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Kintsugi
Narben aus Gold
Eine Reflexionseinheit
“Ich kann jeden Schmerz ertragen,
solange er einen Sinn hat.”
– Haruki Murakami
“Leiden ist zur Sinnerfüllung nicht
notwendig. Aber Sinn ist auch trotz und
gerade durch Leiden möglich.”
– Viktor Frankl
Ikigai = was das Leben lebenswert macht.
In Japan bebt die Erde über 1.000 mal pro Jahr
IKIGAI
生きがい
Kintsugi
金継ぎ
Können wir lebenswerte Dinge in Zerbruch finden?
kintsugi
K Kindness, “karu” – Sorgfalt als Haltung
I Investigation – Zeit zum betrachten
N Notice – Wahrnehmen
T Touch – Berührung
S Stillness – Stille Ruhe
U Utensil –Utensilien Urushi
G Gold – die Verbindungen erkennen
I Intention – was ist nun möglich
KINTSUGI
FILM
Kindness
Karu
“Von unserem eigenen natürlichen
Selbstmitgefühl abgeschnitten zu sein, ist eine
der größten Beeinträchtigungen,
die wir erleiden können.”
– Gabor Maté
K –
Kindness oder auch “karu”
Karu kann auf eine frühgermanische Bedeutung
zurückgeführt werden, von der wir das Wort “care”
kennen, also “kümmern” und “sorgen”.
Kintsugi lädt uns ein, eine Haltung der (Selbst-)Fürsorge
einzunehmen.
Fürsorge bedeutet, dass wir uns um uns selbst kümmern
und uns für wichtig genug halten, um es wert zu sein,
dass wir uns um uns selbst kümmern.
In der Metapher von Kintsugi finden wir
diese Haltung beim Kintsugi-Meister.
Reflexion
Fragen:
Was brauche ich in diesem Augenblick?
Wie kann ich das Geschehene mit einer
Stimme und Augen der Selbstliebe betrachten?
Wie würde ein enger Freund handeln?
Was würde eine Stimme des Mitgefühls
und des Mutes zu mir sprechen?
Investigation
“So ist es auch mit den Wunden in unseren Herzen.
Wir müssen ihnen unsere
Aufmerksamkeit schenken, damit sie
heilen können.
Sonst verursachen die Wunden
weiterhin Schmerzen.”
– James R. Doty
I –
Investigation
Kintsugi ist ein Prozess der Sorgfalt und
erfordert Liebe zum Detail.
Dies ist eine wesentliche Voraussetzung
für die Wiederherstellung. Dieses Prinzip
gilt auch für unsere Wunden.
Ein großer Teil seiner
Arbeit besteht darin, das Objekt
zu betrachten. Aus der genauen
Beobachtung von Hunderten von
Restaurierungsprozessen schöpft
er seine Erfahrung, Intuition und
Weisheit, die die Grundlage
seiner Arbeit bilden.
Wir können den
Kintsugi-Meister als Begleiter
eines Überganges verstehen.
Er ist Hüter des Prozesses, er
weiß, wann es welche
Intervention braucht –
etwa wenn das Objekt
Ruhe braucht.
Reflexion:
Wir können uns selbst einladen,
in Ruhe unser Lebens zu
betrachten. Ohne Eile, mit einer
Haltung von Sorgfalt, Ruhe
und Geduld.
Wie würden Außenstehenden
unsere Situation beschreiben?
Welches Detail offenbart sich, wenn
wir uns Zeit lassen?
Welches Detail benötigt
Aufmerksamkeit?
Was hindert uns daran, geduldig
und aufmerksam zu sein?
Notieren
NOTICE
KURZFILM
AUS KYOTO
N –
Notiz nehmen
Nimm wahr, was kaputt ist. Nimm dir Zeit
und “notiere” alles, was aufkommt.
Ein Journal und ein Stift sind gute
Werkzeuge dafür.
Du kannst auch Lebenslinien
wie auf dieser Seite vor dich
hin zeichnen: Lass dazu den
Stift einfach fließen.
Von Zeit zu Zeit kannst du sie
mit Ereignissen von Zerbruch
und Wiederherstellung
beschriften.
Touch
Touch – Berührung:
Wenn unsere Narben berührt
werden, ist das etwas
sehr Intimes.
