Wirtschaftsstrategie 2025
Wirtschaftsstrategie 2025                       Impressum                       Wirtschaftsstrategie 2025 des Kantons Bern...
Inhaltsverzeichnis1.	Vorwort	                                                    52.	Zusammenfassung	                     ...
Wirtschaftsstrategie 20254
Vorwort1.	    Vorwort«Woher kommen wir  wohin wollen wir                       –                   –    vor allem auf Mass...
Wirtschaftsstrategie 20256
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Wirtschaftsstrategie 2025                       2.2.	   Strategisches Ziel, Grundsätze und Handlungsachsen                ...
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Zur Wirtschaftsstrategie 20253.	       Zur Wirtschaftsstrategie 20253.1.	     ErarbeitungDer Kanton Bern hat mit einem Con...
Wirtschaftsstrategie 2025                        3.3.	    Zusammenhänge                        Wirtschaftspolitik ist eine...
Zur Wirtschaftsstrategie 2025Aus der Nachhaltigkeitsbeurteilung der Wirtschaftsstrategie 2025 kann folgendes Fazitgezogen ...
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Strategisches Ziel und Grundsätze4.	      Strategisches Ziel und Grundsätze4.1.	    Strategisches ZielBis ins Jahr 2025 st...
Wirtschaftsstrategie 2025                        4.2.2.	 Impulse für mehr Dynamik                        Die Wirtschaftsst...
Strategisches Ziel und Grundsätze4.2.4.	 Kohärentes SystemDie Wirtschaftsstrategie des Kantons ist auf die Wirtschaftsstra...
Wirtschaftsstrategie 202518
Strategische Handlungsachsen5.	      Strategische HandlungsachsenDie Wirtschaftsstrategie 2025 setzt bei                  ...
Wirtschaftsstrategie 2025                        5.2.	    Anreize richtig setzen                        Der Kanton setzt A...
Strategische HandlungsachsenBereichszieleƒƒ Der Kanton übernimmt bei der Raumplanung eine weiter reichende Verantwor-   tu...
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Wirtschaftsstrategie 2025                        6.1.2.	 Ressourcenknappheit                        Die steigende Belastun...
Umfeld6.1.5.	 Demographische EntwicklungDie demographische Entwicklung der In-                       Prognosen sind in die...
Wirtschaftsstrategie 2025                        6.2.	    Wirtschaftspolitik des Bundes und der Kantone                   ...
Umfeldleistungen, die zu einem schonenderen                   Generationen intakte und gut funktio-und effizienteren Einsa...
Wirtschaftsstrategie 202528
Analyse7.	      Analyse7.1.	    Volkswirtschaftliche ZusammenhängeGrundlage jeder Volkswirtschaft bilden die              ...
Wirtschaftsstrategie 2025                        Die Entwicklung eines Wirtschaftsstandorts wird von weiteren Standortfakt...
AnalyseDie folgende Grafik zeigt die volkswirt-               unter den verschiedenen Faktoren. Dieschaftlichen Zusammenhä...
Wirtschaftsstrategie 2025                             7.2.	    Wirtschaftspolitische Einflussmöglichkeiten                ...
Analyse7.2.1.	 Vorbemerkungen zu den folgenden AbschnittenDer Kanton Bern ist der zweitgrösste Kan-     wird Bern jeweils ...
Wirtschaftsstrategie 20257.3.	   Volkswirtschaftliche Struktur des Kantons7.3.1.	 Bruttoinlandprodukt und verfügbares Eink...
AnalyseDas Bruttoinlandprodukt (BIP)30 des Kan-                      misch reagiert als die Schweiz. Das Wachs-           ...
Wirtschaftsstrategie des Kantons Bern 2025
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Wirtschaftsstrategie des Kantons Bern 2025

  1. 1. Wirtschaftsstrategie 2025
  2. 2. Wirtschaftsstrategie 2025 Impressum Wirtschaftsstrategie 2025 des Kantons Bern Antrag: RRB Nr. 1063 vom 22. Juni 2011 Kenntnisnahme durch den Grossen Rat: 24. November 2011 Planungserklärungen eingearbeitet: RRB Nr. 0383 vom 14. März 2012 verfügbar unter www.be.ch/wirtschaftsstrategie Kontakt beco Berner Wirtschaft Münsterplatz 3 3011 Bern 031 633 45 34 info.beco@vol.be.ch © Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Bern Abdruck mit Quellenangaben erlaubt Fotonachweis Titelbild: Meyer Burger Technology AG, Thun & CSL Behring, Bern Seite 4: beco Berner Wirtschaft & Staatskanzlei des Kantons Bern Seite 6: Juvent SA, Mont Croisin & fotolia.de Seite 10: Staatskanzlei des Kantons Bern Seite 14: fotolia.de & puracon Schweiz GmbH, Biel Seite 18. KVA Thun & Jenni Energietechnik AG, Oberburg b.B. Seite 22: fotolia.de Seite 28: Neue Brünnen AG, Bern & beco Berner Wirtschaft Seite 37: beco Berner Wirtschaft & fotolia.de Seite 59: beco Berner Wirtschaft2 Seite 63: Berner Fachhochschule & fotolia.de
  3. 3. Inhaltsverzeichnis1. Vorwort 52. Zusammenfassung 72.1. Allgemeines 72.2. Strategisches Ziel, Grundsätze und Handlungsachsen 82.3. Zusammenfassung Umfeld 82.4. Zusammenfassung Analyse 93. Zur Wirtschaftsstrategie 2025 113.1. Erarbeitung 113.2. Aufbau 113.3. Zusammenhänge 123.4. Nachhaltigkeitsbeurteilung 123.5. Weiteres Vorgehen 134. Strategisches Ziel und Grundsätze 154.1. Strategisches Ziel 154.2. Grundsätze 155. Strategische Handlungsachsen 195.1. Innovation und Schonung der Ressourcen 195.2. Anreize richtig setzen 205.3. Verständlich und bürgernah handeln 216. Umfeld 236.1. Längerfristige weltweite Entwicklung 236.2. Wirtschaftspolitik des Bundes und der Kantone 267. Analyse 297.1. Volkswirtschaftliche Zusammenhänge 297.2. Wirtschaftspolitische Einflussmöglichkeiten 327.3. Volkswirtschaftliche Struktur des Kantons 347.4. Analyse der Regionen 487.5. Historische Zeitreihen 527.6. Image 547.7. Staatliche Leistungen und Strukturen 568. Anhang 718.1. Laufende wirtschaftspolitische Massnahmen 718.2. Berichte und Strategien 738.3. Verwendete Unterlagen 80 3
  4. 4. Wirtschaftsstrategie 20254
  5. 5. Vorwort1. Vorwort«Woher kommen wir  wohin wollen wir  –  – vor allem auf Massnahmen in einem über-wie kann der Kanton Bern in einer globa- schaubaren Zeitraum fokussiert sind. Auflisierten Welt sein Wirtschaftswachstum der Basis einer eingehenden strukturellenbeeinflussen?»  das waren die zentralen –  Analyse sowie der Beleuchtung des Um-Fragen bei der Erarbeitung der Wirtschafts- feldes wird eine Strategie für die nächstenstrategie 2025. fünfzehn Jahre formuliert  dies vor dem –  Hintergrund eines klaren Wertesystems.Unsere heutige Kommunikationswelt ver- Der Regierungsrat gibt mit dieser Strate-langt nach schwarzweissen Rezepten  – gie vor, wohin er den Kanton Bern in denaber: Unser Kanton lebt von den diffe- nächsten fünfzehn Jahren wirtschaftspo-renzierten Grautönen, gerade in der Wirt- litisch führen will: Er will die Stärken desschaftspolitik. Kantons Berns weiter entwickeln und die vorhandenen Schwächen bekämpfen. ErDer gesellschaftliche Trend geht zur Ta- will, dass der Kanton auf die nächste gros-gesaktualität  aber: wir können nicht in –  se Herausforderung, nämlich die Frage deskurzer Zeit Strukturen verändern, die sich Umgangs mit den nicht unbeschränkt zurüber viele Jahrzehnte gebildet haben. Eine Verfügung stehenden natürlichen Ressour-erfolgreiche Wirtschaftspolitik kann nicht cen vorbereitet ist. Er will, dass von dieserkurzfristig orientiert sein. Strategie alle Regionen des Kantons, alle Bernerinnen und Berner profitieren  wie – Der öffentliche Diskurs lebt von den Kli- es zum gesellschaftlichen Grundkonsensschees wie dem Vorurteil, dass der Kanton dieses Flächenkantons gehört.Bern rückständig und langsam sei – aber:Der Kanton Bern hat sich in den letzten Mit der Vorlage dieser umfassenden Stra-Jahren modernisiert und ist wirtschaftlich tegie hat der Regierungsrat den erstenbesser als sein Ruf. Schritt gemacht und in der November- session 2011 mit dem Grossen Rat einenMit der Wirtschaftsstrategie 2025 legt der konstruktiven Dialog geführt. Aufgrund die-Regierungsrat ein neues strategisches Füh- ses Dialoges werden wir die notwendigenrungsinstrument vor: Es schürft wesentlich Massnahmen entwickeln und umsetzen.tiefer als andere Wirtschaftsstrategien, die Regierungsrat Andreas Rickenbacher, Volkswirtschaftsdirektor 5
  6. 6. Wirtschaftsstrategie 20256
