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BEHINDERTE CHARAKTERE IM
STORY-TELLING
Ein Vortrag von Domingos de Oliveira
Darum geht´s
 Warum behinderte
Charaktere?
 Behinderte als Teil des
Ambientes
 Behinderte als Haupt-
/Nebenfigur
 Was ihr vermeiden solltet
Anmerkung: Bilder wurden aus
Urheberrechtsgründen entfernt.
Kennt ihr behinderte Figuren?
 Kennt ihr Bücher, Serien oder
Filme mit behinderten
Protagonisten?
Beispiele
 Monk, Sheldon (Big bang theory), Lisbeth Salander (Millenium), Dare
Devil, Jorge von Bogos (Der Name der Rose), Lincoln Rhyme
(Forensik-Serie von Jeffery Deaver), Julia (Sesamstraße), Rainman,
Stevie (Malcolm mittedrin), Geordi LaForge (Raumschiff Enterprise),
Speechless (TV-Serie über Unterstützte Kommunikation
Warum behinderte Haupt- und Nebenfiguren?
 Behinderte sind ideale
Charaktere. Sie sind auf viele
Weisen einsetzbar.
 Sie haben Probleme, sie haben
Konfliktpotential, sie haben
besondere Fähigkeiten und sie
können unterhaltsam sein.
 Die Literatur bietet eine gute
Möglichkeit darzustellen, wie
eine Behinderung so ist.
Behinderung muss behindern
 Wenn ein behinderter
Charakter vorkommt, sollte
seine Behinderung auch eine
Rolle spielen. Ansonsten muss
er auch nicht behindert sein.
 Es sollte also nicht beiläufig
eine Behinderung erwähnt
werden, wenn das nicht später
noch einmal aufgegriffen wird.
Behinderte als Spiegel
Behinderte als Teil der Atmosphäre
 Behinderte in der
Öffentlichkeit symbolisieren im
Westen Offenheit und
Liberalität.
 In armen Ländern
symbolisieren Behinderte die
Probleme des Alltags wie
Armut und mangelnde
medizinische Versorgung.
Behinderte als Arschloch-Filter
 Wie Andere auf Behinderung
reagieren, zeigt deren
Charakter. Beispiele sind
Unsicherheit, Ignoranz (ich
wende mich ab) Samariter (der
braucht bestimmt meine Hilfe)
usw.
Behinderte und Nicht-Behinderte begegnen sich im
Aktion-Mensch-Video
Beispiele für behinderte Figuren
Lincoln Rhyme by Jeffery Deaver
 Lincoln Rhyme ist der Haupt-Charakter in einer Thriller-Reihe von
Jeffery Deaver.
Er ist nach einem Unfall querschnittsgelähmt.
Deaver stellt die Probleme eines Spät-Behinderten sehr anschaulich
dar.
 Rhymes Stärke ist, die gesammelten Beweise zu analysieren und
damit den Täter zu überführen.
Monk
Monk ist ein Polizist. Er hat unterschiedliche Zwangsstörungen.
Durch diese Störungen kann er Spuren finden, die von anderen
Menschen übersehen werden.
Gehörlose im Tatort
 Im Tatort spielten Gehörlose
mit.
 Ein Beispiel, wie man es nicht
machen sollte. Es war weniger
ein Krimi als eine Lektion „Wie
gehe ich mit Gehörlosen um?“.
Die Story trat hinter die
Botschaft zurück.
Umgang mit Klischees
Klischees sind unvermeidbar
1. Blinde sind hervorragende
Telefonisten, weil sie sehr gut
kommunizieren können.
2. Alle Gehörlosen kommunizieren
über die Gebärdensprache.
3. Autisten arbeiten am liebsten
alleine und sind perfekte
Software-Tester.
4. „Man sieht Ihnen Ihre
Behinderung gar nicht an“.
 Ein blinder Detektiv ohne
besonders scharfe Sinne wirkt
seltsam. Dann muss die Figur
auch nicht blind sein.
 Andererseits riechen oder
hören Blinde nicht besser als
Sehende.
 Deswegen sollte man
versuchen, dass Klischee zu
bestätigen und zu widerlegen.
Mit den Erwartungen des Lesers spielen
 Der Leser hat ein bestimmtes
Bild von Blindheit. Das Bild
kann bestätigt oder widerlegt
werden.
 Hier greift die künstlerische
Freiheit. Ein Blinder, der eine
Operation durchführt oder ein
Flugzeug fliegt?
