Lernen ohne Unterweisung -
wenn die Sprachentwicklung
gestört ist
Martin Ptok
Klinik und Poliklinik für Phoniatrie und Pädaudiologie
Sprachliche Ebenen

      Phonetisch-phonologische Ebene
      Semantisch-lexikalische Ebene
      Morphologisch-syntaktische Ebene
      Kommunikativ-pragmatische Ebene




Sprachentwicklun
gsstörungen
Sprachentwicklungsstörungen

      primäre bzw. spezifische Sprachentwicklungsstörung
      (SSES)
      Sekundäre Störungen der Sprachentwicklung




Sprachentwicklun
gsstörungen
Meinungen: richtig oder falsch?

      1. SSES nehmen zu
      2. SSES entstehen durch ein unzureichendes
         Sprachangebot
      3. SSES Kinder sind einfach nur dumm
      4. Eine SSES ist offensichtlich, eine weitere
         Diagnostik entbehrlich
      5. Eine SSES braucht nicht therapiert zu werden,
         sondern „wächst sich aus“, ggf. reicht eine
         hinreichende Förderung
      6. Es wird zu früh therapiert



Sprachentwicklun
gsstörungen
1. SSES nehmen zu




Sprachentwicklun
gsstörungen
2. SSES entstehen durch ein
unzureichendes Sprachangebot
      reduzierte auditive Informationsverarbeitungskapazität
      (Tallal & Piercy, 1973a; 1973b; Tallal, Stark & Mellitis, 1985; Tallal et al., 1996)
      eingeschränktes phonologisches Arbeitsgedächtnis
      (Gathercole & Baddeley, 1990; Montgomery, 1995; Ellis Weismer, 1996,
      Baddeley, Gathercole & Papagno, 1998, Hasselhorn & Werner, 2000; Ellis
      Weismer, 1996)
      Schwierigkeiten der prosodisch-rhythmischen
      Informationsverarbeitung
      (Morgan & Newport, 1981; Cutler, 1996)

      Schwierigkeiten der phonologischen
      Informationsverarbeitung
      (Ptok, 2007, Ramus, 2001)




Sprachentwicklun
gsstörungen
3. SSES Kinder sind einfach nur dumm

      Bei SSES per Definition normale Intelligenzleistung




Sprachentwicklun
gsstörungen
4. Eine SSES ist offensichtlich, eine
weitere Diagnostik entbehrlich
      Ohne Diagnostik zielgerichtete Therapie nicht möglich
      Diagnostik zeitaufwändig




Sprachentwicklun
gsstörungen
Prozessanalyse




Sprachentwicklun
gsstörungen
5. Eine SSES braucht nicht therapiert zu
    werden, sondern „wächst sich aus“
      SSES Kinder erwerben sprachliche Kompetenzen
      nicht (nur) verzögert, sondern auch strukturell
      abweichend
      deutlich erhöhtes Risiko einer späteren Legasthenie
      (Shapiro et al., 1990).




Sprachentwicklun
gsstörungen
5. …ggf. reicht eine Förderung

      Gezieltes Elterntraining bzw. –anleitung
      Unspezifische Förderung
      Gezielte Sprachförderung
      Einzelsprachtherapie
      „Deutsch-als-Fremdsprache“ Förderung




Sprachentwicklun
gsstörungen
Therapeutische Konsequenzen (PLAKSS)

      Artikulationsstörung
         – Störung derjenigen Prozesse, die an der Planung und
           Ausführung von gleichmäßigen, fließenden Sequenzen
           von sich hochgradig überlappenden Gesten der
           Sprechorgane beteiligt sind
      Phonologische Verzögerung
         – Ausschließlich physiologische Prozesse
      Konsequente phonologische Störung
         – Mindestens ein pathologischer Prozess
      Inkonsequente phonologische Störung
         – Mindestens 40% inkonsequente Realisation




Sprachentwicklun
gsstörungen
6. Es wird zu früh therapiert

      Late talker – 24. LM: ca. 15 – 20 %
      Late bloomer – 36. LM // SSES ca. 6-8 %




Sprachentwicklun
gsstörungen
Wenn die Sprachentwicklung gestört
ist…
      …muss geklärt werden, in welcher Weise und in
      welchem Umfang eine Störung vorliegt
      …eine adäquate Therapie veranlasst / durchgeführt
      werden
      …müssen Bezugspersonen beraten werden




Sprachentwicklun
gsstörungen

Prof. Martin Ptok: Lernen ohne Unterweisung. Wenn Sprachentwicklung gestört ist.

