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Analgetika Zahnmedizin

Analgetika lassen sich hinsichtlich der Chemie, dem Wirkungsort, der Wirkungsdauer, der
Wirkungsstärke und des Wirkungsspektrums einschließlich der beeinflussten Schmerzqualitäten
einteilen.

Gebräuchlich ist meist die Einteilung in Opioide und Nicht-Opioide:




Nichtopioid-Analgetika (Cyclooxygenase-Hemmer)

Nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR)




Acetylsalicylsäure

Handelsname:

Alcacyl, Asa-Tabs, Aspégic, Aspirin, Aspro, Kardégic, Tiatral

Wirkung:

Thrombozytenaggregationshemmung: Hemmung v.a. der TxA2-synthetisierenden COX1
in den Thrombozyten durch irreversible Acetylierung (→Ind. bei Herzinfarkt-
Prophylaxe). Das Endothel produziert PGI2 v.a. über COX2, die weniger empfindlich auf
ASS reagiert und zudem schneller regeneriert werden kann, was den kernlosen
Thrombozyten nicht möglich ist. Das Gleichgewicht zwischen TxA2 und PGI2 wird
zugunsten des antithrombogenen PGI2 verschoben.

Analgetisch und antiinflammatorisch durch Hemmung der Prostaglandinsynthese

Nebenwirkung:

Erhöhte Blutungsneigung

Gastritis, Ulcus, Übelkeit (lokal: Anreicherung saurer Valenzen im Magenepithel,
systemisch: die Produktion Schleimhautschützender Prostaglandine ist vermindert)

allergische Reaktionen

Asthmaanfall (Verlagerung der Mediatorsynthese von der PG- auf die
Leukotriensynthese)

Einschränkung der Nierenfunktion (Synthesehemmung vasodilatatorischer PG im
Nierengefäßbett) *Hemmung der Harnsäureausscheidung (Konkurrenz am Tubulus-
Transporter für organische Säuren)
Vorzeitiger Verschluß des Ductus arteriosus Botalli im letzten Trimenon

Anwendung:

In Niedrigdosis bis 100mg/die Behandlung des Herzinfarktes und (Sekundär)Prophylaxe
thrombotischer Ereignisse bei KHK, nach PTCA (perkutane transluminale
Coronarangioplastie) und bei erhöhtem Risiko für einen ischämischen apoplektischen
Insult. Höher dosiert als Analgetikum bei Kopf- und Zahnschmerzen, rheumatischen
Erkrankungen.

Kontraindikation:

letztes Trimenon, Kinder, Ulcus, Gerinnungsstörungen, operative Eingriffe (7 Tage davor
absetzen bzw. Präparatewechsel), Vorsicht bei Niereninsuffizienz, eher ungeignet bei
Gichtanfall

Intoxikation:

Salicylismus - gastrointestinale (Übelkeit, Erbrechen) und zentrale (Unruhe,
Hörstörungen, Hyperventilation -> Parästhesien) Symptome. Erst respiratorische
Alkalose, dann metabolische Acidose. Kardiale und respiratorische Störungen, Koma,
Asphyxie.

Aspirin Dosierung:

Dosierung:

Kinder 6-14 Jahre: 250 mg (1/2-1 Tablette Aspirin) bis zu 3 mal täglich (im Abstand von
4-8 Stunden).

Erwachsene und Jugendliche: 500-1000 mg (1-2 Tabletten Aspirin), bis zu 3 mal täglich
(im Abstand von 4-8 Stunden).

Hinweis: Bei Patienten mit Leber- und Nierenfunktionsstörungen muss die Dosis
verringert bzw. der Abstand zwischen den Einnahmen verlängert werden.




Ibuprofen

Handelsname:

Dolormin®, IBU-ratiopharm®Lysinat (D), ratioDolor®

Wirkung:

Ibuprofen ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika,
der zur Behandlung von Schmerzen, Entzündungen und Fieber eingesetzt wird. Chemisch
gehört es in die Gruppe der Arylpropionsäuren. Der Name leitet sich - mit einer
Umstellung - von der Struktur ab: 2-(4-Isobutylphenyl) propionsäure.

Anwendung:

leichte bis mäßig starke Schmerzen
rheumatischen Erkrankungen

Nebenwirkungen:

Gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Sodbrennen, Erbrechen), Magen-
Darmblutungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Störung der Blutbildung, Nasenbluten,
Zahnfleischbluten, Analgetika-Asthma, Nierenschäden, Hautausschlag




Kontraindikation:

Blutungsneigung

Gastritis oder Ulcus (auch bei Verdacht)

Allergische Erkrankungen, Asthma

schere Nieren- und Leberfunktionsstörung

Schwangerschaft und Stillzeit




Diclofenac

Handelsname:

Diclac (D, CH), Difene (A), Difen-Stulln (D, CH), Dolgit-Diclo (D), Dolostrip (A), Dolpasse
(A), Ecofenac (CH), Effekton (D), Effigel (CH), Fenisole (CH), Flam-X (CH), Flector (D,
CH), Fortenac (CH), Inflamac (CH), Olfen (CH), Primofenac (CH), Relowa (CH), Voltaren
(D, A, CH),

Wirkung:

Diclofenac ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Nichtopioid-Analgetika, der bei leichten
bis mittleren Schmerzen und Entzündungen eingesetzt wird, beispielsweise bei Rheuma,
Prellungen, Zerrungen und Arthrose. Seine Wirkung beruht auf einer nichtselektiven
Hemmung der Cyclooxygenasen (COX), die im Körper für die Bildung von
Entzündungsmediatoren, den Prostaglandinen, verantwortlich sind. Chemisch gehört es
zu den Phenylessigsäuren. Der Name leitet sich von der Struktur ab: 2-((2,6-
Dichloranilino)phenyl)acetat.

