Touristification durch Airbnb?!

20.312 Aufrufe

Veröffentlicht am

Analyse der Motivationen und räumlichen Verteilung von Airbnb in Berlin und stadtstrukturelle Auswirkungen
Deutscher Kongress für Geographie (DKG) 2015
Stadt und Land: Kontinuitäten und Konflikte
Touristifizierung städtischer Quartiere – Synergien und Konflikte zwischen tourismusgerechter Stadt und stadtgerechtem Tourismus


Natalie Stors & Andreas Kagermeier
Der Touristifizierungsprozess in Berlin ist ein Phänomen, der in jüngerer Zeit eine Vielzahl von teilweise polemischen Äußerungen induziert hat, zu dem aber nur begrenzt wissenschaftlich fundierte Befunde vorliegen.
Als Teil der sogenannten „Share Economy” bieten Sharing-Websites wie couchsurfing.org oder airbnb.com nicht nur den kollaborativen Konsum von Übernachtungsangeboten für umsonst oder zu überschaubaren Preisen, sondern versprechen auch ein neues, authentisches Erlebnis für den Besucher von vor allem städtischen bzw. metropolitanen Destinationen.
In dem Beitrag werden zwei zentrale Forschungsfragen:
• Welche Motive und Erwartungen stehen hinter dem Anbieten und der Inanspruchnahme von „geteilten“ Übernachtungsangeboten?
• Welche Implikationen weisen die Share-Angebote im stadtstrukturellen Kontext auf.
auf der Basis eines Methodenmix von mehreren quantitativen und qualitativen empirischen Erhebungen analysiert: Im Mittelpunkt steht dabei Berlin als Beispiel für eine metropolitane Tourismusdestination in der das Phänomen intensiv und kontrovers diskutiert wird.
Das Ziel ist damit einerseits zur Beantwortung der Frage beizutragen, welche Rolle kollaborativer Konsum im Tourismus für den sog. Explorer-Touristen auf der Suche nach authentischen Erlebnissen abseits der ausgetretenen „Straße der Ameisen” und der „Tourist Bubble“ bedeutet. Andererseits sollen auch stadträumliche Aspekte, wie die Verteilung von Airbnb-Angeboten und deren Rolle für den stadtstrukturellen Touristifizierungsprozess sowie soziale und ökonomische Implikationen analysiert werden. Damit wird sowohl darauf abgestellt, zu einem besseren – auch theoretisch fundierten Verständnis – der Touristifizierungsprozesse, deren Driving Forces und deren Implikationen beizutragen, als auch auf der Basis einer fundierten Analyse Ansätze für Coping-Strategien für ein differenziertes Umgehen mit dem Phänomen der Touristifizierung zu diskutieren.

Veröffentlicht in: Reisen
0 Kommentare
0 Gefällt mir
Statistik
Notizen
  • Als Erste(r) kommentieren

  • Gehören Sie zu den Ersten, denen das gefällt!

Keine Downloads
Aufrufe
Aufrufe insgesamt
20.312
Auf SlideShare
0
Aus Einbettungen
0
Anzahl an Einbettungen
16
Aktionen
Geteilt
0
Downloads
3
Kommentare
0
Gefällt mir
0
Einbettungen 0
Keine Einbettungen

Keine Notizen für die Folie

Touristification durch Airbnb?!

