Umgang mit herausforderndem Verhalten  Schreien oder Rufen       von Menschen mit Demenz                     Hans-Werner U...
Übersicht•   Herausforderndes Verhalten•   Prävalenz des herausfordernden Verhaltens•   Ausdrucksvielfalt der Schreie und ...
Begriffserklärung  „Herausforderndes Verhalten“                von Menschen mit Demenz                    1. Newsletter-Da...
PrävalenzSchätzungsweise    1,3 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland60 % der Menschen in stationären Einrichtungen...
Ausdrucksvielfalt der Schreie und Rufe                                am Anfang der                                 mensch...
Ätiologie der Schreie und Rufevon Menschen mit Demenz• Vielzahl von potenziellen Schrei- oder  Rufgründen• Komplexes Zusam...
Forschungsfragen• Wie erleben Pflegende in stationären  Einrichtungen der Altenhilfe das herausfordernde  Schreien oder Ru...
Datenerhebung Narrative Interviews   nach Schütze (Loch und Rosenthal, 2002) Offene Beobachtungen Ethisches Clearing de...
DatenanalyseGrounded Theory Parallelität der Datensammlung und -analyse Offenes, axiales und selektives Kodieren  (nach ...
Übersicht der Interview- und BeobachtungsorteTraditionelle WohnformSegregative Wohnform für Menschen mit DemenzSegregative...
Übersicht      Interviewteilnehmer                                                           11 männlichGeschlecht        ...
Schreiende und rufende Personenin stationären Einrichtungen der AltenhilfeSchrei- oder RufverhaltenWohn- und Lebenskontext...
Herr A.1. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
Herr B.                „… Und ich kenne ihn noch,                als er noch gelaufen ist, als                das alles no...
Frau C.            „… Der Frau, der konnte man - was hab ich            immer gesagt: ‚Am besten […] bring ich            ...
InterventionsgestaltungumarmenZuhörenBasale10-Minuten-AktivierungablenkenvertröstenToilettengangvorlesen gemeinsamWohnumfe...
Ergebnisse:   Interventionsziele bei Schreien und Rufen              Ruhe                       Wohlbefinden      Wohlbefi...
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Ergebnisse:                                                       !Menschen mit Demenzhaben einRechtauf Schreien und Rufen...
Ergebnisse:Genese der Wahrnehmung von Unerträglichkeit„… irgendwann möchte man sich einfach nur noch die Ohren zuhalten,we...
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Schreien oder Rufen von Menschen mit Demenz                           An Grenzen stoßen                      Erwartung hab...
Praktische Relevanz    derForschungsergebnisse• das Phänomen als Unterrichtseinheit in der  Pflegeausbildung und Fort- und...
Ich wünsche mir,      „dass wir Pflegenden und alle Menschen  eigentlich diese Schreie genauso wertschätzen, als würde er ...
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Schreien oder Rufen: Eine echte Herausforderung für Pflegende. Vortrag von Hans-Werner Urselmann

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Schreien oder Rufen: eine echte Herausforderung für Pflegende. Aber welche Strategien sind im Umgang mit schreienden und rufenden Menschen in der Pflege von Relevanz? Erfahren Sie mehr dazu im Vortrag von Dr. Hans-Werner Urselmann.

Der Vortrag wurde ursprünglich von Dr. Hans-Werner Urselmann am 30. Oktober 2012 im Rahmen der Tagung "Lebensqualität bei Demenz" des Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) an der Universität Witten/Herdecke gehalten.

Veröffentlicht in: Bildung
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Schreien oder Rufen: Eine echte Herausforderung für Pflegende. Vortrag von Hans-Werner Urselmann

