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Bewegung und Wahrnehmung

Research Impulses
Research Impulses
Research ImpulsesQuanten Computing bei Forschungsimpulse um Research Impulses

Eine kurze, themenbezogene Brücke zwischen Psychologie und Informationswissenschaft

Bewegung und Wahrnehmung

1 von 6
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Bewegung und Wahrnehmung
Kurze psychologische Beschreibung
Autor: Franz Plochberger
Informationswissenschaftler
Original: 2011
Letzte Bearbeitung: März 2021
https://www.plbg.at
... wissenschaftliche Forschung weltweit, zusammen mit Universitäten …
Dieses Material steht unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung -
Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Österreich. Um eine Kopie dieser Lizenz
zu sehen, besuchen Sie http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/at/.
©Franz Plochberger, Bewegung und Wahrnehmung, 2021 Seite 2 von 6
1) Inhaltsverzeichnis
2) Erstwahrnehmung ....................................................................................................................3
3) Bewegung und konzentrierte, geistige Arbeit ...........................................................................4
4) Arbeit an Bildschirmen von Computern und Smart Phones......................................................5
5) Quellenverzeichnis ……………………………………………………………………………………6
©Franz Plochberger, Bewegung und Wahrnehmung, 2021 Seite 3 von 6
2) Erstwahrnehmung
Der gesamte Bewegungsapparat des Menschen hat einen entscheidenden Einfluss auf seine
generelle Wahrnehmungsfähigkeit. Es besteht ein untrennbarer Zusammenhang zwischen
Wahrnehmung und Bewegung (2, p156 ff). Beide begünstigen sich generell gegenseitig.
Versuchsreihen von ENNENBACH oder auch Richard HELD in den Jahren 1987 bis 1989
haben ergeben, dass Menschen eine neue Umgebung bei uneingeschränkter
Bewegungsmöglichkeit schneller und besser wahrnehmen, als Menschen mit eingeschränkter.
Frank E. RITTER sagt 1987: “Damit Lernvorgänge in Gang kommen, die eine
umgebungsrichtige Wahrnehmung entstehen lassen, muss eine motorische
Auseinandersetzung mit der Umwelt stattfinden“.
Es geht soweit, dass unsere Wahrnehmung sich an die wahren Gegebenheiten anpasst. Ivo
KOHLER, Uni Innsbruck, hat in den Jahren 1928 bis 1970 Menschen Prismen-Brillen tragen
lassen, die oben und unten und links und rechts vertauschten. Die Versuchspersonen passten
sich jeweils an die neue Wahrnehmung an. Prof. Heinz von FOERSTER hat dann 1985
festgehalten, dass sich eine nach Absetzen der Primen-Brille auf dem Kopf stehende Welt
langsam wieder aufrichtet. Das geschieht zuerst in der Umgebung einer Armeslänge, einiger
Schritte und nach zwei bis drei Monaten im gesamten Sehfeld. Zahlreiche andere Versuche
kommen zum gleichen Ergebnis (VARELA 1988, BACH Y RITA 1962 und 1993).
Die Bewegungen organisieren die menschliche Wahrnehmung. Die Wahrnehmung wird solange
organisiert und an bekannte Muster angepasst bis sie der dauerhaften, wahrhaftigen und
tatsächlichen Umgebung entspricht.
Alle Organe (Bewegungsorgane und Sinne) müssen übereinstimmend die wahren Fakten in
unserem Gehirn darstellen. Dabei passen sich die Sinne aktuell an die Bewegungsorgane an,
der Mensch ist so „physisch und organisch adaptiv lernfähig“.
©Franz Plochberger, Bewegung und Wahrnehmung, 2021 Seite 4 von 6
3) Bewegung und konzentrierte, geistige Arbeit
Neben der Wahrnehmung einer neuen Lebensumgebung, die, wie oben beschrieben, durch
Bewegung primär ermöglichst wird, gibt es die konzentrierte geistige Arbeit, das Lesen, Lernen
und Denken. Dies erfordert eine ruhige, gleichbleibende, angenehme Umgebung. Die
Arbeitsleistung im Gehirn besteht dann durch intensives Lesen oder Hören, Lernen und Denken
ab. Jeder Schüler lernt das als praktische Grundlage für sein Studium. Das ist also genau das
Gegenteil zu einer generellen (erstmaligen) allgemeinen Wahrnehmung.