Anwendung:

Schmerzen

Entzündungen, vor allem rheumatischen Ursprungs (Der Wirkstoff wird vor allem
eingesetzt zu Behandlung von Schmerzen und Entzündungen aufgrund akuter oder
chronischer Arthritiden (wie rheumatoide Arthritis), Arthrosen, weichteilrheumatischen
Erkrankungen wie Morbus Bechterew (chronisch-entzündlich-rheumatische Erkrankung
des Achsenskeletts, vor allem der Wirbelsäule),

Schwellungen und Entzündungen nach Verletzungen
Nebenwirkungen:

Gastrointestinale Beschwerden, Magen- Darmblutungen, Kopfschmerzen, Schwindel,
Störung der Blutbildung, Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Analgetika-Asthma,
Nierenschäden, Hautausschlag

Dosierung Voltaren:

Die Tagesdosierung liegt zwischen 50 - 150 mg beim Erwachsenen, bzw. 2 mg / kg
Körpergewicht.




Paracetamol

Handelsname:

Acetalgin (CH), ben-u-ron (D, CH), Captin (D), Contac (D), Contra-Schmerz (CH),
Dafalgan (CH), Dolprone (CH), Enelfa Dr. Henk (D), GRIPPEX (D), Panadol (CH)

Wirkung:

Hemmung der PG-Synthese peripher und auf spinaler Ebene, keine Anreicherung im
entzündeten Gewebe -> keine antiphlogistische Wirkung.

Anwendung:

Kopf- und Zahnschmerzen,

rheumatische Erkrankungen,

postoperative Schmerztherapie,

Fieber

1. Wahl bei Kindern!

Nebenwirkung:

In höheren Dosen hepatotoxisch (CYP450-abhängige Giftung von Paracetamol zu N-
Acetyl-p-Benzochinonimin (NAPQI), Sättigung der Glutathion-abhängigen Entgiftung von
NAPQI bei Überdosis) -> Leberzellnekrose, akutes Leberversagen. Durch Überdosierung
kann es auch zu tubulären Nekrosen oder interstitieller Nephritis kommen.

Antidot: N-Acetylcystein (NAC/ACC) innerhalb von 8 bis 10 Stunden.

Zu beachten: Kindersicher aufbewahren! Vorsicht bei Leberschaden!

Dosierung Dafalgan:

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Mefenaminsäure

Handelsname:

Ponstan (CH), Mephadolor (CH), Spiralgin (CH), Parkemed (A), Mefenacid (CH),

Wirkung:

Mefenaminsäure ist ein Nichtsteroidales Antirheumatikum. Es hemmt die Bildung von
Prostaglandinen (Botenstoffe) und wirkt dadurch schmerzstillend, entzündungshemmend
und fiebersenkend.

Anwendung:

Kopf- und Zahnschmerzen

rheumatische Erkrankungen

postoperative Schmerztherapie

Nebenwirkung:

Häufig: Durchfall, meist dosisabhängig, in diesem Fall sollte die Dosis reduziert werden.
Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen.

Selten: Schläfrigkeit, Müdigkeit, Schwindel, Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut und
Atemwege, Nierenfunktionsstörungen, Sehstörungen, Ohrensausen.

Krämpfe können schon bei relativ geringer Dosis auftreten, sie verlaufen aber zumeist
gutartig. Als Antidot kann in diesem Fall Diazepam eingesetzt werden.




Wechselwirkungen:

sind mit folgenden Substanzen bekannt: Antikoagulantien, Corticoide, Methotrexat,
Lithium, Antidiabetika, Diuretika, Omeprazol.




Dosierung Ponstan:

4x 500mg pro Tag. Tagesdosis 2g.
Bematil

Handelsname:

Bematil

Wirkung:

Schmerzmittel

Anwendung:

Zahnschmerzen (nach Präp oder WB)

Nebenwirkung:

Keine bekannt


Dosierung Bematil:

Nach dem Essen, Morgens 1Tabl., Abends 1Tabl.
Antibiotische Prophylaxe und Therapie in
Der Zahnmedizin

Antibiotika (v. altgriech. ἀντί- „anstelle, gegen“ und βίος „Leben“ mit lateinischer Endung; Einzahl
Antibiotikum) sind im ursprünglichen Sinne natürlich gebildete, niedermolekulare
Stoffwechselprodukte von Pilzen oder Bakterien, die schon in geringer Konzentration das
Wachstum von anderen Mikroorganismen hemmen oder diese abtöten.




Indikation von Antibiotika in der zahnärztlichen Chirurgie

Eine Antibiotikaprophylaxe ist indiziert bei:

1. länger dauernden Eingriffen

2. Eingriffen mit erhöhtem Kontaminationsrisiko

3. internistischen Risikopatienten in Absprache mit dem behandelnden Arzt

Die antibiotische Prophylaxe wird bei Endokarditisrisiko dringend erforderlich:

Hohes Risiko

– Klappenprothesen

– Status nach bakterieller Endokarditis

Mässiges Risiko

– Kongenitale Herzvitien (Ausnahme: Vorhofseptumdefekt)

– Palliativ oder provisorisch operierte Vitien

– Rheumatische Klappenvitien

– Mitralklappenprolaps mit Mitralinsuffi zienz

– Hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie




Eine antibiotische Therapie ist nach SCHUBERT (2003) u. a. absolut als die primäre
Chirurgie unterstützend indiziert bei:

1. akuter Osteomyelitis

2. Phlegmonen

3. fortgeleiteten Abszessen
4. Mehrlogenabszessen

Wahl des Antibiotikums:

Abszess

Abszesse werden inzidiert, drainiert und die Ursache beseitigt. Entleert sich Eiter, ist eine
antibiotische Therapie nicht indiziert (Ausnahmen: siehe oben). Antibiotika sind indiziert,
um eine Superinfektion bei drohender Ausbreitung in die angrenzenden Weichgewebe zu
verhindern.

Therapie: 1. Wahl: Aminopenicillin + Beta Lactamaseinhibitor;

Ausweichtherapie bei Penicillinallergie: Clindamycin, Makrolide




Infiltrat:

Tritt bei einer Inzision kein Eiter aus, sollte auf Grund der möglichen Superinfektion ein
Antibiotikum verabreicht werden. Bei der Dentitio diffi cilis ist neben der Lokalbehandlung
nur eine antibiotische Therapie indiziert, wenn Begleitsymptome wie Fieber,
Schluckbeschwerden oder eine Kieferklemme vorliegen, also eine Superinfektion besteht.
Spätere Ursachenbeseitigung ist selbstverständlich (z. B. Weisheitszahnentfernung bei
Dentitio difficilis).