  7. 7. Zusammenfassung2. Zusammenfassung2.1. AllgemeinesGrundlage der Wirtschaftsstrategie 2025 Für den eiligen Leser empfiehlt es sich, ne-bildet eine eingehende Analyse der Aus- ben der Zusammenfassung die Kapitel 3gangslage. Diese befasst sich mit den bis 5 zu lesen (Seiten 11 bis 21).langfristigen Entwicklungen sowie deminternationalen und nationalen Umfeld Der Grosse Rat hat die Wirtschaftsstra-(Kapitel 6), den volkswirtschaftlichen Ei- tegie 2025 in der Novembersession zurgenheiten des Kantons Bern sowie den Kenntnis genommen und dazu Planungs-staatlichen Leistungen und Strukturen erklärungen abgegeben. Die Haltung des(Kapitel 7). Zusammen mit der Analyse Regierungsrats zu diesen Erklärungen istwurde bei den einzelnen Themen geprüft, in die vorliegende Fassung des Berichtswie weit der Kanton auf die Entwicklung eingearbeitet.Einfluss nehmen kann. Gestützt auf dieAnalyse werden ein strategisches Ziel mitGrundsätzen entwickelt (Abschnitt 3.5),und drei Strategische Handlungsachsenmit Bereichszielen bestimmt (Kapitel 5). Die Wirtschaftsstrategie auf einen Blick Strategisches Ziel se Ha gs e Str lung lun gisch Handlungsachse ach nd ate sa gis chs Strategische Ha trate ch e nd S e Grundsätze Analyse 7
  8. 8. Wirtschaftsstrategie 2025 2.2. Strategisches Ziel, Grundsätze und Handlungsachsen Die Wirtschaftsstrategie 2025 setzt sich folgendes strategisches Ziel: Bis ins Jahr 2025 steht der Kanton Bern bei allen drei Dimensionen der Nachhal- tigen Entwicklung (Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft) besser da als im Jahr 2011. Für die Dimension Wirtschaft bedeutet dies, dass der Wohlstand der Ber- nerinnen und Berner über den Schweizer Durchschnitt ansteigt und dass sich der Kanton Bern bei der Wirtschaftskraft in der Rangliste der Kantone verbessert. Die Grundsätze beschreiben das grundlegende Wertesystem der Wirtschaftsstrategie 2025: ƒƒ Die Wirtschaftsstrategie 2025 stärkt ƒƒ Die Wirtschaftsstrategie 2025 setzt auf die Nachhaltige Entwicklung. die vorhandenen Stärken. Sie ist eine Strategie für den ganzen Kanton und ƒƒ Die Wirtschaftsstrategie 2025 gibt alle Bernerinnen und Berner. Impulse für eine zukunftsfähige, dyna- mische Entwicklung der Berner Wirt- ƒƒ Die Wirtschaftsstrategie 2025 ist auf schaft. die Wirtschaftsstrategie des Bundes abgestimmt und bildet mit anderen kantonalen Strategien ein kohärentes System. Entlang von drei Strategischen Handlungsachsen werden Bereichsziele definiert. Diese drei Handlungsachsen sind: ƒƒ Der Kanton setzt auf Innovation und ƒƒ Der Kanton handelt verständlich und Schonung der natürlichen Ressourcen. bürgernah. Sein Handeln verursacht bei der Wirtschaft sowie den Bürge- ƒƒ Der Kanton setzt Anreize richtig und rinnen und Bürgern keine unnötigen baut bestehende Fehlanreize ab. Kosten. 2.3. Zusammenfassung Umfeld Die Entwicklung im Kanton Bern wird stark In den nächsten fünfzehn Jahren wird von weltweiten Entwicklungen beeinflusst. neben Globalisierung und technischem Die Globalisierung und der technische Fortschritt auch der Umgang mit den na- Fortschritt sowie die Entwicklung zur Wis- türlichen Ressourcen zu einem Megatrend sensgesellschaft prägten und prägen auch werden, der unsere Wirtschaft und Gesell- die Schweiz und den Kanton Bern. Im in- schaft tiefgreifend beeinflussen wird. Damit ternationalen Vergleich gehören sowohl die wir bei dieser Entwicklung zu den Gewin- Schweiz als auch der Kanton Bern zu den nern zählen, müssen wir die Weichen jetzt Globalisierungsgewinnern. Obwohl der richtig stellen. Kanton Bern – wie später beschrieben – im schweizerischen Vergleich Schwächen Der Kanton Bern führt mit der vorliegen- aufweist, ist er im internationalen Vergleich den Wirtschaftsstrategie seine aktive Wirt- ein sehr wettbewerbsfähiger Standort. schaftspolitik fort. Auch die Eidgenossen- schaft verfolgt eine Wachstumspolitik. Die vorliegende kantonale Strategie ist deshalb auf die entsprechenden Arbeiten des Bun-8 des abgestimmt.
  9. 9. Zusammenfassung2.4. Zusammenfassung AnalyseDer Kanton Bern hat sich in der Vergan- exportorientierte Produktions- und Dienst-genheit im Vergleich zu anderen Kantonen leistungsbetriebe im Kanton Bern eher un-weniger dynamisch entwickelt und liegt bei tervertreten. Insgesamt ist die Wirtschafts-wichtigen Kennzahlen zurück. Das Brutto- kraft des Kantons Bern eher tief. Gemesseninlandprodukt pro Kopf der Bevölkerung am Ressourcenindex 2011 (vgl. Abschnittwie auch pro Erwerbstätigem liegt unter 7.7.1) belegt der Kanton Bern Rang 16 vondem Wert der Schweiz. Dies hängt mit der 26 Kantonen.Heterogenität des Kantons zusammen:Nebst sehr dynamischen Regionen gibt Die Steuerbelastung für juristische Perso-es – vor allem geografisch bedingt – auch nen liegt im hinteren Mittelfeld, diejenige fürstrukturschwache Gebiete (vgl. Abschnitt natürliche Personen über dem schweize-7.4). Das Bevölkerungswachstum war rischen Schnitt. In den vergangenen zehndeutlich unterdurchschnittlich. Auch die Jahren schloss die Staatsrechnung desZahl der Erwerbstätigen und der Arbeits- Kantons jeweils positiv ab. Dennoch bleibtplätze nahm weniger stark zu als in der die Verschuldung im nationalen VergleichSchweiz insgesamt. Diese Entwicklung ist hoch.eine der zentralen Ursachen für die unter-durchschnittliche Dynamik. Das frei ver- Der Kanton Bern ist ein Flächenkanton mitfügbare Einkommen der Bernerinnen und entsprechend grossen Anforderungen anBerner liegt dagegen im Schweizer Durch- Infrastruktur und öffentliche Leistungen.schnitt. Die Arbeitslosigkeit ist im Kanton Das Verkehrsangebot ist gut ausgebaut.unter dem schweizerischen Mittel und die Ebenso das Bildungsangebot und die Ge-Erwerbsquote ist hoch. sundheitsversorgung.In der Branchenstruktur überdurchschnitt- Bauland ist im Kanton Bern ausreichendlich vertreten sind Information und Kom- vorhanden, aber oft an Standorten, die fürmunikation (vor allem Swisscom und Post). die wirtschaftliche Entwicklung ungünstigAufgrund der Hauptstadtfunktion liegt die sind. Einzonungen an attraktiven Standor-öffentliche Verwaltung ebenfalls deutlich ten sind verschiedentlich gescheitert.über dem schweizerischen Mittel. Bemer-kenswert ist: In keinem anderen Kanton ar- Mit der Schaffung von fünf Verwaltungs-beiten in absoluten Zahlen mehr Personen regionen und dem Aufbau der Regional-in der Industrie. konferenzen hat der Kanton Bern seine Strukturen in den letzten Jahren starkZusammen mit Wallis und Graubünden ist modernisiert. Bei den Gemeinden habenBern einer der drei grossen Tourismus- sich jedoch noch keine grossen Verände-kantone. Eine weitere wichtige Branche rungen ergeben. Die Zahl der erfolgreichenist mit rund 70’000 Arbeitsplätzen das Gemeindefusionen entspricht nicht den Er-Gesundheitswesen. Dagegen sind grosse, wartungen. 9
  10. 10. Wirtschaftsstrategie 202510
  11. 11. Zur Wirtschaftsstrategie 20253. Zur Wirtschaftsstrategie 20253.1. ErarbeitungDer Kanton Bern hat mit einem Control- den klassischen Elementen der Strategie-lingbericht die Berichterstattung zur Um- entwicklung ein grosses Gewicht beige-setzung der «wachstumsstrategie version messen:2007», der «Wachstumsstrategie 2004»und der «Strategie für eine differenzierte Die Wirtschaftsstrategie 2025 beruht aufStärkung des ländlichen Raums» abge- einer eingehenden Analyse der Ausgangs-schlossen1. Das Formulieren von strate- lage (vgl. Kapitel 6 und 7). Neben zahlrei-gischen Leitlinien für die wirtschaftliche chen bestehenden Berichten und StudienEntwicklung gehört zu den Daueraufgaben wurden die Anliegen der verschiedenendes Kantons. Aus diesem Grund wurde für Anspruchsgruppen ausgewertet (vgl. diedas Jahr 2011 die Formulierung einer neu- Auflistung im Anhang, Abschnitt 8.3). Anen Strategie in Aussicht gestellt. Mit der der Erarbeitung der Strategie haben mitvorliegenden Wirtschaftsstrategie 2025 Jean-Daniel Gerber (ab April 2011), Ru-wird dieses Versprechen eingelöst. dolf Strahm und Professor Dr. Thomas Straubhaar national und international aus-Die Wirtschaftsstrategie 2025 wurde be- gewiesene Experten mitgearbeitet2. Zuwusst unter Verzicht auf neue Studien und einzelnen Fragen haben zudem Prof. Dr.ohne kostspielige Drittaufträge erarbeitet. Gunter Stephan, Bern, und Prof. Dr. RolfIm Vergleich zu den vorangegangenen Wüstenhagen, St. Gallen, Stellung ge-Wirtschaftsstrategien des Kantons Bern nommen3 und es wurden weitere Fach-wurden neue Wege beschritten: Die Wirt- personen in der Verwaltung konsultiert.schaftsstrategie 2025 befasst sich aus- Der Entwurf der Strategie wurde auch mitschliesslich mit den langfristigen und somit Vertreterinnen und Vertretern der Wirt-strategischen Elementen. Deshalb wurde schaft diskutiert.3.2. AufbauGrundlage der Wirtschaftsstrategie 2025 bei diesen Themen geprüft, wie weit derbildet die Analyse der langfristigen Ent- Kanton auf die Entwicklung Einfluss neh-wicklungen sowie des internationalen und men kann. Gestützt auf die Analyse wer-nationalen Umfelds (Kapitel 6), der volks- den ein strategisches Ziel mit Grundsätzenwirtschaftlichen Eigenheiten des Kantons entwickelt (Kapitel 4), und drei Strategi-Bern sowie der staatlichen Leistungen und sche Handlungsachsen mit BereichszielenStrukturen (Kapitel 7). Gleichzeitig wurde bestimmt (Kapitel 5).1 RRB 0039 vom 13. Januar 20102 Jean-Daniel Gerber leitete bis Ende März 2011 das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO. Seither ist er beratend tätig. Rudolf Strahm ist Autor zahlreicher Publikationen zu den Themen Wirtschaft, Wirtschaftspolitik und Bildung. Er war von 2004 bis 2008 Eidgenössischer Preisüberwacher und vorher Nationalrat. Prof. Dr. Thomas Straubaar studierte und promovierte an der Universität Bern. Seit 2005 ist er Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsIn- stitutes (HWWI) an der Universität Hamburg.3 Prof. Dr. Gunter Stephan ist Professor für Mikroökonomie an der Universität Bern. Er ist Vizerektor Lehre der Universität Bern, Deputy Director des NCCR Climate Forschungszentrums und Mitglied des Board of Directors des Oeschger Center for Climate Change Research. Prof. Dr. Rolf Wüstenhagen ist Professor für Management Erneuerbarer Energien am Institut für Wirtschaft und Ökologie der Universität St. Gallen. 11
