Via 06 2015 rhein rhone

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Wie Visionäre vor 300 Jahren den Rhein und die Rhone verbionden wollte. Viel hat nicht gefhelt.

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  1. 1. 12 6 | 2015via Eine transkontinentale Wasserstrasse von Rotterdam bis Marseille: Zwischen Neuenburger- und Genfersee ging diese Vision einst in die Brüche. Wasser aber spielt bis heute eine Hauptrolle in der Gegend um Orbe. Erleben Canal d’Entreroches Freie Fahrt von Meer zu Meer
  2. 2. Appenzellerland Erleben U m ein Haar wäre dem mittelalterlichen WaadtländerStädtchenOrbeeinezentra- le Rolle im europäischen Fernverkehr zu- gefallen. Und zwar wegen der Katholiken, der Protes- tanten und der Piraten. Aber eigentlich wegen der Holländer. Die eroberten nämlich im 17. Jahrhundert als Handelsmacht die Welt. Das Problem: In Europa tobten Reli- gionskriege. Die Segler der Holländer (protestantisch) mussten an den Spaniern und Portugiesen (katholisch) vorbei, bevor sie bei Gibraltar ins Mittelmeer einbogen. Hinter der Meerenge warteten die ge- fürchteten nordafrikanischen Seeräuber nur darauf, die fetten Handelsschiffe aus- zunehmen wie gestopfte Gänse. Die Lösung des Problems? Ganz ein- fach: statt aussenherum einfach mitten- durch, nämlich den Rhein hoch bis Basel, dann von Genf die Rhône hinunter bis Marseille. Ab Basel ginge es Rhein und Aare hoch, dann via Solo- thurn und Bielersee in den Neuenbur- gersee. Einzig die Verbindung von Yverdon-les-Bains nach Lausanne fehlte noch zum grossen transkontinentalen Wasserweg zwischen Nordsee und Mittelmeer.Mickrige40KilometerKanal müssten doch machbar sein, sagten sich einige Visionäre. Kein Problem für die Holländer, deren Ingenieure Erfahrung hatten mit einheimischen Schleusen, Entwässerungssystemen und Grachten. Investoren waren schnell gefunden, das benötigte Kapital zu zwei Dritteln beisammen. Aus Holland, Genf, Frankreich und von der damaligen eidgenössischen Grossmacht Bern fliesst das Geld, und ab 1638 wurde gegraben: Von Yverdon-les-Bains am Neuenburgersee in Richtung Südwesten, in Richtung Genfersee. Zwei Jahre später ist die sumpfige Orbe-Ebene durchquert und die eu- ropäische Hauptwasserscheide erreicht: der Hügel- Anreise Mit dem Postauto 680 ab Yverdon-les-Bains nach Orbe poste. Mit der SBB von Yverdon- les-Bains nach Chavornay. Umsteigen auf die Privatbahn nach Orbe. Aussteigen in St-Eloi (Halt auf Verlangen). sbb.ch 13 6 | 2015 via Der Verein Développement 21 hat zwei Ziele: Zum einen soll er das architektonische und das Naturerbe würdigen, wo immer das Thema Wasser eine Rolle spielt. Zum andern will er zu einer solidarischeren Gesellschaft beitragen, indem er sich in der beruflichen Wiedereinglie- derung Arbeitsloser engagiert. Konkret: Développement 21 verantwortet unter anderem Renovation und Unterhalt der alten Mühle in Orbe, organisiert Ausstellungen, erstellt Dokumentarfilme und Publikationen. «So sind Sozialhilfebezüger aus dem Kanton Waadt Teil unserer Mission», sagt Pierre-André Vuitel. «Hier können sie arbeiten und sich weiter- entwickeln. Ausserdem helfen wir bei der Arbeitssuche.» Der Verein leistet also einen nachhaltigen Beitrag, indem er ein historisches Erbe bewahrt und gleichzeitig die berufliche Neueingliederung fördert. eau21.ch Soziales und kulturelles Engagement Blick auf Altstadt und Fluss Orbe. Pierre-André Vuitel kümmert sich um die historischen Schätze rund ums Wasser (oben). Die pittoreske Rue du Moulinet in Orbe. Canal d’Entreroches Erleben Text:Gaston Haas; Fotos:Niels Ackermann
  3. 3. 14 6 | 2015via zug des Mormont, «le milieu du monde». Ein Regen- tropfen, der südlich der Krete niedergeht, fliesst in die Rhône. Nördlich der Krete tröpfelt er in Richtung Rhein. Hier, an der Klus von Entreroches, wühlen, grabenundsprengensichdieArbeiterdurchdenBerg. Fünf Jahre später gelingt endlich der Durchstich, doch er kommt zu spät. Das Kapital ist verbrannt, ganze Vermögen gehen im wahrsten Sinn des Wortes den Bach hinunter. Der Genfersee wird nie erreicht. Eine Region erfindet sich neu Ein paar Jahrzehnte lang wird auf den Kanälen in der Orbe-Ebene noch Wein, Salz und Getreide transpor- tiert, bis Solothurn, manchmal hinunter bis Basel. Aber die Binnenschifffahrt hat keine Zukunft. Im Frühling verschütten Erdrutsche die Wasserwege, im Sommer fehlt es an Wasser, die Kähne laufen auf Grund. Im Winter schliesslich gefriert alles. Ausser- demverschlingtderUnterhaltderKanäleundSchleu- sen