1945 (?) – 1946            Nacken, Carl

•   * 10.2.1894 in Langensalza/Thüringen, gest. 6.6.1962 in Münster
•   ev.
•   verh. 2. Söhne
•   1900 – 1908 Mittelschule in Langensalza
•   1908 – 1914 Städt. Präparandenanstalt in Sömmerda
•   Preussischs Lehrerseminar in Mühlhausen
•   1914 Lehrerexamen
•   10.11.1914 – 22.11.1914, Lehrer in Gerterode
•   23.11.1914 – Jan. 1919 Kriegsteilnahme
•   Febr.1919 – März 1919 Lehrer in Großwerder
•   April 1919 – 1922 Lehrer in Langensalza,
•   1922 Staatsexamen
•   April 1922 – April 1930 Lehrer in Dortmund
•   April 1930 – Sept. 1933 Hauptlehrer (Rektor) an der (Freien) Union-Schule und
    dann an der Diesterweg-Schule in Dortmund-Brackel
•   Angehörige der Abschlussklasse I a (Högl, S. 59) trugen uniformierte blaue Kittel
    mit Gürtel nach „Falken“-Art. Diese sehr „zünftig“ wirkende Kleidung war den
    Mädchen und Jungen kostenlos zur Verfügung gestellt worden. Nacken selbst
    hatte sie von Beträgen gekauft, die er für seine Schüler „zusammengebettelt“
    hatte. Viele Schüler gehörten noch den sozialdemokratischen „Nestfalken“ oder
    den „Kinderfreunden“ (10-14 Jahre) an.
•   Nacken gehörte in Dortmund einer Diskussionsrunde des ehemaligen
    Reichsbannerführers Franz Klupsch an, die die Organisation weiterzuerhalten
    versuchte. Dieser Zirkel verfügte noch bis 1944 über Kontakte zu den Berliner
    Sozialdemokraten um Leuschner und Leber
•   Anfang 1933, kurz vor der allgemeinen „Gleichschaltung der Schulen“ wurde
    Nacken mit ca. 50 „Marxisten und Juden“ nachts von SA und SS auf das
    Ziegeleigelände am Dortmunder Bertholdshof getrieben und schwer misshandelt;
    ein damaliger Schüler sah einige Tage später den blau und blutig geschlagenen
    Rücken des Lehrers
•   15.11.1933 – 28.2.1943 Bezirksdirektor Allianz-Lebensversicherung
•   25.8.1939 – Febr. 1940 Militärdienst
•   Direktor Beamtenbank (?)
•   1.3.1943 – 25.6.1945 Organisator (Direktor) Viktoria Lebensversicherung
•   26.6.1945 - 26.2.1946 Landrat Wittgenstein
•   OKD 26.2.1946 - 5.4.1946, von der britischen Militärbehörde amtsenthoben
    (strittig Kosten zur Wiederinstandsetzung Berleburg, Poststr. 44 (ehemals
    Wohnung bzw. Hospital für Fremdarbeiter))
•   8.4.1947 – 29.2.1948 Leitender Angestellter der LVA Westfalen
•   1.3.1948 Landesrat: Wiederaufbau der Landesversicherungsanstalt
•   ab1950 Finanzdezernent der LVA: Förderung des sozialen Wohnungsbausund
    des Wiederaufbaus, Aufbau von LVA-eigenen Heilstätten: Westfalenheim in Bad
    Ems, Kurklinik Bad Salzuflen
•   1.12.1954 – 28.2.1959 (Pensionierung) Direktor der Landesversicherungsanstalt
•   Seit 9.11.1952 Mitglied im Münsteraner Stadtrat: Vorsitzender des
    Finanzausschusses (Wiederaufbau Münsters auf gesunder Finanzbasis, seit
    1954 ausgeglichene Haushalte), Vergabeausschuss-Vorsitzender,
    Kulturausschuss, stv. Vorsitzender, Verteilerausschuss, stv. Vorsitzender,
    Hauptausschuss, insgesamt 13 Ausschüsse
•   Verband deutscher Rentenversicherungsträger, Frankfurt/Main: Leiter des
    Finanzausschusses
•   Westfälisch-Lippische Heimstätte, Aufsichtsratsmitglied
•   Wohnungsgesellschaft „Neue Heimat“, Aufsichtsratsmitglied
•   Wohnort: Sept. 1946 Kaiserau/Kamen-Land, Jahnschule; Münster
•   Mitglied der SPD
•   Landschaftsversammlung 1960 – 1962 für die Stadt Münster (SPD)
•   7.4.1961 Großes Bundesverdienstkreuz
•   hilfsbereit, unabhängige, gerade Haltung, lebensfroh, heitere Gelassenheit,
    Humor, dem Fortschritt zugewandt, menschliche Wärme, bescheiden, schlicht,
    „Pflegt weiter das Vertrauen !“; Hobbies: Musik, Litratur, Malerei
•   Kurz nach Rückkehr aus dem Urlaub an Herzschlag gestorben

