Was ist Blindheit?
Ein Vortrag für die Volkshochschule Bonn
von Domingos de Oliveira
www.netz-barrierefrei.de
Darum gehts
• Haushalt
• Mobilität
• Lesen
• Arbeiten am Computer
• Häufige Fragen
Blind und vollblind
Zahl der Blinden
• Schätzungen gehen von ca.
150.000 Blinden in Deutschland
aus.
• Die meisten Menschen
erblinden im hohen Alter.
• Wegen besserer medizinischer
Versorgung kommen immer
weniger blinde Kinder zur Welt.
Abgrenzung: Blind oder nicht blind?
• Blindheit heißt gesetzlich
weniger als 5 % Sehvermögen
auf dem besseren Auge.
• Die meisten Blinden sehen
zumindest noch Licht oder
Formen.
• Blinde, die buchstäblich nichts
sehen nennt man vollblind.
Früh-Erblindete
• Früh-Erblindete sind im jungen
Alter erblindet.
• Sie kennen die visuelle Welt
nicht direkt. Ihnen fällt es
schwerer, sich mit Sehenden
auszutauschen.
Spät-Erblindete
• Spät-Erblindete sind im reiferen
Alter erblindet.
• Sie müssen sich persönlich und
beruflich völlig neu orientieren.
• Sie haben meist große Probleme,
psychisch, aber auch praktisch
mit der neuen Situation zurecht
zu kommen.
Taubblinde
• Es gibt ca. 8000 taubblinde
Menschen in Deutschland. Sie
hören und sehen sehr schlecht
bis gar nicht.
• Sie werden meist von speziell
ausgebildeten Assistenten
unterstützt.
• Sie kommunizieren schriftlich
über Braille und direkt über das
Lormen.
Die vier Sinne
• Zwar fehlt das Sehvermögen.
Doch verbleiben Tast-, Geruchs-,
Hör- und Geschmackssinn.
• Die ersten drei sinne sind für
Blinde extrem wichtig.
Zwischenfazit
Wir sollten uns auf das konzentrieren, was da ist und nicht darauf, was
fehlt.
Haushalt und mehr
Kochen
• vieles lässt sich ertasten: wie gar
ist ein Gericht, ist die Kartoffel
schon geschält, wie zart ist das
Fleisch?
• das Schälen und Schneiden von
Gemüse lässt sich ebenfalls blind
erledigen, es sind rein haptische
Tätigkeiten
Körperpflege
• Für einen Mann ist es kein
Problem, sich blind zu rasieren.
• Viele blinde Frauen schminken
sich aufwendig.
Einkaufen
• Viele Produkte können an der
Verpackung erkannt werden. Sie
werden abgetastet.
• Schwierig ist das in
Reformhäusern. Dort gibt es
viele exotische Produkte.
• Produkte können auch mit
einem Barcode-Scanner erkannt
werden.
Geld zählen
Wenn Sie Kleingeld haben,
machen Sie kurz mit.
Die Geldmünzen sind
unterschiedlich geriffelt.
Die neuen Euro-Scheine können
erfühlt werden.
Kleider und Farben
• Kleidung soll farblich und vom
Material zusammen passen?
• Kein Problem mit einem Gerät
zum Erkennen von Farben.
• Blinde kennen außerdem die
Farben ihrer Kleidungsstücke
auswendig.
Unterwegs sein
Nah- und Fernorientierung
Es gibt zwei Arten der Orientierung:
• Bei der Nahorientierung geht es
darum, sich durch einen Raum
oder eine Landschaft zu bewegen.
Möglichst ohne irgendwas
umzurennen oder damit
zusammen zu stoßen.
• Die Fernorientierung beschreibt,
einen bestimmten Ort zu
erreichen. Zum Beispiel den
Arbeitsplatz.
Durchtasten – die Nahorientierung
• Die Nahorientierung dient dazu,
sich in Räumen oder kleinen
Arealen zu orientieren, ohne mit
etwas zusammen zu stoßen.
• Sie erfolgt im Wesentlichen mit
Durchtasten und dem
Blindenstock.
• Gegenstände und Kanten sind
wichtig, da sie fixe
Orientierungspunkte biten.
Ein Platz voller Hindernisse
• Die Fern-Orientierung dient
dazu, an einem bestimmten Ort
zu kommen: Zur Arbeit, zum
Supermarkt, zum Arzt, zum
Freund…
• Hier kommen die verbleibenden
Sinne zum Einsatz. Wichtig ist
vor allem ein gutes
Orientierungsvermögen.
