Prävention sozialer
Ängste
Resilienz und Vorstellung eines evidenzbasierten
Präventionsprogramms zur Prävention sozialer Ängste
Gesundheitspsychologie WS 2014/15
Leitung: Mag. Dr. Mario Lehenbauer-Baum
Mareike Scharf, Julia Strobach, Stefanie Zimmermann
Wie kann die Abgrenzung
zwischen Schüchternheit
und sozialer Angst
vorgenommen werden?
2
Inhalt
 Übungen
 Grundbegriffe
 Klassifikation nach ICD-10 und DSM
 Abgrenzung Schüchternheit, soziale Angst,
selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeitsstörung
 Entwicklungsmodelle
 Eckpfeiler von Behandlung sozialer Ängste
 Studie I
 Übung
 Studie II
  Vor- und Nachteile
 Übung
 Diskussion
3
Grundbegriffe
ad Prävention, Resilienz
 Unterschiedliche Maßnahmen zur Vorbeugung
und Verhinderung von unerwünschten
psychischen oder physischen Zuständen.
 Aufgabe: Veränderung und Abschwächung von
Risikoverhalten und intrapersonalen
Risikofaktoren sowie Eliminierung und Milderung
von Risikofaktoren in der physikalischen Umwelt
 Ziel: Senken der Inzidenz
4
Systematisierung von Prävention
nach dem zeitlichen Aspekt
 Primäre Prävention
 Sekundäre Prävention
 Tertiäre Prävention
 Quartäre Prävention
5
Präventionsmethoden
 Aufklärung/Psychoedukation
 Beratung
 Training
 Umgebungsbezogene Intervention
 Krisenintervention
6
Resilienz
 Psychische Widerstandsfähigkeit,
Gegenteil der Vulnerabilität
 Fähigkeit, Krisen zu bewältigen durch
 Rückgriff auf persönliche und sozial
vermittelnde Ressourcen.
 Klassifikationen: Soziale Phobie
7
ICD-10
Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen (F4)
 phobische Störungen (F40)
 soziale Phobie (F40.1)
Symptome:
 Furcht vor prüfender Beobachtung durch andere Menschen
 Vermeidung sozialer Situationen
 niedriger Selbstwert
 Furcht vor Kritik
Körperliche Symptome wie z.B.:
 Erröten
 Zittern
 Übelkeit
8
Diagnosekriterien ICD-10
 Min. 2 der allgemeinen Angstsymptome in
gefürchteten Situationen, min. einmal seit
Auftreten der Störung
+ min. eines der folgenden Symptome:
◦ Erröten
◦ Zittern
◦ Angst, zu erbrechen
◦ Angst vor Miktations- bzw. Defäkationsdrang
9
DSM-IV
Achse 1: klinische Störungen (und andere klin. relevante Probleme)
 Angststörungen
 soziale Phobie (300.23)
Symptome:
 Angst vor einer oder mehreren sozialen oder Leistungssituationen
 Angst vor Konfrontation mit unbekannten Personen
 Angst vor Beurteilung durch diese Personen
 Angst davor, ein Verhalten (oder Angstsymptome) zu zeigen,
welches peinlich oder demütigend sein könnte
 Vermeidung dieser Situationen
 Oder: Ertragen dieser Situationen unter intensiver Angst
10
DSM-V
 Differenziert wird zwischen zwei Typen
sozialer Phobie:
 Generalisierter Typus: umfasst min. 3
angstbesetzte Situationen
 Nicht generalisierter Typus: umfasst nicht
mehr als zwei angstbesetzte Situationen
 Abgrenzung zur Schüchternheit und zur
selbstunsicher-vermeidenden
Persönlichkeitsstörung
11
Schüchternheit
 Allgemein Verhaltenszuschreibung für
Menschen, die als scheu, zurückhaltend,
ängstlich und gehemmt gelten
 Es besteht eine unterschwellige Angst vor
Ablehnung
 Bisher besteht keine einheitliche
Definition
12
Schüchternheit
 Allerdings besteht beim Vorliegen von
Schüchternheit ein höheres Maß an Lebensqualität,
als im Falle einer sozialer Phobie
 Personen mit sozialer Phobie berichten weiterhin
über mehr soziale Ängste, als schüchterne
Personen
 Der Übergang zwischen Schüchternheit und sozialer
Phobie kann als fließend angesehen werden
 Bspw.: Wenn die Schüchternheit beginnt, den
Alltag der betroffenen Person ernsthaft
einzuschränken 13
Die selbstunsicher – vermeidende
Persönlichkeitsstörung
 Starke Überlappung diagnostischer
Kriterien im DSM-4
 Verschiedene Studien ergaben im
Durchschnitt eine Komorbidität von 56%
 Ist eine kategoriale Unterscheidung
basierend auf qualitativen Merkmalen
überhaupt sinnvoll?
