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Epistemologische Heuristik
SECHS FORSCHUNGSMILIEUS
zur Erzeugung von Neuem
3. Strukturalistisches
Forschungsmilieu: Gestalten in
grundlegende Elemente
auflösen und Strukturen durch
Erforschung ihrer Beziehungen
entdecken
2. Phänomenologisches
Forschungsmilieu:
Formen von Gestalten
entdecken und als Mittel für
die Bildung von Ordnungen
nutzen
1. Hermeneutisches
Forschungsmilieu:
Gestalten bilden und in
ihren Eigenheiten zu
verstehen suchen
6. Systempraxeologisches
Forschungsmilieu: Design
von >pragmatischen
Systemen< in Form von
Szenarien bis hin zu
Konkreten Utopien
5. Systemtechnologisches
Forschungsmilieu: Design
>semantischer Systeme<
zwischen Materialität und
Utopien als virtuelle
Realitäten
4. Systemtheoretisches
Forschungsmilieu:
Abstrakte immaterielle Elemente
generieren und mit logischen
Operationen syntaktische
Systeme konstruieren
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Judith WALGENBACH:
Forschertisch
Judith + Wilhelm
W A L G E N B A C H
Januar 2012
Teil I Teil II
Judith Walgenbach
Laboratorium für Epistemologische WissenschaftsKunst, Admiralitätsstrasse 71 |
Hinterhof 1.Stock | 20459 Hamburg
HfBK-Abschluss Meisterschülerin Freie Kunst
Vorbemerkungen Aufgrund einschlägiger Erfahrungen und Rückmeldungen gehen wir davon aus, dass das hier
vorgestellte Material bei vielen etwa die Frage auslöst, warum man sich so intensiv mit dem Gegenstand
>Wirbel/Strudel/Wirbelstraße< auseinandersetzen und was nun gerade der mit der >Theorie der Bildung< zu tun haben soll.
Verständlicher wird das, wenn man weiß, dass der zugrundeliegende Ansatz überwiegend in etwa dreißigjähriger
Forschungsarbeit an dem interdisziplinär arbeitenden IPN (s.o.) entwickelt worden ist. Die Ausgangssituation war, dass ein
Geisteswissenschaftler auf Naturwissenschaftler traf, die trotz persönlicher Sympathien die >Theorie der Bildung< als
schwammig, subjektivistisch, empirisch nicht abgesichert u.ä. bewerteten. Die Einsicht, dass diese Argumente nicht
unberechtigt waren, führte zu der Idee, die Naturwissenschaften als methodologische Orientierung für die Entwicklung von
Bildungstheorie zu einer modernen Wissenschaft zu entwickeln, ohne deren eigene, geisteswissenschaftliche Qualitäten
aufzugeben.
Als paradigmatisches Beispiel für die Entwicklung der Naturwissenschaften wurde die >Klassische Mechanik< gewählt und
diese vor allem im Hinblick auf methodologische Strategien mit der Bildungstheorie von Wilhelm von Humboldt in einen
Zusammenhang gebracht. Das führte zu folgendem Ansatz, der hier nur andeutungsweise wiedergegeben wird:
1.) Grundlegend für die Klassische Mechanik ist der Begriff >Kraft<, der nicht als ein alltäglicher, empirisch unmittelbar
einsehbarer Begriff gebraucht, sondern als ein >theoretisches Konstrukt< im Denken gesetzt wird. Dieses hat zwar
Wirklichkeit, aber ist nicht unmittelbar Wirklichkeit (woraus sein Theoriepotential resultiert). Der Kraft-Begriff wird nicht in
Form einer Nominaldefinition beschrieben und erklärt, sondern in Form einer operationalen Definition: Kraft = Masse x
Beschleunigung. Deutlich wird, dass Naturwissenschaft nicht mit Einzelbegriffen, sondern mit Begriffssystemen arbeitet.
Diese werden nicht – wie überwiegend in den Geisteswissenschaften – im mehr oder weniger theoretisch-abstrakten Raum
(oft nur assoziativ und mit dem Anspruch von Plausibilität) entwickelt, sondern mit theoriegeleitet konstruierten Experimenten
wie etwa Galileis >Schiefer Bahn<, die nicht nur grundlegend ist zur Bearbeitung eines bestimmten Teilproblems, sondern auf
die über lange Zeiträume die Forschung fokussiert ist, deren zentrales Ziel die Erzeugung von Neuem ist.
2.) Blickt man von hier auf die (mehr oder weniger fragmentarischen) Arbeiten von Wilhelm von Humboldts zur Theorie der
Bildung, dann kann man geradezu enthusiastisch werden. Dafür genügen erst einmal schon die folgenden zwei Zitate aus
Wihelm von Humboldts Fragment einer >Theorie der Bildung des Menschen<: (1) ) "Die letzte Aufgabe unsres Daseins, dem
Begriff der Menschheit in unserer Person, sowohl während der Zeit unsres Lebens, als auch noch über dasselbe hinaus,
durch die Spuren des lebendigen Wirkens, die wir zurücklassen, einen so großen Inhalt, als möglich, zu verschaffen, diese
Aufgabe löst sich allein durch die Verknüpfung unsres Ichs mit der Welt zu der allgemeinsten, regesten und freiesten
Wechselwirkung." (2) “Was also der Mensch nothwendig braucht, ist bloss ein Gegenstand, der die Wechselwirkung seiner
Empfänglich- /S. 36:/ keit mit seiner Selbstthätigkeit möglich mache. Allein wenn dieser Gegenstand genügen soll, sein
ganzes Wesen in seiner vollen Stärke und seiner Einheit zu beschäftigen; so muss er der Gegenstand schlechthin, die Welt
seyn, oder doch (denn diess ist eigentlich allein richtig) als solcher betrachtet werden.”
Dr. phil.habil. Wilhelm Walgenbach
PD i.R. Allgemeine Didaktik, Universität Hamburg
Wiss. OR. Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften IPN an der
Universität Kiel
In Verbindung gebracht mit den grundlegenden methodologischen Strategien der >Klassischen Mechanik< ermöglichen schon diese
zwei Zitate die folgenden Konstruktionen: Zentrales theoretisches Konstrukt Humboldts ist der Begriff der >Selbsttätigkeit<, der nicht
einfach in einem alltäglich-empirischen Zugang etwa als „selbst etwas tun“ verstanden wird, sondern als ein Konstrukt, das auf die
Konstitution und Entwicklung der eigenen Persönlichkeit gerichtet ist. Für diese sucht er nach einem Gegenstand, der die ganze Welt
repräsentiert –quasi eine Miniatur der Welt - und der Wechselwirkungen auslöst zwischen ihm und dem Selbsttätigen. Als Ziel wird
bestimmt, dass der Selbsttätige Spuren hinterlässt, also seine Persönlichkeit in der Welt vergegenständlicht und dait Neues erzeugt.
Einen Schritt weiter führt die Hinzuziehung von grundlegenden Bestimmungen der kulturhistorischen Tätigkeitstheorie (Vygotsky,
Lurija, Judin, Leontjev, Davydov, Engeström usw.). Konstituiert wurde diese vor allem im Anschluss an die Russische Revolution, als
man die Hoffnung und das Ziel hatte, die Gesellschaft insgesamt auf einen höheren, humaneren Entwicklungsstand zu bringen.
E.G. Judin, ein früh verstorbener Philosoph und Systemtheoretiker, fasste die Kategorie >Tätigkeit< als eine >Grenzabstraktion< auf
wie die Kategorie >Kosmos< in der Antike und >Natur< zur Zeit des Übergangs von der Renaissance (in der man zunehmend den
Menschen als (Mit-)Gestalter der Welt begriff) zur Neuzeit, die durch keine dahinter liegenden Begriffe erklärt bzw. bestimmt werden
kann. Die Einführung dieser neuen Kategorie (dieses theoretischen Konstrukts) ermöglichte einen neuen Lösungsansatz für die
>Grundfrage der Philosophie< nach dem Verhältnis von Subjekt/dem Menschen und Objekt/der Realität. Während Ansätze wie der
Idealismus, Rationalismus oder der (radikale) Konstruktivismus tendenziell die Subjekt-Seite verabsolutierten und der Empirismus,
Positivismus oder der Materialismus die Objekt-Seite, ermöglicht die Einführung der Kategorie >Tätigkeit< eine dritte Lösung: In seiner
Tätigkeit wirkt das Subjekt auf das Objekt ein und verändert dieses, während gleichzeitig das sich verändernde Objekt auf das Subjekt
einwirkt und dieses verändert und entwickelt. Dadurch ergibt sich eine dynamischer Wechselwirkungsprozess, in dem beide Seiten
sich gegenseitig entwickeln und im Idealfall sich der Bestimmung der Modernen Physik nähern: >Wechselwirkung ist symmetrische
Wirkungsproduktion< (beide Seiten nehmen gleichberechtigt an den Veränderungen teil). Um solche Prozesse zu analysieren und
theoriegeleitet zu organisieren, sind >komplementäre Begriffspaare< wie etwa >Teil~Ganzes, Zustand~Prozess, Ordnung~Chaos)
produktive Mittel, mit denen schon in der dialektischen Philosophie operiert wurde, die aber an Solidität und Seriosität durch ihre
Verwendung in modernen dynamischen und evolutionären Systemtheorien (E. Jantsch, E.v. Weizsäcker, I. Prigogyne usw.)
gewannen.