  12. 12. Wirtschaftsstrategie 2025 3.3. Zusammenhänge Wirtschaftspolitik ist eine Querschnitts- Optik an andere Politikfelder. Sie werden aufgabe. Zahlreiche Faktoren wie die Bil- in den entsprechenden Strategien weiter dung oder die Infrastrukturen beeinflussen zu entwickeln sein. Dabei kann vielfach auf die wirtschaftliche Entwicklung. Die Wirt- Bestehendem aufgebaut werden, wie die schaftsstrategie 2025 formuliert deshalb folgenden Beispiele zeigen: Anliegen aus der wirtschaftspolitischen ƒƒ Die Bildungsstrategie formuliert als ƒƒ Der kantonale Richtplan legt eine Zen- bildungspolitische Herausforderung: tralitätsstruktur für die wirtschaftpoliti- «Die Bildungsinstitutionen leisten einen sche Steuerung fest5. wichtigen Beitrag zur Innovationskraft der Gesellschaft und zur wirtschaftli- ƒƒ Die Gesamtmobilitätstrategie bestimmt chen Entwicklung des Kantons4.» die Grundsätze für die langfristige Aus- richtung der Mobilitätspolitik im Kanton Bern6. Im Anhang (Abschnitt 8.2) findet sich eine Abschnitt 8.2.18). Unter den zahlreichen Übersicht über die wichtigsten Berichte laufenden Massnahmen sind neben der Ar- und Strategien. beit der Wirtschaftsförderung besonders zu erwähnen das Projekt «Hauptstadtregion Die Wirtschaftsstrategie 2025 beginnt nicht Schweiz», die Abklärungen für einen Inno- bei null, der Kanton Bern ist seit langem vationspark in Biel und die Weiterentwick- wirtschaftspolitisch aktiv. Mit dem Control- lung der Marktbearbeitung im Tourismus lingbericht zur wachstumsstrategie version in Richtung eines integrierten Destinations- 20077 hat der Regierungsrat Bilanz über und Innovationsmarketings (vgl. die Zusam- die bisherigen Massnahmen gezogen (vgl. menstellung im Anhang, Abschnitt 8.1). 3.4. Nachhaltigkeitsbeurteilung Bei wichtigen strategischen Planungen positiven und negativen Wirkungen auf die und Projekten verlangt der Regierungsrat Nachhaltige Entwicklung auf. Sie dient da- des Kantons Bern eine Nachhaltigkeits- mit als Informationsgrundlage für Entschei- beurteilung8. Als Wirkungsbeurteilung ei- dungsträgerinnen und -träger. ner Strategie zeigt sie die zu erwartenden 4 Bildungsstrategie 2009, Bildungspolitische Herausforderungen S. 6 5 Richtplan des Kantons Bern, Massnahme C_01 Zentralitätsstruktur 6 RRB 1337 vom 13. August 2008 7 RRB 0039 vom 13. Januar 201012 8 RRB 1872 vom 22. Dezember 2010
  13. 13. Zur Wirtschaftsstrategie 2025Aus der Nachhaltigkeitsbeurteilung der Wirtschaftsstrategie 2025 kann folgendes Fazitgezogen werden:ƒƒ Umwelt: Die Wirtschaftsstrategie 2025 Arbeitsplätze in wertschöpfungsstar- zielt auf ein Wachstum von Wirtschaft ken Branchen im Kanton Bern. Die und Bevölkerung ab. Damit verbunden Auswirkungen sind insbesondere in sind ein grösserer Ressourcenver- den Zielbereichen Einkommen, Arbeits- brauch (Energie, Boden, Natur, Land- markt, Ressourceneffizienz, Innovation schaft) und höhere Emissionen. Diese und Know-how positiv. Längerfristig in der Tendenz negativen Auswirkun- werden ebenfalls positive Auswirkun- gen auf die Umwelt werden längerfris- gen auf den öffentlichen Haushalt bzw. tig vermindert durch die Fokussierung die Steuerbelastung erwartet. auf Cleantech-Unternehmen, eine gezielte Raumentwicklung und die ƒƒ Gesellschaft: Die Wirtschaftsstrategie Beseitigung von Fehlanreizen. 2025 hat positive Auswirkungen auf den Zielbereich Bildung. Die übrigenƒƒ Wirtschaft: Die Wirtschaftsstrategie Zielbereiche sind nicht massgeblich 2025 will mehr Unternehmen und mehr tangiert.Gesamthaft gesehen hat die Wirtschafts- Zielkonflikte der Wirtschaftsstrategie 2025strategie 2025 klar positive Auswirkungen mit der Dimension Umwelt bei der späte-auf die Wirtschaft und tendenziell positive ren Umsetzung von konkreten Massnah-Auswirkungen auf die Gesellschaft. Bei men zu berücksichtigen und so weit wieden Auswirkungen auf die Umwelt sind die möglich abzubauen.3.5. Weiteres VorgehenAls strategisches Führungsinstrument hat tung von Gesetzen oder der Behandlungdie Wirtschaftsstrategie 2025 langfristigen von Kreditgeschäften. Zudem kann er mitCharakter und greift über den überschau- parlamentarischen Vorstössen Entwicklun-baren Zeitraum einer Legislatur hinaus. Sie gen anstossen. Der Stand der Umsetzungdient der Daueraufgabe des Staates, güns- der Wirtschaftsstrategie 2025 soll regel-tige Rahmenbedingungen für ein nachhalti- mässig mit der Oberaufsichtskommissionges wirtschaftliches Wachstum zu schaffen. des Grossen Rates diskutiert werden. So kann ein kontinuierliches Controlling sicher-Der Grosse Rat hat in der Novemberses- gestellt werden.sion 2011 von der Strategie Kenntnis ge-nommen und acht Planungserklärungen Über die Entwicklung anhand der verschie-verabschiedet. Der Regierungsrat hat am denen volkswirtschaftlichen Kennzahlen14. März 2012 seine Haltung zu den Erklä- gibt der Bericht zur Wirtschaftslage Aus-rungen bestimmt und in den vorliegenden kunft. Das beco Berner Wirtschaft gibtBericht eingearbeitet. Er wird periodisch diesen Bericht alle zwei Jahre heraus9. Derfestlegen, welche Massnahmen zur Umset- Bericht bildet die Grundlage, den Standzung der Wirtschaftsstrategie 2025 an die der Umsetzung und die Wirkungen mit derHand genommen werden. Oberaufsichtskommission zu erörtern. Die Kennzahlen werden allerdings in einer offe-Über die einzelnen Massnahmen wird der nen Volkswirtschaft nur zum Teil von denGrosse Rat im Rahmen seiner Kompeten- Massnahmen dieser Wirtschaftsstrategiezen befinden, beispielsweise bei der Bera- beeinflusst.9 Aktuell Bericht zur Wirtschaftslage 2011, verfügbar unter www.be.ch/wirtschaftsdaten 13
  14. 14. Wirtschaftsstrategie 202514
  15. 15. Strategisches Ziel und Grundsätze4. Strategisches Ziel und Grundsätze4.1. Strategisches ZielBis ins Jahr 2025 steht der Kanton Bern bei allen drei Dimensionen der Nachhal-tigen Entwicklung (Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft) besser da als im Jahr201110. Für die Dimension Wirtschaft bedeutet dies, dass der Wohlstand der Ber-nerinnen und Berner über den Schweizer Durchschnitt11 ansteigt und dass sich derKanton Bern bei der Wirtschaftskraft12 in der Rangliste der Kantone verbessert.Das strategische Ziel stützt sich auf eine mit Bereichszielen konkretisiert. Dieseeingehende Analyse des Umfelds, der wurden entlang von drei strategischenvolkswirtschaftlichen Eigenheiten des Handlungsachsen entwickelt. Für alleKantons sowie der staatlichen Leistun- Handlungsachsen und Ziele bilden diegen und Strukturen. Das strategische Ziel folgenden Grundsätze ein gemeinsameswird in den einzelnen Feldern der Politik Wertesystem.4.2. Grundsätze4.2.1. Nachhaltige EntwicklungDie Wirtschaftsstrategie stärkt die Nachhaltige Entwicklung.Die Wirtschaftsstrategie ist eingebettet in flussen. Das Wirtschaftswachstum trägtdie langfristige Politik des Regierungsrates. zur Lebensqualität aller bei.Diese basiert auf der Grundmaxime derStärkung der Nachhaltigen Entwicklung13. Die wirtschaftliche Entwicklung soll aus«Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwick- ökonomischen und ökologischen Gründenlung, welche weltweit die heutigen Bedürf- mit einem deutlich sinkenden Ressour-nisse zu decken vermag, ohne für künftige cenverbrauch einhergehen. Deshalb mussGenerationen die Möglichkeit zu schmä- sich die Wirtschaft in Richtung «Cleantech»lern, ihre eigenen Bedürfnisse zu decken14». weiter entwickeln. Damit nimmt der Kan- ton Bern den Megatrend der Frage desDadurch bildet die Wirtschaftsstrategie Umgangs mit natürlichen Ressourcen auf.eine Grundlage für die Wohlfahrt künftiger Dabei können die Schweiz und der KantonGenerationen. Die Strategie will die Wirt- Bern davon profitieren, dass sie in diesemschaftsentwicklung im ganzen Kanton und Bereich über eine jahrzehntelange Erfah-für die ganze Gesellschaft positiv beein- rung verfügen.10 Messen lässt sich die Nachhaltige Entwicklung anhand der vom Cercle Indicateurs entwickelten Indikatoren.11 Der Wohlstand wird anhand des frei verfügbaren Einkommens gemessen, dem Betrag, der vom Bruttoeinkommen verbleibt, nachdem Steuern, Sozialabgaben, BVG, Krankenkasse und Wohnkosten abgezogen sind. Heute liegt der Kanton Bern im Schweizer Durchschnitt (vgl. Abschnitt 7.3.1).12 Die Wirtschaftskraft bemisst sich aufgrund des Resssourcenpotenzials. Dieses vergleicht die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit mit dem schweizerischen Durchschnitt und ist deshalb nicht konjunkturabhängig. Heute ist der Kanton Bern auf Rang 16 (vgl. Abschnitt 7.7.1).13 Grundmaxime der Richtlinien der Regierungspolitik 2011–201414 Definition gemäss dem Bericht der UNO «Unsere gemeinsame Zukunft» aus dem Jahr 1987 (Brundtland-Kommission) 15