Unsummen. Das definitive Ende kommt 1855, als die Eisenbahnlinie Yverdon–Morges eröffnet wird. Die Bahn ist schneller, zuverlässiger, günstiger, kurz: rentabler. Auch zwischen Rotterdam und Marseille. «Eine grosse europäische Idee war gescheitert», sagt Pierre-André Vuitel, der uns durch die aufwendig gestaltete Ausstellung geführt und die alten Kanäle bei der Bahnstation Eclépens gezeigt hatte. Vuitel ist LeiterdesProjektsPatrimoineaufildel’eau(wörtlich: das Erbe an den Wasserläufen, siehe Box Seite 13) – und ein wandelndes Lexikon, das uns mit jedem Satz die Begeisterung für Geschichte und Gegenwart seiner Region spüren lässt. «Aber die Region fing sich wirt- schaftlich auf», sagt er, als er uns durch die wunderbar renovierte Mühle von Orbe an der Rue du Moulinet 33 führt. Schon vor vielen hundert Jahren liessen die Bauern hier ihr Getreide zu Mehl mahlen, die Orbe trieb das Mühlrad an. Später übernahmen moderne Turbinen diese Aufgabe, bis 1990 die Mahlwerke endgültig stillstanden. Vuitel ist ein Getriebener im allerbesten Sinn. Bei seinen Schilderungen hört man die Mühlräder wieder ächzend Wasser schaufeln, Mühlsteine zerreiben schleifenddasKornzufeinstemMehl,undmanmeint, Erleben Canal d’Entreroches «Einegrosse europäischeIdeewar gescheitert.» Pierre-André Vuitel Christelle und Marc Antoine: Ihr Blumengeschäft an der Rue du Moulinet verzaubert die ganze Strasse.
  4. 4. Canal d’Entreroches Erleben 15 6 | 2015 via draussen die Fuhrmänner fluchen zu hören, wenn sie die schweren Säcke verladen. Die Dokumentarfilme des «Patrimoine» lassen Zeitzeugen zu Wort kommen und hauchen längst ver- gangenen Jahrzehnten Leben ein. Die Sechstage- woche der Arbeiter, ihr Stolz trotz all der Mühen, die Hochwasser der Orbe, der Bau des kleinen Kraft- werks: Vuitel kennt die Geschichten, die Geschichte lebendig machen. Voller Stolz zeigt er uns seine Fotos mit dem Biber, der sich im Untergrund vor der Mühle äusserst wohl zu fühlen scheint; erklärt den Lift, der die Forellen über das Wehr beim Kraftwerk hoch- bringt. Und natürlich führt er uns über die älteste Steinbrücke der Schweiz, die noch genauso aussieht wie bei ihrer Eröffnung 1424. Alles dreht sich hier ums Wasser Kanäle, Mühlen, Brücken, die Orbe – alles dreht sich hier ums Wasser. Alles fliesst, entwickelt sich weiter, lässt Neues wachsen. Vor Kurzem ist ein Kultur- zentrumentstandenmiteinemkleinenTheater,indem 100 Besucher Platz finden. Und im Spätsommer (Pro- gramm unter www.eau21.ch) bietet ein Kulturfestival während zehn Tagen ein abwechslungsreiches Pro- gramm. Eine vergessene Region erfindet sich neu. ■ Brot und Mehl Sinnliches Brot Im Ort L’ Abergement macht Marc Haller Brot. Er tut dies mit einer Liebe zum Beruf, die ihresgleichen sucht. Seine Backkurse öffnen den Blick für das Ursprüngliche und den Respekt vor der Natur. lespainsdemonchemin.ch SciFi, Bäder, Pestalozzi Yverdon-les-Bains ist für seine Thermalquellen berühmt. Aber wussten Sie, dass hier das erste Sciene-Fiction-Museum Europas steht? Oder dass Pestalozzi hier wirkte? Unbedingt entdecken! ailleurs.ch TippsinundumOrbe Schluchten und Schlösser Kanäle und Thermen Schloss Grandson Über dem Neuenburgersee steht eines der bekanntesten Schlösser der Schweiz. Seine Geschichte umfasst mehr als 1000 Jahre, eine Besichti- gung ist ein Erlebnis für die ganze Familie. chateau-grandson.ch Die Schluchten der Orbe Tief hat sich der Fluss in das Kalk- gestein gefressen. Wer sich hinein- wagt in die Schluchten zwischen Orbe und Vallorbe, wird mit einer Wande- rung durch verzaubertes Gebiet belohnt (rund 4,5 h). orbe-tourisme.ch Die Mühlen von Orbe Vor bald 600 Jahren wurde hier erstmals Korn zu Mehl vermahlen. Heute sind die Mühlen stillgelegt, aber Wechselausstellungen und Dokumentarfilme lassen die Geschichte lebendig werden. eau21.ch Historische Kanäle Von Orbe nach La Sarraz führen zwei Rundwege von 13 und 19 Kilometern Länge. An mehreren Stationen sind Informationstafeln zum Thema Wasser aufgestellt. Picknickplätze laden zur Rast am Wasser ein. lasarraz.ch Die Natur hat den Kanal – hier in der Schlucht von Entreroches – längst zurückerobert (oben). 1985 legten Kantonsarchäologen Teile des histori- schen Kanals frei und entdeckten meterhohe Stütz- mauern. Fotos:OfficedutourismedOrbeetenvirons/ClaudeJaccard/DoldThomas/MarioDelCurto/NathalieGasser/ArtgraphicCarinSA;Pierre-AndréVuitel

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