>Selbsttätigkeit< kann jetzt als eine spezifische Form menschlicher Tätigkeit bestimmt werden: In seiner Tätigkeit macht ein Subjekt
sich selbst zum Objekt und kommt zu Vergegenständlichungen, in denen es sich selbst zum Ausdruck bringt (>Selbstthema-
tisierungen<). Weil diese Persönlichkeit immer einmalig und original ist, ist Ziel die ERZEUGUNG VON NEUEM.
Wie schon die Philosophie des Deutschen Idealismus betont auch die kulturhistorische Tätigkeitstheorie, dass menschliche
>Tätigkeit< in einem bestimmten kulturhistorischen Kontext stattfindet. >Selbsttätigkeit< ist deshalb auch nicht ein individueller und a-
historischer Akt, sondern ist verankert in bestimmte gesellschaftliche Zusammenhängen und steht mit diesen in Wechselwirkung.
Deshalb wird es auch als unabdingbar angesehen, dass >Selbsttätigkeit< einer >Aufforderung< von außen bedarf. Der Philosoph
Fichte bestimmte diese Aufforderung als einen - etwa von Eltern und Lehrern- ausgehenden sozialen Akt, während Wilhelm von
Humboldt – wie auch etwa Friedrich Fröbel mit seinen >Spielgaben< - nach einen Gegenstand/Gegenständen suchten, die
Selbsttätigkeit auslösen. Der Vorteil ist, dass damit störende soziale Beziehungsprobleme nur noch indirekt eine Rolle spielen.
Wie in einem noch auszuarbeitenden Teil weiter begründet wird, ist hier eine >Wirbelstraße (als ein System von Wirbeln/Strudeln)< als
Gegenstand bestimmt, der Selbsttätigkeit auslöst. Zusammen mit komplementären Begriffspaaren wird er zu einem heuristischen
Mittel für die Erzeugung von Neuem.
Bezug zu Humboldts Bildungstheorie
"Der wahre Zweck des Menschen, welchen die ewig unveränderliche Vernunft ihm
vorschreibt, ist die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem
Ganzen."
1. Axiomatische Setzung: Bildung wird möglich durch Selbsttätigkeit in allen sechs
Forschungsmilieus und deren Integration zu einem Ganzen
Humboldts Bildungstheorie als Grundlage:
Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu
bestimmen (1792)
Theorie der Bildung des Menschen – Fragment (1793)
https://docs.google.com/viewer?a=v&q=cache:Jv84wvwS2yQJ:nehles.com/ss_04/Paedagogik_der_deutschen_Klassik/Humboldt-
Bildung.pdf+wilhelm+von+Humboldt+%22was+also+der+Mensch+braucht&hl=de&gl=de&pid=bl&srcid=ADGEESiDOJ9X1qcubMFEoOiS9lAkjnM0ZQ5KDDjIE
1f-8d7-i_JbhYhuNcPjM3n3UeTI8vyZ_utIk5QO_fk2cirqYAvD54JHdv_FhMtQECnPZKn5pBwXI0OqB42MgRsF6C0bQu8-
repq&sig=AHIEtbSvzo5Bfajiw2QmAqPXpsvxuQiT4Q
s. auch: http://www.fuerstenberg-dhg.de/index.php?id=humboldt_bildungstheorie
2. Axiomatische Setzung: Der WIRBEL ist Auslöser und erschließungsmächtiger
Gegenstand von Selbsttätigkeit
Bezug zu Humboldts Bildungstheorie:
ALLSEITIGE
UND
UMFASSENDE
BILDUNG
ÜBERBLICK ÜBER DIE SECHS FORSCHUNGSMILIEUS
Im ersten Teil geht es um Forschung als Entdeckung von Neuem durch Abbildung und Umbildung von in der Realität schon
Vorhandenem, das als Gestalt, Form oder Struktur organisiert wird. Im zweiten Teil geht es um die Erfindung von Neuem. Dabei ist
die (Umberto ECO folgende) Annahme grundlegend, dass erst die (vor allem computerunterstützte) Erzeugung von abstrakten,
bedeutungsfreien Elementen es ermöglicht, über die Entdeckung von Gegebenem hinauszugehen. Dieser Teil II bechäftigt sich also
mit der Tätigkeit des theoriegeleiteten Erfindens, und zwar in den drei Schritten: (IV) Bildung syntaktischer Systeme mit immateriellen,
bedeutungsfreien Elementen unter Einsatz bestimmter Logiken, (V) Bildung semantischer Systeme bis hin zu utopischen,
computergenerierten Virtuellen Realitäten durch Be-deutung abstrakter Elemente, Strukturen und Systeme und schließlich (VI)
Design pragmatischer Systeme in Form von Szenarien bis hin zu Konkreten Utopien. EINLEITUNG:
Ausgangspunkt ist die Frage: Wie kann ich meine Selbsttätigkeit qualitativ höherentwickeln in Richtung einer theoriegeleiteten,
systembildenden Tätigkeit? Geleistet werden soll ein Beitrag zur Bildungstheorie und –praxis vor allem auf der Grundlage des
Forschungsansatzes von Wilhelm von Humboldt. Dessen Aktualisierung stützt sich auf historische und systematische
Rekonstruktionen forschender Tätigkeit in Wissenschaft und Kunst, deren Entwicklung in bestimmten Forschungsmilieus beschrieben
wird und als Orienitierungen für die Höherentwicklung der eigenen Selbsttätigkeit dienen soll.
Insgesamt werden folgende Forschungsmilieus vorgestellt: (1) das >Hermeneutische Forschungsmilieu< als Ausgangspunkt mit der
Konzentration auf die Bildung und das Verstehen von >Gestalten<, (2) das >Phänomenologische Forschungsmilieu< mit der
Konzentration auf >Formen< von Gestalten und deren Nutzung für die Erstellung von Ordnungen (Systematiken, Klassifikationen und
Typologien) sowie (3) das >Empirisch-analytische Forschungsmilieu< mit der Konzentration auf Elemente und Beziehungen und deren
Zusammenfassung in >Strukturen<.
Ein epistemologischer Bruch erfolgt dann in (4) > Systemtheoretisches Forschungsmilieu<, weildie hier generierten Elemente, Zeichen,
Punktmengen usw. Nichts mehr abbilden oder repräsentieren, sondern nur noch sich selbst bedeuten und – wie Umbert ECO aufzeigt
– jetzt nicht mehr nur die Entdeckung, sondern die Erfindungen von Neuem ermöglichen. Von dieser Stufe höchster Abstraktheit geht
es dann in (5) >Systemtechnologisches Forschungsmileu< um das Design von semantischen Systemen, indem Ein-Bildungen (Villem
FLUSSER) in Abstraktes vorgenommen werden und dieses dadurch be-deutet wird. In (6), dem >Systempraxeologischen
Forschungsmilieu<, geht es um das Design pragmatischer Systeme, indem vorher konstruierte Teilsystem in gesellschaftliche
Gesamtzusammenhänge eingebettet werden.
Im Anschluss an die bildungstheoretischen Setzungen Wilhelm von Humboldts, dass (1) Ziel die allseitige und umfassende Bildung des
Menschen ist, die (2) einen besonderen, Selbsttätigkeit auslösenden Gegenstand als Ausgangs- und Mittelpunkt benötigt, werden die
Metamorphosen/Gestaltwandlungen von Wirbeln bzw. Strudeln in den sechs Forschungsmilius verfolgt.
Dabei werden zuerst typische Forschungen in den jeweiligen Mileus und dann ein Meisterstück sowie Hinweise auf weitere
Musterbeispiele in verschiedenen Disziplinen von Wissenschaft und Kunst vorgestellt.
