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1 von 40
Meine* Sicht auf die
Verkehrswende
*weibliche (?)
Katja Leyendecker
Northumbria University, UK
Braunschweig
5. August 2019
1
2
Beschreibend: Was erleben Aktivistinnen,
wenn sie sich für Radwege einsetzen?
Eingreifend: Was kann aus den
Erfahrungen gelernt werden, um die
Planung und Umsetzung von Radwegen
zu verbessern?
Doktorarbeit
3
Cycle share of all trips
England 2% Germany at 11%
(DfT 2017) (BMVI 2018)
4
The two cities
Source: opencyclemap.org
Newcastle + Gateshead Bremen
___________________________________________________________________
Population 490,000 550,000
Density person/km 2,000 1,700
Source: Wikipedia
1 % 25%
5
6
Radwege
sind ein
zentraler Baustein
der Verkehrswende
It is clear from our research that most
non-cyclists and recreational cyclists will
only consider cycling regularly if they are
segregated from [motor vehicle] traffic.
Pooley et al (2013:176)
7
Auf deutsch:
Unsere Forschungsergebnisse sind eindeutig: Die meisten Nicht-Radfahrenden
und Freizeitradfahrenden werden das Radfahren nur in Betracht ziehen, wenn sie
getrennt vom [motorisierten] Verkehr geführt werden.
No city in Europe or North America has achieved
high level of cycling without an extensive network
of well-integrated bike lanes and paths that
provide separation from motor vehicle traffic. […]
Separate cycling facilities are a crucial first step
towards increasing cycling and making it socially
inclusive. Pucher & Buehler (2012:351)
8
Auf deutsch:
Keine Stadt in Europa oder Nordamerika hat es geschafft einen hohen Radfahranteil zu
erreichen ohne ein gut ausgebautes Radwegenetz mit Radrouten, die getrennt vom
motorisierten Verkehr geführt werden. […] Baulich getrennte Radverkehrsanlagen sind der
wichtigste erste Schritt in Richtung Radverkehrssteigerung und soziale Integrierung.
Jan Garrard
If you want to know if
an urban environment
supports cycling, you
can forget about all the
detailed ‘bikeability
indexes’—
just measure the
proportion of cyclists
who are female
Source Scientific American 2009
9
Auf deutsch:
Wenn du wissen willst, ob die
bauliche und räumliche
Gestaltung der Stadt das
Radfahren unterstützt […]
zähle einfach, wie viele
Frauen Fahrrad fahren.
…wo mehr Frauen radfahrenFrauenanteilbeimRadfahren
Radverkehrsanteil
Berlin
Tokyo
Städte in USA, UK, Aus, NZ
KOP
AMS
Graph:Garrard,J.,etal.(2012).Womenandcycling.Citycycling.J.PucherandR.
Buehler,MassachusettsInstituteofTechnology(MIT).
red:UKCensus2011,blue:VEPBremen2025
Newcastle
Bremen
10
Mit gutem Beispiel voran…
Frauen sind umweltverträglicher unterwegs: gehen,
fahren Rad oder nehmen Öffis mehr als Männer
(Familienauto ist männlich, Berufswagen)
EU27, source Civitas (2014)
11
Wer, was, wie, wo?
Aldred (2015)
12
13
Maskuliner
Straßenbau
Sanchez de Madariaga’s (2013)
“Mobility of care”
Zu deutsch: Mobilität der sozialen Versorgung
14
Versorgungswege
Insbesondere Frauen in
mittlerer Altersgruppe
... sind ständig unterwegs
>> Wegeketten
>> kürzere Wege
>> kompliziertere / kleinteiligere Mobilität
>> weniger Alleinwege: Einkauf, Kinder usw.
15
Civitas (2014), nach Lehner Lierz
+ andere Bedürfnisse
• Die kognitiven Fähigkeiten von Kindern und
älteren Menschen werden (oft) nicht
berücksichtigt in unserer Straßengestaltung
>>> kein „Spielraum“ für „Fehlverhalten“
• Stichwort barrierefrei
16
1717
(Eurofund 2018:7)
18
Der Versuch
1919
• Wenig Verkehrswende
– Radwege werden abgebaut / nicht gebaut
– Radverkehrsanteil ist stagnierend (Newcastle,
Bremen)
• Dipl.-Ing. Bau
• Mitgründung und Leitung der Newcastle
Cycling Campaign (2010-2017)
2020
Autoethnographie
Erfahrungsbericht
inkl. Selbstkritik
Eigene Daten (Tagebuch, Leben vor Ort usw.)