Bewegung scheint dabei eine intensive, detaillierte Vertiefung eines Wissenstandes über ein
Objekt eher zu behindern. Nicht Bewegen, Tasten, Riechen, Schmecken ist dabei wichtig,
sondern bequem Sitzen, Lesen eines Buches, Hören von Lauten oder gehobener Musik oder
ruhiges und ausgleichendes Denken im Großhirn. Dazu muss der Mensch offensichtlich
körperlich ruhig und innerlich aufnahmebereit sein. Bewegung, Lärm und Gestank würde ihn
von einer konzentrierten geistigen Leistung abbringen.
Eine geistige Konzentrationsphase ist nicht permanent durchhaltbar. Der Mensch braucht nach
solchen Phasen wieder Lockerungszeiten, in denen er seine Kopfregion mit dem übrigen Körper
rein biologisch wieder ausgleichen kann. Er braucht Pausen mit bewusstem geistigem
Abschalten und körperlichem Ausgleich.
©Franz Plochberger, Bewegung und Wahrnehmung, 2021 Seite 5 von 6
4) Arbeit an Bildschirmen von Computern und Smart Phones
Die Arbeit in der heutigen IT (Informationstechnologie) erfordert genau diese Konzentration. Die
stärkste Beanspruchung besteht für die Augen und das Gehirn. Die übrigen Tätigkeiten
(Tastendrücken, ruhiges Sitzen, gerade Körperhaltung) erfordern durch ihre Gleichförmigkeit
über lange Zeiträume (oft Stunden) eine besondere partielle Anspannung von Händen, Rücken
und Nacken. Das wurde Ende des 20. Jahrhunderts erkannt und bewusste ergonomische
Verhaltensregeln geschult. Wie man heute (2021) feststellen kann war diese Ergonomie für IT-
User ein Erfolg. Die IT-User begannen bewusst körperlichen Ausgleichssport (Gymnastik,
Jogging, Mountainbiking) auszuüben, das hatte nachweisbare volksgesundheitliche
Auswirkungen.
Ja man erkannte auch sehr bald, dass die Arbeit and Computerbildschirmen den Menschen
überfordernd sein kann, also Fehlverhalten hervorrufen kann.
Die intensive Tätigkeit an einem Computer-Bildschirmwird vor allem durch das Sehen gesteuert.
Das kann – je nach Dauer und Intensität - das Gefühl für die Zeit verloren gehen lassen.
Weiters kann in der Folge die Fähigkeit einer zwischenmenschlichen Dialogführung
verloren gehen. Das Dialogverhalten gleicht sich an schnelle Computerantwortzeiten an – vor
allem, wenn wir täglich mit dem Computer oder Smartphone arbeiten.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich nach tagelanger intensiver Computerarbeit oft
mindestens einige Stunden brauche, um auf den langsameren Rhythmus eines Gespräches
zwischen zwei Menschen „runterzuschalten“. Auch die Variabilität der Dominanz in einem
Gespräch muss jeweils wieder bewusst lebendig und inhaltsgemäß gestaltet werden.
Sonst verliert man das Interesse jedes Gesprächspartners. Durch die Maschine Computer
verlernt man, passiv und nachhaltig zuzuhören oder einmal nicht Recht zu haben, sondern will
ein Gespräch (wie im Mensch-Maschine-Dialog) einseitig dominieren, was jeden Partner nach
wenigen Minuten frustriert.
Erst eine bewusste Umstellung auf den Gesprächspartner Mensch macht einen inhaltsreichen
Dialog möglich. Derzeit entschuldige ich mich am Beginn jedes Dialogs bei meinem jeweiligen
Gesprächspartner und brauche etwa 1 Stunde, um mich umzugewöhnen und anzupassen.
Die HCI (Human Computer Interface)-Auswirkungen hat unter anderen der Wiener Psychologe
Prof. Michael Trimmel ab etwa 1990 in zahlreichen Untersuchungen nachgewiesen (3 und 4).
©Franz Plochberger, Bewegung und Wahrnehmung, 2021 Seite 6 von 6
5) Quellenangabe
(1) Franz Plochberger, Grenzen des Menschen, 2008, p34 - 36, Grenzen des Menschen
(plbg.at), Eigenverlag, Research Impulses
(2) Rolf BALGO, Bewegung und Wahrnehmung als System, 1997, Dissertation in Univ.
