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Barrierefreie Lernmaterialien
Lernen für alle
Ein Workshop von Domingos de Oliveira
für das #oerCamp 2017
Sie erfahren
• welche Barrieren es gibt
• welche Faktoren für die
Barrierefreiheit bei
Lernmaterialien wichtig
sind
• wie ihr Inhalte zugänglich
gestaltet
WELCHE BARRIEREN GIBT ES?
Schwerbehinderte in Deutschland
Was glauben Sie: Wie viele
Schwerbehinderte gibt es in
Deutschland?
• rund 2 Millionen
• rund 4 Millionen
• rund 5 Millionen
• rund 7 Millionen
Schwerbehinderte in Deutschland
Ende 2015 lebten laut
statistischem Bundesamt 7,6
Millionen Schwerbehinderte
in Deutschland. Ende 2013
waren es 7,5 Millionen.
Als schwerbehindert gilt, wer
einen Grad der Behinderung
von 50 oder höher hat.
Drei Formen von Einschränkungen
• Sinnes- und
Körperbehinderungen
• Wahrnehmen oder
Verarbeiten von
Informationen
• Eingeschränkte Fähigkeiten:
mangelnde Technik-
Kenntnis, Analphabetismus
7
Bei dieser Gruppe ist mindestens ein
Sinn oder ein Körperteil nicht oder nur
eingeschränkt nutzbar.
• Blinde und Sehbehinderte können
visuelle Inhalte schlecht
wahrnehmen.
• Schwerhörige und Gehörlose haben
Probleme bei Audio-Inhalten.
• Motorisch Behinderte haben
Probleme bei der Nutzung von Maus
und Tastatur.
Sinnes- und Körperbehinderungen
Kognitiv Behinderte haben Probleme
bei der Informationsverarbeitung im
Gehirn.
• Menschen mit Down-Syndrom sind
mit komplexen Inhalten überfordert.
• Autisten und Epileptiker reagieren
empfindlich auf starke Reize.
• Personen mit Lernstörung oder
Demenz können sich schlecht
konzentrieren oder Inhalte merken.
Kognitive Verarbeitung
Diese Gruppe braucht nicht aus
physischen, sondern aus anderen
Gründen Barrierefreiheit.
• 7,5 Mio. Menschen in
Deutschland können nicht oder
nur schlecht lesen.
• Viele oft ältere Menschen
können nicht mit Webseiten
umgehen.
Verstehen und merken
Nicht jeder hat eine Behinderung…
• … aber fast jeder profitiert von
Barrierefreiheit.
• Niemand beschwert sich über
besser lesbare Materialien,
leicht erkennbare Grafiken und
gut verständliche Texte.
ANFORDERUNGEN AN LEHRMATERIALIEN
Spezielle Bedarfe früh abfragen
• Wollt ihr spezielle Bedarfe
berücksichtigen? Fragt die Betroffenen,
was sie konkret haben wollen. Produziert
nichts auf Verdacht.
• Spezielle Aufbereitungen sind zum
Beispiel Unterlagen in Braille, Großdruck
oder Gebärdensprache.
• Achtung: Der Druck von Braille-Texten ist
recht teuer. Außerdem dauert es oft
mehrere Wochen.
• Großdruck könnt ihr mit jedem Drucker
produzieren. Auch hier fragen, welche
Textgröße und Schriftart gewünscht ist.
Sehr ähnliche Regeln für Druck und Digital
• Grundsätzlich gelten für Druck und
Digital ähnliche Anforderungen.
Texte sollen gut lesbar, Bilder und
Grafiken gut erkennbar sein.
• Grundsätzlich sind digitale Inhalte
besser – weil besser anpassbar.
• Aber von der Regel gibt es
Ausnahmen. Bereitet eure
Unterlagen so auf, dass sie ohne
Aufwand ausgedruckt werden
können.
Digital first
• Viele Behinderte ziehen digitale
Inhalte vor. Sie können leichter
angepasst, elektronisch
vorgelesen, gesteuert und
bearbeitet werden.
• Wenn ihr primär mit gedruckten
Inhalten arbeitet, fragt die
Teilnehmer, was sie benötigen.
Multisensorisch
• Es gibt visuelle, auditive und
haptische Lerntypen.
• Versucht, diese
unterschiedlichen Gruppen zu
erreichen.
• Blinde sind meist auditiv und
nehmen Text-Infos am besten
auf. Gehörlose sind visuell und
nehmen grafische Infos am
besten auf.
ANFORDERUNGEN AN GEDRUCKTE INHALTE
Erkennbarkeit
• Texte sind visuell lesbar
gestaltet
• Bilder sind gut erkennbar.
• Elemente in Info-Grafiken
können gut erkannt und
unterschieden werden.
• Inhalte werden nicht unscharf,
wenn sie vergrößert oder
verkleinert werden.
Verständlichkeit
• Der Aufbau der Materialien ist
intuitiv verständlich.
• Texte und Grafiken sind leicht
verständlich.
• Die Informationen in Grafiken
werden leicht erkannt.
• Es werden Infos in Leichter
Sprache und Gebärdensprache
bereit gestellt.
ZUSÄTZLICHE ANFORDERUNGEN AN DIGITALE
INHALTE
Wie viele Behinderte nutzen Smartphones?
Was glauben Sie: Wie hoch ist
der Anteil behinderter
Menschen, die ein
Smartphone nutzen?
• mehr als 10 Prozent
• mehr als 25 Prozent
• mehr als 50 Prozent
• mehr als 75 Prozent
Wie viele Behinderte nutzen Smartphones?
In Kanada besaßen 2013 53 Prozent der
behinderten Menschen ein Smartphone.
Nur 45 Prozent der Nicht-Behinderten
waren mit solchen Geräten ausgestattet.
Für Deutschland gibt es leider keine Zahlen,
die Werte dürften aber ähnlich sein.
Smartphones haben Vergrößerung,
Sprachsteuerung und Vorlesefunktion
integriert. Behinderte Menschen haben also
ihre Hilfstechnik in der Hosentasche dabei.
Sie können deshalb problemlos digitale
Materialien nutzen.
Trennung Inhalt und Gestaltung
• Inhalte sollen auf
unterschiedlichen Plattformen
gleichermaßen genutzt werden
können.
• Es soll keine Rolle spielen, ob
jemand mit Vergrößerung,
Screenreader oder anderen
Techniken arbeitet.
Das Mehrkanal-Prinzip
• Das Mehrkanal-Prinzip besagt,
dass Informationen über
mindestens zwei Sinne
zugänglich sein sollen.
• Das heißt zum Beispiel, das
Informationen nicht nur
grafisch, sondern auch textlich
vermittelt werden oder das
Videos Untertitel für Gehörlose
enthalten.