  16. 16. Wirtschaftsstrategie 2025 4.2.2. Impulse für mehr Dynamik Die Wirtschaftsstrategie gibt Impulse für eine zukunftsfähige, dynamischere Ent- wicklung der Berner Wirtschaft. Die Analyse zeigt: Stillstand bedeutet Ressourcenverbrauch. Sie will die Export- Rückschritt. Allein mit der Bewahrung des orientierung der Berner Wirtschaft stärken. Bestehenden kann der Wohlstand für die Exportiert werden können nicht nur Güter, Zukunft nicht gesichert werden. Der Kan- sondern auch Dienstleistungen und Wissen. ton Bern muss für neue Unternehmen und neue Projekte bestehender Unternehmen Die eigenen Leistungen des Kantons sind attraktiver werden. ebenfalls den veränderten Ansprüchen anzupassen. Wie die Wirtschaft nutzt der Die Wirtschaftsstrategie 2025 setzt ei- Kanton künftig zeitgemässe Führungsin- nen Schwerpunkt bei dynamischen, zu- strumente und den technologischen Fort- kunftsträchtigen Branchen mit einer hohen schritt, um die von der Gesellschaft verlang- Wertschöpfung und möglichst geringem ten Leistungen kostengünstig zu erbringen. 4.2.3. Auf Stärken setzen Die Wirtschaftsstrategie 2025 setzt auf die vorhandenen Stärken. Sie ist eine Strategie für den ganzen Kanton und alle Bernerinnen und Berner. Die Wirtschaftsstrategie 2025 nutzt die und Umwelttechnologie sowie der Tou- vorhandenen Stärken des Kantons und rismus. Bei den Dienstleistungen sind entwickelt diese weiter. Je nach Stärken Bundesverwaltung sowie Verbände und der einzelnen Regionen sind differenzierte Nichtregierungsorganisationen (NGO) von Massnahmen nötig. Gemeinsamer Nenner grosser Bedeutung, wie auch die Firmen ist die Stärkung der Wirtschaftskraft. Direkt des Consulting Clusters. oder indirekt profitieren daher alle Berne- rinnen und Berner von den auf Basis der Zu den Stärken des Kantons gehören mit dem Parlament abgeschlossenen Stra- die tiefe Arbeitslosigkeit und die hohe tegie zu entwickelnden Massnahmen. Erwerbsquote. Die Wirtschaftsstrategie 2025 trägt zur Schaffung und zum länger- Für die räumliche Ausrichtung von Mass- fristigen Erhalt von Arbeitsplätzen bei. nahmen ist der kantonale Richtplan mass- gebend. Dieser legt in der Zentralitätsstruk- Die Wirtschaft des Kantons Bern ist wie tur die räumlichen Schwerpunkte fest15. die Schweizer Unternehmenslandschaft klein strukturiert (vgl. Abschnitt 7.3.2). Mit Wichtige Branchen im Fokus der Wirt- der Wirtschaftsstrategie setzt sich der Re- schaftsstrategie 2025 sind die Informa- gierungsrat dafür ein, die Rahmenbedin- tions- und Kommunikationstechnologie, gungen für alle Betriebe zu verbessern16. die Präzisionsindustrie, Medizinaltechnik 1516 15 Punkt 4 der Planungserklärung der BDP: Die Agglomerationen Burgdorf und Langenthal sind in die strategischen Überlegungen einzubeziehen. Diese sind für die wirtschaftspolitische Steuerung Teil der Zentralitätsstruktur ge- mäss Richtplan. 16 Punkt 2 der Planungserklärung der BDP: Es sind strategische Aussagen über die Zukunft und die Förderung der Gewerbebetriebe und KMU zu machen. Punkt 1 der Planungserklärung der SVP: Der Regierungsrat setzt sich dafür ein, dass sämtliche Branchen inklusive der Landwirtschaft mit deren vor- und nachgelagerten Betrieben wirtschaftlich gestärkt werden und ihre Wert-16 schöpfung steigern können.
  17. 17. Strategisches Ziel und Grundsätze4.2.4. Kohärentes SystemDie Wirtschaftsstrategie des Kantons ist auf die Wirtschaftsstrategie des Bundesabgestimmt und bildet mit anderen kantonalen Strategien ein kohärentes System.Der Kanton Bern hat in den letzten Jahren entwickeln soll. Sie beeinflussen sich ge-in verschiedenen Bereichen Strategien ent- genseitig, weshalb in der Entwicklung undwickelt oder erneuert (vgl. die Zusammen- Umsetzung der verschiedenen Strategienstellung in Abschnitt 8.2). Diese Strategien immer wieder ein Abgleich erfolgen mussgeben zusammen vor, wie sich der Kanton (Regelkreis). 17
  18. 18. Wirtschaftsstrategie 202518
  19. 19. Strategische Handlungsachsen5. Strategische HandlungsachsenDie Wirtschaftsstrategie 2025 setzt bei Die drei Strategischen Handlungsachsendenjenigen Faktoren an, die einen starken beinhalten jeweils verschiedene Bereichs-Einfluss auf die Wirtschaftskraft haben und ziele. Diese konkretisieren das strategischedie vom Kanton Bern effektiv beeinflusst Ziel in den einzelnen Feldern der Politik.werden können.5.1. Innovation und Schonung der RessourcenDer Kanton setzt auf Innovation und auf Schonung der natürlichen Ressourcen.Die wirtschaftliche Entwicklung im Kanton Die Schweiz verbraucht doppelt so vieleBern beruht darauf, dass die Unterneh- Ressourcen wie noch vor fünfzig Jahren.men national und international konkur- Die weltweite Entwicklung verschärft dierenzfähig sind. Dazu benötigen sie gute Ressourcenknappheit zusätzlich. NichtRahmenbedingungen, unter anderem ei- erneuerbare Ressourcen gehen aufgrundnen ausgebauten und gut funktionieren- der ständig steigenden Nachfrage zuden Wissenstransfer. Zusammen mit der Ende und einige erneuerbare Ressour-Innovationsförderung ermöglicht er es, die cen werden schneller verbraucht als sieErkenntnisse der Forschung rasch in die sich erneuern. Deshalb muss die wirt-Berner Wirtschaft umzusetzen. schaftliche Entwicklung die vorhandenen Ressourcen schonend einsetzen. DerEine wichtige Rahmenbedingung sind gut wichtigste Ansatz dazu wird unter demqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbei- Begriff «Cleantech18» zusammengefasst.ter. Deshalb ist die Aus- und Weiterbildung Die Entwicklung in Richtung Cleantechmit den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts erfordert die Verbreitung von Umweltwis-abzustimmen. Die Vereinbarkeit von Beruf sen und eine entsprechende Ausbildungund Familie ist weiter zu fördern, damit das der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.erworbene Wissen im Interesse der Ge- Weniger Ressourcenverbrauch bedeu-sellschaft dauerhaft genutzt werden kann. tet – nicht nur im Kontext von CleantechDazu braucht es verstärkt die Möglichkeit – auch sparsamer Energieverbrauch undvon Teilzeitstellen (auch in Führungspositi- haushälterischer Umgang mit dem Boden.onen) und ein gut ausgebautes Kinderbe- Damit ist das Prinzip «Cleantech» für alletreuungsangebot. Dieses kann nicht nur drei Dimensionen der Nachhaltigen Ent-von der öffentlichen Hand, sondern auch wicklung (Gesellschaft, Umwelt und Wirt-von privaten Einrichtungen bereitgestellt schaft) von grosser Bedeutung.werden17. Der Kanton stellt den Unterneh-men im Portal zur Vereinbarkeit von Berufund Familie Informationen zur Verfügung.Bereichszieleƒƒ Die Unternehmen im Kanton Bern nutzen die Chancen von Cleantech und set- zen auf Energieeffizienz.ƒƒ Die Branchenstruktur entwickelt sich verstärkt in Richtung wertschöpfungsstar- ker Branchen, vor allem in den nach wirtschaftspolitischen Kriterien definierten Clustern.ƒƒ Im Kanton Bern werden die Erkenntnisse der Forschung rasch in die Praxis umgesetzt.ƒƒ Die Ausbildung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist aktuell und auf die Bedürfnisse der Wirtschaft und des Arbeitsmarkts abgestimmt.17 Punkt 5 der Planungserklärung der BDP: Der Kanton soll Grundlagen und Anreize zur Förderung privater Einrich- tungen zur besseren Vereinbarung von Beruf und Familie schaffen.18 Vgl. Abschnitt 6.1.2 19