14
Die selbstunsicher – vermeidende
Persönlichkeitsstörung
 Insgesamt lassen sich wenige Hinweise auf
qualitative Hinweise zwischen den
generalisierten und nicht generalisierten
Typen der sozialen Phobie und der
selbstunsicher-vermeidenden
Persönlichkeitsstörung feststellen
 Sinnvoller: verschiedene Störungen als
Kontinuum unterschiedlicher Ausprägungen
sozialer Angst
 Unterschiede eher quantitativ
15
Die selbstunsicher – vermeidende
Persönlichkeitsstörung
 Unterschiede eher quantitativ
 Präventive Maßnahmen könnten in
diesem Fall einen Verlauf von
Schüchternheit in Richtung einer sozialen
Phobie verhindern.
16
(Stangier & Frydric, 2002)
17
Prävalenz
 Die Sozialphobie hat einen frühen Beginn, vor dem
18. Lebensjahr
 Erste soziale Ängste im Kleinkindalter erkennbar
 Ab 4. Lebensjahr Selbstwahrnehmung als soziales
Objekt
 Pubertät: Bewertung durch eine soziale Gruppe
 Müller (2009):
◦ Prävalenz der Sozialphobie bis 27%
◦ Prävalenz von Schüchternheit bei 24-35%
◦ Im Kindesalter kein Geschlechtsunterschied
◦ Ab Pubertät häufiger Mädchen
18
Verlauf
 Meist chronisch mit 20-30 Jahren Dauer
 Spontanremission bei 11-17%
 Jugendliche: vorübergehende Remission
 Ab 24 Jahren stabil
 Problem: Folgen für Berufs- und
Privatleben, späte Entwicklung sozialer
Kompetenzen, hohe Kosten für
Krankenstand und erhöhte
Arbeitslosenquote
19
 Die Sozialphobie ist in einem bio-psycho-
sozialen Modell verankert
 „Goldstandard“: Das kognitiv-
lerntheoretische Modell
 Dysfunktionale negative Schemata:
◦ kritischen Erziehungsstil
◦ Entwicklungsübergänge (Pubertät)
 Habituation
 Disposition  maladaptive Kognitionen
 Aufrechterhaltung Vermeidungsverhalten
20
Entstehungsmodelle sozialer Ängste
Entstehungsmodelle sozialer Ängste
Kognitives Modell der Sozialphobie (Stangier, Clark & Ehlers, 2006)
21
Entstehungsmodelle sozialer Ängste
Lerntheoretisches Modell
 Fehlende Rollenmodelle und Verstärkung
 Annahme:
◦ Verzerrte Wahrnehmung in
Leistungssituationen
◦ Defizit sozialer Kompetenzen in Interaktionen
 Beide Ansätze in der Intervention
22
Entstehungsmodelle sozialer Ängste
Biologische Ansätze
 „Preparedness“ Theorie (Seligman)
◦ Ängste sind biologisch sinnvoll
◦ Soziale Ängste im Jugendalter als wichtige
Funktion
 Genetische Disposition
◦ Sozial gehemmtes Verhalten im Kleinkindalter
◦ Übererregbarkeit der Amygdala
23
Behandlungsansätze
 Soziales Kompetenztraining begleitend zu kognitiven Verfahren
 Oft zusätzliche Medikation mit SSRI, NARI, MAO-Hemmer 
symptomatische Verbesserung
 Kognitiv-lerntheoretisches Therapieprogramm (Clark & Wells)
◦ Änderung des Sicherheitsverhaltens
◦ Aufmerksamkeit nach außen richten
