Die Stiftung als eine Rechts- und Finanzkörperschaft erleichtert
dabei die Arbeit, weil sie finanzielle Anforderungen ausgleichen
und damit dazu beitragen kann, die vielfältige Arbeit der Inter-
nationalen Bachakademie lokal, national und international auf
höchstem Niveau zu stabilisieren.
25
12. Ziel
Die persönliche Bereicherung durch freiwilliges
Engagement deutlich machen:
Wir wollen durch viele gute Beispiele
deutlich machen, dass es ein persönlicher
Gewinn und eine Bereicherung für das
eigene Leben ist, wenn man sich für
ältere beziehungsweise jüngere Men-
schen engagiert.
Mehr denn je leben wir in einer Gesellschaft, in der die Lebens-
zeit den Zeitabschnitt des Erwerbslebens erfreulicherweise immer
länger übersteigt. Damit eröffnet sich die Chance, einen dritten
Lebensabschnitt zu gestalten. Umso wichtiger ist die Antwort auf
die Frage, mit welchen Tätigkeiten dieser dritte Lebensabschnitt
sinnstiftend gestaltet und bereichert werden kann. Deshalb wol-
len wir mit guten Beispielen zeigen, dass unser Engagement für
andere sich auch im eigenen Interesse lohnt.
Beispiele
Integrative Computerwerkstatt
Ältere geben nicht nur ihre Erfahrungen weiter, sondern
profitieren auch von den Kenntnissen der Jüngeren. So nutzen
derzeit über 100 Seniorinnen und Senioren die „integrative
Computerwerkstatt“, die vom Jugendhaus Heslach und dem
„SeniorenNet Stuttgart“ im Mehrgenerationenhaus Heslach
angeboten wird.
Fit wie ein Turnschuh
Im Fanny-Leicht-Gymnasium organisieren Schüler für rund 170
erwachsene Kursteilnehmer einen „sozialen Arbeitskreis“. Sie
kommen an zwei Nachmittagen in die Schule, um vom Wissen
der Schüler – als Lehrer – zu profitieren. Dabei geht es weniger
um das Vokabeln lernen, sondern meist um aktuelle Themen,
wobei die Älteren ihre reiche Lebenserfahrung mit einbringen
können. Der Kontrast zwischen Jung und Alt beflügelt beide
Seiten, voneinander zu lernen.
26
12.
Schüler geben als Lehrer Erlerntes weiter.
27
Buchprojekt
70 Stuttgarterinnen und Stuttgarter haben ihre Erfahrungen
und Erlebnisse in dem Buch „Der Stuttgarter Generationenver-
trag“ beschrieben. Die Beiträge machen Mut und regen an, den
guten Beispielen zu folgen. Die persönlichen Schilderungen
zeigen zugleich die Freude der Beteiligten am Miteinander und
ihre Begeisterung für ein erfolgreiches Wirken.
Der Stuttgarter Generationenvertrag
Wolfgang Schuster (Hrsg.)
Das Buch „Der Stuttgarter Generationenvertrag“ beinhaltet
zahlreiche persönliche Erfahrungen von Jung und Alt.
Ansprechpartner
Bei Fragen zum Leben im Alter, zu Angeboten für Seniorinnen und
Senioren sowie für Kinder hilft die Landeshauptstadt Stuttgart:
Sozialamt
Bürgerservice Leben im Alter (LiA)
Eberhardstraße 33, 70173 Stuttgart
Telefon: 216 - 38 18, Fax: 216 - 79 45
E-Mail: lebenimalter@stuttgart.de
Kinderbeauftragte der Landeshauptstadt Stuttgart
Roswitha Wenzl
Telefon: 216 - 61 11
E-Mail: roswitha.wenzl@stuttgart.de
Weitere Infos im Internet unter
www.stuttgart.de/kinder, www.kinderfreundliches-stuttgart.de
Literaturhinweise:
Das Programm „Zukunft Kinder“, die Broschüre „1001 Ange-
bote und Möglichkeiten für unsere Kinder und Familien in
Stuttgart“ sowie die Broschüre „LiA – Bürgerservice Leben im
Alter“ gibt es kostenlos an der Infothek des Rathauses am
Marktplatz, das Buch „Der Stuttgarter Generationenvertrag“,
Herausgeber Wolfgang Schuster, ist 2007 im Hohenheim Ver-
lag erschienen und im Buchhandel erhältlich.
Ansprechpartner und Literaturhinweise
Du bist so jung wie Deine Zuversicht –
Jugend ist nicht ein Lebensabschnitt,
sie ist ein Geisteszustand.
Sie ist Schwung des Willens,
Regsamkeit der Phantasie, Stärke der Gefühle
Sieg des Mutes über die Feigheit,
Triumph der Abenteuerlust über die Trägheit.
Niemand wird alt, weil er eine Anzahl Jahre
hinter sich gebracht hat. Man wird nur alt,
wenn man seinen Idealen Lebewohl sagt.
Mit den Jahren runzelt die Haut,
mit dem Verzicht auf Begeisterung
aber runzelt die Seele.
Sorgen, Zweifel, Mangel an Selbstvertrauen,
Angst und Hoffnungslosigkeit,
das sind die langen, langen Jahre,
die das Haupt zur Erde ziehen
und den aufrechten Geist in den Staub beugen.
Ob siebzig oder siebzehn,
im Herzen eines jeden Menschen wohnt
die Sehnsucht nach dem Wunderbaren,
das erhebende Staunen beim Anblick
der ewigen Sterne und der ewigen Gedanken
und Dinge, das furchtbare Wagnis,
die unersättliche kindliche Spannung,
was der nächste Tag wohl bringen möge,
die ausgelassene Freude und Lebenslust.
Du bist so jung wie Deine Zuversicht,
so alt wie Deine Zweifel,
so jung wie Deine Hoffnung,
so alt wie Deine Verzagtheit.
Solange die Botschaft der Schönheit,
Freude und Größe der Welt,
des Menschen und des Unendlichen,
Dein Herz erreichen, solange bist Du jung.
Erst wenn die Flügel nach unten hängen
und Dein Herz vom Schnee des Pessimismus
und vom Eis des Zynismus bedeckt ist,
dann erst bist Du wahrhaft alt geworden.
Albert Schweitzer (1875 bis 1965)
Theologe, Philosoph und Arzt, Friedensnobelpreis 1952
28
Albert Schweitzer:
Du bist so jung wie Deine Zuversicht
Impressum:
Die vorliegende Broschüre ist eine Zusammenfassung des Buchs „Der Stuttgarter Generationenvertrag“ und zugleich
Teil des Arbeitsprogramms „Kinderfreundliches Stuttgart“ von Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster.
Herausgeberin:
Landeshauptstadt Stuttgart, Stabsabteilung Kommunikation
Redaktion:
Hans Böhm
Fotos:
Die arge lola (Titelfoto und Seite 27), Frank Eppler (Seite 1), Kraufmann (Seiten 5, 6), Thiele, Weber (Seite 7), EnviaM
(Seite 8), Susanne M. K. Baur (Seite 11), Christian Hass (Seiten 12, 26), Günter Stürmer (Seite 13), Horst Rudel (Seite 15),
Bürgerstiftung Stuttgart (Seite 16), Kulturtreff Stuttgart-Ost (Seite 17), Jugendkunstschule (Seite 18), Uli Regenscheit
(Seite 19), Britt Moulien (Seite 21), Roland Fränkle, Bildstelle Stadt Karlsruhe (Seite 22), Landeshauptstadt Stuttgart
(Seite 23), Olgäle-Stiftung (Seite 24)
Satz und Gestaltung:
Uli Schellenberger, Uwe Schumann
Juli 2009
©Landeshauptstadt Stuttgart
www.stuttgart.de

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Crowdfunding, Mikrofinanzierung, Flattr & Co.
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Der Stuttgarter Generationenvertrag für ein aktives Miteinander von Jung und Alt

  • 1. Der Stuttgarter Ein Miteinander von Jung und Alt Generationen- vertrag
  • 2.