Quellen:
Häming, Josef: Die Abgeordneten des Westfalenparlaments 1826–1978
(Westfälische Quellen und Archivverzeichnisse, Bd. 2), Münster 1978, S. 466-467
(Nr. 1110)
Högl, Günter (Hg.): „Widerstand und Verfolgung in Dortmund 1933 – 1945“ – Katalog
zur ständigen Ausstellung des Stadtarchivs in der Mahn- und Gedenkstätte
Steinwache, Dortmund 1992, S. 59, 142 [mit Bildern]
Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Unterbezirk Münster (Hrsg.): 1878 - 2003
125 Jahre SPD in Münster, Münster 2003, S. 73
Kreis Siegen-Wittgenstein, Altregistratur, Personalakte Carl Nacken
StadtA Bad Berleburg v. 28.04.2004
StadtA Münster, Persönlichkeitssammlung

Noch auswerten:
Daten, Fakten Trends, MS 1973
Archiv LWL, Büro LVS 00 13/1, 3 LVS 00 16, Kartei
WR (Münster) 11.2.1959, Westfälische Nachrichten (Münster) 8.2.1962
Mitt. Claus-Dietrich Nacken, Münster
Bilder: WR (Münster) 11.2.1959, Westfälische Nachrichten (Münster) 8.2.1962