◦ Realistische Selbstwahrnehmung in sozialen Situationen
◦ Negative Kognitionen hinterfragen
◦ Psychoedukation
◦ Kognitive Umstrukturierung
◦ Entspannungsverfahren vor allem bei Jugendlichen
 Onlinebasierte Interventionen
◦ Idee: häufiger Internetgebrauch bei sozialen Ängsten
◦ Gesundheitsfördernde Maßnahmen schnell verbreiten
◦ Ethische Aspekte bedenken
Vergleich eines offline und online Selbstsicherheitstrainings: Durch
Vermittlung sozialer Kompetenzen und Emotionsregulationsstrategien
Resilienz fördern und der Entstehung sozialer Ängste primär-präventiv
entgegenwirken
24
Studie I
offline
25
Selbstsicherheitstraining
 Zielgruppe: sozialphobische und schüchterne
Jugendliche und junge Erwachsene
 WS 08/09 an Schulen
 3 Testzeitpunkte
 Ziel: Entwicklung & Evaluation von
Training zur Förderung von Resilienz & Prävention
sozialer Ängste
 Förderung von:
◦ Resilienz  Vermittlung sozialer Kompetenzen
◦ Emotionsregulations- und
Stressmanagementstrategien
◦ Bearbeitung vorhandener sozialer Ängste
26
Selbstsicherheitstraining
 1) Block (1. – 6. Einheit)
◦ Psychoedukation
◦ Maladaptive Kognitionen
◦ Kognitive Umstrukturierung
 2) Block (7. – 12. Einheit)
◦ Training sozialer
◦ Kompetenzen
 3) Block (13. – 14. Einheit)
◦ Rückfallprävention
◦ Verabschiedung
27
Verfahren
 SPIN (Social Phobia Inventory) Soziale Ängste, 17 Items, 5-
stufige Skala
 LSAS (Liebowitz Social Anxiety Scale) Fremdbeurteilungs-
und Selbstbeurteilungsverfahren, 7 Subskalen
 FSKN (Frankfurter Selbstkonzeptskalen) Beurteilung
sozialer Kompetenz, 78 Items, 6-stufige Skala
 SEE (Skalen zum Erleben von Emotionen) Um Effekte des
Selbstsicherheitstrainings hinsichtlich der
Emotionsregulation zu erfassen, 42 Items, 5-stufige Skala
 ROPELOC (Review of personal effectiveness in life and locus
of control) Einschätzung des Erfolgs in Leben und Kontrolle
über eigenes Leben, 14 Subskalen
28
Strichprobe
 Keine zufällige Einteilung in Gruppen
 330 Gesamtstichprobe (n), endgültig
◦ 177 = Kontrollgruppe
◦ 153 = Versuchsgruppe
 Gesamt
◦ ♀ = 258
◦ ♂ = 72
 Alter 13-19 Jahre
29
Ergebnisse – Korrelationen
 Förderung sozialer Kompetenzen  Abnahme
sozialer Ängste
 Erleben von Emotionsregulation, -kontrolle &
Akzeptanz eigener Emotionen  Reduktion
sozialer Ängste
 Anstieg sozialer Ängste 
Emotionsüberflutung, Mangel an pos.
Emotionen & neg. körperliche Wahrnehmung
 Je höher soziale Ängste  desto geringer
Selbstwirksamkeit
 11 Bereiche  Prävention sozialer Ängste
30
Ergebnisse – soziale Ängste
 Selbstsicherheitstraining wirkt sich auf
soziale Ängste aus
 Keine Veränderung  Kontrollgruppe
 Deutliche Veränderung zwischen erstem
und drittem Zeitpunkt  Versuchsgruppe
◦ 30.7% - Sozialphobiker, 1. Tz.