  1. 1. Umgang mit herausforderndem Verhalten Schreien oder Rufen von Menschen mit Demenz Hans-Werner Urselmann1. Newsletter-Day des Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) 30.10.2012
  2. 2. Übersicht• Herausforderndes Verhalten• Prävalenz des herausfordernden Verhaltens• Ausdrucksvielfalt der Schreie und Rufe im Überblick• Ätiologie der Schreie und Rufe von Menschen mit Demenz• Vorstellung der Studie (Methodisches Vorgehen, Datenerhebung, Datenanalyse, Datenquellen• Fallbeispiele in unterschiedlichen Wohn- und Lebenskontexten• Intervention(sgestaltung)• Recht auf Schreien oder Rufen• Genese der Unerträglichkeit von Schreien oder Rufen 1. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  3. 3. Begriffserklärung „Herausforderndes Verhalten“ von Menschen mit Demenz 1. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  4. 4. PrävalenzSchätzungsweise 1,3 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland60 % der Menschen in stationären Einrichtungen haben eine Demenz(Weyerer et al., 2006; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2011)Prävalenz der herausfordernden Schreie oder Rufe von Menschen mitDemenz in stationären Einrichtungen der Altenhilfe15 % - 40 %(Ryan et al., 1988; Cohen-Mansfield et al., 1990; Cariaga et al., 1991; Burgio et al., 1994;Dywer et al., 2000; Manière et al., 2010) 1. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  5. 5. Ausdrucksvielfalt der Schreie und Rufe am Anfang der menschlichen Kommunikation in der Disziplin als Motor der Selbst- der Abwehr beherrschung Schreien als Expression:Ausdruck von Macht Entsetzen, Freude, in der Zorn, Schmerz, ... Statushierarchie als kollektives Verhalten („Tooooor“) (Buchholz et al., 1983; Urselmann, 2004) 1. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  6. 6. Ätiologie der Schreie und Rufevon Menschen mit Demenz• Vielzahl von potenziellen Schrei- oder Rufgründen• Komplexes Zusammenspiel, dass durch ein vielschichtiges Beziehungs- und Bedingungsgeflecht gekennzeichnet ist• Erklärungsansätze(Ryan et al., 1988; Cohen-Mansfield et al., 1989, 1990; Kipp, 1992; Burgio et al., 1994;Holst et al., 1997; Sloane et al., 1999; Draper et al., 2000; Dwyer u. Bryne, 2000;Urselmann 2004, 2006; Halek u. Bartholomeyczik, 2006; Bartholomeyczik et al. (2006);von Gunten et al., 2008; Rosen et al., 2008; List und Supprian, 2009; Höwler, 2010;Manière et al., 2010) 1. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  7. 7. Forschungsfragen• Wie erleben Pflegende in stationären Einrichtungen der Altenhilfe das herausfordernde Schreien oder Rufen von Menschen mit Demenz?• Wie intervenieren Pflegende bei diesem herausfordernden Verhalten von Menschen mit Demenz?• Welche Faktoren beeinflussen das Erleben und die Interventionsgestaltung der Pflegenden? 1. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  8. 8. Datenerhebung Narrative Interviews nach Schütze (Loch und Rosenthal, 2002) Offene Beobachtungen Ethisches Clearing der Ethik-Kommission des Instituts für Pflegewissenschaft der Privaten Universität Witten/Herdecke gGmbH (kurz EKIP) 1. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  9. 9. DatenanalyseGrounded Theory Parallelität der Datensammlung und -analyse Offenes, axiales und selektives Kodieren (nach Strauss und Corbin, 1996) Theoretical sampling MAXQDA 2007 1. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  10. 10. Übersicht der Interview- und BeobachtungsorteTraditionelle WohnformSegregative Wohnform für Menschen mit DemenzSegregative Wohnform f. Menschen mit Demenz, die schreien oder rufenUniversitätsklinikum (Gerontopsychiatrie)Wohngemeinschaft für Menschen mit DemenzSäuglings- und Kinderstation eines Kreiskrankenhauses 1. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  11. 11. Übersicht Interviewteilnehmer 11 männlichGeschlecht 39 weiblichAlter 22 – 61 JahreBerufserfahrung (in Jahren) 1 - 33staatlich anerkannte Altenpfleger- davon mit gerontopsychiatrischer WeiterbildungAltenpflegehelfer (mit Ausbildung)Altenpflegehelfer (ohne Ausbildung)AltenpflegeschülerKrankenpflegerSozialassistent 1. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  12. 12. Schreiende und rufende Personenin stationären Einrichtungen der AltenhilfeSchrei- oder RufverhaltenWohn- und LebenskontextInterventionsgestaltung 1. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  13. 13. Herr A.1. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  14. 14. Herr B. „… Und ich kenne ihn noch, als er noch gelaufen ist, als das alles noch anders war. Ganz, ganz sympathischer Mensch auch …“ Interview 291. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  15. 15. Frau C. „… Der Frau, der konnte man - was hab ich immer gesagt: ‚Am besten […] bring ich morgen en Trichter und noch Puderzucker mit’ (lacht). Weil sie kriegte schon alles, […]. Man hat ihr wirklich jeden Wunsch von den Augen abgelesen, nur damit wir unsere Ruhe hatten, ja. …“ Interview 91. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  16. 