  • 3. 1 die demografische Entwicklung in Deutschland bedeutet für uns alle die Chance, immer älter zu werden und dabei län- ger gesund und fit zu bleiben – dabei werden gleichzeitig aber immer weniger Kinder geboren. Um die Rahmenbedin- gungen für einen Kinderzuwachs zu verbessern, habe ich im Jahr 2003 das Ziel formuliert, Stuttgart zur kinderfreundlichs- ten Großstadt zu machen. In meiner Amtszeit konnte die Stadt die finanziellen Aufwendungen für ihre rund 90.000 Kinder und Jugendlichen auf 590 Millionen Euro fast ver- doppeln. So wichtig aber die finanzielle Absicherung für Familien und Kinder ist, kann sie doch nicht allein die optimalen Chancen und Betreuung für unsere Kinder garantieren. Das früher übliche Modell der Mehrgenerationenfamilie, in der auch die Großeltern Kinder fördern konnten, ist längst dem ge- sellschaftlichen Wandel zum Opfer gefallen. Auf der anderen Seite steht für viele Ältere die Frage nach der sinnbringenden Gestaltung des dritten, immer längeren Lebensabschnitts nach dem Abschluss der Erwerbstätigkeit. In dem Buch „Der Stuttgarter Generationenvertrag“, das im Dezember 2007 erschienen ist, habe ich erstmals zwölf Ziele formuliert. Sie bilden eine gemeinsame Grundlage nicht nur für ein fruchtbares Miteinander von Jung und Alt in unserer Stadt, sondern lassen darüber hinaus die vorder- gründig so verschiedenen Generationen voneinander und miteinander profitieren. Dabei verknüpfen sich die Sorge um die junge Generation in – wie ich meine – geeigneter Weise mit dem Anrecht der Älteren auf einen erfüllten und sinn- vollen Lebensabend. Deshalb ist der Stuttgarter Generatio- nenvertrag zugleich ein wichtiger Teil des Programms Kinder- freundliches Stuttgart. Die vorliegende Broschüre will zum Engagement ermutigen und zeigt mit guten Beispielen, dass sich der Einsatz für an- dere auch im eigenen Interesse lohnt. Wir alle werden im- mer älter, fitter und gesünder: Machen wir etwas daraus – für uns und unsere Stadt! Dr. Wolfgang Schuster Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart
  • 4. 2 Inhaltsverzeichnis Vorwort Seite 1 Generationenvertrag statt Generationenkonflikt Seite 5 Vielfältige Herausforderungen in Zukunft Seite 6 Der Stuttgarter Generationenvertrag Seite 11 Ziel 1: Stuttgart soll die kinderfreundlichste Stadt werden Seite 11 Ziel 2: Ein selbstbestimmtes Leben in sicherem Umfeld garantieren Seite 13 Ziel 3: Vielfältige Begegnungsangebote schaffen Seite 14 Ziel 4: Netzwerke der Eigeninitiative und der Selbsthilfe fördern Seite 16 Ziel 5: Vernetzung in den Stadtbezirken herstellen Seite 17 Ziel 6: Bildungsangebote für lebenslanges Lernen fördern Seite 18 Ziel 7: Jugendlichen eine faire Chance eröffnen Seite 19
  • 5. 3 Ziel 8: Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch eine familienfreundlichere Arbeitswelt erreichen Seite 20 Ziel 9: Die Kompetenz und Lebenserfahrung älterer Menschen insbesondere im Arbeitsleben nutzen Seite 22 Ziel 10: Durch eine nachhaltige Stadtentwicklung unsere natürlichen Lebensgrundlagen erhalten Seite 23 Ziel 11: Für eine faire Ausgabenpolitik und einen konsequenten Schuldenabbau arbeiten Seite 24 Ziel 12: Die persönliche Bereicherung durch freiwilliges Engagement deutlich machen Seite 26 Ansprechpartner und Literaturhinweise Seite 27 Albert Schweitzer: Du bist so jung wie deine Zuversicht Seite 28
  • 6. 4
  • 7. Generationenvertrag statt Generationenkonflikt Die kollektiven Sicherungssysteme haben zwar unsere individuelle Absicherung bei Krankheit und Alter über die Pflege durch die Fa- milie ergänzt und partiell ersetzt. Doch gerade weil die Mehrge- nerationenfamilie, deren Mitglieder sich gegenseitig fördern und stützen können, eine Rarität geworden ist, bedarf es neuer sozia- ler Modelle – jenseits der notwendigen materiellen Absicherung. Diese finanzielle Absicherung der öffentlichen Sicherungssysteme ist langfristig nicht gewährleistet. Die demografische Entwicklung in Deutschland und den meisten europäischen Ländern bedeutet schlicht, dass die Zahl der Erwerbstätigen tendenziell abnimmt und die Zahl der Nichterwerbstätigen laufend zunimmt. Diese Schere wird in den nächsten Jahrzehnten weiter aufgehen, so dass die steigenden sozialen Ausgaben immer weniger durch die gesetzlich vorgeschriebenen Beiträge der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung getragen werden können. Damit steigt der Anteil der Sozialausgaben, die aus den öffentlichen Haushalten direkt zu finanzieren sind. Doch unsere öffentlichen Haushalte sind seit Jahrzehnten defizitär. Wie lebt es sich in einer Stadt, in der nur noch in wenigen Haushalten Kinder und Jugendliche wohnen, Familien mit drei Kindern zu einer kleinen Minderheit gehören und die Drei-Ge- nerationen-Familie zu einer Rarität geworden ist? Der „demo- grafische Baum“ ist nicht nur schief gewachsen; es besteht zu Recht auch die Sorge, dass er durch einen Generationenkonflikt vollends entwurzelt wird. Deshalb brauchen wir einen Paradigmenwechsel in der Politik wie in unserer Gesellschaft. Dabei ist es wichtig, neue Wege für das Miteinander der Generationen zu entwickeln und diese auch kon- sequent zu gehen. Es bedarf einer ganzheitlichen Konzeption, die von den Lebenssituationen der Menschen, ob Jung oder Alt, aus- geht – und damit im Gegensatz steht zur heute üblichen Zerglie- derung aller Lebensbereiche. Bei diesem ganzheitlichen Ansatz ist es wichtig, unterschiedliche bürgerschaftliche Gruppen zu beteili- gen, damit sie ihre Ideen und Initiativen einbringen. So entstand in einer Reihe von Diskussionen über eine langfristige Strategie zur Gestaltung der demografischen Veränderungen der „Stuttgar- ter Generationenvertrag“. Inzwischen haben Hunderte von Institu- tionen, Organisationen, Vereinen und einzelnen Bürgern diesen Generationenvertrag als „Selbstverpflichtung“ unterzeichnet. Kon- zeption, Ziel und vor allem viele gute Beispiele finden sich in dem Buch „Der Stuttgarter Generationenvertrag“. Darüber hinaus hat der Gemeinderat einen Unterausschuss „Demografischer Wan- del“ eingesetzt, um das Miteinander der Generationen mit vielen konkreten Schritten zur Umsetzung der Ziele des Stuttgarter Generationenvertrags zu begleiten. Staatsrätin Prof. Dr. Claudia Hübner, der Vorsitzende des Sportkrei- ses Werner Schüle, Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster, Carola Haegele vom Generationenhaus Heslach und die STARTklar-Mitarbeiterin Gisela Hurlebaus unterstützen den Generationenvertrag. 5
  • 8. Wir verstehen unsere Stadt als eine Kommune, als Gemein- schaft von Älteren und Jüngeren, von Gesunden und Kranken, von Menschen mit und ohne deutschen Pass. In unserer Stadt- gemeinschaft erleben wir täglich vielfältige Veränderungen im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis, in unserem beruf- lichen Umfeld und in unserem Alltagsleben. Diese Verände- rungsdynamik ist im wesentlichen Folge von fünf großen Her- ausforderungen: ½ dem demografischen Wandel, ½ dem wirtschaftlichen Wandel, ½ dem technologischen Wandel, ½ dem Klimawandel sowie ½ dem Wertewandel. Der demografische Wandel Die demografische Entwicklung bedeutet für uns alle die Chance, immer älter zu werden und dabei immer länger gesund und fit zu bleiben; zugleich gibt es immer weniger Kinder. In Deutschland und auch in Stuttgart werden immer weniger Kinder geboren. So gibt es schon heute in über 80 Prozent der Stuttgarter Haushalte keine Kinder und Jugendlichen mehr. Deshalb muss unsere Stadtgesellschaft kinderfreund- licher werden. Die Stadt hat dazu das Arbeitsprogramm „Kin- derfreundliches Stuttgart“ mit fünf Aufgabenfeldern entwi- ckelt. Dazu gehört, dass jedem Kind eine Förderung und Bildung zuteil wird, die ihm faire Zukunftschancen eröffnet; Kinder brauchen faire Zukunftschancen, um gut durchs Leben zu kommen. Vielfältige Herausforderungen in Zukunft 6