1. Hermeneutisches Forschungsmilieu:
Einfühlung in die Gestalt eines Wirbels als Einheit von Inhalt und Form
Eine in der Wirklichkeit auffindbare Erscheinung mit allen
Sinnen erfassen und mit dem Urbild der Spirale zu einer
Gestalt verdichten ….
Edgar Allan Poe: Hinab in den Maelström
Wir waren jetzt etwa zehn Minuten auf der Spitze des Helseggen, zu dem wir aus dem Innern von
Lofoten aufgestiegen waren, so daß wir keinen Schimmer vom Meere erblickt hatten, bis es, als wir
oben auf dem Gipfel angelangt waren, plötzlich in voller Weite vor uns lag. Während der Alte sprach,
kam mir ein lautes, langsam zunehmendes Tosen zum Bewußtsein, ein Lärm wie das Brüllen einer
ungeheuren Büffelherde auf einer amerikanischen Prärie. Und im selben Augenblick gewahrte ich,
daß das ›Hacken‹ des Meeres unter uns sich mit rasender Schnelligkeit in eine östliche Strömung
verwandelte. Während ich hinsah, nahm diese Strömung noch mit unheimlicher Geschwindigkeit zu.
Jeder Augenblick verzehnfachte ihre Hast, ihr maßloses Ungestüm. In fünf Minuten tobte der ganze
Ozean bis nach Vurrgh hinaus in gewaltigem Sturm; aber zwischen Moskoe und der Küste toste der
Aufruhr am tollsten. Hier stürmte die ungeheure Wasserflut in tausend einander entgegengesetzte
Kanäle, brach sich plötzlich in wahnsinnigen Zuckungen, keuchte, kochte und zischte – kreiste in
zahllosen riesenhaften Wirbeln, und alles stürmte heulend und sich überstürzend nach Osten, mit
einer Geschwindigkeit, wie sie sich nur bei den rasendsten Wasserstürzen findet.
An old map, pointing the place
where the terrible Maelstrom
was located. Olaus Magnus
"Carta Marina"
Hermeneutik als Interpretation: Texte über Texte
“Lesen wir Poes Geschichte Ein Sturz in den Mahlstrom, so erfahren wir, dass ein Poescher Held auch die eigene Vernichtung durchaus zu
genießen vermag. Ein Schiffer gerät in einen Strudel, der ihn zu verschlingen droht. Während der Protagonist in endloser Kreisfahrt in den
Höllenschlund hinabsaust, empfindet er den Verzweiflungsjubel, das Hochgefühl, das jenen ergreift, der frei, im Moment vor dem Sturz, über dem
Abgrund schwebt. Im Untergang erlebt er die Ausgelassenheit der höchsten Not.
Das ist die Situation der großen antiken Tragödienfiguren, über deren Wirkung Nietzsche gesagt hat: »Wir sollen erkennen, wie alles, was
entsteht, zum leidvollen Untergange bereit sein muß, wir werden gezwungen, in die Schrecken der Individualexistenz hineinzublicken – und sollen
doch nicht erstarren… der Kampf, die Qual, die Vernichtung der Erscheinungen dünkt uns jetzt nothwendig…«
In der Tragödie ist der Untergang endgültig, und er wird bejaht. Poe aber überwindet jenen Tragödienschluss. Bei ihm sind Qual und Verzweiflung
die Bedingungen zur Rettung. Plötzlich, inmitten der Katastrophe, überkommt den Helden die kalte Vernunft. Er durchschaut die Kräfte des
Mahlstroms und entkommt ihm. Heute denkt man: Die Die Hard- Filme, die Figur des James Bond, die 24- Serie, das alles ist Kunst nach Poe. Der
sich in den Abgrund beugende und die kippende Konstruktion kalt durchschauende Weltretter von heute, das muss ein Mann sein, der dem
Mahlstrom entkommen ist.”
Musterbeispiele objektbezogener
Hermeneutik
• Alexander von Humboldt:
Landschaftsbeschreibungen
• Brehms Tierleben
Eduard Mörike:
Auf eine Lampe
Noch unverrückt, o schöne Lampe, schmückest du,
An leichten Ketten zierlich aufgehangen hier,
Die Decke des nun fast vergeßnen Lustgemachs.
Auf deiner weißen Marmorschale, deren Rand
Der Efeukranz von goldengrünem Erz umflicht,
Schlingt fröhlich eine Kinderschar den Ringelreihn.
Wie reizend alles! lachend, und ein sanfter Geist
Des Ernstes doch ergossen um die ganze Form –
Ein Kunstgebild der echten Art. Wer achtet sein?
Was aber schön ist, selig scheint es in ihm selbst.
1a Ein hermeneutisches Meisterstück:
Kontroverse zwischen Emil Staiger und Martin Heidegger über die Interpretation eines Mörike-Gedichts
In germanistischen Fachkreisen berühmt wurde
Staigers Interpretations-Duell mit Heidegger über
die letzte Zeile von Eduard Mörikes Gedicht Auf
eine Lampe, in dem sich unterschiedliche
Haltungen gegenüber dem Motiv der Vanitas
äussern. „Was aber schön ist, selig scheint es in
ihm selbst“ verstand Staiger im Sinne einer
blossen Scheinbarkeit (videtur), während
Heidegger es als tatsächliche innere Illumination
(lucet) auffasste.
http://de.wikipedia.org/wiki/Emil_Staiger
1b HOMOLOGIEN als Heuristische Mittel:
Neues entdecken durch Suche nach gleichen Gestalten
Homologie: Gestalt X und Gestalt Y sind gleich
2. Phänomenologisches Forschungsmilieu:
Formen entdecken und als Mittel für die Erstellung von Ordnungen nutzen
www.kurt-niemann.de.tl/ Einf.ue.hrung.htm
Kurt Niemann:
Strömungsfenster
Hugo KÜKELHAUS:
Urbild Wirbel
Ordnung durch Vergleich von Formen
2a Ein phänomenologisches Meisterstück:
>Das sensible Chaos - Strömendes Formenschaffen in Wasser und Luft< von Theodor Schwenk
“Lange bevor die Chaostheorie entstand und populär
wurde, gewann Theodor Schwenk bereits die
fundamentale Einsicht in die Wechselbeziehung
zwischen Chaos, Formentstehung und den
Anfangsbedingungen des chaotischen Zustandes
sowohl in der Natur wie auch in der Theorie. Seine
Arbeit ist bis heute unübertroffen.”
Ralph Abraham,Professor für Mathematik, University of
California
Weitere Musterbeispiele von an Goethes
Naturforschung orientierter phänomenologischer
Forschung:
• Hugo Kükelhaus: Erfahrungsfeld zur Entfaltung der
Sinne
• D’Arcy Wentworth Thompson: On Growth and Form.
1917, ISBN 0486671356. Deutsch: Über Wachstum und
Form
• Hans Jenny: Kymatik - Wellenphänomene und
Verbindung bekannter Formen mit neuen Inhalten
2b Analogien als Heuristische Mittel
Neues entdecken durch Erklärung von Unbekanntem mit Bekanntem und
Kombination bekannter Formen mit neuen Inhalten
Analogie: Dies ist wie das!
Das Unbekannte Y (das Fraktal)
…ist wie das Bekannte X (die Wirbelstraße)
Analogiebildung: Y ist wie X
(Zugleich
Beispiel
für
die
Gefahren
von
Analogien:
Ein
Fraktal
ist
keine
Wirbelstraße)
Roland Oesker
Günter Klarner
3. Empirisch-analytisches Forschungsmilieu:
Einführung des atomistischen Teilchenkonzepts: >Strömungen sind Bewegungen von Teilchen<
und Entdeckung von Strukturen als Ensemble von Elementen und ihren Beziehungen
Kurt Niemann: Den Weg von
Teilchen verfolgen
Experimente mit der Reynoldszahl: Verhältnis
von Strömungsgeschwindigkeit, Form des
Hindernisses und Viskosität der Flüssigkeit
Teilchen bewegen sich
geordnet durch
turbulente Strömungen
Wissenschaftler haben
herausgefunden, dass
Wirbel in einer
turbulenten Strömung
weniger chaotisch sind
als gedacht
http://www.weltderphysik.de/gebie
te/fluide/nachrichten-fluide-und-
stroemung/2011/teilchen-bewegen-
sich-geordnet-durch-turbulente-
stroemungen/
Diese Abbildung von Y. B. Du and P. Tong, J. Fluid Mech.,
2000) zeigt Turbulenzen in konvektiven Strömungen, wie
sie auch auf der Sonne durch aufsteigendes heißes
Material entstehen (in der Abbildung sind wärmere
Bereich grün/blau codiert)
Entdeckung von Strukturen:
Auflösung von Flüssigkeiten in
Elemente und Erforschung von
deren Beziehungen
Formalisierungen und Mathematisierungen
Metapher
(das Neue)
Z
X = Y
ist !!