Therapie: 1. Wahl: Penicillin G (i. v.), Aminopenicillin (i. v. bis zum Abklingen
der Entzündungszeichen, dann 2 Wochen oral);




Ambulante zahnärztlich-chirurgische Eingriffe:

Unkomplizierte zahnärztlich-chirurgische Eingriffe (Zahnextraktionen, operative
Entfernung von Zähnen, Wurzelspitzenresektionen etc.) bedürfen beim gesunden
Patienten keiner antibiotischen Prophylaxe. Erst bei entzündlichen Komplikationen
ist eine antibiotische Therapie indiziert. Das Einsetzen enossaler Implantate zählt zu
den in der Zukunft zunehmenden zahnärztlich-chirurgischen Eingriffen. Auch hier
erübrigt sich beim gesunden Patienten eine antibiotische Prophylaxe oder
Therapie. Bei Risikopatienten sollte erst nach genauer Abklärung eine Implantation
erfolgen. Bei Implantationen im Zusammenhang mit z. B. autologen
Knochentransplantaten ist eine antibiotische Prophylaxe mit Aminopenicillin und Beta
Lactamaseinhibitor indiziert. Komplikationen werden nach oben genannten Kriterien
antibiotisch therapiert.




Zystenoperationen:

Werden Zysten entfernt, kann mit Biomaterialien das Lumen aufgefüllt werden, um die
Blutkoagel zu stabilisieren und die knöcherne Ausheilung zu unterstützen. Im
Allgemeinen kann bei gesunden Patienten auf eine antibiotische Prophylaxe
verzichtet werden. Sollte es intraoperativ zum Freilegen des N. alveolaris inferior
kommen, wird eine «One Shot»-Prophylaxe oder eine antibiotische Therapie (1. Wahl:
Penicillin V, Cephalosporin, Aminopenicillin und Beta Lactamase;
Ausweichtherapie: Clindamycin) als sinnvoll erachtet.

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Eröffnung der Kieferhöhlen:

Die Kieferhöhle ist physiologischerweise steril (LAMBRECHT et al. 1986). Wird eine
keimfreie Kieferhöhle im Rahmen eines zahnärztlich- chirurgischen Eingriffes eröffnet, ist
primär keine antibiotische Therapie indiziert, wenn in kürzester Frist (innerhalb von
sechs Stunden) eine plastische Deckung vorgenommen wird. Ist die eröffnete Kieferhöhle
entzündet, wird mit konservativen Massnahmen die Entzündung ausbehandelt. Über
eine gezielte antibiotische Therapie muss im Einzelfall entschieden werden.




Traumatologie:

Bei allen Verletzungen ist prinzipiell zu prüfen, ob ein ausreichender Tetanusschutz
vorliegt. Bei Replantationen ist eine perioperative Kurzzeitprophylaxe indiziert.
Alveolarfortsatzfrakturen sind als offene Frakturen einzustufen. Hier ist eine
antibiotische Therapie indiziert. Ginigiva- und Mundschleimhautwunden erfordern im
Rahmen der chirurgischen Versorgung abhängig von ihrer Ausdehnung, der Dauer ihres
Bestehens und vom Kontaminationsgrad eventuell ebenfalls eine Kurzzeitprophylaxe oder
eine antibiotische

Therapie (1. Wahl: Penicillin V, Cephalosporine, Aminopenicillin+ Beta
Lactamase; Ausweichtherapie: Clindamycin).




Krankheitsbilder:

Beim Diabetes mellitus führen die diabetische Makro- und Mikroangiopathie zu einer
erhöhten Infektanfälligkeit und oftmals zu persistierenden Wundheilungsstörungen.
Insulinpfl ichtige Diabetiker mit labiler Stoffwechsellage sollten daher nach Absprache mit
dem Hausarzt prophylaktisch und – bei Komplikationen– therapeutisch antiobiotisch
behandelt werden.

Lebererkrankungen, die mit Leberfunktionsstörungen einhergehen, sind mit einem
Mangel an Gerinnungsfaktoren und möglicherweise auch mit einer erniedrigten
Leukozytenzahl korreliert. Sowohl Blutungen als auch Infektionen treten daher gehäuft
auf.

Bei chronischen Nierenerkrankungen kumulieren mehr oder minder ausgeprägt
toxische Stoffwechselprodukte. Wird eine Dialyse erforderlich, so müssen die Patienten
für den Zeitraum der Dialyse heparinisiert werden. Damit besteht ebenfalls erhöhte
Blutungs- und Infektionsgefahr. Es empfiehlt sich die Behandlung im dialysefreien
Intervall.

Im Falle von Leukämien, bei denen unreife Zellen auftreten, ist eine genügende
Immunabwehr nicht gewährleistet. Infektanfälligkeit oder Immunmangelkrankheiten sind
vorgegeben.

Auch bei Patienten nach Organtransplantationen, welche langfristig mit Steroiden oder
Immunsuppressiva behandelt werden, ist die Infektionsgefährdung erhöht.
Bei Patienten, die sich einer Therapie mit Antikoagulantien unterziehen müssen, bilden
sich im Rahmen von zahnärztlich-chirurgischen Eingriffen gehäuft Hämatome, die einer
gezielten Infektprophylaxe bedürfen.

Nach Strahlentherapie im Kopf- und Halsbereich liegen ungünstige
Vaskularisationsverhältnisse vor, welche die lokale Resistenz gegenüber einer
Keiminvasion vermindern. Hier ist eine antibiotische Prophylaxe obligat.

Auch bei Risikopatientinnen in der Schwangerschaft gelten Betalactame, d. h.
beispielsweise alle Penicilline, als Antibiotika der ersten Wahl.