plus
• Leitlinienanalyse
• Gespräche mit anderen
Versuchsaufbau
21
2222
Policy analysis
Newcastle
(NCC & GMBC 2015)
Widersprüchlich hinsichtlich
Autoparken
– Abbau und Ausbau
Unklare Aussagen über
Radverkehrinfrastrukturen
– Keine Qualitätsmerkmale
Anspruch nicht “verräumlicht”
Kein Umsetzungskatalog
Bremen
(Bremen 2014)
Parkplatzabbau aus sozialen
Gründen
– Anspruch an Platz und
Raum
Ambivalent gegenüber
Radverkehrinfrastrukturen
– „Kultur des
Bordsteinradwegfahrens“
Raum ist endlich und muss
verteilt werden
23
“alles, was irgendwelchen Autofahrern
wehtun könnte, hat [die Politik] immer
konsequent vermieden” (D4)
“Es ist Tabu zu sagen, [das Auto] braucht
man nicht” (D5)
Interviews – Aktivistinnen:
24
“We have definitively grown through
learning and actually bringing more people
into the campaign but the council hasn’t
really kind of moved on or built on this
initial kind of support for cycling they
have” (UK1)
Interviews – Aktivistinnen:
25
“Da wird auch immer gesagt, [die
Verwaltung] sind ja die Fachleute. Da hätte
[die Politik] nichts dran zu kritisieren, das
sind ja die Fachleute” (D3)
Interviews – Aktivistinnen:
26
“There already was a lot of
acceptance of you know things
like roads couldn’t be changed
or wasn’t even an issue.” (UK1)
“[VC sagt:] Wenn Leute nicht
so Rad fahren wollen wie wir
das wollen, … dann muss man
die erziehen und belehren -
damit sie das anders machen”
(D5)
“Something I don't know
whether that's a man/woman
thing: to not be able to say I
learnt something from you!”
(D2)
“Das ist natürlich unglaublich, dass eine
Minderheit eine Debatte über 20 Jahre
so dominiert” [vehicular cycling] (D1)
Interviews – Aktivistinnen:
27
"Well, I want to know I suppose, to some
extent it’s about getting to know him
[senior councillor] and what makes him
tick" (UK2)
"long-term relationship building and
everyone having some sort of mutual
respect and a vision" (UK3)
Interviews – Aktivistinnen:
28
Verkehrspolitisches System (jetzt)
INSTITUTIONAL AUTOMOBILITY SOCIAL AUTOMOBILITY
Technical
sphere
Political
sphere
Social
sphere
Personal
sphere
Politics and
democratic
process
Cultural
transformation
Communicate
to connect
2929
Interviews – Entscheidungstragende:
Newcastle Politiker sagt:
Wahl legitimiert mich
Mehrheitsplanung
Zivilgesellschaft,
individualisiert, jede Person
zählt (aber)
• Arbeite routinemäßig mit
Wirtschaft und Händlern
Bremen Politiker sagt:
Radfahren ist sicherer auf der
Straße
Entwickele gerne
Handlungsstrategien
Einbindung der ZG, aber
• Frauensache ist schwierig
• Kennt keine
Radwegeaktivisten/innen
3030
Interviews – Entscheidungstragende:
Newcastle Planer sagt:
Bin Experte, brauche aber
politische Anweisung
Teamanpassung, bringe in
Kommunikationsexpertise
Will Veränderung
Bremen Planer sagt:
Menschen und Raum müssen
im Zusammenhang gedacht
werden
Verkehrsplanung geht leider
oft durch die
Windschutzscheibe
Radwege haben einen
sozialen Wert, sind raum-
effizient
31
Der Belange der Aktivistinnen (Radwege) stehen entgegen:
• Die Verwaltungen in Bremen und Newcastle waren beide
technokratisch: Die IngenieurInnen und PlanerInnen hatten
gelernt, wie man den Straßenraum “richtig” gestaltet, und das
behinhaltete vornehmliches Planen fürs Auto
• Die Politiker in Bremen und Newcastle vertrauten den
technischen Angestellten
• Die Belange der vehicular-cycling Aktivisten (Radfahren auf der
Straße) spielten in die Hände der technokratischen Verwaltung
Behinderungen im Radwegebau:
32
Was nun?