(nicht nur
wie!)
3a Metaphern als Heuristische Mittel: Dies (X) ist das (Y) = (Z) , das Neue als Ergebnis
„Das Flüssige i s t das sensible Chaos“ NOVALIS
„Das Flüssige i s t ein Strom von Teilchen“
(physikalische Definition)
Metapher als
künstlerisches Mittel
kreativer Kunst
3b Ein strukturalistisches Meisterstück: Analyse des Gedichts „Les Chats“ von Charles Baudelaire durch
den Ethnologen Claude Lévy-Strauss und den Linguisten Roman Jakobson (1962)
Les Chats
Les amoureux fervents et les savants austères
Aiment également, dans leur mûre saison,
Les chats puissants et doux, orgueil de la maison,
Qui comme eux sont frileux et comme eux sédentaires.
Amis de la science et de la volupté
Ils cherchent le silence et l'horreur des ténèbres;
L'Erèbe les eût pris pour ses coursiers funèbres,
S'ils pouvaient au servage incliner leur fierté.
Ils prennent en songeant les nobles attitudes
Des grands sphinx allongés au fond des solitudes,
Qui semblent s'endormir dans un rêve sans fin;
Leurs reins féconds sont pleins d'étincelles magiques,
Et des parcelles d'or, ainsi qu'un sable fin,
Etoilent vaguement leurs prunelles mystiques.
— Charles Baudelaire
Das Konstruktionsprinzip des Sonetts besteht laut Jakobson / Lévi-Strauss aus
einem System von Gegensätzen und deren Ausgleich: a) ein Gegensatz
zwischen zwei Strophen mit zwei Reimen und einer Strophe mit drei Reimen;
der Ausgleich erfolgt hier durch eine Teilung in zwei Strophenpaare zu zuerst 4
und dann 3 Zeilen. In den Strophenpaaren sind starke syntaktische Parallelen
nachweisbar: der erste Vierzeiler und der erste Dreizeiler weisen jeweils eine
Relativkonstruktion mit qui auf, die sich beide auf ein männliches Substantiv in
der Mehrzahl (chats, sphinx) beziehen und beide die letzte Zeile der Strophe
bilden. Es sei nur zwischendurch angemerkt, dass Jakobson/Lévi-Strauss ihre
Einheit der beiden Dreizeiler vorübergehend aufgeben und dass die beiden
Ergänzungen im Hauptsatz (chats als complément direct und sphinx als
Attribut) nicht sehr parallel konstruiert sind. Jakobson/Lévi-Strauss führen in
der Folge aus, wie der semantische Aspekt diese Parallelen unterstreicht: die
Subjekte des ersten Vierzeilers und des ersten Dreizeilers bezeichnen belebte
Wesen, während die Subjekte der anderen Strophen unbelebte Wesen
bezeichnen. Die von den Autoren zugegebene Einschränkung in Bezug auf amis
und das für die Katzen stehende ils schwächt natürlich die Stringenz der
Darstellung bedeutend ab. Die Autoren finden auch Diagonalbeziehungen über
die beiden äußeren und inneren Strophen: in den äußeren Strophen gehört das
Objekt zur gleichen semantischen Kategorie wie das Subjekt, nämlich belebte
Wesen im ersten Vierzeiler (amoureux, savants : chats) und unbelebte im
zweiten Dreizeiler (reins, parcelles : prunelles). In den beiden inneren Strophen
gehört das Objekt zu einer dem Subjekt entgegen gesetzten semantischen
Kategorie: im ersten Dreizeiler steht ein belebtes Subjekt (ils = chats) einem
unbelebten Objekt (attitudes) gegenüber, während der zweite Vierzeiler die
Oppositionen grammatikalisch alternierend aufweist (ils = chats : silence,
horreur; Erèbe : les = chats). Jakobson / Lèvi-Strauss beschäftigen sich noch
mit einigen solchen Relationen, die alle zu dem Schluss führen, dass man das
Gedicht in drei Teile zerlegen kann: a) die ersten 6 Verse; b) das zentrale
Reimpaar 7 + 8; c) die letzten 6 Verse. Ein Aufbau, der das zentrale Reimpaar 7
und 8 hervorhebt und das Argument von der Einheit der beiden Dreizeiler
wieder aufnimmt.
homepage.univie.ac.at/alfred.noe/Methoden/Methoden09.DOC
Binäre Oppositionen
4a Meisterstücke syntaktischer Systembildungen:
Das >Apfelmännchen< von Benoit Mandelbrot und das >Feigenbrot-Diagramm< von Mitchell Feigenbaum,
den Mitbegründern der Fraktalen Geometrie, der Chaosforschung und der Theorie Dynamischer Systeme
Mandelbrot-Menge (schwarz) mit farbig dargestellter
Umgebung. Jedem Pixel ist eine bestimmte Zahlenfolge
zugeordnet. Der Folgenindex, ab dem alle Folgenglieder einen
Betrag größer als 1000 haben, wächst von Farbstreifen zu
Farbstreifen zur Mandelbrot-Menge hin um den Wert 1.
http://de.wikipedia.org/wiki/Mandelbrot-Menge
Im Jahre 1975 entdeckte Feigenbaum, mit Hilfe seines HP-65
(dem ersten programmierbaren Taschenrechner), dass das
Verhältnis der Differenz zwischen den Werten
aufeinanderfolgender Periodenverdopplungen eine Konstante von
4,6692016090 aufweist. Er war daraufhin in der Lage, den
mathematischen Beweis für dieses Phänomen zu erbringen, und
zeigte, dass eine große Anzahl mathematischer Funktionen das
gleiche Verhalten und die gleiche Konstante kurz vor dem Eintritt
von Chaos aufweisen. Mit Hilfe dieser universellen Konstante war
es Forschern erstmals möglich, das zufällig erscheinende
Verhalten chaotischer Systeme zu untersuchen. Dieses Verhältnis
der Konvergenz ist heute als Feigenbaum-Konstante bekannt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Mitchell_Feigenbaum
Zusammenhang
Mandelbrotmenge und
Feigenbaum-Diagramm
Weg von der Ordnung zum Chaos
über Bifurkationen
Mandelbrots Apfelmännchen
5 Semantische Systembildung:
Be-deutung von abstrakten immateriellen Punktmengen
Louis Bec
Design von Utopien mit dem Computer: Fiktive Flüssigkeitswelten
Aus Wirbelstraßen generierte
Geisterwesen
Henning Freiberg
(HfBK Braunschweig)
im Auftrag von INSYDE
Japanische Computersimulation einer Wirbelstraße
5a Meisterstück semantischer Systembildung: Computergestütztes Design fiktiver Flüssigkeitswelten
durch den Philosophen Vilem Flusser und den Computerkünstler Louis Bec
Vilem Flusser Louis Bec
6 Systempraxeologisches Forschungsmilieu:
Design von >pragmatischen Systemen< in Form von Szenarien bis hin zu Konkreten Utopien
6
Design einer Konkreten Utopie: Renaturierung eines kanalisierten Fließgewässers
6a Ein Meisterstück pragmatischer Systembildung:
Das Projekt >OCEAN EARTH< von Peter Fend
Peter Fend war Gründungsmitglied der Organisation Ocean
Earth, einer Künstlergruppe, die 1980 gegründet wurde.
Definiertes Ziel ist die Überwachung und das Management
des Planeten hinsichtlich einer stabileren Nahrungskette,
einer Vielzahl wilder Tiere und Pflanzen, kontinuierlichem
Austausch der Gase CH4-CO2-O2, des Bodens und
möglicher Schadstoffe. Sie zielt auf eine Erweiterung der
Wirkung von Kunst sowie auf eine Neudefinition von
Architektur: Fend begreift diese in einem umfassenden
Sinn als Umgang mit unserer Umgebung, einschließlich
Wasser, Luft oder Land. In den historischen Projekten der
Land Art der späten sechziger und siebziger Jahre erkannte
er ein Potenzial, das - im größeren Maßstab angewandt -
gesellschaftliche Wirkung zeitigen könnte, indem es
Modelle für einen nachhaltigen, nicht destruktiven Umgang
mit der Umwelt und ihren natürlichen Ressourcen
bereitstellt. Fend überblendet die gegebene politische
Ordnung der Welt mit eigenen Kartografien. Diese
insistieren auf den Möglichkeiten, erneuerbare Energien zu
gewinnen und globale Abhängigkeitsverhältnisse von
endlichen Rohstoffen zu entflechten, die Fend zufolge zu
den Hauptursachen internationaler Konflikte gehören. Fend
legt auf seiner Landkarte Projekte für die Nutzbarmachung
der Ozeane als Quelle erneubarer Energie und Rohstoffe,
hauptsächlich auf Grundlage der Riesenalgen, an.