◦ 13.9% - Sozialphobiker, 2. Tz. (nach Training)
31
Ergebnisse - gesamt
 Sehr effektiv in Behandlung sozialer Ängste
 Versuchsgruppe (mit Sozialphobie)  um die Hälfte
weniger
 Kontrollgruppe  keine Effekte
 Wenige altersbezogene Unterschiede
 Keine geschlechtsbezogenen Unterschiede
 Faktoren nach 4 Monaten noch stabil
 Stärkung von Faktoren in Relation zu Resilienz
(Selbstwirksamkeit, Emotionsregulation, internale
Kontrollüberzeugung, soziale Kompetenzen)
 insgesamt gelungener Ausgang
32
Studie II
online
33
Online Selbstsicherheitstraining
 Inhalte sind deckungsgleich mit dem Offline
Selbstsicherheitstraining
 Zugang über persönlichen passwortgeschützten
Bereich
 Das Training besteht aus 14 Einheiten:
 1. Auswahl eines Avatars und eines Programmbegleiters
 2. Psychoedukation und Einführung in soziale Ängste
 3. Teufelskreis Angst, Arbeitsblätter zu Selbstbeobachtung
 4.-6. Negative Automatische Gedanken
 7. Merkmale von Verhaltensweisen
 8.-12. Grundlagen sozialer Kompetenzen- Comics, Audio
 13.-14. Wiederholung und Vertiefung, Verabschiedung der
Avatare
34
Probandenauswahl
 Da soziale Ängste im Jugendalter
auftreten, vorwiegend junge Erwachsene
 Studenten aus dem Bachelorstudiengang
Psychologie
 108 Teilnehmer, (15 männlich, 91
weiblich)
35
Ergebnisse des Online Trainings
 Offline Selbstsicherheitstraining ergab eine hoch
signifikante Verringerung sozialer Ängste
 Bestätigung des Interventionsmodells nach Clark und
WellsReduktion sozialer Ängste
◦ Versuchsgruppe ändert sich von 44,26% Sozialphobie auf
28%
 Angst und Vermeidungsverhalten wurde reduziert
 Anschließende soziale Interaktionen wurden besser
bewältigt
 Bezüglich der Resilienz schätzen sich die Teilnehmer
selbstsicherer ein
 Fühlen sich weniger verletzbar und besser gestimmt
 Bessere Emotionsregulation durch
Ressourcenaktivierung
36
Fazit
 Kaum Unterschiede zwischen Offline und
Online Training
 Effektivität war in beiden Fällen gegeben
 Resilienz konnte in ähnlichem Ausmaß
gefördert werden
 Kognitiv-lerntheoretisches Modell (Clark
und Wells, 1995) bestätigt
37
Vor- und Nachteile
38
Quiz –
Prävention sozialer
Ängste
39
Diskussion
 Familie, Freunde mit sozialer Angst 
Welche Methode würdet ihr
empfehlen/später selbst anwenden?
(offline oder online)
 Was hat sich verändert? (Erkenntnisspeicher)
 Erfahrungen mit sozialen Ängsten
40
Literatur
 Lehenbauer, M. (2012). Primäre Prävention sozialer Ängste:
Förderung von Resilienz mit Hilfe evidenzbasierter Offline- und
Online-Interventionen. Universität Wien: Dissertation.
 Lehenbauer, M., Kothgassner, O. D., Kryspin-Exner, I., & Stetina, B.
U. (2013). An online self-administered social skills training for
young adults: Results from a pilot study. Computers & Education,
217-224.
 Stangier, U., & Frydric, T. (2002). Soziale Phobie und Soziale
Angststörung. Göttingen: Hogrefe.
 http://www.bmg.bund.de/glossarbegriffe/p-q/praevention.html
41
Herzlichen Dank
42

Seminar Gesundheitspsychologie 2014: Präsentation von Gruppe 7

  • 1.