Lärm und Baustellen
• Bei der Orientierung sind vor
allem Baustellen ein großes
Problem.
• Der Lärm schränkt das Hören
ein. Die Absperrungen sind
schwierig zu erfassen.
Gelernt ist gelernt
• Die Nah- und Fern-Orientierung
lernen Blinde von speziell dafür
ausgebildeten Reha-Lehrern.
• Vor allem die Fern-Orientierung
muss bei einem Umzug in eine
neue Stadt neu erlernt werden.
Der beste Freund des Blinden
• Viele Blinde haben
Blindenhunde.
• Blindenhunde helfen vor allem
bei der Nah-Orientierung. Sie
führen den Blinden an
Hindernissen vorbei.
• Sie führen ihn auch zu
regelmäßig frequentierten
Orten.
Orientierung per Schall
• Einige Blinde orientieren sich per
Schall. Das ist die Klick-Sonar-
Technik.
• Es wird ein Geräusch mit der
Zunge erzeugt, das von den
Gegenständen reflektiert wird.
Dadurch können Hindernisse
ermittelt werden.
Lesen
Das Ohr als Auge
• Viele Blinde lesen gerne Bücher.
Sie ermöglichen einen
unmittelbaren Zugang zur
visuellen Welt. Autoren schaffen
Welten nur durch Worte.
• Besonders beliebt sind
Hörbücher.
Literatur unterm Finger
• Die Blindenschrift wurde von
Louis Braille entwickelt.
• Braille gilt als der Gutenberg der
Blinden.
• Erst seit Braille ist es Blinden
möglich, selbständig und ohne
fremde Hilfe zu lesen und zu
schreiben. Sie sind weniger
abhängig von anderen Personen.
Computernutzung
Die Sprachausgabe
• Die Sprachausgabe liest den Text
auf dem Bildschirm vor.
• Der Blinde kann den Computer
damit komplett bedienen.
Minions in meinem Telefon
• Das Smartphone hat eine
Sprachausgabe eingebaut.
• Blinde nutzen ihr Smartphone
praktisch ebenso wie Sehende:
Zur Orientierung mit GPS, zur
Kommunikation mit Text- und
Sprachnachrichten…
• Außerdem gibt es spezielle Hilfe-
Apps. Sie ersetzen Hilfsmittel wie
einen Text-Scanner oder eine
Farb-Erkennung.
Häufige Fragen
Blinde im Straßenverkehr
• Anklingeln und Anhupen bringt
nur in absoluten
Gefahrensituationen etwas.
• Blinde können nicht per
Blickkontakt oder Gestik
kommunizieren. Sie müssen
direkt angesprochen werden.
Blinde treffen
• In großen Städten – auch in
Bonn – gibt es regelmäßige
Stammtische des Blindenvereins.
Sehende sind eingeladen, dort
hin zu gehen.
• Sprechen Sie einfach den
Blinden auf der Straße an.
Blinde und Blickkontakt
• Geburts-Blinde stellen keinen
Blickkontakt her, wenn ihnen das
nicht beigebracht wurde. Sie
können Mimik und Gestik nicht
erkennen, daher spielt das für
sie keine Rolle.
• Blinde sind also nicht
desinteressiert, wenn sie nach
unten schauen oder keinen
Blickkontakt herstellen.
Ist Blindheit heilbar?
• Blindheit hat sehr
unterschiedliche Ursachen. Das
ultimative Heilmittel wird es in
absehbarer Zeit nicht geben.
• Auch Wundertechniken, die das
Augenlicht ersetzen sollen, sind
reine PR.
Frisch Erblindeten helfen
• Personen, die gerade erblindet
sind, sollte Zeit gegeben werden,
sich mit der neuen Situation zu
arrangieren.
• Sie sollten möglichst schnell
wieder selbständig leben lernen.
• Wichtig ist der soziale Kontakt
mit anderen Menschen, egal ob
blind oder sehend.
Hier gibt’s mehr Infos
• Infos zum Thema Blindheit
finden Sie im internet, etwa in
Blogs, Foren oder auf YouTube.
• In der Broschüre „Nicht so,
sondern so“ des DBSV finden Sie
Tipps zum Umgang mit Blinden.