Quelle: YouTube Video – Das erste Mal von Aktion Mensch
Störende Inhalte vermeiden
• Grelle, flackernde oder
flimmernde Inhalte vermeiden
• Animationen, Audio und Video
sollen nicht von selbst starten
Interaktives prüfen
• Interaktive Inhalte solltet ihr
immer auf Zugänglichkeit testen.
Interaktiv heißt, es ändert sich
etwas, ohne dass Die Website
neu lädt.
• Dazu gehören vor allem:
Formulare etwa bei Umfragen,
Multimedia-Player, interaktive
Grafiken und ähnliches.
TEXTGESTALTUNG
Standards beibehalten
Die Standardwerte der gängigen
Textverarbeitungen können
beibehalten werden. Das betrifft
zum Beispiel:
• Schriftgröße
• Abstände von Buchstaben, Zeilen
und Absätzen
Formatvorlagen
• In Programmen wie Word solltet
ihr Formatvorlagen für
Überschriften, Listen und Co.
verwenden.
• Dadurch wird das Dokument für
Blinde und Sehbehinderte
leichter anpass- und navigierbar.
• Es kann auch besser als Braille
oder Großdruck aufbereitet
werden.
Erschließungswege
• Bietet bei umfangreichen
Materialien unterschiedliche
Zugänge an.
• Zum Beispiel Inhaltsverzeichnis,
Stichwort-Verzeichnis,
Abbildungsverzeichnis.
• Das erleichtert das Nachschlagen
und Wiederfinden von Infos.
Serifenfreie Schriften bevorzugen
• Bei gleicher Schriftgröße
sind Texte mit serifenfreier
Schrift besser lesbar.
• Serifen sind die kleinen
Fortsätze an den
Buchstaben.
• Times New Roman zum
Beispiel ist eine
Serifenschrift.
• Bei gleicher Schriftgröße
sind Texte mit serifenfreier
Schrift besser lesbar.
• Serifen sind die kleinen
Fortsätze an den
Buchstaben.
• Arial zum Beispiel ist eine
serifenfreie Schrift.
Vermeiden Sie spezielle
Formatierungen wie kursiven oder
fettgedruckten Text oder Text in
Großbuchstaben.
VermeidenSie exotischeSchriftarten.
Ein einfaches und einheitliches
Layout erleichtert die Aufnahme
von Text.
• Vermeiden Sie spezielle
Formatierungen wie kursiven
oder fettgedruckten Text oder
Text in Großbuchstaben.
• Vermeiden Sie exotische
Schriftarten.
• Ein einfaches und
einheitliches Layout
erleichtert die Aufnahme von
Text.
Schriftformatierung
Blocksatz
Der linksseitige Flattersatz ist am besten lesbar.
Vermeiden Sie Blocksatz, rechtsbündigen oder
zentrierten Text. Vermeiden Sie mehrspaltigen
Text. Er erhöht den Lese-Aufwand für
Sehbehinderte.
Der linksseitige Flattersatz ist am besten lesbar.
Vermeiden Sie Blocksatz, rechtsbündigen oder
zentrierten Text. Vermeiden Sie mehrspaltigen
Text. Er erhöht den Lese-Aufwand für
Sehbehinderte.
Linksseitiger Flattersatz
• Der linksbündige Flattersatz
ist am besten. Er erleichtert
die Orientierung in langen
Texten.
• Schlecht sind alle anderen
Varianten: Blocksatz sieht zu
gleichmäßig aus. Bei
zentriertem und
rechtsbündigen Textsatz muss
der Anfang der Zeile gesucht
werden.
Textfluss
Farbe und Kontrast
• Schwarz auf Weiß ist für die
meisten Menschen optimal
• Alle anderen
Farbkombinationen
verschlechtern die
Lesbarkeit.
• Wer andere Farben
benötigt, sollte sie selbst
einstellen können.
• Schwarz auf Weiß ist für die
meisten Menschen optimal
• Alle anderen
Farbkombinationen
verschlechtern die
Lesbarkeit.
• Wer andere Farben
benötigt, sollte sie selbst
einstellen können.
Informationsarchitektur
• Texte sauber gliedern
• Zwischenüberschriften bei
langen Texten, Zitate
einrücken, Abstände zwischen
Absätzen
• bei Aufzählungen Listen
verwenden
• passende Bilder verwenden
• optische Orientierungspunkte
anbieten
Marginalspalte
• Eine Marginalspalte fasst
den jeweiligen Absatz
zusammen.
• Sie dient als kurze
Zusammenfassung und
Merkhilfe.
VERSTÄNDLICHE SPRACHE
Verständliche Sprache
Hamburger Verständlichkeitsmodell
Einfachheit: Inhalte sollen in der
einfachsten Sprache angeboten werden.
Gliederung: Ein Gedanke pro Satz, die
Inhalte sind gut strukturiert.
Prägnanz: Konkret statt abstrakt,
anschaulich und lebensnah
Anregung: Erklärende Illustrationen
ergänzen den Text-Inhalt
• Das gängigste Modell für
Textverständlichkeit ist das
Hamburger Verständlichkeitsmodell.
Die Anforderungen sehen Sie in der
Tabelle.
• Übrigens sind das auch wichtige
Kriterien der einfachen und Leichten
Sprache.
Faustregeln für verständliche Sprache
• Die Sprache ist das größte Hemmnis in der Kulturvermittlung. Die Sprache
ist für Außenstehende oft nicht einfach zu verstehen.
• Vermeiden Sie Fremdwörter und Fachjargon.
• Vermeiden Sie Komposita (lange zusammengesetzte Wörter wie
Schifffahrtsgesellschaft).
• Vermeiden Sie die doppelte Verneinung (er wird nicht dagegen sein).
• Vermeiden Sie den Konjunktiv (Er hätte gewollt haben können).
• Vermeiden Sie Zwischensätze (der Hund, den ich gestern sah, war braun).
• Vermeiden Sie Nominalstil (Die Anstrebung von Verbalstil findet unsere
Bevorzugung).
EINFACHE UND LEICHTE SPRACHE
Einfache Sprache
In der Ausstellung TOUCHDOWN geht es um das
Down-Syndrom.
Sie zeigt Spuren von Menschen mit Down-
Syndrom.
• In der Kunst.
• In der Wissenschaft.
• In Filmen und im Theater.
• In der Gesellschaft.
• In verschiedenen Zeiten.
Und in verschiedenen Ländern.
Sie erzählt, wie Menschen mit Down-Syndrom
leben.
Wie sie früher gelebt haben.
Und wie sie in Zukunft leben möchten.
• Die einfache Sprache ist ein
System von Regeln fürs
Schreiben und Gestalten
von Text.
• Sie richtet sich an Selten-
und Wenig-Leser.