    Prävention sozialer Ängste Resilienz undVorstellung eines evidenzbasierten Präventionsprogramms zur Prävention sozialer Ängste Gesundheitspsychologie WS 2014/15 Leitung: Mag. Dr. Mario Lehenbauer-Baum Mareike Scharf, Julia Strobach, Stefanie Zimmermann
  • 2.
    Wie kann dieAbgrenzung zwischen Schüchternheit und sozialer Angst vorgenommen werden? 2
  • 3.
    Inhalt  Übungen  Grundbegriffe Klassifikation nach ICD-10 und DSM  Abgrenzung Schüchternheit, soziale Angst, selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeitsstörung  Entwicklungsmodelle  Eckpfeiler von Behandlung sozialer Ängste  Studie I  Übung  Studie II   Vor- und Nachteile  Übung  Diskussion 3
  • 4.
    Grundbegriffe ad Prävention, Resilienz Unterschiedliche Maßnahmen zur Vorbeugung und Verhinderung von unerwünschten psychischen oder physischen Zuständen.  Aufgabe: Veränderung und Abschwächung von Risikoverhalten und intrapersonalen Risikofaktoren sowie Eliminierung und Milderung von Risikofaktoren in der physikalischen Umwelt  Ziel: Senken der Inzidenz 4
  • 5.
    Systematisierung von Prävention nachdem zeitlichen Aspekt  Primäre Prävention  Sekundäre Prävention  Tertiäre Prävention  Quartäre Prävention 5
  • 6.
    Präventionsmethoden  Aufklärung/Psychoedukation  Beratung Training  Umgebungsbezogene Intervention  Krisenintervention 6
  • 7.
    Resilienz  Psychische Widerstandsfähigkeit, Gegenteilder Vulnerabilität  Fähigkeit, Krisen zu bewältigen durch  Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelnde Ressourcen.  Klassifikationen: Soziale Phobie 7
  • 8.
    ICD-10 Neurotische, Belastungs- undsomatoforme Störungen (F4)  phobische Störungen (F40)  soziale Phobie (F40.1) Symptome:  Furcht vor prüfender Beobachtung durch andere Menschen  Vermeidung sozialer Situationen  niedriger Selbstwert  Furcht vor Kritik Körperliche Symptome wie z.B.:  Erröten  Zittern  Übelkeit 8
  • 9.
    Diagnosekriterien ICD-10  Min.2 der allgemeinen Angstsymptome in gefürchteten Situationen, min. einmal seit Auftreten der Störung + min. eines der folgenden Symptome: ◦ Erröten ◦ Zittern ◦ Angst, zu erbrechen ◦ Angst vor Miktations- bzw. Defäkationsdrang 9
  • 10.
    DSM-IV Achse 1: klinischeStörungen (und andere klin. relevante Probleme)  Angststörungen  soziale Phobie (300.23) Symptome:  Angst vor einer oder mehreren sozialen oder Leistungssituationen  Angst vor Konfrontation mit unbekannten Personen  Angst vor Beurteilung durch diese Personen  Angst davor, ein Verhalten (oder Angstsymptome) zu zeigen, welches peinlich oder demütigend sein könnte  Vermeidung dieser Situationen  Oder: Ertragen dieser Situationen unter intensiver Angst 10
  • 11.
    DSM-V  Differenziert wirdzwischen zwei Typen sozialer Phobie:  Generalisierter Typus: umfasst min. 3 angstbesetzte Situationen  Nicht generalisierter Typus: umfasst nicht mehr als zwei angstbesetzte Situationen  Abgrenzung zur Schüchternheit und zur selbstunsicher-vermeidenden Persönlichkeitsstörung 11
  • 12.
    Schüchternheit  Allgemein Verhaltenszuschreibungfür Menschen, die als scheu, zurückhaltend, ängstlich und gehemmt gelten  Es besteht eine unterschwellige Angst vor Ablehnung  Bisher besteht keine einheitliche Definition 12
  • 13.