  20. 20. Wirtschaftsstrategie 2025 5.2. Anreize richtig setzen Der Kanton setzt Anreize richtig und baut bestehende Fehlanreize ab. Die wirtschaftliche Entwicklung lässt sich Das schweizerische Steuersystem stellt positiv beeinflussen, wenn die Anreize rich- auf den Wohnsitz ab. Dies wird der heu- tig gesetzt werden. Zu den zentralen Staats- tigen Wirklichkeit mit dem grossen Anteil aufgaben gehört es zudem, die nötigen an Pendlerinnen und Pendlern nicht mehr Infrastrukturen bereit zu stellen. In der Infor- gerecht. Den zentralen Arbeitsorten feh- mations- und Kommunikationsgesellschaft len dadurch Mittel, die sie für die Erfüllung werden die entsprechenden Mittel gegen- ihrer Zentrumsaufgaben benötigen. Mit über Bauwerken an Bedeutung gewinnen. einer Anpassung des Steuersystems auf Bundesebene können komplizierte Aus- Bei den staatlichen Strukturen und Leistun- gleichsmechanismen vereinfacht werden. gen sowie bei der Raumentwicklung sind Aufgrund von Punkt 6 der Planungserklä- die kleinräumigen Strukturen des Kantons rung der BDP wird auf eine Weiterbearbei- einerseits ein Kostenfaktor. Anderseits be- tung des Themas verzichtet19. steht die Gefahr, dass die gemeinsamen, übergeordneten Interessen gegenüber Der Kanton Bern befindet sich mit den den Einzelinteressen zu kurz kommen. Die anderen Kantonen der Schweiz in einem Rolle des Kantons ist deshalb von einer ko- intensiven Steuerwettbewerb. Als grosser ordinierenden zu einer gestaltenden Rolle Flächenkanton mit einem um-fassenden weiter zu entwickeln. Der Kanton wird da- Angebot in der Gesundheitsversorgung, rauf achten, dass die Vorteile von klein- der Infrastruktur und der Bildung hat der räumigen Strukturen, wie die Bürgernähe, Kanton Bern einen schweren Stand gegen- nicht verloren gehen. über kleinen Kantonen, die diese Leistun- gen nicht selber anbieten müssen. In den Eine der folgenreichsten Schwächen des vergangenen Jahren hat der Kanton insbe- Kantons ist die stark unterdurchschnitt- sondere seine gute Position im Bereich der liche Bevölkerungsentwicklung. Damit Steuern für juristische Personen aufgrund mehr Leute im Kanton Bern wohnen, müs- von Steuersenkungen anderer Kantone sen genügend Wohnraum und Arbeits- verloren. Zudem will er sich den nötigen möglichkeiten vorhanden sein. Zusätzliche finanzpolitischen Handlungsspielraum er- Arbeitsplätze sind für die Stärkung der arbeiten, um auch die Steuerbelastung der Wirtschaftskraft unverzichtbar. Mit Umnut- natürlichen Personen zu senken. Diese ist zungen und verdichtetem Bauen an zent- ein wichtiges Element für die Attraktivität ralen Lagen ist dabei sicherzustellen, dass eines Wirtschaftsstandorts und beeinflusst der Boden haushälterisch genutzt wird. die Zuwanderung. Dagegen erachtet er es Zusätzlich gilt es, für die ansässige Wohn- als nicht realistisch, die Belastung unter bevölkerung gute Arbeitsmöglichkeiten zu das schweizerische Mittel zu senken. Des- bieten, unter anderem durch die Förderung halb lehnt er die Umsetzung der entspre- der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. chenden Planungserklärung ab20. 1920 19 Punkt 6 der Planungserklärung der BDP: Auf die Ausdehnung des steuerlichen Ausgleichs zwischen Arbeits- und Wohngemeinden ist zu verzichten. 20 Punkt 7 der Planungserklärung der BDP: Der Kanton Bern verbessert sich im Bezug auf die Höhe der öffentlichen20 Abgaben unter das schweizerische Mittel.
  21. 21. Strategische HandlungsachsenBereichszieleƒƒ Der Kanton übernimmt bei der Raumplanung eine weiter reichende Verantwor- tung als heute.ƒƒ Der Kanton schafft die räumlichen Voraussetzungen für eine Arbeitsplatz- und Bevölkerungsentwicklung im Schweizer Durchschnitt.ƒƒ Die Gemeinden Bern, Biel und Thun umfassen ihr ganzes Kerngebiet.ƒƒ Im interkantonalen Steuerwettbewerb verbessert sich der Kanton Bern in der Rangliste der Kantone21.ƒƒ Der Kanton Bern verfügt über für die Wirtschaft attraktive Infrastrukturen und nutzt die Möglichkeiten der Informationstechnologie.ƒƒ Die Wirtschaft stellt Arbeitsplätze zur Verfügung, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen. Der Kanton schafft die dazu erforderlichen Rahmenbe- dingungen.5.3. Verständlich und bürgernah handelnDer Kanton handelt lösungsorientiert, verständlich und bürgernah. Sein Handelnverursacht bei der Wirtschaft sowie den Bürgerinnen und Bürgern ein Minimuman Kosten.Der Kanton vollzieht seine Vorschriften und das Image eines Standorts von grosser Be-das Bundesrecht mit Augenmass. Dafür deutung. Dieses lässt sich nicht durch eineist zentral, dass in der täglichen Arbeit der aufgesetzte Kommunikation verbessern,Blick für die übergeordneten Zusammen- sondern nur durch Leistungen, die von denhänge nicht verloren geht. Der Kanton führt Bürgerinnen und Bürgern verstanden undund schult seine Mitarbeitenden, damit ihr akzeptiert werden. Dazu gehören der Ein-Handeln als lösungsorientiert und part- satz moderner Kommunikationsmittel undnerschaftlich wahrgenommen wird. Dazu kurze Fristen. Der Art und Weise der Kom-gehört, die Anliegen der Unternehmen so- munikation kommt ebenfalls eine grossewie der Bürgerinnen und Bürger ernst zu Bedeutung zu. Es ist zentral, nicht zuletztnehmen und im Rahmen der gesetzlichen angesichts der knappen Kantonsfinanzen,Vorgaben nach Lösungen und nicht nach dass der Kanton Bern seine LeistungenStolpersteinen zu suchen. In einer Wis- effizient erbringt, beispielsweise durch densens- und Kommunikationsgesellschaft ist Einsatz von e-Governement.Bereichszieleƒƒ Der Kanton Bern wird als moderner und attraktiver Wirtschaftsstandort wahrge- nommen.ƒƒ Der Kanton Bern strebt Lösungen für die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger an. Vorschriften werden zielorientiert umgesetzt und sind kein Selbstzweck.ƒƒ Die Dienstleistungen des Kantons werden bürgernah, rasch und preisgünstig erbracht.2121 Der Grosse Rat lehnte es ab, die Verbesserung im Internationalen Steuerwettbewerb auf die Unternehmenssteuern zu fokussieren: Punkt 2 der Planungserklärung der vorberatenden Kommission: Im interkantonalen Steuerwettbewerb verbessert sich der Kanton Bern in der Rangliste der Kantone in allen Bereichen und nicht nur bei den Unternehmenssteuern. Punkt 3 der Planungserklärung der SVP: Im interkantonalen Steuerwettbewerb verbessert sich der Kanton Bern in der Rangliste der Kantone. 21
  22. 22. Wirtschaftsstrategie 202522
  23. 23. Umfeld6. UmfeldDie wirtschaftliche Entwicklung des Kan- Auf kantonaler Ebene ist die Wirtschafts-tons Bern wird zu einem grossen Teil von strategie 2025 mit den Richtlinien derlängerfristigen, weltweiten Entwicklungen Regierungspolitik 2011 bis 201422 undin Wirtschaft und Gesellschaft geprägt. Auf anderen Strategien abzustimmen, bei-diese Entwicklungen kann eine kantonale spielsweise in der Bildung oder der Raum-Wirtschaftsstrategie keinen Einfluss neh- planung (eine Zusammenfassung befindetmen. Innenpolitisch fallen viele wirtschafts- sich im Anhang 9.2).politische Entscheide zudem auf Bundes-ebene. Von der längerfristig angelegten Wirt- schaftspolitik sind kurzfristige, operativeDie kantonale Wirtschaftsstrategie hat des- Massnahmen zu unterscheiden, die auf-halb den nationalen und globalen Rahmen- grund der konjunkturellen Entwicklung nö-bedingungen Rechnung zu tragen. Sie ist tig werden.auf die Wirtschaftspolitik des Bundes ab-zustimmen (zu den Handlungsfeldern von Im Folgenden werden zuerst die län-Bund und Kantonen vgl. Abschnitt 7.2). gerfristigen Entwicklungen dargestelltDie Frage steht im Vordergrund: Was kann (Abschnitt 6.1), anschliessend die Wirt-und soll mit der kantonalen Wirtschaftspo- schaftspolitik des Bundes und der Kan-litik bewirkt werden? tone (Abschnitt 6.2).Wir wollen aktiv das beeinflussen, was inunserem Einflussbereich liegt und die Wirt-schaftskraft des Kantons effektiv stärkt.6.1. Längerfristige weltweite Entwicklung6.1.1. GlobalisierungDie Entwicklung der Transportmöglichkei- gleichzeitig Beschäftigungsmöglichkeitenten und der Kommunikation führten in den über die Landesgrenzen hinweg. Neue,letzten Jahrzehnten zu einer beschleu- starke Wirtschaftsmächte wie China, In-nigten Globalisierung nicht nur der Wirt- dien, Russland oder Brasilien sind Kon-schaft, sondern in beschränkterem Aus- kurrenten im Standortwettbewerb, gleich-mass auch der Politik. Seit dem zweiten zeitig aber auch grosse Märkte für GüterWeltkrieg wurden weltweit Schranken des und Dienstleistungen. Sie ergänzen dieWaren- und Personenverkehrs abgebaut. bedeutenden Wirtschaftsbeziehungen derDer technologische Fortschritt hat die Ge- Schweiz zu den Nachbarländern in derschwindigkeit erhöht und die Kosten des Europäischen Union.Verkehrs gesenkt. Daraus entstandenneue Möglichkeiten, durch Verlagerungen Nationale Regulierungen und damit dievon Produktion sowie durch Dienstleistun- nationale Politik werden zunehmendgen von unterschiedlichen Lohnniveaus durch internationale Entwicklungen be-und Kosten zu profitieren. einflusst (zur aussenwirtschaftspolitischen Agenda des Bundes vgl. Abschnitt 6.2.1).Wissen und Kompetenzen werden welt- Die Schweiz und mit ihr der Kanton Bernweit verfügbar. Wertschöpfungsketten der ist eine kleine, offene Volkswirtschaft. IhreWirtschaft umspannen die ganze Welt, wirtschaftliche Entwicklung ist eng mitUnternehmen sind international präsent, dem Weltmarkt verflochten. Die Konjunk-Dienstleistungen werden international an- tur in wichtigen Absatzmärkten beeinflusstgeboten, nationale Arbeitsmärkte stehen deshalb unmittelbar die Wirtschaft im Kan-in internationaler Konkurrenz und bieten ton Bern.22 Grundmaxime: Die Politik des Regierungsrates orientiert sich in allen Bereichen an den Grundsätzen der Nachhal- tigen Entwicklung. Schwerpunkt Wirtschaft: Der Kanton Bern bietet der Wirtschaft attraktive Rahmenbedingungen und fördert Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. 23