(wird noch gesondert als
Material bereitgestellt)

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  • 1. > E n t d e c k e n v o n N e u e m < Epistemologische Heuristik SECHS FORSCHUNGSMILIEUS zur Erzeugung von Neuem 3. Strukturalistisches Forschungsmilieu: Gestalten in grundlegende Elemente auflösen und Strukturen durch Erforschung ihrer Beziehungen entdecken 2. Phänomenologisches Forschungsmilieu: Formen von Gestalten entdecken und als Mittel für die Bildung von Ordnungen nutzen 1. Hermeneutisches Forschungsmilieu: Gestalten bilden und in ihren Eigenheiten zu verstehen suchen 6. Systempraxeologisches Forschungsmilieu: Design von >pragmatischen Systemen< in Form von Szenarien bis hin zu Konkreten Utopien 5. Systemtechnologisches Forschungsmilieu: Design >semantischer Systeme< zwischen Materialität und Utopien als virtuelle Realitäten 4. Systemtheoretisches Forschungsmilieu: Abstrakte immaterielle Elemente generieren und mit logischen Operationen syntaktische Systeme konstruieren > E r f i n d e n v o n N e u e m < Judith WALGENBACH: Forschertisch Judith + Wilhelm W A L G E N B A C H Januar 2012 Teil I Teil II
  • 2. Judith Walgenbach Laboratorium für Epistemologische WissenschaftsKunst, Admiralitätsstrasse 71 | Hinterhof 1.Stock | 20459 Hamburg HfBK-Abschluss Meisterschülerin Freie Kunst Vorbemerkungen Aufgrund einschlägiger Erfahrungen und Rückmeldungen gehen wir davon aus, dass das hier vorgestellte Material bei vielen etwa die Frage auslöst, warum man sich so intensiv mit dem Gegenstand >Wirbel/Strudel/Wirbelstraße< auseinandersetzen und was nun gerade der mit der >Theorie der Bildung< zu tun haben soll. Verständlicher wird das, wenn man weiß, dass der zugrundeliegende Ansatz überwiegend in etwa dreißigjähriger Forschungsarbeit an dem interdisziplinär arbeitenden IPN (s.o.) entwickelt worden ist. Die Ausgangssituation war, dass ein Geisteswissenschaftler auf Naturwissenschaftler traf, die trotz persönlicher Sympathien die >Theorie der Bildung< als schwammig, subjektivistisch, empirisch nicht abgesichert u.ä. bewerteten. Die Einsicht, dass diese Argumente nicht unberechtigt waren, führte zu der Idee, die Naturwissenschaften als methodologische Orientierung für die Entwicklung von Bildungstheorie zu einer modernen Wissenschaft zu entwickeln, ohne deren eigene, geisteswissenschaftliche Qualitäten aufzugeben. Als paradigmatisches Beispiel für die Entwicklung der Naturwissenschaften wurde die >Klassische Mechanik< gewählt und diese vor allem im Hinblick auf methodologische Strategien mit der Bildungstheorie von Wilhelm von Humboldt in einen Zusammenhang gebracht. Das führte zu folgendem Ansatz, der hier nur andeutungsweise wiedergegeben wird: 1.) Grundlegend für die Klassische Mechanik ist der Begriff >Kraft<, der nicht als ein alltäglicher, empirisch unmittelbar einsehbarer Begriff gebraucht, sondern als ein >theoretisches Konstrukt< im Denken gesetzt wird. Dieses hat zwar Wirklichkeit, aber ist nicht unmittelbar Wirklichkeit (woraus sein Theoriepotential resultiert). Der Kraft-Begriff wird nicht in Form einer Nominaldefinition beschrieben und erklärt, sondern in Form einer operationalen Definition: Kraft = Masse x Beschleunigung. Deutlich wird, dass Naturwissenschaft nicht mit Einzelbegriffen, sondern mit Begriffssystemen arbeitet. Diese werden nicht – wie überwiegend in den Geisteswissenschaften – im mehr oder weniger theoretisch-abstrakten Raum (oft nur assoziativ und mit dem Anspruch von Plausibilität) entwickelt, sondern mit theoriegeleitet konstruierten Experimenten wie etwa Galileis >Schiefer Bahn<, die nicht nur grundlegend ist zur Bearbeitung eines bestimmten Teilproblems, sondern auf die über lange Zeiträume die Forschung fokussiert ist, deren zentrales Ziel die Erzeugung von Neuem ist. 2.) Blickt man von hier auf die (mehr oder weniger fragmentarischen) Arbeiten von Wilhelm von Humboldts zur Theorie der Bildung, dann kann man geradezu enthusiastisch werden. Dafür genügen erst einmal schon die folgenden zwei Zitate aus Wihelm von Humboldts Fragment einer >Theorie der Bildung des Menschen<: (1) ) "Die letzte Aufgabe unsres Daseins, dem Begriff der Menschheit in unserer Person, sowohl während der Zeit unsres Lebens, als auch noch über dasselbe hinaus, durch die Spuren des lebendigen Wirkens, die wir zurücklassen, einen so großen Inhalt, als möglich, zu verschaffen, diese Aufgabe löst sich allein durch die Verknüpfung unsres Ichs mit der Welt zu der allgemeinsten, regesten und freiesten Wechselwirkung." (2) “Was also der Mensch nothwendig braucht, ist bloss ein Gegenstand, der die Wechselwirkung seiner Empfänglich- /S. 36:/ keit mit seiner Selbstthätigkeit möglich mache. Allein wenn dieser Gegenstand genügen soll, sein ganzes Wesen in seiner vollen Stärke und seiner Einheit zu beschäftigen; so muss er der Gegenstand schlechthin, die Welt seyn, oder doch (denn diess ist eigentlich allein richtig) als solcher betrachtet werden.” Dr. phil.habil. Wilhelm Walgenbach PD i.R. Allgemeine Didaktik, Universität Hamburg Wiss. OR. Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften IPN an der Universität Kiel
  • 3. In Verbindung gebracht mit den grundlegenden methodologischen Strategien der >Klassischen Mechanik< ermöglichen schon diese zwei Zitate die folgenden Konstruktionen: Zentrales theoretisches Konstrukt Humboldts ist der Begriff der >Selbsttätigkeit<, der nicht einfach in einem alltäglich-empirischen Zugang etwa als „selbst etwas tun“ verstanden wird, sondern als ein Konstrukt, das auf die Konstitution und Entwicklung der eigenen Persönlichkeit gerichtet ist. Für diese sucht er nach einem Gegenstand, der die ganze Welt repräsentiert –quasi eine Miniatur der Welt - und der Wechselwirkungen auslöst zwischen ihm und dem Selbsttätigen. Als Ziel wird bestimmt, dass der Selbsttätige Spuren hinterlässt, also seine Persönlichkeit in der Welt vergegenständlicht und dait Neues erzeugt. Einen Schritt weiter führt die Hinzuziehung von grundlegenden Bestimmungen der kulturhistorischen Tätigkeitstheorie (Vygotsky, Lurija, Judin, Leontjev, Davydov, Engeström usw.). Konstituiert wurde diese vor allem im Anschluss an die Russische Revolution, als man die Hoffnung und das Ziel hatte, die Gesellschaft insgesamt auf einen höheren, humaneren Entwicklungsstand zu bringen. E.G. Judin, ein früh verstorbener Philosoph und Systemtheoretiker, fasste die Kategorie >Tätigkeit< als eine >Grenzabstraktion< auf wie die Kategorie >Kosmos< in der Antike und >Natur< zur Zeit des Übergangs von der Renaissance (in der man zunehmend den Menschen als (Mit-)Gestalter der Welt begriff) zur Neuzeit, die durch keine dahinter liegenden Begriffe erklärt bzw. bestimmt werden kann. Die Einführung dieser neuen Kategorie (dieses theoretischen Konstrukts) ermöglichte einen neuen Lösungsansatz für die >Grundfrage der Philosophie< nach dem Verhältnis von Subjekt/dem Menschen und Objekt/der Realität. Während Ansätze wie der Idealismus, Rationalismus oder der (radikale) Konstruktivismus tendenziell die Subjekt-Seite verabsolutierten und der Empirismus, Positivismus oder der Materialismus die Objekt-Seite, ermöglicht