Dortmund, Verlag Karl Hofmann, Schorndorf, ISBN 3-7780-7021-5
(3) Michael Trimmel, Computertätigkeit und Realitätsbezug, 1994, Psychologische
Forschung in Österreich, Herbert Janig (Hg.), Universitätsverlag Carinthia Klagenfurt, ISBN 3-
85378-434-8
(4) Michael Trimmel, Homo Informaticus – der Mensch als Subsystem des Computers?,
Verlag W.Kohlhammer, Stuttgart, 1998, Sammelband Cyberethik, Anton Kolb (Hrsg.), ISBN 3-
17-015571-7

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  • 1. Bewegung und Wahrnehmung Kurze psychologische Beschreibung Autor: Franz Plochberger Informationswissenschaftler Original: 2011 Letzte Bearbeitung: März 2021 https://www.plbg.at ... wissenschaftliche Forschung weltweit, zusammen mit Universitäten … Dieses Material steht unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Österreich. Um eine Kopie dieser Lizenz zu sehen, besuchen Sie http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/at/.
  • 2. ©Franz Plochberger, Bewegung und Wahrnehmung, 2021 Seite 2 von 6 1) Inhaltsverzeichnis 2) Erstwahrnehmung ....................................................................................................................3 3) Bewegung und konzentrierte, geistige Arbeit ...........................................................................4 4) Arbeit an Bildschirmen von Computern und Smart Phones......................................................5 5) Quellenverzeichnis ……………………………………………………………………………………6
  • 3. ©Franz Plochberger, Bewegung und Wahrnehmung, 2021 Seite 3 von 6 2) Erstwahrnehmung Der gesamte Bewegungsapparat des Menschen hat einen entscheidenden Einfluss auf seine generelle Wahrnehmungsfähigkeit. Es besteht ein untrennbarer Zusammenhang zwischen Wahrnehmung und Bewegung (2, p156 ff). Beide begünstigen sich generell gegenseitig. Versuchsreihen von ENNENBACH oder auch Richard HELD in den Jahren 1987 bis 1989 haben ergeben, dass Menschen eine neue Umgebung bei uneingeschränkter Bewegungsmöglichkeit schneller und besser wahrnehmen, als Menschen mit eingeschränkter. Frank E. RITTER sagt 1987: “Damit Lernvorgänge in Gang kommen, die eine umgebungsrichtige Wahrnehmung entstehen lassen, muss eine motorische Auseinandersetzung mit der Umwelt stattfinden“. Es geht soweit, dass unsere Wahrnehmung sich an die wahren Gegebenheiten anpasst. Ivo KOHLER, Uni Innsbruck, hat in den Jahren 1928 bis 1970 Menschen Prismen-Brillen tragen lassen, die oben und unten und links und rechts vertauschten. Die Versuchspersonen passten sich jeweils an die neue Wahrnehmung an. Prof. Heinz von FOERSTER hat dann 1985 festgehalten, dass sich eine nach Absetzen der Primen-Brille auf dem Kopf stehende Welt langsam wieder aufrichtet. Das geschieht zuerst in der Umgebung einer Armeslänge, einiger Schritte und nach zwei bis drei Monaten im gesamten Sehfeld. Zahlreiche andere Versuche kommen zum gleichen Ergebnis (VARELA 1988, BACH Y RITA 1962 und 1993). Die Bewegungen organisieren die menschliche Wahrnehmung. Die Wahrnehmung wird solange organisiert und an bekannte Muster angepasst bis sie der dauerhaften, wahrhaftigen und tatsächlichen Umgebung entspricht. Alle Organe (Bewegungsorgane und Sinne) müssen übereinstimmend die wahren Fakten in unserem Gehirn darstellen. Dabei passen sich die Sinne aktuell an die Bewegungsorgane an, der Mensch ist so „physisch und organisch adaptiv lernfähig“.
  • 4. ©Franz Plochberger, Bewegung und Wahrnehmung, 2021 Seite 4 von 6 3) Bewegung und konzentrierte, geistige Arbeit Neben der Wahrnehmung einer neuen Lebensumgebung, die, wie oben beschrieben, durch Bewegung primär ermöglichst wird, gibt es die konzentrierte geistige Arbeit, das Lesen, Lernen und Denken. Dies erfordert eine ruhige, gleichbleibende, angenehme Umgebung. Die Arbeitsleistung im Gehirn besteht dann durch intensives Lesen oder Hören, Lernen und Denken ab. Jeder Schüler lernt das als praktische Grundlage für sein Studium. Das ist also genau das Gegenteil zu einer generellen (erstmaligen) allgemeinen Wahrnehmung. Bewegung scheint dabei eine intensive, detaillierte Vertiefung eines Wissenstandes über ein Objekt eher zu behindern. Nicht Bewegen, Tasten, Riechen, Schmecken ist dabei wichtig, sondern bequem Sitzen, Lesen eines Buches, Hören von Lauten oder gehobener Musik oder ruhiges und ausgleichendes Denken im Großhirn. Dazu muss der Mensch offensichtlich körperlich ruhig und innerlich aufnahmebereit sein. Bewegung, Lärm und Gestank würde ihn von einer konzentrierten geistigen Leistung abbringen. Eine geistige Konzentrationsphase ist nicht permanent durchhaltbar. Der Mensch braucht nach solchen Phasen wieder Lockerungszeiten, in denen er seine Kopfregion mit dem übrigen Körper rein biologisch wieder ausgleichen kann. Er braucht Pausen mit bewusstem geistigem Abschalten und körperlichem Ausgleich.