  • 1.
    Lernen ohne Unterweisung- wenn die Sprachentwicklung gestört ist Martin Ptok Klinik und Poliklinik für Phoniatrie und Pädaudiologie
  • 2.
    Sprachliche Ebenen Phonetisch-phonologische Ebene Semantisch-lexikalische Ebene Morphologisch-syntaktische Ebene Kommunikativ-pragmatische Ebene Sprachentwicklun gsstörungen
  • 3.
    Sprachentwicklungsstörungen primäre bzw. spezifische Sprachentwicklungsstörung (SSES) Sekundäre Störungen der Sprachentwicklung Sprachentwicklun gsstörungen
  • 4.
    Meinungen: richtig oderfalsch? 1. SSES nehmen zu 2. SSES entstehen durch ein unzureichendes Sprachangebot 3. SSES Kinder sind einfach nur dumm 4. Eine SSES ist offensichtlich, eine weitere Diagnostik entbehrlich 5. Eine SSES braucht nicht therapiert zu werden, sondern „wächst sich aus“, ggf. reicht eine hinreichende Förderung 6. Es wird zu früh therapiert Sprachentwicklun gsstörungen
  • 5.
    1. SSES nehmenzu Sprachentwicklun gsstörungen
  • 6.
    2. SSES entstehendurch ein unzureichendes Sprachangebot reduzierte auditive Informationsverarbeitungskapazität (Tallal & Piercy, 1973a; 1973b; Tallal, Stark & Mellitis, 1985; Tallal et al., 1996) eingeschränktes phonologisches Arbeitsgedächtnis (Gathercole & Baddeley, 1990; Montgomery, 1995; Ellis Weismer, 1996, Baddeley, Gathercole & Papagno, 1998, Hasselhorn & Werner, 2000; Ellis Weismer, 1996) Schwierigkeiten der prosodisch-rhythmischen Informationsverarbeitung (Morgan & Newport, 1981; Cutler, 1996) Schwierigkeiten der phonologischen Informationsverarbeitung (Ptok, 2007, Ramus, 2001) Sprachentwicklun gsstörungen
  • 7.
    3. SSES Kindersind einfach nur dumm Bei SSES per Definition normale Intelligenzleistung Sprachentwicklun gsstörungen
  • 8.
    4. Eine SSESist offensichtlich, eine weitere Diagnostik entbehrlich Ohne Diagnostik zielgerichtete Therapie nicht möglich Diagnostik zeitaufwändig Sprachentwicklun gsstörungen
  • 9.
  • 10.
    5. Eine SSESbraucht nicht therapiert zu werden, sondern „wächst sich aus“ SSES Kinder erwerben sprachliche Kompetenzen nicht (nur) verzögert, sondern auch strukturell abweichend deutlich erhöhtes Risiko einer späteren Legasthenie (Shapiro et al., 1990). Sprachentwicklun gsstörungen
  • 11.
    5. …ggf. reichteine Förderung Gezieltes Elterntraining bzw. –anleitung Unspezifische Förderung Gezielte Sprachförderung Einzelsprachtherapie „Deutsch-als-Fremdsprache“ Förderung Sprachentwicklun gsstörungen
  • 12.
    Therapeutische Konsequenzen (PLAKSS) Artikulationsstörung – Störung derjenigen Prozesse, die an der Planung und Ausführung von gleichmäßigen, fließenden Sequenzen von sich hochgradig überlappenden Gesten der Sprechorgane beteiligt sind Phonologische Verzögerung – Ausschließlich physiologische Prozesse Konsequente phonologische Störung – Mindestens ein pathologischer Prozess Inkonsequente phonologische Störung – Mindestens 40% inkonsequente Realisation Sprachentwicklun gsstörungen
  • 13.
    6. Es wirdzu früh therapiert Late talker – 24. LM: ca. 15 – 20 % Late bloomer – 36. LM // SSES ca. 6-8 % Sprachentwicklun gsstörungen
  • 14.
    Wenn die Sprachentwicklunggestört ist… …muss geklärt werden, in welcher Weise und in welchem Umfang eine Störung vorliegt …eine adäquate Therapie veranlasst / durchgeführt werden …müssen Bezugspersonen beraten werden Sprachentwicklun gsstörungen