    Schüchternheit  Allerdings bestehtbeim Vorliegen von Schüchternheit ein höheres Maß an Lebensqualität, als im Falle einer sozialer Phobie  Personen mit sozialer Phobie berichten weiterhin über mehr soziale Ängste, als schüchterne Personen  Der Übergang zwischen Schüchternheit und sozialer Phobie kann als fließend angesehen werden  Bspw.: Wenn die Schüchternheit beginnt, den Alltag der betroffenen Person ernsthaft einzuschränken 13
  • 14.
    Die selbstunsicher –vermeidende Persönlichkeitsstörung  Starke Überlappung diagnostischer Kriterien im DSM-4  Verschiedene Studien ergaben im Durchschnitt eine Komorbidität von 56%  Ist eine kategoriale Unterscheidung basierend auf qualitativen Merkmalen überhaupt sinnvoll? 14
  • 15.
    Die selbstunsicher –vermeidende Persönlichkeitsstörung  Insgesamt lassen sich wenige Hinweise auf qualitative Hinweise zwischen den generalisierten und nicht generalisierten Typen der sozialen Phobie und der selbstunsicher-vermeidenden Persönlichkeitsstörung feststellen  Sinnvoller: verschiedene Störungen als Kontinuum unterschiedlicher Ausprägungen sozialer Angst  Unterschiede eher quantitativ 15
  • 16.
    Die selbstunsicher –vermeidende Persönlichkeitsstörung  Unterschiede eher quantitativ  Präventive Maßnahmen könnten in diesem Fall einen Verlauf von Schüchternheit in Richtung einer sozialen Phobie verhindern. 16
  • 17.
  • 18.
    Prävalenz  Die Sozialphobiehat einen frühen Beginn, vor dem 18. Lebensjahr  Erste soziale Ängste im Kleinkindalter erkennbar  Ab 4. Lebensjahr Selbstwahrnehmung als soziales Objekt  Pubertät: Bewertung durch eine soziale Gruppe  Müller (2009): ◦ Prävalenz der Sozialphobie bis 27% ◦ Prävalenz von Schüchternheit bei 24-35% ◦ Im Kindesalter kein Geschlechtsunterschied ◦ Ab Pubertät häufiger Mädchen 18
  • 19.
    Verlauf  Meist chronischmit 20-30 Jahren Dauer  Spontanremission bei 11-17%  Jugendliche: vorübergehende Remission  Ab 24 Jahren stabil  Problem: Folgen für Berufs- und Privatleben, späte Entwicklung sozialer Kompetenzen, hohe Kosten für Krankenstand und erhöhte Arbeitslosenquote 19
  • 20.
     Die Sozialphobieist in einem bio-psycho- sozialen Modell verankert  „Goldstandard“: Das kognitiv- lerntheoretische Modell  Dysfunktionale negative Schemata: ◦ kritischen Erziehungsstil ◦ Entwicklungsübergänge (Pubertät)  Habituation  Disposition  maladaptive Kognitionen  Aufrechterhaltung Vermeidungsverhalten 20 Entstehungsmodelle sozialer Ängste
  • 21.
    Entstehungsmodelle sozialer Ängste KognitivesModell der Sozialphobie (Stangier, Clark & Ehlers, 2006) 21
  • 22.
    Entstehungsmodelle sozialer Ängste LerntheoretischesModell  Fehlende Rollenmodelle und Verstärkung  Annahme: ◦ Verzerrte Wahrnehmung in Leistungssituationen ◦ Defizit sozialer Kompetenzen in Interaktionen  Beide Ansätze in der Intervention 22
  • 23.
    Entstehungsmodelle sozialer Ängste BiologischeAnsätze  „Preparedness“ Theorie (Seligman) ◦ Ängste sind biologisch sinnvoll ◦ Soziale Ängste im Jugendalter als wichtige Funktion  Genetische Disposition ◦ Sozial gehemmtes Verhalten im Kleinkindalter ◦ Übererregbarkeit der Amygdala 23
  • 24.