  • 9. dass es für unsere Kinder Platz zum Wohnen und Freiräume zum Spielen gibt; dass für die Gesundheit und die Sicherheit unserer Kinder gesorgt ist; dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert und durch einen neuen Generationen- vertrag vor Ort das aktive Miteinander von Jung und Alt gefördert wird. Der demografische Wandel bringt vielfältige Veränderungen, zum Beispiel bei der Nachfrage nach Produkten und privaten Dienstleistungen. Durch die immer kleiner werdende Zahl der aktiven Erwerbstätigen wird es immer schwieriger, die öffent- lichen Leistungen sowie die Renten zu finanzieren und die me- dizinische Versorgung und die Pflege sicherzustellen. Die jün- gere Generation, die diese Aufgaben zu übernehmen hat, muss zugleich ihre eigene Vorsorge für sich und ihre Kinder auf- bauen. Deshalb wird es immer schwieriger, alle Verpflichtungen des „alten Generationenvertrages“ zu erfüllen. Wir können die- ses nationale Problem auf kommunaler Ebene kaum ausglei- chen. Um zur Generationengerechtigkeit beizutragen, wollen wir neue Wege des Miteinanders in Stuttgart gehen. Der wirtschaftliche Wandel Die Globalisierung verändert mehr und mehr unser berufliches Leben und unseren Alltag. Die Globalisierung schafft offene Grenzen für Waren, Dienstleis- tungen, Finanzen und Informationen – und damit einen globalen Wettbewerb. Dies betrifft uns als exportstärkste und damit exportabhängigste Region in besonderer Weise. Als führende Hightech-Region sind wir attraktiv für Menschen aus aller Welt. Schon heute sind über 200.000 Stuttgarter im Ausland geboren, die Hälfte unserer Kinder stammt aus Einwandererfamilien, bei fast jeder zweiten Ehe ist wenigstens ein Partner ausländischer Herkunft. In Stuttgart leben Menschen aus 170 Nationen, die über 120 Sprachen sprechen. Wir müssen uns auf diese wachsende Internationalität der Bevöl- kerung einstellen. Mit dem Bündnis für Integration haben wir Wege beschritten, um die zu uns Kommenden in unsere Stadtgesellschaft zu integrieren und ihnen faire Chancen zu eröffnen, Stuttgarterinnen und Stuttgarter zu werden. 7 Fast die Hälfte der Stuttgarter Kinder stammt aus Einwandererfamilien.
  • 10. Eine gute Ausbildung fördert das Selbstvertrauen bei jungen Menschen. 8 Zugleich wollen wir im Wettbewerb um die besten Köpfe die Talente unserer Jugendlichen bestmöglich fördern und attraktiv für die Zuwanderung von Hochbegabten sein. Dazu bedarf es weiterhin gemeinsamer öffentlicher und privater Anstrengungen, die in der Stuttgarter Bildungspartnerschaft gebündelt und fortentwickelt werden. Faire Bildungschancen und lebenslanges Lernen für alle fördern ein friedliches, tolerantes und gegenseitig bereicherndes Miteinander der Nationen und der Generationen. Der technologische Wandel Die technischen Entwicklungen verändern das beruf- liche wie private Leben in unserem Kommunikations- und Medienzeitalter. Vor allem neue Medientechniken eröffnen für jeden eine un- überschaubare Flut an Informationen, Unterhaltung, Spielen, Filmen und vernetzten Kommunikationsmöglichkeiten. Dies führt zu vielfältigen Verhaltensänderungen, vor allem bei Kin- dern und Jugendlichen, aber auch zur Vereinsamung von vielen älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern vor dem Fernseher. Zugleich ersetzen computergesteuerte Maschinen persönliche Dienstleistungen, was die Anonymität in unserem Alltagsleben verstärkt. Die technische Innovationsgeschwindigkeit führt allzu häufig dazu, dass ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Zugleich wird es für junge Leute immer schwieriger, auf der Grundlage einer beruflichen Qualifikation eine sichere berufliche Perspektive aufzubauen. Um die technologisch getriebenen Veränderungsprozesse zu verstehen, braucht es mehr denn je Bildungsangebote für lebens- langes Lernen, beginnend im Kindergarten bis ins hohe Alter wie sie in der Stuttgarter Bildungspartnerschaft gefördert wer- den. Auch um die Anonymität zu überwinden, soll dieses Lernen zugleich ein Lernen miteinander und voneinander sein.
  • 11. Der Klimawandel Der Klimawandel erfordert, verantwortungsvoller mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen umzugehen. Das Klima verändert sich spürbar und viele wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass der Mensch Mitverursacher dieses Klimawandels ist. Wir sind als Bürgerinnen und Bürger, als Stadtverwaltung und als Unternehmen gefordert, zum Kli- maschutz, zu Energie- und Ressourceneinsparungen beizutra- gen. Die Landeshauptstadt hat bereits 1997 ein Klimaschutz- konzept Stuttgart (KLIKS) entwickelt, in dem die vielfältigen Anstrengungen zum Schutze des Klimas, zur Einsparung von Energie und zur Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen in Stuttgart zusammengefasst und seither weiterentwickelt wurden. Stuttgart steht als Gewinnerin der Globalisierung und führende Hightech-Region in Europa in einer besonderen Verantwortung. Deshalb müssen wir in den kommenden Jahren auf einer Viel- zahl von Aufgabenfeldern mehr tun, um klimaschädliche Treib- hausgase, vor allem das Kohlendioxid zu reduzieren und zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung beizutragen. Dazu gehört die konsequente Umsetzung des Leitbildes: „urban – kompakt – grün“, mit der planungsrechtlichen Absicherung von Grünbe- ständen und klimatisch bedeutsamen Flächen, vor allem Frisch- luftschneisen. Der sparsame Umgang mit Energie, ökologische Bauweisen und umweltfreundliche Mobilität sind ebenso not- wendig wie der Schutz unserer Gewässer, eine optimierte Abwasserbehandlung und das Recycling von Abfällen. Nicht zuletzt bedarf es einer breit angelegten Beratung und Öffent- lichkeitsarbeit, beginnend bereits in den Schulen, um die Bürge- rinnen und Bürger für eine nachhaltige Stadtentwicklung zu gewinnen. Der Wertewandel Der Wertewandel in unserer Gesellschaft führt zu einer immer größeren Vielfalt der Lebensformen. Die Veränderung der Werte hin zu einer stärkeren Individuali- sierung führt auch dazu, dass sich immer weniger Menschen langfristig binden. Viele spinnen sich in ihre eigene Interessen- sphäre ein. Mehr als die Hälfte der Haushalte in Stuttgart sind „Single-Haushalte“. Vollständige Familien mit Kindern sind zu einer kleinen Minderheit geworden. Die Drei-Generationen-Fa- milie unter einem Dach ist eine Rarität. Doch individuelle Freiheit und soziale Verantwortung gehören zusammen. Zu dieser Verantwortung gehört auch eine nach- haltige Politik, vor allem eine ökologische Stadtentwicklung, durch die wir zum Klimaschutz, zum Energiesparen und zur Ressourcenschonung beitragen. Dazu gehört aber auch eine solide Finanzpolitik, die finanzielle Altlasten für die nächste Generation vermeidet. Zugleich gilt es die Chancen, die sich aus persönlichen Freiheiten ergeben, durch freiwilliges ehren- amtliches Engagement gerade für ein aktives Miteinander von Alt und Jung zu nutzen. Wir wollen die Herausforderungen, die sich aus dem vielfältigen Veränderungsprozess ergeben, durch ein aktives Miteinander von Alt und Jung gestalten. Gemein- same Grundlage dafür ist der Stuttgarter Generationenvertrag mit seinen zwölf Zielen, die im Folgenden erläutert werden. Klima schützen, Ressourcen schonen, Energie sparen. Für unsere Umwelt 9
  • 12.