Was tun?
Stand der Dinge und quo vadis?
Radwege Aktivismus nimmt zu,
sowohl in UK als auch in Deutschland
33
https://changing-cities.org/bundesweite-initiativen/
Stand der Dinge und quo vadis?
34
Newcastle
Das Problem in Newcastle
liegt tief.
Das Verständnis von
demokratischer Dialektik ist
weniger ausgeprägt, was den
Austausch zwischen der
Zivilgesellschaft und der
Politik schwer behindert.
***Außerdem ist Radfahren eine
Minderheitentätigkeit und stark
stigmatisiert
Bremen
Luft nach oben.
Ziviles Belangen:
Verstärktes Auftreten der
Zivilgesellschaft hinsichtlich
Radwegebau sollte
angestrebt werden, denn es
unterstützt die PolitikerInnen
und PlanerInnen, die dem
Radwegebau gut gesonnen
sind.
35
INSTITUTIONAL AUTOMOBILITY SOCIAL AUTOMOBILITY
Technical
sphere
Political
sphere
Social
sphere
Personal
sphere
Politics and
democratic
process
Cultural
transformation
Communicate
to connect
Verkehrspolitisches System (jetzt)
36
INSTITUTIONAL AUTOMOBILITY SOCIAL AUTOMOBILITY
Technical
sphere
Personal
sphere
Political
sphere
Social
sphere
Politics and
democratic
process
Communicate
to connect
Neues verkehrspolitisches System?
37
Technical
sphere Socio-
political
sphere Personal
sphere
‘Agora’
Neues verkehrspolitisches System
38
Schaffen einer
Agora
(im symbolischen und
physischen Raum)
Verkehrswende, aber wie?
Debattieren
und
Auseinander
-setzung
Berücksichtigung
von Belangen
verlangen
Beeinflussung
von Planung
(des öffentlichen
Raumes)
Diskurse
entwickeln
Zusammen
Antworten
finden
Gemeinschaften
schaffen
Dissenzen
aushalten
39
Radwege-Aktivismus
fördert und stärkt
die Demokratie
Quellen
40
Aldred, Rachel. 2015. ‘Adults’ Attitudes towards Child Cycling: A Study of the Impact of Infrastructure’. European Journal
of Transport and Infrastructure Research 15 (2): 92–115.
Baker, Linda. 2009. ‘How to Get More Bicyclists on the Road’. Scientific American, 21 September 2009.
http://www.scientificamerican.com/article/getting-more-bicyclists-on-the-road/?page=1.
BMVI. 2018. ‘Mobilität in Deutschland - Kurzbericht, Verkehrsaufkommen – Struktur – Trends’. http://www.mobilitaet-in-
deutschland.de/pdf/infas_Mobilitaet_in_Deutschland_2017_Kurzreport.pdf.
Bremen. 2014. ‘Verkehrsentwicklungsplan Bremen 2025’. Bremen, Germany: Senator für Bau Umwelt und Verkehr, Freie
Hansestadt Bremen.
Civitas. 2014. ‘Smart Choices for Cities - Gender Equality and Mobility: Mind the Gap!’ Policy Note. Civitas Policy Notes.
http://civitas.eu/sites/default/files/civ_pol-an2_m_web.pdf.
DfT. 2017. ‘Transport Statistics Great Britain 2017’.
https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/661933/tsgb-
2017-report-summaries.pdf.
Eurofund. 2018. ‘Women in Management : Underrepresented and Overstretched?’ Policy brief. Working Conditions.
Luxembourg: Publications Office of the European Union.
https://www.eurofound.europa.eu/sites/default/files/ef_publication/field_ef_document/ef18018en.pdf.
Garrard, Jan, Susan Handy, and Jennifer Dill. 2012. ‘Women and Cycling’. In City Cycling, edited by John Pucher and Ralph
Buehler. Cambridge, MA, USA: MIT Press.
NCC, and GMBC. 2015. ‘Planning for the Future - Core Strategy and Urban Core Plan for Gateshead and Newcastle upon
Tyne 2010-2030 (Adopted March 2015)’.
Pooley, Colin G, Tim Jones, Miles Tight, Dave Horton, Griet Scheldeman, Caroline Mullen, Ann Jopson, and Emanuele
Strano. 2013. Promoting Walking and Cycling : New Perspectives on Sustainable Travel. Bristol, UK: Policy Press.