die Einführung der Kategorie >Tätigkeit< eine dritte Lösung: In seiner Tätigkeit wirkt das Subjekt auf das Objekt ein und verändert dieses, während gleichzeitig das sich verändernde Objekt auf das Subjekt einwirkt und dieses verändert und entwickelt. Dadurch ergibt sich eine dynamischer Wechselwirkungsprozess, in dem beide Seiten sich gegenseitig entwickeln und im Idealfall sich der Bestimmung der Modernen Physik nähern: >Wechselwirkung ist symmetrische Wirkungsproduktion< (beide Seiten nehmen gleichberechtigt an den Veränderungen teil). Um solche Prozesse zu analysieren und theoriegeleitet zu organisieren, sind >komplementäre Begriffspaare< wie etwa >Teil~Ganzes, Zustand~Prozess, Ordnung~Chaos) produktive Mittel, mit denen schon in der dialektischen Philosophie operiert wurde, die aber an Solidität und Seriosität durch ihre Verwendung in modernen dynamischen und evolutionären Systemtheorien (E. Jantsch, E.v. Weizsäcker, I. Prigogyne usw.) gewannen. >Selbsttätigkeit< kann jetzt als eine spezifische Form menschlicher Tätigkeit bestimmt werden: In seiner Tätigkeit macht ein Subjekt sich selbst zum Objekt und kommt zu Vergegenständlichungen, in denen es sich selbst zum Ausdruck bringt (>Selbstthema- tisierungen<). Weil diese Persönlichkeit immer einmalig und original ist, ist Ziel die ERZEUGUNG VON NEUEM. Wie schon die Philosophie des Deutschen Idealismus betont auch die kulturhistorische Tätigkeitstheorie, dass menschliche >Tätigkeit< in einem bestimmten kulturhistorischen Kontext stattfindet. >Selbsttätigkeit< ist deshalb auch nicht ein individueller und a- historischer Akt, sondern ist verankert in bestimmte gesellschaftliche Zusammenhängen und steht mit diesen in Wechselwirkung. Deshalb wird es auch als unabdingbar angesehen, dass >Selbsttätigkeit< einer >Aufforderung< von außen bedarf. Der Philosoph Fichte bestimmte diese Aufforderung als einen - etwa von Eltern und Lehrern- ausgehenden sozialen Akt, während Wilhelm von Humboldt – wie auch etwa Friedrich Fröbel mit seinen >Spielgaben< - nach einen Gegenstand/Gegenständen suchten, die Selbsttätigkeit auslösen. Der Vorteil ist, dass damit störende soziale Beziehungsprobleme nur noch indirekt eine Rolle spielen. Wie in einem noch auszuarbeitenden Teil weiter begründet wird, ist hier eine >Wirbelstraße (als ein System von Wirbeln/Strudeln)< als Gegenstand bestimmt, der Selbsttätigkeit auslöst. Zusammen mit komplementären Begriffspaaren wird er zu einem heuristischen Mittel für die Erzeugung von Neuem.
  • 4. Bezug zu Humboldts Bildungstheorie "Der wahre Zweck des Menschen, welchen die ewig unveränderliche Vernunft ihm vorschreibt, ist die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen." 1. Axiomatische Setzung: Bildung wird möglich durch Selbsttätigkeit in allen sechs Forschungsmilieus und deren Integration zu einem Ganzen Humboldts Bildungstheorie als Grundlage: Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen (1792) Theorie der Bildung des Menschen – Fragment (1793) https://docs.google.com/viewer?a=v&q=cache:Jv84wvwS2yQJ:nehles.com/ss_04/Paedagogik_der_deutschen_Klassik/Humboldt- Bildung.pdf+wilhelm+von+Humboldt+%22was+also+der+Mensch+braucht&hl=de&gl=de&pid=bl&srcid=ADGEESiDOJ9X1qcubMFEoOiS9lAkjnM0ZQ5KDDjIE 1f-8d7-i_JbhYhuNcPjM3n3UeTI8vyZ_utIk5QO_fk2cirqYAvD54JHdv_FhMtQECnPZKn5pBwXI0OqB42MgRsF6C0bQu8- repq&sig=AHIEtbSvzo5Bfajiw2QmAqPXpsvxuQiT4Q s. auch: http://www.fuerstenberg-dhg.de/index.php?id=humboldt_bildungstheorie 2. Axiomatische Setzung: Der WIRBEL ist Auslöser und erschließungsmächtiger Gegenstand von Selbsttätigkeit Bezug zu Humboldts Bildungstheorie: ALLSEITIGE UND UMFASSENDE BILDUNG
  • 5. ÜBERBLICK ÜBER DIE SECHS FORSCHUNGSMILIEUS Im ersten Teil geht es um Forschung als Entdeckung von Neuem durch Abbildung und Umbildung von in der Realität schon Vorhandenem, das als Gestalt, Form oder Struktur organisiert wird. Im zweiten Teil geht es um die Erfindung von Neuem. Dabei ist die (Umberto ECO folgende) Annahme grundlegend, dass erst die (vor allem computerunterstützte) Erzeugung von abstrakten, bedeutungsfreien Elementen es ermöglicht, über die Entdeckung von Gegebenem hinauszugehen. Dieser Teil II bechäftigt sich also mit der Tätigkeit des theoriegeleiteten Erfindens, und zwar in den drei Schritten: (IV) Bildung syntaktischer Systeme mit immateriellen, bedeutungsfreien Elementen unter Einsatz bestimmter Logiken, (V) Bildung semantischer Systeme bis hin zu utopischen, computergenerierten Virtuellen Realitäten durch Be-deutung abstrakter Elemente, Strukturen und Systeme und schließlich (VI) Design pragmatischer Systeme in Form von Szenarien bis hin zu Konkreten Utopien. EINLEITUNG: Ausgangspunkt ist die Frage: Wie kann ich meine Selbsttätigkeit qualitativ höherentwickeln in Richtung einer theoriegeleiteten, systembildenden Tätigkeit? Geleistet werden soll ein Beitrag zur Bildungstheorie und –praxis vor allem auf der Grundlage des Forschungsansatzes von Wilhelm von Humboldt. Dessen Aktualisierung stützt sich auf historische und systematische Rekonstruktionen forschender Tätigkeit in Wissenschaft und Kunst, deren Entwicklung in bestimmten Forschungsmilieus beschrieben wird und als Orienitierungen für die Höherentwicklung der eigenen Selbsttätigkeit dienen soll. Insgesamt werden folgende Forschungsmilieus vorgestellt: (1) das >Hermeneutische Forschungsmilieu< als Ausgangspunkt mit der Konzentration auf die Bildung und das Verstehen von >Gestalten<, (2) das >Phänomenologische Forschungsmilieu< mit der Konzentration auf >Formen< von Gestalten und deren Nutzung für die Erstellung von Ordnungen (Systematiken, Klassifikationen und Typologien) sowie (3) das >Empirisch-analytische Forschungsmilieu< mit der Konzentration auf Elemente und Beziehungen und deren Zusammenfassung in >Strukturen<. Ein epistemologischer Bruch erfolgt dann in (4) > Systemtheoretisches Forschungsmilieu<, weildie hier generierten Elemente, Zeichen, Punktmengen usw. Nichts mehr abbilden oder repräsentieren, sondern nur noch sich selbst bedeuten und – wie Umbert ECO aufzeigt – jetzt nicht mehr nur die Entdeckung, sondern die Erfindungen von Neuem ermöglichen. Von dieser Stufe höchster Abstraktheit geht es dann in (5) >Systemtechnologisches Forschungsmileu< um das Design von semantischen Systemen, indem Ein-Bildungen (Villem FLUSSER) in Abstraktes vorgenommen werden und dieses dadurch be-deutet wird. In (6), dem >Systempraxeologischen Forschungsmilieu<, geht es um das Design pragmatischer Systeme, indem vorher konstruierte Teilsystem in gesellschaftliche Gesamtzusammenhänge eingebettet werden. Im Anschluss an die bildungstheoretischen Setzungen Wilhelm von Humboldts, dass (1) Ziel die allseitige und umfassende Bildung des Menschen ist, die (2) einen besonderen, Selbsttätigkeit auslösenden Gegenstand als Ausgangs- und Mittelpunkt benötigt, werden die Metamorphosen/Gestaltwandlungen von Wirbeln bzw. Strudeln in den sechs Forschungsmilius verfolgt. Dabei werden zuerst typische Forschungen in den jeweiligen Mileus und dann ein Meisterstück sowie Hinweise auf weitere Musterbeispiele in verschiedenen Disziplinen von Wissenschaft und Kunst vorgestellt.