  1. 1. Touristification durch Airbnb?! Deutscher Kongress für Geographie (DKG) 2015 Stadt und Land: Kontinuitäten und Konflikte Touristifizierung städtischer Quartiere – Synergien und Konflikte zwischen tourismusgerechter Stadt und stadtgerechtem Tourismus Natalie Stors & Andreas Kagermeier Analyse der Motivationen und räumlichen Verteilung von Airbnb in Berlin und stadtstrukturelle Auswirkungen Agenda 1 Medialer Diskurs und Faktenlage zu Airbnb in Berlin 2 Theoretische Einbettung 3 Motivation der Gastgeber und Gäste 4 Stadtstrukturelle Implikationen 5 Zusammenfassung und Diskussion 03. Oktober 2015DKG 2015 - BerlinN. Stors & A. Kagermeier
  2. 2. Medialer Diskurs DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion Der Spiegel 2014, S 58 FAZ Online 2014 Zeit Online 2014 Berliner Morgenpost 2015 Focus 2014 Der Spiegel 2014, S 60 Der Spiegel 2014, S 58 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier Was ist Airbnb (nicht)? •Airbnb beschreibt sich selbst als „ein bewährter gemeinschaftlicher Marktplatz, auf dem Menschen einzigartige Unterkünfte auf der ganzen Welt inserieren, entdecken und buchen können — online oder vom Mobiltelefon oder Tablet aus“ (Airbnb 2015) •Online Distributionsplattform von Peer-to-Peer Übernachtungsmöglichkeiten (P2P als Differenzierungsmerkmal zu HRS, Booking und bspw. Smartments) •Angebotsstruktur • Wohnung/Haus • Zimmer • Geteiltes Zimmer  Anders als beim Couchsurfing ist der Kontakt zum Host nicht zwingend erforderlich •Innovation?! • Keine radikale Innovation (Vorhandensein von B2C-Plattformen) • Inkrementelle Innovation durch Übertragung der C2C-Vermietung auf den globalen Ferienwohnungsmarkt + Integration mobiler Internettechnologien •Sharing?! • Konzeptuelle Vergleichbarkeit mit Ebay (Pionier der SE) und Car-Sharing • Nutzung von „idle capacity“ (Botsman/Rogers 2010) DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier 70 %70 % 30 %30 % <1 %<1 % in Berlinin Berlin
  3. 3. Fakten zu Airbnb - Fokus Berlin DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion 2008 08/08 Gründung Airbnb in SF 2013 2014 2016 02/14 Boston University: Estimating the Impact of Airbnb on the Hotel Industry 07/14 Capital: Gewinnen statt Teilen 03/15 FH Potsdam: Airbnb vs. Berlin 04/15 Tagesspiegel: Häuserkampf Berlin 12/13 Zweckentfremdungsverbot-Gesetz 11/14 Airbnb & GEWOS: Airbnb and the Berlin housing market 2015 12/14 Airbnb: Economic Impact 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier 09/15 Die Grünen: Ferienwohnungen in Berlin 4 Millionen Gäste in 2013 07/11 Airbnb in Deutschland Airbnb im nationalen und internationalen Vergleich Quelle: Eigener Entwurf nach Daten Skowronnek, Vogel & Parnow 2015 Daten vom 25.02.2014 03. Oktober 2015 DKG 2015 - Berlin 18. Februar 2015 , Slide 6 Einführung Theorie Empirie Diskussion Skowronnek, A. et al. 2015; Daten vom 11.01.2015 Hamburg Hannover Bremen Düsseldorf Duisburg Essen Wuppertal Bonn Köln Münster Bielefeld Bochum Dortmund Frankfurt Stuttgart München Nürnberg Berlin Dresden Leipzig Inserate pro 100.000 Einw. unter 25 25 bis unter 50 50 bis unter 100 100 bis unter 200 200 und mehr AirBnB-Inserate 50100 1.000 5.000 10.000 Stadt Airbnb-Einheiten Berlin 11.700 München 4.233 Hamburg 2.921 Köln 2.997 Frankfurt 1.508 Paris 13.000 London 11.000