Pucher, John, and Ralph Buehler. 2012. City Cycling. Cambridge, MA, USA: MIT Press.
Sánchez de Madariaga, Inés. 2013. ‘From Women in Transport to Gender in Transport: Challenging Conceptual
Frameworks for Improved Policymaking’. Journal of International Affairs 67 (1): 43–XVIII.

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Meine* Sicht auf die Verkehrswende - *weibliche

  • 1. Meine* Sicht auf die Verkehrswende *weibliche (?) Katja Leyendecker Northumbria University, UK Braunschweig 5. August 2019 1
  • 2. 2 Beschreibend: Was erleben Aktivistinnen, wenn sie sich für Radwege einsetzen? Eingreifend: Was kann aus den Erfahrungen gelernt werden, um die Planung und Umsetzung von Radwegen zu verbessern? Doktorarbeit
  • 3. 3
  • 4. Cycle share of all trips England 2% Germany at 11% (DfT 2017) (BMVI 2018) 4
  • 5. The two cities Source: opencyclemap.org Newcastle + Gateshead Bremen ___________________________________________________________________ Population 490,000 550,000 Density person/km 2,000 1,700 Source: Wikipedia 1 % 25% 5
  • 7. It is clear from our research that most non-cyclists and recreational cyclists will only consider cycling regularly if they are segregated from [motor vehicle] traffic. Pooley et al (2013:176) 7 Auf deutsch: Unsere Forschungsergebnisse sind eindeutig: Die meisten Nicht-Radfahrenden und Freizeitradfahrenden werden das Radfahren nur in Betracht ziehen, wenn sie getrennt vom [motorisierten] Verkehr geführt werden.
  • 8. No city in Europe or North America has achieved high level of cycling without an extensive network of well-integrated bike lanes and paths that provide separation from motor vehicle traffic. […] Separate cycling facilities are a crucial first step towards increasing cycling and making it socially inclusive. Pucher & Buehler (2012:351) 8 Auf deutsch: Keine Stadt in Europa oder Nordamerika hat es geschafft einen hohen Radfahranteil zu erreichen ohne ein gut ausgebautes Radwegenetz mit Radrouten, die getrennt vom motorisierten Verkehr geführt werden. […] Baulich getrennte Radverkehrsanlagen sind der wichtigste erste Schritt in Richtung Radverkehrssteigerung und soziale Integrierung.
  • 9. Jan Garrard If you want to know if an urban environment supports cycling, you can forget about all the detailed ‘bikeability indexes’— just measure the proportion of cyclists who are female Source Scientific American 2009 9 Auf deutsch: Wenn du wissen willst, ob die bauliche und räumliche Gestaltung der Stadt das Radfahren unterstützt […] zähle einfach, wie viele Frauen Fahrrad fahren.
  • 10. …wo mehr Frauen radfahrenFrauenanteilbeimRadfahren Radverkehrsanteil Berlin Tokyo Städte in USA, UK, Aus, NZ KOP AMS Graph:Garrard,J.,etal.(2012).Womenandcycling.Citycycling.J.PucherandR. Buehler,MassachusettsInstituteofTechnology(MIT). red:UKCensus2011,blue:VEPBremen2025 Newcastle Bremen 10
  • 11. Mit gutem Beispiel voran… Frauen sind umweltverträglicher unterwegs: gehen, fahren Rad oder nehmen Öffis mehr als Männer (Familienauto ist männlich, Berufswagen) EU27, source Civitas (2014) 11
  • 12. Wer, was, wie, wo? Aldred (2015) 12
  • 14. Sanchez de Madariaga’s (2013) “Mobility of care” Zu deutsch: Mobilität der sozialen Versorgung 14
  • 15. Versorgungswege Insbesondere Frauen in mittlerer Altersgruppe ... sind ständig unterwegs >> Wegeketten >> kürzere Wege >> kompliziertere / kleinteiligere Mobilität >> weniger Alleinwege: Einkauf, Kinder usw. 15 Civitas (2014), nach Lehner Lierz
  • 16. + andere Bedürfnisse • Die kognitiven Fähigkeiten von Kindern und älteren Menschen werden (oft) nicht berücksichtigt in unserer Straßengestaltung >>> kein „Spielraum“ für „Fehlverhalten“ • Stichwort barrierefrei 16
  • 19. 1919 • Wenig Verkehrswende – Radwege werden abgebaut / nicht gebaut – Radverkehrsanteil ist stagnierend (Newcastle, Bremen) • Dipl.-Ing. Bau • Mitgründung und Leitung der Newcastle Cycling Campaign (2010-2017)
  • 20. 2020 Autoethnographie Erfahrungsbericht inkl. Selbstkritik Eigene Daten (Tagebuch, Leben vor Ort usw.) plus • Leitlinienanalyse • Gespräche mit anderen