Narben benötigen
unsere Pflege.
Reflexion
Welche Bruchstelle könnte
Zuwendung benötigen?
Bei welchen Bruchstellen lässt
du keine Berührung zu.
Warum?
T
kann auch for “Time”
stehen – für Zeit.
Manche Narben sind noch nicht
bereit für eine weitere Arbeit, für
eine weitere Berührung.
Hier spielt das nächste Kapitel
“Stillness” eine Rolle.
Stille
Heilung braucht Zeit.
Das wird im Reparaturprozess
oft übersehen:
Dies wird bei der Reparatur
oft übersehen: Meistens ruht
die zerbrochene Tasse zwei Tage
bis zwei Wochen in
einem Schrank.
In dieser Zeit
härtet der Lack aus.
Das Kintsugi-Objekt
gewinnt an Festigkeit.
Es ist still.
Vom Kintsugi-Handwerk
können wir lernen, dass
Ruhephasen wichtiger
Bestandteil des Prozesses
sind. Sie sind elementar für
unsere Heilung und
Wiederherstellung. „Als wir unsere Kurzdokumentation in
Japan drehten, war dies eine der größten
Lehren für uns. Unsere gesamte Zeitrechnung
war völlig falsch. Wir hatten gedacht, dass wir in zwei
Wochen den Prozess gut darstellen könnten.
Doch es gibt etliche Phasen wo das Gefäß, das repariert
wird, für mehrere Tage in den Schrank wandern und
einfach ruhen muss. Damit hatten wir nicht gerechnet.
Hätte der Meister nicht ein sehr ähnliches Stück
mit drei Modellen in drei unterschiedlichen Phasen
vorbereitet, wäre der Film nichts geworden.
Eine sehr eindrückliche Lernerfahrung, die uns
Demut und Respekt lehrte.“
– Motoki Tonn
Reflexion
Oft wollen wir eine
"schnelle Lösung".
Aber es gibt keine Abkürzung
zur Heilung.
Welcher Prozess in deinem Leben
braucht Zeit und Ruhe?
Utensil
Utensilien
Der Kintsugi Meister könnte
seine Arbeit ohne seine Werkzeuge
nicht verrichten. Diese stellt er nach
seinen Vorstellungen selbst her:
Pinsel, Schaber und andere Utensilien,
die er zur Reparatur benötigt.
Jedes Werkzeug hat einen individuellen
Zweck in dem Prozess.
Brüche im Leben sind nichts Neues.
Im Laufe der Jahre haben wir –
bewusst oder unbewusst – gelernt,
mit ihnen umzugehen.
Die Erfahrungen damit sind unsere
Ressourcen. Was wir vom Leben gelernt
haben, sind unsere Werkzeuge.
Mit ihnen können wir vergangene,
gegenwärtige und zukünftige
Herausforderungen, Veränderungen und
auch Brüche “meistern”.
Gold
G –
Gold
Das Gold würdigt den Zerbruch.
Es gilt immer noch als ein Zeichen von Schwäche,
sich verletzlich zu zeigen.
Kintsugi folgt diesem Prinzip nicht: Wunden
werden nicht versteckt – das Zerbrochene
wird zu etwas Neuem.
Es entsteht eine neue Gestalt.
Das Gold versiegelt die Risse.
Sie werden zu goldenen Narben.
Sie können eine starke Manifestation
der Auswirkungen sein, die diese
Lebensereignisse auf unser Leben haben.
Doch das goldene Leuchten zeigt Stärke,
Einzigartigkeit und Schönheit. Sie stehen für
unsere Fähigkeit, zu heilen.
Sie sind ein Zeichen für persönliches
Wachstum und Transformation.
Diese Veränderung findet auch
unterhalb der Oberfläche statt.
Würden wir unseren Blick nur auf die
Oberfläche legen, würden wir dem
tiefgreifenden Prozess der
Kintsugi Kunst nicht gerecht werden.
Kintsugi ist mehr als eine äußerliche
Verschönerung und Renovierung.
Reflexion
Welche Risse haben Licht in dein
Leben gebracht?
Was haben die Risse offenbart?
Welche Lebensereignisse
kannst du heute als
"goldene Erinnerungen" sehen?