Unwahrscheinlich, aber mit
genug Phantasie denkbar.
Figuren-Entwicklung
Mögliche Recherche-Quellen
 Natürlich solltest Du
recherchieren, bevor Du einen
behinderten Charakter entwirfst.
 Es gibt viele Biographien von
Behinderten.
 Auf Facebook findest Du zu jeder
Behinderung eine Gruppe.
 Oder sprich den Blinden oder
Rollstuhlfahrer auf der Straße an.
Wenn sie gerade gegessen
haben, beißen die auch nicht.
Barrierefreiheit im Internet
18
Barrierefreiheit im Internet
19
 Behinderungen bringen
unterschiedliche Probleme mit
sich. Ein Querschnittsgelähmter
wird kein Actionheld, ein Blinder
sieht nicht, wie jemand aussieht,
ein Autist, der Verhöre
durchführt entspricht nicht dem
typischen Autisten.
 Die künstlerische Freiheit kann
nicht unendlich gedehnt werden.
Welche Behinderung soll sie haben?
Geburts- und Spät-Behinderte
 Ein Geburts-Behinderter ist
besser an seine Behinderung
angepasst als ein Spät-
Behinderter. Ein Spät-Erblindeter
braucht viel Zeit, um sich zu
orientieren oder einen Computer
zu benutzen. Auch sind seine
Sinne nicht so stark trainiert wie
die eines Geburts-Blinden.
 Ein Spät-Behinderter kämpft mit
den oft drastischen physischen
und psychischen Folgen der
Behinderung.
Behinderten Gegen-Charakter
 Ein Gegen-Charakter mit der gleichen Behinderung verhindert zu
starke Klischee-Bildung.
 Dem inselbegabten Autisten kann ein „durchschnittlicher“ Autist zur
Seite gestellt werden.
 Solche Gegensatz-Paare sind im Story-Telling üblich, siehe
Holmes/Watson.
Die Genialität heraus stellen
 Der Charakter erklärt selbst,
wie außergewöhnlich seine
Fähigkeiten sind. Er ist eben
nicht wie alle anderen Blinden,
Autisten oder Außerirdischen.
Hier lauern Stolperfallen
Ein ganz normaler Behinderter
Bis auf die Behinderung ist der
behinderte Charakter eine ganz
normale Person. Er sollte eine
Beziehung haben oder traurig sein,
wenn er keine hat. Er sollte
konventionelle Hobbies haben, sich
über Schönes freuen und über
Doofes ärgern.
Der Behinderte ist also eine Person
wie Du und ich. Bitte reduziert ihn
nicht auf seine Behinderung.
Literatur soll nicht umerziehen
 Keine wegen ihrer
Behinderung moralisch
überlegenen Figuren
 Kein Grundkurs in political
correctness
 Keine Anleitung zum Umgang
mit Behinderten
 Das kann alles vorkommen,
sollte aber nicht im
Vordergrund stehen.
Keine schlechten Pointen
 Schwerhörige und sehbehinderte Charaktere laden zu Witzen über
akustische/visuelle Missverständnisse ein.
 Damit sollte man es nicht übertreiben. Es wirkt schnell so, als ob sich
der Autor über die Behinderung lustig macht.
Ein ganz normaler Held
 Alltägliche Leistungen durch einen Behinderten sind keine
Heldentaten.
 Ausnahmen gibt’s: Ein frisch Erblindeter darf sich freuen, wenn er
das erste Mal allein die Straßenbahn benutzt. Das sollte nur aus
seiner persönlichen Perspektive dargestellt werden.
Behinderte als Opfer
 Behinderte werden oft als
hilflose Opfer dargestellt. Ihre
Situation soll Mitleid erregen.
 Dadurch wirkt Behinderung
wie eine Schwäche.
 Behinderte können zwar Opfer
sein. Sie sollten aber auch als
menschlich dargestellt werden.
Behinderte dürfen leiden
 Behinderte dürfen durchaus an ihrer Behinderung leiden. Das macht
sie menschlicher.
 Es müssen also nicht immer andere Personen oder die Gesellschaft
am Leiden schuld sein.
Dann testet mal los!
Danke für Eure Aufmerksamkeit
Anmerkungen
 In dieser Präsentation gehe ich
davon aus, dass der Autor selbst
keine Behinderung hat.
 Es werden hier nur Vorschläge
gemacht. Die literarische und
dichterische Freiheit sollte
grundsätzlich gewahrt bleiben.