  • 13. 11 Der Stuttgarter Generationenvertrag 1. Ziel Stuttgart soll die kinderfreundlichste Stadt werden: Wir wollen den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen, von Familien und Alleinerziehenden durch eine kinder- freundliche Stadtgesellschaft besser gerecht werden, indem wir die im Arbeits- programm „Kinderfreundliches Stutt- gart“ beschriebenen fünf Aufgabenfelder konsequent umsetzen. Diese sind: ½ Faire Zukunftschancen durch Förderung und Bildung für jedes Kind und jeden Jugendlichen sowie ½ Platz zum Wohnen und Freiräume zum Spielen im Freien zu schaffen, ½ bestmöglichst für ihre Gesundheit und Sicherheit zu sorgen, ½ die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Kinder und Karriere zu gewährleisten und ½ ein aktives Miteinander von Jung und Alt verbindlich zu fördern. Von Anfang an lebte das Arbeitsprogramm „Kinderfreundliches Stuttgart“ ganz wesentlich vom Engagement einer großen Zahl von hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei der Stadt wie bei den freien Trägern, den Kirchen, Vereinen und Organisationen. Ebenso wichtig ist das ehrenamtliche Engage- ment von Tausenden von Bürgerinnen und Bürgern, die unserer Stadt ein kinderfreundliches Gesicht in einem familienfreund- lichen Klima geben. Im Arbeitsprogramm befinden sich zahlrei- che Beispiele dazu, hier zwei weitere Projekte. Beispiele Initiative Z – Familienpaten Immer mehr Erwachsene mit Zeitressourcen und sozialer Kom- petenz fördern vor allem jene Kinder, die in anregungsarmen Entwicklungsmilieus aufwachsen, sowie junge Familien, die keine nachbarschaftlichen oder verwandtschaftlichen Kontakte haben. Seit Januar 2006 können Eltern im Rahmen der „Initia- tive Z – Zeit und Herz“ die Beratung und Unterstützung von Familienpaten in Anspruch nehmen. Sie stehen ihnen in Fragen der Alltagsorganisation, Erziehung und Freizeitgestaltung zur Seite. Das Projekt, das vom Jugendamt initiiert und zwei Jahre lang von der Eduard-Pfeiffer-Stiftung finanziell gefördert wurde, erfreut sich einer so großen Nachfrage, dass eine ständige War- teliste besteht. Seit 2008 ist die Finanzierung fest im Haushalt der Landeshauptstadt verankert. Progamm für ein kinderfreundliches Stuttgart Zukunft Kinder ZukunftKinder ProgammfüreinkinderfreundlichesStuttgart Die Broschüre stellt Ziele für ein kinderfreundliches Stuttgart vor. 1.
  • 14. Leseohren e. V. – das Stuttgarter Vorleseprojekt Das Stuttgarter Vorleseprojekt vereint die beiden 2002 gegrün- deten Initiativen „Leseohren aufgeklappt“ und „Zeit für Kin- der“. Dank der erfolgreichen Kooperation aus Stadtbücherei, Staatlichem Schulamt, Jugendamt, Literaturhaus und Breunin- ger Stiftung werden Kinder unabhängig von sozialer Herkunft und Bildung erreicht. Inzwischen lesen rund 230 ehrenamtliche Vorlesepaten in 18 Büchereien, 32 Schulen, 59 Kindergärten und bei öffentlichen Veranstaltungen vor. Allein 2007 gab es rund 7.000 Vorleseeinsätze für 30.000 Kinder. Der Verein Lese- ohren e. V. wählt die Vorlesepaten aus, organisiert Fortbil- dungsveranstaltungen und berät bei der Auswahl der geeigne- ten Literatur. 12 Vorlesepaten fördern das kindliche Bedürfnis, selbst zu lesen.
  • 15. 13 2. Ziel Ein selbstbestimmtes Leben in sicherem Umfeld garantieren: Wir wollen individuell auf die Bedürf- nisse der Älteren, ob inländischer oder ausländischer Herkunft, eingehen und sie durch Bildung, Beratung und Hilfen im Alltag unterstützen, damit sie möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben in einem sicheren Umfeld führen können. Ältere Menschen sind keine homogene Gruppe, das zeigt sich allein schon an den Begriffen wie „junge Senioren“, „Silver Age“; „Vierter Lebensabschnitt“ und „Hochbetagte“. Je unter- schiedlicher sich die Gruppe der Älteren zusammensetzt, desto differenzierter sind ihre Bedürfnisse. Unsere Angebote müssen den Bedarf von Begleitung und Unterstützung, den Wunsch nach Bildung, Kultur und Bewe- gung, den Willen nach Mitgestaltung und Engagement und das Verlangen nach Geselligkeit berücksichtigen. In unseren Begeg- nungsstätten finden Ältere zum Beispiel Kurse zur Vorbereitung auf die nachberufliche Phase, Bewegungs- und Tanzangebote, Sprachkurse, Gesundheitsförderung, Beratung zu altersspezifi- schen Fragen und Betreuungsangebote für demente Menschen. Besucherdienste, altengerechte Wohnungen, Mittagstische und Altenerholung unterstützen ältere Menschen in ihrer Selbstbestim- mung und Selbstständigkeit. Die Zahl der Angebote trägt dazu bei, dem Bedürfnis nach Kontakt, Unterhaltung und Teilhabe gerecht zu werden. Dazu gehören auch seniorenfreundliche Angebote im ÖPNV durch den VVS und eine sichere Stadt, zu der die gemeinsa- me Arbeit von Polizei, Bürgerschaft und Stadtverwaltung in der Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft wesentlich beiträgt. Beispiele Wohnen mit Hilfe Bei der Initiative „Wohnen mit Hilfe“ haben ältere Menschen die Möglichkeit, an Studierende Wohnraum zu vermieten und dafür verbindliche Hilfeleistungen zu vereinbaren. Durchgeführt wird das Projekt von der Wohnberatungsstelle des Deutschen Roten Kreuzes, Kreisverband Stuttgart e. V., mit Unterstützung der Studentenwerke Stuttgart und Tübingen-Hohenheim. Wohninitiative Wabe e. V. In enger Kooperation mit der Pro-Wohnungsgenossenschaft e. V. realisierte die Wohninitiative Wabe e. V. bereits zahlreiche generationenübergreifende Wohnprojekte in Stuttgart, wobei die Häuser alle in Form von Baugemeinschaften entstanden sind. Pedelecs – mit Elektroantrieb geht es leichter. 2.
  • 16. 14 3. Ziel Vielfältige Begegnungsangebote schaffen: Wir wollen mit vorhandenen und neuen Einrichtungen und gemeinnützigen Organisationen wie Generationenhäu- sern, Begegnungsstätten, Bürgerhäu- sern, Sportvereinen, Gartenbau- und Umweltvereinen, Kulturvereinen, Schu- len und Kirchengemeinden, vielfältige Begegnungsangebote schaffen, um neue persönliche Bekanntschaften über die Generationen hinweg zu erleichtern und Patenschaften zu stiften. Mit unseren vielfältigen dezentralen Strukturen machen wir es jedem, ob Jung oder Alt, leicht, Kontakt zu knüpfen und dabei auf die individuellen Interessen einzugehen. Dies ist umso wichtiger, als tradierte Familienstrukturen, vor allem die Drei- Generationen-Familie unter einem Dach, selten sind und des- halb die Gefahr der Vereinsamung in einer anonymen Groß- stadt umso größer ist. Um die Älteren von ihren Fernsehern und aus ihrer Wohnung „wegzulocken“, bedarf es vielfältiger niederschwelliger Angebote. Beispiele Generationenhaus Heslach Das seit 2002 bestehende „Generationenhaus Heslach“ wurde von der Rudolf Schmid und Hermann Schmid Stiftung finan- ziert. Im Jahr 2004 zeichnete die Stiftung „Lebendige Stadt“ dieses generationenübergreifende Wohnkonzept mit dem ersten Preis aus. Innovativ ist das Projekt nicht nur, weil hier jüngere und ältere Menschen mit und ohne körperliche Beein- trächtigungen unter einem Dach leben, sondern auch, weil Mütter und ihre Kinder die vielfältigen Kontakt- und Betreu- ungsmöglichkeiten nutzen können. Außerdem sind über 100 Gruppierungen und Vereine aus dem Stadtteil eingebunden. Sie alle verbindet der Wunsch, miteinander ins Gespräch zu kommen und das soziale und kulturelle Leben ihres Stadtteils mitzugestalten. Im Foyer des Generationenhauses Heslach wurde im Mai 2008 zusammen mit der städtischen Freiwilligen- agentur ein „Nachbarschaftscafé“ eingerichtet, das 20 Aktive betreiben. Hier können sich Menschen treffen und austau- schen, die ehrenamtlich tätig sind oder Interesse an einem Ehrenamt haben. Generationenverbindende Projekte des TREFFPUNKT Senior In Erzähl-Cafés stellen junge Menschen den Senioren vor, was sie als Kinder bewegt und begeistert hat und umgekehrt. Beide nehmen Anteil an der Lebenswelt der jeweils anderen Genera- tion und erleben die Freude am Miteinander. In der Geschichtswerkstatt berichten Seniorinnen und Senioren von ihren Erlebnissen während des Krieges, der Nachkriegszeit und der Aufbauphase der Bundesrepublik. Sie lassen sich gerne zum Beispiel von den Schülerinnen und Schülern des Heidehof- Gymnasiums „Löcher in den Bauch“ fragen. Gemeinsam machen sie sich Gedanken darüber, was aus der Geschichte gelernt wer- den kann und wie wir unsere Zeit heute so gestalten können, dass sie für alle lebenswert bleibt. Unter dem Motto: „Hilfe, mein Handy piepst!“ geben Schülerinnen und Schüler den Seniorinnen und Senioren eine Einführung in den Umgang mit dem Handy. 3.