  4. 4. Fakten zu Airbnb - Fokus Berlin Angebotsstruktur und Wohnungsmarkt •Innerhalb eines Jahres standen auf Airbnb in Berlin 13.802 Wohneinheiten zur Verfügung, davon • 69% (9.467) komplette Unterkünfte • 30% (4.193) private Zimmer • 1% (142) Gemeinschaftszimmer/Couch (GEWOS, November 2014) •1.891.798 Wohnungen in Berlin in 2014 (Statistik Berlin Brandenburg 2015)  0,5% der Wohnungen in Berlin standen zu mind. einem Zeitpunkt in 2014 auf der Airbnb-Seite zur Verfügung DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier Fakten zu Airbnb - Fokus Berlin DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier 0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% 35% 40% 45% 50% 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 über 10 Anzahl Betten Anbieter Betten Quelle: Eigener Entwurf nach Daten Skowronnek, Vogel & Parnow 2015 Daten vom 11.01.2015
  5. 5. Fakten zu Airbnb - Fokus Berlin Professionalität der Vermietung (Power-User) 9.467 Apartments (= komplette Unterkunft) •90% bieten 1 Apartment an •6% bieten 2 Apartments an •4% bieten 3 und mehr Apartments an (GEWOS, November 2014) DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier 10% Power-User mit > 1 Apartment, vermutlich gewerbliche Nutzung Fakten zu Airbnb - Fokus Berlin Verteilung der Airbnb-Unterkünfte in Berlin auf LOR-Ebene DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier Airbnb Angebote pro 1.000 Einw. unter 1 1 bis unter 5 5 bis unter 20 20 und mehr 0 200 75 25 5 Anzahl Airbnb Angebote Mitte Friedrichshain- Kreuzberg Pankow Charlottenburg- Wilmersdorf Spandau Steglitz- Zehlendorf Tempelhof- Schöneberg Neukölln Treptow- Köpenick Marzahn- Hellersdorf Lichten- berg Reinickendorf Quelle: Eigener Entwurf nach Daten SKOWRONNEK, VOGEL & PARNOW 2015 sowie Land Berlin 2015 Mitte Tempelhof- Prenzlauer Berg Fried- richs- hain Kreuzberg/Neukölln
  6. 6. Fakten zu Airbnb - Fokus Berlin Räumliche Verteilung der Top 10 Airbnb-Gebiete in Berlin auf LOR-Ebene DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier (Skowronnek, Januar 2015) LOR Ortsteil Bezirk Inserate (I) I/100 EW I/km2 1 Reuterkiez Neukölln Neukölln 476 1,69 458 2 Helmholtzplatz Prenzlauer Berg Pankow 345 1,55 486 3 Graefekiez Kreuzberg Friedrichshain- Kreuzberg 314 1,66 324 4 Boxhagener Platz Friedrichshain Friedrichshain- Kreuzberg 298 1,50 343 5 Arkonaplatz Mitte Mitte 290 2,29 483 6 Reichenberger Straße Kreuzberg Friedrichshain- Kreuzberg 285 1,87 306 7 Teutoburger Platz Prenzlauer Berg Pankow 265 2,49 482 8 Invalidenstr. Mitte Mitte 254 1,67 221 9 Kollwitzplatz Prenzlauer Berg Pankow 254 1,75 310 10 Oranienburger Str. Mitte Mitte 239 1,97 237 Post-fordistisches Tourismusverständnis DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier Post-fordistische, flexibilisierte Arbeits- und Lebensverhältnisse Überschneidung von Tourismus und Alltag, insbesondere für die Gruppe der Kreativarbeiter  Blurring distinction between tourism and the everyday; idea of de-differentiation (URRY 1995) Verständnis des Tourismus als Form der Mobilität permanente Überlagerung von Arbeit und Freizeit + MICE +VFR (auch multi-lokales Wohnen) Besucher und Kreativarbeiter haben ähnliche zeitliche Rhythmen und Bedürfnisse (VOGELPOHL 2013) Flexibilität auch beim Wohnen sowie Anschluss und Integration spielt für diese Gruppe eine entscheidende Rolle; (aber auch: Suche nach Wirklichkeit und Authentiziät (MACCANNELL 1999))  Airbnb scheint eine attraktive Option Distinktion und Integration •Touristen im klassischen Sinn werden als 2. Klasse Stadtbewohner wahrgenommen (vgl. MCCABE 2007) Durch ähnliche Praktiken und besuchte Orte wird diese Tourist-Einheimischer-Polarität aufgehoben „Reciprocal transgression“ (Pappalepore et al. 2010) Touristen verhalten sich wie Einheimische und umgekehrt Perspektivwechsel: Wahrnehmen der Touristen nicht mehr nur als klassische Konsumer, sondern durch ihre eigenen „performcances“ (RAKIC ́ & CHAMBERS 2012) als co-producers (HALDRUP/LARSEN 2010) oder “prosumers” (TOFFKER 1980) des Erlebnisses „taking part in the city’s everyday life is often central to the tourist experience” (Maitland 2008)