 Es wird immer Personen geben,
die mit der Darstellung nicht
zufrieden sind. Zumeist sind das
Personen, die selbst keine
Behinderung haben.

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Behinderte im Storytelling

  • 1. BEHINDERTE CHARAKTERE IM STORY-TELLING Ein Vortrag von Domingos de Oliveira
  • 2. Darum geht´s  Warum behinderte Charaktere?  Behinderte als Teil des Ambientes  Behinderte als Haupt- /Nebenfigur  Was ihr vermeiden solltet Anmerkung: Bilder wurden aus Urheberrechtsgründen entfernt.
  • 3. Kennt ihr behinderte Figuren?  Kennt ihr Bücher, Serien oder Filme mit behinderten Protagonisten?
  • 4. Beispiele  Monk, Sheldon (Big bang theory), Lisbeth Salander (Millenium), Dare Devil, Jorge von Bogos (Der Name der Rose), Lincoln Rhyme (Forensik-Serie von Jeffery Deaver), Julia (Sesamstraße), Rainman, Stevie (Malcolm mittedrin), Geordi LaForge (Raumschiff Enterprise), Speechless (TV-Serie über Unterstützte Kommunikation
  • 5. Warum behinderte Haupt- und Nebenfiguren?  Behinderte sind ideale Charaktere. Sie sind auf viele Weisen einsetzbar.  Sie haben Probleme, sie haben Konfliktpotential, sie haben besondere Fähigkeiten und sie können unterhaltsam sein.  Die Literatur bietet eine gute Möglichkeit darzustellen, wie eine Behinderung so ist.
  • 6. Behinderung muss behindern  Wenn ein behinderter Charakter vorkommt, sollte seine Behinderung auch eine Rolle spielen. Ansonsten muss er auch nicht behindert sein.  Es sollte also nicht beiläufig eine Behinderung erwähnt werden, wenn das nicht später noch einmal aufgegriffen wird.
  • 8. Behinderte als Teil der Atmosphäre  Behinderte in der Öffentlichkeit symbolisieren im Westen Offenheit und Liberalität.  In armen Ländern symbolisieren Behinderte die Probleme des Alltags wie Armut und mangelnde medizinische Versorgung.
  • 9. Behinderte als Arschloch-Filter  Wie Andere auf Behinderung reagieren, zeigt deren Charakter. Beispiele sind Unsicherheit, Ignoranz (ich wende mich ab) Samariter (der braucht bestimmt meine Hilfe) usw. Behinderte und Nicht-Behinderte begegnen sich im Aktion-Mensch-Video
  • 11. Lincoln Rhyme by Jeffery Deaver  Lincoln Rhyme ist der Haupt-Charakter in einer Thriller-Reihe von Jeffery Deaver. Er ist nach einem Unfall querschnittsgelähmt. Deaver stellt die Probleme eines Spät-Behinderten sehr anschaulich dar.  Rhymes Stärke ist, die gesammelten Beweise zu analysieren und damit den Täter zu überführen.
  • 12. Monk Monk ist ein Polizist. Er hat unterschiedliche Zwangsstörungen. Durch diese Störungen kann er Spuren finden, die von anderen Menschen übersehen werden.
  • 13. Gehörlose im Tatort  Im Tatort spielten Gehörlose mit.  Ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte. Es war weniger ein Krimi als eine Lektion „Wie gehe ich mit Gehörlosen um?“. Die Story trat hinter die Botschaft zurück.
  • 15. Klischees sind unvermeidbar 1. Blinde sind hervorragende Telefonisten, weil sie sehr gut kommunizieren können. 2. Alle Gehörlosen kommunizieren über die Gebärdensprache. 3. Autisten arbeiten am liebsten alleine und sind perfekte Software-Tester. 4. „Man sieht Ihnen Ihre Behinderung gar nicht an“.  Ein blinder Detektiv ohne besonders scharfe Sinne wirkt seltsam. Dann muss die Figur auch nicht blind sein.  Andererseits riechen oder hören Blinde nicht besser als Sehende.  Deswegen sollte man versuchen, dass Klischee zu bestätigen und zu widerlegen.
  • 16. Mit den Erwartungen des Lesers spielen  Der Leser hat ein bestimmtes Bild von Blindheit. Das Bild kann bestätigt oder widerlegt werden.  Hier greift die künstlerische Freiheit. Ein Blinder, der eine Operation durchführt oder ein Flugzeug fliegt? Unwahrscheinlich, aber mit genug Phantasie denkbar.