Allgemeine Empfehlungen zur Wahl der in der
Zahnmedizin verwendeten Medikamente (DGZMK 2000):
(Dosierung für gesunde und normalgewichtige Erwachsene, Dosiskorrektur bei Kindern
oder bei Vorliegen von Allgemeinerkrankungen)




Gruppe                    INN            Handelsname                        Dosierung


Penicillin V              Phenoxylmethylpenicillin            Megacillin oral®
                              3x1,5 Mio I. E.
                                         Ospen®
                                         Penicillin® spirig
                                         Penicillin® cimex

Aminopenicilline          Amoxicillin           Azillin®
        3x750 mg
                                          Clamoxyl®
                                          Clavamox®
Aminopenicilline          Amoxicillin + Clavulansäure         Augmentin®
                          3x625 mg
+ß Lactamaseinhibitoren                  Aziclav®

Clindamycin               Clindamycin           Dalacin® C
        3x300 mg

Cephalosporine I          Cefaclor              Ceclor®
         3x500 mg
                                         Ceclor® Retard

Cephalosporine II        Cefuroximaxetil               Zinacef®
                    2x250 mg

Cephalosporine III        Cefpodoxim            Orelox®
         2x200 mg
                                         Podomexef®
                          Cefi ximum         Cephaoral®
                          2x200 mg
                                         Cefotaxim Claforan®
Tetracykline            Doxycyclin                   Sigadoxin®
          2x100 mg
                                             Supracyclin®
                                             Vibramycin®
                                             Doxycyclin®
                                             Helve Pharm®

Makrolide             Erythromycin                   Erythrocin®
         3x500 mg
                      Roxithromycin                  Rulid®
                      1x300 mg
                      Clarithromycin                         Klacid®
                           2x500 mg
                      Azithromycin                   Zithromax®
                      1x500 mg

Nitroimidazol         Metronidazol                   Arilin®
         3x400 mg
                                             Flagyl®




Lokalanästhetika in der Zahnmedizin
Als Lokalanästhetikum (Pl. -ka) werden Anästhetika zur örtlichen Betäubung bezeichnet.
Lokalanästhetika entfalten ihre Wirkung an der Zellmembran von Nervenzellen.
Hier blockieren sie Natriumkanäle und verhindern dadurch den Einstrom von Natriumionen in die
Zelle und somit die Bildung von Aktionspotenzialen. In höheren Konzentrationen wird zusätzlich der
Kaliumkanal blockiert und Kaliumionen gehindert, aus dem Zellinneren auszuströmen. Damit wird
die Bildung und Fortleitung von Empfindungen wie Temperatur, Druck oder Schmerz und die
Überleitung motorischer Impulse an dieser Stelle abgeschwächt oder ganz unterbrochen.




Chemische Struktur

Die chemische Struktur aller Lokalanästhetika ist ähnlich. Sie bestehen aus einer
lipophilen aromatischen Ringstruktur, einer Zwischenkette und einer hydrophilen
Aminogruppe. Nach der Zwischenkette unterscheidet man Aminoester („Ester-Typ“)
und Aminoamide („Amid-Typ“).Die Aminoester werden im Gewebe durch eine
Cholinesterase metabolisiert; der Abbau der Aminoamide erfolgt in der Leber durch N-
Dealkylierung oder Hydrolyse.



Wirkungen der Lokalanästhetika

- primär keine Fortleitung von Schmerzsignalen
= völlige Schmerzfreiheit im Innervationsgebiet

- auch die autonomen Fasern werden blockiert
= Vasodilatation
- zuletzt werden die motorischen Nervenfasern blockiert
= Lähmung im Innervationsgebiet

Bei Lokalanästhetikalösungen werden vasokonstriktorisch wirkende Substanzen
beigemengt (Adrenalin), damit sie bei Injektion in das Gewebe nicht zu schnell von den
Blutgefäßen abtransportiert werden, und allgemein auch länger wirken. Bei Endarterien
aber keine Vasokonstriktoren verwenden (Finger)!


Unerwünschte Wirkungen, Intoxikation

Lokalanästhetika können nicht nur die Bildung von Aktionspotenzialen in peripheren
Nerven blockieren, sondern auch in anderen Bereichen wie Gehirn oder Herz. Da sie im
Allgemeinen (mit Ausnahme bei der intravenösen Regionalanästhesie) in die Nähe von
peripheren Nerven bzw. Rückenmark appliziert werden, kommt es nicht zu solchen
systemischen Wirkungen. Gelangt jedoch eine zu große Menge der verwendeten
Substanz in das Kreislaufsystem, beispielsweise bei unbemerkter intravenöser Injektion,
kann es zu unerwünschten Wirkungen kommen.

Die Intoxikation kann in vier Stadien eingeteilt werden:

  1.   Prodromalstadium (periorale Taubheit, metallischer Geschmack)
  2.   Präkonvulsives Stadium (Tremor, Tinnitus, Nystagmus, Somnolenz)
  3.   Konvulsives Stadium (generalisierte tonisch-klonische Anfälle)
  4.   Stadium der ZNS Depression (Koma, Apnoe, Kreislaufkollaps)


Beispiel Ultracain® D-S forte

Zusammensetzung: Ultracain D-S 1:200.000: Arzneilich wirksame Bestandteile: 1 ml
Injektionslösung enthält 40 mg Articainhydrochlorid und 0,006 mg Adrenalinhydrochlorid.
Ultracain D-S forte 1:100.000: Arzneilich wirksame Bestandteile: 1 ml Injektionslösung
enthält 40 mg Articainhydrochlorid und 0,012 mg Adrenalinhydrochlorid. Sonstige
Bestandteile: Max. 0,5 mg Natriummetabisulfi t (Ph. Eur.) (entspr. max 0,34
mg SO2), Natriumchlorid, Wasser für Injektionszwecke.

Articain wird üblicherweise als Lokalanästhetikum vom Säureamid-Typ beschrieben.
Articain verändert die Membranpermeabilität, so dass der Natriumeinstrom in die
Nervenfaser gehemmt und somit die Bildung eines Aktionspotentials verhindert wird. Der
Wirkeintritt beträgt 2 Minuten und die Wirkdauer 1,5–3 Stunden.