• Sie entspricht dem
Sprachniveau B1.
Die Leichte Sprache
Museen sammeln wichtige Gegenstände.
Diese Gegenstände werden aufbewahrt,
untersucht und ausgestellt.
Jeder Mensch kann ein Museum besuchen
und sich die Gegenstände ansehen.
Sie zeigen die ganze Menschheits-
Geschichte:
Vom ältesten bekannten Werkzeug bis zum
modernen Gemälde.
Institute sind Einrichtungen, in denen
Wissenschaftler forschen.
Quelle: Staatliche Museen zu Berlin
• Die Leichte Sprache ist eine
stark vereinfachte Form der
Alltagssprache. Sie richtet
sich an Personen mit
Lernbehinderung.
• Basis sind kurze Sätze,
einfache Wörter und
Illustrationen.
Barrierefreie Kulturvermittlung im Internet
44
Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Maßnahmen, um zu
gewährleisten, dass Menschen mit Behinderungen das Recht auf freie
Meinungsäußerung und Meinungsfreiheit, einschließlich der Freiheit,
Informationen und Gedankengut sich zu beschaffen, zu empfangen
und weiterzugeben, gleichberechtigt mit anderen und durch alle von
ihnen gewählten Formen der Kommunikation im Sinne des Artikels 2
ausüben können, unter anderem indem sie Menschen mit
Behinderungen für die Allgemeinheit bestimmte Informationen
rechtzeitig und ohne zusätzliche Kosten in zugänglichen Formaten
und Technologien, die für unterschiedliche Arten der Behinderung
geeignet sind, zur Verfügung stellen. (Art. 21 UN-BRK)
Übung zur Verständlichkeit
45
Barrierefreie Kulturvermittlung im Internet
• Es ist ein einziger, langer
Satz (85 Wörter).
• Es sind mehrere
Zwischensätze enthalten.
• Der Inhalt bleibt sehr
abstrakt. Es wird nicht klar,
wer wem was zur
Verfügung stellen soll.
Lösung
Der Text in Leichter Sprache
Menschen mit Behinderung müssen
zugängliche Informationen bekommen.
Zum Beispiel soll Deutschland Gesetze in
Leichter Sprache erklären. So kann jeder die
Gesetze besser verstehen.
Deutschland soll auch dafür sorgen, dass
Menschen mit Behinderung zum Beispiel
die Internet-Seiten von einem Amt gut
benutzen können.
Dafür muss Deutschland sorgen!
Quelle: UN-BRK in Leichter Sprache
BESCHREIBUNGEN FÜR BILDER
Das Ziel von Grafik-Beschreibungen
• Eine alternative Text-Beschreibung soll Informationen für
Menschen vermitteln, welche die Grafik nicht sehen, nicht
klar erkennen oder nicht ohne Weiteres verstehen können.
• Das Ziel ist, dass sie die gleiche Information erhalten wie
jene, welche die Grafik sehen und ohne Weiteres verstehen
können.
• Eine Beschreibung kann offen im Fließtext oder in der
Bildunterschrift sichtbar sein.
• Oder sie ist im HTML und wird nur auf Anfrage angezeigt.
Ein Mädchen in zerlumpter Kleidung steht
an einer Mauer und hält die Hand zum
Betteln auf
Alternativtext
• Der Alternativtext ist eine
Beschreibung des Bildes. Er wird
Blinden vom Screenreader
vorgelesen. Alternativtexte sollten so
kurz wie möglich und so lang wie
nötig sein.
• Sie sind nicht für formatierte Inhalte
wie Tabellen geeignet.
Titel
• Der Titel wird angezeigt, wenn man mit
dem Mauscursor über das Bild fährt.
• Er richtet sich primär an Sehbehinderte,
die Hilfe benötigen, um zu verstehen,
was auf dem Bild zu erkennen ist.
Das Gemälde: Alice als Bettelmädchen
Abb. 23 Alice als Bettelmädchen
Bildunterschrift
• Die Bildunterschrift ist für alle Leser
sichtbar.
• Sie enthält oft die Nummer der
Abbildung und eine Quellenangabe.
• Sie kann aber auch Infos wie eine kurze
Beschreibung für Sehbehinderte
enthalten.
• Sie sollte nicht mit dem Alternativtext
identisch sein, da Blinde sie dann
doppelt vorgelesen bekommen.
Fließtext (Beispiel)
In der Bildmitte lehnt sich Alice an die
weiter unten im Text genauer beschriebene
Hauswand an. Sie hat dunkle, glatte und
schulterlange Haare mit einem kurzen Pony
der die Stirn teilweise bedeckt. Ihre Augen
sind direkt auf die Kamera gerichtet. Ihre
Haut ist glatt und hell. Die Augenbrauen
sind von der Nase her buschig, werden aber
in Richtung der Ohren lichter, bis sie nicht
mehr zu erkennen sind. Die Ohren sind
unter den Haaren verborgen. Die dunklen
Augen sind weit offen und in der Iris beider
Augen sind helle Spiegelungen zu sehen.
Quelle: Bilder für die Blinden
GESTALTUNG INFORMATIVER GRAFIKEN
Das Konzept Visual Literacy
• Die Visual-Literacy-Forschung geht davon aus, dass das
Verstehen von Informationsgrafiken gelernt werden muss. Sie
haben zum Beispiel gelernt, Straßenschilder oder Emoticons zu
verstehen.
• Sehbehinderte beherrschen diese Kunst nur eingeschränkt und
Blinde gar nicht.
• Für lernbehinderte Menschen ist die Komplexität solcher
Grafiken oft eine Herausforderung.
• Diese Grafiken spielen eine wichtige Rolle im Alltag. Deswegen
sollten sie möglichst zugänglich sein.
Skalierbarkeit
• Ein Schaubild sollte sowohl bei
Vergrößerung als auch bei
Verkleinerung noch gut zu
erkennen/lesbar sein.
• Prüfen Sie die Grafik auf einem
Standard-Bildschirm mit 50 Prozent
und 200 Prozent Zoom
• Bieten Sie die Grafik zusätzlich in
einer besseren Auflösung auf der
Website anQuelle: https://de.statista.com/infografik/4192/nutzungsmuster-von-
mobiltelefonnutzern/
Keine Information nur über Farbe oder Farbwechsel
• In Grafiken sollte eine Information nicht nur über Farbe oder Farbwechsel vermittelt
werden.
• Fügen Sie stets ein zweites Merkmal wie ein Muster oder eine spezielle Formatierung
hinzu.
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SPD CDU CSU Linke Grüne FDP AfD
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SPD CDU CSU Linke Grüne FDP AfD
Quelle: Statista – „Mitgliederzahlen der politischen Parteien in Deutschland am 31. Dezember 2014“ in Farbe und wie es ggf. von Menschen mit
Sehbehinderung wahrgenommen wird.