Intention
Die Kintsugi Kunst schafft eine neue Gestalt,
die noch die Form der alten trägt.
Es ist ein neuen Anfang, eine Chance
für Veränderung.
Die Kintsugi Gefäße sind
alles andere als “perfekt”.
So manche Bruchstelle kann nicht
geheilt werden. Es kann sein,
dass der ursprüngliche “Zweck”
nicht mehr gegeben ist.
Durch die Bruchstellen
kann Licht in das Innere
hineindringen.
Sie können etwas Kostbares
zum Vorschein bringen.
Einen Kurzfilm dazu
kannst du hier anschauen.
“Menschen sind wie Buntglasfenster.
Sie funkeln und glänzen wenn, die Sonne scheint, aber
wenn die Dunkelheit hereinbricht, kommt
ihre wahre Schönheit nur zum Vorschein,
wenn ein Licht von innen kommt.”
― Elisabeth Kübler-Ross
Was hat der
Kintsugi Prozess für dich
sichtbar gemacht?
Was kannst du
daraus lernen?
Welche Qualitäten,
welche Stärken von dir
sind durch den
Kintsugi Prozess
sichtbar geworden?
Wozu
befähigt Dich diese
Erfahrung?
Welche Intention
für die Zukunft kannst
du aus der Erfahrung
formulieren?
Höre dazu gerne
die Meditation.
“Verletzlichkeit ist der Geburtsort von Liebe, Zugehörigkeit,
Freude, Mut, Empathie und Kreativität. Sie ist die Quelle von
Hoffnung, Empathie, Verantwortung und Authentizität.
Wenn wir uns mehr Klarheit über unsere Ziele oder ein
tieferes und bedeutungsvolleres spirituelles Leben wünschen,
ist Verletzlichkeit der Weg.”
– Dr. Brené Brown
Die nachfolgenden Kintsugi Dimensionen laden zur weiteren Arbeit
an unseren goldenen Narben ein.
Wenn wir in das Leben gehen und mit anderen in Verbindung treten, können
aus diesen goldenen Linien tiefe Verbindungen mit anderen entstehen.
Kintsugi Dimensionen
“Ring the bells that still can ring
Forget your perfect offering
There is a crack, a crack in everything
Thatʼs how the light gets in.”
– Leonard Cohen, Anthem
Kintsugi Reflexionseinheit Finde Zukunft Motoki Tonn

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Kintsugi Reflexionseinheit Finde Zukunft Motoki Tonn

  • 1. Kintsugi Narben aus Gold Eine Reflexionseinheit
  • 2. “Ich kann jeden Schmerz ertragen, solange er einen Sinn hat.” – Haruki Murakami
  • 3. “Leiden ist zur Sinnerfüllung nicht notwendig. Aber Sinn ist auch trotz und gerade durch Leiden möglich.” – Viktor Frankl
  • 4. Ikigai = was das Leben lebenswert macht.
  • 5. In Japan bebt die Erde über 1.000 mal pro Jahr IKIGAI 生きがい Kintsugi 金継ぎ Können wir lebenswerte Dinge in Zerbruch finden?
  • 6. kintsugi K Kindness, “karu” – Sorgfalt als Haltung I Investigation – Zeit zum betrachten N Notice – Wahrnehmen T Touch – Berührung S Stillness – Stille Ruhe U Utensil –Utensilien Urushi G Gold – die Verbindungen erkennen I Intention – was ist nun möglich
  • 9. “Von unserem eigenen natürlichen Selbstmitgefühl abgeschnitten zu sein, ist eine der größten Beeinträchtigungen, die wir erleiden können.” – Gabor Maté
  • 10. K – Kindness oder auch “karu” Karu kann auf eine frühgermanische Bedeutung zurückgeführt werden, von der wir das Wort “care” kennen, also “kümmern” und “sorgen”. Kintsugi lädt uns ein, eine Haltung der (Selbst-)Fürsorge einzunehmen. Fürsorge bedeutet, dass wir uns um uns selbst kümmern und uns für wichtig genug halten, um es wert zu sein, dass wir uns um uns selbst kümmern. In der Metapher von Kintsugi finden wir diese Haltung beim Kintsugi-Meister.