  7. 7. Forschungsziel DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier Nachfrageseite •Wer sind die Nutzer von Airbnb-Unterkünften? •Über welche sozio-demographischen Merkmale verfügen sie? •Welche Motivstrukturen veranlassen Sie zur Nutzung dieser Unterkunftsformen? Angebotsseite •Was treibt die Anbieter zur Vermietung ihrer (privaten) Wohnräume an Fremde? •Wie kommt es zu einem so ausgeprägten Boom von Airbnb in Berlin? Welche Entwicklungen stehen dahinter? •Wie lässt sich die ausgeprägte Ungleichverteilung der Angebote erklären? Stadt Am Ende erfolgt eine Diskussion über die Konsequenzen dieser sowohl nachfrage- als auch angebotsseitigen Entwicklung für den städtischen Kontext sowie erste Maßnahmen. Methodologie: Angebotsseite DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier •Qualitativer, explorativer Forschungsansatz: Leitfadengestützte Face-to-face Interviews mit Airbnb- Anbietern •Kontaktaufnahme über Airbnb-Website •Zahl der kontaktierten Personen in Abhängigkeit der Airbnb-Listungen je Ortsteil •Fokus auf Ortsteile mit mehr als 1000 Listungen (2014) o Mitte, Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Kreuzberg, Neukölln •Ortsteile mit 250-1000 Listungen  1 Interview pro Ortsteil Bezirk Anfragen Interviews Friedrichshain-Kreuzberg 22 5 Neukölln 18 5 Mitte 17 7 Charlottenburg-Wilmersdorf 14 2 Pankow 8 4 Tempelhof-Schöneberg 6 1 Sonstige Bezirke 17 2 Summe 102 26 o Schöneberg, Wilmersdorf, Charlottenburg, Moabit und Wedding •Stichpunktartig in übrigen Ortsteilen •Gleichverteilung zw. Privatzimmer und gesamter Unterkunft Ziel: Identifikation der Hintergründe/Motive der Vermietung von Privatwohnraum an Touristen
  8. 8. Ergebnisse: Anbieterseite DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier Unterschiedliche Treiber für Vermietung via Airbnb auf Angebotsseite Kommerzielle Anbieter (ab 3 Inserate): •4 von 26 Interviewpartnern: 2 Privatzimmer, 2 Wohnung •5-15 Inserate, 109-630 Bewertungen, Charlottenburg, Moabit, Neukölln (2x) Hintergrund der Vermietung: „Also angefangen habe ich im Oktober vor zwei Jahren [2012] mit einer Wohnung in der Birkenstraße . Da war eine Wohnung frei geworden, die haben wir saniert. Meinem Vater gehört das Haus und der wollte nicht wieder unbedingt neue Mieter dort drin haben. Weil wir viele Umbauarbeiten geplant haben, Dachausbau und so weiter und so fort (...). Mehrere andere Wohnungen im Haus wurden parallel dazu frei. Leute sind ins Heim gegangen, es waren sehr alte Mieter. Und dann haben wir peu à peu die Wohnungen alle saniert (...). Und momentan habe ich dort sieben Wohnungen im Vorderhaus, vier Wohnungen im Hinterhaus. Und dann habe ich hier in Mitte noch vier Wohnungen angemietet. Das sind hier Gewerbeflächen. Die in der Birkenstraße habe ich ebenfalls angemietet, normale Mietverträge dann gemacht, mit einem normalen Preis, was auch immer. Und habe die auch angemeldet, beim Amt, wegen dieser Zweckentfremdung (MA_Moabit_2014). Kein touristischer Hintergrund des Anbieters, sondern Airbnb ursprünglich als zeitlich befristete Lösung während des Umbaus, die sich aufgrund profitabler Umsätze verstetigt hat. • Mietwohnung  FeWo • Immobilie vorhanden; Renovierung/Leerraum • Treiber: Gewinnmaximierung durch Kurzzeitvermietung • Selbstständigkeit des Vermieters, kein touristischer Hintergrund • Rückführung möglich Ergebnisse: Anbieterseite DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier Unterschiedliche Treiber für Vermietung via Airbnb auf Angebotsseite Kommerzielle Anbieter (ab 3 Inserate): •4 von 26 Interviewpartnern: 2 Privatzimmer, 2 Wohnung •5-15 Inserate, 109-630 Bewertungen, Charlottenburg, Moabit, Neukölln (2x) Hintergrund der Vermietung: „Ich habe die erste Wohnungen gekauft und ich wollte sie für mich benutzen. Dann habe ich gedacht, ich kann das auch vermieten. Und im gleichen Haus waren zufällig auch noch andere Wohnungen frei. (...) 