Flächen statt Linien
• Flächen sind leichter zu erkennen als Linien.
• Das bietet sich an, wenn keine Fläche hinter der anderen verschwindet.
Effekte vermeiden
• Visuelle Effekte sollten vermieden werden, wenn sie nicht zur Verständlichkeit
beitragen.
• Dazu gehören 3D-Effekte, Farbverläufe, Texteffekte wie Schatten, spezielle Fonts
und Ähnliches.
Einfache Formen bevorzugen
• Einfache Formen (Rechteck, Kreis) und grafische Objekte
(Pfeile, Linien) sind visuell leichter zu erfassen als komplexe
Figuren (Würfel, Prismen).
Zuordnung durch Rasterlinien
• Raster-Linien erleichtern das Erkennen von zusammengehörenden Elementen.
• Denken Sie daran, dass es für Sehbehinderte schwierig ist, ein Diagramm als
Ganzes zu erfassen. Die Rasterlinien bieten zusätzliche Orientierungspunkte und
erleichtern das sequentielle Erschließen.
41.5
25.7
8.6 8.4
4.8 4.7
2.2 1.3
2.8
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
Union SPD Linke Grüne FDP AfD Piraten NPD Sonstige
Wahl zum 18. Bundestag 2013
Union SPD Linke Grüne FDP AfD Piraten NPD Sonstige
41.5 25.7 8.6 8.4 4.8 4.7 2.2 1.3 2.8
0
5
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15
20
25
30
35
40
45
%
Wahl zum 18. Bundestag 2013
Sequentielle Erschließung
• Sehbehinderte können eine
Informationsgrafik nicht als Ganzes
erfassen. Deshalb sollte die Grafik
sequentiell erschließbar sein.
• Vermeiden Sie also komplexe
verschachtelte Objekte.
• Beginnen Sie möglichst oben links und
geben Sie durch die Anordnung der
Elemente oder Führungslinien/Pfeile
eine Leserichtung vor.
• Je einfacher die einzelnen Elemente
gehalten werden, desto geringer ist die
kognitive Leistung, die zu ihrem
Erkennen notwendig ist.Quelle: Organigramm Wikipedia
Verknüpfung von Element und Legende
• Es ist einfacher, wenn
Element und Legende direkt
miteinander verknüpft sind.
Dadurch muss das Auge
weniger bewegt werden
und das Gedächtnis wird
weniger belastet.
Zucker
50%
Fett
40%
Eiweiß
9%
Sonstiges
1%
Schokolade
50%
40%
9%
1%
Zucker
Fett
Eiweiß
Sonstiges
Übung: Finde den Fehler
Verkäufe Mittagessen
Sandwiches Salate Suppen Getränke Desserts
Fehler in der Grafik
Verkäufe Mittagessen
Sandwiches Salate Suppen Getränke Desserts
• Kontrast zwischen den Elementen
und dem Hintergrund ist zu gering
• Information nur über Farbe
vermittelt
• 3-D Effekt trägt nicht zur
Verständlichkeit bei – irritiert den
Betrachter eher
• Element und Legende nicht
miteinander verknüpft
• Fehlende Information: Werte in %
Lösungsbeispiel
Sandwiches
40%
Salate
21%
Suppen
15%
Getränke
9%
Desserts
15%
Verkäufe Mittagessen • Ausreichender Kontrast zwischen den
Elementen und dem Hintergrund
durch verschiedene Farben und
schwarze Trennlinien
• Element und Legende sind
miteinander verknüpft
• Schlichte Grafik ohne überflüssige
Effekte trägt zur Verständlichkeit bei
MULTIMEDIA
Generelle Anforderungen
• Audio und Video sollten in der besten Qualität angeboten werden.
• Die Inhalte sollten nicht von selbst starten.
• Animationen sollten angehalten werden können.
• Vermeiden Sie laute Hintergrundmusik, Nebengeräusche sowie
Blitzen und Flackern.
• Ein nicht bedienbarer Player ist eine Hürde.
• Bieten Sie die Inhalte alternativ zum Download an.
Transkript des Podcasts „Alternativlos“
Text-Transkripte für Audio-Inhalte
• Schwerhörige und Gehörlose
brauchen Verschriftlichungen von
Audio-Inhalten. Das wird Text-
Transkript genannt.
• Das Text-Transkript ist ein eigener,
vollständiger Text mit
Zwischenüberschriften, Listen und
so weiter.
• Bei einem Dialog wird auch der
jeweilige Gesprächspartner
benannt.
Frank Rieger: Herzlich willkommen zu
alternativlos, die Folge Numero 20 …
Fefe: … über den politischen Diskurs
diesmal, und wir sind sehr stolz, einen
besonderen Gast zu haben, diesmal,
nämlich Herrn Schirrmacher von der
FAZ.
Frank Schirrmacher: Hallo.
Frank Rieger: Guten Tag.
Frank Schirrmacher: Guten Tag.
Untertitel
• Für gehörlose und schwerhörige
Menschen sollte in Videos Untertitel
untergebracht werden.
• In Untertiteln wird das Gesprochene
verschriftlicht, außerdem werden
wichtige Geräusche vermittelt, die zum
Verständnis des Clips wichtig sind.
• Es gibt offene und geschlossene
Untertitel (closed captions). Closed
Captions können ein- bzw. ausgeblendet
werden und sind deshalb vorzuziehen.
70
Quelle: YouTube Video – Das erste Mal von Aktion Mensch
Beschreibung visueller Inhalte
• Eine Audiodeskription beschreibt für
Blinde, was in einem Video visuell
passiert. Stille Pausen werden genutzt,
um die Geschehnisse zu beschreiben.
• Eine Alternative dazu ist ein
Videotranskript. Das ist eine vollständige
Verschriftlichung des Inhalts. Das ähnelt
einem Drehbuch.
• Alternativ kann ein Moderator aus dem
Off wichtige visuelle Inhalte
beschreiben. Diese Beschreibung nützt
allen Zuschauern.
Die traditionellen Medien stehen seit ein paar Jahren vor
einer Vielzahl von Herausforderungen. Wir müssen
feststellen, dass die Auflagenzahlen der gedruckten
Zeitungen sinken. Und das gleiche können wir bezüglich
der rückläufigen Einnahmen durch Anzeigen aus
derselben Quelle verzeichnen.
Heute habe ich Kenneth Boll von Visiolink ins Studio
eingeladen, um über das Nordic Media Programme zu
sprechen, an dem er in diesem Jahr teilnimmt. Bei
diesem Programm geht es darum, diesen Ergebnissen
und Tatsachen in unserer Branche proaktiv
entgegenzuwirken. Deshalb möchte ich Kenneth ein paar
Fragen zu diesem Programm stellen. Was sind die
Hintergründe des Programms und wie werden diese
Themen pro aktiv angegangen?