    Behandlungsansätze  Soziales Kompetenztrainingbegleitend zu kognitiven Verfahren  Oft zusätzliche Medikation mit SSRI, NARI, MAO-Hemmer  symptomatische Verbesserung  Kognitiv-lerntheoretisches Therapieprogramm (Clark & Wells) ◦ Änderung des Sicherheitsverhaltens ◦ Aufmerksamkeit nach außen richten ◦ Realistische Selbstwahrnehmung in sozialen Situationen ◦ Negative Kognitionen hinterfragen ◦ Psychoedukation ◦ Kognitive Umstrukturierung ◦ Entspannungsverfahren vor allem bei Jugendlichen  Onlinebasierte Interventionen ◦ Idee: häufiger Internetgebrauch bei sozialen Ängsten ◦ Gesundheitsfördernde Maßnahmen schnell verbreiten ◦ Ethische Aspekte bedenken Vergleich eines offline und online Selbstsicherheitstrainings: Durch Vermittlung sozialer Kompetenzen und Emotionsregulationsstrategien Resilienz fördern und der Entstehung sozialer Ängste primär-präventiv entgegenwirken 24
  • 25.
  • 26.
    Selbstsicherheitstraining  Zielgruppe: sozialphobischeund schüchterne Jugendliche und junge Erwachsene  WS 08/09 an Schulen  3 Testzeitpunkte  Ziel: Entwicklung & Evaluation von Training zur Förderung von Resilienz & Prävention sozialer Ängste  Förderung von: ◦ Resilienz  Vermittlung sozialer Kompetenzen ◦ Emotionsregulations- und Stressmanagementstrategien ◦ Bearbeitung vorhandener sozialer Ängste 26
  • 27.
    Selbstsicherheitstraining  1) Block(1. – 6. Einheit) ◦ Psychoedukation ◦ Maladaptive Kognitionen ◦ Kognitive Umstrukturierung  2) Block (7. – 12. Einheit) ◦ Training sozialer ◦ Kompetenzen  3) Block (13. – 14. Einheit) ◦ Rückfallprävention ◦ Verabschiedung 27
  • 28.
    Verfahren  SPIN (SocialPhobia Inventory) Soziale Ängste, 17 Items, 5- stufige Skala  LSAS (Liebowitz Social Anxiety Scale) Fremdbeurteilungs- und Selbstbeurteilungsverfahren, 7 Subskalen  FSKN (Frankfurter Selbstkonzeptskalen) Beurteilung sozialer Kompetenz, 78 Items, 6-stufige Skala  SEE (Skalen zum Erleben von Emotionen) Um Effekte des Selbstsicherheitstrainings hinsichtlich der Emotionsregulation zu erfassen, 42 Items, 5-stufige Skala  ROPELOC (Review of personal effectiveness in life and locus of control) Einschätzung des Erfolgs in Leben und Kontrolle über eigenes Leben, 14 Subskalen 28
  • 29.
    Strichprobe  Keine zufälligeEinteilung in Gruppen  330 Gesamtstichprobe (n), endgültig ◦ 177 = Kontrollgruppe ◦ 153 = Versuchsgruppe  Gesamt ◦ ♀ = 258 ◦ ♂ = 72  Alter 13-19 Jahre 29
  • 30.
    Ergebnisse – Korrelationen Förderung sozialer Kompetenzen  Abnahme sozialer Ängste  Erleben von Emotionsregulation, -kontrolle & Akzeptanz eigener Emotionen  Reduktion sozialer Ängste  Anstieg sozialer Ängste  Emotionsüberflutung, Mangel an pos. Emotionen & neg. körperliche Wahrnehmung  Je höher soziale Ängste  desto geringer Selbstwirksamkeit  11 Bereiche  Prävention sozialer Ängste 30
  • 31.