  • 22. 2222 Policy analysis Newcastle (NCC & GMBC 2015) Widersprüchlich hinsichtlich Autoparken – Abbau und Ausbau Unklare Aussagen über Radverkehrinfrastrukturen – Keine Qualitätsmerkmale Anspruch nicht “verräumlicht” Kein Umsetzungskatalog Bremen (Bremen 2014) Parkplatzabbau aus sozialen Gründen – Anspruch an Platz und Raum Ambivalent gegenüber Radverkehrinfrastrukturen – „Kultur des Bordsteinradwegfahrens“ Raum ist endlich und muss verteilt werden
  • 23. 23 “alles, was irgendwelchen Autofahrern wehtun könnte, hat [die Politik] immer konsequent vermieden” (D4) “Es ist Tabu zu sagen, [das Auto] braucht man nicht” (D5) Interviews – Aktivistinnen:
  • 24. 24 “We have definitively grown through learning and actually bringing more people into the campaign but the council hasn’t really kind of moved on or built on this initial kind of support for cycling they have” (UK1) Interviews – Aktivistinnen:
  • 25. 25 “Da wird auch immer gesagt, [die Verwaltung] sind ja die Fachleute. Da hätte [die Politik] nichts dran zu kritisieren, das sind ja die Fachleute” (D3) Interviews – Aktivistinnen:
  • 26. 26 “There already was a lot of acceptance of you know things like roads couldn’t be changed or wasn’t even an issue.” (UK1) “[VC sagt:] Wenn Leute nicht so Rad fahren wollen wie wir das wollen, … dann muss man die erziehen und belehren - damit sie das anders machen” (D5) “Something I don't know whether that's a man/woman thing: to not be able to say I learnt something from you!” (D2) “Das ist natürlich unglaublich, dass eine Minderheit eine Debatte über 20 Jahre so dominiert” [vehicular cycling] (D1) Interviews – Aktivistinnen:
  • 27. 27 "Well, I want to know I suppose, to some extent it’s about getting to know him [senior councillor] and what makes him tick" (UK2) "long-term relationship building and everyone having some sort of mutual respect and a vision" (UK3) Interviews – Aktivistinnen:
  • 28. 28 Verkehrspolitisches System (jetzt) INSTITUTIONAL AUTOMOBILITY SOCIAL AUTOMOBILITY Technical sphere Political sphere Social sphere Personal sphere Politics and democratic process Cultural transformation Communicate to connect
  • 29. 2929 Interviews – Entscheidungstragende: Newcastle Politiker sagt: Wahl legitimiert mich Mehrheitsplanung Zivilgesellschaft, individualisiert, jede Person zählt (aber) • Arbeite routinemäßig mit Wirtschaft und Händlern Bremen Politiker sagt: Radfahren ist sicherer auf der Straße Entwickele gerne Handlungsstrategien Einbindung der ZG, aber • Frauensache ist schwierig • Kennt keine Radwegeaktivisten/innen
  • 30. 3030 Interviews – Entscheidungstragende: Newcastle Planer sagt: Bin Experte, brauche aber politische Anweisung Teamanpassung, bringe in Kommunikationsexpertise Will Veränderung Bremen Planer sagt: Menschen und Raum müssen im Zusammenhang gedacht werden Verkehrsplanung geht leider oft durch die Windschutzscheibe Radwege haben einen sozialen Wert, sind raum- effizient
  • 31. 31 Der Belange der Aktivistinnen (Radwege) stehen entgegen: • Die Verwaltungen in Bremen und Newcastle waren beide technokratisch: Die IngenieurInnen und PlanerInnen hatten gelernt, wie man den Straßenraum “richtig” gestaltet, und das behinhaltete vornehmliches Planen fürs Auto • Die Politiker in Bremen und Newcastle vertrauten den technischen Angestellten • Die Belange der vehicular-cycling Aktivisten (Radfahren auf der Straße) spielten in die Hände der technokratischen Verwaltung Behinderungen im Radwegebau:
  • 33. Stand der Dinge und quo vadis? Radwege Aktivismus nimmt zu, sowohl in UK als auch in Deutschland 33 https://changing-cities.org/bundesweite-initiativen/
  • 34. Stand der Dinge und quo vadis? 34 Newcastle Das Problem in Newcastle liegt tief. Das Verständnis von demokratischer Dialektik ist weniger ausgeprägt, was den Austausch zwischen der Zivilgesellschaft und der Politik schwer behindert. ***Außerdem ist Radfahren eine Minderheitentätigkeit und stark stigmatisiert Bremen Luft nach oben. Ziviles Belangen: Verstärktes Auftreten der Zivilgesellschaft hinsichtlich Radwegebau sollte angestrebt werden, denn es unterstützt die PolitikerInnen und PlanerInnen, die dem Radwegebau gut gesonnen sind.