Quelle: Blog von Visio
Danke für eure Aufmerksamkeit
Eure Fragen?
Weiterführende Infos
• Informationen für alle
zugänglich machen
• Accessible print design
• Making text legible
• A guide to accessible
publishing
• Barrierefreies Print

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Barrierefreie lehr und lernmaterialien

  • 1. Barrierefreie Lernmaterialien Lernen für alle Ein Workshop von Domingos de Oliveira für das #oerCamp 2017
  • 2. Sie erfahren • welche Barrieren es gibt • welche Faktoren für die Barrierefreiheit bei Lernmaterialien wichtig sind • wie ihr Inhalte zugänglich gestaltet
  • 4. Schwerbehinderte in Deutschland Was glauben Sie: Wie viele Schwerbehinderte gibt es in Deutschland? • rund 2 Millionen • rund 4 Millionen • rund 5 Millionen • rund 7 Millionen
  • 5. Schwerbehinderte in Deutschland Ende 2015 lebten laut statistischem Bundesamt 7,6 Millionen Schwerbehinderte in Deutschland. Ende 2013 waren es 7,5 Millionen. Als schwerbehindert gilt, wer einen Grad der Behinderung von 50 oder höher hat.
  • 6. Drei Formen von Einschränkungen • Sinnes- und Körperbehinderungen • Wahrnehmen oder Verarbeiten von Informationen • Eingeschränkte Fähigkeiten: mangelnde Technik- Kenntnis, Analphabetismus
  • 7. 7 Bei dieser Gruppe ist mindestens ein Sinn oder ein Körperteil nicht oder nur eingeschränkt nutzbar. • Blinde und Sehbehinderte können visuelle Inhalte schlecht wahrnehmen. • Schwerhörige und Gehörlose haben Probleme bei Audio-Inhalten. • Motorisch Behinderte haben Probleme bei der Nutzung von Maus und Tastatur. Sinnes- und Körperbehinderungen
  • 8. Kognitiv Behinderte haben Probleme bei der Informationsverarbeitung im Gehirn. • Menschen mit Down-Syndrom sind mit komplexen Inhalten überfordert. • Autisten und Epileptiker reagieren empfindlich auf starke Reize. • Personen mit Lernstörung oder Demenz können sich schlecht konzentrieren oder Inhalte merken. Kognitive Verarbeitung
  • 9. Diese Gruppe braucht nicht aus physischen, sondern aus anderen Gründen Barrierefreiheit. • 7,5 Mio. Menschen in Deutschland können nicht oder nur schlecht lesen. • Viele oft ältere Menschen können nicht mit Webseiten umgehen. Verstehen und merken
  • 10. Nicht jeder hat eine Behinderung… • … aber fast jeder profitiert von Barrierefreiheit. • Niemand beschwert sich über besser lesbare Materialien, leicht erkennbare Grafiken und gut verständliche Texte.
  • 12. Spezielle Bedarfe früh abfragen • Wollt ihr spezielle Bedarfe berücksichtigen? Fragt die Betroffenen, was sie konkret haben wollen. Produziert nichts auf Verdacht. • Spezielle Aufbereitungen sind zum Beispiel Unterlagen in Braille, Großdruck oder Gebärdensprache. • Achtung: Der Druck von Braille-Texten ist recht teuer. Außerdem dauert es oft mehrere Wochen. • Großdruck könnt ihr mit jedem Drucker produzieren. Auch hier fragen, welche Textgröße und Schriftart gewünscht ist.
  • 13. Sehr ähnliche Regeln für Druck und Digital • Grundsätzlich gelten für Druck und Digital ähnliche Anforderungen. Texte sollen gut lesbar, Bilder und Grafiken gut erkennbar sein. • Grundsätzlich sind digitale Inhalte besser – weil besser anpassbar. • Aber von der Regel gibt es Ausnahmen. Bereitet eure Unterlagen so auf, dass sie ohne Aufwand ausgedruckt werden können.
  • 14. Digital first • Viele Behinderte ziehen digitale Inhalte vor. Sie können leichter angepasst, elektronisch vorgelesen, gesteuert und bearbeitet werden. • Wenn ihr primär mit gedruckten Inhalten arbeitet, fragt die Teilnehmer, was sie benötigen.
  • 15. Multisensorisch • Es gibt visuelle, auditive und haptische Lerntypen. • Versucht, diese unterschiedlichen Gruppen zu erreichen. • Blinde sind meist auditiv und nehmen Text-Infos am besten auf. Gehörlose sind visuell und nehmen grafische Infos am besten auf.
  • 17. Erkennbarkeit • Texte sind visuell lesbar gestaltet • Bilder sind gut erkennbar. • Elemente in Info-Grafiken können gut erkannt und unterschieden werden. • Inhalte werden nicht unscharf, wenn sie vergrößert oder verkleinert werden.
  • 18. Verständlichkeit • Der Aufbau der Materialien ist intuitiv verständlich. • Texte und Grafiken sind leicht verständlich. • Die Informationen in Grafiken werden leicht erkannt. • Es werden Infos in Leichter Sprache und Gebärdensprache bereit gestellt.
  • 19. ZUSÄTZLICHE ANFORDERUNGEN AN DIGITALE INHALTE
  • 20. Wie viele Behinderte nutzen Smartphones? Was glauben Sie: Wie hoch ist der Anteil behinderter Menschen, die ein Smartphone nutzen? • mehr als 10 Prozent • mehr als 25 Prozent • mehr als 50 Prozent • mehr als 75 Prozent
  • 21. Wie viele Behinderte nutzen Smartphones? In Kanada besaßen 2013 53 Prozent der behinderten Menschen ein Smartphone. Nur 45 Prozent der Nicht-Behinderten waren mit solchen Geräten ausgestattet. Für Deutschland gibt es leider keine Zahlen, die Werte dürften aber ähnlich sein. Smartphones haben Vergrößerung, Sprachsteuerung und Vorlesefunktion integriert. Behinderte Menschen haben also ihre Hilfstechnik in der Hosentasche dabei. Sie können deshalb problemlos digitale Materialien nutzen.
  • 22. Trennung Inhalt und Gestaltung • Inhalte sollen auf unterschiedlichen Plattformen gleichermaßen genutzt werden können. • Es soll keine Rolle spielen, ob jemand mit Vergrößerung, Screenreader oder anderen Techniken arbeitet.