Der Arzneistoff verfügt über eine gute Penetration ins Knochengewebe. Inaktiviert wird er
durch Hydrolyse und Freilegung einer hydrophilen Säuregruppe, wodurch er rasch aus
dem Körper eliminiert werden kann. Die Plasmahalbwertszeit liegt bei 25 Minuten.
Articain hat eine hohe Plasmaproteinbindung und gute Allgemeinverträglichkeit und ist
das Mittel der Wahl bei Schwangeren.



Maximaldosierung

4 mg/kg Körpergewicht

Bei einer Konzentration von 40 mg Articain/ml entspricht dies bei einem 70 kg schweren
Patienten einem Volumen von 7 ml (= 4 Zylinderampullen).

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Sami Khalaji - Analgesie

  • 1. Analgetika Zahnmedizin Analgetika lassen sich hinsichtlich der Chemie, dem Wirkungsort, der Wirkungsdauer, der Wirkungsstärke und des Wirkungsspektrums einschließlich der beeinflussten Schmerzqualitäten einteilen. Gebräuchlich ist meist die Einteilung in Opioide und Nicht-Opioide: Nichtopioid-Analgetika (Cyclooxygenase-Hemmer) Nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) Acetylsalicylsäure Handelsname: Alcacyl, Asa-Tabs, Aspégic, Aspirin, Aspro, Kardégic, Tiatral Wirkung: Thrombozytenaggregationshemmung: Hemmung v.a. der TxA2-synthetisierenden COX1 in den Thrombozyten durch irreversible Acetylierung (→Ind. bei Herzinfarkt- Prophylaxe). Das Endothel produziert PGI2 v.a. über COX2, die weniger empfindlich auf ASS reagiert und zudem schneller regeneriert werden kann, was den kernlosen Thrombozyten nicht möglich ist. Das Gleichgewicht zwischen TxA2 und PGI2 wird zugunsten des antithrombogenen PGI2 verschoben. Analgetisch und antiinflammatorisch durch Hemmung der Prostaglandinsynthese Nebenwirkung: Erhöhte Blutungsneigung Gastritis, Ulcus, Übelkeit (lokal: Anreicherung saurer Valenzen im Magenepithel, systemisch: die Produktion Schleimhautschützender Prostaglandine ist vermindert) allergische Reaktionen Asthmaanfall (Verlagerung der Mediatorsynthese von der PG- auf die Leukotriensynthese) Einschränkung der Nierenfunktion (Synthesehemmung vasodilatatorischer PG im Nierengefäßbett) *Hemmung der Harnsäureausscheidung (Konkurrenz am Tubulus- Transporter für organische Säuren)
  • 2. Vorzeitiger Verschluß des Ductus arteriosus Botalli im letzten Trimenon Anwendung: In Niedrigdosis bis 100mg/die Behandlung des Herzinfarktes und (Sekundär)Prophylaxe thrombotischer Ereignisse bei KHK, nach PTCA (perkutane transluminale Coronarangioplastie) und bei erhöhtem Risiko für einen ischämischen apoplektischen Insult. Höher dosiert als Analgetikum bei Kopf- und Zahnschmerzen, rheumatischen Erkrankungen. Kontraindikation: letztes Trimenon, Kinder, Ulcus, Gerinnungsstörungen, operative Eingriffe (7 Tage davor absetzen bzw. Präparatewechsel), Vorsicht bei Niereninsuffizienz, eher ungeignet bei Gichtanfall Intoxikation: Salicylismus - gastrointestinale (Übelkeit, Erbrechen) und zentrale (Unruhe, Hörstörungen, Hyperventilation -> Parästhesien) Symptome. Erst respiratorische Alkalose, dann metabolische Acidose. Kardiale und respiratorische Störungen, Koma, Asphyxie. Aspirin Dosierung: Dosierung: Kinder 6-14 Jahre: 250 mg (1/2-1 Tablette Aspirin) bis zu 3 mal täglich (im Abstand von 4-8 Stunden). Erwachsene und Jugendliche: 500-1000 mg (1-2 Tabletten Aspirin), bis zu 3 mal täglich (im Abstand von 4-8 Stunden). Hinweis: Bei Patienten mit Leber- und Nierenfunktionsstörungen muss die Dosis verringert bzw. der Abstand zwischen den Einnahmen verlängert werden. Ibuprofen Handelsname: Dolormin®, IBU-ratiopharm®Lysinat (D), ratioDolor® Wirkung: Ibuprofen ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika, der zur Behandlung von Schmerzen, Entzündungen und Fieber eingesetzt wird. Chemisch gehört es in die Gruppe der Arylpropionsäuren. Der Name leitet sich - mit einer Umstellung - von der Struktur ab: 2-(4-Isobutylphenyl) propionsäure. Anwendung: leichte bis mäßig starke Schmerzen
  • 3. rheumatischen Erkrankungen Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Sodbrennen, Erbrechen), Magen- Darmblutungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Störung der Blutbildung, Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Analgetika-Asthma, Nierenschäden, Hautausschlag Kontraindikation: Blutungsneigung Gastritis oder Ulcus (auch bei Verdacht) Allergische Erkrankungen, Asthma schere Nieren- und Leberfunktionsstörung Schwangerschaft und Stillzeit Diclofenac Handelsname: Diclac (D, CH), Difene (A), Difen-Stulln (D, CH), Dolgit-Diclo (D), Dolostrip (A), Dolpasse (A), Ecofenac (CH), Effekton (D), Effigel (CH), Fenisole (CH), Flam-X (CH), Flector (D, CH), Fortenac (CH), Inflamac (CH), Olfen (CH), Primofenac (CH), Relowa (CH), Voltaren (D, A, CH), Wirkung: Diclofenac ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Nichtopioid-Analgetika, der bei leichten bis mittleren Schmerzen und Entzündungen eingesetzt wird, beispielsweise bei Rheuma, Prellungen, Zerrungen und Arthrose. Seine Wirkung beruht auf einer nichtselektiven Hemmung der Cyclooxygenasen (COX), die im Körper für die Bildung von Entzündungsmediatoren, den Prostaglandinen, verantwortlich sind. Chemisch gehört es zu den Phenylessigsäuren. Der Name leitet sich von der Struktur ab: 2-((2,6- Dichloranilino)phenyl)acetat. Anwendung: Schmerzen Entzündungen, vor allem rheumatischen Ursprungs (Der Wirkstoff wird vor allem eingesetzt zu Behandlung von Schmerzen und Entzündungen aufgrund akuter oder chronischer Arthritiden (wie rheumatoide Arthritis), Arthrosen, weichteilrheumatischen Erkrankungen wie Morbus Bechterew (chronisch-entzündlich-rheumatische Erkrankung des Achsenskeletts, vor allem der Wirbelsäule), Schwellungen und Entzündungen nach Verletzungen