  • 17. Die Interessengemeinschaft „SeniorenNet“ im Generationenhaus Heslach will den Einstieg ins Internet für Seniorinnen und Senioren erleichtern. 15
  • 18. 4. Ziel Netzwerke der Eigeninitiative und der Selbst- hilfe fördern: Wir wollen neue Netzwerke der Eigen- initiative und der Selbsthilfe organisato- risch und materiell gezielt fördern, in denen die Älteren ihre Erfahrungen, ihr Können und Wissen einbringen. Gerade in einer Großstadt ist es wichtig, bei der Organisation von Netzwerkstrukturen zu helfen und Plattformen der Selbst- hilfe zu unterstützen. Um diesen Prozess zu erleichtern, hat die Stadt Stuttgart die Freiwilligenagentur eingerichtet. Mit einer professionellen Leitung berät ein Team von 36 Ehrenamtlichen die Bürgerinnen und Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren möchten. Zugleich sammelt die Freiwilligenagentur Angebote von Organisationen und Vereinen, die Ehrenamtliche brauchen. Diese internetunterstützte Ehrenamtsbörse funktioniert inzwi- schen erfreulich gut. Verbunden ist dies mit der Arbeit der frEE Akademie der Stadt Stuttgart. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, Ehrenamtliche weiterzubilden; die Kurse und Seminare werden dabei generationenübergreifend angeboten. Beispiele KISS Besonders aktiv und wichtig ist KISS, die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen e. V. Sie bietet durch ihre Erfahrungen den vielfältigen Selbsthilfegruppen Unterstützung an, ob bei der Gruppenarbeit, der Öffentlich- keitsarbeit, durch Weiterbildung oder bei der Raumsuche. Dies ist besonders wichtig, gerade auch für Ältere, die damit zugleich neue persönliche Beziehungen aufbauen können. In KISS haben sich über 500 Gruppen organisiert. Die Stadt unterstützt KISS, indem sie geeignete Räume zur Verfügung stellt. Bürgerstiftung Stuttgart als Plattform für bürgerschaftliches Engagement Die Bürgerstiftung Stuttgart wurde 2001 mit Unterstützung und Förderung des Oberbürgermeisters gegründet. Heute ist sie die drittgrößte Bürgerstiftung in Deutschland. Sie sieht sich selbst als Plattform für all die Menschen in der Stadt, die etwas verändern wollen. Dazu wurden „Runde Tische“ gegründet, bei denen Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen und Rollen das gemeinsame Anliegen verfolgen, nämlich neue Netzwerke der Eigeninitiative und Selbsthilfe zu organisieren. Dazu gehört vor allem der Runde Tisch „Jung und Alt: voneinander lernen, mitein- ander tun“. Ein Projekt dabei ist: „Stuttgart liest vor“. Lothar Späth bei „Stuttgart liest vor“. 16 4.
  • 19. 5. Ziel Vernetzung in den Stadtbezirken herstellen: Wir wollen durch die Vernetzung in unseren Stadtbezirken nicht nur neue Chancen für persönliche Beziehungen schaffen, sondern auch die Bedürfnisse und Erwartungen der Älteren wie die von Kindern und Familien in ihrer Viel- falt, Gegensätzlichkeit und Gemeinsam- keit aufnehmen, indem sich unsere Bezirksämter verstärkt um dieses Mitein- ander der Generationen vor Ort kümmern. Stuttgart hat im letzten Jahrzehnt konsequent alle öffentlichen Dienstleistungen dezentralisiert, um sie möglichst wohnortnah und bürgernah in jedem Stadtbezirk in unseren Bezirksrathäu- sern anbieten zu können. Ergänzend entstanden in allen Stadt- teilen Bürgerhäuser und Bürgerzentren. Sie haben die Aufgabe, die generationenübergreifende Begegnung von Jung und Alt sowie die Integration von ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern aller Altersschichten zu fördern. Für Senioren und Jugendliche werden Veranstaltungen wie Spielnachmittage angeboten, unter anderem auch von ausländischen Kulturvereinen. Zugleich sind diese wohnortna- hen Treffpunkte ein wichtiger Kommunikationsort im Stadtbe- zirk. Die Arbeiten mit den vielfältigen anderen Angeboten, zum Beispiel auch im Sport, zu vernetzen und in die Öffentlichkeit zu bringen, ist Teil der dezentralen Strategie in unseren Stadtbe- zirken, um den demografischen Wandel vor Ort zu gestalten. Beispiele Anna-Haag-Haus in Bad Cannstatt Bereits seit vielen Jahrzehnten fördert das nach der Schriftstelle- rin, Pazifistin und Frauenrechtlerin benannte Anna-Haag-Haus erfolgreich den Dialog zwischen den Generationen. Altenpflege- heim, hauswirtschaftliche Bildungsstätte und Kindertagesstätte sind unter einem Dach vereint. Alle drei Einrichtungen koope- rieren beim gemeinsamen Spielen, Singen und Musizieren. Daneben werden zahlreiche Projekte und Kurse für und mit Eltern und Familien angeboten. Beispielsweise besuchen Kinder und ihre Eltern die Senioren im Haus und gestalten mit ihnen gemeinsame Projekte. Im Sommer 2007 hat das Anna-Haag- Haus seinen Neubau in der Martha-Schmidtmann-Straße in Bad Cannstatt bezogen. Gemeinsam Stuttgart-Ost entdecken Der Stuttgarter Osten mit seinen Stadtteilen Berg, Frauenkopf, Gablenberg, Gänsheide, Gaisburg, Ostheim und Stöckach ist mit über 47.000 Einwohnern der drittgrößte Stadtbezirk. Er gehört zu den kulturell und sozial vielfältigsten Stadtbezirken. Der Kulturtreff Stuttgart Ost e. V. hat es sich zu einer seiner Aufgaben gemacht, Bürgerinnen und Bürger, Junge und Alte durch heimatkundliche Stadtteilrundgänge mit der Geschichte ihrer Heimat vertraut zu machen. 17 5.