  24. 24. Wirtschaftsstrategie 2025 6.1.2. Ressourcenknappheit Die steigende Belastung der Umwelt, die Ressourcen aufgrund der ständig stei- Verknappung der natürlichen Ressourcen genden Nachfrage mittel- bis langfristig und der Klimawandel fordern ein grund- zu Ende gehen und ein Teil der erneuer- sätzliches Umdenken in der wirtschaftli- baren Ressourcen schneller verbraucht chen Entwicklung. Raum, Luft, Wasser, wird, als er sich erneuert. Ressourcen- Rohstoffe und Energie stehen nicht unbe- knappheit führt zu höheren Preisen, die schränkt zur Verfügung. kurzfristig die wirtschaftliche Entwicklung eher hemmen. Längerfristig eröffnen sich Die weltweite Entwicklung führt zu Res- aber neue Chancen und Entwicklungs- sourcenknappheit, weil nicht erneuerbare möglichkeiten. 6.1.3. Technologischer Fortschritt Der technologische Fortschritt führt zu Produktionsprozessen zu steigern. Damit neuartigen Produkten und Dienstleistun- sich die Investitionen in Forschung und gen. Er ermöglicht es, bei gleich bleiben- Entwicklung lohnen, muss der Erfolg des dem oder tieferem Ressourceneinsatz die technologischen Vorsprungs durch geeig- Quantität und Qualität von Produkten und nete Regulierungen geschützt werden. 6.1.4. Wissensgesellschaft Erzeugung, Nutzung und Organisation Standardisierte Güter können in Ländern von Wissen sind zentrale Quellen von mit einem tiefen Preisniveau kostengüns- Produktivität und Wachstum. Für zahlrei- tiger produziert werden. In entwickelten che Unternehmen bildet die Nutzung oder Volkswirtschaften sind deshalb Bildung Generierung von Wissen die Grundlage sowie Forschung und Entwicklung zentral, für ihre Dienstleistung. Die Erarbeitung weil diese Volkswirtschaften nur dank In- von Grundkompetenzen, die Weiterent- novationen konkurrenzfähig bleiben. Dies wicklung von Fähigkeiten und die lebens- trifft für die Schweiz als rohstoffarmem lange Lernbereitschaft der Bevölkerung Land in besonderem Masse zu. sind wesentliche Einflussfaktoren für eine erfolgreiche Ausrichtung auf die Wissens- Ein weiterer Faktor ist die rasche Weiter- gesellschaft. Immer wichtiger wird dabei entwicklung des Wissens. Aufgrund des das Management von Wissen. Altes und technologischen Fortschritts veraltet ein neues Wissen muss bewahrt und den grosser Teil des Wissens in unserer heu- richtigen Stellen zur richtigen Zeit zur Ver- tigen Gesellschaft sehr rasch. Deshalb ist fügung stehen. eine permanente Aus- und Weiterbildung ein zentraler Erfolgsfaktor.24
  25. 25. Umfeld6.1.5. Demographische EntwicklungDie demographische Entwicklung der In- Prognosen sind in diesem Bereich schwie-dustrieländer zeigt seit 1960 einen Rück- rig: Die Bevölkerungszahlen sind in dengang der Geburtenzahlen. Die industria- letzten Jahren sowohl in der Schweiz alslisierten Gesellschaften sind zunehmend auch im Kanton Bern stärker gestiegenüberaltert, der Anteil der aktiven Bevölke- als Anfang des Jahrtausends erwartet23.rung geht daher zurück. Diese Entwicklung Die Zunahme basiert hauptsächlich auftrifft auch auf die Schweiz und den Kanton der Zuwanderung von Arbeitskräften –Bern zu. Der demografische Wandel hat nicht zuletzt aufgrund der Einführung destiefgreifende Auswirkungen auf die Wirt- freien Personenverkehrs mit der Europäi-schaft und den Arbeitsmarkt, aber auch schen Union. Der freie Personenverkehrauf das Bildungssystem, die Gesundheits- hat in dieser von Hochkonjunktur gepräg-versorgung und die Sozialversicherungen. ten Phase vor allem zur Einwanderung gut qualifizierter Personen geführt.6.1.6. WertewandelNicht nur die Bevölkerungszahl und die Al- und Konflikten übernehmen. Erschwerendtersstruktur ändern sich, sondern auch die kommt dazu, dass die Finanzierung diesergrundlegenden Werte der Gesellschaft. neuen staatlichen Aufgaben politisch häu- fig in Frage gestellt wird.Die heutige Gesellschaft ist durch einezunehmende Individualisierung geprägt. Der Wertewandel wirkt sich auch auf dieFamilienstrukturen und Versorgungszu- Wahl der Ausbildung und die beruflichensammenhänge haben an Bedeutung ver- Karriere aus. Die unterschiedlichen Wer-loren. Traditionelle Sicherheiten im Hin- te und Erwartungen erschweren es, dieblick auf Handlungswissen, Glauben und Nachfrage nach Ausbildungen und Karrie-leitende Normen sind verloren gegangen. ren in eine bestimmte Richtung zu lenken.Heute stehen verschiedene Wertesystemegleichwertig nebeneinander. Einen Kon- Der Wertewandel führt weiterhin dazu, dasssens über nötige Massnahmen zu errei- die Möglichkeiten und die Bereitschaft fürchen wird deshalb schwieriger. Gleichzeitig gemeinnützige Arbeiten abnehmen. Untersoll der Staat in vielen Bereichen die Ver- anderem wird es dadurch in vielen Ge-antwortung für die Lösung von Problemen meinden schwierig, Ämter zu besetzen.23 Bundesamt für Statistik (BFS): Aktualisierung der Bevölkerungsszenarien 2005 nach Kantonen. Neuenburg, April 2008. Statistikkonferenz des Kantons Bern: Regionalisierte Bevölkerungsprojektionen für den Kanton Bern bis zum Jahr 2030 (Ausgabe 2008). Bern, Dezember 2008. 25
  26. 26. Wirtschaftsstrategie 2025 6.2. Wirtschaftspolitik des Bundes und der Kantone 6.2.1. Wirtschaftspolitik des Bundes Die Schweiz gilt mit ihrem international immer mehr ausserhalb des staatlichen hervorragenden Leistungsausweis als eine Einflusses agierenden Unternehmen mit der leistungsfähigsten Volkswirtschaften, berücksichtigen. sowohl bezüglich Produktivität als auch bezüglich Innovationsfähigkeit. Die Ar- Die Wirtschafts- bzw. Wachstumspolitik beitsproduktivität entwickelt sich aber un- für die Schweiz24 umfasst Massnahmen, terdurchschnittlich. Andere Länder holen welche der Bundesrat in eigener Verant- in Bereichen auf, die traditionelle Stärken wortung dem Parlament vorlegen kann der Schweiz ausmachen. Deshalb hat eine («Agenda des Bundes»), die internatio- langfristig ausgerichtete Wachstumspolitik nalen Verhandlungen im Wirtschaftsbe- weiterhin eine hohe Bedeutung. Wenn es reich («Aussenwirtschaftpolitische Agen- um die Sicherung der globalen Wettbe- da»), sowie die kantonalen Massnahmen werbsfähigkeit geht, muss die staatliche («Agenda der Kantone»). Wirtschaftpolitik zudem die Strategien der Die «Agenda des Bundes» verfolgt drei Stossrichtungen: ƒƒ Hohes Kostenniveau senken: Mass- des Fiskalklimas und zur Schaffung nahmen, die darauf abzielen, den eines unternehmensfreundlichen Wettbewerb im Binnenmarkt zu stär- Rechtsrahmens. ken, u.a. durch vermehrte Importkon- kurrenz. ƒƒ Lohnende Erwerbsbeteiligung gewähr- leisten: Massnahmen, dank denen das ƒƒ Unternehmensstandort aufwerten: nationale und internationale Arbeits- Massnahmen zur Sicherung des kräftepotential genutzt werden kann Marktzugangs im Ausland, zu einem und mit denen die individuellen beruf- guten Preis-/Leistungsverhältnis bei lichen Fähigkeiten, das Humankapital, den Infrastrukturen, zur Verbesserung gefördert werden. In den Bereichen Bildung, Forschung und der Weiterentwicklung des Freihandels Innovation legt der Bundesrat die strate- (Doha Runde). gischen Ziele in der entsprechenden Bot- schaft an das Parlament fest. Sie ergänzen Im Hinblick auf die weitere Entwicklung die drei Stossrichtungen der Agenda des hat der Bund den Bericht «Perspektiven Bundes. 2025»25 erarbeitet, den der Bundesrat am 7. April 2011 zur Kenntnis genommen hat. Mit der aussenwirtschaftspolitischen Agenda will der Bund der Schweizer Der Bund erarbeitet zurzeit einen Master- Wirtschaft den Marktzugang im Aus- plan Cleantech Schweiz26. Cleantech ist ein land garantieren. Dazu will er einerseits Ansatz, der es der Schweiz ermöglicht, ihre das Netz von Freihandelsabkommen mit Wirtschaft zu erneuern und den Verbrauch Partnern ausserhalb der EU ausbauen. natürlicher Ressourcen deutlich zu ver- Anderseits beteiligt er sich im Rahmen mindern. Cleantech ist der Oberbegriff für der World Trade Organisation (WTO) an alle Technologien, Industrien und Dienst- 24 Quelle: Der Bundesrat: Wachstumspolitik 2008–2011: Massnahmen zur weiteren Stärkung des Schweizer Wirt- schaftswachstums. Bericht in Erfüllung der Motion 01.3089: «Wachstumspolitik. Sieben Massnahmen«. Bern, 2008. 25 Perspektivstab der Bundesverwaltung: Perspektiven 2025: Lage- und Umfeldanalyse sowie Herausforderungen für die Bundespolitik. Bern, 2011. 26 Masterplan Cleantech Schweiz; Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement EVD und Eidgenössisches Depar-26 tement für Umwelt, Verkehr und Kommunikation UVEK, Bern, Oktober 2010