  • 4. Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, Magen- Darmblutungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Störung der Blutbildung, Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Analgetika-Asthma, Nierenschäden, Hautausschlag Dosierung Voltaren: Die Tagesdosierung liegt zwischen 50 - 150 mg beim Erwachsenen, bzw. 2 mg / kg Körpergewicht. Paracetamol Handelsname: Acetalgin (CH), ben-u-ron (D, CH), Captin (D), Contac (D), Contra-Schmerz (CH), Dafalgan (CH), Dolprone (CH), Enelfa Dr. Henk (D), GRIPPEX (D), Panadol (CH) Wirkung: Hemmung der PG-Synthese peripher und auf spinaler Ebene, keine Anreicherung im entzündeten Gewebe -> keine antiphlogistische Wirkung. Anwendung: Kopf- und Zahnschmerzen, rheumatische Erkrankungen, postoperative Schmerztherapie, Fieber 1. Wahl bei Kindern! Nebenwirkung: In höheren Dosen hepatotoxisch (CYP450-abhängige Giftung von Paracetamol zu N- Acetyl-p-Benzochinonimin (NAPQI), Sättigung der Glutathion-abhängigen Entgiftung von NAPQI bei Überdosis) -> Leberzellnekrose, akutes Leberversagen. Durch Überdosierung kann es auch zu tubulären Nekrosen oder interstitieller Nephritis kommen. Antidot: N-Acetylcystein (NAC/ACC) innerhalb von 8 bis 10 Stunden. Zu beachten: Kindersicher aufbewahren! Vorsicht bei Leberschaden! Dosierung Dafalgan:
  • 5. Max. 4g/Tag Erwachsene, max. 1-2g/Tag Kinder Mefenaminsäure Handelsname: Ponstan (CH), Mephadolor (CH), Spiralgin (CH), Parkemed (A), Mefenacid (CH), Wirkung: Mefenaminsäure ist ein Nichtsteroidales Antirheumatikum. Es hemmt die Bildung von Prostaglandinen (Botenstoffe) und wirkt dadurch schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend. Anwendung: Kopf- und Zahnschmerzen rheumatische Erkrankungen postoperative Schmerztherapie Nebenwirkung: Häufig: Durchfall, meist dosisabhängig, in diesem Fall sollte die Dosis reduziert werden. Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen. Selten: Schläfrigkeit, Müdigkeit, Schwindel, Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut und Atemwege, Nierenfunktionsstörungen, Sehstörungen, Ohrensausen. Krämpfe können schon bei relativ geringer Dosis auftreten, sie verlaufen aber zumeist gutartig. Als Antidot kann in diesem Fall Diazepam eingesetzt werden. Wechselwirkungen: sind mit folgenden Substanzen bekannt: Antikoagulantien, Corticoide, Methotrexat, Lithium, Antidiabetika, Diuretika, Omeprazol. Dosierung Ponstan: 4x 500mg pro Tag. Tagesdosis 2g.
  • 6. Bematil Handelsname: Bematil Wirkung: Schmerzmittel Anwendung: Zahnschmerzen (nach Präp oder WB) Nebenwirkung: Keine bekannt Dosierung Bematil: Nach dem Essen, Morgens 1Tabl., Abends 1Tabl.
  • 7. Antibiotische Prophylaxe und Therapie in Der Zahnmedizin Antibiotika (v. altgriech. ἀντί- „anstelle, gegen“ und βίος „Leben“ mit lateinischer Endung; Einzahl Antibiotikum) sind im ursprünglichen Sinne natürlich gebildete, niedermolekulare Stoffwechselprodukte von Pilzen oder Bakterien, die schon in geringer Konzentration das Wachstum von anderen Mikroorganismen hemmen oder diese abtöten. Indikation von Antibiotika in der zahnärztlichen Chirurgie Eine Antibiotikaprophylaxe ist indiziert bei: 1. länger dauernden Eingriffen 2. Eingriffen mit erhöhtem Kontaminationsrisiko 3. internistischen Risikopatienten in Absprache mit dem behandelnden Arzt Die antibiotische Prophylaxe wird bei Endokarditisrisiko dringend erforderlich: Hohes Risiko – Klappenprothesen – Status nach bakterieller Endokarditis Mässiges Risiko – Kongenitale Herzvitien (Ausnahme: Vorhofseptumdefekt) – Palliativ oder provisorisch operierte Vitien – Rheumatische Klappenvitien – Mitralklappenprolaps mit Mitralinsuffi zienz – Hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie Eine antibiotische Therapie ist nach SCHUBERT (2003) u. a. absolut als die primäre Chirurgie unterstützend indiziert bei: 1. akuter Osteomyelitis 2. Phlegmonen 3. fortgeleiteten Abszessen