Was bedeutet blindheit

  • 1.
    Was ist Blindheit? EinVortrag für die Volkshochschule Bonn von Domingos de Oliveira www.netz-barrierefrei.de
  • 2.
    Darum gehts • Haushalt •Mobilität • Lesen • Arbeiten am Computer • Häufige Fragen
  • 3.
  • 4.
    Zahl der Blinden •Schätzungen gehen von ca. 150.000 Blinden in Deutschland aus. • Die meisten Menschen erblinden im hohen Alter. • Wegen besserer medizinischer Versorgung kommen immer weniger blinde Kinder zur Welt.
  • 5.
    Abgrenzung: Blind odernicht blind? • Blindheit heißt gesetzlich weniger als 5 % Sehvermögen auf dem besseren Auge. • Die meisten Blinden sehen zumindest noch Licht oder Formen. • Blinde, die buchstäblich nichts sehen nennt man vollblind.
  • 6.
    Früh-Erblindete • Früh-Erblindete sindim jungen Alter erblindet. • Sie kennen die visuelle Welt nicht direkt. Ihnen fällt es schwerer, sich mit Sehenden auszutauschen.
  • 7.
    Spät-Erblindete • Spät-Erblindete sindim reiferen Alter erblindet. • Sie müssen sich persönlich und beruflich völlig neu orientieren. • Sie haben meist große Probleme, psychisch, aber auch praktisch mit der neuen Situation zurecht zu kommen.
  • 8.
    Taubblinde • Es gibtca. 8000 taubblinde Menschen in Deutschland. Sie hören und sehen sehr schlecht bis gar nicht. • Sie werden meist von speziell ausgebildeten Assistenten unterstützt. • Sie kommunizieren schriftlich über Braille und direkt über das Lormen.
  • 9.
    Die vier Sinne •Zwar fehlt das Sehvermögen. Doch verbleiben Tast-, Geruchs-, Hör- und Geschmackssinn. • Die ersten drei sinne sind für Blinde extrem wichtig.
  • 10.
    Zwischenfazit Wir sollten unsauf das konzentrieren, was da ist und nicht darauf, was fehlt.
  • 11.
  • 12.
    Kochen • vieles lässtsich ertasten: wie gar ist ein Gericht, ist die Kartoffel schon geschält, wie zart ist das Fleisch? • das Schälen und Schneiden von Gemüse lässt sich ebenfalls blind erledigen, es sind rein haptische Tätigkeiten
  • 13.
    Körperpflege • Für einenMann ist es kein Problem, sich blind zu rasieren. • Viele blinde Frauen schminken sich aufwendig.
  • 14.
    Einkaufen • Viele Produktekönnen an der Verpackung erkannt werden. Sie werden abgetastet. • Schwierig ist das in Reformhäusern. Dort gibt es viele exotische Produkte. • Produkte können auch mit einem Barcode-Scanner erkannt werden.
  • 15.
    Geld zählen Wenn SieKleingeld haben, machen Sie kurz mit. Die Geldmünzen sind unterschiedlich geriffelt. Die neuen Euro-Scheine können erfühlt werden.
  • 16.
    Kleider und Farben •Kleidung soll farblich und vom Material zusammen passen? • Kein Problem mit einem Gerät zum Erkennen von Farben. • Blinde kennen außerdem die Farben ihrer Kleidungsstücke auswendig.
  • 17.
  • 18.
    Nah- und Fernorientierung Esgibt zwei Arten der Orientierung: • Bei der Nahorientierung geht es darum, sich durch einen Raum oder eine Landschaft zu bewegen. Möglichst ohne irgendwas umzurennen oder damit zusammen zu stoßen. • Die Fernorientierung beschreibt, einen bestimmten Ort zu erreichen. Zum Beispiel den Arbeitsplatz.
  • 19.
    Durchtasten – dieNahorientierung • Die Nahorientierung dient dazu, sich in Räumen oder kleinen Arealen zu orientieren, ohne mit etwas zusammen zu stoßen. • Sie erfolgt im Wesentlichen mit Durchtasten und dem Blindenstock. • Gegenstände und Kanten sind wichtig, da sie fixe Orientierungspunkte biten.
  • 20.