  • 5. ©Franz Plochberger, Bewegung und Wahrnehmung, 2021 Seite 5 von 6 4) Arbeit an Bildschirmen von Computern und Smart Phones Die Arbeit in der heutigen IT (Informationstechnologie) erfordert genau diese Konzentration. Die stärkste Beanspruchung besteht für die Augen und das Gehirn. Die übrigen Tätigkeiten (Tastendrücken, ruhiges Sitzen, gerade Körperhaltung) erfordern durch ihre Gleichförmigkeit über lange Zeiträume (oft Stunden) eine besondere partielle Anspannung von Händen, Rücken und Nacken. Das wurde Ende des 20. Jahrhunderts erkannt und bewusste ergonomische Verhaltensregeln geschult. Wie man heute (2021) feststellen kann war diese Ergonomie für IT- User ein Erfolg. Die IT-User begannen bewusst körperlichen Ausgleichssport (Gymnastik, Jogging, Mountainbiking) auszuüben, das hatte nachweisbare volksgesundheitliche Auswirkungen. Ja man erkannte auch sehr bald, dass die Arbeit and Computerbildschirmen den Menschen überfordernd sein kann, also Fehlverhalten hervorrufen kann. Die intensive Tätigkeit an einem Computer-Bildschirmwird vor allem durch das Sehen gesteuert. Das kann – je nach Dauer und Intensität - das Gefühl für die Zeit verloren gehen lassen. Weiters kann in der Folge die Fähigkeit einer zwischenmenschlichen Dialogführung verloren gehen. Das Dialogverhalten gleicht sich an schnelle Computerantwortzeiten an – vor allem, wenn wir täglich mit dem Computer oder Smartphone arbeiten. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich nach tagelanger intensiver Computerarbeit oft mindestens einige Stunden brauche, um auf den langsameren Rhythmus eines Gespräches zwischen zwei Menschen „runterzuschalten“. Auch die Variabilität der Dominanz in einem Gespräch muss jeweils wieder bewusst lebendig und inhaltsgemäß gestaltet werden. Sonst verliert man das Interesse jedes Gesprächspartners. Durch die Maschine Computer verlernt man, passiv und nachhaltig zuzuhören oder einmal nicht Recht zu haben, sondern will ein Gespräch (wie im Mensch-Maschine-Dialog) einseitig dominieren, was jeden Partner nach wenigen Minuten frustriert. Erst eine bewusste Umstellung auf den Gesprächspartner Mensch macht einen inhaltsreichen Dialog möglich. Derzeit entschuldige ich mich am Beginn jedes Dialogs bei meinem jeweiligen Gesprächspartner und brauche etwa 1 Stunde, um mich umzugewöhnen und anzupassen. Die HCI (Human Computer Interface)-Auswirkungen hat unter anderen der Wiener Psychologe Prof. Michael Trimmel ab etwa 1990 in zahlreichen Untersuchungen nachgewiesen (3 und 4).
  • 6. ©Franz Plochberger, Bewegung und Wahrnehmung, 2021 Seite 6 von 6 5) Quellenangabe (1) Franz Plochberger, Grenzen des Menschen, 2008, p34 - 36, Grenzen des Menschen (plbg.at), Eigenverlag, Research Impulses (2) Rolf BALGO, Bewegung und Wahrnehmung als System, 1997, Dissertation in Univ. Dortmund, Verlag Karl Hofmann, Schorndorf, ISBN 3-7780-7021-5 (3) Michael Trimmel, Computertätigkeit und Realitätsbezug, 1994, Psychologische Forschung in Österreich, Herbert Janig (Hg.), Universitätsverlag Carinthia Klagenfurt, ISBN 3- 85378-434-8 (4) Michael Trimmel, Homo Informaticus – der Mensch als Subsystem des Computers?, Verlag W.Kohlhammer, Stuttgart, 1998, Sammelband Cyberethik, Anton Kolb (Hrsg.), ISBN 3- 17-015571-7