  • 8. 4. Mehrlogenabszessen Wahl des Antibiotikums: Abszess Abszesse werden inzidiert, drainiert und die Ursache beseitigt. Entleert sich Eiter, ist eine antibiotische Therapie nicht indiziert (Ausnahmen: siehe oben). Antibiotika sind indiziert, um eine Superinfektion bei drohender Ausbreitung in die angrenzenden Weichgewebe zu verhindern. Therapie: 1. Wahl: Aminopenicillin + Beta Lactamaseinhibitor; Ausweichtherapie bei Penicillinallergie: Clindamycin, Makrolide Infiltrat: Tritt bei einer Inzision kein Eiter aus, sollte auf Grund der möglichen Superinfektion ein Antibiotikum verabreicht werden. Bei der Dentitio diffi cilis ist neben der Lokalbehandlung nur eine antibiotische Therapie indiziert, wenn Begleitsymptome wie Fieber, Schluckbeschwerden oder eine Kieferklemme vorliegen, also eine Superinfektion besteht. Spätere Ursachenbeseitigung ist selbstverständlich (z. B. Weisheitszahnentfernung bei Dentitio difficilis). Therapie: 1. Wahl: Penicillin G (i. v.), Aminopenicillin (i. v. bis zum Abklingen der Entzündungszeichen, dann 2 Wochen oral); Ambulante zahnärztlich-chirurgische Eingriffe: Unkomplizierte zahnärztlich-chirurgische Eingriffe (Zahnextraktionen, operative Entfernung von Zähnen, Wurzelspitzenresektionen etc.) bedürfen beim gesunden Patienten keiner antibiotischen Prophylaxe. Erst bei entzündlichen Komplikationen ist eine antibiotische Therapie indiziert. Das Einsetzen enossaler Implantate zählt zu den in der Zukunft zunehmenden zahnärztlich-chirurgischen Eingriffen. Auch hier erübrigt sich beim gesunden Patienten eine antibiotische Prophylaxe oder Therapie. Bei Risikopatienten sollte erst nach genauer Abklärung eine Implantation erfolgen. Bei Implantationen im Zusammenhang mit z. B. autologen Knochentransplantaten ist eine antibiotische Prophylaxe mit Aminopenicillin und Beta Lactamaseinhibitor indiziert. Komplikationen werden nach oben genannten Kriterien antibiotisch therapiert. Zystenoperationen: Werden Zysten entfernt, kann mit Biomaterialien das Lumen aufgefüllt werden, um die Blutkoagel zu stabilisieren und die knöcherne Ausheilung zu unterstützen. Im Allgemeinen kann bei gesunden Patienten auf eine antibiotische Prophylaxe verzichtet werden. Sollte es intraoperativ zum Freilegen des N. alveolaris inferior kommen, wird eine «One Shot»-Prophylaxe oder eine antibiotische Therapie (1. Wahl: Penicillin V, Cephalosporin, Aminopenicillin und Beta Lactamase; Ausweichtherapie: Clindamycin) als sinnvoll erachtet.
  • 9. Eröffnung der Kieferhöhlen: Die Kieferhöhle ist physiologischerweise steril (LAMBRECHT et al. 1986). Wird eine keimfreie Kieferhöhle im Rahmen eines zahnärztlich- chirurgischen Eingriffes eröffnet, ist primär keine antibiotische Therapie indiziert, wenn in kürzester Frist (innerhalb von sechs Stunden) eine plastische Deckung vorgenommen wird. Ist die eröffnete Kieferhöhle entzündet, wird mit konservativen Massnahmen die Entzündung ausbehandelt. Über eine gezielte antibiotische Therapie muss im Einzelfall entschieden werden. Traumatologie: Bei allen Verletzungen ist prinzipiell zu prüfen, ob ein ausreichender Tetanusschutz vorliegt. Bei Replantationen ist eine perioperative Kurzzeitprophylaxe indiziert. Alveolarfortsatzfrakturen sind als offene Frakturen einzustufen. Hier ist eine antibiotische Therapie indiziert. Ginigiva- und Mundschleimhautwunden erfordern im Rahmen der chirurgischen Versorgung abhängig von ihrer Ausdehnung, der Dauer ihres Bestehens und vom Kontaminationsgrad eventuell ebenfalls eine Kurzzeitprophylaxe oder eine antibiotische Therapie (1. Wahl: Penicillin V, Cephalosporine, Aminopenicillin+ Beta Lactamase; Ausweichtherapie: Clindamycin). Krankheitsbilder: Beim Diabetes mellitus führen die diabetische Makro- und Mikroangiopathie zu einer erhöhten Infektanfälligkeit und oftmals zu persistierenden Wundheilungsstörungen. Insulinpfl ichtige Diabetiker mit labiler Stoffwechsellage sollten daher nach Absprache mit dem Hausarzt prophylaktisch und – bei Komplikationen– therapeutisch antiobiotisch behandelt werden. Lebererkrankungen, die mit Leberfunktionsstörungen einhergehen, sind mit einem Mangel an Gerinnungsfaktoren und möglicherweise auch mit einer erniedrigten Leukozytenzahl korreliert. Sowohl Blutungen als auch Infektionen treten daher gehäuft auf. Bei chronischen Nierenerkrankungen kumulieren mehr oder minder ausgeprägt toxische Stoffwechselprodukte. Wird eine Dialyse erforderlich, so müssen die Patienten für den Zeitraum der Dialyse heparinisiert werden. Damit besteht ebenfalls erhöhte Blutungs- und Infektionsgefahr. Es empfiehlt sich die Behandlung im dialysefreien Intervall. Im Falle von Leukämien, bei denen unreife Zellen auftreten, ist eine genügende Immunabwehr nicht gewährleistet. Infektanfälligkeit oder Immunmangelkrankheiten sind vorgegeben. Auch bei Patienten nach Organtransplantationen, welche langfristig mit Steroiden oder Immunsuppressiva behandelt werden, ist die Infektionsgefährdung erhöht.