Carl nacken

  • 1.
    1945 (?) –1946 Nacken, Carl • * 10.2.1894 in Langensalza/Thüringen, gest. 6.6.1962 in Münster • ev. • verh. 2. Söhne • 1900 – 1908 Mittelschule in Langensalza • 1908 – 1914 Städt. Präparandenanstalt in Sömmerda • Preussischs Lehrerseminar in Mühlhausen • 1914 Lehrerexamen • 10.11.1914 – 22.11.1914, Lehrer in Gerterode • 23.11.1914 – Jan. 1919 Kriegsteilnahme • Febr.1919 – März 1919 Lehrer in Großwerder • April 1919 – 1922 Lehrer in Langensalza, • 1922 Staatsexamen • April 1922 – April 1930 Lehrer in Dortmund • April 1930 – Sept. 1933 Hauptlehrer (Rektor) an der (Freien) Union-Schule und dann an der Diesterweg-Schule in Dortmund-Brackel • Angehörige der Abschlussklasse I a (Högl, S. 59) trugen uniformierte blaue Kittel mit Gürtel nach „Falken“-Art. Diese sehr „zünftig“ wirkende Kleidung war den Mädchen und Jungen kostenlos zur Verfügung gestellt worden. Nacken selbst hatte sie von Beträgen gekauft, die er für seine Schüler „zusammengebettelt“ hatte. Viele Schüler gehörten noch den sozialdemokratischen „Nestfalken“ oder den „Kinderfreunden“ (10-14 Jahre) an. • Nacken gehörte in Dortmund einer Diskussionsrunde des ehemaligen Reichsbannerführers Franz Klupsch an, die die Organisation weiterzuerhalten versuchte. Dieser Zirkel verfügte noch bis 1944 über Kontakte zu den Berliner Sozialdemokraten um Leuschner und Leber • Anfang 1933, kurz vor der allgemeinen „Gleichschaltung der Schulen“ wurde Nacken mit ca. 50 „Marxisten und Juden“ nachts von SA und SS auf das Ziegeleigelände am Dortmunder Bertholdshof getrieben und schwer misshandelt; ein damaliger Schüler sah einige Tage später den blau und blutig geschlagenen Rücken des Lehrers • 15.11.1933 – 28.2.1943 Bezirksdirektor Allianz-Lebensversicherung • 25.8.1939 – Febr. 1940 Militärdienst • Direktor Beamtenbank (?) • 1.3.1943 – 25.6.1945 Organisator (Direktor) Viktoria Lebensversicherung • 26.6.1945 - 26.2.1946 Landrat Wittgenstein • OKD 26.2.1946 - 5.4.1946, von der britischen Militärbehörde amtsenthoben (strittig Kosten zur Wiederinstandsetzung Berleburg, Poststr. 44 (ehemals Wohnung bzw. Hospital für Fremdarbeiter)) • 8.4.1947 – 29.2.1948 Leitender Angestellter der LVA Westfalen • 1.3.1948 Landesrat: Wiederaufbau der Landesversicherungsanstalt
  • 2.
    ab1950 Finanzdezernent der LVA: Förderung des sozialen Wohnungsbausund des Wiederaufbaus, Aufbau von LVA-eigenen Heilstätten: Westfalenheim in Bad Ems, Kurklinik Bad Salzuflen • 1.12.1954 – 28.2.1959 (Pensionierung) Direktor der Landesversicherungsanstalt • Seit 9.11.1952 Mitglied im Münsteraner Stadtrat: Vorsitzender des Finanzausschusses (Wiederaufbau Münsters auf gesunder Finanzbasis, seit 1954 ausgeglichene Haushalte), Vergabeausschuss-Vorsitzender, Kulturausschuss, stv. Vorsitzender, Verteilerausschuss, stv. Vorsitzender, Hauptausschuss, insgesamt 13 Ausschüsse • Verband deutscher Rentenversicherungsträger, Frankfurt/Main: Leiter des Finanzausschusses • Westfälisch-Lippische Heimstätte, Aufsichtsratsmitglied • Wohnungsgesellschaft „Neue Heimat“, Aufsichtsratsmitglied • Wohnort: Sept. 1946 Kaiserau/Kamen-Land, Jahnschule; Münster • Mitglied der SPD • Landschaftsversammlung 1960 – 1962 für die Stadt Münster (SPD) • 7.4.1961 Großes Bundesverdienstkreuz • hilfsbereit, unabhängige, gerade Haltung, lebensfroh, heitere Gelassenheit, Humor, dem Fortschritt zugewandt, menschliche Wärme, bescheiden, schlicht, „Pflegt weiter das Vertrauen !“; Hobbies: Musik, Litratur, Malerei • Kurz nach Rückkehr aus dem Urlaub an Herzschlag gestorben Quellen: Häming, Josef: Die Abgeordneten des Westfalenparlaments 1826–1978 (Westfälische Quellen und Archivverzeichnisse, Bd. 2), Münster 1978, S. 466-467 (Nr. 1110) Högl, Günter (Hg.): „Widerstand und Verfolgung in Dortmund 1933 – 1945“ – Katalog zur ständigen Ausstellung des Stadtarchivs in der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, Dortmund 1992, S. 59, 142 [mit Bildern] Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Unterbezirk Münster (Hrsg.): 1878 - 2003 125 Jahre SPD in Münster, Münster 2003, S. 73 Kreis Siegen-Wittgenstein, Altregistratur, Personalakte Carl Nacken StadtA Bad Berleburg v. 28.04.2004 StadtA Münster, Persönlichkeitssammlung Noch auswerten: Daten, Fakten Trends, MS 1973 Archiv LWL, Büro LVS 00 13/1, 3 LVS 00 16, Kartei WR (Münster) 11.2.1959, Westfälische Nachrichten (Münster) 8.2.1962 Mitt. Claus-Dietrich Nacken, Münster Bilder: WR (Münster) 11.2.1959, Westfälische Nachrichten (Münster) 8.2.1962