200 Meter von der [eigenen] Bar entfernt. Und die waren da und niemand wollte sie haben, und ich habe die Wohnung für 18.000 € gekauft. Die erste Wohnung habe ich 2007 gekauft. Die letzte Wohnung habe ich 2011 gekauft. Für die ersten 4 haben wir nur [jeweils] 20.000 € bezahlt (...). Ich habe 6 Wohnungen, die 60qm groß sind und 2 sind 35qm und 2 sind 45qm. Das sind alles kleine Wohnungen. Aber natürlich, sie waren Ruinen, da habe ich ganz viel investiert für die Renovierung. (...). Und ich habe alles als Gewerbe angemeldet“ (CA_Neukölln_2014). Kombination aus Ferienwohnungen, Bar und Independent Kino Investition und Vermietung lange vor dem Airbnb-Boom Nutzung von Airbnb als Distributionsplattform (neben eigener Website) Geplantes Gastgewerbe (Bar + FeWos) in Neukölln • Leerstand (Mietwohn.)  FeWos • Immobilien gekauft; Renovierung • Treiber: Initiation eines touristischen Business (Bar etc.) • Selbstständigkeit des Vermieters, touristischer Hintergrund • Rückführung möglich
  9. 9. Ergebnisse: Anbieterseite DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier Unterschiedliche Treiber für Vermietung via Airbnb auf Angebotsseite Nicht-Kommerzielle Anbieter (ab 1-2 Inserate, häufig Privatzimmer und/oder ganze Wohnung): • 22 Interviews, 2-115 Bewertungen Hintergrund der Vermietung: „Und dann bin ich Anfang letzten Jahres in meine Traumwohnung gezogen (...). Das hat dann leider nicht geklappt, wie geplant, mit meiner Freundin dort einzuziehen, also bin ich alleine eingezogen. Anfangs habe ich mir dann noch eine Mitbewohnerin gesucht, (...), hat nicht so richtig gepasst. Das gibt mir einfach die Flexibilität, zu sagen, nö Moment, entweder die Person passt mir nicht, das ist ja sehr einfach, weil die Person ist ja immer nur einen sehr begrenzten Zeitraum da. Oder Variante B, Mensch ich brauch den Platz jetzt für mich, oder für mich und meine Partnerin. Und man kann ganz schnell sagen, ok stop. Und das ist bei einer WG natürlich ein bisschen schwieriger, zumal man sich dann ja anfreundet und irgendwie einen Freund rausschmeißen aus der Wohnung, ist nicht gut, das macht man nicht. Die [Gäste] freuen sich jedes Mal sehr, das ist ein unglaubliches Feedback, das man von Airbnb kriegt , das einem so gut tut. Ich habe selten so viel Liebe, oder so viel Freundlichkeit gegenüber meiner Person/meiner Wohnung erfahren, als über Airbnb. Das ist regelrecht Antidepressiva“ (TI_Friedrichshain_2014). Raumüberangebot (gescheiterte Beziehung) Flexibilität, relative Unverbindlichkeit Absehbarer zukünftiger Raumbedarf (Partner) • WG/GZ  FeZimmer • Wohnung gemietet • Treiber: Leerraum, Flexibilität, soziale Kontakte • IT-Branche, kein touristischer Hintergrund • Rückführung nicht möglich Ergebnisse: Anbieterseite DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier Unterschiedliche Treiber für Vermietung via Airbnb auf Angebotsseite: Kurzzusammenfassung •Kleiner Teil kommerzielle Anbieter (ab 3 Inserate), laut GEWOS 2014 bieten 10% mehr als 1 Apartment an •Umwidmung der Immobilien: Wohn- in Gewerbeflächen (FeWos)/Zweckentfremdung •Teilweise bereits langfristig im touristischen Gewerbe in Berlin, teilweise erst durch Airbnb-Boom •Rückführung