  • 6. 1. Hermeneutisches Forschungsmilieu: Einfühlung in die Gestalt eines Wirbels als Einheit von Inhalt und Form Eine in der Wirklichkeit auffindbare Erscheinung mit allen Sinnen erfassen und mit dem Urbild der Spirale zu einer Gestalt verdichten …. Edgar Allan Poe: Hinab in den Maelström Wir waren jetzt etwa zehn Minuten auf der Spitze des Helseggen, zu dem wir aus dem Innern von Lofoten aufgestiegen waren, so daß wir keinen Schimmer vom Meere erblickt hatten, bis es, als wir oben auf dem Gipfel angelangt waren, plötzlich in voller Weite vor uns lag. Während der Alte sprach, kam mir ein lautes, langsam zunehmendes Tosen zum Bewußtsein, ein Lärm wie das Brüllen einer ungeheuren Büffelherde auf einer amerikanischen Prärie. Und im selben Augenblick gewahrte ich, daß das ›Hacken‹ des Meeres unter uns sich mit rasender Schnelligkeit in eine östliche Strömung verwandelte. Während ich hinsah, nahm diese Strömung noch mit unheimlicher Geschwindigkeit zu. Jeder Augenblick verzehnfachte ihre Hast, ihr maßloses Ungestüm. In fünf Minuten tobte der ganze Ozean bis nach Vurrgh hinaus in gewaltigem Sturm; aber zwischen Moskoe und der Küste toste der Aufruhr am tollsten. Hier stürmte die ungeheure Wasserflut in tausend einander entgegengesetzte Kanäle, brach sich plötzlich in wahnsinnigen Zuckungen, keuchte, kochte und zischte – kreiste in zahllosen riesenhaften Wirbeln, und alles stürmte heulend und sich überstürzend nach Osten, mit einer Geschwindigkeit, wie sie sich nur bei den rasendsten Wasserstürzen findet. An old map, pointing the place where the terrible Maelstrom was located. Olaus Magnus "Carta Marina" Hermeneutik als Interpretation: Texte über Texte “Lesen wir Poes Geschichte Ein Sturz in den Mahlstrom, so erfahren wir, dass ein Poescher Held auch die eigene Vernichtung durchaus zu genießen vermag. Ein Schiffer gerät in einen Strudel, der ihn zu verschlingen droht. Während der Protagonist in endloser Kreisfahrt in den Höllenschlund hinabsaust, empfindet er den Verzweiflungsjubel, das Hochgefühl, das jenen ergreift, der frei, im Moment vor dem Sturz, über dem Abgrund schwebt. Im Untergang erlebt er die Ausgelassenheit der höchsten Not. Das ist die Situation der großen antiken Tragödienfiguren, über deren Wirkung Nietzsche gesagt hat: »Wir sollen erkennen, wie alles, was entsteht, zum leidvollen Untergange bereit sein muß, wir werden gezwungen, in die Schrecken der Individualexistenz hineinzublicken – und sollen doch nicht erstarren… der Kampf, die Qual, die Vernichtung der Erscheinungen dünkt uns jetzt nothwendig…« In der Tragödie ist der Untergang endgültig, und er wird bejaht. Poe aber überwindet jenen Tragödienschluss. Bei ihm sind Qual und Verzweiflung die Bedingungen zur Rettung. Plötzlich, inmitten der Katastrophe, überkommt den Helden die kalte Vernunft. Er durchschaut die Kräfte des Mahlstroms und entkommt ihm. Heute denkt man: Die Die Hard- Filme, die Figur des James Bond, die 24- Serie, das alles ist Kunst nach Poe. Der sich in den Abgrund beugende und die kippende Konstruktion kalt durchschauende Weltretter von heute, das muss ein Mann sein, der dem Mahlstrom entkommen ist.”
  • 7. Musterbeispiele objektbezogener Hermeneutik • Alexander von Humboldt: Landschaftsbeschreibungen • Brehms Tierleben Eduard Mörike: Auf eine Lampe Noch unverrückt, o schöne Lampe, schmückest du, An leichten Ketten zierlich aufgehangen hier, Die Decke des nun fast vergeßnen Lustgemachs. Auf deiner weißen Marmorschale, deren Rand Der Efeukranz von goldengrünem Erz umflicht, Schlingt fröhlich eine Kinderschar den Ringelreihn. Wie reizend alles! lachend, und ein sanfter Geist Des Ernstes doch ergossen um die ganze Form – Ein Kunstgebild der echten Art. Wer achtet sein? Was aber schön ist, selig scheint es in ihm selbst. 1a Ein hermeneutisches Meisterstück: Kontroverse zwischen Emil Staiger und Martin Heidegger über die Interpretation eines Mörike-Gedichts In germanistischen Fachkreisen berühmt wurde Staigers Interpretations-Duell mit Heidegger über die letzte Zeile von Eduard Mörikes Gedicht Auf eine Lampe, in dem sich unterschiedliche Haltungen gegenüber dem Motiv der Vanitas äussern. „Was aber schön ist, selig scheint es in ihm selbst“ verstand Staiger im Sinne einer blossen Scheinbarkeit (videtur), während Heidegger es als tatsächliche innere Illumination (lucet) auffasste. http://de.wikipedia.org/wiki/Emil_Staiger
  • 8. 1b HOMOLOGIEN als Heuristische Mittel: Neues entdecken durch Suche nach gleichen Gestalten Homologie: Gestalt X und Gestalt Y sind gleich
  • 9. 2. Phänomenologisches Forschungsmilieu: Formen entdecken und als Mittel für die Erstellung von Ordnungen nutzen www.kurt-niemann.de.tl/ Einf.ue.hrung.htm Kurt Niemann: Strömungsfenster Hugo KÜKELHAUS: Urbild Wirbel Ordnung durch Vergleich von Formen
  • 10. 2a Ein phänomenologisches Meisterstück: >Das sensible Chaos - Strömendes Formenschaffen in Wasser und Luft< von Theodor Schwenk “Lange bevor die Chaostheorie entstand und populär wurde, gewann Theodor Schwenk bereits die fundamentale Einsicht in die Wechselbeziehung zwischen Chaos, Formentstehung und den Anfangsbedingungen des chaotischen Zustandes sowohl in der Natur wie auch in der Theorie. Seine Arbeit ist bis heute unübertroffen.” Ralph Abraham,Professor für Mathematik, University of California Weitere Musterbeispiele von an Goethes Naturforschung orientierter phänomenologischer Forschung: • Hugo Kükelhaus: Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne • D’Arcy Wentworth Thompson: On Growth and Form. 1917, ISBN 0486671356. Deutsch: Über Wachstum und Form • Hans Jenny: Kymatik - Wellenphänomene und
  • 11. Verbindung bekannter Formen mit neuen Inhalten 2b Analogien als Heuristische Mittel Neues entdecken durch Erklärung von Unbekanntem mit Bekanntem und Kombination bekannter Formen mit neuen Inhalten Analogie: Dies ist wie das! Das Unbekannte Y (das Fraktal) …ist wie das Bekannte X (die Wirbelstraße) Analogiebildung: Y ist wie X (Zugleich Beispiel für die Gefahren von Analogien: Ein Fraktal ist keine Wirbelstraße) Roland Oesker Günter Klarner
  • 12. 3. Empirisch-analytisches Forschungsmilieu: Einführung des atomistischen Teilchenkonzepts: >Strömungen sind Bewegungen von Teilchen< und Entdeckung von Strukturen als Ensemble von Elementen und ihren Beziehungen Kurt Niemann: Den Weg von Teilchen verfolgen Experimente mit der Reynoldszahl: Verhältnis von Strömungsgeschwindigkeit, Form des Hindernisses und Viskosität der Flüssigkeit Teilchen bewegen sich geordnet durch turbulente Strömungen Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Wirbel in einer turbulenten Strömung weniger chaotisch sind als gedacht http://www.weltderphysik.de/gebie te/fluide/nachrichten-fluide-und- stroemung/2011/teilchen-bewegen- sich-geordnet-durch-turbulente- stroemungen/ Diese Abbildung von Y. B. Du and P. Tong, J. Fluid Mech., 2000) zeigt Turbulenzen in konvektiven Strömungen, wie sie auch auf der Sonne durch aufsteigendes heißes Material entstehen (in der Abbildung sind wärmere Bereich grün/blau codiert) Entdeckung von Strukturen: Auflösung von Flüssigkeiten in Elemente und Erforschung von deren Beziehungen Formalisierungen und Mathematisierungen