  27. 27. Umfeldleistungen, die zu einem schonenderen Generationen intakte und gut funktio-und effizienteren Einsatz der natürlichen nierende Lebens- und WirtschaftsräumeRessourcen beitragen. Cleantech umfasst hinterlassen werden können und bildetsämtliche Glieder der Wertschöpfungsket- die politische Grundlage für eine besserte, von der Forschung und Entwicklung koordinierte, nachhaltige Raumentwick-über die Produktion bis zum Verkauf und lungspolitik. Nach Abschluss der Konsul-Export von Gütern. Dabei steht nicht die tation Ende Juni 2011 wird das Raum-Frage «was wird produziert?» sondern konzept aufgrund der eingegangenen«wie wird produziert?» im Vordergrund. Ein Stellungnahmen angepasst. Anschlies-schonender Umgang mit Ressourcen wird send soll es von den Partnern aller dreikünftig nicht nur ökologisch sondern auch Staatsebenen politisch verabschiedetökonomisch von grösster Bedeutung sein. werden.Das Raumkonzept Schweiz27 enthält Aber auch die Kantone sind bei einer akti-Strategien zur zukünftigen räumlichen ven Wirtschaftspolitik gefordert.Entwicklung. Es zeigt auf, wie künftigen6.2.2. Wirtschaftspolitik der KantoneDie kantonale Wirtschaftspolitik («Agenda Neben dem Kanton Bern haben 18 weitereder Kantone») ergänzt die Massnahmen Kantone in den vergangenen Jahren ihredes Bundes. Im Zentrum steht die Ver- wirtschaftspolitischen Strategien als Teilbesserung der Rahmenbedingungen, um der Legislaturziele oder als eigenständigedie regionale Wirtschaft zu stärken und Berichte erarbeitet. Die Kantone setzen mitdas Wachstum zu erhöhen. Wichtig sind jeweils individuellen Prioritäten bei den Ver-Massnahmen zur Innovationsförderung, kehrsinfrastrukturen, bei der Bildung undBildungs- und Forschungs- sowie Steuer- Innovation sowie bei der Raumplanungpolitik. an. Massnahmen umfassen auch Steuern, Standortpromotion, Dienstleistungsori- entierung der Verwaltung sowie effiziente Verfahren und Vorschriften.27 Raumkonzept Schweiz (Entwurf); Schweizerische Eidgenossenschaft, Konferenz der Kantonsregierungen, Schwei- zerische Bau-, Planungs- und Umweltdirektoren-Konferenz, Schweizerischer Städteverband, Schweizerischer Gemeindeverband, Bern, Januar 2011 27
  28. 28. Wirtschaftsstrategie 202528
  29. 29. Analyse7. Analyse7.1. Volkswirtschaftliche ZusammenhängeGrundlage jeder Volkswirtschaft bilden die men (Quantität). Diese werden vor allemklassischen Produktionsfaktoren Boden, dadurch beeinflusst, welches Angebot anArbeit und Kapital. In entwickelten Volks- Wohnraum und Arbeitsflächen vorhandenwirtschaften sind diese Faktoren weiter ist. Über die Instrumente der Raumentwick-ausdifferenziert. Neben dem verfügbaren lung kann die Quantität beeinflusst werden.Boden beeinflussen raumplanerische und Ohne Angebot an zusätzlichem Wohnraumbaurechtliche Vorschriften (z.B. Zonen- kann zum Beispiel nicht erwartet werden,pläne, Ausnützungsziffern) das Angebot dass die Bevölkerungszahl zunimmt.an Wohn- und Arbeitsflächen. Der FaktorArbeit bestimmt sich nicht nur anhand der Andererseits ist die Wirtschaftskraft von dergeleisteten Arbeitsstunden, sondern auch Qualifikation der Beschäftigten und demanhand der Ausbildung und der Qualifika- Know-how (Technologie) der Unterneh-tion der Erwerbstätigen (Wissen bzw. «Hu- men abhängig (Qualität). Eine gute Bildungmankapital»). Beim Kapital unterscheidet führt zu höher qualifizierten Arbeitskräften.sich das Finanzkapital (Geld, Kredite) vom Dadurch werden Innovationen möglich undRealkapital (z.B. Verkehrs- und Energiein- die Produktivität kann gesteigert werden,frastrukturen). Zudem wird auch das Re- die Wertschöpfung steigt an. Ändert sichalkapital «Natur» zunehmend als zentraler die Branchenstruktur hin zu wertschöp-und limitierender Produktionsfaktor aner- fungsstarken Unternehmen, steigt die Wirt-kannt28. schaftskraft ebenfalls an.Die Wirtschaftskraft ist die zentrale Grös- Der Kanton selber trägt ebenfalls zur Wirt-se für die Beurteilung einer Volkswirtschaft. schaftskraft bei: Er ist ein wichtiger Arbeit-Sie steht deshalb im Zentrum der Wirt- geber und ein wichtiger Auftraggeber mitschaftsstrategie 2025. Allerdings lässt sich seinen Investitionen im Infrastrukturbereich.die Wirtschaftskraft nicht direkt steuern,sondern nur über einen längeren Zeitraum Unternehmen bzw. Arbeitsplätze und Be-entwickeln, indem auf Grössen Einfluss völkerungszahl sind voneinander abhängig.genommen wird, die ihrerseits die Wirt- Grundsätzlich steigt die Wirtschaftskraftschaftskraft beeinflussen. bei steigender Bevölkerungszahl nur, wenn auch zusätzliche Arbeitsplätze geschaffenDie Wirtschaftskraft ist einerseits abhän- werden. In der Wirklichkeit wird der Zusam-gig von der Bevölkerungszahl, den Ar- menhang durch Pendlerbewegungen überbeitskräften und der Anzahl Unterneh- die Kantonsgrenzen hinaus abgeschwächt.28 Siehe zum Beispiel das Kapitalstockmodell, wie es bei der Weltbank von einer Gruppe um Ismail Serageldin entwickelt wurde (Mauch Consulting AG, Infras, Basler und Partner AG, Zürich April 2001: Politik der nachhaltigen Entwicklung in der Schweiz: Standortbestimmung und Perspektiven, S. 65 ff.). 29
  30. 30. Wirtschaftsstrategie 2025 Die Entwicklung eines Wirtschaftsstandorts wird von weiteren Standortfaktoren be- einflusst: ƒƒ Für einen Standort sind gute Infra- ƒƒ Das Thema Sicherheit umfasst die strukturen nötig, beispielsweise für öffentliche Sicherheit, ein zuverlässi- den Verkehr, die Energieversorgung ges Rechtssystem sowie die soziale oder die Kommunikation. Auf dem Sicherheit. Im internationalen Stand- Schienen- und Strassennetz müssen ortwettbewerb ist Sicherheit bzw. die für die Wirtschaft und die Bevölkerung Stabilität eines Landes ein wichtiger ausreichend Kapazitäten zur Verfü- Faktor. Innerhalb der Schweiz sind die gung stehen. Unterschiede gering. Viele Elemente sind in der Zuständigkeit des Bundes. ƒƒ Nicht nur die Bildung, sondern auch Die Gewährung der öffentlichen Si- die Forschung und der Wissenstrans- cherheit gehört hingegen zu den kan- fer tragen zur Qualität von Unterneh- tonalen Aufgaben. Vor allem in grossen men und Arbeitsplätzen und damit zur Kantonen steigen die Anforderungen Wertschöpfung bei. an die Polizei, weil nicht mehr tolerier- bare Gefährdungen der öffentlichen ƒƒ Die Branchenstruktur beeinflusst Sicherheit zunehmen. einerseits direkt die Wirtschaftskraft. Anderseits ist sie auch ein Element der ƒƒ Die Steuern sind Grundlage der Attraktivität eines Standorts. Gibt es öffentlichen Finanzen, die wiederum bereits viele Unternehmen einer be- das Angebot der staatlichen Leistun- stimmten Branche, kann dies weitere gen bestimmen. Gleichzeitig sind die Unternehmen anziehen (Cluster). Steuern ein Standortfaktor, der in die Entscheide von Unternehmen und ƒƒ Effiziente und bürgerfreundliche Privatpersonen einfliesst, wo sie sich Verfahren und Vorschriften erlauben niederlassen. So beeinflussen Steuern es, neue Vorhaben rasch umzusetzen längerfristig wiederum die Wirtschafts- und tragen zu tieferen Gebühren und kraft. Abgaben bei. ƒƒ Nicht zu unterschätzen sind nicht ƒƒ Eine gute Gesundheitsversorgung messbare, weiche Faktoren, die zu ist wichtig für das Wohlbefinden einer guten Lebensqualität und damit der Bevölkerung. Ist die Versorgung zu einem attraktiven Standort beitra- kostengünstig, steigt das verfügbare gen (z.B. Kultur- und Freizeitangebote, Einkommen an. Der Gesundheitssek- familienexterne Kinderbetreuung, Natur tor ist zudem ein wichtiger Arbeitgeber. und Umgebung usw.). Im Kanton Bern bildet die Medizinal- technik einer der Cluster in der Stand- ortpromotion (vgl. Abschnitt 7.3.2). Die Wirtschaftskraft ist Basis der öffent- der Leistung gesenkt werden. Ohne Er- lichen Finanzen, d.h. der Steuereinnah- höhung der Wirtschaftskraft lassen sich men und damit der staatlichen Leistun- umgekehrt zusätzliche staatliche Leistun- gen. Steigt die Wirtschaftskraft, stehen gen nur über eine höhere Abschöpfung mehr Mittel für die Erfüllung der öffentli- finanzieren bzw. eine tiefere Abschöpfung chen Aufgaben zur Verfügung oder die bleibt nicht ohne Einfluss auf die staatli- Steuerbelastung kann bei gleichbleiben- chen Leistungen.30