  • 23. Das Mehrkanal-Prinzip • Das Mehrkanal-Prinzip besagt, dass Informationen über mindestens zwei Sinne zugänglich sein sollen. • Das heißt zum Beispiel, das Informationen nicht nur grafisch, sondern auch textlich vermittelt werden oder das Videos Untertitel für Gehörlose enthalten. Quelle: YouTube Video – Das erste Mal von Aktion Mensch
  • 24. Störende Inhalte vermeiden • Grelle, flackernde oder flimmernde Inhalte vermeiden • Animationen, Audio und Video sollen nicht von selbst starten
  • 25. Interaktives prüfen • Interaktive Inhalte solltet ihr immer auf Zugänglichkeit testen. Interaktiv heißt, es ändert sich etwas, ohne dass Die Website neu lädt. • Dazu gehören vor allem: Formulare etwa bei Umfragen, Multimedia-Player, interaktive Grafiken und ähnliches.
  • 27. Standards beibehalten Die Standardwerte der gängigen Textverarbeitungen können beibehalten werden. Das betrifft zum Beispiel: • Schriftgröße • Abstände von Buchstaben, Zeilen und Absätzen
  • 28. Formatvorlagen • In Programmen wie Word solltet ihr Formatvorlagen für Überschriften, Listen und Co. verwenden. • Dadurch wird das Dokument für Blinde und Sehbehinderte leichter anpass- und navigierbar. • Es kann auch besser als Braille oder Großdruck aufbereitet werden.
  • 29. Erschließungswege • Bietet bei umfangreichen Materialien unterschiedliche Zugänge an. • Zum Beispiel Inhaltsverzeichnis, Stichwort-Verzeichnis, Abbildungsverzeichnis. • Das erleichtert das Nachschlagen und Wiederfinden von Infos.
  • 30. Serifenfreie Schriften bevorzugen • Bei gleicher Schriftgröße sind Texte mit serifenfreier Schrift besser lesbar. • Serifen sind die kleinen Fortsätze an den Buchstaben. • Times New Roman zum Beispiel ist eine Serifenschrift. • Bei gleicher Schriftgröße sind Texte mit serifenfreier Schrift besser lesbar. • Serifen sind die kleinen Fortsätze an den Buchstaben. • Arial zum Beispiel ist eine serifenfreie Schrift.
  • 31. Vermeiden Sie spezielle Formatierungen wie kursiven oder fettgedruckten Text oder Text in Großbuchstaben. VermeidenSie exotischeSchriftarten. Ein einfaches und einheitliches Layout erleichtert die Aufnahme von Text. • Vermeiden Sie spezielle Formatierungen wie kursiven oder fettgedruckten Text oder Text in Großbuchstaben. • Vermeiden Sie exotische Schriftarten. • Ein einfaches und einheitliches Layout erleichtert die Aufnahme von Text. Schriftformatierung
  • 32. Blocksatz Der linksseitige Flattersatz ist am besten lesbar. Vermeiden Sie Blocksatz, rechtsbündigen oder zentrierten Text. Vermeiden Sie mehrspaltigen Text. Er erhöht den Lese-Aufwand für Sehbehinderte. Der linksseitige Flattersatz ist am besten lesbar. Vermeiden Sie Blocksatz, rechtsbündigen oder zentrierten Text. Vermeiden Sie mehrspaltigen Text. Er erhöht den Lese-Aufwand für Sehbehinderte. Linksseitiger Flattersatz • Der linksbündige Flattersatz ist am besten. Er erleichtert die Orientierung in langen Texten. • Schlecht sind alle anderen Varianten: Blocksatz sieht zu gleichmäßig aus. Bei zentriertem und rechtsbündigen Textsatz muss der Anfang der Zeile gesucht werden. Textfluss
  • 33. Farbe und Kontrast • Schwarz auf Weiß ist für die meisten Menschen optimal • Alle anderen Farbkombinationen verschlechtern die Lesbarkeit. • Wer andere Farben benötigt, sollte sie selbst einstellen können. • Schwarz auf Weiß ist für die meisten Menschen optimal • Alle anderen Farbkombinationen verschlechtern die Lesbarkeit. • Wer andere Farben benötigt, sollte sie selbst einstellen können.
  • 34. Informationsarchitektur • Texte sauber gliedern • Zwischenüberschriften bei langen Texten, Zitate einrücken, Abstände zwischen Absätzen • bei Aufzählungen Listen verwenden • passende Bilder verwenden • optische Orientierungspunkte anbieten
  • 35. Marginalspalte • Eine Marginalspalte fasst den jeweiligen Absatz zusammen. • Sie dient als kurze Zusammenfassung und Merkhilfe.
  • 37. Verständliche Sprache Hamburger Verständlichkeitsmodell Einfachheit: Inhalte sollen in der einfachsten Sprache angeboten werden. Gliederung: Ein Gedanke pro Satz, die Inhalte sind gut strukturiert. Prägnanz: Konkret statt abstrakt, anschaulich und lebensnah Anregung: Erklärende Illustrationen ergänzen den Text-Inhalt • Das gängigste Modell für Textverständlichkeit ist das Hamburger Verständlichkeitsmodell. Die Anforderungen sehen Sie in der Tabelle. • Übrigens sind das auch wichtige Kriterien der einfachen und Leichten Sprache.
  • 38. Faustregeln für verständliche Sprache • Die Sprache ist das größte Hemmnis in der Kulturvermittlung. Die Sprache ist für Außenstehende oft nicht einfach zu verstehen. • Vermeiden Sie Fremdwörter und Fachjargon. • Vermeiden Sie Komposita (lange zusammengesetzte Wörter wie Schifffahrtsgesellschaft). • Vermeiden Sie die doppelte Verneinung (er wird nicht dagegen sein). • Vermeiden Sie den Konjunktiv (Er hätte gewollt haben können). • Vermeiden Sie Zwischensätze (der Hund, den ich gestern sah, war braun). • Vermeiden Sie Nominalstil (Die Anstrebung von Verbalstil findet unsere Bevorzugung).
  • 40. Einfache Sprache In der Ausstellung TOUCHDOWN geht es um das Down-Syndrom. Sie zeigt Spuren von Menschen mit Down- Syndrom. • In der Kunst. • In der Wissenschaft. • In Filmen und im Theater. • In der Gesellschaft. • In verschiedenen Zeiten. Und in verschiedenen Ländern. Sie erzählt, wie Menschen mit Down-Syndrom leben. Wie sie früher gelebt haben. Und wie sie in Zukunft leben möchten. • Die einfache Sprache ist ein System von Regeln fürs Schreiben und Gestalten von Text. • Sie richtet sich an Selten- und Wenig-Leser. • Sie entspricht dem Sprachniveau B1.