  • 11. Reflexion Fragen: Was brauche ich in diesem Augenblick? Wie kann ich das Geschehene mit einer Stimme und Augen der Selbstliebe betrachten? Wie würde ein enger Freund handeln? Was würde eine Stimme des Mitgefühls und des Mutes zu mir sprechen?
  • 13. “So ist es auch mit den Wunden in unseren Herzen. Wir müssen ihnen unsere Aufmerksamkeit schenken, damit sie heilen können. Sonst verursachen die Wunden weiterhin Schmerzen.” – James R. Doty
  • 14. I – Investigation Kintsugi ist ein Prozess der Sorgfalt und erfordert Liebe zum Detail. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung für die Wiederherstellung. Dieses Prinzip gilt auch für unsere Wunden.
  • 15. Ein großer Teil seiner Arbeit besteht darin, das Objekt zu betrachten. Aus der genauen Beobachtung von Hunderten von Restaurierungsprozessen schöpft er seine Erfahrung, Intuition und Weisheit, die die Grundlage seiner Arbeit bilden. Wir können den Kintsugi-Meister als Begleiter eines Überganges verstehen. Er ist Hüter des Prozesses, er weiß, wann es welche Intervention braucht – etwa wenn das Objekt Ruhe braucht.
  • 16. Reflexion: Wir können uns selbst einladen, in Ruhe unser Lebens zu betrachten. Ohne Eile, mit einer Haltung von Sorgfalt, Ruhe und Geduld. Wie würden Außenstehenden unsere Situation beschreiben? Welches Detail offenbart sich, wenn wir uns Zeit lassen? Welches Detail benötigt Aufmerksamkeit? Was hindert uns daran, geduldig und aufmerksam zu sein?
  • 19. N – Notiz nehmen Nimm wahr, was kaputt ist. Nimm dir Zeit und “notiere” alles, was aufkommt. Ein Journal und ein Stift sind gute Werkzeuge dafür.
  • 20. Du kannst auch Lebenslinien wie auf dieser Seite vor dich hin zeichnen: Lass dazu den Stift einfach fließen. Von Zeit zu Zeit kannst du sie mit Ereignissen von Zerbruch und Wiederherstellung beschriften.
  • 21. Touch
  • 22. Touch – Berührung: Wenn unsere Narben berührt werden, ist das etwas sehr Intimes. Narben benötigen unsere Pflege.
  • 23. Reflexion Welche Bruchstelle könnte Zuwendung benötigen? Bei welchen Bruchstellen lässt du keine Berührung zu. Warum?
  • 24. T kann auch for “Time” stehen – für Zeit. Manche Narben sind noch nicht bereit für eine weitere Arbeit, für eine weitere Berührung. Hier spielt das nächste Kapitel “Stillness” eine Rolle.
  • 26. Heilung braucht Zeit. Das wird im Reparaturprozess oft übersehen: Dies wird bei der Reparatur oft übersehen: Meistens ruht die zerbrochene Tasse zwei Tage bis zwei Wochen in einem Schrank. In dieser Zeit härtet der Lack aus. Das Kintsugi-Objekt gewinnt an Festigkeit. Es ist still.
  • 27. Vom Kintsugi-Handwerk können wir lernen, dass Ruhephasen wichtiger Bestandteil des Prozesses sind. Sie sind elementar für unsere Heilung und Wiederherstellung. „Als wir unsere Kurzdokumentation in Japan drehten, war dies eine der größten Lehren für uns. Unsere gesamte Zeitrechnung war völlig falsch. Wir hatten gedacht, dass wir in zwei Wochen den Prozess gut darstellen könnten. Doch es gibt etliche Phasen wo das Gefäß, das repariert wird, für mehrere Tage in den Schrank wandern und einfach ruhen muss. Damit hatten wir nicht gerechnet. Hätte der Meister nicht ein sehr ähnliches Stück mit drei Modellen in drei unterschiedlichen Phasen vorbereitet, wäre der Film nichts geworden. Eine sehr eindrückliche Lernerfahrung, die uns Demut und Respekt lehrte.“ – Motoki Tonn
  • 28. Reflexion Oft wollen wir eine "schnelle Lösung". Aber es gibt keine Abkürzung zur Heilung. Welcher Prozess in deinem Leben braucht Zeit und Ruhe?