  • 35. 35 INSTITUTIONAL AUTOMOBILITY SOCIAL AUTOMOBILITY Technical sphere Political sphere Social sphere Personal sphere Politics and democratic process Cultural transformation Communicate to connect Verkehrspolitisches System (jetzt)
  • 36. 36 INSTITUTIONAL AUTOMOBILITY SOCIAL AUTOMOBILITY Technical sphere Personal sphere Political sphere Social sphere Politics and democratic process Communicate to connect Neues verkehrspolitisches System?
  • 38. 38 Schaffen einer Agora (im symbolischen und physischen Raum) Verkehrswende, aber wie? Debattieren und Auseinander -setzung Berücksichtigung von Belangen verlangen Beeinflussung von Planung (des öffentlichen Raumes) Diskurse entwickeln Zusammen Antworten finden Gemeinschaften schaffen Dissenzen aushalten
  • 40. Quellen 40 Aldred, Rachel. 2015. ‘Adults’ Attitudes towards Child Cycling: A Study of the Impact of Infrastructure’. European Journal of Transport and Infrastructure Research 15 (2): 92–115. Baker, Linda. 2009. ‘How to Get More Bicyclists on the Road’. Scientific American, 21 September 2009. http://www.scientificamerican.com/article/getting-more-bicyclists-on-the-road/?page=1. BMVI. 2018. ‘Mobilität in Deutschland - Kurzbericht, Verkehrsaufkommen – Struktur – Trends’. http://www.mobilitaet-in- deutschland.de/pdf/infas_Mobilitaet_in_Deutschland_2017_Kurzreport.pdf. Bremen. 2014. ‘Verkehrsentwicklungsplan Bremen 2025’. Bremen, Germany: Senator für Bau Umwelt und Verkehr, Freie Hansestadt Bremen. Civitas. 2014. ‘Smart Choices for Cities - Gender Equality and Mobility: Mind the Gap!’ Policy Note. Civitas Policy Notes. http://civitas.eu/sites/default/files/civ_pol-an2_m_web.pdf. DfT. 2017. ‘Transport Statistics Great Britain 2017’. https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/661933/tsgb- 2017-report-summaries.pdf. Eurofund. 2018. ‘Women in Management : Underrepresented and Overstretched?’ Policy brief. Working Conditions. Luxembourg: Publications Office of the European Union. https://www.eurofound.europa.eu/sites/default/files/ef_publication/field_ef_document/ef18018en.pdf. Garrard, Jan, Susan Handy, and Jennifer Dill. 2012. ‘Women and Cycling’. In City Cycling, edited by John Pucher and Ralph Buehler. Cambridge, MA, USA: MIT Press. NCC, and GMBC. 2015. ‘Planning for the Future - Core Strategy and Urban Core Plan for Gateshead and Newcastle upon Tyne 2010-2030 (Adopted March 2015)’. Pooley, Colin G, Tim Jones, Miles Tight, Dave Horton, Griet Scheldeman, Caroline Mullen, Ann Jopson, and Emanuele Strano. 2013. Promoting Walking and Cycling : New Perspectives on Sustainable Travel. Bristol, UK: Policy Press. Pucher, John, and Ralph Buehler. 2012. City Cycling. Cambridge, MA, USA: MIT Press. Sánchez de Madariaga, Inés. 2013. ‘From Women in Transport to Gender in Transport: Challenging Conceptual Frameworks for Improved Policymaking’. Journal of International Affairs 67 (1): 43–XVIII.