    Ein Platz vollerHindernisse • Die Fern-Orientierung dient dazu, an einem bestimmten Ort zu kommen: Zur Arbeit, zum Supermarkt, zum Arzt, zum Freund… • Hier kommen die verbleibenden Sinne zum Einsatz. Wichtig ist vor allem ein gutes Orientierungsvermögen.
  • 21.
    Lärm und Baustellen •Bei der Orientierung sind vor allem Baustellen ein großes Problem. • Der Lärm schränkt das Hören ein. Die Absperrungen sind schwierig zu erfassen.
  • 22.
    Gelernt ist gelernt •Die Nah- und Fern-Orientierung lernen Blinde von speziell dafür ausgebildeten Reha-Lehrern. • Vor allem die Fern-Orientierung muss bei einem Umzug in eine neue Stadt neu erlernt werden.
  • 23.
    Der beste Freunddes Blinden • Viele Blinde haben Blindenhunde. • Blindenhunde helfen vor allem bei der Nah-Orientierung. Sie führen den Blinden an Hindernissen vorbei. • Sie führen ihn auch zu regelmäßig frequentierten Orten.
  • 24.
    Orientierung per Schall •Einige Blinde orientieren sich per Schall. Das ist die Klick-Sonar- Technik. • Es wird ein Geräusch mit der Zunge erzeugt, das von den Gegenständen reflektiert wird. Dadurch können Hindernisse ermittelt werden.
  • 25.
  • 26.
    Das Ohr alsAuge • Viele Blinde lesen gerne Bücher. Sie ermöglichen einen unmittelbaren Zugang zur visuellen Welt. Autoren schaffen Welten nur durch Worte. • Besonders beliebt sind Hörbücher.
  • 27.
    Literatur unterm Finger •Die Blindenschrift wurde von Louis Braille entwickelt. • Braille gilt als der Gutenberg der Blinden. • Erst seit Braille ist es Blinden möglich, selbständig und ohne fremde Hilfe zu lesen und zu schreiben. Sie sind weniger abhängig von anderen Personen.
  • 28.
  • 29.
    Die Sprachausgabe • DieSprachausgabe liest den Text auf dem Bildschirm vor. • Der Blinde kann den Computer damit komplett bedienen.
  • 30.
    Minions in meinemTelefon • Das Smartphone hat eine Sprachausgabe eingebaut. • Blinde nutzen ihr Smartphone praktisch ebenso wie Sehende: Zur Orientierung mit GPS, zur Kommunikation mit Text- und Sprachnachrichten… • Außerdem gibt es spezielle Hilfe- Apps. Sie ersetzen Hilfsmittel wie einen Text-Scanner oder eine Farb-Erkennung.
  • 31.
  • 32.
    Blinde im Straßenverkehr •Anklingeln und Anhupen bringt nur in absoluten Gefahrensituationen etwas. • Blinde können nicht per Blickkontakt oder Gestik kommunizieren. Sie müssen direkt angesprochen werden.
  • 33.
    Blinde treffen • Ingroßen Städten – auch in Bonn – gibt es regelmäßige Stammtische des Blindenvereins. Sehende sind eingeladen, dort hin zu gehen. • Sprechen Sie einfach den Blinden auf der Straße an.
  • 34.
    Blinde und Blickkontakt •Geburts-Blinde stellen keinen Blickkontakt her, wenn ihnen das nicht beigebracht wurde. Sie können Mimik und Gestik nicht erkennen, daher spielt das für sie keine Rolle. • Blinde sind also nicht desinteressiert, wenn sie nach unten schauen oder keinen Blickkontakt herstellen.
  • 35.
    Ist Blindheit heilbar? •Blindheit hat sehr unterschiedliche Ursachen. Das ultimative Heilmittel wird es in absehbarer Zeit nicht geben. • Auch Wundertechniken, die das Augenlicht ersetzen sollen, sind reine PR.
  • 36.
    Frisch Erblindeten helfen •Personen, die gerade erblindet sind, sollte Zeit gegeben werden, sich mit der neuen Situation zu arrangieren. • Sie sollten möglichst schnell wieder selbständig leben lernen. • Wichtig ist der soziale Kontakt mit anderen Menschen, egal ob blind oder sehend.
  • 37.
    Hier gibt’s mehrInfos • Infos zum Thema Blindheit finden Sie im internet, etwa in Blogs, Foren oder auf YouTube. • In der Broschüre „Nicht so, sondern so“ des DBSV finden Sie Tipps zum Umgang mit Blinden.