  • 10. Bei Patienten, die sich einer Therapie mit Antikoagulantien unterziehen müssen, bilden sich im Rahmen von zahnärztlich-chirurgischen Eingriffen gehäuft Hämatome, die einer gezielten Infektprophylaxe bedürfen. Nach Strahlentherapie im Kopf- und Halsbereich liegen ungünstige Vaskularisationsverhältnisse vor, welche die lokale Resistenz gegenüber einer Keiminvasion vermindern. Hier ist eine antibiotische Prophylaxe obligat. Auch bei Risikopatientinnen in der Schwangerschaft gelten Betalactame, d. h. beispielsweise alle Penicilline, als Antibiotika der ersten Wahl. Allgemeine Empfehlungen zur Wahl der in der Zahnmedizin verwendeten Medikamente (DGZMK 2000): (Dosierung für gesunde und normalgewichtige Erwachsene, Dosiskorrektur bei Kindern oder bei Vorliegen von Allgemeinerkrankungen) Gruppe INN Handelsname Dosierung Penicillin V Phenoxylmethylpenicillin Megacillin oral® 3x1,5 Mio I. E. Ospen® Penicillin® spirig Penicillin® cimex Aminopenicilline Amoxicillin Azillin® 3x750 mg Clamoxyl® Clavamox® Aminopenicilline Amoxicillin + Clavulansäure Augmentin® 3x625 mg +ß Lactamaseinhibitoren Aziclav® Clindamycin Clindamycin Dalacin® C 3x300 mg Cephalosporine I Cefaclor Ceclor® 3x500 mg Ceclor® Retard Cephalosporine II Cefuroximaxetil Zinacef® 2x250 mg Cephalosporine III Cefpodoxim Orelox® 2x200 mg Podomexef® Cefi ximum Cephaoral® 2x200 mg Cefotaxim Claforan®
  • 11. Tetracykline Doxycyclin Sigadoxin® 2x100 mg Supracyclin® Vibramycin® Doxycyclin® Helve Pharm® Makrolide Erythromycin Erythrocin® 3x500 mg Roxithromycin Rulid® 1x300 mg Clarithromycin Klacid® 2x500 mg Azithromycin Zithromax® 1x500 mg Nitroimidazol Metronidazol Arilin® 3x400 mg Flagyl® Lokalanästhetika in der Zahnmedizin Als Lokalanästhetikum (Pl. -ka) werden Anästhetika zur örtlichen Betäubung bezeichnet. Lokalanästhetika entfalten ihre Wirkung an der Zellmembran von Nervenzellen. Hier blockieren sie Natriumkanäle und verhindern dadurch den Einstrom von Natriumionen in die Zelle und somit die Bildung von Aktionspotenzialen. In höheren Konzentrationen wird zusätzlich der Kaliumkanal blockiert und Kaliumionen gehindert, aus dem Zellinneren auszuströmen. Damit wird die Bildung und Fortleitung von Empfindungen wie Temperatur, Druck oder Schmerz und die Überleitung motorischer Impulse an dieser Stelle abgeschwächt oder ganz unterbrochen. Chemische Struktur Die chemische Struktur aller Lokalanästhetika ist ähnlich. Sie bestehen aus einer lipophilen aromatischen Ringstruktur, einer Zwischenkette und einer hydrophilen Aminogruppe. Nach der Zwischenkette unterscheidet man Aminoester („Ester-Typ“) und Aminoamide („Amid-Typ“).Die Aminoester werden im Gewebe durch eine Cholinesterase metabolisiert; der Abbau der Aminoamide erfolgt in der Leber durch N- Dealkylierung oder Hydrolyse. Wirkungen der Lokalanästhetika - primär keine Fortleitung von Schmerzsignalen = völlige Schmerzfreiheit im Innervationsgebiet - auch die autonomen Fasern werden blockiert = Vasodilatation
  • 12. - zuletzt werden die motorischen Nervenfasern blockiert = Lähmung im Innervationsgebiet Bei Lokalanästhetikalösungen werden vasokonstriktorisch wirkende Substanzen beigemengt (Adrenalin), damit sie bei Injektion in das Gewebe nicht zu schnell von den Blutgefäßen abtransportiert werden, und allgemein auch länger wirken. Bei Endarterien aber keine Vasokonstriktoren verwenden (Finger)! Unerwünschte Wirkungen, Intoxikation Lokalanästhetika können nicht nur die Bildung von Aktionspotenzialen in peripheren Nerven blockieren, sondern auch in anderen Bereichen wie Gehirn oder Herz. Da sie im Allgemeinen (mit Ausnahme bei der intravenösen Regionalanästhesie) in die Nähe von peripheren Nerven bzw. Rückenmark appliziert werden, kommt es nicht zu solchen systemischen Wirkungen. Gelangt jedoch eine zu große Menge der verwendeten Substanz in das Kreislaufsystem, beispielsweise bei unbemerkter intravenöser Injektion, kann es zu unerwünschten Wirkungen kommen. Die Intoxikation kann in vier Stadien eingeteilt werden: 1. Prodromalstadium (periorale Taubheit, metallischer Geschmack) 2. Präkonvulsives Stadium (Tremor, Tinnitus, Nystagmus, Somnolenz) 3. Konvulsives Stadium (generalisierte tonisch-klonische Anfälle) 4. Stadium der ZNS Depression (Koma, Apnoe, Kreislaufkollaps) Beispiel Ultracain® D-S forte Zusammensetzung: Ultracain D-S 1:200.000: Arzneilich wirksame Bestandteile: 1 ml Injektionslösung enthält 40 mg Articainhydrochlorid und 0,006 mg Adrenalinhydrochlorid. Ultracain D-S forte 1:100.000: Arzneilich wirksame Bestandteile: 1 ml Injektionslösung enthält 40 mg Articainhydrochlorid und 0,012 mg Adrenalinhydrochlorid. Sonstige Bestandteile: Max. 0,5 mg Natriummetabisulfi t (Ph. Eur.) (entspr. max 0,34 mg SO2), Natriumchlorid, Wasser für Injektionszwecke. Articain wird üblicherweise als Lokalanästhetikum vom Säureamid-Typ beschrieben. Articain verändert die Membranpermeabilität, so dass der Natriumeinstrom in die Nervenfaser gehemmt und somit die Bildung eines Aktionspotentials verhindert wird. Der Wirkeintritt beträgt 2 Minuten und die Wirkdauer 1,5–3 Stunden. Der Arzneistoff verfügt über eine gute Penetration ins Knochengewebe. Inaktiviert wird er durch Hydrolyse und Freilegung einer hydrophilen Säuregruppe, wodurch er rasch aus dem Körper eliminiert werden kann. Die Plasmahalbwertszeit liegt bei 25 Minuten. Articain hat eine hohe Plasmaproteinbindung und gute Allgemeinverträglichkeit und ist das Mittel der Wahl bei Schwangeren. Maximaldosierung 4 mg/kg Körpergewicht Bei einer Konzentration von 40 mg Articain/ml entspricht dies bei einem 70 kg schweren Patienten einem Volumen von 7 ml (= 4 Zylinderampullen).