  • 20. 6. Ziel Bildungsangebote für lebenslanges Lernen fördern: Wir wollen die Bildungsangebote für lebenslanges Lernen fördern, beginnend im Kindergarten, in Schulen, Hochschu- len, Bibliotheken, in der beruflichen wie in der kulturellen Bildung, um die not- wendige geistige Mobilität von Jung und Alt und das Lernen voneinander und miteinander zu ermöglichen. Die Stuttgarter Bildungspartnerschaft macht deutlich, wie viel- fältig die Angebote sein müssen, damit lebenslanges Lernen für Jung und Alt gelingen kann. Entsprechend dem Grundsatz „kein Abschluss ohne Anschluss“ gilt es, nicht nur im schuli- schen Bereich Bildungsangebote so zu verzahnen, dass sie le- bensbegleitend werden. Dazu gehören vielfältige Formen der kulturellen Vermittlung sowie des interkulturellen und interge- nerativen Miteinander-Lernens. Beispiele Kein Kuss für Oma Die Eigenproduktion „Kein Kuss für Oma“ mit Kindern und Senioren unseres Theaters Junges Ensemble Stuttgart (JES) zeigt einmal mehr, wie spannend es sein kann, wenn ein Kinder- und Jugendtheater mit einem Seniorentheater ergänzt wird. Der JES Kinderspielclub und das JES Seniorentheater „Die fünfte Jahres- zeit“ haben sich über das Kinderbuch „Kannst Du pfeifen, Johanna“ von Ulf Stark und Anna Höglund darauf verständigt, gemeinsam ein Theaterstück zu entwickeln, das den Lebens- mut, die Suche nach Glück, den Verlust durch Tod, die Gebrechlichkeit sowie das Gemeinsame und Trennende thema- tisiert. Lernlotsen in der Stadtteilbücherei West Wie ein Schiffslotse zeigen Senioren als Lernlotsen Kindern und Jugendlichen in der Stadtteilbücherei West den richtigen Weg zu den unterschiedlichen Medien, helfen bei der Auswahl ge- eigneter Informationen und geben nützliche Tipps bei Bewer- bungen, Referaten und anderem. Spaß legt den Grundstein für ein lebenslanges Lernen. 18 6.
  • 21. 7. Ziel Jugendlichen eine faire Chance eröffnen: Wir wollen jedem Jugendlichen eine faire Chance für die Entfaltung seiner Begabun- gen und für eine angemessene berufliche Qualifikation eröffnen und ihn persönlich in seinem Bemühen um eine gute berufli- che Perspektive durch ältere Mitbürgerin- nen und Mitbürger fördern. Fast die Hälfte aller Jugendlichen in Stuttgart hat einen Migra- tionshintergrund. Darüber hinaus kommen viele Jugendliche aus bildungsfernen familiären Milieus, die es ihnen schwer ma- chen, ihre Talente zu entfalten, den schulischen Anforderungen gerecht zu werden und mit Abschluss der Schule eine gute be- rufliche Qualifikation zu finden. Neben den vielfältigen Förde- rungen in unseren Schulen, vor allem in den Hauptschulen, durch engagierte Lehrerinnen und Lehrer, ist die Vernetzung in das gesellschaftliche Umfeld im Stadtbezirk und die persönliche Unterstützung beim Übergang von der Schule in den Beruf wichtig. Dankenswerterweise gibt es eine Vielzahl von Initiati- ven, zum Beispiel STARTklar in der Gesamtstadt, aber auch in einzelnen Stadtbezirken. Beispiele 30 Jahre Hausaufgabenhilfe Degerloch Die Hausaufgabenhilfe Degerloch – die offizielle Bezeichnung ist „Sprach-, Lern- und Hausaufgabenhilfe“ – gibt es ohne Unterbrechung seit 30 Jahren. In dieser privaten Initiative teilen sich ehrenamtlich 15 bis 20 Frauen und Männer die Arbeit an drei Nachmittagen pro Woche. Eines ihrer Hauptanliegen ist, die sprachlichen Defizite der Kinder abzubauen, Lesen und Dik- tate zu üben und sie – häufig über viele Jahre – in der Schule so zu begleiten, dass sie den Übergang in einen Beruf erfolgreich meistern. Miteinander der Nationen und Generationen im Haus 49 Das Haus 49 ist ein Standort der mobilen Jugendarbeit in der Trägerschaft des Caritasverbandes Stuttgart. Neben dem vielfäl- tigen Angebot für Jugendliche ist das Haus auch zu einem Ort der Begegnung für Familien und Erwachsene aus dem Stadtteil geworden. Vormittags sind Kleinkinder in der Krippe, mittags kommen Schüler zum Essen und zur Hausaufgabenbetreuung, nachmittags und abends treffen sich Ältere bei Kaffee und Ku- chen, darunter der türkische und italienische Seniorenklub. Das Haus 49 verbindet Menschen aller Kulturen und Generationen. Hausaufgabenbetreuung im Haus 49 19 7.
  • 22. 8. Ziel Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch eine familienfreundlichere Arbeitswelt erreichen: Wir wollen eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch eine famili- enfreundlichere Arbeitswelt erreichen, um vor allem für junge Frauen das Mit- einander von Kind und Karriere zu erleichtern. Es sind noch viele Schritte notwendig, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. (Im vierten Kapitel des Arbeits- programms Kinderfreundliches Stuttgart wird dies ausführlich thematisiert). Dies betrifft nicht nur die öffentlichen Betreu- ungs- und Bildungsangebote mit entsprechend verlässlichen, flexiblen Öffnungszeiten. Hinzu kommen familienfreundliche Arbeitswelten und das Engagement von Unternehmen, die auf die Bedürfnisse von Familien, vor allem junger Frauen, stärker eingehen. Das in Stuttgart entwickelte Unternehmensnetzwerk hilft dabei als Plattform des Erfahrungsaustauschs und durch bewährte Beispiele aus der Praxis. Aber auch die Stadt als gro- ße Arbeitgeberin bemüht sich um eine bessere Familienfreund- lichkeit, nicht zuletzt im Interesse der Qualität der Arbeit. Beispiele Familienfreundliche Unternehmen Mittlerweile haben viele große, mittlere und auch kleinere Unternehmen in Stuttgart und der Region je nach ihren Mög- lichkeiten familien- und kinderfreundliche Maßnahmen und Strukturen in ihren Arbeitsbereichen umgesetzt. Unterstützt werden sie dabei von dem Netzwerk familienfreundlicher Unternehmen, das die Stabsstelle für Chancengleichheit der Stadt Stuttgart zusammen mit dem Kuratorium Kinderfreundli- ches Stuttgart koordiniert. Die Allianz Lebensversicherungsgesellschaft mit Sitz in Stuttgart hat sich als großer Dienstleister zum Ziel gesetzt, durch Initiati- ven zugunsten der Familien die Qualität und Motivation ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verbessern. Dazu gehören flexible Arbeitszeiten, erweiterte Teilzeitarbeit, Förderung des beruflichen Fortkommens von Frauen, die Begleitung in allen Lebensabschnitten, die Suche nach einer adäquaten Kinderbe- treuung, die Benutzung der Kantine für die Kinder sowie Schu- lungen und Personalentwicklungsgespräche, die die Bedeutung der Kinder- und Familienfreundlichkeit des Unternehmens ins Bewusstsein der Vorgesetzten und Mitarbeiterinnen und Mitar- beiter bringen. Generationenhaus West Das „Generationenhaus West“ wurde von der Rudolf und Hermann Schmid Stiftung mit elf Millionen Euro finanziert und wird von vier Trägern gemeinschaftlich betrieben. Es beher- bergt eine städtische Kindertageseinrichtung, betreutes Woh- nen für Senioren unterschiedlicher nationaler Herkunft, den Verein Freie Altenarbeit, der einen ganzheitlichen Pflegedienst anbietet, sowie das Eltern-Kind-Zentrum (EKiZ). 20 8.