16. InterventionsgestaltungumarmenZuhörenBasale10-Minuten-AktivierungablenkenvertröstenToilettengangvorlesen gemeinsamWohnumfeldÄrztliche widerspiegelnstreichelnExtratischMeditationsmusikSchmerzbeobachtung,Ins Zimmer / gehenVerhaltenverordneteZurückschreienBewusst (Schreie oder /einsetzenExterne VeranstaltungenMusiktherapie danebenMusizieren, gemeinsam singenFallbesprechungenAn einen nichts /anreichenfixieren anbieten Rufe)„Sitzordnung“anpassenspazierenBegleiten, spiegeln gestaltenIn den Garten gezielt überhörenNähe anbieten machensetzenTrinkenStimulationanreichenEssengebenbringen setzenMedikamente gebenEinschätzen von Schmerzen 1. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  17. 17. Ergebnisse: Interventionsziele bei Schreien und Rufen Ruhe Wohlbefinden Wohlbefinden der Umwelt, … + der Schreienden + Rufenden 1. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  18. 18. Ergebnisse: Interventionen / Strategien Suche nach dem Schrei- und Rufgrund - Versuch / Irrtum körperbezogene emotionsbetonte medizinisch – abwehrorientierte Aktivitäten Aktivitäten medikamentös und restriktive orientierte Aktivitäten Aktivitäten BewältigungsstrategienAuszeit nehmen; Arbeit an Kollegen abgeben; Energiequellen (am Arbeitsplatz) haben 1. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  19. 19. Ergebnisse: !Menschen mit Demenzhaben einRechtauf Schreien und Rufen 1. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  20. 20. Ergebnisse:Genese der Wahrnehmung von Unerträglichkeit„… irgendwann möchte man sich einfach nur noch die Ohren zuhalten,weil es von der Lautstärke her manchmal nicht mehr so gut zu ertragenist, nee. Aber von der Person her nicht unbedingt“.(Interview 2)„Ganz, ganz schlimm. Ganz, ganz schlimm. Vor allen Dingenununterbrochenes Schreien, ununterbrochen und laut durch die ganzeStation, ne. Man is so hilflos, ne. Man muss die anderen Bewohnerfertigmachen, man muss für die anderen Bewohner da sein und gerade daliegt jemand, der wirklich die Hilfe am allernötigsten hat und man hat keineZeit dafür. Und auch kein anderer im Haus, ne, ist da, der, der diese Zeithat. Es ist katastrophenmässig gewesen.“(Interview 33) 1. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  21. 21. Ergebnisse:Genese der Wahrnehmung von Unerträglichkeit„… also das ist krass, was ich jetzt sage: Das war - ich habemit einer Arbeitskollegin diese Treppe geputzt. […] und dahast du so Gedanken: Wenn die [schreiende Frau mit Demenz]jetzt runter fliegt, ja, dann brichst sie sich was, dann geht sieins Krankenhaus, dann haben wir ne Auszeit. Das ist furchtbar,wenn das, das so weit kommt. […] Also so was - dann mussich zum Pfarrer, mit ihm sprechen. Ja. Das ist schrecklich, ne.Das sind so Momente, so was wünsch ich nicht meinem Feind.Aber ich hatte ja in dem Moment, momentan den Wunsch,dass sie einfach uns ein bisschen Ruhe gibt. …“<Interview 46> 1. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  22. 22. „… wie gestern auch, dann sagt sie die ganze Zeit: „Arschlecken, Arschlecken“und solche Sachen auch. Und dann immer so laut oder wiederholt immerdieselben Worte. ne. Dann haben wir ne andere Dame, wenn die ein Wort hört,sagt sie den ganzen Tag immer dasselbe Wort. Oder wie gestern, sagte sieimmer so: „Komm zurück. Komm zurück“, den ganzen Tag, monoton, immerwieder. Und gleichzeitig hören sie dann: „Du kannst mich am Arsch lecken. Dukannst mich am Arsch lecken“. „Komm zurück“, „Komm zurück“. Drüben habensie Frauen, die sich darüber beschweren. Dann haben wir ne Dame, die lutschtimmer an dem Daumen, beschweren sie sich da drüber und die andere werdennoch wieder lauter. Dann haben sie einen wahnsinnigen Geräuschpegel. Danngeht das Telefon. Sie haben das Gefühl, also ich habe das Gefühl, ich binwirklich im Irrenhaus.I.: Ist das jeden Tag so?32: Überwiegend so. Es gibt Tage, da macht’s mir weniger aus, aber meineToleranzgrenze ist so nach dem dritten, vierten Tag - finde ich das schon sehranstrengend. So die ersten, zwei, drei Tage geht’s noch, aber nach dem viertenBoh, das nervt aber schon, ne.I: Und was machen Sie am vierten Tag?32: Gar nichts, Zähne zubeißen und arbeiten. Können Sie nix machen. Was sollich denn machen? Schimpfen kann ich dann auch nicht, ich geb den Leutennicht mehr Medikation wie sonst. Augen zu und durch.“Interview 32 1. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  23. 23. Schreien oder Rufen von Menschen mit Demenz An Grenzen stoßen Erwartung haben/entwickelnErgebnisse: UnausweichlichkeitGenese der UnerträglichkeitWahrnehmungvon Unerträglichkeit erleben/ertragen (müssen)Unerträglichkeit Phase der Kumulation bzw. Bewältigung Energiequellen aktivieren können
  24. 24. Praktische Relevanz derForschungsergebnisse• das Phänomen als Unterrichtseinheit in der Pflegeausbildung und Fort- und Weiterbildung aufnehmen• (Pflegewissenschaftliche) Fachbegleitung der Pflegenden vor Ort• Optimiertes Zusammenspiel aller involvierten Akteure und Einflussfaktoren 1. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  25. 25. Ich wünsche mir, „dass wir Pflegenden und alle Menschen eigentlich diese Schreie genauso wertschätzen, als würde er mir etwas sagen. Er sagt mir ja auch was. Dass ich es wertschätze als seine mögliche Ausdrucksform - er hat keine andere.“ <Interview 19> 1. Newsletter-Day des DZD – 30.10.2012
  26. 26. Vielen Dank !

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