der Immobilien in Wohnungsmarkt durch Zweckentfremdungsverbot möglich •Großer Teil wenig-kommerzielle Anbieter, laut GEWOS 2014 bieten 90% nur 1 Apartment an •1-2 Inserate (Zimmer und Wohnung)  Kleinstanbieter/Bagatellfälle  langfristige Rendite? •Hintergründe der Vermietung des Gästezimmers (GZ)/der ganzen Wohnung: o Aktuell Wohnraumüberschuss, aber Raumbedarf zukünftig absehbar (Familie) o Multi-lokales Wohnen (Beziehung in anderem Stadtteil/anderer Stadt; Job) o Flexibilität, Unverbindlichkeit  keine WGs o Soziale Nähe/Kontakt  insbesondere bei alleinlebenden Personen o Zusatzeinkommen/Nebenerwerb zur Co-Finanzierung des Lebensunterhalts/Urlaubs •Rückführung in Wohnungsmarkt kaum möglich, bei WG/GZ oder bei zeitweiliger eigener Nutzung; nur indirekt über Verkleinerung oder WG
  10. 10. Methodologie: Nachfrageseite DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier •Kontaktaufnahme zu Gästen schwieriger, da nicht direkt über Airbnb-Website möglich •Erhebungsansätze: o Online-Fragebogen/Convenience Sampling über Uni-Verteiler zur generellen Sharing- Bereitschaft, Erfahrungen mit Airbnb o Quantitativer Fragebogen bei interviewten Gastgebern ausgelegt o Sekundärinformationen über Gäste durch Interviews mit Gastgebern o Qualitative Interviews mit Airbnb-Gäste durch Absprache mit Gastgeber Ergebnisse: Nachfrageseite DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier Sozio-Demographie der Nachfrageseite: •Share Economy Nutzung insgesamt bislang hauptsächlich in der Altersgruppe der 20-40 Jährigen 0% 20% 40% 60% 80% 100% 18-29 30-39 40-49 50-59 60+ Schon einmal ein Angebot genutzt Noch nie ein Angebot genutzt Eigene Darstellen auf Basis der Daten von PwC 2015 N = 1000, Repräsentative Bevölkerungsbefragung 0% 20% 40% 60% 80% 100% 18-29 30-39 40-49 50-59 60+ Plane Nutzung in den nächsten 2 Jahren Plane keine Nutzung in den nächsten 2 Jahren Ähnliche Angebe der Altersstruktur bei qualitativen Interviews mit Airbnb-Gastgebern „Es sind oft junge Leute, die kommen. Es sind meistens Leute, 23 bis 30 Jahre, sowas. Aber ich hatte auch schon eine Frau über 70 da“ (HA_Moabit_2014).
  11. 11. Ergebnisse: Nachfrageseite DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier Sozio-Demographie der Nachfrageseite: „Also 25+, habe auch manchmal ältere Ehepaare. Bildungshintergrund eher schon besser ausgebildet, weil ich auch immer alles auf Englisch schreibe. Eher Technik-affin, habe auch viele Professoren, auch viele Firmen, die kommen. Mittlerweile ist sehr populär, die Mitarbeiter in einer Wohnung unterzubringen, statt in Hotels“ (TI_Friedrichshain_2014). „Ich würde sagen es ist ein überdurchschnittlich gebildetes Klientel. Und es ist generell ein Klientel, das aufgeschlossener ist, neue Dinge kennen zu lernen“ (HA_Moabit_2014). Zusammenfassung: •Größte Altersgruppe: 20-40 Jährige •80% Internationale Gäste in Berlin (laut Airbnb 2014) •Höheres Bildungsniveau •Technologie-orientiert, u.a. wegen Instant-Messaging zw. Gast und Gastgeber •Teilweise beruflicher Hintergrund der Airbnb-Nutzung (sicherlich lageabhängig) Ergebnisse: Nachfrageseite DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier “I got kind of frustrated by staying in hotels, they are really nice (…) but you are paying 150 € a night and there is no kitchen and Internet is an extra of 10 € a day. (…) And from the budget I have from work travel, I could rent the whole [Airbnb-]place. I can get a two-bedroom place, with a kitchen and balcony” And there is also the appeal, instead of just staying somewhere you feel as if you are living somewhere for a couple of days” (GA_Mitte_2014). Yes, as a