  • 23. Familienfreundliche Unternehmen helfen Müttern, Kinder und Beruf zu vereinbaren. Diese vielfältigen Angebote dienen dazu, dass zum Beispiel vor allem junge Frauen die Möglichkeit haben, ihre Kinder dort flexi- bel betreuen zu lassen. Damit können sie ihre Arbeitszeiten mit den Betreuungszeiten gut abstimmen. Zugleich können sie neue freundschaftliche Beziehungen aufbauen, die zur täglichen Erzie- hung und Entwicklung der Kinder beitragen. Im November 2006 wurde das Eltern-Kind-Zentrum Stuttgart-West e. V. im Genera- tionenhaus West der Rudolf und Hermann Schmid Stiftung durch Frau Bundesministerin Ursula von der Leyen in das bundesweite Aktionsprogramm des Bundesfamilienministeriums als Mehrge- nerationenhaus Stuttgart aufgenommen. Durch das Aktionspro- gramm kann das Haus seine Angebote weiter ausbauen und für die verschiedenen Generationen erweitern. 21
  • 24. 22 9. Ziel Kompetenz und Lebenserfahrung älterer Men- schen insbesondere im Arbeitsleben nutzen: Wir wollen, dass die Lebenserfahrung Älterer an die Kinder und Jugendlichen weitergegeben wird. Insbesondere wollen wir Unternehmen gewinnen, weniger häufig ältere Mitarbeiterinnen und Mitar- beiter vorzeitig aus dem Arbeitsleben zu verabschieden und vielmehr ihre Kompe- tenzen für unsere wirtschaftliche Entwick- lung besser zu nutzen. Erwerbsarbeit ist für viele Menschen wesentliche Voraussetzung zur Teilhabe an unserer Gesellschaft. Unabhängig von den finan- ziellen Folgen für den arbeitslos Gewordenen und die finanziel- len Belastungen für unsere Sozialsysteme ist es eine Frage der Solidarität und Chancengerechtigkeit, dass Menschen ihre Talente, Begabungen und Erfahrungen in das Arbeitsleben einbringen können. Auch wenn der Trend zur vorzeitigen Altersteilzeit wie- der gestoppt ist, ist doch die Zahl der fitten Älteren, die unfrei- willig aus dem Erwerbsleben ausscheiden mussten, erschreckend hoch. Mit ihnen verlieren die Arbeitgeber nicht nur berufliche Erfahrungen, sondern auch vielfältige soziale Kompetenzen des generationenübergreifenden Miteinanders. Beispiele Neue Chancen für ältere Arbeitnehmer durch das Jobcenter Stuttgart Im Bewusstsein der Verantwortung für ältere langzeitarbeitslose Bürgerinnen und Bürger hat die Landeshauptstadt Stuttgart in dem gemeinsam mit der Agentur für Arbeit getragenen Job- center das Konzept „Fördern und Fordern“ auf den Weg gebracht. Es hilft den Älteren bei der Rückkehr in eine reguläre Arbeit. Senioren helfen Junioren Ein Team ehemaliger Unternehmer und Führungskräfte aus Industrie, Handel, Handwerk, aus Dienstleistungsunternehmen und freien Berufen, hilft als Senioren den Junioren. Durch Berufserfahrung, Kompetenz, Kontinuität und im täglichen Beratungsgespräch unterstützen sie die jungen Existenzgründer in der Startphase. 9. Alt und Jung können viel voneinander lernen.
  • 25. 10. Ziel Durch eine nachhaltige Stadtentwicklung un- sere natürlichen Lebensgrundlagen erhalten: Wir wollen durch Nachhaltigkeit unserer Stadtentwicklung dazu beitragen, auch den nachfolgenden Generationen unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu erhal- ten und Umweltschäden soweit wie möglich zu beseitigen. Mit dem 1997 vom Gemeinderat beschlossenen Klimaschutzkon- zept Stuttgart (KLIKS) hat die Stadt sich auf den Weg gemacht, ein ganzheitliches Umweltprogramm zu entwickeln, fortzuschrei- ben und konsequent umzusetzen. Dazu gehört zum Beispiel das Stadtentwicklungskonzept mit dem Leitziel „urban – kompakt – grün“. So hat Stuttgart inzwischen über 39 Prozent seiner Gemar- kung unter Landschafts- und Naturschutz gestellt, die höchste Quote aller deutschen Großstädte. Über 50 Prozent der Gemar- kung sind öffentlich zugängliche Wälder, Parkanlagen und Grün- flächen, so dass kein Stuttgarter mehr als 300 Meter Entfernung zurücklegen muss, um ins Grüne zu gelangen. Die Revitalisierung von Brachflächen, die Beseitigung von Altlasten, die umweltge- rechte Abfallwirtschaft gehören ebenso zum Klimaschutzkonzept wie die Renaturierung von Bächen, Flüssen sowie strikte Vorga- ben zur Energieeinsparung und höheren Energieeffizienz. Beispiele Patenschaften für Grünflächen: der Masterplan Tapachtal Erfreulicherweise engagieren sich viele Bürgerinnen und Bürger im Umweltbereich. Ein besonderes Beispiel ist das Engagement für das Landschaftsschutzgebiet Tapachtal, bei dem dank einer offenen Bürgerbeteiligung im Rahmen des Projekts Soziale Stadt ein Masterplan entwickelt wurde, um die vielfältigen Nutzungsanforderungen und Erwartungen von verschiedenen Gruppen im Tapachtal zu erreichen. „Let’s Putz“ in unseren Stadtbezirken Um Verunreinigungen in Grünanlagen, Parks und Wäldern zu reduzieren und zugleich ein verschärftes Umweltbewusstsein zu schaffen, hat die Stadt vor elf Jahren begonnen, in jedem Stadtbezirk Kindergärten, Schulen und Vereine zu einer jähr- lichen Reinigungsaktion einzuladen. Die aktivsten Kindergärten, Schulen und Stadtbezirke werden jedes Jahr mit einem Geld- preis ausgezeichnet. Gerade bei den Kindern der Kitas und Grundschulen hat diese Art des praktischen Umweltschutzes eine sehr lehrreiche Wirkung. Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen, muss bereits im Kindergarten geübt werden. 23 10.
  • 26. 24 11. Ziel Für eine faire Ausgabenpolitik und einen konsequenten Schuldenabbau arbeiten: Wir wollen den Verteilungskampf der Generationen, das drohende Gegenein- ander von Jung und Alt um materielle Ressourcen, öffentliche Subventionen und Dienstleistungen vermeiden, indem wir uns für eine ausgewogene, faire Ausgabenpolitik und einen konsequen- ten Schuldenabbau einsetzen. Uns Schwaben geht es gut, weil wir sparsam sind. Das ist ein verbreitetes und Image bildendes Klischee. Das Beste daran ist: Es stimmt! Die Geschichte unserer Region, des Schwaben- landes, ist geprägt durch Armut, harte Arbeit, karge Land- wirtschaft, Rohstoffmangel sowie politische Unterdrückung und Unfreiheit. Deshalb sind über 30 Prozent der Schwaben ausgewandert in der Hoffnung, sich an anderen Orten dieser Welt, ob am Schwarzen Meer, in Brasilien oder in Nordameri- ka bessere Lebenschancen erarbeiten zu können. Diese Chancen wollen wir unseren prozentual gesehen im- mer weniger werdenden Kindern nicht nehmen, indem wir die Finanzmittel, die sie für ihre zukünftige Entwicklung brau- chen, schon heute konsumieren. Wir können der nachfolgen- den Generation keine Schuldenberge hinterlassen und zu- gleich erwarten, dass sie unsere Renten, Sozialleistungen, Krankheitskosten bezahlt, uns im Alter pflegt und zugleich für sich und ihre Kinder vorsorgt. Die Stadt hat sich deshalb vorgenommen, die Schulden auf null zu senken und Rückla- gen aus Vermögensverkäufen, vor allem aus dem Energiesek- tor, zu bilden. Zugleich fördert die Stadt den Stiftungsgedan- ken, nicht nur bei der Bürgerstiftung, damit heute verfügbares Kapital auch langfristig für die nächste Generation wirken kann. Beispiele Die Olgäle-Stiftung für das Kranke Kind e. V. – Hilfen für schwerkranke Kinder und ihre Eltern Das Olgahospital ist eines der größten Kinderkrankenhäuser in Deutschland und bietet durch seine vielen spezialisierten Chef- ärzte und Oberärzte ein umfassendes, hoch qualifiziertes Behandlungsangebot. Dementsprechend kommen Kinder nicht nur aus Stuttgart und der Region, sondern aus ganz Deutsch- land zur Behandlung. Deshalb ist das Olgahospital „chronisch“ defizitär. Vieles, was für die schwerkranken Kinder und ihre Eltern sinnvoll ist, kann nicht von der Stadt als Trägerin finan- ziert werden. Aus diesem Grund wurde vor elf Jahren die Olgäle-Stiftung ge- gründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, eine kindgerechte Atmo- sphäre zu schaffen, die psychosoziale Betreuung zu verbessern, neuestes medizinisches Gerät für Diagnostik und Therapie zu finanzieren sowie Fortbildung und Forschung zu unterstützen. Die Olgäle-Stiftung finanziert dabei nicht nur laufende Projekte, sondern legt einen Teil der Spenden, Erbschaften und Zustiftun- gen als Stiftungsvermögen an, um nachhaltig auch in der Zu- kunft helfen zu können. Stiftung Internationale Bachakademie Stuttgart Um die Arbeit der Internationalen Bachakademie langfristig zu sichern, wurde vor 25 Jahren die Stiftung Internationale Bach- akademie Stuttgart gegründet. Sie ist Trägerin des Stiftungsver- mögens, ergänzt die Spenden- und Mitgliedsbeiträge des För- derkreises sowie die Zuschüsse von Stadt, Land und projekt- 11.