  31. 31. AnalyseDie folgende Grafik zeigt die volkswirt- unter den verschiedenen Faktoren. Dieschaftlichen Zusammenhänge und die Ein- Einflussmöglichkeiten einer Wirtschafts-flussmöglichkeiten. In der Darstellung nicht strategie sind blau eingefärbt.berücksichtigt sind die Rückkoppelungen Öffentliche Finanzen Investitionen Privater Konsum Steuern (3) Wirtschaftskraft (2) Unternehmen (1) Bevölkerung Arbeitsplätze Erwerbstätige Unternehmensgründungen, Wanderungssaldo, natürliches Ansiedlungen, neue Projekte Bevölkerungswachstum Räumliche Entwicklung, Räumliche Entwicklung, Bildung Bildung, Standortattraktivität Standortattraktvität Quelle: eigene DarstellungMess- bzw. Beurteilungsgrössen: 1: Branchenstruktur, Betriebszählung 2: Bruttoinlandprodukt und Ressourcenpotenzial 3: Steuerausschöpfungsindex 31
  32. 32. Wirtschaftsstrategie 2025 7.2. Wirtschaftspolitische Einflussmöglichkeiten Der föderalistische Staatsaufbau bringt gelt der Bund mit dem Raumplanungs- es mit sich, dass es neben Bundes- und gesetz Zuständigkeiten und Aufgaben. In Kantonsaufgaben auch Aufgaben gibt, der konkreten Ausgestaltung bleibt aber bei denen sowohl der Bund als auch die den Kantonen und Gemeinden ein gros- Kantone eigenständig handeln können ser Spielraum. In der Arbeitslosenversi- (beispielsweise bei den Steuern). Viele Auf- cherung, die Teil des Arbeitsmarkts ist, gaben können nicht entweder dem Bund vollziehen die Kantone Bundesrecht ohne oder den Kantonen zugeordnet werden. eigenen Gestaltungsspielraum. Bei der Raumplanung beispielsweise re- Bund Bund und Kanton Kanton Geld, Währung Wettbewerb Aussenwirtschaft Raumplanung Arbeitsmarkt Kantonal-, Nationalstrassen, Regionalverkehr Kommunalstrassen, Fernverkehr Ortsverkehr Technische Berufsbildung, Mittelschulen Volksschulen Hochschulen Hochschulen Steuern Steuern Gesundheitswesen Regionalpolitik Standortpromotion Standortpromotion Wirtschaftspolizei- Wirtschaftspolizei- liche Vorschriften liche Vorschriften Verfahren VerfahrenQuelle: eigene Darstellung32
  33. 33. Analyse7.2.1. Vorbemerkungen zu den folgenden AbschnittenDer Kanton Bern ist der zweitgrösste Kan- wird Bern jeweils mit der Schweiz und denton der Schweiz in Bezug auf Fläche, Be- Kantonen Aargau, St. Gallen, Waadt undvölkerung, Anzahl Arbeitsplätze und Betrie- Zürich verglichen (Referenzkantone).be. Sein Anteil an gesamtschweizerischenKennzahlen beträgt jeweils zwischen zehn Aussagen zum Wert je Kopf der Bevölke-und fünfzehn Prozent. In den folgenden rung sind aussagekräftiger, weil VergleicheAbschnitten werden in erster Linie Kenn- zwischen unterschiedlich grossen Einheitenzahlen kommentiert, die davon deutlich möglich werden. Bei einer Zeitreihe misstabweichen. die Veränderung des absoluten Werts zu- dem oft vor allem die Entwicklung der Be-Referenz für den Kanton Bern sind, neben völkerungszahl (eine Erhöhung des Brutto-der Schweiz, diejenigen Kantone, welche inlandprodukts zum Beispiel ist nur dannin Bezug auf Grösse, Bevölkerungszahl eine Verbesserung, wenn sie grösser istund Arbeitsplätze vergleichbar sind, nicht als das Bevölkerungswachstum). Deshalbaber Stadtkantone oder flächen- und be- stehen in der folgenden Analyse die Wertevölkerungsmässig kleine Kantone. Deshalb pro Kopf der Bevölkerung im Vordergrund.Die Abschitte sind folgendermassen aufgebaut:ƒƒ Die Kernaussagen fassen die wichtigs- Einschätzungen. Die einzelnen Grafi- ten Erkenntnisse aus der Analyse zu- ken weisen die Bedeutung der Kern- sammen. Zusammen mit der Analyse aussagen pro Bereich aus. Ein direkter wird jeweils dargestellt, wie der Kanton Vergleich zwischen den verschiedenen Bern die Entwicklung beeinflussen Grafiken ist dagegen nicht möglich. kann. ƒƒ Unter «Hintergrund» werden die wich-ƒƒ Die Grafik gewichtet die volkswirt- tigsten Kennzahlen dargestellt, die den schaftliche Bedeutung und vergleicht Kernaussagen zu Grunde liegen. Diese den Kanton Bern mit der Schweiz. Die Zahlen sind jeweils gerundet. Wo sinn- Gewichtung stützt sich auf statistische voll, wird auch ein Vergleich mit den Daten, ergänzt mit plausibilisierten Referenzkantonen erstellt.Ausführlichere Angaben zu volkswirt- schnitte 7.3.1 bis 7.3.4). Diese wird zu-schaftlichen Kennzahlen finden sich im Be- sätzlich nach regionalen Gesichtspunktenricht zur Wirtschaftslage 2011 oder unter betrachtet (Abschnitt 7.4). In Abschnitt 7.6www.be.ch/wirtschaftsdaten. wird das Image des Kantons dargestellt. Anschliessend werden wichtige staatlicheDie Analyse geht zuerst auf die volkswirt- Leistungen und die Strukturen analysiertschaftliche Struktur des Kantons ein (Ab- (Abschnitte 7.7.1 bis 7.7.5). 33
  34. 34. Wirtschaftsstrategie 20257.3. Volkswirtschaftliche Struktur des Kantons7.3.1. Bruttoinlandprodukt und verfügbares EinkommenKernaussagen Das Bruttoinlandprodukt (BIP) pro Kopf bzw. pro Beschäftigtem ist unterdurchschnittlich. Die Entwicklung des BIP pro Kopf bzw. pro Beschäftigtem ist überdurchschnittlich. Das Wachstum des absoluten BIP ist unterdurchschnittlich. Das frei verfügbare Einkommen29 liegt im Durchschnitt.Kernaussagen imVergleich + CH - klein Volkswirtschaftliche Bedeutung gross Handlungsbedarf Einflussmöglichkeiten klein mittel gross klein grossEinflussmöglichkeiten Die Entwicklung des Bruttoinlandprodukts lässt sich nur indirekt beeinflussen. Die Einflussmöglichkeiten werden bei den entsprechenden Faktoren dargestellt. 29 Das frei verfügbare Einkommen berücksichtigt neben der Steuerbelastung die Wohnkosten, die Sozialversiche- 34 rungsabgaben und die Krankenkassenprämien. Weitere Ausführungen am Ende dieses Abschnitts.
  35. 35. AnalyseDas Bruttoinlandprodukt (BIP)30 des Kan- misch reagiert als die Schweiz. Das Wachs- Hintergrundtons Bern belief sich im Jahr 2010 auf 57 tum der Berner Wirtschaft ist im konjunkturel-Milliarden Franken. Beim BIP pro Kopf31 len Aufschwung geringer als der Schweizerder Bevölkerung liegt der Kanton Bern mit Durchschnitt. In Krisensituationen reagiert58’100 Franken unter dem Schweizer Mittel die Berner Wirtschaft meist etwas verzö-von 62’900 Franken. Von den Referenzkan- gert, aber nicht grundsätzlich anders als dietonen liegt einzig Zürich vor Bern – sowohl Schweiz. Über einen gesamten Konjunktur-absolut als auch pro Kopf. zyklus hinweg resultiert deshalb ein geringe- res Wachstum als im Schweizer Durchschnitt.Ein Vergleich des jährlichen Wachstums Ein wichtiger Grund für diese Entwicklungzeigt, dass der Kanton Bern weniger dyna- liegt in der Branchenstruktur des Kantons. BIP-Wachstum 4% CH 3% 2% BE 1% 0% -1 % -2 % 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Quelle: BAKBASELDas durchschnittliche jährliche Wachs- Gallen wuchs gleich wie der Kanton Bern,tum zwischen 2000 und 2010 lag mit 1.4 die Waadt lag im Schweizer Durchschnitt,Prozent unter demjenigen der Schweiz Aargau und Zürich lagen darüber (1.7 %).(1.6 %). Die Kantone Waadt und Aargaulagen über dem bernischen Wert, St. Gal- Das durchschnittliche Wachstum prolen und Zürich darunter. Zürich litt stark un- Kopf der Bevölkerung lag 2000 bis 2010ter der Wirtschaftskrise 2001-2003 sowie mit 1.0 Prozent deutlich über dem derunter der Finanzkrise 2008/2009. Eine Be- Schweiz (0.7 %) und der Referenzkantone.trachtung des durchschnittlichen Wachs- Dies ist jedoch nicht auf ein überdurch-tums über die vergangenen 30 Jahre schnittliches Wachstum des BIP zurückzu-zeigt ähnliche Resultate. Der Kanton Bern führen, sondern eine Folge des unterdurch-wuchs um 1.5 Prozent (CH: 1.6 %). St. schnittlichen Bevölkerungswachstums.30 Bei den in der Wirtschaftsstrategie ausgewiesenen Grössen handelt es sich jeweils um reale (d.h. inflationsberei- nigte) Grössen.31 Grössere Aussagekraft erlangt das BIP, wenn es ins Verhältnis zur Bevölkerung gesetzt wird. Das BIP pro Kopf der Bevölkerung ist ein Mass für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die Attraktivität eines Wirtschaftsstandorts. Es wächst, wenn die Zahl der Erwerbstätigen stärker zunimmt als die Gesamtbevölkerung oder wenn pro Er- werbstätigem eine höhere Wertschöpfung generiert wird, das heisst die vorhandene Arbeit produktiver eingesetzt wird. 35

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