    Ergebnisse – sozialeÄngste  Selbstsicherheitstraining wirkt sich auf soziale Ängste aus  Keine Veränderung  Kontrollgruppe  Deutliche Veränderung zwischen erstem und drittem Zeitpunkt  Versuchsgruppe ◦ 30.7% - Sozialphobiker, 1. Tz. ◦ 13.9% - Sozialphobiker, 2. Tz. (nach Training) 31
  • 32.
    Ergebnisse - gesamt Sehr effektiv in Behandlung sozialer Ängste  Versuchsgruppe (mit Sozialphobie)  um die Hälfte weniger  Kontrollgruppe  keine Effekte  Wenige altersbezogene Unterschiede  Keine geschlechtsbezogenen Unterschiede  Faktoren nach 4 Monaten noch stabil  Stärkung von Faktoren in Relation zu Resilienz (Selbstwirksamkeit, Emotionsregulation, internale Kontrollüberzeugung, soziale Kompetenzen)  insgesamt gelungener Ausgang 32
  • 33.
  • 34.
    Online Selbstsicherheitstraining  Inhaltesind deckungsgleich mit dem Offline Selbstsicherheitstraining  Zugang über persönlichen passwortgeschützten Bereich  Das Training besteht aus 14 Einheiten:  1. Auswahl eines Avatars und eines Programmbegleiters  2. Psychoedukation und Einführung in soziale Ängste  3. Teufelskreis Angst, Arbeitsblätter zu Selbstbeobachtung  4.-6. Negative Automatische Gedanken  7. Merkmale von Verhaltensweisen  8.-12. Grundlagen sozialer Kompetenzen- Comics, Audio  13.-14. Wiederholung und Vertiefung, Verabschiedung der Avatare 34
  • 35.
    Probandenauswahl  Da sozialeÄngste im Jugendalter auftreten, vorwiegend junge Erwachsene  Studenten aus dem Bachelorstudiengang Psychologie  108 Teilnehmer, (15 männlich, 91 weiblich) 35
  • 36.
    Ergebnisse des OnlineTrainings  Offline Selbstsicherheitstraining ergab eine hoch signifikante Verringerung sozialer Ängste  Bestätigung des Interventionsmodells nach Clark und WellsReduktion sozialer Ängste ◦ Versuchsgruppe ändert sich von 44,26% Sozialphobie auf 28%  Angst und Vermeidungsverhalten wurde reduziert  Anschließende soziale Interaktionen wurden besser bewältigt  Bezüglich der Resilienz schätzen sich die Teilnehmer selbstsicherer ein  Fühlen sich weniger verletzbar und besser gestimmt  Bessere Emotionsregulation durch Ressourcenaktivierung 36
  • 37.
    Fazit  Kaum Unterschiedezwischen Offline und Online Training  Effektivität war in beiden Fällen gegeben  Resilienz konnte in ähnlichem Ausmaß gefördert werden  Kognitiv-lerntheoretisches Modell (Clark und Wells, 1995) bestätigt 37
  • 38.
  • 39.
  • 40.
    Diskussion  Familie, Freundemit sozialer Angst  Welche Methode würdet ihr empfehlen/später selbst anwenden? (offline oder online)  Was hat sich verändert? (Erkenntnisspeicher)  Erfahrungen mit sozialen Ängsten 40
  • 41.
    Literatur  Lehenbauer, M.(2012). Primäre Prävention sozialer Ängste: Förderung von Resilienz mit Hilfe evidenzbasierter Offline- und Online-Interventionen. Universität Wien: Dissertation.  Lehenbauer, M., Kothgassner, O. D., Kryspin-Exner, I., & Stetina, B. U. (2013). An online self-administered social skills training for young adults: Results from a pilot study. Computers & Education, 217-224.  Stangier, U., & Frydric, T. (2002). Soziale Phobie und Soziale Angststörung. Göttingen: Hogrefe.  http://www.bmg.bund.de/glossarbegriffe/p-q/praevention.html 41
  • 42.