  • 30. Utensilien Der Kintsugi Meister könnte seine Arbeit ohne seine Werkzeuge nicht verrichten. Diese stellt er nach seinen Vorstellungen selbst her: Pinsel, Schaber und andere Utensilien, die er zur Reparatur benötigt. Jedes Werkzeug hat einen individuellen Zweck in dem Prozess.
  • 31. Brüche im Leben sind nichts Neues. Im Laufe der Jahre haben wir – bewusst oder unbewusst – gelernt, mit ihnen umzugehen. Die Erfahrungen damit sind unsere Ressourcen. Was wir vom Leben gelernt haben, sind unsere Werkzeuge. Mit ihnen können wir vergangene, gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen, Veränderungen und auch Brüche “meistern”.
  • 32. Gold
  • 33. G – Gold Das Gold würdigt den Zerbruch. Es gilt immer noch als ein Zeichen von Schwäche, sich verletzlich zu zeigen. Kintsugi folgt diesem Prinzip nicht: Wunden werden nicht versteckt – das Zerbrochene wird zu etwas Neuem. Es entsteht eine neue Gestalt.
  • 34. Das Gold versiegelt die Risse. Sie werden zu goldenen Narben. Sie können eine starke Manifestation der Auswirkungen sein, die diese Lebensereignisse auf unser Leben haben. Doch das goldene Leuchten zeigt Stärke, Einzigartigkeit und Schönheit. Sie stehen für unsere Fähigkeit, zu heilen. Sie sind ein Zeichen für persönliches Wachstum und Transformation.
  • 35. Diese Veränderung findet auch unterhalb der Oberfläche statt. Würden wir unseren Blick nur auf die Oberfläche legen, würden wir dem tiefgreifenden Prozess der Kintsugi Kunst nicht gerecht werden. Kintsugi ist mehr als eine äußerliche Verschönerung und Renovierung.
  • 36. Reflexion Welche Risse haben Licht in dein Leben gebracht? Was haben die Risse offenbart? Welche Lebensereignisse kannst du heute als "goldene Erinnerungen" sehen?
  • 38. Die Kintsugi Kunst schafft eine neue Gestalt, die noch die Form der alten trägt. Es ist ein neuen Anfang, eine Chance für Veränderung.
  • 39. Die Kintsugi Gefäße sind alles andere als “perfekt”. So manche Bruchstelle kann nicht geheilt werden. Es kann sein, dass der ursprüngliche “Zweck” nicht mehr gegeben ist.
  • 40. Durch die Bruchstellen kann Licht in das Innere hineindringen. Sie können etwas Kostbares zum Vorschein bringen. Einen Kurzfilm dazu kannst du hier anschauen.
  • 41. “Menschen sind wie Buntglasfenster. Sie funkeln und glänzen wenn, die Sonne scheint, aber wenn die Dunkelheit hereinbricht, kommt ihre wahre Schönheit nur zum Vorschein, wenn ein Licht von innen kommt.” ― Elisabeth Kübler-Ross
  • 42. Was hat der Kintsugi Prozess für dich sichtbar gemacht?
  • 44. Welche Qualitäten, welche Stärken von dir sind durch den Kintsugi Prozess sichtbar geworden?
  • 46. Welche Intention für die Zukunft kannst du aus der Erfahrung formulieren?
  • 47. Höre dazu gerne die Meditation.
  • 48. “Verletzlichkeit ist der Geburtsort von Liebe, Zugehörigkeit, Freude, Mut, Empathie und Kreativität. Sie ist die Quelle von Hoffnung, Empathie, Verantwortung und Authentizität. Wenn wir uns mehr Klarheit über unsere Ziele oder ein tieferes und bedeutungsvolleres spirituelles Leben wünschen, ist Verletzlichkeit der Weg.” – Dr. Brené Brown
  • 49. Die nachfolgenden Kintsugi Dimensionen laden zur weiteren Arbeit an unseren goldenen Narben ein. Wenn wir in das Leben gehen und mit anderen in Verbindung treten, können aus diesen goldenen Linien tiefe Verbindungen mit anderen entstehen.
  • 51. “Ring the bells that still can ring Forget your perfect offering There is a crack, a crack in everything Thatʼs how the light gets in.” – Leonard Cohen, Anthem