  • 18. Mögliche Recherche-Quellen  Natürlich solltest Du recherchieren, bevor Du einen behinderten Charakter entwirfst.  Es gibt viele Biographien von Behinderten.  Auf Facebook findest Du zu jeder Behinderung eine Gruppe.  Oder sprich den Blinden oder Rollstuhlfahrer auf der Straße an. Wenn sie gerade gegessen haben, beißen die auch nicht. Barrierefreiheit im Internet 18
  • 19. Barrierefreiheit im Internet 19  Behinderungen bringen unterschiedliche Probleme mit sich. Ein Querschnittsgelähmter wird kein Actionheld, ein Blinder sieht nicht, wie jemand aussieht, ein Autist, der Verhöre durchführt entspricht nicht dem typischen Autisten.  Die künstlerische Freiheit kann nicht unendlich gedehnt werden. Welche Behinderung soll sie haben?
  • 20. Geburts- und Spät-Behinderte  Ein Geburts-Behinderter ist besser an seine Behinderung angepasst als ein Spät- Behinderter. Ein Spät-Erblindeter braucht viel Zeit, um sich zu orientieren oder einen Computer zu benutzen. Auch sind seine Sinne nicht so stark trainiert wie die eines Geburts-Blinden.  Ein Spät-Behinderter kämpft mit den oft drastischen physischen und psychischen Folgen der Behinderung.
  • 21. Behinderten Gegen-Charakter  Ein Gegen-Charakter mit der gleichen Behinderung verhindert zu starke Klischee-Bildung.  Dem inselbegabten Autisten kann ein „durchschnittlicher“ Autist zur Seite gestellt werden.  Solche Gegensatz-Paare sind im Story-Telling üblich, siehe Holmes/Watson.
  • 22. Die Genialität heraus stellen  Der Charakter erklärt selbst, wie außergewöhnlich seine Fähigkeiten sind. Er ist eben nicht wie alle anderen Blinden, Autisten oder Außerirdischen.
  • 24. Ein ganz normaler Behinderter Bis auf die Behinderung ist der behinderte Charakter eine ganz normale Person. Er sollte eine Beziehung haben oder traurig sein, wenn er keine hat. Er sollte konventionelle Hobbies haben, sich über Schönes freuen und über Doofes ärgern. Der Behinderte ist also eine Person wie Du und ich. Bitte reduziert ihn nicht auf seine Behinderung.
  • 25. Literatur soll nicht umerziehen  Keine wegen ihrer Behinderung moralisch überlegenen Figuren  Kein Grundkurs in political correctness  Keine Anleitung zum Umgang mit Behinderten  Das kann alles vorkommen, sollte aber nicht im Vordergrund stehen.
  • 26. Keine schlechten Pointen  Schwerhörige und sehbehinderte Charaktere laden zu Witzen über akustische/visuelle Missverständnisse ein.  Damit sollte man es nicht übertreiben. Es wirkt schnell so, als ob sich der Autor über die Behinderung lustig macht.
  • 27. Ein ganz normaler Held  Alltägliche Leistungen durch einen Behinderten sind keine Heldentaten.  Ausnahmen gibt’s: Ein frisch Erblindeter darf sich freuen, wenn er das erste Mal allein die Straßenbahn benutzt. Das sollte nur aus seiner persönlichen Perspektive dargestellt werden.
  • 28. Behinderte als Opfer  Behinderte werden oft als hilflose Opfer dargestellt. Ihre Situation soll Mitleid erregen.  Dadurch wirkt Behinderung wie eine Schwäche.  Behinderte können zwar Opfer sein. Sie sollten aber auch als menschlich dargestellt werden.
  • 29. Behinderte dürfen leiden  Behinderte dürfen durchaus an ihrer Behinderung leiden. Das macht sie menschlicher.  Es müssen also nicht immer andere Personen oder die Gesellschaft am Leiden schuld sein.
  • 30. Dann testet mal los! Danke für Eure Aufmerksamkeit
  • 31. Anmerkungen  In dieser Präsentation gehe ich davon aus, dass der Autor selbst keine Behinderung hat.  Es werden hier nur Vorschläge gemacht. Die literarische und dichterische Freiheit sollte grundsätzlich gewahrt bleiben.  Es wird immer Personen geben, die mit der Darstellung nicht zufrieden sind. Zumeist sind das Personen, die selbst keine Behinderung haben.