  • 13. Metapher (das Neue) Z X = Y ist !! (nicht nur wie!) 3a Metaphern als Heuristische Mittel: Dies (X) ist das (Y) = (Z) , das Neue als Ergebnis „Das Flüssige i s t das sensible Chaos“ NOVALIS „Das Flüssige i s t ein Strom von Teilchen“ (physikalische Definition) Metapher als künstlerisches Mittel kreativer Kunst
  • 14. 3b Ein strukturalistisches Meisterstück: Analyse des Gedichts „Les Chats“ von Charles Baudelaire durch den Ethnologen Claude Lévy-Strauss und den Linguisten Roman Jakobson (1962) Les Chats Les amoureux fervents et les savants austères Aiment également, dans leur mûre saison, Les chats puissants et doux, orgueil de la maison, Qui comme eux sont frileux et comme eux sédentaires. Amis de la science et de la volupté Ils cherchent le silence et l'horreur des ténèbres; L'Erèbe les eût pris pour ses coursiers funèbres, S'ils pouvaient au servage incliner leur fierté. Ils prennent en songeant les nobles attitudes Des grands sphinx allongés au fond des solitudes, Qui semblent s'endormir dans un rêve sans fin; Leurs reins féconds sont pleins d'étincelles magiques, Et des parcelles d'or, ainsi qu'un sable fin, Etoilent vaguement leurs prunelles mystiques. — Charles Baudelaire Das Konstruktionsprinzip des Sonetts besteht laut Jakobson / Lévi-Strauss aus einem System von Gegensätzen und deren Ausgleich: a) ein Gegensatz zwischen zwei Strophen mit zwei Reimen und einer Strophe mit drei Reimen; der Ausgleich erfolgt hier durch eine Teilung in zwei Strophenpaare zu zuerst 4 und dann 3 Zeilen. In den Strophenpaaren sind starke syntaktische Parallelen nachweisbar: der erste Vierzeiler und der erste Dreizeiler weisen jeweils eine Relativkonstruktion mit qui auf, die sich beide auf ein männliches Substantiv in der Mehrzahl (chats, sphinx) beziehen und beide die letzte Zeile der Strophe bilden. Es sei nur zwischendurch angemerkt, dass Jakobson/Lévi-Strauss ihre Einheit der beiden Dreizeiler vorübergehend aufgeben und dass die beiden Ergänzungen im Hauptsatz (chats als complément direct und sphinx als Attribut) nicht sehr parallel konstruiert sind. Jakobson/Lévi-Strauss führen in der Folge aus, wie der semantische Aspekt diese Parallelen unterstreicht: die Subjekte des ersten Vierzeilers und des ersten Dreizeilers bezeichnen belebte Wesen, während die Subjekte der anderen Strophen unbelebte Wesen bezeichnen. Die von den Autoren zugegebene Einschränkung in Bezug auf amis und das für die Katzen stehende ils schwächt natürlich die Stringenz der Darstellung bedeutend ab. Die Autoren finden auch Diagonalbeziehungen über die beiden äußeren und inneren Strophen: in den äußeren Strophen gehört das Objekt zur gleichen semantischen Kategorie wie das Subjekt, nämlich belebte Wesen im ersten Vierzeiler (amoureux, savants : chats) und unbelebte im zweiten Dreizeiler (reins, parcelles : prunelles). In den beiden inneren Strophen gehört das Objekt zu einer dem Subjekt entgegen gesetzten semantischen Kategorie: im ersten Dreizeiler steht ein belebtes Subjekt (ils = chats) einem unbelebten Objekt (attitudes) gegenüber, während der zweite Vierzeiler die Oppositionen grammatikalisch alternierend aufweist (ils = chats : silence, horreur; Erèbe : les = chats). Jakobson / Lèvi-Strauss beschäftigen sich noch mit einigen solchen Relationen, die alle zu dem Schluss führen, dass man das Gedicht in drei Teile zerlegen kann: a) die ersten 6 Verse; b) das zentrale Reimpaar 7 + 8; c) die letzten 6 Verse. Ein Aufbau, der das zentrale Reimpaar 7 und 8 hervorhebt und das Argument von der Einheit der beiden Dreizeiler wieder aufnimmt. homepage.univie.ac.at/alfred.noe/Methoden/Methoden09.DOC Binäre Oppositionen
  • 15.
  • 16. 4a Meisterstücke syntaktischer Systembildungen: Das >Apfelmännchen< von Benoit Mandelbrot und das >Feigenbrot-Diagramm< von Mitchell Feigenbaum, den Mitbegründern der Fraktalen Geometrie, der Chaosforschung und der Theorie Dynamischer Systeme Mandelbrot-Menge (schwarz) mit farbig dargestellter Umgebung. Jedem Pixel ist eine bestimmte Zahlenfolge zugeordnet. Der Folgenindex, ab dem alle Folgenglieder einen Betrag größer als 1000 haben, wächst von Farbstreifen zu Farbstreifen zur Mandelbrot-Menge hin um den Wert 1. http://de.wikipedia.org/wiki/Mandelbrot-Menge Im Jahre 1975 entdeckte Feigenbaum, mit Hilfe seines HP-65 (dem ersten programmierbaren Taschenrechner), dass das Verhältnis der Differenz zwischen den Werten aufeinanderfolgender Periodenverdopplungen eine Konstante von 4,6692016090 aufweist. Er war daraufhin in der Lage, den mathematischen Beweis für dieses Phänomen zu erbringen, und zeigte, dass eine große Anzahl mathematischer Funktionen das gleiche Verhalten und die gleiche Konstante kurz vor dem Eintritt von Chaos aufweisen. Mit Hilfe dieser universellen Konstante war es Forschern erstmals möglich, das zufällig erscheinende Verhalten chaotischer Systeme zu untersuchen. Dieses Verhältnis der Konvergenz ist heute als Feigenbaum-Konstante bekannt. http://de.wikipedia.org/wiki/Mitchell_Feigenbaum Zusammenhang Mandelbrotmenge und Feigenbaum-Diagramm Weg von der Ordnung zum Chaos über Bifurkationen Mandelbrots Apfelmännchen
  • 17. 5 Semantische Systembildung: Be-deutung von abstrakten immateriellen Punktmengen Louis Bec Design von Utopien mit dem Computer: Fiktive Flüssigkeitswelten Aus Wirbelstraßen generierte Geisterwesen Henning Freiberg (HfBK Braunschweig) im Auftrag von INSYDE Japanische Computersimulation einer Wirbelstraße
  • 18. 5a Meisterstück semantischer Systembildung: Computergestütztes Design fiktiver Flüssigkeitswelten durch den Philosophen Vilem Flusser und den Computerkünstler Louis Bec Vilem Flusser Louis Bec
  • 19. 6 Systempraxeologisches Forschungsmilieu: Design von >pragmatischen Systemen< in Form von Szenarien bis hin zu Konkreten Utopien 6 Design einer Konkreten Utopie: Renaturierung eines kanalisierten Fließgewässers
  • 20. 6a Ein Meisterstück pragmatischer Systembildung: Das Projekt >OCEAN EARTH< von Peter Fend Peter Fend war Gründungsmitglied der Organisation Ocean Earth, einer Künstlergruppe, die 1980 gegründet wurde. Definiertes Ziel ist die Überwachung und das Management des Planeten hinsichtlich einer stabileren Nahrungskette, einer Vielzahl wilder Tiere und Pflanzen, kontinuierlichem Austausch der Gase CH4-CO2-O2, des Bodens und möglicher Schadstoffe. Sie zielt auf eine Erweiterung der Wirkung von Kunst sowie auf eine Neudefinition von Architektur: Fend begreift diese in einem umfassenden Sinn als Umgang mit unserer Umgebung, einschließlich Wasser, Luft oder Land. In den historischen Projekten der Land Art der späten sechziger und siebziger Jahre erkannte er ein Potenzial, das - im größeren Maßstab angewandt - gesellschaftliche Wirkung zeitigen könnte, indem es Modelle für einen nachhaltigen, nicht destruktiven Umgang mit der Umwelt und ihren natürlichen Ressourcen bereitstellt. Fend überblendet die gegebene politische Ordnung der Welt mit eigenen Kartografien. Diese insistieren auf den Möglichkeiten, erneuerbare Energien zu gewinnen und globale Abhängigkeitsverhältnisse von endlichen Rohstoffen zu entflechten, die Fend zufolge zu den Hauptursachen internationaler Konflikte gehören. Fend legt auf seiner Landkarte Projekte für die Nutzbarmachung der Ozeane als Quelle erneubarer Energie und Rohstoffe, hauptsächlich auf Grundlage der Riesenalgen, an.
  • 21. (wird noch gesondert als Material bereitgestellt)