  • 41. Die Leichte Sprache Museen sammeln wichtige Gegenstände. Diese Gegenstände werden aufbewahrt, untersucht und ausgestellt. Jeder Mensch kann ein Museum besuchen und sich die Gegenstände ansehen. Sie zeigen die ganze Menschheits- Geschichte: Vom ältesten bekannten Werkzeug bis zum modernen Gemälde. Institute sind Einrichtungen, in denen Wissenschaftler forschen. Quelle: Staatliche Museen zu Berlin • Die Leichte Sprache ist eine stark vereinfachte Form der Alltagssprache. Sie richtet sich an Personen mit Lernbehinderung. • Basis sind kurze Sätze, einfache Wörter und Illustrationen.
  • 42. Barrierefreie Kulturvermittlung im Internet 44 Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Maßnahmen, um zu gewährleisten, dass Menschen mit Behinderungen das Recht auf freie Meinungsäußerung und Meinungsfreiheit, einschließlich der Freiheit, Informationen und Gedankengut sich zu beschaffen, zu empfangen und weiterzugeben, gleichberechtigt mit anderen und durch alle von ihnen gewählten Formen der Kommunikation im Sinne des Artikels 2 ausüben können, unter anderem indem sie Menschen mit Behinderungen für die Allgemeinheit bestimmte Informationen rechtzeitig und ohne zusätzliche Kosten in zugänglichen Formaten und Technologien, die für unterschiedliche Arten der Behinderung geeignet sind, zur Verfügung stellen. (Art. 21 UN-BRK) Übung zur Verständlichkeit
  • 43. 45 Barrierefreie Kulturvermittlung im Internet • Es ist ein einziger, langer Satz (85 Wörter). • Es sind mehrere Zwischensätze enthalten. • Der Inhalt bleibt sehr abstrakt. Es wird nicht klar, wer wem was zur Verfügung stellen soll. Lösung
  • 44. Der Text in Leichter Sprache Menschen mit Behinderung müssen zugängliche Informationen bekommen. Zum Beispiel soll Deutschland Gesetze in Leichter Sprache erklären. So kann jeder die Gesetze besser verstehen. Deutschland soll auch dafür sorgen, dass Menschen mit Behinderung zum Beispiel die Internet-Seiten von einem Amt gut benutzen können. Dafür muss Deutschland sorgen! Quelle: UN-BRK in Leichter Sprache
  • 46. Das Ziel von Grafik-Beschreibungen • Eine alternative Text-Beschreibung soll Informationen für Menschen vermitteln, welche die Grafik nicht sehen, nicht klar erkennen oder nicht ohne Weiteres verstehen können. • Das Ziel ist, dass sie die gleiche Information erhalten wie jene, welche die Grafik sehen und ohne Weiteres verstehen können. • Eine Beschreibung kann offen im Fließtext oder in der Bildunterschrift sichtbar sein. • Oder sie ist im HTML und wird nur auf Anfrage angezeigt.
  • 47. Ein Mädchen in zerlumpter Kleidung steht an einer Mauer und hält die Hand zum Betteln auf Alternativtext • Der Alternativtext ist eine Beschreibung des Bildes. Er wird Blinden vom Screenreader vorgelesen. Alternativtexte sollten so kurz wie möglich und so lang wie nötig sein. • Sie sind nicht für formatierte Inhalte wie Tabellen geeignet.
  • 48. Titel • Der Titel wird angezeigt, wenn man mit dem Mauscursor über das Bild fährt. • Er richtet sich primär an Sehbehinderte, die Hilfe benötigen, um zu verstehen, was auf dem Bild zu erkennen ist. Das Gemälde: Alice als Bettelmädchen
  • 49. Abb. 23 Alice als Bettelmädchen Bildunterschrift • Die Bildunterschrift ist für alle Leser sichtbar. • Sie enthält oft die Nummer der Abbildung und eine Quellenangabe. • Sie kann aber auch Infos wie eine kurze Beschreibung für Sehbehinderte enthalten. • Sie sollte nicht mit dem Alternativtext identisch sein, da Blinde sie dann doppelt vorgelesen bekommen.
  • 50. Fließtext (Beispiel) In der Bildmitte lehnt sich Alice an die weiter unten im Text genauer beschriebene Hauswand an. Sie hat dunkle, glatte und schulterlange Haare mit einem kurzen Pony der die Stirn teilweise bedeckt. Ihre Augen sind direkt auf die Kamera gerichtet. Ihre Haut ist glatt und hell. Die Augenbrauen sind von der Nase her buschig, werden aber in Richtung der Ohren lichter, bis sie nicht mehr zu erkennen sind. Die Ohren sind unter den Haaren verborgen. Die dunklen Augen sind weit offen und in der Iris beider Augen sind helle Spiegelungen zu sehen. Quelle: Bilder für die Blinden
  • 52. Das Konzept Visual Literacy • Die Visual-Literacy-Forschung geht davon aus, dass das Verstehen von Informationsgrafiken gelernt werden muss. Sie haben zum Beispiel gelernt, Straßenschilder oder Emoticons zu verstehen. • Sehbehinderte beherrschen diese Kunst nur eingeschränkt und Blinde gar nicht. • Für lernbehinderte Menschen ist die Komplexität solcher Grafiken oft eine Herausforderung. • Diese Grafiken spielen eine wichtige Rolle im Alltag. Deswegen sollten sie möglichst zugänglich sein.
  • 53. Skalierbarkeit • Ein Schaubild sollte sowohl bei Vergrößerung als auch bei Verkleinerung noch gut zu erkennen/lesbar sein. • Prüfen Sie die Grafik auf einem Standard-Bildschirm mit 50 Prozent und 200 Prozent Zoom • Bieten Sie die Grafik zusätzlich in einer besseren Auflösung auf der Website anQuelle: https://de.statista.com/infografik/4192/nutzungsmuster-von- mobiltelefonnutzern/
  • 54.
  • 55. Keine Information nur über Farbe oder Farbwechsel • In Grafiken sollte eine Information nicht nur über Farbe oder Farbwechsel vermittelt werden. • Fügen Sie stets ein zweites Merkmal wie ein Muster oder eine spezielle Formatierung hinzu. 459902 457488 146536 60547 60329 54967 17687 0 50000 100000 150000 200000 250000 300000 350000 400000 450000 500000 SPD CDU CSU Linke Grüne FDP AfD 459902 457488 146536 60547 60329 54967 17687 0 50000 100000 150000 200000 250000 300000 350000 400000 450000 500000 SPD CDU CSU Linke Grüne FDP AfD Quelle: Statista – „Mitgliederzahlen der politischen Parteien in Deutschland am 31. Dezember 2014“ in Farbe und wie es ggf. von Menschen mit Sehbehinderung wahrgenommen wird.
  • 56. Flächen statt Linien • Flächen sind leichter zu erkennen als Linien. • Das bietet sich an, wenn keine Fläche hinter der anderen verschwindet.