  • 27. Die Olgäle-Stiftung unter dem Vorsitz von Dr. Stefanie Schuster (rechts) unterstützt kranke Kinder und deren Eltern. bezogen des Bundes. Damit ist es möglich, vor allem besondere Projekte zum Beispiel zum Bachjahr 2000 und für das Musiker- gedenkjahr 2009 (Händel, Haydn, Mendelssohn) zu finanzieren. Die Stiftung als eine Rechts- und Finanzkörperschaft erleichtert dabei die Arbeit, weil sie finanzielle Anforderungen ausgleichen und damit dazu beitragen kann, die vielfältige Arbeit der Inter- nationalen Bachakademie lokal, national und international auf höchstem Niveau zu stabilisieren. 25
  • 28. 12. Ziel Die persönliche Bereicherung durch freiwilliges Engagement deutlich machen: Wir wollen durch viele gute Beispiele deutlich machen, dass es ein persönlicher Gewinn und eine Bereicherung für das eigene Leben ist, wenn man sich für ältere beziehungsweise jüngere Men- schen engagiert. Mehr denn je leben wir in einer Gesellschaft, in der die Lebens- zeit den Zeitabschnitt des Erwerbslebens erfreulicherweise immer länger übersteigt. Damit eröffnet sich die Chance, einen dritten Lebensabschnitt zu gestalten. Umso wichtiger ist die Antwort auf die Frage, mit welchen Tätigkeiten dieser dritte Lebensabschnitt sinnstiftend gestaltet und bereichert werden kann. Deshalb wol- len wir mit guten Beispielen zeigen, dass unser Engagement für andere sich auch im eigenen Interesse lohnt. Beispiele Integrative Computerwerkstatt Ältere geben nicht nur ihre Erfahrungen weiter, sondern profitieren auch von den Kenntnissen der Jüngeren. So nutzen derzeit über 100 Seniorinnen und Senioren die „integrative Computerwerkstatt“, die vom Jugendhaus Heslach und dem „SeniorenNet Stuttgart“ im Mehrgenerationenhaus Heslach angeboten wird. Fit wie ein Turnschuh Im Fanny-Leicht-Gymnasium organisieren Schüler für rund 170 erwachsene Kursteilnehmer einen „sozialen Arbeitskreis“. Sie kommen an zwei Nachmittagen in die Schule, um vom Wissen der Schüler – als Lehrer – zu profitieren. Dabei geht es weniger um das Vokabeln lernen, sondern meist um aktuelle Themen, wobei die Älteren ihre reiche Lebenserfahrung mit einbringen können. Der Kontrast zwischen Jung und Alt beflügelt beide Seiten, voneinander zu lernen. 26 12. Schüler geben als Lehrer Erlerntes weiter.
  • 29. 27 Buchprojekt 70 Stuttgarterinnen und Stuttgarter haben ihre Erfahrungen und Erlebnisse in dem Buch „Der Stuttgarter Generationenver- trag“ beschrieben. Die Beiträge machen Mut und regen an, den guten Beispielen zu folgen. Die persönlichen Schilderungen zeigen zugleich die Freude der Beteiligten am Miteinander und ihre Begeisterung für ein erfolgreiches Wirken. Der Stuttgarter Generationenvertrag Wolfgang Schuster (Hrsg.) Das Buch „Der Stuttgarter Generationenvertrag“ beinhaltet zahlreiche persönliche Erfahrungen von Jung und Alt. Ansprechpartner Bei Fragen zum Leben im Alter, zu Angeboten für Seniorinnen und Senioren sowie für Kinder hilft die Landeshauptstadt Stuttgart: Sozialamt Bürgerservice Leben im Alter (LiA) Eberhardstraße 33, 70173 Stuttgart Telefon: 216 - 38 18, Fax: 216 - 79 45 E-Mail: lebenimalter@stuttgart.de Kinderbeauftragte der Landeshauptstadt Stuttgart Roswitha Wenzl Telefon: 216 - 61 11 E-Mail: roswitha.wenzl@stuttgart.de Weitere Infos im Internet unter www.stuttgart.de/kinder, www.kinderfreundliches-stuttgart.de Literaturhinweise: Das Programm „Zukunft Kinder“, die Broschüre „1001 Ange- bote und Möglichkeiten für unsere Kinder und Familien in Stuttgart“ sowie die Broschüre „LiA – Bürgerservice Leben im Alter“ gibt es kostenlos an der Infothek des Rathauses am Marktplatz, das Buch „Der Stuttgarter Generationenvertrag“, Herausgeber Wolfgang Schuster, ist 2007 im Hohenheim Ver- lag erschienen und im Buchhandel erhältlich. Ansprechpartner und Literaturhinweise
  • 30. Du bist so jung wie Deine Zuversicht – Jugend ist nicht ein Lebensabschnitt, sie ist ein Geisteszustand. Sie ist Schwung des Willens, Regsamkeit der Phantasie, Stärke der Gefühle Sieg des Mutes über die Feigheit, Triumph der Abenteuerlust über die Trägheit. Niemand wird alt, weil er eine Anzahl Jahre hinter sich gebracht hat. Man wird nur alt, wenn man seinen Idealen Lebewohl sagt. Mit den Jahren runzelt die Haut, mit dem Verzicht auf Begeisterung aber runzelt die Seele. Sorgen, Zweifel, Mangel an Selbstvertrauen, Angst und Hoffnungslosigkeit, das sind die langen, langen Jahre, die das Haupt zur Erde ziehen und den aufrechten Geist in den Staub beugen. Ob siebzig oder siebzehn, im Herzen eines jeden Menschen wohnt die Sehnsucht nach dem Wunderbaren, das erhebende Staunen beim Anblick der ewigen Sterne und der ewigen Gedanken und Dinge, das furchtbare Wagnis, die unersättliche kindliche Spannung, was der nächste Tag wohl bringen möge, die ausgelassene Freude und Lebenslust. Du bist so jung wie Deine Zuversicht, so alt wie Deine Zweifel, so jung wie Deine Hoffnung, so alt wie Deine Verzagtheit. Solange die Botschaft der Schönheit, Freude und Größe der Welt, des Menschen und des Unendlichen, Dein Herz erreichen, solange bist Du jung. Erst wenn die Flügel nach unten hängen und Dein Herz vom Schnee des Pessimismus und vom Eis des Zynismus bedeckt ist, dann erst bist Du wahrhaft alt geworden. Albert Schweitzer (1875 bis 1965) Theologe, Philosoph und Arzt, Friedensnobelpreis 1952 28 Albert Schweitzer: Du bist so jung wie Deine Zuversicht
  • 31. Impressum: Die vorliegende Broschüre ist eine Zusammenfassung des Buchs „Der Stuttgarter Generationenvertrag“ und zugleich Teil des Arbeitsprogramms „Kinderfreundliches Stuttgart“ von Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster. Herausgeberin: Landeshauptstadt Stuttgart, Stabsabteilung Kommunikation Redaktion: Hans Böhm Fotos: Die arge lola (Titelfoto und Seite 27), Frank Eppler (Seite 1), Kraufmann (Seiten 5, 6), Thiele, Weber (Seite 7), EnviaM (Seite 8), Susanne M. K. Baur (Seite 11), Christian Hass (Seiten 12, 26), Günter Stürmer (Seite 13), Horst Rudel (Seite 15), Bürgerstiftung Stuttgart (Seite 16), Kulturtreff Stuttgart-Ost (Seite 17), Jugendkunstschule (Seite 18), Uli Regenscheit (Seite 19), Britt Moulien (Seite 21), Roland Fränkle, Bildstelle Stadt Karlsruhe (Seite 22), Landeshauptstadt Stuttgart (Seite 23), Olgäle-Stiftung (Seite 24) Satz und Gestaltung: Uli Schellenberger, Uwe Schumann Juli 2009 ©Landeshauptstadt Stuttgart