guest AirBnB Couchsurfing Nutzung privater Übernachtungen Warum buchen Sie private Übernachtungen auf Online-Plattformen? Quelle: Eigene Erhebung, Online-Survey 2014, N = 112 1 2 3 4 5 Save money Meet new people Direct contact with the locals Insidertipps by the host Perspective of the inhabitants Otherwise too expensive Good feeling Expand the horizon Like to try new things Friends have told me about it Unwichtig Wichtig Geld sparen Neue Leute kennen lernen Insidertipps vom Gastgeber Perspektive der Bewohner Urlaubsorte, die sonst zu teuer wären Gutes Gefühl Horizont erweitern Neue Dinge ausprobieren Freunde haben mir davon erzählt Direkter Kontakt mit Einheimischen Motive der Nachfrageseite:
  12. 12. Ergebnisse: Nachfrageseite DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier Vorteile von Online-Übernachtungsplattformen gegenüber klassischen Hotels/Pensionen/FeWos Quelle: Eigene Erhebung 2014, offene Frage im Fragebogen, bei Gastgebern ausgelegt; N = 60, Mehrfachantworten möglich Monetäre Dimension (40%) •Günstigerer Preis •Besseres Preis- Leistungsverhältnis (Platz, Ausstattung, Privatsphäre) Handhabbarkeit/Bedienbark eit (36%) •Einfachheit in der Bedienung, Übersichtlichkeit •Schneller Kontakt zum Gastgeber, Flexibilität •Hohe Informationsdichte, gut gestaltet •Modernes Medium Ausstattung und Gestaltung der Unterkunft (15%) •Individueller, persönlicher, familiärer •Nicht anonym und beliebig •Ausstattung der Wohnung mit Kochgelegenheit, separater Wohnraum Soziale Interaktion (20%) •Tipps zum Urlaubsort von Einheimischen/Insiderinfos •Sozialer Anschluss/nette, persönliche Kontakte •Neue Leute kennen lernen •„I like to interact with the locals and to know the culture and what they feel about the city“ Lage (7%) •„Nice area with locals“ •„Unmittelbare Nähe zum Leben in der Stadt“ Stadtstrukturelle Implikationen DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier •Tourismusbranche ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor für Berlin •Wachstum an Ankünften und Übernachtungen •Trend/Entwicklung: New Urban Tourism o Nachbarschafts-Tourismus, off the beaten track-Tourismus o Performative Praktiken, „reciprocal transgression“  Auflösen der Grenzen zw. Bewohner und Besucher (vgl. auch temporäre Migranten, VFR, MICE  Mobility Paradigma) •Parallel Entstehen der sog. Share Economy, insbesondere Airbnb mit starker Konzentration in Wohnquartieren, insbesondere Prenzlauer Berg, Friedrichshain-Kreuzberg und Nord-Neukölln •In Berlin: o Anhaltende Diskussion um Partytourismus (Lärm, Müll, Alkohol, Drogen) o Angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt seit den letzten Jahren Vermischung von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen Handlungsdruck auf politischer Seite, Suche nach „einem Schuldigen“ für komplexe urbane Prozesse
  13. 13. Stadtpolitische Maßnahmen DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier Unterschiedliche Signale auf stadtpolitischer Ebene Pantomimen-Projekte, um Partytouristen auf die Bedürfnisse der Anwohner aufmerksam zu machen. rbb-online.de & Tagesspiegel.de 2015 SenStadt 2013 Berliner Morgenpost 2015 VisitBerlin 2015 Entwicklung einer Geschäftsstelle „Akzeptanzerhaltung im Tourismus“ bei DMO, Budget 300.000 € SenWiTechForch 2014 Stadtstrukturelle Implikationen DKG 2015 - Berlin Einführung Theorie Empirie Diskussion 03. Oktober 2015N. Stors & A. Kagermeier Im Reuterkiez: auffällige Sensibilisierung der Gäste über die Nutzung des Viertels als Wohnquartier Wem gehört die Stadt? Gemeinsame, verantwortungsvolle Nutzung, u.a. durch das Wohnen mit Privatpersonen.
  14. 14. Diskussion

×