  • 57. Effekte vermeiden • Visuelle Effekte sollten vermieden werden, wenn sie nicht zur Verständlichkeit beitragen. • Dazu gehören 3D-Effekte, Farbverläufe, Texteffekte wie Schatten, spezielle Fonts und Ähnliches.
  • 58. Einfache Formen bevorzugen • Einfache Formen (Rechteck, Kreis) und grafische Objekte (Pfeile, Linien) sind visuell leichter zu erfassen als komplexe Figuren (Würfel, Prismen).
  • 59. Zuordnung durch Rasterlinien • Raster-Linien erleichtern das Erkennen von zusammengehörenden Elementen. • Denken Sie daran, dass es für Sehbehinderte schwierig ist, ein Diagramm als Ganzes zu erfassen. Die Rasterlinien bieten zusätzliche Orientierungspunkte und erleichtern das sequentielle Erschließen. 41.5 25.7 8.6 8.4 4.8 4.7 2.2 1.3 2.8 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 Union SPD Linke Grüne FDP AfD Piraten NPD Sonstige Wahl zum 18. Bundestag 2013 Union SPD Linke Grüne FDP AfD Piraten NPD Sonstige 41.5 25.7 8.6 8.4 4.8 4.7 2.2 1.3 2.8 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 % Wahl zum 18. Bundestag 2013
  • 60. Sequentielle Erschließung • Sehbehinderte können eine Informationsgrafik nicht als Ganzes erfassen. Deshalb sollte die Grafik sequentiell erschließbar sein. • Vermeiden Sie also komplexe verschachtelte Objekte. • Beginnen Sie möglichst oben links und geben Sie durch die Anordnung der Elemente oder Führungslinien/Pfeile eine Leserichtung vor. • Je einfacher die einzelnen Elemente gehalten werden, desto geringer ist die kognitive Leistung, die zu ihrem Erkennen notwendig ist.Quelle: Organigramm Wikipedia
  • 61. Verknüpfung von Element und Legende • Es ist einfacher, wenn Element und Legende direkt miteinander verknüpft sind. Dadurch muss das Auge weniger bewegt werden und das Gedächtnis wird weniger belastet. Zucker 50% Fett 40% Eiweiß 9% Sonstiges 1% Schokolade 50% 40% 9% 1% Zucker Fett Eiweiß Sonstiges
  • 62. Übung: Finde den Fehler Verkäufe Mittagessen Sandwiches Salate Suppen Getränke Desserts
  • 63. Fehler in der Grafik Verkäufe Mittagessen Sandwiches Salate Suppen Getränke Desserts • Kontrast zwischen den Elementen und dem Hintergrund ist zu gering • Information nur über Farbe vermittelt • 3-D Effekt trägt nicht zur Verständlichkeit bei – irritiert den Betrachter eher • Element und Legende nicht miteinander verknüpft • Fehlende Information: Werte in %
  • 64. Lösungsbeispiel Sandwiches 40% Salate 21% Suppen 15% Getränke 9% Desserts 15% Verkäufe Mittagessen • Ausreichender Kontrast zwischen den Elementen und dem Hintergrund durch verschiedene Farben und schwarze Trennlinien • Element und Legende sind miteinander verknüpft • Schlichte Grafik ohne überflüssige Effekte trägt zur Verständlichkeit bei
  • 66. Generelle Anforderungen • Audio und Video sollten in der besten Qualität angeboten werden. • Die Inhalte sollten nicht von selbst starten. • Animationen sollten angehalten werden können. • Vermeiden Sie laute Hintergrundmusik, Nebengeräusche sowie Blitzen und Flackern. • Ein nicht bedienbarer Player ist eine Hürde. • Bieten Sie die Inhalte alternativ zum Download an.
  • 67. Transkript des Podcasts „Alternativlos“ Text-Transkripte für Audio-Inhalte • Schwerhörige und Gehörlose brauchen Verschriftlichungen von Audio-Inhalten. Das wird Text- Transkript genannt. • Das Text-Transkript ist ein eigener, vollständiger Text mit Zwischenüberschriften, Listen und so weiter. • Bei einem Dialog wird auch der jeweilige Gesprächspartner benannt. Frank Rieger: Herzlich willkommen zu alternativlos, die Folge Numero 20 … Fefe: … über den politischen Diskurs diesmal, und wir sind sehr stolz, einen besonderen Gast zu haben, diesmal, nämlich Herrn Schirrmacher von der FAZ. Frank Schirrmacher: Hallo. Frank Rieger: Guten Tag. Frank Schirrmacher: Guten Tag.
  • 68. Untertitel • Für gehörlose und schwerhörige Menschen sollte in Videos Untertitel untergebracht werden. • In Untertiteln wird das Gesprochene verschriftlicht, außerdem werden wichtige Geräusche vermittelt, die zum Verständnis des Clips wichtig sind. • Es gibt offene und geschlossene Untertitel (closed captions). Closed Captions können ein- bzw. ausgeblendet werden und sind deshalb vorzuziehen. 70 Quelle: YouTube Video – Das erste Mal von Aktion Mensch
  • 69. Beschreibung visueller Inhalte • Eine Audiodeskription beschreibt für Blinde, was in einem Video visuell passiert. Stille Pausen werden genutzt, um die Geschehnisse zu beschreiben. • Eine Alternative dazu ist ein Videotranskript. Das ist eine vollständige Verschriftlichung des Inhalts. Das ähnelt einem Drehbuch. • Alternativ kann ein Moderator aus dem Off wichtige visuelle Inhalte beschreiben. Diese Beschreibung nützt allen Zuschauern. Die traditionellen Medien stehen seit ein paar Jahren vor einer Vielzahl von Herausforderungen. Wir müssen feststellen, dass die Auflagenzahlen der gedruckten Zeitungen sinken. Und das gleiche können wir bezüglich der rückläufigen Einnahmen durch Anzeigen aus derselben Quelle verzeichnen. Heute habe ich Kenneth Boll von Visiolink ins Studio eingeladen, um über das Nordic Media Programme zu sprechen, an dem er in diesem Jahr teilnimmt. Bei diesem Programm geht es darum, diesen Ergebnissen und Tatsachen in unserer Branche proaktiv entgegenzuwirken. Deshalb möchte ich Kenneth ein paar Fragen zu diesem Programm stellen. Was sind die Hintergründe des Programms und wie werden diese Themen pro aktiv angegangen? Quelle: Blog von Visio
  • 70. Danke für eure Aufmerksamkeit Eure Fragen?
  • 71. Weiterführende Infos • Informationen für alle zugänglich machen • Accessible print design • Making text legible • A guide to accessible publishing • Barrierefreies Print